Cover

Leseprobe

 

 

 

 

Schneebälle ins Herz

 

 

Liebesroman

 

Karin Lindberg

 

 

Lektorat: Dorothea Kenneweg

Korrektorat: Dr. Andreas Fischer

Covergestaltung: Olga Hopfauf

Herz: Pixabay

Copyright © Karin Lindberg 2018

Erstausgabe Oktober 2018

 

www.karinlindberg.info

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Alle Rechte vorbehalten.

Jede Verwertung oder Vervielfältigung dieses Buches – auch auszugsweise – sowie die Übersetzung dieses Werkes ist nur mit schriftlicher Genehmigung der Autorin gestattet. Handlungen und Personen im Roman sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

 

Weitere Informationen unter www.karinlindberg.info

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Inhaltsverzeichnis

Prolog

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Epilog

Rezepte

Danksagung

 

 

Prolog

 

 

Schon nach der ersten Woche wusste Konstantin, dass er hier nicht bleiben wollte – oder konnte. Vermutlich beides.

»Hast du dir schon überlegt, was du als Nächstes vorhast?«, riss ihn die Stimme seiner Mutter aus seinen Grübeleien.

Er versuchte, ruhig zu bleiben, und atmete tief durch. »Ich bin doch eben erst aus Afrika zurückgekehrt. Wenn ich ehrlich bin, dann hatte ich vor, ein, zwei Wochen Urlaub zu machen, ehe ich mich entscheide.«

»Das heißt, du willst wieder weg?« Die perfekt gezupften Augenbrauen seiner Mutter schnellten in die Höhe.

Ihm war ganz klar, was dieser Blick bedeutete. Sie hatte auch nach Jahren nicht begriffen, dass seine Arbeit bei »Ärzte ohne Grenzen« alles andere als ein Spaziergang war, er sie aber für äußerst wichtig hielt und es liebte, den Ärmsten zu helfen und seine Fähigkeiten sinnvoll einzusetzen. Dennoch brauchte er eine Veränderung, denn die einzelnen Schicksale gingen ihm oft sehr nahe. Seit einiger Zeit spielte er daher mit dem Gedanken, sich eine Pause zu gönnen. Allerdings zweifelte er just in diesem Moment sehr stark daran, ob es so eine gute Idee war, diese in München einzulegen. Wenn er nicht mal ein paar Tage in der Nähe seiner Familie aushalten konnte, ohne am Rande eines Nervenzusammenbruchs zu landen, war es das vermutlich nicht.

»Weißt du, dein Papa könnte etwas Hilfe in der Praxis gut gebrauchen«, fuhr sie unbeirrt fort, als ob er das nicht schon tausendmal gehört hätte.

»Ich glaube, er hat das alles ganz gut im Griff«, presste Konstantin hervor und vergrub seine Hände in den Hosentaschen, damit sie nicht mitbekam, wie er sie zu Fäusten ballte.

»Wir würden uns so freuen, wenn du endlich wieder nach Hause kämst.« Ihr Tonfall wurde milder.

Nach Hause. Es fühlte sich für ihn nicht wie Nachhausekommen an. Es glich eher einem Spießrutenlauf, denn bei jedem Gespräch musste er unangenehmen Fragen seiner Eltern ausweichen und sich unterschwellige Vorwürfe anhören. Nein, das war nicht das, was man sich gemeinhin unter einem gemütlichen Heim vorstellte. Er jedenfalls nicht.

»Ich bin doch jetzt da«, war deswegen alles, was er dazu sagte.

Seine Mutter zog eine Schnute. Konstantin fand, dass sie dafür definitiv zu alt war, aber den Gedanken behielt er für sich. In seinen Augen war Maren Waichinger eine verwöhnte, unzufriedene Frau mit bitteren Zügen. Es war unter ihrer Würde, in ihrem erlernten Beruf zu arbeiten, obwohl der Tag für sie zu viele Stunden hatte. Das Ergebnis war erschreckend. Die Räume waren perfekt durchorganisiert, jede Vase, jeder Stuhl, jedes Buch lag an genau der Stelle, die sie dafür vorgesehen hatte. Dadurch wirkte die Grünwalder Villa alles andere als gemütlich. Die Atmosphäre war steril und ohne Leben. Konstantin fröstelte, als er daran dachte, dass er, wenn es nach seinen Eltern ginge, länger hierbleiben sollte.

»Du weißt genau, was ich meine. Aber gut, vertagen wir das Gespräch, mein Junge. Ich habe jetzt noch einen Termin.«

»Wo gehst du hin?« Er konnte einen erleichterten Seufzer nicht unterdrücken, denn er fragte nur aus Höflichkeit. Im Grunde war er einfach froh, dass die Inquisition ein Ende haben würde – zumindest, bis sie wieder nach Hause kam.

»Pediküre, danach gehe ich noch auf den Viktualienmarkt. Brauchst du was?«

»Nein, danke, ich muss mich erst einmal wieder an das Leben in Deutschland gewöhnen.«

Maren Waichinger kommentierte seine Aussage mit einem strengen Blick, der ihm klarmachte, dass sie ihm von ganzem Herzen zustimmte. Allerdings meinten sie beide etwas vollkommen anderes.

»Bis nachher«, verabschiedete sie sich, griff sich Mantel, Designertasche und Autoschlüssel, ehe sie die schwere Haustür hinter sich ins Schloss zog.

»Mein Gott.« Konstantin fuhr sich mit der Hand über das Gesicht, dann ging er die zweiundzwanzig Stufen über die große, geschwungene Treppe hinauf in sein Zimmer. Sollte er hier bleiben, müsste er sich schnellstens eine eigene Wohnung suchen. Doch allein der Gedanke, sich in München häuslich niederzulassen, löste ein Grummeln in seiner Magengegend aus.

Konstantin trat hinter seinen Schreibtisch und schaute nachdenklich aus dem Fenster in den grauen Novembertag. Dunkle Wolken zogen über den Horizont, vermutlich würde es bald regnen. Auf dem Gehsteig lief eine Frau mit Kinderwagen am Haus vorbei. Den Kragen ihrer Jacke hatte sie nach oben geklappt, das Baby war dick eingepackt. Alles wirkte fremd auf ihn, obwohl er hier groß geworden war. Nach einer Weile wandte er sich ab.

Sein Blick fiel auf eine Visitenkarte, die ihm sein Sitznachbar im Flugzeug in die Hand gedrückt hatte. Das hatte er beinahe vergessen. Er griff danach und starrte auf die österreichische Handynummer. »Rufen Sie mich an«, hatte ihn Dr. Gruber mehrfach und sehr eindringlich gebeten, nachdem sie sich einige Stunden unterhalten hatten. Sie waren beide ausgebildete Mediziner, arbeiteten jedoch unter grundverschiedenen Rahmenbedingungen.

Gestern noch hatte er nur milde über seinen Vorschlag geschmunzelt. Keine zehn Pferde würden ihn dazu bringen, ausgerechnet in einem Skiort als Arzt zu arbeiten. Er hatte keine Lust auf die Wehwehchen der Reichen und Schönen, und Schnee mied er ebenfalls, wenn es möglich war. Heute sah die Sache schon ein wenig anders aus. Es war klar, dass er zwar dringend Abstand zu seinem emotional oft aufreibenden Job in unsicheren Gegenden brauchte, gleichzeitig aber auch definitiv mehr Distanz zwischen sich und seine Eltern bringen musste.

Konstantin war ausgebrannt und fühlte sich leer. Es war an der Zeit, etwas Neues zu wagen. Vielleicht war es gar nicht so übel, sich für eine Weile um Menschen zu kümmern, die nicht tagein, tagaus ums Überleben zu kämpfen hatten, während er überlegte, wo es ihn als Nächstes hinziehen würde. München war keine Alternative, das hatte er spätestens nach dem Gespräch mit seiner Mutter begriffen. Neutral betrachtet klang das Angebot des Kollegen Gruber auch gar nicht so übel, und fünf Monate waren eine überschaubare Zeit. Er würde ja im Ort bleiben und wäre nicht zum Skifahren dort. Es zwang ihn niemand, auf die Pisten hochzufahren. Ob er danach wieder nach Afrika ging oder etwas anderes machte, würde er im Anschluss entscheiden. Er war seit Jahren nicht mehr in den Bergen gewesen, obwohl er es früher geliebt hatte. Es hatte sich vieles verändert, seit das mit Tobias passiert war.

Vielleicht war es wirklich an der Zeit, sich endlich seinen Ängsten zu stellen. Es würde ihm sicher guttun, nicht mehr länger davonzulaufen. Dennoch beschlich ihn eine unangenehme Spannung, während er Für und Wider ein letztes Mal gegeneinander abwägte.

Konstantin gab sich einen Ruck, zog das Smartphone aus der Gesäßtasche seiner Jeans und wählte Dr. Grubers Handynummer. Sein Herz schlug schneller, als das Freizeichen ertönte.

 

 

 

Kapitel 1

 

 

Der erste Tag der neuen Saison war für Lissi Reisinger wie Weihnachten und Geburtstag zusammen. Glücklich zog sie den Reißverschluss ihres Anoraks bis zum Kinn und trat in die kühle Morgenluft des dritten Dezembers. Die Pisten waren perfekt präpariert, die Schnee- und Wetterverhältnisse genau richtig. Es hatte schon vor einigen Wochen zu schneien begonnen, sodass über zweihundert Pistenkilometer am Arlberg zur Verfügung standen. Sogar die Sonne blitzte heute Morgen durch ein paar Wolken hindurch. Es war wundervoll, dass sie endlich wieder das tun konnte, was sie am meisten liebte. Die Bretter, die die Welt bedeuteten, würde sie in Kürze wieder unter den Füßen haben, allerdings meinte sie damit nicht die Theaterbühne, sondern ihre Skier. Das Knie spürte sie nach wie vor an jedem einzelnen Tag, es würde nicht mehr so werden wie früher, aber immerhin konnte sie noch den Beruf als Skilehrerin ausüben.

Lissi schloss die Augen und atmete tief ein. Herrlich. Sie konnte es kaum erwarten.

Üblicherweise waren die ersten Tage der Saison eher ruhig, die meisten Gäste reisten zu den Weihnachtsferien an.

Lissi schulterte ihre Skier und ging hinunter zum Schlegelkopflift, wo sie ihre ersten Kunden erwartete. Hier und da entdeckte sie Bekannte und Freunde. Alle trugen die gleiche Skilehrerkluft und strahlten voller Vorfreude. Endlich ging es wieder los. Fieberhaft hatte man in den letzten Wochen alles für den Winter vorbereitet, jetzt war man froh, dass einer erfolgreichen Saison nichts mehr im Wege stand und der Wettergott ihnen traumhafte Schneeverhältnisse geschenkt hatte.

Zwar hatten viele Hotels und Pensionen auch im Sommer geöffnet, weil die Berge zum Wandern immer beliebter wurden, dennoch wurde in dem kleinen Skiort Lech am Arlberg im Winter immer noch das Hauptgeschäft gemacht.

Zufrieden lächelnd marschierte Lissi weiter, es war wie erwartet noch nicht viel los, aber das würde sich bald ändern.

Gestern hatten die Skilehrer sich zum Abendessen getroffen, um sich auf den ersten Arbeitstag einzustimmen. Lissi war nicht lange geblieben, heute war sie froh, dass sie ausgeschlafen und frisch war. Das geht nicht allen so, dachte sie amüsiert, als sie in ein paar müde Gesichter blickte, die sich schon am Schlegelkopflift tummelten.

»Hey, guten Morgen«, rief sie und winkte Lukas und Sabrina zu, die beide ungefähr in ihrem Alter waren und ebenfalls als Skilehrer arbeiteten. Sie unterhielten sich angeregt. Als Lukas Lissi entdeckte, leuchteten seine Augen.

»Hallo Lissi«, grüßte er und vergaß ganz offensichtlich, was er hatte sagen wollen. Sabrina zwinkerte ihr zu, sie wusste ebenso wie sie, dass Lukas bis über beide Ohren in Lissi verknallt war. Leider war es eine einseitige Sache, denn obwohl er ein echt netter Kerl war, brachte sie ihm nur freundschaftliche Gefühle entgegen. Er hatte ihr seine Verliebtheit zwar noch nie offen gestanden, aber sogar ein Blinder mit Krückstock bekam mit, dass er mehr von ihr wollte.

»Wie sieht es bei euch aus? Was steht an?«, fragte sie die beiden und legte ihre Skier in den festgetretenen Schnee vor der kleinen Holzhütte, die als Treffpunkt fungierte.

Sabrina seufzte. »Ich habe gleich eine Gruppe aus Asien. Ich hoffe, keiner bricht sich den Hals. Ich werde also den ganzen Tag am Babylift zu finden sein.« Sie verdrehte die Augen und grinste. »Ich meine nur, falls mich jemand sucht.«

Sabrina kam nicht aus Lech, es war aber bereits ihr dritter Winter, in dem sie hier für die Skischule arbeitete. Eigentlich stammte sie aus Wien und verdingte sich dort als freie Texterin. Sie brauchte die Abwechslung, um im Kopf frisch zu bleiben, gab sie als Antwort, wenn man sie nach den Gründen fragte, warum sie ihre Zeit damit verbrachte, fremden Leuten das Skifahren beizubringen, anstatt witzige Slogans zu erfinden.

»Und du, Lissi?«, erkundigte Lukas sich hoffnungsvoll.

»Ich habe ein Ehepaar aus Amerika.«

»Ach, für dich ist das doch kein Problem, du bist doch so gut in Englisch.«

Sie zuckte die Schultern. »Ist doch nichts Besonderes.«

Sabrina knuffte sie in die Seite. »Du bist so eine Tiefstaplerin, unglaublich. Du warst doch schon oft drüben.«

»Ich habe ja nicht gesagt, dass ich kein Wort verstehe«, verteidigte sie sich lachend. »So, ich muss. Die beiden da hinten sehen mir sehr nach meiner Kundschaft aus. Habt einen guten Tag.«

»Lissi«, rief Lukas ihr hinterher.

»Ja?« Sie drehte sich noch einmal um.

»Vielleicht sehen wir uns ja nachher noch?« Er lief tiefrot an.

»Klar«, gab sie ausweichend zurück. »Bis dann.«

Das schlechte Gewissen nagte an ihr. Sie musste ihm endlich sagen, dass aus ihnen nie etwas werden würde. Sie kannten sich einfach zu lange. Sie hatten ja sogar die Schulbank zusammen gedrückt. Was willst du eigentlich?, fragte ein Stimmchen in ihrem Kopf. Er ist nett, ehrlich und wäre keine üble Partie. Aber ihr Herz machte keinen Hüpfer, wenn sie an Lukas dachte. In ihrem Magen kribbelte es nicht. Sie war einfach nicht in ihn verliebt. Und sie wusste genau, wie sich das anfühlte. Sie hatte aber auch nicht vergessen, wie es sich anfühlte, verlassen zu werden. Und das wollte sie nie wieder erleben.

Lissi schluckte und schob die trüben Gedanken beiseite, ehe sie sich an das Ehepaar wandte und sich vorstellte. Sie hatte keine Zeit, um über ihr nicht vorhandenes Liebesleben nachzudenken, und sie wollte auch nicht daran erinnert werden, dass sie an langen Abenden einsam war.

 

Kurz nach sechzehn Uhr machte sie sich zufrieden auf den Nachhauseweg. Die Dämmerung hatte bereits eingesetzt, die Häuser und Straßen waren weihnachtlich beleuchtet. Die Luft war klirrend kalt. Mit einem Wort, es war traumhaft. Lissi schulterte ihre Skier und marschierte los. Plötzlich heulte ein Motor hinter ihr auf. Sie schaffte es eben noch, zur Seite zu springen. Dabei rutschte sie mit ihren Skischuhen auf einer Eisplatte weg. Sie ruderte mit dem freien Arm und konnte sich gerade noch fangen, ehe sie in voller Länge auf den Boden aufgeschlagen wäre. Ihr Herz klopfte wild.

»Vollidiot«, schimpfte sie und schaute dem weißen Geländewagen verärgert hinterher. »Klar, Münchener Kennzeichen. Die Schickeria tut ja generell so, als ob ihnen die Welt gehörte.« Lissi schnaubte und setzte dann ihren Weg nach Hause fort. Dabei war ihr Tag bis dahin wirklich toll gewesen. Das amerikanische Pärchen war super entspannt und gut in Form, daher hatten sie viele Pistenkilometer hinter sich bringen können. Lissi spürte es in den Oberschenkeln, vor allem aber im rechten Knie, das nach drei Kreuzbandoperationen immer noch ihre Schwachstelle war und vermutlich auch immer bleiben würde.

»Hey Lissi«, hörte sie eine weibliche Stimme hinter sich. »Wie war dein Tag?«

Sie blieb stehen und drehte sich um. »Ah, Sabrina. Bis eben gut. Hast du den Idioten gesehen, der mich fast umgefahren hat?«

»Ja, habe ich.« Sie schüttelte den Kopf. »Was macht dich so sicher, dass es ein Mann war?«

»Nur Menschen mit zu viel Testosteron fahren so bescheuert Auto.«

Sabrina kicherte. »Na, wenn du es sagst. Sag mal, hast du Lust, nachher noch was mit uns trinken zu gehen?«

Lissi zögerte. »Ich würde ja gerne«, gab sie ausweichend zurück. »Aber bis ich zu Hause fertig bin … Nee, ich glaube, heute nicht.«

»Ach, komm. So viel kann doch noch nicht los sein. Wir müssen die paar Tage bis zu den Weihnachtsferien noch ausnutzen.«

»Morgen«, versprach sie.

»Na gut. Aber da nehme ich dich beim Wort und lasse keine Ausreden mehr gelten.«

»Sicher. Ich habe doch gesagt, dass ich morgen mitkomme. Also, dann euch erst mal einen schönen Abend. Ciao.« Lissi bog nach rechts ab, wo der Weg zur Pension ihrer Eltern führte, in der sie auch lebte. Sie hatte sich nach der Trennung noch nicht die Mühe gemacht, sich nach einer eigenen Wohnung umzusehen. Bis vor anderthalb Jahren war sie ohnehin nur selten zu Hause gewesen. Und jetzt war es bequem für sie, sie war ja sowieso jeden Tag dort, um zu helfen.

Nach ein paar Minuten erreichte sie die Pension »Schneeglöckchen«. Zu ihrer Überraschung stand der weiße BMW, mit dem sie vorhin beinahe auf Tuchfühlung gegangen wäre, auf dem Parkplatz. Der Kofferraum war offen.

Na super, dachte sie. Der Idiot muss natürlich auch gerade bei uns gebucht haben. Sie verdrehte die Augen und stellte sich einen gestriegelten Kerl vor, dessen Ego mindestens so aufgeblasen war wie sein Bankkonto. Genau der Typ Mann, der sie überhaupt nicht interessierte.

Vor dem Eingang hob sie ihre Skier von den Schultern. In diesem Moment ging die Tür auf, und ein Mann kam heraus. Es musste der Fahrer des Geländewagens sein, wobei er ganz anders aussah als in ihrer Vorstellung. Er trug einen einfachen grauen Wollpullover und ausgewaschene Jeans. Und seine Haare waren alles andere als gestriegelt, obwohl sie kurz waren, standen sie in alle Richtungen ab. Dazu pfiff er gut gelaunt vor sich hin. Er war so in Gedanken, dass er sie beinahe umgerannt hätte, wenn sie nicht hastig Platz gemacht hätte. »Hey«, rief sie. »Haben Sie keine Augen im Kopf?«

Ihr war klar, dass ihr Tonfall sehr verärgert klang. Wenn er wirklich ein Gast war, sollte sie ihren Unmut runterschlucken und so tun, als ob nichts wäre. Leider war sie eine miserable Schauspielerin, und nur, weil er ein Kunde war, musste sie sich noch lange nicht alles gefallen lassen.

»Oh, Entschuldigung«, gab er zurück und blieb stehen. Lissi nahm sich einen Moment und musterte ihn in Ruhe. Er hatte kantige Gesichtszüge, die Wangen waren unrasiert, am bemerkenswertesten fand sie jedoch den eindringlichen Blick aus seinen blauen Augen. Ihr entgingen auch die hauchfeinen Lachfältchen darum nicht. Ja, er war attraktiv, das war nicht zu leugnen. Aber er war ganz augenscheinlich auch sehr von sich überzeugt. Und dieser von sich überzeugte Kerl sah sie gerade an, als ob sie die einzige Person auf Erden wäre.

Lissi spürte Hitze in sich aufsteigen, es war ihr unangenehm, so ungeniert begutachtet zu werden. Aber hatte sie nicht eben genau das Gleiche getan? Verlegen trat sie von einem Fuß auf den anderen, was in den Skischuhen vermutlich reichlich dämlich aussah. Sie ärgerte sich, dass sie so unbeholfen reagierte. Diesen Ärger ließ sie direkt an ihm aus. »Ihnen ist schon klar, dass Sie mich eben um ein Haar umgefahren hätten? Haben Sie den Führerschein vielleicht im Lotto gewonnen?«

Die Mundwinkel um seine sinnlichen Lippen zuckten, und eine Augenbraue schnellte in die Höhe, als könnte er nicht fassen, was sie da eben von sich gegeben hatte. Wenn Lissi ehrlich zu sich war, dann konnte sie selbst nicht glauben, dass sie einen Gast dermaßen herunterputzte. Egal, versuchte sie sich und ihren rasenden Herzschlag zu beruhigen. In spätestens einer Woche war der Kerl wieder weg, und kein Hahn krähte mehr danach, ob sie ein wenig übertrieben auf seinen ungehobelten Fahrstil reagiert hatte.

 

Konstantin konnte ein Schmunzeln nicht unterdrücken. »Leider muss ich Ihnen sagen, dass ich noch nie im Lotto gewonnen habe.«

Er sah, wie sich ihr Mund öffnete und dann wieder schloss. Ihre grünen Augen sprühten Funken. Unter ihrem schwarzen Helm blitzten haselnussbraune Locken hervor, die verspiegelte Skibrille hatte sie nach oben geschoben. Sie trug eine blaue Jacke mit dem Logo des Skiclubs und einem anderen, das er nicht kannte. Er hatte schon einige mit dem gleichen Outfit gesehen und schlussfolgerte daraus, dass sie in Lech als Skilehrerin arbeiten musste.

Er spürte, dass der Spaß bei ihr langsam aufhörte, deswegen sagte er ernst: »Es ist ja nichts passiert. Also, was auch immer ich verbrochen habe, es tut mir leid.«

Sie atmete scharf ein, als ob sie überlegte, was sie ihm jetzt noch an den Kopf werfen könnte. Zu seiner Überraschung kam keine Unmutsäußerung. Sie straffte sich und fuhr in einem sehr gefassten Ton fort, der doch ein wenig bemüht, aber sehr höflich, klang. »Klar. Ich lebe noch. Also Schwamm drüber. Ich wünsche Ihnen einen schönen Aufenthalt.« Sie nickte ihm zu, trug dann ihre Skier hinein und verschwand aus seinem Sichtfeld.

Er sah der jungen Frau eine Weile hinterher und überlegte, ob ihm noch mehr seltsame Begegnungen dieser Art bevorstanden. Irgendwann wurde ihm bewusst, dass er sich nur mit einem Pulli bekleidet bei minus zehn Grad in der Kälte aufhielt und vermutlich ziemlich blöd aus der Wäsche schaute. Außerdem hatte er keine Lust, sich gleich am ersten Tag eine Grippe zu holen, deswegen räumte er seine letzten Habseligkeiten aus und brachte sie auf sein Zimmer im dritten Stock. Er war sich noch immer nicht sicher, ob er das Richtige tat, aber nun war er hier, also würde er es auch durchziehen. So schlimm konnte es schon nicht werden, und der erste Arbeitstag war ganz okay gewesen, eigentlich sogar ganz entspannt, was vermutlich daran lag, dass bisher nur wenige Gäste im Ort waren. Er konnte sich also in Ruhe eingewöhnen, ehe es dann zu Weihnachten brechend voll wurde. Seine Arbeitszeiten waren perfekt, denn gerade an den Feiertagen wollte er unbedingt beschäftigt sein. Diese Tage waren immer die schlimmsten, das war ursprünglich auch einer der Gründe gewesen, warum er überhaupt nach Afrika gegangen war. Er hatte dort ein anderes Leben führen können, weit weg von allem, was ihn an seine Vergangenheit erinnerte. Aber davonlaufen konnte man nicht für immer, das hatte er endlich begriffen.

Er stieß einen resignierten Seufzer aus und begann damit, seine Sachen auszupacken. Groß war das Zimmer nicht, aber es reichte für ihn, obwohl die Einrichtung ihre besten Tage längst hinter sich hatte. Aber er wollte sich nicht beschweren, er war weitaus weniger komfortable Unterkünfte gewohnt. Hier hatte er alles, was er brauchte, ein Bett, ein Badezimmer, einen Schreibtisch, Kleiderschrank und sogar einen Fernseher. Wobei er letzteren wohl eher selten einschalten würde. Wenn er Lust auf Abwechslung hatte, konnte er genauso gut sein Netflix-Abo auf dem Notebook aktivieren. Nein, langweilen würde er sich wohl kaum, zumindest nicht, was das betraf. Ob er Frieden finden würde, stand auf einem anderen Blatt.

Eine gute Stunde später hatte er sich für seine Begriffe häuslich eingerichtet, außerdem knurrte sein Magen. Die nette Pensionsbetreiberin Johanna hatte ihm vorhin schon gesagt, dass es gegen sieben Abendessen geben werde, er aber, sofern er schon früher Hunger hatte, jederzeit in die Küche gehen und sich etwas holen könne.

Konstantin schlüpfte in ein Paar Pantoffeln, die ihm Johanna bei seinem Eintreffen in die Hand gedrückt hatte. »Die sind handgefilzt, die halten schön warm«, hatte sie gesagt, und er hatte schlecht ablehnen können. Eigentlich war er nicht der Typ, der in Hausschuhen herumlief, aber er wollte auch nicht unhöflich sein. Außerdem war er lange nicht mehr an einem Ort gewesen, wo es einen echten Winter gab, und mit seinen Straßenschuhen im Haus unterwegs zu sein, war auch unpassend. Also waren die Pantoffeln vielleicht gar keine so üble Idee.

Auf dem Weg nach unten begegnete er dem Hausherrn. »Guten Abend, Georg«, grüßte er.

»Ah, der Herr Doktor. Haben Sie sich schon bei uns eingelebt?« Er mochte den örtlichen Dialekt sehr gern. Ja, das war definitiv schon mal ein Pluspunkt.

»Aber sicher doch«, gab er freundlich zurück.

»Na wunderbar. Wir sehen uns dann ja noch.« Damit verschwand er hinter einer Tür, an der ein Schild mit der Aufschrift »Privat« hing. Er musste nicht Einstein sein, um zu verstehen, dass die Reisingers in der Pension ihre Wohnung hatten.

Im Gastraum war außer ihm noch niemand, er nahm Platz, griff nach der Tageszeitung, die in der Mitte des Tisches lag, und fing an, darin zu blättern. Aus der Küche drang Geschirrklappern an sein Ohr. Außerdem duftete es verführerisch. Vermutlich wurde hier deftig gekocht – gut, dass sein Magen sich mittlerweile wieder an das europäische Essen gewöhnt hatte.

»Oh, Herr Doktor«, hörte er Johannas Stimme und blickte auf.

»Ja, bin ich zu früh? Ich kann auch noch mal nach oben …«

»Nein, nein«, unterbrach sie ihn gut gelaunt. »Natürlich nicht. Hätte ich nur gewusst, dass Sie schon unten sind, hätte ich Ihnen schon mal den Salat gebracht.«

»Ach, kein Problem.« In dieser Sekunde knurrte sein Magen.

Johanna lachte. »Herrje, haben Sie heute überhaupt schon was gegessen?«

Er zögerte. Nein, außer dem Frühstück, das er in München in aller Herrgottsfrühe zu sich genommen hatte, hatte er wirklich nichts im Bauch. Im Laufe des Tages vergaß er oft zu essen, er war daran gewöhnt, dass es manchmal länger dauerte, bis er zu einer Mahlzeit kam.

»Na, dachte ich es mir doch. Sie müssen besser auf sich aufpassen, Herr Doktor«, sagte Johanna mit mütterlicher Strenge in der Stimme. »Sie sind ja sowieso schon so dünn.«

Konstantin lächelte. Er war mit seinen fünfundachtzig Kilo ganz zufrieden. Er mochte die Hausherrin, sie war herzlich, und ihr gut gemeinter Tadel störte ihn nicht. Im Gegenteil, er hätte sich gewünscht, dass seine Mutter mehr wäre wie sie. Wenn sie ihn rügte, standen immer unausgesprochene Vorwürfe im Raum. Beschuldigungen, von denen alle in der Familie wussten, doch niemand traute sich, sie ihm an den Kopf zu werfen. Konstantin schüttelte sich kaum merklich, er wollte jetzt nicht daran zurückdenken. Aber er kam nicht umhin, sich immer wieder damit konfrontiert zu sehen. Was hatte er sich nur dabei gedacht, für eine Saison in einem Skiort anzuheuern? Es war doch klar, dass ihn diese Umgebung nicht kaltlassen würde.

»Konstantin?«, riss ihn Johannas Stimme aus seinen Grübeleien.

»Ja?«

»Ich hatte gefragt, was Sie trinken möchten?«

»Eine Apfelschorle hätte ich gern.«

»Gut, die bringe ich Ihnen gleich. Und den Salat auch.«

»Danke Ihnen.«

Johanna drehte sich noch einmal um. »Ach, lass ma doch das dämliche ›Sie‹. Ich bin die Johanna und fertig. Du wohnst ja jetzt quasi bei uns.«

Konstantin stand auf und ging zum Tresen. »Gerne. Aber wenn das so ist, dann hole ich mir auch die Apfelschorle und mein Essen selbst. Ich muss wirklich nicht bedient werden.«

»Mah, wie schön. Endlich mal ein Bursche, dem man nicht alles hinterhertragen muss.« Sie kicherte. »Aber das ist schon in Ordnung. Bei so netten jungen Männern mach’ ich gerne einen Extraweg.«

 

Kapitel 2

 

 

Lissis Haare waren nass, sie stand in ein Handtuch gewickelt in ihrem Zimmer und telefonierte mit ihrer besten Freundin.

»Der Kerl ist so süß«, schwärmte Franzi.

Als ob gutes Aussehen für einen Mediziner ein wichtiges Kriterium wäre. Lissi verdrehte die Augen. »Kann er denn auch was?«

»Da kannst du Gift drauf nehmen.«

Lissi grinste. »Meinst du das buchstäblich, sodass er mich dann retten kann, um mir zu zeigen, was er drauf hat?«

»Du wieder. Wenn er nur ein halb so guter Doktor ist, wie er aussieht, dann wird er diesen Winter hier wirklich viele Leben retten.«

»Genau, Franzi. Ich glaube, du schaust zu viele Serien. Und das, obwohl du Arzthelferin bist.«

»Ha ha. Sehr witzig. Glaubst du, ich merke nicht, dass du dich über mich lustig machst?«

»Mache ich gar nicht.«

»Na, wie auch immer. Ich suche ja keinen Mann, ich bin glücklich verlobt. Dankeschön. Ich hatte da nur an dich gedacht.« Franzi klang ein wenig verschnupft, aber Lissi wusste, dass es nur gespielt war.

»Ich suche auch keinen.«

»Was auch immer. Ich wollte dir nur von meiner Neuentdeckung berichten.«

»Komm, sei nicht sauer, Franzi.«

»Bin ich nicht.«

»Klar, und mein Name ist Hase.«

»So, Hasi. Ich muss. Sepp kommt gleich nach Hause, und das Essen ist noch nicht fertig. Wann sehen wir uns eigentlich endlich mal wieder?«

»Bald«, versprach Lissi. »Komm doch einfach morgen Abend mit in die Schneggarai, da wollte ich mit Sabrina was trinken gehen.«

»Ja, ich schau mal, ob ich das schaffe.«

»Ganz schön anstrengend, so ein Fast-Eheleben, hm?«, scherzte Lissi.

»Nein, gar nicht. Du kommst schon auch noch auf den Geschmack. Bis ich heirate, hast du jemanden kennengelernt. Und dann werfe ich dir den Brautstrauß zu.«

Lissi hütete sich zu sagen, dass sie an einem Mann wie Sepp, der sich alles hinterhertragen und sich von vorne bis hinten bedienen ließ, kein Interesse hatte. »O Gott. Das klingt ja beinahe wie eine Drohung. Habt ihr die Hochzeit verschoben?«

»Na, komm, Süße. Mai ist noch lange hin. Ein halbes Jahr. Genug Zeit also, um dich zu verlieben.«

»Als ob ich während der Saison Zeit hätte, einen Mann kennenzulernen.«

»Hey, wenn nicht in der Saison, wann dann?«

»Du weißt genau, dass ich mit Gästen nichts anfange, außerdem reisen die auch irgendwann wieder ab. Ich bin hier zu Hause, und ich möchte auch nicht weg.«

Franzi seufzte. »Apropos weg. Du musst endlich mal über Stefan wegkommen.«

Nur seinen Namen zu hören, versetzte Lissi einen Stich. Dabei war es schon zwei Jahre her, dass sie sich getrennt hatten. Aber er hatte sie verlassen, als es ihr psychisch wegen ihres Karriereendes ohnehin schon so schlecht gegangen war, und hatte damit noch eins draufgesetzt. Das konnte sie ihm einfach nicht verzeihen. »Ich bin längst über ihn weg«, log sie.

»Klar.«

»Ach, Mensch. Hör auf.«

»Schon gut, schon gut. Ich sag’ nichts mehr.«

Für einen Moment herrschte Stille in der Leitung. »Hallo?«, fragte Lissi irgendwann. »Bist du noch dran?«

»Ja, bin ich.«

»Was ist denn noch?«

»Dann hast du also echt kein Interesse an dem Arzt?«

»Franzi!«, stöhnte sie. »Du bist ja bald schlimmer als meine Mutter, und die triezt mich schon dauernd, dass meine biologische Uhr immer lauter tickt.«

»Tja, dann brauch ich es ja wohl nicht mehr zu erwähnen.«

»Hat dir schon mal jemand verklickert, dass du eine unerträgliche Nervensäge bist?«

»Ja, du. Ständig. Aber im Ernst, statistisch gesehen …«

»Sag jetzt nichts Falsches«, unterbrach Lissi ihre Freundin. »Ich will nichts mehr darüber hören, und mit dem Arzt fange ich garantiert nichts an, also spar dir deine müden Verkupplungsversuche. Wir werden uns vermutlich die ganze Saison kein einziges Mal über den Weg laufen. Ich bin auf der Piste, und er arbeitet im Ärztehaus.«

»Okay.«

»Mehr hast du dazu nicht hinzuzufügen?«

»Nee. Eigentlich nicht.«

»Wieso bist du dann immer noch dran?« Lissi grinste. Das hatten sie früher schon immer so gemacht. Nach der Schule hatten sie stundenlang telefoniert, bis ihr Vater raufgekommen war und sie gezwungen hatte aufzulegen, damit sie nicht länger die Leitung belegte. Seit ihrer Kindheit hatte sich in der Hinsicht technisch zumindest vieles weiterentwickelt, mittlerweile konnten, wenn es sein musste, alle gleichzeitig telefonieren. Zum Glück hatte ihre Freundschaft alle Veränderungen unbeschadet überstanden. Sie mochten sich auch heute noch genauso gern wie früher. Franzi war jemand, auf den sie sich immer hundertprozentig verlassen konnte, egal was kam. Dafür war sie ihr dankbar. Mit dem Erfolg als Skirennläuferin waren auch ein paar falsche Freunde gekommen, glücklicherweise war sie – abgesehen von Stefan – auf niemanden reingefallen.

»Ich leg’ jetzt auf.«

»Du zuerst.«

»Ciao.«

»Ciao.«

Lissi ließ das Handy sinken und schlüpfte in ihre Kleidung. Dann machte sie sich auf den Weg nach unten. Es waren zwar noch nicht viele Gäste im Haus, aber sie wollte ihrer Mutter trotzdem zur Hand gehen.

Sie lief von der elterlichen Wohnung in die Küche der Pension und staunte nicht schlecht, als sie ihre Mutter und den Fahrer des BMW in eine Unterhaltung vertieft hinter dem Herd stehen sah. Er hatte einen Teller mit grünem Salat in der Hand und hielt mit der anderen eine Gabel. Er lehnte mit der Hüfte an der Arbeitsfläche und sah dabei verflucht attraktiv aus. Und, was sie noch mehr irritierte, beinahe so, als gehörte er zum Inventar. Irgendwas stimmte hier nicht. Wer war der Kerl, dass er sich aufführte, als wäre er Teil der Familie?

»Ah, da bist du ja«, säuselte ihre Mutter und rührte mit einem Kochlöffel die Suppe um. Ihre Wangen waren gerötet, ob vom Kochen oder der Unterhaltung war Lissi nicht klar.

Seltsam. Sehr seltsam.

»Äh, hallo?«, sagte Lissi, weil ihr nichts Besseres einfiel. Sie spürte den neugierigen Blick des gut aussehenden Rowdies auf sich.

»Hast du den Herrn Doktor schon kennengelernt?«, fragte ihre Mutter jetzt.

Lissis Knie wurden so weich wie Schokolade in der Sonne.

Dieser Typ war der neue Arzt?

Shit. Das bedeutete, dass er nicht in spätestens einer Woche wieder verschwunden sein würde. Dass er hier mit ihrer Mutter in der Küche stand und locker plauderte, konnte nur eins heißen. Ihr wurde flau im Magen.

»Hat er ein Zimmer bei uns?«, fragte sie schrill, wofür sie sich gerne eine Ohrfeige verpasst hätte.

»Er hat auch einen Namen«, mischte sich der Arzt mit einem amüsierten Lächeln ein. Seine Stimme hatte eine angenehm dunkle Klangfärbung. »Ich bin Konstantin.« Er stellte den Teller beiseite, wischte sich die Rechte an der Jeans ab und streckte sie ihr entgegen.

»Das ist meine Tochter Lissi«, klärte ihre Mutter ihn auf.

Lissis Kopf war wie leergefegt, dabei war sie sonst ein sehr schlagfertiger Mensch. »Freut mich«, brachte sie gerade noch so hervor.

»Ebenfalls.« Sein Händedruck war angenehm, fest und kraftvoll. Irritiert stellte sie fest, dass sie anfing zu schwitzen und ihr Herz schneller klopfte. Um ihren Puls in diese Höhen zu treiben, musste sie sonst eine ganze Piste in engen Slalomschwüngen hinunterfahren.

Hastig zog sie ihre Finger zurück und räusperte sich. »Wohnen Sie in unserer Pension?«

Gott. Eine dämlichere Frage hatte sie ja kaum stellen können. Wäre er sonst hier?

Sein überhebliches Grinsen zeigte ihr, dass ihm ihre Nervosität nicht verborgen geblieben war. Warum zum Teufel benahm sie sich in seiner Gegenwart wie eine Idiotin?

Ganz klar, es musste daran liegen, dass sie sich für ihr vorausgegangenes Verhalten schämte. Sie hätte ihn nicht so heftig anmotzen dürfen.

»Er hat das Zimmer im dritten Stock für die Saison gemietet«, hörte sie ihre Mutter sagen.

Für den ganzen Winter? Ihre ohnehin schon weichen Knie drohten nun vollends unter ihr nachzugeben. Um ihre Unsicherheit zu überspielen, nahm sie ein Glas aus dem Schrank und füllte es mit eiskaltem Leitungswasser.

»Dann bist du das auf den Bildern im Flur?«, hörte sie ihn hinter sich.

»Ja, das ist unsere Lissi. Sie war so erfolgreich, wir sind super stolz auf sie. Überall auf der Welt hat sie gewonnen!«, schwärmte ihre Mutter.

Wie immer, wenn ihre Karriere als Profisportlerin angesprochen wurde, spürte Lissi ein sehnsuchtsvolles Ziehen. Ja, es war richtig gewesen aufzuhören, ihr Körper hatte es ihr überdeutlich gezeigt. Aber sie hatte sich das Karriereende anders ausgemalt, sie hätte den Abgang vom Podest gern selbst geplant. Sie hatte mit einem Sieg aufhören wollen, nicht mit einem Flug im Rettungshubschrauber.

Lissi schluckte und rang sich ein Lächeln ab, ehe sie sich umdrehte. »Ja, die meisten Bilder sind von mir.«

»Und auch die zwei olympischen Goldmedaillen«, ergänzte Johanna Reisinger mit vor Stolz geschwellter Brust. »Kennst du dich ein bisschen im Skirennsport aus, Konstantin?«

Lissi entging nicht, dass sich die beiden duzten. So weit war es also schon. Wahnsinn. Dabei war er gerade erst angereist.

»Ski-Alpin? Nein, tut mir leid. Nicht wirklich.«

»Ach, das macht ja nichts«, sagte ihre Mutter jetzt und stellte Teller für die Suppe bereit. »Lissi, geh du doch mit Konstantin raus. Iss mit ihm, erzähl ihm ein bisschen über Lech. Er kennt sich hier gar nicht aus, hat er mir berichtet.«

Sie unterdrückte ein Augenrollen. Was ihre Mutter damit bezweckte, konnte sie sich gut vorstellen. Oder sie wollte einfach nur, dass ihre Tochter höflich zu dem neuen Gast war. Sie war sich nicht sicher. Ihre Mutter machte gerade nicht den Eindruck, als führte sie etwas wie einen Verkupplungsversuch im Schilde. Lissi wagte es, Konstantin einen verstohlenen Blick zuzuwerfen. Er war total entspannt, knabberte ein Salatblatt und wirkte beinahe schon amüsiert.

Hatte Mama doch etwas in der Richtung zu ihm gesagt? Überraschen würde es sie nicht.

Lissis Wangen brannten. Diese Unsicherheit war ungewohnt und störte sie immens. »Von mir aus«, brummte sie nur.

»Na«, tadelte Johanna Reisinger und schöpfte Nudelsuppe in zwei Teller. »Sei nicht ungezogen.«

Lissi hob eine Augenbraue, erwiderte aber nichts. Ihre Mutter hatte ja recht. Sie wusste selbst nicht, was mit ihr los war. »Dann kommen Sie, Konstantin.«

»Geh, Lissi. Du brauchst ihn doch nicht zu siezen.«

»Nein, wirklich nicht«, pflichtete Konstantin ihr bei.

Sie gab sich geschlagen. »Na schön. Dann komm, Konstantin. Wenn meine Mutter jemanden aus der Küche rauswirft, folgt man diesem Befehl besser gleich.«

»Und nach der Suppe gibt’s heute Wildgulasch mit Spätzle. Ich hoffe, ihr habt Hunger.«

 

Sieht so aus, als müsste ich mir hier bei all den üppigen Mahlzeiten ein Sportprogramm überlegen, um in Form zu bleiben, dachte Konstantin, während er Lissi in den Gastraum folgte. Der alte Holzboden knarzte unter seinen schweren Schritten. Über den runden Eichentischen hingen grüne Lampen. Es war mollig warm, so warm, dass er sich vornahm, morgen im Haus keinen dicken Wollpullover zu tragen. Kein Wunder, dass Lissi nur ein dünnes T-Shirt anhatte. Sie war groß, sicher über eins siebzig, hatte lange Beine und sehnige Arme. Und einen sehr knackigen Hintern, dessen Form er in der engen Jeans sehr gut erkennen konnte. Nicht überraschend, wenn sie mal Profisportlerin gewesen war. Das konnte noch nicht lange her sein. Schnell wandte er den Blick ab.

Sie stellte die Teller ab und drehte sich zu ihm. »Bitte. Setz dich. Einen Guten wünsche ich.«

»Danke.« Da Besteck schon eingedeckt war, blieb ihm nicht mehr, als ihr ebenfalls einen guten Appetit zu wünschen, bevor er anfing, seine Suppe zu löffeln.

»Köstlich«, lobte er.

»Danke. Meine Mutter ist eine sehr gute Köchin.«

»Schmeißt ihr den Laden hier ganz allein?«

»Wir haben ein Zimmermädchen, und für die Küche haben wir auch eine Hilfe, die kommt aber erst nächste Woche. Es ist ja momentan noch ruhig, da schaffen wir das auch so. Es sind ja nur achtzehn Zimmer.« Sie zögerte einen Augenblick.

»Was ist?«

»Wegen vorhin. Es, äh, es tut mir leid. Ich wollte nicht unhöflich sein. Aber es hat mich schon sehr erschreckt, als du mich mit deinem Geländewagen beinahe umgefahren hast.«

»Ach das. Jetzt verstehe ich.« Er ließ den Löffel sinken. »Das tut mir schrecklich leid. Mir war das Handy runtergefallen …«

»Jetzt sag mir nicht, dass du beim Autofahren Nachrichten schreibst?«

Er verzog seinen Mund. »Das wäre unverantwortlich, da hast du recht. Allerdings scheint es tatsächlich so, als ob ich einen Moment abgelenkt gewesen wäre …«

Lissi stöhnte und verdrehte die Augen. Sie war hinreißend, wenn sie sich aufregte. »Herr, wirf Hirn vom Himmel.«

Konstantin lachte. »Meinst du für mich?«

Sie schüttelte den Kopf, sagte jedoch nichts weiter dazu. Sie aßen einen Moment schweigend. »Und du warst also Skirennläuferin?«, fragte er irgendwann.

Lissi hielt inne und guckte ihn über den Rand ihres Suppentellers hinweg an. »Ja. War ich.«

Eigentlich hatte er mit einer etwas ausführlicheren Antwort gerechnet. »Warum hast du aufgehört?« Als er ihre Reaktion bemerkte, bereute er seine Frage sofort. Verdammt. Er hätte auch erst Google bemühen können. Ihrem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, hatte sie ihre Karriere nicht freiwillig beendet.

»Es war an der Zeit«, gab sie ausweichend zurück.

»Tut mir leid, ich wollte nicht neugierig sein. Ich dachte nur … wegen der Bilder an den Wänden und so.«

Sie tupfte sich den Mund mit ihrer Serviette ab. »Schon in Ordnung. Es ist ja kein Geheimnis. Nach dem dritten Kreuzbandriss in sechs Jahren ging’s einfach nicht mehr.«

Konstantin nickte. »Verstehe. Tut mir leid.«

»Und du? Was hat dich nach Lech verschlagen? Ich habe gesehen, du hast ein Münchner Kennzeichen, ich nehme an, das ist kein Mietwagen?«

Er verzog seine Lippen zu einem schmalen Lächeln. »Nein. Kein Mietwagen. Das Auto ist auf meine Eltern zugelassen.«

Sie runzelte die Stirn. »Echt?«

Er atmete kaum hörbar aus. »Ja, ich habe momentan keinen festen Wohnsitz. Da war es das Einfachste.«

Sie formte ein lautloses O mit ihrem sinnlichen Mund. Überhaupt war Lissi Reisinger sehr hübsch, ihre haselnussbraunen Locken umrahmten ihr herzförmiges Gesicht. Die Wangen waren gerötet und brachten ihre grünen Augen noch mehr zum Leuchten. In Skikluft war sie schon attraktiv gewesen, aber jetzt konnte er nicht anders, als sie immer wieder anzustarren. Es war seltsam, üblicherweise ließ er sich nicht von Äußerlichkeiten beeindrucken. Konstantin wandte den Blick ab und legte den Löffel beiseite. Er hatte keine Lust, sein Leben vor ihr auszubreiten. Sie offenbar auch nicht.

»Ja«, sie stand auf und räusperte sich. »Ich bringe mal die Teller weg und sehe nach, was der Hauptgang macht.«

»Puh, ich glaube, ich muss anfangen, auf meine Linie zu achten, wenn es jeden Tag mehrere Gänge gibt.«

Sie lachte und entblößte eine Reihe weißer gerader Zähne. »Komm, einen Salat und eine Suppe. Das kann ein Mann doch wohl vertragen.«

»Na, ich verstehe schon. Die Gäste sind den ganzen Tag auf der Piste, da verbraucht man ja ordentlich Energie. Ich bekomme nicht so viel Bewegung.«

»Soll ich jetzt Mitleid mit dir haben?« Ihr spöttischer Blick entging ihm nicht.

»Nein, sicher nicht. Ich glaube allerdings, ich sollte mir vielleicht auch einen Ausgleich zum Job suchen.«

»Klar, es gibt den Sportpark. Da kannst du ganz normal trainieren, Kardio und Geräte, außerdem gibt es Indoor-Tennis und Squash-Plätze, eine Kletterwand, ja sogar ein Volleyballfeld.«

»Wow«, machte er.

»Ja, wer da nichts findet, … dann weiß ich auch nicht.«

»Könntest du mir den Sportpark vielleicht zeigen?«

»Natürlich, aber man kann es kaum verfehlen. So groß ist Lech ja nicht.«

In dem Moment ging die Tür auf, und zwei Paare, die offensichtlich befreundet waren, betraten den Gastraum. Lissi begrüßte die Neuankömmlinge, nahm ihre Getränkebestellung auf und verschwand mit den leeren Suppentellern in der Küche.

 

 

Kapitel 3

 

 

Am nächsten Morgen half Lissi ihrer Mutter, das Frühstück für die Gäste vorzubereiten. Wenn sie volles Haus hatten, bauten sie ein kleines Buffet im Gastraum auf. Da bislang nur fünf Zimmer belegt waren, füllten sie die Teller für die Tische separat mit Wurst, Käse, Schinken, Konfitüre und Butter. Dazu gab es gekochte Eier und frische Brötchen. »Ich bringe schon mal was an Tisch eins«, sagte ihre Mutter und verschwand.

Lissi wollte noch drei weitere Platten aus dem Schrank nehmen, öffnete eine Tür und fluchte wie ein Kutscher, als das obere Scharnier aus den Angeln brach und ihr die halbe Tür entgegenkam. »Mann!«, schimpfte sie.

»Was ist denn los?«, wollte ihre Mutter wissen.

»Das! Das ist los. Hier fliegt alles auseinander.«

In diesem Moment kam ihr Vater in die Küche. »Lissi, was machst du denn da?«

»Mann, Papa. Ich mache gar nichts! Hier war wohl was locker.« Ihr Vater nahm ihr die Schranktür ab und fixierte sie notdürftig.

Während sie ihn dabei beobachtete, wuchs ihr Unmut. »So geht das nicht weiter, Papa. Das weißt du auch.«

»Bitte, das war doch nur eine Kleinigkeit.«

»Die du halbherzig in Ordnung gebracht hast.«

»Ich bin kein Handwerker. Ich ruf’ nachher den Alfons an.«

Lissi seufzte. »Du weißt doch sehr gut, dass eigentlich die ganze Küche überholt werden müsste. Die Einrichtung ist so alt wie ich. Ein Wunder, dass hier überhaupt noch was geht.«

Georg Reisinger machte ein finsteres Gesicht und legte die Hände auf seinen mächtigen Bauch. »Da haben wir es wieder. Ihr jungen Leute meint immer, dass man alles wegwerfen muss. Immer muss alle neu, neu, neu. Die Küche ist doch noch in Ordnung.«

Lissi rollte mit den Augen. »Das ist nicht wahr. Die ganze Pension ist in einem vorsintflutlichen Zustand.«

»Jetzt übertreib mal nicht. Natürlich ist es kein so feines Hotel wie die Bergrose, aber es ist sauber und warm.«

»Papa, du weißt, dass das heute nicht mehr ausreicht. Die Bäder in den Zimmern müssen unbedingt renoviert werden, und die Teppichböden haben ihre beste Zeit auch längst hinter sich. Außerdem hätten die Wände dringend einen neuen Anstrich nötig.«

»Und wer soll das bezahlen? Badezimmer zu erneuern kostet ein Vermögen!«

Lissi wusste gar nicht mehr, wie oft sie dieses Gespräch schon geführt hatten. Wenn sie jetzt vorschlug, dass man einen Kredit aufnehmen könnte, wäre der Ofen ganz aus. Ihr Vater war strikt dagegen, der Bank auch nur einen Cent zu schulden.

»Ich habe was gespart«, fing sie an.

»Das kommt mir nicht in die Tüte, dass wir deine Preisgelder für Fliesen ausgeben. Also nein, wo kämen wir denn da hin!«

»So geht es aber auch nicht weiter. Andere Hotels sind jetzt schon ausgebucht, zum Saisonstart. Wir sind noch nicht mal halb voll.«

Darauf wusste Georg Reisinger offenbar auch keine passende Antwort. »An unserer Einrichtung liegt’s bestimmt nicht.«

»Wir müssen was machen, Papa. Wirklich.«

»Es war doch nie klar, ob du überhaupt wieder heimkommst. In der ganzen Welt warst du zu Hause. Wir haben immer gedacht, dass du bestimmt mal einen Auswärtigen heiratest, da wärst du doch nie zurückgekommen.«

»Ach, Mensch. Ich bin jetzt hier, und ich geh auch nirgendwo hin. Ich fühle mich wohl in der Pension. Wie lange willst du das denn noch machen? Die Mama hat immer gesagt, wenn die Kinder groß sind, dann reisen wir. Und jetzt? Ihr seid immer hier, nicht mal im Sommer willst du weg.«

Das Gesicht ihres Vaters rötete sich zunehmend. Sie wusste, dass ihn diese Gespräche aufregten, aber irgendwann mussten sie geführt werden.

»Ich bin eben gern in Lech. Ich habe alles, was ich brauche.«

Lissi rieb sich die Stirn. »Nee, Papa. So geht es nicht. Nach der Saison muss was passieren. Entweder nimmst du Geld von mir, oder es wird ein Kredit angefragt. Es geht hier auch um meine Zukunft.«

Einen Augenblick sah ihr Vater sie blinzelnd an. »Du willst also wirklich das Schneeglöckchen weiterführen? Was ist mit dem Skifahren?«

»Weißt du, man kann auch Leute fürs Büro einstellen. Wenn ich tagsüber weg bin, kann eine Angestellte am Empfang sitzen. Das ist doch alles machbar.«

Er schnaubte. »Fremde Leute willst du also auch noch hier reinbringen?«

Lissi atmete tief durch. Sie wusste, dass sie zu weit gegangen war. Vielleicht konnte sie ja in einer ruhigen Minute mit ihrer Mutter sprechen. Wenn Johanna Reisinger ihrem Mann die Meinung geigte, hörte der Sturkopf wenigstens zu. Sie als Tochter hatte da immer die schlechteren Karten. »Ach, Papa«, sagte sie deshalb nur und schaute aus dem Fenster.

Sie war überrascht, als sie Konstantin in Laufkleidung, mit Mütze und Handschuhen aufs Haus zu joggen sah. Ihre Mundwinkel bogen sich nach oben. Er hatte also heute schon mit seinem Sportprogramm angefangen. Untrainiert wirkte er nicht, in den eng anliegenden Lauftights konnte sie wohlgeformte Oberschenkel und kräftige Waden erkennen. Schnell wandte sie den Blick ab. Die

Impressum

Verlag: Elaria

Texte: Karin Lindberg
Cover: Olga Hopfauf
Lektorat/Korrektorat: Dorothea Kenneweg
Satz: Karin Lindberg
Tag der Veröffentlichung: 16.10.2018
ISBN: 978-3-96465-072-6

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