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LITERWEISE TRAURIGKEIT

 

 

von Martina Hoblitz

 

 

 

Prolog

 



Die Sonne schien, aber ihre Strahlen brannten nicht, sondern streichelten warm und angenehm Delias Gesicht. Mit geschlossenen Augen saß die Frau auf der Bank am See und genoss diesen herrlichen Oktobernachmittag. Sie lauschte dem sanften Plätschern der Wellen und träumte selig lächelnd vor sich hin. -----


Rein intuitiv spürte sie plötzlich, dass sie beobachtet wurde. Sie blinzelte und schaute sich vorsichtig um.

 

In einiger Entfernung gewahrte sie einen jungen Mann, der sich einen Spaß daraus machte, flache Kieselsteine vom Weg zu sammeln und sie ins Wasser zu werfen. Allerdings begann er mit dieser Beschäftigung erst, als sie in seine Richtung blickte.

 

Zuvor hatte Gabriel eine ganze Weile nur da gestanden und Delia bewundernd betrachtet. Sie war das Anschauen wirklich wert. So eine attraktive Frau sah man selten.

 

Ihr langes, volles Haar, eine kastanienbraune Lockenpracht, ergoss sich wie ein Wasserfall über ihren Rücken und reichte fast bis zur schlanken Taille. Die wohlgeformten Beine hatte sie lässig übereinander geschlagen und wippte hin und wieder mit der Fußspitze im Takt einer unhörbaren Melodie.

 

Gabriel starrte sie fasziniert an und konnte sich an diesem Zauberwesen einfach nicht satt sehen. Gleichzeitig kam ihm der Gedanke, er müsste sie von irgendwoher kennen. Vielleicht aus dem Fernsehen? War sie Schauspielerin? Oder Sängerin? Das würde zu ihr passen.

 

In diesem Moment wurde Delia auf ihn aufmerksam und blickte in seine Richtung. Sofort wandte sich Gabriel ab und begann mit seinem Steinchenspiel.

 

Delia musterte den jungen Mann interessiert und schmunzelte über seine vergeblichen Versuche, die Kiesel auf der Wasseroberfläche hüpfen zu lassen. Er war groß, sehr schlank, beinah hager, und wirkte ein wenig tollpatschig, so als könnte er die Bewegungen seiner langen, schlaksigen Gliedmaßen nicht richtig koordinieren. Sein kurzes, strohblondes Haar glänzte in der Sonne wie ein Ritterhelm. Obwohl er sich jetzt voller Konzentration seiner Tätigkeit mit den Steinen widmete, wusste Delia genau, dass er sie vorher ebenso konzentriert beobachtet hatte.

 

Mit einem schelmischen Funkeln in den Augen stand sie auf und ging zu ihm hin.

 

„Gar nicht so einfach, wie?“ erschreckte ihn ihre weiche Stimme, als sie unverhofft neben ihm stand.

 

Delia bückte sich, hob einen Kiesel auf, zielte, und erst nach 3-4 Sprüngen versank der Stein im Wasser.

 

„Fabelhaft!“ kommentierte Gabriel den gelungenen Versuch und strahlte sie an.
Sie lächelte wortlos zurück und bückte sich erneut nach einem Steinchen. -----



Delia öffnete die Augen und schaute sich neugierig um. Weit und breit war kein männliches Wesen zu entdecken. Sie seufzte. Ihre Erinnerung hatte sie viele Jahre zurückgeführt. Sehr viele Jahre!

 

Längst durchzogen etliche Silberfäden ihr wunderschönes Haar, das sie zu einem lockeren Knoten aufgesteckt hatte. Kleine Lachfältchen umspielten ihre Augenwinkel. Aber eine tadellose Figur besaß sie immer noch; schlank, doch mit weiblichen Rundungen an den richtigen Stellen.

 

Nun kramte sie in ihrer umfangreichen Handtasche und zog schließlich ein schweres silbernes Zigarettenetui hervor. Ehe sie sich eine Zigarette anzündete, musterte sie ihr Antlitz in dem kleinen Spiegel im Deckel des Etuis.

 

Ja, Delia war immer noch eine sehr attraktive Frau, und man sah ihr ihre 56 Jahre wahrhaftig nicht an.

 

Wieder entschlüpfte ihr ein abgrundtiefer Seufzer. Und während sie den kleinen Rauchwölkchen ihrer Zigarette nachschaute, träumte sie sich erneut zurück.








Kapitel 1




Delia Graf hatte es geschafft! Sie durfte in der Metropolitan Opera in New York die Aida singen.

 

Endlich nach Jahren der Tingelei über Kleinstadtbühnen, vor einem wenig fachkundigen Publikum! Aber das Warten auf die große Chance hatte sich gelohnt. Allerdings wusste Delia genau, wem sie diesen Teilerfolg verdankte; Heiko Schröder, ihrem Agenten!
Der

 

Mann konnte sich in eine Idee verbeißen wie ein Kampfhund. – Als er erfuhr, dass die ursprünglich vorgesehene Sopranistin wegen Krankheit ausfiel, pries er Delia den Verantwortlichen in den höchsten Tönen an. Seinem steten Drängen konnte der Intendant schließlich nicht mehr widerstehen und gab nach.

 

Doch plötzlich stellte sich Delia quer. Diese sagenhafte Herausforderung stand vor ihr wie eine unüberwindliche Mauer.

 

Unter 4 Augen gestand sie Heiko: „Ich bin noch nicht so weit! Irgendwann einmal. Aber noch nicht jetzt!“ – „Blödsinn!“ winkte er ungeduldig ab. „Jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt. Du bist reif für die große Welt!“

 

Diese Behauptung machte Delia Angst! Die große Welt? Was sollte sie darunter verstehen? – Vorbei mit den Wohltätigkeitsgalas in Klein-Kleckersdorf? Statt dessen Europa, Amerika, Asien! Irgendwie fürchtete sich Delia davor. Bisher war alles so einfach gewesen.

 

Zum Beispiel wollte ein Geschäftsmann seinem Jubiläum einen niveauvollen Anstrich geben und suchte eine Sopranistin, die ein paar bekannte Arien zu Gehör brachte. Die Gage gab es bar auf die Hand, und damit war meist die Wohnungsmiete für den nächsten Monat gesichert, abzüglich der Prozente, die Heiko für seine Vermittlung bekam.

 

Und nun sollte sie ausgerechnet diese schwierige Partie vor einem Fachpublikum darbieten. Ihre Knie schlotterten bei der bloßen Vorstellung.

 

Andererseits wäre ein Erfolg an der Metropolitan der absolute Durchbruch für sie. Damit wurde sie in die Riege der international anerkannten Sopranistinnen erhoben und konnte in Zukunft Traumgagen verlangen.

 

Bei all diesen Aussichten auf eine glänzende Karriere bestand Delia jedoch darauf, vor ihrem großen Auftritt in Übersee noch einmal Urlaub zu machen. Ziel ihrer Reise war der Chiemsee, ein Ort, der für ihre Erholung ideal schien. Ruhig und beschaulich, ohne alle Hektik, vor allem jetzt im Herbst.

 

Natürlich fuhr sie nicht allein; Heiko begleitete sie. Er wich nie von ihrer Seite, und manchmal glaubte Delia sogar zu spüren, dass er sich mehr von ihr erhoffte als eine rein geschäftliche Verbindung. Dann wiederum verhielt er sich wie ihr Vormund und kommandierte sie rücksichtslos herum.

 

Trotz des unerwartet sommerlichen Klimas in diesem Herbst bestand Heiko stets darauf, dass Delia einen Seidenschal trug. Sie durfte sich doch auf keinen Fall erkälten! – Er merkte gar nicht, wie sehr er die junge Frau mit seiner strengen Fürsorge aufregte. Von Ruhe und Erholung war bei Delia keine Rede, zumal Heiko sie immer wieder an den bevorstehenden Auftritt erinnerte. Er verstand einfach nicht, dass sie vorerst nicht daran denken wollte. Das schreckliche Lampenfieber, mit dem sie stets zu kämpfen hatte, würde sich noch früh genug einstellen.


Endlich am 3.Urlaubstag wurde sie für ein paar Stunden von der Gesellschaft ihres Leibwächters befreit. Heiko hatte in der Nacht furchtbare Zahnschmerzen bekommen und suchte anderntags sofort einen Zahnarzt auf. – Also setzte sich Delia nach dem Frühstück auf die Bank am See, um einfach nur auszuspannen.

 

Es war der Tag, an dem sie Gabriel traf. Und Delia konnte sich selbst nicht erklären, warum sie ausgerechnet ihn ansprach. Denn eigentlich war sie die bewundernden Blicke der Männer gewohnt, und Gabriels offen gezeigte Faszination bildete da keine Ausnahme. Er war ein Verehrer ihrer Schönheit wie jeder Andere auch, und trotzdem fühlte sich Delia auf seltsame Weise gerade von diesem jungen Mann angezogen. – Und Gabriel wunderte sich, dass dieses Zauberwesen Interesse an ihm zeigte. Das machte ihn so verlegen, dass er kein Wort heraus brachte, während sie weiterhin Kieselsteine auf dem Wasser hüpfen ließ.

 

Endlich meinte er zögernd: „Kann’s sein, dass ich Sie kenne? Ich überleg die ganze Zeit, wo ich Sie schon mal gesehn hab.“

 

Kaum ausgesprochen ärgerte er sich darüber, denn seine Worte klangen ihm selbst nach plumper Anmache.

 

Aber Delia lächelte nur und fragte: „Mögen Sie klassische Musik? Opern zum Beispiel?“

 

Zunächst war Gabriel verblüfft über diese Erkundigung. Doch dann besann er sich und rief aufgeregt: „Aber natürlich! Im Mai. Stadthalle Rosenheim. La Boheme. Das waren Sie!“

 

Delia nickte und fühlte sich geschmeichelt, dass er sich daran erinnerte, obwohl dies nicht gerade eine ihrer besten Rollen gewesen war. Und es erstaunte sie etwas, in Gabriel scheinbar einen Opernliebhaber anzutreffen, denn eigentlich wirkte er mehr wie der typische Discogänger. Ein richtiger Fachmann schien er auch nicht zu sein, weil er begeistert erklärte: „Sie waren wunderbar! Einfach unvergesslich.“

 

Dabei wusste Delia nur zu genau, dass ihre damalige Leistung wenig überzeugt hatte, vor allem die Kritiker.

 

Doch sie bedankte sich artig für das inkompetente Lob und wollte wissen: „Gehen Sie oft in die Oper?“

 

Bedauernd schüttelte Gabriel den Kopf und gab zu: „Es war das erste und einzige Mal.“ – „Ah ja? Drum!“ erkannte Delia schmunzelnd und überlegte, wie sie das Thema wechseln konnte.

 

Die klassische Musik war wohl doch nicht so ganz sein Gebiet. - Aber schon fragte Gabriel neugierig weiter: „Haben Sie hier in der Gegend einen Auftritt?“

 

Lachend schüttelte Delia den Kopf und erwiderte: „Nein. Ich mach lediglich ein paar Tage Urlaub. – Und Sie? Sind Sie auch Tourist?“ – „Schön wär’s!“ seufzte er. „Ich wohne und arbeite hier.“

 

Doch ehe sie mehr über ihn erfahren konnte, kam eine stattliche männliche Gestalt die Promenade entlang geeilt, direkt auf die beiden zu. – Es war Heiko. Er schwenkte einen bunten Seidenschal und rief schon von weitem: „Delia! Was machst du nur? Dieser Leichtsinn!“

 

Dann hatte er sie erreicht und schlang ohne zu zögern der jungen Frau den Schal um den Hals, wobei er schimpfte: „Du willst wohl unbedingt eine Halsentzündung riskieren? Hab ich dir nicht gesagt, du sollst nicht ohne Schal ausgehen?!“

 

Delia seufzte ergeben und band den Knoten richtig. Nun musterte Heiko den jungen Mann an ihrer Seite misstrauisch und fragte mit deutlichem Unmut in der Stimme: „Und wer sind Sie? Was stehen Sie hier mit Fr.Graf in der Gegend herum?“

 

Erst jetzt wurde es Delia und Gabriel bewusst, dass sie sich einander noch gar nicht vorgestellt hatten. Sie lachte, streckte ihm ungezwungen die Hand entgegen und sagte: „Ich bin Delia Graf.“ – „Ich weiß!“ nickte er und ergriff vorsichtig ihre Hand, die er nur leicht drückte und schnell wieder losließ. „An Ihren Namen kann ich mich erinnern. Ich heiße Gabriel Weskamp.“ – „Und ich bin Heiko Schröder, der Agent dieser Dame!“ mischte sich Heiko ein, hakte Delia energisch unter und zog sie mit sich fort. Dabei sagte er zu Gabriel: „Sie entschuldigen uns, Hr.Weskamp?“

 

Der junge Mann stand betroffen und regungslos da und wagte nicht, Delia um ein Wiedersehen zu bitten.

 

Ein paar Schritte ließ sich die junge Frau mitziehen, aber schließlich befreite sie sich aus Heikos Klammergriff und fuhr ihn zornig an: „Was fällt dir ein? Du behandelst mich als wär ich dein Eigentum!“

 

Heiko runzelte die Stirn und entgegnete ruhig. „Was ist los mit dir? Seit wann lässt du dich einfach von jungen Burschen anquatschen?“

 

Sofort stellte Delia richtig: „Also erstmal hab ich ihn angesprochen. Und was hast du gegen eine harmlose Unterhaltung einzuwenden? Er hat mich auf der Bühne in Rosenheim in La Boheme gesehen und war begeistert.“

 

Darauf grinste Heiko und bemerkte süffisant: „Da kannste mal sehn, wie wenig Ahnung der Junge hat. Das war eine deiner schlechtesten Partien.“

 

Hierzu erwiderte Delia nichts, sondern blickte sich nach Gabriel um. Doch der junge Mann war verschwunden. Heiko betrachtete sie prüfend von der Seite und meinte schließlich mit väterlichem Unterton: „Dieser Bursche interessiert dich doch nicht wirklich. Er ist doch viel zu jung für dich.“ – „Was du gleich denkst!“ wehrte Delia erschrocken ab, konnte aber nicht verhindern, dass sie errötete.

 

Wie seltsam! Tatsächlich wurde ihr erst in diesem Augenblick bewusst, dass Gabriel wohl mindestens 10 Jahre jünger war als sie.








Kapitel 2




Noch lange dachte Gabriel über die Begegnung mit Delia nach, und es fiel ihm schwer, sich auf seine Arbeit zu konzentrieren. Unzählige Fragen schwirrten ihm durch den Kopf.

 

Warum hatte sie ihn angesprochen? Er selbst hätte sich das nie getraut. Was konnte eine so schöne und erfolgreiche Frau schon an ihm finden? Komischerweise störte auch ihn nicht, dass sie wahrscheinlich einige Jahre älter als er zu sein schien.

 

Aber wer war dieser Schröder, der angebliche Agent, der sich gebärdete wie ein eifersüchtiger Ehemann? Vielleicht war er sogar ihr Mann, oder wollte es werden? Und warum bedrückte ihn diese Überlegung so?

 

Es schien doch irgendwie selbstverständlich, dass eine solche Frau bereits in festen Händen war! Außerdem, was er sich wohl einbildete? Sie hatten sich lediglich ganz harmlos unterhalten. Nicht mehr und nicht weniger. Wahrscheinlich würde er sie sowieso nicht wiedersehen.



Eberhard Weskamp fiel die Geistesabwesenheit seines Sohnes gleich auf. Denn immer wenn Gabriel in Gedanken nicht bei der Sache war, stellte er sich besonders ungeschickt an. – Er gab an der Rezeption die falschen Schlüssel heraus, brachte Termine und Daten durcheinander und wirkte ganz wie ein zerstreuter Professor. – Was Herrn Weskamp schließlich dazu veranlasste, ihn beiseite zu nehmen und zur Rede zu stellen. Doch Gabriel war sich keiner Schuld bewusst und reagierte mit Unverständnis auf die Vorwürfe seines Vaters.

 

„Mensch, Junge, was ist denn heut bloß mit dir los? Hast du Probleme?“

 

Gabriel schüttelte wortlos den Kopf.

 

„Also, dann reiß dich mal am Riemen! Du musst für Tom im Restaurant einspringen. Er hat sich eben krank gemeldet.“ – „Mach ich doch!“ erklärte sich der junge Mann prompt bereit.

 

Hr. Weskamp grinste und bat: „Aber keine Scherben, mein Sohn! So wie du heut aufgelegt bist.“ – „Keine Bange! Wird schon schief gehen!“ erwiderte Gabriel flapsig und ging sich umziehen.

 

In seiner tadellos sitzenden Kellnerkluft fand er sich wenig später im Restaurant ein und nahm die ersten Bestellungen auf. Inzwischen hatte er sich so weit gefasst, dass er die zahlreichen Gäste ruhig und umsichtig bedienen konnte.

 

Doch dann spielte ihm das Schicksal einen Streich! Denn gegen Abend erschien im Eingang Delia am Arm von Heiko. – Prompt ging ein Tablett mit Gläsern zu Bruch. Hektisch kehrte Gabriel die Scherben zusammen und drehte dabei dem Paar den Rücken zu, damit es ihn nur ja nicht erkannte.

 

Aber die beiden würdigten den ungeschickten Ober keines Blickes, sondern sahen sich suchend nach einem freien Tisch um. Stattdessen tauchte Hr. Weskamp auf, durch das Scheppern alarmiert.

 

„Hab ich’s mir doch gedacht!“ fuhr er seinen zerknirschten Sohn an. „Marsch, in die Küche! Hier übernehm ich lieber selber.“

 

Erleichtert verschwand Gabriel nach hinten, während sich Hr. Weskamp eine Schürze umband, 2 Speisekarten schnappte und an den Tisch eilte, wo Delia und Heiko gerade Platz genommen hatten. Als er der jungen Frau die Speisekarte reichte, stutzte er einen Moment, um gleich darauf in Begeisterungsrufe auszubrechen. „ Fr. Graf? Delia Graf, die Sopranistin? Ich irre mich gewiss nicht.“

 

Ehe Delia es verhindern konnte, hatte er ihre Hand ergriffen und sie kavaliermäßig an seine Lippen gezogen.

 

Verdutzt fragte Delia: „Sie kennen mich?“ – „Und ob!“ nickte Hr. Weskamp und zählte auf: „Rosenheim, La Boheme. Nürnberg, Zauberflöte. München, Don Giovanni. Ich bin ein großer Opernfan!“

 

Delia strahlte erfreut, aber Heiko meinte Stirn runzelnd: „Bitte, kein Aufsehen! Wir wollen hier nur ganz zwanglos zu Abend essen.“ – „Selbstverständlich!“ wurde Hr. Weskamp wieder dienstbeflissen. „Aber darf ich mir gestatten, den Herrschaften einen Apperitiv zu servieren? Natürlich auf Kosten des Hauses.“

 

Er wartete eine Erwiderung gar nicht erst ab, sondern rannte in die Küche und sagte aufgeregt zu Gabriel: „Stell dir vor, wer im Restaurant sitzt. Die Sopranistin Delia Graf!“

 

Seine Begeisterung kannte keine Grenzen, und so merkte er nicht, wie sich der Blick seines Sohnes verfinsterte. Gabriel hatte auch keine Möglichkeit, etwas zu entgegnen, denn schon schwärmte sein Vater weiter: „So eine attraktive Frau! Schon auf der Bühne hab ich sie bewundert. Und nun lerne ich sie endlich persönlich kennen. Das hätt ich nie zu hoffen gewagt.“

 

Gabriel schwieg immer noch, aber musterte Herrn Weskamp mit ungläubigem Staunen. So aufgewühlt kannte er seinen Vater gar nicht. Delia musste ihn wirklich schwer beeindruckt haben. Und Gabriel verzichtete darauf, von seiner eigenen Begegnung mit ihr zu berichten. Der nun geäußerte Wunsch von Herrn Weskamp verblüffte ihn vollends.

 

„Geh wieder nach vorn und versorg die andern Gäste! Ich möchte mich allein um den Tisch von Fr. Graf kümmern. Du kannst sie aber wenigstens eben begrüßen.“

 

Achselzuckend verließ der junge Mann die Küche, wobei er meinte: „Bitte, auf deine Verantwortung! Ich weiß ja nicht, was du dir davon versprichst.“

 

Es war Gabriel recht

Impressum

Verlag: BookRix GmbH & Co. KG

Texte: eigene Texte verfasst von 1999 bis 2015
Bildmaterialien: eigene gezeichnete Bilder
Tag der Veröffentlichung: 01.07.2016
ISBN: 978-3-7396-6299-2

Alle Rechte vorbehalten

Widmung:
Worte der Autorin: Diesen Roman begann ich vor über 15 Jahren und konnte ihn erst aufgrund besonderer Umstände im letzten Jahr beenden. Für alle, die nach einer kurzen Auszeit wieder mit frischer Kraft weiter arbeiten können.

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