Cover

Leseprobe

Tied To The Moretti Family

Sammelband

Mia Kingsley

Dark Mafia Romance

Copyright: Mia Kingsley, 2017, Deutschland.

Coverfoto: © Viacheslav Iakobchuk – stock.adobe.com

Korrektorat: http://www.swkorrekturen.eu

Alle Rechte vorbehalten. Ein Nachdruck oder eine andere Verwertung ist nachdrücklich nur mit schriftlicher Genehmigung der Autorin gestattet.

Sämtliche Personen in diesem Text sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind zufällig.

Black Umbrella Publishing

www.blackumbrellapublishing.com

Inhalt

Tied To Rage (The Moretti Family 1)

Tied To Rage (The Moretti Family 1)

Vorspiel

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Tied To Hate (The Moretti Family 2)

Tied To Hate (The Moretti Family 2)

Vorspiel

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Tied To Pain (The Moretti Family 3)

Tied To Pain (The Moretti Family 3)

Vorspiel

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Tied To Fear (The Moretti Family 4)

Tied To Fear (The Moretti Family 4)

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Tied To Need (The Moretti Family 5)

Tied To Need (The Moretti Family 5)

Prolog 1

Prolog 2

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Tied To Vice (The Moretti Family 6)

Tied To Vice (The Moretti Family 6)

Prolog

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Später

Bonus zu »Tied To … (The Moretti Family)«

Tied To Rage (The Moretti Family 1)

Tied To Rage (The Moretti Family 1)

Nachdem meine Mutter sich im Urlaub Hals über Kopf verliebt und geheiratet hat, möchte ihr neuer Mann Don Moretti, dass wir zu ihm ziehen.

Mum findet die Idee klasse und kann im Gegensatz zu mir großzügig darüber hinwegsehen, dass Don früher der gefährlichste Gangsterboss der Westküste war.

Warum »war«? Weil sein Sohn die Geschäfte übernommen hat – Quentin Moretti, mein neuer, attraktiver und übermäßig tätowierter Stiefbruder.

Dabei ist er eigentlich gar nicht sexy, wirkt nicht anziehend auf mich und ist überhaupt nicht mein Typ.

Wie oft muss ich mir das wohl noch sagen, damit ich es selbst glaube?

Vorspiel

Obwohl ich mitbekam, dass Sage mich anstieß, um mir ein Bier zu geben, konnte ich meinen Blick nicht von der Tanzfläche lösen.

Was zur verfickten Hölle machte sie da?

Sie musste doch wissen, dass sie in meinem Klub war. Oder?

Ich starrte sie an und beobachtete, wie sie lachte, ihre Hüften kreisen ließ und sich danach mit ihrer Freundin an die Bar stellte. Kurz darauf schob Tony, der Barkeeper, zwei Cocktails in ihre Richtung.

In welcher Welt waren ihr Körper in diesem Kleid, ein voller Klub und viel zu viel Alkohol eine gute Idee? Was dachte sie sich nur dabei?

»Hey, ist das nicht deine Schwester?«

»Halt’s Maul, Sage«, knurrte ich.

Er lachte nur und beugte sich weiter über die Brüstung. »Hm«, machte er genießerisch. »Wer ist die kleine Rothaarige daneben?«

»Denk nicht einmal daran«, warnte ich ihn. »Sie gehört zu Bonnies Familie.«

»Krieg dich wieder ein, Kumpel. Zur Familie – dass ich nicht lache. Du führst dich nur auf, weil du scharf auf sie bist und weißt, wie schmutzig und falsch das ist.«

Ich richtete mich auf und verschränkte die Arme. »Wirst du jemals lernen, wann du die Klappe halten musst?«

»Nein.«

Bisher hatte ich noch nicht einen Schluck Bier getrunken, dabei hatte ich mich so darauf gefreut, mal einen Abend lang nicht den Boss zu spielen, sondern zu genießen, dass ich meinen eigenen Nachtklub besaß. Die VIP-Lounge war mit schönen Frauen gefüllt, doch ich hatte nur Augen für die eine, die ich eigentlich nicht einmal auf diese Weise ansehen sollte.

Ich wandte mich ab, da ich sie mir endlich aus dem Kopf schlagen musste.

»Quentin«, sagte Sage und sein scharfer Tonfall irritierte mich.

»Was?«

»Entweder du gehst nach unten und rufst deine Schwester und ihre Freundin zur Ordnung, oder ich tue es.«

»Stiefschwester«, korrigierte ich ihn automatisch. Mit einem beklommenen Gefühl folgte ich seinem Blick und traute meinen Augen kaum, als ich sah, wie die beiden Ladys miteinander tanzten.

Aber nicht nur Sage und ich sahen es. Jeder verdammte anwesende Mann hatte sie zur Kenntnis genommen.

Offenbar hatte ich meine kleine Schwester unterschätzt. Sie war keine langweilige Streberin, die nicht wusste, was sie tat, und sich lediglich von ihrer Freundin hatte überreden lassen, hierherzukommen.

Sie war ein Luder, das darauf aus war, heute noch flachgelegt zu werden.

Sage war schon auf dem Weg nach unten, weil zwei Typen die Fährte aufgenommen hatten und sich den beiden näherten.

Die ganze Zeit hatte ich versucht, die schmutzigen Gedanken zu verdrängen. Die Gefühle zu unterdrücken, die sie in mir auslöste. Doch ich wollte mich nicht länger zurückhalten. Wenn sie in meinen Klub kam, vor meiner Nase in diesem Kleid tanzte und dachte, sie würde damit davonkommen, hatte sie sich gewaltig geirrt.

Es war an der Zeit, die Regeln zu etablieren, und die erste lautete: Bonnie gehörte mir.

Kapitel 1

Bonnie

»Und dann?«, wollte Wynter wissen.

Ich rollte mit den Augen, beugte mich vor und fischte ein weiteres meiner Höschen aus dem Wäschetrockner, um es zusammenzufalten. »Nichts mit und dann. Du weißt, dass ich in seiner Gegenwart nicht einen geraden Satz herausbekomme. Ich habe dümmlich gegrinst, bin vermutlich knallrot angelaufen und stand angewurzelt da, bis er wieder zu seinen Freunden gegangen ist.«

Wynter stöhnte. »Ein einziges Mal bin ich krank und du wirst direkt vom Quarterback angeflirtet. Das ist so unfair. Ich hätte dich in seine Richtung geschubst, damit er dich auffangen muss. Und wenn er schon dabei ist, hätte er dich auch gleich küssen können.«

Mein Lachen klang, als würde ich versuchen, mit der Nase Blockflöte zu spielen, weil es sich mit einem Schnauben mischte. »Ich will den Quarterback aber gar nicht. Wahrscheinlich wollte er mich ohnehin nur nach deiner Nummer fragen.«

Als ich den Schlüssel im Türschloss hörte, verabschiedete ich mich von meiner besten Freundin. »Ich muss aufhören. Mum ist zurück und will mir bestimmt alles über ihren Urlaub erzählen.«

»Meinst du, sie hat gemerkt, dass du ihre Kreditkarten gesperrt hast?«

»Nein, sonst hätte sie sich längst beschwert.« Ich klemmte den Telefonhörer zwischen Wange und Schulter, nahm das Haarband von meinem Handgelenk und bändigte meine Mähne zu einem hohen Knoten am Hinterkopf. »Es ist ja nur zu ihrem Besten.«

»Und damit du weiterhin die Rechnung bezahlen kannst. Im Ernst, Bonnie, du bist zu jung, um so alt zu sein.«

»Am liebsten hätte ich sie nach Cabo begleitet, damit ich die ganze Zeit ein Auge auf sie haben kann, aber dann hätte ich die ganzen Kurse verpasst.« Ich seufzte.

Wynter schnalzte mit der Zunge. »Du brauchst dringend einen Freund, der sich ausnahmsweise mal um dich kümmert und dich vergessen lässt, dass deine Mum … sehr speziell ist.«

»Das sagt die Richtige. Wie kommt es denn, dass ich dich noch nie mit einem Mann gesehen habe?«

»Äh, huch, du wolltest aufhören, zu telefonieren. Bis morgen. Hab dich lieb.« Damit beendete sie das Gespräch und drückte sich vor der Antwort – wie immer bei diesem Thema.

»Darling?«

Ich horchte auf, denn ich kannte meine Mutter gut genug, um zu wissen, dass sie nur so zwitscherte, wenn es unangenehme Neuigkeiten gab. Für einen kurzen Moment schloss ich die Augen und fragte mich, was es wohl dieses Mal war.

»In der Waschküche, Mum.«

Sie kam herein und sah zu mir herunter, denn ich kauerte noch immer vor dem Wäschekorb. Hinter ihr kam ein Mann herein. Der Raum war für eine Person bereits zu klein. Mit diesem Schrank von Kerl im Türrahmen litt ich unter akuter Platzangst.

Wer war der Typ und warum brachte meine Mutter ihn mit in unser Haus? Ich beäugte den maßgeschneiderten Anzug, den teuren Haarschnitt und die noch teurere Uhr. Seine Nase musste irgendwann einmal gebrochen gewesen sein, über der rechten Augenbraue hatte er eine weitere Narbe, und seine Ausstrahlung schrie nach Macht, Geld und Gewalt. Nicht gerade die Kombination, die ich in meinem Haus haben wollte. Oder im Haus meiner Mutter, verbesserte ich mich in Gedanken. Ach, wem machte ich etwas vor? Es gab nur eine Erziehungsberechtigte und die war ich.

Hatte sie sich in Mexiko Geld geliehen? Bei einem Kredithai? War der Kerl hier, um ihre Schulden einzutreiben?

Meine Kehle schnürte sich zu, und mir wurde kalt, obwohl es draußen sommerlich heiß war. Ich entspannte mich erst wieder, als ich bemerkte, dass meine Mutter keine Anzeichen von Stress oder Angst zeigte.

Ganz im Gegenteil: Sie wirkte beinahe zufrieden.

Sein Blick wanderte über mich und blieb an dem Wäschekorb hängen, in dem sich meine bunte Unterwäsche stapelte. Nur mit Mühe schaffte ich es, nicht knallrot zu werden.

»Bonnie, das ist Don.«

»Hallo, Don«, gab ich zurück, da ich einfach zu überrascht war, um irgendetwas anderes zu sagen.

»Don und ich haben geheiratet.«

Bitte?

»Bitte?« Fassungslos starrte ich meine Mutter an. »In Cabo?«

»Ja. Und Don möchte, dass wir zu ihm ziehen. Ist das nicht großartig?«

Wie zur Bestätigung legte der Typ den Arm um sie, lehnte sich zu ihr und drückte einen Kuss auf ihre Wange.

Ich wollte aufspringen, sie rütteln und fragen, ob sie eigentlich ihren Verstand verloren hatte. Doch ich sah das Glück in ihren Augen, die Zufriedenheit auf ihrem Gesicht – zumindest in diesem Moment war meine Mum sicher, das Richtige getan zu haben. Sollte ich mit meinen zwanzig Jahren jetzt die Spielverderberin sein?

Es würde ihr das Herz brechen, wenn ich sie nun zurück auf den Boden der Tatsachen holte.

»Boss? Wohin mit den Sachen?«

Endlich stand ich auf und spähte über Dons Schulter. Ein weiterer Typ im Anzug hatte unsere Couchkissen in der Hand.

Der neue Ehemann meiner Mutter drehte sich um. »Bringt erst mal alles zu dem Lkw, wir sortieren später aus.«

Offenbar war es für Vernunft bereits zu spät. Wir würden umziehen, egal, welche Argumente ich jetzt vorbrachte.

Ich rang mir ein Lächeln ab. »Das ist ja toll, Mum.«

Sie breitete die Arme aus und ich ließ mich bereitwillig drücken. Dabei hätte ich am liebsten geheult, weil ich genau wusste, dass ich diejenige sein würde, die in ein paar Wochen die Scherben aufsammeln musste.

Bald würden die Schmetterlinge verschwinden und meine Mutter von der Realität eingeholt werden. Vielleicht konnte ich sie überreden, allein hier wohnen zu bleiben – dann gab es wenigstens einen Rückzugsort für sie, wenn ihre Beziehung dem Ende entgegenging.

»Don, kann ich vielleicht ein paar Sekunden allein mit meiner Mutter reden?«

»Aber natürlich, Bonnie. Ich freue mich übrigens, dich kennenzulernen.« Er hielt mir die Hand hin und ich schüttelte sie.

Gott, er hatte riesige Pranken, die vermutlich groß genug waren, mir ohne Mühe das Genick zu brechen. Ich unterdrückte ein Schaudern.

Nachdem er uns allein gelassen hatte, legte ich die Hand auf ihre Schulter und räusperte mich. Mum war sensibel – ich musste sanft mit ihr sein. »Meinst du, dass es die beste Idee ist, gleich zu ihm zu ziehen?«

»Keine Sorge. Er weiß alles.« Mum legte ihre Finger auf meine und drückte sie aufmunternd.

»Was weiß er?«

»Ich habe ihm erzählt, wie oft ich schon verheiratet war und dass wir uns die Miete kaum leisten können. Glaub mir, Schatz, für uns wird alles besser, wenn wir zu ihm ziehen. Außerdem kann er uns dann beschützen.«

Mein Magen machte einen Satz. Ich sah zurück in den Flur, wo immer mehr Kerle unseren gesamten Hausrat nach draußen schleppten. Es war zugegebenermaßen nicht viel, trotzdem gehörten die Sachen uns, und es machte mich nervös, nicht zu wissen, wo sie damit hinwollten.

»Beschützen? Vor wem?«

Mum warf einen Blick über ihre Schulter und beugte sich nah zu mir, bis sie an meinem Ohr flüstern konnte: »Vor Dons Feinden. Er ist … Also er war … Ach, Bonnie, ich weiß gar nicht, wie ich es sagen soll.«

Es polterte im Flur, und ich sah, wie einer der Typen im Anzug sich bückte, um aufzuheben, was auch immer ihm hinuntergefallen war. Sein Jackett glitt zur Seite und enthüllte ein Holster samt Waffe.

»Ein Gangster?«, wisperte ich erbost zurück. »Bitte, Mum, sag mir, dass du keinen Gangster geheiratet hast.«

»Er ist sozusagen in Rente. Sein Sohn hat die Geschäfte übernommen. Können wir nicht darüber hinwegsehen? Ich meine, er war immerhin direkt ehrlich zu mir.«

Ich wusste nicht einmal, was ich dazu sagen sollte. Meine Mutter hatte einen Gangster geheiratet, wahrscheinlich sogar den König aller Gangster, wenn ich mir so anschaute, wie viele seiner Gefolgsleute durch unser kleines Haus liefen.

»Du kannst nicht ernsthaft erwarten, dass ich zu einem Kriminellen ziehe!«

Mum wirkte verletzt und hob hilflos die Achseln. »Du gehst aufs College und wir haben kein Geld, da kann ich dich wohl kaum alleine wohnen lassen.«

Ich spürte, wie das Zucken in meinem rechten Lid zurückkam. Ein Phänomen seit meinem siebten Lebensjahr, denn damals hatte ich angefangen, das Chaos zu beseitigen, das meine wohlmeinende Mutter alle paar Monate über uns brachte.

»Gib ihm bitte eine Chance, Bonnie. Ich mag Don wirklich sehr.« In ihren Augen standen Tränen und sofort fühlte ich mich wie der letzte Unmensch.

Don tauchte in der Tür auf und betrachtete Mum prüfend. Sie legte noch die zitternde Unterlippe drauf und sofort wendete der Gangsterboss mir seine Aufmerksamkeit zu. »Ist hier alles in Ordnung?«

Sie bettelte mich mit ihrem Blick an, und ich spürte, wie mein Widerstand schmolz. Vielleicht würde sie dieses Mal tatsächlich glücklich werden – wer war ich, ihr dabei im Weg zu stehen?

»Natürlich.« Ich zwang mich zu einem Lächeln. »Am besten, ich packe ein paar meiner Sachen, nicht wahr?«

Ein charmantes Lächeln erhellte Dons Gesicht. »Das wäre wundervoll, Bonnie. Ich darf doch Bonnie sagen?«

»Selbstverständlich. Aber ich hoffe, ich muss dich nicht ›Dad‹ nennen.«

Er lachte. »Nein.«

»Gut. Ich bin dann in meinem Zimmer.«

Am liebsten hätte ich laut geschrien. Im Geiste suchte ich schon die richtigen Worte, um Wynter morgen zu erzählen, wie es zu dem spontanen Umzug gekommen war, nachdem ich die Wäsche gefaltet hatte.

Herrje! Die Wäsche.

Ich fuhr herum und sah gerade noch, wie einer der Kerle den Korb nach draußen trug. Da ging sie hin, meine Unterwäsche.

Zwei Sekunden zögerte ich, bevor ich ihm hinterherlief. »Entschuldigung? Entschuldigung? Das brauche ich. Danke.«

Ich nahm ihm den Korb ab und trug ihn in mein Zimmer. Wenn ich die Tür abschloss, wie lange konnte ich wohl vorgeben, dass gar nichts Ungewöhnliches passiert war?

Kapitel 2

Quentin

Verdammte Goldgräber! Ich tarnte meinen bösen Gedanken mit einem höflichen Lächeln, als ich der neuen Frau meines Dads die Hand reichte.

Nicht eine Sekunde lang konnte ich meinen Vater aus den Augen lassen. Es war zum Verrücktwerden. Während ich mich um die Geschäfte gekümmert hatte, war Dad mit einigen Freunden nach Cabo geflogen. So weit, so gut und eigentlich nicht sonderlich ungewöhnlich.

Doch statt wie sonst Unmengen von Cocktails zu trinken, hatte er sich dieses Mal selbst übertroffen, indem er geheiratet hatte. Hoffentlich erwartete er nicht, dass ich die Lady »Mum« nannte. Aus dem Alter war ich wohl raus.

Außerdem war ich fest entschlossen, ihr das Leben zur Hölle zu machen und sie so schnell wie möglich loszuwerden. Allerdings musste ich dabei aufpassen, denn Dad schien wild entschlossen zu sein, die große glückliche Familie zu spielen.

Deshalb war die Goldgräberin samt ihrer Tochter bei uns eingezogen. Ich hatte nicht nur eine neue Mami, sondern gleich auch noch eine Stiefschwester bekommen. War ich nicht ein verdammter Glückspilz?

Ich bemerkte den fragenden Blick meines Vaters, als ich mir den zweiten Drink eingoss, obwohl ich erst seit zehn Minuten da war. Wie sollte ich sonst dieses Abendessen überstehen, bei dem wir uns alle kennenlernen sollten?

Zugegebenermaßen sah Gwen recht ansehnlich aus für ihr Alter, aber ich wusste, was sie vorhatte. Sie hatte meinen Vater sicher erkannt und sich gedacht, dass so ein Gangsterboss bestimmt viel Geld hatte – Geld, das ihr im Falle einer Scheidung gehören würde. Denn mein hormongesteuerter Dad, der sich ach so verliebt hatte, war dumm genug gewesen, auf einen Ehevertrag zu verzichten.

Ein weiteres Schlamassel, um das ich mich kümmern durfte. Wie wurde ich Gwen und ihre Tochter möglichst schnell wieder los?

»Bonnie, Liebling, da bist du ja«, zwitscherte Gwen und streckte die Arme aus.

Ich rollte mit den Augen, legte den Kopf in den Nacken und kippte meinen Drink hinunter. Als ich mich umdrehte, dachte ich für einen kurzen Moment, dass irgendetwas in meinem Glas gewesen sein musste. Anders konnte ich mir den Schlag, den Bonnies Anblick mir versetzte, nicht erklären.

Schneewittchen war eine hässliche Hexe im Vergleich zu ihr.

Ich wusste nicht, wie ihr Vater ausgesehen hatte, doch wenn ich die hellen Haare und braunen Augen ihrer Mutter betrachtete, kam Bonnie nicht nach ihr. Eine gewisse Ähnlichkeit mochte vorhanden sein, viel war es nicht.

Bonnie hatte dunkelbraune Haare und Augen in einem so hellen Grün, wie ich es noch nie gesehen hatte. Ihre Haut war blass, die sanft geschwungenen Lippen waren zartrosa und ungeschminkt. Sie trug eine enge Jeans, die sich an ihre Schenkel schmiegte, und einen weiten Pullover, der alles andere verbarg.

Ich erwischte mich bei der Frage, wie Schneewittchens Titten wohl aussahen, und blickte nachdenklich auf das Glas in meiner Hand.

Sie ist deine neue Schwester, Alter. Beherrsch dich.

Unwirsch stellte ich das Glas zur Seite. Es war vermutlich besser, wenn ich heute keinen Alkohol mehr trank.

»Hey, Mum. Don.« Sie nickte in Richtung meines Vaters und wandte sich dann zu mir.

Fuck. Ihre Stimme klang überhaupt nicht, wie ich es erwartet hatte, und drang direkt in meinen Schwanz. Bonnie wirkte zart und zerbrechlich, demnach hatte ich auf eine helle, zittrige Stimme spekuliert. Doch sie erinnerte mich eher an Bluessängerinnen der Zwanzigerjahre. Sie sprach laut und zögerte nicht, als würde sie mir beweisen müssen, dass sie vor nichts und niemandem Angst hatte.

Etwas flackerte in ihren Augen auf, während sie mich musterte, es verschwand jedoch so schnell, dass ich mir nicht sicher war, was es gewesen sein könnte. Nervosität?

Vielleicht.

Ich spielte mit dem Gedanken, zu ihr zu gehen und ihr die Hand zu geben. Wie sie wohl reagieren würde, wenn ich sie bedrängte?

Warum war die Idee so verlockend? Mein Vater und Gwen starrten uns an, warteten ganz offensichtlich auf das offizielle Kennenlernen.

Gerade als ich ihr meine Hand hinhalten wollte, zuckte sie knapp mit den Achseln. »Ich bin Bonnie, du wirst wohl Quentin sein. Können wir essen? Ich muss noch lernen.«

Wieder überraschte sie mich. Anscheinend gab es jemanden, dem das hier noch weniger gefiel als mir.

Als ich meiner neuen Familie zum Tisch folgte, ärgerte ich mich über die verpasste Gelegenheit. Warum hatte ich ihr nicht die Hand gegeben? Ich wollte sie anfassen, wissen, wie ihre Haut sich anfühlte und wie sie auf meine Berührung reagierte.

Junge! Geh zum Arzt. Sie ist jetzt deine Schwester, verdammt.

Kapitel 3

Bonnie

»Wow. Du hast nicht übertrieben.« Mit offenem Mund folgte Wynter mir in mein neues Zimmer. »Das Ding ist wirklich ein Palast.«

Ich zuckte mit den Achseln. »Man gewöhnt sich erstaunlich schnell daran. Jedenfalls mehr als an …« Mein Mund klappte zu, denn ich wollte Wynter nicht dadurch beunruhigen, dass ich ihr von den bewaffneten Männern erzählte, die ab und zu patrouillierten. Sie war ohnehin schon beleidigt gewesen, da so viele Wochen vergangen waren, bevor ich mich getraut hatte, sie zum ersten Mal einzuladen.

Leider war Wynter smart und nicht so leicht abzuschütteln. »Woran?«

Ich kämpfte das schlechte Gewissen hinunter und log: »Meine turtelnde Mutter.« Dazu schüttelte ich mich mit einem gespielten Schaudern. Wynter lachte, streifte ihre Turnschuhe von den Füßen und warf sich mit Anlauf aufs Bett.

»Das kann ich mir vorstellen. Hier lässt es sich aushalten.« Sie fischte die Fernbedienung vom Nachttisch und schaltete den Fernseher ein. Beyoncés Stimme erfüllte den Raum, weil Wynter sofort einen Musiksender aus der Übersicht wählte.

Eigentlich hatte ich keine Geheimnisse vor meiner besten Freundin, aber ich wusste, dass es bei ihr zu Hause unerträglich war – ihr Vater musste ein richtiger Tyrann sein. Über ihre Mutter sprach sie so gut wie nie, und ich hatte schnell gelernt, nicht zu viel nachzufragen. Wynter erzählte, was sie erzählen wollte, und es stand mir nicht zu, sie zu drängen.

Hätte ich ihr jetzt gesagt, dass Don ein Gangster war, würde sie vielleicht nicht mehr mit zu mir kommen wollen. Möglicherweise handelte ich egoistisch, doch solange es keinen Grund gab, sie zu informieren, würde ich das Wissen einfach für mich behalten. Es störte mich nicht, dass Wynter mich als ihren sicheren Zufluchtsort betrachtete, an dem sie sich vor ihrem herrischen Vater versteckte. Im Gegenteil. Ich liebte es, sie um mich zu haben. Es schien für sie keinen Unterschied zu machen, dass ich jetzt näher am Strip wohnte und nicht mehr in einem der ärmeren Vororte.

»Was haben wir heute Abend vor? Erst Popcorn und dann Chips oder wollen wir es wagen, von unserer Routine abzuweichen, und die Reihenfolge ändern? Ich fühle mich heute so wagemutig.«

Nachdem ich tief Luft geholt hatte, sah ich sie an. »Eigentlich hatte ich gedacht, wir könnten ausgehen.«

Mit einer schnellen Bewegung sprang Wynter vom Bett und legte die Hand auf meine Stirn. »Komisch, ist gar nicht heiß. Wer bist du und was hast du mit Bonnie gemacht?«

Lachend schlug ich ihren Arm weg. »Keine Ahnung. Irgendwie fühle ich mich abenteuerlustig. Wenn meine Mum einen Fremden heiraten kann, werde ich wohl mal einen Abend lang tanzen gehen können.«

Wynters Mund klappte auf, bevor sie mich angrinste. »Du meinst es ernst. Du meinst es wirklich ernst. Grundgütiger. Dass ich den Tag noch erleben darf.«

»Es bietet sich zu sehr an, Mum und Don sind nicht da, und niemand würde merken, wenn wir uns rausschleichen. Du kennst meine Mutter – ich würde es ihr glatt noch zutrauen, dass sie uns begleiten will.«

»Was ist mit deinem neu gewonnenen Stiefbruder?«

»Quentin?« Ich zuckte mit den Achseln. »Er wohnt glücklicherweise nicht hier. Aber ich glaube, er hat irgendwo in diesem Palast ein Zimmer. Und selbst wenn er da wäre: Was soll er machen? Er ist ja nicht mein Vater. Abgesehen davon kann er mich nicht leiden. Ich glaube, er hält Mum und mich für Goldgräber.«

»Ist er heiß?« Wynter war schon auf dem Weg zum Kleiderschrank und zog die großen Flügeltüren auseinander. Die wenigen Kleidungsstücke, die ich besaß, wirkten in dem riesigen Ungetüm völlig verloren.

War Quentin heiß? Die Antwort lautete definitiv ja. Allerdings war er nun mein Bruder – und dazu noch ein Krimineller und viel älter als ich –, ich wollte gar nicht erst in diese Richtung denken. Allerdings wusste ich, dass ich geschickt sein musste, wenn ich es nicht riskieren wollte, Wynters Neugier zu wecken.

»Er ist attraktiv und von oben bis unten tätowiert – und ein riesiges Arschloch. Als wir uns kennengelernt haben, hat er mir nicht einmal die Hand gegeben, weil er zu sehr damit beschäftigt war, sich zu betrinken. Außerdem hat er mich die ganze Zeit angestarrt, als wäre ich ein merkwürdiges Zootier.«

Wynter drehte sich zu mir und kniff die Augen zusammen. »Vielleicht findet er dich anziehend.«

Ich schnalzte mit der Zunge. »Er hat gewirkt, als würde er mich am liebsten vor die Stadt jagen. Ich habe mich wie eine Aussätzige gefühlt.«

Ihre Miene verfinsterte sich. »Ein Arschloch also. Schade.«

»Schade? Er ist jetzt mein Bruder, das Thema ist damit ohnehin vom Tisch. Dafür gehen wir doch aus.«

»Warte!« Wynter gab vor, sich mit beiden Händen Luft zufächeln zu müssen. »Du willst jetzt nicht etwa sagen, dass wir ausgehen, um … Grundgütiger! Ich glaube, ich werde ohnmächtig. Ausgerechnet du willst ausgehen, um einen Kerl aufzureißen?«

Das war tatsächlich mein Plan. Wenn ich es schaffte, einen Typen zu finden, der bis auf den Hals tätowiert war, einen kurzen Bart und so leuchtend braune Augen hatte, dass sie beinahe wie Gold wirkten, würde ich es vielleicht sogar fertigbringen, mir meinen Stiefbruder aus dem Kopf zu schlagen. Das behielt ich allerdings lieber für mich.

»Ja«, erklärte ich feierlich, bevor ich selbst zum Kleiderschrank ging. »Und wir werden die anziehen.« Mit weniger Grazie, als ich geplant hatte, zerrte ich die beiden Drahtkleiderbügel hervor, auf denen die winzigsten Kleider hingen, die ich besaß. Ursprünglich hatten wir sie gekauft, um sie für den Theaterkurs aufzuhübschen, doch dann war die Lehrerin krank geworden und der Kurs wurde ersatzlos gestrichen. Seitdem hingen zwei Stretchkleider, die kaum den Namen verdienten, einsam in der hintersten Ecke. »Nur einmal möchte ich mich danebenbenehmen.«

Wynters Augen glänzten. »Es ist mein Geburtstag, nicht wahr? Oder haben wir schon Weihnachten? Warte, welche Schuhe ziehen wir an?« Sie starrte auf ihre Turnschuhe.

»Ich war so frei, mir zwei Paar von Mum zu leihen. Sie hat auch Größe 40. Gut, streng genommen habe ich sie nicht gefragt, aber Don hat ihr so viele neue Sachen gekauft, dass sie es nicht merken wird, bis ich sie zurückstelle. Jimmy Choo oder Louboutin?« Triumphierend hielt ich die Schuhe hoch.

»Ich glaube, ich muss weinen«, presste Wynter erstickt hervor. »Das wird großartig. Und du verarschst mich auch nicht?«

»Nein.«

»Gut, das wäre nämlich bösartig von dir.«

»Wir gehen aus und benehmen uns daneben. Heiliges Ehrenwort.«

Die Atmosphäre im Quick And Dirty war ein berauschendes Knistern aus Alkohol und Flirts. Bässe hämmerten aus den Boxen, sie schienen den Boden unter meinen Füßen vibrieren zu lassen. Vielleicht war es nur die Aufregung.

Mein Herz hatte wie verrückt geklopft, als wir uns an den riesigen, mit Muskeln bepackten Türstehern vorbeigedrängt hatten. Jetzt beruhigte es sich langsam wieder.

Ich wäre niemals so frech gewesen – Wynter hatte wesentlich weniger Hemmungen als ich. Sie hatte den Türstehern zugezwinkert und dabei ihre beachtlichen Brüste noch ein wenig weiter rausgestreckt. Schon hob sich das Band, das den Eingang versperrte, und wir durften passieren, statt uns hinten in der Schlange einzureihen, die sicher bis zum Ende des Blocks reichte.

»Wow«, schrie Wynter an meinem Ohr. Ihr heißer Atem kitzelte mich, während die Begeisterung in ihrer Stimme mir ein Lächeln entlockte.

»Magst du es?«, rief ich zurück.

Sie nickte und zeigte mir beide Daumen. Die bunten Lichter tauchten ihr Gesicht dabei in alle Töne zwischen Rot und Grün. Ich fühlte mich beinahe wie unter Wasser, dabei hatte ich noch gar nichts getrunken. Allein die Stimmung und der Gedanke, etwas für mich absolut Untypisches zu tun, beflügelten mich bereits genug.

Wynter nahm meine Hand und zerrte mich zur Bar. Wir hatten unseren Plan schon im Taxi hierher besprochen: zuerst Alkohol, dann tanzen.

Der Boden war etwas klebrig, doch ich beschloss, einfach nicht darüber nachzudenken. Der nächste Song dröhnte aus den Boxen, und ich bemerkte, dass ich mich bereits im Takt bewegte.

Das Quick And Dirty schien riesig zu sein, denn über uns gab es eine weitere Etage. Auf den Balkons sah ich vereinzelte Leute herumstehen. In der Ecke führte eine Treppe nach oben, die von zwei weiteren Muskelprotzen bewacht wurde.

»Bestimmt die VIP-Ecke«, sagte Wynter neben mir. Ihre Augen leuchteten verdächtig.

Ich warf dem Barkeeper Geld hin und packte den Arm meiner besten Freundin. »Denk nicht einmal dran.«

Sie grinste nur, bevor sie mit den Achseln zuckte. Dann nahm sie ihr Glas. »Hast du schon bezahlt?«

»Ja.« Ich räusperte mich, da es anstrengend war, die ganze Zeit gegen den Lärm anzuschreien. »Mein neuer Stiefvater gibt mir ständig Geld.«

Wynter warf den Kopf in den Nacken und lachte. »Jackpot.«

Ich zuckte nur mit den Achseln, weil ich es nicht ganz so sah. Aber ich hatte schnell aufgegeben, mich mit Don darüber zu streiten, denn wenn ich mich weigerte, das Geld anzunehmen, gab er es entweder meiner Mum, die es mir aufdrängte, oder legte es auf meinen Nachttisch. Bisher war mein Plan, es einfach zu sparen.

Abgesehen davon lud Wynter mich sonst immer ein, wenn wir Kaffee tranken oder essen gingen, dieses Mal war ich dran.

Mit Rekordgeschwindigkeit leerten wir die Gläser, bevor wir lachend und hicksend zur Tanzfläche stolperten. Es war ungewohnt, mich so zu benehmen, gleichzeitig fand ich es sehr befreiend.

Als der Song erneut wechselte, hielt Wynter sich an meiner Schulter fest, um den Riemen an ihrem Schuh enger zu schnüren. Ich stand still, damit sie nicht umfiel, und musste die ganze Zeit kichern. Sie zerrte das Kleid nach unten, bevor sie die Arme in die Luft warf. »Whooo!«

Ich lachte, bis es mir im Halse stecken blieb. Quentin kam die Treppe hinunter, seine braunen Augen waren auf mich fixiert. Ganz offensichtlich war er nicht erfreut, mich zu sehen. In diesem Moment schien sogar die Musik leiser zu werden. Was zum Teufel machte er denn hier?

Wynter schlang von hinten die Arme um mich und wiegte sich im Takt. »Lecker. Wer ist das?«

»Quentin«, wisperte ich.

»Dein Stiefbruder?« Sie gab sich nicht einmal Mühe, ihr Entsetzen zu verbergen. »Als du heiß gesagt hast, war das vollkommen untertrieben. Er sieht aus wie ein Gott!«

»Ich weiß.«

»Wer ist der Typ dahinter?«, wollte sie wissen.

Ich musste mich dazu zwingen, den Blick von Quentin zu lösen und den Kerl hinter ihm zu begutachten. »Keine Ahnung.«

»Er ist sexy.«

Meine Alarmglocken schrillten los. Im Gegensatz zu Wynter wusste ich zumindest grob, womit Quentin sein Geld verdiente. Was vermutlich bedeutete, dass der Mann hinter ihm ein Freund oder Geschäftspartner war. Ich packte Wynters Arm und zog sie mit mir auf den Ausgang zu. »Wir müssen gehen.«

Sie wollte protestieren, das konnte ich sehen, doch ein Blick in mein Gesicht reichte, um sie verstummen zu lassen. Stattdessen nickte sie. »Okay. Dann gehen wir.«

Deshalb liebte ich Wynter so. Sie vertraute mir und war immer da und unterstützend, wenn ich sie brauchte.

Gemeinsam schoben wir uns durch die Menge. Kurz vor der Tür warf ich einen Blick über die Schulter, konnte Quentin allerdings nicht entdecken. Vielleicht reagierte ich über und er hatte mich nicht gesehen. Selbst wenn er mich erkannt hatte, war es ihm vermutlich egal, dass ich ausgegangen war.

Erleichtert drehte ich mich wieder um und folgte Wynter, als sich urplötzlich zwei Männer in unseren Weg stellten. Wynter hielt früh genug an, ich hatte nicht so viel Glück und strauchelte auf den hohen Schuhen nach vorn.

Quentin umfasste meine Schultern und hielt mich fest.

Kapitel 4

Quentin

»Dad, ich habe zu tun.« Geräuschvoll schnaubte ich durch die Nase.

»Du sollst nur einmal kurz nach ihr sehen. Wir sind den ganzen Abend unterwegs und ich würde mich wirklich besser fühlen.« Er ließ es wie eine Bitte klingen, doch ich hörte den stählernen Unterton.

»Von mir aus. Ich muss noch etwas erledigen, aber heute Nacht fahre ich beim Haus herum und stelle sicher, dass meine liebste Schwester selig in ihrem Bett liegt.«

»Wunderbar. Ich soll dir schöne Grüße von Gwen ausrichten.«

Mit Mühe presste ich durch die Zähne: »Danke.«

Ich unterdrückte ein Fluchen, als ich das Handy zurück in die Hosentasche schob. Dabei war es mir in den letzten sechs Wochen wunderbar gelungen, Bonnie und ihrer Mutter aus dem Weg zu gehen. Das Letzte, was ich wollte, war, das Kindermädchen zu spielen. Zumal Bonnie Gedanken in mir auslöste, die wirklich absolut verdorben waren. Ich würde mich nur beherrschen können, solange ich mich von ihr fernhielt.

»Was gibt’s?«, fragte mein Cousin Sage.

»Ich bin zur Nanny degradiert worden.«

»Ah.« Er grinste. »Deine neue Schwester. Wie ist sie eigentlich so?«

Heiß. Sexy. Durch und durch verboten.

»Eine Goldgräberin. Genau wie ihre Mutter.«

Sage rollte mit den Augen. »Du weißt, dass das nicht meine Frage war.«

Ich drehte mich zu ihm um und straffte den Rücken. »Vergiss es, Alter. Und für dich ist sie sowieso tabu.«

»So, so«, murmelte er. »Also ist sie scharf?«

»Hatten wir nicht Arbeit zu erledigen?«

Mein Cousin lachte. »Die läuft uns nicht weg.«

Genervt warf ich einen Blick auf meine Armbanduhr. »Aber meine gute Laune. Je schneller wir fertig sind, desto eher können wir in den Klub. Ich brauche ein paar Drinks.«

»Nur Drinks?«

Sage hatte noch nie gewusst, wann er mich in Ruhe lassen musste. Statt ihm eine Antwort zu geben, zog ich die Tür auf und ging zurück in Sins Büro. »Habt ihr eigentlich etwas von Gavin gehört?«

Sin, mein anderer Cousin, schüttelte den Kopf. »Wenn er sich bis Donnerstag nicht gemeldet hat, fliege ich selbst hin.«

Sage brummte. »Ich verstehe gar nicht, was da überhaupt so lange dauert. Hoffentlich ist er nicht in Schwierigkeiten.«

»Er wird sich schon zu helfen wissen«, sagte ich. »Kommen wir zurück zu unserem Problem.«

Als hätten wir uns abgesprochen, drehten wir uns gleichzeitig zu Stacy um. Die hübsche Brünette schrumpfte noch weiter in ihrem Stuhl zusammen.

Sage setzte sich auf die Tischkante und strich mit dem Finger über ihre Wange. Wie auf Bestellung begann sie zu zittern.

»Stacy«, sagte Sin bedeutungsschwer. »Wie lange arbeitest du jetzt für mich?«

»Seit sieben Jahren, Sir.« Durch die Angst war ihre Stimme zu einem Piepen geworden. Auf mich wirkte es abtörnend und erinnerte mich daran, wie sehr Bonnies dunkler Klang mir gefallen hatte. Egal, was mein Vater von mir verlangte: Ich würde heute Nacht ganz sicher nicht nach ihr sehen. Zum einen war sie alt genug, um den Abend ohne Aufpasser zu Hause zu bleiben, und zum anderen war es keine gute Idee, mit ihr allein im Dunkeln zu sein.

»Und in diesen sieben Jahren haben wir Falschspieler wie oft laufen lassen?«, wollte Sage von ihr wissen. Er hatte eine ihrer Haarsträhnen um seinen Finger gewickelt und Stacy konnte vor Panik kaum noch atmen.

»Nie«, wisperte sie.

»Richtig. Warum sollten wir dann jetzt eine Ausnahme machen?« Ich rieb mir übers Kinn und sah sie dabei direkt an.

Ihre Augen füllten sich mit Tränen. »Sie haben mich gezwungen.«

Sin wurde hellhörig. »Wer sind sie

Stacy knetete ihre Hände. »Die Pain Bringers

»Fuck.« Abrupt stand Sage auf. »Warum mischen die sich neuerdings ständig ein?«

Ich packte Stacys Kinn und zwang sie, mich anzusehen. »Du erzählst uns jetzt alles, was du weißt – und es sind besser keine Lügen dabei.«

Zwanzig Minuten später reichte Sin ihr eine Packung Papiertaschentücher und schickte sie raus, damit sie vor der Tür wartete.

Ich fuhr mir mit der Hand durch die Haare. »Und jetzt?«

»Gute Frage«, erwiderte Sin. Zwischen den Fingern hielt er zwei Würfel, mit denen er immer wieder spielte, während er nachdachte. »Jed und Gavin sind beide in Europa.«

Sage sah ihn an. »Was ist mit deinen Brüdern? Kennen sie nicht diesen Kerl bei den Pain Bringers, der ihn erklären könnte, was los ist?«

»Ich kann sie zumindest fragen.« Er warf die Würfel auf meinen Schreibtisch und zog stattdessen sein Handy hervor.

»Meinst du, wir müssen das Problem noch heute lösen?«, wollte Sage wissen.

Ich schüttelte den Kopf, da ich kein Freund von überstürzten Aktionen war. In all den Jahren, die ich meinem Vater bei der Arbeit zugesehen hatte, war ich zu dem Schluss gekommen, dass ich besonnener reagieren würde. Erst den Plan schmieden, wenn man alle Fakten kannte – das war meine Herangehensweise.

»Lucas kümmert sich darum, mit dem Kerl zu sprechen, und meldet sich«, verkündete Sin. Er stand auf. »Ich bin für heute weg.«

»Alles klar. Wir sind im Quick And Dirty, wenn etwas sein sollte.«

Sin winkte ab. »Du siehst aus, als könntest du eine ungestörte Nacht gebrauchen. Was auch immer die Pain Bringers wollen, hat sicher bis morgen Zeit.« Sein Grinsen ließ keinen Zweifel daran zu, was er mit der ungestörten Nacht meinte.

»Das sage ich ihm bereits die ganze Zeit. Unser Chef hier hat vergessen, wie man sich entspannt.«

Ich verzog das Gesicht und zeigte meinen Cousins den Mittelfinger, was Sin nur ein Lächeln entlockte. Sage hingegen bellte sein tiefes Lachen heraus. Es klang, als hätte jemand gegen einen Baumstamm geschlagen. Dann zog er seinen Autoschlüssel aus der Hosentasche. »Komm schon, Quentin, auf uns warten schöne Frauen und Alkohol. Ich fahre.«

»Ist ja gut.« Ich folgte ihnen aus Sins Büro.

Für seine Verhältnisse fuhr Sage schon fast gemäßigt, trotzdem erreichten wir das Quick And Dirty fünf Minuten früher, als das Navigationsgerät berechnet hatte. Sage kannte den Weg natürlich auswendig, aber es war eine Art Hobby von ihm, die Zeit des Navis zu unterbieten.

Er parkte auf dem Parkplatz hinter dem Klub, damit wir uns nicht an den Wartenden vorbeischieben mussten. »Die Geschäfte gehen gut«, sagte er, nachdem er einen Blick auf die Schlange vor dem Eingang geworfen hatte.

Ich öffnete die Hintertür. »Das tun sie wohl.«

»Ist Don zufrieden?«

Für ein paar Sekunden dachte ich darüber nach. »Ich denke schon. Um ehrlich zu sein, hatte ich erwartet, dass er versuchen würde, sich überall einzumischen, doch seit Gwen aufgetaucht ist, scheint er vollkommen darin aufzugehen, mit ihr Zeit zu verbringen.«

Die Musik wurde abrupt lauter, als wir durch die letzte Tür traten, die uns vom eigentlichen Klub trennte.

»Freu dich gefälligst für ihn.« Sage trampelte die Treppe vor mir hoch und ging zielstrebig zur Bar des VIP-Bereichs. Ich hingegen stützte mich auf das Geländer, um das Treiben unten zu beobachten.

Sage und Sin hatten recht. Momentan lief alles gut. Es gab keinen Grund, warum ich so angespannt war.

Natürlich hatte ich ihnen nicht gesagt, dass ich nicht aufgrund der Geschäfte so still war. Nein. Das waren Probleme, die ich lösen konnte. Was ich nicht einfach aus der Welt schaffen konnte, waren die hellgrünen Augen, die mich seit Wochen verfolgten.

Meine süße, kleine Stiefschwester faszinierte mich so sehr, dass ich davon regelrecht abgestoßen war. Bonnie. Eigentlich war sie auch nicht klein und süß, sondern erwachsen und sexy.

Allein die Vorstellung, was mein Vater mit mir anstellen würde, wenn ich Bonnie anrührte, sollte eigentlich Abschreckung genug sein. Ich konnte mir nicht einmal erklären, warum ich überhaupt ständig darüber nachdachte.

Inzwischen hatte ich mehr als einen erotischen Traum mit der dunkelhaarigen Nymphe in der Hauptrolle gehabt, und ich bildete mir ein, sie ständig zu sehen. Zum Beispiel gerade hier, unten auf der Tanzfläche.

Ich kniff die Augen zusammen und beugte mich weiter nach vorn.

Obwohl ich mitbekam, dass Sage mich anstieß, um mir ein Bier zu geben, konnte ich meinen Blick nicht von der Tanzfläche lösen.

Was zur verfickten Hölle machte sie da?

Sie musste doch wissen, dass sie in meinem Klub war. Oder?

Ich starrte sie an und beobachtete, wie sie lachte, ihre Hüften kreisen ließ und sich danach mit ihrer Freundin an die Bar stellte. Kurz darauf schob Tony, der Barkeeper, zwei Cocktails in ihre Richtung.

In welcher Welt waren ihr Körper in diesem Kleid, ein voller Klub und viel zu viel Alkohol eine gute Idee? Was dachte sie sich nur dabei?

»Hey, ist das nicht deine Schwester?«

»Halt’s Maul, Sage«, knurrte ich.

Er lachte nur und beugte sich weiter über die Brüstung. »Hm«, machte er genießerisch. »Wer ist die kleine Rothaarige daneben?«

»Denk nicht einmal daran«, warnte ich ihn. »Sie gehört zu Bonnies Familie.«

»Krieg dich wieder ein, Kumpel. Zur Familie – dass ich nicht lache. Du führst dich nur auf, weil du scharf auf sie bist und weißt, wie schmutzig und falsch das ist.«

Ich richtete mich auf und verschränkte die Arme. »Wirst du jemals lernen, wann du die Klappe halten musst?«

»Nein.«

Bisher hatte ich noch nicht einen Schluck Bier getrunken, dabei hatte ich mich so darauf gefreut, mal einen Abend lang nicht den Boss zu spielen, sondern zu genießen, dass ich meinen eigenen Nachtklub besaß. Die VIP-Lounge war mit schönen Frauen gefüllt, doch ich hatte nur Augen für die eine, die ich eigentlich nicht einmal auf diese Weise ansehen sollte.

Ich wandte mich ab, da ich sie mir endlich aus dem Kopf schlagen musste.

»Quentin«, sagte Sage und sein scharfer Tonfall irritierte mich.

»Was?«

»Entweder du gehst nach unten und rufst deine Schwester und ihre Freundin zur Ordnung, oder ich tue es.«

»Stiefschwester«, korrigierte ich ihn automatisch. Mit einem beklommenen Gefühl folgte ich seinem Blick und traute meinen Augen kaum, als ich sah, wie die beiden Ladys miteinander tanzten. Aber nicht nur Sage und ich sahen es.

Jeder verdammte anwesende Mann hatte sie zur Kenntnis genommen. Offenbar hatte ich meine kleine Schwester unterschätzt. Sie war keine langweilige Streberin, die nicht wusste, was sie tat, und sich lediglich von ihrer Freundin hatte überreden lassen, hierherzukommen.

Sie war ein Luder, das darauf aus war, heute noch flachgelegt zu werden.

Sage war schon auf dem Weg nach unten, weil zwei Typen die Fährte aufgenommen hatten und sich den beiden näherten.

Die ganze Zeit hatte ich versucht, die schmutzigen Gedanken zu verdrängen. Die Gefühle zu unterdrücken, die sie in mir auslöste. Doch ich wollte mich nicht länger zurückhalten. Wenn sie in meinen Klub kam, vor meiner Nase in diesem Kleid tanzte und dachte, sie würde damit davonkommen, hatte sie sich gewaltig geirrt.

Es war an der Zeit, die Regeln zu etablieren, und die erste lautete: Bonnie gehörte mir.

Ich überholte Sage noch auf der Treppe, den Blick auf meine Stiefschwester geheftet. Ganz weit hinten in meinem Kopf wies mich eine Stimme darauf hin, dass es mich eigentlich nichts anging, was Bonnie in ihrer Freizeit tat. Allerdings war ich schon seit Jahren hervorragend darin, meine inneren Stimmen zu ignorieren.

Bonnie ließ die Hüften kreisen, drehte sich um und bot dann ihrer Freundin Halt, die an ihrem Schuh herumfummelte. In dem Moment sah sie mich direkt an.

Ihre Augen weiteten sich, als sie mich erkannte. Sie wirkte nicht unbedingt, als würde sie sich freuen, mich zu sehen. Ganz im Gegensatz zu ihrer Freundin, die sich an sie schmiegte und über ihre Unterlippe leckte. Hinter mir gab Sage ein merkwürdiges Knurren von sich. Ich hatte keine Zeit, mich darum zu kümmern, denn ich war auf Bonnie fixiert.

Die beiden Frauen wechselten ein paar Worte, bis ich voller Erstaunen erkannte, dass sie die Flucht ergriffen.

Das störte mich massiv. Bonnie konnte nicht wissen, was ich vorhatte – ich wusste es ja selbst nicht. Einfach vor mir wegzulaufen, war sehr unhöflich. Vielleicht wollte ich ihr ja nur einen schönen Abend wünschen oder mich nach meinem Dad erkundigen.

Der Anruf meines Vaters kam mir wieder in den Sinn. Warum lag Bonnie eigentlich nicht in ihrem Bett, wie er es behauptet hatte? Ich sollte doch später nach ihr sehen. Möglicherweise hatte Dad mir mit seinem Anruf den perfekten Vorwand geboten.

Die Ladys tauchten nach rechts ab und steuerten ohne Umschweife auf den Ausgang zu. Sage nickte in meine Richtung, damit wir die Strecke abkürzten, indem wir hinter der Bar entlanggingen. Einer der Vorteile daran, dass mir der Laden gehörte und ich die kürzesten Wege kannte.

Bonnie drehte den Kopf und beruhigte sich sichtlich, da sie mich nicht entdecken konnte. Hätte ich Gefühle gehabt, wären sie vermutlich verletzt gewesen. So flackerte jedoch nur ein Hauch von Zorn in mir auf, den ich nach unten kämpfte. Ich musste mich zusammenreißen, wenn ich sie nicht direkt anschreien wollte.

Vor allem, weil ich wusste, dass ich nicht den geringsten Grund hatte, sie anzuschreien. Ich war eifersüchtig und das machte mich noch wütender.

Sage postierte sich vorm Ausgang. Bonnies rothaarige Begleiterin, die ich als ihre College-Freundin Wynter identifizierte, blieb abrupt stehen und blinzelte. Bonnie war zu sehr damit beschäftigt, mich zu meiden, dass sie gar nicht bemerkte, wie nah vor ihrer Nase ich eigentlich stand.

In der letzten Sekunde packte ich ihre Schultern und hielt sie fest, bevor sie in mich hineinlief. »Wohin des Weges, Schwesterherz?«

Kapitel 5

Bonnie

Meine Kehle wurde staubtrocken, denn Quentin sah wirklich nicht erfreut aus. Selbst über den Lärm des Klubs hörte ich den bedrohlichen Unterton in meiner Stimme.

»Wir wollten gerade gehen«, brachte ich gerade eben hervor.

»Das glaube ich nicht. Sage, wenn du so freundlich wärst, dich darum zu kümmern, dass Bonnies Freundin sicher nach Hause kommt – ich muss mit meiner Schwester reden.«

Beinahe hätte ich ihn verbessert, dass ich lediglich seine Stiefschwester war, aber zum einen wäre das merkwürdig gewesen, und zum anderen traute ich mir nicht mehr zu, die Worte in der richtigen Reihenfolge über die Lippen zu bringen.

Wynter straffte die Schultern. »Ich bleibe.«

Der riesige Schrank vor ihr gab ein kleines Lachen von sich. »Das glaube ich nicht, Prinzessin.« Er verschränkte seine massiven, tätowierten Arme vor der Brust, und ich erwartete, das Reißen seiner T-Shirt-Nähte zu hören.

»Quentin«, begann ich und biss mir kurz auf die Unterlippe, da ich nicht genau wusste, was ich eigentlich sagen sollte. »Was soll das? Wir wollten ohnehin gehen, und du kannst nicht von mir erwarten, dass ich Wynter einfach mit einem Wildfremden allein lasse.«

Das Grinsen des Schranks vertiefte sich. Er beugte sich zu mir und studierte mich mit schräg gelegtem Kopf. »Mein Name ist Sage und ich bin Quentins Cousin. Ich kann dir versichern, dass Wynter bei mir in den besten Händen sein wird.«

Hilflos schaute ich meine Freundin an, die nur mit den Achseln zuckte. Wenn jemand sich gegen einen Kerl wie Sage behaupten konnte, dann sie. Doch es blieb immer noch die Frage, was zum Teufel Quentin eigentlich von mir wollte.

»Trotzdem …«, protestierte ich.

Quentin bremste mich, indem er meine Schultern losließ und stattdessen einen meiner Oberarme packte. Er nickte Sage zu, bevor er mich einfach mit sich zog. Ich sah, wie Sage meiner besten Freundin höflich bedeutete, vorzugehen. Kurz darauf zerrte Quentin mich in einen dunklen Flur.

Meine Kehle wurde staubtrocken, während das Herz von innen gegen meine Rippen hämmerte. Was hatte er vor? Durften wir überhaupt hier hinten sein?

Er öffnete eine schwere Tür mit der Aufschrift »Büro« und schubste mich hinein. Die dünnen Absätze meiner Schuhe verfingen sich im Teppich. Fast wäre ich gestolpert. Im letzten Moment fing ich mich. Meine Wut wuchs trotz der enormen Aufregung, die ich verspürte. Was fiel ihm eigentlich ein, mich auf diese Weise zu behandeln? Ich hatte ihm schließlich nichts getan. Aber er führte sich auf, als hätte ich seinen Abend ruiniert.

»Setz dich.« Er deutete auf die beiden Sessel vor dem massiven Schreibtisch.

»Vielleicht will ich lieber stehen.« Ich ballte die Fäuste.

Quentin hatte den Schreibtisch bereits halb umrundet. Er hielt inne und drehte sich langsam zu mir um. »Du sollst dich hinsetzen.«

Jede Freundlichkeit war aus seiner Stimme verschwunden. Im Grunde tat er nichts anderes, als mir einen Befehl entgegen zu bellen. Meine Knie wurden weich.

Obwohl es mir widerstrebte, ließ ich mich sinken.

Nachdem er sich gesetzt hatte, starrte er mich an. »Weißt du, wessen Klub das hier ist?«

Ich musterte das Büro und ließ die Tatsache, dass wir in diesem Raum waren, sinken. »Deiner?«

»Ja.«

»Oh«, machte ich. »Das war mir nicht bewusst.«

»Mir hingegen ist durchaus bewusst, welchen Ruf das Quick And Dirty hat, abgesehen davon sollte der Name es zur Genüge erklären. Kannst du mir verraten, was du hier machst? Mein Vater hat mich erst vor ein paar Stunden gebeten, später bei dir vorbeizusehen, weil er sich Sorgen macht, der braven Musterstudentin könnte zu Hause beim Lernen etwas passieren. Stell dir meine Überraschung vor, als ich die Musterstudentin zusammen mit ihrer Freundin auf der Tanzfläche entdeckt habe. Ich habe schon Nutten in stilvolleren Kleidern gesehen.«

Das Blut kroch in meine Wangen und innerhalb von Sekunden brannte die Scham in meinem Gesicht. Tatsächlich dauerte es ein paar Herzschläge, bis die Erkenntnis über mich hereinbrach, dass Quentin weder das Recht hatte, so mit mir zu sprechen, noch über mich zu urteilen.

Ich stand auf. »Keine Sorge. Das nächste Mal werde ich einen anderen Klub wählen.« Mir war klar, dass ich ihm nicht noch auf die Nase binden musste, dass ich im Internet gestöbert hatte, bis ich das Quick And Dirty genau aufgrund des Rufs ausgesucht hatte. Laut der Beschreibung gab es in diesem Klub keinen Mangel an willigen Partnern für One-Night-Stands.

»Das nächste Mal?«

Quentins Grollen ließ mich zusammenzucken.

Ich trat zwei Schritte zurück, da er ebenfalls wieder aufgestanden war.

»Es wird kein nächstes Mal geben«, erklärte er. »Du solltest dich auf dein Studium konzentrieren, Bonnie, und nicht jede Nacht einen anderen Kerl abschleppen. Weiß deine Mutter eigentlich, dass du hier bist?«

»Meine Mutter? Hörst du dich selbst reden? Ich bin volljährig, und es geht dich einen Scheiß an, was ich tue.«

Seine Augen wurden schmal. Bevor ich die Chance hatte, zu reagieren, war er mit ein paar schnellen Schritten bei mir. Dieses Mal gruben seine Finger sich in meine beiden Oberarme. Er zog mich zu sich, bis unsere Nasen sich beinahe berührten. »Weißt du, was du brauchst, Kleines? Du brauchst eine Lektion.«

»Was?« Ich schnappte nach Luft.

Quentin gab mir keine Zeit, seine Aussage zu analysieren, bevor er mich auf seinen Schreibtisch drückte. Mit dem Gesicht nach unten strampelte ich hilflos und wollte mich hochdrücken. Seine Hand auf meinem Rücken hinderte mich daran.

»Ich würde dir raten, stillzuhalten, Kleines«, knurrte er.

»Hör auf!« Die Luft wurde aus meinen Lungen gepresst, während ich versuchte, nach ihm zu schlagen. Es war nutzlos. Quentin war viel stärker als ich und der Schreibtisch so hoch, dass meine Zehen kaum den Boden berührten.

Plötzlich spürte ich seine Finger auf der Oberschenkelrückseite und die Panik setzte ein. Er zerrte das enge Kleid nach oben. Ich hatte nicht einmal die Gelegenheit, mich zu fragen, welche Unterwäsche ich trug, bevor seine Handfläche auf meinen Hintern traf.

Ich schrie auf, dicht gefolgt von einem Wimmern.

Wieder und wieder schlug Quentin zu, bis mein Po brannte. Ich zuckte zusammen, als er mit den Fingerspitzen über die gerötete Haut strich. Ein Schauer lief über meinen Rücken und zu meinem großen Entsetzen zogen meine Nippel sich zusammen. Ich war mir meines Körpers übermäßig bewusst. Obwohl Quentin mir Schmerzen zugefügt hatte, war ich feucht geworden und außerordentlich erregt.

Diese Erkenntnis war mir so peinlich, dass ich beschloss, die Flucht zu ergreifen. Ich würde kein Wort über dieses Erlebnis verlieren und ganz bestimmt auch nie wieder mit Quentin reden, solange ich nur gehen konnte. Unter keinen Umständen wollte ich, dass er meine Erregung bemerkte.

Der Mistkerl schien Gedanken lesen zu können, denn seine Finger wanderten auf die Innenseite meines Oberschenkels und nach oben.

»Wirst du jetzt ein braves Mädchen sein?«

Ich hatte ein gutes Dutzend Flüche parat, doch stattdessen atmete ich zittrig aus. »Ja. Bitte, Quentin!«

Mit meinem Flehen wollte ich ihn dazu bringen, mich loszulassen. Ich bewirkte das genaue Gegenteil. Zielstrebig strich er über den feuchten Schritt meines Höschens. Als er meine Klit berührte, stöhnte ich.

Mein Kopf musste feuerrot sein, aber es bestand die realistische Chance, dass er es nicht bemerken würde, weil ich die Stirn auf der Schreibtischplatte abgelegt hatte.

Wie kleine Bläschen stieg Protest in mir empor. Ich konnte Quentin nicht erlauben, mich auf diese Weise zu berühren. Gleichzeitig bekam ich keinen klaren Gedanken zu fassen und jedes Mal, wenn mein Mund sich öffnete, stöhnte oder ächzte ich – damit würde ich ihn ganz sicher nicht abhalten.

Ich spürte, wie er meinen Slip zur Seite schob und seinen Mittelfinger in mich gleiten ließ. Dabei drückte er mit dem Daumen gegen meine Klit.

Grundgütiger! Ich musste ihn aufhalten. Außerdem sollte ich ihm wahrscheinlich sagen, dass ich noch Jungfrau war. Wollte ich das wirklich?

Ich klammerte mich an der Schreibtischkante fest und balancierte auf den Zehenspitzen, während ich fieberhaft überlegte, was zu tun war.

Quentin nahm mir die Entscheidung ab, indem er seinen Daumen auf meinem Kitzler bewegte. Für ein paar Sekunden wusste ich nicht einmal mehr meinen Namen.

Dabei war es falsch, was er tat. Was wir taten – immerhin war er mein Stiefbruder und … und … und …

Er rieb schneller und schneller über meine Perle, dabei spürte ich seinen Körper an meinem, weil er sich über mich beugte. Quentin Moretti schien aus nichts anderem als harten Muskeln zu bestehen – und das war nicht das einzig Harte an ihm.

Das nächste Stöhnen bildete sich in meiner Kehle, weshalb ich die Lippen aufeinanderpresste.

Fuck, dachte ich und explodierte im nächsten Moment in unzählige Einzelteile. Meine Muskeln spannten sich an, der Orgasmus lief in Wellen durch meinen Körper und erschütterte mich bis in die Haarspitzen. Unglaublich!

Wenn Sex mit Quentin so war, wollte ich mehr davon. Jetzt sofort und auf der Stelle.

Noch ein paarmal bewegte er seinen Finger vor und zurück, bevor er ihn aus mir zog. Dann strich er mein Kleid glatt und packte meinen Arm.

Ich war gleichermaßen traurig und erleichtert, als der Druck auf meinen Rücken verschwand und ich mich wieder aufrichten konnte.

Quentins Gesichtsausdruck hatte sich gar nicht verändert. Er wirkte noch immer genervt durch meine Anwesenheit. Statt etwas zu sagen, drückte er mich in den Sessel vor seinem Schreibtisch und griff nach dem Telefonhörer.

»Tony, schick mir Orazio her.«

Ich fühlte mich wie nach einer eiskalten Dusche. Was hatte das zu bedeuten?

»Quentin, ich …«

»Sei still«, fuhr er mir dazwischen.

Mein Mund klappte zu und mit einem Mal war ich den Tränen nah. Die Wirkung des Alkohols hatte nachgelassen, was zur Folge hatte, dass ich meine Emotionen kaum noch im Griff hatte. Das war alles zu viel. Ich ging nie aus, trank selten und blieb niemals so lange wach – kein Wunder, dass ich mich fühlte, als würde ich in der nächsten Sekunde den Verstand verlieren.

Quentin setzte sich und klappte seinen Laptop auf. Offensichtlich war seine Taktik, einfach vorzugeben, dass nichts passiert war.

Kurz darauf klopfte es an der Tür, bevor ein blonder Typ hereinkam. »Du wolltest mich sehen, Boss?«

Ohne mich anzusehen, deutete Quentin auf mich. »Bring Bonnie nach Hause, und sieh zu, dass sie auch wirklich reingeht.«

Orazio nickte und lächelte mich an. Da es nicht wirkte, als hätte Quentin mir noch etwas zu sagen, stand ich auf. Wir waren schon im Flur, als Quentin meinen neu ernannten Fahrer zu sich rief.

Als Orazio danach zurückkehrte, war er sichtlich blass, und ich fragte mich, was Quentin wohl zu ihm gesagt hatte. Tränen brannten hinter meinen Lidern, aber ich war fest entschlossen, erst zu weinen, wenn ich in meinem Zimmer war.

Quentin Moretti sollte meinetwegen in der Hölle schmoren.

Kapitel 6

Quentin

Großartig, dachte ich und wischte mir übers Gesicht. Das hatte ich wirklich wie ein echter Profi geregelt. So viel auch zu meinem Vorsatz, die Finger von meiner Stiefschwester zu lassen. Was zum Teufel war nur in mich gefahren?

Bonnie ging bereits der Tür am Ende des Flurs entgegen, als ich Orazio noch einmal zurückrief.

Offenbar klang ich bereits in diesem Moment strenger, als ich beabsichtigt hatte, denn er drehte sich unmittelbar auf dem Absatz um und eilte zu mir. »Ja bitte, Boss?«

Ich stützte die Ellenbogen auf den Schreibtisch und faltete die Hände. »Sie ist wunderschön, nicht wahr?« Dabei ließ ich Bonnie nicht aus den Augen, die sich wieder umgedreht hatte. Sie suchte in meinem Gesicht eindeutig nach Antworten – was genau passiert war, wieso ich sie wegschickte, was ich bezweckte –, bemühte sich allerdings um ein Pokerface. Doch was sie konnte, konnte ich schon lang. Ich hatte Erfahrung darin, meine Gefühle mit steinerner Mimik zu verbergen. Irgendwann konnte sie meinem Blick nicht mehr standhalten und wandte mir den schmalen Rücken zu.

»Bonnie?«, fragte Orazio. In seiner Stimme lag Vorsicht.

Ich nickte.

»Schon«, gestand er zögerlich. Orazio war smart und arbeitete lang genug für mich, um zu wissen, dass ich ihm eine Fangfrage gestellt hatte.

Obwohl der Ton meiner Frage keine andere Antwort zugelassen hatte, klang er mir ein wenig zu enthusiastisch. Es war eine gute Idee gewesen, mit ihm zu reden, bevor er Bonnie nach Hause brachte. Wer wusste schon, auf welche Ideen er sonst ohne klare Anweisungen kam. Ich sprach leise, sodass er einen halben Schritt näher kommen musste und Bonnie mich keinesfalls hören konnte. »Du wirst sie zum Haus meines Vaters bringen und sie dabei nicht ein Mal schräg von der Seite ansehen. Habe ich mich klar ausgedrückt?«

»Glasklar, Boss. Bonnie gehört dir.«

Das hatte ich zwar nicht gemeint, aber ich konnte nicht leugnen, wie sehr mir die Idee gefiel. Es gab keinen Grund, ihn zu verbessern, weil Bonnie meine Stiefschwester war und ich lieber die Finger von ihr lassen sollte. Er sollte denken, dass sie meine Geliebte war, denn dann musste ich mir keine Gedanken um ihre Sicherheit machen.

»Richtig – und sollte ich herausfinden, dass du für meinen Geschmack zu nett zu ihr warst, werde ich dir die Haut abziehen und dafür sorgen, dass du dabei zusehen kannst, wie ich sie an deine Hunde verfüttere.«

In beeindruckender Geschwindigkeit verschwand die rosige Hautfarbe auf seinen Wangen und wurde ersetzt durch käsiges Weiß. »Ja, Boss.«

»Gut.« Ich lehnte mich im Stuhl zurück. »Beagles haben immer Hunger, nicht wahr?«

Er wusste, dass unser Gespräch beendet war, und kehrte zu Bonnie zurück. Es dauerte nicht lange, bis sie aus meinem Sichtfeld verschwanden.

Mit den Händen in meinen Hosentaschen sah ich ihnen hinterher, bis die Tür zufiel. Erst dann erlaubte ich mir, tief durchzuatmen.

In mir brodelte es.

Nichts hätte ich lieber getan, als Bonnie hart auf meinem Schreibtisch zu ficken, nachdem ich sie mit meinen Fingern zum Kommen gebracht hatte. Wie einladend sie vor mir gelegen hatte, so nass und offen …

Es war mir ein Rätsel, woher ich die Selbstdisziplin genommen hatte, sie nicht an Ort und Stelle zu vögeln. Alles in mir hatte danach geschrien, sie zu nehmen. Hart und immer wieder.

Aber das war eine dumme Idee. Es stand außer Frage, dass sie unmittelbar danach zu ihrer Mutter laufen würde, weil ich ihr das Herz gebrochen hatte. Bonnie schien mir nicht der Typ Frau zu sein, der Sex und Liebe trennen konnte. Sie war so jung, dass sie vermutlich ersteres einsetzte, um zweiteres zu bekommen. Damit war sie bei mir an der falschen Adresse. Egal, wie stark ich sie begehrte, es wäre nicht klug, meinen Gelüsten nachzugeben. Bonnie würde ihrer Mutter alles erzählen und danach konnte ich mir einen Vortrag meines Vaters zum Thema Verantwortungsbewusstsein anhören. Nein, danke.

Leider änderte diese Erkenntnis nichts an meiner aufgestauten Geilheit. Vermutlich konnte ich stolz auf mich sein, dass ich es überhaupt geschafft hatte, meinen Schwanz nicht in ihr zu versenken. Er drückte von innen gegen meine Hose, um mich an die angesammelte Frustration zu erinnern.

Ich stand auf und schloss die Bürotür ab. Nachdem ich mich gesetzt hatte, öffnete ich meine Hose. Meine Latte federte mir entgegen. Ich spürte Bonnies enge Fotze noch an meinem Finger und hätte mich viel lieber an ihr ausgetobt, als mit der guten, alten Handarbeit vorliebnehmen zu müssen.

Da es nur ein paar uninspirierte Pumpstöße dauerte, bis ich kam, fühlte ich mich wie ein Teenager.

Nur, dass ich keiner war, sondern ein erwachsener Mann, der es gewohnt war, sich zu nehmen, was er wollte. Allerdings hatte ich nie zuvor die sprichwörtlich verbotene Frucht gewollt.

Fuck.

Doppel-Fuck.

Ich bildete mir ein, Bonnies Duft noch immer im Raum riechen zu können. Meiner Laune war das nicht unbedingt zuträglich. Außerdem regte sich mein Schwanz, als wäre es nicht bloß Sekunden her, dass ich abgespritzt hatte.

Meine eigene Hand war nur unbefriedigender Ersatz für Bonnie.

Früher oder später würde es nicht mehr reichen – und wenn es so weit war, brauchte ich einen Plan.

Kapitel 7

Bonnie

Ich war sowohl Samstag als auch Sonntag damit beschäftigt, meine Wunden zu lecken, und rief Wynter deshalb nicht an. Mich interessierte zwar, ob Quentins Cousin sich anständig verhalten hatte, sah mich jedoch nicht in der Lage, ihre Fragen zu beantworten. Denn ich kannte meine beste Freundin gut genug, um zu wissen, dass sie ebenso neugierig auf die saftigen Details sein würde wie ich.

Ausnahmsweise war ich aber nicht bereit, darüber zu sprechen. Deshalb hatte ich leichte Schweißausbrüche, als ich am Montag die Bibliothek betrat, in der wir zum Lernen verabredet waren.

»Hey.« Sie grinste mich an. »Ich dachte schon, du kommst gar nicht mehr.«

Mit einem Seufzen ließ ich mich auf den Stuhl sinken. Mein Vorsatz, nicht mit ihr darüber zu reden, fiel schneller in sich zusammen als ein angestochener Luftballon. »Quentin ist so ein Arschloch.«

Wynter schob das Lehrbuch von sich und verschränkte die Arme. »Erzähl mir alles. Wo sollen wir seine Leiche begraben?«

Damit entlockte sie mir ein Lachen, es fühlte sich an wie das erste seit Tagen. Ich warf meine Haare nach hinten und seufzte ein zweites Mal. »Irgendwie war es total komisch. So ganz weiß ich immer noch nicht, was eigentlich sein verdammtes Problem war. Er hat mir unterstellt, durch die Weltgeschichte zu huren, und mich von einem seiner Angestellten nach Hause fahren lassen. Garniert hat er das mit der Erinnerung, dass ich mich besser auf mein Studium konzentrieren sollte.«

Wynters Wangen hatten sich rot gefärbt. Ein sicheres Zeichen dafür, dass sie wütend war. »Was fällt dem Kerl eigentlich ein? Er ist immerhin nicht dein Vater und außerdem bist du volljährig. Im Grunde kennt er dich nicht einmal.«

»Ich weiß! Unmöglich, oder?« Es tat gut, dass sie auf meiner Seite war. Trotzdem hatte ich spontan entschieden, das unbedeutende Detail, wie Quentin mich zum Kommen gebracht hatte, unter den Tisch fallen zu lassen.

Meine beste Freundin klopfte mit den Fingerspitzen auf das Lehrbuch. »Sage hat versucht, mich zu küssen.«

Ich fürchtete, mein Unterkiefer könnte abfallen, so weit sperrte ich vor Entsetzen den Mund auf. »Hat er nicht!«

»Doch.« Sie grinste mich schief an.

»Und was hast du gemacht?«

»Natürlich das einzig Akzeptable: ihn geohrfeigt.«

»Wow«, flüsterte ich. Warum konnte ich nicht ein bisschen mehr wie Wynter sein? Sie war so stark und unabhängig, während ich zu sehr damit beschäftigt war, das Chaos im Leben meiner Mutter zu beseitigen, dass ich kaum etwas von meinem eigenen mitbekam. »Wie hat er reagiert?«

»Verblüfft.« Ein kleines Lächeln umspielte ihre Mundwinkel. »Ich glaube nicht, dass ihm das vorher schon mal passiert ist. Er hat mich nach Hause gefahren und sich dabei Mühe gegeben, mich zu unterhalten. Dann hat er angehalten, und ehe ich realisieren konnte, was passiert ist, waren seine Lippen auf meinen. Eigentlich war es nicht einmal übel.«

»Echt?«

»Ja, ich war nur so überrumpelt. Außerdem sagt mir mein Instinkt, dass Sage nicht gerade die Art von Mann ist, mit der ich mich einlassen sollte.«

Ich nickte. »Definitiv nicht. Quentin gehört in die gleiche Kategorie. Wenn er nicht mein Stiefbruder wäre, würde ich mich nicht im selben Raum aufhalten wollen wie er.«

»Er ist heiß.«

»Das ist Sage auch. Möchtest du tauschen?«, bot ich an.

»Lieber nicht. Wir suchen uns einfach einen anderen Klub und versuchen unser Glück erneut. Bis zu dem Moment, als die beiden aufgetaucht sind, fand ich es nämlich cool, mit dir unterwegs zu sein.« Sie lehnte sich zu mir und stieß mich mit der Schulter an.

Ich zog ihr Lehrbuch zu mir. »Genauso cool wie Konfliktmanagement?«

Sie schnitt eine Grimasse. »Nicht ganz, aber fast. Erinnere mich – warum dachten wir, es wäre eine gute Idee, Werbepsychologie zu studieren?«

»Keine Ahnung. Du hast damit angefangen und mich mehr oder weniger überredet.«

Wynter nahm ihren Kugelschreiber in die Hand und klappte eine leere Seite in ihrem Block auf. »Das klingt nach mir.«

»Und jetzt sitzen wir hier …«

»Es könnte schlimmer sein.«

Ich begutachtete das Buch und die knapp acht Kapitel, die wir uns für heute vorgenommen hatten. »Es könnte allerdings auch besser sein.«

»Kaffee?«

»Definitiv Kaffee.«

Vier Stunden später verabschiedete Wynter sich und ich hatte ebenfalls genug. Gefühlt stieg mir bereits Rauch aus den Ohren. Wir waren gut vorangekommen und hatten nicht mehr über die Moretti-Männer gesprochen.

Wäre ich der romantische Typ Frau, hätte ich wahrscheinlich angefangen, über die Möglichkeit nachzudenken, wie lustig es wäre, eine Doppelhochzeit mit meiner besten Freundin zu feiern, da wir Cousins heirateten.

Aber ich war nicht romantisch und Quentin der letzte Mann, den ich heiraten wollte. Ich wusste nicht einmal, woher dieser bescheuerte Gedanke kam.

Als ich die Tür nach draußen aufstoßen wollte, trat mir ein Kerl in den Weg. Er hielt mehr als eine Armlänge Abstand und lächelte. »Hey, du bist Bonnie, richtig? Ich bin Cooper, wir haben einen Kurs zusammen.«

»Hi«, erwiderte ich. Dabei dachte ich nach, ob er mir bekannt vorkam. So attraktiv, wie er war, hätte ich mich sicher an ihn erinnern können.

Sein Lächeln verschwand. »Du weißt nicht, wer ich bin. Sorry, es war eine dumme Idee, dich anzusprechen. Ich dachte nur … Ach, ist egal. Dir noch einen schönen Tag.«

Er wollte sich umdrehen und gehen, doch im letzten Moment tat er mir leid und ich sagte: »Warte. Ich konnte nur dein Gesicht nicht einordnen. Hi, Cooper.«

»Im Grunde wollte ich dich fragen, ob du einen Kaffee trinken gehen willst.« Mit dem Daumen deutete er über die Schulter in Richtung Mensa.

Für heute hatte ich eigentlich bereits genug Koffein intus, aber Cooper wirkte wie ein netter Kerl, und vielleicht war er nach Quentin genau die Ablenkung, die ich brauchte. »Gern.«

»Sehr cool.« Er grinste und hielt mir die Tür auf. »Nach dir, Bonnie.«

Ich ging voraus. Als er zu mir aufgeschlossen hatte, überlegte ich, was ich sagen konnte. Mir fiel kein gutes Gesprächsthema ein und mit dem Wetter wollte ich auch nicht anfangen. In diesem Moment strömte eine große Gruppe Studenten aus dem Gebäudekomplex vor uns. Wir wichen ihnen aus. Mehr als die Hälfte der Leute schob sich zwischen uns durch, sodass wir uns gar nicht hätten unterhalten können, selbst wenn ich gewusst hätte, was ich sagen sollte.

»Such du uns einen Platz. Ich hole den Kaffee. Wie trinkst du ihn?«

»Einfach schwarz«, antwortete ich.

Wie durch Zufall fand ich einen freien Tisch am Rand der Mensa. Dort fühlte man sich nicht ganz so sehr wie auf dem Präsentierteller und konnte sich besser unterhalten. Mit klopfendem Herzen wartete ich auf Coopers Rückkehr.

Am liebsten hätte ich mein Handy aus dem Rucksack geholt und im Internet nachgesehen, welche Gesprächsthemen für uns infrage kamen – aber bei meinem Glück würde ich mich dabei blamieren, weil Cooper mich erwischte und dann sofort wusste, wie wenig Erfahrung ich hatte.

Cooper kam zum Tisch, und als er sich gesetzt hatte, fiel mir zum ersten Mal auf, dass er nicht mehr ganz so jung aussah wie die anderen Männer in meinen Kursen.

Er schob mir den Kaffee zusammen mit einer schwarzen Geldbörse entgegen. Mein Lächeln bröckelte, als ich sie öffnete. Ich hatte mich geirrt. Es war keine Geldbörse, sondern ein Etui für seine Polizeimarke. Detective Cooper Stann, LVPD.

Ich schluckte und gab ihm die Marke zurück.

»Hoffentlich verzeihst du mir das kleine Täuschungsmanöver, Bonnie.«

»Was willst du?«, fragte ich tonlos. Hatte Mum wieder etwas angestellt? Eine Zeit lang hatten wir Probleme mit einem Kredithai gehabt, nachdem sie ein paar Schulden angehäuft hatte, ohne mir etwas davon zu sagen. Spontan fiel mir nichts anderes ein, was sonst passiert sein könnte.

Cooper verzog das Gesicht, weil er sich offensichtlich mehr Begeisterung erhofft hatte. »Was weißt du über deine neue Familie, Bonnie?«

»Warum sagst du am Ende jeden Satzes meinen Namen? Soll das so eine Art Bindung aufbauen?« Ich verschränkte meine Arme.

Jetzt wirkte er wirklich sauer. »Okay, verzichten wir auf den höflichen Teil der Unterhaltung. Deine Mutter hat einen Gangster geheiratet. Du wohnst in seinem Haus und hast einen direkten Draht zu ihm. Das brauchen wir. Du wirst uns helfen.«

Ich rümpfte die Nase, obwohl mein Herz wie verrückt pochte. »Leider habe ich nicht die geringste Ahnung, wovon du redest.«

»Ach, Bonnie. Bitte fang gar nicht erst so an. Die Moretti-Familie kontrolliert fast ganz Nevada und hat ihre Finger überall dort, wo die Biker der Pain Bringers sie nicht haben. Waffen, Drogen, Wettmanipulationen, Glücksspiel, Nutten – soll ich weitermachen?«

Ich schüttelte nur den Kopf. »Damit habe ich nichts zu tun.«

»Das weiß ich. Du bist ein gutes Mädchen, Bonnie. Exzellente Noten, ein volles Stipendium und die besten Zukunftsaussichten. Natürlich nur, solange nicht rauskommt, unter wessen Dach du schläfst. Wenn du das Stipendium auch weiterhin in Anspruch nehmen willst, solltest du uns helfen. Das LVPD versucht seit mehr als zehn Jahren, die Morettis zu überführen – du bist sehr wichtig für die Ermittlungen.«

»Danke für den Kaffee«, sagte ich und stand auf. Mein Puls hämmerte so laut an meinen Schläfen, dass ich nichts anderes mehr hörte.

Cooper kam mir hinterher. »Hier, nimm meine Karte und ruf mich an. Ich weiß, dass das alles etwas viel ist, aber ich bin überzeugt, dass du das Richtige tun wirst. Es wäre eine Schande, wenn du nicht weiter studieren könntest, nicht wahr?«

Weil ich nicht noch länger mit ihm reden wollte, erschien es mir leichter, einfach die Visitenkarte zu nehmen.

Den Weg zu Dons Haus legte ich wie in Trance zurück. Wo war ich da nur hineingeraten?

Kapitel 8

Quentin

Als ich zum dritten Mal die gleiche Zahlenreihe kontrollierte, sie aber noch immer keinen Sinn ergab, schlug ich frustriert mit der Hand auf den Tisch. Mehrfach. Wo zum Teufel war meine Konzentration hin? So eine verdammte Scheiße.

»Ich freue mich auch, dich zu sehen, mein Lieblingscousin«, sagte Sage.

Ich fuhr zusammen. Aufgrund des Lärms, den ich selbst veranstaltet hatte, hatte ich ihn nicht hereinkommen hören.

Er trat zwei Schritte zurück, als er meinen Blick bemerkte, und hob die Hände. »Alles gut. Ich schwöre, dass ich in Frieden komme.«

Mit einem Seufzen warf ich den Kugelschreiber auf den Schreibtisch. Dann lehnte ich mich in dem großen Lederstuhl nach hinten und rieb mir über die Augen.

»Ich nehme an, du willst auch einen Drink?« Er ging zu dem Schrank hinter mir, in dem ich die Flaschen aufbewahrte.

»Einen großen. Sehr groß.«

Sage kehrte mit zwei Gläsern zurück, die mehr als großzügig mit Wodka gefüllt waren. Bevor er die Chance hatte, einen Toast auszusprechen oder mir zuzuprosten, hatte ich den Kopf bereits in den Nacken gelegt und den Drink geleert.

Während er sich auf die Schreibtischkante hockte, pfiff Sage durch die Zähne. »Und ich dachte, ich hätte ein unangenehmes Wochenende gehabt. Was ist los?«

Sofort sah ich wieder Bonnie vor mir, fühlte, wie ihre Pussy meinen Mittelfinger umklammerte, und kniff die Augen zusammen. »Nichts.«

»Okay.« Sage nickte und versuchte dabei nicht einmal, so zu wirken, als würde er mir glauben. »Bei mir ist zufälligerweise auch rein gar nichts passiert. Und das meine ich ernst. Ich habe meinen gesamten Charme spielen lassen. Weißt du, wie Wynter reagiert hat? Sie hat mich gebeten, rechts ranzufahren. Natürlich dachte ich, wir würden gleich im Auto zur Sache kommen. Stattdessen hat sie mich geohrfeigt, ist ausgestiegen und mit ihrem Prachtarsch davonspaziert. Ich spüre ihren Handabdruck noch immer.«

»Du hast alles versucht.« Ich stand auf und goss das Glas ein zweites Mal voll. »Willst du nicht etwas schneller trinken?«

»Nein. Ich muss nachher ein paar Besuche erledigen, bei denen es von Vorteil wäre, wenn ich nüchtern bin. Mein Boss ist eine ziemliche Nervensäge.«

»Du kannst mich mal«, gab ich zurück. Immerhin war ich der besagte Boss.

Sage stellte seinen Drink, den er bisher nicht angerührt hatte, auf den Tisch. »Wo ist dein Humor hin? Und was ist noch mit Bonnie passiert? Gib nicht vor, dass nichts passiert ist, denn dann hättest du nicht so schlechte Laune.«

Nachdem ich mich gesetzt hatte, ließ ich den Wodka in meinem Glas kreisen. »Ich hab ihr ein Spanking verpasst.«

»Wow. Echt?« Sage klang ungläubig.

Ich massierte meine Nasenwurzel. »Ja. Bevor du fragst: Ich habe keine Ahnung, was in mich gefahren ist. Sie ist weder meine Sub noch meine Tochter.« Gequält stöhnte ich. »Sie ist meine Stiefschwester. Was habe ich mir nur dabei gedacht?« Ich leerte den Drink und wollte erneut aufstehen, doch Sage legte seine Pranke auf meine Schulter.

Er hielt mich unten und schüttelte langsam den Kopf. »Das Problem löst sich nicht, wenn du dich am helllichten Tag betrinkst.«

»Ich weiß. Aber es hilft mir, das Problem zu vergessen.«

Prompt schoss das Blut in meinen Schwanz, weil ich an Bonnies Kurven dachte, an das kleine Stöhnen, das sie von sich gegeben hatte. Wie sollte ich all das jemals vergessen?

»Also ich werde Wynter so schnell bestimmt nicht wieder vergessen. Ganz im Gegenteil. Ich bin fest entschlossen, sie die Ohrfeige bereuen zu lassen. Wenn ich sie erst einmal im Bett habe …«

Ich unterbrach ihn mit einer Handbewegung. »Du wirst die Finger von ihr lassen. Das ist eine Anordnung, Sage Atlas Moretti. Genau wie ich mich bemühen werde, Bonnie aus meinem Gedächtnis zu streichen.«

Er verschränkte die Arme. Die Empörung stand ihm auf die Stirn geschrieben. »Warum? Ich denke, dir würde es wesentlich besser gehen, wenn du sie vögeln würdest.«

»Sie ist jetzt meine Schwester.« Unfreiwillig hatte ich die Stimme erhoben.

»Stiefschwester«, hielt er dagegen. »Und du solltest dich davon nicht abhalten lassen.«

Ich stöhnte. »Du verstehst es einfach nicht, oder? Wenn es gut läuft, ficke ich sie zwei- oder dreimal, bevor ich die Lust verliere. Ich bin nicht gerade der Typ für Beziehungen, falls es dir aufgefallen sein sollte. Was soll ich danach machen? Sie läuft mit ihrem gebrochenen Herzen zu ihrer Mutter und meinem Vater. Wie stellst du dir das nächste Familienessen vor? Hm?«

Sage schwieg eine Weile, bis er schließlich grinste. »Schwierig?«

»Du bist wirklich ein Scherzkeks. Ich bleibe dabei. Es ist eine dumme Idee und aus dem gleichen Grund lässt du deine Finger von Wynter.«

»Aber …«

»Kein Aber«, grollte ich. »Außerdem hast du selbst gesagt, dass sie dir die kalte Schulter gezeigt hat.«

»Die Schulter war so kalt, dass ich Gefrierbrand davongetragen habe. Nur spornt mich das noch mehr an.«

»Nein, Sage.«

»Wir werden sehen.«

Für einen Moment funkelten wir uns über den Schreibtisch hinweg an. Dann wurden wir von einem Klopfen an der Tür unterbrochen.

»Herein«, sagte ich.

»Sie wollten mich sehen, Moretti?«

»Lieutenant McGregor, schön, dass Sie es einrichten konnten. Setzen Sie sich.«

McGregor verzog kaum merklich das Gesicht. Es war nicht unbedingt so, als wäre er scharf darauf gewesen, für uns zu arbeiten. Aber ein ehrlicher Cop sollte sich eben nicht dabei erwischen lassen, wie er Koks vom Bauch einer Stripperin schnupfte, die in ihrer Freizeit als Nutte arbeitete und mehrfach vorbestraft war. Unser Deal war ebenso simpel wie effektiv. McGregor tat alles, was wir verlangten, und dafür standen wir und die belastenden Fotos seiner Karriere nicht im Weg. Wir halfen ihm sogar dabei, weiter aufzusteigen, damit er seine schützende Hand noch besser über uns halten konnte.

»Wir brauchen alles, was das LVPD über die Pain Bringers weiß.« Ich lächelte ihn an, doch das Lächeln erreichte meine Augen nicht. Wie immer, wenn ich den Lieutenant traf, war es keine Bitte meinerseits.

»Das sind teilweise versiegelte Akten, weil wir zwei Informanten eingeschleust haben.« McGregor war bleich geworden. »Bitte sagen Sie nicht, dass Sie einen Krieg mit den Bikern anfangen wollen.«

»Davon kann keine Rede sein. Und selbst wenn – was wollen Sie tun, um mich zu hindern?«

Sage war aufgestanden und hatte dem Cop, der sich förmlich in seinem Sessel wand, einen Drink eingeschenkt. Als er McGregor das Glas reichte, legte er die Hand auf dessen Schulter, wie er es eben bei mir getan hatte. Nur dieses Mal konnte ich am Gesicht des Lieutenant ablesen, dass er zudrückte und ihm damit Schmerzen zufügte. Ganz am Anfang unserer Zusammenarbeit war McGregor etwas unwillig gewesen und Sage hatte nachhelfen müssen. Seitdem wusste er genau, wo der Lieutenant Narben hatte und für Schmerzen empfänglich war – immerhin hatte er ihm den Großteil davon zugefügt, bis er endlich bereit gewesen war, mit uns zusammenzuarbeiten.

Sage grinste. »Bisher ist mir irgendwie Ihre Zustimmung entgangen.«

»Natürlich werde ich es machen«, versicherte McGregor eilig. »Was bleibt mir anderes übrig?« Seine Schultern sackten nach unten.

»Hier.« Ich wollte ihn bei Laune halten und reichte ihm einen Stapel Bilder. »Das sind unsere neuesten Stripperinnen. Sie kennen das Prinzip, wer zuerst kommt, mahlt zuerst.«

Wie ein Junkie griff McGregor nach den Fotos und vergaß sein moralisches Dilemma in der gleichen Sekunde. »Die hier. Gott, ist die heiß. Wie viel für eine Nacht?«

Ich wollte gerade unsere üblichen Preise herunterleiern, als mein Blick auf das Bild von Bonnie fiel. Es musste unter die anderen gerutscht sein, als ich es in die Ablage gelegt hatte. »Bedaure, aber sie steht nicht zur Auswahl.«

»Warum nicht? Sie ist scharf und bestimmt ein hervorragender Fick.«

Was genau danach passierte, konnte ich nicht sagen. Als ich wieder klar denken konnte, zerrte Sage mich vom Lieutenant herunter und hielt mich fest.

McGregor schniefte und wischte seine blutige Nase ab.

»Es ist besser, wenn Sie gehen«, knurrte Sage.

Das musste er dem Cop nicht zweimal sagen.

Kaum war die Tür ins Schloss gefallen, machte ich mich los.

Mein Cousin grinste. »Schon klar. So interessant findest du Bonnie gar nicht. Ein-, zweimal mit ihr schlafen reicht vollkommen, um diese Art von Obsession zu heilen. Davon bin ich überzeugt. Im Ernst, Quentin, überleg dir, wie du dein Dilemma löst.«

Ich starrte ihn einfach nur an, weil ich nichts zu meiner Verteidigung zu sagen hatte.

Kapitel 9

Bonnie

Der Himmel hatte sich bereits verdunkelt, als ich beschloss, Quentin doch anzurufen. Das Wetter schien meine Laune zu teilen.

Die letzten beiden Tage hatte ich damit zugebracht, sämtliche Versionen in meinem Kopf durchgehen. Sollte ich Quentin und seinen Vater verraten? Nicht, dass ich gutheißen würde, was sie taten, aber wenn ich ehrlich zu mir war, wusste ich nicht einmal, was das überhaupt war. Außerdem wollte ich weder mich noch meine Mutter unglücklich machen. Mein Instinkt sagte mir zusätzlich, dass es eine dumme Idee war, Don und Quentin Moretti gegen mich aufzubringen.

Abgesehen davon ließ ich mich nicht gern erpressen und nichts anderes hatte der Cop versucht.

Heute Nachmittag schon hatte ich Quentins Nummer von der Kühlschranktür gepflückt, nachdem meine Mutter sie dort auf einem Zettel notiert hatte. Dabei hatte ich vorgegeben, die Telefonnummer nicht längst auswendig zu kennen. Es war erbärmlich. Ich war erbärmlich.

Dabei war ich eigentlich noch verdammt sauer auf ihn, weil er mir in seinem Büro den Hintern versohlt und mich zum Kommen gebracht hatte, nur um mich danach zurückzuweisen. Ich hätte gedacht, eher zu sterben, als Quentin freiwillig anzurufen, doch da war die Sache mit dem Cop. Ein Blitz zuckte über den Himmel, gleich darauf donnerte es. Wie so oft in Nevada ließ der Regen auf sich warten.

Ich wählte Quentins Nummer und lauschte mit wild klopfendem Herzen dem Freizeichen.

»Was willst du?« Er klang ebenso brüsk wie bei unserer letzten Begegnung und meine Laune sank.

»Quentin, ich bin’s, Bonnie. Wir müssen reden.«

»Es gibt zwischen uns nichts zu bereden.« Sein Tonfall war dermaßen unterkühlt, dass ich erschauerte.

Am liebsten hätte ich aufgelegt, stattdessen zwang ich mich, durchzuatmen. »Glaub mir, du bist gerade der letzte Mensch auf der Welt, den ich sehen will, aber wir müssen reden. Wenn ich eins aus Hollywood-Blockbustern gelernt habe, dann, dass man über solche Dinge nicht am Telefon redet. Du musst hierherkommen. Okay?«

Er schwieg so lange, beinahe hätte ich alles wiederholt, bis er endlich antwortete: »Ich komme vorbei.«

»Gut.«

Mein reizender Stiefbruder hatte längst aufgelegt.

Ich nahm das Buch, in dem ich vorher gelesen hatte, und setzte mich wieder ans Fenster. Immerhin konnte ich nicht wissen, wann genau er sich dazu herablassen würde, mich mit seiner Gegenwart zu beehren.

Zwischen die letzte Seite und den Einband hatte ich die Karte von Detective Cooper Stann geklemmt. Nicht zum ersten Mal wünschte ich den Kerl zum Teufel. Warum musste er ausgerechnet mich anvisieren?

Nachdem ich ein paar Zeilen gelesen hatte, tastete ich abwesend nach dem Lichtschalter. Draußen war es noch dunkler geworden und inzwischen schien es nur noch zu donnern. Die Blitze hielten sich mit ihren Auftritten zurück.

Das Licht ging an und ich machte es mir im Sessel gemütlich.

»Du wolltest reden?«

Ich bekam beinahe einen Herzanfall, als Quentins Stimme hinter mir erklang. Eine Hand an die Brust gepresst, fuhr ich hoch und starrte ihn an. »Grundgütiger! Hast du mich erschreckt. Warum hast du nicht geklingelt?«

Er stand im Türrahmen zu meinem Zimmer, hatte die Arme verschränkt und wirkte wie aus dem Ei gepellt. Der maßgeschneiderte Anzug betonte seine breiten Schultern. »Ich habe einen Schlüssel. Das ist das Haus meines Vaters, falls es dir noch nicht aufgefallen sein sollte. Es gibt keinen Grund, zu klingeln.«

»Warum stehst du in der Tür? Nein, warte, sag nichts, du bist ein Vampir, richtig? Du kannst nur hereinkommen, wenn ich dich einlade, über die Schwelle zu treten, stimmt’s? Komm näher, ich erlaube es dir.«

»Ich glaube, ich stehe hier ganz gut. Was willst du?«

Vermutlich hatte er recht, wenn er Abstand zu mir hielt, ich hatte nämlich Lust, ihm die Augen auszukratzen. Dann riss ich mich zusammen und zog die Visitenkarte aus dem Buch, das ich auf meinen Schreibtisch legte.

»Ein Cop hat mich angesprochen.«

Quentins Augen wurden schmal. »Und?«

Ich hielt ihm die Karte entgegen, doch er kam nicht näher. Er starrte mich einfach nur an, bis ich den Arm sinken ließ. »Er wollte mich erpressen. Entweder ich verrate ihm, was ich über euch weiß, oder ich verliere mein Stipendium. Zumindest war das seine Drohung.«

Endlich setzte mein Stiefbruder sich in Bewegung und nahm mir die Karte ab. »Wo hat er dich angesprochen?«

»Wir waren Kaffee trinken.«

»Du warst mit einem Cop Kaffee trinken?« Quentin wirkte, als würde ihm gleich eine Ader auf der Stirn platzen.

»Nein. Er hat sich als Student ausgegeben und mich in der Bibliothek angesprochen. Die Marke hat er mir erst gezeigt, als wir schon beim Kaffee waren.«

»Ein Date, wie nett.« Quentin musterte die Karte in seiner Hand, steckte sie ein und trat zwei Schritte zurück. »Mach dir keine Sorgen. Ich kümmere mich darum.«

»Was soll das heißen?«

Obwohl er schon bei der Tür war, hielt er inne. »Das soll heißen, dass ich mich darum kümmern werde.«

»Wirst du ihn umbringen?« Kalte Angst erfüllte meinen Magen, und ich bereute die Frage in dem Moment, in dem ich sie aussprach. Aber ich konnte es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, zu wissen, dass ich möglicherweise für einen Tod verantwortlich war.

Quentin drehte sich um, stützte sich mit einer Hand am Türrahmen ab und massierte sich die Nasenwurzel. »Nein. Das werde ich nicht tun. Ich weiß nicht einmal, wie du auf diese Idee kommst. Wir betreiben ein kleines Import-Export-Unternehmen – deshalb gibt es keinen Grund, den Cop umzubringen. Ich werde mit jemandem reden, der mit jemandem redet, der Detective Stann freundlich daran erinnern wird, was seine Aufgaben in dieser Stadt sind. Er wird dich nicht mehr belästigen.«

»Hältst du mich eigentlich für dumm? Import-Export-Unternehmen? Trägst du deshalb eine Waffe?«

»Ich trage keine Waffe.«

»Ach nein?«

Bedrohlich langsam schüttelte Quentin den Kopf. »Nein. Ich habe sie im Auto gelassen, da ich zu viel Angst hatte, dass ich dich erschieße, weil du mir auf die Nerven gehst.«

Seine Worte waren wie ein Schlag in den Magen. Was war eigentlich sein verdammtes Problem? Ich hatte ihm doch gar nichts getan. Er war es gewesen, der mich aus dem Klub und in sein Büro gezerrt hatte. Er hatte mich auf seinen Schreibtisch gebeugt und …

Ich spürte, dass meine Wangen feuerrot geworden waren. Der nächste Donnerschlag zerriss die Stille zwischen uns.

»Weißt du was?«, fauchte ich. »Gib mir die Karte zurück. Ich hab’s mir anders überlegt.«

Ein Ruck ging durch Quentins Körper. »Darüber würde ich an deiner Stelle keine Witze machen.«

»Nein? Was hast du denn vor? Willst du mir den Hintern versohlen, wenn ich wieder etwas ausplaudere?«

Mit zwei schnellen Schritten war Quentin bei mir. Ich schnappte nach Luft, als er meinen Oberarm umklammerte.

»Wieder?«, knurrte er. »Was soll das heißen? Wieder? Hast du etwas ausgeplaudert?«

Das Herz schlug ganz hinten in meiner Kehle, weil der Ausdruck in seinen Augen mich in Panik versetzte.

Ich schüttelte den Kopf. »Nein. Das war nur so dahergesagt.«

Sein Griff wurde fester, und er beugte sich so nah zu mir, dass ich seinen Atem auf meinem Gesicht spürte. »Warum sollte ich dir glauben?«

»Quentin, bitte. Ich habe nichts gesagt, ich weiß doch überhaupt nichts.«

Statt mir zu antworten, musterte er mein Gesicht. Seine Finger schienen sich mit jeder Sekunde tiefer in meinen Arm zu bohren.

Ich wimmerte. »Du tust mir weh.«

»Du hast nicht die geringste Ahnung, wie weh ich dir tun würde, wenn du mich hintergehst, Bonnie.«

Meine Kehle war wie zugeschnürt. Ich hatte schon oft gehört, wie Leute große Töne spuckten oder wilde Drohungen ausstießen, bei denen man sofort wusste, dass sie es nicht so meinten und viel zu feige waren, ihre Pläne in die Tat umzusetzen.

Quentin meinte jede Silbe ernst.

Ich nickte. »Verstanden. Bitte lass mich los.«

Sein Blick wanderte zu seiner Hand, als wäre ihm bis dahin nicht klar gewesen, dass er mich festhielt. Er ignorierte, was ich gesagt hatte, und zog mich näher zu sich, bis er auch meinen anderen Arm umfassen konnte. »Erzähl mir noch einmal genau von deiner Begegnung mit dem Cop. Ihr wart Kaffee trinken?«

»Ja. Da gibt es sonst nichts zu erzählen.«

»Hat er versucht, dich zu küssen?«

Für ein paar Sekunden starrte ich Quentin verständnislos an. »Was? Nein. Warum sollte er das tun? Jetzt lass mich bitte los.«

Ich wollte mich aus der Umklammerung winden, doch ich hatte keine Chance.

Quentins Augen blitzten auf, als der nächste Donnerhall das Haus erzittern ließ. »Tut mir leid, Kleines, aber ich kann nicht.«

Tut mir leid, Kleines, aber ich kann nicht? Was zum Henker sollte das jetzt wieder heißen?

Ehe ich den Gedanken weiterverfolgen konnte, küsste er mich. Seine Lippen waren auf meinen, seine Zunge drang in meinen Mund und dabei hielt er mich die ganze Zeit unerbittlich fest.

Ich wimmerte und wusste nicht mehr, was ich eigentlich wollte. Ein Teil von mir war sich im Klaren darüber, wie gefährlich Quentin war und dass ich im Begriff war, eine riesige Dummheit zu machen. Nur hatte sich der Rest längst ergeben.

Quentin drängte mich nach hinten, bis ich den Bettrahmen an meinen Beinen spürte. Ich trug bloß eine dünne Yogahose und einen übergroßen Pullover – beides bot keinerlei Schutz vor der Hitze, die von seinem starken Körper ausging.

Die weichen Barthaare kitzelten meinen Hals, bevor er mich seine Zähne spüren ließ. Ich suchte nach dem richtigen Protest, den Worten, die ihn dazu bewegen würden, aufzuhören. Doch ich fand sie nicht. Vielleicht wollte ich sie nicht finden.

Atemlos lag ich auf dem Rücken, Quentin war über mir. Sein Gewicht drückte mich in die Matratze und hielt mich gefangen. Dann waren seine Finger unter dem Sweatshirt und glitten über meine Rippen, strichen an der Unterseite meiner Brüste entlang. Warum genau hatte ich gedacht, es wäre eine gute Idee, keinen BH anzuziehen?

Mir wurde bewusst, dass ich es ihm sagen sollte. Ich musste Quentin zu verstehen geben, wie unschuldig ich im Grunde noch war.

Als er seine Hand zwischen meine Beine schob, schaltete mein Verstand sich ab und ließ mich im Stich. Statt meinen Stiefbruder aufzuhalten, hob ich das Becken an, damit er mir die Hose abstreifen konnte.

»Halt still«, befahl er harsch.

Ich hatte nach ihm greifen wollen und hielt inne. Quentin drängte mich nach hinten und presste meine Handgelenke neben meinem Kopf aufs Laken. Mit den Fingerkuppen strich er über die Innenseite meiner Oberschenkel, bevor er meine Beine noch weiter auseinanderdrückte.

In der letzten Sekunde wurde mir klar, was er vorhatte, und ich schrie leise auf. Es war zu spät. Sein Mund war auf mir und seine Zunge berührte meine intimste Stelle. Das kleine Nervenbündel reagierte mit einer Explosion von Empfindungen, die durch meinen ganzen Körper vibrierten.

Vor Quentin hatte noch kein Mann mich überhaupt an der Pussy berührt – geschweige denn mit der Zunge.

»Oh«, flüsterte ich ehrfürchtig, als er zu saugen begann.

Quentin schien keine Zeit verlieren zu wollen und ging sehr zielstrebig vor. Zumindest nahm ich das an, da mir die Vergleichsmöglichkeiten fehlten.

Er umkreiste meine Klit mit der Zungenspitze, bis ich atemlos keuchte. Ich spürte das dringende Verlangen, seinen Kopf zu packen und ihn so eng wie möglich an mich zu pressen. Doch ich wagte es nicht, sondern vergrub die Finger im Bettlaken.

Ich spürte das bittersüße Brennen, das den Höhepunkt ankündigte. Meine Muskeln verkrampften sich, waren bis zum Zerreißen gespannt. Es war mir nicht einmal peinlich, wie laut ich wimmerte.

Dann kam ich. Weiße Punkte flirrten hinter meinen geschlossenen Lidern, und ich biss mir auf die Unterlippe, damit ich nicht noch etwas Dummes sagte – oder Quentins Namen stöhnte.

Meine gekrümmten Zehen hatten sich noch nicht wieder gelöst, da schlug ich die Augen auf, weil ich das Rascheln hörte, als Quentin sich auszog.

Ich spürte seinen nackten Körper auf mir und war zu bezaubert von dem Gefühl, um zu protestieren. Er suchte meinen Mund, küsste mich. Ich schmeckte mich auf seiner Zunge. Im gleichen Moment sank er zwischen meine Beine. Sein Schwanz rieb über meine Pussy.

Quentin griff zwischen uns, brachte sich in Position und drang mit einem Stoß in mich. Ich hatte gedacht, feucht genug zu sein und auf gewisse Weise vorbereitet, immerhin war ich bereits gekommen, doch der Schmerz raubte mir den Atem.

Ein Aufschrei kam über meine Lippen und ich verkrampfte mich. Quentin hielt inne und sah auf mich herunter.

Kapitel 10

Quentin

Fuck!

Das war mein erster Gedanke, während ich mich aufrichtete und mein Gewicht auf die Ellenbogen verlagerte. Ich wollte mich schon aus ihr zurückziehen, als mir aufging, dass ich ihr damit vielleicht noch mehr Schmerzen zufügen würde.

Es war verdammt hart, sich nicht zu bewegen. Ihre enge Pussy pulsierte um meinen Schaft, trieb mir die Schweißperlen auf die Stirn.

Offensichtlich hatte ich falschgelegen, als ich Bonnie für ein Luder gehalten hatte. Warum zum Teufel hatte sie nichts gesagt?

»Warum zum Teufel hast du nichts gesagt?« Meine Stimme war so rau – die Worte glichen eher einem Knurren.

Es kostete Bonnie sichtlich Mühe, ihre Zähne aus der Unterlippe zu lösen. Am liebsten hätte ich mit der Zunge über die Abdrücke geleckt, die sie hinterlassen hatte.

»Meine Hoffnung war, dass du es nicht merkst.«

»Du hältst mich also für einen Idioten?« Ich zog eine Augenbraue hoch.

Sie wich meinem Blick aus. »Können wir jetzt einfach weitermachen?«

Es war offensichtlich, dass sie keine Ahnung hatte, was sie eigentlich tat, aber als sie sich bewegte, schickte sie einen Schauer durch meinen Körper. Ich spannte sämtliche Muskeln an, um mich zu beherrschen.

Da ich selbst nicht wusste, wie ich mich verhalten sollte, zog ich die Hüften probehalber ein Stück zurück und stieß erneut in Bonnie.

Sofort verkrampfte sie sich wieder. Ich wollte aufstehen, als sie unerwartet die Beine um meine Taille schlang. Es prickelte in meinen Hoden, weil sie mich damit näher an sich heranzog. Wenn sie so weitermachte, würde sie mich in den nächsten Minuten um den Verstand bringen.

»Nicht!«, bat sie. »Du kannst mich jetzt hier nicht liegen lassen …«

Dabei stieg das Blut in ihre Wangen, und sie schlug die Augen nieder, denn sie konnte nicht einmal meinem Blick standhalten.

Eher widerwillig ließ ich mich sinken.

»Es hat schon nicht mehr so wehgetan wie beim ersten Mal«, wisperte sie.

»Eigentlich wollte ich dir überhaupt keine Schmerzen zufügen.« Zumindest nicht auf diese Weise.

Bonnie schaute mich an. »Lügner. Es war wesentlich schlimmer, als du mich auf deinen Schreibtisch gedrückt und mir den Hintern versohlt hast.«

»Genau das hättest du jetzt auch verdient.«

Ich bewegte mich erneut und hörte, wie Bonnie scharf Luft einzog, doch dieses Mal kippte sie ihr Becken und kam mir entgegen.

»Würde dich das anmachen? Mich zu schlagen?«, wollte sie wissen.

Für ein paar Sekunden zog ich es in Betracht, sie anzulügen, bis ich mich entschied, bei der Wahrheit zu bleiben. »Ja, würde es.«

»Was noch?«

Ich stieß in sie und genoss das leichte Beben, das daraufhin durch ihren Körper lief. »Was ich noch mit dir tun würde?«

»Ja!«

Inzwischen kam sie mir entgegen. Ihr Oberkörper war mit roten Flecken überzogen, ihre Atmung hatte sich beschleunigt. Mit jedem Stoß schien ihre Pussy nasser und nasser zu werden. Ich schob die Hand zwischen unsere Körper. Während ich die Finger auf ihrer Klit kreisen ließ, erklärte ich: »Abgesehen von dem Spanking, das du dir definitiv verdient hast, würde ich wahrscheinlich das hier machen.«

Immer schneller rieb ich über ihre empfindlichste Stelle, bis ich spürte, wie ihre Muskeln sich um meinen Schwanz zusammenzogen. Dann hörte ich auf.

Als Bonnie den Mund öffnete, um zu protestieren, legte ich die Hand mit den nassen Fingerspitzen um ihren Hals und drückte zu. Dicht vor ihren Lippen flüsterte ich: »Und das hier.« Ich küsste sie, ließ meine Zunge in ihren Mund gleiten. Ein Glücksgefühl erfasste mich, weil sie unter mir erschauerte und die Nägel in meine Schultern grub.

»Quentin, bitte«, flehte sie. »Ich glaube, ich werde sterben, wenn du mich nicht kommen lässt.«

Noch im gleichen Moment wurde ich süchtig danach, wie sie meinen Namen benutzte, um zu betteln. »Wiederhol das.«

»Bitte, Quentin, bitte.«

Schon im nächsten Herzschlag massierte ich ihren Kitzler, bis Bonnie unter mir kam. Sie schrie auf und zuckte, bevor sie vollkommen ruhig unter mir lag. Ich biss die Zähne zusammen, um nicht wie ein unerfahrener Teenager viel zu früh in ihr abzuspritzen.

Erst als sie sich beruhigt hatte, bewegte ich mich wieder in ihr, fickte sie mit gleichmäßigen Stößen weiter. Sie schien keine Schmerzen mehr zu haben, was dafür sorgte, dass ich nach und nach die Zurückhaltung ablegte.

»Gott«, murmelte Bonnie und schob sich mir entgegen.

Ich war verloren und erkannte es jetzt. Schon vom ersten Augenblick war mir klar gewesen, dass ich Bonnie nie wieder loswerden würde oder wollte.

Härter und schneller stieß ich in sie, bis das vertraute Ziehen meinen Orgasmus ankündigte. Ich beschleunigte mein Tempo, bis ich tief in ihr den Höhepunkt erreichte und mein Sperma in sie pumpte.

Atemlos verharrte ich. Das war unerwartet gewesen. Alles daran war unerwartet gewesen.

Bonnie löste ihre Schenkel von mir und ließ die Beine aufs Bett sinken. »Wow.«

»Du sagst es.« Ich zog mich aus ihr zurück und betrachtete das Blut auf meinem Schwanz. Jungfrauen waren eine echte Sauerei, weshalb ich sie auch bisher großzügig ignoriert hatte. Ich bevorzugte es, wenn die Frau bereits Erfahrung hatte und wusste, was sie wollte.

»Bin sofort zurück.« Ich ging ins Bad, um mich zu waschen und das Blut loszuwerden. Mir war auch so klar, was ich angerichtet hatte, ich musste nicht länger als unbedingt notwendig damit konfrontiert werden. Sage würde sich vor Lachen nicht mehr einkriegen, wenn ich ihm erzählte, was ich getan hatte.

Ich hatte mit meiner Stiefschwester geschlafen, die zu allem Überfluss auch noch Jungfrau gewesen war. Nachdem ich mir großzügig kaltes Wasser ins Gesicht gekippt hatte, starrte ich in den Spiegel. Was zum Henker sollte ich jetzt tun?

Ich brauchte noch zwei Minuten, um mich zu sammeln, bevor ich ins Schlafzimmer zurückkehrte. Mir blieb keine Zeit, mich überhaupt zu äußern, denn Bonnie hob direkt die Hand. »Ja, ja«, sagte sie. »Ich weiß. Das war ein Fehler, wir sollten es nicht noch mal machen, blablabla. Mir ist klar, dass es nur Sex war. Und keine Sorge: Von mir erfährt niemand etwas. Ich werde auch nie wieder mit dem Cop reden, okay?«

Fehler? Nicht noch mal machen? Obwohl das in etwa das war, was ich mir ebenfalls zurechtgelegt hatte, widerstrebte es mir, diese Dinge aus ihrem Mund zu hören.

Wortlos ließ ich meinen Blick über Bonnie gleiten. Sie hatte ihre Hose angezogen und diesen scheußlichen Pullover übergestreift. Nur die Tatsache, wie durcheinander ihre Haare waren, erinnerte daran, was wir gerade getan hatten.

Es zog in meinem Unterleib, weil ich kurz mit dem Gedanken spielte, zu sehen, wie sie reagierte, wenn ich sie erneut auf die Matratze drückte. Bonnie saß auf der Bettkante und lächelte, als könnte sie kein Wässerchen trüben.

Wie konnte dieses Luder sich erlauben, mich einfach wegzuschicken?

Wut flackerte in mir auf. Das konnte wohl kaum ihr Ernst sein. Erst brachte sie mich dazu, über sie herzufallen, und anschließend wollte sie mich loswerden? Das konnte sie sich abschminken.

Bonnie gehörte mir.

Der Gedanken irritierte mich kurz, bevor er mir unglaubliche Ruhe schenkte. Bonnie gehörte mir. Sie gehörte mir. Mir ganz allein.

»Wo sind Dad und deine Mutter?«, wollte ich wissen. Bis ich einen konkreten Plan hatte, sah ich keinen Grund, Bonnie an meiner Erkenntnis teilhaben zu lassen.

»Auf Kuba.«

Am liebsten hätte ich gegrinst, aber ich behielt eine vollkommen ausdruckslose Miene bei. »Dann bist du ganz alleine hier?«

Ihr Gesichtsausdruck wurde argwöhnisch. »Warum fragst du?«

»Du solltest nicht allein zu Hause bleiben. Am besten, du kommst mit zu mir.«

»Nein.« Sie verschränkte die Arme.

Ich lächelte. »Du willst unbedingt noch ein Spanking, oder? Dir sollte klar sein, dass das keine Frage war, Kleines. Entweder du packst ein paar Sachen oder ich nehme dich mit, wie du bist. Deine Entscheidung.«

»Ich glaube, du spinnst. Du hast kein Recht, mich herumzukommandieren. Was willst du machen? Mich gegen meinen Willen mitschleifen?«

Bonnie täuschte sich, denn ich war der Meinung, dass sie mir jegliches Recht übertragen hatte, als sie mir erlaubt hatte, sie zu vögeln. Also begnügte ich mich mit einem knappen Nicken.

Sie wurde blass. »Grundgütiger! Du meinst es ernst.«

»Und wie. Deswegen überlegt man sich immer gut, wen man in sein Bett lässt.«

»Fahr zur Hölle, Quentin. Ich werde nirgendwo mit dir hinfahren. Finde ich dich heiß? Ja. Bereue ich es, mit dir gevögelt zu haben? Nein, es wurde eh Zeit. Wird es wieder passieren? Nein. Es ist besser, wenn du jetzt gehst.«

Ich seufzte. Bonnie war wirklich stur.

Sie wirkte erleichtert, als ich den ersten Schritt in Richtung Tür machte. Nur wollte ich ihr Zimmer nicht verlassen, sondern ging zu dem begehbaren Kleiderschrank, der sich neben der Zimmertür befand.

Auf dem obersten Regalbrett rechts von mir lag eine hässliche rosafarbene Reisetasche. Bonnies Geschmack war mehr als fragwürdig. Ich warf etwas Unterwäsche, die einzigen Schuhe, die ich finden konnte, und ein paar Klamotten in die Tasche. Falls sie sonst noch etwas brauchte, würde ich es ihr notfalls kaufen.

Sie war vom Bett aufgesprungen und hatte die Fäuste geballt, als ich zu ihr zurückkehrte.

»Deine Arroganz kennt wirklich keine Grenzen!«, fauchte sie.

Ich lächelte. »Kommst du freiwillig mit?«

»Niemals.«

Mein Lächeln vertiefte sich. Ich ging in den Flur und warf die Tasche achtlos über das Geländer. Mit einem sanften Plopp landete sie im Erdgeschoss. Dann machte ich mich auf die Jagd nach Bonnie. Sie stand auf der anderen Seite des Bettes, doch das bot keine Herausforderung.

Ich umrundete es und musste nur die Hand ausstrecken, als Bonnie eilig über die Matratze klettern wollte. Ohne große Mühe erwischte ich ihren Knöchel und zog sie zu mir. Die kleine Kratzbürste versuchte, nach mir zu treten. Sie war chancenlos. Nur wenige Sekunden später hatte ich sie über meine Schulter geworfen und gab ihr einen saftigen Klaps auf den Arsch, damit sie stillhielt. »Du hättest freiwillig mitkommen können.«

»Ich verstehe schon nicht, warum ich überhaupt mitkommen muss.«

»Ach, Kleines. Ich muss auf dich aufpassen, damit du nicht erneut in Schwierigkeiten gerätst. Außerdem kann ich es kaum erwarten, dich noch mal zu ficken.«

Ihr Strampeln wurde weniger. »Meinst du das ernst?«

»Natürlich. Es gibt so viele Dinge, die du nicht kennst, und ich schätze, es ist jetzt meine Aufgabe, sie dir beizubringen.«

Sie schien darüber nachzudenken, während ich sie über die Treppe nach unten trug. Ihr verführerischer Duft erfüllte dabei meine Nase und ließ mir das Wasser im Mund zusammenlaufen. Ich konnte es kaum erwarten, mich ein weiteres Mal an ihr zu vergehen. Wie lange dauerte es wohl, bis eine Jungfrau nicht mehr wund war?

»Was springt für dich dabei raus? Ich meine, du wirst mir wohl kaum uneigennützig Nachhilfe in Sachen Sex geben.«

Ihre Denkweise amüsierte mich. »Erstens springt für mich Sex dabei raus, und zweitens gibt es Schlimmeres, als dir direkt alles beizubringen, wie ich es bevorzuge. Wann hat man schon die Gelegenheit, sich die perfekte Geliebte heranzuzüchten?«

Prompt begann sie wieder, sich auf meiner Schulter zu winden, und trommelte mit ihren kleinen Fäusten auf meinen Rücken. »Ich will aber gar nicht deine Geliebte werden!«

»Das hättest du dir vorher überlegen müssen, und jetzt halt still, sonst kommst du in den Kofferraum.«

Meine Drohung zeigte Wirkung. Bonnie verhielt sich ruhig, bis wir an meinem Wagen ankamen. Ich stellte sie ab und öffnete die Beifahrertür. »Steig ein. Mach keinen Unsinn, bis ich deine Tasche geholt habe. Verstanden?«

Sie rümpfte nur die Nase, dann kletterte sie in den Wagen.

Offensichtlich war jemand sehr scharf auf ein ausgiebiges Spanking.

Nachdem ich ihre Tasche geholt, das Licht ausgeschaltet und das Haus abgeschlossen hatte, stieg ich ins Auto und startete den Motor.

Bonnie schwieg beharrlich. Ich störte mich nicht daran, denn so konnte ich meinen eigenen Gedanken nachhängen. Natürlich würde ich unseren Eltern erklären müssen, warum Bonnie jetzt bei mir wohnte. Vermutlich würden sie geschockt reagieren, aber nach einer Weile würden sie sich sicher daran gewöhnen. Außerdem konnte ich den Cop, der Bonnie belästigt hatte, als Ausrede benutzen. Ich wollte Bonnie bloß beschützen. Und ficken. Den Teil würde ich besser weglassen, wenn ich mit meinem Dad sprach. Genau wie ich es vorzog, in diesem Moment nicht über die ganze Sie-ist-deine-Stiefschwester-Angelegenheit nachzudenken.

Wir waren noch nicht weit gefahren, als mein Handy klingelte. Da es inzwischen mitten in der Nacht war, wusste ich, dass es nur etwas Geschäftliches sein konnte. Zwar hatte ich gerade keine Zeit, doch als Boss musste ich zumindest in Erfahrung bringen, worum es ging.

Impressum

Verlag: BookRix GmbH & Co. KG

Tag der Veröffentlichung: 03.11.2019
ISBN: 978-3-7487-1961-8

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