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Besichtigung

Besichtigung

„Dies ist ein historische Treppe, die deshalb auch unter Denkmalschutz steht,” verkündet die Maklerin voller Stolz.
Mit ihr war ein Ehepaar gekommen, das trotz des heutigen Freitags in den Sommerferien die Wohnung besichtigen wollte. Das Objekt war im ersten Stock weitestgehend leer geräumt. Als sie so dastanden, entwich ihnen ein Ausruf des Erstaunens über die eindrucksvolle Treppenanlage, die bei der äußeren Erscheinung des Hause nicht zu vermuten gewesen war. Das Geländer zeigte beste Drechslerarbeit, der Treppenlauf selber war aus edlen, gepflegten Hölzern hergestellt.
Das Ganze befand sich in einem 3-geschossigem Haus aus der Gründerzeit. Im Erdgeschoss waren zwei Geschäfte, darüber Wohnungen. Das anschließende Dachgeschoss war teilweise mit einer Wohnung ausgebaut. Der verbleibende Dachraum war Trockenboden geblieben.
Von außen waren auf der Giebelseite die üblichen Verzierungen zu sehen, wie es dem Baustiel dieser Stadt entsprach.
Nachdem alle ausreichend die imposante Treppe gewürdigt hatten, machte man sich an den Aufstieg.
Die Treppe quietschte und die Ehefrau bemerkte, dass sich der Treppenlauf doch sehr durchbiegen würde. Die Maklerin beschwichtigte, dass dies bei so alten Treppen normal sei.
Da das strahlende Wetter die Immobilie im besten Licht erscheinen ließ, war das Paar von der Wohnung begeistert. Alles, bis auf eine neuwertige Waschmaschine war ausgeräumt, sodass alles gut zugänglich und zu sehen war. Man war begeistert, wollte aber trotzdem noch das Wochenende darüber schlafen und sich dann am Montag melden.
Nachdem alles so positiv verlaufen war, verabschiedeten sie sich ins Wochenende. 

Treppensturz

Treppensturz

Der Samstagabend in diesem Hause war der ideale Zeitpunkt, um gewisse dunkle Geschäfte durchzuführen. Dies hatten auch zwei Gestalten gedacht, die sich auf den Weg in die fast leere Wohnung im ersten Stock machten. Sie wussten, dass die Räume bis auf eine noch fast neue Waschmaschine leer waren. Der Zugang war ihnen leicht gemacht, da die Hauseingangstür nur angelehnt war und die Wohnung nur ein altes Buntbartschloss hatte.
Schnell war gefunden, wonach sie gesucht hatten, nämlich die Waschmaschine. Fertig für den Abtransport stand sie da, weil nächste Woche die Wohnung komplett leer geräumt sein sollte.
Mit lautem Ächzen waren sie im Treppenhaus unterwegs. Als sie das letzte Stück erreicht hatten, bog sich die Treppe unter dem Gewicht der beiden starken Männer und der Maschine erst stark durch. Dann gab es ein Knirschen, dann ein Bersten. Die Treppe senkte sich erst langsam, dann immer schneller. Instinktiv hatten sich die beiden Gestalten am Geländer festgehalten, sodass sie langsam und unbeschadet dem Erdboden entgegen kamen.
Als alles in einer Staubwolke unten angekommen war, trat Stille ein. Den beiden Dieben war das jetzt doch zu viel Aufmerksamkeit und sie verließen schleunigst das Haus und waren nimmer gesehen.
 

Lind's Auftritt

Lind's Auftritt

 

Lind hatte sich am Freitag Abend frühzeitig ins Bett begeben, weil er noch etwas vor hatte.
Seine geschmackvoll eingerichtete Wohnung befand sich im ersten Stock. Er hatte mitbekommen, das die Nachbarn auf der Etage ausgezogen waren und die Räume jetzt leer standen. Dies versprach ihm ausreichend Ruhe für die nächsten Stunden.
Es wollte zur Fledermaus-Erkundung aufbrechen. Diese konnte wegen der nachtaktiven Tiere nur in der Dunkelheit stattfinden. Er hatte sich schon die ganze Woche darauf gefreut. Für Lind war es ein Vergnügen, so in der Nacht auf einer Parkbank zu sitzen, nur die Nacht um ihn herum. Der Fledermaus-Detektor würde neben ihm liegen und das einzige Geräusch in der Stille erzeugen. Vollmond und ein sternenklarer Himmel war angesagt, es ging also nicht besser. Die fliegenden Säugetiere würden sich als flatternde Wesen vor dem Himmel abzeichnen. Er war jedes mal begeistert von dem Naturschauspiel, wie ein Wesen allein durch Schallortung seine Nahrung findet.

Wie er so dalag und langsam in den Schlaf glitt, gab es einen lautes Getöse im Flur, als ob dort etwas zusammengebrochen sei. Er sprang auf, denn mit dem Schlafen war es jetzt erst einmal vorbei. Die erste Erforschung durch den Türspion ergab nur eine Staubwolke, die undurchdringlich schien. Also blieb ihm nichts anderes übrig, als sich anzuziehen und nach dem Rechten zu sehen.
Gesagt - Getan.
Als er nun fertig angezogen die Wohnungseingangstür öffnete, offenbarte die Flurbeleuchtung das Chaos. Ein Teil des Staubes hatte sich gesenkt und er konnte den Schaden überblicken. Die Treppe in das Erdgeschoss und somit die Verbindung nach draußen, war verschwunden!
Langsam kam Lind die Tragweite dieses Ereignisses zu Bewusstsein. Wie sollte er nun das Haus verlassen? Nachdem die Lähmung, die dieser Schock bei ihm bewirkt hatte, überwunden war, besah er sich den Schaden. In unerreichbarere Ferne lagen die Reste der historischen Treppe auf dem Boden und er glaubte es kaum, eine Waschmaschine. "Dies musste das Gerät aus der leeren Nachbarwohnung sein," sagte er sich. Sein nächtliche Exkursion konnte er sich wohl an den Hut stecken, war Lind's erste Überlegung.

Simone Klarin

Die Nachbarin

 „Was ist denn hier passiert und was macht die Waschmaschine da unten?” waren Worte, die ihn in die Wirklichkeit zurückholten. Durch den Lärm angelockt, stand die nette und hübsche Nachbarin aus der Dachgeschosswohnung plötzlich neben ihm.
In Gedanken nannte er sie immer 'Das Fräulein'. Tatsächlich hieß sie Simone Klarin und hatte ein geschätztes Alter von 25 Jahre, also so alt wie Lind selber. Ab und zu waren sie sich begegnet und hatten sich gegrüßt. Mehr war leider nicht passiert, weil das "Fräulein" es immer so eilig hatte. Sie war ihm sympathisch und hatte immer guter Laune. Über das Klingelschild hatte er den Namen Simone Klarin herausgefunden.
Sie stand im Bademantel und nassen Haaren neben ihm. „Sie müssen meinen Aufzug entschuldigen, aber ich stand gerade unter der Dusche. Heute ist eine interessante Theateraufführung, zu der ich wollte. Das wird wohl nichts.”
"Diese Gedanken hatte ich auch schon," pflichtete er ihr bei.
"Wie soll man sich denn das ganze erklären?", sprach sie zu sich.
"Als ich im Bett lag, hörte ich Geräusche aus der leeren Nachbarwohnung. Dann leise Schritte, anschließend das Getöse im Flur. Jemand muss versucht haben, die Maschine aus der leeren Wohnung zu stehlen. Doch lassen sie mich mal überlegen."

Notreparatur

Notreparatur

Lind's Gehirn lief nun auf Hochtouren, wie das Problem wohl zu lösen sei. "Zuerst müssen wir die Polizei verständigen und den versuchten Diebstahl der Waschmaschine anzeigen" schlug er vor.
"Das will ich gerne tun," teilte das 'Fräulein' ihm mit. Sie verschwand. Er hörte anschließend leise ihre Stimme von oben. Jetzt konnte er in aller Ruhe weiter überlegen. Zuerst musste die Treppe provisorisch wieder hergestellt werden. Nach kurzer Zeit erschien sie wieder, um ihm mitzuteilen, dass die Beamten gleich vorbeikommen wollten.
Ein Handwerker kann wohl erst am Montag kommen, um den Schaden wenigsten notdürftig zu reparieren. Also war er gefragt. Zuerst war es wichtig, den Kontakt zur Außenwelt wieder herzustellen. Ihm war aufgefallen, dass die Wohnungseingangstür zur leeren Nachbarwohnung offen stand. Zu seiner Nachbarin gewandt sagte er, „Ich habe da ein Idee." Mit diesen Worten ließ er Taten folgen und betrat die offene, fremde Wohnung. Und tatsächlich fand er eine Leiter, die an die Wand gelehnt war. Diese trug er in den Flur.
„Darf ich mal?” Mit diesen Worten verschaffte er sich Platz. Zum Glück war die Leiter lang genug, um die fehlende Treppe zu überbrücken. Jetzt verschwand er noch einmal kurz in seiner eigenen Wohnung und kam mit einem Strick wieder. Mit diesem band er die Leiter an den Treppenresten fest. „Es soll ja ordentlich werden”, bemerkte stolz über seinen Einfall.
Nun war, wenigstens provisorisch, die Verbindung zur Welt wieder hergestellt. Seine Gedanken schweiften ab. Die Leiter wurde zu einer Zugbrücke einer Burg, die Nachbarin zur Prinzessin, die es zu erobern galt.
„Meinen Sie das hält?” weckte ihn die Nachbarin aus den Gedanken.
„Aber klar!” erwiderte Lind mit überzeugter Stimme.
„Dann kann ich ja doch noch ins Theater” äußerte sie freudestrahlend.
Jetzt waren unten Stimmen zu hören und es klingelte. 

Die Polizei trifft ein

Die Polizei trifft ein

"Das wird die Polizei sein," bemerkte Lind. Er ging in seine Wohnung und betätigte den Türöffner.
Dann begab er sich wieder in den Flur. Zwei Beamte standen am Treppenfuß und staunten nicht schlecht.
"Was ist den hier passiert," riefen sie ihnen zu. Lind bemerkte, dass es dieselben Worte wie die der Nachbarin waren.
"Guten Abend erst einmal," rief er ihnen zu. "Jemand hat versucht, die Waschmaschine aus der Nachbarwohnung zu stehlen. Dabei ist diese Chaos entstanden."
"Wer hat denn bei uns angerufen?", fragte der andere Polizist.
Mit einem "Das war ich", meldete sich meine Nachbarin zu Wort.
Von unten kam die Frage, ob sonst alles in Ordnung sei, was die beiden Hausbewohner bejahten. Um den Tatort zu besichtigen, kletterten die Polizisten die Nottreppe hinauf. Nachdem das Türschloss und die leere Wohnung begutachtet worden waren, sollte Frau Klarin das Protokoll unterschrieben. "Wissen Sie, wem die Wohnung gehört?" Lind konnte Auskunft geben. "Wenn sonst nichts ist, machen wir uns wieder auf den Weg." Mit diesen Worten hangelten sie sich wieder hinab und verschwanden mit einem "Ein angenehmes Wochenende noch." 

Der Tag geht weiter

Der Tag geht weiter

Nun waren die Hausbewohner wieder allein. Beide gingen nun wieder ihre eigenen Wege, um sich für die abendlichen Aktivitäten vorzubereiten.

An Schlaf war nicht mehr zu denken. Deshalb packte Lind seine Ausrüstung zusammen, zog sich um und war wieder an der Treppenruine, als auch die Nachbarin das Haus verlassen wollte.
„Ich bin nicht schwindelfrei,” gestand sie ihm kleinlaut ein.
"Kein Problem," bemerkte Lind.
Er hatte geschickt die Leiter direkt neben dem Geländer an die Wand gelegt. Da es keine Verbindung mit der eingestürzten Treppe gehabt hatte, war es noch vorhanden. Also geleitete Lind sie, ihre linke Hand ergreifend und die andere am Geländer, die schwankende Brücke hinab.
Er genoss es, die leicht schwitzende Hand zu berühren. Sein Beschützerinstinkt war erwacht, doch ließ er sich nichts anmerken. Unten angekommen verabschiedeten sie sich und gingen in die Nacht hinaus.

 

Lind als Retter

Lind als Retter

Spät am Abend kam Lind von seinem Ausflug zurück. Dieser war erfolgreich gewesen, denn er hatte einen ganzen Schwarm von Fledermäusen durch sein spezielles Ortungsgerät finden können. Im Stadtpark gab es viele alte Bunker. Diese waren durch Öffnungen in den Eingangstüren für die Tierchen hergerichtet worden. Lind kannte diese Stellen.
So verbrachte er geraume Zeit in der Dunkelheit.
Als er meinte, genug gesehen zu haben, hatte er seine Sachen gepackt und sich auf den Heimweg gemacht. Dort angekommen, wartete eine Überraschung auf ihn. Im Hausflur kauerte seine „Prinzessin” am Boden.
Sie war hübsch anzusehen in ihrer Theatergarderobe, die unter dem Mantel hervorlugte, das Gesicht geschminkt.
„Ich traue mich nicht, die Leiter zu betreten,” gestand sie jämmerlich.
„Kein Problem” verkündet Lind sofort. Als sie sich erhoben hatte, ergriff er wieder ihre Hand, und gemeinsam bewältigten sie den Aufstieg.
Um nicht gar zu hilflos dazustehen, verkündete sie, „Darf ich Sie morgen Mittag zum Essen bei mir einladen, es gibt Nudeln?” Als sie die Einladung ausgesprochen hatte, wurde ihr bewusst, ganz schön draufgängerisch gewesen zu sein, aber es gab kein Zurück mehr.
Lind war etwas überrascht, willigte aber sofort ein.
"Ja gern, ich esse für mein Leben gerne Nudeln. Wann darf ich denn kommen?"
"So um ein Uhr," erwiderte sie.
"Bis morgen dann, ich freue mich schon". Mit diesen Worten verschwanden beide in ihren Wohnungen. 

Man lernt sich kennen

Man lernt sich kennen

 

Am nächsten Mittag klingelte Lind bei strahlendem Sonnenschein an ihrer Tür. Er hatte seine gute Erziehung befragt und daraufhin seine Hausschuhe angezogen. Sie war wieder angezogen, wie er sie aus dem Flur kannte: Jeans und T-Shirt.
„Kommen Sie doch bitte herein,” begrüßte sie ihn einladend. Die kleine Wohnung war hübsch und schlicht eingerichtet. In der Ecke, unter der Dachschräge, befand sich ein kleiner, gedeckter Tisch, auf dem schon zwei Weingläser standen.
„Ich hoffe, sie mögen Riesling?” Mit diesen Worten füllte sie die Gläser.
Lind war kein großer Weinkenner, doch unter dieser Rebsorte konnte er sich etwas vorstellen. So stießen sie an und ließen sich den Wein munden. Das Gespräch stockte etwas. Lind sah sich interessiert um. Die Wohnung war Theaterplakaten tapeziert.
‘Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand’ nach dem Roman von Jonas Jonasson oder auch ‘Perplex’ von Marius von Mayenburg.
Zu seinem Glück erkannte er ein Plakat. ‘Wolf unter Wölfen’ nach dem Roman von Hans Fallada. Schwach erinnerte er sich an den Inhalt:
Der Hauptdarsteller hatte sich mit seiner Mutter verkracht und lebte vom Glücksspiel. Ausgerechnet in der Nacht vor seiner Hochzeit verliert er alles. Vollkommen abgebrannt trifft er dann auf seinen ehemaligen Vorgesetzten vom Militär und lässt sich von diesem auf seinem Gut als Verwalter einstellen. Der Rest der Handlung verliert sich bei ihm im Nebel.
Zu dieser Vorstellung war er mit seinen Eltern gewesen. Es war zwar schon ein paar Jahre her, aber da er von den Schauspielern beeindruckt war, ist es ihm in Erinnerung geblieben. Auf dieses Plakat weisend, bemerkt er, in diesem Theaterstück gewesen zu sein.
Ihr Augen fingen an zu leuchten. „Ja, dass war phänomenal, ich denke gerne daran zurück.” Damit war für sie das Stichwort gegeben, von sich zu erzählen. Sie hatte Sozialpädagogik studiert und war während dieser Zeit mit wachsender Begeisterung ins Theater gegangen. Diese Leidenschaft hatte sie nicht mehr losgelassen, auch als sie den Beruf der Kindergärtnerin ausübte.
Als die Ausführungen geendet hatten, schwieg sie erwartungsvoll.
Nun begann Lind von sich zu erzählen. Er hatte sich dem Bauwesen verschrieben und dabei sein Interesse für die Natur nicht vernachlässigt. Deshalb war er auch gestern in die Dunkelheit verschwunden. Fledermäuse seien seine Leidenschaft.
"Wussten Sie schon, dass die Vorsilbe 'Fleder' von Flattern kommt. Die Flügel bestehen nicht aus Federn, sondern aus einer Flughaut, die sich zwischen den vier Fingern spannt. Im Bereich der Hinterbeine und dem Schwanz setzt sich die Bespannung fort. Nur die Zehen der Füße und der Daumen der Hand bleiben frei. Es ist auch interessant, dass die Fledermäuse kopfunter ruhen und schlafen. Es ist immer faszinierend, wenn die Tiere sich zum starten einfach aus der hängenden Position fallen lassen und beginnen, mit ausgebreiteten Flughäuten zu flattern.
Die Tiere benutzen für ihre Schreie, die sie bis zu 170 mal in der Sekunde ausstoßen, einen Frequenzbereich von 30 000 - 70 000 Schwingungen pro Sekunde (auch Hertz genannt).
Wegen der hohen Frequenz können sie recht genau ihre Insektennahrung orten. Die besonders großen Ohren helfen ihnen zusätzlich bei der Richtungsbestimmung.
Die dunkelbraune Zwergfledermaus, die ich gestern beobachtet hatte, ist ca. 7 cm groß mit einer Flügelspannweite von fast 17-18 cm." Er hatte sich so hineingesteigert, dass er gar nicht bemerkte, wie sie angefangen hatte, die Fußbodenbretter zu zählen. Dankbar dafür, dass er Luft holen musste, wechselte sie das Gesprächsthema.
„Ich hatte mir schon gedacht, dass Sie einen praktischen Beruf haben, weil die 'Not-Reparatur' so schnell ging! Es hat ja auch gehalten, wenn ich am Anfang doch sehr skeptisch gewesen war.”
In der Küche klingelte ein Kurzzeitmesser. Sie sprang auf und teilte mit, dass es jetzt losgehen kann. Sie verschwand und kam nach kurzer Zeit mit einem großen dampfenden Topf Nudeln zurück. Den stellte sie ab und begab sich erneut in die Küche. "Jetzt kommt die Hauptsache, Spagetti in Walnusssauce!!!" frohlockend, mit einem weiteren Topf in den Händen.
"Mmmh," dass riecht aber lecker, lobte Lind.
"Nehmen Sie sich schon mal von den Spagetti, ich tue dann die Sauce auf. Salz und Pfeffer stehen auf dem Tisch"
Als beide sich aufgetan hatten, begann der Sonntagsschmaus. Der Geschmack ist noch besser als der Duft, befand Lind und stürzte sich auf das Essen.
Er war skeptisch gewesen, was wohl kommen könnte. Nun waren alle Bedenken zerstreut und er widmete sich ganz dem Genuss.
Als sein größte Hunger gestillt war, konnte er es sich nicht verkneifen, nach dem Rezept zu fragen.
"Ich habe Walnüsse, Basilikum und Knoblauch fein gehackt und mit geriebenem Pecorino vermischt, dann etwas Öl untergemischt, bis eine cremige Masse entstanden ist. Wie man Nudeln kocht wissen sie sicherlich. Das ist alles," gestand sie stolz.
In der wohligen Stille nach dem Essen breitete sich eine heimelige Atmosphäre aus. Wieder ging ihr das Temperament durch als sie einen Vorschlag äußerte:
„Wenn Sie Lust haben, können wir nachher einen gemeinsamen Ausflug machen?”

Da Lind noch nichts vorhatte und froh war, das schöne Wetter nicht alleine verbringen zu müssen, willigte er ein.
„Um drei Uhr?” schlug er vor.
Mit diesen Aussicht auf einen angenehmen Nachmittag trennte sie sich.

Die Fahrt ans Meer

Die Fahrt ans Meer

Es wurde eine herrliche Fahrt durch die Felder und Wiesen. Die Ernte hatte begonnen, das Getreide wurde gemäht, es war dieses Jahr eine gute Ernte. Auf dem Weg zum Ausflugsziel sah man die riesigen Erntemaschinen übers Feld jagen. Die Bauern standen mit ihren Treckern und Anhänger erwartungsvoll am Feldrand, um das Getreide umzuladen. Wenn nach einer gewissen Zeit der Mähdrescher mit Getreide gefüllt war, fuhr er an den Feldrand zu den wartenden Bauern und entleerte das Mähgut in den wartenden Anhänger. Sofort begab er sich wieder aufs Feld, der Bauer brachte die Ernte zum Hof in die Scheune. Er musste schnell genug wieder am Feld stehen, wenn der Mähdrescher prall gefüllt war.
Auch die Wiesen gaben einen guten Ertrag, Heuballen entstanden. Es war ein lustiges Bild, wie der Trecker mit der Heuballenwickelmaschine über des Feld jagte. Das geschnitten Gras war zuvor zu Wällen aufgeschichtet worden, nachdem es ausreichend getrocknet war. Durch die Wälle war nun die Fahrstraße vorgegeben. Er fuhr wie auf einer Schiene, hielt dann unvermittelt an, als ob eine Verdauung stattfinden würde. Die Heckklappe des Anhängers öffnete sich und der eingewickelte Ballen rollte heraus. Nun begann die Fahrt aufs Neue.
Durch diese abwechslungsreiche Fahrt, bei unterhaltsamer Musik kamen sie am Ziel an. Es war ein Binnenmeer mit überschaubaren Abmessungen. Wegen des hervorragenden Wetters waren sie nicht allein auf die Idee gekommen, hierher zu fahren. Zum Glück fanden sie noch einen Parkplatz und die Schifffahrt konnte beginnen. 

Die Schifffahrt

Die Schifffahrt

Sie wurden vom Kapitän begrüßt. Beide Ausflügler erstiegen das oberste Deck, durch eine Leinwand vor der direkten Sonne geschützt. Sie fanden einen Platz an der Reling, mit einen tollen Blick auf das Meer.
Der warmlaufende Dieselmotor ließ das Schiff leicht vibrieren. Es breitete sich diese Stimmung aus, die immer vor der Abfahrt eines Schiffes entsteht. Nun ertönte eine Glocke, der Ablegevorgang wurde eingeleitet. Man spürte, wie dem Motor mehr Leistung abverlangt wurde.
"Wenn man ganz entspannt in das aufgewühlte Wasser blickt, kann man alle möglichen Formen erkennen. Die Kombination von Schaum, Wellen und den unterschiedlichen Farben bringen erstaunliche Dinge zu Tage." Dabei schaute er zur Seite, fast auf Tuchfühlung zu seiner 'Prinzessin', die es ihm gleich tat und den Blick schweifen lies.
Es war ihm noch gar nicht aufgefallen, wie hübsch sie war. An diesen Augenblick wird er sich später noch gerne erinnern, weil es der Beginn der Beziehung war. Als er sie so betrachtete, kam ihm eine grandiose Idee. "Wollen wir vielleicht zum 'Du' wechseln?" Bange Momente entstanden, weil sie zögerte. Doch dann willigte sie ein, nun waren sie Simone und Wolfgang.
Derweilen hatte sich das Schiff vom Ufer entfernt. Kinder liefen auf dem Gang herum, da auf jeder Seite des Decks etwas anderes zu sehen war.
Ein laues Lüftchen wehte auf dem Wasser, unter der aufgespannten Leinwand ließ es sich aushalten. Sie genossen die Fahrt. Wolfgang bedauerte es, nicht an seine Kamera gedacht zu haben, aber er hatte ja sein Handy. Er zückte es, sie tat es ihm gleich und jeder lichtete den anderen ab. "Für's Familienalbum," wie Wolfgang scherzhaft bemerkte.
Nun wollte der Ausflugsdampfer zum ersten Mal anlegen.
"Ich habe eine Idee", verkündete er freudestrahlend. "Wir können an Land ein Eis essen."
Sie willigte ein und sie stiegen aus. Ein Fahrtunterbrechung war kein Problem, weil das nächste Schiff in einer Stunde kommen würde. 

Landgang

Landgang

Es waren noch andere Menschen auf diesen Einfall gekommen. Gemeinsam verließen sie das Schiff. Man konnte schon das Café sehen, in dem es sicherlich ein Eis geben würde.
Der Strom der 'Eisgänger' machte sich auf den Weg und verteilte sich auf die freien Tische.
"Oh", sagte Simone,"es gibt ja einen Freundschaftsbecher. Um unsere Freundschaft zu besiegeln, ist das der richtige Moment." Also bestellten sie sich den Riesenbecher. Als er dann durch die Gänge zu ihnen gebracht wurde, gab es staunende Ausrufe einzelner Anwesender.
Mit erwartungsvollen Blicken wurde er auch von den beiden betrachtet. Als er so vor ihnen stand, wurde der 'Eisberg' nicht kleiner. Aber es war ja warm, das Mittagessen schon lange her, sodass sie genussvoll mit dem Eisessen begannen.
"Mmh, ist das lecker," bemerkten sie beide gleichzeitig.
Stille trat ein, weil beide mit dem Eis beschäftigt waren. Auch hingen sie ihren Gedanken nach, die sich wohl nur um ein Thema drehen konnten. Doch keiner sprach es an.
Als der Genuss dem Ende zuging, kam die Realität langsam wieder ins Bewusstsein.
"Schade, das es schon alle ist," sagte Wolfgang.
"Ja," pflichtete sie ihm bei.
"Aber ich bin jetzt so satt, dass mir etwas Bewegung gut tun würde."
"So geht es mir auch. Wir können anstatt mit dem Schiff ja auch zu Fuß zurückkehren," war sein Vorschlag.
"Gut," erwiderte sie. Sie erhoben sich und gingen los. Der Weg war unter Bäumen als Schattenspender. Eine leichte Brise kam vom Wasser, sodass beste Vorraussetzungen für einen Spaziergang bestanden. 

Rückweg

Rückweg

 Ihrem Einfall war sonst keiner gefolgt. Die übrigen Landgänger, die mit ihnen das Schiff verlassen hatten, zog es wieder zurück zum Anleger, um die Fahrt fortzusetzen.
So waren sie allein mit dem Wind und den Bäumen. Eine Entenmutter schwamm an ihnen vorbei, sechs Küken im Gefolge.
"Oh, wie süß," rief Simone aus.
Sie blieben beide stehen, um das idyllische Bild zu genießen. Die Kleinen mussten sich ganz schön anstrengen, um bei dem leichten Wellengang den Anschluss nicht zu verlieren. Ein ständiges Fiepen war zu hören, was die Ente beruhigt weiter schwimmen ließ.
Simone und Wolfgang sahen sich an. Er streckte die Hand nach ihrer aus, sie zog sie nicht zurück.
Sie gingen weiter, jetzt Hand in Hand.
Die Welt erstrahlte noch heller im Sonnenlicht. Die Entenfamilie hatte das Blickfeld verlassen, sie waren jetzt wieder ganz allein.
Eine Zeitlang gingen sie schweigend nebeneinander.
"Es ist schon komisch, dass nach diesem, ich nenne es mal Treppensturz', ein so schöner Tag kommen kann," bemerkte Wolfgang." Als ich gestern das Dilemma der Treppenruine sah, dachte ich, das ein Wochenende mit solch einem Beginn nur in einer Katastrophe enden kann. Aber Pustekuche. Es hat alle meine Erwartungen übertroffen. Auch das ich dich kennengelernt habe, war nicht zu erwarten gewesen. Wenn du im Treppenhaus vorbeihuschtest, war es wie ein Schatten, der wieder verschwand. Ich muss dir etwas gestehen. Trotz deinem schemenhaften Auftreten habe ich dich immer innerlich 'Prinzessin' genannt."
"Mir ging es auch so. Ich dachte, du seist ein kauziger Typ, weil du doch Abends und Nachts unterwegs bist. Die Schritte auf der knarzigen Treppe waren nicht zu überhören, soviel man sich auch anstrengt. Jetzt weiß ich ja, wo du immer steckst."
Mit diesen Worten hatten sie den Ausgangspunkt ihres Ausfluges wieder erreicht. Sie waren leicht müde geworden, aber innerlich erfüllt.
Auf der Rückfahrt, es war schon dunkel geworden, hingen sie wieder ihren Gedanken nach. Von der Landschaft war nichts mehr zu sehen, nur vereinzelt tauchten noch Scheinwerfer der Erntefahrzeuge auf.

Glückliches Ende

Glückliches Ende

Als sie zuhause angekommen waren, fand Lind sofort einen Parkplatz vor dem Haus.
"Es ist heute mein Glückstag, endlich mal ein Parkplatz vor dem Haus".
Der Hausflur hatte sich noch nicht verändert. Die Einzelteile der Treppe lagen noch immer am Boden zerstreut, die Waschmaschine mitten drauf. Die Nottreppe war zum Glück noch da.
"Darf ich meine Prinzessin über die Zugbrücke in ihr Gemach geleiten?" Er reichte ihr die Hand und gemeinsam kletterten sie auf der Leiter nach oben.
Dort angekommen verharrten sie, als ob etwas Großes passieren sollte.
Unvermittelt hauchte Simone dem Wolfgang einen Kuss auf die Wange. "Danke für den schönen Tag. Wir können wieder mal was unternehmen. Gute Nacht." Mit diesen Worten ließ sie ihn stehen und stieg die Treppe zu ihrer Wohnung hinauf.
Er verharrte noch ein Weile verdutzt und verschwand dann in seiner eigenen Wohnung.
"Das war wirklich ein schöner Tag," sprach er zu sich. In dieser Stimmung ging er zu Bett und schlief selig ein. 

Handelde Personen

Wolfgang Lind
Beruf: Bauingenieur
Hobby: Natur(Fledermäuse)
Alter: 25

 

 

Simone Klarin
Beruf: Kindergärtnerin
Hobby: Theaterkunst
Alter: 25

 

Statisten:

Maklerin
Besichtiger (Ehepaar)
Polizei

 

Impressum

Tag der Veröffentlichung: 28.08.2016

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