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Die Lieder des Zaphir


Die Lieder des Zaphir

I
In Braccia, einem Land nahe den großen Wäldern im Norden, herrschte einst König Altas. Er war ein strenger Herrscher. Die meisten seiner Untertanen liebten ihn deshalb nicht besonders, hassten ihn aber auch nicht so, dass sie ihm den Tod wünschten.
Altas besaß einen sprechenden Vogel, der den Namen Zaphir trug. Dieser Vogel konnte nicht nur sprechen, sondern er sang auch so wunderschön, dass jedem, der ihn singen hörte, das Herz aufging. Immer wenn Altas seinen Vogel bat, ihm ein Liedchen zu pfeifen, war er anschließend den ganzen Tag lang gut gelaunt und fröhlich, und er konnte den vielen Ärger vergessen, den das Regieren so mit sich brachte. Um nichts in der Welt hätte der König diesen Vogel hergegeben, weder für viel Geld und Gold, noch für ein Glück dieser Welt, von welchen er doch so einige nicht hatte.
Zaphir aber war ein hinterlistiges Tier. Er machte sich einen Spaß daraus, die Bediensteten seines Herrn bei diesem zu verpetzen, wann immer sie ihm Gelegenheit dazu boten. Zu allem Überfluss aber verlangte er von Altas von Zeit zu Zeit, ihm ein Tier zu schlachten, welches das Lieblingstier eines seiner Untertanen war und ihm dessen Herz zu braten, damit er es verzehren konnte. Der König gewährte ihm immer solche Wünsche, gleich, ob die Besitzer der Tiere, die für Zaphir geschlachtet wurden, traurig waren.
In den Fällen, in denen sie sich bei ihrem Herrn beschwerten, stellte ihnen dieser immer dieselbe Frage: „Kann denn dein Tier vielleicht so schön singen, wie mein Zaphir?“
Wenn dann die Besitzer der geschlachteten Tiere verneinen mussten, sagte er: „Siehst du, dein Lieblingstier ist lange nicht so viel wert, wie mein Lieblingstier, und es ist deshalb nur recht, wenn Zaphir sein Herz frisst!“ ...


II
Eines Tages hatte Zaphir einmal wieder das Herz seines Herrn mit einem wunderschönen Lied erfreut, so dass dieser bei bester Laune war. Anschließend verlangte er von Altas, ihm das Herz des Hasen zu braten, mit welchem der sechsjährige Sohn des Kammerherrn gerade im Schlossgarten spielte.
Sofort ließ der König seinen Kammerherrn herbeirufen, der den Namen Ileos trug, und befahl ihm, seinem kleinen Sohn den Hasen fortzunehmen und diesen zum Koch in die Küche zu bringen.
„Nein, Herr, das könnt Ihr nicht tun!“, entfuhr es Ileos. „Mein Sohn Mamon hängt so sehr an seinem Hasen, dass es einfach grausam wäre, seinen Spielkameraden für Euren Vogel zu schlachten!“
„Mein lieber Ileos!“, sagte Altas da. „Kann denn der Hase deines Sohnes vielleicht so schön singen, wie mein Zaphir?“
„Nein, Herr!“, stammelte Ileos niedergeschlagen, der diese furchtbare Frage bereits erwartet hatte.
„Siehst du,“ sagte der König. „Der Hase deines Sohnes ist also lange nicht so viel wert, wie mein Vogel, und es ist deshalb nur recht, wenn dieser sein Herz frisst!“
Zu Tode betrübt nahm Ileos seinem Sohn Mamon, der sich mit allen Kräften dagegen sträubte, den Hasen ab und brachte ihn dann zum Koch des Königs in die Küche. Mamon aber lief weinend zu seiner Mutter Jola, die gerade schwanger war und ihr zweites Kind von Ileos erwartete. Er berichtete ihr völlig außer sich von der Absicht des Königs, das Herz seines Hasen für den Vogel Zaphir braten zu lassen.
Jola nahm ihren Sohn in die Arme und weinte mit ihm um das geliebte Tier. Dies jedoch änderte nichts an den Absichten des Königs, und noch am selben Abend fraß Zaphir das Herz von Mamons Hasen, das ihm der Koch des Altas schmackhaft zubereitet hatte. ...


III
„Mamon ist fortgelaufen, und ich konnte ihm so schnell nicht folgen!“, rief Jola ihrem Mann verzweifelt zu, der gerade von seinem Dienst bei seinem Herrn nach Hause kam. „Er ist vor zwei Stunden ganz allein in den Wald gelaufen und bis jetzt noch nicht zurückgekehrt! Wir müssen ihn suchen!“
Ileos bat vier weitere Bedienstete des Königs, mit denen er befreundet war, ihn zu begleiten. Da es bereits dunkel wurde, entzündeten sie Fackeln und machten sich dann sofort daran, den Wald planvoll nach dem kleinen Mamon abzusuchen.
Eine halbe Stunde später rief Krisoas, einer der Freunde des Ileos, die anderen zu sich. Er stand mit seiner Fackel am Fuß des steilen, etwa dreißig Meter hohen Hügels, der sich in der Mitte des Waldes befand. Als die anderen ihn erreicht hatten, bot sich ihnen im Schein ihrer Fackeln ein Bild des Grauens. Der kleine Mamon lag in seinem Blut mit völlig zerbrochenen Knochen tot am Fuß des Hügels. Er war offensichtlich aus lauter Kummer über den Tod seines Hasen in den Tod gesprungen.
„Nein!“, entfuhr es seinem Vater, als er bei den anderen ankam und seinen toten Sohn erblickte. „Sagt mir, dass das nicht wahr ist!“
Während zwei der Männer die Leiche des Jungen aufhoben und sich anschickten, sie zum Schloss zurückzutragen, stützten die anderen beiden den Vater des Jungen, der in Tränen aufgelöst vor dem toten Kind gestanden hatte. Gemeinsam zogen sie dann zum Schloss zurück, wo sich die Nachricht vom Tod des Jungen wie ein Lauffeuer unter den Bediensteten des Königs ausbreitete.
Als Jola von ihrem Mann erfuhr, was geschehen war, konnte sie es nicht fassen. Sie starrte stundenlang völlig seelenlos ins Leere und war nicht anzusprechen.
Ileos aber fasste noch am selben Abend den Entschluss, sich am König und seinem herzlosen Vogel, zu rächen, denn sie trugen beide zu gleichen Teilen die Schuld am Tod seines Sohnes. ...

IV
„Die alten Leute sagen, dass der, der etwas erfahren will, was er sonst nirgendwo erfahren kann, die Bibliothek des Flüsterns im Kloster Arach aufsuchen muss,“ sagte Ileos zu seiner Frau. „Ich habe jetzt sieben Tage Urlaub, und ich werde dorthin ziehen, um zu erfahren, wie wir Mamons Tod rächen können.“
„Ich hoffe, du bekommst dort eine Antwort auf deine Frage,“ sagte Jola, die seit dem Tod ihres Sohnes nur noch melancholisch war. „Der Arzt sagt übrigens, dass ich in etwa vier Wochen unser Kind zur Welt bringen werde.“
Mit feuchten Augen verabschiedete sie sich dann von ihrem Mann, der sein Pferd bestieg du in Richtung des Klosters Arach davon ritt. –
Zwei Tage später kam Ileos an der Pforte des Klosters an und klopfte. Das Kloster war vor einigen Jahren von den Mönchen verlassen worden, und wurde zur Zeit nur noch von einem Verwalter bewohnt. Dieser öffnete und geleitete Ileos zur Bibliothek des Flüsterns, die im oberen Stockwerk des Haupthauses gelegen war.
„Ich kann Euch leider auch nicht sagen, wie Ihr hier erfahren könnt, was Ihr wissen wollt,“ sagte der Verwalter zu Ileos, als sie an der Tür der Bibliothek angekommen waren. „Dies müsst Ihr schon selber herausfinden!“
Ileos bedankte sich bei seinem Begleiter, der ihn anschließend allein ließ. Dann öffnete er die Tür und schaute in die Bibliothek hinein, die eine große Menge an Büchern barg. Als er eingetreten war und die Tür hinter sich geschlossen hatte, begriff er, warum sie „Bibliothek des Flüsterns“ genannt wurde. Aus der Richtung der Regale konnte er nämlich das Flüstern von Tausenden von Stimmen hören, ohne dass er jedoch verstand, was diese Stimmen sagten.
„Wie nur kann ich verstehen, was sie sagen?“ fragte er laut sich selbst.
Dann setzte er sich in einen Sessel, der vor einem der Regale stand, um zu überlegen, wie er hier erfahren konnte, was er wissen wollte. Während er aber noch darüber nachdachte, fiel plötzlich eines der Bücher aus dem Regal. Ileos stand auf, um zu sehen, was es damit auf sich hatte. Von diesem Buch aber, das auf einer Seite aufgeschlagen war, die keine Bilder aufwies, drang ein Flüstern an sein Ohr, das er wieder nicht verstand.
Plötzlich aber pfiff ein scharfer Wind durch das halb geöffnete Fenster der Bibliothek und blätterte einige der Seiten des offenen Buches um. Schließlich ließ der Wind nach, und es war eine andere Seite aufgeschlagen, auf welcher sich das Gemälde zweier Männer befand, deren Gesichter einander zugewandt waren. Da aber entwickelte sich das ursprüngliche Flüstern zu einem lauten Gespräch der beiden, und Ileos konnte das Folgende hören:
„Er ist gekommen, um zu erfahren, wie er seinen Sohn rächen kann,“ sagte der erste Mann.
„Nichts leichter als das!“, sagte der zweite Mann. „Er muss den Vogel des Altas stehlen, ihn braten und seiner Frau vor der Geburt ihres zweiten Kindes davon zu essen geben. Dann wird geschehen, was geschehen muss, und der arme Knabe wird gerächt werden.“
Im selben Moment, als die Männer auf dem Bild so gesprochen hatten, pfiff wieder der Wind durch das geöffnete Fenster und blätterte erneut einige Seiten des Buches um. Die nun aufgeschlagenen Seiten waren nicht bebildert, und die laute Sprache der beiden Männer war erneutem Flüstern gewichen.
„Nun weiß ich, was ich wissen wollte!“, dachte Ileos bei sich, hob das Buch vom Boden auf, klappte es wieder zu und stellte es in das Regal zurück. Dann verließ er die Bibliothek und das Kloster und ritt nach Hause zurück, um zu tun, was die beiden gemalten Männer verlangt hatten. ...


V
Da Ileos als Kammerherr des Königs auch die Aufgabe hatte, sich zur Schlafenszeit um Zaphir zu kümmern, war es für ihn ein Leichtes, den Vogel zu stehlen und das Ganze so aussehen zu lassen, als habe ihn ein anderer entwendet.
Altas war ausgesprochen traurig, als sein geliebtes Tier fort war, doch er musste sich damit abfinden. Ileos aber drehte dem hinterlistigen Tier den Hals um, rupfte und briet es und aß es dann zusammen mit seiner Frau auf.
Einige Tage später bekam Jola die Wehen, und Ileos holte die Hebamme ins Haus. Wenige Stunden später war der Sohn der beiden geboren, und Mutter und Kind waren wohlauf.
„Sieh nur!“, sagte Jola matt und zeigte auf den Kleinen. „Er sieht genauso aus, wie Mamon bei seiner Geburt ausgesehen hat!“
„Tatsächlich!“, entfuhr es dem erstaunten Vater. „Die beiden sind völlig gleich. Es gibt nicht den geringsten Unterschied!“
Dann ließ er Mutter und Kind allein, damit die beiden sich nach den großen Strapazen erst einmal ausruhen konnten. ...


VI
Jola nannte ihren zweiten Sohn Cervos. Je mehr er aber heranwuchs, desto deutlicher wurde seine enorme Ähnlichkeit mit Mamon. Als der Junge schließlich vier Jahre alt war und gerade in der Nähe seiner Mutter spielte, als diese das Mittagessen zubereitete, sagte er plötzlich: „Mama, weißt du noch, als Vater mir meinen Lieblingshasen auf Geheiß unseres Königs wegnehmen musste, weil der böse Vogel sein Herz fressen wollte?“
Jola traf fast der Schlag. Woher nur konnte der Junge das wissen? Niemand hatte ihm je davon erzählt. Und er erzählte die Geschichte, als sei er Mamon selbst. Sein Ähnlichkeit zu Mamon war so verblüffend. Ob dieses Kind am Ende...? –
Sie wagte nicht, diesen Gedanken zu Ende zu denken. Aber seine Äußerung war eindeutig gewesen. Nur Mamon selbst konnte dies gewusst haben. Dann war sie sich sicher. Sie hatte dasselbe Kind zum zweiten Mal geboren! –

Bis zu seinem sechsten Lebensjahr entwickelte sich Cervos haargenau so, wie sich Mamon bis dahin entwickelt hatte. Dann aber wurde er zum musikalischen Wunderkind. In Windeseile erlernte er auf wunderbare Weise das Klavierspiel und beherrschte dieses Instrument bis zu seinem siebten Geburtstag perfekt. Zudem komponierte er bald seine eigenen Stücke, die so hervorragend waren, dass ihn bald die Fachwelt in den höchsten Tönen lobte und das ganze Land von ihm begeistert war.
Schließlich erfuhr auch König Altas, dass in seinem Haus ein kleines Genie heranwuchs, und er begehrte, ein Konzert von Cervos in seinem Salon zu hören.
Seine Eltern sagten ihrem Herrn zu, und so spielte der Junge wenige Wochen später dem König und seinen Ministern vor. Aber was war das? Altas war entzückt. Cervos spielte die Lieder auf dem Klavier, die ihm vor langer Zeit sein Vogel Zaphir vorgetragen hatte.
Der König lauschte dem zauberhaften Vortrag des Jungen wie in Trance, und dieser musste ihm und den Ministern zwei Stunden lang vorspielen. Dann aber endete das Spiel des Wunderkindes. Im selben Moment – die Minister begannen, zu applaudieren und den jungen Künstler lautstark zu feiern – traf den König der Schlag. Er sank still in seinen Stuhl zurück und tat seinen letzten Atemzug. Mamon war endlich gerächt! -


Der weiße Rehbock


Der weiße Rehbock

I
„Ich wüsste da schon einen Weg, wie eure Mutter aus den Fängen des bösen Kaukar zu befreien wäre,“ sagte die alte Mida.
Die alte Mida war die Dorfälteste und schon beinahe hundert Jahre alt. Sie wusste immer einen Rat, so dass jeder Dorfbewohner, egal ob jung oder alt, sie bereits mindestens einmal um Hilfe gebeten hatte. Heute war der dreizehnjährige Tarfos bei ihr zu Gast, der ältere der beiden Kuma- Brüder. Er hatte sie gefragt, ob sie nicht von einer Möglichkeit wisse, wie seine Mutter aus der Hand des bösen Zauberers Kaukar, der in einer düsteren Burg auf dem Berge Nebos hauste, zu befreien sei. Dieser hatte sie vor gut zwei Monaten gezwungen, ihr Heim und ihre Söhne zu verlassen – der Vater war schon lange tot – und ihm zu Diensten zu sein, wann immer er es wünschte. Er hatte ihr angedroht, sie andernfalls so zu verhexen, dass sie nur noch Böses täte und so ihr Seelenheil verlieren müsse. Dann hatte er ihren Söhnen gesagt, dass er ihre Mutter nur dann freigeben werde, wenn sie ein Rätsel lösten, das er ihnen stellen werde. Lange Zeit hatten die beiden keine Chance auf einen Erfolg bei Kaukar gesehen, da man erwarten konnte, dass er ihnen ein unlösbares Rätsel stellen würde. Nun aber, da sie die schmerzliche Trennung von ihrer Mutter nicht länger ertrugen, weil sie sich kaum allein durchs Leben schlagen konnten, hatte Tarfos den Gedanken gehabt, die alte Mida um Rat zu fragen.
„Sage mir, Mida, wie könnten wir Mama befreien?“, fragte er die Alte.
„Hör zu, mein Junge!“, antwortete diese. „Kaukar hatte sein ganzes Leben lang Zauberlehrlinge, die er in seiner Kunst unterwies. Zum Abschluss ihrer Lehre aber verlangte er von ihnen allen, dass sie sich der schwarzen Magie verschreiben und dem Teufel dienen sollten. Einige von ihnen verweigerten ihm dies. Diese ließ er in sein Zauberzimmer kommen und vor seinem Schreibtisch Platz nehmen. Dann musste ihm jeder einzelne sein Leben erzählen, und er schrieb alles darüber in ein leeres Buch. Wenn der Lehrling dann fertig war, klappte Kaukar das Buch zu. Sein Gegenüber war im selben Moment von seinem Stuhl verschwunden und wurde nie wieder gesehen. Das jeweilige Buch stellte der Zauberer anschließend in seine Bibliothek, wo man alle Bücher noch heute findet.“
„Und warum erzählst du mir diese Geschichte, Mida?“, fragte Tarfos. „Was hat sie mit meinem Anliegen zu tun?“
„Das will ich dir sagen, junger Mann,“ gab die Alte geduldig zur Antwort. „Einer der Lehrlinge, sein Name war Mik, war ein Zauberer, der es in allen Dingen mit Kaukar hätte aufnehmen können. Auch er wollte nicht dem Teufel dienen, und so ließ Kaukar ihn ebenfalls verschwinden. Wenn du ihn aber nun erlöstest und ihn um Hilfe bitten würdest, so könnte er dir mit großer Sicherheit helfen, deine Mutter zu befreien.“
„Aber wie soll ich Mik erlösen, wenn doch keiner weiß, wohin Kaukar ihn verbannt hat?“, fragte Tarfos.
„Das, mein Kleiner, weiß ich auch nicht so genau,“ entgegnete Mida. „Ich habe allerdings gehört, dass Kaukar auf jedes Buch, in das er die Lebensdaten der Verschwundenen eingetragen hat, den Namen des Erzählenden geschrieben hat. Man muss wohl das Buch über den, den man befreien will, ganz durchlesen. Dann kann man ihn wiederfinden. So jedenfalls hat es mir vor Jahrzehnten mein Vater erzählt, zu dessen Zeit Kaukar, der niemals älter zu werden scheint, auch schon sein Unwesen getrieben hat.“
„Aber wie kann ich das Buch über Mik bekommen, ohne von Kaukar verzaubert zu werden?“, fragte Tarfos.
„Am Fuß des Berges Nebos liegt ein kleiner Gasthof,“ erwiderte Mida. „Suche die Wirtin auf, die eine erfahrene Kräutersammlerin ist, und bitte sie um das Rabeskraut, ein Zauberkraut, das nur einmal im Jahr einen Tag lang blüht und in unserem Land nur am Fuß des Berges Nebos wächst. Von der Asche dieses Krauts gib etwas in ein Tintenfässchen und schreibe dann mit der Tinte den Namen Mik auf die erste Seite eines leeren Buches. Dann wirst du Miks Geschichte lesen können.“
„Danke, liebe Mida!“, sagte der Junge und verabschiedete sich von der alten Frau. „Vielleicht kann ich ja Mama befreien und den bösen Kaukar besiegen.“
„Ich wünsche dir alles Gute, mein Junge!“, sagte die Alte lächelnd und gab Tarfos zum Abschied die Hand.
Dann verließ der Junge eilig das Haus und lief zu seinem Bruder Mokos zurück, der zu Hause gespannt seine Rückkehr erwartete...


II
Die beiden Jungen packten einige Vorräte in eine Tasche, nahmen die Flinte ihres verstorbenen Vaters aus dem Schrank und suchten noch ein wenig Geld zusammen. Anschließend nahmen sie noch ein Buch mit gänzlich leeren Seiten, ein Fässchen Tinte und eine Schreibfeder mit. Dann spannten sie die alte Rosi, das Zugpferd, das ihrer Familie schon lange Jahre gute Dienste geleistet hatte, vor den Wagen und fuhren in Richtung auf den Berg Nebos davon. –
Zwei Tage später kamen sie an dem kleinen Gasthof an, von welchem die alte Mida gesprochen hatte. Sie sprangen vom Kutschbock herab, und während Mokos den Zügel der alten Rosi festhielt, ging Tarfos zur Tür des Hauses und betrat die Schankstube.
„Was begehrst du, junger Mann?“, fragte ihn die alte Frau, die gerade hinter dem Tresen die Gläser spülte.
„Seid Ihr die Wirtin?“, fragte Tarfos.
„Na, wer soll ich denn sonst sein, Junge?“, entgegnete die Frau.
„Ich habe eine Bitte an Euch,“ sagte Tarfos daraufhin. „Ich möchte etwas von den Kräutern kaufen, die Ihr so fleißig gesammelt habt.“
„Und welche Sorte brauchst du?“, fragte die Wirtin.
„Ich brauche das Rabeskraut,“ antwortete der Junge. „Habt Ihr etwas davon da?“
„Sicher!“, gab die Wirtin zur Antwort. „Warte einen Moment! Ich bin gleich zurück.“
Minuten später brachte sie Tarfos einen Bund Kräuter, der schon getrocknet war.
„Was bin ich Euch schuldig?“,

Impressum

Verlag: BookRix GmbH & Co. KG

Texte: Hanno Berg
Bildmaterialien: Hanno Berg
Tag der Veröffentlichung: 04.11.2012
ISBN: 978-3-95500-650-1

Alle Rechte vorbehalten

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