Cover

TEUFELSJÄGER 058

 

W. A. Hary

Schrecken der Nacht

„…sind voll böser Macht!“

 

»Verdammt, Mark Tate, ich brauche Ihre Hilfe, begreifen Sie es denn nicht? Ich, Graf Kehmil, einer aus der mächtigen Dynastie der Uralten, seit Jahrtausenden in dieser Welt, weiß mir keinen anderen Rat mehr, als mich an Sie zu wenden. Mark Tate, ich brauche Ihre Hilfe gegen meine eigenen Brüder und Schwestern vom Schwarzen Blut!«

Die Aussage des dämonischen Fürsten raubte uns zunächst den Atem. Vielleicht hatte ich geahnt, dass es darauf hinauslaufen würde, aber trotzdem kam es gewissermaßen wie ein Hammer.

Wir saßen da, wie vom Donner gerührt. Wir starrten auf dieses furchtbare, widerliche Wesen, das annähernd aussah wie ein Mensch und nicht einmal ein lebendiges Geschöpf war, sondern nur eine Zusammenballung des Bösen...

 

Impressum

 

Alleinige Urheberrechte an der Serie: Wilfried A. Hary

Copyright Realisierung und Folgekonzept aller Erscheinungsformen (einschließlich eBook, Print und Hörbuch) by www.hary-production.de

ISSN 1614-3329

Copyright dieser Fassung 2016 by www.HARY-PRODUCTION.de

Canadastr. 30 * D-66482 Zweibrücken

Telefon: 06332-481150

www.HaryPro.de

eMail: wah@HaryPro.de

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung jedweder Art nur mit schriftlicher Genehmigung von Hary-Production.

Coverhintergrund: Anistasius

Titelbild: Michael Mittelbach

Logo Schavall: Helmut Bone

Lektorat: David Geiger

 

Wichtiger Hinweis

Diese Serie erschien bei Kelter im Jahr 2002 in 20 Bänden und dreht sich rund um Teufelsjäger Mark Tate. Seit Band 21 wird sie hier nahtlos fortgesetzt! Jeder Band (siehe Druckausgaben hier: http://www.hary.li) ist jederzeit nachbestellbar.

 

1


Wir hatten den Opel an der französischen Riviera gemietet, in Juan-les-Pins. Nach unseren wenig erbaulichen Erlebnissen mit dem sogenannten »Schwarzen Adel«, worunter nichts anderes als die Schwarze Brut irdischer Dämonen gemeint ist, waren wir über die Berge bis zur Schweiz gefahren.

Auch in den Bergen hatten wir eine schlimme Begegnung mit dem Bösen. Danach war alles ruhig geblieben.

Durch die Schweiz und durch Frankreich waren wir nach Deutschland gelangt. Bei Saargemünd hatten wir die Grenze überschritten. Wir waren durch den Grenzort Hanweiler in Richtung Kleinbittersdorf gefahren. Vor Kleinbittersdorf führte rechter Hand eine Straße hinauf in den Kleinbittersdorfer Ortsteil Auersmacher. In der Hochstraße 8 besuchten wir den Schriftsteller W. A. Hary, der damals noch dort wohnte.

Am nächsten Tag erst konnten wir uns wieder von ihm trennen. Es hatte viel zu erzählen gegeben.

Wir, das waren der Chefinspektor von New Scotland Yard Tab Furlong, zur Zeit mit uns im Urlaub, seine Frau Kathryn, meine Lebensgefährtin May Harris und meine Wenigkeit: Mark Tate.

Wir hatten Auersmacher am Abend verlassen - in Richtung Saarbrücken. Auf der Straße nach Kleinbittersdorf war es dann passiert: Wir hatten erst ein seltsames Geräusch gehört, dumpf wie das Arbeiten von mächtigen Maschinen. Erst hatten wir gedacht, es würde von der französischen Seite der Saar zu uns herüberschallen, denn dort stand ein großes Kohlekraftwerk, aber es hatte einen anderen Ursprung: Am Ortseingang von Kleinbittersdorf!

Kein Wagen war unterwegs auf dieser sonst so gut befahrenen Strecke. Am Ortseingang von Kleinbittersdorf stand eine schwarze Gestalt, mitten auf der Fahrbahn. Sie reckte die Arme in die Luft und gebot uns zu halten.

Wir folgten der Aufforderung. Eigentlich mehr aus Neugierde denn aus Furcht.

Ich stieß den Wagenschlag auf und streckte den Kopf hinaus.

Die schwarze Gestalt schwebte auf uns zu. Dabei murmelte sie: »Kommen Sie in den >Roten Hahn<! Ich warte dort auf Sie, Mr. Tate. Ich habe Ihnen Wichtiges mitzuteilen. Nur deshalb setze ich mich der Gefahr aus.«

Die Gestalt erreichte mich. Dabei wurde sie durchsichtig und verschwand. Wir sahen uns achselzuckend an.

Wir waren Schlimmeres gewohnt.

Solche Phänomene konnten uns nicht mehr erschüttern.

»Reichlich theatralisch, wie?«, murmelte Tab Furlong.

Als Chefinspektor von New Scotland Yard war er sozusagen für das Unwirkliche zuständig, falls die Londoner Polizei damit konfrontiert wurde. Hier, im Urlaub, hatte er sich eigentlich davon erholen wollen. Aber dann hätte er nicht mit mir reisen dürfen. Manchmal kam ich mir vor wie ein Magnet, der ständig das Böse anzog, um es bis in alle Ewigkeit bekämpfen zu können.

Ich zog den Wagenschlag zu. Gleichzeitig setzte hinter mir ein Hupkonzert an. Ich sah im Rückspiegel, dass ich einen kleinen Stau verursacht hatte.

Mit der Rechten wedelte ich entschuldigend. Dann gab ich Gas und fuhr in den Ort hinein.

Der »Rote Hahn«. Was war damit gemeint? Ein Gasthaus?

Ich schaute mich aufmerksam um.

Es war tatsächlich ein Gasthof, genau an der Ecke, wo man zum Bahnhof abbiegen konnte.

Wir parkten unseren Leihwagen.

»He, willst du tatsächlich dort hinein?«, rief Tab.

Ich zuckte die Achseln. »Warum nicht? War doch eine freundliche Einladung, oder?«

Tab sagte nichts mehr. Die Miene von Kathryn wirkte verschlossen. May tat ganz so, als sei alles ganz normal.

Wir stiegen aus. Ich schloss ab. An der Spitze der kleinen Gruppe ging ich zum Lokal hinüber und trat ein.

Rauchige Atmosphäre. An den Tischen wurde gespeist.

Wir suchten uns einen leeren Platz.

Auf der anderen Seite, genau an der Wand, stand ein Tisch mit nur einem Gast. Der Gast hatte nicht einmal ein Getränk vor sich. Niemand beachtete ihn.

Auch wir wurden nicht beachtet!

Hatte die Gestalt nicht behauptet, ich würde sie erkennen?

Ich betrachtete den Mann. Er war unbestimmbaren Alters, unnatürlich bleich, hatte die Haare glatt zurückgekämmt. Sie glänzten wie Lack. Seine Augen wirkten irgendwie unnatürlich. Ein blutrotes Netzwerk, wie von lauter geplatzten Äderchen, beherrschte sie.

Ich betrachtete die Hände, die nebeneinander auf dem Tisch lagen, mit den Handflächen nach unten. Die Fingernägel waren anders als bei einem normalen Menschen. Sie waren horniger, härter und liefen spitz zu wie - Krallen!

Der Mann hatte einen schwarzen Anzug an, darunter einen schwarzen Rollkragenpulli. Man sah nur das bleiche Gesicht darüber und die weißen Hände mit den Krallen.

»Das ist er!«, murmelte ich.

Wir gingen quer durch das Lokal, wichen der Bedienung aus, die uns nicht einmal ansah, und steuerten auf den Tisch zu.

Das Gesicht des Mannes verzerrte sich zu einem Lächeln. Es wurde eine unmenschliche Grimasse daraus.

Ich sah die Zähne. Sie waren spitz zugefeilt wie bei einem Kannibalen.

Schweigend setzten wir uns. Ich hatte die Linke an meinem Schavall. Das Amulett hatte die Form eines Auges. Im Moment glühte es wie das Auge eines Dämons.

Wie immer, wenn es direkt mit Schwarzer Magie in Berührung kam!

Mir war klar, wen ich vor mir hatte, obwohl ich den »Mann« noch nie zuvor gesehen hatte. Dies war kein Mensch. Es war ein Wesen, das in einer anderen Welt geboren war, in einer Welt, in der das absolut Böse herrschte und die von den eingeweihten Menschen gemeinhin »Zwischenreich der Dämonen« genannt wurde. Dieses Wesen da am Tisch sah nur aus wie ein Mensch. Wahrscheinlich präsentierte es sich uns sogar in seiner wirklichen Gestalt. Dämonen konnten viele Formen annehmen. Sie mussten nicht unbedingt als Monster erscheinen. Oftmals wirkten sie durchaus menschenähnlich.

Und doch waren sie alle nur die magischen Manifestationen dessen, was sie wirklich waren: negative Geister! Sie würden niemals ganz zu Bestandteilen des Diesseits werden können, denn dann würden sie ihre Macht verlieren.

Ich war überzeugt davon, dass dieser Dämon hier mit seiner Macht dafür gesorgt hatte, dass keiner auf uns achtete. Den Menschen wurde das nicht bewusst. Sie würden sich später auch nicht an unseren Besuch erinnern können.

»Was willst du von uns?«, herrschte ich das Wesen an.

Alle Dämonen, ob sie nun zum »Schwarzen Adel« gehörten, deren weltweiten Verbrecherorganisation »Schwarze Mafia« oder ob sie gewissermaßen selbständig agierten, hatten eines gemeinsam: Sie waren meine Todfeinde! Es war meine Lebensaufgabe, sie zu vernichten, denn sie waren die Inkarnation des Bösen in seiner schlimmsten Form.

Dieser hier hatte mich in der Erscheinung als Schwarze Gestalt gebeten, nichts gegen ihn zu unternehmen. Ich hielt mich daran. Vorläufig jedenfalls. Aber ich fühlte mich in keiner Weise verpflichtet. Der Schavall befand sich in meiner Hand. Wenn ich ihn jetzt dem Dämon entgegenstreckte, ihn gar damit berührte, würde er die Macht des Dämons und damit ihn selber in sich aufsaugen.

Einen meiner Todfeinde würde es weniger geben!

Ich zögerte jedoch.

Der Dämon fletschte die zugefeilten Zähne. »Sie werden sich gewundert haben, Mr. Tate, aber dieses Zusammentreffen ist äußerst wichtig. Nicht nur für Sie, sondern auch für mich.«

Ich hatte noch niemals erlebt, dass ein Vertreter des Bösen einen fairen Vorschlag gemacht hatte. Das passte einfach nicht. Ich hatte auch niemals erlebt, dass das Böse ohne Eigennutz handelte.

»Wenigstens bist du ehrlich«, sagte ich. Nur um überhaupt etwas zu sagen.

Der Dämon grinste. »Kann ich das überhaupt?«

»Zur Sache!«, knurrte Tab Furlong.

Er hatte nicht die geringste Angst vor dem Dämon. Das brauchte er auch nicht:

Tab Furlong war immun gegen Schwarze Magie! Ihm konnte der Dämon nichts anhaben. Wenigstens nicht mit Magie.

Die beiden Frauen hielten sich heraus. Sie beobachteten nur aufmerksam.

»Nun gut!« Das Gesicht des Unheimlichen wurde zu einer starren Maske. Als er weitersprach, klang seine Stimme verzerrt, irgendwie künstlich.

»Es ist ein wichtiges Problem, Mr. Tate. Hier, in Kleinbittersdorf, einem eigentlich eher harmlosen Ort, taucht seit Jahren ein seltsames Schemen auf. Es ist ein Mädchen...« Er beschrieb das Schemen. Dabei beugte er sich etwas vor. Ich bekam seinen fauligen Atem direkt ins Gesicht und wich unwillkürlich zurück. »Jedesmal, wenn das Schemen auftaucht, zieht es das Böse an wie Licht die Motten. Auf diese Weise sind schon viele Mafiosi in die Falle gegangen, denn sie überleben die Begegnung mit dem Schemen nicht.«

»Kann uns doch nur recht sein«, brummte Tab Furlong trocken. »Warum erzählen Sie uns das? Glauben Sie im Ernst, wir werden unter diesen Umständen etwas gegen das Schemen unternehmen?«

»Ja, das glaube ich!«, sagte der Dämon bestimmt und lehnte sich wieder zurück.

Ich runzelte die Stirn. Tab wollte noch etwas sagen. Ihm missfiel die Situation, und dem wollte er Ausdruck verleihen, aber ich winkte ab und wandte mich an den Dämon.

»Bist du ein Mitglied des Schwarzen Adels? Vielleicht sogar ein Don in der Organisation der Schwarzen Mafia?«

»Ich bin der Schwarze Fürst Kehmil! Ich regiere diese Region mit Namen Saarland, bin ihr Herrscher - auch wenn keiner der Menschen etwas davon ahnt, noch nicht einmal die sogenannte demokratisch gewählte Regierung, diese unfähigen Narren!«

Er hatte es nicht ohne Stolz bekannt.

Ich nickte zu diesen Worten. Kehmil? Schwarzer Fürst? Heimlicher Herrscher über das Saarland? Es war mir bekannt, dass irdische Dämonen gern menschlich klingende Namen wählten. Man durfte sie nicht zu ernst nehmen. Es waren im gewissen Sinne Decknamen. Jeder Dämon hielt seinen eigenen Namen geheim - auch gegenüber seinen Schwarzen Blutsbrüdern. Denn wer den wahren Namen eines Dämons kannte, konnte über ihn Macht ausüben.

Der Name Kehmil nutzte mir überhaupt nichts. Aber mehr als nur den Decknamen des schwarzblütigen Fürsten hatte ich auch gar nicht zu erfahren gehofft.

»Nun gut, Kehmil. Wie soll ich dich nennen? Fürst? Herrscher? Gar... König?«

»Ich bin ein Graf!«, behauptete der Dämon.

Nach meinem Verständnis des Schwarzen Adels gehörte Kehmil also tatsächlich zu den Mächtigen.

»Warum unterhältst du dich mit ihm so seelenruhig?«, fragte May an meiner Seite. Sie hielt es in der Anwesenheit des Dämons als Weiße Hexe nicht mehr aus. Es kostete sie zuviel Beherrschung.

»Ganz einfach, May«, sagte ich leise. »Wenn Kehmil nicht auf sich aufmerksam gemacht hätte, wären wir überhaupt nicht über ihn gestolpert.«

»Natürlich eine Falle des Schwarzen Adels, Mark!«, knurrte Tab Furlong dazwischen. »Das liegt doch auf der Hand.«

»Und dafür hat sich Kehmil mit uns hier in einem normalen Speiserestaurant getroffen?« Ich schüttelte den Kopf. »Nein, Tab, es scheint schon wichtiger zu sein.«

»Vielleicht sind die Leute hier alles seine Diener?«

Abermals schüttelte ich den Kopf. Ich fixierte den Dämon mit den Augen. »Ich bin sicher, dass uns der Graf bald alles erklärt hat!«

Graf Kehmil, von wahrhaft Schwarzem Geblüt, ballte die Fäuste, dass seine Krallen über die Tischplatte schabten und tiefe Kratzer hinterließen.

»Sehen Sie, Mr. Tate, diese Region befindet sich in meiner Gewalt.« Schon wieder musste er es erwähnen, aber ich wunderte mich nicht darüber, weil ich wusste, dass Dämonen zur Prahlerei neigten. Er fuhr fort: »Sie waren schon öfter hier, nicht wahr? Haben Ihren Freund in Auersmacher besucht. Einmal haben Sie hier auch gegen eine Schwarze Hexe gekämpft. Zu einem Zeitpunkt, als Sie als Mark Tate noch nichts vom Schwarzen Adel oder von der Schwarzen Mafia gewusst haben. Mit mir haben Sie niemals zu tun bekommen. Natürlich bin ich Ihr Feind. Es wäre dumm von mir, das zu leugnen, aber dies hier ist keineswegs eine Falle, wie Mr. Furlong anzunehmen beliebt. Es hat andere Gründe. Sie sind so ungewöhnlich, dass es mir schwerfällt, sie zu nennen.«

»Tun Sie sich nur keinen Zwang an!«, zischte May gehässig.

»Verdammt, Mark Tate, ich brauche Ihre Hilfe, begreifen Sie es denn nicht? Ich, Graf Kehmil, einer aus der mächtigen Dynastie der Uralten, seit Jahrtausenden in dieser Welt, weiß mir keinen anderen Rat mehr, als mich an Sie zu wenden. Mark Tate, ich brauche Ihre Hilfe gegen meine eigenen Brüder und Schwestern vom Schwarzen Blut!«

Die Aussage des dämonischen Fürsten raubte uns zunächst den Atem. Vielleicht hatte ich geahnt, dass es darauf hinauslaufen würde, aber trotzdem kam es gewissermaßen wie ein Hammer.

Wir saßen da, wie vom Donner gerührt. Wir starrten auf dieses furchtbare, widerliche Wesen, das annähernd aussah wie ein Mensch und nicht einmal ein lebendiges Geschöpf war, sondern nur eine Zusammenballung des Bösen.

Kehmil war ein materialisierter Geist, ein Teufel in Gestalt. Das durften wir niemals vergessen. Und wir waren die Teufelsjäger. Und ausgerechnet an uns wandte sich dieser Kehmil...?

Ungewöhnlich? Das war überhaupt kein Ausdruck dafür! Es war einfach absurd, unmöglich.

»Und was verschafft mir die Ehre?«

»Sie sind der unsterbliche Gorite, Mark Tate! Sie waren vor Jahrtausenden Mitglied jenes legendären und genauso geheimnisvollen Goritenstammes, der sich aus Zauberern und Magiern aus aller Welt zusammengesetzt hatte und dem es gelungen war, das Böse zumindest vorübergehend aus der Welt zu verbannen. Ich habe zu dieser Zeit bereits gelebt. Ja, ich gehöre in der Tat zu den Uralten. Es gelang mir, mich so gut zu tarnen, dass ich die Säuberung durch die Goriten überstand. Mag sein, dass ich ihnen deshalb nicht auffiel, weil mich irgend etwas von meinen Schwarzen Brüdern unterscheidet. Mag sein, dass ich auch durch die Jahrtausende gewissermaßen ein wenig lasch geworden bin. Ich verbreite das Böse in dieser Region, aber niemals in einem solchen Maße, dass ich je einen Geisterjäger oder Teufelsjäger auf mich aufmerksam gemacht hätte. Alles Böse in dieser Region schreibt man ohnedies lieber den herrschenden politischen Parteien zu. Dessentwegen allein schon bin ich dem Schwarzen Adel ein Dorn im Auge. Wenn man auch nichts gegen mich unternimmt, weil sie meine Macht fürchten. Aber das kann sich alles ändern, Mark Tate: Durch das Schemen! Es lockt die Schwarzen Mafiosi an. Sie kommen von überall her, einer nach dem anderen. Es geschieht immer häufiger. Das Schemen vernichtet sie. Sie haben keine Chance. Bis jetzt ist es noch nicht so schlimm, dass man einen Verdacht gegen mich hegt, aber irgendwann werden meine schwarzblütigen Brüder und Schwestern kommen und mich bestrafen. Das ist die eine Seite. Die andere ist: Ein echter Dämon kann sich gegen das Schemen wehren. Sonst wäre ich schon gar nicht mehr. Ich habe den Vorgang häufig genug beobachtet, obwohl es mir jedesmal im besonderen Maße schmerzt und mich quält. Aber es wird nicht im eigentlichen Sinne gefährlich. Nur indirekt eben, Mark Tate, denn man wird alles tun, um das Schemen zu beseitigen. Es wird äußerst schwer sein, wenn nicht unmöglich. Obwohl ich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr existieren werde. Aber eines ist jetzt schon gewiss: Diese Region hier wird zu einer neuen Bastion des Bösen. Vielleicht gibt es einen Menschen vernichtenden Krieg? Vielleicht fallen die Bomben, vor denen so viele Menschen zittern? Nur dass es dem Schwarzen Adel gefällt und das Schemen vernichtet wird!«.

Es war offensichtlich: Der Dämon hatte Angst!

»Sie sagen mir das alles, Graf Kehmil, um Ihre eigene Haut zu retten!« Ich öffnete die Hand mit dem Schavall.

Erschrocken starrte Kehmil auf den Schavall. Das Amulett glotzte ihn als rotes Auge an. Jetzt sah er wirklich aus wie ein Dämonenauge. So nannte ich ihn auch oft.

Ich hob das Dämonenauge über die Tischkante und brachte es dem Dämon immer näher.

»Es wäre gar nicht notwendig gewesen, Kehmil, denn wir hätten früh genug bemerkt, was hier geschieht, und hätten eingreifen können. Vielleicht wäre es ein Vorteil gewesen? Wir hätten die Schwarze Brut auf einmal vernichten können - gemeinsam mit dem Schemen.«

»Das Schemen gehorcht keinen Gesetzen!«, kreischte der Dämon schrill. Er konnte seinen Blick nicht mehr vom Schavall lösen. »Es hat seine eigenen Gesetze.

Impressum

Verlag: BookRix GmbH & Co. KG

Tag der Veröffentlichung: 27.08.2016
ISBN: 978-3-7396-7077-5

Alle Rechte vorbehalten

Widmung:
Nähere Angaben zum Autor siehe hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Wilfried_A._Hary

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