Cover

RB 003:

New-York-Cops


Wilfried A. Hary

Impressum:

 

ISSN 1861-1273

 

Diese Fassung:

© 2014 by HARY-PRODUCTION

Canadastr. 30 * D-66482 Zweibrücken

Telefon: 06332-481150

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eMail: wah@HaryPro.de

 

Dieses Buch basiert auf der Romanheftversion, Bände 14 bis 17.

 

Sämtliche Rechte vorbehalten!

Nachdruck nur mit schriftlicher Genehmigung von

HARY-PRODUCTION!

 

Coverhintergrund: Thorsten Grewe

 

Titelbild: Gerhard Börnsen

 

Lektorat: David Geiger

 

1

Chester Finish lachte hart. Sein kantiges Gesicht lachte nicht mit. Es blieb unbewegt wie immer.

»Ihr seid Versager. Eigentlich seid ihr es gar nicht wert, daß ich den weiten Weg hierher gemacht habe. Werdet ohne mich nicht einmal mit so 'nem kleinen Fisch fertig wie diesem Dr. No. Der Tarnname für so einen FBI-Bullen, mehr nicht. Wo also liegt euer Problem?

Ich sage es euch: Bei euch selber. So 'ne Type wird schlicht und einfach zertreten, und ich werde euch einmal zeigen, wie man da vorgeht.«

Keiner zweifelte daran, obwohl jeder von ihnen wußte, daß Dr. No alles andere als ein kleiner Fisch war. Sonst hätte sich Chester Finish, der Boß von der Westküste, ja wohl kaum persönlich herbemühen müssen.

»Ihr kennt meine Devise: Ich dulde keinerlei Versager. Und was diesen No betrifft, habt ihr nachhaltig versagt. Dieser Typ kostet uns jeden Tag im Schnitt immerhin eine runde Million harte Dollars.«

Er schüttelte den Kopf und seufzte.

»Vielleicht hat es sich inzwischen sogar bis zu euch herumgesprochen, wie ich mit Versagern umzugehen pflege.«

Mit diesen Worten zog er seinen großkalibrigen Revolver, Marke individuelle Spezialanfertigung.

Sein stahlharter Blick ging in die Runde.

Die selbsternannten Könige von New Yorks Unterwelt duckten sich unwillkürlich. Was hatte Finish vor?

Sie bereuten auf einmal den Beschluß, mit der Westküste zu fusionieren.

Ihr Vorsitzender, Glenn T. Silver, hatte ihnen vorgeschwärmt, daß sie dadurch den Markt endgültig beherrschen konnten, gerade in den Spezialbereichen Waffenschmuggel und Menschenhandel. Nach dem Motto: Einigkeit macht stark. Dabei herausgekommen war jedoch eher eine Angliederung. Wenn man es genauer nahm, sogar eine Art Unterordnung. Denn dieser Finish war gleich mit einer ganzen Armee angerückt. Dem waren sie nicht gewachsen.

Dabei hatten sie alle den Beschluß am Ende einhellig getragen! Sie waren verblendet gewesen, und dieser Finish, der sogenannte Boß von der Westküste, bewies es ihnen gerade recht drastisch.

»Zum Beispiel fliegt jeder bei mir an der Westküste raus, der auch nur ein einziges Mal seinen Fuß in ein Gefängnis gesetzt hat«, behauptete er. »Im Gefängnis landet nur, wer sich schnappen läßt, und wer sich schnappen läßt, ist in meinen Augen ein Versager. Mit solchen Leuten kann man nichts mehr anfangen. Sie sind zu unzuverlässig.

Am schlimmsten jedoch ist eindeutig, wenn einer immer denselben Bullen zum Zuge kommen läßt.

Und das als oberster Verantwortlicher einer Organisation wie dieser hier. Also beginnen wir die Aktion zunächst einmal beim Hauptversager von New York City.«

Er legte an, und bevor noch der eigentliche Vorsitzende der dunklen Versammlung, Glenn T. Silver, begriffen hatte, wie ihm geschah, donnerte die schwere Waffe los. In dem abgeschlossenen Raum ein ohrenbetäubender Laut.

Die tödliche Kugel traf Glenn T. Silver mitten zwischen die Augen. Vom Aufprall wurde der alte Mann der New Yorker Unterwelt hochgetrieben und rücklings über den Stuhl gerissen.

Die nahebei saßen, wandten den Blick ab, als sie sahen, was die Kugel angerichtet hatte. Obwohl einiges schon erlebt, drehte sich ihnen der Magen um.

Einen solchen Vorfall, ein solch drastisches Exempel hatte es lange nicht mehr gegeben. Um genauer zu sein: seit Al Capone nicht mehr!

Ihr Gast hatte zu handeln begonnen, und keiner von ihnen hätte in der Haut von Dr. No stecken mögen. Das war aber auch der einzige Vorteil, den sie im Moment für sich sahen.

Einer dachte sogar:

Die Geister, die wir riefen. Wie bekommen wir die bloß wieder los? Der dies dachte, war Gil Mandozzi, der selbsternannte König von Little Italy.

 

2


New York besitzt einen natürlichen Hafen entlang des Hudson und der New York Bay, der jedoch längst nicht mehr die Bedeutung von früher hat. So werden zum Beispiel nur noch wenige Piers für den Passagierverkehr genutzt und da vor allem die Anlegestellen am Ende der 50er Straßen, das Passenger Ship Terminal 90. Von hier geht es zumeist per Schiff hinunter zur Kreuzfahrt in die Karibik.

Aber auch der Warenumschlag hat im New Yorker Hafen enorm an Bedeutung verloren. Kein Wunder, seit das New York praktisch gegenüberliegende Port Elizabeth als Container-Terminal dient.

Es sei denn, es handelte sich um Waren, die illegal hier ankommen oder New York verlassen sollten.

Was das betrifft, hatten Sammy und ich wieder einmal die Aufgabe, einem heißen Tip nachzugehen, den wir für diese Nacht bekommen hatten. Nicht im bekanntesten Terminal 90, sondern am Pier 84, wo das alte, beeindruckende, aber doch schon ein wenig baufällige Terminalgebäude den Bulldozern zum Opfer gefallen war. Eine Maßnahme, die verständlicherweise nicht nur Freunde gewonnen hatte, weshalb bereits erwogen wurde, hier im alten Stil ein neues Gebäude zu errichten.

Noch war es jedoch nicht soweit. Captain Stone hatte uns persönlich in Marsch gesetzt, denn es sollte sich um eine illegale Waffenausfuhr handeln.

Nun, der Waffenverkauf war schon immer ein recht einträgliches Geschäft gewesen und wurde es nicht erst seit der letzten Golfkrise. Vor allem, wenn die Käufer dort saßen, was die Europäer ihren nahen Osten nannten. Da reagierte nicht nur »jeder rechtschaffene Amerikaner« allergisch, bestand doch die Gefahr, daß mit denselben Waffen vielleicht schon bald wieder auf amerikanische Söhne an vorderster Front geschossen wurde.

Die Waffen sollten diesmal mit einem der Passagierschiffe außer Landes gehen. Zunächst einmal in Richtung Karibik, was das erklärte Ziel des Schiffes war - ausnahmsweise einmal nicht vom Terminal 90 weg. Aus der Karibik erst sollte die heiße Ware ihren Weg in Richtung Europa und letztlich Irak nehmen. Noch nicht einmal eine allzu große Sendung, wie man uns versichert hatte. In den letzten Wochen hatten wir immerhin ganze Panzer und sogar komplette Bausätze von Jagdfliegern zurückhalten können.

Objekt unserer Beobachtung war das Passagierschiff »MARY ANN«.

Und dann kam der Lieferwagen. An den Seiten trug er die gewundene Aufschrift »CATERING SERVICE«, was vermuten ließ, daß damit normalerweise Bordvorräte für die Schiffe angeliefert wurden. Die »MARY ANN« sollte planmäßig früh am Morgen in See stechen. Es waren nur noch wenige Stunden hin. Also erschien es eigentlich nur logisch, daß man mit der Lieferung jetzt schon begann.

Der Lieferwagen stoppte genau an der Gangway zur »MARY ANN«, und wir beide näherten uns, jeden Schatten ausnutzend.

Das Passagierschiff, das am Morgen in Richtung Karibik in See stechen wollte, würde wohl kaum mit so wenig Proviant zufrieden sein, wie so ein relativ kleiner Lieferwagen anliefern konnte. Aber möglicherweise war das weder die notwendige Lieferung von Proviant, noch die Lieferung, die Sammy und ich erwarteten, sondern eher so etwas wie eine Vorhut, um die Lage zu checken? Denn die Schläge, die uns in den letzten Wochen gegen die Organisation gelungen waren, hatten die Bosse gewiß doppelt vorsichtig gemacht.

Deshalb hielten wir uns zunächst zurück.

Eine junge Dame stieg aus dem Lieferwagen - und was für eine! Ihre Beine waren so lang, daß sie gar kein Ende mehr nehmen wollten, und ihr knackiges Hinterteil wackelte bei jedem Schritt - Absicht oder nicht -, daß kein normaler Mann mehr für etwas anderes Interesse haben konnte. Dabei wippte das kurze Röckchen recht kokett.

Sie trug über den endlos langen Beinen und dem schwarzen Nichts von einem Minirock eine superkurze, rote Windjacke. Da stimmte wirklich alles. Als Blickfang war die Kleine bestens geeignet.

Sonst schien niemand an Bord des Lieferwagens zu sein. Die Langbeinige mit dem schulterlangen Blondhaar stakste auf kurzhackigen Pumps die paar Schritte zur Passagierrampe hinüber und wartete ein paar Sekunden.

Von oben kam ein Zeichen. Man sah nur die winkende Hand, sonst nichts. Es zeigte sich niemand.

Das war eigentlich schon Bestätigung genug für unseren anfänglichen Verdacht, daß es sich hier um eine Falle handelte. Der Gegner wurde offensiv. Er begnügte sich nicht mehr länger damit, seine Handlungen im Verborgenen bleiben zu lassen, sondern er schlug aktiv zurück.

Ziel dieser Aktion waren offensichtlich wir beide. Man schien sich genau ausgemalt zu haben, was geschah, wenn ein solcher Tip beim FBI einging. Man würde natürlich die Agenten einsetzen, die zur Zeit am meisten mit dem illegalen Waffenschmuggel beschäftigt waren, und das waren wir beide nun mal.

Die Falle war perfekt organisiert. Sie schnappte zu.


3


Sofort nach dem verabredeten Zeichen steppte die Blondine auf ihren kurzhackigen Pumps erstaunlich behende zur Seite, in die Deckung des Lieferwagens. Von irgendwo auf dem Schiff züngelte fast gleichzeitig ein kurzes Mündungsfeuer. Kein Schuß war zu hören, aber das Sirren der Kugel, die mich tiefer in Deckung zwang.

Man setzte also Schalldämpfer ein, um kein zu großes Aufsehen zu erregen. Schüsse am Kai würden relativ schnell die City-Police auf den Plan rufen.

Die Rechnung ging allerdings nur zur Hälfte auf: Sammy und ich hatten keine Schalldämpfer auf unseren Smith & Wessons. Wir hatten auch nichts dagegen, wenn unsere Kollegen von der City Police auf die Schießerei aufmerksam wurden.

Ich schickte eine Kugel ungefähr in die Richtung, in der ich das Mündungsfeuer gesehen hatte. Es sollte den Schützen davon abhalten, weiter auf mich Zielschießen zu veranstalten. Aber es nutzte wenig. Ganz im Gegenteil: Wie als Antwort züngelten mehrere Mündungsfeuer an anderen Stellen auf, und alle benutzten Schalldämpfer.

Es hatte den Vorteil für uns, daß man damit nicht ganz so präzise schießen konnte, vor allem nicht auf die Entfernung.

Nur die Smith & Wessons von Sammy und mir brüllten also durch die Nacht.

Drei Fahrzeuge bogen vorn auf das Pier ein und brausten heran. Nur bis auf höchstens fünfzig Yards Abstand zu uns. Dann stoppten sie mit kreischenden Pneus. Die Türen flogen auf. Ein paar bewaffnete Typen sprangen heraus, gingen hinter ihren Fahrzeugen in Deckung und legten mit ihren Waffen auf uns an. Sie wußten ganz genau, wo wir uns in Deckung duckten. Offenbar hatte man uns vom Schiff aus trotz all unserer Vorsicht entdeckt, bevor man die Falle zuschnappen ließ.

Es hätte für uns bereits tödlich enden können. Aber das wollte man vielleicht gar nicht? Wenigstens nicht hier am Pier?

Die Typen bei den drei Fahrzeugen schossen jedenfalls vorerst nicht.

Und dann rief die Blondine aus ihrer Deckung hinter dem Lieferwagen: »He, ihr beiden. Widerstand hat keinen Zweck mehr. Wir wollen euch nicht töten, sondern nur gefangennehmen. Unser Boß will euch sehen. Gebt auf.«

Eine nette Stimme, aber eine Einladung, die niemand gern annahm.

Ein Ausbruchsversuch wäre tatsächlich sinnlos gewesen. Wir hatten zwar eine gute Deckung, in der wir uns allerdings nicht lange würden halten können. Da gab es durchaus einige Möglichkeiten für unsere Gegner, uns auszuräuchern. Zum Beispiel Handgranaten. Vielleicht auch Gas? Wir mußten in dieser Beziehung mit allem rechnen.

Was die Gegner jedoch nicht wußten: Wir hatten sozusagen einen Trumpf im Ärmel, mit dem wir sehr leicht den Spieß umdrehen konnten. Und den wir jetzt ausspielten.

Wir hatten schließlich von vornherein mit einer Falle rechnen müssen. Vor allem, weil wir schon seit Wochen an dieser Sache dran waren und inzwischen immerhin soviel Erfolg verbuchten, daß dem Gegner eigentlich gar nichts anderes mehr übrigblieb, als endlich offensiv zu werden.

Und so lange die sich hier sicher fühlten und nur uns ihre Aufmerksamkeit schenkten, dachten sie gar nicht an eine Gefahr, die ihnen von anderer Seite her drohen könnte.

Blondy meldete sich wieder: »Ihr habt nicht lange Bedenkzeit.

Werft eure Waffen weg und verlaßt eure Deckung! Sonst müßt ihr leider sterben. Verlaßt euch nicht darauf, daß man eure Schüsse gehört hat. Bevor die City-Police oder eure Kollegen hier sein können, seid ihr nicht mehr am Leben. Also los, auf geht's, G-men!«

Ich enthielt mich einer Antwort, nahm stattdessen das winzige Walkie-Talkie aus der Tasche, drückte die Sprechtaste und sagte: »Ihr seid dran!« Das genügte. Alles war verabredet. Die Kollegen vom FBI, die City-Police und auch die River-Squad-Police standen bereit. Für sie war das Folgende schon fast Routine. Nur die City-Police blieb vorläufig noch im Hintergrund, gewissermaßen als Nachhut. Unsere Gegenaktion spulte sich ab wie ein Uhrwerk. Und es war mehr als nur eine Gegenaktion: Wir machten aus der soeben noch so perfekt erschienen Falle für uns beide eine noch perfektere Falle für unsere Belagerer. Das begann zunächst damit, daß auf dem Hudson von zwei Seiten je ein Schnellboot heranbrauste. Kugelsichere Scheinwerfer wurden in Position gebracht, um die »MARY ANN« damit von der Flußseite her auszuleuchten.

Aber auch die Gangster, die vorn die Ausfahrt vom Pier abriegelten, wurden nicht vergessen. Mehrere Streifenfahrzeuge fegten herbei. Die Kollegen sprangen heraus und warfen sich in Deckung hinter ihre Fahrzeuge.

Einer der Gangster verlor die Nerven und gab einen ungezielten Schuß ab. Der Schuß wurde nicht erwidert. Stattdessen erscholl eine Megaphonstimme: »Hier spricht der FBI. Gebt auf!«

»Scheiße!« rief ein anderer Gangster. Sein Schuß kam gezielter. Aber er traf trotzdem niemanden. Es ging nur eine Frontscheibe von einem der FBI-Fahrzeuge in Scherben.

»Diesmal sind die dran«, sagte Sammy neben mir. »Eine Falle für zwei FBI-Beamte. Sie haben uns sogar unter Feuer genommen und wollten uns damit zur Aufgabe zwingen. Beabsichtigt war Kidnapping. Das reicht für eine saftige Anklage.«

Gegenüber sonst ein Fortschritt. Darin hatte er recht. Denn sonst hatten wir zwar die Waren sicherstellen können, aber wir waren kaum an Personen herangekommen. Eine Beteiligung an dem Geschäft war so gut wie keinem nachzuweisen gewesen.

Dafür waren die stets zu geschickt vorgegangen. Profis, mit allen Wassern gewaschen. Jeder hatte so getan, als sei er die Unschuld in Person. Als wäre die Ware sozusagen aus dem Nichts aufgetaucht...

Und dann waren wir an der Reihe, in das Geschehen wieder aktiv einzugreifen. Alle Kollegen waren in Position. Zwei weitere kugelsichere Scheinwerfer flammten auf. Diesmal von der Landseite her. Einer erleuchtete hell das Pier. Der Lichtfinger des anderen tastete über das Schiff.

Die Gegner machten allerdings keinerlei Anstalten zur Aufgabe. Auch wenn jetzt ihre Chance noch so klein erschien.

»Gebt uns Feuerschutz!« sagte ich in das Mikrophon des Walkie-Talkie. Von den Kollegen waren Gewehre mit Zielfernrohr in Anschlag gebracht worden, wie ich wußte. Damit war es kein Problem, das Schiff erfolgreich unter Feuer zu nehmen.

Eigentlich schade um das schöne Schiff, dachte ich. Es würde kaum ohne Beschädigungen abgehen.

Wir sprangen auf und sprinteten los, zuerst in Richtung Lieferwagen.

Keine Sekunde zu früh. Etwas wummerte heran.

Es schlug haargenau dort ein, wo wir soeben noch in Deckung gelegen hatten. Der Abschußknall kam einen Sekundenbruchteil später, zeitgleich mit der Detonation der kleinen Granate.

Wir warfen uns zu Boden und preßten die Hände auf Ohren und Nacken.

Unsere ehemalige Deckung wurde zerfetzt. Im Pier entstand ein großes Loch. Die Druckwelle fuhr über uns hinweg, erfaßte auch den Lieferwagen und schob ihn ein Yard weiter. Dabei schwankte er bedenklich.

Splitter wirkten wie Geschosse, ließen die Scheiben des Lieferwagens platzen und schlugen Dellen und kleine Löcher in das Blech der Karosserie auf dieser Seite.

Wir warteten das Ende des Infernos ab und sprangen wieder auf.

Der Lieferwagen sah aus wie nach einem schlimmen Verkehrsunfall. Er hatte nur noch Schrottwert.

Die Kollegen hatten den Schützen am tragbaren Granatwerfer entdeckt. Sie nahmen ihn unter Beschuß, als er sich für den nächsten Abschuß zu weit aus seiner Deckung wagte. Wir hörten einen gellenden Schrei. Im nächsten Moment löste sich von oben ein Schatten und segelte herab.

Er schlug auf der Wasseroberfläche zwischen Pier und Schiffskörper auf.

Mit einer weiteren Granate war nicht mehr zu rechnen.

Von oben wurde jetzt überhaupt nicht mehr geschossen. Die Kollegen hatten Zielfernrohre mit Restlichtverstärker. Sie zwangen jeden Schützen auf dem Schiff in Deckung, auch wenn er sich nicht gerade im Lichtfinger eines Scheinwerfers befand.

Aber die Gangster wollten trotzdem noch nicht aufgeben. Sie machten immer noch keinerlei Anstalten dazu.

Wir erreichten den Lieferwagen.

Blondy trat in Aktion. Sie sprang hervor, behielt den Lieferwagen jedoch geschickt zwischen sich und den FBI-Schützen. Leicht geduckt stand sie vor uns, wie eine Tigerkatze kurz vor dem Sprung. Ihre Pistole hielt sie beidhändig gegen uns im Anschlag. Haß verzerrte ihr Gesicht.

Wir hatten ebenfalls die Waffen in den Händen, schußbereit. Wir hätten ihr nur zuvorzukommen brauchen, sie einfach über den Haufen knallen müssen. Es wäre nur Notwehr gewesen, denn sie wollte die Aktion gegen uns mit ihrer eigenen Waffe doch noch halbwegs erfolgreich beenden.

Indem sie uns umlegte.

Aber keiner von uns beiden brauchte sie niederzuschießen:

Einer der Gangster auf dem Schiff gab jetzt doch noch ein paar ungezielte Schüsse in unsere Richtung ab. Zu mehr als ungezielten Schüssen reichte es nicht, weil er sich nicht weit genug hervorwagen konnte. Er mußte immer noch genügend Deckung zwischen sich und den FBI-Schützen lassen, um nicht selber getroffen zu werden.

Auf Blondy nahm er dabei überhaupt keine Rücksicht. Es war ihm offensichtlich egal, ob sie getroffen wurde oder nicht.

Die Kugeln pfiffen uns um die Ohren, trafen aber niemanden. Auch Blondy nicht. Sie wurde nur davon kurz abgelenkt. Als wäre sie darüber überrascht, daß ihr Kumpan keinerlei Rücksicht auf sie nahm.

Wir gewannen durch die unüberlegten Schüsse nur Sekundenbruchteile. Aber Blondy rettete es letztlich das Leben. Denn wir brauchten nur noch einen einzigen Schritt, um ihr nahe genug zu kommen.

Bevor sich ihr Finger doch noch um den Abzug der Pistole krümmen konnte, zuckte mein Fuß hoch und traf ihr Handgelenk.

Die Waffe flog davon und klatschte ins Wasser.

Sammy neben mir schoß. Der Kerl oben hatte weniger Glück als Blondy. Gerade hatte er sich wieder ein Stückchen vorgewagt, um erneut auf uns zu schießen. Zwar hatte er genügend Deckung zwischen sich und unseren FBI-Scharfschützen, aber zu wenig, um nicht von Sammy tödlich getroffen zu werden.

Blondy schrie schmerzerfüllt und rieb ihr Handgelenk. Daß ihr Kumpan oben soeben sein Leben gelassen hatte, schien sie nicht im mindesten zu interessieren.

Der Haß auf uns

Impressum

Verlag: BookRix GmbH & Co. KG

Tag der Veröffentlichung: 10.10.2014
ISBN: 978-3-7368-4680-7

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