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Titel:

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Wilfried A. Hary:

Der Rivale – und die neue Mission in einem wahren Alptraum!“

 

Impressum:

ISSN 1614-3302 * Copyright 2010 by HARY-PRODUCTION

Canadastraße 30 * D-66482 Zweibrücken

Telefon: 06332 48 11 50

www.HaryPro.de

Coverhintergrundgestaltung: Anistasius

Titelbild: Gerhard Börnsen

 

Einführung:

 

John Willard, geboren auf einer unmenschlichen Erde, wird unter dramatischen Umständen der „Diener des Sternenvogts“, denn dieser geht selten persönlich in einen notwendig werdenden Einsatz, um die sogenannte universale Ordnung zu sichern. Sein Diener fungiert als eine Art Stuntman (siehe Band 1).

Der erste Einsatz (Band 2) führt John Willard auf den „Planeten der Amazonen“: Aufgrund von Umwelteinflüssen kommen hier nur Frauen zur Welt. Um ihren Fortbestand zu sichern, müssen sie Männer von der Erde „importieren“. Und jetzt haben sie das Geheimnis des Überlichtfluges enträtselt und sagen dem Handelssystem den Kampf an. John meistert seine Aufgabe mit Bravour, aber er muss auch einen bitteren Preis für seinen Erfolg bezahlen: Er hat sich sozusagen unsterblich verliebt – und muss „seine“ Maara am Ende dennoch für immer verlassen...

Sein nächster Einsatz (Band 3): Es gibt einen Bereich im Weltall, in dem Handelscontainer einfach verschwinden. John Willard findet hier eine Art „Miniuniversum“, das durch radikal veränderte Naturgesetze entstand. Es bleibt ihm nichts anderes übrig, als einzudringen, obwohl es noch niemals zuvor eine Rückkehr von hier gab. Aber es gelingt ihm nicht nur, die nötigen Informationen zu erhalten, sondern er hat sich erneut „unsterblich“ verliebt. Diesmal heißt die Auserkorene Kara. Ihretwegen und auch wegen ihrem Volk, dem er sich nicht nur körperlich angepasst hat, um in dieser Sphäre zu überleben, möchte er nicht allein zurückkehren.

Er weiß, es ist riskant, nicht nur für ihn, aber er glaubt, es zu schaffen. Obwohl von vornherein klar ist, dass er niemals mit Kara auf Dauer zusammen bleiben darf, egal, ob es ihnen nun gelingt oder nicht...

 

1

 

Ich spürte die Gefahr genauso deutlich wie Kara. Wir klammerten uns aneinander. Die Bedrohung kam aus der Finsternis.

Wir sahen zwar uns selbst, durften uns jedoch nicht einmal über Armlänge voneinander entfernen, um uns nicht aus den Augen zu verlieren, denn die einzige Lichtquelle hier draußen, das waren unsere eigenen Körper.

Nebel zogen an uns vorüber. Die Strömung schickte sich an, uns wieder wegzuziehen.

Aber wir kämpften dagegen an.

Trotz der Angst.

Es war die Nähe des anderen Universums mit seiner in unserem gegenwärtigen Zustand tödlichen Gesetzesmäßigkeit.

Es war die Ahnung davon, dass unsere Leiber bei der ungeschützten Berührung mit ihm auseinanderplatzen mussten.

Vielleicht hätte ich doch besser meinen ›Tropfen‹ mitgenommen? Aber es hätte die Reise hierher zu beschwerlich gemacht.

Und jetzt waren wir am Ziel. Ich war sicher: An dieser Stelle war ich in das Miniuniversum eingedrungen.

Ich öffnete noch einmal meinen Geist und ließ Kara an meiner Erinnerung teilhaben.

Damals: Ich befürchtete, dem Wahnsinn zu verfallen. Die Energien, die dafür sorgten, dass sich das Miniuniversum noch nicht mit dem großen Universum vereinigte... die dafür sorgten, dass es abgekapselt blieb... dieselben Energien verbanden sich mit den energetischen Vorgängen im Körper auf wundersame Weise. Vielleicht verbanden sie sich auch mit den Energien meines Raumschiffs, aber dort war kein denkender Geist vorhanden, der dies spüren und nutzen konnte.

Das Glücksgefühl, dieses losgelöst sein von der Wirklichkeit, war wie ein Rausch, weil sich dem Geist scheinbar unbegrenzte Möglichkeiten eröffneten.

Ich machte die Beschädigung des ›Tropfen‹ rückgängig, was mir spielend gelang. Ich versetzte mich zurück an Bord.

Ich ließ sogar den völlig zerstörten Raumanzug neu entstehen. Nur mit der Kraft meiner mächtigen Gedanken - hier im Zwischenbereich.

Ich bewegte mich auf das Sternenschiff zu und stoppte, weil ich rechtzeitig einsah, dass ich bei solch ungezügelter Vorgehensweise eine große Gefahr war. Darum kehrte ich in den Grenzbereich zurück, in die Nähe des Tropfens.

Der Strom lockte. Der Tropfen geriet hinein. Ich wehrte mich nicht dagegen und ließ mich ebenfalls tiefer in das Innere des Miniuniversums ziehen.

Damit verließ ich den Grenzbereich, jenen Zwischenbezirk mit seinen ungeahnten Chancen für den menschlichen Geist - oder sollte man eher sagen: Gefahren?

Jedenfalls hatte der Aufenthalt genügt, meinen Körper optimal an das Miniuniversum anzupassen. Sonst hätte ich beim Übertritt den Tod gefunden.

Bei mir war der Übergang sowieso anders erfolgt als bei den Vorfahren der Creeks. Bei mir war es sogar anders als bei allen Menschen, die je in die Sphäre des Miniuniversums gelangt waren. Denn ich war als einziger während des Übergangs bei vollem Bewusstsein gewesen! Alle anderen befanden sich beim Übergang nämlich an Bord eines Raumcontainers im absoluten Tiefschlaf. Erst im Grenzbereich war jähes Erwachen erfolgt. Deshalb waren von vornherein zwei Drittel zum Tode verurteilt und der Rest schaffte es auch nur mit Mühe, wenigstens den eigenen Körper anzupassen, ehe der Container mitsamt Inhalt tiefer gesaugt wurde.

Was wunder, dass sie sich später kaum noch an den Grenzbereich erinnerten. Sonst hätten sie diesem mehr Raum bei den Aufzeichnungen zugebilligt. Für sie war das lediglich ein kurzer Alptraum gewesen, wie bei einem, der aus tiefem Schlaf erwacht und Schwierigkeiten hat, zu sich selbst zu finden.

Ich war allen gegenüber im Vorteil mit meinen speziellen Erinnerungen.

Kara kannte sie jetzt ganz detailliert - und mit Kara alle anderen Creeks, die mit uns in geistiger Verbindung standen - über alle Entfernung hinweg.

 

2

 

Vor uns - das war wie eine stabile Mauer, durch die man mit dem blanken Schädel rennen will. Wir hatten Angst vor dem, was dahinter verborgen lag, obwohl ich es so genau zu kennen glaubte.

Gemeinsam schwammen wir dagegen an. Wir wollten das Hindernis überwinden und fühlten uns trotz der anhaltenden Todesangst stark genug - so in Gedanken vereint, als wären wir nicht zwei, sondern zu einem einzigen Wesen zusammengeschmolzen.

Die Gemeinsamkeit unserer Gedanken potenzierte unsere Stärke in ein Vielfaches. Nur so schafften wir es, die Ketten des Miniuniversums zu sprengen und in den Grenzbereich hinaus zu geraten.

Grausamer Schmerz fraß sich in unsere Leiber. Hier waren wir Fremdkörper. Unsere Gedanken wurden hinweggefegt, stürzten in einen wesenlosen Abgrund, um in der Tiefe zu zerschellen.

Unwillkürlich klammerten wir uns fester aneinander, um uns ja nicht zu verlieren.

Oh, es war völlig anders als beim ersten Mal. Denn da war ich auch aus der umgekehrten Richtung gekommen. Jetzt aber wollte ich der Sphäre des Miniuniversums wieder entrinnen und das drohte uns gründlich zu missglücken...

Der Sturz nahm immer noch kein Ende. Es gab keinen Boden. Es gab nur das Nichts - und ich begann zu begreifen, woher dieses Gefühl stammte: FREIER FALL! Es war das Gefühl der Schwerelosigkeit, das uns den Sturz in einen Abgrund vorgaukelte. Es war so unendlich fremd, wenn man sich lange im Miniuniversum aufgehalten hatte. Denn dort war dieses Gefühl völlig undenkbar.

Kara, die an meinen Überlegungen teilhatte, beruhigte sich wieder. Gemeinsam schüttelten wir unsere Angst ab und ordneten unsere Gedanken.

Wir schickten unsere geistigen Fühler aus, um den Grenzbereich zu erforschen, doch es erfolgte keinerlei Resonanz. Als wäre diese Sphäre nichtexistent - genauso wie das ›große‹ Universum. Es schien sowieso nichts mehr zu geben - außer uns beiden und unseren gemeinsamen Gedanken.

Sogar das Gefühl für unsere Körper verschwand.

»So war es auch beim ersten Mal, Kara, erinnere dich mit mir: Ich spürte und erfuhr. Ich dachte und wirkte.

Nicht ich war es, der sich bewegte, sondern es war die Fülle meiner ungebändigten Gedanken, nicht mehr gebunden an die Windungen des Gehirns, sondern frei und in einem Maße unabhängig, dass der Wahnsinn drohte...«

Ich brauchte jetzt nur zu vollziehen, was ich auch damals vollzogen hatte. Ich brauchte den gesamten Prozess nur umzukehren, wenn ich soweit war - und hatte damit die Chance, ins ›alte‹ Universum zurückzukehren.

Meine aufkeimende Euphorie riss Kara mit, ob sie nun wollte oder nicht. Wir ließen zwei neue Körper entstehen und wurden wieder zu Menschen, obwohl diese Körper nur aus unserer Gedankenenergie bestanden. Die Energien des Grenzbereichs reagierten auf uns und trugen uns, unterstützten uns.

Wir wurden mächtig.

Wir spürten und erfuhren.

Wir spürten, dass der Grenzbereich sich nicht sehr weit ausdehnte, in kosmischen Maßstäben gerechnet. Wir spürten, dass wir in diesem Grenzbereich allein waren, denn alles, was hineingeriet, wurde zwangsläufig tiefer gezogen.

Die Sphäre des Miniuniversums erschien uns wie ein unersättlicher Moloch. Er würde sich immer mehr voll saugen mit fremden Dingen aus dem umgebenden All. So würde er weiterwandern, würde seinen Weg durch die Unendlichkeit nehmen, vom Zufall gelenkt. Er würde Sonnen und Planeten verschlingen.

Irgendwann war die Route der Raumcontainer auch nicht mehr gefährdet. Dafür herrschte die Gefahr dann anderswo.

Die Sphäre des Miniuniversums blieb niemals konstant.

Sie pulsierte wie ein schlagendes Herz, dehnte sich aus, schrumpfte wieder. Dadurch wurde die Route der Raumcontainer nur von Fall zu Fall heimgesucht.

Das Pulsieren erfolgte unregelmäßig, unberechenbar.

Die Container der Route. Wir versuchten, welche ausfindig zu machen. Es gab gegenwärtig keine. Der nächste Containerpulk war noch zu weit entfernt - und der letzte hatte diese Stelle längst hinter sich gebracht.

Die Raumcontainer waren das billigste Transportmittel, das man sich im All denken konnte. Sie brauchten, einmal auf ihre Höchstgeschwindigkeit beschleunigt, im freien Fall mindestens Jahrzehnte, um an ihr Ziel zu gelangen. Je nach Entfernung waren es sogar Jahrhunderte und - Jahrtausende!

Das spielte keine Rolle. Der Zeitfaktor war voll berücksichtigt. Seit das System von den Sternenvögten stabil gehalten wurde, funktionierte es. Selbst wenn die Reise tausend Jahre dauerte, brauchte niemand am Zielpunkt zu warten, denn während dieser tausend Jahre kamen andere Container - die eben tausend Jahre früher abgeschickt worden waren.

Ein faszinierendes System, das wir in diesem Zustand, unterstützt von den Energien im Grenzbereich, gut überschauen konnten.

Wir fanden, dass dieses System ideal war, obwohl es seine Tücken hatte: Die geringste Störung der Transportwege - ließ die Versorgung abreißen!

Impressum

Verlag: BookRix GmbH & Co. KG

Tag der Veröffentlichung: 16.08.2014
ISBN: 978-3-7368-3239-8

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