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Autorenreihe (AR) 003:

Sternen­krieger


W. A. Travers

»Die Erde beherrscht das Universum

- und die Sternenkrieger sollen das ändern!«


Irgendwann in ferner Zukunft: Viele Welten sind von Menschen besiedelt. Es herrscht Frieden. Allerdings nicht freiwillig, denn es gibt eine beherrschende Macht, die von der alten Erde ausgeht. Es ist die Macht der sogenannten Unsterblichen, die sich zur Aufgabe gemacht haben, alle von Menschen besiedelten Welten zu einen. Wobei sie keinerlei Abweichungen dulden!


Und dann ergibt sich die ungeahnte Chance, diese ungeliebte Bevormundung ein für allemal zu beenden. Durch die …


Sternenkrieger!

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1

Das Raumschiff brach nahe der leicht ellipsoiden Bahn des zweiten Planeten in das Einsteinuniversum ein. Niemals war bisher ein Raumschiff inmitten eines Sonnensystems materialisiert. Das war unverantwortlich und blieb auch nicht ohne Folgen.

Die Erschütterungen des Raumzeitgefüges pflanzten sich in lichtschnellen Wellen fort und verschonten kein einziges kosmisches Staubkorn, das sich im Umkreis von mehreren Lichtstunden befand.

Auf dem zweiten Planeten, der zwei Milliarden Menschen beherbergte, brach vielerorts die Erde auf.

Es war ein Glück, dass die größeren Ansiedlungen von vornherein nicht an Stellen errichtet worden waren, wo die Planetenkruste labil war. Diesem Glück verdankte man es, dass kein Mensch unmittelbar zu Schaden kam und dass für die Dauer von wenigen Stunden lediglich ein Teil der Energieversorgung ausfiel.

Aber die Erdbeben hinterließen Angst. Jeder fürchtete um sein Leben und keiner wusste zunächst, woher die Gefahr kam.

Nachdem auch die Sonne auf die Vergewaltigung des Raumzeitgefüges im System optisch reagierte, war die Panik fast perfekt. Die Oppositionsführung des Planetenrates verlangte sofortige Klärung der Ereignisse.

Doch nur drei Menschen wären überhaupt in der Lage gewesen, die Regierung umfassend zu informieren. Drei Menschen, die in einer Forschungs- und Beobachtungsstation saßen, die sich viele tausend Kilometer über der Planetenoberfläche befand.

Doch die Auskunft blieb aus, denn die drei Wissenschaftler waren von dem ungewohnten Anblick, der sich ihnen bot, wie gelähmt. Mit weit aufgerissenen Augen starrten sie auf das Raumschiff, das praktisch aus dem Nichts etwa dreißig Millionen Kilometer von ihnen entfernt entstanden war. Die optischen Geräte der Station gaben ein ultrastark vergrößertes Bild des fremden Schiffes wieder.

Das Ereignis war so ungewöhnlich, dass Plens, der Kommandant der Station, unwillkürlich nach den Tastaturen der Bordwaffen schielte.

Noch stand das Raumschiff unbeweglich im All - unbeweglich in Relation zu dem Planeten. Nichts rührte sich.

Fredmens war der erste, der aus der anfänglichen Erstarrung erwachte.

»Verdammt!«, entfuhr es ihm. Es war ein Ausdruck, den man von dem sonst so ruhigen und ausgeglichenen Mann nicht kannte. Aber das plötzliche Auftauchen eines völlig fremdartigen Raumschiffes ging ihm an die Nieren.

»Fremdartig!« - ja, das war es. Sinter-Dirland, die als verheiratete Frau einen Doppelnamen benutzen durfte, war diejenige, die das Wort aussprach. Ihre Kollegen blickten sie unwillkürlich an.

»Wahrscheinlich sind die Kerle hinter einer Dunkelwolke zu Hause!«, grollte Plens, der Kommandant. »Sonst wüssten sie, dass es verboten ist, inmitten eines Sonnensystems zu materialisieren. Ich bin jetzt einhundertzwanzig Jahre alt, aber bisher...«

»... habe ich das noch nicht erlebt!«, vervollständigte Sinter-Dirland respektlos den Lieblingssatz ihres Kommandanten. Sie erntete dafür einen giftigen Blick von ihm.

»Vielleicht wollen sie uns angreifen?«, sinnierte Fredmens.

»Mit einem einzigen Raumschiff?« Plens schüttelte den Kopf.

Er griff entschlossen nach dem Kommunikationsschalter. »Ich werde Meldung nach unten machen. Egal, was die wollen - wir müssen ausreichend vorbereitet sein.«

»Ich glaube, du wirst denen da unten nicht viel erzählen müssen.« Fredmens deutete mit dem Daumen in Richtung des Planeten, der wie eine gigantische Kugel neben ihnen im Raum schwebte. »Wetten, dass die bereits etwas von dem Besuch gemerkt haben?«

Plens nickte grimmig. »Ich hoffe nur, dass dabei nicht zuviel Schaden entstanden ist!«

Das Erkennungszeichen der Bodenstation tauchte auf dem breiten Hologrammschirm auf. Aber es war nur kurz zu erkennen und wurde rasch durch das Porträt eines hohen Offiziers ersetzt, der vor der Aufnahmelinse der Kamera unten in der Planetenzentrale stand, beide Arme auf den Instrumententisch gestemmt und das Kinn energisch vorgeschoben.

»Wird Zeit, dass man etwas von Ihnen hört! Wollte gerade anrufen!«

»Tut mir leid, aber...«

»Was ist denn passiert? Naturkatastrophe oder was?«

»Nein, Sir, ein fremdartiges Raumschiff, das mitten in unserem Sonnensystem materialisierte!«

»Was sagen Sie da? Ein - Raumschiff? Fremdartig? Wollen Sie mich auf den Arm nehmen?«

»Danach ist mir weiß Gott nicht!« Plens knirschte hörbar mit den Zähnen. »Das Raumschiff stammt jedenfalls von keinem Planeten des Terranischen Paktes!«

In diesem Augenblick rief Fredmens herüber: »Es - es setzt sich in Bewegung!«

Tatsächlich: Scheinbar unendlich langsam strebte es auf die Oberfläche des zweiten Planeten zu. Laut Anzeige waren es zwanzig Meter pro Sekunde.

Ja, bei dieser Entfernung war das tatsächlich relativ langsam.

»Wann endlich wollen Sie mich an dem Geschehen teilhaben lassen?«, knallte die Stimme des Kommandanten der Bodenstation aus dem Lautsprecher.

Plens hieb auf einen Schalter. Das Bild auf dem Holoschirm wechselte und gab das Zeichen der Planetenzentrale wieder. Jetzt bestand nur noch eine Sprechverbindung, während das Bild des fremden Schiffes nach unten übertragen wurde.

»Wir - wir müssen doch etwas unternehmen!«, ächzte der hohe Offizier fassungslos. »Haben - haben Sie schon versucht, mit dem Ding Verbindung aufzunehmen?«

Plens wurde es heiß. Natürlich, das hatte er in der Aufregung ganz vergessen - einfach, weil dieser Vorgang eigentlich völlig unmöglich war.

Unmöglich?

»Ich werde es - sofort versuchen!«, versprach er kleinlaut.

Er gab Sinter-Dirland einen Wink. Sie betätigte die entsprechenden Schalter. Der Computer begann daraufhin auf allen bekannten Frequenzen gleichzeitig ein Rufzeichen auszustrahlen. Der Funkstrahl wurde gebündelt und genau in Richtung des fremden Raumschiffes abgestrahlt.

Zwanzig Sekunden dauerte das Zeichen. Nichts jedoch geschah daraufhin.

Bevor der Computer sein Tun wiederholen konnte, hieb Plens auf die Sprechtaste: »Beobachtungsstation ZW7 ruft fremdes Raumschiff! Beobachtungsstation ZW7 ruft fremdes Raumschiff! Falls Sie meine Worte verstehen können, antworten Sie bitte! Dieser Ruf wird fünfmal vom Computer wiederholt. Unsere Funkanlage ist gleichzeitig auf Empfang geschaltet. Sie können also sofort zurückfunken.«

Sinter-Dirland gab den entsprechenden Befehl an den Computer. Nach der dritten Wiederholung war immer noch nichts geschehen. Die drei wurden unruhig. Dass es ihnen nicht allein so ging, bewies die Stimme, die plötzlich aus dem Lautsprecher drang und ihren Ursprung auf dem zweiten Planeten hatte: »Wo bleibt die Antwort?« Es war die Stimme des hohen Offiziers.

Fünfmal ging der Ruf hinaus ins All. Immer noch keine Antwort. Wollten die Fremden nicht antworten - oder konnten sie nicht? Alle fühlten sich hilflos und ausgeliefert. Es wurde ihnen schmerzlich bewusst, dass eigentlich keiner von ihnen einer solch unmöglichen Situation gewachsen war.

»Plens, ein logisches Programm!«, krächzte der Offizier.

»Ich bin bereits dabei, eins vom Computer erarbeiten zu lassen!«, antwortete Plens.

Und dann war es soweit: Der Computer strahlte Zeichen aus, die mathematisch fundiert waren und somit wahrscheinlich von jeder Fremdintelligenz als Ruf einer anderen intelligenten Rasse empfunden wurde.

Wahrscheinlich!

Auch dieser Funkspruch ging fünfmal hinaus und es geschah immer noch nichts.

»Na gut!«, sagte der Offizier, »ich habe ja längst Planeten-Alarm gegeben. In wenigen Augenblicken startet ein Raumschiff. Im Abstand von fünf Minuten folgen weitere. Sie haben den Auftrag, das fremde Schiff einzukreisen und zur Landung zu zwingen.«

In diesem Augenblick geschah es: Etwas blitzte ›drüben‹ auf und raste mit Lichtgeschwindigkeit auf die Beobachtungsstation zu. Plens und seine beiden Leidensgenossen zogen unwillkürlich die Köpfe ein. Als könnte das etwas nutzen.

Aber die fremdartigen Strahlen verfehlten ihr Ziel und verloren sich in der unendlichen Tiefe des Alls.

Es dauerte Sekunden, bis den drei Beobachtern so richtig bewusst war, dass sie soeben wahrscheinlich nur knapp dem Tode entgangen waren.

»Angriff! Sie greifen uns an!«, brüllte Fredmens entsetzt.

Plens handelte bereits. Er riss Sinter-Dirland von ihrem Platz an den Computerkontrollen und schlug den roten Alarmschalter nach unten.

Der Teil des Computers, der für die Abwehrwaffen der Station verantwortlich war, erwachte jäh.

»Was tun Sie dort oben?«, rief der Offizier.

Plens achtete nicht auf ihn. Der Mann hatte nämlich gut reden - saß unten in der Planetenzentrale und somit in Sicherheit. Die drei Beobachter jedoch waren eine Zielscheibe für die Waffen des fremden Raumschiffs.

»Das hätten wir gleich tun sollen!«, kommentierte Fredmens bitter.

Purpurne Blitze zuckten ins All hinaus. Aber bevor sie ihr Ziel erreicht hatten, wurden sie erwidert. Lichtschnell raste es wieder auf die Beobachtungsstation zu.

Die drei Personen in dem engen Gefängnis der Station hatten das Gefühl, eine eiskalte Hand greife nach ihren Herzen. Die überlichtschnellen Impulse der Sensoren hatten den Abschuss des Energiestrahls vorzeitig geortet und vorausberechnet, dass er diesmal hundertprozentig genau die Station treffen würde.

Die drei Beobachter fühlten sich verloren. Ihre Gegenwehr war zu spät erfolgt.


2


Milliarden von Robotsonden, die überall dort verteilt waren, wo sich Planeten des Terranischen Paktes befanden, sammelten Informationen. Überlichtschnell waren ihre Mitteilungen, welche die Sammelcomputer auf TERRA erreichten, um dem ›Wächter‹ ein genaues Bild zu vermitteln.

Die alte Erde, Ursprungsplanet aller Menschen, war unbewohnt. Riesige Dschungel befanden sich dort, wo einst die Zeugen einer gewaltigen Zivilisation in den Himmel geragt hatten. Nichts wies darauf hin, dass sich hier die mächtige Zentrale befand, welche den Terranischen Pakt zu einer friedlichen Vereinigung zwang. Unsichtbar für Objektive und Sensoren eines zufällig vorbeikommenden Raumers, befand sich die gesamte technische Anlage unter der planetaren Oberfläche.

Es hieß, der Wächter sei unsterblich. Niemand wusste allerdings so recht, was sich unter der Bezeichnung Wächter überhaupt verbarg. Er existierte und war die Einrichtung, die allein den Frieden auf und zwischen den Welten des terranischen Paktes garantierte.

In erdgeschichtlicher Vergangenheit war es nie gelungen, den Aggressionstrieb der Menschheit zu zügeln. Immer wieder waren Kriege ausgebrochen. Kriege, die viele Menschenleben gefordert hatten und diesen Preis niemals wert waren.

Zweimal hatten die Terraner eine Weltregierung geschaffen. Zweimal scheiterte dies an den Menschen selbst. Es schien unmöglich, alle menschlichen Wesen mit all ihrer denkenden Vielfalt unter einen Hut zu bekommen. Das hatte sich auch nicht geändert, als die Flucht ins All begann. Erdähnliche Planeten in neuen Sonnensystemen wurden entdeckt. Der Mensch besiedelte sie, begann einen großen Teil der Galaxis zu beherrschen. Aber eins beherrschte er nie: SICH SELBST!

Abermals gab es kriegerische Auseinandersetzungen. Ganze Planeten wurden vernichtet, die gesamte Kultur wurde immer wieder um Jahrtausende zurückgeworfen.

Und man lernte nicht daraus. Aus den Trümmern krochen Überlebende hervor, entdeckten die Technik neu und benutzten sie wieder, um sich gegenseitig auszurotten.

Bis zu dem Zeitpunkt, da einer großen Gruppe von Wissenschaftlern mehrere bedeutende Erkenntnisse gelang.

Ihre Erfindungen waren so umwälzend, dass es nichts mehr gab, was man ihnen entgegensetzen konnte.

Doch auch sie waren nur Menschen. In aller Heimlichkeit bauten sie ihre Zentrale auf der Erde auf - unterirdisch, damit niemand ihre Bemühungen vorzeitig aufdeckte.

Als es endlich soweit war, starteten sie ihren großen Plan. Die restliche Menschheit, die sich noch auf der Erde befand, wurde mit überlegenen Waffen ausgerüstet und zu einem Feldzug gegen alle anderen von Menschen bewohnten Welten geführt.

Ein Krieg entstand, der in seinen grausigen Ausmaßen keinen Vergleich zuließ. Milliarden und abermilliarden Menschen mussten in diesem Krieg sinnlos ihr Leben lassen - sinnlos für die Menschheit, aber nicht sinnlos für die Gruppe von machthungrigen Wissenschaftlern, die dieses Chaos verursacht hatte.

Es gelang ihnen tatsächlich, ein Terranisches Reich auf den Trümmern des Krieges zu errichten. Auf der Erde, die alle ihre Bewohner im Krieg verloren hatte, befand sich ihre übermächtige, gigantische Zentrale, von der aus die weiteren Geschicke aller Menschen gesteuert wurden.

Der Frieden blieb in der Folge natürlich labil. Immer wieder versuchten sich die Unterdrückten zu wehren. Mit dem Erfolg, dass wieder unzählige Menschen sterben mussten.

In diesem Durcheinander gab es einen einzigen Menschen, der endlich erkannte, wie man vorgehen musste, um weitere Kriege zu verhindern. Möglich wurde sein Plan dank der überlegenen Technik der Zentrale.

Systematisch beraubte er die satten, zufriedenen und daher unaufmerksam gewordenen Wissenschaftler ihrer Macht. Ohne dass sie es merkten, gaben sie mehr und mehr alle Möglichkeiten in die Hand dieses einzelnen Mannes.

Dieser hätte sich nun leicht zum absoluten Herrscher über alle Menschen erheben können. Aber er tat es nicht. Er jagte die machtgierigen Wissenschaftler davon, nachdem er in ihrer Erinnerung alles gelöscht hatte, was ihm hätte gefährlich werden können und regte die bewohnten Welten dazu an, Planetenregierungen zu bilden.

Nach vielen Jahren war er am Ziel: Alle Planeten hatten eine selbständige Regierung, die von niemandem abhängig war. Der Handel begann zu blühen, für die Menschheit begann der große Aufschwung.

Alle Entscheidungen, die getroffen werden mussten, waren Sache der Regierungen. Es gab nur eine einzige Ausnahme: Sobald eine Welt kriegerische Handlungen vornahm, griff der ›WÄCHTER‹ ein. Er nutzte seine technische Überlegenheit nicht wie die Erbauer der Zentrale für eine absolute Diktatur, sondern unterwarf all seine Macht dem einzigen Ziel: Frieden unter den Menschen!

Um selbst stets vor Übergriffen sicher zu sein, besaß er die Robotsonden, die ihm über jede Veränderung berichteten. Das galt auch für Erfindungen, die auf den Planeten des Terranischen Paktes gemacht wurden. Der Wächter besaß ein Monopol dafür. Jede Erfindung musste ihm ausgehändigt werden. Er entwickelte sie mit den Mitteln der Zentrale weiter und gab sie den Erfindern in modifizierter Form wieder zurück. Somit besaß er immer den wichtigen Vorsprung, der ihm seine Stellung als Wächter ermöglichte.

Niemand hatte ihn je gesehen und dennoch war er die gefürchtetste Einrichtung im Universum.

Er war offensichtlich unsterblich, da er schon seit mehr als tausend Jahren seine Aufgabe versah.

Da niemand Genaues wusste, gab es natürlich unzählige Spekulationen; so behaupteten viele, dass der Unsterbliche einfach ein Computer sei, von jenem Mann programmiert, der die großartige Idee mit dem Wächter gehabt hatte.

Das war auch der Grund, warum man immer wieder - bisher natürlich erfolglos - versuchte, die Macht des Wächters zu brechen. In fast regelmäßigen Abständen wurden Angriffe auf die Erde gestartet. Niemand wusste etwas konkret über ihren jeweiligen Ausgang, da aber keine Änderung eintrat, lag der Gedanke nahe, dass sie stets abgewehrt wurden. Dabei konnte man unmöglich ahnen, wie kompliziert die Dinge in Wahrheit lagen...


3


Der fremde Energiestrahl erreichte die Raumstation und - nichts geschah. Die Station trug nicht einmal einen Kratzer davon.

Die drei Beobachter erstarrten.

»Mensch«, stieß Plens aus, »das - das war ein ganz simpler Lichtstrahl! Die wollten uns überhaupt nicht angreifen. Aber dann...«

Er beugte sich weiter vor, als könnte er dadurch besser sehen, was sich drüben am Raumschiff tat.

Plens atmete erleichtert auf.

»Gottlob, unser Energieschuss hat ihnen nichts anhaben können. Ich hätte mir ewig Vorwürfe gemacht. Schließlich bin ich Wissenschaftler und kein Mörder.«

Erst dann kam ihm zum Bewusstsein, was er soeben gesagt hatte: Der Energieschuss war wirkungslos am Fremdraumer verpufft! Ein Energieschuss, der gut und gern ausgereicht hätte, zehn Raumschiffe dieser Größe in auseinanderstiebende Gase zu verwandeln!

Fredmens nagte an seiner Unterlippe. »Das ist eine harte Nuss dort drüben. Wir wollen nur hoffen, dass die Burschen tatsächlich mit friedlicher Absicht zu uns gekommen sind.«

»Plens, Sie haben äußerst voreilig gehandelt!«, ließ sich der hohe Offizier vernehmen, der natürlich alles auf seinem Bildschirm mitbekommen hatte. »Darüber sprechen wir noch.«

Plens machte eine wegwerfende Handbewegung. Es war sein Glück, dass der Offizier das nicht sehen konnte. Laut sagte Plens: »Die Sache kommt mir äußerst seltsam vor. Offenbar wollten die Fremden mit ihren Lichtimpulsen Verbindung zu uns aufnehmen? Vielleicht kennen sie keinen Funk?«

Sinter-Dirland lachte gekünstelt. »Keinen Funk? Bei dieser Technik?«

Plens nickte heftig. »Wieso denn nicht? Offenbar gelten für die Burschen ganz andere Gesetzesmäßigkeiten. Ich habe keinen Energieschirm erkennen können und trotzdem war unser Energiebeschuss...«

»Die Bergungsmannschaft!«, sagte Fredmens.

Auf einem der anderen Bildschirme war ein weiteres Raumschiff aufgetaucht. Sie erkannten in ihm eines der populären Alphamodelle.

Nicht das einzige. In regelmäßigem Abstand tauchten andere auf. Alle hatten Kurs auf das Fremdraumschiff.

Von dort zuckten wieder diese seltsamen Lichtblitze auf. Ohne auf einen Auftrag von Plens zu warten, programmierte Sinter-Dirland ihren Computer.

Es dauerte nur eine Minute, dann sagte sie ruhig: »Tatsächlich, die wollen sich uns zu erkennen geben. Die Lichtblitze erfolgen in einer logischen Reihenfolge. An Bord des Raumschiffes befinden sich Fremdintelligenzen.«

Ihre letzten Worte - obwohl sie im Grunde genommen überhaupt nichts Neues aussagten - erzeugten automatisch eine fast andächtige Ruhe in der Beobachtungskugel. Fremdintelligenzen! - Es war das erste Mal, dass der Mensch auf eine Rasse traf, die gleich ihm Intelligenz entwickelt hatte. Bis jetzt hatte es nur ihn gegeben!

»Ich werde die Regierung in Kenntnis setzen«, sagte der Offizier bewegt. »Bleibt in Verbindung, während ich mich um die ganze Sache kümmere. Falls ihr jedoch etwas Verdächtiges beobachtet, teilt es sofort mit. Der Funker vom Dienst wird alles aufnehmen.«

Die drei Beobachter achteten nicht auf ihn. Sie starrten wie gebannt auf die Schirme.

Die Alphaschiffe hatten das fremde Flugobjekt erreicht. Während Sinter-Dirland die Lichtimpulse erwiderte, bildeten die Schiffe umständlich eine Begleitformation.

Die nächsten Minuten waren mit Spannung erfüllt. Die drei Menschen sahen, wie der Konvoi mit seiner Beute dem zweiten Planeten zusteuerte.

Sie ahnten in diesem Augenblick, dass den Menschen dieses Sonnensystems noch einiges bevorstand...


4


»Das war kein Licht!«, behauptete eines der beiden humanoiden Wesen, welche die Besatzung des fremden Raumschiffes ausmachten und meinte damit den Energieschuss, den die Raumstation gegen sie abgeschossen hatte. »Das war eine kriegerische Handlung!«, untermauerte es seine Feststellung.

Der Kommandant sah ihn misstrauisch an. Er hielt im allgemeinen nicht viel von den Weisheiten der Wissenschaftler. Er selbst war nur Raumfahrer und als solcher lediglich mit der Technik vertraut. Alle Raumfahrer waren Realisten. Sie dachten nicht viel nach über das Warum und Wieso. Das umfassende Wissen seines Begleiters hatte im Gegensatz dazu nicht viel mit praktischer Technik zu tun. Wissenschaftler waren Spezialisten des Denkens und der logischen Kombinationen - soweit letztere nicht von Computern übernommen wurden. Die Wissenschaftler waren es auch, die Thesen aufstellten und den Technikern und Raumfahrern damit neue Impulse gaben. Was in der Praxis daraus wurde, war nicht mehr ihre Aufgabe. Praktische Dinge lagen ihnen nicht.

Auf jedem Schiff befanden sich somit zwei im Grunde genommen recht gegensätzliche Wesensarten. Gemeinsam erst bildeten sie ein fast ideal zu nennendes Team - eine Gemeinschaft logischen Denkens und der praktischen Nutzbarmachung theoretischer Fakten.

»Wie kommst du darauf?«, versuchte es der Kommandant geduldig. »Ein wirklicher Angriff hätte uns gefährlich werden können. Du weißt, dass wir keinen Schutzschirm aufgebaut haben.«

»Wie ich darauf komme?« Der Wissenschaftler schüttelte nachdenklich den Kopf. »Nenne es Intuition. Jedenfalls bin ich meiner Sache sehr sicher, auch wenn der Angriff wirkungslos verpufft ist.«

Der Raumfahrer war nicht zu überzeugen. »Der von dir bezeichnete Energieschuss war nicht wirkungsvoller als ein harmloser Lichtstrahl oder irgendeine andere Emission aus dem Frequenzspektrum. Ich glaube kaum, dass es mehr war. Vielleicht hat man uns mittels einer Art Laserstrahl eine Nachricht zukommen lassen wollen? Du weißt, dass wir das Prinzip im

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Verlag: BookRix GmbH & Co. KG

Tag der Veröffentlichung: 03.08.2014
ISBN: 978-3-7368-2968-8

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