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Bloody Mary

 

 

 

 

 

 

Ein Roman von

 

Dana Müller

 

Eine Klasse in Trauer

Luisa Ahrendt liebte ihre Arbeit. Sehr sogar. Doch an diesem Montagmorgen wäre sie lieber zu Hause geblieben. Wie sollte sie ihren Schülern nur begegnen, nachdem eine von ihnen auf bestialische Weise ermordet worden war?

Sie und ihr Kollege Martin Schulzendorf teilten sich die Klassenlehrerposition der Klasse 9a einer Hellersdorfer Gesamtschule. Probleme gab es bislang keine und es war das erste Mal, dass eine Schülerin aus dem Leben gerissen worden war.

Niemals würde sie den Freitag vergessen, an dem sie von dem Todesfall erfahren hatte. Die Polizei hatte mit Melanie Marks Freundeskreis gesprochen und hatte auch nicht vor ihren Lehrern haltgemacht.

Am Samstag, vorgestern also, hatte sie Martin einen spontanen Besuch abgestattet. Dabei war nicht zu übersehen, dass er um seinen Vollbart leichenblass war. Sie hatte kaum den Verlust angesprochen, da war er bereits ins Bad gestürmt, um sich zu übergeben.


Heute saß Luisa, von Kollegen und Freunden kurz Lu genannt, in voller Montur auf dem Bettrand und starrte auf den Wecker. Ihre Tasche hielt sie mit beiden Händen fest, sie hing über die Knie. Frühstücken konnte sie nicht, ohne an das arme Mädchen zu denken. Das wiederum verursachte einen unaufhaltsamen Brechreiz. Immer wieder tauchten die Bilder in ihrem Kopf auf, die ihr die Polizisten gezeigt hatten. Unter dem ganzen Blut konnte sie Melanie kaum erkennen. Schlimmer noch, ihr war nicht aufgefallen, dass der Arm des Mädchens fehlte. Darauf hatte sie der vernehmende Polizist aufmerksam gemacht.

»Morgen Schatz«, hörte sie ihren Freund Jens Herberlein grüßen. Ein rascher Kuss auf die Stirn bestätigte Lu, dass sie sich seine Anwesenheit nicht einbildete. »Du siehst beschissen aus«, bemerkte er.

Normalerweise hätte sie sich beschwert, wenn er so mit ihr redete, aber heute nicht. Ja, sie konnte sich gut vorstellen, wie schlecht sie tatsächlich aussah. Was erwartete er von ihr? Insgeheim gab sie sich die Schuld für ihren Tod, denn sie hatte das Mädchen ermutigt, mal unter Leute zu gehen. Melanie war nachts auf einem nahegelegenen Parkplatz von ihrem Mörder überwältigt und zerstückelt worden. Dort, wo auch Lu ihr Auto parkte.

»Du solltest zu Hause bleiben. Soll ich anrufen und dich entschuldigen?«

»Nein, schon gut. Ich muss da durch«, antwortete Lu wie in Trance. »Von den Schülern wird erwartet, dass sie zum Unterricht kommen, da kann ich nicht fehlen.«

»Schon, aber es ist im Moment auch nicht ungefährlich. Du hast doch gehört, was die Polizei gesagt hat. Nach Einbruch der Dunkelheit ...«

»Ich muss los«, unterbrach sie ihn und stand auf.

Eigentlich hatte sie noch mindestens eine halbe Stunde Zeit. Die wollte sie aber mit ihren eigenen Gedanken verbringen. Es half ihr nicht, dass Jens ihr ins Gedächtnis rief, wie gefährlich das Leben aktuell in der Siedlung war.


Wie sie in den Klassenraum gekommen war, wusste Luisa nicht. Zu tief war sie in Gedanken versunken gewesen, als sie aus dem Auto ausgestiegen war. Doch nun stand sie da und musste den Schülern ein Gefühl von Sicherheit vermitteln. Ihr Lehrerpartner Martin Schulzendorf hatte sich krankgemeldet. So trug sie die alleinige Verantwortung für ihre Klasse.

Sie stützte sich mit den Händen auf dem Pult ab und ließ den Blick über die restlichen zwanzig von einundzwanzig Schülern schweifen und blieb an dem leeren Platz neben Simon haften. Wie sollte sie nur den Unterricht beginnen, ohne an das tote Mädchen denken zu müssen? Sie hatte die Bilder von der blutverschmierten Leiche gesehen und eine vage Vorstellung von den Qualen, die ihre Schülerin erlitten hatte. Zu allem Übel fragte sie sich, ob die Polizei sie Melanie Marks Mitschülern ebenfalls gezeigt hatte.

»Frau Ahrendt«, meldete sich ein Schüler, dessen Stimme in dem Moment ertönte, in dem sein Arm in die Höhe schnellte.

»Jan-Manuel, bitte.«

»Stimmt es, dass sie gekillt wurde und dass der Killer noch frei rumläuft?«

Luisa musste schlucken. Ein Raunen ging durch die Klasse.

»Ja, was ist mit uns? Vielleicht sind wir die Nächsten«, meldete sich Annalena zu Wort.

Was sollte sie nur sagen? Jedes Wort aus ihrem Mund könnte die Klasse noch mehr aufbringen, noch mehr verängstigen.

»Die Bullen waren doch bestimmt auch bei Ihnen, Frau Ahrendt«, mutmaßte Thorsten, ein korpulenter, überdurchschnittlich großer Schüler, dessen Noten leider alles andere als seine physische Größe erreichten.

»Ich darf darüber nicht reden«, ergriff Luisa die Flucht. »Es sind laufende Ermittlungen.«

»Wieso nicht? Stehen Sie etwa unter Verdacht?«, bohrte Thorsten weiter.

»Jetzt ist aber mal gut!«, mischte sich Sabine ein, die seit zwei Monaten mit ihm ging.

Luisa zwang sich, Fassung zu bewahren. Das ist eine Ausnahmesituation, in der die Kids aus Angst angreifen, sagte sie sich. Die Schüler wurden von Sekunde zu Sekunde aufgebrachter. Mittlerweile hatte sich eine Unruhe eingestellt, die sie unmöglich in den Griff bekommen könnte, wenn sie zuließ, dass sie sich weiter gegenseitig hochschaukelten.

»Ruhe«, rief sie deshalb in strengem, aber besonnenem Tonfall. »Es bringt nichts, sich die Köpfe heiß zu rauchen. Die Polizei ermittelt, und solange es keine Ergebnisse gibt, bringt es uns nichts, darüber zu diskutieren, wer es gewesen sein könnte. Ich habe von der Polizei den Auftrag erhalten, euch zu bitten, nicht mehr nach Einbruch der Dunkelheit draußen rumzulaufen. Zumindest nicht, solange der Mörder nicht überführt worden ist.« Sie schluckte. Der Mörder ihrer Schülerin lief frei herum. Die Kids hatten zu recht Angst.

Sie selbst war von Sorge zerfressen, es könnte einen weiteren Schüler ihrer Klasse treffen. Natürlich wünschte sie niemandem den Tod und schon gar nicht durch die Hand dieses Mörders. Es war etwas Persönliches, ein Kind aus der eigenen Klasse zu verlieren.

Sie unterrichtete die Klasse mittlerweile seit fast drei Jahren und in dieser Zeit hatte sich eine Bindung zu den Schülern aufgebaut. Sie waren nicht nur Schüler, sondern Schutzbefohlene, die in ihre Obhut übergeben worden waren. Daraus hatte sich eine intensive menschliche Beziehung entwickelt. Sie war nicht länger nur Lehrerin, sie hatte sich zu einer Vertrauensperson entwickelt, für einige sogar so etwas wie eine Freundin.

Nein, so durfte sie nicht denken. Sie war die Lehrerin und die Kids ihre Schüler. Es durfte keine Freundschaften zwischen ihnen geben. Dennoch tat es weh, es fühlte sich an, als hätte sie jemanden aus der eigenen Familie verloren.

Unvermittelt stand Kristin auf, so hektisch, dass ihr Stuhl nach hinten umkippte. Sie stemmte ihre Hände auf den Tisch und rief mit Tränen beladener Stimme: »Wieso reden hier alle vom Killer, vom Mörder, vom Unbekannten? Ihr wisst doch, wer sie getötet hat!« »Kirsten, bitte setz dich wieder hin«, versuchte Lu zu vermitteln, aber die Schülerin dachte offenbar gar nicht daran, sich hinzusetzen. Sie brach in heftiges Schluchzen aus und rannte aus dem Klassenzimmer.

»Ich werde ihr mal lieber hinterhergehen«, schlug Jana vor und machte sich bereits auf den Weg, ihr zu folgen.

»Weiß jemand, warum sie so reagiert hat?«, fragte Luisa.

Jana blieb auf halbem Weg stehen. Die Brünette mit dem schulterlangen Haar ließ ihren Blick über die Gesichter ihrer Klassenkameraden schweifen. Sie wirkte ganz so, als wüsste sie, was Kristins Reaktion zu bedeuten hatte.

Deshalb sprach sie das Mädchen auch direkt an. »Jana, wenn du etwas weißt, musst du das der Polizei berichten.«

Die Schüler raunten. Sie verdeutlichten, dass niemand zur Polizei gehen würde, um etwas zu sagen. »Kein Wunder, dass sie wegrennt. Sie hat Angst, die Nächste zu sein«, meldete sich Ulrike aus der letzten Reihe. »Das sollten wir alle haben, die auf Mareks Geburtstagsparty waren.«

Luisa stutzte. »Wieso denn das?«

Ulrike stand auf und schob ihre Sachen zusammen, die sie für die Stunde vor sich ausgebreitet hatte. »Sie wird uns alle holen kommen.«, ergänzte sie und packte die Gegenstände von ihrem Tisch wieder ein. »Ich werde jedenfalls nicht hier rumsitzen und darauf warten.«

Zu Luisas Verwunderung schwiegen die anderen. Sie wirkten, als wüssten sie, wovon Ulrike da sprach. Doch keiner von ihnen wollte ihre Lehrerin aufklären. Die gesenkten Blicke verrieten es.

»Hör endlich auf«, zischte die sonst schüchterne Raya das Mädchen an.

Doch Luisa widersprach, sie wollte wissen, was hier los war. »Lass sie nur. Von wem redest du?«, wandte sie sich erneut an Ulrike.

Doch das Mädchen hastete im Eiltempo mit ihrer Tasche unterm Arm zur Tür.

»Ulrike!«, rief sie ihr hinterher und konnte ihr Verhalten kaum fassen.

»Auch wenn sie nicht dran glauben, es war Bloody Mary und sie kommt wieder.« Mit diesen Worten ließ Ulrike ihre Lehrerin stehen und verließ das Klassenzimmer.

Leises Tuscheln war zu hören.

Luisa blickte über die Gesichter ihrer Schüler hinweg. »Leute, das ist nur ein Mythos, eine Geschichte. Die hat das Mädchen bestimmt nicht getötet.«

»Pah«, meldete sich Thorben, »Wenn Sie wissen wollen, was wirklich passiert ist, dann machen Sie das Ritual.«

Lus Blick wanderte über die verwirrten Gesichter ihrer Schüler. »Hört mal zu. Was Melanie passiert ist, ist wirklich schlimm. Wir sollten so fair sein, und die Aufklärung der Todesumstände der Polizei überlassen. Ich weiß, dass ihr durcheinander seid und auch, dass es einigen von euch schwerfällt, den Verlust zu verkraften. Deshalb steht in der Schulstation ab sofort Herr Kleebein zu eurer Verfügung. Er hilft Hinterbliebenen mit dem Umgang ihrer Trauer.«

»Klar«, beschwerte sich Thorben erneut. »Als ob hier irgendjemand einen Psychodoc braucht!«

Ein leises Raunen ging durch die Klasse. Kopfschüttelnd setzte sich Lu wieder und suchte gar nicht erst nach einer Überleitung zum Unterricht, sondern forderte die Schüler auf, ihre Mathebücher aufzuschlagen. Diese sinnlose Diskussion wollte Luisa keinesfalls vertiefen.

Missmutig folgten einige Schüler, während andere ihre Sachen zusammenkramten und einfach die Stunde verließen.

Was hier gerade geschah, konnte ein Disziplinarverfahren nach sich ziehen. Das musste sie verhindern. »Wer diesen Klassenraum verlässt, erhält einen Eintrag ins Klassenbuch. Bitte setzt euch wieder.«

Doch die Schüler reagierten nicht. Die, die gehen wollten, verließen einfach den Raum. Lu ließ sie ziehen. Was sollte sie anderes auch tun? Ihr war es untersagt, sie körperlich anzugehen. Sie konnte die Abtrünnigen also nicht festhalten.

Als die Schulglocke endlich zur Pause läutete, war Lu erleichtert. Die restlichen Schulstunden zogen sich wie zäher Kaugummi. Selten zogen sich die Minuten so hin wie an diesem Tag. Luisa konnte ihren Feierabend kaum erwarten. Am Ende des Schultages saßen nur noch zwei Schüler im Klassenraum. Tadeln wollte sie angesichts der Umstände keines der Kids, die sich einfach davongeschlichen hatten. Sie schlug das Klassenbuch zu und entließ die beiden Verbliebenen zehn Minuten früher aus dem Unterricht.


Ausgerechnet Marlies Podulka musste sie auf dem langen Schulflur begegnen. 55 Kilo - geschätzt - vielleicht 66, verteilt auf einen Meter 57, das Ganze ergänzt durch einen streng nach hinten gezogenen Zopf, der unvorteilhaft die ergrauten Schläfen zutagebrachte. Sie stand vor Luisa und betrachtete sie neugierig mit ihren großen, hellgrauen Augen. Die Tratschtante wusste wie immer alles - und alles, was sie wusste, wusste sie besser. Obwohl Lu gesenkten Hauptes und schnellen Schrittes an Marlies vorbei ging, blieb sie nicht unbemerkt.

»Du, bleib doch mal stehen. Dir muss es ja schrecklich gehen«, sagte sie und legte ihre Hand auf Luisas Unterarm. »Kann ich was für dich tun?«, fuhr sie fort, und ließ ihr keine Gelegenheit, zu antworten. »Stimmt es, war die Polizei bei dir?«

»Marlies bitte, das ist schon schwer genug für mich. Ich habe jetzt auch gar keine Zeit zum Reden.« Lu versuchte sich herauszuwinden wie ein Wurm, der am Haken hing. Doch je mehr sie zappelte, umso intensiver bemühte sich Marlies um die eine oder andere Information. »Ich lade dich auf einen Kaffee ein, einverstanden?«, sagte Marlies ohne eine Antwort abzuwarten und schob ihren Arm unter Luisas durch. Sie setzte gerade zum Gehen an, doch Luisa ließ sich nicht treiben. Wie angewurzelt blieb sie stehen und löste sich aus dem Griff ihrer Arbeitskollegin.

»Marlies, sei mir nicht böse, aber ich habe keine Zeit. Ich bin verabredet und muss mich beeilen«, beteuerte Lu und tippte mit dem Zeigefinger auf ihrer Armbanduhr herum.

Enttäuschung zog die Mundwinkel ihres Gegenübers hinab. Marlies guckte Luisa mit diesem Hundeblick an, bei dem die Augen immer größer wurden und seitlich hinabfielen. Die Schwerkraft hatte sich über ihr gesamtes Gesicht gelegt. Wie bei einem Bild von Dali zerfloss es regelrecht.

»Wie schade«, sagte Marlies in einem Ton, der sämtliche Hoffnungslosigkeit dieser Welt in sich trug.

Doch Lu ließ sich nicht erweichen. Sie wusste genau, wohin das führen würde, sollte sie sich auf das Angebot ihrer Kollegin einlassen. Also lächelte sie, zuckte mit den Schultern und bedauerte.

»Und da kann man nichts machen?«

Die lässt aber auch nicht locker, ärgerte sich Luisa innerlich. »Tschüss Marlies«, sagte sie und ließ die kleine Dame in ihrem mausgrauen Kostüm stehen.

Schnurstracks eilte Luisa der schweren Glastür und somit dem erhofften Feierabend entgegen. Dabei lauschte sie aufmerksam, was hinter ihr geschah. Es war nicht zu überhören, dass Marlies Lu folgte. Ihre Schritte hallten zunächst in einem langsamen Takt wider und stahlen sich dann beschleunigt davon. Erleichtert atmete Luisa durch und drückte die Tür zur Freiheit auf. Sie beeilte sich zum Auto zu kommen, und auch, als sie bereits darin saß, ertappte sie sich dabei, wie sie den einen oder anderen verstohlenen Blick über die Schulter warf.

Marlies war mit allen Wassern gewaschen. Sie ließ nichts aus, um an neuen Tratschstoff zu gelangen. Sie war schlimmer als die Bild-Zeitung, schlimmer als jede Kriegsberichterstattung. Marlies war eine Magierin, denn aus jedem Satz, der ihr zugetragen wurde, zauberte sie drei neue. Darauf, dass der Inhalt dann nicht immer der Realität entsprach, legte sie offenkundig wenig wert. Im Gespräch bleiben, das schien ihre Devise zu sein.

»Nicht mit mir«, grummelte Luisa vor sich hin und startete den Motor.

Überraschung

Auf dem Heimweg kehrte sie rasch in den Supermarkt ein. Doch auf den Einkauf konnte sie sich kaum konzentrieren, denn die Aussagen ihrer Schüler schwirrten Lu im Kopf herum. Und als ihr eine Flasche Ketchup aus der Hand glitt und auf den Steinfliesen zerschellte, hielt sie es nicht mehr aus. Sie betrachtete das Rot und dachte zwangsläufig an die Legende der Bloody Mary.

Etwas schnürte ihre Kehle zu, ganz so, als hätte die Tote aus dem Mythos Luisas Hals gepackt. Kurzschlussartig ließ sie ihren Einkaufswagen stehen und rannte an der Kasse vorbei an die frische Luft. Das Atmen fiel ihr schwer. Nur mit Mühe sog sie den Sauerstoff ein, den sie so dringend brauchte. Sie musste um jeden weiteren Atemzug kämpfen. Der Weg in die Lunge schwoll zu. Nur ein stecknadelkopfgroßer Kanal blieb, durch den sich ihr Atem hindurchpresste. Ein Pfeifen ertönte und ein Karussell setzte ein, das Luisa in seinen schnellen Umdrehungen mit sich riss.

Gedämpftes Stimmgewirr drang in Luisas Kopf. Ihr Schädel brummte, sie öffnete die schwerfälligen Lider. Eine Menschentraube hatte sich um sie versammelt. Sensationsgierige Gaffer starrten sie an. Junge wie Alte versuchten einen Blick auf das Unglück zu erhaschen.

»Alles okay«, beteuerte Lu und probierte sich aufzurichten. Ein Mitarbeiter der Filiale eilte ihr zu Hilfe und stützte Luisas Ellenbogen. Eine Kollegin gesellte sich zu ihm und nahm ihren anderen Arm.

»Brauchen Sie einen Krankenwagen?«, fragte die junge Brünette, deren kurzes Haar dem plötzlich aufgekommenen Wind strotzte. Auf dem Namensschild stand in gedruckten Buchstaben Gabi geschrieben.

»Nein danke, es geht schon.«

»Herrschaften, hier gibt es nichts zu sehen«, rief ihr Retter und die Menschenmenge löste sich träge auf.

»Sie können mich jetzt loslassen«, sagte Luisa, aber der Mann bestand darauf, ihr zumindest ein Wasser anzubieten, wenn sie schon keinen Krankenwagen wollte.

Sie wollte keinen Aufstand machen, so fügte sie sich und ließ sich in das Personalbüro des Ladens bringen.

»Passiert Ihnen das öfter?«, wollte Gabi wissen.

Lu überlegte kurz. Tatsächlich hatte sie seit Kurzem mit Schwindelattacken zu kämpfen. Sie nickte verhalten, während ihre Gedanken noch bei den letzten Tagen verharrten. Übel war ihr gewesen und sie war ständig müde. Heute war es ihr ein wenig besser gegangen, wenn man mal von der Ohnmacht absah.

Gabi setzte ein warmes Lächeln auf. »Wie weit sind sie?«

»Wie bitte?«, Luisa verstand nicht, worauf die Frau hinauswollte.

Sie hatte sich was eingefangen, das war fast sicher. Irgendeinen Bazillus, der ihr das Leben erschwerte, der von ihrem Immunsystem bekämpft wurde und so langsam den Rückzug antrat. So fühlte es sich zumindest an.

»Oh je, Sie haben noch keinen Test gemacht, oder?«

Test? Lu konnte den Groschen hören, der lautstark auf dem Boden aufkam. Sollte sie tatsächlich schwanger sein? Nein, das war unmöglich. Sie und Jens hatten

Impressum

Verlag: BookRix GmbH & Co. KG

Texte: Dana Müller
Bildmaterialien: pixabay.com
Cover: Dana Müller
Lektorat: M. D. Schoppenhorst / A.Müller
Satz: Dana Müller
Tag der Veröffentlichung: 03.11.2018
ISBN: 978-3-7438-8533-2

Alle Rechte vorbehalten

Widmung:
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