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ZU spät ist immer besser als nie

Auf Facebook sah ich, dass Dunia mir schrieb. Sie sagte, dass sie mich vermisst.

Sie heiratete vor kurzem einen Tunesier, den ihr Vater für sie wollte. Mit ihm war sie aber nicht glücklich.

Dunia: „Du warst eine Chance und ich hätte dich geheiratet, auch wenn mein Vater dagegen war. Ich habe auf die Beziehung mit dir wegen meines Vaters verzichtet und wegen eines Mannes, den ich nicht liebe. Ich dachte, dass er die Zukunft sei. Im Laufe der Zeit entdeckte ich, dass es nichts Wichtigeres im Leben gibt als die Liebe. Wieso verzichtet man darauf, wenn sie das allerwichtigste und schönste Gefühl  im Leben ist?“

Ich: „Bist du immer noch verheiratet?“

Dunia: „Ja, trotzdem möchte ich dich nächste Woche in Berlin sehen. Ich will dich umarmen, auch wenn ich danach sterbe. Ich vermisse dich und ich liebe dich, wie ich noch nie einen Mann geliebt habe.“

Ich: „Hör mir zu! Ich könnte nie mit einer verheirateten Frau in einer Beziehung sein, weil ich niemals als Mann an der Stelle deines Mannes sein wollen würde. Was ich mir selber nicht wünsche, wünsche ich auch den anderen nicht.“

Ich blockierte sie.

 

Meine Arbeit als Lehrer interessierte mich immer noch sehr. Ich unterrichte verschiedene Nationalitäten: Türken, Afrikaner, Russen und vor allem Syrer; sie sind die Mehrheit.

Am Anfang dachte ich, dass wir die gleiche Mentalität haben. Das stimmt aber nicht. Sie sind anders, obwohl wir auch viele gemeinsame Eigenschaften haben. Anders bedeutet nicht besser oder schlimmer. Es bedeutet nicht, dass eine von den beiden Farben schöner oder hässlicher ist. Es sind einfach nur verschiedene Farben. Wir haben gemeinsame Sitten und Traditionen. Ägypter haben zudem aber auch alte pharaonische Sitten, die Syrer nicht haben und sie haben Sitten, die wir nicht haben. Die Sprache und die Religion halfen mir, den kulturellen Hintergrund zu verstehen, trotzdem gab es Wörter, die bei uns in Ägypten etwas anderes bedeuten.

Einmal erzählte mir ein Syrer Folgendes: „Ich war verlobt mit einer Frau, später entdeckte ich, dass sie sich in einen anderen verliebt hat.“

Ich fragte ihn: „Und was hast du mit ihr getan?“

Der Syrier: „Wir trafen uns in der U-Bahn-Station.“

Ich: „Und?“

Er: „Ich sagte ihr, dass ich alles weiß.“

Ich: „Und?“

Er: „Alataha.“

Ich: „Was? In der U-Bahn-Station?!“

Er: „Ja.“

Ich: „Um wie viel Uhr?“

Er: „Am Nachmittag.“

Ich: „Waren viele Leute in der U-Bahn-Station?“

Er: „Ja, voll viel.“

Ich: „Und wie konntest du dann so etwas machen?“

Er: „Sollte ich mit ihr zusammen bleiben, oder was?“

Ich: „Was hat das damit zu tun?“

 

Erst nach 20 Minuten entdeckte ich, dass das Wort “Alataha”, was auf Ägyptisch sich ausziehen heißt, auf Syrisch ,,verlassen“ bedeutet.

Er meinte, er hatte sie in der U-Bahn-Station verlassen.

 

 

Krankheit ist am schlimmsten, wenn man alleine ist

 

An jenem Tag arbeitete ich viel und fühlte mich nicht wohl. Mitten in der Nacht stand ich auf, um zur Toilette zu gehen. Nachdem ich fertig war und unterwegs zurück zum Bett, fiel ich auf den Boden und wurde bewusstlos. Ich weiß nicht, wann ich wieder zu mir kam, ich war alleine. Am nächsten Tag  ging ich zu verschiedenen Ärzten, aber keiner von ihnen konnte die richtige Diagnose zu meiner Krankheit stellen. Alle meinten, dass ich gesund sei. Ich bin Sportler und so etwas hatte ich noch nie erlebt. Der Herzarzt sagte mir, dass alles perfekt sei. Ich dürfte sogar wieder Fußball spielen, wenn ich möchte. Die Fachärztin für Neurologie sagte: „Du bist total gesund.“

Alle Röntgenaufnahmen bestätigten das. Ich fühlte mich aber nicht wohl; ich hatte damals keine Balance. Meine Mutter wusste, dass ich auf der Toilette bewusstlos wurde. Sie sagte: „Komm sofort nach Ägypten, vergiss Deutschland. Es ist hier viel besser für dich.“

Sie meinte, dass ich unbedingt heiraten muss, sonst müsste ich für immer in Ägypten leben.

Aber wie könnte ich eine gute Frau finden?

Mein bester Freund, der zur damaligen Zeit in Saudi Arabien lebte, empfahl mir auf Internetseiten eine gute Frau aus einem arabischen Land zu suchen. Ich fand das total komisch, weil ich selber nicht daran glaubte, dass man jemanden durch das Internet richtig kennen lernen kann. Trotzdem war ich begeistert, als ich anfing, solche Seiten zu besuchen.

Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass diese Seiten eine andere, eigene Welt sind. Es ist zwar keine wahre Welt, aber trotzdem finde ich sie total interessant. Ich meldete mich bei einer Plattform an.

Man findet hier Frauen und Männer aus der ganzen Welt. Mit einem Filter kann man bestimmte Staatsangehörigkeiten eingrenzen oder Frauen finden, die in bestimmten Ländern wohnen. Auf den Profilen der Frauen liest man die Voraussetzungen, die sie bei ihren Traummännern suchen. Die meisten Frauen übertreiben ein bisschen. Die ägyptischen Frauen übertrieben aber am meisten. Ich habe mich totgelacht, als ich mir verschiedene ägyptische Profile anschaute. Man findet dort ganz blöde Sätze. Zum Beispiel: „Er muss kräftig sein, hübsch, reich, groß und einen guten Job haben.” Am liebsten hätte ich eine von ihnen gefragt, ob er auch fliegen können muss?!, und vor allem: Was kann sie ihm bieten?!

Es gab noch eine Frage, die ich sehr gern gestellt hätte: Ein toller Mann, der sehr hübsch ist, der ein schönes Auto hat, schick angezogen ist und viel Geld hat: Warum sollte er hier im Internet eine Frau suchen? Ich fragte mich auch, was ich hier suchte?!

Meine Antwort war „nichts“. Ich wollte nur diese Welt kennen lernen. Ich war mir sicher, dass man hier keine tolle Frau findet. Wenn sie sehr hübsch und attraktiv ist, zudem einen tollen Charakter hat - Warum bemerkt ihr Nachbar sie dann nicht?

Warum bemerkt ihr Kollege auf der Arbeit sie nicht? 

Warum bemerkt der Busfahrer sie nicht?

Warum bemerkt sie kein Mann und warum sollte ich sie toll finden, ohne sie ein einziges Mal gesehen zu haben?!

Es gibt so viele Lügner auf diesen Seiten. Viele arabische Frauen schreiben auf ihren Profilen, dass sie in Europa leben, obwohl das überhaupt gar nicht stimmt. Sie bemerkten mich allmählich als Beobachter und fingen an, mir zu schreiben. Sie entschuldigten sich sofort, wenn ich fragte, in welcher deutschen Stadt sie wohnen. Mehrere Frauen gaben die gleiche Antwort: „Tut mir leid. Ich habe aus Versehen Deutschland geschrieben.“ Zwei Jahre war sie auf der Seite und bemerkte erst jetzt, dass sie “Deutschland” in ihr Profil schrieb. Die dummen Männer glauben diesen Frauen, die sie von Anfang an belügen. Sind sie wirklich dumm?- Die Antwort ist „nein“. Sie verdummen sich selbst. Sie wollen einfach glauben, dass diese Frauen ehrlich sind.

 

Mittlerweile finden sich auf diesen Seiten tatsächlich einige, die am Ende tatsächlich heiraten, aber meistens scheitern diese Ehen. Aber scheitert die Ehe nur, wenn man sich im Internet kennen gelernt hat? Warum scheitert eine Ehe heutzutage viel öfter als früher?

Erstens: Viele Ehen gehen kaputt, auch wenn man sich NICHT im Internet begegnet ist! Zweitens: Die Ehe scheitert heutzutage wegen Youtube, Facebook, Whatsapp und co. Auch wegen Filmen und Serien. Jede Frau träumt von einem reichen, hübschen Mann, wie derjenige Schauspieler oder der tolle Youtuber. Auf der anderen Seite träumt der Mann auch von einer netten Frau, wie diejenige Schauspielerin oder der unbekannten, hübschen Freundschaftsanfrage auf Facebook. Ein Schauspieler in der arabischen Welt steht auf, mit frisch gekämmten Haaren und perfekter Frisur. Vielleicht hatte er seine Haare im Traum gekämmt? Nicht nur das, auch sein Schlafanzug war gebügelt. Wie kann das sein? - Keine Ahnung!

Die Frauen haben Voraussetzungen an einen Mann, die sie bei keinem Menschen finden. Wenn man es mal genau liest, findet man, dass sie sich selbst widersprechen. Zum Beispiel: Eine von ihnen schrieb, dass er reich sein muss, hübsch usw. und dann schrieb sie aber am Ende: Geld ist nicht alles

Impressum

Verlag: BookRix GmbH & Co. KG

Tag der Veröffentlichung: 18.05.2020
ISBN: 978-3-7487-4181-7

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