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Vorwort

Herzlich Willkommen in der Klein Wesenberger Kirche.

 

Sie besuchen einen besonderen spirituellen Ort. Bereits vor der Christianisierung befand sich hier auf dem heutigen Kirchberg ein Höhenheiligtum. Seit dem 12. Jahrhundert haben die zum Kirchspiel gehörenden Menschen aus den umliegenden Dörfern hier ihre Sorgen und Freuden, ihren Dank und ihre Bitten vor Gott gebracht.

 

Baulich hat sich in all den Jahren einiges verändertet. Durch die direkte Lage am neuangelegten Jakobsweg erlebt unsere Kirche wieder einen regen Besucherstrom. Daher haben wir dieses kleine Heft zusammengestellt. Auf den folgenden Seiten finden Sie eine kurze Übersicht der Geschichte, sowie eine Beschreibung der wichtigsten Ausstattungsstücke dieser Kirche.

 

Wir wünschen Ihnen ein guten Aufenthalt und Gottes Segen auf Ihrem weiteren Weg.

 

Der Kirchengemeinderat

Geschichtlicher Abriss

Bereits um 1075 beschrieb Adam von Bremen in der von ihm verfassten „Hamburger Kirchengeschichte“ den Grenzverlauf des Limes Saxonia unter Berufung auf eine Urkunde aus der Zeit Karls des Großen in lateinischer Sprache.

 

Auf deutsch: „Auch ich habe eine Festlegung der sächsischen Grenze jenseits der Elbe durch Karl den Großen und andere Kaiser gefunden; sie verläuft folgendermaßen: Vom Ostufer der Elbe bis zu dem Flüsschen, das die Slawen Mescenreiza nennen. Oben trennt sich der Limes von ihm und verläuft im Delvenauwalde bis an die Delvenau. Von ihr kommt man an den Hornbeker Mühlenbach und an die Billequelle. Von da geht man weiter zum Liudwinestein, und Wispircon und die Barnitz. Dann läuft sie auf die Sumpfbeste bis zum Travewald und aufwärts durch diesen zur Blunkerbach-Niederung. Dann führt sie zum Ackerrandwald und steigt geradenwegs an bis zur Furt über den Ackerrandbach. Dort bestand Burwido einen Zweikampf gegen einen Slawenkämpen, den er tötete. Hier steht ein Gedenkstein. Von diesem Gewässer weg läuft die Grenze oben und fällt in den Stocksee ab. Dann kommt man an das östliche Schwentinefeld und an die Schwentine selbst. An ihr läuft die Sachsengrenze aus in Skytenmeer und Ostsee.“

(Dieses Wispircon wird von den meisten Historikern mit dem heutigen Groß und Klein Wesenberg verbunden).

 

Im Jahr 1186 wurde das Kloster Reinfeld auf Veranlassung von Graf Adolf III. von Holstein von Zisterziensermönchen aus dem Kloster Loccum als Kloster Reynevelde gegründet. Am 10. Mai 1189 unterzeichnet Kaiser Friedrich I. (Barbarossa) in Regensburg eine Gründungsurkunde. Im November 1190 zog der erste Abt Hartmannus mit 12 Mönchen in das provisorische Kloster ein, die endgültige Klosterkirche wurde vermutlich erst 1236 geweiht.

 

1186: Erstmals wurde 1186 eine Kirche erwähnt, welche auf einem religiösen Thingplatz oberhalb der Trave errichtet worden war. D.h. die 1186 erwähnte Kirche/Kapelle wurde bereits vor dem Kloster in Reinfeld errichtet. Möglicherweise im Rahmen der Missionstätigkeit von Vicelin. Die Reinfelder Mönche bauten dann die bereits vorhandene Kirche um.

Der religiöse Thingplatz oberhalb der Trave möchte Grund dafür sein, dass die Kirche in dem winzigen und unbedeutenden Dorf Klein Wesenberg, und nicht etwa in dem größeren Westerau errichtet worden ist. Sie ist nach Reinfeld die älteste Kirche in Oststormarn.

 

So könnte die alte Klein Wesenberger Kirche ausgesehen haben

(Federzeichnung. Quelle unbekannt) [Bild 1]

 

Das Kloster Reynevelde erwarb das Patronat und die Rechte sicher wegen dieses alten Heiligtums. Die Kirche von damals wird beschrieben als aus Ziegeln errichteter rechteckiger gewölbter Bau mit schönen Malereien an den Wänden und Sandsteinportalen, welche sicherlich in der Klosterbauhütte hergestellt wurden. Zum Kirchspiel gehörten bzw. gehören: Klein Schenkenberg, der am Weg dorthin gelegene Rittersitz derer von Wesenberg, das Gut Trenthorst, das Lübecker Stiftsdorf Westerau, Heidberg, beide Barnitz und im Osten Reecke. Niendorf und Moorgarten gehörten bis 1967 zum Kirchspiel Klein Wesenberg, dann wurden die Orte nach Lübeck umgepfarrt.

 

Der Lageplan vom Kirchberg 1836 [Bild 2]

 

1882: Am 30. April 1882 schlug der Blitz in das unten an der Trave gelegene Fährhaus. Mit ihm wurden die Schule und die alte, auf der Höhe gelegene Kirche ein Opfer der Flammen. Ein starker Sturm machte es den elf angerückten Feuerwehren unmöglich, den wütenden Elementen Herr zu werden. Nur wenige Gegenstände, wie der Taufstein, das Altarkreuz, das Wetge’sche Wappen und der Opferstock blieben erhalten. Von 1871 bis zum Brand war Carl Georg Friedrich Genzen Pastor in Klein Wesenberg. Ihm folgte 1882 Ernst Wilhelm Conrad Brodersen. Er war bis 1901 Pastor in Klein Wesenberg. In seine Amtszeit fällt der Wiederaufbau der Klein Wesenberger Kirche.

 

Die Ruine nach dem Brand 1882 [Bild 3]

 

1884: Am 23. März 1884 wurde der Grundstein für die neue Kirche gelegt. Im Dezember 1883 war die Ausführung des Baus für 34.900 Mark an den Reinfelder Baumeister Voss vergeben worden. Architekt und Bauunternehmer der neu erbauten Kirche war P. Voss aus Reinfeld. Mit dem Bau des Schul- und Organistenhauses auf der Pastoratskoppel wurde dieselbe Firma beauftragt. Kosten: 15.500 Mark. 1884 erhielt die kleine Kirche auch zwei Glocken. Sie wurden von der Firma Collier aus Berlin gegossen.

 

1885: Am 27. März 1885 konnte die neu erbaute Kirche eingeweiht werden.

Das Konsistorium für den Holsteinischen Kirchenbau bewilligte am 9. Mai 3.000 Mark für die Herstellung der Kanzel und des Altars. Die neue Orgel lieferte die Firma Marcussen und Søhn aus Apenrade in Dänemark für 5.000 Mark.

 

 

Das erste Foto von der neuerbauten Kirche [Bild 4]

 

1907 erhielt die Kirche einen neu gestalteten Altarraum. Altar, Schalldeckel über der Kanzel, Patronatsgestühl und dessen eigener Eingang sind nicht mehr vorhanden. Die drei Kronleuchter stammen noch aus dieser Zeit.

 

1910: Am 1. April 1910 wurde die Ortschaft Groß Wesenberg aus der Reinfelder Gemeinde ausgepfarrt und dem Kirchspiel Klein Wesenberg einverleibt. Diese Tatsache darf wohl auch mit dem Brückenbau zwischen den beiden Dörfern über die Trave in Zusammenhang gebracht werden.

 

Die erste Brücke über die Trave [Bild 5]

 

1911: Der Besitzer der Güter Trenthorst und Wulmenau, Thörl, schenkt der Kirche einen Altar und eine Kanzel.

Der Turm erhielt eine Turmuhr mit Schlagwerk.

 

Der Altarraum nach 1911 [Bild 6]

 

1917: Die große Glocke und die 29 vorderen Pfeifen der Orgel mussten als Kriegsmaterial für den 1. Weltkrieg abgeliefert werden.

 

1919: Am 12. Januar 1919 wurde auf dem Klein Wesenberger Friedhof ein Ehrenmahl für die 76 Gefallenen aus dem Kirchspiel eingeweiht.

 

1920: Pastor Gustav Petersen scheidet aus seinem Amt aus. Er bekleidete sein Amt seit 1902. Sein Nachfolger war Pastor Wilhelm Wasner. Er war von 1920 bis zu seiner schweren Krankheit und plötzlichem Tod 1924 in unserer Gemeinde tätig.

 

1925: Die Kirchengemeinde Hamberge wird mit der Kirchengemeinde Klein Wesenberg durch Personalunion des Pastors verbunden.

Am 1. November wurde Pastor Jürgen Stoldt in sein Amt eingeführt. Die Kirchengemeinde Hamberge wird seitdem vom Pastor in Klein Wesenberg mit 25 % seiner Dienstzeit mit betreut. 

 

1931: Am 20. September 1931 wurden zwei Kirchenglocken geweiht. Damit war wieder ein Dreiergeläut vorhanden.

 

1932: Vom 8. bis 10. Oktober 1932 fand in Klein Wesenberg das Jahresfest für „Kirchliche Musik“ statt – In der Gemeinde wirkte der Bachchor. Zu diesem Fest kommen 3000 Besucher. Es war ein großes Ereignis.

 

1936: Die Turmuhr wurde wieder instand gesetzt.

 

1938: Pastor Stoldt wurde Gemeindepastor in Bad Oldesloe und zugleich Propst in der Propstei Segeberg.

 

1939 übernahm Pastor Gustav Böhmke am 1. Advent sein Amt in unserer Gemeinde. Er wurde aus Trittau nach Klein Wesenberg versetzt, weil er dort den Nationalsozialisten nicht genehm war. Pastor Böhmke blieb bis 1951 Gemeindepastor der Kirchengemeinde Klein Wesenberg.

 

1943: Auch die Kirchengemeinde Klein Wesenberg musste wieder zwei seiner drei Glocken für kriegswichtige Zwecke abgeben.

 

1945: Der 2. Weltkrieg hat auch in unserem Kirchspiel viel menschliches Leid hervorgerufen. Der Flüchtlingsstrom aus den Ostgebieten ließ die Gemeinde über einige Jahre stark anwachsen.

 

1951: Pastor Lolling aus Zarpen war fast ein Jahr lang Vakanzvertreter.

Ab 21.10. war Hellmut Gronau Pastor bis 1956.

 

1953 wollte die Kirchenvertretung das Pastoratsgebäude wegen seines desolaten Zustandes abreißen lassen. Man einigte sich aber auf umfangreiche Reparaturarbeiten und konnte somit das alte Haus erhalten.

Die Kirchengemeinde bekam zwei neue Glocken gespendet.

 

1954: Der Grabstein des Ritters von Wesenberg, ein altes Denkmal der Kirchengemeinde, wurde vom Friedhof in die Kirche gebracht, um dort vor der Verwitterung geschützt zu sein.

 

1956: Am 19. Februar 1956 wurde Pastor Gerhard Bredner in sein Amt eingeführt.

 

1961: Am 17.Januar 1961 wurde vom Kirchenvorstand beschlossen, die von den Architekten Sandtmann und Grundmann, Hamburg-Wandsbek, eingereichten Entwürfe auszuführen. Dabei wurden die alten Pollog-Fenster im Chor entfernt und das große Auferstehungsfenster des Kunstmalers Siegfried Assmann in Groß-Hansdorf im Jahr 1962 eingebaut. Die seitlich im Altarraum befindlichen Pollog-Fenster wurden in die Nordwand versetzt. Diese wurden im Herbst 2008 restauriert. Wo sich das alte mittlere, dreigliedrige Chorfenster heute befindet, ist unbekannt. Ebenso ist nichts vom Vorgängerfenster aus dem Jahr 1885 bekannt. Weiterhin entfernt wurden der gesamte hölzerne Altarumbau, der Schalldeckel der Kanzel und das Trensthorster Gestühl. Es gibt keine Hinweise über deren Verbleib. Zeitzeugen berichten von einem Feuer hinter dem Friedhof wegen angeblichen Holzwurmbefalls.

Die alte Holzdecke wurde mit der heutigen Rundbogendecke überbaut. Die Orgel dabei klanglich und optisch verändert, dies führte zu der heutigen hervorragenden Akustik der Kirche.

Leider wurde der luftdurchlässige Fußboden durch in Betonestrich verlegte Platten ersetzt. Seitdem gibt es erhebliche Lüftungsprobleme im Kirchenraum durch die Feuchtigkeit unter dem sehr lehmhaltigen Kirchberg.

 

1962: Am 31. Mai 1962, dem Himmelfahrtstag, wurde die renovierte Kirche eingeweiht.

 

 

Die Kirche von Groß Wesenberg aus gesehen [Bild 7]

 

1965: Nachdem das alte Pastoratgebäude abgerissen war, feierte man am 11. Juni 1965 das Richtfest des neuen Gebäudes (Pastorat und Gemeindehaus). Dieser Neubau wurde 1988/89 erheblich erweitert.

 

 

Das alte Pastorat und Gemeindehaus [Bild 8]

 

 

Das neue Gemeindehaus [Bild 9]

 

1974 begibt sich Pastor Bredner in den Ruhestand und Pastor Adolf Lüdemann übernahm das Amt in unserer Gemeinde.

 

1980: Am 1. August 1980 kommt Pastor Erhard Warnke zu uns ins Kirchspiel, nachdem Adolf Lüdemann in den Ruhestand gegangen ist.

 

1981 wurde der Kinderspielkreis „Knirpsenland“ gegründet. Er wurde im Gemeindehaus untergebracht.

 Im gleichen Jahr wurde ein neuer Kirchenchor gegründet, nachdem der 1924 gegründete Bachchor im 2. Weltkrieg sein Wirken aufgegeben hatte.

 

1985: Am 24. März 1985 feierte die Gemeinde das hundertjährige Jubiläum unseres Kirchengebäudes. Der Kirchenvorstand stiftete aus diesem Anlass einen neuen silbernen Abendmahlskelch.

 

1987: Am 31. August 1987 wechselt Pastor Warnke in eine andere Pfarrstelle. Pastor Christian Uecker wird Pfarrer z.A. (zur Anstellung).

 

1989: Am 15. Dezember 1989 wurde Pastor Christian Uecker in sein Amt als Pastor der Gemeinden Hamberge und Klein Wesenberg eingeführt.

 

1997: Am 1. August 1997 wurde der Neubau des „Sterntaler-Kindergartens“ der Kirchengemeinde eröffnet. Bereits seit dem 1. August 1996 gab es eine Kindergartengruppe im Gemeindehaus.

 

Sterntaler-Kindergarten [Bild 10]

 

 

 

2001: Auf dem Dach des Kindergartens wurde eine Solaranlage installiert. Den Erlös erhält in jedem Jahr der Verein „Deutsch-Tasnsanische Partnerschaft“.

  Am 11. Juli 2001 wurde ein Verein zur Förderung der Kirchenmusik in Klein Wesenberg unter dem Namen „Musik vor Ort“ gegründet.

Der Chor feierte am 23. Juni 2001 sein zwanzigjähriges Bestehen und beschloss, fortan sich mit dem Chor der Paul-Gerhard-Gemeinde Lübeck zusammenzuschließen, gemeinsam zu proben und in beiden Gemeinden zu singen.

 

 

Kachel zum Chor-Jubiläum [Bild 11]

 

2005: Ein Gemeindemitglied hat der Kirchengemeinde das Material für die Bestrahlung der Kirche gespendet. So wird es ab Herbst 2005 möglich, die Kirche abends anzustrahlen.

 

 

Die Kirche bei Nacht [Bild 12]

 

2007: Am 14. April 2007 erlag Pastor Christian Uecker plötzlich und unerwartet einem Herzinfarkt. In einer bewegenden Trauerfeier am 24. April in der Klein Wesenberger Kirche nahmen die Menschen der Gemeinden Hamberge, Klein Wesenberg und alle, die ihn kannten, Abschied.

 

2008: Am 1. Mai 2008 trat Pastor Erhard Graf sein Amt als Gemeindepastor für die Kirchengemeinden Hamberge mit 25 %  und Klein Wesenberg  mit 75 % der Dienstzeit an. Am 18. Mai erfolgte in einem Gottesdienst in der Kirche zu Klein Wesenberg die offizielle Amtseinführung.

Im Herbst erfolgte die Neugründung eines Chores unter der Leitung von Christoph Jacobi, nachdem der Wunsch nach einem eigenständigen Chor in der Kirchengemeinde immer stärker geworden war.

Das Obergeschoss des Gemeindehauses, von 1990 bis 2007 vom Kirchenkreis als Konfirmanden- und Jugendfreizeitheim genutzt, wurde nach gründlicher Renovierung vom Kirchenkreis an die Kirchengemeinde zurückgegeben. Es ist geeignet für kleine Gruppen (bis 26 Personen), Familien mit kleineren Kindern, Einzelgäste und Pilger.

 

2011: Am 28. November wurde ein „Verein zur Förderung der Kirchensanierung in Klein Wesenberg (Kirchenbauverein) gegründet, nachdem festgestellt worden war, dass eine Sanierung der Kirche mit einem Kostenaufwand von ca. einer halben Million Euro notwendig ist, um Kirchenvorstand und Pastor bei der Mittelbeschaffung und den Sanierungsarbeiten zu unterstützen.

 

2012: In der Zeit vom 05.09. bis 30.11. wurden das Dach und die Sandsteinabdeckungen an den Giebeln der Kirche mit einem Kostenaufwand von 320.000 € saniert. Diese Sanierungsarbeiten werden mit 81.806,72 € aus Mitteln der EU nach dem Zukunftsprogramm Ländlicher Raum bezuschusst.

 

 

Die Dachsanierung [Bild 13]

 

2015 Der Kirchenbauverein regte eine Pflanzaktion für die Bepflanzung rund um die Kirche an und vermittelte für eine finanzielle Förderung den Erstkontakt zur Firma Fielmann, welche die Pflanzen stiftete.

In diesem Zusammenhang wurde der Vorplatz vor dem Eingang der Kirche neu gestaltet.

Im gleichen Jahr wurden die Fenster der Südseite restauriert.

 

2016: In diesem Jahr soll die Erneuerung der Heizungsanlage und ein neuer Anbau zur Erweiterung der Kindertagesstätte erfolgen.

 

Die Kerzen-Kronleuchter

 

1907 erhielt die Kirche einen neu gestalteten Altarraum, von dem nur noch die drei Kronleuchter und die von dem in Breslau lebenden Kunstmaler Robert Karl Pollog zwischen 1911 und 1923. stammenden zwei zweigeteilten Bildfenster an der Nordwand vorhanden sind. – Bei jeder kirchlichen Veranstaltung werden seitdem die Kerzen auf den Kronleuchtern entzündet. Diese Besonderheit findet man nur in wenigen Kirchen.

 

 

Ein Kerzen-Kronleuchter [Bild 14]

Der Taufstein


In den Wochenbüchern des Lübecker Domes vom 7. Mai 1650 findet man folgende Notiz: „Empfangen für einen alten Stein, so der Herr Pastor nach dem Wesenberge zu einem Taufstein bekommen.“ Dieser alte Taufstein ist das älteste Wertstück der Klein Wesenberger Kirche. Er konnte am 30. April 1882 aus der brennenden Kirche geborgen werden, weil er sich im Vorraum der Kirche befand, denn es war zu damaliger Zeit üblich, im Vorraum der Kirche zu taufen, um damit zu veranschaulichen, dass man erst mit der Taufe in die Kirchengemeinde aufgenommen wird.

 

 

Der historische Taufstein [Bild 15]

 

Das Kruzifix

 

1675 erhält die Kirche von dem Plöner Herzog Hans Adolf das noch erhaltene Kruzifix. Es wurde aus der brennenden Kirche gerettet und fand zunächst im Altarraum der neuen Kirche seinen Platz. Nach dem Abriss des Patronatsgestühls bekam es seinen derzeitigen Platz. Die Besonderheit dieses Kruzifixes besteht darin, dass aus dem Stamm des Kreuzes neue Zweige sprießen. Damit wird auf die Auferstehung Jesu und das ewige Leben hingewiesen, denn bei Gott gibt es keinen Tod.

 

Das Kruzifix [Bild 16]

 

Die Kanzel

 

1586 erhält die alte Kirche in der Amtszeit von Pastor Nicolaus Muth ihre erste Kanzel. Er war seit 1539 der erste evangelische Pastor. Mit ihm hielt die „neue Lehre“ der Reformation Einzug in die Kirchengemeinde Klein Wesenberg.
Auch die 1885 neu eingeweihte Kirche hatte eine Kanzel mit Schalldeckel.
1911 schenkte der Besitzer der Güter Trenthorst und Wulmenau, Thörl, welcher zugleich Patron der Kirche war, der Kirche einen neuen Altar und eine neue Kanzel. An der Kanzel befindet sich links und rechts ein Reliefbild:

 

links: die Bergpredigt

rechts: Jesus predigt vom Boot aus.

 

Für sich selbst ließ Thörl ein dazu passend gearbeitetes Gutsgestühl errichten. Ebenfalls 1911 erhielt der gesamte Chorraum neue Fenster nach Entwürfen des Breslauer Kunstmalers Robert Pollog.

Damit das Chorfenster besser zur Wirkung kam, hing der Kronleuchter nicht, wie heute zu sehen, im Chorraum.

 

 

Die Kanzel [Bild 17]

 

 

Der heutige Altar

 

Der heutige Altar besticht als „Tisch des Herrn“ durch seine Bescheidenheit. Er besteht aus furnierten Spahnplatten und wurde 2014 auf seinem Podest ein Stück in den Kirchenraum hinein verschoben. Damit kann man an ihn z.B. beim Abendmahl auch von hinten herantreten.

Dieser schlichte Altar wird hoffentlich bald durch ein attraktiveres Modell ersetzt.

 

 

Der Altar [Bild 18]

 

 

Der Abendmahlskelch

 

Aus Anlass des hundertjährigen Bestehens der Kirche stifteten die Mitglieder des damaligen Kirchenvorstandes 1985 der Kirchengemeinde einen silbernen Abendmahlskelch. Dieser Kelch wird seitdem bei jedem Abendmahlsgottesdienst benutzt.

 

Bereits 1911 stiftete das Ehepaar Wittern aus Westerau einen Kranken-Abendmahlskelch. Dieser wird noch heute bei Krankenbesuchen genutzt. - Das Ehepaar Wittern wurde auf dem Klein Wesenberger Friedhof beerdigt. Auf dem Weg in die Kirche gehen die Gottesdienstbesucher an der Grabstätte mit historischem Grabstein vorbei.

 

 

 

Der Kranken-Abendmahlskelch [Bild 19]

 

 

Die alte Altarplatte (Mensa)

 

Nach Beendigung des Dreißigjährigen Krieges, der auch unserem Kirchspiel – so im Jahre 1643 – durch die Schwedentruppen unter Bernhard Torstenson hart zusetzte, wurde die baufällige Kirche unter dem Plöner Herzog Joachim Ernst 1653 durch Umbau stark verändert. Die Altarplatte der alten Kirche aus gotländischem Stein, wurde nicht mit in die restaurierte Kirche übernommen. Heute steht sie als Altar im Freien vor dem Gemeindehaus/Pastorat den Pilgerinnen und Pilgern zum Verweilen zur Verfügung.

 

 

Die alte Altarplatte [Bild 20]

 

 

Die Grabplatte des Ritters von Wesenberg

 

Der Ritter Volrad Wesenberge wird in einer Lübecker Urkunde 1365 erstmals erwähnt. 1372 verkauft er das Dorf Trenthorst ohne Gut an einen Lübecker Kanonikus. 1392 ist er als „Ritter von Wesenberg und Trenthorst und als gläubiger Christ gestorben“. Sein Grabstein mit die Evangelistenzeichen in den Ecken, und geschmückt mit dem Ritterhelm und Wappen mit der Pfeilspitze befand sich bis 1962 auf dem Friedhof und wurde in die Kirche gebracht, um dort vor der Verwitterung geschützt zu sein. Er besteht aus gotländischem Kalkstein und liegt jetzt in der Kirche vor der Kanzel.

 

 

Die alte Grabplatte in der Kirche [Bild 21]

 

 

Die Orgel

 

Die alte Kirche erhielt 1846 ihre erste Orgel mit 8 Registern, gebaut vom Orgelbauer Kühn aus Segeberg. Bis dahin musste der Küster mit den Kindern den Kirchengesang leiten.

1884 wurde für die neue Kirche eine Orgel von der dänischen Orgelbaufirma Marcussen und Søhn aus dem nordschleswigschen Apenrade, seit 1920 Aabenraa in Dänemark, für 5.000 Mark gebaut. Da Nordschleswig damals zu Schleswig-Holstein gehörte, war das nichts Besonderes. Auch der Lübecker und der Meldorfer Dom haben eine Marcussen-Orgel. Es handelt sich um eine romantische Orgel, welche im Gegensatz zu den in den meisten Kirchen üblichen barocken Orgeln einen weicheren Klang hat.

 

Die Orgel hat eine bewegte Geschichte hinter sich:

1917 beschlagnahmte die Heeresleitung die 29 zinnernen Prospektpfeifen. Aus den 70 kg Zinn wurde Munition gegossen. Wann diese wieder ersetzt wurden, ist nicht bekannt. Es darf jedoch vermutet werden, dass das in der Amtszeit von Pastor Stoldt und vor dem Jahresfest für „Kirchliche Musik“, welches im Oktober 1932 mit 3000 Besuchern in Klein Wesenberg stattfand, und wo Frau Stoldt als Orgelsolistin aufgetreten ist, geschah.

1962 wurde die Orgel dem damaligen Zeitgeist entsprechend in eine Barock-Orgel umgebaut.

1996 wurde die restaurationsbedürftige Orgel mit großem Aufwand wieder in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt. Zu diesem Zweck wurde in den Jahren 1994 bis 1996 eine umfangreiche Spendenaktion in Gang gesetzt und hierfür ein Orgelbauverein gegründet. Pastor Uecker schrieb einen Kriminalroman mit dem Titel „Wenn der Tod tanzt“ und spendete 10 Prozent des Erlöses für die Restaurierung der Orgel. Am 22. September 1996 wurde die restaurierte Orgel in einem Festgottesdienst der Gemeinde übergeben.

 

 

Die Marcussen-Orgel [Bild 22]

 

 

Die Glocken

 

Die am 30. April 1882 abgebrannte Kirche hatte keinen Glockenturm, sondern nur einen Dachreiter mit wahrscheinlich einem kleinen Glöckchen. Diese ist offenbar beim großen Brand herabgestürzt und zerschellt.

 

Am 27. März 1885 wurde die auf den Fundamenten der alten Kirche erbaute neue Kirche eingeweiht. Sie bekam einen Glockenturm und zwei Bronze-Glocken.

 

Die größere von Ihnen trug die Inschrift

Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.

 

Die Inschrift der kleineren Glocke lautete:

Der Herr ist ferne von den Gottlosen, aber der Gerechten Gebet erhört er.

 

Wie alle Kirchen im Deutschen Reich musste auch die Kirchengemeinde Klein Wesenberg im Verlaufe des ersten Weltkrieges die größere von beiden Glocken abgeben. Es war die Glocke mit der Inschrift „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen“ .

Am 20. September 1931 wurden zwei neuen Kirchenglocken in einem feierlichen Festgottesdienst geweiht.

 

Die Inschrift der großen Glocke lautete:

Ich ward geopfert in eherner Zeit

Und neu erstand ich nach schwerem Leid.

Ich danke denen, die blieben in Tod,

Ich grüße die Lebenden und ehre Gott.

Mein eherner Mund ruft machtvoll es aus:

Ihr Menschen, hört und kommt in des Ewigen Haus!

 

Inschrift der kleinen Glocke lautete:

Ick will mah’n un ji schüllt kam’n,

Ick will mi röhr’n un ji schüllt höhr’n.

Ick will klingen un ji schüllt singen,

Ich will ropen to ju`n Godd un to’n Goden.

 

Pastor Gustav Böhmke, musste mit der Gemeinde erleben, dass erneut im Frühjahr 1942 zwei der drei Glocken für Kriegszwecke abgegeben werden mussten. Es war eine Glocke, welche seit 1884, und eine, welche erst seit 1931 auf dem Turm hing.

1953 erhielt Klein Wesenberg zum dritten Mal seit 1885 zwei neue Glocken. Diese spendete der Hamburger Zigarettenfabrikant und Besitzer des Gutes Trenthorst Philipp Fürchtegott Reemtsma anlässlich der Taufe seines Sohnes Jan Philipp Reemtsma in der Klein Wesenberger Kirche. So hatte die Klein Wesenberger Kirche bereits acht Jahre nach Ende des zweiten Weltkrieges, und damit viel früher als viele andere Gemeinden, wieder ein dreistimmiges Geläut.

Der Dreiklang hat die Töne cis, b und das tiefe g. Die beiden neuen Glocken sind aus Stahlguss. –

 

Die drei Glocken tragen folgende Inschriften:

 

1.Glocke (Bronze – seit 1931, hat den zweiten Weltkrieg überlebt):

Ick will mahn‘n un ji schüllt kam‘n.

Ick will mi röhr‘n un ji schüllt hör‘n.

Ick will klingen un ji schüllt singen.

Ick will ropen to ju‘n Godd un to‘n Goden.

 

2.Glocke (Stahl - neu):

Ehre sei Gott in der Höhe

 

3.Glocke (Stahl - neu):

Friede auf Erden

 

 

Eine der drei Glocken [Bild 23]

 

Damit hängen die beiden Stahlglocken seit 1953 gemeinsam mit einer Bronzeglocke (seit 1931) als dritte Generation seit über sechs Jahrzehnten, und damit am längsten, auf dem Klein Wesenberger Kirchturm.

 

 

Die Turmuhr

 

1911 stiftete der Lübecker Uhrmacher Emil Kruse der Klein Wesenberger Kirche eine Turmuhr mit Stundenschlag.
1936 wurde diese Turmuhr auf seine Kosten gereinigt und instand gesetzt. Es wird vermutet, dass das Schlagwerk der Turmuhr beim Abbau der Glocke 1917 beschädigt wurde, wie auch 1942, als wiederum zwei Glocken für Kriegszwecke abgegeben werden mussten. 1945 wurde die Turmuhr von Pastor Böhmke und einem fachkundigen Flüchtling wieder instand gesetzt. – Heute schlägt sie ab 7.00 Uhr bis 18.00 Uhr mit der Anzahl der Glockenschläge für die jeweilige Stunde und nach einer kurzen Pause mit drei Gebetsschlägen.

 

 

Das Uhrwerk der Turmuhr [Bild 24]

 

 

Die Kirchenfenster

 

Die Kirche Klein Wesenberg ist mit denkmalgeschützten Buntglasfenstern ausgestattet:

Auf der Südseite, direkt bei der Kanzel, befindet sich das sogen. Lutherfenster. Es zeigt Martin Luther 1521 vor dem Reichstag in Worms, als er sich vor Kaiser Karl V. zu seinen Schriften mit den Worten bekennt: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir. Amen.“ Die Rosette im Bogen des gotischen Fensters stellt die Veste Coburg dar. Hier hielt sich Martin Luther 1530 einige Monate auf. Das Fenster wurde im Jahre 1923 von dem Glasmaler und Künstler Erich Klahn aus der Werkstatt Berkentin in Lübeck gestaltet und 2005 restauriert. Es hat die Größe von 2,62 Meter Höhe und 1,18 Meter Breite. – So dicht bei der Kanzel platziert, soll es gewiss auch den jeweiligen Prediger dazu mahnen, nur die rein lutherische Lehre von der Kanzel herab zu verkünden.

 

 

Das Lutherfenster [Bild 25]

 

Im Altarraum befindet sich das Bildfenster mit dem auferstandenen Christus. Es entstand 1962 im Atelier des bekannten Stormarner Malers Siegfried Assmann aus Großhansdorf. Es wurde 2008 restauriert.

 

 

Das Auferstehungsfenster [Bild 26]

 

Die beiden zweigeteilten Bildfenster an der Nordwand (vom Eingang aus gesehen links), welche im Fenster nahe dem Altarraum Paulus (mit dem Schwert) und Petrus (mit dem Schlüssel), und im zweiten Fenster Johannes (mit dem Kelch) und Lukas (mit dem Buch) darstellen, wurden ebenfalls 2008 restauriert. Sie wurden zwischen 1911 und 1923 von dem im damals deutschen Breslau (heute Wroclaw, Polen) lebenden Kunstmaler Robert Karl Pollog gestaltet.

Sie hatten zunächst ihren Platz links und rechts im Altarraum.

Je zwei Fenster der Nordseite und der Südseite des Kirchenschiffs wollte man ähnlich den Fenstern in der Kirche in Hamberge als Gedächtnisfenster für die Gefallenen des ersten Weltkriegs von dem Künstler Erich Klahn gestalten lassen. Doch das war aus finanziellen Gründen nicht zu realisieren. Ab 1940 wurde die Erneuerung dieser Fenster erneut geplant und im März 1943 an die Hamburger Firma Ch. Kuball in Auftrag gegeben. Wenige Tage nach dem Einbau der neuen Glasfenster wird die Hamburger Firma ausgebomt und alle Unterlagen werden dabei zerstört. Ein Gedächtnisfenster sollerst nach dem Krieg angefertigt werden Im Jahr 1954/55 entscheidert sich der Kirchenvorstand gegen ein Gedächtnisfenster. Stattdessen sol der Ehrenfriedhof erweitert werden.

 

 

Die Apostelfenster [Bild 27]

 

Das dritte Fenster an der Nordseite gilt als das "Musikfenster". In der oberen Rosette, zur Orgel blickend ist ein Porträt von Johann Sebastian Bach dargestellt. In den beiden Fensterteilen unter der Orgelempore sind die Sprüche zu lesen aus dem 100. Psalm: "Jauchzet dem Herrn alle Welt. Dienet dem Herrn mit Freuden, kommt vor sein Angesicht mit Frohlocken" und von Martin Luther: "Der schönsten und herrlichsten Gaben Gottes eine ist die Musica, damit man viel Anfechtung und böse Gedanken vertreibet". Es stammt wie das Lutherfenster von dem Glasmaler und Künstler Erich Klahn aus den zwanziger Jahren. Es soll an die Gründung des Bachchores durch Pastor Stoldt 1924 erinnern.

 

Das Musikfenster [Bild 28]

 

 

Das Patronat / das Patronatsgestühl

 

Schleswig-Holstein gehörte in der Kaiserzeit zu Preußen. Der König von Preußen war damit Bischof der Landeskirche. Auch die Kirchengemeinden waren hierarchisch gegliedert: Oberster der Kirchengemeinde war der Patron. Er war der Dienstherr des Pastors. In der Kirchengemeinde Klein Wesenberg war stets der Gutsherr von Trenthorst Patron der Gemeinde. Der Pastor schlug ihm drei Kirchenälteste zur Ernennung vor. Die Gemeindeglieder wählten insgesamt sechs Kirchenvorsteher, zwei aus Klein Wesenberg, einer aus Groß oder Klein Barnitz, einer aus Westerau, zwei aus Klein Schenkenberg, Trenthorst oder Reeke. Ab 1910 kamen noch zwei aus Groß Wesenberg hinzu. Nach dem Ende des ersten Weltkrieges wurde diese hierarchische Struktur abgeschafft. Die Kirchengemeinden hatten keinen Patron mehr, doch Kirchenältste durften vom Pastor neben den gewählten Kirchenvorstehern noch ernannt werden. Der Klein Wesenberger Pastor Böhmke machte bis 1945 von dieser Möglichkeit noch Gebrauch.

Der Patron hatte seinen eigenen Platz in der Kirche, das „Patronatsgestühl“, eine Empore gegenüber der Kanzel mit seperatem Eingang, um nicht mit dem gemeinen Kirchenvolk in Berührung zu kommen. Das Patronatsgestühl war etwa einen halben Meter höher als die Kanzel und Fenster zum Herablassen. Damit konnte der Patron dem Pastor deutlich machen, dass ihn seine Predigt nicht interessiert und es wurde deutlich, wer in der Kirche das Sagen hatte.
1962 wurden im Zuge der Kirchenrestaurierung das Patronatsgestühl und der Treppenaufgang abgebaut.

Vom Patronatsgestühl sind nur noch fünf eichene Reliefs erhalten, drei sind unter dem Kruzifix angebracht, zwei hängen an der Wand daneben. Sie stellen folgende biblischen Begebenheiten dar (von links nach rechts):

 

Bergpredigt: Jesus lehrt das Volk und tut Wunder (Lukas 6,17)

Jesus lehrt im Tempel und diskutiert mit den Schriftgelehrten (Lukas 2,41)

Jesus trägt das Kreuz nach Golgatha (Lukas 23,26)

der auferstandene Christus begegnet zwei Jüngern auf dem Weg nach Emaus (Lukas 24,15)

Christus fährt in den Himmel  (Luikas 24,50)

 

 

 

Die Reliefs vom Patronatsgestühl [Bild 29]

 

Das Wetke´sche Wappen

 

Seit 1672 war über Jahrhunderte das Geschlecht von Wetken Gutsherr des Gutes Trenthorst und damit Patron der Kirchengemeinde Klein Wesenberg. Erster Gutsherr war Thomas von Wetken. In seiner Zeit wurde die Kanzel repariert und der Altar „verbessert“. 1695 leistet sein Sohn Detlev von Wetken auf Trenthorst den Huldigungseid für den König von Dänemark

Das Familienwappen derer von Wetken war am Patronatsgestühl angebracht und hatte eine so große Bedeutung, dass man es am 30. April 1882 aus der brennenden Kirche rettete.

Heute ist das Wappen an der Orgelempore angebracht.

 

 

Das Wappen an der Orgelempore [Bild 30]

 

 

Der Opferstock

 

 

Bei Reparaturarbeiten am Turm wurde der Opferstock aus der alten 1882 abgebrannten Kirche gefunden. Er hatte dort oben über ein Jahrhundert lang unbeachtet gelegen, wurde im März 2017 vom Küster mit einem Helfer herunter transportiert, restauriert und am Eingang der Kirche wieder aufgestellt. Der Opferstock besteht aus einem einzigen dicken Eichenklotz. Die Kosten für die Restaurierung wurden vom „Verein für die Kirchensanierung in Klein Wesenberg (Kirchenbauverein)“ übernommen.

Früher wurden Opfer für die Armen der Gemeinde in ihm gesammelt und er wurde einmal im Jahr geöffnet. Heute werden Kollekten für die Kirchengemeinde gesammelt und er wird nach jedem Gottesdienst geöffnet.

 

 
                                                        Der Opferstock  [Bild 31]

Die „Hochzeitstreppe“

 

 

Eine weitere Besonderheit ist die „Hochzeitstreppe“. Damit Brautpaare auf ihrem Weg zur kirchlichen Trauung nicht über den Friedhof gehen müssen, hat man eine Treppe von der Hauptstraße hinauf zur Kirche angelegt. Hierfür wurde 1911 eine Bauzeichnung genehmigt. 2015 wurde die Treppe restauriert.

 

Die Hochzeitstreppe [Bild 32]

 

 

Der Ehrenfriedhof

Bereits wenige Monate nach dem Ende des ersten Weltkrieges, am 19. Januar 1919, plante man auf einer Kirchenvorstandssitzung die Anlage eines Ehrenfriedhofes für die Gefallenen des ersten Weltkrieges auf dem Friedhof in Klein Wesenberg. Am Nachmittag des 11. Juni 1922 fand die Einweihung des Ehrenmals  mit Kranzniederlegung statt. Für jeden der 76 aus dem Kirchspiel Klein Wesenberg kommenden im Weltkrieg Gefallenen wurde ein großer Feldstein aufgestellt, in welchem sein Name, sein Geburtsdatum, und sein Todestag eingraviert wurden, teilweise auch der Dienstrang beim Militär und der Ort, an welchem er gefallen war.

1954 wurde der Ehrenfriedhof für die 107 Gefallenen des zweiten Weltkrieges erweitert und 107 Feldsteine hinzugefügt.

 

 

Gedenksteine auf dem Ehrenfriedhof [Bild 33]

 

 

Das Poel´sche Vermächtnis

 

Der Trenthorster Gutsdirektor Karl Poel hat 1943 der Kirchengemeinde Klein Wesenberg sein Barvermögen und ein Haus in Reinfeld, welches heute von der dortigen Kirchengemeinde als Kindertagesstätte genutzt wird, hinterlassen. In seinem Testament hat er verfügt: „Aus möglichen Zinserträgen sollen die Ältesten, Ärmsten und Kränkesten der Kirchengemeinde unterstützt werden“ und dass die Kirchengemeinde auf Dauer einen Familiengrabplatz unterhalten soll.

 

Die poel´schen Familiengräber [Bild 34]

 

 

Die Kirche am Jakobsweg

 

 

Die Klein Wesenberger Kirche liegt an der via baltica des Jakobsweges welcher 2009 eröffnet wurde und weitgehend dem Stormarnwanderweg und dem Hanseatenweg folgt. Viele Pilgerinnen und Pilger nutzen deshalb die Gelegenheit, machen an der Kirche Rast und übernachten in der Pilgerherberge im Gemeindehaus.

 

 

Wanderzeichen für Pilger [Bild 35]

 

Eine Europäische Fernveloroute und der Radwanderweg „Karpfentour“ der schleswig-holsteinischen Kirchenrouten führt an der Kirche vorbei.

Im Sommer 2015 wurde unterhalb der Kirche an der Trave ein Bootsanlegesteg errichtet. Nun können auch Wasserwanderer an der Kirche rasten.

 

 

Begrüßungsstein für Pilger [Bild 36]

 

 

 

Die Kirche und der Naturschutz

 

 

Im Zuge der Dachsanierung wurden 2012 unmittelbar unter dem Dach Einflugschlitze für Fledermäuse angelegt und auf dem Boden oberhalb des Gewölbes wurden Nistkästen für die Fledermäuse zum Überwintern angebracht. Diese waren von Schülerinnen und Schülern des OzD (Oberschule zum Dom) Lübeck unter Anleitung des NABU angefertigt worden.

Auf dem Kirchturm nisten Turmfalken.

 

 

Einflugloch für Fledermäuse [Bild 37]

 

Die Kirche wurde vom NABU mit der Plakette „Lebensraum Kirchturm“ ausgezeichnet. Dies wurde an der Kirche angebracht.

 

 

Plakette des NABU [Bild 38]

 

Seit vielen Jahren lässt sich immer wieder jeweils im März in einem Storchennest am Pfarrhaus / Gemeindehaus ein Storchenpaar nieder, brütet, zieht die Jungen auf und begibt sich Ende August wieder auf die lange Reise gen Süden.

 

 

Die Störche hoch oben im Nest [Bild 39]

 

 

 

Bildernachweis

Bild   1: Die alte Kirche von 1186 (Federzeichnung): Archivbild

Bild   2: Der Lageplan vom Kirchberg 1836: Archivbild

Bild   3: Die Ruine nach dem Brand von 1882: Archivbild

Bild   4: Die neuerbaute Kirche 1885: Archivbild

Bild   5: Die erste Brücke über die Trave: Archivbild

Bild   6: Der Altarraum nach 1911: Archivbild

Bild   7: Die Kirche von Groß Wesenberg aus gesehen: Christian Uecker †, Klein Wesenberg

Bild   8: Das alte Pastorat und Gemeindehaus: Archivbild

Bild   9: Das neue Gemeindehaus: Erhard Graf, Klein Wesenberg

Bild 10: Der Sterntaler-Kindergarten: Christian Uecker †, Klein Wesenberg

Bild 11: Kachel zum Chorjubiläum: Ulrich von Papen †, Klein Wesenberg

Bild 12: Die Kirche bei Nacht: Erhard Graf, Klein Wesenberg

Bild 13: Die Dachsanierung: Klaus-Rainer Martin, Klein Wesenberg

Bild 14: Ein Kerzen-Kronleuchter: Klaus-Rainer Martin, Klein Wesenberg

Bild 15: Der historische Taufstein: Klaus-Rainer Martin, Klein Wesenberg

Bild 16: Das Kruzifix: Klaus-Rainer Martin, Klein Wesenberg

Bild 17: Die Kanzel: Klaus-Rainer Martin, Klein Wesenberg

Bild 18: Der Altar: Klaus-Rainer Martin, Klein Wesenberg

Bild 19: Der Krankenabendmahlskelch: Erhard Graf, Klein Wesenberg

Bild 20: Die alte Altarplatte: Klaus-Rainer Martin, Klein Wesenberg

Bild 21: Die alte Grabplatte in der Kirche: Klaus-Rainer Martin, Klein Wesenberg

Bild 22: Die Orgel: Christian Uecker †, Klein Wesenberg

Bild 23: Eine der drei Glocken: Erhard Graf, Klein Wesenberg

Bild 24: Das Uhrwerk der Turmuhr: Erhard Graf, Klein Wesenberg

Bild 25: Das Lutherfenster: Klaus-Rainer Martin, Klein Wesenberg

Bild 26: Das Auferstehungsfenster: Klaus-Rainer Martin, Klein Wesenberg

Bild 27: Die Apostelfenster: Klaus-Rainer Martin, Klein Wesenberg

Bild 28: Das Musikfenster: Klaus-Rainer Martin, Klein Wesenberg

Bild 29: Die Reliefs vom Patronatsgestühl: Klaus-Rainer Martin, Klein Wesenberg

Bild 30: Das Wappen an der Orgelempore: Klaus-Rainer Martin, Klein Wesenberg

Bild 31: Der Opferstock: Klaus-Rainer Martin, Klein Wesenberg

Bild 32: Die Hochzeitstreppe: Klaus-Rainer Martin, Klein Wesenberg

Bild 33: Der Ehrenfriedhof: Christian Uecker †, Klein Wesenberg

Bild 34: Die poel´schen Familiengräber: Klaus-Rainer Martin, Klein Wesenberg

Bild 35: Wanderzeichen für Pilger: Erhard Graf, Klein Wesenberg

Bild 36: Begrüßungsstein für Pilger: Klaus-Rainer Martin, Klein Wesenberg

Bild 37: Einflugloch für Fledermäuse: Klaus-Rainer Martin, Klein Wesenberg

Bild 38: NABU-Plakette: Klaus-Rainer Martin, Klein Wesenberg

Bild 39: Die Störche hoch oben im Nest: Erhard Graf, Klein Wesenberg



 

Weitere Informationen

 

 zur Geschichte der evangelischen Kirche und der Kirchengemeinde Klein Wesenbergs:

 

Klaus-Rainer Martin:

"Die evangelische Kirche in unruhigen Zeiten"

über fünfzig Jahre Deutsche Geschichte am Beispiel einer Dorfgemeinde 1901 – 1953

2015 (ISBN: 978-3-7103-2175-7)

Die erste Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts war eine unruhige Zeit für die Welt, für Deutschland, für die evangelische Kirche und für das schleswig-holsteinische Dorf Klein Wesenberg, südwestlich von Lübeck an der Trave gelegen.
In dem vorliegenden Buch wird dargestellt, wie sich die evangelische Kirche vor und während des ersten Weltkrieges, in der Weimarer Republik, während der Nazi-Herrschaft vor und während des zweiten Weltkrieges und im Nachkriegsdeutschland verhalten hat, wo sie ein Stützpfeiler der jeweils Herrschenden war, wo sie hätte Stellung beziehen müssen, aber geschwiegen hat und wo sie oder einzelne Vertreter der Kirche persönlich schuldig geworden sind und wie sie damit nach dem Ende der Nazi-Herrschaft 1945 umgegangen ist. Dabei wird der Versuch gewagt, nicht nur die großen Linien der Politik und des kirchlichen Handelns nachzuzeichnen, sondern das Schicksal einzelner Menschen, gleich ob sie Handelnde waren oder Opfer ihrer jeweiligen Zeit wurden.

 

Impressum

Texte: zusammengestellt aus Archivmaterial
Tag der Veröffentlichung: 29.11.2015

Alle Rechte vorbehalten

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