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Damals in Prag

Ein paar Tage im August 1968 sind mir bis heute in Erinnerung geblieben.

Am 02. Mai 1968 wurde ich mit fast 20 Jahren einberufen um meinen „Ehrendienst für unsere Deutsche Demokratische Republik“ ,wie es damals so hieß anzutreten.

Treffpunkt war am Leipziger Hauptbahnhof. Hier wurde ich mit anderen Jungs von Angehörigen der Volksmarine in Empfang genommen. Mit dem Zug ging es dann nach Stralsund / Dänholm. Hier war eine große Kaserne in der wir unsere Grundausbildung in vier Wochen durch laufen mussten. Es war kein Zuckerschlecken, denn hier wollte man uns zu richtigen Männern machen, die im Ernstfall auch ihr Leben für unsere sozialistische Heimat geben würden, sollte der Klassenfeind uns angreifen.

Wer von den Jungs, mich eingeschlossen, dachte damals schon an dem Tod. Uns wurde täglich eingehämmert, dass wir ständig auf der Hut und wachsam sein müssen, denn der Klassenfeind lauert überall. Der Klassenfeind waren alle die Staaten die nicht zum sozialistischen Weltsystem gehören.

Nach der Grundausbildung wurden wir dann endlich in die Einheiten versetzt, die für uns zugedacht wurden.

Ich kam nach Gelbensande. Das erste was mir hier auffiel war, ich grüßte einen Unteroffizier, einen Maat, wie es in der Marine heißt. Der kam auf mich zu und erklärte mir: „Du bist jetzt nicht mehr in der Grundausbildung. Hier in der Einheit werden nur Berufssoldaten und Offiziere gegrüßt. Vergiss das nicht.“

Auf meine Frage wo den die Ostsee sei, erhielt ich die Antwort lachend, die sei einige Kilometer entfernt. Wir sind hier im Wald in einer Spezialeinheit!

Marine im Wald?

Wir wurden dann in einem großen Saal vom Dienststellenleiter empfangen. Von ihm erfuhren wir was uns hier erwarten wird. Nach seiner Begrüßung sahen wir dann gemeinsam noch einen Film über den Alltag in dieser Dienstelle die sich SKA nannte an, was so viel wie „Spezial Küstenartillerie Abteilung“ hieß.

Diese Einheit bekämpfte Seeziele mit Flügelgeschossen. Heute sagt man Marschflugkörper dazu. Einfacher gesagt diese waren ähnlich der V 1.

Hier wurde ich als Triebwerksmechaniker ausgebildet. Also nichts mit Seefahrerei.

Wir waren Waldmarine mit Spezialauftrag.

So vergingen die Tage mit Ausbildung und Überprüfungen, denn die Einsatzbereitschaft musste stets gewährleistet sein.

Irgendwie erfuhren wir dann, dass sich in Prag etwas anbahnte.

Am 21.August 1968 brach dann der „Prager Frühling“ aus der in die Geschichte eingehen sollte.

Uns wurde an diesen Tagen immer wieder gesagt die Konterrevolution marschiert.

Auch wir waren in höchster Alarmbereitschaft. Kein Ausgang, Kein Urlaub. Wir schliefen mit unseren scharfen Waffen. Die Vorgesetzten waren wie ausgewechselt. Sicherlich wusste auch Keiner von ihnen was noch zu erwarten ist. Hatten sie vielleicht Angst, weil sie ein zweites Ungarn befürchteten?

Denn das die UDSSR auch diesen Aufstand zerschlagen wird war anzunehmen.

Der Einmarsch erfolgte dann ja auch auf Bitten der CSSR, wie man es uns einbläute.

Erst im Oktober zog in unserer Einheit wieder normales Leben ein. Alle waren froh.

 

Impressum

Texte: Ulf Heimann
Bildmaterialien: freie pixabay Bilder
Tag der Veröffentlichung: 01.08.2018

Alle Rechte vorbehalten

Widmung:
87. Dear Diary Wettbewerb.

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