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Titel

Junghexe Lisa

 

"Wie alles begann ..."

 

Inhaltsverzeichnis

Auskunft über Familie Berger

 

Prolog

 

Der letzte (halbwegs) normale Abend in Hause Berger

 

Kein Morgen wie jeder andere

 

Unverhofft kommt oft

 

Unglaubliche Erkenntnisse

 

Ein unerwartetes Geburtstagsgeschenk

 

Ein unerwarteter Ausflug nach Kitzbühel (1. Akt)

 

Eine unerwartete Reise in die Vergangenheit

 

Ein unerwarteter Ausflug nach Kitzbühel (2. Akt)

 

Lisa zu Besuch in der 4. Dimension

 

Übermut tut selten gut

 

Zuviel Neugier bereitet mitunter Kopfpein

 

Aller Anfang ist schwer!

Auskunft über Familie Berger

• zwei Elternteile,

• eine Tochter im Alter von 14 Jahren,

• eine Hauskatze der Rasse amerikanisch Kurzhaar,

• ein 100 m² großes Einfamilienhaus im Norden der

Marktgemeinde Puchberg am Schneeberg gelegen,

 

Familienoberhaupt: Robert-Alois Berger: geschätzter und angesehener Direktor der örtlichen Hauptschule. Er weiß wie seine Gattin in fast jeder Situation einen Rat und hat stets eine passende Ausrede parat, wenn´s die Situation wieder mal erfordert.

 

Ehegattin: Martina Berger: erfolgreiche und bekannte Schriftstellerin im Bereich der Kriminalromane. Sie ist die gute Seele des Hauses und hat, wenngleich Tochter Lisa oft anderer Meinung sein mag immer ein offenes Ohr für die Sorgen und Probleme ihrer Familie.

 

Tochter: Lisa-Marie Berger: 14 Jahre und der jüngste Spross im Familien-Clan. Eine gute Schülerin mit ebenso guten Noten in der Schule. Oftmals wird sie Giftzwerg oder Streberin genannt, was sie ebenso wenig wie Regenwetter am Wochenende leiden kann. Was sie jedoch am allerwenigsten mag, ist, wenn man sie bei ihrem Doppelnamen: Lisa-Marie ruft oder benennt!

 

Das Haustier: Bobby: Der kohlrabenschwarze Kater der Rasse amerikanisch Kurzhaar ist Lisa´s großer Liebling. Bobby hütet ein kleines Geheimnis, wohinter das Mädchen an seinem 14. Geburtstag kommen wird; wobei Lisa´s Reaktion auf diese Erkenntnis hin nicht gerade harmlos ausfallen wird, so viel sei gewiss liebe Leser!

 

Jedoch der langen Rede kurzer Sinn: Wer Familie Berger nicht näher kennt, würde sie für eine typische 0815 Familie aus dem Schneebergland halten. Wobei all jene Leute, denen es mal zuteilwurde sie näher kennenzulernen, mehr als nur überrascht waren, wenn sie hinter ihr >Familien-Geheimnis< gekommen waren!

Prolog

Hexen, Magier und Zauberer, diese magischen und zauberhaften auf ihren Besen durch die Lüfte fliegenden Geschöpfe sind doch nur Erfindung aus Zeiten der Gebrüder Grimm oder wie man heutzutage sagen würde: >ein Gespinst aus Film und Fernsehen<, werden viele von euch nun denken mögen, oder?

Aber jeder, der diesen Standpunkt vertritt, irrt gewaltig! Denn wenngleich es die meisten Sterblichen nicht wahrhaben oder glauben wollen existieren sie tatsächlich und leben bis heute, wenngleich in den meisten Fällen unerkannt, direkt unter uns! Und die meisten das könnt ihr glauben, liebe Leser sind besser, als es ihr Ruf allgemein hin verlautbaren lässt!

Wobei das späte Mittelalter im guten alten Europa wahrlich keine angenehme Zeit für die magisch-mystische Zunft gewesen ist! Wurde doch von 1450 bis ins späte Jahr 1750 gnadenlos Jagd auf Hexen, Magier, Zauberer, Wicca, Esoteriker sowie deren Anhängern gemacht, wodurch abertausende Menschen auf barbarische Weise am Scheiterhaufen bei lebendigem Leib verbrannt oder schlimmer, durch den Tauchstuhl elendig ertränkt wurden, um sie öffentlich hinzurichten; wenngleich im Gegenzug aber niemand jemals einen 100%igen Beweis dafür erbringen konnte, dass diese verhafteten, gequälten und oftmals zu Tode gefolterten Seelen tatsächlich echte Hexen, Wicca oder Magier mit magischen Kräften gewesen sind!

Denn genügte im Mittelalter bereits die kleinste Anschuldigung und man hatte eine Anzeige wie Anklage wegen Hexerei am Hals, mit fast immer tödlichem Ausgang wohlweislich!

Aber haben letztendlich, trotz dieser gnadenlosen Hexenjagd, mehr als genug dieses finstere Kapitel der Menschheitsgeschichte überlebt, sodass sie heutzutage endlich das Leben führen können, wovon sie im dunklen Mittelalter noch nicht einmal zu Träumen wagten! Haargenau wie Familie Berger aus dem beschaulichen Kurort Puchberg am Schneeberg, im namensgebenden Schneebergland, in der Alpenrepublik Österreich gelegen!

 

Und obwohl Familie Berger für viele unwissende Sterbliche wie eine gewöhnliche 0815 Familie wirken mag:

 

• zwei Elternteile,

• eine Tochter im Alter von 14 Jahren,

• eine Hauskatze der Rasse amerikanisch Kurzhaar,

• ein 100 m² großes Einfamilienhaus im Norden der Marktgemeinde Puchberg am Schneeberg gelegen,

 

Hegen sie allesamt dennoch ein Geheimnis, worüber nur die wenigsten sterblichen Bescheid wissen! Und die paar wenigen sterblichen Leute, die darüber eingeweiht sind, waren bei deren Erkenntnis mehr als nur erstaunt über die wahre Identität von Familie Berger, da fast alle von ihnen zuvor nicht an Hexen & Co. geglaubt hatten, bzw. es nicht in Betracht gezogen haben, dass es sie in Wahrheit tatsächlich geben könnte!

Der letzte (halbwegs) normale Abend in Hause Berger

Freitagabend war´s an diesem 16. Juni 2017, Familie Berger saß vereint in der Küche, um das Abendessen zu bereiten; was besonders Lisa immer wieder große Freude bereitet, da sie ist, was sie ist: eine Köchin aus Leidenschaft. Eifrig und geschwind schälte sie einen Erdapfel nach dem nächsten für die Vorspeise, des heutigen Abendessens: Erdapfelsuppe, ab.

Guter Laune und mit sich und der Welt zufrieden fragte sie in die illustre Runde: „Papa, Mama sagt doch mal: Machts euch was aus, wenn ich diesmal die Erdapfelsuppe koche?“

„Nur zu“, begann ihre Mutter, unterbrach ihre Arbeit und blickte vom Schneidbrett auf, „denn dann weiß ich, dass sie lecker wird, im Gegensatz zu letzter Woche: Stimmt´s oder hab ich recht?“ Lisa musste sich ein Lachen verkneifen, da sie wusste, worauf ihre Mutter anspielte.

Martina ließ ihren verschmitzten Blick zu ihrem Gatten rechts von sich weiterwandern - auf ihren Lippen begann sich ein hintergründiges Grinsen abzuzeichnen. Verstohlen beäugte sie ihn und wartete jedoch vergeblich auf eine Reaktion, denn Robert hatte gerade andere Sorgen im Sinn, als auf ihre neckischen Frotzeleien zu achten, geschweige denn darauf einzugehen!

„Jetzt komm schon“, murmelte der Herr des Hauses genervt vor sich hin. „So was Blödes wie dich hat die Welt doch noch nicht gesehen, alles was recht ist“, denn das Küchenmesser, mit dem er das Rotkraut in der Mitte teilen wollte, blieb unerwartet stecken und rührte sich keinen Millimeter mehr vor oder zurück.

„Du, Papa“, begann Lisa vorsichtig, von ihrer Arbeit aufblickend, „kann´s sein, dass du ein klein wenig Hilfe brauchst?“, das Mädchen wusste: Jetzt ein falsches Wort zur falschen Sekunde und es geschieht ein Unglück; wenngleich auf verbaler Ebene.

„Das wäre nicht verkehrt, Lisa, ehe wir ein neues Küchenfenster brauchen, weil ...“

„Weil du das widerspenstige Kraut samt dem Messer drin durch selbiges geschlossenes geworfen hast“, beendete sie mit frechem Kichern den Satz ihres Vaters, doch bemerkte sie schnell, welchen Fehler sie beging: Angstvoll zuckte das Mädel tief in sich zusammen, da es die Folgen seines Handelns fürchtete - allerdings kommt´s anders als gedacht!

Mit finsterer Miene starrte Robert seine Tochter an, jedoch bemühte er sich, ruhig zu bleiben. „Wenn du denn bitte die Güte hättest, versuche dich doch mal wie dereinst junge Artus und zieh mir bitte das gottverdammte Messer aus dem Kraut, ehe hier wirklich noch ein Unglück passiert und wir tatsächlich ein neues Küchenfenster brauchen!“, und zeigte demonstrativ auf das Objekt der Tücke und Lisa, die atmete erst mal erleichtert auf, ehe sie neckisch verlautbarte, was ihr gerade durchs blonde Köpfchen spukte:

„Und ich dachte immer, dass Artus dereinst ein Schwert namens Excalibur aus ´nem Stein und kein ordinäres Messer aus ´nem widerspenstigen Krautkopf zog, wodurch er zum ersten König von ganz England wurde! Na ja, dann werden die Geschichtsbücher eben umgeschrieben werden müssen“, setzte Lisa frech wie Oskar hinzu, wo sie bei Letzterem nicht anders konnte als schadenfroh loszukichern, während sie sich vom Küchensessel erhob.

Das Einzige was Robert verlautbarte, war ein Gemurmel das niemand, außer er selbst wohl, verstanden hatte. Und Martina, die schloss sich wiederum ihrer Tochter an; auch sie musste neckisch kichern, was seiner Laune aber in keinster Weise zuträglich war, um sie aufzuhellen.

Das Mädel trat vor seinen Vater an den Tisch heran, packte das Küchenmesser mit festem Griff und zog eifrig drauf los. Ein „Hauruck“ folgte und das widerspenstige Messer war befreit und Robert zutiefst erleichtert. „Danke, Schatz“, mehr sagte er nicht, denn die in ihm aufkommende Erleichterung sprach für sich selbst.

„Ach, nichts zu danken, Papa“, erwiderte Lisa und lächelte ihren Vater freundlich an, nahm sogleich wieder Platz und er brachte seiner Tochter dasselbe Lächeln mit gleicher Güte und Herzenswärme zurück.

„Und nun zu uns beiden“, begann er sodann um einiges ernster in der Stimme werdend und wandte den Blick seiner Gattin mit verschlagenem Grinsen zu, „glaub bitte ja nicht, dass ich deine neckischen Sticheleien vorhin so mir nichts, dir nichts überhört hab“, und wartete eine Reaktion ab – jedoch würde er lange, auf diese warten müssen; Martina fühlte sich ertappt und schnippelte gewissenhaft an ihren Hähnchenfilets rum und sprach kein Wort; dies käme ihr einem Schuldeingeständnis gleich und bedeutete eine Blöße, die sie sich hier und jetzt nicht geben wollte! „Was ich sagen wollte, war: Ihr beide, du und Lisa wisst doch ganz genau: Erdapfel sowie Knoblauchsuppe sind noch nie meine große Stärke gewesen! Jedoch wolltet ihr beide es letzte Woche Freitag um jeden Preis der Welt wissen und das Endergebnis war ...“

„Eine Suppe zum auf und davonrennen“, beendete Lisa keck den Satz ihres Vaters und begann herzhaft zu lachen - man merkte, dass es sie herzhaft amüsierte, wenn sie an letzte Woche und die >Erdapfelsuppe á la Robert Berger<, zurückdachte – auch ihre Mutter musste im geheimen Mitlachen, da es ansteckend auf sie wirkte.

„Ja, ja, mach dich nur wieder lustig über meine Kochkünste!“, maulte ihr Vater vor sich hin. „Aber glaub mir, Lisa: Es ist bis heute noch kein Meister vom Himmel gefallen!“

„Ja, stimmt, Papa, da muss ich dir vollkommen zustimmen“, musste sich das Mädchen dennoch eingestehen. „Aber man wird doch ab und zu mal einen kleinen Scherz machen dürfen, oder?“

„Da spricht doch nichts dagegen“, sagte ihr Vater offenherzig. „Oder hast du nicht bemerkt, wie ich dir geantwortet hab?“, wobei dies dermaßen rhetorisch war, dass es keiner Antwort mehr bedurfte!

Genauso schnell wie die Küchenarbeit flog auch die Zeit dahin; Robert blickte auf seine Armbanduhr und stellte mit Erstaunen fest: „Oh, gleich sieben Uhr abends“, und wandte sich an seinen jüngsten Spross: „Du, Lisa“, begann er und sah seine Tochter freundlich an.

„Ja, Papa?“, fragte diese neugierig, doch konzentrierte sie sich weiterhin auf ihre Arbeit: Die Erdäpfel in kleine Würfel zu schneiden.

„Du hast mich doch heute Nachmittag gebeten, dir Bescheid zu geben, wenn´s sieben Uhr abends wird“ Lisa nickte nur, „und in haargenau einer Minute wird´s sieben!“

Das Mädel machte Augen groß wie ein Scheunentor und rief zutiefst erschrocken: „Um Himmels willen, danke, Papa, darauf hätte ich doch fast vergessen, wenn du mich jetzt nicht daran erinnert hättest!“, und ließ die Arbeit, Arbeit sein, sprang wie von der Hummel ins Hinterteil gestochen vom Küchensessel auf und rannte wie die Furie in höchsteigener Person zum Spülbecken rüber.

„Was ist denn jetzt los, Lisa?“, fragte Robert verdutzt, da er mit solch einer überhasteten Reaktion seitens seiner Tochter nicht gerechnet hatte.

„Na, was wohl?“, brachte sie ihm rhetorisch entgegen und wusch sich eifrig die Hände. „Papa, sag doch mal ehrlich: Willst du denn etwa, dass die Fernbedienungen von Fernseher und Receiver nach rohen Erdäpfeln riechen, sowie von deren Stärke verklebt sind?“ Robert hielt´s für ´ne rhetorische Frage und beantwortete sie nicht, sondern begann hektisch nach besagten Fernbedienungen zu suchen – doch fand er sie zu seinem Leidwesen aber nirgends.

„Frage mich, wo der Schwachsinn, der sich Fernbedienung nennt, schon wieder steckt“, dachte er verärgert. „Und bloß gut, dass sie grad mit Händewaschen beschäftigt ist!“, und vergewisserte sich, ob die Luft rein ist, um Magie ins Spiel bringen zu können - sie war es.

Einen flinken Fingerzeig später, schaltete sich fast wie durch Geisterhand der LED-Fernseher in der linken Ecke der Küche ein, währenddessen der Kabel-Receiver auf Programmplatz 24, den Disney-Channel schaltete.

„Tja, mit ´ner Prise Magie geht nun mal vieles leichter von der Hand“, dachte er und war mit sich und seinem buchstäblichen Hexenwerk zufrieden - doch unverhofft, kommt nun mal oft, wie er sogleich feststellen muss!

„Papa“, begann Lisa ernst und ließ ihren Blick von der Abwasch rüber in die Richtung der ihres Vaters am Küchentisch wandern.

„Äh, ja, Lisa“, gab sich der indes scheinheilig, denn er fühlte sich von seiner Tochter mehr als nur ertappt; versuchte den Umstand dahinter aber, so gut es ging, zu überspielen.

„Sag an, Papa: Wie hast du denn das eben gemacht?“

„Wie soll ich was gemacht haben?“, ihr Vater gab sich nach wie vor wie der Unschuldsengel in Person, der buchstäblich auf der Harfe spielt; doch kaufte ihm Lisa dies nicht ab:

„Na, was wohl?“, entgegnete sie todernst werdend, trocknete sich die Hände ab und sah ihm Stichgerade in die azurblauen Augen. „Die Fernbedienungen für Fernseher und Receiver liegen, aus welchem Grund auch immer, hier drüben neben dem Gasherd!“, das Mädchen hielt die Fernbedienungen demonstrativ in die Luft, um seinen Worten Beweise folgen zu lassen. „Und glaub bitte ja nicht, dass ich blind wie ein Maulwurf bin und nicht gesehen hab, dass sich der Fernseher wie durch Zauberhand eingeschaltet und der Receiver ebenso von selbst auf den Disney-Channel geschaltet hatte!“

„Wer weiß, Lisa vielleicht geschah´s ja durch Zauberhand“, gab Martina mit einem Lächeln ihren Senf der Konversation bei.

„So´n Schwachsinn aber auch“, brachte Lisa ihrer Mutter mit skeptischem Gesichtsausdruck entgegen, und ging an ihren Platz zurück. „Als ob´s denn so was wie Magie und Hexerei im wirklichen Leben geben würde“, das Mädel schüttelte wirsch den Kopf, da es nicht verstand, wie seine Mutter bloß auf die Annahme kam, dass Magie und Hexerei reell sein könnte.

Allerdings begann gerade die neue Folge ihrer Lieblingsserie im Fernsehen anzulaufen. „Au toll“, rief sie vor Freude. „Auf die neue Folge von: >Sabrina - total verhext<, freue ich mich schon die ganze Woche lang!“, und nahm sie kaum wieder auf ihrem Küchensessel Platz, warfen sich ihre Eltern eindeutige und unmissverständliche Blicke zu - beide erhoben sich kurz darauf von ihren Stühlen und verließen wortlos die Küche.

Draußen im Vorzimmer, außer Hörweite ihrer Tochter, blieben sie stehen – Martina wurde reichlich ungehalten ihrem Göttergatten gegenüber: „Sei bloß froh, dass sie nicht an echte Hexen und Magier glaubt! >sei bloß froh, Robert<, mehr sag ich nicht!“

„Ja, stimmt, Liebling: Du hast ja recht“, gestand sich dieser ziemlich kleinlaut ein. „Weißt du, Schatz: Ich hätte, wie mir scheint echt vorsichtiger sein Müssen; aber wie so üblich konnte ich diese depperten Fernbedienungen nirgends finden! Und des Weiteren wollte ich nicht Schuld dran haben, wenn sie den Anfang der neuen Folge ihrer Lieblingsserie verpasst!“, versuchte sich Robert zu Verteidigen und in Entschuldigung zu üben.

„Ach, Schwamm drüber“, sagte Martina mit nun viel freundlicherem Gesichtsausdruck, als noch zuvor. „Im Grunde ist ja nicht viel passiert! Ferner weiß ich doch selbst am allerbesten, wie weit ich gehen kann mit meinen hintergründigen Anspielungen auf Magie und Hexerei!“

„Das weiß ich doch, Liebling“, begann nun auch Robert sanftere Worte anzustimmen, „und des Weiteren will ich deine Vernunft, deinen Intellekt und so weiter ja gar nicht infrage stellen!“

„Wo du gerade die Vernunft ansprichst, Liebling: Davon hab ich bei dir vorhin nicht allzu viel bemerkt!“

„Ja, stimmt, hohes Gericht: Schuldig, im Sinne der Anklage“, erwiderte er und machte einen beschämten Blick zu Boden, da er den Wink mit dem Zaunpfahl, den seine Gattin machte, nun wirklich nicht mehr ignorieren konnte. „Und in genau solchen Situationen beneide ich dich so was von um deine Gabe der ...“

„Mama, kommst du bitte mal? Ich bräuchte dich ganz kurz!“, rief Lisa unerwartet nach ihrer Mutter. Gemeinsam gingen Robert und Martina zurück in die Küche, um zu sehen, was denn ihre Tochter wollte.

Während Lisa die kurzweilige Unterhaltung des Fernsehens genoss, machte sie sich darauf und dran die Suppe zu kochen. Wobei die nächsten 25 Minuten, die ziemlich genaue Dauer der neuen Folge ihrer Lieblingsserie, gefühlt wie im Flug verstrichen.

Mittlerweile war die Suppe fast fertig und brauchte nur noch mit etwaigen Gewürzen abgeschmeckt zu werden. Flinken Fußes wandte sich das Mädchen dem Gewürzregal, neben dem Vorratsschrank zu und holte Salz und Pfeffer, um die Suppe nochmals nachzuwürzen.

„Papa, Mama wisst ihr was: In so mancher Situationen wär´s echt geil und natürlich von Vorteil wenn´s, denn so was wie Hexen und Magier im realen Leben geben würde“, verlautbarte Lisa nebenbei, und wandte sich wieder dem Suppentopf zu.

„Woher willst du denn so genau wissen, dass es keine Hexen und Magier im reellen Leben gibt?“, fragte Martina unbedachtem Grinsen auf den Lippen, was Lisa zu ihrem Glück nicht bemerkt hatte.

Das Mädel gab der Suppe eine Prise Pfeffer zu und konnte nicht anders, als seine Mutter skeptisch zu beäugen, als wollte es sagen: >was soll denn das jetzt bedeuten? Und wieso bist du der Meinung, dass es Hexen und Magier tatsächlich geben könnte?< Sie bemerkte diesen hintergründigen Wink mit dem Zaunpfahl nicht und verstand somit auch nicht, worauf ihre Mutter hinauswollte.

„Sag an, Mama: Was bezweckst du mit dieser Frage?“, begann sie in ernstem Ton und bedachte ihre Mutter mit einem Blick, welcher Bände sprach; wobei Skepsis und Verwirrung, die essenziellen Elemente ihrer Empfindung in diesem Augenblick waren.

„Ich wollte sagen: Woher willst du dir denn so sicher sein, dass es weder Hexen noch Magier gibt?“

„Mama bitte“, erwiderte Lisa genervt, legte den Kochlöffel bei Seite und verschränkte, wenngleich unbewusst demonstrativ die Arme vor der Brust. „Ich hoffe doch wirklich sehr, dass du das jetzt nicht ernst meinst, oder dich gar über mich lustig machen willst!“

„Oh nein, ganz und gar nicht, Lisa“, sagte Martina kopfschüttelnd, worauf Robert in selbiger Sekunde das Wort aufgriff und fortfuhr:

„Was deine Mama sagen wollte, war: Geh doch mal ins Internet und beschäftige dich mit dem Thema Hexen und Magier einmal genauer und ...“

„Papa bitte“, fuhr sie ihrem Vater rüde ins Wort, „du meinst doch jetzt hoffentlich nicht all die ganzen Esoterik-Tanten, die sich >Hexen< nennen, nur weil sie eben was vom Wahrsagen, Kartenlegen, Kaffeesatzlesen, der Esoterik und all den anderen Kram etwas verstehen! Oder wie sehe ich das?“, und musste erst mal Luft holen, um weitersprechen zu können.

„Ich jedoch meinte echte Hexen und Magier mit echten magischen Kräften, genauso wie es in all den Fernsehserien wie: Sabrina – total verhext, Bibi Blocksberg, Charmed – zauberhafte Hexen, Buffy - im Bann der Dämonen und den anderen Serien zu sehen ist, oder wie man´s aus all den Büchern und Filmen wie Harry Potter und Ähnlichem kennt! So was meinte ich! Aber glaubt mir: Cool wär´s schon, wenn´s so was geben würde! Und träumen von solchen Sachen und Leuten, wird doch hoffentlich noch erlaubt sein, oder?“, mit jeder gesprochenen Silbe nahm Lisa´s angespannte, gereizte Gefühlslage noch mehr an Intensität zu.

„Aber, Lisa ...“, versuchte ihr Vater, das Wort zu ergreifen.

„Und tu mir ferner bitte einen Gefallen: Komm mir jetzt bloß nicht mit den >Magiern< aus Las Vegas! Denn ein jeder Dorfdepp von Puchberg, der einen Funken Verstand besitzt weiß, dass das alles nur Illusion ist!“, und um sich nicht unnötig weiter aufzuregen, wandte sich das Mädchen lieber wieder seiner Suppe zu, um ihr schlussendlich noch das gewisse Maß an Pfeffer beizugeben.

Kurz darauf war die Erdapfelsuppe essfertig und bereit zum Anrichten - doch noch ehe Familie Berger Gelegenheit zum Suppe essen bekam, begann unerwartet das Telefon im elterlichen Schlafzimmer zu klingeln!

„Bleib ruhig sitzen, Papa, ich geh schon“, sagte Lisa, da ihr Vater andeutete, aufstehen zu wollen. Und noch schneller als der schwarze Blitz aus Kitz war sie auch schon im elterlichen Schlafzimmer verschwunden und somit außerhalb der Hörweite ihrer Eltern.

Zutiefst erleichtert atmete Robert auf und offenbarte seiner Gattin: „Und ich dachte schon, dass Mama gar nimmer anrufen würde“, man merkte meilenweit gegen den Wind, dass ihm ein tonnenschwerer Fels der Erleichterung vom Herzen gefallen war.

„Ja, da gebe ich dir vollkommen recht, Schatz“, sagte Martina offenherzig. „Doch wär´s aber auch kein allzu großes Wunder, wenn sie Mal auf ihre alten Tage vergesslich würde, findest du nicht auch?“

„Ja, da hast du recht: Wär´ bei Mama´s stolzen 660 Jährchen, die sie mittlerweile zu Schultern hat, echt kein großes Wunder, wenn sie auf ihre alten Tage mal ein wenig vergesslich würde, die gute!“

„Stimmt, Robert, da hast du ein nur allzu wahres Wort gelassen ausgesprochen“, meinte Martina erheitert, und fuhr nahtlos fort: „Aber jetzt wo Lisa am Telefonieren ist, können wir doch offener miteinander reden!“ Robert nickte nur. „Deswegen sag ich dir jetzt eins klipp und klar, mein Liebling: Mach dich Morgen und am Sonntag auf ordentlich was gefasst!“ Roberts Mimik schlug sich binnen Sekunden von Erleichterung in Abwehrhaltung um.

„Zuallererst: Danke für die Vorwarnung, Martina“, sagte er dankerfüllt. „Zweitens bist du mit deiner Gabe der Vorsehung echt zu beneiden, weißt du das?“

Martina musste milde lächeln, da ihr Gatte dies offenbar ohne groß nachzudenken verlautbart hatte. „Sag an, Liebling: Meinst du das etwa ernst?“, fragte sie, während ihr ein Grinsen über die Lippen huschte und sie sich eine blonde Haarsträhne aus dem Gesicht wischte. „Sag doch mal ehrlich: Bist du tatsächlich der Meinung, dass meine angeborene Gabe der Vorsehung, immer nur toll und stets von Vorteil für mich ist?“

Robert blickte seiner Gattin tief in die smaragdgrünen Augen, ehe er unüberlegt antwortete: „Ich denke, es muss doch herrlich sein, wenn man immer genau weiß, was auf einen in nächster Zeit zukommt“, und bemerkte dabei weder den Wink mit dem Zaunpfahl dahinter, noch verstand er, was seine Gattin damit aussagen wollte!

„Glaub mir, Robert“, begann sie ernst zu werden und machte einen raschen Fingerzeig zu den Hähnchenfilets auf ihrem Schneidbrett, welche sich augenblicklich durch magische Einwirkung wie von selbst aufzuschneiden begannen, „es kann in manchen Situationen echt eine Bürde sein - vor allem dann, wenn man sich mal so richtig Überraschen lassen will!“, wobei dieses Argument echt nicht mehr von der Hand zu weisen war!

„Nun ja, so gesehen, hast du ja recht“, gestand er sich spät, aber doch kleinlaut ein, wobei man 10 Meilen gegen den Wind merkte, dass dieses Eingeständnis wohl nicht gerade freiwillig über seine Lippen kam.

„Aber dennoch glaubst du mir wahrscheinlich nicht, wie schön es für mich wäre, wenn ich mich mal so richtig überraschen lassen könnte!“

„Martina, du spielst jetzt aber nicht zufällig auf deinen Geburtstag von vor 3 Jahren an, oder?“ Robert betrachtete seine Gattin neugierig und erwartete sich eine triftige Antwort von ihr.

„Treffer, versenkt“, verkündete diese offenherzig. „Weißt du: Diese kleine süße Spieldose, welche: >happy Birthday to you< spielt, die Lisa mir zum Geburtstag vor 3 Jahren geschenkt hatte, hat mir trotz alledem so gut gefallen, dass ich ihr einen Ehrenplatz auf meinem Nachttisch gab! Aber was ich damit sagen wollte, war: Es wär´ für mich trotzdem schöner gewesen, wenn ich nicht schon im Vorhinein gewusst hätte, was sie mir schenken wird!“

„Nun ja, Liebling, von dieser Warte aus betrachtet hast du natürlich vollkommen recht, das gebe ich offen und ehrlich zu“, gestand er sich abermals kleinlaut ein und seine Gattin überkam ein Grinsen, da sie wusste, welch Überwindung das ihren Göttergatten wohl gekostet haben musste, dies hier und jetzt so frank und frei zuzugeben geschweige denn es sich einzugestehen.

„Schau an, schau an: Er kann sogar mal zugeben, dass er im Unrecht ist“, dachte sie, als er da bereits fortfuhr:

„Aber sag doch mal, Liebling: Magst du mir denn nicht verraten, was Morgen so alles auf mich, dich und Mama zukommen wird?“, und wenn sein Beiname nicht Alois wäre, würde man ihn statt: >Robert-Alois<, glatt: >Robert-Neugier<, nennen, denn die Neugier ist oft sein großes Markenzeichen, vornehmlich dann, wenn es um seine eigenen Belange geht, versteht sich!

Mittlerweile waren die Hähnchenfilets, durch Zuhilfenahme magischer Zauberkraft, längst aufgeschnitten, ließ Martina sie durch einen magischen Armwink wie von Geisterhand in die Panade aus Mehl, Eiern und Semmelbrösel wandern, damit daraus im Fett gebraten, saftige Hähnchenschnitzel werden.

„Und wegen deiner Frage vorhin: Ich will dir beileibe nicht zu viel Kopfpein im Vorhinein bereiten, deswegen sage ich dir nur so viel: Der morgige Samstag sowie der Sonntag haben´s echt in sich; vor allem für deine Nerven!“, anbei konnte sie nicht über ihren Schatten springen, sie musste sich einfach ein schadenfrohes Kichern entfleuchen lassen auf diesen fragwürdigen Einblick in seine nahe Zukunft hin.

„Warum denn für meine Nerven?“, fragte Robert kopfschüttelnd und verstand den abermaligen Wink mit dem Zaunpfahl trotzdem nicht.

„Robert Liebling ich sage nur: >Kitzbühel< und >Schokomanufaktur Heißenberger< in der Kronprinz-Rudolf-Straße in besagter Skimetropole im Tiroler-Land!“, mehr offenbarte sie ihrem Gatten dann auch nicht mehr, worauf ihr erst recht ein schadenfrohes Grinsen und Kichern entfleuchte; zu Robert´s Leidwesen allerdings versteht sich!

Doch auch er, nicht vollkommen auf der Brennsuppen dahergeschwommen merkte sofort 10 Meilen gegen den Wind, dass seine Gattin viel, viel mehr wusste, als sie zugab! Jedoch um so mehr er sich auch bemühte, mehr aus ihr herauszubekommen, ließ sie sich nicht erweichen - letztendlich suchte sie sogar nach einem günstigen Themenwechsel, um eine Frage beantwortet zu bekommen, welche ihr schon seit Langem, auf den Nägeln brennt: „Robert tut mir leid, dass ich jetzt von einem komplett anderen Thema anfange, aber es gibt da was, dass ich schon sehr lang und sehr gern von dir wissen möchte!“

„Okay, Schatz. Und was wäre das?“ Robert betrachtete seine Gattin skeptisch, da er nicht wusste, worauf sie rauswollte - denn wenn´s eines gab, dass er noch weniger als Regenwetter am Wochenende leiden konnte, dann war´s die Ungewissheit generell!

„Weißt du, Liebling: Ich weiß ja schon lang, seit mindestens 150 Jahren, dass dein Papa mit der Hawaii Ananas sowie der Mango auf Kriegsfuß steht! Deswegen würd´s mich sehr interessieren, was ihn, denn an diesen beiden leckren Früchten so sehr stört, dass er jedes Mal zur sprichwörtlichen Bestie wird, wenn ich ihn darauf anspreche!“

„Oh je“, begann Robert todernst zu werden, „das ist eine lange und vor allem sehr traurige Geschichte aus meiner Kindheit, musst du wissen!“, und senkte zutiefst betrübt den Kopf und begann, scheinbar gedankenverloren auf den Küchentisch vor sich zu starren.

„Oh, das habe ich wirklich nicht gewusst, Schatz“ Martina fühlte sich tief betroffen und zeigte es ihrem Gatten auch sofort offen an. „Wenn du nicht darüber reden willst, kann ich´s sehr gut verstehen!“

„Nein, nein, schon gut, ich erzähl´s dir, jedoch in kurzer Form, da ich nicht weiß, wie lang Lisa, denn noch am Telefonieren ist!“

„Weil du grad unser liebreizendes Fräulein Tochter ansprichst“, erhob sie unerwartet die Stimme, „ich denke, dass es besser wäre, wenn du mir das, was du mir gerade erzählen wolltest, etwas später am Abend, wenn wir mit Sicherheit von ihr ungestört sind, erzählst! Denn wenn mich mein Feinfühliges gehört nicht vollkommen trügt, ist unser liebreizender Nachwuchs gerade dabei das Telefonat mit deiner Mama zu beenden!“

Und tatsächlich; sie hatte sich nicht verhört: „Okay, Oma, bis Morgen dann. Ich freue mich schon riesig auf dein Kommen zu uns, ich hab dich lieb! Tschüss und wie gesagt bis Morgen dann“, sagte Lisa und beendete sogleich das Telefonat mit ihrer Oma, legte das schnurlose Telefon zurück auf den Nachttisch ihrer Mutter und Kater Bobby, welcher die ganze Zeit über neben ihr am Bett gelegen hatte, schaute plötzlich mit eindeutig zweideutigem Blick auf.

Gefühlt wie von der Hummel mitten ins Hinterteil gestochen sprang Bobby plötzlich auf, ließ ein herzhaftes miau verlautbaren und rannte, so schnell er nur konnte raus aus dem Schlafzimmer.

Lisa überkam ein herzhaftes Lachen dabei.

„Jetzt sag bloß, dass du schon wieder Hunger hast? Bobby, schau dich doch mal an, wie rundlich du schon geworden bist!“, jedoch hörte Bobby dies nicht mehr mit; denn er kam soeben in der Küche an.

„Alarmstufe Rot oder Defcon 1, wie die Ami´s jetzt wohl sagen würden!“, rief er dermaßen außer Atem, ganz so als ob er meilenweit gelaufen wäre. „Lisa ist auf dem Weg zu euch!“

„Danke, Papa“, erwiderte Robert stehenden Fußen den Kater betrachtend. „Aber nur eins noch: Bis Morgen Vormittag bist du ihr geliebter Schmusekater namens Bobby; haben wir uns klipp und klar ausgedrückt?“, setzte er in todernstem Ton hinzu, und behielt das stolze Exemplar eines schwarzen Katers fest im Auge.

„Ja, ja, als ob man da was missverstehen könnte“, maulte dieser missmutig los. „Verstanden und zur Kenntnis genommen, Sohnemann!“, wobei diese missmutige Ansage ja doch mehr als nur zweideutig zu verstehen war; findet ihr nicht auch, liebe Leser?

„Papa“, begann Robert schlagartig todernst, wie noch selten zuvor zu werden, „es war mir noch selten etwas so ernst wie das hier, glaub mir! Denn du weißt genau, was ich dir angedroht hab, wenn du vor Lisa´s Aufklärung Morgen Vormittag deinen Schnabel aufmachen solltest! Oder willst du etwa austesten, wie viel Geduld ich mit dir hab?“, wobei es mehr die Blicke und Gestiken waren, die seine Worte voll zur Geltung brachten!

„Robert, bitte, bei allem was dir heilig ist“, rief Bobby zutiefst entsetzt. „Alles, aber bloß das nicht! Denn das würde ich keinen Tag überstehen, geschweige denn eine Woche, wie von dir Unmensch angedroht! Und das weißt du ebenso gut wie ich, du Tyrann eines Sohnemanns!“

„Ich, ein Tyrann? Na hör mal: Jetzt übertreibst du aber wieder maßlos ...“, weiter kam er nicht, denn wie´s der Teufel nun mal so wollte, stand Lisa plötzlich in der Tür, weswegen er fürchtete, dass er nun in die peinvolle Situation geraten war, sich eine passende Ausrede für seine Tochter einfallen zu lassen, falls sie mitbekommen haben sollte, dass Bobby gerade mit ihm gesprochen hatte!

 

Aber einen Moment mal, geehrte Leser: Ein Kater, der spricht und zu dem Robert das Familienoberhaupt dann auch noch >Papa< sagt? Ja, es ist sehr gut nachvollziehbar, was ihr euch jetzt denken werdet; doch glaubt mir: Dieses Mysterium wird bereits Morgen Vormittag restlos aufgeklärt sein - versprochen, liebe Leser!

Kein Morgen wie jeder andere

Die Stunden des Abends und der folgenden Nacht flogen für Familie Berger gefühlt nur so dahin bis, dass ein paar Stunden später ein neuer Tag im Schneebergland anbrach und ein jeder der Familie den neuen Tag ruhig und gelassen angehen ließ - hat ja endlich wieder das Wochenende in Puchberg am Schneeberg Einzug gehalten.

Moment, sagte ich jeder? Nein, fast jeder der Familie ließ den Samstag ruhig angehen; nämlich alle, bis auf Kater Bobby, der hatte es wieder mal eilig mit dem Erwachen! Herzhaft reckte und streckte er sich erst mal in alle erdenklichen Richtungen, gähnte herzhaft und erhob sich sodann auf Lisa´s Bett, wo er beinahe jede Nacht verbringt.

Sehr rasch, sehr heikel sprang der Kater vom Betthaupt, lief aus dem Zimmer, und raus auf den anliegenden Flur; denn er hatte wieder mal nur das eine im Sinn: >Kohldampf<, und davon reichlich! Denn wenn Bobby Hunger schiebt, hält ihn nichts und niemand auf seinem Wege auf!

Schnurstracks lief er den Flur entlang, hielt auf die Treppe im 2. Wohnzimmer im Obergeschoß zu und stürmte sie im Eilzugstempo abwärts, nahm dabei jede 2. Treppenstufe und begann sich bereits im Geiste auszumalen, welches Frühstück ihn wohl heute erwarten würde: „Bin mal echt gespannt, welches Frühstück sie mir heute wohl vorsetzen: Etwa wieder dieses leckere Rind von gestern Abend“, dem Kater lief bereits das Wasser im Munde zusammen. „Oder, ich mag´s ja gar nicht aussprechen: Leckeren Seelachs?“, so schnell er konnte, stürmte er ins Erdgeschoss und hatte sein Ziel, die Küche am Ende des Vorzimmers, schon fest im Blick.

Die Küche: Jene Räumlichkeit, wo unsere Freunde Robert und Martina schon eifrig dabei waren sich auf ihre altbewährte magische Methode das Frühstück zu bereiten. Denn was Magier vom alten Schlag wie die beiden sind, bemühen sie nur recht ungern menschliche Kräfte wie die Normalsterblichen in ihrem Umfeld; vornehmlich dann, wenn niemand der unwissenden Sterblichen mitbekommt, über welch schieren Hexenkräfte sie in Wahrheit verfügen!

Ein kurzer Fingerzeig genügte für den Herrn des Hauses und es wanderten die Herrlichkeiten, welche Kühlschrank und Magie zu bieten haben, zu ihm auf den Küchentisch herüber. Auch Gattin Martina brauchte nur einen Wink mit der Hand zu machen, schon schwebten Kaffeekanne, Milch, Zucker und zwei Kaffeetassen zu ihr an den Tisch heran.

„Weißt du, Schatz: Ich bin froh, dass wir mittlerweile das Jahr 2017 schreiben dürfen“, sagte Martina offenherzig und goss sich Kaffee in ihre Tasse ein.

„Nicht nur du, Liebling“, erwiderte Robert mit einem Lächeln. „Bin ja selbst heilfroh darüber. Aber noch froher bin ich, dass wir heutzutage nicht mehr den Tod zu fürchten brauchen, wenn wir von der Magie Gebrauch machen“, und begann sich selbst eine Tasse Kaffee einzugießen und eine Scheibe Weißbrot mit Thunfisch Aufstrich zu bestreichen – es folgten Käsewurst, Schinken, Räucherspeck, Emmentaler und Essig Gürkchen: Eben ein typisches Wochenendfrühstück, wie es dem Geschmack des Hausherrn entsprach. „Aber trotzdem ist´s gut, dass nicht ein jeder Dorfdepp über unsere wahre Identität Bescheid weiß! Findest du nicht auch?“

„Glaub mir, Sohnemann: Wahrere Worte wurden in diesem Haus wohl noch kaum ausgesprochen!“, verkündete Bobby mürrisch wie immer, da er ein wahrer Morgenmuffel ist, solange er sein Frühstück nicht bekommen hatte, als er gerade eben die Küche vom Vorzimmer her betrat. „Genügt doch vollauf, dass nur wenige eingeweihte Bescheid wissen; und sogar die sind schon zu viel, wenn du mich fragst! Denn traue keinem Sterblichen weiter, als deine Nasenspitze reicht, sag ich immer wieder!“

„Guten Morgen, Robert“, begrüßte Martina den Kater freundlich, und ihr Gatte schloss sich bedingungslos an:

„Servus, Papa.“

„Wie geht’s dir denn heute Morgen, Robert?“, fragte Martina wohlwollend und trank einen Schluck Kaffee, um erst mal richtig wach zu werden.

Bobby blieb augenblicklich vor den beiden stehen, sah mürrisch zu ihnen hoch und: „Pah! Wie soll’s mir schon gehen, wenn mir der Magen buchstäblich in den Knien hängt?“, antwortete; jedoch konnte Robert, das Familienoberhaupt hierbei nicht ernst bleiben - er musste einfach herzhaft lachen, als Bobby das verlautbart hatte.

„Papa bitte; sag an: Darf ich lachen?“, hämische Blicke trafen den stolzen Kater.

„Ich wüsste nicht, was da so lustig dran sein soll!?“, begann dieser eingeschnappt. „Im Übrigen lachst du ja eh schon über mich! Wozu also diese sinnfreie Frage, du Armleuchter?“, maulte er erzürnt vor sich hin, und bereitete sich insgeheim schon auf eine länger werdende Grundsatzdiskussion am Vormittag vor.

„Dann schau dich doch mal an, wie rundlich und geradezu pummelig du mittlerweile geworden bist!“, offenbarte Robert mit heiterem Kichern und biss herzhaft in sein Wurstbrot rein.

„In diesem Sinne muss ich meinem Göttergatten wirklich beipflichten, lieber Schwiegerpapa!“, sagte Martina mit schelmischem Grinsen auf den Lippen. „Denn eine Diät würde dir echt gut zu Gesicht stehen; findest du nicht auch?“, denn sie konnte nicht anders, fühlte sie sich doch förmlich mitgerissen von der heiteren Stimmung, die ihr Gatte verbreitete, obwohl es nur ein neckischer Scherz am Vormittag werden sollte.

Bobby fand dies aber ganz und gar nicht lustig: Er riss die Augen weit wie ein Scheunentor auf und verkündete schockiert: „Alles, aber bloß das nicht! Habt doch erbarmen mit einem armen alten Hexenmeister, wie mir! Sagt an, ihr zwei: Ist mein Schicksal, denn nicht schon schwer genug zu ertragen?“, und setzte einen dermaßen engelsgleichen Blick auf, dass man nicht glauben würde, wie er wirklich tickt, wenn man ihn nicht genauer kennt, ganz im Sinne von: >Wehe, wenn er losgelassen<!

„Papa, bei aller Liebe und jedwedem Respekt zu dir: Ich verstehe nämlich wirklich nicht, warum du dich dauernd zu mir Beschweren kommst“, sagte Robert hintergründig, einen hämischen Blick zu Bobby vor sich machend, wie er auf seinen 4 Buchstaben saß. „Beantworte mir deswegen diese eine Frage: Wer von uns beiden war denn vor 100 Jahren so größenwahnsinnig und hat sich mit dem hohen Tribunal des Hexenrats anlegen müssen; du oder ich?“ Robert setzte kurz ab, um seine Worte nachwirken zu lassen, während er seinen ehrenwerten Vater in Katergestalt fest im Auge behielt – doch dieser erwiderte kein Sterbenswörtchen!

„Und dass du trotz deines Diplomaten-Status in der 4. Dimension, nicht vollkommen unantastbar bist, wurde dir doch klipp und klar aufgezeigt, nicht wahr?“, offenbarte er Bobby mit einem hintergründig schelmischen Grinsen auf den Lippen – das traf den stolzen Kater wie ein Donnerschlag, weswegen er kein Wort darauf entgegnete, sondern wortlos in Richtung hinteren Teil der Küche weitermarschierte, wo ihm sein Frühstück normalerweise serviert wird.

Allerdings kommt ein Schockmoment selten allein! „Bei Luzifers Bart“, fluchte er derbe vor sich hin. „Ihr seid echt gemein, wisst ihr das? Für euch hext ihr die Herrlichkeiten aller Herrlichkeiten auf den Tisch und mich, euren Kater lasst ihr verhungern! Ich glaube, ich sollte jetzt wirklich mal eine Beschwerde gegen euch beim >I.B.H.M.<, dem Institut für bestrafte Hexenmeister einlegen!“

„Oh, das war echt keine Absicht, Papa“, zeigte sich Robert tief betroffen. „Dem aber schnell abgeholfen werden kann!“, mit ´ner Prise Magie und einem schnellen Fingerschnippen ließ er Bobby´s Lieblingsfrühstück erscheinen – dieser war überglücklich und konnte es noch gar nicht glauben.

„Oh, das gibt’s doch nicht: Seelachs; obendrein noch der Norwegische, den liebe ich ja am allermeisten!“, und Bobby aß nicht, er schlang den Seelachs förmlich in sich rein, so gut schmeckte ihm sein Frühstück.

Der Kater mampfte und mampfte, als ob´s kein Morgen gäbe. Und während er schlang, murmelte er zufrieden vor sich hin: „Robert, kommt’s mir nur so vor, oder willst du dich bei mir einschmeicheln?“, hintergründige Blicke des Katers trafen den Herrn des Hauses.

Robert Junior überkam ein Grinsen, ehe er antwortete: „Weißt du, Papa: Ab und zu muss man ja sogar einem verhinderten Despoten wie dir eine kleine Freude bereiten! Findest du nicht auch?“

Dieser unterbrach augenblicklich seine Mampforgie, wandte den Blick in Richtung Robert um und maulte mürrisch wie immer am frühen Morgen: „Sag´s doch lieber gleich, dass das ein Schuldgeständnis ist!“

Das Familienoberhaupt hüllte sich in tiefes schweigen. Und um seine Verlegenheit zu überspielen, biss er blitzartig in sein Wurstbrot hinein und führte seine zuvor begonnen Operation >Beweismittelvernichtung< mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks fort.

„Hab´ ich’s mir doch gleich gedacht“, murmelte Bobby sarkastisch los, und schlang sein Frühstück weiter in sich hinein. „Im Übrigen ist´s doch eine himmelhohe Übertreibung, mich als >verhinderten Despoten< zu bezeichnen!“

„Wenn du meinst, lieber Schwiegerpapa“, begann Martina schelmisch grinsend, „aber frag doch mal die ehrenwerten Vorsitzenden des Hexenrats, die dich von deiner Wahnsinnstat gerade noch abhalten konnten, was sie denn von deiner hier breitgetretenen Meinung wohl halten mögen“, darauf sagte ihr Schwiegervater gar nix mehr, denn er wusste, wo und wann er den Kürzeren zog; was wiederum Robert Junior sowie Gattin Martina wie Schneekönige freute – war´s dabei aber mehr die Schadenfreude, welche in die beiden Einzug hielt, versteht sich.

08:50 Uhr vormittags wurde es mittlerweile und der jüngste Spross der Familie wankte langsam und noch fast in Morpheus´ Armen liegend die Treppe hinab - ein Gähnen nach dem nächsten folgte; denn so früh stand Lisa an einem Wochenende selten auf. Ist sie an den Wochenenden, doch was sie ist: Eine Langschläferin aus Leidenschaft; ebenso in den Ferien - und man merkte dem Mädel die Schlaftrunkenheit förmlich aus Kilometern Entfernung an, so verschlafen schaute es noch aus der Wäsche.

Langsam und sachte schritt sie die letzten Stiegen hinab und vernahm plötzlich eine Stimme, die sie zuvor noch nie gehört hatte: „... ich finde, das Schicksal hätte mir trotz alledem viel übler mitspielen können, als es das eh schon tat“, sagte die Stimme, und wie es dem Mädel erschien, kam sie aus der Küche, doch schob es dies auf seine Fantasie, die ihm wegen der Schlaftrunkenheit wohl einen ordentlichen Streich spielte – Lisa schüttelte sich, während sie die letzte Stiege ins Vorzimmer hinabstieg, und es half: Diese geheimnisvolle Stimme war nicht mehr zu hören; war´s aber auch kein großes Wunder!

„Still, Robert; und zwar alle beide!“, zischte Martina todernst los. „Lisa ist im Anmarsch!“, aber so leise, dass man es nicht raus ins Vorzimmer hören konnte; vernahm sie dank ihres guten Gehörs doch, dass ihre Tochter auf dem Weg zur Küche war!

Untermalt von erneutem Gähnen, schlug sie den Weg in die Küche ein. „Guten Morgen zusammen“, begrüßte sie ihre Eltern und hatte große Mühe die Augen offen zu behalten.

„Guten Morgen, Schatz“, begann ihre Mutter zärtlich.

„Servus, Lisa“, fuhr ihr Vater freundlich fort.

„Guten Morgen, Bobby. Na, schmeckt dir dein Frühstück“, sagte Lisa mit verschlafenem Lächeln, während sie zu ihrem kleinen Liebling in naher Ferne unterhalb des Küchenfensters blickte.

Ein Zärtliches: „Miau“, war die einzige Antwort, die er von sich gab, als er zu ihr in Richtung Küchentisch blickte, ehe er sogleich ungehemmt weiter mampfte.

„Wisst ihr: Ich brauche erst mal was zum Wachwerden“, säuselte Lisa vor sich hin und dachte, der Küchensessel sei vom Tisch längst weggezogen und begann sich auf den vermeintlich hinter ihr stehenden Sessel zu setzen.

Martina sah das Unglück bereits kommen und konnte nicht hinsehen. Robert hingegen schaltete in Sekundenschnelle und ließ durch eine Prise Magie den Sessel hinter seiner Tochter erscheinen. Und wegen ihrer Schlaftrunkenheit bemerkte sie nicht, was soeben geschah und nahm darauf Platz, als ob nichts gewesen wäre.

Martina blitzte ihren Gatten mit bitterbösem Blick an, als, ob sie >du weißt, was die Regel No. 1 in unserem Haus ist<, sagen wollte.

Von Lisa unbemerkt gestikulierte Robert wild mit den Armen, um >hätte sie sich denn ins Leere setzen und dabei womöglich verletzen sollen?<, auszusagen; diesem Argument hatte seine Gattin nichts entgegenzubringen, wusste sie doch, dass er recht hatte mit dem, was er sagte, obwohl er, damit das Tabu Numero Uno im Haus gebrochen hatte: >keine Magie zu verwenden, wenn Lisa in der Nähe ist und es mitbekommt<!

Nun ja, liebe Leser: Genau genommen hatte er dieses Tabu schon gestern Abend gebrochen und den Karren somit ordentlich in den Dreck gefahren! Ihr erinnert euch doch, oder? Aber letztendlich wäre er ja nicht Meister aller Ausreden, hätte er nicht schon wieder eine passende Ausrede bzw. Ablenkungstaktik für sein Fräulein Tochter parat!

„Lisa, sag doch mal: Worauf hast du denn heute Lust?“

„Lust?“, fragte das Mädel verschlafen, als es wieder einzuschlafen begann vor Müdigkeit.

„Auf welches Frühstück du Lust hast, meinte ich“, sagte Robert nun eindringlicher.

„Frühstück? Keine Ahnung, was im Haus ist“, erwiderte sie und bemühte sich wach zubleiben, doch das sprechen, es fiel ihr schwer, wie sie vor den Eltern am Küchentisch saß und sich hängen ließ wie ein plumper Erdapfelsack.

„Ich denke, du brauchst wirklich was, um mal richtig wach zu werden“, verkündete Martina offen und ließ unbemerkt von ihrer Tochter eine Tasse Schoko-Cappuccino erscheinen und stellte sie vor sie hin; Gatte Robert wiederum zeigte sich offenen Herzens verwundert.

Antwortete sie, wenngleich über Gestiken: >ein Cappuccino ist nicht so stark wie ein normaler Kaffee! Und alt genug ist sie mit ihren 14 Jahren ja nun alle Mal! Und Kaffee ist doch nun mal das allerbeste Mittel, um sie wach zu bekommen; findest du nicht auch?<

Geistesgegenwärtig roch Lisa einen lieblichen Duft in ihrer Nähe und zwang sich, die Augen aufzubekommen, und sah, wovon sie dachte nicht echt zu sein: Kaffee, das Getränk, von dem ihre Eltern bisher streng dagegen waren, dass sie es trinkt!

„Nimm ruhig, Schatz“, verkündete Martina ihrer Tochter liebevoll und schob ihr die Tasse näher ran. „Mit deinen 14 Jahren ab heut bist du doch nun alt genug für Cappuccino! Und ich denke, er wird dir schmecken und vor allem Leben einhauchen!“

„Bist du sicher?“, fragte das Mädchen und griff nach der Kaffeetasse und trank vorsichtig den ersten Schluck und musste feststellen: „Mmhh, schmeckt gut“, und setzte rasch hinzu: „Schmeckt lecker nach Schoko, und ich hoffe, dass er wirkt.“

„Und wie der wirkt, süße Maus“, dachte Martina mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen.

Und tatsächlich: Kaum ein paar Schlucke davon getrunken, merkte man, dass in dem jungen Mädel die Lebensgeister Einzug hielten! War´s aber auch kein großes Wunder - war der Cappuccino doch versetzt mit einer Prise Magie namens >Muntermacher<! Wobei zu viel Muntermacher-Magie sogar Tote wieder zum Leben erwecken würde; und das wusste die Dame des Hauses nur zu gut und war deswegen sehr behutsam im Umgang mit diesem Zauber!

„Wusste ja gleich, dass dieser Kaffee dir Leben einhauchen wird! Jedoch sollte man wissen, wie viel Muntermacher man untermischt, nicht, dass sich der Vorfall von Halloween letztes Jahr wiederholt! Zum Glück hatte sie mir geglaubt, dass dieser Zombie, der abends unerwartet an unsere Haustür hämmerte, nicht echt und in Wahrheit bloß der Nachbarsjunge war; obwohl er verdammt real und seinem modrigen Grab entstiegen war! Aber trotz alledem darf unsere süße Maus das niemals im Leben erfahren, denn es wäre ein zu großer Schock für ihre zartbesaitete Seele!“, stellte Martina fest, während in ihrer Tochter die Lebensgeister gerade vollends in Fahrt kamen.

Binnen Sekunden besann sich diese aufs Wesentliche: Ihr Frühstück: „Sag mal, Papa: Haben wir noch Froot-Loops, Cini-Minis oder Choko-Pops im Haus?“

„Wenn ich mich nicht irre, hab ich dir, als ich gestern den Wochenendeinkauf erledigte, jeweils ´ne Packung voll davon mitgebracht!“, erwiderte ihr Vater und war vollends davon überzeugt, wovon er sprach.

Flink wie´n Wiesel und vermutlich auch ein klein wenig überdreht, erhob sich das Mädel vom Küchensessel und ging wie ferngesteuert auf den Vorratsschrank gegenüber dem Kühlschrank zu. Voller Vorfreude auf sein liebstes Frühstück öffnete es den Schrank und erlebte allerdings eine gar böse Überraschung: Lisa suchte und suchte und wurde trotz allem nicht fündig!

„Menno“, verlautbarte sie tief enttäuscht. „Und ich dachte, du bist gestern extra nach Wiener Neustadt zum Merkur gefahren, um gleich fürs ganze Wochenende einzukaufen!“

„Jetzt sag bloß, dass ich ausgerechnet auf dein Frühstück vergessen hab“, offenbarte ihr Vater schockiert und verwundert gleichermaßen; war er sich doch ganz sicher daran gedacht zu haben!

„Offensichtlich“, sagte Lisa enttäuscht und noch ehe ihr Vater hierzu was hätte erwidern können, schloss sie die Tür des Vorratsschranks auch schon und wandte sich murrend und maulend dem Kühlschrank zu, um nach einer Alternative Ausschau zu halten.

Robert wartete nur darauf, dass sie vollauf mit dem Kühlschrank beschäftigt war, und zeigte kurz und schnell zum Vorratsschrank in naher Ferne; mehr bedurfte es auch nicht für einen Magier von seinem Schlag, welcher die Prüfung zum Hexenmeister an der Hexenuniversität drüben in der 4. Dimension, einstmals mit Summa cum Laude, also mit Auszeichnung des hohen Hexenrats, bestanden hatte und sich mittlerweile Rühmen darf, ein Hexenmeister der Hexenstufe 150 zu sein – somit ein Meister seines Faches; der aber, wie man sieht, dennoch nicht vor Vergesslichkeit gefeit ist!

Inzwischen hatte das nach wie vor abgrundtief schmollende Mädel an sich genommen, was ihm zwischen die zarten Finger gekommen war. „Und da fragt man sich, wozu der sich eine Einkaufsliste am Handy schreibt! Pah, pah und nochmals, pah ...“

„Lisa, Liebling“, eröffnete ihre Mutter zärtlich die Konversation.

„Ja, Mama?“, erklang´s hinter der offenen Kühlschranktür hervor.

„Bist du dir sicher auch überall nachgesehen zu haben?“

„Und ob“, sagte sie und schritt vom Kühlschrank weg und wollte die Tür soeben mit dem Fuß schließen.

„Aber so ´ne Froot-Loops Schachtel oder worauf du sonst Lust noch hast, kann man ja mal leicht übersehen, findest du nicht auch?“, meinte indes ihr Vater mit freundlichem Lächeln, welches viel und gleich gar nix auszusagen vermochte.

Lisa hob genervt die Augenbrauen, drehte die Augen über und schüttelte wirsch den Kopf. „Glaubt bitte ja nicht, dass ich blind bin und ´ne Brille brauche - denn ich heiße nicht Christina Braun! Meine Freundin, ja, die ist ohne Brille echt blind wie ein Maulwurf bei Tag! Ferner kann ich euch aber sagen, dass ...“

„Ich an deiner Stelle würde noch mal einen Blick in den Vorratsschrank machen, wenn ich du wäre, Prinzessin“, fuhr Robert seiner Tochter, sie mit herzensgutem Blick und fürbittend sich doch endlich dem Vorratsschrank zuzuwenden ins Wort.

„Warum, Papa?“, fragte diese skeptisch, schloss nun endlich ganz so nebenbei den Kühlschrank und fuhr nahtlos fort: „Wenn ich dir doch sage: Wo nix ist, ist nix! Und einfach wie aus dem nix Herzaubern geht nicht! Denn Hexen und Magier mit echter Magie gibt´s leider nur Mal nur in Büchern und Filmen; zu Schade übrigens“, doch waren diese überzeugten Worte kaum verklungen, verfinsterte sich Bobby´s Mimik merklich und des Mädchens Eltern warfen sich unmissverständliche hintergründige Blicke zu - untermalt von schelmischen Grinsen dachten sie in jener Sekunde ein und dasselbe:

„Wenn du wüsstest, Prinzessin wie nahe du in diesem Moment einer Hexe und einem Magier mit echten magischen Kräften bist ...!“

„Lisa, Schatz“, begann ihr Vater abermals gutwillig, „tu mir doch bitte einen Gefallen und schau doch noch mal in den Vorratsschrank rein – sei doch bitte so lieb, Lisa!“

Jedoch zeigte das Mädel seinen Unmut offen: „Bitte, wenn´s deine Seele erleichtert - aber ich sag dir: Einfach herhexen ist nicht! Denn echte Magie gibt’s nun mal nur in Büchern wie Harry Potter und Fernsehserien wie Sabrina – total verhext; und das hier, das ist die gottverdammte Realität, das solltet ihr doch Herrgott noch mal, längst begriffen haben!“, wobei es mehr die Gestiken, als die Worte waren, die ihre Entnervung voll zur Geltung brachten!

„Pah, pah und nochmals pah!“, grummelte Bobby leise vor sich hin. „Hexen und Magier soll´s nicht geben? Frechheit! Aber pass nur sehr gut auf, dass du mit deinen saudummen Bemerkungen nicht schon sehr bald auf die Nase fällst, du vorlautes Gör einer Junghexe!“, dennoch maulte Bobby dies so leise vor sich hin, dass Lisa es nicht hören konnte.

Die wandte sich gerade dem Kühlschrank zu und um sich bei ihrer Tochter nicht zu verraten, stand Martina wie eine gewöhnliche Sterbliche vom Sessel auf und öffnete auf altbewährte sterbliche Methode ihrer Tochter den Kühlschrank.

Das Mädchen räumte all die Dinge, welche es in seinen Händen hielt zurück in den Kühlschrank und sagte: „Danke fürs öffnen, Mama“, diese nickte kurz und nahm sogleich wieder auf ihrem Sessel Platz und war auf die Reaktion ihrer verärgerten Tochter gespannt, die da gleich auf dem Fuße folgen soll.

Nach wie vor kopfschüttelnd und irgendwas vor sich hin murmelnd, was weder Bobby, noch Robert geschweige denn Martina verstanden, öffnete das Mädel endlich die Tür vom Vorratsschrank und war, ums mit einem Wort zu benennen >sprachlos< - der Mund, er blieb ihr vor Erstaunen und Verwunderung gleichermaßen offen stehen!

„Aber ..., aber ...“, mehr brachte sie auch nachher nicht hervor, denn vor ihr standen unerwartet jeweils eine volle Schachtel Froot-Loops, Cini-Minis sowie Choko-Pops; ihre 3 liebsten Frühstücke am Wochenende! „Ja, wie um alles in der Welt und großer gegrillter Käsegeist noch mal, sind denn die hier reingekommen? Das grenzt doch schon fast an ...“

„Hexerei“, beendete ihr Vater triumphierend den Satz und konnte sich ein schelmisches Grinsen nun nicht mehr verkneifen, während er sie liebevoll betrachtete, da sie gerade ein dermaßen dummes Gesicht machte, dass man es als Andenken auf Foto hätte festhalten müssen, um später auch noch was davon zu haben!

„Köstlich, dieser Gesichtsausdruck“, dachte Bobby zutiefst erheitert. „Noch selten in meinem Leben hab ich unsere Prinzessin so verdattert gesehen! Das muss ich doch nun wirklich auf Foto festhalten!“, gesagt, getan!

Denn was Lisa am Allerwenigsten erahnt: Bobby hütet im Grunde 2 Geheimnisse! Erstens: Dass er sprechen kann und Lisa´s Opa ist und zweitens: Dass er allerlei nützliche Dinge in seinem schwarzen Pelz mit sich rumschleppen kann, welche auf unerklärliche magische Weise darin verschwinden; so auch eine Digitalkamera, um von seiner Enkelin geschwind ein Foto zu machen, während sie noch so belämmert aus der Wäsche schaut!

Ein leises „Klick“ später hatte der Kater sein Andenkenfoto und ließ die Digicam wieder dorthin verschwinden, woher er sie hervorgeholt hatte: Seinen magischen Pelz; wobei dies alles so schnell vonstattenging, dass Lisa nicht mal was davon mitbekam!

„Hexerei: Genau das wollte ich sagen, Papa!“, sagte Lisa, wie aus der Pistole geschossen. „Aber so was kann’s doch gar nicht geben und du weißt warum!“, doch waren diese Worte ebenso kaum gesprochen, fauchte Bobby plötzlich zutiefst erzürnt los – seine eben noch erheiterte Stimmung schlug sich binnen Millisekunden in Gegenteil um!

„Aber so was kann´s doch gar nicht geben! Pah, wenn die wüsste“, murmelte Bobby nun deutlich hörbar vor sich hin und das Mädchen erschrak zutiefst, als der Kater dies soeben gesagt hatte.

„Hä? Spinne ich oder wache ich?“ Lisa stand wie angewurzelt da und grübelte vor sich hin, ob es sich diese Stimme hier und jetzt auch nur wieder eingebildet hatte, wie zuvor? Sie schüttelte sich wie zuvor im Vorzimmer und es wirkte abermals: Diese, ihr unbekannte Stimme war abermals nicht mehr zu hören!

Jedoch war´s abermals kein großes Wunder: Robert und Martina funkelten ihren Kater mit bitterböser Miene an! Dieser sprang unbeeindruckt aufs Fensterbrett vor sich und begann unverblümt aus dem Küchenfenster in Richtung anliegender Straße zu blicken.

Der Fokus der Aufmerksamkeit begann sich langsam aber sicher wieder auf den jüngsten Spross der Familie zurückzulenken. „Aber wer sagt dir denn, dass es keine echte Magie in der Welt gibt?“

„Mama, ich hoffe, du fängst nicht schon wieder von diesem Thema an“, wurde Lisa mit ihrer Mutter streng, nahm die Schachtel Froot-Loops aus dem Vorratsschrank und schloss die Tür.

„Aber sag mir doch jetzt bitte mal ehrlich: Was stört dich denn wirklich so an der Annahme, dass es so was wie Hexen und Magier womöglich tatsächlich geben könnte?“

„Das kann ich dir sagen, Papa“, erwiderte sie ihrem Vater mit ernstem Gesichtsausdruck, der nahtlos das Wort übernommen hatte. „Weil ich mir ungern falsche Hoffnungen mache, darum!“, des Mädchens Stimme wurde laut und ungehalten, in Anbetracht der Dinge und Tatsachen, die sich ihm hier plötzlich zu offenbaren beginnen.

„Wieso falsche Hoffnungen?“, fragte Robert offen, da er sich eine klare Antwort von seiner Tochter erhoffte.

„Papa“, sagte diese betont hintergründig, stellte die Schachtel Froot-Loops auf der Küchenzeile ab und verschränkte die Arme vor der Brust, wenngleich unbewusst; das ist und war nämlich eine Macke von ihr, die sie sich schon längst abgewöhnen wollte. „Du willst wissen, warum ich mir keine falschen Hoffnungen machen will?“, ihr Vater nickte nur. „Aus dem einfachen Grund, weil´s aus der Welt der Wissenschaft betrachtet einfach unmöglich ist, dass es so was Herrliches wie Magie und Hexerei geben kann!“

„Aber sagte ein bedeutender Wissenschaftler nicht einmal: >Magie und Hexerei sind all die Wissenschaften, die wir aktuell noch nicht verstehen und erklären können<?“, warf indes Martina in die Diskussion ein und erreichte augenblicklich das, was sie wollte: Ihr Fräulein Tochter hatte ausnahmsweise mal kein Argument zum Entgegnen in der Hinterhand!

„Gut gebrüllt, Löwe“, dachte zeitgleich Bobby drüben beim Küchenfenster. „Im Übrigen gibt´s doch nix, was ich mehr hasse, als wenn man an meiner Ehre als Hexenmeister zweifelt! Und ja, bin doch nun wirklich kein Unschuldslamm und hab vor 100 Jahren echt einen Riesenshit gebaut, aber das würde ich nicht mal zugeben, wenn ich auf ´nen Scheiterhaufen gestellt würde“, setzte er schnell hinten an in seinem Gedankengang.

Im Großen und Ganzen Grund genug, während Familie Berger eine Grundsatzdiskussion, über das womögliche Vorhandensein von Magie und Hexerei, führt, einen kurzen Blick zu einem anderen Familienmitglied, außerhalb von Puchberg am Schneeberg zu werfen!

Unverhofft kommt oft

Währenddessen in der Stahlstadt Ternitz, genauer gesagt in der Rosengasse, bei einer gepflegt und verträumt daliegenden Reihenhaussiedlung, bei Hausnummer 13 im Norden der Gemeinde angekommen – wo unschwer zu erkennen ist, dass Maria Berger, Lisa´s Großmutter väterlicherseits allen Grund besitzt, verärgert zu sein!

„Jetzt spring doch endlich an, du gottverdammter Schrotthaufen eines Autos“, fluchte Maria derbe dem Auto entgegen, denn seit einer geschlagenen halben Stunde versucht sie, nach wie vor vergebens, ihren Wagen ins Laufen zu bringen! „Warst ja eh gestern erst in der Werkstatt und wozu?“, aber es nutzte nichts, ihr alter Opel Kadett dachte gar nicht dran, anzuspringen oder wenigstens einen erfolgversprechenden Muckser von sich zu geben!

Maria´s Schauspiel hatte einen Zuschauer: Ihren ewig neugierigen Nachbarn Herbert Steiner von Hausnummer 14! Droben am Balkon wohnte er ihren kläglichen Versuchen bei, das alte Auto doch noch irgendwie ins Laufen zu bringen. Herbert sah kopfschüttelnd und gleichermaßen amüsiert in ihre Richtung hinab.

Mitleidvoll lächelnd dachte er: „Ts, ts, ts, ich werde Maria nie kapieren. Warum legt sie sich nicht endlich mal ein anderes Auto zu? Denn ein guter Gebrauchtwagen kostet ja nicht die Welt, wenn ihr die Mittel für einen Neuwagen schon fehlen! Ferner ist´s ja nicht mit anzuhören, was für Scherereien sie mit dem alten Opel andauernd hat! Wenn man mich fragen würde, steht der Wagen doch mehr in der Werkstatt, als das er fährt“ Herbert hatte zwar Ahnung von Motoren, jedoch nicht von Automotoren, vielmehr von Zugmotoren! War er doch über 40 Jahre lang als Mechaniker tätig und reparierte stets mit Freuden die Diesellokomotiven der ÖBB und war nun mit seinen stolzen 95 Jahren schon lange in der wohlverdienten Pension!

Doch plötzlich hatte es für wenige Sekunden den Anschein, als ob Maria´s Wagen endlich anspringen wollte - er zog auch für den Bruchteil einer Sekunde durch und sie glaubte es nicht; aber zu früh gefreut, der Wagen starb schon wieder ab! „Himmelkreuzdonnerwetter noch mal; jetzt ist er mir schon wieder abgestorben“, rief sie laut und von Zorn gepackt, heftig mit geballter Faust aufs Armaturenbrett hämmernd; insgeheim hoffte sie, dass es was bewirken könnte.

„Mein Gott. Wenn Maria nicht so ungezügelt Fluchen würde, wär´s eine Wohltat für meine leidgeprüften Ohren“, dachte Herbert, welcher am Rande angemerkt ein sehr gottesfürchtiger Mensch ist!

Maria drehte den Zündschlüssel noch einmal rum und da geschah´s: „Bei Luzifers Höllenbrut aber auch: Das darf doch einfach nicht wahr sein - jetzt ist mir diese gottverdammte Gurken auch noch abgesoffen!“, schrie Maria plötzlich dermaßen laut und derbe vor sich hin, sodass Herbert es nun wirklich nicht mehr überhören konnte, wenngleich er es liebend gerne wollte!

„Ach du großer Gott und Grüne neune“, murmelte er halblaut und zutiefst erschrocken vor sich hin, wobei seine Gestiken allein schon für sich selbst sprachen! „Mir scheint, die arme Frau weiß gar nicht, was sie ihrer armen Seele da antut!“, stellte er fest und begann augenblicklich nach seinem Rosenkranz, welchen er stets in einem seiner Hosensäckel mit sich führt, zu suchen. Ehrfürchtig begann er sogleich ein Gebet für Maria´s Seele zu sprechen und die Vergebung dieser sündigen Worte durch Gott zu erbitten.

Und Maria, die hat´s mittlerweile vollkommen aufgegeben ihr Auto doch noch irgendwie zum Laufen zu bringen. Mit Zornesröte im Gesicht zog sie den Zündschlüssel ab, stieg aus dem Wagen und knallte die Autotür dermaßen hart zu, sodass sie beinahe aus den Angeln gesprungen und abgefallen wäre.

Der alte Opel Kadett erweckte plötzlich den Eindruck, als ob es ihm leidtäte, dass er nicht angesprungen ist - so todtraurig schaute er seine Besitzerin an; aber keine Chance, die gute Frau ließ sich nicht einlullen! „Oh, ho, ho, ho, komme mir jetzt nicht auf die Tour, mein Lieber!“, sagte sie hintergründig und messerscharf. „Glaub mir: DER Zug ist abgefahren! Denn du warst vorhin so deppert und hast mich schon wieder mal im Stich gelassen und jetzt brauch ich dich gottverdammten Schrotthaufen auch nicht mehr!“, fluchte sie weiterhin wild gestikulierend dem Auto entgegen, und entfernte sich ein paar Schritte von ihm und blieb erneut stehen - sie fuhr herum und sah noch mal zum Wagen hinter sich.

Doch was sie dem alten Opel jetzt an den Kopf warf, war noch derber und schwerer für des Nachbarn Ohren zu ertragen, als alles bisher da gewesene: „Weißt du was, du elendiger Schrotthaufen: Scher dich, wenn du willst auf direktem Weg zur Hölle und leiste Luzifer, dem guten, höchstpersönlich Gesellschaft! Und glaub mir: Er braucht ohnehin schon lange eine Erneuerung in seiner Höllenrunde! Und du, du bist die Idealbesetzung dort unten! Tue mir und dir selbst einen Gefallen und leiste ihm Gesellschaft; glaub mir: Der gute Luzifer wird sich tierisch über dein Eintreffen dort unten freuen, dessen bin ich mir gewiss!“, die Lautstärke ihrer Stimme wurde von gesprochener Silbe zu gesprochener Silbe lauter, sodass man sich des Eindrucks nicht erwehren konnte, dass die gute Frau doch mal Halsschmerzen bekommen müsste oder ihr wenigstens Mal die Luft wegbleiben sollte - aber nicht Maria Berger; nicht wenn sie mit ihrem Zorn voll in Fahrt war, der von sich selbst überschlagender Gestiken sogar noch angefeuert wurde!

Wütend wie 100 nackte Barbaren schritt sie ihrer Wohnung zu und bemerkte nicht, welch Aufsehen sie durch ihre Hasstiraden bei all ihren Nachbarn ringsum bereits erregt hatte: 7, 8, nein, 9 Nachbarn gingen der Neugier halber schon schauen, was denn schon wieder los ist und warum Maria so derbe vor sich hin Flucht? Als der Grund erkannt war, verschwanden sie allesamt wieder dorthin zurück, von wo sie kamen; wollte doch einer und keiner zwischen die Fronten von Maria´s Zorn geraten, der am Rande angemerkt im Wohnviertel längst so legendär wie der Adventmarkt beim Herrenhaus der Gemeinde Ternitz geworden war!

„Jesus Christus, großer Gott im Himmel: Meine Nerven und Maria´s arme Seele!“, rief Herbert beinahe zu Tode erschrocken. „Jetzt steht´s eindeutig fest: Die gute Frau weiß wirklich nicht, was sie sich da antut! Und deswegen seh ich´s schon kommen, dass sie über kurz oder lang für ihre Sünden im Fegefeuer rösten wird, wenn sie nicht endlich bereit ist, Gott gegenüber Buße zu tun und ihre Sünden zu bekennen und anbei ehrlich zu bereuen!“, dachte Herbert und sein Gesicht, das wurde weiß wie Kreide und die Beine schwach, worauf er sich schwerfällig in seinen Balkonsessel herniedersinken ließ – doch wenn der gute Mann über die wahre Identität seiner Nachbarin Bescheid wüsste, wäre er mit großer Sicherheit nicht so freizügig mit seinem Gedankengut!

Noch knapp ein Meter trennte Maria von der Haustür, blieb sie unerwartet stehen und wandte sich in Blickrichtung dem Nachbarhaus zu. „Hey, Herbert“, rief sie in des Nachbarn Richtung droben am Balkon. Herbert, die gute Seele schrak auf, erhob sich schwerfällig vom Sessel und sah in Maria´s Richtung runter. „Herbert, tue mir doch bitte einen Gefallen und kümmere dich bitte in Zukunft nur mehr um deine eigenen Probleme!“

„Ich verstehe nicht ganz, Maria! Was hab ich dir denn getan?“ Herbert wusste wirklich nicht, was die Nachbarin von ihm wollte oder er ihr denn getan hatte, dass sie ihn so forsch anfuhr.

„Mein lieber Herbert“, begann diese abermals erzürnt, die Hände demonstrativ in die Hüften gestemmt, „lass dir eins gesagt sein: Mach dir nicht dauernd so viele Sorgen um mein Seelenheil, sondern achte viel lieber auf deine eigenen Probleme - damit hast du mehr als genug zu tun, glaub mir“, der rüstige Pensionist erschrak bis ins tiefste Mark – ihm war der Schrecken im Gesicht wie von einem gemeißelten Monument abzulesen!

„Oh mein Gott, Herr Jesus Christus, bitte steh mir bei: Ich hab doch kein Wort gesagt; nur gedacht! Maria muss, wie mir scheint, Gedankenlesen können, anders kann ich mir das nicht erklären!“

„Hihihi, wie recht du hast, mein lieber Freund“, dachte Maria indes schadenfroh und wandte den Blick vom Nachbarn ab.

Erst jetzt bemerkte sie, dass ihr Handy im wahrsten Sinn des Wortes Sturm läutet - obwohl, ihren Klingelton von Semino Rossi und seinen roten Rosen, kann normalerweise eh niemand überhören; aber wenn Maria mit ihrem Zorn erst einmal voll in Fahrt, wie ein Railjet auf der Südbahn gekommen ist, hört sie noch nicht einmal das, obwohl es ihr erklärter Lieblingsschlager seit vielen Jahren ist! Augenblicklich und so schnell sie konnte, suchte sie in ihren Hosentaschen nach ihrem Smartphone; ja, auch Hexen wie Maria Berger gehen mit dem Wandel der Zeit!

Kurz darauf endlich gefunden, schaute sie aufs Display und sah die Nummer ihres Sohnes in Puchberg am Schneeberg. „Bei Luzifers Dreizack aber auch“, verlautbarte sie erschrocken. „Robert - oh ja, kann mir sehr gut denken, warum er anruft“, denn Maria war klar, dass der Anruf nicht ohne Grund bei ihr einging – und so war´s auch!

Lisa, die schon seit über einer viertel Stunde beharrlich versuchte ihre Oma auf telefonischem Wege zu erreichen, konnte es kaum glauben, dass sie endlich abhob: „Oma? Oma hörst du mich? Wie geht’s dir denn? Sag doch: Wo bist du gerade? Ist dir was zugestoßen oder warum verspätest du dich so? Omilein, du glaubst ja gar nicht, welche Sorgen ich mir wegen mir schon mache! Sag an, Oma: Mmpffgeheeyyhmpfff“, mehr brachte das aufgebrachte Mädel nicht mehr heraus, denn hatte ihr der Vater schlichtweg den Mund zugehalten, damit ihre Oma auch endlich mal zu Wort kommen kann!

„Lisa, Schatz: Was ist denn los?“, erklang´s stehenden Fußes aus dem Telefon. „Nun sag schon, Lisa!“

„Keine Sorge, Mama, ich hab unserer kleinen Schneeprinzessin nur den Mund zugehalten, dass du auch mal zu Wort kommst!“, antwortete Robert schelmisch und seine Mutter musste herzhaft lachen; dieser Umstand amüsierte sie sichtlich.

„Lisa, Engelchen hörst du mich?“

Robert nahm die Hand von Lisa´s Mund, damit sie sprechen konnte: „Ja, Oma. Ich höre dich!“

„Lisa, Goldstück, mache dir bitte keine Sorgen, mir geht’s gut! Ich hab nur schon wieder Probleme mit dem Auto – es springt schon wieder mal partout nicht an, weiß der Teufel warum!“

„Aber soll das etwa heißen, dass du jetzt gar nicht kommen kannst?“, zeigte sich das Mädchen abgrundtief bestürzt, und seine Gefühle, die begannen ein beängstigendes Maß an Trauer anzunehmen. Hatte sie sich doch schon so auf den Besuch ihrer Oma gefreut und jetzt scheint´s, kann sie wegen eines defekten Autos gar nicht kommen!

„Nein, Schatz mache dir deswegen bitte keine Sorgen! Denn es gibt ja noch andere Verkehrsmittel als ein Auto! Und glaub mir: In allerspätestens 5 Minuten bin ich bei euch – denn schneller geht’s damit nun wirklich nicht!“, verkündete Maria, um ihre Enkeltochter zu beruhigen; kannte sie ihre Pappenheimerin ja zu Genüge und wusste, wie sie reagiert, wenn sie enttäuscht wird!

„Wie bitte? In 5 Minuten?“, das Mädel glaubte nicht, was es da eben hörte. „Wie soll denn das möglich sein, Oma? Von dir bis zu uns nach Hause sind´s doch gut und gerne 18 Kilometer! Wie soll das denn bitte möglich sein?“

„Lass dich doch einfach überraschen, womit ich angereist komme, und glaube mir: Du wirst angenehm überrascht sein! Tschüss und bis gleich, Goldstück, ich hab dich lieb“, und da Maria ihre Pappenheimerin von Enkeltochter ja wie gesagt zu Genüge kennt, beendete sie den Anruf hier und jetzt unverblümt, da sie sonst wieder hunderte Fragen stellen würde, wie es ihrer denn möglich ist, die Entfernung von 18 Kilometern von Ternitz nach Puchberg in nicht mal 5 Minuten zurückzulegen!

„Hä? Spinne ich oder wache ich?“, fuhr Herbert aus seinem Balkonstuhl hoch, kratzte sich verwirrt am Kopf und fragte sich weiterhin verdutzt: „Wie soll denn das möglich sein? So was ist doch allerhöchstens mit einem Eurofighter des Bundesheers zu schaffen und ich bin mir absolut sicher, dass Maria so was nicht besitzt!“, und verstand es trotzdem nicht, wie seine Nachbarin das bloß in dieser Zeit schaffen will – wenn´s eines ist, dann definitiv zu hoch für ihn!

„Auch du mein lieber Herbert, wirst angenehm überrascht sein“, dachte indes Maria, weil ihr, durch die erlernte Kunst des Gedankenlesens, die Gedanken ihrer Mitmenschen ringsum niemals ein Geheimnis sind, wenn sie es will!

Und trotz ihres vorigen Ärgers mit dem Auto, kommt in ihr plötzlich ein Gefühl der Freude auf, nicht nur, weil sie ihrer Enkelin ein wahrlich unerwartetes Geburtstagsgeschenk zu überbringen hat, nein, ebenso weil sie auf Lisa´s Reaktion dieses Geschenk hin betreffend gespannt ist; obwohl sie es sich ohnehin schon denken kann, wie sie darauf reagieren wird – da sind nämlich keine hellseherischen Fähigkeiten vonnöten, wie Schwiegertochter Martina sie besitzt!

Das Handy war kaum wieder in der Hosentasche verschwunden, ging die gute Frau flinken Fußes zurück in ihre Wohnung und war sogleich darin verschwunden.

„Eins steht fest: Ich brauche ein Bier; das wird meine zerrütteten Nerven hoffentlich wieder ins Lot bringen!“, dachte Herbert und erhob sich ächzend vom Balkonsessel. Langsam und sachte lenkte er seine Schritte ins anliegende Wohnzimmer und holte sich, was er wollte.

Wenige Augenblicke später kam er linker Hand seine Flasche Bier mit Bieröffner und rechter Hand sein Tablet tragend; ja, auch Herbert geht mit der Zeit zurück auf den Balkon, um im Sessel wieder Platz zu nehmen.

Sichtlich gezeichnet von Verwirrtheit und Sorge um Maria´s armes Seelenheil, ließ er sich nieder, stellte sein Bier am Tisch ab und dachte zufrieden: „Ja, dieses Bier wird meine Nerven hoffentlich wieder ins Lot bringen“, doch neugierig wie der rüstige Pensionist nun mal war, konnte er nicht umhin als einen kurzen verstohlenen Blick, zum Nachbarhaus rechts von sich zu machen - von Maria war nach wie vor nichts zu hören geschweige denn zu sehen.

Herbert wandte sich seinem Bier zu, öffnete die Flasche und trank genüsslich einen großen Schluck. „Aach, tut das gut“, sagte er mit sich und der Welt zufrieden. „Mal schauen, was es denn Neues in der Kronen Zeitung gibt“, murmelte er, nahm sein Tablet zur Hand und öffnete die Kronen Zeitung in digitaler Form; in den Zeiten von Internet und Tablet-PCs ja kein großes Problem mehr.

Herbert las die Überschrift der aktuellen Ausgabe vom Samstag, den 17. Juni 2017: „UFO-Sichtung über Gloggnitz“, ihm überkam ein erheitertes Grinsen und las sogleich den Untertitel: „Zwei Radfahrer wollen ein unbekanntes Flugobjekt über der Stadt Gloggnitz gesichtet haben – die Polizei glaubt jedoch an einen dummen Scherz und schenkt dem weiter keine Beachtung mehr“, und klickte auf >Beitrag lesen<, da ihn der Artikel nun doch zu interessieren begann.

„Ts, ts, ts“, machte Herbert amüsiert den Kopf schüttelnd. „Ich werde die Leute nie kapieren. Denn kaum wird was Unbekanntes am Himmel gesichtet, muss es natürlich gleich ein UFO gewesen sein! Wer weiß, vielleicht war´s nur ein Flugzeug in geringer Höhe oder irgendwas anderes, man ...“, doch stutzte der gute Mann plötzlich – denn er hörte die Nachbarin gerade aus der Wohnung treten, wie sie:

„Los Beelzebub“, rief; und sah verdutzt vom Tablet und der darin geöffneten Zeitung auf und wusste nicht, was er davon halten soll.

„Beelzebub?“, fragte er ein ziemlich dummes Gesicht machend. „Aber das ist doch ein alter Name für ...“ Herbert schluckte heftig, „den Teufel“, und es brach ihm kalter Angstschweiß aus, sobald er auch nur an den Fürsten der Finsternis dachte!

Wobei all jene, die Maria näher kennen, wissen, dass sie feindselig und vor allem nachtragend wie ein Elefant, ach was, ein Mammut sein kann; ebenso hier und jetzt: Rasch erhob sich Maria´s Hexenbesen mit ihr in die Lüfte, brauste er schon mit ihr auf und davon - dennoch hielt sie plötzlich inne; ein laut gedachter Gedanke ließ die gute Frau nicht los:

„Herbert ist an sich ja ein netter Mensch, aber einen Denkzettel braucht jeder dann und wann einmal“, sprach’s und lenkte ihren Besen auch schon zurück in die Rosengasse zu Hausnummer 14.

Währenddessen versuchte dieser, seine Gedanken auf ein gerades Wohl zu bringen, und wollte sich mit weiterem Zeitung Lesen von seinen Sorgen ablenken und bemerkte nicht, dass sich gerade unerwarteter Besuch einzustellen begann!

„Grüß dich, Herbert“, erklang Maria´s zarte Stimme plötzlich ganz in seiner Nähe.

„Maria?“, fragte er und machte ein nun noch dümmeres Gesicht, als zuvor noch. „Maria, wo bist du denn?“ Herbert sah nach links und nach rechts, von der Nachbarin war zu seiner Verwunderung nichts zu sehen! Er zuckte schließlich milde die Schultern, da er´s auf seine labilen Nerven schob, dass er schon wieder mal Stimmen hört, wo gar keine sind.

„Herbert entschuldige bitte, dass ich so unangemeldet bei dir hereinschneie“, begann sie freundlich und gab sich neben seinem Balkon im 1. Stock spät, aber doch zu erkennen - kein Wunder, konnte er Maria nicht sehen, war sie für seine sterblichen Augen bis vor wenige Sekunden doch noch unsichtbar gewesen!

„Jesses, Maria und Josef: Wache ich oder spinne ich jetzt schon am helllichten Tag?“, rief Herbert zutiefst entsetzt, und begann allen Ernstes an seinem Verstand zu zweifeln!

„Nein, mein lieber Freund und Kupferstecher, du spinnst nicht“, sagte Maria und tippte den Nachbarn mit schelmischem Grinsen zärtlich auf die Schulter.

Dieser erschrak abgrundtief, ließ sein Tablet mit einem >Bums< auf den Tisch fallen, fuhr im Kreis herum und sah, was es seiner Meinung nach nicht geben konnte: „Oh mein Gott, Maria“, rief er mit weit aufgerissenen Augen. „Sag an: Was tust du denn hier?“

„Ich sagte doch gerade, dass es mir leidtut, dass ich so unangemeldet bei dir hereinschneie und ...“

„Aber ..., aber ...“, stotterte er erschrocken vor sich hin, „wie bringst du es fertig, dich neben meinem Balkon in dieser Höhe aufzuhalten?“, und sah ihr in die strahlend blauen Augen, welche im Sonnenlicht heller strahlten, als es ein Aquamarin reinsten Grades jemals konnte.

Maria musste Lachen, ehe sie Worte fand, um ihm Rede und Antwort zu stehen:

„Mein lieber Herbert. Ich könnte dir Auskunft darüber geben, doch tu mir einen Gefallen“, begann sie wohlwollend - Herbert nickte nur ein deutliches JA. „Denk an deinen eh schon viel zu hohen Blutdruck, und vermeide es bitte, dich künstlich aufzuregen, denn das bekommt deinem armen Herz so ganz und gar nicht gut! Und wie du weißt, hattest du ja bereits 3 Herzinfarkte in deinem Leben“, man merkte ihr die Erheiterung aus 10 Kilometern Entfernung an, was des Nachbarn Gefühlslage aber um keinen deut, verbesserte!

„Aber Maria“, begann er mit schreckensbleichen Gesichtsausdruck, der die Angst in seinem inneren 1:1 widerspiegelte, „sag mir doch bitte ein für alle Mal wie du das schaffst, ohne abzustürzen!“, wobei es ihm sonnenklar war, dass man dies nie und nimmer mit rationalen Mitteln hätte erklären können.

Und da sie nun mal kein Unmensch ist, ging seine Nachbarin es liebevoll, freundschaftlich und vor allem sehr diplomatisch an: Mitfühlend legte sie ihre Hand erneut auf Herbert´s Schulter und begann gütig: „Lieber Herbert, wenn du denn schon die ganze Wahrheit über mich wissen willst, steh doch mal von deinem Sessel auf und schau über die Balkonbrüstung hinweg, doch versprich mir vorher eins!“

„Und das wäre?“, fragte der gute Mann mit zittriger Stimme und der Angstschweiß, er rann ihm mittlerweile in Sturzbächen von der Stirn.

„Dass du bitte, wie ich schon sagte, an deinen Blutdruck denkst und dich nicht gleich wieder so aufregst, dass ich dir letztendlich schon wieder den Notarzt kommen lassen muss!“

„Ich Versuchs, Maria“, sagte er und konnte ihr dennoch nichts versprechen, geschweige denn garantieren.

Ächzend erhob sich der rüstige Pensionist sodann und überzeugte sich mit eigenen Augen von der Tatsache, die es seiner Meinung nach nicht geben konnte. Und was er sah, zog ihm förmlich die Schuhe aus: Seine Nachbarin auf einem alten Kehrbesen sitzend zu sehen, der auf wundersame Weise neben seinem Balkon hoch in der Luft schwebte, von dem zu allem Überdruss ein seltsam orangefarbenes Leuchten ausging, wie er´s noch selten; ehrlich gesagt noch nie bei einem Kehrbesen in dieser Art gesehen hatte! Doch war dies beinahe zu viel, was er seelisch und nervlich gerade noch ertragen konnte!

Mit schreckensbleicher Miene starrte er seine Nachbarin an und rief entsetzt: „Um Himmels willen, Maria! Wer oder was bist du denn in Wirklichkeit?“

Maria lachte erst herzhaft und verkündete sodann offen und wahrheitsgemäß: „Mach dir keine Sorgen, Herbert! Ich bin nach wie vor die gleiche auch zuvor schon! Wenngleich du es nicht wahrhaben willst!“, fügte sie noch rasch hinzu.

„Das glaube ich dir aber nicht“, rief Herbert mit Bestimmtheit zurück. „Nie und nimmer, glaub ich dir das! Deswegen sag mir jetzt klipp und klar: WER oder WAS bist du in Wirklichkeit? Denn kein normaler Mensch kann auf einem Besen fliegen! Das ist einfach wider die Natur!“ Maria schüttelte nur den Kopf, da sie es so kommen hatte sehen, dass Herbert ihr nicht glauben will.

„Weißt du, mein edler Freund und Nachbar: Da hast du den Nagel bereits mitten auf die zwölf getroffen!“

„Sag an, Maria: Gibst du´s also zu?“, fragte er und zeigte Stichgerade auf seine Nachbarin, oder das, was er eben für seine Nachbarin hielt. „Du gibst es also zu, dass du kein normaler Mensch bist?“, ihm wurde immer unwohler in der Haut und bemerkte, dass sein Blutdruck ein beängstigendes Maß jenseits der 180 zu 120 anzunehmen begann!

„Warum soll ich´s denn nicht zugeben? Du hast ja vollkommen recht: Kein normaler Mensch kann auf Besen fliegen, und ich bin wahrlich kein normaler Mensch, falls du das noch immer nicht gemerkt hast!“

„Dann sag mir doch endlich: WAS bist du dann? Und vor allem, mit welchen Mächten der Finsternis musst du im Bunde sein, dass das überhaupt möglich ist? Wobei es grundsätzlich schon mal gar nicht möglich ist, dass Besen fliegen können“, und da geschah´s, wie so oft: Herbert redete sich wieder mal dermaßen in Rage, dass ihm schier die Luft zum Atmen wegblieb; zum Leidwesen seines Gesundheitszustands allerdings, wie er schon sehr bald erkennen muss!

„Herbert tue mir doch bitte endlich diesen einen kleinen Gefallen und beruhige dich!“, sagte Maria nun umso deutlicher und hob schon flehend die Hände gen Himmel. „Du vergisst, wie mir scheint schon wieder mal dein Herz, und sich so aufzuregen bekommt dir ganz und gar nicht gut!“, sie versuchte ihren Nachbarn, mit aller ihr zur Verfügung stehenden Macht zu beruhigen; denn tief in ihrem Herzen konnte sie ihn trotz alledem ganz gut Leiden, trotz seiner furchtbaren neugierigen Art ihr gegenüber!

Herbert ließ sich zurück auf seinen Sessel sinken und versuchte erst mal ruhigen Atem zu bewahren. Und Maria, die war plötzlich wie vom Donner gerührt: Kam ihr doch soeben brennheiß in den Sinn, dass sie in spätestens 5 Minuten bei ihrer Familie in Puchberg am Schneeberg sein wollte! „Du Herbert, tut mir leid, dass ich mich schon von dir verabschieden muss, aber ich werde nämlich in exakt 4 Minuten bei meiner Familie in Puchberg erwartet!“, wusste sie es doch deswegen so genau, da sie in selbigem Augenblick einen besorgten Blick auf ihre Armbanduhr gemacht hatte.

„Warte Maria“, rief Herbert mit unumstößlicher Sicherheit aus.

„Ja, Herbert?“, fragte sie und sah ihren Nachbarn neugierig an, denn sie war gespannt was er, denn noch von ihr wollte.

„Beantworte mir bitte nur noch eine Frage, dann kannst du zu deiner Familie aufbrechen, wenn du willst“ Maria schüttelte unwirsch den Kopf, wusste sie doch ohnehin schon, worin das jetzt enden würde; dazu brauchte sie keine hellseherischen Fähigkeiten wie ihre Schwiegertochter.

„Na gut“, atmete sie tief durch. „Ich sage dir jetzt die ganze Wahrheit über mich, jedoch wird´s ein Riesenschock für dich sein, mein lieber Freund!“ Herbert nickte nur hochmütig, der bekanntlich stets vor dem Fall kommt.

„Ich denke, ich werd´s überleben, wenn du hier und jetzt endlich zugibst, dass du mit dem Fürsten der Finsternis einen Pakt für die Ewigkeit geschlossen hast!“, der Pensionist saß schwerfällig wie ein Mehlsack im Stuhl und atmete noch viel angestrengter, als es für seine Nachbarin den Anschein hatte. „Das würde nämlich auch deinen Pentagramm-Schmuck, den du offenbar ständig mit dir herumträgst, erklären!“, man merkte mittlerweile 10 Meilen gegen den Wind, dass sein Gesundheitszustand allmählich den Bach runterging; in einem AKW würde dies mittlerweile Alarmstufe 4 ganz knapp vor Stufe 5: >bumm<, bedeuten!

Maria indes hob genervt die Augenbrauen, drehte die Augen über und dachte abermals unwirsch den Kopf schüttelnd: „Das ist mal wieder typisch sterbliche! Jedes Mal gehen sie davon aus, dass man mit Luzifer verbündet sein muss, wenn man etwas beherrscht, was sie nicht können - dabei glauben wir Hexen ja noch nicht einmal an den Teufel! Und dass ich den guten Luzifer hie und da in meinen Fluch Worten ganz gerne gebrauche, ist jedoch eine andere Geschichte und hat mit meinem Lebenswandel nicht mal das Geringste zu tun!“

Maria sah Herbert gutmütig an und sprach: „Herbert, mein lieber Freund und Kupferstecher, sag an: Hast du jemals was von Hexen und Magiern gehört?“

„Bei aller Liebe und jedwedem Respekt zu dir, Maria aber jetzt machst du dich aber wirklich lächerlich“, sagte Herbert mehr als skeptisch, griff nach seinem Bier und trank einen kräftigen Schluck. „Ich hoffe inständigst für dich, dass das jetzt nicht etwa dein ernst war, oder etwa doch?“, abermals betrachtete er seine Nachbarin mit Argwohn und trank nochmals einen großen Schluck. „Denn hätte niemals von dir gedacht, dass du in deinem Alter noch an Hexen und dergleichen unsinniges Zeug glaubst!“

„Wenn du meinst, Herbert, bitte, mir soll´s nur recht sein! Und meine Aussage: >Ja, ich bin eine Hexe mit ungeahnten magischen Fähigkeiten<, ist nix als die lautere Wahrheit über mich! Aber glaub meinetwegen, woran du willst, mir soll alles recht sein, Herbert!“, zum Abschied klopfte sie ihm nochmals freundlich auf die Schulter, ehe sie die magischen Worte zum Express-Flug sprach:

„Los, Beelzebub: Turbogang nach Puchberg! Aufgeht´s mein Kleiner! Zeig mir, was noch in dir steckt!“, und in der schnelle von Sekunden erwachten in Beelzebub die wahren Kräfte - fast schneller als ein D-Zug brauste sie mit ihm durch die Lüfte auf und davon und entschwand kurz darauf auch schon Herbert´s Blickfeld.

Er sah ihr zwar noch nach und erblickte sie noch Mals ganz kurz in naher Ferne, doch war sie da schon verschwunden. Und um diesen Schock erst mal richtig Verdauen zu können, nahm er nun einen riesengroßen Schluck von seinem Bier und trank die Flasche auf einen Sitz leer.

Doch Herbert wäre nun mal nicht Herbert, würde er nicht abermals ins Grübeln kommen: „Nun ja, wenn man´s so recht bedenkt, und das Unmögliche in Betracht zieht, woran ich bisher nicht zu glauben wagte, dann kann´s doch gar nicht anders sein als, dass Maria eine waschechte Hexe ist!“, und es geschah, was Maria, die gute Seele kommen sah: der Pensionist verspürte plötzlich einen heftig, stechenden Schmerz tief in seiner Brust!

Mit schmerzverzerrtem Gesicht griff er sich ans Brustbein und schrie mit Leibeskräften: „HELENE! MEIN HERZMEDIKAMENT, SCHNELL, BEEIL DICH, BITTE!“, nach seiner Gattin, welche drin im anliegenden Wohnzimmer gerade mit Staubsaugen beschäftigt war.

Und Maria, welche soeben den Norden der Stahlstadt Ternitz überflog, erblickte unter sich gerade die örtliche Rettungsstelle des Roten Kreuz und einen Notarztwagen, der soeben mit Blaulicht und Martinshorn aus der Station ausfuhr – Maria brachte ihren Beelzebub hoch droben in der Luft zum Schwebeflug, um einen klaren Gedanken fassen zu können:

„Ts, ts, ts“, verlautbarte sie kopfschüttelnd. „Ach, Herbert, Herbert, ich hab dir doch gesagt: Achte auf deinen Blutdruck! Aber nein, du hast, wie mir scheint, nicht hören wollen! Und das hast du nun davon: Deinen, wie mir scheint 4. Herzinfarkt in Folge! Aber wie ich dich und deine Ross-Natur ja kenne, wirst du entgegen jeder ärztlichen Annahme auch diesen Infarkt überleben!“, doch sollte sich ab da offenbaren, dass sie ein wahrhaft goldenes Herz in sich trägt!

„Aber weil ich dich tief im Herzen trotzdem mit deinen Ecken und Kanten ganz gut Leiden kann, sollte ich kurz und schnell dafür sorgen, dass du erst zu einem späteren Zeitpunkt, als den jetzigen über´n Jordan gehst!“, fasste sie den Entschluss und wandte sich und Beelzebub in Blickrichtung ihres Heimatortes um, ehe sie eine magische Handbewegung vollführte und sich kräftig konzentrierte – denn ein Gesundheitszauber ist nix für Anfängerhexen, und schon gar nicht auf längere Distanz hin!

Ein in Regenbogenfarben schimmerndes Kraftfeld entwich Maria´s Händen und steuerte schnurstracks seinem Ziel: Rosengasse Nr. 14 in 2630 Ternitz entgegen. „Ich denke, das wird ihn ins Reich der Lebenden zurückbringen, wenngleich er aber schon mal einen kurzen Einblick ins Jenseits genießen darf!“, stellte Maria fest, der anzumerken war, dass sie die Anstrengung, die dieser Gesundheitszauber von ihr verlangte, dennoch mitnahm.

„Normalerweise vermeide ich es ja, Ärztin, bei den sterblichen zu spielen, da man ja nie wissen kann, wie sich das auf deren Organismus auswirkt, aber die Schuld, die mich träfe, würde er durch mich seinen Schöpfer treffen, würde schwerer auf meinem Gewissen lasten als das Risiko, dass mein Genesungszauber seine Wirkung verfehlt!“, fuhr Maria fort, ehe sie ihrem Beelzebub erneut die Sporen gab: „Und weiter geht´s, Beelzebub ehe wir tatsächlich noch zu spät bei meinen liebsten ankommen!“

Und tatsächlich: Sie hatte mit ihrer Zeiteinschätzung echt gut gelegen - kaum 4 Minuten später überflog sie bereits die Gemeindegrenze des beschaulichen Kurorts, welcher Jahr für Jahr ein Tourismus-Magnet für abertausende Leute aus allen Herren Gegenden ist, und das nicht nur wegen des besonderen Heilklimas im Schneebergland; nein, der 2.076 m hohe Schneeberg ist und war seit jeher nämlich der wahre Anziehungspunkt Numero Uno im Schneebergland – dessen feurige Vergangenheit, welche vor Jahrtausenden unzählige Tote, Verwüstung und Zerstörung ins Schneebergland brachte, nicht vergessen werden sollte; allerdings wird dies in einer anderen Geschichte näher erläutert, liebe Leser!

Dennoch kurzum gesagt: Seitdem vor exakt 120 Jahren eine 1000 mm Spurweite fassende Zahnradbahn auf den Hausberg der Puchberger erbaut wurde, ist der beschauliche Kurort ein wahrer Tourismus-Magnet geworden, wodurch die Gemeinde sommers wie winters wirtschaftlich profitieren darf!

Denn vom Frühjahr bis in den Frühherbst hinein kann der Schneeberg erwandert und in der kalten Winterzeit am Osthang des Bergs in der Katastralgemeinde Losenheim wunderbar Ski, Snowboard und auch Rodel; in Deutschland besser als >Schlitten<, gefahren werden! Wobei der Puchberger Christkindlmarkt aber ohnehin seit fast 50 Jahren ein ganz besonderes Glanzstück, der stillen und besinnlichen Advents- und Weihnachtszeit darstellt – auch dazu in einer anderen Geschichte mehr dazu, liebe Leser!

Und all jene unter euch, die nun denken mögen, dass Maria für keinerlei Aufsehen bei der sterblichen Bevölkerung von Puchberg gesorgt hat, irren gewaltig! Insbesonders im Bahnhof der Lokalbahn nach Wiener Neustadt soll sie für helles Aufsehen sorgen! „Zugsicherung ...“, erklang es blechern aus dem Lautsprecher in der Lokomotive des abfahrbereiten Regionalzugs nach Wiener Neustadt Hbf., auf Bahnsteig 1.

„Ja, Servus, Fahranfrage für Regionalzug ..., ach du heilige Scheiße“, wurde der Lokführer unerwartet unflätig, riss die Augen weit wie ein Scheunentor auf und legte seine Hand auf die Stirn, während er zum Himmel hochsah und nicht glaubte, was er sah: Eine waschechte Hexe, wie sie auf ihrem Besen durch die Lüfte flog!

„Letzte Anfrage unverständlich! Bitte Wiederholen Sie ihre Anfrage!“, kam es stehenden Fußes wie ein Bumerang an den verdutzten Lokführer zurück, welcher von dieser Sichtung dermaßen verdattert und sprachlos war, dass er sie noch immer nicht für möglich hielt, obwohl sie verdammt real war!

„Hihihi, zu komisch mit anzuhören wie unflätig manche Sterbliche werden, wenn sie eine Hexe wie mich auf ihrem Besen durch die Lüfte fliegen sehen“, lachte Maria herzhaft aus voller Brust. „Und das offenbart doch wieder mal ganz deutlich, dass die Gesellschaft von heute endlich das mittelalterliche Denken abgelegt hat und nicht mehr an echte Hexen glaubt, obwohl es uns sehr wohl noch gibt: Sieht man ja an mir und meiner Familie so eindeutig wunderbar!“, abermals ein Schadenfrohes lachen in die weite Welt hinaus verkündend.

Unglaubliche Erkenntnisse (1. Akt)

„Papa, bitte erkläre mir doch endlich mal, wie Oma das schaffen will“, drängte Lisa nach wie vor ihren Vater zu einer Antwort. „Denn von Ternitz bis zu uns nach Puchberg sind´s doch knapp 18 Kilometer! Und so was ist allerhöchstens mit einem Eurofighter des Bundesheers zu schaffen; und ich bin fest davon überzeugt, dass Oma so was nicht besitzt!“, doch egal wie sie sich auch bemühte, die Lippen ihres Vaters blieben versiegelt, wie er ihr gegenüber am Küchentisch mit verschränkten Armen saß, sie stoisch anblickt und hie und da nur eine standardisierte Ausrede verlautbaren ließ, im Sinne von: >du wirst´s schon sehen, wenn deine Oma da ist<.

Lisa wurde mittlerweile stocksauer wegen dieser sturen Politik des Schweigens, die ihr Vater da abzog. Das Mädchen hob gereizt die Arme gen Himmel, erhob sich vom Küchensessel und begann erneut: „Papa, ich verstehe dich einfach nicht! Warum ignorierst du meine Fragen dermaßen stur und weigerst dich standhaft mir zu antworten? Denn du bist doch sonst nicht so verbohrt; zumindest mir gegenüber nicht! Und diese andauernden Standard-Ausreden, ich kann sie einfach nicht mehr hören“, fügte sie hinten an, um ihrem Ärger erst mal gründlich Luft zu machen.

Martina, die dem entrüsteten Treiben ihrer Tochter beiwohnte, meldete sich zu deren Erleichterung nun endlich auch mal zu Wort: „Lisa, hör mir zu“, das Mädel wandte sich in Sekundenschnelle der Mutter zu, „wenn deine Oma sagt, dass sie in 5 Minuten bei uns ist, dann kannst du dich auch vollkommen darauf verlassen, dass dem so ist!“

„Mama bitte“, begann diese mehr als nur genervt „fang du jetzt nicht auch noch davon an!“, beim US-Verteidigungsministerium würde man Lisa´s Wutzustand längst mit Defcon 2 betiteln: Hohe Alarmbereitschaft; die Reservetruppen aber noch nicht an die Waffen gerufen!

„Wovon denn anfangen? Von der Wahrheit etwa?“, gab sich ihre Mutter schelmisch und konnte sich ein hintergründiges Lächeln nun doch nicht verkneifen; was Lisa aber nur umso mehr in Rage brachte.

„Weißt du, Mama: Ich kapiere mittlerweile gar nix mehr; am allerwenigsten, was bei uns plötzlich los ist!“, sagte sie immer schärfer im Tonfall werdend und ging wiederum auf ihren Vater zu. „Und auf meine 2. Frage von vorhin, warum ich zu meinem 14. Geburtstag meine beste Freundin Christina nicht einladen darf, hast du mir auch nicht geantwortet!“

Robert hob erst genervt die Augenbrauen, ehe er tief Luft holte um seiner aufgebrachten Tochter spät, aber doch eine Antwort zu liefern. „Auf diese Frage kann ich dir ja mittlerweile eine Antwort geben“, das Mädchen horchte auf und betrachtete seinen Vater skeptisch und missmutig gleichermaßen.

„Und jetzt bin ich aber sehr gespannt, was du darauf für eine Antwort hast“, wobei der Sarkasmus in ihrem zynischen Unterton mittlerweile unüberhörbar geworden ist und ihre Gefechtsbereitschaft nun die höchste Stufe: >Defcon 1<, allerhöchste Alarmbereitschaft erreicht hat!

„Eine gute“, argumentierte Robert standhaft, löste seine verschränkten Arme und deutete Lisa zu sich heran; sie tat ihrem Vater den Gefallen und trat näher an ihn heran, obwohl sie nicht wusste, was er mit ihr vorhatte.

„Lisa hör mir bitte ganz kurz zu“, begann er zärtlich und nahm sie liebevoll bei der Schulter. „Es hat einen guten Grund, warum wir dagegen sind, dass deine Freundin bei der Übergabe deines Geburtstagsgeschenks zugegen ist! Denn du musst nämlich wissen: Das Geschenk, das du heute von uns erhältst, ist etwas wovon deine ...“

„Großer gegrillter Käsegeist“, rief Lisa unerwartet lautstark, ihrem Vater mittendrin das Wort abschneidend und zeigte wie gebannt zum Küchenfenster rüber, welches in Richtung anliegender Straße zeigte. „Was war denn das eben?“, dem Mädel fehlten schier die Worte und seine Anspannung wegen des angestauten Zorns auf die Eltern, verschwand augenblicklich. „Wenn ich´s nicht besser wüsste, würde ich sagen, das war Oma, wie sie auf einem Besen angeflogen kam! Aber so was kann’s doch gar nicht geben! Denn nur Hexen und Magier können auf Besen fliegen und weiß doch ein jeder Dorftrottel, dass es solche Leute nur in Büchern und im Fernsehen gibt!“, doch hätte sie dies besser nicht so standhaft verlautbart; es wäre ihr besser bekommen!

Laut murrend und knurrend meldete sich Bobby zu Wort: Er grummelte, murmelte, knurrte und fauchte dermaßen vor sich hin, dass Lisa es nun vollends mit der Angst zu tun bekam!

„Großer Gott, Bobby was hast du denn plötzlich? So sauer wie jetzt hab ich dich ja noch nie erlebt!“, sagte sie sorgenvoll und wollte schon zu ihrem Kater gehen, als just im selben Moment die Türklingel erklang.

„Lisa, ich denke, du solltest zur Tür gehen, denn ich bin sehr davon überzeugt, dass der Besuch für dich ist!“, offenbarte ihre Mutter mit freundlichem Gesichtsausdruck, doch zeigte sich das Mädel zaghaft und überlegte hin und her, ob´s denn wirklich ratsam ist jetzt zur Tür zu gehen, oder eben nicht?

Wenige Augenblicke später erklang die Türklingel bereits das 2. Mal und Lisa machte nach wie vor keine großen Anstalten, die Tür öffnen zu wollen.

„Du willst nicht? Na gut, dann müssen wir eben ein klein wenig nachhelfen, damit du gehst!“, sagte ihr Vater mit Bestimmtheit und bewirkte mit einer Prise Magie, dass ihr die Beine plötzlich nicht mehr gehorchen und sie zielstrebig, wenngleich mehr als widerwillig, zur Eingangstür gelenkt wird!

„Hey, was zum Teufel ist mit meinen Haxen auf einmal los? Die wollen plötzlich nicht so, wie ich es will!“, rief Lisa zutiefst erschrocken, denn so schnell konnte sie nicht mal denken, wurde sie schon raus aus der Küche und ins anliegende Vorzimmer, ferner in Richtung Haustür gelenkt!

„Geschieht dir vollkommen recht, du vorlautes Balg einer Junghexe!“, kicherte Bobby schadenfroh, wie sonst wer vor sich hin.

„Gut gemacht, Robert, denn sonst hätte sie sich wer weiß, wann mal in Bewegung gesetzt“, sagte Martina in löblichem Ton – Robert schmeichelte es sichtlich von seiner Gattin gelobt zu werden.

„Und nun zu uns beiden, Papa“, begann Robert in ernstem Ton, seinen Blick zum Stubentiger des Hauses umzuschwenken. „Sag mir: Musste das jetzt eben sein? Hab ja nix dagegen, dass du dich schadenfroh äußerst, aber ein paar Oktaven leiser wär´s wohl nicht gerade gegangen, oder?“, und wollte ihm schon ´ne Standpauke halten, die´s in sich hatte.

„Ja, Sohnemann: Das musste eben sein“, erklärte Bobby standhaft wie der Fels in der Brandung. „Aber du hast´s doch selbst wunderbar mitangehört, was diese verzogene Göre sagte: >Hexen und Magier gibt es nicht<“, äffte Bobby, Lisa nach und fand sich äußerst witzig dabei.

Robert, Martina und Bobby hörten mit, dass Lisa ihre Oma soeben im Vorzimmer empfängt, weswegen sich Martina noch schnell an ihren Gatten wandte: „Robert, mein Liebling eins sag ich dir noch: Unsere Prinzessin wird gleich der Schlag treffen, wenn sie erfährt, was sie ist; lass dir das von einer alten Wahrsagerin wie mir gesagt sein!“, bei Letzterem überkam sie ein eindeutig, zweideutiges Lächeln, das Robert nicht so recht zu deuten vermochte – Bobby konnte es dafür umso eher deuten; kannte er seine Schwiegertochter doch zu gut!

Robert, Martina und Bobby gesellten sich sogleich ins Vorzimmer hinzu, begrüßten den Gast freundlich, ehe sich Lisa mit ernster Miene an ihre Oma wandte:

„Du, Oma“, begann das Mädchen für Maria unerwartet, „weißt du, es gibt da was, wo du mich sicherlich für verrückt erklären wirst, wenn ich´s dir erzähle!“

„So, werd ich das? Warum denn mein Liebling?“, fragte diese und betrachtete ihre Enkeltochter mit herzensgutem Blick.

„Weil ich was sah, was es im Grunde gar nicht geben kann!“

„Ach so?“, meinte Maria mit einem Kopfschütteln. „Aber was hast du denn gesehen, Lisa?“

Sie nahm all ihren Mut zusammen, denn insgeheim fürchtete sie sich, vor ihren Eltern und der Großmutter lächerlich zu machen, wenn sie ausspricht, was zu sehen geglaubt hatte. „Weißt du, Oma: Kurz bevor du an unserer Tür geklingelt hast, hätte ich nämlich schwören können“ Lisa schluckte noch mal heftig, als ob sie einen Kloß im Halse stecken hätte, „dass du auf einem Besen angeflogen kamst! Aber das ist doch vollkommener Schwachsinn, wenn du mich fragst – wissenschaftlicher Nonsens, würde man dazu sagen; denn so was kann’s doch gar nicht geben!“

Maria sah ihrer Enkelin voller Herzenswärme und Güte in die smaragdgrünen Augen und fragte ebenso gütig: „Warum soll´s denn ein Schwachsinn sein? Erkläre mir das doch bitte mal!“

„Warum wohl?“, entgegnete Lisa rhetorisch. „Weil das, wie ich vor zwei Sekunden schon sagte, wissenschaftlicher Nonsens ist! Ferner weiß doch wirklich jeder, dass Besen nicht fliegen können - in all den Büchern und Filmen, wo Hexen und Zauberer die Hauptrolle spielen, da ist so was natürlich ganz leicht möglich! Aber das hier, das ist nun mal leider die verdammte Realität!“, mit jeder gesprochenen Silbe wurde sie ungehaltener, weil ernsthaft dachte, dass sich ihre Oma über sie lustig machen wollte – wobei es an Kater Bobby am meisten in jenem Moment war, die Fassung zu bewahren!

Maria versuchte nach Kräften, ihrer Enkeltochter weiszumachen, dass sie sich diese Begegnung von vor wenigen Augenblicken nicht bloß nur eingebildet hatte, sondern, dass sie vollkommen real war – aber Lisa wollte von alledem nichts hören, sie witterte bloß ein Riesenkomplott auf ihren Geburtstag, womit selbiger zunichtegemacht werden soll!

Aber bei aller Liebe und jedwedem Respekt zu dem jungen und gar bildhübschen Mädel: Wie kam Lisa bloß auf solch einen Gedanken, dass ihre Eltern und Großmutter am schönsten Tag des Jahres, gleich nach Weihnachten nix besseres zu tun hätten, als ihren Geburtstag zu sabotieren? Sei´s nun, wie´s dem auch immer sei: Die angehende Junghexe hatte bereits jetzt schon die Nase gestrichen voll von ihrem Geburtstag, obwohl er noch gar nicht wirklich angefangen hatte!

„Aber sag mal, Lisa: Was hast du denn um alles in der Welt vor?“, fragte Maria fast ein wenig zu naiv, obwohl sie es sich ja schon längst hätte denken können.

„Na, was wohl?“, entgegnete diese rhetorisch. „Ich verzieh mich dorthin, wo ich garantiert meine Ruhe vor eurem Idioten Verein hab! Und dass ihr mir meinen schönsten Tag, gleich nach Weihnachten gründlich versaut habt, muss ich ja wohl kaum ein zweites Mal erwähnen, oder?“, zutiefst gekränkt in der zarten Seele setzte sich das Mädchen in Richtung der aufwärts führenden Treppe in Bewegung – was es besser nicht getan hätte; denn die angehende Junghexe, die ja noch gar nicht wusste, dass sie eine ist, konnte gar nicht so schnell denken, geschweige reagieren, gehorchten ihr die, von der großen Göttin Mutter Natur gegebenen, Beine nicht mehr!

„Ja, was in 3 Teufels Namen ist denn jetzt schon wieder los?“, rief Lisa abermals zutiefst erschrocken wie zuvor, als ihr die Beine schon mal nicht mehr gehorcht haben. „Hey, bleibt doch stehen ihr depperten Haxen! Ich will nicht zu Papa, Mama und Oma zurück, ich will rauf in den 1. Stock - hey sagt mal: Hört ihr denn nicht, ihr depperten Quadratlatschen?“, doch egal wie sich das erzürnte und gleichzeitig verängstigte Mädel auch bemühte, seine unter einem magischen Bann stehenden Beine lenkten es unweigerlich dorthin, wo Mutter Martina es wollte: ins an das Vorzimmer anliegende Wohnzimmer hinein!

Schadenfroh wie sonst wer grinsten Maria, Robert, Martina und wie könnte es anders sein, Kater Bobby förmlich um die Wette.

Kurz darauf nahm die gesamte Familie im Wohnzimmer auf dem breiten gemütlichen Sofa Platz und Lisa, der blieb durch Martina´s magischem Bann nix anderes übrig, als widerwillig ebenso am Sofa Platz zu nehmen.

„Eins gleich vorweg meine kleine süße Schneeprinzessin“, begann ihr Vater die Stimme zu erheben, ab da wusste Lisa, dass es mehr als nur ernst sein musste, „nachdem wir dich ja zu gut kennen und du uns höchstwahrscheinlich gleich mit Vorwürfen überhäufen wirst, erst mal eine kleine Vorsichtsmaßnahme auf Hexenart!“

„Wie bitte? Vorsichtsmaßnahme auf Hexenart?“, rief sie entsetzt, doch war´s da auch schon geschehen: Sie verspürte plötzlich ein gar merkwürdiges Gefühl in der Mund und Lippengegend und bemerkte, dass sie keine Silbe mehr sprechen konnte – Grund genug, um in abgrundtiefe Panik zu verfallen!

Wie die Furie in Person sprang Lisa vom Sofa auf, wollte schnurstracks aus dem Zimmer stürmen, als das ihre Mutter: „Halt, hiergeblieben, Prinzessin!“, sagte und ihre angsterfüllte Tochter durch einen starken magischen Bann zurück aufs Sofa setzte.

„Tausendfach gegrillter Käsegeist: Wie bringt Mama das nur fertig? Das geht eindeutig über meinen Verstand hinaus!“, dachte das Mädel zutiefst verängstigt, als es binnen Sekunden, wenngleich auch ein wenig unsanft, zurück aufs Sofa gesetzt wurde. Die Angst in ihr war mittlerweile unübersehbar, weswegen Maria erst mal alles drauf und dran setzte, ihre Enkeltochter so schnell wie´s geht zu beruhigen.

„Lisa Liebling beruhig dich doch endlich, wir wollen dir doch um Gottes willen nix böses! Wir wollen dir doch nur eine große Wahrheit offenbar machen!“, sprach Maria liebevoll auf ihre Enkelin ein – diese beruhigte sich kurz darauf endlich und zeigte sogleich demonstrativ auf ihren nach wie vor versiegelten Mund.

„Ach das“, begann die Großmutter zärtlich, „das ist nix als eine einfache Mundsperre auf Hexenart, damit wir dir in aller Ruhe alles erklären können!“

Das einzige, was Lisa durch Gestiken erwidern konnte, war eine kraus gezogene Stirn sowie ein herzhaftes Kopfschütteln, da es ihr auf die Nerven ging, weil ihre Eltern offenbar dachten, dass sie eine Plaudertasche wäre, die erst dann aufhört zu reden, wenn ihr die Luft ausgeht oder schlimmeres!

Jedoch ohne viele Umschweife zu machen begann Maria mit dem, was sie ihrer Enkeltochter mitteilen wollte: „Was wir dir, liebe Lisa heute an deinem 14. Geburtstag mitteilen will, ist simpel! Denn du musst wissen: Es gibt eine große Wahrheit in deinem Leben, die musst du erfahren - die Wahrheit über deine wirkliche Abstammung ums kurz zu sagen!“, spätestens ab da machte das Mädel dermaßen große Augen, als ob es was sagen wolle.

Ausnahmsweise ließ Robert seine Tochter gewähren und hob ihr die Mundsperre vorzeitig auf. „Oh mein Gott, bin ich froh, endlich wieder sprechen zu können!“, sagte Lisa erleichtert wie sonst wer. „Aber wie war das eben: Wahre Abstammung? Welche wahre Abstammung denn? Was soll das heißen, Oma?“, in Lisa´s Mimik widerspiegelten sich Angst und Verunsicherung gleichermaßen.

„Ich wollte damit aussagen, dass du nicht das bist, was du zu sein glaubst - denn du bist ...“

„Adoptiert!“, beendete Lisa augenblicklich den Satz ihrer Oma. „Das ist es doch, was du mir damit sagen wolltest, oder?“, alle zeigten sich schockiert, da sie dachte, dass sie adoptiert ist – sogar Bobby schaute entsetzt auf, wie er vor ihr am Parkettboden lag und alle vier genüsslich von sich streckte.

Maria nahm ihre Enkeltochter liebevoll in die Arme und sagte voll Herzensgüte: „Ach, nicht doch, Schatz. Wie kommst du denn auf diesen Unsinn?“

„Aber was willst du mir denn sonst damit sagen, Oma?“, fragte Lisa zutiefst verunsichert. „Mal davon abgesehen, dass ich mir gerade wie einem schlechten Film vorkomme, bei all diesen Ereignissen von gerade eben: Haxen, die mir nicht mehr gehorchen, eine Mundsperre, die mir die Lippen versiegelt, dass ich kein Wort mehr sprechen kann und so weiter und so fort!“

„Beruhig dich doch erst mal wieder, Liebling“, sagte Maria gütig auf ihre Enkeltochter einsprechend und löste im selben Atemzug die herzhafte Umarmung. „Wegen deiner Sorge von vorhin: Nein, du wurdest nicht im Babyalter von uns adoptiert, denn du bist, wie wir alle ein vollwertiges Mitglied des altehrwürdigen mächtigen Berger-Clans!“, darauf reagierte das Mädchen weder schockiert geschweige denn sonst was - nein, Lisa war zutiefst verwirrt und zeigte es offen:

„Hä? Was soll denn das jetzt bitte wieder heißen? Ein Mitglied des altehrwürdigen mächtigen Berger-Clans? Aber wir sind doch Österreicher und keine Schotten - deswegen verstehe ich nicht, worauf du hinaus willst!“

„Nun ja, Lisa lass es mich so ausdrücken: Unsere Familie ist ein sehr alter Clan, der sehr, sehr weit in die Vergangenheit zurückreicht und aus diesem und anderem Grund sehr mächtig ist!“

„Ja, okay, und weiter?“

„Des Weiteren sind wir alle, genauso wenig wie du, ganz normale Menschen des sterblichen Geschlechts!“, doch darauf wurde Lisa nur umso verwirrter.

Sie schüttelte wirsch den Kopf und fragte: „Und was, um alles in der Welt soll das jetzt wieder heißen: keine normalen Menschen des sterblichen Geschlechts?“

„Lisa, ich glaube, es wird besser sein, wenn ich dir nochmals eine Mundsperre verpasse“, verkündete zu ihrem Leidwesen ihr Vater und lies seinen Worten auch gleich Taten folgen.

Das zutiefst verunsicherte Mädel bemerkte sofort wie sich seine Lippen erneut versiegelten und abermals in Panik zu verfallen drohte, was Maria aber zu verhindern wusste, indem sie ihre Enkelin mit einem magischen Bann ans Sofa bannte; zu des Mädels Leidwesen allerdings versteht sich!

„Und jetzt, wo du mir einfach zuhören musst, Lisa sage ich dir kurz knapp die ganze Wahrheit über dein und unser Leben!“, ergriff Maria ernst das Wort und Lisa machte dermaßen große Augen, dass man die Verängstigung und Verwirrtheit in ihr einfach nicht mehr übersehen konnte.

„Somit hoffe ich, dass unsere kleine Prinzessin nicht vollends den Koller kriegt, wenn sie erfährt, dass sie in Wahrheit eine Hexe ist und wie ihre Filmhelden über magische Hexenkräfte verfügt; obendrein auch noch in der 4. Dimension eine echte Prinzessin ist!“, dachte zeitgleich Robert und hoffte auf das Beste in dieser eh schon so angespannten Situation.

„Ums kurz und knapp auf den Punkt zu bringen, Lisa: Ich gehe doch in der Annahme, dass du dich fragen wirst, was seit gestern Abend hier in deinem Haus los ist, oder?“ Lisa nickte nur ein deutliches JA. „Und heute, an deinem 14. Geburtstag finden ich und deine Eltern, dass es an der Zeit ist, dass du über unser Familiengeheimnis eingeweiht wirst!“, und da Robert bemerkte, dass seine Tochter etwas sagen wollte, hob er ihr augenblicklich die Mundsperre auf – und da Martina längst wusste, was kommen würde, war sie wohl die einzige, die in diesem Augenblick die Ruhe weg war.

„Wie bitte: Familiengeheimnis? Welches Familiengeheimnis denn?“

„Welches Familiengeheimnis werden wir wohl meinen, Lisa?“, entgegnete Maria freundlich, ihre Enkeltochter herzensgut betrachtend.

„Weißt du, Oma: Solang du mir jetzt nicht wahrhaftig weismachen willst, dass es Hexerei und Co. tatsächlich geben soll, geht´s ja noch!“, verlautbarte Lisa abermals skeptisch, da sie es nach wie vor nicht glauben will, dass es Hexerei und alles, was dazugehört, tatsächlich gibt!

„Was hat das mit weismachen zu tun, Lisa? Das ist einfach die Wahrheit über uns: Denn du bist seit dem ersten Tag auf Erden eine echte Hexe und verfügst tief in dir drin über Hexenkräfte, die du dir noch nicht mal in deinen kühnsten Träumen ausmalen kannst!“, erwiderte Maria nun vollkommen offen, damit´s denn endlich ausgesprochen ist, im selben Atemzug den magischen Bann aufhebend, der das Mädel am Sofa festhielt.

So schnell wie noch nie in ihrem Leben zuvor stand Lisa vom Sofa auf, nahm ihren Kater auf den Arm, wie er vor ihren Füßen am Boden lag und stellte sich demonstrativ vor ihre Eltern und Oma hin, um zu verlautbaren, was sie von dieser Offenbarung hält: „Wisst ihr was: Jetzt weiß ich endlich, was hier gespielt wird!“

„Okay, und was, Lisa wird deiner Meinung nach hier gespielt?“, gab sich ihr Vater gespielt verunsichert, weil er gespannt war, was sie jetzt wohl sagen wollte.

„Was wohl, Papa?“, entgegnete sie todernst und wurde erneut rhetorisch in ihren Worten. „Ist doch unschwer erkennbar, dass wir alle bei Verstehen Sie Spaß gelandet sind! Ihr, die wie ihr grade wie die reinsten Unschuldsengel dreinschaut, die Lockvögel wart und ich das armselige Opfer gewesen bin, das nach Strich und Faden zum Narren gehalten wurde! Und all diese mir unerklärlichen Dinge, die mir vorhin widerfahren sind, können doch nur fiese Fernsehtricks gewesen sein! Denn wissenschaftlich kann man das alles doch gar nicht erklären!“

„Fiese Fernsehtricks? Welche fiesen Fernsehtricks denn?“, offenbarte sich nun Martina hintergründig. „Bist du dir da so sicher, dass ein fieser Fernsehtrick es fertigbringt, dass dir deine Beine nicht mehr gehorchen und deine Lippen fest versiegelt werden, sodass du nimmer reden kannst?“

„Nun ja ...“, mehr sagte das Mädel nicht, da es darauf gerade mal keine Antwort hatte. „Aber trotzdem: Ich glaube einfach nicht dran, dass ich eine Hexe bin! Denn so was kann´s einfach nicht geben!“, doch war so langsam aber sicher das Maß aller Dinge erreicht, wo es Kater Bobby vollends reicht, weil sie sich nach wie vor in rationalen, wissenschaftlichen Mitteln zu erklären versucht!

Und da dem stolzen Kater so langsam aber sicher die Hutschnur hochging, begann er abermals loszugrummeln, brummeln und zu murren. „Großer Gott, Bobby, was hast du denn jetzt schon wieder? Hast du vielleicht Schmerzen? Tut dir was weh? Nun sag schon, Bobby“, sagte Lisa und vergaß augenblicklich, warum sie so aufgebracht ist – denn Bobby ist und bleibt nun mal ihr großer Liebling, für den sie wirklich bis ans Ende der Welt und buchstäblich durch die Hölle gehen würde, wenn´s denn nötig ist!

Doch was die angehende Junghexe in diesem Moment nicht bemerkte: Ihr Vater gab Bobby soeben über Gestiken zu verstehen, dass er nun das erste Mal hochoffiziell in ihrer Gegenwart seinen vorlauten Schnabel aufmachen dürfe!

„Du willst wissen, was mit mir los ist?“, sagte Bobby plötzlich tiefgründig und erzürnt, wie er von Lisa am Arm gehalten wurde.

„Großer gegrillter Käsegeist noch mal“, rief das Mädel erschrocken, „wer oder was hat da eben gesprochen?“ Lisa machte ein dermaßen dummes Gesicht in diesem Moment, dass man es im Grunde auf Foto festhalten hätte müssen, um später eine wunderbare Erinnerung davon zu haben!

„Dreimal darfst du raten“, verkündete Bobby erneut hintergründig – allerdings hatte Lisa den Groschen noch immer nicht fallen gehört!

„Kann mir denn einer von euch mal sagen, wer da dauernd zu mir spricht?“, fragte sie in die illustre Runde und schaute nacheinander mit fragendem Blick erst ihren Vater, dann ihre Mutter und zu guter Letzt ihre Oma an.

„Mein Gott, hockst du wirklich so auf der Leitung, Lisa oder ist sie bloß so lang wie die Wiener Wasserleitung?“ Bobby musste sich eisern beherrschen, um nicht jetzt schon tierisch schadenfroh loszulachen.

„Und ihr“, begann das Mädel erzürnt demonstrativ auf seine Eltern und Oma zeigend, „sagt mir viel lieber, wer da dauernd zu mir spricht und vor allem meinen Namen kennt, anstatt wie blöde um die Wette zu grinsen, als ob´s dabei was zu gewinnen gäbe!“

„Prinzessin, ich, an deiner Stelle würde mal ein paar Millimeter unter deine linke Hand schauen, dann wüsstest du, wer da zu dir spricht“, meinte ihr Vater schadenfroh und musste sich mit aller Gewalt ein Lachen verkneifen – ein schelmisches Grinsen jedoch, das konnte er sich dann doch nicht mehr zurückhalten!

„Wie bitte? Du meinst doch jetzt nicht unseren guten alten Bobby, oder?“, erkundigte sich Lisa verdutzt. „Aber das ist doch Humbug; Stubentiger, auch wenn sie wie unser Bobby noch so süß sind, können doch nicht reden – wie denn auch?“, und da tat sie auch schon, was Bobby wollte: Sie drehte ihren Kater zu sich um und hielt ihn sich vors Gesicht.

Und wer Bobby kennt, der weiß, dass er mitunter unversöhnlich sein kann; vor allem dann, wenn man an seiner Ehre als Hexenmeister zweifelt! Und dies zeigt er nun unverhohlen: „Hallo Lisa-Marie. Na, glaubst du jetzt endlich, dass dein Bobby sprechen kann?“, doch was folgte, war ein Schreikrampf - ein Schreikrampf, welcher ihre Stimmbänder zum Beben brachte, ehe sie die Besinnung verlor und wie ein Sack Mehl nach hinten umkippte!

Aber da Martina dank ihrer Gabe der Vorsehung dies schon im Vorhinein wusste, ließ sie ihrer Tochter bereits vorsorglich eine dicke federweiche Matratze erscheinen, auf die sie soeben mit voller Wucht plumpste.

Die Ohnmacht, die das reizende Mädel umfing, dauerte zwar nur knapp eine Minute, für Lisa hingegen fühlte es sich wie ein einziger Wimpernschlag an!

Erst von fern, dann immer näher kommend hörte sie, wie eine Stimme ihren Namen rief: „Lisa ..., Lisa ..., hey, Lisa, hörst du mich? Hallo, hörst du mich, Lisa-Marie?“, kurz darauf begann sie zu erwachen, schlug die Augen auf und spürte etwas Feuchtes vor sich im Gesicht: Es war Bobby, der vor ihr auf der Brust saß und ihr zärtlich und gar liebevoll über die Nase leckte.

„Und, bist du denn nun wieder unter den Lebenden?“, fragte Bobby unverhohlen – doch geschah´s ein zweites Mal: Sie fiel erneut in Ohnmacht; diesmal für ganze 15 Minuten – allerdings ohne wie zuvor am Spieß loszuschreien!

Und zwar dauerte diese Ohnmacht diesmal geschlagene 15 Minuten; für Lisa aber fühlte es sich wieder nur wie ein Wimpernschlag an! Zuvor erwachte sie am Boden auf der Matratze liegend, jetzt fand sie sich zur großen Verwirrung am Sofa liegend wieder und blickte ins bildschöne Gesicht ihrer Mutter. Das Mädchen schlug zaghaft die Augen auf und fragte: „Mama? Was ist denn passiert? Und wo bin ich?“

„Keine Angst, Schatz: Du bist nur zum 2. Mal in Ohnmacht gefallen und wir haben dich inzwischen aufs Sofa rüber verfrachtet!“

„Und Bobby, wo ist der?“

„Hier drüben“, sagte ihre Mutter und zeigte zum Wohnzimmertisch links von sich, wo Bobby anmutig wie eine Statue saß und sie mit einem treuherzigen Dackelblick betrachtete.

Dennoch der langen Rede kurzer Sinn: Das Mädel sollte gleich feststellen, dass ihr kleiner Liebling nicht nur gemein, sondern auch ganz schön feindselig und hintergründig sein kann!

Sehr rasch, sehr heikel setzte sie sich auf und wandte sich Bobby am Wohnzimmertisch zu. Zärtlich streichelte sie ihm den Kopf und bat ihn: „Bobby, tu mir doch bitte den einen kleinen Gefallen und Beweise mir, dass du sprechen kannst! Denn ich will nur sichergehen, dass ich mir das eben nicht nur eingebildet hab!“

Allerdings nahm der stolze Kater es ihr nach wie vor Übel, dass sie an seiner Ehre als Hexenmeister zweifelte, weswegen er ihr ganz Katzen like nur ein zärtliches: „Miau“, erwiderte.

„Ja, das ist typisch, Papa: Wenn man an seiner Ehre zweifelt, ist er jedes Mal unversöhnlich!“, dachte Robert mit schadenfrohem Grinsen und unbedacht verschränkten Armen, wie er neben dem Sofa stand und Lisa und Bobby betrachtete.

„Nicht miau; meinen Namen sollst du sagen, Bobby!“, bestand Lisa hartnäckig darauf, da sie sich sicher war, dass Bobby zu ihr gesprochen hatte. „Also noch mal: Wie ist mein Name?“

Bobby hob unschuldig die rechte Pfote, legte den Kopf schief und antwortete: „Miau“, alle lachten; bis auf Lisa, die wurde Sauer:

„Ich heiße doch nicht miau!“, abermals fühlte sich ihre Familie königlich amüsiert – was ihrer Laune aber keineswegs zuträglich war. „Ach komm schon, Bobby: Tue mir bitte doch den einen kleinen Gefallen und sprich noch mal mit mir“, und wenngleich es unbewusst war, tat das Mädchen nun genau das Richtige: Es begann dem Kater zärtlich den Kopf zu kraulen; das ist, was er am liebsten mag und ließ es auch gleich offenbar werden:

„Oh ja, das machst du gut, Lisa! Denn du glaubst ja gar nicht, wie gut das tut und wie beruhigend das ist – abgesehen vom Geschenk der Taubheit, welches du mir vorhin durch dein infernalisches Gebrüll hast zukommen lassen!“, vor allem bei Letzterem mussten sich ihre Eltern und ihre Oma sehr bemühen, nicht amüsiert loszulachen!

Lisa freute sich, wie eine Schneekönigin als Bobby diese Worte sprach. „Hab ich’s mir also doch nicht nur eingebildet“, rief das Mädchen und zeigte demonstrativ auf seinen Kater vor sich. „Bobby kann also tatsächlich sprechen! Die Frage aber bleibt: Wie das bloß möglich ist?“

Unglaubliche Erkenntnisse (2. Akt)

„Diese Antwort kann ich dir schon selbst liefern, Lisa“, sagte Bobby und das Mädel wurde neugierig und verdutzt gleichermaßen, da es ihm nach wie vor ein Rätsel war, wodurch Bobby die Gabe des Sprechens beherrscht.

Dieser erhob sich anmutig und baute sich würdevoll vor Lisa auf. „Darf ich mich vorstellen, gnädiges Fräulein: Robert-Alois Berger Senior, ist mein geschätzter Name! Und ja, ich bin es, dein Opa; der, von dem du schon oftmals versucht hast, etwas zu erfahren, und dir jedes Mal die Antworten verwehrt blieben!“, und waren diese aussagekräftigen Worte kaum verklungen, klappte dem Mädel buchstäblich die Kinnlade runter - Lisa fand einfach keine Worte mehr; denn mit allem hätte sie jetzt gerechnet, aber nicht damit! Letztendlich bewegte sie zwar den Mund auf und zu, doch kamen keinerlei Worte raus; zumindest keine, die verständlich gewesen wären!

„Mein Gott, schaust du grade dämlich aus der Wäsche“, lachte Bobby aus voller Brust. „Aber es ist nix als die reine, lautere Wahrheit, meine süße; frag deine Eltern oder deine Oma und du wirst erkennen, dass ich die Wahrheit spreche! Allerdings hat´s einen guten Grund, warum du mich in der Gestalt eines schwarzen Katers kennenlernen musst!“

Spät aber doch fand sie die passenden Worte: „Ah ja und was wär das für ein Grund, wenn ich fragen darf?“

„Weißt du, Goldstück: vor exakt 100 Jahren ...“

„Sag das noch mal, Bobby, oh entschuldige bitte, Opa“, unterbrach sie ihren Kater plötzlich.

„Keine Sorge, Lisa: Du darfst gern weiterhin Bobby zu mir sagen, wenn du magst, denn es macht keinen Unterschied für mich, ob du mich mit Opa oder Bobby ansprichst – mir ist das gehatscht, wie gehupft musst du wissen!“ Lisa nickte erst nur.

„Okay, Bobby“, begann sie sogleich, „aber hast du eben tatsächlich >vor 100 Jahren<, gesagt, oder hab ich mich da eben verhört?“, und betrachtete den Kater dermaßen verwirrt, sodass sogar ein blinder mit Krückstock ihre Verwunderung bemerkte.

„Tja, Lisa du musst wissen: Wir Hexen und Magier dürfen im Grunde ein unsterbliches Leben genießen, wenn denn nicht was Unvorhergesehenes wie ein Scheiterhaufen oder Tauchstuhl uns dazwischen kommt; doch dazu später mehr!“

„Aber ..., aber ...“, stammelte die angehende Junghexe vor sich hin. „Soll das etwa heißen, dass es Hexen und Magier tatsächlich gibt?“

„Was hast du denn geglaubt, Engelchen?“, offenbarte Bobby erheitert. „All das was du hier, und auch gestern Abend schon, und heute Morgen beim Frühstück mit deinen Froot-Loops erlebt hast, war pure Magie; nicht mehr und nicht weniger!“, setzte er hinten an und war erheitert über die Sprachlosigkeit seiner Enkeltochter.

Diese schüttelte wieder mal unwirsch den Kopf und wollte einen Beweis dafür, dass Bobby die Wahrheit spricht: „Bobby, wenn du tatsächlich ein Magier bist, dann Beweise mir doch bitte, dass du über magische Fähigkeiten verfügst!“

„Diesen Beweis würde ich dir liebend gern antreten, aber dazu musst du dich leider an deinen Papa, deine Mama oder deine Oma wenden! Denn ich kann leider erst in frühestens 200 Jahren von meinen Kräften wieder Gebrauch machen; den Grund dahinter erkläre ich dir sogleich“, daraufhin betrachtete sie Bobby nur noch mit einem ausdruckslosen Blick – verwirrt, wie sie gerade war, verstand sie nicht, warum ihrem Opa die Hexenkräfte vor 100 Jahren entzogen wurden.

Aus diesem Grund übernahm nun ihr Vater den Part der Konversation und hatte eine Frage an sie zu richten: „Lisa, eine Frage: Woran denkst du gerade?“

Eilig wandte sich das Mädchen dem Vater zu, weil diese Frage unvermutet gekommen war. „Wenn du´s ehrlich wissen willst, Papa: Ein Glas Cola - denn ich hab ´nen Mordsdurst, wenn ich ehrlich sein soll! Aber warte kurz, ich hol mir schnell was aus der Küche“, und wollte sich schon auf den Weg in die anliegende Küche machen.

„Diesen Weg kannst du dir ab heute sparen, wenn du Lust auf das hast, was wir dir heute und hier und jetzt offenbaren wollen!“, merkte ihre Mutter freundlich und wohlwollend an.

„Warum denn ersparen, Mama? Das Glas Cola wird doch wohl kaum hier vor mir erscheinen, oder?“, wobei diese naive Frage eindeutig aufzeigte, dass das Mädel wieder mal ordentlich auf dem Schlauch hockte!

„Und was würdest du sagen, wenn dein Glas Cola gleich vor dir am Wohnzimmertisch erscheinen wird?“, fragte ihr Vater und machte einen demonstrativen Fingerzeig zum Wohnzimmertisch.

Lisa konnte und wollte es einfach nicht glauben, obwohl sie es mit eigenen Auen sah: „Großer Gott der gehörnte steh mir bei“, rief sie erstaunt. „Wie hast du denn das eben gemacht, Papa? So was grenzt doch schon fast an Hexerei“, ihre Familie lachte herzhaft, als sie dies verlautbart hatte.

„Lisa, das IST Hexerei, und bedenke: Nach ein klein wenig Übung kannst du das auch; entstammst du ja demselben Hexengeschlecht und bist somit vom selben Schlag wie wir alle: Eine echte Berger-Hexe vom Kopf bis zu den Zehenspitzen!“, klärte sie der Vater auf, und war nun das der Beweis, den sie wollte - obwohl, ganz konnte sie es noch immer nicht glauben, dass Magie und Hexerei tatsächlich existieren soll!

„Papa meinst du wirklich, dass ich das auch kann?“

„Mit absoluter Sicherheit! Denn du ...“, weiter kam dieser nicht, wurde seine Tochter schon vom Ehrgeiz gepackt!

Rasch und unvermutet erhob sie sich vom Sofa und sagte: „Wenn ich, wie du sagst, eine echte Hexe bin, dann brauch ich mich doch nur auf das zu Konzentrieren, was ich erreichen will, oder hab ich da jetzt was falsch verstanden, Papa?“

„Ja, schon, Lisa“, begann ihr Vater, „aber sag mal: Was hast du denn vor?“, doch war´s bereits zu spät und das Unglück nahm seinen verhängnisvollen Lauf: Lisa zeigte in Richtung des 150 cm großen LED-Fernsehers an der Wand. „Lisa ...“, mehr brachte ihr Vater nicht mehr hervor, schoss plötzlich ein obskurer Lichtblitz aus Lisa´s Zeigefinger und traf den Fernseher an der Wand! Es krachte und polterte dermaßen laut, dass buchstäblich die Wände wackelten, und das Endergebnis, war ein Fußball großes Loch inmitten des Fernsehers und der dahinter liegenden Hauswand!

„Großer gehörnter Gott und Mutter Natur, bitte steht mir bei“, rief das Mädchen zu Tode erschrocken. „Papa bitte glaub mir: Das wollte ich nicht! Entschuldige bitte tausendmal, aber das wollte ich wirklich nicht!“, zu Tode erschrocken wandte sie den Blick zu ihrem Vater um.

Der verlautbarte erst mal gar nix, sondern näherte sich langsam und zielstrebig seiner Tochter – wobei sein Mienenspiel bereits ganze Bände sprach!

„Oho“, begann Bobby in eindeutig zweideutigem Ton, „schau an: Jetzt sieht man den halben Schneeberg durch den durchschossenen Fernseher ins Wohnzimmer lachen! Na ja, was soll´s? Hat sicher auch nicht jeder einen so tollen Ausblick auf unseren Hausberg!“, und lachte schelmisch, da ihn die Situation herrlich zu amüsieren schien.

„Papa bitte, so glaub mir doch: Das hab ich wirklich nicht gewollt! Es tut mir unendlich leid, dass das passiert ist! Wenn ich könnte, würde ich den Schaden sofort ungeschehen machen!“, verkündete das Mädchen nach wie vor sich in Entschuldigungen übend, da sie bereits die allerschlimmste Standpauke fürchtete, die sie jemals in ihrem Leben über sich hatte ergehen lassen müssen!

„Lisa-Marie bist du dir überhaupt im Klaren, was du da gerade angerichtet hast?“, das Mädel zuckte vor Angst tief in sich zusammen, befürchtete es einerseits schlimme Ohrfeigen, obwohl sie wusste, dass sich ihr Vater wohl nie auf so ein Niveau begeben würde, andererseits hasste sie es abgrundtief, dass sie wieder einmal bei ihrem Doppelnamen: Lisa-Marie genannt wurde! Ihr Gefühle fuhren Achterbahn; wusste sie doch nicht, was sie außer einer schlimmen Standpauke noch erwarten würde?

Robert blieb indes vor seiner Tochter stehen, ließ sich zu ihr auf Augenhöhe runter und sprach abermals tief erzürnt: „Lisa-Marie, bist du dir überhaupt im Klaren, was du da gerade eben angerichtet hast?“, doch mischte sich just in diesem Moment seine Göttergattin ein:

„Robert bitte: Musst du unsere Tochter denn so ängstigen mit deinem erbärmlichen Trauerspiel?“

„Hä, wie bitte? Trauerspiel? Was denn für ein Trauerspiel?“, fragte Lisa verwirrt, sich an ihre Mutter wendend. „Wieso Trauerspiel, Mama? Was meinst du damit?“, in dem Mädel keimte ein schlimmer Verdacht auf.

„Na los, komm schon, Robert: Sag ihr doch endlich die Wahrheit, oder ich tu´s für dich!“, befahl Martina und Robert´s Gesichtsausdruck entspannte sich augenblicklich – er musste sogar lachen dabei.

„Entschuldige, Prinzessin, aber das musste einfach sein - ein kleiner Scherz meinerseits, nicht mehr und nicht weniger!“, und nahm seine Tochter liebevoll in den Arm und betrachtete sie mit herzensgutem Blick.

Lisa begriff sofort und entspannte sich in der schnelle von Sekunden. Sie atmete zutiefst erleichtert auf und meinte sodann sarkastisch: „Hahaha, sehr witzig, Papa“, und konnte sich ein herzhaftes Grinsen aber trotzdem nicht ganz verkneifen.

„Mach dir keine Sorgen, Schatz denn so was kann doch jedem Mal passieren!“

„Wie meinst du das, Papa?“ Lisa verstand nicht, was ihr Vater meinte, während sie mit großen Augen zu ihm aufsah.

„Ich wollte sagen: Das haben wir doch gleich wieder in Ordnung gebracht; schau her“ Robert schnippte kurz mit den Fingern und siehe da, der Fernseher war wieder der alte und das Loch in der Wand war auch verschwunden!

„Krass, Papa“, mehr brachte das erstaunte Mädchen nicht hervor.

„Tja, was soll ich sagen? Wenn man seine Kräfte unter Kontrolle hat, ist so was ein Klacks für unser eins! Aber trotzdem solltest du eins bedenken: Ohne Ausbildung in der Kunst der Hexerei wird´s nicht gehen!“

Lisa machte ein enttäuschtes Gesicht und verlautbarte genervt: „Menno; dauernd muss man irgendwas Lernen!“

„Lisa bedenke: Es gibt wenig in der Welt, dass man ohne Übung oder Lernen fehlerfrei beherrscht; so auch die Kunst der Hexerei wie du schon bald selbst erkennen wirst! Aber keine Angst, es hört sich schwerer an, als es in Wahrheit ist! Und üben kannst du wirklich jederzeit, wenn du Lust und Laune dazu hast! Denn je mehr du dich in der Kunst der Hexerei übst, umso besser wirst du darin!“

„Aber versprich uns bitte eins, Lisa“, ergriff nun ihre Mutter das Wort.

„Und das wäre, Mama?“, fragte das Mädchen, während es sich zurück aufs Sofa setzte.

„Dass du in Zukunft bitte vorsichtiger bist, wenn du dich in der Kunst der Hexerei übst! Denn es stimmt schon, was dein Papa sagte: Für unser eins mag´s zwar ein Klacks sein die Schäden am Haus oder anderweitig zu reparieren, aber wenn es sich vermeiden lässt, wär´s mir trotzdem allemal lieber“, bei Letzterem überkam ihre Mutter ein hintergründiges Lächeln, welches sie sich nicht zurückhalten konnte.

„Dieses versprechen kann ich dir jederzeit geben, Mama, dass ich in Zukunft vorsichtiger agieren werde, wenn ich mich in der Kunst der Hexerei übe! Denn du glaubst ja wahrscheinlich nicht, wie ich mich erschrocken hab, als plötzlich ein Fußball großes Loch im Fernseher und der Wand dahinter klaffte!“, niemand ihrer Familie konnte sich jetzt zurückhalten: Sie mussten allesamt herzhaft über diese Aussage lachen; selbst Lisa, da das Lachen auf sie ansteckend wirkte.

„Ach, Lisa sag mal: Willst du denn nicht erfahren, warum ich zum Kater wurde? Und was genau vor 100 Jahren geschehen ist, dass es so weit kam?“, fragte Bobby sogleich offenherzig.

„Sehr gern, Opa“, sagte sie und genehmigte sich einen großen Schluck Cola, denn sie hatte großen Durst und drängte darauf ihn zu stillen.

„Dann höre mir bitte ganz kurz gut zu und lass dir meine Erzählung eine Warnung fürs Leben sein“, entgegnete Bobby seiner Enkeltochter. Diese betrachtete ihren Kater und wartete drauf, dass er zu erzählen begann.

„Lisa du musst wissen: Wir Hexen und Magier dürfen im Grunde ein unsterbliches Leben genießen, wenn uns nicht etwa ein Scheiterhaufen oder Tauchstuhl dazwischen kommt! Doch erübrigt sich diese Angst heutzutage ja Gott sei Dank, da Hexenverbrennungen und so weiter ja endlich der Vergangenheit angehören! Des Weiteren ist mein Geburtstag nun mal der 15.10.1357 und ich bin somit stolze 660 Jahre alt!“

„Oh mein Gott“, murmelte die angehende Junghexe leise vor sich hin, wobei ihre Blicke Bände sprachen.

„Ferner musst du wissen, dass ich, wie deine Oma im Laufe der Zeit zur Tarnung für die sterblichen versteht sich, die unterschiedlichsten Berufe ausgeübt haben, damit es eben nicht auffiel, dass wir Hexen und Magier sind!“ Lisa nickte nur. „Und des Weiteren wechselten ich und deine Oma vor exakt 120 Jahren abermals den Beruf nebst Wohnort und zogen in die altehrwürdige Kaiserstadt Wien!“

„Du, Bobby entschuldige, dass ich dich unterbreche“, begann Lisa unvermutet, „ich hab da mal durch Zufall einen Wikipedia-Artikel über Kaiser Gregor von Österreich gelesen! Da stand nämlich geschrieben, dass der Kaiser vor exakt 100 Jahren um Haaresbreite einem Mordanschlag entging und, dass ein Generalmajor in seinen Diensten ihn Töten und die Macht an sich reißen wollte! Kann es sein, dass deine Erzählung rein zufällig irgendwas damit zu tun hat?“ Bobby blickte schuldbewusst zur Tischplatte und sagte kein Wort. „Bobby, ich hab dich was gefragt!“, drängte Lisa ungeduldig auf eine Antwort von ihm.

Dieser blickte weiterhin still und schuldbewusst zum Tisch unter sich. „Lisa ich muss dir ein Geständnis machen!“, erhob Bobby langsam die Stimme, erhob den Kopf und versuchte seiner Enkelin in die Augen zu blicken; dennoch fiel´s ihm schwer. „Dieser Wikipedia-Artikel stimmt leider haargenau aufs Wort, musst du wissen?“ Lisa wurde neugierig, was Bobby damit bloß aussagen wollte und was das denn nun mit ihm zu tun hatte. „Denn ich muss es ja wissen: War ich doch damals dieser größenwahnsinnige Generalmajor im Heer von Kaiser Gregor!“, als Bobby dies offenbart hatte, zeigte sich Lisa zutiefst schockiert und abgrundtief erschüttert; insgeheim hoffte sie nach wie vor, dass es nicht wahr war, was ihr erzählt wurde.

„Herr du meine Güte: Mein Opa ein beinahe Mörder; das gibt´s doch nicht“, murmelte sie leise vor sich hin, um den Schock besser verdauen zu können, da sie so langsam aber sicher zu realisieren begann, dass es doch wahr sein musste.

„Aber warum um alles in der Welt wolltest du den Kaiser töten und die Macht an dich reißen?“, drängte sich dem Mädel diese Frage geradezu auf.

Bobby betrachtete Lisa schuldbewusst, ehe er antwortete: „Der Größenwahn, Lisa! Wirklich nichts als der schiere Größenwahn war schuld dran! War mir die Tatsache, dass ich ein Hexenmeister bin und übernatürliche Kräfte besitze, dermaßen zu Kopf gestiegen, dass ich wahrlich zu allem bereit war; sogar zu Mord! Und um deine Frage vorwegzunehmen: Mithilfe schwarzer Magie wollte ich den Kaiser töten und den Thron und die Herrschaft über ganz Österreich-Ungarn an mich reißen, wenn ...“

„Wenn?“, fragte Lisa neugierig, denn Bobby sprach plötzlich nicht mehr weiter.

„Lisa, du musst wissen: Wir Hexen und Magier haben einen Kodex, den wir befolgen müssen! Das ist gewissermaßen das Gesetzbuch der Hexerei! Und dieser Hexenkodex verbietet nun mal klipp und klar die Anwendung schwarzer Magie!“

„Okay, Opa“, entgegnete das Mädchen mit einem Kopfnicken. „Aber warum ist schwarze Magie denn verboten?“, platzte es reichlich naiv der angehenden Junghexe raus; doch wäre sie besser dran gewesen, nicht so dumm gefragt zu haben!

„Herrgott noch mal: Kann man denn noch depperter fragen?“, echauffierte sich Bobby plötzlich lauthals – das Mädel zuckte erschrocken in sich zusammen, da es mit diesem Gefühlsausbruch nicht gerechnet hatte.

„Entschuldige Bobby, war doch nur eine Frage“, brachte sie um Entschuldigung bittend entgegen und hoffte, dass sich Bobby wieder beruhigen möge.

„Na gut, Lisa ich vergebe dir, ganz zu schweigen zu diesem Armleuchter, den du Papa nennst!“, entgegnete Bobby scharf. „Denn dir gottverdammten Armleuchter werde ich niemals vergeben, damit du´s nur weißt!“, verkündete Bobby weiter und sah bei Letzterem demonstrativ seinen Sohn Robert an; der fühlte sich, wie Lisa bemerkte tief betroffen und machte keinerlei Erwähnung darauf.

„Bobby sag doch mal: Was meinst du damit, dass du Papa niemals im Leben verzeihen wirst und, dass du ihn einen gottverdammten Armleuchter nennst?“

„Darauf komme ich nachher noch zu sprechen, erst führe ich diese Erzählung zu Ende! Haben wir uns verstanden?“, in Bobby´s Worten lagen eiskalter Schneid und dämonischer Zorn zu gleichen Teilen.

„Okay, na gut, Bobby“, stimmte sie notgedrungen zu und lauschte weiter den Worten ihres Katers, da sie ihn nicht noch weiter reizen und erzürnen wollte, als er es eh schon war.

„Ums auf den Punkt zu bringen: Die schwarze Magie ist deswegen verboten, weil man mit ihr jemandem Töten kann, ohne mit der Wimper zu zucken! Das ist mit weißer Magie; der Magie, die wir Hexen und Magier verwenden, nämlich nicht möglich, musst du wissen!“ Lisa nickte abermals nur. „Des Weiteren steht eine hohe Strafe bei Missachtung dieses Gesetzes an, musst du wissen! Und ich war damals leider so deppert und musste Fortuna förmlich in Versuchung führen!“

„Okay und weiter?“, fragte das Mädel offenherzig und genehmigte sich noch mal einen großen Schluck Cola, ehe sie ihre Aufmerksamkeit wieder Bobby widmete.

„Wie gesagt: Ich war leider so deppert, hab das Glück zu sehr herausgefordert und ließ mich prompt in flagranti von den ehrenwerten Vorsitzenden des Hexenrats: Dominik, Roman und Simon erwischen! Das Ende vom Lied war, dass ich vors hohe Tribunal des Hexenrats gestellt wurde und mir eine 300-jährige Strafe wegen Missachtung des Hexenkodex´ aufgebrummt worden war! Die einzige Gnade, die mir der Richter zugestanden hatte, war, dass ich diese 300 Jahre bei euch als euer Haustier namens Kater Bobby fristen darf und meine Kräfte erst nach Ablauf dieser gottverdammten 300 Jahre wieder zurückerhalte!“

Lisa schluckte erst mal heftig, als sie erfuhr, warum ihr Opa ein Leben, als Kater fristen muss, für noch weitere 200 Jahre in die Zukunft hinein.

„Und daher bitte ich dich inständigst: Komm bitte niemals auf die Idee, schwarze Magie in Betracht zu ziehen, geschweige denn sie auch anzuwenden! Du siehst ja an mir, was die Folge davon ist! Versprich mir das bitte, Lisa!“, fuhr Bobby eindringlich fort.

„Ja, Opa: Ich verspreche dir bei meiner Ehre als Hexe, dass ich niemals schwarze Magie in Betracht ziehen werde, geschweige denn sie auch anzuwenden“, genau genommen war´s ihr noch sehr ungewohnt sich selbst als Hexe zu bezeichnen, ein Wesen, von dem sie jahrelang felsenfest davon überzeugt war, dass es sie nicht gibt!

Und wollte Bobby auch schon weiter sprechen, ergriff das Mädchen unvermutet das Wort und blickte seinen Vater dabei an: „Ach Papa, darf ich dich schnell was fragen, ehe ich´s vergesse?“

„Klar, warum nicht?“, meinte ihr Vater und Bobby übte sich in Geduld und Abwarten. Doch wenn er wie Schwiegertochter Martina hellseherische Kräfte hätte, würde er wohl nicht so ruhig und gelassen bleiben, denn:

„Papa du sagst ja oft, dass dir meine Obstkuchen so gut schmecken, dass du dich förmlich verrückt essen könntest daran.“

„Das stimmt ja auch“, sagte ihr Vater offenherzig. „Aber worauf willst du denn hinaus?“

„Oh je, das kann kein gutes Ende nehmen“, dachte zeitgleich ihre Mutter, da sie ja schon im Vorhinein wusste, worauf diese Unterredung rausgehen würde!

„Ich wollte dich nur fragen, ob du was dagegen hast, wenn ich heute Abend ein neues Rezept ausprobiere?“

„Neues Rezept? Warum denn nicht? Ich bin offen für alles, das solltest du doch wissen, Lisa“, sagte ihr Vater und zeigte damit seinen guten Willen offen an. „Und sag doch: Wie lautet denn der Name oder wie nennt sich der Kuchen, an dem du dich versuchen willst?“, insbesonders Bobby lauschte neugierig Lisa´s Worten und erahnte nicht im Geringsten, was gleich folgen würde!

„Großer Gott, der gehörnte: Jetzt kommt, was unvermeidlich ist!“ Martina sah bereits das allerschlimmste Kommen und Bobby, der wie gesagt nicht fähig ist in die Zukunft zu sehen, konnte nur abwarten, was Lisa jetzt wohl sagen würde:

„Das Rezept, das ich ausprobieren will, hab ich gestern Abend auf: www.backrezepte.at gefunden und nennt sich: Ananas Kuchen ...“ Bobby´s Mimik verfinsterte sich augenblicklich, als diese Frucht genannt wurde, doch Lisa bemerkte es nicht - sie sprach ungeniert weiter:

„Weißt du, Papa: Das ist ein einfaches Rezept! Man braucht nur einen Becher Zucker, 4 Eier, ein Becher Sauerrahm, ein Becher Mehl, 1 Packung Vanillezucker, 1 Packung Backpulver und 2 große Dosen Hawaii Ananas, am besten in Stückchen geschnitten“, und das war zu viel für Bobby´s Nervenkostüm; ihm ging buchstäblich die Hutschnur hoch – will sagen: Er kochte förmlich über vor Zorn!

„Hey, ich warne dich du Jungspund einer Hexe: Wage es nicht noch einmal und sprich den Namen dieser gottverdammten FRUCHT in meiner Gegenwart aus!“, echauffierte sich Bobby lauthals. Lisa fuhr herum und betrachtete ihn mit schockiertem Blick; war sie sich doch keinerlei Schuld bewusst!

„Was hast du denn, Bobby? Sag doch: Was hab ich denn Falsches gesagt?“

„Das weißt du sehr genau und gib dich nicht dümmer, als du bist“, fauchte er Lisa abgrundtief wütend an.

„Robert bitte: Beruhige dich doch! Lisa kann´s doch nicht wissen und sie hat es sicher nicht mit Absicht getan!“, erbat sich Martina augenblicklich bei ihrem Schwiegervater und wollte für ihre Tochter eintreten und Bobby zur Ruhe bringen; vergeblich: Lisa sprach zu Bobby´s Unmut den Namen dieser gelben Südfrucht noch einmal aus:

„Ich verstehe beim besten Willen nicht, was du hast! Ich hab doch nur gesagt, dass es ein Hawaii-Ananas-Kuchen ist“, da erhob sich der Kater plötzlich, machte einen derart großen Katzenbuckel und fauchte dermaßen los, dass die Junghexe es mit abgrundtiefer Angst bekam, als er:

„Maria tue mir bitte einen Gefallen und halte mich zurück, ehe Lisa meine Krallen zu spüren bekommt!“, lauthals vor sich hin fauchte, vor abgrundtiefem Zorn, der sein zartes Herz umgarnte!

Maria tat Bobby den Gefallen, nahm ihn auf den Arm und wandte sich in selbiger Sekunde an ihre Enkeltochter: „Lisa tu mir und dir doch selbst bitte einen gefallen: Sprich bitte nie wieder den Namen dieser Frucht aus, wenn dein Opa es hört! Denn du musst wissen, dass es einen sehr guten Grund dafür gibt, warum er so sauer geworden ist, als du das eben gesagt hast!“ Lisa verstand auf Anhieb den ernst der Lage und bat Bobby zu sich um sich bei ihm zu Entschuldigen.

Maria kam der Bitte nur recht widerwillig nach, weil sie fürchtete, dass es nicht gut ausgehen würde und sie ferner ihren Göttergatten ja zu gut kennt und weiß, wie unversöhnlich er in manchen Dingen sein kann!

Bobby hatte zwar noch immer eine Mimik wie 10 Tage Regenwetter drauf - und wenn Blicke töten könnten, wär Lisa längst all ihre Sorgen los; dermaßen bitterböse betrachtete er das Mädchen nach wie vor!

Jedoch weiß die Junghexe nun einmal sehr genau, wie sie ihren Bobby in Windeseile beruhigen kann! „Bei Luzifers Bart noch mal: Du bist echt gemein, weißt du das? Denn das verstößt doch wirklich gegen alle Regeln der Kunst!“, protestierte der Kater augenblicklich los, denn sie kraulte ihm zärtlich den Kopf, und das ist und bleibt Bobby´s größte Schwäche! Will sagen: Wenn Lisa ihm zärtlich den Kopf krault, verfällt er wahrlich jedes Mal in einen Anfall von Glückseligkeit, und das wurmt den stolzen Kater sichtlich!

„Bobby Liebling, woher hätte ich den ahnen sollen, dass du diese Frucht nicht ausstehen kannst! Und es tut mir unendlich leid, dass ich das gesagt hab! Sag mir daher bitte, wie ich das jemals wieder gut machen kann!“

„Ich weiß ´ne Lösung, Lisa“, erwiderte Bobby mit ernster Stimme.

„Und die wäre?“, fragte sie und war gespannt wie ein Flitzebogen auf die Antwort, die da gleich folgen würde.

„Dass du bitte niemals wieder den Namen dieser gottverdammten Frucht in den Mund nimmst, wenn ich in der Nähe bin und, dass du mir bitte das nächste Mal Bescheid gibst, wenn du dir ...“, doch unterbrach sich er sich unerwartet und sprach nicht mehr weiter.

„Und, Bobby?“, fragte Lisa, da sie nicht wusste, was sie davon bloß halten soll.

„Oh ja, ich weiß, was jetzt kommt: >Schatten überm Rosenhof<, dabei kann ich meinen Schwiegerpapa sehr, sehr gut verstehen!“, dachte indes Martina tief betrübt vor sich hin.

„Entschuldige bitte, aber es fällt mir unendlich schwer, das zu sagen!“ Bobby schluckte plötzlich dermaßen heftig, als ob er ´nen zentimeterdicken Klos im Hals stecken hätte, ehe er fortfuhr: „Wenn du wieder mal den Drang verspürst, auf irgendeinem PC im Haus Musik zu hören, sage mir bitte vorher Bescheid, vor allem dann, wenn du ein ganz bestimmtes Lied der Kastelruther Spatzen auflegst!“

„Ja, gern, Bobby, werde ich machen!“, erklärte Lisa. „Aber darf ich denn auch erfahren, um welches Lied es geht?“

„Ein ganz Bestimmtes, meine süße; ich kann´s einfach nicht mehr hören: >Schatten überm Rosenhof<“, bei allen Familienmitgliedern, ausgeschlossen Lisa, lief in diesem Moment ein eiskalter Schauer den Rücken runter, als er dies mit betont todernster Stimme verlautbart hatte.

„Okay, Bobby: Ich sage dir Bescheid! Aber warum, wenn ich fragen darf, kannst du >Schatten überm Rosenhof< denn nicht mehr hören?“

„Ganz ruhig bleiben, Robert, ganz ruhig bleiben! Denk an das, was Gerald, mein Therapeut gesagt hat: Du sollst stets einen kühlen Kopf bewahren und an deinen Blutdruck denken! Und ferner kann sie´s ja nicht wissen“, murmelte Bobby stoisch vor sich hin um sich nicht erneut aufzuregen - und Lisa, die wurde nicht ganz schlau aus dem und wartete notgedrungen geduldig eine Antwort von ihrem Kater ab.

„Du sollst mir deswegen Bescheid sagen, dass ich Zeit zum Verschwinden hab! Denn wie ich ja schon sagte, kann ich dieses gottverdammte Lied nicht mehr hören; somit hoffe ich, dass es dir als Antwort genügt!“, zu Bobby´s Verdruss genügte es dem Mädel aber eben nicht als Antwort!

„Bobby sag mir doch: Was stört dich an diesem Lied? Es ist doch ein sehr gefühlvoller Songtext und im Endeffekt gewinnt der Bauer beim Kartenspiel seinen Hof ja eh wieder zurück! Und sag mir deswegen bitte: Wo liegt denn dann das Problem bei dir?“

„Lisa-Marie, tue mir bitte einen Gefallen, wenn ich die Freundschaft zu dir hier und jetzt und für den Rest der Ewigkeit nicht aufkündigen soll: Hör mir aufmerksam zu, dass du weist, was der Grund ist, warum ich dieses Lied so abgrundtief hasse!“ Bobby´s Mimik verfinsterte sich abermals derartig, dass man es mit der Angst zu tun bekam, wenn man nicht wusste, was los war.

„Okay, Bobby“, mehr sagte Lisa nicht, da sie noch immer nicht verstand, was der Grund für seinen dämonischen Jähzorn ist.

Der Kater räusperte sich und begann sodann zu Erzählen: „Lisa, du musst wissen: Der Geburtsort meines Ururgroßvaters, meines Urgroßvaters, meines Großvaters, meines Vaters, meiner ebenso und der meines Sohnemanns“, bei Letzterem warf er einen missbilligenden Blick zu seinem Sohn hinüber, der sich wiederum tief betroffen fühlte und schuldbewusst zu Boden blickte, „war der kleine Ort Markt Eisenberg im heutigen Burgenland; ich denke, du kennst den Ort von der Landkarte her, oder?“

„Ich glaube schon, Bobby“, sagte Lisa offen. „Kann´s sein, dass der Ort ein paar Kilometer von Großpetersdorf entfernt liegt?“

„Haargenau oder anders gesagt: Treffer versenkt!“, antwortete Bobby und fuhr stehenden Fußes fort: „Und ferner musst du wissen: Dort, in Markt Eisenberg erbaute dereinst mein Ururgroßvater einen stolzen Bauernhof, der von Generation zu Generation weitergegeben wurde! Ich besaß diesen Hof sodann in fünfter Generation und wie´s im Liedtext heißt: >mein Hof war der schönste Hof im Tal! Kein Sturm, kein Feuer, keine Not brachten ihn zu Fall! Aber wenn ein Jungmagier in Ausbildung zum Schicksal wird und ein Knecht darüber entscheiden muss, ob man Haus und Hof verliert<, bin selbst ich machtlos dagegen!“

„Oh mein Gott!“, erwiderte das Mädchen abgrundtief schockiert. „Um auf deine Anspielung von vorhin einzugehen, wo du Papa einen Armleuchter genannt hast, nehme ich an, dass Papa dein Schicksal gewesen ist, oder?“

„Schau an, Lisa-Marie: Du kommst aber verdammt schnell mit!“, entgegnete Bobby tieftraurig und ebenso zornig zugleich. „Und jetzt komme ich bereits zu des Pudels Kern“, das Mädchen horchte neugierig auf und lauschte weiterhin seinen Worten.

„Wie du selbst schon sehr bald erfahren wirst, ist eine Hexe oder Magier ohne Ausbildung eine wandelnde Katastrophe auf zwei Beinen! Oder anders gesagt: So jemand ist ein Armageddon 2.0!“, bei dieser Äußerung musste sie sich eisern zusammennehmen, um ihre Mimik im Zaum zu halten und um hier und jetzt ja nicht pietätlos zu wirken.

„Zugegeben: Ich wollte damals die Ausbildung von deinem Papa ganz allein übernehmen und wenn ich damals auf meinen Goldengel, deine Oma gehört hätte, wäre es vielleicht niemals so weit gekommen, dass ...“

„Ach, da schau an“, unterbrach Maria den Kater frotzelnd. „Du gibst es sogar mal zu, dass es besser gewesen wäre, wenn wir Robert´s Ausbildung gemeinsam angegangen wären?“

„Ja, ja, sprich ruhig aus, was ich für ein sturer alter Esel damals gewesen bin!“

„Stimmt doch, Robert, und was Wahrheit ist, muss auch Wahrheit bleiben!“, sagte Maria zynisch und ließ Bobby sodann weiter sprechen.

„Kurz und gut: Ja, ich war ein depperter alter Narr, aber sei´s drum! Dein Papa war auch gerade 14 Jahre alt geworden und hatte, als es geschah seine erste Stunde in Hexerei!“ Lisa nickte kurz und hörte wie gebannt Bobby zu, was er weiterzuerzählen hat. „Die erste Aufgabe bestand darin, dass er einen alten Hahn in etwas Nützliches verwandeln sollte! Und dreimal darfst du raten, in was dieser gottverdammte Armleuchter diesen Gockel, älter als Methusalem, verwandelt hatte ...“

Lisa betrachtete Bobby hintergründig und sagte: „Opa, du hast doch gesagt, ich darf diese Frucht nicht mehr in deiner Gegenwart benennen, weil du mir sonst die Freundschaft aufkündigen würdest!“

„Stimmt, Lisa das hab ich gesagt, aber ein letztes Mal darfst du es, ohne die Folgen daraus fürchten zu müssen!“, erklärte er mit düsterem Unterton.

„Eine goldgelbe Hawaii Ananas - stimmt’s oder hab ich recht, Bobby?“

„Treffer abermals versenkt! Und erspare dir jetzt bitte die Frage nach dem: >und was war so tragisch daran<, ich sag´s dir auch so! Denn du musst nämlich wissen, dass die Zeit, als dein Papa ein Jugendlicher von 14 Jahren war, noch das tiefe Mittelalter war und wie du sicherlich aus dem Geschichtsunterricht wissen wirst, wurden wir Hexen und Magier zu dieser Zeit rigoros von der christlichen Kirche verfolgt und gejagt! Und wenn bekannt geworden ist, dass jemand eine Hexe oder Magier mit magischen Fähigkeiten war, musste er entweder fliehen und hoffen, dass er nicht erwischt wurde, oder bleiben und riskieren, dass er auf dem Scheiterhaufen landet und bei lebendigem Leib verbrannt wird oder gar schlimmer auf dem Tauchstuhl elendig ersaufen musste!“

„Ach du großer Gott“, murmelte Lisa vor sich hin, weil´s ihr gerade bewusst wurde, was in der Kindheit ihres Vaters wohl schreckliches vorgefallen sein musste.

„>ach du großer Gott<, kannst du laut sagen! Und bitte verstehe mich jetzt nicht falsch, dass ich die Erzählung abkürze, sonst könnte man damit locker einen ganzen Roman füllen!“

„Okay Opa“, sagte Lisa und akzeptierte die Aussage, wie sie war.

„Wie gesagt: Diese gottverdammte Frucht, welche der Seefahrer Christoph Columbus erst 70 Jahre später offiziell auf seiner 2. Seereise nach Amerika entdeckt hatte, war kaum aufgetaucht, ging schon der Affenzirkus in Markt Eisenberg los! Wie ich und meine Familie erkennen mussten, hatte ein Knecht in unseren Diensten uns schon länger im Visier gehabt und den Verdacht gehegt, dass wir Hexen sein könnten, als wir allesamt erahnten; und das war, dann der Beweis, der ihm noch fehlte!“ Bobby musste kurz Atem holen, um weiter sprechen zu können.

„Und glaub mir bitte: Nicht mal einen ganzen Tag später hatten wir eine Anzeige wegen Hexerei am Hals! Ferner glaube ich, muss ich ja nicht näher darauf eingehen, was folgte, oder?“, anbei bedachte Bobby seine Enkelin mit einem dermaßen durchbohrenden Blick, dass diese lange überlegte, was sie jetzt bloß darauf antworteten, solle.

Kurz darauf fand sie die passenden Worte, die die Situation nicht noch weiter verschlimmerten, als sie eh schon war: „Aber wie habt ihr´s denn geschafft, dass ihr überlebt habt?“

„Das, meine süße, haben wir der Göttin Mutter Natur und Gott Vater, dem gehörnten zu verdanken! Denn auf unserer Flucht aus Markt Eisenberg konnten wir nur das allernotwendigste mitnehmen und alles, wirklich alles, was uns Lieb und teuer damals war, mussten wir am Hof zurücklassen!“, noch ehe Lisa was darauf hätte erwidern können, setzte Bobby rasch hinzu: „Und ich warne dich: Sag jetzt ja nix verkehrtes oder unüberlegtes!“

„Ich werde mich hüten, Opa“, antwortete das Mädchen sodann, das die Situation nun voll zu realisieren begann. „Aber eins verstehe ich trotz alledem noch immer nicht!“

„Was denn?“, schnaubte Bobby wütend, wie ein Stier, vor dem ein rotes Tuch geschwenkt wird.

„Was denn dein Hof mit dem Lied der Kastelruther Spatzen zu tun hat“, wenngleich Bobby anderer Meinung sein mag; Lisa verstand den Zusammenhang hier und jetzt wirklich nicht!

Und noch ehe er hätte antworten können, ergriff bereits Robert das Familienoberhaupt das Wort: „Bei allem, was recht ist, Lisa: Bist du wirklich so naiv oder tust du bloß so?“, das Mädchen zuckte tief in sich zusammen, denn solch harsche Worte war es von seinem Vater nicht gewohnt - normalerweise war er seiner Tochter gegenüber stets die Sanftmut in Person! „Aber wenn du´s schon ehrlich wissen willst, was dein Opa damit meinte: Unser Hof in Markt Eisenberg hieß seit 5 Generationen >ROSENHOF<, und jetzt bitte ich dich im Namen deines Opa´s: Lass diese traurige Geschichte endlich auf sich beruhen und schneide sie nicht mehr an - morgen nicht und auch sonst nie mehr wieder! Hab ich mich klipp und klar ausgedrückt?“, wobei es mehr die Gestiken, als die Worte waren, die seiner Aufforderung Kraft verliehen!

Und womit alle anwesenden Personen hier und jetzt am Allerwenigsten gerechnet hätten, am allerwenigsten Robert selbst, geschah plötzlich: „Danke, mein Sohn. Danke, dass du für mich eingetreten bist!“, wobei man fairerweise anmerken muss, dass Bobby das Wort >Danke< schon seit Jahrhunderten nicht mehr in den Mund genommen hatte, wenn er mit seinem Sohn sprach - hat er´s ihm doch bis heute nicht verziehen, dass er wegen seiner Schuld damals Haus und Hof verloren hatte!

Und wie unschwer zu erkennen war, war Robert Junior am allermeisten davon überrascht dies zu hören. „Papa glaub mir: Das aus deinem Munde zu hören, weißt du: Das ist für mich echt eine Freude!“

„Sohnemann, glaub mir wiederum: Es hat mir echt viel Überwindung gekostet, dir das entgegenzubringen! Und wer weiß, in 100 Jahren kann´s vielleicht sein, dass ich dir verzeihe, dass wir damals wegen deiner Schuld und Unfähigkeit Haus und Hof verloren haben“, gestand sich Bobby nun offenen Herzens ein, obwohl ihm das ebenso schwerfiel, wie das Wort >Danke< seinem Sohn gegenüber auszusprechen!

„Aber sagt an, allesamt: Wollen wir diese alten traurigen Geschichten denn nicht endlich vergessen und uns auf das zurückbesinnen, worauf´s denn heute wirklich ankommt?“, schlug Maria vor, um die Stimmung in der Familie endlich aufzuhellen.

Die gesamte Familie stimmte mit: „Ja, da hast du vollkommen recht“, zu.

„Aber nur eines noch, Lisa“, begann Bobby trotz der Wendung der familiären Gefühlslage und Geschehnisse im Allgemeinen, „ich will dir sicher nicht verbieten, dieses Lied dir wieder und wieder anzuhören – aber, könntest du das nächste Mal bitte deine Kopfhörer benutzen, damit ich´s nicht ertragen muss?“

„Das täte ich gern, lieber Bobby; wenn ich könnte“, erwiderte Lisa schlagartig todernst. „Aber nachdem die Kopfhörer vor einer Woche den Geist aufgegeben haben, wird das leider schwierig werden! Und das ist ferner auch der Grund, warum ich seit besagter Woche meine Musik ohne die Kopfhörer direkt über die PC-Boxen höre!“

„Aber da du ja nun weißt, was wir alle sind, sollte dies ja nun das kleinste Problem darstellen; nicht wahr Sohnemann?“, meinte Bobby und betrachtete vor allem bei Letzterem zielgerichtet seinen Sohn - der Verstand den Wink mit dem Zaunpfahl auf Anhieb und ließ seiner Tochter in Windeseile nagelneue Stereo-Kopfhörer am Tisch erscheinen.

Lisa war überglücklich und zeigte es offen: „Danke, Papa. Obwohl ich zugeben muss, dass mir die Hexerei noch sehr unwirklich und unheimlich erscheint!“

„Glaub ich dir gern, Lisa aber das legt sich schnell und du wirst sehen: Die Erlernung der Hexerei ist einfacher, als du glauben magst!“, besonders mit Letzterem versuchte er seiner Tochter, die Angst vor der Kunst der Hexerei zu nehmen.

Ein unerwartetes Geburtstagsgechenk

„Und was wäre ein Geburtstag so ganz ohne Geschenke?“, fragte Maria offenherzig, ihre Enkelin mit herzensgutem Blick betrachtend.

„Ein echt Trauriger, Oma“, antwortete diese frei von der Leber weg und war gespannt, was ihre Oma, denn für Geschenke für sie mitgebracht hatte.

Maria erhob sich vom Sofa, trat vor ihre Enkeltochter und sprach mit aller ihr zur Verfügung stehenden Güte: „Liebe Lisa. Heute an deinem 14. Geburtstag hab ich die Ehre, dir deine Geburtstagsgeschenke zu überreichen und dir alles erdenklich Gute für die Zukunft zu wünschen“, beugte sich zu ihr herunter, nahm sie liebevoll in die Arme und drückte sie fest an sich. „Herzlichen Glückwunsch, Lisa“, sagte sie und löste kurz darauf die Umarmung und hielt dem Mädchen zwei Schächtelchen hin. „Das, mein Goldstück ist für dich!“

„Oh, was ist denn da drin, Oma?“, wurde Lisa neugierig.

„Mach´s auf und lass dich Überraschen.“

Das Mädchen nahm das erste Schächtelchen und öffnete es; darin lag eine silberne Halskette mit Anhänger. Freudig nahm es die Kette in die Hand und betrachtete sie, wobei es feststellen musste, dass dieser Anhänger wahrlich kein x-beliebiger war!

„Danke Oma. Ist das vielleicht eine schöne Halskette, und ich verspreche dir, dass ich sie stets ihn Ehren tragen werde! Aber sag mal: Was ist denn das für ein sonderbarer Anhänger dran?“ Lisa betrachtete ihr Geschenk sowie ihre Oma sehr verunsichert, wusste sie doch nicht so recht, was sie darauf empfinden soll.

„Das, mein Liebling, ist ein Pentagramm“, begann Maria ihrer Enkelin zu erklären, „das Pentagramm musst du wissen, ist das uralte Zeichen der Hexenzunft und ein sehr mächtiges Schutzsymbol gegen böse Mächte und Geister!“

Lisa machte ehrfürchtig große Augen und erwiderte verunsichert: „Und ich dachte immer, dass das Pentagramm für den Teufel und den Satanismus im Allgemeinen steht“, und zeigte sich dementsprechend schockiert, da sie schlimmes und großes Unheil hinter diesem Pentagramm vermutete.

Maria erklärte ihrer Enkelin den Unterschied zwischen dem nach oben und dem nach unten zeigenden Pentagramm und dass es in ihrem Fall das Pentagramm des Hexentums mit nach oben zeigender Spitze war.

Lisa wischte sich erst den Angstschweiß von der Stirn und öffnete sodann das zweite Schächtelchen. „Danke, Oma“, verlautbarte sie abermals fröhlich, „ach Gott, sind das vielleicht wunderschöne Ohrringe mit ...“, das Mädchen stockte mitten im Satz. „Auch mit Pentagramm als Anhänger?“, zeigte sie sich erneut verunsichert.

„Lisa Schatz, du musst wissen: Ohrringe mit Pentagramm-Anhänger sind bei uns Frauen das Jahrhunderte alte Zeichen unserer Familie! Will sagen: Es ist gewissermaßen das Merkmal von uns Berger-Frauen! Und wenn du keine Ohrringe tragen möchtest, kann ich´s durchaus verstehen ...“

Das Mädchen zeigte sich schockiert und antwortete prompt: „Oh nein, Oma, keine Sorge: Ich werde sie in Ehren tragen, aber das ist es nicht, sondern ...“

„Sondern was ..., wenn ich fragen darf?“ Maria verstand nicht so ganz, was ihre Enkeltochter sonst dagegen einzuwenden hatte.

„Ich wollte nur sagen, dass meine Ohren doch gar nicht gestochen sind für Ohrringe!“, antwortete sie und lächelte ihrer Oma freundlich entgegen.

Diese zeigte sich erheitert und verkündete stehenden Fußes: „Also, wenn´s das ist und du sie tragen willst, ist das bloß ´ne Angelegenheit von ein paar Sekunden!“

„Okay, aber wie ...“, weiter kam sie nicht, verspürte sie schon ein ihr noch ungewohntes Gefühl: Es war der silberglänzende Ohrschmuck, den sie plötzlich an den Ohren fühlte.

„Wenn du willst, überzeuge dich davon und sag mir, was du davon hältst“, sagte Maria und ließ ihrer Enkeltochter einen Spiegel erscheinen, damit sie sich darin betrachten konnte.

„Zugegeben, Oma: Die stehen mir echt gut; aber ungewohnt ist´s trotzdem für mich!“

„Das glaub ich gern“, sagte Maria verständnisvoll. „Womit du aber nun endlich ein vollwertiges Mitglied im Berger-Clan geworden bist!“

„Danke, Oma“, brachte Lisa glücklich und zufrieden entgegen, drückte ihre Oma herzhaft an sich und meinte ganz so nebenbei: „Weißt du, Oma: Ich will ja beileibe nicht überheblich erscheinen, aber kann´s sein, dass du noch ein oder zwei Geschenke für mich in der Hinterhand hast?“

Maria überkam ein Lächeln, ehe sie antwortete: „Stimmt, du hast uns durchschaut - da ist nämlich tatsächlich noch was“, und trat sogleich vor den Wohnzimmertisch und begann sich zu konzentrieren, als Robert noch eine Ansage an seine Tochter zu machen hatte:

„Lisa, Liebling bevor deine Oma dir deine Geschenke erscheinen lässt, möchte ich nur noch eines sagen“, diese wandte den Blick ihrem Vater zu und betrachtete ihn neugierig; wusste sie doch nicht, was er ihr sagen wollte. „Diese Geburtstagsgeschenke sind nämlich an eine kleine Bedingung geknüpft!“

„Bedingung?“, fragte das Mädel verunsichert. „Welche Bedingung denn, wenn ich fragen darf?“, wobei es mehr die Blicke, als die Worte waren, die ihre Angst voll zur Geltung brachten.

„Eine einfach zu erfüllende, Lisa keine Sorge!“, das Mädel atmete erleichtert auf, dachte es doch schon, dass diese Geschenke an wer weiß was für Bedingungen geknüpft sind! „Nämlich, dass du diese Geschenke stets vollauf zu würdigen weißt und dass du uns allen hier und jetzt 2 Dinge versprichst!“

„Aber du hast doch eben gesagt, dass es nur eine Bedingung ist“, protestierte sie schamlos. „Wieso denn jetzt auf einmal zwei?“, ihr Vater hob genervt die Augenbrauen und schüttelte leicht den Kopf, ehe er antwortete:

„Deswegen zwei Bedingungen, damit du dir stets im Hinterkopf behältst, dass du immerfort am Boden der Tatsachen bleibst und nicht mal so vom Größenwahn, wie unser Ehrenwärter Mäusefänger Bobby gebeutelt wirst!“, erklärte er seiner Tochter, als Bobby, für ihn unvermutet das Wort ergriff:

„Frechheit, Sohnemann! Ich, ein alter Mäusefänger? Mir scheint, du vergisst schon wieder, wer ich bin, oder?“

„Papa bitte“, begann dieser offen, „bei aller Liebe zu dir, aber du verstehst mal wieder sowas von gar keinem Spaß, oder wie seh ich das?“

„Wenn du das unter Spaß verstehst ...“, alles Weitere murmelte Bobby nur mehr vor sich hin – Lisa im Besonderen musste sich vom Kater abwenden, um ihrem schadenfrohen Mienenspiel freien Lauf lassen zu können.

„Robert, tu mir bitte einen Gefallen“, klinkte sich Maria in die Unterredung nun ein.

„Ja, Mama, welchen Gefallen denn?“, fühlte sich Robert Junior betroffen sowie angesprochen.

„Nicht du, Robert“, sagte Maria ihren Sohn gütig betrachtend. „Ich meinte meinen liebreizenden Göttergatten, euren alten Mäusefänger, wie ihr ihn ja so gern betitelt“, bei Letzterem konnte selbst sie nicht mehr ernst bleiben und musste schelmisch loskichern.

„Maria bitte: Musst du dich jetzt auch noch über mich lustig machen, oder wie ist dir denn?“, empörte sich Bobby schlagartig seiner Gattin einen dämonischen Blick entgegenwerfend.

„Robert bitte, du weißt doch haargenau, wie ich das gemeint hab! Und im Übrigen wollte ich dich nur bitte, dass du dich endlich wieder beruhigst, weil ich Lisa endlich die verbleibenden Geschenke überreichen will!“, daraufhin grummelte Bobby wie ein alter Sauertopf weiter und bemerkte nicht, was ihm gleich wohl bevorstand!

Maria streckte die Arme in Richtung Wohnzimmertisch aus und konzentrierte sich abermals. Wenige Augenblicke erschienen über dem stolzen Kater mehrere Geschenke, verpackt in buntes Geschenkpapier mit Schleifchen drauf.

„He da ...“, mehr vernahm die Familie nicht mehr, wurde Bobby schon unter den kleinen und großen Päckchen begraben.

„Ist ..., äh, ist das ..., etwa alles für mich?“, fragte Lisa verunsichert und konnte ihr Geburtstagsglück noch gar nicht fassen.

„Was glaubst denn du, Lisa? Ein so netter Mensch wie du, muss doch ab und an mal belohnt werden“, erwiderte Bobby mittlerweile versöhnlicher, da er im Großen und Ganzen ein sehr wankelmütiges Wesen innehatte und etwas verdattert aus dem Geschenkhaufen herausschaute – der Rest der Familie empfand seinen verdatterten Blick als amüsant und machte es durch ein schadenfrohes kichern offenbar.

Doch bevor sich das Mädchen über die Geschenke hermachte, hatte es noch zwei Fragen an seine Eltern zu richten: „Bei aller Liebe gibt´s dennoch was, was ich gern wissen wollte!“, ihre Eltern betrachteten sie neugierig, da sie nicht wussten, was sie denn gern wissen wollte. „Erstens: Oma sagte doch vorhin, dass das Pentagramm das Jahrhunderte alte Zeichen unserer Familie ist ...“

„Ja Lisa, das stimmt doch auch“, sagte Martina offenherzig.

„Aber warum tragt dann ihr keine Halskette mit Pentagramm, wenn euch doch so viel an der Familientradition liegt?“

„Im Grunde wusste ich, dass diese Frage kommen würde“, dachte Martina, ehe sie ihrer Tochter die aufklärende Antwort lieferte:

„Falls du meinst, dass wir unser Pentagramm nicht mit stolz tragen, irrst du dich gewaltig“, erklärte sie ihrer Tochter und ließ sich in selbigem Augenblick ihren Hals und Ohrschmuck unbemerkt erscheinen.

„Aber wie denn ...“, verlautbarte Lisa, verunsichert, wie sie war.

„Lisa, Goldstück was hast du denn geglaubt, was der Grund ist, warum ich, deine Oma sowie dein Papa unsere Halsketten in deiner Gegenwart stets unsichtbar getragen haben?“, wobei diese Aussage ja schon dermaßen rhetorisch war, dass sich eine Entgegnung seitens ihrer Tochter vollkommen erübrigte!

„Weil ihr euch unangenehme Fragen meinerseits ersparen wolltet, warum ihr einen Schmuck mit Pentagramm tragt, oder?“, ihre Eltern nickten nur eindeutig, doch sprachen sie kein Wort. „Und weil ich bis vor Kurzem ja nicht Bescheid wusste, dass wir allesamt einem alten Hexengeschlecht entstammen – stimmt´s, oder hab ich recht?“

„Im Grunde hast du´s bereits vollkommen richtig erraten!“, gab nun auch noch Bobby seinen Senf der Konversation bei.

„Na ja, vorerst mal egal“, sagte Lisa hintergründig. „Aber nun zur zweiten Frage: Was hat euch denn bitte so daran gestört, dass ich meine Freundin Christina zu meinem Geburtstag einladen wollte? Abgesehen von meinen restlichen Schulfreunden, die sicherlich wie die vergangenen Jahre auch wieder sehr gern gekommen wären!“

Robert machte indes ein ernstes Gesicht und sprach: „Lisa, jetzt wo du die Wahrheit über dich und uns hier alle kennst, kann ich ehrlich zu dir sein! Denn du weißt ja selbst am allerbesten, dass deine Freundin und all deine Schulkameraden gewöhnliche Sterbliche sind und, dass ...“

„Soll das etwa heißen, dass ich jetzt, wo ich die Wahrheit kenne, nie mehr Christina zu uns nach Hause einladen darf?“, wurde Lisa schlagartig todernst und abgrundtief traurig gleichermaßen.

„Oh nein, so meinte ich es nicht; wirklich nicht!“, lenkte Robert blitzartig ein. „Du kannst deine Freundin auch weiterhin so oft zu uns Einladen, wie du willst! Doch ist der heutige Tag, musst du wissen ...“

„Ach, jetzt verstehe ich, Papa“, begann Lisa eingeschnappt, „Christina darf also nicht erfahren, dass ich eine Hexe mit magischen Fähigkeiten bin! Das ist´s doch, was du gerade sagen wolltest, oder?“, mit jeder gesprochenen Silbe wurde das Mädel lauter und ungehaltener in seiner Stimme.

„Aber so versteh doch bitte!“, erhob ihr Vater wieder das Wort. „Ich, deine Mama und deine Großeltern wissen nur zu gut, wovon wir reden! Und glaub mir bitte: Es ist nun mal selten gut, wenn man den Sterblichen gegenüber zu offen ist! Und wenngleich Christina deine beste Freundin ist, musst du es dir trotzdem sehr genau überlegen, ob du ihr erzählst, was du in Wirklichkeit bist!“

„Papa, glaubst du etwa, dass ich ihr nicht vertrauen kann?“, fragte Lisa, ihren Vater mit messerscharfem Blick betrachtend. „Wenn du tatsächlich dieser Meinung bist, kennst du dieses Mädel aber wirklich schlecht! Denn du solltest bedenken: Ich kenne sie schon seit dem ersten Tag im Kindergarten und weiß, dass sie mich nie und nimmer verrät, geschweige denn sonst was! Und ferner können wir beide uns alles, wirklich alles anvertrauen!“ Lisas Gemüt und Erregung begann wieder die Stufe von >Defcon 1< anzunehmen; allerhöchste Alarmbereitschaft!

„Das glaube ich dir doch“, brachte ihr Vater stehenden Fußes entgegen, worauf ihre Mutter nahtlos fortfuhr:

„Aber Lisa, so glaub uns doch endlich: Es ist wirklich nichts gegen deine Freundin einzuwenden; es hat nämlich vielmehr mit ihrem Vater zu tun; genauer gesagt mit dem Beruf, den er ausübt!“

„Ach, jetzt weiß ich´s endlich, worum´s euch geht“, rief Lisa sichtlich verärgert. „Es geht, wie mir scheint darum, dass ...“

„Weißt du, Schatz“, begann Robert augenblicklich, seiner erzürnten Tochter rüde das Wort abzuschneiden, „die Pfaffen haben sich meiner Meinung nach bis zum heutigen Tag nicht geändert, und werden dies wohl auch in Zukunft nicht tun, dass sie uns Hexen nach wie vor im Allgemeinen hassen“, als da Martina das Wort aufgriff und nahtlos fortfuhr:

„Und ich möchte wetten, dass die Pfaffen, wie dein Papa die Geistlichen so treffend betitelt, wenn sie denn nur könnten, uns Hexen auch heute noch auf den Scheiterhaufen stellen wollten!“

„Ja, okay na gut, das ist ein einleuchtendes Argument“, musste sich Lisa nun doch eingestehen. „Aber soll das jetzt heißen, dass ich meine Freundin nicht mehr bei ihr zu Hause besuchen darf?“, ihrem Blick zufolge schlug sich die Wut auf die Eltern, in schiere Angst und Verunsicherung um!

„Wenn du dich Pfarrer Braun gegenüber nicht als Hexe zu erkennen gibst, sollte einem Besuch bei deiner Freundin doch auch weiterhin nichts im Wege stehen!“

„Papa bitte“, begann Lisa mit erheitertem Gesichtsausdruck, „glaubst du denn wirklich, dass ich so deppert bin, und vor des Pfarrers Nase zum Hexen anfange, um mich gleich im Vorhinein zu verraten?“, wobei sich das Mädchen demonstrativ mit dem Finger an die Stirn tippte, um seinen Worten mehr Gewicht beizumessen.

„Nicht doch, Lisa; glaubst du denn das weiß ich nicht, dass du nicht so deppert bist? Ich wollte nämlich vielmehr auf unser Familienzeichen raus - das sollte er nämlich nicht unbedingt zu Gesicht bekommen!“, sagte er und deutete demonstrativ in Richtung der Pentagramm Ohrringe seiner Tochter.

Diese kapierte schnell: „Ach das“, sagte sie. „Ja, da hast du recht, Papa! Aber bedenke: Ohrringe kann man doch herausnehmen oder sie unsichtbar werden lassen und die Halskette, die lasse ich einfach unter der Kleidung verschwinden, so einfach ist das!“

„Ja, das wird das Beste sein“, stimmten ihre Eltern zu, worauf Lisa endlich begann ihr erstes Geschenk auszupacken.

„Aber eins steht trotzdem fest: solch einen Berg von Geschenken hätte ich nun nicht gerade erwartet! Und deswegen gibt’s gleich am Anfang ein kleines Problem!“, Letzteres sprach das Mädchen betont, um seine Misere voll zur Geltung zu bringen.

„Ein Problem?“, fragten alle wie im Chor vereint.

„Ja, ich weiß doch nicht, was ich als Erstes auspacken soll!“

„Nun, wenn’s das ist, würde ich dir empfehlen, dass du mit dem viereckigen flachen Geschenk da anfängst!“, sagte ihr Vater offenherzig. „Allerdings wirst du deinen Augen nicht trauen, hab ich so ganz das dämliche Gefühl, wenn du den Inhalt erblickst!“

„Was meinst du damit, Papa?“ Lisa schüttelte den Kopf und verstand trotzdem nicht, was ihr Vater damit aussagen wollte. „Aber eins weiß ich jetzt schon genau, dass das, was ich mir am sehnlichsten wünsche, ich doch nicht bekommen werde!“, fügte sie rasch hinzu und man merkte, dass tiefe Wehmut in ihrer Stimme lag.

„Bist du dir da so sicher, dass du es nicht vielleicht doch bekommst?“, sagte ihr Vater mit verschlagenem Grinsen.

„Glaub mir, Papa: Da müsste es schon wirklich mit dem Teufel zugehen, wenn ihr diese CD in irgendeinem Geschäft auftreiben konntet!“, entgegnete Lisa todernst, als sie nun endlich das Geschenk in die Hand nahm, welches die ganze Zeit über bereits demonstrativ vor ihr in der Luft schwebte.

„Entschuldigt, dass ich das sage, aber es hat die markanten Maße einer CD-Hülle - aber ihr wisst doch, die neue CD vom Voxxclub war bereits paar Stunden nach Geschäftsöffnung in allen Geschäften im Umkreis von 50 Kilometern restlos ausverkauft!“, dann überwand sich das verunsicherte Mädchen endlich dazu, das tannengrüne Geschenkpapier aufzureißen, und was zum Vorschein kam, verschlug ihr schier die Sprache!

„Hab ich’s mir doch gleich gedacht, dass du keine Worte findest“, sagte Robert mit triumphierenden Lächeln, welches viel mehr seine Freude widerspiegelte, da es ihm gelungen war seine Tochter ordentlich zu überraschen.

„Aber ..., aber wie ..., wie habt ihr ..., wie ..., ich versteh nicht ..., wie habt ihr ..., das kann´s doch gar nicht ..., das ist ...“, mehr brachte Lisa auch jetzt nicht hervor und schaute von links nach rechts quer durch die Runde ihrer Eltern und Großeltern, verdattert wie sie noch immer war.

„Ganz einfach, Schatz: Dies haben wir mit unseren magischen Fähigkeiten bewerkstelligt“, begann ihre Mutter zärtlich.

„Und wie du schon selbst so treffend sagtest: Ein paar Stunden nach Geschäftsöffnung waren alle Geschäfte im Umkreis von 50 Kilometern, die diese CD führten, restlos damit ausverkauft“, fuhr ihr Vater fort.

„Und wie glaubst du wohl, hätten wir denn sonst zu dieser CD kommen sollen“, sprach ihre Oma indes weiter.

„Und weil ja heute dein 14. Geburtstag ist, wollten wir dir eben eine richtige Freude bereiten, Lisa“, führte Bobby den Satz schließlich zu Ende.

Das Mädel im zarten Alter von 14 Jahren war perplex, denn mit diesem unerwarteten Geburtstagsgeschenk hatte es am Allerwenigsten gerechnet! Lisa ging durch die Reihe ihrer Familie und bedankte sich liebevoll mit einem: „Danke vielmals für dieses tolle Geschenk!“, und umarmte jedes Familienmitglied herzhaft.

Kurz darauf langte sie bei ihrem Liebling Bobby an, nahm auch diesen zärtlich in die Arme, da ergriff ihr Vater schon das Wort: „Schatz, sag kein Wort, ich kann´s dir von der Nasenspitze her ablesen, worum du mich bitten willst! Deswegen sag ich dir: Nur zu, denn es ist ja dein Geburtstag heute und ferner ist´s ja das Geschenk, was du dir am meisten von uns gewünscht hast!“

„Meinst du wirklich, Papa?“, fragte sie freudig und wollte einen Luftsprung der Freude machen; unterließ es im Endeffekt aber.

„Klar doch“, erwiderte Robert und machte einen Fingerzeig zur Musik-CD, welche augenblicklich durch magische Einwirkung in den CD-Player der Stereoanlage im Wohnzimmer wanderte, während sich zeitgleich die Stereoanlage selbst einzuschalten begann.

Aber dennoch muss man fairerweise hier und jetzt eines sagen: Wo Magie am Werk ist, staunt der Laie, und der Fachmann wundert sich! Denn echte, pure unverfälschte Magie wird man wohl sowieso niemals mit wissenschaftlichen Mitteln erklären können! Das ist und bleibt zumindest meine Meinung, liebe Leser!

In Windeseile nahm Lisa am Sofa Platz und freute sich wie eine Schneekönigin an Weihnachten, während ihr Vater die CD auf Titel No. 1 anlaufen ließ.

Allerdings war dem Mädel jetzt schon klar und deutlich anzumerken, dass es sein Glück noch immer nicht fassen konnte; denn ein solches Freudestrahlen haben ihre Eltern und Großeltern zuletzt an Weihnachten vor einem Jahr erlebt, als sie endlich eine neue Skiausrüstung mit allem Zubehör bekommen hatte!

Und Lisa dachte schon, ihre Glückseligkeit könne nicht noch größer werden, kam die Musikband das erste Mal zum Refrain: >Donnawedda rocken, weil die Sommersonne locht, Fensterln macht nur Spaß, wenn du das Fenster aufi mochst. Sterne siehst du nur, wenn du di aussi traust bei Nocht. Scheiß di nix und moch des, wos du mogst<, und da geschah es: Sie konnte sich gefühlsmäßig nicht mehr halten und brach in wahre Tränen der Freude aus – ein Gefühl, welches ihre Glückseligkeit in diesem Moment voll zur Geltung brachte!

Ein jeder der Familie freute sich mit ihr; am allermeisten ihr Vater: „Für mich steht eins, mal klipp und klar fest: Noch selten in meinem Leben hab ich meine Prinzessin so glücklich gesehen! Zugegeben: Ist sie an manchen Tagen zwar ein kleiner Satansbraten was ihren Sturkopf anbelangt, aber hat sie es trotzdem verdient, hier und heute beschenkt zu werden!“, dachte er tief in Gedanken, trotz des Risikos, dass seine Mutter es wegen ihrer Gabe des Gedankenlesens bereits wusste!

Kurz und gut: Es gab und gibt tatsächlich Gedankengut, wo er sich hütet, es neben seiner Mutter zu denken, da sie, wie er findet, doch nicht alles zu wissen braucht!

Knapp 4 Minuten später war der fetzige Schlagertitel zu Ende, der CD-Player stellte sich auf einen magischen Fingerzeig von Vater Robert auf >Stopp< und Lisa sprach Worte des unendlichen Dankes aus:

„Danke vielmals, für dieses wunderbare Geschenk!“, abermals überkamen sie Tränen der schieren Freude. „Und wisst ihr: Spätestens jetzt bin ich vollends davon überzeugt, dass da Magie am Werk gewesen sein muss! Und ferner glaubt ihr mir wahrscheinlich ja sowieso nicht, wie viel die neue Voxxclub-CD mir bedeutet!“

„Schon gut, Lisa, wir glauben´s dir ja aufs Wort!“, sagte ihr Vater liebevoll, nahm sie zärtlich bei der Schulter und fuhr fort: „Ferner wollten wir dir zu deinem Ehrentag einfach eine große Freude bereiten!“

„Diese Freude ist nicht nur groß, Papa, sondern größer als der Schneeberg im gesamten!“, erwiderte Lisa so glücklich wie schon lange nicht mehr.

„Oh, schön, dass du schon selbst den Schneeberg ansprichst! Denn als Nächstes würde ich dir empfehlen, dass du dieses Geschenk da auspackst“, merkte ihr Vater an und ließ nun ein größeres Päckchen vor ihr in der Luft schweben.

Voller Neugier nahm, sie es an sich und versuchte erst mal zu erahnen, was sich darin wohl verbergen könnte; doch kam sie nicht darauf - ehrgeizig und voller Neugier riss das Mädchen das Geschenkpapier auf und zum Vorschein kam, was es sich ebenso schon lange gewünscht hatte. „Wow, ein E-Book Reader! Danke vielmals, Leute. Wisst ihr, so was wünsche ich mir nämlich schon lange“, sagte sie und zeigte es durch ihr Freudestrahlen offen an.

„Wissen wir doch“, entgegnete ihre Mutter mit freundlichem Gesichtsausdruck, worauf ihr Vater fortfuhr:

„Also, ich an deiner Stelle würde mir den Buchinhalt mal etwas näher anschauen“, da sie den E-Book Reader schon beiseitelegen wollte.

„Okay, na gut“, meinte das Mädchen und schaltete das Gerät ein. „Oh, da schau an: Inhalt 2 Bücher“, stellte sie fest und klickte das 1. Buch in der Liste an und las sogleich den Titel vor: „Kommissar Braun auf der Jagd nach Mister X., geschrieben von ...“, doch stockte sie plötzlich und machte ein überraschtes Gesicht. „Geschrieben von, Martina Berger! Sag bloß, Mama, dass das Buch von dir stammt ...“

„Ja, Schatz! >Kommissar Braun auf der Jagd nach Mister X.<, ist das neueste Buch aus meiner: >Kommissar Braun Krimi-Reihe<. Und somit hoffe ich, dass es dir gefällt“, antwortete sie, worauf ihr Gatte stehenden Fußes das Wort ergriff:

„Und wenn du dann bitte auch noch das zweite Buch kurz in Augenschein nehmen würdest, täte es mich sehr freuen und mir ferner bitte verrätst, was du davon hältst!“

„Okay, Papa gerne doch“, antwortete Lisa, schloss das erste Buch und klickte nun das zweite in der Liste an und las ebenso den Titel vor: „Schneeberg – ein schlafender Riese erwacht, geschrieben von, Robert Berger“, darauf wurde Lisa umso erstaunter. „Sag bloß, Papa. Seit wann hast du denn ein Buch geschrieben?“, verdutzt schaute sie ihren Vater an und war einfach sprachlos – mit allem hätte sie jetzt gerechnet, aber nicht damit!

Dieser lächelte sie freundlich und offenbarte ihr gutmütig: „Nun ja, Lisa angefangen zum Schreiben hab ich bereits vor über einem Jahr und dass ich das Buch vollenden konnte, muss ich mich bei deiner Mama herzlichst bedanken! Denn gemeinsam mit ihr hab ich die Geschichte zu einem spannenden Ende gebracht, musst du wissen! Und somit hoffe ich, dass ich vollauf deinen Geschmack getroffen hab!“

„Weißt du, Papa: Ich bin vollauf beeindruckt von dir“, sagte Lisa und ging auf ihren Vater zu. „Beeindruckt deswegen, weil ich nicht damit gerechnet hätte, dass du dir so eine Mühe für mich machst! Mama macht das ja hauptberuflich – ist sie ja Schriftstellerin aus Leidenschaft; von dir hingegen bin ich sehr überrascht und beeindruckt, weißt du?“, worauf ihr Vater nur einen forschenden, lauernden Blick machte, wusste er doch nicht, worauf seine Tochter genau rauswollte.

Mit breitem Lächeln stand sie vor ihm und verkündete freudig: „Papa, lass mich dich umarmen“, sprach’s und fiel ihm vor Freude und Dankbarkeit buchstäblich um den Hals. „Danke vielmals für dieses wunderbare Geschenk!“

„Ist schon gut, Lisa; hab ich doch gern getan“, erwiderte Robert, als seine Tochter die zu herzengehende Umarmung löste; denn sie hatte noch etwas zu sagen:

„Papa weißt du: In Momenten wie diesen stimmt eins wirklich immer wieder!“, eröffnete Lisa zärtlich; ihre Familie war ganz Ohr, da sie gespannt waren, was sie denn zu sagen habe. „In Momenten wie dieser muss ich sagen, dass es wirklich stimmt, was die Spatzen aus Südtirol in einem ihrer Lieder singen ...“

„Lisa, worauf willst du jetzt wieder hinaus?“, meldete sich Bobby plötzlich zu Wort, da er insgeheim an >Schatten überm Rosenhof< denken musste!

Lisa wandte kurz den Blick zu Bobby um und erklärte: „Beruhig dich doch, Opa! Das, was ich sagen wollte, ist was ganz harmloses und liebevolles und nicht >Schatten über´m Rosenhof<, woran du offenbar gerade gedacht hast!“ Bobby glaubte seiner Enkelin und beruhigte sich wieder.

„Wie gesagt, Papa“, wandte sich das Mädel wieder seinem Vater zu. „Was ich sagen wollte, war, dass folgender Refrain auf dich wie die Faust auf´s Auge passt: >da brennt ein Feuer im ewigen Eis, das niemand löschen kann! Und eine Liebe, von der keiner weiß, ein ganzes Leben lang<!“, ihre gesamte Familie zeigte sich gerührt.

„Meinst du das etwa ernst, Lisa?“, entgegnete ihr Vater ebenso tief gerührt und verlegen.

„So ernst, wie ich eine Hexe bin, Papa“, erklärte sie und drückte ihrem Vater einen zärtlichen Kuss der Liebe auf die Wange.

„Nun ja, ich tu halt mein bestes, Schatz ...“, verlautbarte er, ehe Lisa eine Frage zu seinem Buch hatte:

„Entschuldige, dass ich dich das jetzt frage, aber um was geht’s denn in deinem Buch eigentlich genau?“

„Nun ja: Da ich dir nicht vorweg die ganze Spannung verderben will, frag ich dich erst mal: Bist du dir eigentlich im Klaren, welchen Ursprungs unser Hausberg, der Schneeberg denn in Wirklichkeit ist?“

„Soweit ich weiß, ist er ein Berg wie jeder andere; zumindest empfinde ich ihn als das“, antwortete Lisa offen, trotzdem schwang Unsicherheit in ihrer Stimme, da sie wusste, dass ihr Vater dies nicht ohne Grund wissen wollte.

„Lisa Liebling, wenn du dies glaubst, dann geht´s dir wie so vielen Leuten in unserem Land! Denn die Wahrheit dahinter ist viel erschreckender, als du es jemals erahnen magst, glaub mir!“

„Aber was soll denn das heißen, Papa?“, entgegnete sie ihrem Vater und man merkte, dass in ihr die Unsicherheit und Angst auf die gleich folgende Antwort mit jeder Sekunde größer wurde.

„Erlaube mir diese eine Frage“ Lisa nickte nur. „Sag mir, Lisa: Hast du dir den Schneeberg denn noch nie genauer angeschaut? Und hast du dich noch nie gefragt, warum an seiner Ost-Flanke denn ein so großes Loch klafft?“

„Doch schon, Papa“, gestand sich das Mädchen kleinlaut ein, „aber viele Gedanken hab ich trotzdem nicht daran verschwendet; so bedauerlich es auch sein mag“, fuhr sie fort, und begann einzusehen, dass es womöglich töricht und dumm war, sich bisher so wenige Gedanken über ihren 2.076 Meter hohen Hausberg gemacht zu haben. „Ehrlich gesagt dachte ich immer, dass dieses >Loch<, wie du die, Breite-Ries benennst, natürlich entstanden war ...“

„Natürlich entstanden?“, begann ihr Vater hintergründig. „Na ja, im weitesten Sinne des Wortes, würde ich sagen!“, doch Lisa verstand noch immer nicht ganz, was ihr Vater damit sagen wollte. „Und in meinem Buch geht´s kurz und knapp darum, dass mein Hauptprotagonist Dr. Stefan Berger, Vulkanologe der ZAMG Wiener Neustadt seit über 5 Wochen die deutlichen Anzeichen für eine furchtbare Katastrophe bei uns in Puchberg am Schneeberg kommen sieht! Doch was nützt es, dass er die Bevölkerung warnen und wachrütteln will, da ihm weder seine Kollegen, geschweige denn der Puchberger Bürgermeister Glauben schenken will!“ Lisa nickte nur. „Mit gar furchtbaren Folgen für das Schneebergland, versteht sich!“

„Und, Papa?“, fragte das Mädchen von Neugier gepackt.

„Was und ...?“, ihr Vater verstand nicht, worauf sie rauswollte.

„Na, ich meine: Ist deine Geschichte denn auch spannungsgeladen bis zur letzten Seite?“

„Ach so und ich dachte schon ...“, sagte er und lachte erheitert. „Wie gesagt, will ich dir ja nicht zu viel verraten; aber die Spannung, glaub mir, die ist bis zur letzten Seite garantiert! Und die Frage, ob Familie Berger denn ihr Haflingergestüt an den Schneeberg verliert und ob die Pferde der Familie die Katastrophe überleben, wird erst im Laufe der Geschichte verraten!“

„Wow, Papa: Das hört sich echt spannend an! Und ich hoffe, dass ich heute am Abend Zeit zum Lesen finde“, meinte Lisa glücklich und zufrieden. „Doch eine Frage hab ich dann doch noch!“

„Ja, Lisa. Und die wäre?“, wollte ihr Vater wissen.

„Wenn ich so recht darüber nachdenke, worin es in deiner Geschichte geht, wollte ich dich fragen, ob du glaubst, dass ein solches Schreckenszenario, wie von dir beschrieben, dass unser Hausberg nochmals zu neuem Leben erwachen könnte, tatsächlich passieren könnte?“

„Nun ja, sagen wir es mal so: Ich hoffe nicht! Denn ich wollte, wenn ich könnte, nämlich noch sehr viele Jahre hier in Puchberg wohnen können! Aber da ich nun mal leider nicht in die Zukunft sehen kann, im Vergleich zu ...“, doch weiter ließ ihn seine Gattin nicht mehr sprechen; hustete sie plötzlich heftig los, blitzte ihn mit tief greifendem Blick an und fuhr sich von ihrer Tochter unbemerkt mit ausgestrecktem Daumen über den Hals, um über Gestik auszusagen:

>Wehe du sprichst aus, dass ich die Gabe der Vorsehung besitze, dann mache ich dich einen Kopf kürzer, mein Lieber<, da Martina die felsenfeste Meinung vertritt, dass ihre Tochter nicht all ihre Geheimnisse zu kennen braucht!

Und Robert, der verstand die Gestik auf Anhieb und versuchte sich rasch herauszureden: „Im Vergleich zu ...“, sagte er nochmals und fand leider just in diesem Moment keine passende Ausrede, was ab und an schon mal vorkommt!

„Im Vergleich zu ..., was, Papa?“, fragte Lisa neugierig und skeptisch gleichermaßen, ihren Vater fest im Auge behaltend, da sie beileibe nicht so dämlich ist, wie sie mitunter wirken mag!

„Ich wollte sagen“, begann ihr Vater abermals und schluckte heftig, als ob er einen meterdicken Kloß im Halse stecken hätte, „wollte sagen, dass man es trotz alledem nie wissen kann, was Mutter Natur noch so alles in petto hat!“

„Ah ja, okay, Papa. Da magst du wirklich recht haben - allerdings wäre es schon hammergeil, wenn´s denn so was wie das Hellsehen tatsächlich geben würde!“, antwortete sie ihrem Vater, während sie sich zeitgleich dachte:

„Komische Antwort von Papa; alles was recht ist! Mir scheint, dass er mir irgendwas verheimlichen will! Im Übrigen wurde Mama plötzlich so komisch und gestikulierte ihm, dass sie ihn Köpfen wolle, wenn er jetzt weiter spricht!“, und wie man sieht, hat sie zum Pech ihrer Mutter weit mehr mitbekommen, als diese erahnt hatte!

„Nun ja, was das Hellsehen, also das in die Zukunft sehen betrifft, Lisa“, lenkte indes ihre Mutter mit einem wahren engelsgleichen Blick ein, „musst du wissen, dass das eine Kunst ist, welche nur wenige Hexen und Magier auf dieser Welt beherrschen, und es ferner Jahre der Übung erfordert, bis man das wirklich fehlerfrei beherrscht!“

Lisa bekam einen durchaus berechtigten misstrauischen Blick, als sie fragte: „Und, Mama: Bist du denn eine der wenigen Hexen, die diese Gabe beherrschen?“

„Glaub mir, Liebling: Ich wäre froh, wenn ich diese Gabe hätte! Doch leider ist es mir bis heute nicht gelungen, sie erlernen!“

„Okay, ich glaube dir“, antwortete das Mädchen, während es sich insgeheim dachte:

„Ja klar, wer’s glaubt, du scheinheiliger Patron, den ich Mama nenne“, was der Junghexe aber nicht bewusst war, ist die Tatsache, dass es jemanden in ihrer Familie gibt, der über ihren Gedankengang längst Bescheid wusste!

„Oh, schau mal einer an: Lisa ist und bleibt eben doch ein schlaues Mädel; hatte sie ihre Mutter schnell durchschaut! Aber ich verstehe meine Schwiegertochter voll und ganz, dass sie ihrer Tochter darüber nicht die Wahrheit sagt - würde ich ehrlich gesagt auch nicht tun! Denn wer unsere Pappenheimerin nicht kennt, der kauft sie ungesehen; doch wer sie kennt, nimmt sie nicht mal geschenkt!“, und musste sich eisern beherrschen, damit ihr bei diesem Gedankengang keinerlei verräterische Regungen über die Lippen kamen, womit sie sich bei ihrer Enkelin hätte verraten können.

Inzwischen machte sich das Mädchen dran die letzten 2 Geschenke auszupacken: Ein neues Handy und ein PC-Spiel, welches sie sich ebenso schon lange gewünscht hatte!

Kurz darauf verkündete sie voll Anerkennung und Dankbarkeit: „Ich bin echt geplättet, Leute und weiß echt nicht, womit ich diese Geschenke bloß verdient hab und wie ich euch das bloß jemals vergelten soll!“

„Sagen wir so, Lisa: Du hast sie verdient, weil du bis heute eine so ausgezeichnete Schülerin bist!“, antworte ihr Vater und Lisa wurde sichtlich verlegen.

„Nun ja, Papa, man tut, was man kann“, und war es dem Mädel sichtlich unangenehm, dass es dermaßen verlegen hier und jetzt war, weswegen sich Martina demonstrativ an ihren Gatten wandte, um ihrer Tochter aus dieser unangenehmen Lage zu helfen:

„Du Robert, hast du mir heute in der Früh nicht gesagt, dass du noch eine Überraschung für sie in petto hast?“

„Noch eine Überraschung?“, entfleuchte es dem Mädel augenblicklich.

„Ehrlich gesagt, hab ich auch eine persönliche Überraschung für dich auf Lager - dazu musst du mir aber einen Gefallen tun!“, erklärte Robert stehenden Fußes seiner Tochter und brachte ihr ein gutmütiges Lächeln entgegen.

„Okay, gern doch, Papa. Welchen denn?“

„Der Gefallen ist einfach: Zieh dich bitte rasch an, denn die Überraschung wartet draußen auf dich!“, sagte ihr Vater und lächelte freundlich übers ganze Gesicht und war gespannt, was jetzt wohl folgen mag.

„Okay, Papa, nix leichter als das“, sagte das Mädchen und schoss wie der schwarze Blitz aus Kitz raus aus dem Wohnzimmer, quer durchs Vorzimmer und die Treppe hoch in den 1. Stock, und war kurz darauf auch schon droben in ihrem Zimmer verschwunden.

„Alter Schwede! So schnell hab ich unsren kleinen Teufelsbraten ja noch nie rennen sehen“, dachte Robert und musste insgeheim lachen über dieses atemberaubende Tempo, das seine Tochter hier und jetzt plötzlich an den Tag gelegt hatte.

Ein unerwarteter Ausflug nach Kitzbühel (1. Akt)

Mit einem >rumms< schloss sich Lisas Zimmertür. Und da sie nun ungestört von ihrem jüngsten Spross waren, nutzte Robert die Gelegenheit, um ein paar offene Worte mit seiner Gattin zu wechseln.

„Meine liebe Martina“, begann er in zärtlichem Ton, sich seiner Gattin rechts von sich am Sofa zuzuwenden, „jetzt, wo wir für paar Minuten von Lisa ungestört sind, können wir doch offener miteinander reden. Deswegen bitte ich dich nochmals im Guten, mir endlich Klarheit zu verschaffen, worauf du mich gestern Abend mit deinem zweifelhaften Einblick in die nahe Zukunft warnen wolltest, und in welchem Zusammenhang dies mit Kitzbühel steht!?“

„Mein lieber Robert“, erwiderte Martina freundlich. „Wie ich dir bereits gestern schon sagte: Nimm dich vor dem heutigen Tag in acht, denn es steht für dich und Lisa ein unerwarteter Ausflug in die besagte Skimetropole bevor“, und noch ehe er etwas darauf hätte erwidern können, setzte Martina rasch hinzu: „Übrigens: Dein vielsagender Blick ist einfach zu komisch, Liebling. Und würde ich dir mehr offenbaren, würde es dir nur unnötige Kopfpein bereiten, glaub mir“, und um die in ihr aufkommende Verlegenheit zu überspielen, ließ sich Martina in selbigem Moment ein großes Glas Orangensaft vor sich am Tisch erscheinen und trank ihn genüsslich bis zur Hälfte leer.

Genauso, wie sie es hatte, kommen sehen, geschah´s auch: Robert wurde ungehalten: „Martina, bitte“, sagte er erzürnt und legte seine Stirn in Falten und begann genervt Luft zu holen, ehe er fortfuhr: „Du weißt ganz genau, wenn´s eines gibt, was ich an dir überhaupt nicht leiden kann, dann ist es die Tatsache, dass du mich wieder mal ins offene Messer rennen lassen willst – will sagen, dass du scheinbar mehr weißt, als du zugibst!“

„Mein lieber Robert“, sagte Martina ernst, setzte das Glas ab und verkündete: „Wenn du von: Ins offene Messer rennen lassen, ausgehst, tut´s mir leid für dich, denn so war meine Aussage wirklich nicht gemeint ...“

„Ach, und wie war´s denn dann gemeint?“, unterbrach er seine Gattin entnervt und sein Mienenspiel, das sprach in jenem Moment für sich allein.

„Ich wollte dir mit meiner Zukunftsvision nicht mehr offenbar machen als, dass ihr beide einen kleinen Ausflug nach Kitzbühel und dort 3 Leute sehr glücklich machen werdet! Obwohl ...“ Martina stockte unerwartet in ihrer Aussage, trank genüsslich ihr Glas leer und für Robert schien es, als ob sie zu überlegen schien, was sie sagen soll.

„Und du, Mama, kannst es ruhig zugeben, dass du bereits weißt, was in Martinas blondem Köpfchen vor sich geht“, fuhr Robert erbost am Sofa nach links zu seiner Mutter um und betrachtete sie mit bitterbösem Blick.

Dies kümmerte seine Mutter herzlich wenig und sie ihm nur kühl erwiderte: „Du hast schon richtig geraten, mein Sohn: Mir liegen Martinas Gedankengänge wie ein offenes Buch vor mir! Doch kann ich dir jetzt schon sagen, dass du wahrlich nicht erfreut über diese Zukunftsvision sein wirst, die sie dir zu offenbaren hat!“, und um die Feindseligkeit ihrem Sohn gegenüber noch zu unterstreichen, konnte Maria nicht anders als sich ein hämisches Grinsen entfleuchen zu lassen.

„Mama bitte“, begann Robert genervt, „fang du jetzt nicht auch noch damit an, mir über Hinterwege die Wahrheit über die Zukunft der nächsten Tage einzutrichtern; denn du weißt genauso gut wie Martina, dass ich das am Tod nicht leiden kann“, und musste erst mal Luft holen, um weitersprechen zu können. „Und sagt mir bitte endlich klipp und klar die Wahrheit - ich werd´s schon verkraften, glaubt mir!“

„Wenn du dich da mal nicht täuschst, Sohnemann“, dachte Maria zeitgleich hintergründig und bemühte sich mit Kräften, sich von diesem Gedankengang bei ihrem Sohn nichts anmerken zu lassen.

Robert fuhr zu Martina um und betrachtete sie mit ernstem Gesichtsausdruck, als wollte er sagen: >Ich warte, mein Goldengel<.

Ganz so, als ob Martina diesen Wink mit dem Zaunpfahl verstanden hatte, sprach sie nun offenherzig: „Mein lieber Robert. Es würde mich zwar wundern, wenn du über diese Erkenntnis erfreut sein würdest, aber ich kann dir guten Gewissens sagen, dass wir demnächst unerwarteten Zuwachs bekommen werden“, und da geschah es: Martina musste schadenfreudig vor sich hin kichern.

„Wie bitte?“, rief Robert inbrünstig. „Du willst doch jetzt hoffentlich nicht aussagen, was ich befürchte, oder etwa doch?“, in ihm spannte sich alles an und er fürchtete geradezu die Antwort, die da kommen mag, wie der Teufel das Weihwasser.

„Robert, Liebling“, lachte Martina herzlich, „mach dich doch nicht lächerlich! Wenn du glaubst, dass wir solchen Zuwachs erwarten, kannst du beruhigt sein, dass dem nicht so ist“, er wischte sich erst mal den kalten Angstschweiß von der Stirn, ehe seine Gattin fortfuhr: „Nein Liebling: Wir bekommen Zuwachs in anderer Richtung; will sagen, dass wir in nächster Zeit die Ehre haben werden, zwei Junghexen ausbilden zu dürfen!“

„Und da sagst du Menschenskind, ich soll mich nicht aufregen?“, rief Robert lauthals und griff sich demonstrativ ans Hirn. „Ich frage mich wirklich, welche dahergelaufene Wald-und-Wiesen-Hexe du aufgegabelt hast, und warum WIR sie ausbilden sollen?“, in Roberts Hirnwindungen begann sich übelstes Kopfkino abzuspielen, was seine Gefühlslage nur noch verschlimmerte.

„Robert beruhig dich doch endlich“, befahl Martina in scharfem Ton. „Aufgegabelt hab ich niemanden, und schon gar keine dahergelaufene Wald-und-Wiesen-Hexe! Nein, diese Junghexe wird vielmehr aus einer Umwandlung hervorgehen.“

„Wie bitte?“, rief er vom Sofa aufspringend – setzte sich sogleich aber wieder. „Ich hoffe, dass das nicht dein Ernst ist, Martina“, wobei ihm in jenem Moment gar nicht bewusst war, was er mit seiner lauten Stimme noch alles anrichten soll.

Justament öffnete sich zur selben Zeit ein Stockwerk höher Lisas Zimmertür: Das Mädchen trat fertig angezogen aus dem Zimmer raus, begann sich nebenbei das blonde rückenlange Haar mit einem Haargummi zum Zopf zurückzubinden, bekam es unvermutet mit, dass es drunten im Wohnzimmer offenbar heiß herzugehen schien.

„Mensch Mayer, was ist da unten plötzlich für ein Radau? Papa und Mama streiten sich doch hoffentlich nicht miteinander“, dachte Lisa und ging durch das 2. Wohnzimmer droben im 1. Stock schnurstracks in Richtung der abwärts führenden Treppe.

„Und wie das mein Ernst ist, Robert“, hörte sie die Stimme ihrer Mutter bis ins Obergeschoss hinauf erklingen.

„Oh mein Gott, die streiten sich ja wirklich – doch frage ich mich: Warum nur?“, stellte die angehende Junghexe erschrocken fest und blieb am Anfang der Treppe stehen, um zu lauschen, worum es denn, in diesem Streit überhaupt ging.

„Martina glaub mir: Mir ist es schleierhaft, wie du auf diese Vision kommst, dass wir in nächster Zeit zwei Junghexen ausbilden dürfen!? Denn du solltest bedenken: Wir haben nur eine Tochter und die reicht mir allemal, glaub mir!“

„Wie bitte? Zwei Junghexen? Aber ich bin doch ein Einzelkind; hab doch keine Schwester oder dergleichen – nur eine Cousine, aber die lebt in Bregenz!“, dachte Lisa in selbigem Augenblick verwirrt und lauschte weiterhin dem Streitgespräch ihrer Eltern.

„Wer hat denn was von einer verwandten Junghexe gesagt, mein lieber Robert“, entgegnete Martina mit schelmischen Grinsen.

„Und mach nur so weiter, du Marktschreier vom Schneebergland; du legst schon selbst den Grundstein dafür, dass wir ab Dienstag zwei Junghexen ausbilden dürfen!“, dachte Martina zeitgleich tief in Gedanken und musste sich eisern beherrschen, sich dieses Gedankengut nicht durch ein unüberlegtes Minenspiel bei ihrem Göttergatten anmerken zu lassen.

Und wie Martina es kommen sah, geschah´s – lauthals verkündete Robert: „Dann kann ich mir nur noch eins vorstellen: Nämlich, dass Lisa, neugierig wie unser kleiner Satansbraten nun mal ist, in deinem Hexenbuch stöbert und auf Seite 617 den Wandlungstrank findet, der aus einer Sterblichen, eine waschechte Hexe macht!“

„Ist ja voll geil: Hätte nie gedacht, dass Mama ein echtes Hexenbuch besitzt!“, dachte das Mädchen mit abgrundtiefem erstaunen und setzte verärgert hinzu: „Hmpf, wie kommt Papa auf die Idee, mich kleinen Satansbraten zu nennen? So schlimm bin ich nun auch wieder nicht, bei allem, was Recht ist!“, wobei sie eine brennheiße Erkenntnis überkam: „Übrigens muss ich mir merken, dass auf Seite 617 in Mamas Hexenbuch ein Wandlungstrank zu finden ist, der aus einer Sterblichen eine echte Hexe macht! Man weiß ja nie, ob dieses Wissen noch von Nutzen ist“, dann ging sie rasch und mit sich und der Welt zufrieden, die Treppe ins Erdgeschoss hinab und nahm sich vor, sich bei ihren Eltern und Großeltern nichts anmerken zu lassen, dass sie ihren Streit belauscht hatte.

„Sohnemann“, erhob Bobby, der nach wie vor am Wohnzimmertisch saß die Stimme und betrachtete Robert eindringlich, „ich an deiner Stelle würde die Lautstärke um 6, 7 Gänge zurückschalten!“

„Warum, Papa?“, fragte er schon fast zu naiv und betrachtete den Kater verwirrt.

„Dann dreh dich doch mal in Richtung Wohnzimmertür um, du Depp vom Schneebergland; ach nein, ich verbessere mich: Armleuchter hätte besser auf dich gepasst!“, Letzteres sprach Bobby mit herzhaftem Lachen, da es ihn königlich amüsierte, dass sein Sohn einen dermaßen verwirrten Blick aufgesetzt hatte.

„Tut mir leid, Papa: Schneller ging´s nun wirklich nicht!“, verkündete Lisa mit einem Lächeln, als sie das Wohnzimmer betrat.

„Sag mal, Lisa: Hast du heute den Turbogang eingelegt? Denn so schnell bist du doch sonst nicht angezogen.“

„Wie kommst du darauf, Papa?“, erkundigte sich das Mädchen und ob sie es wollte oder nicht: Lisa überkam ein schelmisches Grinsen, als sie ihrem Vater in die Augen blickte.

„Ach, war nur so ´ne Vermutung“, brachte er seiner Tochter mit frohem Lächeln entgegen, sich vom Sofa erhebend und in ihre Richtung gehend.

„Du Papa, sag mal: Um was für eine Überraschung handelt es sich denn, dass wir deswegen das Haus verlassen müssen?“

„Lisa, Liebling“, begann ihr Vater liebevoll, „wenn ich es dir verraten würde, wär´s ja keine Überraschung mehr, oder?“

„Zugegeben: Da ist was Wahres dran“, musste Lisa zugeben. „Aber einen kleinen Tipp wirst du mir doch geben können, oder nicht?“

Robert ging in Richtung Haustür und erwiderte genervt: „Damit du deinen geheiligten Frieden hast: Wir müssen in die Garage, damit sich deine Überraschung erfüllt!“

„In die Garage?“, fragte das Mädchen überrascht. „Sag mal: Wo fahren wir denn hin – wieder mal mit Mamas Auto – denn deinen Renault Espace hütest du ja noch strenger als die Amis ihre Goldreserven in Fort-Knox!“, darauf bekam sie jedoch keinerlei Antwort – noch weniger von ihrer Mutter oder ihrer Oma, geschweige denn von ihrem Kater; allesamt blickten sie mit regungsloser Miene an, als sie sich zu ihnen umgewandt hatte.

„Du wirst´s ja gleich erfahren, warum ich bisher streng dagegen war, dass du in meinem Renault mitfährst“, dachte Robert zeitgleich und nahm von Lisa´s Warte unbemerkt den Schlüssel für seinen Renault Espace vom Haken.

Und Lisa, die war dermaßen mit schmollen beschäftigt, dass sie nicht darauf achtete, welchen Autoschlüssel, ihr Vater vom Haken genommen hatte: Den für den dunkelblauen VW Sharan ihrer Mutter, oder den für den silberglänzenden Renault Espace ihres Vaters, geschweige denn, was er vor zwei Sekunden zu ihr gesagt hatte.

Gemeinsam gingen die beiden zur Haustür, schoss es dem Mädchen eben brennheiß in den Sinn: „Papa, warte doch bitte einen Moment!“

„Was gibt´s denn?“ Robert wusste nicht, was seine Tochter so plötzlich hatte.

„Mir ist nur grad eben in den Sinn gekommen, dass ich Oma noch schnell was fragen wollte“, erwiderte Lisa, dann lief sie auch schon zurück ins Wohnzimmer.

Kurz drauf kam sie mit ihrer Oma zurück. Maria erwiderte ihrer Enkelin: „Diese Frage kann ich dir gern beantworten, hab ihn ja eh neben der Eingangstür abgelegt.“

Lisa machte einen verdutzten Gesichtsausdruck, während sie ihre Schritte zum Schuhschrank lenkte. „Wie bitte, Oma? Neben der Tür? Bist du sicher?“, das Mädchen wollte es nicht so recht glauben, während es die Straßenschuhe aus dem Schrank nahm und anzog.

„Ich seh schon, du glaubst mir nicht“, erwiderte Maria und ging zur Haustür und für Lisa schien es, als ob ihre Oma, etwas vom Boden aufzuheben schien, obwohl sie von ihrer Warte aus betrachtet, nichts in der Hand zu halten schien.

„Oma“, begann das Mädchen skeptisch und ernst gleichermaßen, „kann es sein, dass du dich jetzt wirklich über mich lustig machen willst?“

Maria richtete sich auf und antwortete: „Wie käme ich dazu, Lisa?“

„Aber ich hab doch ganz genau gesehen, dass du dich gebückt hast und vorhin sagtest du, dass du deinen Hexenbesen neben der Tür abgelegt hast, obwohl ich genau sah, dass da nix abgelegt war“, des Mädchens Mienenspiel wurde von Sekunde zu Sekunde ernster, während es sich die Schuhe zuband.

„Kein Wunder, dass du ihn nicht hast sehen können“, verkündete Maria und machte eine magische Handbewegung, worauf ihr Hexenbesen, welcher auf den Namen Beelzebub hört, in voller Pracht in ihrer Hand erschien.

„Ja aber ..., aber ...“, mehr brachte die erstaunte Junghexe nicht hervor, als sie sah, was sie nicht für möglich hielt.

„Liebling sag kein Wort, denn dein verdutzter Blick spricht für sich allein“, sagte Maria gütig und trat vor ihre Enkelin.

„Oma, ist das dein Hexenbesen Beelzebub?“, begann Lisa ehrfürchtig und neugierig gleichermaßen und bedachte nicht, wie verletzend, Worte sein können; vor allem dann, wenn sie unbedacht ausgesprochen werden: „Aber das ist doch nur ein alter Reisigbesen! Oma, du willst mir doch hoffentlich jetzt nicht weismachen, dass du auf diesem Museumsstück von Reisigbesen die Reise von dir zu Hause bis zu uns angetreten hast.“

Oma Maria, Opa Robert (alias Kater Bobby), Vater Robert und Mutter Martina zuckten in diesem Moment tief in sich zusammen, da sie wussten, was jetzt unverhohlen kommen würde.

„So eine Frechheit aber auch“, erklang plötzlich lauthals eine tief erzürnte männliche Stimme im Vorzimmer. „Sag das noch mal, du verzogene Göre einer Junghexe und du wirst den Zorn von Beelzebub kennenlernen – das schwöre ich dir!“

Der Junghexe fuhr der Schrecken in alle Glieder, erst dann wagte sie eine vorsichtige Frage: „Wer zum Teufel hat da eben gesprochen?“

„Schau an, schau an“, begann die erzürnte Stimme, „du weißt, wie mir scheint, wer Luzifer, Beelzebub, der Teufel oder wie immer du ihn nennen magst, ist und kannst dich darauf verlassen, dass du verzogenes Balg einer Junghexe seinen Zorn zu spüren bekommst, wenn du noch mal alter Reisigbesen zu ihm sagst oder ihn gar als altes Museumsstück titulierst!“

Lisas Eltern und Großeltern machten allesamt einen gönnerhaften Blick, da sie es ihrem jüngsten Spross doch von Herzen vergönnten, dass es soweit kam, wie es gekommen war.

„Großer Gott aber auch“, weiter kam Lisa nicht mehr, wurde sie jäh von Beelzebub unterbrochen.

„Glaub mir: Der kann dir, wenn du dich nicht sofort bei mir entschuldigst, auch nicht mehr helfen; verlass dich drauf!“

„Verdammt noch mal: Wer spricht da dauernd zu mir und benennt sich selbst als Beelzebub, bzw. Luzifer, der Herr der Hölle? Sagt mir das bitte mal einer von euch?“, fragte Lisa erschrocken, wissbegierig und erzürnt, da sie beim besten Willen nicht begriff, dass die zornige Stimme von Marias Hexenbesen auszugehen schien.

Lisa blickte quer durch die Runde ihre Eltern und Großeltern, wie sie um sie herum im Vorzimmer standen - niemand von ihnen sagten ein Wort, sondern machten nach wie vor einer wie der andere einen gönnerhaften Gesichtsausdruck, so als wollten sie: >in diese Situation hast du dich schon selbst manövriert. Schau also zu, dass du dich bei ihm entschuldigst<, aussagen.

„Na, was ist?“, begann Beelzebub ungeduldig zu werden. „Entschuldigst du dich nun bei mir oder muss ich meine Drohung wahr machen?“, wobei die verängstigte Junghexe nicht erahnen konnte, was sich Marias Hexenbesen just in selbigem Moment schelmisches dachte:

„Wenn diese Hexengöre wüsste, dass meine Drohungen nur heiße Luft sind, würde sie nicht so belämmert aus der Wäsche schauen. Aber eine Frechheit bleibt es alle Mal, mich alten Reisigbesen und Museumsstück zu nennen - schließlich bin ich doch noch altes Meisterhandwerk und somit aus echtem Schrot und Korn gefertigt!“

„Oma“, begann Lisa am ganzen Körper vor Angst zu zittern, „kann es sein, dass diese Stimme deinem Hexenbesen entstammt?“

„Von wem denn sonst? Herrgott Sakrament noch mal, hockst du vielleicht auf der Leitung“, echauffierte sich Beelzebub laut.

Langsam und sachte ging sie auf den Besen zu und betrachtete ihn vorsichtig, wie ihn ihre Oma in der Hand hielt. Selbige machte einen grinsenden Gesichtsausdruck, als ihre Enkeltochter den Besen von nahem begutachtete.

„Edler Beelzebub“, sprach das Mädchen vorsichtig vor fühlend, „ich kann dir offenherzig versprechen, dass ich es nicht mit Absicht gesagt hab, oh ehrwürdiger Hexenbesen Beelzebub, ich bin ja so was von“, weiter ließ sie der Besen nicht kommen, fuhr er ihr gnadenlos ins Wort:

„Lisa bitte: Tue mir und dir selbst einen Gefallen!“

„Und welcher wäre das, edler Beelzebub?“, fragte Lisa und entfernte sich sicherheitshalber ein paar Schritte von ihm, da sie nicht wusste, was jetzt kommen mag.

„Dass du, bitte, dieses Geschwollene: >Oh edler Beelzebub< sein lässt! Denn bei diesem dämlichen Geseier wird mir höchstens schlecht und mir kommt das Abendessen von vor vorgestern Abend wieder hoch – na ja, im weitesten Sinne des Wortes eben, aber egal!“

„Entschuldige bitte, Beelzebub“, brachte das Mädchen entgegen und fuhr nahtlos fort: „Ich weiß beim besten Willen nicht, wie ich mich bei dir entschuldigen soll!? Denn jetzt, wo ich weiß, dass du sprechen kannst“, unterbrach sie sich plötzlich selbst, denn war ihr diese Tatsache höchst unheimlich - war Beelzebub doch bisher der einzige Besen, den Lisa kannte, der die Fähigkeit des Sprechens mit Menschen besaß.

„Scheiß doch der Hund drauf“, erwiderte der Besen unerwartet. „Sag doch einfach ehrlichen Herzens, dass es dir leidtut, dass du mich alter Reisigbesen und Museumsstück genannt hast, und den Rest, den vergessen wir dann einfach, okay?“

Lisa hatte mit dieser plumpen Aussage nicht gerechnet, weswegen sie kurz brauchte, um eine Entschuldigung hervorzubringen.

„Lieber Beelzebub, es tut mir von ganzem Herzen leid, dass ich dich alter Reisigbesen und Museumsstück genannt hab! Woher hätte ich denn ahnen sollen, dass“, erneut unterbrach der Besen das Mädchen mitten im Wort:

„Ach, lass gut sein, Kind, ich glaube dir auch so, dass du es nicht aus Bosheit gesagt und mich beleidigen wolltest - vergeben und vergessen, wie man so schön sagt!“ Lisa wischte sich zuerst den Angstschweiß von der Stirn, ehe sie sich an ihre Oma wandte:

„Und nun zu uns, Oma: Woher hätte ich denn erahnen sollen, dass Beelzebub sprechen kann?“

„Glaub mir Liebling: Alle Hexenbesen sind des Sprechens mächtig! Doch musst du bei der Anschaffung sehr darauf achten, dass du keinen so geschwätzigen Gesellen wie meinen Beelzebub hier erwischst“, bei Letzterem konnte Maria nicht mehr ernst bleiben, sie musste einfach herzlich kichern bei dieser Feststellung.

„Haha, sehr witzig, Herrin“, erwiderte Beelzebub mürrisch und Lisa entgegnete:

„Hä? Wieso, Herrin?“

„Warum wohl? Weil deine Oma nun mal meine Herrin ist und ich ihren Befehlen folgen und sie überallhin dort hinfliegen muss, wohin sie mich steuert; so einfach ist das Los eines Hexenbesens, musst du wissen.“

„Stimmt das, Oma?“, fragte Lisa, ihre Oma mit ernstem Blick betrachtend.

„Das kannst du meinem Beelzebub ruhig glauben! Ferner sehe ich dir von der Nasenspitze an, was du mich jetzt fragen willst!“

„Ach so?“, erwiderte Lisa und grinste schelmisch. „Was will ich dich denn Fragen, Oma? Sag´s mir bitte, wenn du dir so sicher bist!“

„Ganz einfach: Du willst mich fragen, ob du auch einen eigenen Hexenbesen bekommen kannst!? Stimmt´s oder wolltest du mich etwa was anderes fragen?“

Die Junghexe wusste zwar nicht, wie ihre Oma das machte; aller Verwunderung zum Trotz erwiderte sie mit einem lächeln: „Ja, Oma, das stimmt, das wollte ich dich fragen.“

„Mach dir diesbezüglich bitte keine Sorgen. Du bekommst schon einen eigenen Hexenbesen, wenn du einen willst! Aber ...“

„Aber? Was, aber?“, wurde sie ängstlich und neugierig zugleich.

„Ich wollte sagen: Erst mal soll dir dein Papa seine kleine Überraschung offenbar machen!“, versuchte Maria ihre Enkelin, zu beruhigen.

Es wirkte: „Ach so, ja, stimmt, da hast du recht! Papa hatte mir doch ´ne Überraschung versprochen“, noch ehe ihr Vater das Wort hätte ergreifen können, kam Lisa erneut ein brennheißer Gedanke in den Sinn: „Ach Oma, bevor ich´s vergesse: Ich bin ja mittlerweile voll überzeugt, dass ich und wir alle hier Hexen sind, deswegen hätte ich noch eine schnelle Frage an dich!“

„Und die wäre, Lisa?“

„Wenn du die 18 Kilometer mit Beelzebub hoch droben in der Luft zurückgelegt hast, hast du da nicht für aufsehen in der sterblichen Bevölkerung gesorgt?“

„Ich wusste, dass diese Frage kommen würde“, dachte Maria, ehe sie ihrer Enkelin Antwort gab.

„Lisa, du kannst mir glauben, dass es schon ein paar verwunderte Blicke, einen unflätigen Lokführer im hiesigen Bahnhof und leider sogar einen Notarzteinsatz wegen mir gab ...“

„Hä? Einen Notarzteinsatz wegen dir?“, fuhr Lisa augenblicklich ihrer Oma ins Wort. „Wie meinst du denn das, um alles in der Welt?“

„Nun ja, wie soll ich sagen?“, begann Maria unsicher in der Stimme - erklärte ihrer Enkelin jedoch wahrheitsgemäß, was passiert war: „Weißt du, Liebling: Als ich zu Hause mit Beelzebub abgehoben hab, stattete ich meinem Nachbarn Herbert einen kleinen Besuch neben seinem Balkon ab ...“

„Oh je, Oma“, sagte Lisa, da sie bereits zu erahnen begann, was jetzt kommt. „Gehe ich recht in der Annahme, dass Herr Steiner einen Herzanfall erlitt, als er dich auf Beelzebub fliegen sah?“

„Ja, leider“, soweit ließ das Mädchen seine Oma kommen.

„Um Himmels willen, wie geht´s ihm denn jetzt? Lebt er noch? Sag schon Oma!“ Lisas entsetzte Blicke sprachen mehr, als tausend Worte es könnten. „Wenngleich du deinen Nachbarn jedes Mal als alte Nervensäge betitelst, mag ich ihn wiederum umso mehr, musst du wissen! Ferner ist er ein ausgezeichneter Monopoly-Spieler und ich hoffe, du weißt, was ich damit sagen will!“

„Kindchen, beruhig dich doch“, entgegnete Maria ernst, ehe sie fortfuhr: „Erstens bin ich ganz davon überzeugt, dass er seinen Herzanfall gut überstanden hat und zweitens kann ich mich für dich nach seinem Gesundheitszustand erkundigen, wenn du es wünschst!“

„Aber wie willst du das bitte bewerkstelligen? Soweit ich weiß, bekommen nur verwandte solche Auskünfte“, brachte Lisa verständlicherweise erstaunt entgegen, da sie nicht verstand, wie ihre Oma das in der schnelle der Zeit bewerkstelligen will.

„Ach, Kindchen“, sagte Maria, „lass das doch bitte meine Sorge sein“, dann legte sie ihren Besen auf der Treppe ab, richtete sich auf und machte mit fröhlichem Gesichtsausdruck eine magische Armbewegung um ihren Körper herum - und noch, ehe Lisa fragen konnte, was das jetzt werden soll, war ihre Oma auch schon von der Bildfläche verschwunden.

„Großer gegrillter Käsegeist“, rief das zutiefst erstaunte Mädchen. „Wo, um alles in der Welt ist Oma denn auf einmal hin verschwunden?“

„Lisa, mach dir bitte keine Sorgen: Deine Oma kommt ja gleich wieder“, versuchte Bobby, sie zu beruhigen.

„Das mag ja sein, Bobby; aber wo ist sie denn plötzlich hin verschwunden? Und vor allem: Wie hat sie das nur gemacht?“, drängte die Junghexe ihren Kater auf ehebaldige Antwort.

„Um dir deine Fragen zu beantworten: 1. deine Oma macht nur schnell einen Krankenbesuch im Spital von Neunkirchen und 2. nennt sich das allgemein hin Teleportation!“

„Äh, das ist doch jetzt hoffentlich ein Witz, oder?“, brachte Lisa verständlich irritiert und skeptisch ihrem Kater entgegen, der das so lässig aussprach, als ob Teleportieren das normalste der Welt sei.

„Du kannst deinem Opa ruhig glauben, Lisa“, erklärte Martina offenherzig.

Aber noch ehe das Mädchen irgendwas hätte erwidern können, erschien ihre Oma schon wieder mit erleichtertem Gesichtsausdruck vor ihr und verkündete: „Lisa ich kann dir 2 gute Nachrichten verkünden: 1. Meinem Nachbarn geht´s soweit gut - er muss zwar noch eine Nacht zur Beobachtung im Spital bleiben und er war zugeben, sehr überrascht, als ich unvermutet in seinem Krankenzimmer erschien, doch sei´s drum. Und 2. sagte er, dass du ihn gern künftig beim Vornamen anreden darfst und er dir ferner das Du-Wort anbietet, wenn du willst – er meinte: Ihn stört es keineswegs, wenn er weiterhin eine gute freundschaftliche Beziehung zu dir führen darf, wie bisher.“

„Und ..., weiß denn Herbert nun auch über meine wahre Identität Bescheid?“, fragte Lisa sichtlich verunsichert.

„Nun ja: Herbert machte zwar ein äußerst verdutztes Gesicht, als ich ihm offenbarte, dass du eine junge Hexe bist, dennoch sagte er zu mir: >so lange sie nur gutes im Sinn hat, kann ich´s ja wohl bedenkenlos akzeptieren, dass ich eine junge Hexe als Freundin hab<, wobei er bei Letzterem lächeln musste.“

Lisa machte einen zutiefst erleichterten Gesichtsausdruck, da sie wusste, dass Herbert auf dem Weg der Genesung war und dass er es offensichtlich akzeptiert hat, dass sie ist, was sie ist: eine Junghexe in Ausbildung.

Aber da sie nichts mehr hasst, als unnötig herumzutrödeln, oder auf etwas zu warten, begann Lisa ernst zu werden: „1. Oma bin ich heilfroh, dass Herbert seinen mittlerweile gefühlten 4. Herzinfarkt gut überstanden hat und 2. bin ich gespannt, welche Überraschung Papa für mich auf Lager hat“, bei Letzterem betrachtete sie ihren Vater voll Neugier und Vorfreude.

„Liebling, wenn du denn soweit bist, kann´s ja losgehen“, begann ihr Vater nach außen hin fröhlich und unbekümmert wirkend. „Ich hab fast so das Gefühl, dass du mit dieser Überraschung nicht ganz rechnen wirst“, bei Letzterem lächelte er seine Tochter freundlich an, obwohl sein wahres Gefühlsleben in diesem Moment ein gänzlich anderes war.

„Ich kann nur hoffen, dass sie nicht den Knopf für die Teleportation findet! Denn auf ´ne Reise nach Kitzbühel oder gar sonst wohin in der Weltgeschichte, hab ich aktuell keine große Lust!“, dachte er bekümmert, da ihm die Zukunftsvision seiner Gattin nach wie vor wie ein Damoklesschwert über dem Kopf baumelte.

Freudig auf die Überraschung harrend, trat das Mädchen aus der Tür, raus in den Garten und vor die nahe liegende Doppelgarage und wartete, bis sein Vater kam, um selbige zu öffnen.

„Bin gespannt, was sich außer unseren 2 Autos und Papas Werkbank an der Wand, denn noch in der Garage verbergen könnte, bzw. wo er mit mir hinfahren will, um mir die versprochene Überraschung offenbar zu machen?“, dachte Lisa ungeduldig und machte einen kurzen Blick über das Grundstück und erblickte ganz so nebenbei ihre exzentrische Nachbarin Frieda Rosenthal, wie sie in ihrem Vorgarten ihrem liebsten Hobby, dem Gärtnern nachging.

Obwohl Lisa weiß, dass ihre Nachbarin eine ausgesprochene Exzentrikerin ist, findet sie, dass es doch nicht verwerflich ist, wenn sie ihr einen guten Tag wünscht.

„Guten Tag, Frau Rosenthal“, rief sie zur anderen Straßenseite rüber.

Ächzend erhob sich Frieda vom Gemüsebeet, wandte den Kopf in Richtung Nachbarhaus um und erwiderte ebenso freundlich: „Servus Lisa. Wie geht´s dir denn heute?“

„Ganz gut, Frau Rosenthal, danke der Nachfrage, und selbst?“, verkündete Lisa höflich, als just in diesem Augenblick ihr Vater vor die Tür trat.

„Bei Mutter Natur: Jetzt ist auch noch diese Schreckschraube von Rosenthal im Vorgarten – womit hab ich bloß solch eine Nachbarin wie die verdient?“, murmelte Robert genervt vor sich hin, als er einen flüchtigen Blick zum Nachbarhaus ein paar Meter von sich entfernt gemacht hatte.

„Wie meinen, Papa?“, fragte Lisa, da sie nicht alles verstanden hatte, und dachte, dass es sie anging, was ihr Vater vor sich hin murmelte.

„Nichts von belang, Lisa, hab nur den dämlichen Garagentoröffner vergessen“, was aber im Grunde nur 50 % Wahrheitsgehalt hatte.

Denn ein Magier wie Robert benötigt normalerweise keinen Garagentoröffner, um selbige zu öffnen – aber nachdem besagte Nachbarin nichts von seiner wahren Identität weiß und auch nicht zu wissen braucht, will er seine Garage auf altbewährte sterbliche Art und Weise öffnen und eilt deswegen zurück ins Haus um angesprochenen Öffner zu holen.

Währenddessen ergab sich zwischen Lisa und Nachbarin Frieda ein kurzes Gespräch, welches vom Herrn des Hauses aber jäh unterbrochen wurde: „Lisa tut mir leid, aber unsere Autofahrt verzögert sich um ein paar Minuten – denn ich muss leider ganz dringend wohin!“

„Okay, Papa“, erwiderte das Mädchen mürrisch und setzte hinzu: „Aber bitte beeil dich ein wenig, und ließ nicht wieder die ganze Kronen Zeitung durch; du weißt, wie lästig es sein kann, wenn man unnötig lang auf was warten muss!“

Zwecks nervlicher Ablenkung wollte sie die begonnene Unterhaltung, mit der Nachbarin wieder aufgreifen, doch erwiderte ihr diese unerwartet abwehrend: „Entschuldige Lisa, dass ich das Gespräch nicht fortführen kann. Aber ich muss meine Gartenarbeit noch vor dem Mittagessen fertig kriegen! Ich hoffe, du verstehst mich jetzt nicht falsch, aber ...“

„Ach, schon gut, Frau Rosenthal“, erwiderte Lisa neutral und setzte freundlich hinzu: „Somit wünsche ich noch frohes Garteln“, und wandte ihren Blick kurz darauf der nahen Doppelgarage zu.

„Hm, Papa sagte doch, dass ich mich in der Kunst der Hexerei, stets wenn ich Lust und Laune hab, üben kann, damit ich meine Hexenkräfte bald unter Kontrolle bekomme“, dachte die Junghexe wohlüberlegt vor sich hin und spinnt ihren Gedanken auch schon weiter: „Papa sagte doch, dass er den Garagenöffner vergessen hätte und es wäre doch gelacht, wenn ich es mit einer Prise Magie nicht hinbekommen würde, die Garage zu öffnen!“

Das Mädchen konzentrierte sich fest auf das, was es erreichen will, das Garagentor zu öffnen. Lisa kniff fest beide Augen zusammen und streckte ihre dominante linke Hand aus und zeigte auf die beiden geschlossenen Garagentore vor sich. Ihre Nachbarin bekam zu Lisas Glück von alledem nichts mit, da sie vollauf mit ihrer Gartenarbeit beschäftigt war.

Von jetzt auf gleich schoss ein obskurer Energieblitz auf die 2 Meter entfernte Garage zu, worauf die beiden Tore wie von Geisterhand gepackt hochschossen und aus den Führungsschienen an der Decke sprangen! Mit ihren 200 Kilogramm Gesamtgewicht rasten sie in Windeseile auf die hinten an der Wand stehende Werkbank zu und erzeugten ein dermaßen lautes gepolter, dass man es bis zur Nachbarin und bis ins stille Örtchen im Erdgeschoss von Hause Berger hören konnte!

Zu allem Verdruss geschah dieses Hexenmalheur so schnell, dass die daran schuldtragende Junghexe nicht mal mit dem Schauen hinterherkam. Das Mädchen war dermaßen geschockt von diesem Misserfolg, dass es nicht mal in der Lage war, einen Schrei des Entsetzens hervorzubringen, obwohl es dies zu gern wollte. Lisa stand einfach da und blickte nur mit aufgerissenen Augen in die verwüstete, weit offenstehende Garage. Sie war geschockt, um es mit einem Wort zu beschreiben.

Zeitgleich am stillen Örtchen im Erdgeschoss. „Echt zum Schieflachen, die Witze der Kronen Zeitung, ich sag´s dir“, murmelte Robert froh und erheitert vor sich hin, da er gerade einen megaguten Witz gelesen hatte, als plötzlich und unerwartet ein lautstarkes Poltern und Krachen draußen vorm Haus, ihn aus der heiteren Gedankenwelt riss.

Dermaßen bis ins Mark erschrocken fuhr er von der Toilette hoch und rief wie von Sinnen: „Bei Luzifers Höllenfeuer: Was war denn das eben für ein ohrenbetäubender Lärm?“, der Herr des Hauses hockte sich wieder aufs stille Örtchen, kramte erst mal seine auseinandergefallene Zeitung zusammen und dachte: „Bitte liebe Mutter Natur: Lass an diesem Gepolter nicht meinen jüngsten Spross Schuld tragen, ich bitte dich!“, wobei er sich den Rest seines dringenden Geschäfts herzhaft verkniff – ihn trieb die Neugier an, nachzusehen, was da draußen los war.

Jedoch nicht nur Robert allein machte sich seine Gedanken dazu – nein, auch Mutter Maria und Vater Robert, trieb dieser Gedanke um: „Was um alles in der Welt war denn das eben?“, wobei sich diese Frage für Martina erübrigte, da sie es dank ihrer angeborenen Gabe der Vorsehung schon längst wusste, was los war.

Vereint erschienen Lisas Eltern und Großeltern an der Tür um nach dem Rechten zu sehen, erklang plötzlich die unverkennbare Stimme von Nachbarin Frieda Rosenthal: „Jesus Christus im Himmel“, rief sie zutiefst erschrocken vom Gemüsebeet aufblickend. „Was, um alles in der Welt ist denn bei euch drüben plötzlich geschehen? Sagt doch bitte: Gibt´s Verletzte oder gar Sachschäden?“

Noch ehe der Herr des Hauses seinem jüngsten Spross eine Standpauke hielt, wandte er sich der exzentrischen Nachbarin zu: „Meine liebe Frieda, beruhige dich doch endlich und denk an deine labilen Nerven! Niemand von meiner Familie ist verletzt worden und ferner gab es nur einen kleinen Zwischenfall mit dem Garagentor – nicht mehr und nicht weniger ...“

„Wie bitte? Einen kleinen Zwischenfall nennst du das?“, rief Frieda mit schreckensbleicher Miene, während ihr Nachbar die Straße überquerte und zu ihr an den Gartenzaun herantrat.

„Ja, meine liebe“, begann er in beschwichtigendem Ton, „mach dir doch bitte nicht so einen Kopf um die Sache. So was ist bei uns schon mal passiert und außer einem neuen Garagentor ist ja nichts, was anfällig wäre.“

Frieda konnte oder wollte nicht glauben, mit welch stoischer Gelassenheit ihr Nachbar dies von sich gab und erwiderte mit ernster Stimmlage, sich demonstrativ mit der Hand an die Stirn fassend: „Du bist vielleicht gut, alles, was recht ist, Robert! Ich verstehe beim besten Willen nicht, wie A: Das überhaupt passieren konnte und B: Du da so gelassen bleiben kannst? Solltest aber bedenken, dass ein neues Garagentor erstens sauteuer und zweitens nicht von jetzt auf gleich zu bekommen ist“, worauf Frieda erst mal Luft holen musste, um ihren Redeschwall, wofür sie im Wohnviertel berühmt und berüchtigt ist, fortführen zu können: „Wenn man Hexen könnte, glaub mir, wäre es natürlich ein einfaches die Dinge in Ordnung zu bringen, aber“, doch unterbrach Frieda ihre Aussage unerwartet.

„Aber? Was aber, meine liebe Frieda?“, fragte Robert hämisch grinsend, als er sich Demonstrativ auf den metallenen Gartenzaun vor sich stützte.

„Großer Gott, was rede ich denn da für dummes Zeug? Hexen können - oh mein Gott, wenn der liebe Gott mir das verzeiht, bin ich froh.“

Robert musste sich beherrschen, um sein Mienenspiel im Zaum zu halten, worauf es ihm aber dennoch entfleuchte: „Warum dummes Zeug? Und warum soll der liebe Gott es dir denn übel nehmen, wenn du über Hexerei und dergleichen nachdenkst?“

In Sekundenschnelle schlug Friedas Mimik samt Stimmung von erschrocken und besorgt, zu todernst um: „Na, du bist vielleicht gut, Robert“, begann sie ihren Nachbarn mit ernstem Blick betrachtend, „weiß doch jedes Kleinkind, dass Hexen und Magier, sofern sie existieren, alle mit“, die gute Frau schluckte heftig beim bloßen Gedanken daran, „dem da unten im Bunde sind“, und einen kurzen markanten Fingerzeig zum Erdboden unter sich machte.

„Und wiederum sieht man deutlich, dass die Sterblichen unsere Zunft, stets mit Luzifer in Verbindung bringen, obwohl wir im Wicca-Glauben keinerlei Platz für ein teuflisches Wesen oder dergleichen haben“, dachte Robert zeitgleich und Bemühte sich, seine Gedanken nicht bei der nervigen Nachbarin anmerken zu lassen.

Und hatte Frieda den Fürst der christlichen Unterwelt kaum angesprochen, kam ihr was Schauderhaftes in den Sinn: „Entschuldige, Robert, dass ich das jetzt anspreche: Letzte Woche, dieser seltsame Besucher, den du da am Gartentor empfangen hast, sag an: War der etwa echt?“, insgeheim begann sich alles in der guten Frau anzuspannen, da sie die Antwort darauf wie der Teufel das Weihwasser fürchtete.

Robert grinste hämisch, dann verkündete er hintergründig: „Du meinst Asmodis, nicht wahr?“, er legte eine kurze Pause ein, um ´ne eventuelle Gefühlsregung bei Frieda abzuwarten, ehe er fortfuhr: „Glaub mir, Frieda: Es ist besser für dich, du weißt nicht, womit ich meine Brötchen verdiene!“, und um dem Gespräch ein Ende zu setzten, wollte er sich von der Nachbarin abwenden und zurück zu seinem Haus gehen.

Doch kam er nicht dazu, Frieda ergriff unvermutet das Wort: „Das ist jetzt hoffentlich ein Scherz von dir - oder willst du etwa sagen, dass du tatsächlich für“ Frieda überkam das kalte Grausen beim bloßen Gedanken daran, „den da unten arbeitest?“, abermals demonstrativ zum Erdboden zeigend.

Doch da sich Robert von der nervigen Nachbarin endlich loseisen wollte, entgegnete er ihr mit ernstem Gesichtsausdruck: „Wie ich bereits sagte, Frieda: Zuviel wissen bereitet Kopfpein und zu viel Neugier kann sehr, sehr ungesund sein, hab ich mir mal sagen lassen! Ferner solltest du eins bedenken: ER sieht und hört alles, wenn er es will“, und warf seiner nervigen Nachbarin ein dämonisches Grinsen entgegen.

Frieda konnte und wollte nicht glauben, was sie da eben gehört hatte und fuhr erschrocken einen guten Meter zurück. Mit zittriger Stimme und schreckensbleicher Miene verlautbarte sie: „Robert tu mir bitte einen Gefallen und halte dich künftig fern von mir! Denn mit dem Teufel und all jenen, die für ihn Arbeiten will ich nichts zu tun haben! Im Vergleich zum Teufel ist mir ja noch die Mafia lieber, obwohl man, da genauso schnell in Teufels Küche kommen kann! Und wenn man dort schon nicht landet, bekommt man schnell Betonstiefel verpasst, hab ich mir mal sagen lassen“, ehe Frieda zusah, dass sie aus ihrem Vorgarten und Roberts Dunstkreis verschwand.

Roberts exzentrische Nachbarin war kaum aus seinem Blickfeld verschwunden, wandte er sich zum Gehen und dachte schelmisch vor sich hin: „Nun ja, trotz alledem immer wieder köstlich, wie schnell man diese Gewitterziege loswerden und von sich fernhalten kann!“

Da seine Familie alles mitbekommen hatte, kam Lisa in Richtung Gartentor und entgegnete ihrem Vater verunsichert: „Papa, sag mir jetzt bitte ehrlich: Stimmt es, dass du für Luzifer, den Fürst der christlichen Hölle arbeitest? Dabei dachte ich immer, dass dein Hauptberuf Schuldirektor an meiner Hauptschule ist“, weiter ließ Robert seine wie Espenland zitternde Tochter nicht mehr sprechen, während er durchs Gartentor trat.

Mit aller ihm zur Verfügung stehenden Herzensgüte betrachtete er sie und sagte: „Lisa beruhige dich doch: Du zitterst ja am ganzen Körper wie Espenlaub.“

„Ist´s denn ein Wunder, Papa?“, brachte das schockierte Mädchen laut entgegen.

„Hör mir doch bitte zu, Lisa“, begann ihr Vater eindringlich, „das war doch alles ein ausgemachter Humbug! Ich wollte mich nur von dieser Schreckschraube Frieda Rosenthal loseisen“, bei Letzterem überkam das Mädchen ein herzhaftes Kichern.

„Schreckschraube“, sagte sie erheitert. „Ja, der Witz war gut, Papa, Respekt!“

„Stimmt doch, Lisa! Wie würdest du diese alte Gewitterziege denn sonst bezeichnen?“

„Papa bitte“, rief das Mädchen von ganzem herzen lachend, „ich kann nicht mehr“ Lisa erheiterte die Vorstellung dermaßen, dass ihr Vater die nervige Nachbarin Schreckschraube und Gewitterziege nannte, dass sie dermaßen lachen musste, sodass sie davon schon Bauchweh bekam.

Kurz darauf fing sie sich wieder und ging mit ihrem Vater zur Garage zurück, die nach wie vor wie ein Schlachtfeld auf sie beide wirkte.

„Aber nun Spaß beiseite, Lisa“, ergriff Robert mit ernster Stimme das Wort, „sag mir jetzt bitte klipp und klar: Wie hast du dieses Chaos in der Garage überhaupt zustande gebracht?“

Lisa zuckte erst tief in sich zusammen, da sie die schlimmste Strafpredigt befürchtete, aber dennoch ihrem Vater antwortete: „Nun ja, ich wollte nicht mehr als das Garagentor öffnen! Und weil du sagtest, dass ich mich jederzeit in der Kunst der Hexerei üben kann, damit ich meine Hexenkräfte, ehe baldigst unter Kontrolle bekomme, wollte ich ...“

„Das stimmt schon und ich finde es löblich, dass du bereit bist, Eigeninitiative zu zeigen; trotz alledem solltest du 2 Dinge dabei beachten!“

„Ach ja? Und welche wären das, Papa?“, fragte sie ihren Vater, neugierig und verunsichert gleichermaßen.

„Dass du A: Sichergehst, dass keine unwissenden Sterblichen in deiner Nähe sind, die dich beobachten könnten und B: Dass du in der Anfangszeit genau abwägst, wie viel du dir schon zutraust! Tust du das nicht und übernimmst dich dabei, im Sinn von: >Hochmut kommt vor dem Fall<, kanns leicht passieren, dass so was wie das Missgeschick in der Garage dabei herauskommt!“, wobei er einen Demonstrativen Fingerzeig in die sperrangelweit offene Doppelgarage machte.

„Okay, Papa und ja, du hast recht: Ich schütte Asche auf mein Haupt, denn ich hätte echt vorsichtiger sein sollen!“, gestand sich Lisa kleinlaut ihre Schuld ein, ehe sich in ihr eine Frage aufdrängte: „Aber entschuldige, wenn ich dich das jetzt frage: Was hast du denn stets dagegen, wenn die Sterblichen mitbekommen, dass ich eine Hexe bin? Sag mir doch bitte einmal, was denn daran so schlimm ist!?“

Anstatt ihrem Vater, lieferte ihr Bobby die Antwort: „Lisa, du solltest wissen: Wir alle, wie wir hier um dich rumstehen wissen, was es heißt, echte Angst vor den Sterblichen zu haben und sich davor zu fürchten, von selbigem als Hexe oder Magier enttarnt zu werden“, trotz alle dem fuhr Lisa, Bobby unverhohlen ins Wort:

„Bobby bitte: Ich verstehe sehr wohl, was du sagen willst, aber selbst du musst erkennen, dass wir mittlerweile das Jahr 2017 schreiben und Hexenverbrennungen schon lange der Geschichte angehören!“

„Das, was dir dein Opa mitteilen wollte, war, dass wir allesamt etwas zurückbehalten haben von dieser Angst den Sterblichen gegenüber und ...“

„Dass ihr alle mittelaltergeschädigt seid“, beendete Lisa keck und frech zugleich den Satz ihrer Mutter.

„Na ja, wenn du willst, kannst du´s so benennen“, erwiderte Martina, während sich zeitgleich ihr Gatte dran machte das Chaos in der Garage mit einer ordentlichen Prise Magie in Ordnung zu bringen.

Ein kurzes >Puff< und eine weiße Rauchwolke, die aus der mittlerweile geschlossenen Garage entströmt später, war das Chaos in selbiger bereinigt und der Herr des Hauses war mit seinem buchstäblichen Hexenwerk mehr als nur zufrieden. „Lisa, du kannst dich endlich beruhigen, denn dein Unfall auf Hexenart ist behoben und aus der Welt geschafft.“

„Unfall auf Hexenart“, lachte Lisa amüsiert. „Papa glaub mir: Der war noch besser als Schreckschraube und Gewitterziege Rosenthal zusammen!“

Robert verlautbarte nichts Näheres darauf, sondern sagte in bestimmten Tonfall: „Lisa tu mir doch bitte einen Gefallen und lass mich diesmal die Garage öffnen, nicht ...“

„Dass noch mal so was passiert wie vorhin – stimmt´s oder hab ich recht?“, beendete das Mädchen schadenfroh den Satz seines Vaters, welcher sich mit ernstem Blick und leise vor sich hin murmelnd sodann der geschlossenen Garage zuwandte.

Für einen Hexenmeister wie Robert, der seine Kräfte seit Jahrhunderten unter Kontrolle hat, war dies ein Kinderspiel gewesen. Langsam und sanft rollte sich das linke Garagentor hoch und zum Vorschein kam sein silberglänzender Renault Espace.

„Du, Papa“, begann das Mädchen mehr als verunsichert, „du willst doch nicht etwa aussagen, was ich dich nicht zu Fragen traue.“

Die Garagenhälfte ward kaum zur Gänze geöffnet, wandte er sich seiner stammelnden Tochter zu und betrachtete sie mit freundlichem Lächeln. „Sag an, Schatz: Willst du denn nun endlich die Geheimnisse meines Wagens kennenlernen, oder etwa nicht?“, wobei er seinen Funkschlüssel aus der Hosentasche nahm und den Wagen demonstrativ aufschloss.

Und Lisa wusste nicht, was sie dazu sagen sollte, musste sie gerade sehr mit sich selbst und ihrer Gefühlslage kämpfen. Denn wie oft schon, hatte sie ihren Vater um eine Mitfahrt in seinem Renault gebeten, und wie oft schon wurde sie mit: >Nein, tut mir leid, Lisa, aber das geht jetzt nicht<, enttäuscht, die angehende Junghexe konnte dies mittlerweile gar nicht mehr zählen, sooft bekam sie diese Verneinung in diesem Zusammenhang die letzten Jahre über zu hören.

Robert, der längst in seinem Wagen Platz genommen hatte, deutete mit klarer unmissverständlicher Handgestik seinen jüngsten Spross in die Garage und zum Auto heran. Lisa kam der Einladung zögerlich nach und setzte sich spät, aber doch in Bewegung und frage sich unentwegt: „Möchte bloß wissen, warum er jetzt auf einmal gewillt ist, mir seine >Geheimnisse< zu offenbaren, welche immer das auch sein mögen!?“

Lisa stand in der Garage auf der Beifahrerseite des Wagens und fragte unverhohlen: „Und, Papa, was ist denn so besonders an deinem Wagen?“, ehe sie die Beifahrertür zu öffnen begann und einen ersten Blick ins Fahrzeuginnere warf. „Papa, ich hab dich was gefragt!“, setzte sie rasch hinzu, da sie sich eine Antwort von ihrem Vater erwartete.

„Das wirst du ab diesem Moment sehen, wo du eingestiegen bist! Darf ich also bitten, gnädiges Fräulein Berger, dass ...“

„Mir trotzdem schleierhaft was an einem 0815 Renault Espace des Baujahres 2005 so besonders sein soll?“, fuhr sie ihrem Vater unverblümt ins Wort.

„Dazu sollte die gnädige Dame endlich einsteigen oder soll ich etwa dafür sorgen, dass“, weiter ließ sie ihren Vater nicht mehr kommen, da sie wusste, dass er, wenn er solche Drohungen ausspricht, nicht scherzt und sie auch wahr macht – allem voran wo sie jetzt weiß, dass ihr Vater über Hexenkräfte verfügt.

„Oh nein, bitte nicht, Papa“, sprach Lisa ängstlich und nahm auf der Beifahrerseite des Wagens Platz. „Zugeben: Man hat hier vorne wirklich sehr viel Beinfreiheit, das hätte ich ehrlich gesagt nicht gedacht; aber trotzdem ist und bleibt er ein ganz normaler Renault Espace!“, fügte Lisa an, nachdem sie sich rasch im Wageninneren umgesehen hatte und nichts entdecken konnte, was darauf hinwies, dass hier etwas ungewöhnlich sein könnte.

Robert holte tief Luft, hob genervt die Augenbrauen und legte die Stirn in Falten, ehe er sprach: „Lisa-Marie, halt hier bitte keine ellenlangen Volksreden, sondern schließe endlich die Beifahrertür, vorher wirst du die Geheimnisse meines großen Lieblings nicht entdecken können!“, wobei Lisa innerlich erzürnte, da sie schon wieder Mal bei ihrem Doppelnamen genannt wurde, was ihren Vater herzlich wenig kümmerte. Denn brachte er es liebend gern dann zur Anwendung, wenn er sich über sein Töchterlein wieder einmal ärgerte.

Letztendlich schloss sie aber die Beifahrertür, wobei sie: „Möchte bloß wissen, was das für einen Unterschied macht“, genervt vor sich hin murmelte.

„Einen Riesigen, mein Häschen“, verkündete Robert mit einem Grinsen, da er seine Tochter sehrwohl verstanden hatte.

„Papa, bitte: Ich bin doch kein kleines Mädchen mehr!“, protestierte Lisa auf die neckische Betitelung energisch los, was ihren Vater ebenso herzlich wenig kümmerte. Zugegeben: Neckte er sie nur dann zärtlich, wenn es niemand Fremdes mitbekam, da er seine Tochter liebt und sie damit nicht unnötig bloßstellen will.

Die Autotür war kaum ins Schloss gefallen, sagte Lisa: „Und, Papa? Wo sind denn deine“, weiter kam sie nicht, begann sich bereits das gesamte Interieur des Wagens zu verändern und zu verwandeln.

Robert grinste triumphierend und dachte: „Hab ich´s mir doch gleich gedacht: Mit dieser Wandlung der Geschehnisse hättest du nie und nimmer gerechnet“, dabei hatte er nicht übertrieben mit seinem Gedankengut.

Lisa fehlten schier die Worte: „Aber ..., aber ....“, mehr brachte das Mädchen vor Erstaunen nicht hervor. Die gesamte Innenausstattung samt Fahrersitz, Lenkrad, Beifahrersitz und Mittelkonsole war eine vollkommen andere geworden!

„Darf ich vorstellen, Prinzessin: Dies ist das wahre Gesicht meines Wagens“, verkündete Robert stolz und war auf die Reaktion seiner Tochter gespannt.

Diese fand nun endlich Worte, Worte, die ihr staunen voll zum Ausdruck brachten: „Beim großen gegrillten Käsegeist: Was war denn hier eben los, Papa? Ich komme mir vor wie in einem hypermodernen Cockpit eines noch moderneren Wagens aus einem Science-Fiction Film - das ist doch alles kaum zu glauben!“ Lisas verblüffter Gesichtseindruck sprach mehr, als tausend Bände.

„Siehst du, Lisa, das ist nämlich der Hauptgrund, warum ich bisher strikt dagegen war, dass du bei mir in meinem Renault mitfährst!“, erklärte Robert wahrheitsgemäß. „Hätte doch, bevor du über deine wahre Abstammung Bescheid gewusst hättest, nur zu allerlei dummen Fragen geführt“, als Lisa eine logische Frage hatte.

„Papa entschuldige bitte diese eine saublöde Frage: Aber warum sieht man denn von außen nix von dieser hypermodernen Ausstattung? Vorhin waren doch alle Türen geschlossen, als du im Wagen saßt und ich hab von außen nichts Ungewöhnliches erkennen können.“

„Das ist ja gerade der Sinn der Sache, Lisa“, offenbarte ihr Vater mit einem lächeln. „Das Äußere, musst du wissen, ist nur Tarnung, für die Sterblichen! Und um deine Frage, die ich dir von der Nasenspitze her ablesen kann, vorwegzunehmen: Auch wenn jemand von außen an den Wagen herantritt und zu mir hereinblickt, sieht er nur die gewohnte sterbliche Ausstattung; sogar dann, wenn ich die Fenster runter fahre – mach dir deswegen bitte keine Sorgen, Lisa. Die Tarnvorrichtung, welche 100 % magischen Ursprungs ist, ist nämlich so ausgeklügelt, dass das wahre Interieur nur dann sichtbar wird, wenn man darin Platz nimmt und die Türen schließt! Ferner kannst du dir ja wohl sicherlich denken, dass ich nur ganz ausgewählte Sterbliche in meinem Wagen mitnehme!“

„Ah ja, okay, Papa“, mehr brachte das nach wie vor zutiefst erstaunte Mädchen nicht hervor, da es das erlebte, noch immer verarbeitete, um zu realisieren, dass es auch wirklich wahr ist.

„Und, wenn du nun bereit bist, können wir doch gern eine kleine Ausfahrt unternehmen“, sagte ihr Vater und ließ den Wagen per Druck auf den Start/Stopp Knopf in der Mitte der Konsole an.

„Äh, Papa“, begann Lisa zögerlich, „kann es sein, dass dein Renault keinen gewöhnlichen Antrieb hat?“

„Das ist richtig. Aber woher weißt du das denn so plötzlich?“

„Ist doch nun wirklich nicht schwer zu erraten, Papa“, erwiderte Lisa. „Denn ein gewöhnliches Motorbrummen hört sich irgendwie anders an! Hier hört man fast gar nix: lediglich ein leises Surren, ganz so als ob etwas ...“

„Angelaufen wäre, wolltest du wohl sagen, oder?“

„Ja genau, Papa“, sagte Lisa und verstand nicht, wie das möglich war.

Robert fuhr aus der Garage und Lisa wunderte sich immer mehr: „Langsam aber sicher wundert mich dein Wagen immer mehr, Papa! Denn nach dem Kennzeichen mit den grünen Ziffern und Buchstaben zu folgern, dürfte es ein strombetriebener Wagen sein, obwohl du immer wieder sagst, welch unausgereifte Technik der Elektroantrieb doch sei!“

Ihr Vater hielt 2 Meter vor dem geschlossenen Gartentor an und erklärte ihr gütig den Sachverhalt dahinter: „Stimmt doch, dass stromgetriebene Autos meiner Meinung nach noch lange nicht ausgereift sind. Und ferner hab ich doch niemals behauptet, dass mein Renault mit Strom angetrieben wird!“

„Aber warum hat er denn dann die grünen Öko-Kennzeichen?“

„Ganz einfach: Weil die Heinis bei der Zulassungsstelle davon ausgingen, dass mein Auto Strombetrieben ist, darum“, antwortete Robert und machte ein fröhliches Gesicht.

„Aber wenn er nicht von Strom angetrieben wird, wovon denn dann, Papa?“

„Nun ja, Lisa: Dies ist ein Stoff, der nennt sich Ununpentium und ist etwas schwer, zu beschreiben; für mich zumindest.“

„Unun ..., wie bitte?“, wollte Lisa wissen, da sie das Wort zuvor noch nicht gehört hatte; zumindest war sie sich nicht bewusst darüber, dass sie dieses Wort schon mal gehört hatte.

„Ununpentium, nennt sich der Stoff, der den Motor meines Wagens antreibt“, sagte ihr Vater und ließ durch einen magischen Fingerzeig das Gartentor zur Seite fahren. „Du musst wissen, dass das ein Stoff ist, worüber ich selbst nicht viel Bescheid weiß“, soweit ließ sie ihren Vater noch kommen, als er vom Grund auf die anliegende Straße fuhr.

„Entschuldige, dass ich das frage: Aber wie sieht denn das Innenleben vorn unter der Motorhaube aus, wenn er nicht durch einen Verbrennungs- oder Strommotor angetrieben wird?“

„Das kann ich dir gern zeigen, Lisa, doch zuerst müssen wir weit genug weg von Haus Rosenthal kommen.“

„Warum, Papa? Sag mir doch bitte einmal, was dich im Grunde an unseren Nachbarn, den Rosenthals so stört“, wollte Lisa offenen Herzens wissen und betrachtete ihren Vater von Neugier gepackt.

Robert fuhr in Richtung Ortskern los und erwiderte gutmütig: „Weil ich gerade guter Laune bin, sage ich dir jetzt offenherzig, was mich an dieser exzentrischen Kuh so stört: Es ist einfach so gut wie alles an ihr, am allermeisten aber ist es ihr Beruf, musst du wissen!“

„Ah ja“, sagte Lisa. „Und darf ich denn erfahren, was Frau Rosenthal hauptberuflich macht? Wie du weißt, bin ich bis heute im Unklaren darüber. Von Herrn Rosenthal weiß ich, dass er Schaffner auf der Schneebergbahn ist.“

„Eine Gegenfrage, Liebling: Du kennst doch sicherlich den Schneebergexpress, oder?“

„Oh ja, Papa: Wer kennt ihn nicht, das größte Klatschblatt im Schneebergland!? Ferner man muss man echt Gatsch in der Birne haben, wenn man dieses Käseblatt freiwillig liest“, antwortete Lisa ihrem Vater und man merkte an ihrem abwertenden Tonfall, dass sie nicht viel von dieser täglich erscheinenden Lokalzeitung hält.

„Das kannst du laut sagen, Lisa und 3 Mal darfst du raten, was Frieda Rosenthal somit von Beruf ist.“

„Ich nehme an, dass sie einen wichtigen Posten bei dieser Zeitung innehat“, antwortete das Mädchen und wartete die Reaktion des Vaters ab.

„Da liegst du richtig - doch ist sie beileibe keine gewöhnliche Reporterin, falls du das meinst! Nein, viel, viel schlimmer: Ist sie doch die Chefredakteurin dieses Käseblatts und sensationsgeil wie sonst keine in unserem Land!“

„Großer Gott! Dann muss ich ja nur mehr 1+1 zusammenzuzählen!“, zeigte sich das Mädchen offenkundig schockiert.

„Eben, Lisa, eben.“

„Tja, dann kann ich dich nun umso mehr verstehen“, gab Lisa offen zu und zeigte tiefstes Mitgefühl für ihren Vater.

„Glaub mir, Liebling: Wenn die mir oder uns jemals draufkommen sollte, dass wir in Wahrheit der Hexenzunft angehören, fährt die doch darauf ab, wie ein Bluthund vor dem ein saftiges Kotelett geschwenkt wird; da gehe ich jede Wette drauf ein! Und mehr muss ich dir, glaub ich eh nicht sagen, oder?“

„Nein, Papa, musst du wirklich nicht“, antwortete Lisa mit einem kichern, da sie die Aussage von vorhin amüsant fand.

„Und genau deswegen versuch ich mir diesen, verzeih mir, Liebling, alten Drachen, so gut es geht, vom Leib zu halten!“

„Alten Drachen“, lachte Lisa abermals erheitert. „Ja, der war genauso gut, glaub mir“, ehe sie eine logische Frage hintanstellte: „Aber entschuldige bitte: Wie stellst du es denn bitte immer wieder an, dass du dir Frau Rosenthal so gekonnt vom Leibe hältst?“

„Nun ja, Lisa“, begann ihr Vater mit einem Lächeln auf den Lippen, „ich hab da so meine Methoden! Und ich denke, eine dieser Methoden hast du ja letztlich, damit meine ich gestern Nachmittag, als du mit dem Fahrrad heimkamst, mitbekommen, oder?“

„Du meinst doch jetzt hoffentlich nicht diesen seltsamen Besucher, den du gestern so gegen 4 Uhr nachmittags am Gartentor empfangen hast“, innerlich begann sich alles in Lisa anzuspannen vor Angst und Verunsicherung. „Du weißt schon, diese seltsame Gestalt in schwarzem Ledermantel, Lackschuhen, verspiegelter Sonnenbrille und weißem Hut am Kopf.“

„Ganz genau, Lisa“, begann ihr Vater ungewollt hintergründig. „Dieser seltsame Besucher, wie du ihn benannt hast, hieß Asmodis und war“, weiter ließ Lisa ihren Vater nicht kommen, fuhr sie ihm erschrocken ins Wort:

„Großer Gott! Also war dieser Besucher doch echt? Wenn ja, sag mir bitte, was wollte er von dir? Soweit ich mitbekommen hab, habt ihr euch beide über >Aufträge für den großen Boss< ausgetauscht!“, in Lisas Augen stand der Schrecken klar und deutlich abzulesen.

„Lisa Liebling, beruhig dich doch endlich“, begann Robert eindringlich, „Asmodis war doch nichts anderes als ein Trugbild!“

„Ein Trugbild?“, fragte Lisa. „Für ein Trugbild wirkte dieser Kerl aber verdammt real, Papa!“

„Ich weiß, Liebling, aber das war ja auch Sinn der Sache! Nicht um dich, sondern um die Schreckschraube Rosenthal furchtbar zu ängstigen!“, mit der Bezeichnung >Schreckschraube< hatte Robert die Angst aus seiner Tochter vertrieben.

Lisa lachte herzhaft.

„Entschuldige, aber die Bezeichnung >Schreckschraube< ist einfach genial“, sagte sie sodann, um ihr Lachen ihrem Vater gegenüber zu rechtfertigen.

Er wiederum hatte Verständnis für seine Tochter, als er sodann fortfuhr in seiner Aussage: „Deswegen solltest du bedenken, dass niemals etwas von dem echt ist, wenn ich womöglich künftig wieder mal so seltsame Besucher am Gartentor empfange – vornehmlich dann, wenn unsere Nachbarin es wunderbar mitbekommt!“

„Verstanden, Papa“, sagte Lisa und begann sich zu beruhigen, da sie nun endlich den Sachverhalt dahinter verstand. „Aber gib´s ruhig zu, du willst doch was von mir – ich kenne dich nämlich zu gut, um nicht zu wissen, dass ...“

„Ja, stimmt: Du hast mich enttarnt, Liebling“, erklärte ihr Vater ihr unverblümt das Wort abschneidend. Und Lisa, die wurde nun umso neugieriger, was ihrem Vater denn vorschwebte. „Wie ich ja vorhin schon sagte, hab ich meine Methoden, wie ich mir die alte Rosenthal vom Leib halte“ Lisa nickte nur und hörte aufmerksam ihrem Vater zu. „Bei dieser Abschreckungsaktion, die ich heute für sie in petto hab, bräuchte ich zugegeben deine Hilfe!“

„Meine Hilfe?“, fragte Lisa von Neugier gepackt. „Sag an, Papa: Was verlangst du von mir?“

„Oh, nix Gefährliches, keine Sorge! Ich brauch dich nur als Lockvogel sozusagen!“ Lisa betrachtete ihren Vater dementsprechend verwirrt, ehe er bereits fortfuhr: „Du musst nicht mehr machen, als die alte Rosenthal dazu bringen, dass sie mit dir in ihren Vorgarten geht – den Rest erledige ich schon!“

„Okay, kein Problem, Papa. Aber wie soll ich sie denn dazu bewegen, dass sie mit mir in ihren Vorgarten geht?“

„Zum Beispiel indem du sie auf ihre begnadeten Rosen ansprichst und etwas triftiges wissen willst – glaub mir, darauf wird sie schon anbeißen!“, antwortete ihr Vater, als da Lisa eine logische Frage an ihn hatte.

„Alles in allem kein Problem, Papa, aber sag doch mal, was dir denn eigentlich so vorschwebt, dass du dir Frau Rosenthal für unbestimmte Zeit vom Leib halten kannst?“ Lisa wurde nun doch etwas nachdenklich, da sie bei Leibe nicht wusste, was ihrem Vater denn Teuflisches in den Sinn kam.

„Nun ja“, begann er mit eindeutigem Unterton, „da du ja inzwischen wissen wirst, geht dieser alte Drachen ja davon aus, dass ich tatsächlich für Luzifer, den Herrn der christlichen Unterwelt arbeite“ Lisa nickte einmal eindeutig zweideutig. „Und ich dachte mir, dass es nun an der Zeit ist so richtig mit meinen Illusionskünsten aufzutrumpfen und eine kleine Begegnung mit Luzifer, dem Leibhaftigen zu arrangieren ...“

„Großer Gott“, zeigte sich das Mädchen nun echt schockiert. „Findest du nicht, dass du damit ein klein wenig zu dick aufträgst? Ich mein ja nur, Papa ...“

„Keine Angst, Lisa, ich hab Verständnis für dich, aber hab doch bitte auch Verständnis für mich!“

„Ach so, jetzt versteh ich: Du fürchtest, dass die Begegnung mit Asmodis, dem Höllendämon, nicht genug war und sie dir trotzdem wieder nervig auf die Pelle rücken könnte, oder?“, sagte Lisa.

„Zugegeben, Lisa: Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen! Aber eine Frage hätte ich dann eh!“

„Und die wäre, Papa?“, fragte Lisa und betrachtete ihren Vater hintergründig, da sie mittlerweile auf alles gefasst war.

„Inwiefern glaubst du für dich persönlich an einen Teufel?“

„Ich weiß zwar nicht, warum du das jetzt wissen willst, aber sei´s drum. Persönlich hab ich noch nie wirklich an einen Teufel, Dämon oder Ähnliches geglaubt! Denn wie Mama mir ja schon sehr oft erklärt hat, gehören wir doch einer sehr alten Naturreligion an, die in ihren Lehren keinen Platz für Teufel und Dämonen hat, deswegen hab ich persönlich nie an solche Wesen geglaubt! Aber kann mittlerweile sehr gut verstehen, dass du diese Wesen der christlichen Religionslehre für deine Zwecke missbrauchst.“

„Gib´s doch ruhig zu, Lisa, dass du auch oftmals den Teufel in deinen Fluchworten gebrauchst, obwohl du nicht an ihn glaubst“, entgegnete ihr Vater mit einem lächeln.

„Zugegeben: Ja, du hast ja recht, aber wer tut das bitte nicht?“, wobei dies so rhetorisch war, dass sich eine Erwiderung oder dergleichen erübrigte, weswegen ihr Vater zum vorigen Thema sodann zurückkehrte.

„Eine Frage, Liebling: Kann es sein, dass du mich vorhin noch was wegen des Käseblatts namens >Schneebergexpress< fragen wolltest?“

„Ja stimm, Papa, das wollte ich tatsächlich“, sagte Lisa, ehe sie fortfuhr: „Ich hab doch vor etwa 2 Wochen einen sehr markanten Schundartikel des Schneebergexpresses gelesen und wollte dich fragen, ob du mir sagen kannst, ob denn unsere ehrenwerte Nachbarin daran federführend gewesen ist?“

„Welchen Schund Artikel meinst du denn? Im Grunde ist doch alles ein einziger Schund, was in dieser Zeitung geschrieben wird!“

„Ich meinte den Artikel, den ich nur durch Zufall las, als ich ungewollt über die Online-Ausgabe dieser Zeitung gestolpert bin! Nämlich jenen Artikel worin Graf Eduard von Forchtenstein öffentlich angeprangert wurde, wegen angeblicher Korruption und so mancher anderer verwerflicher Affären!“

„Ah ja, diesen Artikel“, begann ihr Vater offen, „kenne ich gut, und hab ihn selbst gelesen und dabei aber gar nix drauf gegeben. Folglich kann ich dir versichern, dass ich zufällig weiß, dass unsere Nachbarin federführend an diesem Artikel war und diese Schreckschraube dafür bekam, was sie verdiente!“, bei Letzterem setzte ihr Vater ein gar gönnerhaftes Grinsen auf.

„Papa, glaub mir: Ich will lieber gar nicht wissen, von wo du deine Infos jedes Mal herbekommst“, erwiderte Lisa erheitert und setzte hinzu: „Aber der Neugier wegen: Was hat sie denn bekommen, unsere exzentrische Nachbarin?“

„Die gerechte Strafe welche sich >Verleumdungsklage< nennt; ausgehen von besagtem Grafen aus dem schönen Burgenland! Doch glaub mir eins: Nachdem die Dummheit in der sterblichen Gesellschaft leider niemals aussterben wird und das Universum ebenso grenzenlos ist, wird unsere Nachbarin wohl nie etwas daraus lernen, fürchte ich!“, bei Letzterem grinste er hämisch und gönnerhaft quer übers Gesicht.

„Zugegeben: Ich kenne die Rosenthals ja nicht so gut, wie du sie kennst, aber wenn du das so sagst, glaub ich dir, dass es stimmt, was du sagst“, meinte Lisa, als ihr Vater eine Frage an sie zu richten hatte:

„Du, Lisa entschuldige bitte meine Frage: Aber wo hast du das mit dem >großen gegrillten Käsegeist< eigentlich aufgeschnappt?“

„Warum, Papa?“, fragte das Mädchen verdutzt, da es nicht wusste, worauf die Frage seines Vaters abzielen soll.

„Weil mich dein: >großer gegrillter Käsegeist< nun mal dermaßen erheitert hat, dass ich insgeheim lachen musste, deswegen wollte ich wissen, von wo du dies herhast.“

„Ach so, verstehe“, kicherte Lisa los. „Das hab ich aus der Folge: >Trilogie derselben Geschichte<, meiner Lieblingsserie: >die Simpsons<. Dort sagte nämlich Polizeichef Wiggum: >großer gegrillter Käsegeist< aufgrund seines Erstaunens, weil er die beiden Jungs Bart & Milhouse mit einer großen Menge Silvesterböller dingfest gemacht hatte. Und der große gegrillte Käsegeist hat mir eben so gut gefallen, dass ich ihn bei passender Gelegenheit einfach anbringen musste“, ihr Vater konnte hier und jetzt nicht anders als erheitert zu lächeln.

Indessen fuhren Freund Robert und Tochter Lisa durch ihren beschaulichen Heimatort in Richtung Süden, als er es für richtig hielt, sich kurz auf einem freien öffentlichen Parkplatz einzuparken.

„Äh, ist was, Papa?“, fragte Lisa, da sie nicht wusste, warum ihr Vater die Fahrt auf einmal unterbricht.

„Sagtest du vorhin denn nicht, dass du das Innenleben des Motorraums meines Wagens sehen willst?“

„Ja, stimmt, das wollte ich“, erwiderte Lisa und stieg sogleich, nachdem ihr Vater eingeparkt hatte aus dem Wagen aus.

„Aber nur eins noch: Wundere dich nicht zu sehr, wenn du das Innenleben zu sehen bekommst“, sagte Robert, während er die Motorhaube seines Wagens zu entriegeln begann. Und Lisa, die antwortete gar nichts darauf, da sie einfach nur gespannt auf das Innenleben des Wagens von ihrem Vater war.

Ächzend hob er die schwere Motorhaube an und stellte den Haken auf, der sie offen hielt. Und erblickte Lisa kaum das Innere des Motorraums, konnte sie nicht anders als erstaunt: „Papa, ich hab zugegeben von Automotoren ja so viel Ahnung wie eine Kuh vom Walzertanz, aber du kannst mir nicht erzählen, dass das da drinnen ein gewöhnlicher Automotor ist!“, auszusagen.

„Lisa, bitte: Geht das vielleicht auch eine Spur leiser?“, erbat sich ihr Vater, doch dachte sie nicht daran, ihre Lautstärke zu senken.

„Versteh mich doch bitte nicht falsch, aber dieses Ding da drin ähnelt schon extrem einem Kernreaktor, als einem gewöhnlichen Automotor“, und da geschah es: Ein aufmerksamer Passant, welcher gerade an Roberts Wagen vorbeigehen wollte, hörte dies mit und mischte sich unverblümt ein.

„Wie bitte? Ein Kernreaktor im Motorraum eines Autos? Darf ich denn mal sehen? So was hab ich“, soweit kam der neugierige junge Mann noch, wurde er von Robert jäh abgewimmelt – zumindest versuchte er es, den aufdringlichen Passanten abzuwimmeln.

„Mein lieber Freund: Sie müssen, was an den Ohren haben! Meine Tochter sagte nicht Kernreaktor! Sie sagte“, soweit kam wiederum Robert, wurde er von dem aufdringlichen jungen Mann rüde unterbrochen:

„Hören Sie mal: Ich höre noch ganz gut und weiß, was ich gehört hab! Lassen Sie mich deswegen doch bitte kurz einen Blick auf Ihren Antrieb werfen! Und keine Angst, ich versteh sehr viel von Automotoren; bin ja nicht umsonst Kfz-Mechaniker geworden!“, und da Robert das Unvermeidliche kommen sah, ließ er in der schnelle von Sekunden eine magische Tarnvorrichtung über dem Motorraum seines Wagens erscheinen.

„Aber das ist doch ein stinknormaler Elektromotor, alles was recht ist!“, empörte sich der junge Mann augenblicklich. „Deswegen versteh ich beim besten Willen nicht, wie ihre dumme Nuss von Tochter auf die Aussage kam, dass da drin ein Kernreaktor verbaut sei? So ein Schwachsinn aber auch, alles was recht ist! Denn diese dumme Nuss ist doch wirklich so dämlich, wie sie Blond ist, heiligs Blechle nochmals!“, maulte der junge Mann lauthals weiter vor sich hin, als er sich sodann vom Innenleben des Autos überzeugt hatte und weiter seiner Wege gehen wollte.

Aber da auf Lisa nun Mal das Sprichwort: >der Apfel fällt nicht weit vom Stamm< buchstäblich, wie die Faust aufs Auge passt, wurde die Junghexe äußerst ungehalten, da sie in aller Öffentlichkeit als dumme Nuss tituliert wurde.

„Dumme Nuss und so blöd wie ich blond bin – ich bin sogar sehr stolz drauf, naturblond zu sein! Übrigens gebe ich dir gleich eine dumme Nuss, du Trottel! Dein Pech übrigens, dass ich seit Kurzem weiß, dass ich eine Hexe bin“, dachte Lisa zutiefst verärgert und ihr Blick, der verfinsterte sich dermaßen, dass man es eigentlich mit der Angst bekommen müsste.

Und noch ehe ihr Vater zum Denken kam, geschah es: Lisa zeigte auf die Schuhe des jungen Mannes, welche für ihn plötzlich ein unerwartes Eigenleben entwickelten: Seinen Besitzer in Windeseile vom Gehsteig runter, quer über die Straße, auf den linksseitigen Gehsteig wieder rauf und ferner in den Puchberger Kurpark lenkten.

„Großer Gott! Was ist plötzlich mit meinen Haxen los? So bleibt doch endlich stehen, ihr depperten Quadratlatschen! Oh nein, das gibt´s doch nicht, nein, das gibt´s ganz und gar nicht!“, rief der junge Mann entsetzt, da ihm bewusst war, dass das A: Nicht mit rechten Dingen zugehen konnte und B: Der Puchberger Fischteich mit jeder Sekunde näher kam und er wusste, dass er darin wohl gleich baden gehen würde, ob er nun wollte oder nicht!

Währenddessen wandte Lisas Vater seinen Blick in die Richtung des verängstigten Passanten und sah kommen, was unvermeidlich war: Der junge Mann ging soeben in voller Montur im Fischteich baden – was unsere Junghexe in spe wie eine Schneekönigin an Weihnachten freute.

Lisa lachte herzhaft aus voller Brust und klopfte sich immer wieder zutiefst erheitert auf die Schenkel. Sie bekam schon Bauchweh vor schadenfreudigem Lachen und konnte sich nur mit größter Mühe wieder einkriegen.

„Bist selbst Schuld du Obertrottel! Hättest dich halt nicht mit mir anlegen dürfen!“, sagte sie schließlich und bedachte nicht, dass ihr Vater dies alles mitbekommen hatte.

„Lisa-Marie Berger“, donnerte die unverkennbare Stimme ihres Vaters plötzlich auf sie hernieder. „Sag mir: War das denn jetzt unbedingt notwendig?“, ihr Vater zeigte demonstrativ in Richtung Kurpark und Fischteich und machte ein zornrotes Gesicht, als er demonstrativ die Hände in die Hüften stemmte.

„Ja, Papa: Das war notwendig“, antwortete Lisa schadenfroh, wischte sich etwaige Freudentränen aus dem Gesicht und setzte hinzu: „Ich lass doch nicht auf mir sitzen, dass er mich eine dumme Nuss nennt, und behauptet, dass ich so blöd wie Blond bin! Du weißt selbst am allerbesten, dass ich sehr stolz auf meine naturblonden Haare bin!“

Robert sagte der Einfachheit gar nichts dazu, sondern ließ die Tarnvorrichtung im Motorraum wieder verschwinden, schloss die Motorhaube und stieg mit finstrem grimmigen Blick wortlos ins Auto ein. Lisa tat es ihrem Vater gleich und stieg auf der Beifahrerseite ein.

Die Türen waren kaum geschlossen, fuhr ihr Vater mit ernstem Ton fort: „Noch einmal, Lisa-Marie: Bist du dir denn überhaupt im Klaren“, soweit ließ sie ihren Vater, frech wie Oskar noch kommen.

„Papa bitte: Nicht schon wieder die alte Leier, denn du musst doch auch endlich mal kapieren, dass es heutzutage bei uns in Europa undenkbar ist eine Hexe öffentlich zu verbrennen oder zu ertränken! Daher war diese Racheaktion einfach gerechtfertigt und legitim; finde ich zumindest“, bei Letzterem überkam das Mädchen ein schadenfrohes Kichern.

Robert wiederum fand keine Worte für diese Kühnheit – er war schlichtweg erstaunt, dass seine Tochter diesen Mumm besaß ihn in dieser Situation dermaßen frech zu widersprechen, weswegen er aus ihrer Warte unvermutet die Stimme senkte und sogar löbliche Worte anstimmte:

„Na ja, sei´s drum, Lisa“, begann er und fuhr nahtlos fort, „im Grunde meines Herzens muss ich zugeben, dass ich echt erstaunt bin, welch schnelle Fortschritte du machst! Denn wenn ich an meine Jugendzeit damals zurückdenke, wie viel Übung ich in der Anfangszeit brauchte, bin ich sehr erfreut darüber, dass du deine Kräfte offensichtlich dermaßen schnell unter Kontrolle bekommst!“

„Na ja, Papa: Ich vermute stark, dass es daran gelegen hat, dass ich erzürnt war und es deswegen so gut funktioniert hat.“

„Ja, da mag was dran sein, Liebling, ist doch oft genug der Fall, dass einem erst dann was ordentlich gelingt, wenn man wütend ist; kenne ich übrigens zu gut von mir selbst, wenn“, weiter kam er nicht, da klopfte es unvermutet an der Fahrerscheibe - es war der junge Mann von vorhin! Triefnass stand er neben seinem Wagen und stierte drein wie ein Bock um 12 Uhr mittags.

Robert wandte den Blick um und sagte: „Wird Zeit, dass wir uns unsichtbar machen!“

„Unsichtbar? Sag mal: Meinst du das etwa im ernst, Papa?“, fragte Lisa erstaunt, da sie dachte, ihr Vater mache einen Scherz oder meinte es im übertragenen Sinne.

Aber anstatt zu Antworten drückte er auf einen Knopf auf dem breiten Bedienfeld seines Wagens in der Mittelkonsole, was zur Folge hatte: „Ja, spinne ich jetzt schon total, obwohl ich gar nix geraucht hab?“, rief der erzürnte junge Mann – denn Freund Robert hatte nicht übertrieben: Der Wagen verschwand auf einmal von der Bildfläche und tauchte kurz darauf 100 Meter weiter vorne in der Nähe der Straßenkreuzung wieder auf. „Ja, jetzt steht´s eindeutig fest: Ich sehe schon Haluzis, obwohl ich keinen meiner Joints geraucht hab!“ Robert hatte mit dem Knopfdruck seinen Wagen buchstäblich unsichtbar gemacht, kurz darauf ausgeparkt und das Weite gesucht, weil er wenig gewillt war, mit dem erzürnten Passanten eine Grundsatzdiskussion auszutragen.

Währenddessen zurück bei unseren Freunden. „Verzeih mir, dass ich dir diese Frage jetzt stelle, Papa: Aber was meintest du soeben mit, dass wir uns unsichtbar machen?“

„Na, was wohl? Indem ich diesen Knopf hier betätigt hab“ Robert zeigte auf einen schwarzen Knopf mit einem weißen U darauf, „wurde der Wagen schlagartig unsichtbar! Du musst nämlich wissen, dass die gesamte Technik meines Wagens aus dem anderen Reich, der 4. Dimension entstammt!“

„Äh, welche 4. Dimension denn?“ Lisa machte ein verdutztes Gesicht, da sie sich so was wie eine 4. Dimension wahrlich nicht vorstellen konnte.

„Die 4. Dimension ist die Dimension der Hexen und Magier musst du wissen. Aber keine Angst: Du lernst sie noch früh genug kennen!“

„Mag sein, aber trotzdem ist´s mir unvorstellbar, was man dort alles machen kann“, sagte Lisa, da sie nach wie vor nicht Verstand, was denn diese 4. Dimension genau sein soll.

„Lisa tu mir bitte einen Gefallen und warte einfach ab; denn ich kann das alles gar nicht so beschreiben, wie es ist! Das Einfachste ist, du überzeugst dich selbst davon, wenn wir mit dir voraussichtlich heute Nachmittag einen Ausflug dorthin unternehmen.“

„Wow, heute Nachmittag schon?“, freute sich das Mädchen sichtlich.

„Ja, Lisa. Solang du nicht 18 bist und deine Hexenprüfung ablegen durftest, bzw. du in der 4. Dimension keinen Wohnsitz vorweisen kannst, brauchst du dort eine Begleitperson von mindestens 18 Jahren mit – so sind leider nun mal die Regeln dort! Tut mir leid, aber ich hab diese Regel nicht aufgestellt, wenngleich ich sie für äußerst schwachsinnig halte.“

„Ja, wie denn, Hexenprüfung? Welche Hexenprüfung, denn?“ Lisa verstand nicht, was ihr Vater damit meinte.

„Ach, das ist nur eine formale Prüfung aus Theorie und Praxis; hört sich viel, viel schlimmer an, als es in Wahrheit ist! Ferner musst du bedenken: Ohne Hexendiplom oder dauerhaftem Wohnsitz, darfst du dich in der 4. Dimension nicht länger als 2 Stunde pro Tag aufhalten und entschuldige bitte tausend Mal, ich hab diese dämliche Regel nicht aufgestellt!“

„Okay ..., aber sag mal: Wie schwer ist denn diese Prüfung?“, wurde es Lisa inzwischen trotzdem ganz schön mulmig zu Mute.

„Wie ich dir ja schon sagte: Hört sich das alles schwieriger an, als es in Wahrheit ist! Meiner Meinung nach ist eine sterbliche Mathematikprüfung in einer sterblichen Schule schwieriger zu bewerkstelligen!“, versuchte Robert seine Tochter, zu beruhigen. „Und du solltest bedenken: Des Weiteren ist die Führerscheinprüfung der Sterblichen für einen PKW alle Mal schwieriger zu bestehen, als die Prüfung zur diplomierten Hexe!“

„Na gut, Papa, ich hoffe, du hast recht“, sagte Lisa und begann sich zu beruhigen, wobei es mitunter vorkam, dass sie in Situationen wie diesen das Verlangen nach einer Erfrischung überkam. „Du, Papa, ich hätte nämlich eh noch 2 Fragen an dich“, begann das Mädchen vorsichtig vorfühlend.

„Ja bitte, Lisa, sag an: Was willst du wissen?“

„Weil ich Angst verspüre, dass wieder was schiefgeht, wenn ich es versuche, wollte ich dich bitten, ob du mir denn nicht was zu trinken erscheinen lassen könntest? Und meine 2. Frage betrifft die Ausstattung deines Wagens.“

„Kein Problem, Lisa. Zuvor müsste ich jedoch wissen, was du zu trinken wünschst? Und des Weiteren: Was willst du gern über mein Auto wissen?“, fragte Robert und wurde neugierig, denn es freute ihn sichtlich, dass sich seine Tochter dermaßen für seinen Wagen zu interessieren schien.

„Papa weißt du, ich bewundere schon die ganze Zeit das Armaturenbrett in der Mitte deines Wagens und frage mich, wozu all diese Knöpfe gut sind? Allem voran will mir ein Knopf partout nicht in den Sinn!“

„Welcher denn? Das Bedienfeld hat ja mehrere davon.“

„Dieser hier, Papa“, sagte Lisa und zeigte demonstrativ auf besagten Knopf. „Den mit dem weißen CM darauf! CM kann ja für so vieles stehen: Es kann zum Beispiel das Zeichen für Zentimeter oder aber auch die römische Zahl 900 gemeint sein, warum auch immer“, weiter kam Lisa nicht, wurde sie von ihrem Vater jäh eingebremst:

„Drück doch einfach drauf und pass auf, was passiert“, sagte er mit einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen.

„Bist du dir sicher, Papa, dass nix schlimmes passiert?“

„Hundertpro, Lisa“, antwortete er ihr und setzte hinzu: „Keine Angst, Schatz: Du wirst angenehm überrascht sein, was dieser Knopf bewirkt, glaub mir“, und konnte nicht anders als zu lächeln.

Sichtlich verunsichert packte das Mädchen all seinen Mut zusammen und drückte spät, aber doch darauf. Was folgte, war, dass das Bedienfeld mit den Knöpfen verschwand und kurz darauf eine kleine, feine Maschine an selbiger Stelle erschien.

„Aha“, sagte Lisa erstaunt. „Und was kann dieses Ding, das da eben vor mir erschienen ist?“

„Darf ich vorstellen, Lisa: Mein Cocktail-Mixer! Deswegen auch die Buchstaben CM darauf“, stellte Robert das Gerät seiner Tochter vor, die sich mittlerweile über gar nix mehr wunderte.

„Ah ja: Ein Cocktail-Mixer, hab verstanden, Papa“, erklang es für ihres Vaters Ohren mehr als skeptisch in diesem Moment.

„Wie mir scheint, glaubst du mir nicht“, begann Robert, ehe er sich an die für das Mädchen fremdartig wirkende Maschine wandte:
„Computer: eine Piña colada bitte.“

„Mit oder ohne Alkohol?“, erklang eine feminine Stimme, aus dem Gerät – das Mädchen stutzte, da es damit nicht gerechnet hatte.

„Wer hat da eben gesprochen, Papa?“, doch bekam sie keine Antwort auf ihre Frage.

„Mit einem Hauch von Alkohol bitte, denn ich muss ja nicht selbst Autofahren“, antwortete Robert dem Bordcomputer und musste sich ein hintergründiges Kichern dennoch sehr verkneifen.

„Eine Piña colada, kommt sofort“, verkündete die Stimme, ehe der Cocktail-Mixer sich an die Arbeit machte.

Es ratterte und ratterte im Cocktail-Mixer, als Lisa zu fragen begann: „Äh, was soll denn das heißen, Papa?“

„Warts ab, Lisa“, mehr antwortete ihr Vater nicht, denn der bestellte Frucht-Cocktail war gerade fertig und aus der Maschine entnahmebereit.

Lisa war nach wie vor tief beeindruckt, dass sie einfach abwartete, was noch folgen würde. „Und was wünscht die junge Dame?“, fragte die Stimme sich sogleich an Lisa wendend.

Da sie beeindruckt und verunsichert gleichermaßen war, antwortete sie nichts auf diese Frage, weswegen sich ihr Vater nun an sie wandte: „Du hast doch nach einer Erfrischung verlangt, oder?“

„Ja, schon, aber“, mehr brachte sie auch naher nicht hervor - verunsichert, wie sie nun mal war.

„Kann´s sein, dass du nicht weißt, was du dir bestellen sollst?“

„Im Grunde genommen, ja.“

„Dann lass mir dir doch bitte einen Vorschlag machen: Nimm doch einfach den Cocktail, den mein Cocktail-Mixer am liebsten mixt.“

„Okay, Papa, und wie heißt der?“, wollte Lisa wissen, da in ihr die Neugier geweckt wurde.

„Computer: einmal Ananas-Cocktail bitte.“

„Einmal Ananas-Cocktail, kommt sofort“, sagte die Stimme, worauf der Mixvorgang ein 2. Mal losging.

„Ananas-Cocktail?“, fragte Lisa und bekam einen Schock und rief entsetzt: „Papa, um Himmels willen! Bist du denn verrückt?“

„Was hast du denn, Prinzessin?“, gab sich ihr Vater schelmisch und genoss seinen Cocktail in vollen Zügen.

„Na was wohl? Du nimmst beide Hände vom Steuer und hast, wie ich sehe keinen Fuß mehr auf einem der Pedale und da vorn kommt ein Zebrastreifen, wo klar ersichtlich ist, dass jemand die Straße“, soweit kam das zutiefst geschockte Mädchen noch, verlangsamte in jenem Moment der Wagen wie von selbst die Geschwindigkeit und hielt vorm Zebrastreifen an.

„Ich hab doch vorhin schon gesagt: Ich muss nicht selbst Autofahren - und diesen Beweis hab ich ja hiermit angetreten, oder etwa nicht?“

„Aber, das grenzt doch schon fast an ...“

„Autonomes Fahren, wolltest du wohl sagen. Stimmt´s oder hab ich recht?“, beendete Robert mit einem lächeln den Satz seiner verdutzt dreinblickenden Tochter.

„Ja, das wollte ich sagen, Papa – doch steht für mich jetzt eines eindeutig fest, dass mich in deinem Auto absolut gar nix mehr wundert!“, verlautbarte Lisa und entnahm kurz darauf ihren Cocktail.

Wenige Augenblicke später, nachdem der Fußgänger die Straße überquert hatte, wurde die Fahrt autonom auch schon fortgesetzt. Unsere beiden Freunde querten kurz darauf die Lokalbahn nach Wiener Neustadt und hielten auf die paar Kilometer entfernte Gemeinde Grünbach am Schneeberg zu.

Eine unerwartete Reise in die Vergangenheit

Lisa genoss ihren Ananas-Cocktail in vollen Zügen und konnte um eines dennoch nicht umhin, wenngleich sie es wollte: „Du Papa, ich muss ehrlich sein: Dieser Ananas-Cocktail schmeckt Hammergut, aber“, weiter sprach das Mädchen nicht, denn es schien zu überlegen, wie es sich ausdrücken soll.

„Was aber? Sag schon: Stimmt was nicht? Du wirkst irgendwie bedrückt“, meinte Robert besorgt, weil er nicht wusste, worauf dieses unerwartete Schweigen seiner Tochter abzielen soll.

„Nun ja“, begann Lisa nun zögerlich und nahm noch mal einen Schluck ihres Cocktails, „du sagst doch immer, dass du meine Ehrlichkeit schätzt ...“

„Das ist auch weiterhin so, Liebling“, bestätigte ihr Vater und setzte hinzu: „Du weißt doch: Es gibt nix, was ich mehr hasse, als angelogen zu werden! Also sprich ruhig aus, was dich bedrückt - denn du weißt genau, dass du mit mir über alle Dinge der Welt reden kannst; vor allem dann, wenn du dir wegen irgendwas Sorgen machst oder Kummer hast“, und betrachtete seine Tochter mit tief greifend liebevollem Blick, um ihr aufzuzeigen, dass es ihm ernst damit ist.

„Nun ja, wenn du´s ehrlich wissen willst, wollte ich dich was Triftiges fragen, worauf mich gewissermaßen dieser Cocktail hier brachte! Aber wie du schon sagtest, darf ich dieses Thema ja nicht mehr anschneiden – heute nicht, morgen nicht und auch sonst nie mehr wieder.“

„Ah ja, ich verstehe“, sagte ihr Vater ernst. „Hätte ich´s mir ja gleich denken können, dass dir diese Sache keine Ruhe lässt!“

„Papa, so versteh mich doch bitte nicht falsch, aber wie soll ich denn volles Mitgefühl für dich, Oma und Opa haben, wenn ich doch nur Bruchstückehaft weiß, was damals“, weiter ließ Robert seine Tochter nicht mehr sprechen, fuhr er ihr rigide ins Wort:

„Mach dir keine Sorgen: Ich versteh besser, als du glaubst! Deswegen lass dir eins gesagt sein: Ich werde dir einen Einblick in meine Vergangenheit geben, den du nicht mehr so schnell vergessen wirst, verlass dich drauf!“

Lisa bekam´s nun doch mit der Angst zu tun. „Was soll denn das heißen, Papa?“, fragte sie verunsichert, während sich in ihrem Gesicht echte Furcht abzuzeichnen begann.

„Was wohl“, offenbarte ihr Vater rhetorisch. „Ich werde dir nicht einfach nur erzählen, was damals passiert ist, nein, du wirst höchstpersönlich live dabei sein und sehen, was damals geschah!“

„Wie bitte?“, fragte Lisa verdutzt. „Wie soll denn das funktionieren? Ich dachte, Zeitreisen seien noch nicht erfunden ...“

„Warts nur ab, mein Häschen, wart´s nur ab“, verkündete ihr Vater und vor lauter Angst wagte sie es noch nicht einmal, sich darüber aufzuregen, dass sie wieder mal Häschen genannt wurde.

Unsere Freunde verließen soeben den kleinen Ort Pfennigbach, hielt Robert bereits nach einer günstigen Gelegenheit Ausschau, seinen Wagen sicher am Straßenrand einparken zu können.

Er fand kurz darauf eine Möglichkeit: Eine Einmündung bei einem Feld und ergriff sogleich todernst das Wort: „Zuallererst sorge ich dafür, dass wir ungestört sind“, nachdem er seinen Wagen am Straßenrand eingeparkt hatte.

„Was hast du denn vor, Papa?“, fragte Lisa und begann am ganzen Körper zu zittern wie Espenlaub, denn so ernst hatte sie ihren Vater noch selten erlebt.

Robert antwortete nicht, sondern drückte auf den Knopf für Unsichtbarkeit, was zur Folge hatte, dass sein Wagen von außerhalb betrachtet in Sekundenschnelle von der Bildfläche verschwand.

„Papa, bitte: Was hast du mit mir vor?“, bestand Lisa nach wie vor auf einer Antwort.

„Beruhig dich doch endlich, Lisa“, begann er in strengem Ton. „Sag mal: Was denkst du denn von mir? Glaubst du tatsächlich, dass ich dir Gewalt antun will?“, jedoch kam keine Antwort auf seine Frage, stattdessen begann sich Lisa vorsichtig zu entspannen, da sie im Grunde ihres Herzens wusste, dass sie ihrem Vater blind vertrauen konnte.

„Aber sag mir doch endlich, was du mit mir vorhast.“

„Nichts Gefährliches, keine Sorge, nur eine kleine Zeitreise ins Jahr 1401 - genau genommen zum 21. August 1401, meinen 14. Geburtstag!“, offenbarte Robert und ließ sich ein hintergründiges Grinsen entfleuchen.

„Ja, aber ..., wie soll das“, soweit kam Lisa noch, hob ihr Vater bereits die Hand, machte eine magische Armhandbewegung und schon fanden sich die beiden in einem abstrus wirkenden Zeitstrudel wieder.

Das zutiefst erschrockene Mädchen bekam keinen Laut heraus, als es diesen obskuren Strudel um sich und seinem Vater herum betrachtete. Und so schnell dieser Zeitstrudel aufgetaucht war, verschwand er auch wieder und es begann sich in Sekundenschnelle eine Umwelt um sie beide herum abzuzeichnen.

„Wo um alles in der Welt sind wir denn hier gelandet, Papa?“, fragte Lisa und machte einen raschen Rundumblick und sah mehrere Bauernhäuser um sich herum und einen einfachen Lehmweg, auf dem sie standen.

„Darf ich vorstellen, Lisa: Das ist er, mein Geburtsort Markt Eisenberg im Jahre 1401“, antwortete ihr Vater und machte eine ausladende Handbewegung rundum.

„Soll das etwa heißen, dass wir tatsächlich in der Vergangenheit gelandet sind?“ Lisa konnte und wollte es noch immer nicht so recht glauben, obwohl sie es sah und miterlebte.

„Was glaubst denn du, Schatz?“, fragte Robert rhetorisch und setzte ernst hinzu: „Dennoch musst du bedenken, dass alles was du gleich sehen wirst, nur die Schatten der Dinge sind, die einmal waren!“

„Wie, die Schatten der Dinge, die einmal waren“ Lisa verstand ganz und gar nicht und zeigte es durch ein Kopfschütteln offen an.

„Ich wollte sagen, dass ich nichts, auch wenn ich es wollte, an der Vergangenheit verändern kann.“

„Ah ja, okay“, erwiderte Lisa. „Und warum kannst du die Vergangenheit nicht verändern, auch wenn du´s wolltest?“

„Weil ich es nicht darf, Lisa, darum! Denn es ist eine Grundregel des Hexenkodex: >niemals die Vergangenheit zu verändern, komme, was wolle – außer, es wird vom hohen Tribunal des Hexenrats genehmigt<, was aber auch nur in sehr großen Ausnahmefällen vorkommt!“, antwortete ihr Vater. „Und tut man´s aber doch, können wahrlich ungeahnte katastrophale Folgen für die Gegenwart die Folge sein!“

„Ah ja, okay. Aber welche Folgen wären denn das zum Beispiel, wenn ich fragen darf?“, wollte Lisa neugierig, wie sie nun mal war, wissen.

„Die Folgen können vollkommen verrückt sein! Und glaub mir: So was ist tatsächlich schon mal passiert!“

„Ja wann denn, Papa?“

„Das war 5 Jahre vor der deiner Geburt und ich denke, es wird das Beste sein, wenn wir den Mantel des Schweigens darüber breiten!“

„Warum, Papa? Du kannst mir doch gerne erzählen, was damals passiert ist – du weißt doch, dass ich dichthalte, wenn´s notwendig ist!“, begann Lisa von Neugier gepackt nachzubohren.

„Wenn du mir dein Hexenehrenwort gibst, dass du mich nicht mehr länger nervst damit, sage ich dir, was die Folge war und wer dran Schuld trug, okay?!“

„Okay, Papa“, antwortete Lisa, da sie wusste, dass es sehr ungesund sein kann ihren Vater weiterhin unnötig zu Nerven.

Robert betrachtete seine Tochter mit gutmütigem Blick und begann kurz und knapp zu erzählen: „Dieses Chaos ereignete sich im Sommer ´97, musst du wissen und die Folge dieser Zeitmanipulation war, dass die Alpenrepublik Österreich für eine Woche lang von einem sprechenden Hasen regiert wurde!“

„Wie bitte?“, verlautbarte Lisa skeptisch, da sie glaubte, sich verhört zu haben.

„Du hast schon richtig gehört, Lisa! Für eine Woche wurde unser Land tatsächlich von einem größenwahnsinnigen sprechenden Hasen regiert und glaub mir: Dieses Karnickel hatte, echt nicht mehr alle Tassen im Schrank! Und ...“

„Darf ich fragen, was dieses Karnickel denn getrieben hat?“, fuhr Lisa ihrem Vater unvermutet dazwischen.

„Das war eine Menge, Lisa! Aber das verrückteste, was dieser Mümmelmann von uns, seinem Volk verlangt hatte, war, dass wir alle nur mehr Karotten essen dürfen! Und würden wir etwas anderes essen, würden wir zur Strafe für eine Woche, wie er dereinst, in einen engen Hasenstall gesperrt werden – oh Mann, ich sag dir: Dieses größenwahnsinnige Schlappohr hatte wirklich einen echten Sprung in der Schüssel – ach, was sag ich: Einen Dachschaden hatte der, dass es schon krachte im Gebälk!“

Lisa lachte herzhaft.

„Entschuldige, Papa, aber bei dieser Vorstellung musste ich einfach lachen! Aber nun erzähl bitte weiter!“ Lisa bekam ihre Gefühle wieder in den Griff und lauschte weiter der Erzählung ihres Vaters.

„Ferner haben wir diese Zeitmanipulation einem Mitglied aus unserer Familie zu verdanken!“

„Großer Gott“, mehr brachte Lisa nicht hervor, denn ihre Mimik sprach für sich allein.

„Und besser du fragst deine Oma nach dem Grund ihres Handelns, denn ich weiß ihn bis heute nicht! Aber such dir bitte einen günstigen Moment bei ihr aus, wo sie guter Laune ist, denn ich weiß zu gut, wie deine Oma sein kann, wenn sie schlechte Laune schiebt!“ Robert entwich ein Grinsen, als er diese Worte sprach.

„Zugegeben, Papa: Dass ausgerechnet Oma die Schuld dran trägt, hätte ich jetzt wirklich nicht gedacht! Aber sag mal: Wie hat Oma es denn geschafft, dass das Raumzeitkontinuum wieder zurechtgebogen wurde?“, wollte Lisa abermals, neugierig wie sie nun mal war, wissen.

„Wie ich bereits vorhin schon erwähnte, gibt es für solche Notfälle ein gesetzliches Schlupfloch im Hexenkodex! Und in diesem Fall hat deine Oma die Erlaubnis vom hohen Tribunal des Hexenrats bekommen, noch einmal ins Zeitgeschehen eingreifen zu dürfen! Und mit Aufbietung ihrer gesamten Hexenkräfte ist´s ihr dann zum Glück auch gelungen, alles wieder so hinzu drehen, als ob nie was gewesen wäre! Des Weiteren ist das auch der Grund, warum in keinem sterblichen Geschichtsbuch auch nur eine einzige Silbe darüber zu finden ist! Denn im Grunde hatte dieses verrückte Ereignis ja niemals stattgefunden! Und ferner möchte ich noch sagen ...“

„Wurde denn stillschweigen unter uns Hexen vereinbart?“, wollte Lisa ihrem Vater das Wort abschneidend wissen.

„Genau, Liebling. Deswegen ist es ja so wichtig, dass kein Sterblicher jemals davon erfährt! Denn das könnte deine Oma in größere Schwierigkeiten bringen, als du es dir überhaupt vorstellen kannst! Weißt du auch, warum?“

Lisa schüttelte nur den Kopf, um ihr Unwissen anzuzeigen.

„Wie du dir ja wohl klar vorstellen kannst, hat ein jeder Regelverstoß gegen den Hexenkodex eine gerechte Strafe zur Folge“ Lisa nickte nur. „Und wie du ja sicher selbst schon erkannt haben wirst, ging deine Oma damals aber straffrei aus dieser Sache hervor.“

„Aber wie hat sie das denn geschafft, Papa? Meiner Meinung nach ist so was doch eine juristische Ungerechtigkeit, wenngleich es meine Oma betrifft“, meinte Lisa und verstand es trotzdem nicht.

„Nun ja, Lisa sagen wir mal so“, begann sich ihr Vater etwas vorsichtig zu formulieren, „ganz genau weiß ich nämlich selbst nicht darüber Bescheid, aber ich kann dir dennoch soviel sagen, dass deine Oma bei Roman, einem der drei Vorsitzenden des Hexenrats, offenbar noch etwas gut hatte – er ihr gewissermaßen einen Gefallen schuldig war ...“

„Ah ja, ich verstehe“, sagte Lisa und fuhr nahtlos fort: „Aber damit willst du jetzt hoffentlich nicht aussagen, was ich schon befürchte, oder?“, dem Mädchen stand Angst sowie Verunsicherung gleichermaßen ins Gesicht geschrieben.

„Lisa Liebling mach dir bitte keine Sorgen! Falls du meinst, dass deine Oma deinem Opa untreu geworden ist – nein, soweit ich weiß, war es ein anderer, viel, viel harmloserer Gefallen, den Roman ihr schuldig war!“

„Wenn´s darum geht, musst du dich bei mir wahrlich nicht sorgen, Papa, denn du weißt doch: Ich schweige wie das berühmte Grab und darüber hinaus!“, versicherte Lisa ihrem Vater bei ihrer Ehre als Junghexe ihr ewiges Schweigen den Sterblichen gegenüber zu.

„Aber fahren wir nun fort“, begann Robert, „dazu müssen wir aber erst mal den Standort wechseln“, und machte erneut eine magische Armhandbewegung.

Sogleich vor einem stolzen Gehöft angekommen, musste sich ihr Vater fest zusammennehmen um seinem Gefühlsleben hier und jetzt nicht freien Lauf zu lassen; diesen Umstand bemerkte sie sehr wohl und konnte nicht um hin als: „Papa, sag mal: Stimmt etwas nicht?“, zu fragen.

„Keine Sorge, Schatz“, begann er mit tränenerstickter Stimme, „es geht schon wieder!“

„Wo sind wir denn hier, wenn ich fragen darf?“ Lisa und ihr Vater standen vor den Toren eines weithin sichtbaren Gutshofes.

„Darf ich vorstellen, Lisa: Das ist er, der Ort meiner Geburt vom 21. August 1387, der einstmals stolze Gutshof der Familie Berger, genannt Rosenhof! Im Grunde ist er noch viel schöner, als ich ihn in Erinnerung hab!“, als ihr Vater diese Worte sprach, bemerkte Lisa, dass es ihrem Vater offenbar sehr nahezugehen schien, wenn er darüber sprach.

„Papa, darf denn ich auch das innere des Rosenhofs sehen?“, fühlte das Mädchen vorsichtig vor, als sie beide erneut den Schauplatz wechselten.

Kurz darauf fanden sich Vater und Tochter in der Wohnstube des Bauernhauses wieder und das Mädchen konnte nicht umhin eine Frage zu stellen: „Papa, sind das Oma und Opa, wie sie noch jung waren?“, denn sie erblickte in der Stube am Tisch sitzend zwei junge Bauersleute.

„Wenngleich du es nicht für möglich hältst, aber Oma und Opa waren auch mal jung, wie du siehst“, verlautbarte Robert mit einem Lächeln. „Aber glaub mir eins: Alles, was du hier gleich erleben wirst, wirst du sicher nicht mehr so schnell vergessen können!“ Lisa begann unwohl in ihrer Haut zu werden, da sie wusste, dass sie ihr Vater niemals belügen würde.

Was folgte: Robert schnippte demonstrativ mit den Fingern, um die Szenerie ein paar Minuten vorzuspulen.

Sachte Schritte waren kurz darauf auf der Treppe, die ins Obergeschoss führt, zu vernehmen als Robert Junior verschlafen in die Wohnstube herunterkam.

„Guten Morgen, Robert. Dachte mir schon, dass du deinen Geburtstag vollends verschlafen willst“, begrüßte Maria ihren Sohn freudig.

„Servus Sohnemann“, schloss sich sein Vater an, „dachte selbst schon, dass du keine Lust drauf hast, unser Geschenk in Empfang zu nehmen“ Robert Senior konnte nicht umhin, als sich ein Grinsen entfleuchen zu lassen.

Der Junge gähnte erst mal herzhaft, als er seine Eltern begrüßte: „Morgen Papa, morgen Mama - man wird sich am Wochenende ja doch mal ausschlafen dürfen, oder?“

„Da spricht doch nichts dagegen, Robert“, begann seine Mutter zärtlich, ehe sein Vater das Wort aufgriff:

„Aber wir dachten uns nur, dass du unter Umständen keine Lust auf dein Geburtstagsgeschenk hast.“

„Papa bitte: Dann kennst du mich aber schlecht!“, meinte Robert lachend, als er fragte: „Aber sagt mal: Was habt ihr denn für mich, wenn ich fragen darf?“

„Nun ja, etwas, was sich nicht viele Leute leisten können“, sagte Maria und holte Roberts Geschenk unter dem Tisch hervor.

Robert Senior überreichte es seinem Sohn und sprach andächtig: „Herzlichen Glückwunsch zu deinem 14. Geburtstag, mein Sohn.“

Dem Jungen gingen die Augen über, als er sein Geschenk erblickte – außer: „Sagt mal: Ist das euer Ernst?“, brachte er in jenem Moment nicht mehr hervor, denn seine Augen strahlten vor Glückseligkeit.

„Und ob, Robert“, bestätigte Maria.

„Dieses Buch über alle bekannten Länder dieser Welt, gehört ganz allein dir, Sohnemann!“, setzte sein Vater hinzu.

„Papa entschuldige die blöde Frage: Aber waren Bücher zu jener Zeit, als du Kind warst, etwa so besonders?“

„Lisa bitte, das meinst du doch jetzt hoffentlich nicht ernst, oder?“, ermahnte sie der Vater mit Nachdruck. „Wenn du im Geschichtsunterricht mal ein klein wenig mehr aufpassen würdest, würdest du wissen, dass der kommerzielle Buchdruck mit beweglichen Lettern erst im Jahre 1440 von Johannes Gutenberg – somit in haargenau 39 Jahren erfunden wird! Daher ...“, weiter kam Robert nicht in seiner Belehrung.

„Ja, stimmt, Papa – hab ich in der Eile glatt vergessen – ich schütte abermals Asche auf mein Haupt“, sagte Lisa und senkte beschämt den Kopf.

„Aber ..., aber wie ..., wie können wir uns denn so was Teures wie ein Buch überhaupt leisten, Papa?“, fragte Robert seinen Vater und verstand die Welt trotzdem nicht mehr. „Du weißt doch selbst, wie viel Geld so ein Buch kostet!“

„Ganz einfach, Robert: Weil dieses Buch eben von keinem sterblichen Autoren stammt, deswegen“, erklärte Robert Senior und sein Sohn verstand es trotzdem nicht.

„Ja wie, sterblich? Wie meinst du das, Papa?“, in Roberts Gesicht zeichnete sich schiere Verunsicherung ab, wie er am Tisch vor seinen Eltern stand.

„Robert, Liebling nimm doch bitte Platz“, sagte Maria und schob ihrem Sohn einen Sessel vom Tisch weg und der Junge tat wie von seiner Mutter gewünscht und nahm Platz. „Ich hab dich deswegen gebeten Platz zu nehmen, da das, was wir dir hier und heute mitteilen wollen, dich sonst umhauen könnte!“

„Was soll denn das heißen, Mama?“ Robert bekam es mit der Angst zu tun, als seine Mutter auch schon fortfuhr:

„Du weißt doch sicherlich, was Hexen und Magier sind, oder?“

„Und wie ich das weiß, Mama“, erwiderte der Junge in ernstem Ton. „Hat unser Lehrer ja oft genug gesagt, dass man sich von denen fernhalten soll und dass sie gefährliche Teufelsanbeter sind, die dem Menschen stets nur schaden wollen!“

„Und das war nun der Moment, in dem ich erfuhr, dass ich der Sohn einer Hexe und eines Magiers bin“, erklärte Robert seiner Tochter und fuhr fort: „Ferner kannst du dir sicher vorstellen, dass ich einen ordentlichen Schock von dieser Erkenntnis bekam!“

„Ja, Papa, das kann ich mir sehr gut vorstellen – denn erging´s mir heute ja nicht besser! Ferner hätte ich selbst niemals gedacht, dass ich eine waschechte Hexe bin!“

Robert spulte die Geschehnisse abermals ein wenig nach vorn: Dem Jungen wurde erklärt, dass er der Sohn einer Hexe und eines Magiers ist und dass Hexen in Wahrheit grundgute Menschen sind und wahrlich überhaupt nichts mit dem Teufel am Hut haben! Ferner erfuhr er durch seinen Vater den Beweis, dass Magie existiert, alsdann Robert der Geschehnisse wieder seinen freien Lauf ließ.

„Papa, Mama sagt doch bitte mal ehrlich: Wie ist es euch denn gelungen, dass ihr nicht von der Kirche als Hexen enttarnt wurdet? Denn ich weiß von meinem Lehrer zu Genüge, was man mit unsereins macht, wenn man erkannt wird!“

„Ganz einfach, mein Sohn“, begann Robert Senior, „weil wir uns mit unserer Magie stets gut vor den Sterblichen abdecken konnten! Und der Grund, warum wir dir heute die Wahrheit gesagt haben, ist ein simpler: Irgendwann musst du´s ja mal erfahren und wir dachten, dass du mit nun 14 Jahren alt genug dazu bist, um die Umstände dahinter verstehen zu können, was es bedeutet, ein Jungmagier im Jahre 1401 zu sein“, fügte er hinten noch schnell an – ehe Freund Robert abermals am Rad der Zeit drehte und sich und Tochter Lisa zur Mittagszeit brachte.

11:30 Uhr mittags wurde es soeben und es herrschte große Aufregung in der Stube: Die Dame des Hauses hatte allen Grund, wütend zu sein: „Robert, ich sag´s dir jetzt zum allerletzten Mal im Guten: Das kann kein gutes Ende nehmen, wenn du dich so stur anstellst!“

„Das, Lisa war der Moment, wo das Schicksal seinen Lauf nehmen sollte“, erklärte Robert seiner Tochter mit bedrückter Stimme.

„Du meinst, wo Opa deine Ausbildung zum Magier ganz allein übernehmen wollte, oder?“

„Treffer versenkt“, mehr antwortete ihr Vater nicht und ließ den Geschehnissen wieder freien Lauf.

„Sag mal, Maria: Traust du mir etwa zu, dass ich unfähig bin, Roberts Ausbildung allein zu übernehmen?“, erwiderte Robert Senior erzürnt, als er seiner Gattin in die Küche folgte.

„Das hab ich nicht gesagt, Robert und dreh mir nicht schon wieder die Worte im Mund um - du weißt, dass ich das am Tod nicht leiden kann!“, echauffierte sich Maria lauthals, als sie sich mit zornroter Miene ihrem Gatten zuwandte.

„Was heißt da die Worte im Mund umdrehen“, begann der Senior des Hauses erzürnt, doch da spulte Robert die Geschehnisse noch einmal weiter, weil er den Streit von damals nicht noch einmal zur Gänze hören wollte.

„Papa, hat´s ´nen Grund, dass du so angespannt wirkst?“ Robert hielt augenblicklich die Zeit an, starrte seine Tochter mit bitterbösem Blick nieder und verlautbarte erzürnt:

„Kann man denn hier und jetzt noch depperter Fragen?“ Lisa erwiderte nichts darauf, weil sie die Frage als rhetorisch empfand und ferner sich von ihrem Vater dermaßen eingeschüchtert fühlte, dass sie jegliche Antwort runterschluckte, während er sich wiederum dem Zeitstrom zuwandte, 10 Minuten nach vorspulte und mit seiner Tochter abermals den Standort wechselte.

„Papa sag mal: Wo sind wir denn jetzt gelandet?“, das Mädchen machte einen raschen Rundumblick und erkannte in jenem Gebäude, in dem sie sich nun befanden, viele mittelalterliche Erntemaschinen stehen.

„Darf ich vorstellen: Das war unser Stadel, der Ort, an dem das Schicksal des Rosenhofs endgültig besiegelt werden sollte!“, erklärte ihr Vater mit rühriger Stimme und während er sodann der Geschichte wieder freien Lauf ließ, spannte sich alles in ihm an, da er wusste, was jetzt gleich passieren würde.

Schritte und Stimmen waren vor den Türen des Stadels zu hören, als eine Türhälfte sogleich geöffnet wurde. „Halt doch jetzt endlich den Schnabel, Robert oder willst du, dass die Obrigkeit Wind von uns bekommt?“, sagte Robert Senior streng, als er und sein Sohn den Stadel betraten.

Der Herr des Hauses schloss kaum die Stadeltür, sagte Robert Junior abermals laut und unbedacht: „Papa sag mir doch bitte endlich, was wir in unserem verstaubten Stadel wollen und warum es ausgerechnet hier und nicht draußen im Hof bei Tageslicht sein muss!?“

„Ja, klar: Draußen im Hof, wo jeder Dorftrottel Zeuge unseres Unterrichts ist“, echauffierte sich sein Vater und tippte sich demonstrativ an die Stirn, um seinen Worten mehr Gewicht beizumessen.

Robert Junior fühlte sich eingeschüchtert und erwiderte nichts darauf, sondern wartete ab, was sein Vater, denn nun mit ihm vorhat.

Den Stadel kaum geschlossen, ließ Robert Senior einen Tisch vor sich erscheinen, darauf saß ein alter Gockelhahn, gefühlt älter als Methusalem.

Der Junge wunderte und fragte sich nach wie vor, wie sein Vater denn das nur schaffte? Sprach aber kein Wort, sondern wartete ab, was sein Vater denn nun mit ihm vorhat.

„Robert, Liebling“, begann der Herr des Hauses in dennoch ernstem Ton, „mach dir bitte keine Sorgen, denn unsere erste Lehrstunde in Hexerei werden wir recht einfach gestalten ...“

„Und jetzt pass gut auf, Lisa: Du wirst gleich Zeugin meiner Dämlichkeit werden und ferner verstehen lernen, warum die Schatten überm Rosenhof gekommen sind und ferner, warum ich, dein Opa und deine Oma das Lied: >Schatten überm Rosenhof< nicht mehr hören können!“

„Okay, Papa“, mehr verlautbarte Lisa nicht, da sie tief im Herzen die Angst umfing und befürchtete, dass sie diese Bilder nie mehr im Leben vergessen würde können.

„Papa nur eine frage noch: Was hat dieser alte Gockel mit meiner ersten Stunde in Hexerei zu tun?“, fragte der Junge unsicher.

„Dieser Hahn ist dein Versuchsobjekt, Robert! Deine Aufgabe besteht somit darin, ihn in etwas Nützliches zu verwandeln!“

„Okay, na gut, Papa“, antwortete der Junge. „Aber wie mache ich das? Denn ich dachte immer, dass wir Hexen und Magier einen Zauberstab oder dergleichen brauchen um unser Hexenwerk vollbringen zu können.“

„Nicht alle Hexen benutzen Zauberstäbe! Wir, die Familie Berger erledigen das per Fingerzeig, Armhandbewegungen, Fingerschnippen und natürlich Konzentration darauf, was wir erreichen wollen!“, erklärte Robert Senior seinem Sohn geduldig den Umstand, ehe er fortfuhr: „Und, Robert hast du dir schon überlegt, in was du den ollen Gockel verwandeln willst?“

„Ja, Papa: In einen guten alten einfachen Hammer“, sagte der Junge aufgeschlossen und selbstbestimmt. „Denn einen Hammer kann man doch immer wieder mal gebrauchen – findest du nicht auch?“

„Schön wär´s gewesen, wenn´s ein Hammer geworden wäre“, kommentierte zeitgleich Robert, seiner Tochter tief betrübt.

„Und wie mache ich das denn nun, Papa?“, fragte der Junge, wie er vorm Tisch stand und das alte Federvieh darauf betrachtete, wie es fröhlich vor sich hin gackerte.

„Das ist ganz einfach, mein Sohn: Du zeigst darauf und konzentrierst dich fest auf das, zu was er werden soll“, erklärte ihm der Vater, und der Junge versuchte sein Glück – mit schlimmen Folgen allerdings!

Der Junge richtete wie gebannt seinen Zeigefinger auf das alte Federvieh, kniff die Augen zusammen und murmelte: „Ein Hammer, werde ein Hammer, ich befehle es dir: Werd zum Hammer, du alter Gockel“, vor sich hin, was zur Folge hatte, dass die magischen Kräfte in dem Jungen geweckt wurden und das gackernde Federvieh in Sekundenschnelle tatsächlich die Form wechselte – allerdings sollte Roberts Verwandlungszauber ein riesiger Reinfall werden!

Sein Vater, der die ganze Zeit wie ein verrückter auf seinen Sohn und wiederum auf den Tisch starrte, glaubte, seinen Augen nicht zu trauen: Statt eines simplen Hammers erschien plötzlich eine Frucht, die er zuvor noch nie gesehen hatte, am Tisch!

„Und, Papa? Hab ich´s geschafft?“, fragte der Junge erwartungsvoll, während er seine Augen langsam wieder öffnete.

„Vorsicht Lisa! Dein Opa hatte damals schon ein stimmgewaltiges Organ – erschrick daher bitte nicht“, warnte Robert, Lisa vor dem vor, was gleich folgen soll.

„Bei allen Göttern des Wicca“, rief Robert Senior lautstark, sich demonstrativ ans Hirn fassend. „Was hast du nur angerichtet, Robert? Du solltest den Gockelhahn doch in einen Hammer verwandeln und nicht in eine Frucht, die ich noch nie gesehen hab! Des Weiteren muss man sich die Frage stellen, ob man diese Frucht denn überhaupt essen kann oder ob sie vielleicht sogar giftig ist!?“

„Großer gegrillter Käsegeist“, sagte Lisa erschrocken. „Hätte nicht gedacht, dass Opa so schreien kann!“, sich demonstrativ die Ohren zuhaltend, weil Robert Seniors maskuline Stimme im Stadel furchtbar hallte und dem Mädchen in den Ohren schmerzte.

„Und wenn du glaubst, Opas Zorn wäre schon alles gewesen, irrst du dich gewaltig!“, sprach ihr Vater todernst und ließ die Zeit weiterlaufen.

„Robert sag mal ehrlich: Wie kann man sich nur so ungeschickt anstellen? Ein Verwandlungszauber ist doch das Einfachste, was es gibt - das ist das kleine 1 Mal 1 der Hexerei!“, brüllte sein Vater weiter und dem Jungen wurde mit jeder Sekunde unwohler in der Haut, denn so sauer hatte er seinen Vater schon lange nicht mehr erlebt.

Da Robert wenig gewillt war, sich die Vorwürfe seines Vaters von damals noch einmal komplett anzuhören, ließ er die Hasstiraden, die er damals ertragen musste, per Fingerschnippen schnell vorüberziehen.
Und Lisa, die von dem Gebrüll schon Ohrenschmerzen bekam, war erpicht darauf sich die Ohren noch fester zuzuhalten, als sie es eh schon tat.

Doch plötzlich, Lisa bemerkte den Umstand nicht, dass ihr Vater die Geschichte ein paar Minuten nach vorne gedreht hatte, spürte sie, dass sie ihr Vater auf die Schulter tippte und scheinbar etwas zu ihr sagte.

„Entschuldige, Papa. Kannst du das bitte wiederholen? Ich hab dich leider nicht verstanden!“, was voll und ganz der Wahrheit entsprach – das Mädchen hatte seinen Vater wirklich nicht verstanden, vor lauter Konzentration sich die Ohren zuzuhalten und um von der Szenerie abzulenken.

„Mein Häschen, ich hab gesagt“, doch weiter kam Robert nicht, wurde ihm von Lisa jäh das Wort abgeschnitten:

„Papa ich bitte dich jetzt mit aller mir zur Verfügung stehenden Güte: Ich bin kein kleines Mädchen mehr und kann es deswegen nicht leiden, wenn du mich dauernd Häschen nennst; schon schlimm genug, dass du mich des Öfteren bei meinem Doppelnamen Lisa-Marie benennst!“

„Entschuldige bitte, aber was stört dich denn ehrlich gesagt wirklich daran, dass wir dich auf den Namen Lisa-Marie taufen ließen?“, argumentierte ihr Vater, weil er dies seit Langem schon mal wissen wollte.

„Papa bitte, glaub mir: Da gibt´s mehrere Gründe dafür“, begann Lisa ernst und eingeschnappt zugleich, „und weil ich schon sehe, dass du erpicht darauf bist, mich bei einem Spitznamen nennen zu dürfen, benenne mich doch bitte so, wie´s Oma gerne tut!“

„Ah ja und wie benennt dich deine Oma denn?“ Robert schüttelte sichtlich unwissend den Kopf.

„Sag mal, Papa: Weißt darüber denn wirklich nicht Bescheid?“

„Würde ich dich denn sonst so dämlich fragen?“

„Nein, Papa, ganz sicher nicht“, erwiderte Lisa, da sie die Frage ihres Vaters als rhetorisch empfand und deswegen mit gleicher Rhetorik antwortete. „Aber sei´s drum - Oma nennt mich liebevoll Spaghetti!“

„Äh, wie kommt deine Oma denn ausgerechnet darauf, mein Häs“, den Rest verkniff er sich sicherheitshalber und machte gute Miene zu bösem Spiel.

„Wie du ja selbst am allerbesten wissen solltest, sind die Spaghetti carbonara mit Schinken nun mal mein Leibgericht – so auch bei Oma, wenn ich bei ihr zu Besuch und zum Mittagessen bin! Deshalb meinte Oma mal: >wenn man es so recht bedenkt, müsste man dich statt Lisa, Spaghetti nennen! Denn so gerne wie du die Spaghetti isst, hättest du diesen Vornamen richtiggehend verdient<, und zugegeben: Weil Oma es zärtlich meint, stört es mich nicht, wenn sie mich Spaghetti nennt!“, führte das Mädchen die Erzählung sogleich zu Ende.

„Nun ja, wenn du selbst schon sagst, dass es dich nicht stört, dann schließen wir doch den Kompromiss, dass ich dich nie wieder Häschen nennen werde und dich im Gegenzug, wenn es zärtlich gemeint ist, dich eben beim Spitznamen Spaghetti anreden werde, okay?“

„Abgemacht, Papa“, sagte Lisa und reichte ihrem Vater die Hand um die Abmachung per Handschlag für jetzt und für immer zu besiegeln.

„Aber jetzt mal ehrlich, meine Liebe Spaghetti“ Robert war es noch sichtlich ungewohnt, seine Tochter bei diesem Spitznamen nennen zu dürfen. „Was ich sagen wollte, als du dir so herzhaft die Ohren, wegen Opas Gebrüll zugehalten hast, war, dass das, was jetzt gleich folgt, dir sicherlich für immer im Gedächtnis bleiben wird!“, als ihr Vater diese Worte todernst verlautbarte, zog sich in der Junghexe all das zusammen, was man in ihr als Wohlbefinden benennen konnte.

Um jedoch aufklären zu können, warum Familie Berger dereinst als Hexenfamilie enttarnt wurde und wer denn ihr Verräter war, müssen Robert und Lisa abermals den Standort vom Stadel, raus zu den Feldern des Rosenhofs, wechseln.

Dort waren in jenem Moment mehrere Knechte mit der Feldarbeit beschäftigt, als jenes laute Wutgeschrei vom Herrn des Hauses bis zu ihnen draußen vordrang: „Das ist mir so was von scheißegal, ob mich inzwischen jeder Dorftrottel von Markt Eisenberg brüllen hört“, erklang es laut und deutlich an die Ohren der Knechte - allesamt schauten sie erschrocken auf und murmelten einer wie der andere dasselbe vor sich hin:

„Großer Gott. Was mag wohl in unseren Lehnsherren schon wieder gefahren sein? So wütend hab ich ihn schon lange nicht erlebt!“

„Und das, mein Liebling war der Moment, wo das Schicksal über den Rosenhof endgültig gefällt werden sollte und die besagten Schatten bereits mit Riesenschritten Einzug hielten!“, kommentierte Robert mit fester Stimme und fügte dem noch schnell eine Bemerkung hinzu: „Und behalte jetzt bitte diesen einen Knecht mit der Schaufel ganz gut im Auge“ Robert zeigte Stichgerade auf den Ältesten der Feldarbeiter.

„Okay, Papa und wer ist das, wenn ich fragen darf?“

„Das, meine liebe Spaghetti ist, besser gesagt war, damals unser ältester Hofangestellter – Willy Sonnenschein hieß er.“

„Und was machte Willy Sonnenschein, dass du ihn so zielstrebig benannt hast?“

„Pass jetzt gut auf, Lisa und sieh zu, wie man sich in einem Menschen täuschen kann! Denn ich sage nur: >Verräter in den eigenen Reihen<“

„Oh mein Gott“, mehr brachte Lisa nicht hervor, als in jenem Moment ihr Vater die Geschichte weiterlaufen ließ.

Willy ließ augenblicklich seine Arbeit, Arbeit sein, ließ die Schaufel fallen und marschierte schnurstracks in Richtung Rosenhof los. Seine Kollegen, die dies mitbekamen, riefen: „Willy, wo willst du denn hin? Die Mittagspause ist doch erst um 12!“

Willy hielt augenblicklich inne, drehte sich zu seinem Kollegium um und erwiderte schnippisch: „Glaubt ihr, das weiß ich nicht?“

„Aber was hast du denn dann vor?“, fragte Kollege Georg, der den Boden mit einem Krampen bearbeitete.

Willy indes hob genervt, über die Neugier seines Kollegen, die Augenbrauen, rollte die Augen über und schüttelte den Kopf, ehe er antwort, gab: „Damit du deinen Frieden hast, Georg: Der Bauer brüllt doch sicherlich nicht wegen nix das halbe Dorf zusammen!“, dann setzte er stur seinen Weg fort.

„Willy bitte: Wegen dir und deiner andauernden Neugier werden wir noch alle in Teufels Küche landen ...“

Willy blieb erneut stehen und sprach verärgert: „Glaub mir: Wenn sich mein Verdacht über die Bergers erhärtet, sind die es, die in Teufels Küche, will sagen, am Scheiterhaufen oder dem Tauchstuhl landen werden und nicht wir, verlass dich drauf!“

„Hast du´s gehört, Liebling? Wie wir allesamt rausfinden mussten, war Willy Sonnenschein seit Jahren ein Spion der Kirche von Markt Eisenberg und steckte mit dem gnadenlosen Richter Martin Eulenberg unter einer Decke, welcher spezialisiert auf Hexenprozesse aller Art war!“

„Weißt du, Papa: Ich finde so was einfach schrecklich, wenn man von Leuten, die man zu kennen glaubt, plötzlich hintergangen und ans Messer geliefert wird! Ferner frag ich mich wirklich, was die christliche Kirche denn gegen uns Hexen nur hatte?“

„Im Grunde ist mir das bis heute ein Rätsel, denn wir tun allesamt ja niemanden etwas zuleide - und wenn, dann haben wir doch sowieso strenge Strafen vom Hexenrat zu befürchten!“, antwortete Robert seiner Tochter, ehe er durch eine Handbewegung Zeit und Geschichte weiterlaufen ließ.

Langsam und auf leisen Sohlen schlich sich Willy an den Stadel ran und umso näher er kam, umso deutlicher hörte er den Grund für den Zorn des Bauern.

„Papa, bitte: Wie oft soll ich dir denn noch sagen, dass es mir leidtut?“, beteuerte Robert Junior abermals zutiefst bestürzt, dass sein Verwandlungszauber so gründlich in die Hose ging.

„Schau an, schau an“, dachte Willy von Neugier gepackt, „hört sich ganz so an, als ob der Junior etwas ausgefressen hat!“

„Robert, entweder bist du wirklich so deppert oder gibst dich nur so unfähig; ich weiß es wirklich nicht“, prasselte erneut eine Hasstirade des Vaters auf den ängstlichen Jungen hernieder. „Denn ich verstehe einfach nicht, wie man einen einfachen Verwandlungszauber so deppert in den Sand setzen kann!?“ Robert Senior überschlug sich fast mit Armhandgestiken und sein Kopf, der glühte schon fast vor Zorn.

„Papa, ich hab ja schon Ohrenweh von deinem Gebrüll“, sagte der Junge mutig und fürchtete gleichzeitig eine Ohrfeige vom Vater.

„Wie lange ich brülle, hab ich selbst zu entscheiden, merk dir das!“ Robert Junior zuckte abermals tief in sich zusammen, da er die schlimmste Ohrfeige fürchtete, die er jemals von seinem Vater bekommen hatte.

„Lisa du wirst wohl inzwischen erkannt haben, dass am Schicksal des Rosenhofs nicht nur ich allein Schuld trug“, begann ihr Vater offenherzig.

„Ja, Papa, das hab ich“, erwiderte Lisa und setzte hinzu: „Im Grunde war´s bei diesem Gebrüll ja kein Wunder, wenn man schlafende Hunde weckt die buchstäblichen zum Beißen bereit waren!“, ihr Vater erwiderte nichts darauf, sondern schnippte kurz mit den Fingern, um den Geschichtsgang erneut auf Schiene zu bringen.

Willy, welcher inzwischen vor den Toren des Stadels stand, überlegte, ob er denn einen flüchtigen Blick ins Innere machen solle oder nicht - doch noch ehe er seine Überlegung zu ende, brachte, wurde ihm die Stadeltür plötzlich mitten aufs Hirn geknallt.

„Oohh wehh“, keuchte Willy gestreckt, taumelte zwei Meter zurück und ging schließlich zu Boden – Robert Senior, der trotz seines Brüllens Schritte vor dem Stadel vernommen hatte, stieß unvermutet die Tür auf; zu Recht, wie er feststellen musste.

„Willy“, polterte Robert lautstark los, „sag mal: Was tust du denn hier? Die Mittagspause ist doch erst in 20 Minuten und es würde mich zu sehr wundern, wenn die Feldarbeit bereits fertig wäre!“

Willy, der sich nach wie vor das Hirn schmerzvoll rieb, erhob sich vom staubigen Erdboden, putze seine Klamotten ab und erwiderte kurz und knapp: „Entschuldigen Sie, Herr Bauer, aber ich und meine Kollegen hörten Sie plötzlich furchtbar schreien und da dachte ich mir, es könnte was passiert sein ...“

„Geh, komm, Willy, verschwind vom Stadel“, sagte Robert mit abwehrender Handgestik. „Geh lieber zurück aufs Feld und kümmere dich um deine eigenen Angelegenheiten!“, aber Roberts bemühen waren zwecklos; Willy wollte sich nicht so einfach abwimmeln lassen.

Der Knecht versuchte um jeden Preis einen Blick ins Stadelinnere, zu erhaschen, doch wurde ihm das jäh vom Hausherrn verwehrt: Robert Senior baute sich breitschultrig in der Tür vor ihm auf.

„Und was jetzt folgt, mein Liebling, hat das Schicksal des Rosenhofs endgültig besiegelt!“, sprach Robert und musste sich eisern beherrschen um seinem wahren Gefühlsleben hier und jetzt nicht freien Lauf, zu lassen.

„Sag bloß, du hast noch eine Schippe drauf gelegt“, doch das Mädchen erhielt keine Antwort von seinem Vater – stattdessen wechselten sie den Blickpunkt von draußen nach drinnen in den Stadel und zum Tisch und zu Roberts jüngerem Ich.

Noch während Robert Senior den neugierigen Knecht abzuwehren versuchte, tat Roboter Junior in jener Sekunde genau das, was alles nur noch schlimmer machte.

„Teufel aber auch - so schwer kann´s doch nicht sein, aus dieser dummen Frucht einen Hammer zu machen!“, murmelte der Junge vor sich hin und versuchte ohne, dass sein Vater es wusste, noch mal sein Glück!

In Sekundenschnelle verschwand erst die Ananas vom Tisch, Willy sah inzwischen alles haargenau mit an und glaubte seinen Augen nicht, zu trauen, als plötzlich wie aus dem nichts 10 Hawaii Ananas am Tisch erschienen!

„Hexerei“, sagte der Knecht erst leise. „Das ist Hexerei - hab ich´s mir doch schon lange gedacht“, rief er plötzlich lautstark aus und Robert Senior packte das kalte Grausen, denn er wandte sich in selbigem Moment zu seinem Sohnemann um und sah ihn wie er die 10 Hawaii Ananas plötzlich in 100 solcher Früchte verwandelte und ebenso auch noch 1000 Mangos her hexte, ebenso Früchte, die damals im Jahre 1401 noch vollkommen unbekannt in Europa waren!

Robert hielt erneut den Zeitfluss an und sprach mit todernster Stimme: „Ja, jetzt meine liebe Spaghetti, ist haargenau der Moment gekommen, wo es heißt: >Schatten überm Rosenhof, dem schönsten Hof im Tal – kein Sturm, kein Feuer, keine Not, brachten ihn zu Fall! Und wenn ein Magier zum Schicksal wird und ein Knecht entscheiden muss, ob man Haus und Hof verliert<“, ab dem Moment war die Grenze erreicht, wo Lisas Vater standhaft bleiben konnte – ihm entwich in jenem Moment eine Träne der Trauer, kullerte seine Wange herab und er wischte sie eilig mit der Handkante weg, da er dies eigentlich vermeiden wollte.

Lisa, welche voll und ganz mit ihrem Vater fühlte, legte eine Hand um seine Taille, sprach mitfühlend und ebenso todtraurig: „Ist schon gut, Papa: Du musst dich wegen mir ja nicht schämen, dass du deine Gefühle offen zeigst! Denn bist, wenngleich ein Hexenmeister, ja auch nur ein Mensch aus Fleisch und Blut! Und ferner kann ich dich, Opa und Oma nun sehr gut verstehen, warum ihr diesen Hit der Kastelruther Spatzen, ferner die Textpassage: >Schatten überm Rosenhof, dem schönsten Hof im Tal – kein Sturm, kein Feuer, keine Not, brachten ihn zu Fall – wenn ein Jungmagier zum Schicksal wird und ein Knecht entscheiden muss, ob man Haus und Hof verliert<, nicht mehr hören könnt, wenngleich es im Originaltext: >wenn Sucht zum Schicksal wird und ein Kartenspiel entscheiden muss, ob man Haus und Hof verliert<! Aber sei´s drum: Jetzt kann ich wirklich vollkommen unumwunden verstehen, warum es euch dreien so das Herz bricht, wenn ihr dieses Lied zu hören bekommt!“

Robert erlangte indessen wieder die Fassung, blickte Tochter Lisa liebevoll an und sprach: „Danke für dein Mitgefühl, aber glaub ja nicht, dass das schon alles war, was ich dir zeigen will!“, bei Letzterem wurde er dennoch ernst im Wortlaut.

Lisa löste die Umarmung und meckerte vor sich hin: „Wäre ja zu schön gewesen ...“

„Glaub mir, Spaghetti: Wenn ich dir´n Versprechen gebe, dass das erlebte für dich unvergesslich sein wird, dann kannst du dich auch drauf verlassen, dass dem auch so sein wird!“, das Mädchen antwortete gar nichts darauf, denn es wusste zu gut, wo es besser ist, den vorlauten Schnabel zu halten.

Ein kurzes Fingerschnippen folgte und schon nahm die verhängnisvolle Geschichte wieder Fahrt auf.

„Bei Luzifers Höllenfeuer, Robert“, schrie Robert Senior plötzlich inbrünstig los, dass es nicht nur Robert Junior, nein, auch Knecht Willy Sonnenschein und den stillen Beobachtern Robert und Lisa in den Ohren wehtat. „Bist du denn jetzt vollkommen verblödet? Ich fasse es einfach nicht, du Armleuchter, du gottverdammter!“

„Tja, Lisa das war das erste Mal, dass dein Opa mich einen Armleuchter nannte!“, erklärte Robert kurz und bündig.

Und weil der Herr des Hauses dermaßen laut gebrüllt hatte, womit er sogar so manchen Löwen der Savanne noch in den Schatten stellen konnte, vernahm es gut 300 m entfernt im Bauernhaus Gattin Maria auch noch ganz deutlich.

„Bei der großen Göttin Mutter Natur“, rief Maria tief erschrocken, während sie in der Küche vor dem altehrwürdigen Herd stand, um das Essen zu kochen. „Was ist denn da draußen plötzlich los? So laut hab ich meinen Göttergatten ja noch nie brüllen hören!“ Maria ließ alles stehen und liegen und ging zur Tür hinaus um nach dem Rechten zu sehen.

Kaum vor der Haustür angekommen, sah sie ihren Knecht Willy Sonnenschein wie besessen quer über den Hof rennen. Kurz darauf erschien ihr Gatte auf der Bildfläche, wie er Zorn geladen dem Knecht einen Energieblitz nach dem nächsten hinterher schleuderte – ihn aber jedes Mal um eine Haaresbreite verfehlte.

Maria verstand ganz und gar nicht, was sie von dieser Szenerie bloß halten soll.

Währenddessen rief Willy zutiefst erschrocken: „Oh ja, jetzt steht´s eindeutig fest: Das müssen eindeutig Hexen sein; anders geht´s gar nicht! Des Weiteren hat man ja gehört, wie der Bauer den Fürst der Finsternis angerufen hatte!“

„Willy Sonnenschein“, polterte Maria indessen dem Knecht entgegen, der soeben in ihre Richtung lief. „Was um alles in der Welt ist hier bitte los?“

Doch was die gute Frau zur Antwort bekam, ließ ihr das Blut in den Adern gefrieren: „Du willst wissen, was hier los ist, elendiges Hexenweib? Ich sag dir, was los ist: Schon Morgen werdet ihr allesamt am Marktplatz brennen, das schwöre ich euch!“, dann rannte er, so schnell er konnte in Richtung Hoftor – hinterdrein war Robert-Alois Berger Senior, er schleuderte erneut einen gewaltigen Energieblitz seinem Knecht nach und verfehlte ihn zu seinem Ärger abermals.

„Papa entschuldige bitte meine saublöde Frage“, begann Lisa augenblicklich die heiße Verfolgungsjagdszenerie zu unterbrechen, „das, was Opa, da grade vor Zorn veranstaltete, wie ist denn das bitte möglich? Ist das denn etwa alles mit weißer Magie zu bewerkstelligen?“

Robert schüttelte verneinend den Kopf, ehe er antwort, gab: „Nein, Lisa ganz und gar nicht - denn da war mehr schwarze Magie am Werk, als dir lieb ist!“

„Ja, wie denn? Ich dachte, dass der Einsatz schwarzer Magie streng gegen den Kodex der Hexerei verstößt und ferner wurde Opa ja, haargenau deswegen zu 300 Jahren Katerdasein verknackt!“ Lisa verstand ganz und gar nicht, wie es möglich war, dass ihr Opa damals im Mittelalter ohne Strafverfolgung schwarze Magie einsetzen konnte.

„Das ist einfach und schnell erklärt“, begann ihr Vater, „damals im Mittelalter gab es weder eine 4. Dimension noch einen Hexenkodex, musst du wissen! Zwar gab es schon so was wie einen Hexenrat, doch war dieser zu jener Zeit noch nicht befähigt, Strafen über uns Hexen und Magier zu erlassen, da ein Hexengericht ja noch gar nicht existierte!“

„Ah ja, verstehe, Papa“, mehr sagte Lisa nicht, da dies einfach all ihre weiteren Fragen beantwortet hatte.

„Ferner will ich noch schnell sagen, dass wir aus Zeitgründen die folgende Szenerie überspringen werden - denn alles, was du jetzt gerade an dir vorüberziehen siehst, waren die Momente, wo deine Oma von deinem Opa erfuhr, was denn alles Geschehen war und dass ich leider die Hauptschuld dran trug!“, erklärte Robert seiner Tochter, als er im Eilzugstempo ganze Stunden nach vorne spulte und sie um sie beide herum Revue passieren ließ.

Nach gefühlt ein paar Sekunden ließ er die Zeit wieder laufen und somit war´s mittlerweile später Nachmittag geworden – die Kirchturmuhr von Markt Eisenberg schlug gerade 5 Uhr Nachmittag und Familie Berger hielt in der Wohnstube Krisenrat ab, als für alle unvermutet vor dem Hoftor in ein Posthorn geblasen wurde.

„Hä? Post, jetzt, um 5 Uhr Nachmittag?“, murmelte Robert Senior vor sich hin.

„Schau mich nicht so vorwurfsvoll an, Robert, ich weiß selbst nicht, was es zu bedeuten hat, dass so spät am Nachmittag noch ein Briefträger Post austrägt“, entgegnete Maria und zeigte sich gleichwertig verwundert über diesen Umstand, als gerade das Posthorn des Briefträgers, draußen vorm Hoftor, das zweite Mal geblasen wurde.

„Und das, was jetzt folgt, Lisa, hab ich bis heute nicht vergessen können!“, sagte ihr Vater und wurde dermaßen todtraurig in diesem Moment, dass Lisa es sich verkniff auch nur eine Frage daran anzustellen – denn sie und ihr Vater wechselten abermals den Standort: von drinnen im Haus, raus zum Briefträger vorm Hoftor des Rosenhofs.

„Dieses Schreiben, das der Briefträger uns brachte, war der auslösende Grund, dass wir für immer Haus und Hof verloren haben!“, sagte Robert, ehe er die Zeit wieder laufen ließ.

Maria öffnete ächzend eine Torhälfte, da sagte der Briefträger auch schon: „Seid gegrüßt gute Frau. Ich hab einen Einschreibebrief für Ihren Gatten!“

„Ein Einschreiben für meinen Gatten?“, fragte Maria und bekam schon schlimmen Verdacht, was wohl in diesem Brief stehen könnte. „Ist es möglich, dass ich den Brief entgegennehme? Denn ich bin mir ziemlich sicher, dass mein Göttergatte die nächste Zeit für niemanden zu sprechen ist!“

„Nun ja, im Grunde müsste ich diesen Brief ihren Gatten persönlich übergeben, aber wenn´s denn nicht anders geht, dann kann die Post von Markt Eisenberg ja mal eine Ausnahme machen! Aber eines kann ich euch, gute Frau jetzt schon offenbaren: Ihr werdet über den Inhalt nicht sehr erfreut sein!“, sagte der Briefträger und grinste hämisch.

„Du, Papa sag mal: Woher wusste denn der Briefträger, was in diesem Einschreibebrief geschrieben stand?“

„Weißt du: Das war zu meiner Zeit, als ich Kind war, leider sehr leicht möglich – denn so was wie ein Briefgeheimnis, wie es heute Standard ist, gab es damals leider noch nicht!“

Maria unterzeichnete rasch den Schein des Einschreibebriefs und bekam den Brief ausgehändigt, schloss das Hoftor hinter sich und es begann sich übelstes Kopfkino in ihr abzuspielen.

„Liebe Göttin, bitte lass es nicht dies sein, was ich befürchte, ich bitte dich!“, murmelte Maria angsterfüllt, ehe sie neugierig den Brief öffnete, um zu erfahren, was darin wohl geschrieben steht.

„Und dreimal darfst du raten, Lisa, was meiner Mama, meinem Papa und mir damals in diesem Brief mitgeteilt wurde!“

„Ich kann es mir denken, Papa“, entgegnete Lisa und in ihrer Magengegend drehte sich gerade alles um 180 Grad um - dem Mädchen wurde dermaßen schlecht zu Mute, dass es beinahe kotzen musste, als sein Vater die Geschichte weiterlaufen ließ.

„Sehr geehrte Herr Berger. Gegen Sie und Ihre Familie wurde Anklage vom hohen Gericht Markt Eisenberg erhoben da Sie sich der Hexerei schuldig gemacht haben! Erscheinen Sie Morgen 8 Uhr am Marktplatz vor dem hohen Gericht der heiligen römisch-katholischen Kirche, um ihr gerechtes Urteil empfangen zu können!“

„Gerechtes Urteil? Pah, dass ich nicht lache“, sagte Maria, als sie die Anklageschrift wegen angezeigter Hexerei las. „Ein gerechtes Urteil gibt´s doch gar nicht; das kennt nur Scheiterhaufen oder Tauchstuhl!“, ehe sie den Brief mit zittrigen Händen zu Ende las:

„Sollten Sie wider Erwarten Morgen nicht zur befohlenen Zeit am Marktplatz vor dem hohen Gericht erscheinen, wird der Hexenjäger Anton von Dunkelmann auf sie angesetzt! Glauben Sie uns: Ihr entgeht eurer gerechten Strafe schon nicht, elendiges Hexenpack! Mit freundlichen Grüßen Martin Eulenberg, vorsitzender Richter des hohen Gerichts Markt Eisenberg der heiligen römisch-katholischen Kirche.“

Maria begann am ganzen Leib zu zittern wie Espenlaub, als sie zu realisieren begann, was die Stunde für sie und ihre Familie geschlagen hatte.

„Jetzt ist wirklich alles aus – so musste es ja kommen! Ja, so hatte es ja kommen müssen, wegen dieses elendigen Sturschädels! Und er hat und hat nicht auf mich hören wollen, dass das kein gutes Ende nehmen kann!“

„Papa bitte, können wir denn nicht endlich Schluss machen mit unserer Zeitreise? Ich hab doch mittlerweile vollstes Verständnis für dich, Oma und Opa gewonnen und weiß jetzt endlich, was damals geschehen ist, dass ihr euer daheim verloren habt“, erbat sich Lisa bei ihrem Vater, weil sie nichts mehr von diesen schrecklichen Bildern sehen wollte.

Doch ihr Vater blieb hart wie Granit: „Ja klar, jetzt abbrechen wäre doch, was dir voll in den Kram passen täte, meine Liebe – aber nix da, du wirst schön durchhalten, bis ich es für richtig finde – denn ich hab damals auch durchhalten müssen! Somit gleiches Recht für alle!“

„Papa bitte: Warum, warum nur musst du mich so quälen?“, fragte Lisa und es überkam sie ein Gefühlsmischmasch aus Angst, Trauer und Wut.

„Das willst du tatsächlich wissen, Spaghetti?“, verlautbare Robert mit Rhetorik nicht sparend. „Aus einfachem Grund: Weil du, wie mir scheint, nur auf die harte Tour wirklich begreifst, was ich in meiner Kindheit durchmachen musste, darum!“, erklärte er ihr dermaßen gefühlskalt, dass sie sich das erste Mal richtiggehend vor ihrem Vater zu fürchten begann – solch eine Furcht vor seinem Vater hatte das Mädchen noch nie erlebt, wie jetzt gerade eben.

Kurz und knapp ließ Robert das Zeitgeschehen ein paar Stunden weiterlaufen, bis sie beide zum sehr späten Abend des neuen Tages gelangten und den Standort nach drinnen in die Wohnstube des Bauernhauses wechselten.

Dort angekommen sahen sie Robert Senior am Tisch sitzen, wie er eine Weinflasche nach der nächsten köpfte und sie wie ein Berserker leer trank, gegenüber saß Gattin Maria, wie sie sich voll und ganz ihrer Traurigkeit hingab.

„Du, Papa sag mal: Was ist denn hier auf einmal los? Opa säuft wie ein Loch, Oma sitzt ihm gegenüber, vollkommen mit den Nerven am Ende, heult wie ein Schlosshund vor sich hin und wo bist du eigentlich, wenn ich fragen darf?“

„Was los ist, willst du wissen?“, polterte ihr Vater zutiefst erzürnt los. „Ich verzeih dir das nur ein einziges Mal, dass du mir eine so depperte Frage gestellt hast!“ Lisa zuckte tief in sich zusammen und bereute es schon, diese dämliche Frage überhaupt gestellt zu haben. „Und wie´s ja auch schon im Liedtext so treffend heißt: >die Uhr schlug die kürzeste Stunde, da saß er zerbrochen im Raum, die Sinne vom Rotwein benebelt, gewinnen, das kann er jetzt kaum. Die kräftigen Finger sie zittern, das Blatt in der Hand zählt nicht viel, doch er will das Schicksal versuchen, und setzt seinen Hof noch auf´s Spiel< – wie du auf der Standuhr neben der Küchentür sehen wirst, ist´s gerade halb eins Uhr morgens“ Roberte zeigte demonstrativ auf die alte Standuhr neben der Küchentür und Lisa, die sagte sicherheitshalber gar nichts dazu, um die angespannte Situation nicht noch mehr zu verschlimmern, als sie eh schon war, worauf ihr Vater die Geschichte weiterlaufen ließ.

„Warum? Warum? Warum nur, frag ich dich, Maria!? Warum, musste dieser gottverdammte Armleuchter diesen einfachen Wandlungszauber so in den Sand setzen?“, fragte Robert Senior Sturz-besoffen immer fort. „Aber eins schwöre ich dir, Maria: Mein sinnlos gewordenes Leben, setz ich bedingungslos für den Rosenhof ein – das schwöre ich dir!“

„Und hierauf kann ich nur sagen: >sein Aufschrei heißt: Er hat verloren, er ist auf dem Boden zerstört! Da sagt er: Wir mischen noch einmal! Das Spiel aller Spiele soll sein – mein sinnlos gewordenes Leben, setz ich für den Rosenhof ein<!“, wobei sich Lisas Vater abermals nicht halten konnte, war er letztendlich doch auch nur ein Mensch, es kullerten ihm mehrere Tränen der Trauer die Wangen herab, die er sich sogleich mit der Handkante wegwischte.

Maria unterbrach ihr Weinen und schluchzen und erwiderte mit Tränenerstickter Stimme: „Halt doch endlich die Klappe du alter Trottel! Du weißt doch vor lauter Rausch gar nimmer, was du für einen Schwachsinn verzapfst - denn ich werd nie und nimmer zulassen, dass du dein unsterbliches Leben für den Rosenhof einfach so wegwirfst! Denn selbst du musst erkennen, dass unsere Zeit am Rosenhof abgelaufen ist – für immer und ewig!“

Was zur Folge hatte, dass Robert Senior wie ein wütender Berserker vom Tisch aufsprang, eine Weinflasche, randvoll mit Rotwein schnappte und sie gegen eine Hauswand schleuderte und rief: „Das wirst du schon sehen, was ich tu, Maria“, es schepperte dermaßen laut, als die Weinflasche zu Bruch ging, dass der Junior des Hauses es bis hoch in den 1. Stock in sein Zimmer hören konnte.

„Warum nur? Warum nur, frag ich mich, hab ich meinen ersten Hexenversuch so gründlich in den Sand setzen müssen? Und ferner darf ich gar nicht dran denken, was uns Morgen bevorsteht!“, sagte der Junge, sich selbst die größten Vorwürfe machend, wie er auf seinem Bett saß, die Hände vors Gesicht haltend und sich eine Träne der Verzweiflung nach der anderen aus dem Gesicht wischend – dies alles hatten unsere stillen Beobachter deutlich mitbekommen, da sie abermals den Standort gewechselt hatten.

„Papa bitte: Ist es denn wirklich notwendig, dass du mich so quälst?“, sprach Lisa erneut fürbittend.

„Weißt du, Spaghetti, diese Aussage erinnert mich sehr an etwas, weißt du auch, an was?“ Robert betrachtete seine Tochter mit gar finsterem, feindseligem Blick und konnte sich ein ebenso hämisches Grinsen nicht verkneifen, wenngleich er es wollte.

„Nein, Papa“, erwiderte das Mädchen mit einem stillen Schluchzen, da es mittlerweile selbst in Tränen ausbrach – Tränen der Trauer und des Schmerzes, weil es voll und ganz mit dem jüngeren ich seines Vaters mitfühlte.

„Du kennst doch sicherlich Charles Dickens Weihnachtsgeschichte, oder?“ Lisa nickte nur. „Und dann kennst du doch sicherlich auch folgende Frage von Ebenezer Scrooge: >guter Geist, warum musst du mich so quälen, mit den Dingen, die einmal waren, wenn ich sie ja sowieso nicht mehr ungeschehen machen kann?<“, abermals nickte das Mädchen nur, weil es zu verstehen begann, was sein Vater damit meinte.

Kurz darauf wechselten sie den Standort zurück nach unten in die Wohnstube und vor allem Lisa erlebte eine Überraschung: Für die Junghexe offenbarte sich, wie trinkfest ihr Opa wohl gewesen sein musste – denn in der ganzen Wohnstube lagen mittlerweile gefühlt 100 gelehrte Weinflaschen am Boden verstreut und die 101. Flasche trank ihr Opa gerade leer!

„Großer Gott aber auch: Papa, sag mal, wo hat Opa diese riesigen Mengen bloß hin gesoffen? Das geht doch nicht mehr mit rechten Dingen zu!“

„Zugegeben: DAS frage ich mich heute noch, obwohl ich weiß, dass wir Hexen und Magier, wenn´s drauf ankommt wirklich sehr, sehr viel vertragen!“, antwortete ihr Vater offenherzig, ehe sie beide die Geschichte weiterverfolgten.

Maria, welche sich inzwischen Gefühls-technisch beruhigt hatte, erhob sich vom Tisch und wandte sich erst mal ihrem sturzbesoffenen Gatten zu: „Robert, du alter Säufer, hör mir mal zu“, doch weiter kam sie nicht, wurde sie von ihrem Gatten jäh unterbrochen.

„So eine Frechheit, mich als alten Säufer zu beschimpfen“, begann er mit schwerer Zunge zu schimpfen, „aber eines sag ich dir, Maria: Wenn ich diesen Armleuchter zwischen meine diabolischen Finger kriege, dreh ich ihm persönlich die Gurgel um – verlass dich drauf“, dann kippte er plötzlich vom Sessel und blieb am Boden liegen und fing besoffen wie 100 Knechte an einzuschlafen.

Maria nutzte die Gelegenheit, um erst einmal die Menge an gelehrten Weinflaschen durch ihre Hexenkünste verschwinden zu lassen, anschließend hockte sie ihren besoffenen Göttergatten durch Zuhilfenahme ihrer Hexenkünste zurück auf den Sessel – von alledem bekam Robert Senior nix mit, da er mittlerweile im Reich der besoffenen Träume schwelgte und allerlei Unsinn vor sich hin murmelte, was kein Mensch, außer er selbst wohl verstand.

Robert spulte abermals die Zeit vorwärts und wechselte mit seiner Tochter den Standpunkt und befand sich nun abermals in seinem alten Kinderzimmer droben im 1. Stock.

Für Robert Junior klopfte es unvermutet an der Tür, ehe seine Mutter selbige öffnete und sein Zimmer betrat. „Robert, Liebling wie geht´s dir denn?“, fragte sie verunsichert und liebevoll gleichermaßen.

„Mama, bis du´s?“, schluchzte der Junge los, als er sich im Bett aufsetzte und Richtung Tür zu blicken begann.

Seine Mutter setzte sich neben ihm aufs Bett und begann ihm etwas nahezulegen, was ihr selbst noch schwerer fiel, als wohl ihrem Sohn: „Robert, Liebling ich muss dir jetzt etwas Wichtiges sagen!“

„Was denn, Mama? Dass es für uns keine Chance mehr auf eine Zukunft gibt; das weiß ich auch so!“, schluchzte der Junge abermals los, weil er schiere Todesangst in sich verspürte, wenn er an den morgigen Tag, den Tag seines Hexenprozesses dachte.

Und in Lisa begann sich gefühlstechnisch alles auf den Kopf zu stellen – sie musste sich eisern beherrschen, um hier und jetzt nicht selbst in abgrundtiefer Trauer auszubrechen.

„Robert, Liebling beruhig dich doch bitte endlich“, begann Maria liebevoll ihren zu Tode geängstigten Sohn in die Arme zu schließen, „ich weiß, wovor du dich fürchtest; mir geht´s nämlich nicht besser als dir! Aber dennoch gibt´s noch einen kleinen Halm, an den wir uns klammern können und wenn die große Göttin Mutter Natur es will, dann werden wir überleben und noch eine sehr schöne Zukunft gemeinsam haben!“

Robert unterbrach sein tränenersticktes Schluchzen und fragte: „Meinst du das ernst, Mama? Wenn ja, dann sag mir doch bitte, wie du glaubst, dass wir dem Scheiterhaufen bzw. Tauchstuhl entgehen können?“

„Mein kleiner Liebling, was ich dir jetzt sage, wird für uns alle die härteste Probe unseres Lebens werden, die wir jemals zu bestehen haben werden“, begann Maria mit zittriger Stimme und Robert betrachtete seine Mutter ganz angsterfüllt und sah in ihren Augen Tränen der Verzweiflung stehen, „denn wir können nur dann überleben, wenn wir noch heute Nacht für immer unser daheim, unseren geliebten Rosenhof verlassen!“

„Wie bitte? Ich soll mein Geliebtes daheim aufgeben?“, rief der Junge zutiefst entsetzt. „Aber wo sollen wir denn dann bitte wohnen?“

„Mach dir darum bitte keine Sorgen: In einer Marktstadt namens Neunkirchen lebt mein Bruder Hermann und seine Familie, wie du ja sicher weißt. Ich bin mir ganz sicher, dass sie uns für die nächste Zeit bei sich aufnehmen können.“

„Aber Onkel Hermann wohnt doch so weit weg, das sind doch fast 100 Kilometer – wie sollen wir denn das Schaffen? Noch dazu, wo wir von der Kirche gesucht werden, wenn wir logischerweise Morgen nicht freiwillig zum Prozessauftakt am Marktplatz erscheinen!“, erwiderte Robert tief besorgt.

„Um die Zeit ein wenig zu verkürzen, erkläre ich dir, wie´s weiterging, Lisa“, sagte ihr Vater und fuhr nahtlos fort: „Mama legte mir damals nahe, dass es irgendwie gehen muss, wenn ich nicht ein weiteres Opfer der christlichen Kirche werden will! Und was dann folgte, war das Allerschlimmste für mich!“

„Der Zeitpunkt, als ihr vom Rosenhof für immer Abschied nehmen musstet, oder?“

„Auch, Lisa, auch, aber es gab noch etwas, aber sieh selbst“, erklärte ihr Vater, nachdem er die Zeit wieder laufen ließ.

Roberts Mutter hatte inzwischen alles Wichtige gepackt, auch den Koffer für ihren Gatten und den für ihren Sohn, kam sie noch ein letztes Mal zu ihm ins Zimmer hoch und sagte mit tränenerstickter Stimme:

„Robert, ich muss dir jetzt etwas ganz Wichtiges sagen“ Maria nahm ihren Sohn liebevoll in die Arme und fuhr fort: „Bevor wir für alle Zeiten unser Geliebtes daheim verlassen, will ich dir noch Gelegenheit geben, um dir ein Erinnerungsstück mitzunehmen, was dich immer an dein zu Hause erinnern wird - doch wähle bitte weise!“

Dem todtraurigen Jungen merkte man aus Kilometern Entfernung an, wie er mit sich selbst und seinen Gefühlen in diesem Moment kämpfte. Robert Junior stand in seinem Zimmer und blickte sich um und überlegte, was er sich als Erinnerung an seine behüteten Kindertage mitnehmen soll?

Jetzt, wo er so darüber nachdachte, gab es nämlich so vieles, was er gerne mitnehmen wollte, da an so vielem, sehr liebevolle Erinnerungen hingen, aber er wusste genau, dass er sich rasch und konsequent für eines davon entscheiden musste.

Kurz darauf war schweren Herzens die Entscheidung gefallen: „Das hier, Mama“, sagte er mit tränenerstickter Stimme und hielt einen kleinen Teddybären in der Hand. „Dieser kleine Teddy hat mir schon so oft über meine Trauer hinweggeholfen, dass ich´s einfach nicht übers Herz bringe, ihn zurückzulassen!“

„Wenn´s dein Wunsch ist, Robert, dann komm bitte“, sagte seine Mutter und streckte ihm die Hand entgegen, als sie sich von seinem Bett erhob.

„Papa, eine Frage“, begann Lisa mitgenommen vor Trauer schluchzend, „kann es sein, dass du diesen Teddybären auch heute noch besitzt?“

„Ob du´s glaubst oder nicht, aber ich besitze ihn heute noch, meinen Teddybären aus Kindertagen!“, sagte ihr Vater ebenso rührselig. „Und weißt du, wo ich ihn aufbewahre?“ Lisa schüttelte nur langsam den Kopf, obwohl sie es hätte wissen können – durch ihre Trauer über die Erlebnisse aus ihres Vaters Vergangenheit dachte sie jetzt aber nicht daran. „Hast du dich denn noch nie in meiner Werkstatt genau umgeschaut? Und hast du dich etwa noch nie gefragt, warum ich auf meiner Werkbank einen kleinen flauschigen braunen Teddybären mit großem roten Herz am Bauch sitzen hab?“

„Ja schon, Papa, jetzt wo du´s sagst“, verlautbarte sie.

„Und um deiner Frage vorweg zu kommen: Dieser Teddybär ist mittlerweile stolze 627 Jahre alt!“

„Aber, wie hast du´s denn geschafft, dass er nach dieser langen Zeit noch immer so gut in Schuss ist?“

„Was glaubst du wohl?“, verkündete ihr Vater abermals rhetorisch. „Du weißt doch mittlerweile, dass ich wie du über magische Fähigkeiten verfüge - damit hab ich meinen Teddy aus Kindertagen niemals altern lassen, deswegen ist er auch heute noch so schön wie damals, als ich Kind war! Und geschenkt bekam ich ihn damals zu meinem 3. Geburtstag, das ist nämlich der Grund, warum er mir noch immer so viel bedeutet wie damals schon!“

Kurz und gut: Nach dieser raschen Erklärung ließ Robert abermals der Geschichte seinen Gang gehen.

Sehr schweren Herzens verließ Robert Junior sein Kinderzimmer und musste sich eisern zusammennehmen, um nicht in Tränen auszubrechen, weil er seine restlichen Kindheitserinnerungen zurücklassen muss. So rasch wie möglich schritten er und seine Mutter die Stiegen ins Erdgeschoss hinab – der Herr des Hauses war inzwischen wieder zu sich gekommen und lallte inzwischen allerlei Unsinn vor sich hin, so besoffen wir er nun mal war.

„Du Mama sag mal: Was ist denn mit Papa los?“, wollte Robert wissen.

„Was wohl? Dein Vater hat sich besoffen wie ein Eckhaus und hat nun einen Rausch, dass es kaum auszuhalten ist!“ Robert Junior antwortete gar nix darauf, da er nicht wusste, was er darauf hätte antworten sollen.

Maria hatte in der schnelle von Sekunden eine Scheibtruhe in der Wohnstube erscheinen lassen und ihren sturzbesoffenen Göttergatten darin verfrachtet – denn irgendwie musste er ja vom Rosenhof abtransportiert werden!

„Und was jetzt folgt, hätte Papa beinahe das Herz gebrochen, obwohl er blau wie ein Veilchen war!“, sagte Robert und Lisa wusste nicht, was sie außer tiefer Trauer noch hätte empfinden sollen.

Familie Berger stand im Hof des Rosenhofs und schaute sich ihr verlorenes daheim noch ein allerletztes Mal im Schein einer kleinen Öllampe an.

„Nun wird´s aber Zeit, meine beiden: Schaut euch bitte ein letztes Mal unser verlorenes daheim an und behaltet es gut in Erinnerung! Denn wir werden leider nie mehr wieder an den Rosenhof zurückkehren können!“, sagte Maria tränenerstickt und wischte sich eine Träne der Trauer nach der anderen aus dem Gesicht.

Robert Junior kämpfte selbst mit den Tränen und wollte hier und jetzt nicht wie ein Schlosshund losheulen und Robert Senior, der murmelte in seinem Rausch immer wieder dasselbe vor sich hin:

„Und ich schwöre dir, Maria bei allem, was mir heilig ist: Ich drehe diesem gottverdammten Armleuchter eigenhändig die Gurgel um, wenn ich ihn zwischen meine diabolischen Finger kriege!“

„Mama, meint Papa das etwa ernst?“, fragte der Junge zutiefst besorgt.

Noch ehe seine Mutter antworten konnte, antwortete ihm sein Vater: „Und wie ich das ernst meine, du gottverdammter Armleuchter! Komm her und lass dir die Gurgel umdrehen!“, doch kam Robert Senior nicht mehr so weit, denn er wurde von seiner Gattin durch einen magischen Zauberbann in der Scheibtruhe festgehalten, weil Maria wusste, dass ihr Göttergatte sogar zu Mord fähig ist, wenn er betrunken ist!

„Aber lass dir dennoch eines gesagt sein: Dass ich meinen geliebten Rosenhof verloren hab, nur wegen deiner Unfähigkeit, werde ich dir bis zum jüngsten Tage nicht verzeihen – verlass dich drauf, du elendiger, kleiner, gottverdammter, idiotischer, teuflischer, depperter“, ehe er Luft holen musste, um weiter lamentieren zu können:

„Ich verspreche dir, du gottverdammter Armleuchter: Ich reibe dich auf, ich massakriere dich, ich metzle dich nieder, ich dreh dir die Gurgel um, ich werd dich eigenhändig“, doch weiter kam der Senior nicht mehr in seiner abgrundtief erbosten Flucherei.

„Ach, halt doch endlich die Klappe du alter besoffener Trottel eines Göttergatten! Mir scheint, du willst uns wohl schon vor Prozessbeginn jeden Hexenjäger aus einem Umkreis von 100 Kilometern an den Hals hetzen!“, rief Maria tief erzürnt, dann verpasste sie ihrem besoffenen Göttergatten eine Mundsperre auf Hexenart, damit er endlich die Klappe hielt.

„Papa eine Frage und die musst du mir bitte gewähren!“

„Was willst du denn wissen, Lisa?“, erkundigte sich ihr Vater innerlich angespannt, da er nicht wusste, was sie jetzt wissen will.

„Wie ist denn eure Flucht nach Neunkirchen ausgegangen? Und wie habt ihr es denn geschafft, dass ihr von keinem der Hexenjäger erwischt wurdet?“

„Obwohl dir das doch heute schon mal erzählt wurde, erzähl ich es eben noch mal ganz kurz: Wir sind tagelang durch die Wälder gezogen und haben wirklich jede Ortschaft gemieden, da wir doch mittlerweile Steckbrieflich gesucht wurden! Hatten hier und da mehr Glück als Verstand gehabt, kann ich dir sagen – aber im Großen und Ganzen haben wir nach fast 5 endlosen Tagen endlich das Stadtgebiet von Neunkirchen erreicht! Und wie du ja sicherlich mittlerweile weißt, konnten wir für die ersten Jahre bei meinem Onkel und seiner Familie unterkommen, bis Gras über die Sache gewachsen war! Letztendlich haben wir ganz in der Nähe von ihnen ein daheim gefunden! Und“, doch weiter kam Robert nicht in seiner Erzählung, vernahm er doch plötzlich von sehr weit her eine männliche Stimme die sehr erzürnt und gleichzeitig verwundert klang:

„Bei allem was heilig ist - aber das geht doch nicht mit rechten Dingen zu!“

„Spaghetti, Liebes: Wir müssen unsere Zeitreise leider früher beenden, als mir lieb ist!“, sagte ihr Vater verdrossen.

„Na endlich – denn noch länger hätte ich dieses Martyrium nervlich nicht mehr ertragen; sonst wär ich ein Fall fürs Sanatorium, fürchte ich!“, offenbarte Lisa offenherzig erfreut, worauf ihr Vater besser gar nix erwiderte.

Er machte sich viel mehr daran sich und seine Tochter zurück in die Gegenwart zu befördern.

Kurz darauf wieder im Jahre 2017 angekommen, wussten unsere beiden Freunde, was da plötzlich los war und wer da so erzürnt und verwundert gesprochen hatte: Es war der Bauer, der mit seinem Mähdrescher auf sein Feld fahren wollte und plötzlich unerwartet gegen ein großes Hindernis mit seinem Gefährt stieß, obwohl er nichts vor sich sehen konnte!

Der nach wie vor erzürnte und verwunderte Landwirt stieg von seinem Mähdrescher herunter, schritt geradeaus auf seine Feldeinfahrt zu und stieß plötzlich gegen etwas Hartes, obwohl er mit seinen Augen doch nichts sehen konnte.

„Großer Gott und Grüne Neune“, rief der Landwirt erschrocken. „Ich versteh´s zwar nicht, aber da ist irgendein unsichtbares Hindernis vor mir in der Feldeinfahrt!“, der Bauer tastete sich langsam vorwärts und spürte die groben Umrisse von diesem unsichtbaren etwas und überlegte, um was es sich dabei nur handeln könnte?

„Papa, sag mal: Was soll denn das werden, was der Bauer da veranstaltet?“, fragte Lisa im inneren des unsichtbaren Wagens ihres Vaters.

„Dreimal darfst du raten, mein kleiner Liebling: Der Bauer will, wie mir scheint auf sein Feld fahren, um das Korn zu dreschen, und wir haben uns ja haargenau auf seiner Feldeinfahrt eingeparkt!“

„Aber wieso tatscht er denn dann auf der Motorhaube rum?“, wollte Lisa wissen, da sie nicht dran dachte, dass ihr Vater den Wagen unsichtbar gemacht hatte.

„Warum wohl? Du kannst vielleicht Fragen stellen, Lisa“, sagte Robert und fügte noch hinzu: „Verzeih mir, aber das muss jetzt einfach sein!“, feindselig wie ihr Vater den Sterblichen gegenüber nun einmal sein kann, ließ er zunächst nicht den Wagen erscheinen, sondern fuhr nur genüsslich die Fahrerscheibe herunter, steckte den Kopf hinaus und sagte hintergründig:

„Na sagen Sie mal: Was soll denn das werden, was Sie hier veranstalten?“, das Einzige was von des Landwirts Posten zu sehen war, war Roberts Kopf, der buchstäblich in der Luft zu schweben schien!

Der Landwirt machte einen raschen Blick, zu der Stelle von der er diese Stimme eben vernahm, und fragte: „Wer um alles in der Welt hat da eben geredet?“, ehe er plötzlich sah, was ihn buchstäblich aus den Latschen kippen, lies.

„Großes Herrgöttsle von Biberach, was ist denn das für ein verrückter Spuk? Ein Kopf, der frei in der Luft schwebt? Ich glaub, ich sehe schon Gespenster und das mitten am helllichten Tag!“, der Landwirt glaubte Gespenster, am helllichten Tag zu sehen.

„Papa bitte: Musste das eben sein? Willst du denn wirklich, dass dieser fromme Landwirt genau wie Omas Nachbar Herbert einen Herzanfall erleidet?“, protestierte indes Lisa aufs schärfste Los.

Und wie gesagt, weil ihr Vater ja nun mal kein Unmensch ist, hat er dennoch Mitgefühl mit dem sterblichen Landwirt und lässt kurzerhand seinen gesamten Wagen vor ihm erscheinen.

Und der Landwirt, der glaubte nun vollends an seinem Verstand zu zweifeln: „Um Himmels willen, großer Gott und Grüne neune! Ja, jetzt glaub ich´s aber wirklich! DAS kann einfach nicht mit rechten Dingen zugehen – nie und nimmer!“, der Schrecken in des Landwirts Gesicht war so markant, dass ihn selbst ein Blinder mit Krückstock sehen konnte.

„Entschuldigen Sie bitte vielmals guter Mann, aber“, soweit wiederum kam Robert, wetzte der geschockte Landwirt plötzlich zu seinem Mähdrescher los, stieg in die Fahrerkabine hoch und murmelte vor sich hin:

„Jetzt weiß ich, was hier los ist: Das letzte Bier muss wohl schon schlecht gewesen sein! Und dieses hier, das kann er gerne haben – nicht, dass mir noch mal so was passiert!“, und wetzte zurück zum plötzlich wie aus dem nichts erschienen Renault Espace am Straßenrand.

„Ich will lieber gar nicht wissen, wie Sie das gemacht haben! Aber hier, das schenk ich Ihnen aus freien Stücken!“, sagte der nach wie vor erschrockene Landwirt und drückte Robert eine Flasche Bier in die Hand, ehe er fortfuhr: „Und jetzt bitte ich sie, mein Herr, schauen sie zu, dass sie mit ihrem Wagen verschwinden! Denn im Grunde meines Herzens weiß ich, dass das alles nur eine Halluzination sein kann; Schuld dran war wohl mein letztes Bier! Das dürfte schlecht gewesen und mir zu Kopf gestiegen sein!“

„Okay, aber wenn du glaubst, dass du es dir nur einbildest, dann glaub halt dran, mein Freund – mir soll´s recht sein“, verkündete Robert, fuhr seine Seitenscheibe wieder hoch und startete den Motor. Parkte kurz darauf aus und fuhr seiner Wege.

„Eines steht mal eindeutig fest: DAS glaubt mir außer meinem Therapeuten Dr. Zweistein keiner, das weiß ich ganz genau!“, sagte der gute Mann und holte sein Handy aus der Hosentasche und begann die Telefonnummer seines Psychotherapeuten zu wählen.

Doch anstatt der Sekretärin des Arztes meldete sich nur eine Tonbandansage: „Dies ist die Praxis von Dr. Albert Zweistein. Wir sind bis 18. Juni im Urlaub. Für dringende Fälle wenden sie sich bitte an meine Kollegen Dr. Brunner und Dr. Huber; vielen Dank für Ihr Verständnis. Und wenn Sie mir noch eine Nachricht hinterlassen wollen sprechen Sie bitte nach dem Pfeifton.“

Der Landwirt wartete besagten Pfeifton ab, ehe er zu sprechen begann: „Hallo, Dr. Zweistein. Hier spricht Ihr Patient Richard Wagner. Ich glaube, Herr Doktor Sie müssen mir ein stärkeres Medikament verschreiben! Denn meine Wahnvorstellungen kommen schon wieder zurück! Ferner sind Sie der einzige, der mir Glauben schenkt, wenn ich Ihnen erzähle, was ich heute erlebt hab, wozu ich sehr gerne Ihre Interpretation als Experte hören möchte! Des Weiteren bräuchte ich einen ehebaldigsten Termin bei Ihnen! Vielen Dank und auf Wiederhören!“, der Landwirt beendete das Telefonat und dachte vor sich hin:

„Wenn ich das Meinen Freunden und erzähle, lassen die mich doch glatt in die Klapsmühle einliefern – soviel steht fest!“

Eine unerwartete Reise nach Kitzbühel (2. Akt)

WICHTIGE ANMERKUNG DES AUTOR´S:

 

Dieses Kapitel ist noch im Entstehen begriffen und wird, wenn ich es fertiggeschrieben hab, in meine Leseprobe eingefügt!

Impressum

Texte: Copyright by, Robert Berger
Bildmaterialien: www.pixabay.com
Cover: www.pixabay.com
Lektorat/Korrektorat: Papyrus Autor 9.0
Satz: Robert Berger
Tag der Veröffentlichung: 29.09.2018

Alle Rechte vorbehalten

Widmung:
Diesen Roman widme ich allen Leserinnern und Lesern die gerne Fantasy-Romane lesen, und bei denen Spaß und Spannung an Platz Nummer 1 steht!

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