Cover

Prolog

Dieser Roman spielt im Jahr 2115 und somit nach einer großangelegten Reform der Unterbringung der Gefangenen in Justizvollzugsanstalten und Untersuchungshaftanstalten. Ein Kernpunkt der Reform besteht in der Abschaffung der strengen Geschlechtertrennung, da diese das Leben draußen nicht widerspiegelt. Selbstverständlich teilen sich Frauen und Männer weiterhin keine Hafträume, zumal die Unterbringung in Einzelzellen die Regel ist. Die frühere Geschlechtertrennung wurde mit der Vermeidung männlicher Übergriffe gegen weibliche Gefangene begründet. Dieses Frauenbild erschüttert mich. Wir sind doch keine willenlose Geschöpfe, die den Aktivitäten der Männer ausgeliefert sind. Ebenso wie in Freiheit kann ich in der Haft entscheiden, welchen Mann ich mit in meine Unterkunft nehme und ob ich dort mit ihm rede, schmuse oder schlafe. Ich öffne meinen Haftraum von außen durch einen Fingerabdruck und außerhalb meiner Einschließzeiten von innen mit der Klinke. Außer mir kann nur das Wachpersonal meine Zelle öffnen. Ein zweiter Grund für die Geschlechtertrennung war wohl, dass Gefangene ihre Sexualität nicht ausleben sollten. Diesen Grund sah zumindest das Verfassungsgericht bei der Entscheidung zur Aufhebung der Geschlechtertrennung in Untersuchungshaftanstalten als gegeben an, denn es entschied, dass die vormals bestehende Regelung gleichgeschlechtliche Neigungen bevorzugt hätte und somit gegen den Gleichheitsgrundsatz verstoßen habe. Wer jetzt glaubt, das Leben im Knast wäre ein einziges sexuelles Lotterleben, irrt sich. Nur während der Untersuchungshaft besteht das Recht, die Sexualität im Rahmen der durch den Haftzweck notwendigen Einschränkungen unbegrenzt auszuleben. Diese Einschränkungen haben es in sich; sie bedeuten immerhin, dass ich zwar mit Mitgefangenen in meiner Haftgruppe, aber nicht mit meinem Freund schlafen kann. Zur Verhinderung der Verdunkelungsgefahr habe ich nur zu den anderen Mitgliedern meiner Haftgruppe ungehinderten Kontakt, während ich alle anderen Besucherinnen und Besucher nur in der Sprechzelle sehen kann. Zudem wird die Untersuchungshaft nicht mehr auf die spätere Strafe angerechnet. Wer seine Tat zugibt, kann bereits vor dem Gerichtsverfahren mit der Strafverbüßung beginnen und hat solange Vergünstigungen wie den wöchentlichen statt später nur monatlichen Besuch des Partners in der Zelle. Wer unschuldig ist oder seine Tat nicht zugibt, landet in der Untersuchungshaftzelle und soll nicht weiter als notwendig eingeschränkt werden. Dazu gehört auch, dass ich frei über meine Sexualität entscheiden kann und das geht, da ich nicht lesbisch bin, nur, wenn auch Männer in meiner Nähe sind. Die Gefahr der Vergewaltigung ist hier drinnen eher geringer als draußen, da wir überwacht werden. Voraussetzung ist natürlich, dass die Wärter tatsächlich hinsehen, was sie tun. Ich halte die Gefahr sexueller Übergriffe im Gefängnis sogar für geringer als in einer Kaserne, denn wir sind während der Nachtstunden eingeschlossen, während Soldaten ihre Zimmertüren frei öffnen können und auch nicht regelmäßig beaufsichtigt werden. Dass jede einzelne Vergewaltigung eine zu viel ist, steht außer Frage, hinter Gittern sind entsprechende Übergriffe tatsächlich selten. Wenn wir nicht nur sexuelle Gewalt, sondern Gewalt generell betrachten, hat die Gefährlichkeit der Untersuchungshaft seit der Aufhebung der Geschlechtertrennung sogar deutlich abgenommen. Sowohl Männer als auch Frauen benehmen sich in gemischtgeschlechtlichen Zwangsgemeinschaften einfach besser.

Meine Festnahme

Es sollte ein gemütlicher Abend werden. Mein Freund hatte eine Flasche Wein geöffnet und kuschelte sich an mich, als es an der Haustür klingelte und zwei Polizisten in unsere Wohnung drängten. Sie erklärten mir, dass ich einer Straftat verdächtigt werde forderten mich auf, ein paar Sachen zusammenzupacken und Unterlagen über meine finanziellen Verpflichtungen mitzunehmen, da ich wohl in Untersuchungshaft landen würde. Ich geriet ein wenig in Trance und packte meine Sachen zusammen. Mit einem lieben Blick bat ich meinen Freund ins Schlafzimmer, wo die Polizisten uns alleine ließen

Impressum

Verlag: BookRix GmbH & Co. KG Sonnenstraße 23 80331 München Deutschland

Tag der Veröffentlichung: 27.12.2013
ISBN: 978-3-7309-7178-9

Alle Rechte vorbehalten

Widmung:
keine

Nächste Seite
Seite 1 /