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Titel





Melanie Jungk

 

 

 

 

Racheakt – mitten im Advent

 

 

 

Eine kriminelle Weihnachtsgeschichte

 

 

 

Prolog

Dunkelrot tropfte es von ihrer Hand. Sie zitterte vor Kälte. Ihr Blick fiel auf die roten Tropfen im weißen Schnee. Sekundenlang starrte sie ihre Hand an. Als sie nachsehen wollte, wie spät es schon war, erwischte ein Tropfen ihre helle Winterjacke. Erschrocken sah sie auf den gut sichtbaren Fleck neben dem Reißverschluss. „Mist!“, entfuhr es ihr spontan. Nervös schaute sie sich um. Hatte das irgendwer gesehen? Sie hoffte nicht! Möglichst unauffällig wischte sie über ihre Jacke, in der Hoffnung, so den Fleck entfernen zu können. Vergebens! Durch die Reibung wurde er sogar noch größer. Verdammt, dabei war es gerade erst 18 Uhr. Noch waren zu viele Menschen unterwegs. „Ha!“, sprach jemand. Sie schrak zusammen. „Evelyn hat es mal wieder geschafft! Sie hat sich bekleckert!“ Die Erwähnte ließ die Schultern sinken. Sie wusste, was jetzt kam. Ihre Freundinnen machen sich über sie lustig, wie immer. „Ist doch schon überfällig gewesen. Wir sind schließlich schon eine Stunde hier!“

„Mach dir nichts draus, dann weißt du morgen wenigstens, was du heute getrunken hast!“

„Evelyn unser Schweinchen! Sonst hätte auch was gefehlt!“

„Sag doch, wenn du nicht mehr magst. Du musst dir den Glühwein nicht über die Jacke gießen.“

Nachdem das allgemeine Gelächter auf Evelyns Kosten verebbt war, hob Margitta ihre Tasse in die Höhe und sagte glücklich: „Herrlich. Prost Mädels, mit euch ist es am schönsten.“

Evelyn, Paulina und Jannette taten es ihr nach. Die dunkelblauen Tassen mit der Aufschrift Weihnachtsmarkt Merzen machten ein dumpfes Geräusch, als sie aneinandergeschlagen wurden. Der Glühwein dampfte und es duftete nach frisch gebackenen Waffeln. „Wer hätte gedacht, dass es passend zum ersten Advent anfängt zu schneien?“, begann Paulina ein Gespräch.

„Ist doch toll! Zu einem Weihnachtsmarkt gehört Schnee. Dann schmeckt der Glühwein gleich noch einmal so gut“, kommentierte Margitta.

„Ich könnte auf den ganzen Winterscheiß verzichten!“, jammerte Jannette. Sie umklammerte ihre Tasse mit beiden Händen und schüttelte sich.

„Jette, du alte Frostbeule!“

„Ich bin halt ein Sommertyp. Ich kann …“

„Mama?“, unterbrach ihr Sohn sie. „Schau mal, was ich beim Fadenziehen gewonnen habe. Einen Taschenwärmer!“

Jannette schaute zu ihm hinunter. „Super! Kann Mama den haben?“

„Kann ich dann noch einmal ziehen?“

Sie kramte etwas Kleingeld aus ihrer Hosentasche und tauschte es gegen den Taschenwärmer. Ihr Sohn rannte freudestrahlend davon. „So, wie funktioniert das hier jetzt?“, fragte sie laut und drehte den Gewinn ihres Sohnes in ihrer Hand hin und her. Unter viel Gelächter halfen ihr die anderen, so dass sie sich bald daran die Hände wärmen konnte. Ein kleiner Ersatz für die vergessenen Handschuhe.

Die nächste Runde Glühwein wurde bestellt. Margitta war an der Reihe. Über die Theke hinweg beobachtete sie die vier Männer, die genau an der gegenüberliegenden Seite standen. Sie lachten und unterhielten sich. Auch sie hielten Tassen mit warmem Glühwein in der Hand. Margitta stellte sich auf die Zehenspitzen und rief: „Hey, Gerhard. Vergiss nicht, du bist heute dran!“

Der Angesprochene schaute sich suchend um und entdeckte sie schließlich. „Was?“ Sie wiederholte ihren Satz etwas lauter und die anderen drei pfiffen und lachten.

„Gerhard, du Glückspilz! Kommst heute noch auf deine Kosten!“

Gerhard lachte ebenfalls. Margitta verzog den Mundwinkel und rief: „Ja, eine ziemlich junge Blondine wartet darauf, dass du sie mit zu dir nach Hause nimmst!“

Gerhards Lachen verstummte und er hob beide Hände. „Aber, Schatz. Doch nicht heute! Es ist Weihnachtsmarkt. Ich bin mit den Jungs hier!“

„Und ich mit den Mädels!“ Sie hob eine der vollen Tassen mit Glühwein in die Höhe und zeigte mit dem Zeigefinger darauf. „Heute habe ich Ausgang! Das haben wir so abgemacht. Du hast Kinderdienst! Du gehst mit Emily nach Hause!“

Gerhard schaute sich flehend an und formte seine Lippen zu einem Kuss. Margitta kniff die Augen zusammen. „Wehe!“, schickte sie hinüber, zahlte den Glühwein und ging zurück zu ihren Freundinnen. „Männer!“, stieß sie wütend aus. „Das ist doch typisch!“

Die drei Frauen hatten die Unterhaltung verfolgt und wussten nur zu gut, was sie meinte. „Henry schläft heute bei seinem Freund Torben“, berichtete Jette. „Auf Bernhard kann ich mich auch nicht verlassen.“

Paulina gab ihr kopfnickend Recht. „Ist bei mir genauso. Sarah ist bei Dorothea, sonst könnte ich hier nicht in Ruhe stehen. So lieb wie deine Kleine ist sie leider nicht.“

Die kleine Emily, die in ihrem Buggy in der Mitte der Frauen stand, knabberte friedlich an einem Butterkeks. Als ihre Mutter ihr mit der Hand über den Kopf streichelte, schaute sie mit großen, blauen Augen zu ihr hoch. „Er hat es mir, bevor wir gegangen sind, noch hoch und heilig versprochen! Ich habe ihn gewarnt. Wenn ich nicht in Ruhe den Weihnachtsmarkt genießen kann, dann ist was los!“

Wie aufs Stichwort wurde die kleine Emily unruhig. Sie hatte keine Lust mehr, in dem Kinderwagen zu sitzen. Mit Schwung warf sie den Rest ihres Kekses auf den Boden und drückte ihren Po nach oben. Zuerst sah sie ihre Mutter nur an, aber dann verzog sie ihr Gesicht und begann zu weinen. Margitta schaute dem Keks hinterher und dann ihre Tochter an. „Ich glaube“, sagte sie „du willst zu Papa, stimmt´s mein Schatz?“ Sie drückte Jette ihre Tasse in die Hand und löste die Bremsen des Kinderwagens. Die drei Frauen schauten belustigt zu, wie Margitta den Buggy mit der weinenden Emily zwischen die Männergruppe schob, ihrem Mann einen Kuss auf die Wange gab und wortlos wieder ging. Sie jubelten und klatschten. Die Männer schauten sprachlos zu den Frauen hinüber.

Margitta trat breit grinsend zu ihren Freundinnen und griff nach ihrer Tasse. Sie sah zu ihrem Ehemann, formte ihre Lippen zu einem Danke und trank demonstrativ einen großen Schluck Glühwein. „Du bist so stumpft!“, kommentierte Evelyn ihr Verhalten bewundernd. „Das hätte ich mich niemals getraut. Ich hätte mal wieder ein schlechtes Gewissen. Die Kleine kann doch nichts dafür. Ich hätte jetzt Angst, dass sie nicht gut versorgt wird.“

Die anderen drei schauten sie erstaunt an. „Spinnst du jetzt?“, fragte Paulina. „Sie hat ihre Tochter zu ihrem eigenen Vater gebracht und nicht zu irgendwelchen fremden Leuten! Der kann sich doch auch wohl mal kümmern. Es ist doch auch seine Tochter.“

„Das sehe ich aber genauso!“, gab ihr Margitta Recht. „Der kann sich auch um seine Tochter kümmern. Das kriegt er wohl hin!“

Evelyn wurde rot: „Nein, nein, so habe ich das nicht gemeint. Ich hätte nur Bedenken, dass Hermann sich trotzdem einen trinkt und sich gar nicht um die Kinder kümmert. Dann nehme ich sie lieber.“

„Aber darauf spekulieren die Männer doch! Die wollen, dass du einknickst und wieder zurücksteckst!“

Evelyn schaute schüchtern in ihre Tasse. Margitta redete sich in Rage. „Wenn du …“

Paulina legte jeweils einen Arm um Evelyn und Margitta: „Hey, was soll´s. Wir wollen doch einen schönen Abend verbringen. Wir trinken jetzt erst einmal einen BaBur!“

„Genau“, bestätigte Jette und bestellte vier Gläser davon.

„Wir sind doch heute alle ohne Kinder, oder etwa nicht? Also, genießen wir die Freiheit“, fügte Paulina hinzu. Die Gläser klirrten hell, als die Vier sie aneinanderstießen.

Auf der anderen Seite des Bierwagens hatte Gerhard seine Tochter aus dem Wagen genommen, um sie zu trösten.

Die Freundinnen gingen langsam von Bude zu Bude.

„Hey, Holger, ich nehme den Hauptpreis!“, scherzte Margitta, als sie an der Bude der Werbegemeinschaft ankamen.

„Warte mal“, antwortete der 1. Vorsitzende. „Welches Los war das denn noch? Das? Nein, warte, dies. Oder doch das hier? Ach, Mist, jetzt weiß ich es nicht mehr. Am besten, du kaufst gleiche alle!“

„Netter Versuch!“

„Ich dachte, ich habe das schon für meine Frau gekauft?“, scherzte nun der Mann neben Holger. „Marlene freut sich schon!“

„Die hat doch mit dir schon einen Hauptgewinn!“, konterte Paulina.

„Da hast du Recht!“

Sie kauften sich

Impressum

Verlag: BookRix GmbH & Co. KG

Texte: Alle Rechte liegen bei der Autorin
Cover: Sophia Silver
Lektorat/Korrektorat: Valeska Réon
Tag der Veröffentlichung: 12.11.2018
ISBN: 978-3-7438-8629-2

Alle Rechte vorbehalten

Widmung:
Die Idee zu diesem Buch entstand auf dem Weihnachtsmarkt in Merzen im Jahre 2017. Es begann mit dem Satz: Schreib doch mal was, was in Merzen spielt und endete mit dem Versprechen, dass das Buch Ende 2018 erscheint. Sie halten hier die Einhaltung dieses Versprechen in der Hand. Personen und Handlung sind frei erfunden. Übereinstimmungen sind zufällig und nicht gewollt. Ich wünsche viel Vergnügen mit der nicht ganz ernst gemeinten, kriminellen Weihnachtsgeschichte.

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