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Vesela und die Vervumwelt

Vesela und die Vervumwelt

 

Teil 1

Inhaltsverzeichnis

 

Inhaltsverzeichnis

 

Prolog 5

Kapitel 1. Vesela 7

Kapitel 2. Veselas Verschwinden 18

Kapitel 3. Der Orden des Blutes 26

Kapitel 4. Rettung in letzter Sekunde 42

Kapitel 5. Der Rückzug des Raduclans 58

Kapitel 6. Hoffnung für den Raduclan 133

Kapitel 7. Burdal und die Reise in die Vervumwelt 174

Kapitel 8. Die erste Prüfung der Vervum 352

Kapitel 9. Der Kampf um Veselas Dorf undder Beginn des Krieges in der Menschenwelt 418

Kapitel 10. Die zweite Prüfung der Vervum 510

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Prolog

Prolog

 

Lange Zeit war Frieden in der Vervumwelt, die in einer anderen Dimension von der Welt der Humanität existiert. Doch etwas Signifikantes war passiert und Ewoch der Supervervumlord hatte eine Vision, die auch für seine Welt, die Zukunft von ihr von entscheidender Bedeutung sein würde. Ewoch sah, dass ein Mädchen mit dem Namen Vesela geboren werden würde, das über die Zukunft seiner und der Menschenwelt entscheiden würde, denn ihr Licht war besonders und nicht nur vom Licht begehrt, sondern auch von einem düsteren Schatten, den er zu dem Zeitpunkt noch nicht zu identifizieren vermochte. Diese Erzählung, die gerade eben begonnen hat, berichtet über den Kampf zwischen Licht und Finsternis, in der das Mädchen Vesela eine Rolle spielt – aber nicht nur es, sondern auch die Vampire und die Vervum, welche in diesem Krieg das Licht manifestieren, um die Finsternis, die ihre Welten bedroht zu verbannen. Nun wird diese Geschichte beschrieben, welche diesen Krieg, der auf Erden kommenziert, aber in der Vervumwelt und der Schattenwelt des Schattenordens endet. Dies ist die Geschichte von der Gnade des Lichts und dem unerschütterlichen Glauben an es, der seine Essenz ausmacht und auch bestätigt.

Kapitel 1. Vesela

1. Vesela

 

Die Nacht hatte die Burg in Schatten gehüllt und ihre Lichte des Mondes, die ihr entströmten, erhellten die Landschaft. Der Mond war in dieser Nacht rot gefärbt und dies hatte immer etwas Besonderes an sich. Ein Wald umgab die Burg mit dem Element des starken Holzes, welches energetisch auf sie einwirkte. Es war ein Tag im 18. Jahrhundert und ein Lord, ein Vampirlord, hatte eine Vision von einer Chose, die er noch nicht so richtig zu deuten vermochte. Es war wieder eine seiner vielen Visionen, die gleich einem Traum sein leicht monotones Leben mit Abwechslung schmückten. Immer wieder tauchte ein Mädchen auf, das er aber undeutlich sah: wie ein Schemen wanderte es durch Felder, Häuser und Städte, die dem Lord bekannt waren, weil er in ihnen schon Zeit verbracht hatte. Der Lord war nämlich nicht mehr der jüngste Vampirlord und hatte von der Welt viel gesehen. Das was er gesehen und erlebt hatte, wird partiell in dieser Geschichte, diesem Roman exprimiert werden, denn der Lord ist mit dem Protagonisten dieses Romans verbunden, auf welche Art und Weise wird man noch im Verlauf der Geschichte erfahren, welche von dem Kampf zwischen Finsternis und Licht handelt. Dem ewigen Kampf zwischen Gut und Böse, der noch nicht entschieden ist, zumindest nicht in der modernen Zeit, die man als eine Zeit des Lichts bezeichnen will, auch wenn vielleicht so einige Schatten beherbergt, welcher man sich aber anfangs nicht so gewahr ist, da sie einem nicht auf den ersten Blick auffallen; es ist wie mit einem Bild, das mehrere Gesichter hat, welche ähnlich den

Gesichten auf einen wirken und man nicht gleich sagen kann was, wessen Essenz, sie in sich verinnerlicht haben. Nun fängt sie an die Geschichte von der Vision des Lords, welche später in diesem Roman noch ausführlich dargestellt wird.

Dieser Roman handelt von einem Lebensweg, welcher ein extraordinärer ist, er bildet das Fundament, den Anfang, weiterer Lebenswege, welche auf eine gewisse Art und Weise mit ihm verbunden sind. Dieser Lebensweg wird in diesem Roman beschrieben und differente Schicksale, die aber alle als Beispiele des unendlichen kreativen Reichtums der Natur, der Schöpfung, des Kreators dienen. Im großen Seinsgebilde, das wir Realität nennen, aber im Grunde gar nicht wirklich verstehen, entstehen verschiedene Lebensformen, die in diesem Roman beschrieben werden, um verschiedene Aspekte des Lebens zu beleuchten. Dabei wird nicht das Schicksal dieser Lebenswege beurteilt, denn beurteilen sollte nur das Leben an sich: also der Logos. Nun beginnen wir mit dem ersten Lebensweg, welcher diesen Roman ausmacht und die Geschichte, vieler Figuren, welche mit ihm verwoben sind, deutlich prägt. Dieser Lebensweg ist der Weg eines Mädchens namens Vesela. Vesela bedeutet in einigen slawischen Idiomen „die Glückliche“ und dieser Name wird wie man noch später in dieser Geschichte erfahren wird, wie die Faust aufs Auge zu der Romanfigur Vesela passen. Doch nun soll die Geschichte beginnen und die Entstehung der Figur, ihres Lebens, in schriftlicher Form dargestellt werden. Beginnen wir nun mit dem Geist und der Seele, welche den Körper beseelen. Fangen wir an mit dem Weg der Seele, des Geistes zum Körper, kleiden wir nun den Inkarnationsprozeß in Worte.

Und so spielte es sich zu Beginn dieses Lebensweges folgendermaßen ab: durch die Sphären der Unendlichkeit bahnte sich eine Seele oder ein Geist, vielleicht auch beides, an, und schlüpft in den Körper eines Embryos, welcher gerade erst entstanden ist. Wir schreiben den Monat Februar und die Felder sind bedeckt mit feuchtem Schnee, welcher einen ein wenig an einen Streuselkuchen erinnert, wenn man dabei seine Kreativität etwas abstrahiert. Die Mutter des Embryos ist eine einfache Frau, die zum ersten Mal schwanger ist und in der harten Realität des 18. Jahrhunderts als Bäuerin in der Slowakei sich ihr Leben verdingt. Ihr Mann weiß noch nicht, daß er mit seinem Samen befruchtet hat, und es ist ihm nicht bewußt, daß seine zukünftige Tochter eine fromme Dichterin und Ordensschwester sein würde. Noch ist das Kind, die Seele noch nicht vollkommen inkarniert und der Körper ist gerade dabei sich zu developpieren. In einigen Monaten wird aber das Kind auf die Welt kommen, und die Seele die Erfahrung als Erdenmensch in einer Wirklichkeit machen dürfen, die häßlich und schön zugleich ist. Im wahrsten Sinne des Wortes kann man behaupten, daß diese Wirklichkeit eine Dualität symbolisiert. Das chinesische Yin und Yang oder das indische Konzept von Yoni und Lingam drückt sich auf so vielen differenten Dimensionen des Seins aus, daß es gar schon für den größten Geist unbeschreiblich ist. Nun wuchs das Embryo heran und die Monate wurden wärmer, es entwich der Vater Frost und die Demeter kehrte aus dem Hades zurück, in welchem ihre Tochter Persephone mit ihm hauste. Die Blätter der Bäume fingen an wieder zu strahlen: es bildete sich ein neues Grün. Die Knospen und Triebe der Pflanzen, insbesondere der Blumen,

entfalteten sich wieder, stets nach dem Gesetz der männlichen Energie die nach oben strebt gleich einem Schwall linearer Ströme. Die Abende wurden kürzer und die Morgen länger. Es wurde wieder lichter und der Bruder Lenz gab den Menschen wieder etwas Hoffnung. Hoffnung, die sie für ihre Existenz, um zu überleben, benötigten, um zu sein, wobei man anmerken muß, daß in dieser Zeit, daß Überleben für die Bauern, die einfachen Menschen, die Priorität war. Das Leben war kurz und hart und voller Sorgen und Mühen: so war die menschliche, die humane Experienz eine sehr wirsche und unkomfortable.

Des Frühlings Pracht stand schon an seinem Zenit, und der Bauch der Bäuerin war schon recht prall. Das Kind war schon etliche Monde alt, beinahe sieben. Man konnte seine Bewegungen spüren, und sein leises Treten gegen die Placenta der Mutter war für manch einen kuriosen Gast ein freudiges Ereignis. Dann kam der Herr Sommer und der Bruder Lenz gab ihm den Vortritt, weil er wußte das seine Zeit für dieses Jahr vorüber war: genauso wie ein alter Mensch weiß, dass er den Zyklus seines Lebens beendet hat, weil er intuitiv merkt, daß seine Lebenserfahrung auf diesem Planeten zur Neige geht. Gerade als der Sommer, der sich übrigens dieses Jahr sehr gut entwickelte, seinen herrlichsten Glanz am Beginn des Monats Scheiding hatte, gebar die Bäuerin in ihrem modesten Schlafzimmer, dessen Fenster auf die Kleinen Karpaten blickten, eine hübsche zarte und grazile Tochter, die einen leicht gelblichen Teint zu haben schien.

Die erste Person, die, die Tochter, gewahrte, war kein Mensch, sondern eine Ziege, die den Bauern schon etliche Jahre auf loyalste Art und Weise Milch

schenkte. Die Ziege hieß Rudicka und würde für das Kind einer, der ersten Wegbegleiter sein, und viele Momente des Glücks mit ihm erleben. Die Ziege war vom Anblick des Kindes entzückt. Die Augen des Tieres und die des Kindes zogen sich an wie Magnete, und jenes Band der Freundschaft war schon in diesem Augenblicke besiegelt. Die ersten Wochen des Kindes, die manche Völker den ersten Mond der Existenz taufen, waren sehr ruhig und friedlich. All die Wonne und Pax, die man sich vorstellen konnte, umgaben die rurale Atmosphäre der slowakischen Erde oder, sollen wir historisch korrekt sagen, dieses Erbland der Habsburger. Es schien alles in Ordnung zu sein mit dem Kinde und die Ziege war immer bei ihm. Spendete ihm auch etwas von ihrer Milch, die sie auch ihren kleinen Zicklein gegeben hat. Das Kind, welches den Namen Vesela haben sollte, labte sich an der frischen und reinen Milch der Ziege, die ihm viel Kraft und Freude spendete. Die Zeit verging und wieder nahten Herbst und Winter, die diesmal etwas mehr ihre Seiten der Vielfalt und Strenge zur Geltung brachten. Schnell wuchs das Kind heran und schon im nächsten Lenze war es im Stande seine ersten Worte zu bilden und bald konnte es auch zu Beginn des Brachets seine ersten Schritte machen. Das Kind schien sehr aufgeweckt zu sein und wollte die Natur um sich, das Leben, das es umgab erkunden. Wahrlich war es lebensfröhlich und sein Lachen konnte alle Bauern in der Gegend verzaubern. Man könnte meinen, dies sei die ländliche Idylle einer positiven Version von Hajniková Žena. So verstrichen die Jahre, die das Kind bei den Eltern und der lieben Rudicka zubrachte, mit welcher es seine Beziehung verstärkte. Als Vesela

dann 96 Monde zählte und schon ein reizendes Mädchen war, ging sie wieder einmal mit ihrem Vater in die nächste Stadt, denn er hatte dort geschäftlich zu tun. Sie wollten ihre Produkte auf dem dortigen Markte feilbieten.

Der Weg dorthin war zuerst ein schmaler Pfad, der dann auf eine buckelige Straße führte, welche sich durch die romantische Berglandschaft bahnte. Normalerweise dauerte es zwei Stunden, um dort hinzugelangen, nur dieses Mal überraschte sie die Laune des Wetters, welches gleich dem Schicksal eines Damokles Schwert über sie hereinbrach, und sie zwang eine Kate aufzusuchen, bis die Kapriolen des Wetters über sie hinweg zogen. Nach einiger Zeit, setzten sie ihre Reise fort und gelangten binnen einer halben Stunde in die Stadt. Es war schon fast Mittag und der Markt war in vollem Gange, viele Dinge gab es dort für Vesela zu erkunden, da sie diese Art von Sein nicht gewohnt war, und das was man nicht gewohnt ist, zuerst für einen ein Kuriosum darstellt. So ist es immer im Leben, denn zuerst ist alles Neue etwas Faszinierendes und dann ist es nicht mehr interessant, zumindest nicht so wie es einmal war.

Das könnte man als den Experienzenzyklus der Vita bezeichnen, welcher auf solchen Perzeptionsmustern aufgebaut ist. Vielleicht ist dies auch nur eine Annahme, aber meines Erachtens nach wenigstens eine gewisse Spekulation wert, die man durchaus als Axiom so hinstellen könnte. Nun verhielt es sich so mit Vesela, daß sie gerne um den Markt herumlief und manchmal auch die Gassen besuchte. Die Gassen, die nicht unbedingt der adäquateste Platz für ein Kind ihres Altes und ihrer zarten Gesinnung war. Dort trieben auch, so sagt man, Gestalten

der Nacht, welche zur dortigen Folklore zählten, ihr Unwesen. Vesela wußte von alle dem nichts, da sie in einer recht friedlichen Atmosphäre lebte und sie wußte nicht wie die Städte, die Leute, dort waren. Sie kannte nicht den Betrug, die Lügen, die Intrigen und die Kämpfe der Städte. Darum waren für sie diese Gassen genauso schön wie die Felder ihres Heimes, oben in den Bergen. Ihr Vater aber schien immer besorgt zu sein, wenn sie sich von seinem Stande entfernte und in das Getümmel des Marktes entschwand.

Als sie dann aber zurückkam nach einigen Stunden, war er immer erfreut und sichtlich erleichtert.

Kapitel 2. Veselas Verschwinden

Kapitel 2. Veselas Verschwinden

 

Dieses Mal würde es aber anders sein, denn dieses Mal würde sie erst nach einer gewissen Zeit zu ihm, zu der Hütte in der Idylle, retournieren. Vesela ging nämlich dieses Mal zu einem Laden unweit des Marktes. Es war der Laden einer Schneiderin, die sofort Gefallen an Vesela fand, weil sie sie an ihre verstorbene Tochter erinnerte. Vesela lächelte, als sie eintrat, und wollte sich die Gewänder im Laden, vor allem aber auch die Stoffe, anschauen. Sie hatte noch nie so eine profunde Vielfalt an Stoffen, Kleidern und anderen Utensilien in ihrem bisherigen Leben erblickt, und wollte sie alle genauer betrachten. Flammen der Neugier entfachten in ihr das Begehren, die Schneiderin nach all diesen Dingen zu fragen und ferner zu wissen, wozu sie verwendet wurden, was genau ihre Aufgabe war.

Die Schneiderin nahm sich ihrer just in dem Moment an, als sich ihre Blicke kreuzten. Sie sah die Similaritäten, die sie zu ihrer Tochter hatte und begann ihr über jeden Stoff, jedes Werkzeug Auskunft zu geben. Dabei sprach sie langsam und voller, wenn auch etwas gekünstelter, zärtlicher Stimme. Nach einiger Zeit kam sie auf eine etwas hinterlistige Idee, welche den Zweck einer bösen Absicht hatte: nämlich der Absicht das Mädchen zu entführen, weil es sie so an ihre geliebte Tochter entsann. Ihre Tochter Rada, die vor fünf Jahren verstorben war. Bald würde sich dieses Jahr der Todestag ihrer geliebten Rada wieder nähern. Die Augen, die Ohren, aber auch die Haare und das grazile Gesicht Veselas, schienen denen Radas zu gleichen.

Meine Güte, was für eine Preziose, dank ihr werde ich wieder Momente des Glücks erleben dürfen und mit meinen Schmerzen abschließen können.“ dachte sie sich schon voller Exzitation und Freude: natürlich versuchte sie diese Sentiments vor Vesela zu verbergen, denn sie wollte das Mädchen nicht verschrecken. Es gehörte ja auch zu ihrem Plan, dem Mädchen zuerst lieblich zu schmeicheln und es dann mit einem bestimmten Kräutertee zu betäuben und sequestrieren. Nur wie das Fatum manchmal so spielt, würde es nicht nach Plan laufen, genauso wie Napoleons Schlacht bei Waterloo auch nicht so für ihn ausging, wie er es sich imaginiert hatte. Ihre Sicherheit, daß sie Erfolg haben würde ihre eigensüchtigen Ideen umzusetzen, würde ihr Niedergang sein; denn wie schon geschrieben, das Schicksal hatte andere Pläne mit Vesela. So könnte man diesem Geschehen noch anmerken, daß es anscheinend doch eine höhere Ordnung geben muß, wenn der

Mensch nicht immer die Zukunft, seine Zukunft, beeinflussen kann. Nun trug es sich zu, daß Vesela den Kräutertee trank, aber jener nicht die erwünschte Wirkung bei ihr hatte. Vesela wurde zwar schlecht, aber ihre Übelkeit und ihr Jammern schien Leute anzulocken, die den Plan der Entführung schließlich vereitelten.

Ihr Vater suchte in der Zwischenzeit nach ihr und war sehr verzweifelt. Er fing an die Leute zu fragen und sagte ihnen, daß sie ihm bescheiden sollten, falls sie Vesela sehen oder treffen sollten. Da der Abend schon angebrochen war, mußte er aber zurück zu seiner Frau und ihre diese Hiobsbotschaft überbringen. Der Weg durch die Dunkelheit war lang und mühsam, weil es der Sonne und des Mondes Licht ermangelte, da es Neumond war. Auf dem Weg zu seinem trauten Heim dachte ihr Vatter Radomir viel nach über die Situation und einige imaginäre und spekulative Alpdrücke plagten seine ohnehin schon belastete Seele. „Was ist mit meiner Vesela? Wo ist sie, geht es ihr gut, sie ist doch nicht...etwa verschwunden oder gar ...?“ fragte sich Radomir. Das letzte Wort traute Radomir sich nicht zu manifestieren, weil für ihn schon dieser Gedanke zu horribel wäre. Seine Vesela tot? Nein das konnte und durfte nicht sein. Trotzdem schwebte dieses Damokles Schwert bis zu seiner Frau und seinem Bette über ihm. Er konnte die Nacht nicht schlafen, und dachte von Alpen besucht zu werden, die sich als Form negativer Präsenzen manifestierten. Sie schienen, zumindest erschien es ihm so, daß sie ihm den Tod seiner Vesela bekunden wollten.

Ganz Unrecht hatten sie ja dabei nicht, denn Vesela schwebte zu dieser Zeit wirklich in Lebensgefahr, da Sie bei den Leuten, die sich ihrer annahmen, und sie vor den bösen Plänen der Schneiderin retteten, ihrer scheinbaren Vergiftung, die sie vom Tee hatte, nicht effektiv entgegenzuwirken vermochten. Vesela war ziemlich unpäßlich geworden und lag auf einem kleinen Bette, das die armen Kaufleute ihr gemacht hatten. Sie fing an zu halluzinieren und Gesichte zu sehen, die sie nicht verstand. Alles um sie herum schien sich aufzulösen und neue Welten offenbarten sich ihr auf einmal. Sie fing an den Raum und die Wirklichkeit aus einer anderen Perspektive zu sehen, da Sie jetzt dem Tode nahestand. Das würde jetzt ihre erste Nahtoderfahrung werden. Lebhaft sah sie sich mal außerhalb ihres Körpers, mal in ihrem Körper. Ihre Orientierung, die sie normalerweise hatte, war verschwunden und jede Sekunde schien wie eine schwere und träge Ewigkeit.

Sie hatte den Eindruck, die Impression, dass die Zeit sich für sie auflöste und das Sein an sich eine neue Art seiner Vielfalt ihr zeigte. Neugierig und timid zugleich öffnete sich ihr Geist diesen Zuständen, die sie jetzt zum ersten Male erfuhr. Draußen wurde es dunkel und düstere Wesenheiten schienen in den Gassen zu gehen, die Kaufleute zündeten ein paar Kerzen an und sprachen ein paar Gebete, um ein drohendes potentielles Unheil abzuwenden. Das war immer so in der Nacht, vor allem um diese Zeit des Lenzes, durchstreiften komische Kreaturen die Stadt. Kreaturen, die normalerweise in Höhlen und fernen Wäldern und Bergen hausten. Warum dies so war: nun dazu gibt es einige Meinungen, die verschieden gewichtig aufzufassen wären. Während die Kaufleute um ihre Kerzen

saßen und über Vesela wachten, entstieg Vesela ihrem Körper und merkte vorerst nicht, daß sie sich nicht mehr in im befand. Sie konnte die lieben Kaufleute sehen, die liebevoll und sorglich um sie bangten.

Dann ging sie durch das Haus und seine Wände und wagte es durch die Gassen zu gehen, die jetzt einsam aber einen gewissen Schauer angenommen hatten, der wirklich nicht gut beschrieben werden konnte, aber trotzdem einem sehr unwohl anmutete. Was ihr zuerst nicht auffiel war, daß sie mit ihren Gedanken reisen konnte, indem sie sich auf einen Punkt in der Gasse konzentrierte und dann dort sofort erschien. Die Gassen um den Markt waren nicht nur ausgestorben, sie waren sehr unheimlich still. Nur ein Wind säuselte ab und an. Dann sah sie, oder glaubte Schatten zu sehen. Schatten, Schemen von Menschen oder waren es doch nicht Menschen? Schatten die an Häusern vorbeihuschten, Schatten die in Sackgassen lauerten. Durch stetes Wandern gelangte sie plötzlich zu einer Kirche, die etwas abseits des Marktes war. Hinter ihr befanden sich einige Felder und ein Hain. Merkwürdige Symbole und Reliefs schmückten ihren Eingang. Die Apsiden hatten ungewöhnliche Formen, die in der Dunkelheit noch bizarrer auf einen wirkten als im Lichte des Tages. Nun zögerte sie kurz und dann entschied sie sich in die Kirche einzutreten.

 

Kapitel 3. Der Orden des Blutes

Kapitel 3. Der Orden des Blutes

 

Das Gemäuer der Kirche war für sie auch von Interesse, kalt und von der Zeit gezeichnet, schien es einen regungslos zu umgarnen. Schnell bewegte Sie sich geistig auf den Altar zu. Der Altar war vielleicht auf den ersten Eindruck hin, etwas unscheinbar, aber wenn man ihn etwas präziser betrachtete, konnte man erkennen, dass er interessante Merkmale aufzuweisen hatte. Neben dem Altar gab es einen Eingang, eine Treppe, die vermutlich zu einer Krypta führte, welche sich unterhalb der Kirche befand. Eifrig ging sie die Treppe hinunter, welche sie magisch anzog, obwohl sie doch sehr unheimlich und düster wirkte. Viele Stufen führten hinab zu einem Tor, das mit merkwürdigen Zeichen verbrämt war. Sie schienen etwas zu bedeuten, nur wußte sie mit ihnen nichts anzufangen, wie sollte sie denn auch. Sie hatte sich ja nie mit der Kabbala befasst und konnte kein Hebräisch. Auf der anderen Seite des Tores führte ein schmaler Gang in einen Saal, welcher einige Särge beherbergte, dieser Saal wurde von einem weiteren Saal gefolgt, welcher sich einen Stock, der durch eine Treppe verbunden war, unterhalb dessen befand. Manche Särge schienen offen zu sein und Vesela vermeinte komische Stimmen zu hören, welche von unten nach oben den Raum penetrierten. „Was ist dort ganz unten?“ fragte sie sich besorgt, obwohl sie jetzt ein Geist war? Der zweite Saal hatte einen Eingang, eine Tür, an seinem Ende. Von dort drangen Geräusche in ihn hinein.

Es waren Töne, Laute, die einem menschlichen Ohre nicht wahrlich gefielen. Was, oder welche Wesenheiten solche Laute produzierten, würde Vesela bald erfahren, und es würde ihr erstes Erlebnis mit einer anderen Welt, die sich aber auch neben unserer abspielt, sein. Kurios wie sie war, begann sie sich der Tür am Ende des zweiten Saales zu nähern und beschloss durch sie hindurch zu gehen. Eine schmale Treppe hinter der Türe, führte in eine sehr dunkle Höhle. In der Mitte der Höhle brannten Fackeln, die an ihren Wänden befestigt waren. Es war in der Mitte der Höhle ein Kreis zu sehen von Gestalten, die Kapuzen anhatten und eine weitere Gestalt im Zentrum des Kreises. Ihre Umhänge waren schwarz mit einem gräulichen Unterton. Im Zentrum des Kreises befand sich ein Kessel mit verschiedenen Ornamenten. Es schien etwas in dem Kessel zu brodeln, was wußte sie noch nicht genau, aber bald würde sie, Vesela es erfahren.

Dieser Tag ist vollbracht für unseren Meister des Blutes. Lasset uns feiern Brüder, lasset uns trinken das Blut dieser Opferdarbringung, damit unser Meister seiner Welt entsteigen möge, zu uns, seinen Dienern, die seiner eifrig diligent warten“, sagte die eine Gestalt, die neben dem Kessel im Zentrum des Kreises stand. Vesela war für einen Augenblick schockiert, denn die ganze Atmosphäre war einfach kalt und schrecklich, denn sie konnte sehen, wie jede Gestalt mit einem Becher etwas aus dem Kessel schöpfte, was sehr wahrscheinlich Blut war. Es bildeten sich, nachdem jede Gestalt etwas aus dem Kessel getrunken hatte, Schwaden von Rauch, die sich immer mehr zu verdichten schienen. Die Gestalten fingen an eigenartige Formeln oder Gebete auszusprechen, welche offensichtlich

die Rauchschwaden verstärkten, bis sie alle von ihrem Dunst umgeben waren und in ihm verschwanden.

Nach einiger Zeit konnte man eine, böse Präsenz spüren, die durch den starken Rauch in einem rötlichen Lichte schimmerte. Das rötliche Licht schien von einem großen Wesen zu kommen, dessen Umrisse langsam in dem Rauche erkennbar waren. Das Wesen sprach zu den Gestalten, die vermutlich seine Adepten waren mit einem sehr tiefen und furchteinflößenden Ton: „Orden des Blutes, Ihr habt mir gut gedient, heute werde ich euch in meine Welt für eine Weile führen, damit ihr dann zurückkehrt, um mehr für den Orden zu tun. Das Blut ist gut, meine Schüler, ich denke, dass es reichen wird für unsere Aufgabe.“. Es wurde dann plötzlich still und das Wesen schien, die Präsenz von Vesela zu merken, obwohl es nicht wirklich wußte wo sie war. „Schüler, ich spüre hier einen Geist eines jungen Mädchens, das vielleicht noch lebt.“ sagte das Wesen mit gräßlicher Vox. Vesela erschrak und verschwand sofort aus der Kaverne und befand sich wieder justament in dem Haus der Kaufleute, die sie so rührend aufgenommen hatten. Bevor sie zu ihren Sinnen kam, befand sie sich schon wieder in ihrem Körper und hielt dies alles für einen schlimmen Alptraum.

Die Anwesenheit der Kaufleute aber zeigte ihr, daß doch etwas passiert war, und sie diese Sachen, die sie gerade erlebt hatte, einfach nicht bloß geträumt hatte. „Es war also doch alles geschehen und alles real gewesen. Wer waren diese Gestalten, und dieses böse Wesen, welches sie so gut perzipieren konnte? Unheimlich, daß es so etwas überhaupt gab? Wußten die Leute davon? Was waren die Opfer?

Wozu all das Blut?“, dachte sie sich, als ihr gleichzeitig in Form einer Gedankenlawine alle Eindrücke und Chosen sie beinahe mental erdrückten. Einer der Kaufleute sagte mit etwas ängstlicher Stimme zu seinem Kollegen: „Gott sei Dank, haben wir sie rechtzeitig gefunden. Du weißt, wenn sie, sie vorher gefunden hätten, was sie ihr angetan hätten.“ „Ja, sie sind vor allem nachts aktiv und wir wissen nicht wer mit ihnen kooperiert. Eigentlich ist ihre Existenz ja nicht bewiesen, aber all die Entführungen und die Leichen in den letzten Jahren sprechen eine andere Sprache. Ich befürchte, dass der Orden des Blutes hier wieder sein Unwesen treibt, neben den anderen Ungeheuern der Nacht.“ erwiderte der Kollege, der zweite Kaufmann.

Vesela konnte eine Weile später Stimme oder besser gesagt einen bizarren Chorus hören, der durch die Gassen hallte. Die Kaufleute löschten ihre Kerzen und griffen zu ihren Musketen, denn sie wollten sicher gehen, daß sie nicht überrascht wurden. Einigen Bürgern der Stadt zufolge konnten die Brüder dieses Ordens sich astral projizieren und gewisse Dinge mit ihrem feinen Sensorium gewahren. Man konnte plötzlich Lichter sehen, die durch die Fenster schimmerten, welche sich im Zimmer neben dem Schlafzimmer befanden, und der Gasse zugewandt waren. Die Lichter schienen eine gewisse Zeit lang ihre Richtung zu ändern und dann blieben sie auf einmal stehen. Eine bedrohliche und unheimliche Ruhe umgab die Kaufleute, welche inzwischen mehrere Musketen geladen hatten, um sich auf einen eventuellen Angriff des Ordens vorzubereiten. „Warte, Brüder, vielleicht ist das Mädchen nahe, ich glaube sie in der Nähe zu spüren.“ sagte der

Oberbruder des Ordens, welcher sich beim Ritual in der Mitte des Kreises neben dem Kessel befand. Die Brüder hörten ihm aufmerksam zu und warteten auf eine Weisung des Oberbruders, der mit seinem Sensorium versuchte das Mädchen ausfindig zu machen, das sich seiner Wahrnehmung gemäß sich nicht weit von ihnen aufhielt, dies traf auch in der Tat zu, da das Haus der Kaufleute nicht einmal 90 Fuß von ihnen entfernt war. Sie waren auch etliche Male an dem Hause vorbeigegangen, ohne zu wissen, daß es ihr Aufenthaltsort war.

Meine Brüder, ich will, dass drei von euch mit mir gehen, und drei von euch in die Marktgasse, drei von euch in die Stadtgasse und der Rest von euch zum Rathaus, vielleicht versteckt sie sich dort in den Katakomben. Die Brüder teilten sich auf, während der Oberbruder eine Weile darüber sinnierte, wo das Mädchen sein könnte. Dann spürte er plötzlich ihre Aura, ihre Energie ganz stark, weil seine Seele wieder kurz seinem Leibe entwich. Vesela konnte auch in diesem Moment den Oberbruder geistig in Form einer Vision vor sich sehen. Sie sah wie kalt und berechnend er war. Seine Intelligenz und seine übersinnlichen Wahrnehmungen waren sehr ausgeprägt, und er seinem Meister sehr verpflichtet, weil er hoffte, dass er auch einmal ein Meister dieses Ordens sein würde. Um dies aber zu werden, müßte er sich einem grausamen Ritual unterziehen, um dann wie der Meister zu werden, der ja in seinem Wesen und seiner Gestalt nicht menschlich war, was die Brüder eigentlich auch nicht waren, sie waren Hybriden beziehungsweise Menschen, die sich mittels einiger Rituale Fähigkeiten und neue physische Attribute aneigneten.

Er, der Ordensbruder konnte Vesela in der kurzen Vision, die sie von ihm hatte auch sehen und überlegte rasch welches Haus es wohl sein könnte, in dem sie war. „Bruder Vagomyr, gehe zu dem Haus neben den Kaufleuten, vielleicht ist sie dort im Keller, ich werde mir das Haus der Kaufleute mit Radoslav und Vesel vornehmen.“ sagte er mit einer kühlen, aber durchaus leicht erregten Stimme, da er wußte, daß Vesela sehr bald in der Gewalt des Ordens sein würde, und das würde ihm die Possibilität einräumen, vielleicht auch ein echter Meister des Ordens zu werden. Während er sich auf diese Gedanken und seine Sinne konzentrierte, passierte in der Stadt etwas anderes, denn der Orden des Blutes war nicht die einzige Gesellschaft, die nachts in der Stadt ihre Ziele verfolgte.

Auch ein Vampirclan war in der Nähe der Stadt aktiv und hatte Kontakte zu einigen Kaufleuten, mit denen er ab und zu Handel trieb. Der Orden des Blutes war mit dem Vampirclan verfeindet, weil er sich in seine Interessensphären einmischte, und das konnte der Orden nicht dulden. Der Oberbruder, der telepathisch mit seinen Brüdern kommunizieren konnte, spürte auf einmal die Präsenz mehrerer Vampire, die ihn und seine zwei Brüder beobachteten. Die Vampire schienen sich gut zu tarnen, aber ihre Anwesenheit war für ihn, den Oberbruder, eindeutig spürbar. Unterdessen hatte der Lord des Vampirclans in seiner Gruft eine Vision von Vesela.

Er wußte nicht, was er damit anfangen sollte, denn er wollte sich nicht in diese Sache einmischen, obwohl er andererseits sofort wahrnahm, daß Vesela etwas Besonderes war. Er sah gleich einem Theaterstücke oder einem Film, in welchem

die Szenen oft wechselten, wie die Schneiderin Vesela entführten wollte, die Kaufleute sie retteten und sie, in ihrem Astralkörper dem Orden begegnete, ihr Meister sie nun suchte und der Oberbruder kurz davor stand sie zu finden. Nach einigen Überlegungen kam er zu dem Entschluß, daß er seine Leute befehligen würde, einzugreifen. Dies geschah telepathisch, da Vampire genauso wie die Ordensmitglieder über diese Fähigkeiten verfügten. Just in dem Moment als der Oberbruder an die Türe der Kaufleute klopfte, hörte er einen Schrei, der unmittelbar in seiner Nähe ausgestoßen wurde. Es war Vagomyr, der von einem Vampir attackiert wurde und sich heftig mit einem Schwert zur Wehr setzte.

Schnell, eilt ihm zur Hilfe Radoslav und Vesel. Ich kümmere mich um das Mädchen.“ Die Brüder stürmten los und fanden den verletzten Vagomyr, der gerade einen Vampir mit seinem Schwerte enthauptet hatte. Anscheinend hatten die Vampire, so könnte man es meinen, die kämpferischen Qualitäten der Brüder unterschätzt, da sie, vor allem Radoslav, Vesel und Vagomyr sehr gut sich des Schwertes bedienen konnten, weil sie sich Jahre des Schwertkampfes befleißigt hatten. Der Oberbruder klopfte wieder an die Türe der Kaufleute und sagte mit einer ernsten Stimme: „Ich will mit Ihnen über das Mädchen verhandeln, ich weiß, daß es bei ihnen ist! Machen Sie mir auf, und wir reden darüber. Wenn sie nicht kooperieren wird es keine sehr friedliche Lösung geben.“ Die Kaufleute waren verdutzt, ihre Befürchtungen sind also doch war geworden, der Orden des Blutes stand vor ihrer Tür und die Vampire hatten sich in diese Angelegenheit eingemischt.

Was sollten Sie nun tun, aufmachen und dabei vielleicht auch ihr eigenes Leben aufs Spiel setzen oder sich des Ordens erwehren. Der erste Kaufmann namens Dragomir entschied sich dazu dem Oberbruder aufzumachen und mit ihm zu verhandeln, da sie eine finanzielle Unterstützung gebrauchen könnten, und diese Tentation einfach zu groß war. Inzwischen brachen Vagomyr, Vesel und Radoslav über ein Kellerfenster in das Haus nebenan ein. Die Bürger dort, griffen zu ihren Waffen, stiegen in den Keller hinab und richteten ihre Musketen auf sie. Vesel, welcher von drei Brüdern, den höchsten Rang hatte, fing an mit den Bürgern zu verhandeln und sie zu beschwichtigen, indem er ihnen erklärte, daß sie von Vampiren attackiert wurden und sich in ihrem Haus verschanzen mußten, bis die Lage sich wieder beruhigt hatte. Inzwischen sprach der erste Kaufmann mit dem Oberbruder, der einfach im Vorzimmer stehen blieb und mit einem ernsten Blick versuchte ihn zu manipulieren. „Wollen Sie sich nicht kurz setzen Herr...“ sprach der erste Kaufmann, welcher die Tür geöffnet hatte. „Nein, danke, und mein Name ist Krvav. Ich komme im Namen des Ordens des Blutes, um das Mädchen zu holen.

Mein Meister hat es so befohlen und darum bitte ich Sie mit mir zu kooperieren, wenn nicht wird dies für sie schwerwiegende Folgen haben.“ sprach Krvav in einem seriösen Ton. „Gut, aber wir möchten auch etwas davon haben, schließlich gehen unsere Geschäfte momentan nicht so toll. Wir geben ihnen das Mädchen und sie geben uns dafür etwas Gold, und natürlich wäre es nicht schlecht, wenn sie uns auch etwas Sicherheit gewähren könnten, schließlich sind die Vampire über diese ganze Sache nicht sehr erfreut

oder etwa schon?“ sagte er mit einem leichten Ton von Sarkasmus. „Gut, ich gehe auf die Forderungen ein, wenn Sie mir jetzt Vesela übergeben.“ sagte Krvav darauf mit einem etwas ernsteren und vielleicht auch leicht energisch- angespanntem Ton.

Geht in Ordnung, das Mädchen befindet sich im Zimmer nebenan“: erwiderte der erste Kaufmann. Mittlerweile sammelten sich die Vampire um das Haus der Kaufleute, und der Oberbruder war so auf die Interaktion fokussiert, daß er die Vampire nicht wahrnehmen konnte und nicht ahnen konnte, daß sie ihm auflauern würden, und ihm Vesela wegnehmen würden, da er ihnen rein numerisch unterlegen war, obwohl er sicherlich etliche mentale Fähigkeiten hatte, um sich mit mehreren Vampiren anzulegen. Der Oberbruder betrat das Zimmer und Vesela lag dort auf dem Bette, noch exhauriert und zwischen Leben und Tod sich befindend.

Der Oberbruder wußte, daß sie noch zu schwach war, um sie jetzt sofort zu nehmen, daher entschloss er sich zu warten. Telepathisch teilte er allen Brüdern mit, daß er das Mädchen hatte und sie zurück zur Krypta gehen sollten. Dieser Befehl sollte ihm, wie man noch sehen wird, zum Verhängnis werden, denn seine Hybris unterschätzte die neue Situation, die Begebenheiten, die auf ihn zu kamen. Die Stunden vergingen und der Vampirlord sah mit seinem geistigen Auge, das Similaritäten mit einer Vision hatte, daß der Orden sich zurückzog, bis auf den Oberbruder. Jetzt würde die Stunde der Entscheidung bald zu Gunsten der

Vampire schlagen, denn das Mädchen, war etwas Besonderes, und konnte den Vampiren von großem Nutzen sein.

Er wartete nur bis der Oberbruder mit dem Mädchen das Haus verließ, bis er seinen Leuten den Befehl erteilen würde, sie zu entführen. Es vergingen einige Stunden und die Nacht war gerade dabei dem Lichte des neuen Tages zu weichen, als Veselas Gesicht etwas Frische und lebendige Röte bekam. „Sie scheint sich zu erholen, aber vielleicht sollte ich noch einen Tag warten, da sie noch nicht ganz bei Kräften zu sein scheint. Ich werde dann am nächsten Tage retournieren und sie holen.“ dachte er still. Nun invadierte wieder die gestrenge Stimme des Oberbruders den Raum, und der Oberbruder teilte den Kaufleuten mit, daß er morgen am Abend zu ihnen zurückkehren würde. Daraufhin verließ er mit einem etwas temperierten Gang das Haus.

Kapitel 4. Rettung in letzter Sekunde

Kapitel 4. Rettung in letzter Sekunde

 

Der neue Tag war schon fast angebrochen und das Licht der Sonne bahnte schon seinen Weg durch die Gassen. Krvav, der Oberbruder, der sich seines Erfolges sicher war, merkte nicht, daß er von dutzenden Vampiren beobachtet und verfolgt wurde, die nur auf den richtigen Zeitpunkt warteten, um ihn anzugreifen, um dann Vesela zu entführen und sie ihrem Lord zu bringen. Krvav ging die Gasse bis zu ihrem Ende und bog nach rechts in eine andere, die zu einer alten Mühle führte, welche nicht sehr weit von einem alternativen Eingang war, welcher auch zur Krypta führte. Dieser Eingang wurde vor Jahrhunderten gebaut, um eine Möglichkeit der Flucht aus der Krypta zu garantieren.

Er konnte nicht ahnen, was die Vampire vorhatten und betrat den Eingang, welcher in der Seitenwand eines kleinen staubigen Kellers war. Als er sich auf etwa halbem Wege des alternativen Ganges zur Krypta befand, griffen ihn zwei Vampire an, die er mit wenigen Hieben abwehren konnte, nur wußte er nicht, daß sie ihm Betäubungspulver ins Gesicht sprühten und er nach wenigen Minuten sein Bewusstsein verlor. Voller Elan versuchte er noch die restlichen Vampire zu bekämpfen, aber bald verließ ihn seine Kraft und er fiel mit einer ziemlichen Vehemenz einfach um. Die Vampire nahmen ihn und schleppten ihn in den Keller, in dem sich der alternative Eingang zur Krypta befand, zurück. Nun war es schon fast Morgen und die Vampire zogen sich in eine unmittelbare Höhle zurück, wo sie des nächstens Abends warteten.

Währenddessen erholte sich Vesela bei den Kaufleuten, und ein ungutes Gefühl beschlich sie, denn diese Leute wollten sie an diesen bösen Orden übergeben, etwas was natürlich für sie mit Angst und Ungewissheit verbunden war. Sie dachte sich, daß vielleicht ihr Leben bald vorbei sein würde, nicht wissend, daß die Vampire sie retten würden, aber noch bis zum Abend warteten, da sie den Tag normalerweise mieden. Die Zeit verging und Vesela lag auf dem Bette, während mehrere Szenarien durch ihren Kopf gingen: „Machen meine Eltern sich um mich

Sorgen? Wie lange werde ich noch leben? Was wird mit mir passieren? Wann wird dieser Bruder des Ordens kommen? Werde ich sehr viel leiden müssen?“ dann schloss sie ihr Augen und schlief für eine Weile ein, um wieder kurz vor dem Abend aufzuwachen. Die Kaufleute waren auf den Markt gegangen und sie kannten Radomir, wußten, aber nicht, daß Vesela seine Tochter war.

Das Treiben des Marktes war an diesem Tage eher ruhig und gemächlich. Radomir war auch dort und hatte dort schon mit einigen Leuten geredet, welche ihm über einige makabre Geschehnisse berichteten, welche vergangene Nacht passiert waren. Radomir konnte dies alles nicht glauben, da er jemand war, der für diese Legenden von Orden des Blutes, dem Vampirclan, Werwölfen und anderen Ungeheuren nicht viel übrig hatte, da er ein einfacher Mann war, der sein Leben schlicht und möglichst rational im Sinne von einfach gestaltete. Solche Dinge passten nicht in sein Konzept des Lebens beziehungsweise der Lebensperzeption, warum dies so war, kann man auch leicht mit einer psychologischen Analyse beantworten: Angst vor dem Ungewissen, Angst vor dem Erkennen, daß das Leben viel mehr ist, als der eigene Horizont der Wahrnehmung einem vermitteln kann. So trug es sich auch zu, daß Radomir den Kaufleuten an diesem Tage begegnen würde und sie nach Vesela fragen würde. Er ging auf ihren Stand zu und fragte sie mit einer höflichen aber doch sehr timid gefärbten Stimme, also dem Timbre einer gewissen Nervosität: „Haben sie vielleicht meine Tochter gesehen. Ich habe sie seit zwei Tagen nicht mehr gesehen und ich weiß nicht, ob sie noch lebt oder was mit ihr geschehen ist. Jede Hilfe wäre mir in dieser Hinsicht

recht, da ich und meine Frau sie sehr vermissen. Wir würden jeden gut gemeinten Rat oder Tipp natürlich auch reichlich entlohnen, da wir unsere Tochter so schnell wie möglich wiedersehen wollen.“ Die Kaufleute schauten ihn verdutzt an und waren nicht mit dieser Situation komfortabel, da Sie ja Vesela bei sich hatten, und eigentlich gar nicht wussten, daß sie seine Tochter war, sie wußten eigentlich gar nicht, daß er Kinder hatte.

Sie antworteten mit einem kurzen und möglichst neutral, klingenden „Nein“, da sie wirklich nicht mit ihm lange reden wollten, weil er sonst vielleicht herausfinden könnte, daß sie ihn angelogen hatten und er dann eventuell ihre Integrität als Geschäftsleute ruinieren könnte, indem er dies der Stadt dann kundtun würde, dass Sie seine Tochter entführt hätten, um sie an einen gut bietenden Käufer zu verkaufen. Radomir ging enttäuscht weg und fragte die nächsten Händler, welche gerade eingetroffen waren. Dann entschied er sich Plakate um den Marktplatz anzuschlagen und dem Finder einen Lohn in der Höhe von 50 Gulden zu geben. Wieder wich das Licht des Tages der Nacht und es wurde wieder ruhig. Radomir fuhr mit seinem Karren traurig und voller schwerer Sorgen nach Hause, aber die Hoffnung Vesela wieder zu sehen, keimte noch in seiner betrübten Seele. Die Nacht brach an und die Vampire krochen aus ihrem Verstecke und näherten sich langsam dem Haus der Kaufleute, welches hell erleuchtet war. Die Kaufleute tranken Wein zur Feier des Tages, weil sie dachten, bald vom Oberbruder viel Geld zu bekommen. Es würde aber sehr bald anders kommen, als sie sich das erträumten.

Die Vampire klopften an ihre Tür, verschwanden aber aus der Sichtweite der Kaufleute. Die Kaufleute machten die Tür auf, und just in dem Moment stürmten die Vampire rein und stießen sie zur Seite. Bevor die Kaufleute die eigentliche Situation abschätzen konnten, weil sie nicht mit dieser gerechnet hatten, war Vesela schon entwendet worden, und mit den Vampiren gen die Krypta des Vampirlords unterwegs. Ein Vampir trug sie und die anderen acht, bildeten einen Verteidigungswall um ihn, um einen eventuellen Angriff des Ordens oder anderer Feinde abzuwehren. Man konnte ja nie wissen, denn die Zeiten waren voller Tensionen zwischen den verschiedenen Clans und anderen Ungetümen. Schnell rasten sie zur Krypta, mit Hilfe ihrer übermenschlichen Energie. Nach etwa einer Viertelstunde erreichten sie auch jene. Dort angelangt, gaben sie der Wache ein Zeichen, die dann dem Lord mitteilte, daß das Mädchen in ihrer Gewalt war. Für Vesela war die ganze Aktion sehr schnell gegangen, da sie nicht wirklich bei Bewusstsein war und noch immer sehr schwach war. Sie wußte nicht was um sie geschah, nur, daß sie sich nicht mehr im Haus der Kaufleute befand, was sie auf eine gewisse Art und Weise erleichterte, die neue Situation schien aber für sie nicht unbedingt besser. Eine Angst vor dem Unbekannten machte sich in ihrer Seele breit und sie versuchte krampfhaft jene zu unterdrücken, was ihr aber nur partiell gelang, da sie doch an ihrem Leibe etwas bibberte. Der Lord der Vampire war sehr erfreut über den Erfolg, der ihn ja ein paar seiner Leute gekostet hatte. Sein Vorteil war aber, daß er ziemlich viele Vampirkrieger hatte, mehr als der

Orden Brüder, und etliche gute und wichtige Kontakte in den Städten der Gegend, sodaß er dem Orden an Einfluss und Macht momentan überlegen war.

Die Vampire brachten Sie in die privaten Gemächer des Lords, welcher sich gerade im Salon aufhielt und versuchte einen alten Text zu entziffern. „Vielleicht würde dieser Text ja uns zu einem gewissen Fortschritt verhelfen. Leider bin ich nicht fähig diesen Text zu lesen, aber vielleicht gelingt es mir später noch.“ sagte er mit leicht nervös angehauchter Stimme. Der Lord löschte die Kerze neben dem Text, der ein altes Manuskript auf Holz zu sein schien, ein livrierter Diener, der auf der rechten Seite des Salons geduldig wartete, näherte sich dem Lord, um ihm mitzuteilen, daß er jetzt nach dem Mädchen sehen könne, wenn er wolle. Der Lord der Vampire, welcher noch an eine Lösung dachte, um endlich das Manuskript zu verstehen, war noch einige Zeit in Gedanken versunken, ehe er auf die Nachricht des Dieners reagierte, welcher wie immer ihn sehr höflich angesprochen hatte. Währenddessen schlief Vesela im Gemach auf einem, speziell für sie eingerichteten Sofa. Sie träumte und wußte eigentlich gar nicht was passiert war. Es war alles zu schnell gegangen und die Eindrücke waren für sie sehr bewegend, denn sie stürzten ihr bisheriges Weltbild ein, welches vorher nie mit einem satanischen Blutorden oder einem Vampirclan zu tun hatte. Auch für die Bauern und Bürger waren diese Realitäten nicht wirklich verständlich und deshalb bevorzugten sie es, sie zu verdrängen und sich mit ihrem harschen und monotonen Alltag zu befassen, welcher primär mit dem Überleben zu tun hatte.

Der Vampirlord, der schon etliche Jahrzehnte Vampirlord war, war auch eine sehr eigenartige Person, die aus dem tiefsten Transsylvanien in die Mittelslowakei gezogen war, um besonderen Geschäften nach zu gehen. Man sagte ihm, dem Sohn von Radu dem Raduclan, daß es hier besondere Gemmen gäbe und einen Eingang zu einer inneren Welt, wo viele Städte voller Schätze lauerten. Was man ihm nicht erzählte war, daß auch andere Interessensgruppen darauf erpicht waren diesen Eingang zu finden, und das in dieser inneren Welt mächtige Wesen lauerten, die es einem ganz und gar nicht einfach machen würden, dort Schätze zu bergen. Aus diesem Grunde wollte der Sohn Radus, namens Radufiu, viele Vampire rekrutieren, dabei dachte er auch an die Alchemie und das künstliche Erschaffen von vampirartigen Wesen. In der Krypta, die er zu seinem Hauptquartier erkoren hatte, gab es mehrere Laboratorien und Trainingskammern. Er hatte auch für sich geheime Gänge bauen lassen, um ungestört über seine Ideen nachdenken zu können. Diese Faktoren und die bedrohliche Atmosphäre in der der Raduclan sich befand, bedrückte ihn sehr. Über diese Dinge nachdenkend schritt er in sein Gemach, wo die süße Vesela schlafend auf dem Sofa lag. Er betrachtete das Mädchen mit seinem starren und kühlen Blick und strich sanft über ihre geschmeidigen sanften Haare. „Vielleicht bist du ja für uns eine gute Sache, falls die Prophezeiung über dich stimmen sollte.“ flüsterte er mit einer ruhigen Klarheit. In dem Moment als er dies sagte, eilte ein Diener zu ihm. „Herr, es sind Werwölfe und Soldaten vom Orden des Blutes unweit der Krypta gesichtet worden. Es sind hunderte, was sollen wir tun. Vielleicht hat uns jemand verraten?

Sollen wir uns auf einen Kampf vorbereiten?“ sprach er mit schnellem und nervösem Tempo. „Ich werde mir die Sache anschauen, ich werde auf den Turm gehen, und die Lage beobachten, bitte nur das Tor schließen. Die Wachen dort verstärken und die Musketen laden, und die anderen Clans kontaktieren.“ erwiderte er scharf. „Gut, Lord Radufiu, ich werde mich sofort darum kümmern.“ respondierte der Diene brüsk. Dann ging Radufiu aus dem Gemach in Richtung Konferenzraum, der damals für Besprechungen der Clans und der Offiziere seines Clans gedacht war. Dort inmitten mehrerer Porträts von unterschiedlichen Persönlichkeiten ließ er sich auf einem Stuhl nieder und begann mit einer Feder folgende Zeilen zu schreiben:

Liebe Clans

Ich der Vampirlord Radufiu erbitte Euch um Euren Beistand, da ich nicht weiß was in den nächsten Tagen geschehen wird. Meine Wachen haben eine Armee des Ordens gesehen, die beängstigend ist, da ich nicht weiß wie gut ich die Krypta gegen diese verteidigen könnte. Ich bin mir auch nicht sicher, aber es dräut mir, daß sie vielleicht über die Schwächen der Krypta, und deren Seiteneingänge schon Bescheid wissen. Vielleicht wurden wir verraten oder beschattet, ich bin mir nicht sicher. Ich weiß nur, daß wir vielleicht unser Quartier in die Berge verlegen müßen. Ich bitte dabei um Euer sicheres Geleit, da der Orden nicht nur über Soldaten verfügt, sondern auch etliche Werwölfe zu haben scheint. Woher er sie

hat, ist mir auch ein Rätsel, vielleicht haben sie Portale und holen sich diese Wesen aus einer anderen Welt, oder sie beherrschen bereits eine perfekte Form der Theriantropie. Ich möchte kein Risiko eingehen, da wir nun einen Trumpf im Ärmel haben, wenn die Prophezeiung stimmt. Wir haben das Mädchen, es befindet sich derzeit bei uns in der Krypta. Deshalb brauchen wir sehr rasch eure Unterstützung, denn ich weiß, daß der Clan es auch sucht und es ihm schon fast gelungen wäre es zu entführen. Bitte bescheidet mich so schnell wie möglich über eine neue Krypta oder Höhle in den Bergen.

Euer treuer Lord Radufiu

Als Radufiu die letzte Zeile des Briefes beendete konnte er Schüsse hören und ein Heulen. Die Wachen stürmten in das Zimmer und schrien: „Sie sind durch einen Nebeneingang gekommen, wir konnten Sie nicht aufhalten, wir müßen die Tore schließen und Sie in Sicherheit bringen. Wir müssen jetzt handeln, sie sind zu viele.“ „Gut ich werde mit dem Mädchen den Fluchtweg nehmen, bis sich die Lage entspannt hat. Bitte versammelt alle um den Konferenzraum, verbarrikadiert, die Waffenkammer und die Gemächer und kämpft.“ sagte er mit gestrenger Stimme, wissend das die Lage für seinen Clan, alles andere als rosig war. „Und bitte überbringt diesen Brief einem Boten. Wir brauchen die Hilfe der Clans, das Mädchen darf um keinen Preis in die Gewalt des Ordens gelangen.“ setze Lord Radufiu fort. „Gut, Lord Radufiu. Wir werden den Brief an die Clans

senden.“ sprach eine Wache. Die Lage spitzte sich zu, denn der Orden brach durch einen weiteren Nebeneingang durch, und dieser war nicht sehr weit vom Gemach des Lords. Mehrere Soldaten des Ordens und zwei Werwölfe drangen durch den Korridor, welcher zu dem Gemach des Lords führte. Der Lord eilte mit zwei Wachen zu seinem Gemache und schnappte sich dort Vesela. Er konnte förmlich den Geruch der Werwölfe wahrnehmen und es war bedrohlich, weil sie eine Art Hybrid zu sein schienen, da sie nicht den gleichen Geruch wie herkömmliche Werwölfe versprühten. Schüsse wurden gefeuert und die Werwölfe rissen einigen Wachen die Gliedmaßen ab, und machten sich auf dem Weg nach dem Gemache. Radufius Wachen verriegelten auf sein Geheiß die Tür und er öffnete in der Zwischenzweit den Gang zum Fluchtkorridor. Dann nahm er zwei Pistolen, etwas Munition und sein bestes Silberschwert mit. Außerhalb des Gemaches konnte man viel Geschrei vernehmen, der Tod lag in der Luft. Die Vampire waren überrannt worden, und ihre Gruppen zersplitterten sich, um sich wieder in den Bergen zu formieren.

 

Kapitel 5. Rückzug des Raduclans

Kapitel 5. Rückzug des Raduclans

 

Radufiu ging mit Vesela den Fluchtkorridor hinunter und hoffte dort am Ende eine Kutsche aufzufinden, die mit einem Boten, dort auf ihn warten würde. Doch es würde anders sein, als er sich es imaginieren konnte. Auf halbem Wege, hörte

er plötzlich, oder vermeinte, neben dem Korridor Schritte zu hören, die ihm zu folgen schienen. Dann passierte etwas Unglaubliches: Eine riesige Kreatur durchbrach die Wand und schleuderte seine erste Wache zur Seite. Es war ein Werwolf, aber einer, den er noch nie gesehen hatte. Rasch übergab er Vesela seiner zweiten Wache und schoß mit seiner Pistole auf die Kreatur. Nichts passierte und sie wurde wütender, als sie schon war, und versuchte mit ihrer Pranke ihn zu zerfleischen. Er wich aus und zog sein Schwert. Sie griff wieder an und er mied wieder ihren Angriff und fügte ihr mit seinem Schwert eine Wunde auf dem Hals zu. Dann packte ihn die Kreatur und war im Begriff ihn tödlich zu beißen, als ein Schuss sie in den Kopf traf, und sie den Lord augenblicklich fallen ließ. Die erste Wache hatte mit einer Muskete ihren Kopf getroffen und sie mit einer Silberkugel geladen. Diese Aktion hatte vermutlich Lord Radufius Leben gerettet.

Erschöpft und angespannt stand er auf und lief zum Ausgang hin, wo ihn auch zwei Soldaten des Ordens erwarteten, welche er aber mit Leichtigkeit besiegen konnte. Die Kutsche stand nicht direkt vor dem Ausgang und Vesela wurde von der Wache unterhalb der Kutsche versteckt, da Soldaten vom Orden nicht unweit entfernt waren. Radufiu sah, daß die zweite Wache tödlich angegriffen wurde und der Kutscher, schon länger tot war. Er entschied sich selber zu fahren und befahl seiner Wache Vesela in die Kutsche zu bringen. Er lud noch einmal rasch seine Pistolen und feuerte die Pferde an. Eilig fuhr die Kutsche los und die Soldaten des Ordens, die dies bemerkten, feuerten auf sie. Dies zwang Radufiu noch schneller

die Pferde der Kutsche mit viel Fervor anzutreiben, um einer eventuellen Kugel zu entkommen, welche Vesela, der Kutsche oder ihm zu Schaden kommen könnte. Die Kutsche raste nun mit einer Geschwindigkeit von gut 30 Meilen pro Stunde,

und trotzdem konnte man hinter und neben ihr im Gebüsch ein Rascheln hören. Es waren Werwölfe, welche versuchten sie einzuholen. Der Weg war recht schmal und es waren noch einige Meilen bis zur Straße, welche zur Stadt und dann in die Berge führte. Radufiu wußte aber auch, daß die Stadt auch nicht wirklich sicher war, da der Orden sein Quartier angegriffen hatte und seinen Clan deutlich dezimiert hatte. Viele Fragen gingen ihm durch den Kopf, während er die Pferde der Kutsche lenkte. Es war wirklich eine sehr gefährliche Zeit für seinen Clan und irgendwie schien einiges aus den Fugen zu geraten. „Woher hatte der Orden so viel Macht? Welche Art Hybrid oder Werwolf ist das, woher hat der Orden so viele Soldaten, woher weiß er, daß sie in der Krypta waren?“ fragte sich Radufiu still und trotzdem besorgt. Es war nämlich für ihn schwer verständlich, daß der Orden plötzlich so eine Macht hatte. Vielleicht hatten ihn ja einige Bürger verraten, oder was noch bedrohlicher wäre, der Orden hatte neue Techniken oder neue Fähigkeiten entwickelt, um den Clans zu schaden? Seine Gedanken wurden plötzlich von einem Werwolf unterbrochen, der seitlich auf die Kutsche sprang, als Radufiu in die Straße einbog. Dann sprang ein weiterer, aber diesmal von der anderen Seite auf die Kutsche. Innert einer Sekunde feuerte Radufiu auf den ersten Werwolf, und jener taumelte von der Kutsche, stand aber wieder auf der Straße auf, und versuchte die Kutsche einzuholen, was ihm nicht gelang.

Der zweite griff ihn an und erwischte sein rechtes Ohr. Radufiu zückte sein Schwert und hackte dem Werwolf mit einem Hieb eine Pfote ab. Heulend und wütend zugleich probierte das Tier ihn mit der anderen Pfote und seinem Gebiß zu töten. Radufiu wich aber dem Angriff aus und stieß dem Wolfe mitten mit dem Schwerte ins Herz, und zog es nach zwei Sekunden wieder raus. Der Werwolf wurde dadurch blutend auf die Straße geschleudert und erlag dort seinen Verletzungen. Just in dem Moment drohte noch eine Fährnis. Als die Kutsche nämlich schon einige Kilometer auf der Straße befand, näherten sich ihr auf einmal sehr laute und dröhnende Schritte, welche ihr ganz nahe waren. „Was könnte denn das wohl sein?“ dachte sich Radufiu. Ein riesiger Schemen spiegelte sich im Mondeslicht vor der Kutsche und die Wache, die in der Kutsche war, konnte etwas Furchterregendes sehen. Es war ein Riese, der etwas von einem Troll und einem Kobold hatte.

Er war beinahe bei der Kutsche angelangt und schwang eine Keule, die so groß war wie ein ausgewachsener Bär. Die Wache zögerte nicht lange und schoß aus dem Fenster. Die Kugeln schienen ihm aber nichts zu tun, sie bewirkten nur, daß er etwas aggressiver und energischer wurde. Der Riese schleuderte seine Keule in die Richtung Radufius und dieser konnte gerade noch rechtzeitig ausweichen. Wie ein Bumerang flog die Keule über die Köpfe der Pferde hinweg und krachte mit voller Wucht gegen eine alte Eiche am Straßenrand. Dann holte der Riese zu einem gewaltigen Schlag aus, indem er seine Hand zusammenballte und etwas von der Kutsche zurückwich. Er schlug mit einer gewaltigen Vehemenz auf den

vorderen Teil der Kutsche und verursachte fast, daß die Kutsche sich überschlug. Radufiu nahm seine Dolche, und warf einen auf die Hand des Riesen und eine auf sein Kinn. Ein violentes Brüllen erschauderte binnen weniger Sekunden die Luft der lauen Nacht.

Der Riese blieb darauf hin stehen und klagte über seine Schmerzen. „Das war knapp.“ dachte sich Radufiu etwas erleichtert, nach dem etwa einige Minuten vergangen waren. „Was war das denn für ein Ungetüm, habe noch nie so etwas in meinen hunderten Lebensjahren erlebt.“ ponderierte er geistig weiter. Die Kutsche war fast bei der Stadt angelangt, als Radufiu sich dazu entschied, vor einem sicheren Haus zu halten, das oft eine Unterkunft für seinen Clan geboten hatte. Es brannte Licht im Hause und draußen hatte es den Anschein, als ob fünf Leute seines Clans, vor dem Hause sich im Vorgarten versteckt hielten. Radufiu hielt die Kutsche vor der kleinen Treppe, die zum Hause führte, an. „Komm, nimm Vesela und die Musketen.“ sagte Radufiu in einem etwas barschen Tone. Schnell stieg er auf die Straße hinunter und eilte die Treppe hinauf. Vor der Tür lud er seine Pistolen und klopfte zweimal kurz an.

Das war nämlich der Code von seinem Clan. Nach ungefähr einer Minute öffnete sich die Tür und eine Frau bat in einzutreten. „Mein Lord, wir wissen Bescheid, kommen Sie schnell rein und begeben Sie sich in den Keller, der Orden wird sie hier nicht finden. Wir kümmern uns um die Kutsche und verstauen sie in unseren Stall.“ sagte die Frau. „Das Mädchen und mein Wächter brauchen ärztliche Pflege. Was machen eigentlich die fünf Leute draußen?“ erwiderte er

zügig. „Ja, wir werden uns des Mädchens und des Wächters annehmen.“ antwortete sie und setze fort: „Die fünf Leute sind Soldaten ihres Clans, die hier Zuflucht genommen haben, weil Sie vom Orden stark dezimiert und verfolgt wurden. Der Angriff galt nicht nur der Krypta, sondern auch den Clansmitgliedern in der Stadt. Woher der Orden so viele Truppen hat, wissen wir nicht, wir wissen nur, dass er binnen weniger Stunden hunderte Vampire regelrecht abgeschlachtet hat. Ferner gibt es noch das Problem, das er neue Wesenheiten erschaffen oder konjuriert hat, welche unglaubliche Fähigkeiten haben. Keine Ahnung wie das passieren konnte, aber vielleicht hat es mit dem Mädchen zu tun, das sie suchen.“ sprach die Frau leise. „Vielleicht. Die Wesen wie den Werwolf, der mich fast getötet hätte und der Riese, der beinahe meine Kutsche demoliert hat, habe ich noch nie gesehen.“ fügte er hinzu. „Das ist aber nicht das ärgste, denn sie haben auch bösartige Dämonen geholt, welche über beschränkte Teleportation verfügen, und die Präsenz von bestimmten Leuten erfühlen vermögen.“ erzählte die Frau, die anscheinend auch nicht mit der Situation nicht zurecht zu kommen schien. „Holen Sie bitte die Vampire rein, verriegeln sie die Tür, ich muss jetzt kurz überlegen und hoffe, daß mir eine Lösung einfallen wird.“ sprach er mit einer etwas ruhigeren Stimme.

Die Frau ging hinaus mit einem Mann, der ihr Diener zu sein schien und holte die erschöpfte und erschrockene Vesela mit dem verletzten Wächter, der durch die Wucht des Schlages vom Riesen am Oberarm verwundet war. Seine Wunde klaffte unterhalb des mit Blut durchtränkten Hemdes. Sie redete mit den

Vampiren und persuadierte sie ins Haus zu gehen, damit sie es verriegeln konnte. Draußen war die Lage immer noch sehr angespannt, denn der Orden suchte nach vereinzelten Vampirnestern, die sich in der Stadt befanden. Der Markt und die Gassen waren voll von hunderten Soldaten, die im Auftrag des Ordens handelten. Sie trugen alle ein Zeichen des Ordens auf ihrer Schulter. Die Bürger waren überrascht, dass sie eine regelrechte Renaissance des Ordens erlebten, der seine Macht nun offen ohne Diskretion mit aller Härte präsentierte. Vereinzelt konnte man noch Schüsse hören, denn die Vampire wollten sich nicht ergeben und kämpften bis zum letzten Mann.

Grausam waren manche Straßen voller Leichen und sterbender Kreaturen gefüllt. Es war ein schrecklicher Anblick, man hätte meinen können eine sinistre Apokalypse hätte begonnen, da jetzt die Welt der Parawelt sich in der normalen Welt offenbarte, und nun für alle evident wurde. Riesen, Trolle, Werwölfe, Vampire, Dämonen alles war jetzt für die Bürger wirklich real und kein Gerücht mehr, wie es für etliche war, weil sie wie so viele die echte Wirklichkeit lieber mit einer Scheinwelt umgaben. Sie wollten einfach nicht diese Elemente des Seins erkennen oder kennen, aber jetzt wurden Sie mit ihr konfrontiert und es war für viele ein kleiner Weltuntergang. Mittlerweile ging

Impressum

Verlag: BookRix GmbH & Co. KG

Tag der Veröffentlichung: 06.05.2019
ISBN: 978-3-7487-0327-3

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