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12 tor: der gerechtigkeit formgebende acht


1.pfeiler


gerechtigkeit ist nir
es beginnt schon
wo, am längengrad abgeseilt,
beide die seitlichen kreise
(wir trennen uns,
denn nicht doppelt auf einen punkt,
sondern zeitgleich zwei punkte,
zugleich)
über eis, wüste, trockene pampa,
vereinzelte oasen, weideflächen,
der fluß (ober- und unterlauf),
bodenschätze, know how,
ackerland, moore, sümpfe
und ihre spiegel
durchschreiten:
wo du die augen auftust
kommt dir nicht dein teil
auch geschichtlich
die falsche zeit
falsches geschlecht
und gebettet falsch
ungerecht behandelt

aber die wünsche
vergrößern das vorgefundene
mehr als dieses selbst
ins unrecht


2.pfeiler


jedem das gleiche
jedem sein anteil
jedem das seine
jedem das notwendige
jedem nach herkunft
jedem nach leistung
jedem nach seinen möglichkeiten
jedem nach bedarf
jedem nach wert
jedem nach schicksal
jedem nach seinem glauben
jedem nach fremdem glauben
jedem nur ohne glauben
jedem nach mißtrauen
jedem?
einem alles
manchen alles
wenigen alles
allen alles
dem starken mehr
dem schwachen mehr
dem, der schon hat, dazu
dem, der nichts hat, das falsche
dem, der nichts will, das aufgedrängte
dem, der braucht, das unbrauchbare
dem, der sich aufgibt, den preis
dem, der soll, das zwingende
dem, der bittet, das erbetene
dem, der nicht bittet, das für richtig gehaltene

all das ist ungerecht


3.pfeiler


die formgebende acht
doppelwesen aus achtung und achtung
gehen wir dem einzelnen auf den grund
sind dabei nicht anwesend
fragen ihn augenfragend und in stiller berührung
wandern wir mit ihm
mäandern wir ohne murren
bis er aufgeht wie die wüstenblume im regen
blüten trägt, tragen kann, sein wir sein stock
bis er uns fortwirft, stehen kann, seinen punkt gefunden hat
seinen frieden, sein lächeln, seine achse
bis er einer wird von unserer art, die keine ist
wir erkennen es, wenn der stein blüht
dann reichen wir ihm die scherben der freundschaft
wir werden darüber alt, denn es hört nicht bei einem auf
du hast so häßliches graues haar!
du trägst so viel müll an dir!
wir verschwenden uns ohne zu danken
verpuppen uns neu, ruhen still aneinander im moos
vertrauen auf die blühenden steine
machen uns los...

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Tag der Veröffentlichung: 23.04.2010

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