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achtes tor: die zucht von getreide, gemüse und frucht

1. pfeiler

als wir die sprache der tiere lernten
sprachen wir nicht und lauschten auf sie
neue augen bekamen wir aus den bildern im mond
die visionen bestärkten uns im entwurf neuer horizonte
wir tasteten und begriffen das umarmen selbst bis zum grund
und im schweigen wurden wir durchlässig
und von zugänglicher weichheit für alles und uns
von den wölfischen emotionen besiegte uns keine
und über die blumen fanden wir uns ungelenkt wieder

nun ist die stunde der geduld
des großen ertrags und der wartung

2. pfeiler

wie der bauer nicht
sich auf das korn setzt, es auszubrüten vor seiner zeit
und nicht am gemüseblatt zieht, es der dunklen erde
abzuringen, wenn es noch zu blass für licht ist
und selbst nicht die knospe am baum belächelt tags und nachts
zur fruchtigen kirsche

also setzen und pflanzen und pfropfen und gießen wir
also vertrauen wir auf die kräfte jenseits der eigenen

3.pfeiler

und doch sind wir es!
aber nicht wie der törichte bauer: jetzt gleich! ruft
und: hier! auf der stelle!
nicht so.
wir nehmen uns zeit und benennen ein jedes
mit seinem zeitlichen namen ihm zugemessen
übergeben wir es so seinem wachstum:
dieses korn sei dein, liebste.
nach ein paar wochen:
sieh den keim!
nach tagen der stille:
das junge grün!
nach einem langsamen monat:
schon riecht das radieschen!
im vierten sommer:
so ein weiß von blüte!
drei monate später:
die unreife frucht!
und nach einem ganzen gewitterabend:
sieh nur: das erste
zartrosa schimmern...

Impressum

Tag der Veröffentlichung: 12.03.2009

Alle Rechte vorbehalten

Widmung:
meinem filmteam

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