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Ein Brief an Barbarossa

 

Brida Baardwijk

16.02.2020

 

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Viele von Euch wissen vielleicht,

dass mich alles Geschichtliche interessiert.

So habe ich den leider bereits beendeten Wettbewerb

in der Gruppe "Die Welt der Briefe und Tagebuchliteratur"

im Februar 2020 zum Anlass genommen,

noch etwas außer Konkurrenz dazu beizusteuern. 

 

Hier hat es mir Barbarossa angetan. 

 

Dieser Brief ist auch in meinem Sammelband

Briefe

enthalten.

 

Viel Spaß beim Lesen!

 

Eure Brida 

Ein Brief an Barbarossa

Seid gegrüßt, lieber Friedrich,

 

oh, entschuldigt meine Ungebühr. Es gehört sich nicht, einen Herrscher so anzusprechen. Eigentlich müsste ich Euch Eure kaiserliche Majestät nennen. Immerhin seid Ihr der Kaiser des heiligen römisch-deutschen Reiches. Ich hoffe, Ihr verzeiht mir. Mir ist das Gehabe Eurer Zeit leider nicht so geläufig.

 

Ich habe zwar schon sehr viel über Euch und Eure sehr ruhmreichen Taten gelesen. Doch müsst Ihr wissen, es ist das erste Mal, dass ich einer so hochwohlgeborenen Person, wie Ihr eine seid, einen Brief schreiben muss. In der Zeit, in der ich lebe, gibt es so gut wie keine Standesdünkel mehr. Es gibt zwar noch Könige, Kaiser und auch noch Adelige, aber die sind wie jeder andere Mensch auch. Meist erkennt man sie nicht einmal, wenn man ihnen auf der Straße begegnet.

 

Sogar einen Papst gibt es noch. Einen aus Argentinien. Das ist in Südamerika. Ach, entschuldigt, Ihr könnt gar nicht wissen, wo Argentinien oder Südamerika ist. Zu Eurer Zeit konntet Ihr das noch nicht in Erfahrung bringen, obwohl es Südamerika schon gab, nur Argentinien noch nicht. Aber so genau weiß ich letzteres auch nicht.

 

Nun werdet Ihr Euch fragen, welch dumme Reden ich hier vollführe. Wahrscheinlich haltet Ihr mich für eine Närrin, die weggesperrt gehört. Keinesfalls! Ein Papst aus Südamerika, wo gibt es denn so etwas? Dazu gibt es eine ganz einfache Antwort. Ich lebe im Jahr 2020. Ja, da staunt Ihr! Es ist wahr. Wie käme ich dazu, Euch Lügen zu unterbreiten? Ich lebe in einer Zeit fast 900 Jahre nach Euch. Ihr habt damals noch im Jahre des Herrn gesagt, habt täglich gebetet und Dinge getan, die wir heutzutage nicht mehr verstehen. Heute aber ist das nicht mehr Gang und gebe.

 

Es ist viel geschehen seitdem. Um Euch ranken sehr viele Legenden. Ob alle der Wahrheit entsprechen, das könnt nur Ihr wissen. Am meisten ließ mich grinsen, wie Ihr Euren Vetter Heinrich den Löwen abserviert habt. Das war ein guter Zug von Euch. Als Herrscher muss man sein Volk mit starker Hand führen. Wo kommen wir denn hin, wenn jeder machen könnte, was er will. Der Heinrich wollte viel zu hoch hinaus und fiel daher auch sehr tief. Leider hat er sich dabei nicht den Hals gebrochen. So ein eitler Geck, der eigentlich nur zu bedauern ist.

 

Was mich aber am meisten empört, ist Eure Exkommunikation durch Papst Alexander III. Was bildete sich dieser Kerl eigentlich ein? Dass er mit Euch herumspringen kann wie mit einem unmündigen Kind? Auch wenn er ständig mit Gegenpäpsten konfrontiert wurde, stand ihm noch lange nicht das Recht zu, Euch der Kirche zu verweisen. Nur weil Ihr ihm nicht gehorchen wolltet. Wo kommen wir denn hin, einem Kaiser zu befehlen? Ihr wart sehr fromm, habe ich gehört.

 

Nun stellt sich Euch ganz bestimmt die Frage anhin, woher ich das alles weiß. Die Antwort darauf ist genauso einfach: aus den vielen Geschichtsbüchern, die ich im Laufe der Jahre verschlungen habe und dem Internet. Dort kann ein Wissen suchender Mensch in der heutigen Zeit alles nachlesen, was er begehrt. Ihr müsst wissen, das Internet ist wie Bücher, nur viel größer. Wie ich erfahren musste, könnt Ihr nicht lesen und schreiben. Das ist sehr schade. Ihr wisst nicht, was Ihr ohne Lesen und Schreiben alles verpasst.

 

Eins finde ich allerdings sehr bedauernswert. Auch das Internet kann die Zeit nicht 900 Jahre zurückdrehen. Dabei hätte ich Euch so gerne persönlich kennengelernt. Ich bin nämlich eine ganz große Verehrerin Eurer Majestät. So bleibt mir nichts anderes übrig, als davon zu träumen, wie es wäre, mit Euch bei einem Becher Wein zu plauschen. Vielleicht sogar in Altenburg, Eurer ehemaligen Kaiserpfalz. Ihr würdet staunen, wie sich die Stadt seit damals verändert hat. In Altenburg wäre ich flugs innerhalb von 15 Minuten. Nein, nicht hoch zu Ross, sondern mit dem Auto.

 

Oh je, ich hoffe, ich bringe Euch nicht schon wieder in Verlegenheit. Also lassen wir das jetzt. Um Euch zu erklären, was in Gottes Namen ein Auto ist, würde den Rahmen dieses Briefes sprengen. Aber eins kann ich Euch versichern, es ist kein Hexenwerk und auch keine Ketzerei.

 

In diesem Sinne, gehabt Euch wohl, Eure kaiserliche Majestät. Vielleicht ergibt sich irgendwann doch einmal die Gelegenheit, Euch zu treffen – auch wenn das wahrscheinlich noch 1000 Jahre dauern wird.

 

Eure ergebene Brida

 

PS: Brida ist nur mein Tarnname, meinen wahren mag ich Euch nicht nennen. Ach ja, fast hätte ich es vergessen. Es gibt sogar ein riesiges Denkmal, das Euch abbildet. Das steht auf einem Berg im Kyffhäuser. Eine Sage erzählt, Ihr würdet dort mit Euren Getreuen schlafen, um irgendwann aufzuwachen. Dann wollt Ihr das Reich retten und es in neuer Herrlichkeit erstrahlen lassen. Das Denkmal ist das drittgrößte in ganz Deutschland. Da staunt Ihr, was?

 

© Brida Baardwijk / 15.02.2020

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Impressum

Texte: Brida Baardwijk
Bildmaterialien: pixabay.com
Cover: Brida Baardwijk
Tag der Veröffentlichung: 16.02.2020

Alle Rechte vorbehalten

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