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Raumschiff Entente Brise 1 – Virus stiftet Verwirrung

 

 

Korks Tagebuch:


Wir schreiben das Jahr 2313. Ich bin ständig müde und habe Kopfschmerzen. Seit drei Wochen kein Sex, wie soll es einem gestandenen Mann da auch gehen? Spuck hat gestern einen neuen Planeten entdeckt. Wir wollen heute einen Trupp zur Erkundung hinunterschicken. Vielleicht habe ich Glück, und es findet sich eine fickfähige und -willige Lebensform, bevor ich wieder mit meiner Faust vorliebnehmen muss.

Die 'Entente Brise' hat die letzte Kollision mit einem Rudel Sternenhirsche recht gut überstanden. Ich werde Pulle, unseren Doktor, auf das entstandene Leck ansetzen. Der versteht schließlich was vom Zusammenflicken.

Ehrlich gesagt würde ich gern mal wieder Heimaturlaub machen. Mir fehlt der ‚goldene Hyperhirsch‘.


Ende Kork

Planet Anonymusis1, irgendwo westlich der Milchstraße

 

Es ist mal wieder ganz schön windig im All. Ich ordne mir zum hundertsten Mal die Haare und gucke angestrengt auf den Monitor, auf dem ich die Bewegungen des Spähtrupps verfolge. Vor zehn Minuten haben wir Spuck und drei weitere Besatzungsmitglieder hinunter auf den bislang unbekannten Planeten gebeamt. Sie bewegen sich jetzt auf einer Art Straße und ich hoffe, dass sie wachsam sein werden. Spuck ist mein bester Offizier und außerdem ein guter Freund, ich will ihn nicht verlieren.

„Spuck an Kommandozentrale, hier bewegt sich was“, schnarrt es aus dem Lautsprecher.

„Was ist es?“

Ich beuge mich vor und bedeute Leutnant Ohaha, meinem weiblichen Kommunikationsoffizier, die Verbindung besser zu kanalisieren. Sie nickt hoheitsvoll, die dumme Ziege. Weiber. Ich schnaube und konzertiere mich auf den Bildschirm.

„Sieht aus wie ein Fahrzeug“, sage ich.

„Es ist ein Transportmittel“, bestätigt Spuck.

In diesem Augenblick kommt ein gelbes, quaderförmiges Ding ins Bild geschwebt.

„Ich versuch‘s mal per Anhalter“, rasselt mein Wissenschaftsoffizier und streckt den Daumen raus.

Das Ding hält tatsächlich an. Ich sehe, wie sich das Landungsteam dem Quader nähert, anscheinend verhandelt, dann guckt Spuck nach oben.

„Die nehmen uns mit in die nächste Stadt“, schnarrt es verschwommen.

„Seid vorsichtig“, rufe ich noch, dann verschwinden meine Leute in dem Ding.

„Sieht aus wie ein öffentliches Transportmittel“, verkündet Spuck. „Ich löse Fahrscheine für uns. Wir melden uns dann aus der nächsten bevölkerten Gegend wieder.“

Das Bild verschwimmt und ich lehne mich zurück. Als Kommandant eines Raumschiffs habe ich jede Menge Verantwortung. Nicht nur, dass ich die Qualität der Bordküche überwachen muss, nein, auch die Gesundheit und vor allem das Leben meiner Crew hängt von mir ab. Manchmal lastet das alles schwer auf meinen Schultern, dann brauche ich eine Massage. Eine Rückenmassage, wohlgemerkt, auch wenn ein anderes Körperteil es auch nötig hätte.

„Was machen wir denn, bis sich Spuck wieder meldet?“, fragt mein Navigator Haitabu Solo scheinheilig.

„Spiel mit deinen Instrumenten und programmiere endlich PacMan so, dass ich gewinnen kann“, brumme ich und stemme mich aus dem Sessel hoch.

Zeit für eine Dusche mit einer kleinen Einhandeinlage. Meine Uniform spannt unangenehm und ich fühle mich so unausgelastet. Während ich zu meinem Zimmer laufe muss ich an Paolo denken, diesen Mistkerl. Er ist der Käpt’n des Schwesterschiffs der Entente Brise und ein Riesenarschloch, aber leider eines mit einem sehr knackigen Hintern. Wieso ich gerade jetzt auf ihn komme? Keine Ahnung, meine Gedanken laufen manchmal ihre eigenen Wege.

Nachdem ich mich entspannt habe mache ich den gewohnten Rundgang durchs Schiff, kontrolliere den Menuplan und klopfe dem Koch auf die Finger, der wieder mal direkt aus dem Topf nascht. Zurück auf der Brücke überrasche ich Ohaha und Solo, die gerade auf dem großen Monitor Tetris spielen.

„Fallende Steine“, murmele ich und plumpse in meinen Sessel.

„Entschuldigung, Kommander, es überkam uns gerade“, sagt Solo und wendet sich seinen Instrumenten zu.

„Mich überkommt‘s auch“, erwidere ich und werfe Ohaha einen scharfen Blick zu, den diese keck zurückgibt.

Über Frauen an Bord will ich jetzt lieber nichts sagen, aber sie gehören einfach nicht hierher. Weiber können gern Küche und Bad benutzen, auch das Schlafzimmer ist genehm, solange es nicht meines ist, aber sonst – nein, wirklich überflüssig, dieses Geschlecht. Für mich sowieso, ich steh nicht auf Frauen.

„Nichts Neues von Spuck?“

In diesem Moment knarzt der Lautsprecher.

„Captain, wir sind angekommen. Die Haltestelle heißt ‚Rathausmarkt‘. Sollen wir aussteigen?“

„Klar, Spuck, klar, steigen Sie aus“, rufe ich aufgeregt.

Ohaha liefert endlich ein Bild zu der Stimme. Ich sehe Häuser gleich denen, die ich von der Erde kenne. Alles ist ein genaues Abbild des blauen Planeten, selbst der Stil der Bauwerke ist kopiert.

„Wow. Spuck, wie heißt die Stadt?“

„Ich frag mal“, rauscht über den Äther, dann Stille, bis Spuck sagt: „Hannover.“

Unglaublich. Ich glotze, und die Sat-Kamera folgt dem Team, das durch die Straßen flaniert. Kein Zeichen von extraterrestrischem Leben, alles wirkt wie zuhause, auch die Wesen, die umherlaufen. Ein paar Uniformierte kommen ins Bild und gehen auf das Landungsteam zu. Es kommt zu einem Wortgefecht, das ich nicht hören kann.

Dann sagt Spuck: „Wir sind festgenommen. Was soll ich tun, Captain?“

„Na, lassen Sie sich festnehmen“, befehle ich, wobei ich Solo zuwinke. „Solo, bereiten Sie unsere Landung vor.“

„Ich soll – die Entente Brise auf diesem Planeten ...?“

„Solo! Benutzen Sie ihren Kopf. Ich und das Team gehen da runter.“

„Ach so.“ Mein japanischer Navigator grinst.

„Sie sind mit von der Partie.“

Sein Grinsen erlischt und in diesem Moment kommt Dr. Leonard McKurv, genannt Pulle, auf die Brücke. Er erfasst die Lage mit einem Blick, ein blitzgescheites Kerlchen, dieser Arzt und nickt mir zu.

„Hat sich unser Halbvoltgese mal wieder in Schwierigkeiten gebracht?“

„Was kann der arme Spuck für seine spitzen Ohren?“ Ich muss lachen. „Sie sind sogar echt, ich hab mal reingebissen.“

Okay, das hat mir Spuck damals wirklich übel genommen. Es geschah während eines kleinen Saufgelages und ich war scharf auf ihn. Das hat er mir allerdings auch gründlich ausgetrieben. Homosexualität spielt auf dem Planeten Voltagen keine Rolle, jedenfalls keine große.

„Ohaha, besorgen Sie mir die offiziellen Missionspapiere und Pulle, hol deine Arztkoffer.“ Ich springe auf und gucke zu Solo. „Und Sie gehen in die Waffenkammer. Wir brauchen einen Tricorder und ein paar Phaser. Hopp-hopp.“

Solo und McKurv verschwinden, Leutnant Ohahah kramt in ihrer Konsole. Sie reicht mir eine Mappe aus Schweinsleder und lächelt dabei auf ihre unnachahmlich impertinente Art.

„Viel Glück“, haucht sie.

„Danke, wir werden es brauchen“, knurre ich und packe die Mappe, klemme sie unter den Arm und gehe hinüber zur Beamstation.

McKurv und Solo gesellen sich zu mir, und schon sind wir auf dem Weg zum Planeten Anonymusis1.

***

„Wir sind in friedlicher Mission unterwegs“, erkläre ich dem Polizeibeamten, der mit verbissener Miene auf meine Papiere starrt.

„Neulich kam schon mal so eine Bande wie ihr vorbei“, brummt der Kerl und mustert mich. „Allerdings waren deren Anzüge lustiger.“

„Lustig?“

Ich gucke an mir runter. Gelbes, enganliegendes Oberteil, eine hautenge, schwarze Hose. Ist doch sehr sexy.

„Äh“, meldet sich Solo, „Ich muss mal. Wo sind hier die – äh, Örtlichkeiten?“

„Sag mal, ich predige doch immer wieder, ihr sollt vor einem Ausflug auf Klo gehen“, fahre ich ihn an.

„Die Klos sind dahinten“, brummt der Beamte und weist mit dem Kinn den Flur hinunter.

„Dann geh, Kindskopf“, knurre ich Solo entgegen, der mit dankbarer Miene davonläuft. „Also“, ich wende mich wieder dem Bullen zu, „Ich dränge darauf, meine Mannschaft freizulassen. Sie haben sich nichts zuschulden kommen lassen.“

„Einer der Männer hat spitze Ohren und eine spitze Zunge“, sagt der Polizist und grinst dabei unverschämt.

„Ein Halbvoltagene, er kann nichts dafür.“

„Hm, ich rede mal mit dem Chef.“

Der Beamte verschwindet nach hinten. Ich schaue zu Pulle, der die Augenbrauen spöttisch hochzieht.

„Einmal mit Profis arbeiten“, murmelt er gerade, als der Bulle zurückkehrt.

„Sie sollen zu den anderen ins Gästehaus des Senats“, brummt dieser sichtlich missgestimmt.

„Ein Senat? Nun sagen Sie bloß, es gibt auf diesem Planeten auch eine Kanzlerin und einen schwulen Außenminister“, sage ich und muss lachen.

„Sind Sie etwa homophob?“ Der Beamte mustert mich abschätzig.

„Beileibe nein, ich finde es nur …“ Mein Blick trifft Pulles und ich halte lieber das Maul, bevor ich mir den Mund noch mehr verbrenne.

„Gut, ich lass die anderen Männer herbringen. Rühren Sie sich nicht von der Stelle“, sagt der Polizist.

Das Gästehaus entpuppt sich als eine Art Schloss. Wir werden mit einem Mannschaftswagen der Polizei dorthin gebracht, nicht luxuriös, aber laufen wäre schlimmer. Spuck guckt das Gebäude an, seine Brauen verschwinden unter dem geradegeschnittenen Pony.

„Fabulös, würde ich sagen. Ich denke, das ist die richtige Unterkunft für die Crew der Entente Brise“, formuliert er gestelzt.

„Spuck, alter Freund, ich hätte es nicht besser ausdrücken können.“

Ich klopfe ihm anerkennend auf die Schulter und bin der erste, der den Wagen verlassen darf. Wir werden ein paar Stufen hoch zum eindrucksvollen Eingangsportal geleitet, an dem uns ein Kerl mit Halbglatze sowie ein paar andere Typen in Anzug erwarten.

„Sir, ich bin Ulli Schmalz, der Bürgermeister dieser Stadt und heiße Sie im Namen des Senats willkommen“, ruft die Halbglatze.

„Ich bin Captain Kork von der Entente Brise und das ist meine Crew“, sage ich und will gerade mein Team vorstellen, als Schmalz abwinkt.

„Danke, Kapitän, aber die Namen kann ich mir eh nicht merken. Kommen Sie.“

Wir folgen der Delegation in eine Halle, von der eine imposante Treppe nach oben führt, und weiter geradeaus in eine Art offenen Salon. Hier erwartet mich jemand, von dem ich gehofft habe, ihm in diesem Leben nicht mehr zu begegnen.

„Hey Kork, altes Haus“, sagt Paolo Longhorn, Captain des Raumschiffs ‚Volles Rohr‘, einem Schwesterschiff der ‚Entente Brise‘.

Sein süffisantes Grinsen geht mir so was von auf den Geist.

„Ah, ich sehe, die Herrschaften kennen sich bereits“, meint Halbglatze erfreut und klatscht in die Hände. „Meine Herren, Sie sind unsere Gäste. Das Wissenschaftsteam des Tropeninstituts würde sich gerne in den nächsten Tagen mit Ihnen unterhalten. Wir benötigen Ihre Hilfe, fürchte ich, aber mehr kann ich nicht dazu sagen.“

„Und – was macht er hier?“, frage ich und zeige auf Paolo.

„Schiffbruch, Totalschaden“, antwortet dieser anstelle des Bürgermeisters.

„Wir haben keinen Funkspruch erhalten, der von einem Notfall …“, erkläre ich, fange aber einen Blick von Spuck auf, der mich schnell verstummen lässt.

Dieses Miststück Ohaha. Sie hasst Paolo genauso sehr wie ich, also muss sie den Funkspruch schlicht unterschlagen haben.

„Dann wäre ja alles geklärt“, ruft Schmalz und lächelt in die Runde.

Nichts ist geklärt und ich wüsste auch nur zu gern, was wir hier sollen. Weg können wir jedenfalls vorläufig nicht, wenn wir uns nicht mit der Bevölkerung dieses merkwürdigen Planeten anlegen wollen.

„Ich empfehle mich dann“, sagt Halbglatze, macht einen steifen Diener und rauscht mit seiner Gefolgschaft ab.

„Wieder Mal zu schnell gefahren, was, Paolo“, knurre ich, nachdem wir unter uns sind.

„Pft, nur ein bisschen am Warpantrieb rumgebastelt, und schon flog uns das Ding um die Ohren“, knurrt er.

„Sie sollten Ihre Finger nicht in Dinge stecken, von denen Sie nichts verstehen, Captain Longhorn“, mischt sich Spuck ein.

„Das müssen Sie gerade sagen, Sie Halbvulgarier“, fährt Paolo meinen Offizier an.

„Ruhe!“ Pulle hebt die Hände und guckt eindringlich in die Runde. „Wir müssen zusehen, wie wir hier wieder wegkommen, ohne einen Krieg auszulösen. Da sind die persönlichen – ähm, Befindlichkeiten der Herrschaften ja wohl Nebensache, nicht wahr?“

Paolo schnaubt, springt auf und rennt aus dem Salon. Ich komme nicht umhin, seinem geilen Knackarsch hinterher zu glotzen. Er ist wirklich ein hübscher Kerl, aber leider arrogant und dumm. Ich würde ihn sonst zu gern mal vernaschen.

„Kork, nimm die Augen von dem Kerl“, brummt Pulle amüsiert.

„Träumen wird doch wohl erlaubt sein.“ Ich grinse ihn an.

„Mögen die Herrschaften mir bitte folgen“, kommt in diesem Moment von der Tür her eine gestelzte Stimme, die zu einem Kerl in Lakaienuniform gehört.

Der Mann, dem nur noch eine gepuderte Perücke für den perfekten Eindruck fehlt, führt mich und meine Crew die Treppe hinauf und weist jedem von uns ein Zimmer zu.

„Abendessen um zwanzig Uhr im großen Salon“, sagt er noch, bevor er sich mit einem eleganten Diener zurückzieht.

***

Ausgerechnet Kork muss mit seiner Crew hier auftauchen. Hätte nicht die ‚Flotte Prise‘ mit Captain Melody an Bord uns aufstöbern können? Mürrisch laufe ich zu meinem Zimmer und werfe mich dort aufs Bett. Kork und ich – wir haben uns schon oft gestritten. Nun bietet der Weltraum natürlich genug Platz, um ihm nicht begegnen zu müssen, doch scheinbar hat das Schicksal etwas Besonderes mit uns vor, sonst wäre er nicht hier.

„Captain Paolo, kommen Sie mit zum Essen?“, ruft mein Wissenschaftsoffizier Wladimir durch die Tür.

„Gleich“, antworte ich und rutsche vom Bett.

Ich richte im Spiegel meine Uniform ein wenig, die wie die der ‚Entente Brise‘ aus einer enganliegenden Hose besteht, darüber aber aus einer Art Jacke, deren Aufschläge mit Pailletten besetzt sind. Manch einer mag denken, das sieht tuntig aus, tut es auch. Dennoch, es steht mir. Ich fahre mir durch meine dunklen Locken und lächle mir zu. Ja, ich mag mich und mein Äußeres.

„Captain?“

„Ja-ja, bin schon auf dem Weg.“ Ich zwinkere mir selbst zu und laufe zur Tür.

Im Salon hat die Crew von Kork schon an der Tafel Platz genommen. Wie selbstverständlich hat man ihn und mich an den zwei am weitesten voneinander entfernten Tischenden untergebracht. Leider können wir uns trotzdem sehen.

Mehrere Kerle in Lakaienuniformen servieren die Speisen und ein Mundschenk läuft herum, um die Gläser zu füllen. Wahrhaft, ich habe auf anderen Planeten schon eine schlechtere Behandlung erlebt. Omar, mein Kommunikationsoffizier, beugt sich schmatzend zu mir und flüstert: „Das Hühnchen ist wirklich lecker.“

Ich kann dem nur zustimmen und lange kräftig zu. Leider wandert mein Blick immer wieder rüber zu Kork, der sich genau gegenüber, wenn auch Meter entfernt, mit Spuck unterhält. Wie ich diesen Vulgarier oder wie auch immer und Kork hasse. Ich schicke einen giftigen Blick hinüber, gerade als mein Erzfeind aufschaut. Er erwidert ihn mit einem charmanten Lächeln, für das ich ihm die Fresse …

„Noch Wein der Herr?“

„Bitte“, knurre ich und der Mundschenk füllt mein Glas mit Wein, den ich in einem Zug hinunterstürze.

Nach dem Essen, das aus fünf Gängen besteht, bin ich nicht nur satt, sondern auch betrunken. Wenn mich Omar nicht auf mein Zimmer gebracht hätte, sicher wäre ich noch mit Kork aneinandergeraten.

Der Virus


Am nächsten Tag geht es mir gar nicht gut. Ich lass mir von Dr. Frankenfurter, meinem Schiffsarzt, eine Kopfschmerztablette geben und ruhe mich bis zum Mittag aus. Nach einer ausgiebigen Dusche bin ich fit genug, um mich ein wenig in den Garten zu begeben um frische Luft zu schnappen. Hohe Mauern schützen das Grundstück vor neugierigen Blicken und unerwünschtem Besuch. Ich fühle mich vollkommen sicher und flaniere ein wenig zwischen den Blumenbeeten, als mir plötzlich ein Welpe entgegengehoppelt kommt.

Ich bin zwar ein cooler Typ, aber Hundejunge können mein Herz erweichen. Lachend beuge ich mich runter und der Hund schleckt mir die Finger ab, bevor er bellend weiterläuft. Ich schaue ihm nach und entdecke Kork, der das nächste Ziel des Tieres ist. Auch mein Erzfeind beugt sich hinunter und hat kurzen Kontakt mit dem Hund. Der Anblick verursacht ein merkwürdiges Ziehen in meiner Leistengegend. Kork so weich zu sehen ist …

„Weg von dem Tier“, brüllt eine hysterische Stimme.

Ich gucke zum Haus und sehe eine Gruppe von mindestens zehn Leuten, die, bewaffnet mit einer Art Kescher, dem Hund hinterherjagen. An der Mauer stellen sie das Tier und fangen es mit dem Netzbespannten Ding. Ich bin einerseits amüsiert, andererseits verfolge ich mit einer gewissen Anspannung das Treiben. Was hat das Tier ausgefressen, dass diese Leute – die übrigens alle weiße Kittel tragen – so mit ihm umgehen? Jetzt sperren die Weißkittel den winselnden Hund in einen Käfig und mir fällt auf, dass sie alle Handschuhe tragen. Ein böser Verdacht überfällt mich.

„Was ist hier los?“ Ich habe Kork erreicht, der genauso verunsichert wirkt wie ich.

„Keine Ahnung“, murmelt er, wobei er den Blick fest auf die Kittelmannschaft gerichtet hat, die nun mit dem gefangenen Tier zurück in das Gebäude läuft.

„Sollten wir uns die Hände waschen?“

„Ich denke – ja“, sagt Kork und setzt sich in Bewegung.

Ich folge ihm, schließe schnell auf, weil ich nicht hinter ihm gehen möchte. Erstens bin ich ihm ebenbürtig, zweitens kann ich dann seinen scharfen Hintern nicht sehen. Kork ist wirklich ein heißes Gerät, aber auch absolut tabu. Warum? Na, ich lass mich doch nicht von meinem Erzfeind ficken.

„Sir“, sagt ein Lakai, der uns den Eingang verstellt. „Sie dürfen nicht hier rein.“

„Ha, Kork, du musst draußen bleiben“, rufe ich lachend, da fixiert mich der Diener und grinst hämisch.

„Sie auch, Sir.“

„Verdammt“, knurrt Kork.

„Was machen wir nun?“, frage ich und überprüfe automatisch die Fluchtwege.

„Warten.“

„Du willst hier – warten? Was meinst du denn, was die mit uns machen werden? Vielleicht auch in Käfige stecken, wie den armen Hund? Also ich bleibe nicht, ich …“

Kork packt meinen Arm und zieht mich so nah zu sich, dass ich seine Poren klar erkennen kann. Der Kerl hat eine wirklich tolle Haut, womit pflegt er sie nur?

„Du – bleibst – hier“, sagt er leise und deutlich.

„Ooookay“, murmele ich und glotze weiter seine Haut an.

„Captain Kork, Captain Longhorn? Bitte folgen Sie mir“, ertönt es hinter dem Lakaien, der pflichtschuldigst Platz macht und uns herein lässt.

Dabei hält er sich auffällig die Hand vor den Mund und scheint die Luft anzuhalten. Ich grinse ihn dumm an und folge dem Kittelträger, der mit Mundschutz und OP-Häubchen ausgestattet ist. Ein wenig übertrieben, finde ich zumindest. Wir werden in einen kahlen Raum gebracht, von dem aus man durch eine Scheibe in ein anderes Zimmer gucken kann, wo ich den Käfig mit dem Welpen entdecke.

„Armes Hundilein“, wispert Kork.

„Oh ja, so ein klitzekleines Hündchen, gaaanz allein“, hauche ich und klebe neben James am Fenster.

Mein Herz geht auf angesichts des winselnden Tieres, das mit riesengroßen Augen um Liebe bettelt.

***

Paolo hört sich an wie ein Volltrottel. Ich allerdings auch, aber dieses Hundejunge weckt in mir eben das Weichei. Pulle steht vor dem Käfig, der in einem Glaskasten untergebracht ist, neben ihm erkenne ich Dr. Jerry Frankenfurter, Paolos Schiffsarzt. Die Lage scheint ernst zu sein, wenn unsere Koryphäen hinzugezogen wurden.

„Was – zum Teufel – machen die da?“, frage ich, nicht direkt Paolo, aber außer ihm ist niemand da.

„Die – gucken“, antwortet mein Nachbar.

„Das sehe ich auch.“ Ich schnaube genervt.

„He, sieh nur, das Hündchen hustet“, wispert Paolo.

„Es kotzt.“ Ich lache, obwohl auch mir das Herz wehtut angesichts des würgenden Tiers.

„Aber – was ist das denn?“ Die Augen meines Nachbarn werden Lolligroß.

Ich staune auch und glotze angestrengt durch die Scheibe. Aus dem Maul des Hündchens ist ein – Herz? – gehüpft und tanzt nun wild umher, schlingert und es sieht so aus, als würde das kleine Ding seine – Hände? – auf eine Stelle pressen, wo unsere Spezies ein – genau, ein Herz hat.

„Verdammt“, murmelt Paolo und stiert dieses Ding an. „Spinne ich, oder …?“

„Ich auch.“ Ich wische mir über die Augen und gucke ich erneut hin.

Das Herz macht einem Shakespeare alle Ehre und tänzelt, scheint zu röcheln, obwohl es keinen Mund hat. Theatralisch beide – Hände? – auf die Herzmitte gepresst fällt es schließlich auf die Knie, und – platsch – liegt es. Ein Zucken, dann ist Ruhe. Ich atme tief Luft ein und neben mir höre ich Paolo das Gleiche tun.

„Ist es – tot?“

„Sieht so aus“, brumme ich und fühle Mitleid.

Das Ding war eigentlich sehr – niedlich. Ich hätte es gerne gekost und am meine Brust gedrückt. Dennoch, es war eine unbekannte Lebensform, die man besser nicht zu nah an sich … Oh Scheiße!

„Es war in diesem Hund“, flüstere ich und reibe die Handflächen unwillkürlich an meiner Hose.

„Scheiße ja“, sagt Paolo und ich sehe, wie er seine Hände betrachtet.

Speichel, der typische Weg, um Viren und Bakterien zu übertragen. Wir waren beide in Kontakt, und nun?

„He, guck mal, das Hündchen“, flüstere ich und vergesse meine Hände vollkommen, als der Welpe sich gegen den Käfig stemmt und seine Schnauze zwischen die Gitterstäbe presst.

Hechelnd und die Kulleraugen weit aufgerissen fleht das Tierchen nach Zuneigung. Seine Pfötchen kratzen an den Stäben, er winselt – was ich nur sehen, nicht hören kann – und es reißt mir das Herz aus der Brust. Ich trommle mit den Fäusten gegen die Scheibe, woraufhin sich Pulle umdreht und mich fassungslos anstarrt.

„Bring ihn mir“, brülle ich, und neben mir schreit Paolo das gleiche.

Pulle zuckt die Achseln und guckt Frankenfurter an. Der nickt und gestikuliert, der Typ mit dem Mundschutz zögert, dann öffnet er den Glaskasten, gleich darauf den Käfig und packt den Hund im Genick. Sein Gehilfe legt dem Welpen ein Halsband um und befestigt eine Leine daran. Wieselgleich entwindet sich das Tier dem Griff und landet auf dem Boden, wo es sofort auf die Scheibe zu rennt. Es springt hoch und ich lege meine Handflächen an das Glas. Der Kerl mit dem Mundschutz nickt, greift sich die Leine und verschwindet aus meinem Blickfeld.

Dann geht die Tür hinter uns auf und ein fiependes Bündel Hund springt Paolo an, der es auffängt und an seine Brust drückt. Ich bin neidisch und will danach greifen, aber er umarmt das Tierchen und murmelt Unsinn. Paolo murmelt UNSINN. Ich starre und fühle ein Kribbeln im Bauch, das nichts mit dem Hund zu tun hat. Es ist Paolos zärtliche Stimme, die mich erregt und …

„Gib mir den Hund“, knurre ich.

„Nein, er will zu mir“, sagt der Arsch und grinst selbstsicher.

Das Hündchen winselt, leckt ihm über die Wange und guckt zu mir, dann fängt es an zu zappeln.

„Siehst du?“

Ich lache und nehme ihm den Welpen ab, den ich an meine Brust drücke und liebevoll kraule. Allein der Blick, den das Hündchen drauf hat, könnte Berge schmelzen. So wechselt das Tier eine Weile zwischen mir und Paolo, bis es langsam ruhiger wird.

„Was dieser komische Virus wohl bewirkt“, meint Paolo nachdenklich.

Er hat den Hund auf dem Arm und streichelt ihn geistesabwesend. Ich beobachte seine Finger und stelle fest, dass sie sehr schlank sind und so zärtlich, dass mich eine Gänsehaut überläuft. Was passiert hier?

„Captain Kork, Captain Longhorn, bitte überlassen Sie mir den Hund für ein paar Untersuchungen“, sagt Pulle von der Tür her.

Er trägt die gleiche Schutzkleidung wie der andere Kerl, der uns den Welpen gebracht hat und guckt sehr ernst. Zögernd geht Paolo zu ihm und reicht ihm das Tier.

„Aber ich will ihn gleich danach zurück“, sagt er.

„Ja ja.“ Pulle packt den Hund und verschwindet, die Tür fällt zu.

„Ich muss mal“, murmelt Paolo.

„Ich auch“, sage ich und klopfe gegen die Scheibe.

In Zeichensprache ein menschliches Bedürfnis auszudrücken, ist schwierig. Eine Weile starren die Kerle, bis sie endlich verstehen, nachdem ich eine obszöne Geste gemacht habe.

 

Wir werden von dem vermummten Kerl zu einem Bad geführt. Ich warte, mit dem Gesicht zur Wand gedreht, bis Paolo fertig ist. Dann setze ich mich auf die Klobrille und starre seinen Rücken an. Soweit ist es schon gekommen, dass ich mit meinem Erzfeind zusammen ein Klo benutzen muss. Was kommt als nächstes?

 

„Captain Kork, Captain Longhorn“, sagt Pulle, der uns nach einer gefühlten Ewigkeit endlich den Hund zurückbringt, „es gibt alarmierende Nachrichten.“

„Okay, dann die gute Nachricht zuerst“, witzele ich.

„Folgen Sie mir in den Konferenzraum.“ Mein Schiffarzt dreht sich um, und wir werden von zwei Vermummten in einen Raum mit großer Leinwand geführt.

Niemand berührt uns und alle tragen Mundschutz und Handschuhe. Mir wird langsam ein wenig beklommen und auch Paolo macht ein sehr ernstes Gesicht. Außerdem hab ich Durst und Hunger. Hoffentlich dauert diese Besprechung nicht so lange.

„Verehrte Zuhörer.“ Dr. Frankenfurter hat sich vor der Leinwand aufgebaut. „Wir haben den Hund eingehend untersucht. Er scheint genesen.“

Alle um uns herum applaudieren frenetisch, ich guck dumm und Paolo – ich schau zu ihm rüber – auch.

„Danke.“ Frankenfurter deutet eine Verbeugung an. „Ich will unsere Untersuchungsergebnisse zusammenfassen, damit alle einen Einblick in die merkwürdige Infektion erhalten, die dieses Virus verursacht. Meine Kollegen hier …“, er weist auf die anwesenden Vermummten, „… beobachten die Infektion jetzt schon seit Wochen. Es scheint so, als wenn dieses Virus sich im Wirt einnistet und dort – hm, verschüttete Emotionen aufweckt. Es krempelt gewissermaßen das Gefühlsleben nach außen. Wehrt sich der Wirt, stirbt er. Am Beispiel des Hundes konnten wir feststellen, dass eine Befriedigung der freigesetzten Emotion den Virus vernichtet. Das Tier wollte Liebe und hat sie sich geholt, bei Ihnen.“ Frankenfurter nickt zu mir und Paolo.

„Ich sehe das genauso“, meldet sich Pulle zu Wort und tritt neben Frankenfurter. „Das Virus wurde von dem Hund ausgehustet und starb außerhalb seines Wirts. Die zurückgebliebenen Eier – oder Metastasen – hat das Immunsystem besiegt, indem es sich Stärke durch die ausgelebte Liebesbedürftigkeit holte. In der Vergangenheit haben sich viele der befallenen Personen gegen ihre Bedürfnisse gesträubt, was bislang nicht mit deren Tod in Verbindung gebracht werden konnte. Nun sind wir einen Schritt weiter.“

„Äh, und was heißt das bitte genau?“, fragt Paolo spöttisch.

„Das heißt, dass Sie und Kork sterben werden, wenn Sie sich gegen ihre Emotionen wehren“, erklärt Pulle, wobei er mich intensiv mustert.

„Ich spüre ein intensives Hungergefühl“, bemerke ich hoffnungsvoll. „Gilt das auch?“

Alle starren mich an und ich schrumpfe ein wenig.

„Ich hab auch Hunger“, kommt Paolo mir zu Hilfe.

Virusbekämpfung



„Wie konnten wir nur in diese Lage kommen?“

Das fragt Kork wohl schon das Hundertste Mal, und meine Antwort ist immer gleich.

„Dieser verdammte Köter.“

Man hat ihn und mich eingeschlossen. Das Virus wird uns in vierundzwanzig Stunden getötet haben, wenn wir kein Ventil für unsere freigesetzten Gefühle finden. Ich empfinde – nachdem ich ausreichend gegessen und getrunken habe – nur Hass, und würde James am liebsten …

„Ich spüre ein Brennen in der Kehle“, sagt James in diesem Moment und guckt mich an, als hätte er ein Ei gelegt.

„Trink was, dann geht’s vorüber“, knurre ich und laufe ins Bad.

Ich brauch eine Dusche, sonst platze ich. Meine Haut ist heiß und juckt. Ich würde sie mir gerne runterreißen, mach das stattdessen mit meinen Klamotten.

„Geiler Arsch“, kommt es von der Tür.

„Verpiss dich. Privatsphäre.“

Ich steige in die Duschkabine und seife mich gründlich ein. Es hilft nicht, das Kribbeln bleibt. Ein ganzer Termitenstamm hat sich meiner bemächtigt und krabbelt jetzt durch meine Adern. Ich brause mich eiskalt ab und wickle mir danach ein Handtuch um die Hüften. Der Spiegel ist vom Wasserdampf beschlagen, so dass ich mich nicht sehen kann. Also verzichte ich auf eine Rasur und laufe zurück ins Zimmer.

„Das hat ja ewig gedauert“, knurrt James und stürzt ins Bad.

Ich höre, wie gleich darauf das Wasser zu Rauschen beginnt. Anscheinend hat der Kerl das gleiche Problem wie ich, oder ihm ist einfach warm. Ich lass mich auf die Kante des breiten Doppelbettes plumpsen. Hier soll ich heute Nacht mit James schlafen? Undenkbar.

„Oh Mann, Paolo, mein Rücken juckt.“ James hat wie ich ein Handtuch um den Leib geschlungen, kommt auf mich zu und wendet mir seine Kehrseite zu. „Kannst du mich bitte kratzen, ich flipp sonst aus.“

Erst zögernd, dann mit immer größerem Vergnügen ziehe ich meine Fingernägel über seinen Rücken. Die roten Striemen, die ich hinterlasse, gefallen mir. James stöhnt erleichtert und ich merke, wie das Jucken auf meinem Körper zunimmt.

„Jetzt musst du das auch bei mir machen.“

Ich stehe auf und drehe mich um. Es tut wirklich gut, als James meine Haut so bearbeitet, wie ich eben seine. Allerdings scheint es sich um ein Wanderjucken zu handeln, denn nun kribbelt der Rest von mir wie verrückt. Insbesondere in meiner Lendengegend pocht es, und ich muss nicht runtergucken um zu wissen, dass ich eine Megaerektion vor mir her trage.

„Danke“, sage ich, als James Behandlung beginnt zu schmerzen.

Er nimmt die Hände weg, und einen Moment höre ich nur unsere Atemzüge. Geht seiner auch schneller? Ich wende mich zu ihm, dabei halte ich das Handtuch fest, das sich beeindruckend nach oben gewölbt hat. Gegenüber sieht es genauso aus.

„Das ist mir – echt peinlich“, sagt James und senkt die Wimpern.

„Mir auch.“

„Ich geh dann mal ins Bad und mach was dagegen“, murmelt er und trottet davon.

Was hat Frankenfurter gesagt? Man muss seinen Emotionen nachgeben? Mir ist jetzt danach, James anzufassen. Soll ich …?

„Warte!“

Er bleibt stehen und ich gehe zu ihm, packe seine Schultern und dreh ihn herum. „Ich will das machen.“

„Du willst mir einen runterholen?“

James glotzt mich an, als hätte ich ihm gerade ein unsittliches Angebot gemacht. Ich lache, mir ist so leicht. Alles ist so einfach. Ich lege meine Handflächen auf seine Brust und streiche sanft nach unten. Das Handtuch fällt und seine Erektion springt mir entgegen. James hat einen schönen Schwanz, mit dicken Adern und einer dunklen Spitze, auf deren Schlitz es glitzert.

„Wow.“ Ich umschließe ihn so vorsichtig, als wäre er aus Porzellan.

Es ist mir egal, ob wir verfeindet sind oder uns hassen. Ich will diesen harten Schwanz jetzt verwöhnen und sinke langsam auf die Knie. James riecht gut. Ich presse mein Gesicht gegen sein Geschlecht und atme tief ein. Mir genüsslich über die Lippen leckend lass ich meine Faust an der Länge auf und abgleiten, bevor ich sie schlucke. Die samtige Haut unter meiner Zunge ist wie eine Erlösung. Das Jucken wird erträglich – bis auf das in meiner Lendengegend – und ich lecke und sauge, was das Zeug hält. James greift mir ins Haar und stöhnt. Was für ein geiles Geräusch.

„Mehr“, keucht er und stößt mir seinen Schwanz tiefer in den Rachen, bis ich würgen muss.

„Sorry.“ James entzieht mir seinen Schaft, den er nun in seine Faust nimmt und massiert.

Meiner kann jetzt auch nicht länger warten. Ich steh auf und wisch das Handtuch von meinen Hüften, packe meine Länge und halte sie fest. James starrt mich an, er wirkt verwirrt und erregt. Ich bin einfach nur noch geil und wünsche mir …

„Fick mich, James“, flüstere ich und gehe zum Bett, beuge mich vor und lege die Handflächen auf die Matratze.

***

Ist es zu glauben? Paolo bietet mir seinen geilen Arsch freiwillig und ich – ich kann kaum noch stehen vor Lust. Mit zwei Schritten bin ich hinter ihm und umfasse seine festen Backen. Die Haut fühlt sich so glatt an, dass ich mir die Zeit nehme, sie ein wenig zu streicheln und zu kneten. Paolo stöhnt, und das gefällt mir so gut, dass ich noch weiter mache, meinen Finger in seinen Spalt gleiten lasse und den Muskel umkreise. Wie von einer fremden Hand werde ich auf die Knie gezwungen und lecke über die Öffnung, presse meine Zunge hinein und zieh dabei die Backen weiter auseinander.

„James, fick mich endlich“, ächzt Paolo.

Das bringt mich auf die Beine. Ich dränge meine Schwanzspitze gegen den engen Eingang und schiebe mich langsam hinein. Es sieht so geil aus, wie meine Länge in diesem scharfen Hintern verschwindet. Schweiß perlt über meine Schläfen, aber ich bin so sehr auf meinen Schwanz fixiert, dass ich es kaum merke. Eine Hand an Paolos Hüfte gelegt, mit der anderen seine Schulter umspannend, beginne ich, den Kerl zu vögeln. Rein und raus, in immer schneller werdendem Tempo. Mein Herz rast und meine Lunge knarzt vor Aktivität. Ich höre ein lautes Stöhnen, es muss von Paolo kommen, denn ich habe die Lippen fest zusammengepresst und rase auf den Höhepunkt zu. Mit wenigen Hammerstößen schieße ich mich in den Himmel und komme krampfend, falle nach vorn und pumpe meine Sahne in Paolos Hintern. Der ist ganz steif geworden und schreit laut. Ich fühle seine Zuckungen, und als ich ihn umarme auch das klebrige Zeug, das auf seinem Bauch pappt. Tiefe Zufriedenheit breitet sich in mir aus, und ich roll mich mit ihm auf die Seite, ihn fest an meine Brust gepresst.

„Das war – der Wahnsinn“, murmele ich atemlos.

„Auf jeden Fall – erleichternd“, stöhnt Paolo.

„Oh ja.“ Ich muss lachen und streichle selbstvergessen über seine Brust.

Seine Haut ist heiß und feucht. Ich mag es, ihn zu berühren.

„Ich hab Durst.“ Paolo rückt von mir ab und krabbelt vom Bett.

Er geht zu dem Tisch, auf dem uns Getränke und Nahrung bereitgestellt wurden. Ich bewundere den kühnen Schwung seines Halses, als er den Kopf in den Nacken legt, um aus einer Flasche zu trinken. Paolo ist ein schöner Mann mit einem sensationellen Körper, das hab ich schon immer gewusst, aber nun wird es mir endgültig klar. In meinem Hals beginnt es zu kratzen, so stark, dass ich aufspringe und mir an die Kehle greife.

„Oh Mann, ich hab das Gefühl, als wollte irgendwas aus mir raus“, röchelt in diesem Augenblick Paolo.

Wir husten, ächzen und krümmen uns gleichzeitig. Ich denke schon, gleich muss ich ersticken, als mit einem ‚plopp‘ etwas aus meinem Rachen springt und auf den Boden fällt. Auch aus Paolos Mund fliegt so ein Ding, wie wir es schon bei dem Hündchen gesehen haben. Fassungslos starre ich auf das Herzgebilde, das einen Totentanz aufführt, der noch ergreifender ist als der letzte. Auch Paolos Auswurf vollendet eine perfekte Choreografie, bevor es zu Boden gleitet und mit einem theatralischen Zucken stirbt.

„Igitt“, murmele ich.

„Ich ruf Frankenfurter“, sagt Paolo und macht Anstalten, so wie er ist zur Tür zu laufen.

„Zieh dir was an.“ Ich bücke mich nach einem Handtuch und werfe es ihm zu.

Er lächelt, und für den Moment fühlt es sich so an, als würden wir uns mögen. Okay, ich hab ihn gerade gefickt, aber das ist kein Friedensabkommen, sondern nur Triebbefriedigung. Während ich mir das andere Handtuch beschaffe und umwickle, ruft Paolo durch die Tür nach Frankenfurter.

„Der Virus ist jetzt raus“, nuschelt Pulle, der zusammen mit Frankenfurter im Zimmer steht, gedämpft durch den Mundschutz. „Dennoch, die Metastasen bleiben. Bemüht euch, die Dinger zu bekämpfen. Ihr habt nur noch …“, er guckt auf seine Sternenuhr, „… achtzehn Stunden.“

„Okay“, murmelt Paolo, und wirft mir einen verstohlenen Blick zu.

Ich werde auch etwas verlegen, als ich daran denke, was wir gerade getrieben haben. Müssen wir jetzt die ganz Zeit ficken? Kann ich mir nicht vorstellen, würde es aber tun, wenn es denn hilft.

„Gut.“ Pulle nickt mir zu und winkt einen Kerl herein, der die Viren vom Boden entfernt und in einen Plastikbehälter legt.

Was für ein Ende. In einem Plastikgefäß mit Schraubverschluss möchte ich nicht begraben werden.

„Kork, ich zähl auf dich“, sagt Pulle und klopft mir auf die Schulter.

Dann verlassen er und Frankenfurter den Raum, die Tür wird abgeschlossen.

„Was nun?“

Paolo guckt zu mir rüber und reibt sich dabei über die Oberarme, als wenn ihm kalt wäre. Ich fühle auch ein leichtes Frösteln, das von innen kommen muss, denn der Raum ist gut geheizt. Wie sagte mein lieber Schiffsarzt: Den Emotionen nachgeben?

„Ich glaube – ich würde dich jetzt gern im Arm halten“, sage ich leise, wobei ich auf den Boden gucke.

„Klingt gut.“ Paolo lacht leise und kommt auf mich zu.

Wir stehen einen Moment voreinander, dann strecke ich zögernd meine Arme nach ihm aus. Er sieht mich unter den Wimpern hervor an, seine Augen wirken jetzt fast schwarz. Ich gucke auf seinen Mund, der wunderschön geschwungen ist. Dieser Mann ist eine einzige Versuchung. Endlich macht er einen Schritt und ich umfange seinen Körper. Vorsichtig, als würden wir erwarten auf Stachel zu treffen, lehnen wir uns aneinander. Es ist schön ihn zu halten, und nach einer Weile entspannen wir uns und kuscheln uns immer näher an den anderen.

„Wollen wir – vielleicht im Liegen weitermachen?“, schlägt Paolo leise vor, wobei sein Atem mein Ohr streift.

„Klingt gut.“

Ohne uns voneinander zu lösen trippeln wir zum Bett und lassen uns dort fallen. Ich lange nach der Decke und ziehe sie über uns. Es ist, als würden wir in einer Höhle liegen. Paolo summt genüsslich und reibt sich an mir, sein Becken tippt gegen meins. Ich spüre seine wachsende Härte und kann ein Schmunzeln nicht unterdrücken.

„Na, ist der Herr wieder scharf?“

„Mhm“, macht er und beginnt, zarte Küsse auf meiner Brust zu verteilen.

Oh ja, es gefällt mir immer besser, gegen den Virus zu kämpfen. Ich lass mich von Paolo verwöhnen, und irgendwann finde ich mich unter ihm, sein Schwanz vor meinem Gesicht baumelnd, während sich meiner in seiner Mundhöhle befindet. Ich zieh ihn an den Hüften herunter und nehme ihn genüsslich auf, lutsche ihn so lange, bis ich seinen Saft trinke und er meinen.

Danach sind wir erst mal erschöpft. Paolo kuschelt sich wieder an mich und wir dösen vor uns hin, bis uns der Schlaf übermannt.

Stunden später werde ich wach. Erschrocken drehe ich mich und gucke auf den Digitalwecker. Es sind über zehn Stunden vergangen, wir müssen uns bewusstlos gefickt haben. Paolo schläft noch. Ich betrachte ihn und komme nicht umhin, sein hübsches Gesicht zu bewundern. Er hat schwarze Locken, die ihm jetzt wild in die Stirn fallen. Seine Nase ist gerade und sein Mund – über den sagte ich schon was. Jedenfalls ist der Kerl anbetungswürdig und meine Libido regt sich schon wieder.

„Wach auf“, flüstere ich ihm zu und erreiche, dass er ein Auge öffnet.

„Was ist denn?“

„Wir haben nur noch wenige Stunden und ich hab das Gefühl, diese Metastasen sind immer noch in mir drin.“

***

Ich sehe die leichte Panik auf James Gesicht und in mir wächst der Wunsch, ihn zu trösten. Ich gebe nach und ziehe ihn näher zu mir, wiege ihn in meinen Armen und murmele ein ‚Sch-sch‘, als hätte er ein Wehwehchen, das ich damit bekämpfen kann. James entspannt sich und scheint es zu genießen.

„Ich hab Hunger“, sagt er nach ein paar Minuten.

„Ich auch.“ Mein Magen knurrt vernehmlich und untermauert die Behauptung.

„Ruf mal den Zimmerservice“, murmelt James und bewegt sich nicht.

„Wieso ich?“

„Du kannst das besser.“

„Aha, und wieso?“

„Deine Stimme ist lauter als meine.“

„Stimmt doch gar nicht.“

„Oh doch, du solltest dich mal stöhnen hören.“

„Du – verdammt, James. Das ist nicht witzig.“ Ich roll mich vom Bett und bücke mich nach einem Handtuch.

Wenn ich das hier lebend überstehen sollte, werde ich mich immer daran erinnern, dass ich einen ganzen Tag nur mit einem Handtuch bekleidet herumgerannt bin. Ich gehe zur Tür und rufe durch das Holz: „Frühstück. Wir haben Hunger.“

Nachdem wir das Tablett, das ein Kerl hereingereicht hat, abgeräumt haben, sitzen wir eine Weile da und gucken in die Luft. Es bleiben uns noch drei Stunden und ich muss James Recht geben: Es fühlt sich an, als wären die Metastasen noch da. Meine Luftröhre brennt und mein Herz klopft zu schnell.

„Was machen wir nun?“

„Ficken?“, fragt James unschuldig.

„Pft, das haben wir schon, doch es scheint nicht zu helfen.“

Ich gucke ihn an und mein Blick bleibt an seinem Mund hängen. Der Wunsch, ihn zu küssen, kommt plötzlich. James Lippen sehen einladend aus und jetzt fährt er mit der Zungenspitze darüber. Mein Magen verkrampft sich.

„Wie wäre es mit – küssen?“

Ich halte den Atem an und sehe, wie sich James Adamsapfel hüpfend bewegt. Er scheint genauso aufgewühlt wie ich zu sein. Ich rutsche näher zu ihm. Wir sitzen auf der Bettkante, in Ermangelung anderer Sitzgelegenheiten. Schon bin ich ganz nah bei ihm und biete ihm meine Lippen. Erst spüre ich seinen Atem, dann seinen Mund. Warm und fest legen sich seine Lippen auf meine und streichen sacht darüber. Ich brumme wohlig und schlinge einen Arm um seinen Hals. Meine Zunge will in James Mund und ihn erforschen, er hindert mich nicht. Immer wilder wird unser Kuss, wir fallen nach hinten und reiben unsere Körper aneinander, während wir uns erkunden.

„Ich bin scharf“, stöhnt James und zupft an meinem Handtuch.

Bereitwillig löse ich mich von ihm und gehe auf die Knie. Schon ist er hinter mir und erobert mich mit einem Stoß. Wie zwei geile Tiere vollziehen wir den Akt, an dessen Ende ich erschöpft nach vorn plumpse und ins Laken hechle.

„Das Brennen in der Luftröhre nimmt zu“, sagt James und reibt sich über den Hals.

Ich fühle es auch, gleichzeitig rumpelt es in meinem Bauch. Wir haben nur noch eine Stunde, bis unser Ende naht. Eigentlich ist doch alles egal im Angesicht des Todes. Ich gucke James an, in dessen Armen ich seit unserem letzten Fick gelegen habe.

„Ich will noch einmal mit dir schlafen, bevor ich sterbe.“

„Wir werden nicht sterben“, sagt James und streicht mir liebevoll die Haare zurück.

„Und wenn doch?“

Er runzelt die Stirn.

„Du hast Recht, wir sollten jede Minute nutzen.“

„Dann – lass es uns tun“, flüstere ich und nähere mich seinem Mund.

Wir küssen uns sanft und ich merke, wie mein Herzschlag schneller wird. Das hier fühlt sich so richtig an. James riecht gut und ich liebe es, wenn er stöhnt und die Beherrschung verliert. Wir streicheln uns gegenseitig, zärtlich und mit einer Innigkeit, die mich zutiefst berührt. Diesmal lassen wir uns Zeit und sind am Ende beide so scharf, dass wir schon kurz vorm Kommen sind.

„James, komm her“, stöhne ich und ziehe ihn auf mich rauf.

Ich will es jetzt face to face. Ihn sehen, zugucken, wie er kommt. James biegt mir die Beine hoch und kniet sich vor mich. Er guckt mich an, während er seinen Schwanz langsam in mich schiebt. Mir kommt es vor, als wäre es das erste Mal, dass wir es tun. Es fühlt sich ganz anders an. James lächelt und beugt sich vor. Unsere Lippen treffen sich, als er den ersten Stoß ausführt. Es durchfährt mich wie ein Blitz. Stöhnend ziehe ich meine Schenkel höher, damit er noch tiefer eindringen kann. Nach unten guckend sehe ich, wie sein Schwanz mich ausfüllt. Ein wahnsinnig geiler Anblick, nach dazu weil er es ist, James, der in mir steckt. Mein Herz klopft im wilden Stakkato und meine Lunge pfeift. Ich schaue ihm in die Augen, während er mich geschickt durchfickt und dabei die Zähne fest aufeinanderbeißt. Schweißtropfen laufen über seine Nase, seine Schläfen, aber er lächelt und küsst mich immer wieder.

Ich merke, dass es gleich soweit ist und schlinge einen Arm um James Hals. Mit der freien Hand fahre ich über seine Brust, liebkose seine Nippel und packe dann meinen Schwanz. James ächzt, seine Miene verzerrt sich. Er stöhnt meinen Namen und ich stoße in meine enge Faust. Engelein singen in meinen Ohren, während wir zusammen abheben, uns anstarren, zucken und unsere Säfte verspritzen. Noch nie hat es sich so angefühlt, vielleicht sterbe ich gerade, aber es ist ein schöner Tod.

„Paolo“, ächzt James, der auf mir zusammengebrochen ist. „Ich glaub, sie sind weg.“

Ich weiß, was er meint. Das Brennen hat aufgehört, alle Organe fühlen sich leicht an. Ich halte ihn fest und spüre dem Gefühl nach. Mein Magen flattert und ich ahne, dass ich mir ein neues Problem zugezogen habe. Einen Virus, den ich wahrscheinlich nicht so einfach wieder loswerde. Den Liebesvirus. Ich hab mich in James verliebt.

Geheilt – fast



„Bravo“, sagt Pulle und legt das Stethoskop beiseite.

„Du meinst, ich bin geheilt?

„Ja, Kork, das meine ich.“ Pulle lächelt und klopft mir auf die Schulter.

„Ein Glück. Und jetzt lass uns bloß hier abhauen.“

Ich zieh mir ein Hemd über und schaue rüber zu Paolo, der die gleiche Untersuchung durch Frankenfurter über sich ergehen lässt. Er schaut kurz hoch, doch er hält die Wimpern gesenkt. Was ist nur passiert, dass der Virus so plötzlich …?

„Kork, Erde an Kork.“

Ich schrecke hoch und glotze Pulle an, der mich sorgenvoll mustert.

„Abhauen, erinnerst du dich?“

„Ja.“ Ich seufze und rücke die ungewohnte Kleidung zurecht.

Nach den ganzen Stunden, die ich nur mit einem Handtuch oder nackt – ich gucke wieder zu Paolo, aber der hat mir den Rücken zugewandt – zugebracht habe, erscheint mir der Stoff wie eine Einengung meiner selbst. Spinn ich jetzt völlig?

„Also.“ Ich strecke mich und lächle Pulle an. „Wir verschwinden hier so schnell es geht. Ruf den Bürgermeister oder wen auch immer. Und - verdammt noch mal – stell den Kontakt zur ‚Entente Brise‘ her.“

Mein Schiffsarzt senkt demütig den Kopf und zieht die Kommunikationseinheit aus seiner Tasche.

„Hier McKurv. Hallo, Entente Brise, könnt ihr mich hören?“

Es knarzt, dann erklingt die schnippische Stimme von Leutnant Ohaha.

„Klar. Ich höre Sie. Was soll ich tun?“

Am Ende schafft es die Schlampe, uns alle an Bord zu beamen. Alle? Ja, auch das Team von Paolo kommt an Bord. Der Bürgermeister hat uns sogar einen Orden verliehen, aber von dem Spektakel will ich nichts erzählen. Es war peinlich. Der Orden besteht aus Blech, und ich hab ihn gleich nach meiner Ankunft auf der Entente Brise in die Ecke geworfen. Okay, in meiner Kabine hab ich ihn auf den Nachtschrank gelegt. Wer weiß, wozu so ein Ding noch gut sein kann.

„Was passiert mit meinem Raumschiff?“, fragt Paolo, nachdem wir uns alle auf der Brücke versammelt haben.

„Hm, keine Ahnung“, sage ich und gucke angestrengt gelangweilt.

„He.“ Paolo lehnt sich über meinen Sessel und stiert mich an. „Es ist MEIN Raumschiff, ein gutes Schiff, wir können es nicht zurücklassen.“

„Ach ja?“

„Verdammt, Kork, hör auf mit dem Scheiß.“

Er richtet sich auf und fährt sich durch die Locken. Ich weiß, wie weich diese Haare sind, schließlich habe ich sie gestreichelt und …

„Bring mein Schiff nach Hause“, sagt Paolo und guckt mich eindringlich an.

„Okay.“ Ich schaue zu Spuck, der fast unmerklich nickt.

„Sir, wir werden das Schiff mit einem Traktorstrahl heben und hinter uns her durch den Raum ziehen. Die Geschwindigkeit fällt dadurch natürlich und wir werden – genau drei Jahre länger zur Erde brauchen.“

„DREI JAHRE?“, fauche ich und springe hoch.

„Es könnte sich auch um drei Monate handeln“, sagt Spuck kühl. „Meine Software arbeitet noch.“

„Dann schubs sie an“, knurre ich und plumpse zurück in den Sessel.

„Danke.“ Paolo lächelt Spuck an und in mir keimt – Eifersucht?

Wo kommt die denn her? Ich meine, ich liebe Paolo doch nicht, oder? Während Spuck den Traktorstrahl auf die ‚Volles Rohr‘ richtet, und das Raumschiff langsam empor zieht, beobachte ich Paolo. Er guckt auf den Monitor und sieht so – so unglaublich gut aus, dass sich mein Magen verkrampft. Diese Uniform mit den Pailletten – sie steht ihm. Ich krampfe die Finger um die Sessellehnen und gehe in mich.

Was ich dort finde ist nicht gut. Ein Chaos an Gefühlen, dem ich nicht gewachsen bin. Alles steht Kopf. Ich sehe uns – Paolo und mich – in enger Umarmung. Rieche ihn, schmecke und fühle nur ihn. Nein, es darf einfach nicht sein.

„Ich hab sie“, frohlockt Spuck.

„Wen?“

Irritiert gucke ich von Paolo zu meinem Wissenschaftsoffizier.

„Die ‚Volles Rohr“, sagt Spuck unschuldig.

Hat schon mal jemand einen unschuldig guckenden Voltagenen gesehen? Ich will diesen Anblick sofort wieder vergessen und schließe die Augen.

„Commander, ich habe die neuen Ergebnisse.“ Spuck zieht die Augenbrauen bedeutungsvoll hoch. „Das Abschleppmanöver wird uns drei Monate, sechs Tage und sieben Stunden kosten.“

„Danke, Spuck, das klingt doch schon besser. Können wir Warpgeschwindigkeit aufnehmen?“

„Sicher, Sir.“

„Gut, dann übernehmen Sie mal hier, ich muss mich etwas hinlegen.“

„Jawohl, Sir“, sagt Spuck, und ich stemme mich aus dem Sessel hoch und verlasse die Brücke.

Ich vermeide es, dabei Paolo anzusehen. Mein Herz tut weh und ich muss rausfinden, wieso. In meinem Zimmer leg ich mich aufs Bett und denke über die vergangenen Stunden nach. Es will mir immer noch nicht in den Kopf, wie ich den Virus am Ende besiegt habe. Sicher, ich hab dem Bedürfnis nachgegeben, mit Paolo rumzuficken. Außerdem war der letzte Sex anders, irgendwie viel – mir will kein Wort dafür einfallen. Vielleicht weigere ich mich auch, mich näher damit zu beschäftigen.



Ich gehe Paolo aus dem Weg und er mir. Das machen wir schon eine Woche, und die Mannschaft beobachtet uns mit zunehmender Nervosität. Selbst Spuck spart sich seine flapsigen Sprüche, das fällt sogar mir auf.

„Kork“, sagt Pulle nach den sieben Tagen, „ich muss mit dir reden.“

„Nun komm mir nicht mit irgendwelchen Diagnosen.“

„Tut mir leid, aber ich befürchte, das Virus kommt zurück, wenn du dich weiter gegen deine Bedürfnisse wehrst.“

Mein Schiffsarzt guckt so ernst, dass mir das Herz in die Hose rutscht. Muss ich etwa wieder mit Paolo in die Kiste, und wenn: Wie oft noch?

„Verdammt, Pulle. Wann bin ich denn endgültig geheilt?“

„Ich fürchte …“, er wiegt den Kopf und schüttelt ihn dann langsam, „… darauf habe ich keine Antwort.“

„Verflixt und zugenäht“, flüstere ich heiser.

„Captain, kümmere dich um deine Gefühle. Du gehst sonst ein wie eine Pflanze, die kein Licht bekommt.“

Pulles Worte verfolgen mich. Ich hadere mit mir und zieh mich nach dem Abendessen in mein Zimmer zurück. Spuck und der Rest der Crew kümmert sich um das Raumschiff, ich bin vorläufig außer Dienst, das hat mein Schiffarzt beschlossen. Mir geht es wirklich nicht gut. Das Brennen in meiner Luftröhre hat wieder eingesetzt und mein Magen rebelliert. Ob es Paolo auch so geht? Ich muss zu ihm und nachfragen.

„Paolo?“

Ich klopfe leise an seine Tür und mach sie einfach auf, als keine Antwort kommt. Er liegt auf dem Bett und guckt an die Decke, bewegt sich auch nicht, als ich eintrete und die Tür leise hinter mir schließe.

„Ich hab – das Brennen ist wieder da. Merkst du das auch?“

„Ja, aber das ist mir egal.“

„Wie meinst du das?“ Ich nähere mich dem Bett und ernte endlich einen kurzen Blick.

„Es ist mir egal. Was genau verstehst du daran nicht?“

„Du meinst – es ist dir egal, ob du stirbst?“

„Irgendwie schon“, flüstert Paolo und dreht sich auf die Seite.

Ich gucke seinen Rücken an und versteh gar nichts. Langsam sinke ich auf die Bettkante und spüre das dringende Bedürfnis, ihn zu berühren. Jetzt sickert langsam in mein Bewusstsein, was Pulle gemeint haben könnte. Ich will Paolo küssen und umarmen, weigere mich aber, das zu akzeptieren.

„Hau ab, Kork. Ich will dich nicht sehen“, raunt er.

„Paolo, ich fürchte wir müssen …“

„WIR müssen gar nichts!“ Er fährt herum und stiert mich böse an. „ICH muss gar nichts, und eins sag ich dir sicher: Ich fick nicht wieder mit dir, nur um diesen blöden Virus zu bekämpfen. Eher sterbe ich.“

Seine Worte tun weh. Sie versetzen mir einen Stich, der mich zusammenknicken lässt.

„So sehr hasst du mich?“

„James, du kapierst gar nichts, richtig?“

Ich schüttle den Kopf und weiß im Moment wirklich nicht, was ich denken soll. Dazu tut mir alles zu weh. Die Kehle und mein Herz schmerzen, mein Magen hebt sich und eine Decke der Trauer hat sich über mich gelegt.

„Hau ab, James. Ich will allein sein.“ Paolo mustert mich kurz, dann dreht er sich wieder um.

Ich glotze seinen Rücken an und kann mich nicht bewegen. Kann nicht weg hier und will es auch gar nicht. Langsam, wie in Zeitlupe, krieche ich auf die Matratze und lege mich hinter ihn. Er wehrt sich nicht gegen den Arm, den ich um seine Brust schlinge.

Es ist so schön, Paolos Duft einzuatmen. Ich trinke ihn in tiefen Zügen und fühle, wie die Symptome schwächer werden. Meine Finger bewegen sich selbstvergessen, streicheln über den Stoff seiner Uniform. Sie haben ein Eigenleben und krabbeln tiefer, bis sie sich unter das Kleidungsstück gemogelt haben. Die Berührung der nackten Haut tut mir gut. Eine Gänsehaut überläuft Paolo und er stöhnt leise.

„Lass das, Kork“, bittet er heiser.

„Ich kann nicht.“ Meine Lippen liegen auf seinem Haar, wandern dann zu seinem Ohr.

Ich knabbere sanft, dann fahre ich mit der Zunge in die Muschel und ernte erneut ein Stöhnen. Paolo wird immer unruhiger und ermutigt mich damit, meine Liebkosungen fortzusetzen. Ich streiche hinunter zu seinem Schritt und massiere die Beule, die ich dort entdecke. Meine Erektion presse ich gegen seinen Hintern und atme ihm dabei gegen den Hals.

„Verdammt, James, ich will das nicht“, flüstert Paolo und windet sich aus meinem Arm.

Er dreht sich um und guckt mir in die Augen.

„Ich will nicht dein Fickstück sein, kapiert?“

„Das bist du doch gar nicht.“

„Ach, was bin ich dann für dich?“

Der Moment der Wahrheit naht. Ich kann es fühlen, denke nicht mehr sondern bin nur noch Emotion, die sich jetzt mit aller Macht meldet.

„Ich hab Sehnsucht nach dir, will dich wieder so spüren, wie beim letzten Mal.“

„Was war denn so anders beim letzten Mal?“

„Es war – schöner als davor“, sage ich leise, wobei ich Paolo anlächle.

„Ja, das war es.“ Er seufzt, richtet den Oberkörper auf und stemmt sich auf einen Ellbogen. „Es war mehr als Sex. Für mich jedenfalls. James, du wirst mich gleich auslachen, aber mir ist langsam alles egal. Ich hab mich verliebt, in dich, und ich will keinen gefühlslosen Sex mit dir. Verstanden?“

Mit einem Mal ist alles klar. Meine Schmerzen sind nicht vom Virus verursacht, sie kommen von ganz woanders. Liebeskummer. Ich will lachen, gleichzeitig heulen und ganz sicher eins: Paolo.

„Ich glaub – mir ist das auch passiert“, quetsche ich aus meiner engen Kehle hervor.

„Was?“

„Das mit dem – verlieben.“

„James, verarsch mich nicht.“

„Tu ich nicht.“ Ich strecke die Hand aus und lege sie an Paolos Wange. „Bei den Sternen, das tue ich nicht.“

„Dann zeig es mir“, flüstert er, wobei er langsam den Kopf senkt.

Unsere Lippen treffen sich, zögernd zuerst und unsicher. Ich fahre vorsichtig mit meinem Mund über die zarte Haut von Paolos Lippen, bevor ich es wage, den Kuss zu vertiefen. Sternenexplosion, und dann eine wilde Fahrt durch ein schwarzes Loch. Ich keuche und ringe nach Atem, starre ungläubig in Paolos dunkle Augen. Mein Herz springt, mein Schwanz ist so hart, dass es sich nach Beton anfühlt, auch so schwer scheint er zu sein.

„James“, murmelt Paolo und es klingt, als würde er sein ganzes Gefühl in dieses Wort legen.

„Sag das nochmal“, bitte ich und packe seine Arschbacken.

„James“, wiederholt er und drückt seinen harten Ständer an meinen.

„Oh Mann, ich komm gleich“, ächze ich und zerre mir die Hose runter.

„Ich auch.“ Paolo guckt mich sehnsüchtig an, dabei schiebt er sich die Hose von den Hüften.

Wir befreien uns ungeduldig von allem Stoff, starren uns dabei an und fallen dann übereinander her. Es kann nicht schnell genug gehen, dennoch halte ich einen Moment inne, vor ihm kniend, um ihn zu betrachten. Paolo lächelt, seine Locken fallen ihm wild ins Gesicht. Seine Augen strahlen und ich sehe, wie sich seine Brust schnell hebt und senkt. Mein Blick gleitet zu seinem Schwanz, der dick und prall vor seinem flachen Bauch pocht. Dieser Kerl ist so schön, und er gehört mir. Ich beuge mich vor und gucke ihm in die Augen, während ich meine Schwanzspitze in seine hintere Öffnung dränge.

Paolo hält nichts zurück, zeigt mir offen seine Lust, seine Sehnsucht und seine Liebe. Ich nehme ihn, erobere seinen Körper und gebe gleichzeitig mich. Ein wahnsinnig intimer Moment, der mich glücklich macht und schweben lässt.

„Paolo“, raune ich und küsse ihn zärtlich, während ich meinen Schwanz in ihn stoße.

Er stöhnt und seufzt, umschlingt meinen Nacken mit einem Arm. Eine Hand legt er an meine Wange, und so schliddern wir auf den Gipfel zu. Unser Keuchen kommt simultan, auch unsere Anspannung wächst im gleichen Maße. Ich starre in Paolos Augen und fühle ein Kribbeln, das mir den Rücken herunterläuft und sich rasend schnell meinen Eiern nähert.

„Ich – komm“, kann ich noch ächzen, dann strömt es aus mir heraus.

Alles vermischt sich. Unser Atem und unsere Säfte. Paolo spritzt zwischen uns, mit verzerrtem Gesicht. Ich fülle ihn mit meinen Samen und umklammere dabei seine Schultern, damit ich nicht wegfliege und ganz nah bei ihm bleib. Wie eine Skulptur sind wir für Sekunden so erstarrt und schweben in einer Traumblase, bevor ich völlig fertig zusammenklappe.

Paolo umarmt mich, seine Lippen treffen meine Schläfen und küssen mich sanft. Es fühlt sich so gut an, dass ich heulen könnte. Ich lass mich von ihm halten und warte darauf, wieder zu Atem zu kommen.

„Was machen wir nun?“

Paolos Wange liegt auf meiner Brust. Er malt kleine Kreise mit dem Finger auf meine Haut.

„Immer zusammen in einem Bett schlafen, uns küssen und jeden Tag geilen Sex“, sage ich lachend.

„Nein, ich meine, ein Schiff kann nur einen Captain haben.“

„Ach so, ja.“

„Unsere Wege werden sich also trennen, wenn wir zurück auf der Erde sind“, flüstert Paolo, hebt den Kopf und guckt mich traurig an.

„Auf keinen Fall. Ich koche auch ganz gern, vielleicht willst du mich bei dir einstellen.“

„Du spinnst.“ Er lächelt unfroh.

„Wir finden einen Weg. Ich will nicht mehr ohne dich sein.“

Ich ziehe Paolo ganz eng an mich und überlege, wie weit der Beamstrahl geht. Ob ich mich jeden Tag zu ihm beamen lassen könnte? Nein, wohl kaum.

Das Ende naht



Nur noch eine Woche, dann sind wir zurück auf der Erde. Spuck macht seine Arbeit gut, ich hab ausreichend Zeit, mit Paolo unsere Liebe zu feiern. Vielleicht sollte ich meinem Wissenschaftsoffizier das Ruder ganz überlassen. Pulle hat gestanden, dass er mich belogen hat, der Schelm. Allerdings rechtfertigt das Ergebnis seine unlauteren Mittel, ich bin ihm nicht böse.

„James, ich hab mir überlegt, dass ich gern als Offizier auf der ‚Entente Brise‘ mitfahren würde“, verkündet Paolo abends.

Ich bin gerade dabei mich auszuziehen und stocke nun in der Bewegung.

„Aber – dann wärest du mein Untergebener.“

„Macht nichts, ich liege gern unter dir.“

Paolo lacht und mein Herz hüpft vor Freude. Ich streife schnell meine restlichen Sachen ab und rutsche zu ihm aufs Bett.

„Ich liebe dich, hab ich dir das schon mal gesagt?“, raune ich zärtlich.

„Viel zu selten.“ Paolo zieht mich in seine Arme.

Korks Tagebuch:


Wir schreiben das Jahr 2313. Ich fühl mich so gut, wie noch nie. Jeden Tag Sex, und das mit einem Kerl, der mein Herz im Sturm erobert hat. Paolo strahlt vor Glück und – was soll ich sagen – es steht ihm sehr gut. Am besten dann, wenn er sonst nichts trägt.

Die ‚Volles Rohr‘ haben wir in der Werkstatt abgeliefert. Man sagt, die Reparatur wird einige Zeit in Anspruch nehmen. Ich mach erst mal Heimaturlaub, mit meinem Liebsten. In den ‚goldenen Hyperhirsch‘ will ich auch, aber nur, um mit meiner Eroberung zu prahlen. Ach ja, das Leben ist schön.

Ende Kork.

Impressum

Texte: Sissi Kaiserlos
Bildmaterialien: shutterstock Lars Rogmann
Tag der Veröffentlichung: 22.03.2013

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