Cover

Peter Lind

Ich saß dann da

denk immer
gedanken
wozu nützen sie
hinter einem gesicht
eingeschliffen
lautlos und verwirrend
im loch
persönlicher anwesenheit
die fragen
durch meine seele ziehen
der zahllosen augenblicke
die erlebt
einfach so
beiseite gewischt
um die vergangenheit auszuschließen
in der gewesen
was ich fühle
und mir gehört
mir alleine
wie ein zementklotz
dieses graue
langsame verlöschen
meiner traurigkeit
macht nur die entfernung klar
hinter der tür
die geschlossen
mit der liebe
in mir
muß ich durch
denn fallen
kann ich nur auf mich selber

Preisgeld

die schätze des innern
zwingen die dummheit
schwerbehangen
in die knie
 

Staudamm

freundlicher blick
hinter zur schau getragenem lächeln
knirschend
wie rostiger sand
jenes andere gesicht
dahinter
bleibt nichts
außer dem eindruck
nachlässig arrangierter echtheit
tut weh
mit offenen augen
zu hören
mein denken
erschreckend häufig
die erfahrung
nun stehe ich da
und spüre
den rostigen stacheldraht
und die angst
mich nackt zu zeigen
im schmerz
meiner trüben tiefe

Impressionen

Erkenntnis

es ergibt sich
ganz selten
bei einem menschen
die gelegenheit
der eigenen tiefen empfindung
und je mehr
ich die zusammenhänge begreife
sinnlich erfahre
desto radikaler mein rückzug

Schließlich

gepflegt
neige ich zur stille
annäherung
ohne sie zu fassen
blendend eng
pulsierendes würgen
hinter dem denken
das kotzen
der ganzen leere
warum eigentlich nicht
den zeitsprung
ich habe nichts
außer der geschichte meiner haut
und die möglichkeit
geradewegs zu ändern

Erwünscht

 
endlos lange reihen
gedanken in der warteschleife
graugrüner horizont
im eismeer der gefühle
leblos wie computersprache
menschenwort
aus menschenmund
löst euch auf
im nichts eurer leere
und die nebelschwaden werden vergehen
vor dem lichte
grenzenloser weite
will ich das schweigen hören
 

Aber nicht heute

willst du mich verstehen
meine gefühle fühlen
meine leiden leiden
meine freude genießen
so lasse mich tauchen
in den stapel aus löschpapier
 

Impressionen

 
 

Intellektuelle Leistung

ich male blumen auf deinen körper
der wind
trägt die gelben dunklen wolken
unter den schatten der sonne
regentropfen bedecken
ich suche dich
stelle keine fragen
tropfe ab
und nehme meinen platz ein

Abfindung

ein stück himmel
über mir
halte ich frei
um nicht zu verirren
beim finden
um nicht zu verlieren
den schritt
im auf mich zugehen
 

In einem Moment

Es war hell
Draußen
Als sich das Erwachen
Vor den Traum schob
Die Worte sich wiegten
Und ich mich mit ihnen
Als würde nichts gesprochen
Bis es wirklich still
Wußte ich
Es war nichts
Nur Anfang

Berühre erst dann

ich habe dich gefunden
häufe zärtlichkeit
auf deine kalten schultern
und hülle deine sinne
in weiches verstehen
das glück
eine unbeschreibliche melodie
der herzschlag
ein rhythmischer takt
das licht
schenkt einen gemeinsamen schatten
deine gedanken
streicheln meine haut
der wind haucht ein du
wir küssen den himmel

Impressionen

 
 
 

Stellung

aus schlichtem heim
der weg zur arbeit
heiter banal
täglich trauriges vergnügen
trügerischer nützlichkeit

Mechanisierte Zeit

stillstand
zwischen trümmern
einer untergehenden welt
vergessen wir
verhängnis und schicksal
kennen wir
keinen moment des friedens
besitzen wir
nicht den geringsten glauben
funktionieren wir
weder im körper
noch im geiste
handeln wir
nicht als individuen
sondern
als mikroben
eines kranken organismus
und erfinden
die instrumente
unsere eigenen vernichtung

Privat

ich schließe die tür
meine gedanken
fragenden blickes
schweifen sie umher
sehe mich im spiegel
schattenflecken
dämmerstunde
meine einsamkeit in der leere
sich ameisenhaft ausbreitet
verbunden
mit aufkommenden gefühlen
von mattheit
enge
traurigkeit
unzusammenhängende bruchstücke
einer unvollendeten sinfonie
meine vergangenheit
die vorbeisegelt
meine hand
die ins leere greift
ich öffne die tür
meine gedanken
fragenden blickes
schweifen sie umher
der rest ist unwichtig
 
 
 

Impressionen

 

Und es war taghell

irgendwoher
der ruf
eines olivgrünen vogels
das atmen
eines versteckten rinnsals
laute der natur
rosa gefärbt
wie aufgenäht
fügen sich die formen
zu einem ganzen
fern allem dunst
fast schwebend
ohne reglos zu verharren
in der mitte angelangte
neue richtung
entwirrtes andere
voll aufgeräumtem tiefenlicht
das schwingende fließen der impulse
was mich bannt
im raum ohne fenster
gehen mir die worte aus

Wir Menschen sind Narren

eine schöne klare nacht
mein blick forschend und sehnend
sich gen himmel richtet
der in seinen unermeßlichen räumen
sich über mir wölbt
der schein des mondes
aus der tiefe des wassers
spiegelbild
geheimnisvolle unbekannte ziele
tief und klar
licht und finsternis
wellental der gefühle
der zeiger der uhr
dreht einsam seine runden
da bin ich wohl doch nicht alleine
die frage nach dem warum
ein anderer ort
verlagerung
und doch ist diesmal alles anders
wo du auch ankommst
es erwartet dich
weggehen ist ankommen
 
weil du anders bist
habe ich dich gefunden
häufe zärtlichkeit
auf deinen kalten schultern
und hülle deine sinne
in weiches verstehen
voll glück
in diese unbeschreibliche melodie
den mehrfachhöllen
und höhenflügen 
 
 

Komödienstadel

wo ich auch hinblicke
etwas passiert immer
im leben
das sie sich vergällen
privattragödie als überdruß
im überfluß
eine atmosphäre voller unheil
enttäuschung
unzulänglichkeit
gesättigte läuse
haben sich eingebohrt
unter der haut
da hilft auch kein kratzen
doch irgendwie
bin ich belustigt
drei akkorde
abgesang

Impressionen

Sternlose Nacht

entfachte liebesglut
unterm kirschbaum
berauschend
hingestrecktes fühlen
über der zartheit
deiner nackten haut
zauber und macht
folterbank der lust
raubtierhaft
die lippen deines weichen mundes
in gieriger eile
warte liebste
bis die sonne wieder scheint

Ballgeflüster

lachen und weinen
hoffen und irren
hassen und lieben
ein verworrener tanz
im bunten reigen der masken
beim karneval des lebens
wer will sich da noch zurechtfinden
 
 
 
 

 

 
 
 

Ich liebe dich

nein
sagt dein mund
entzieht sich dem
was noch alles war
und füllt verräterisch
den leeren raum
als wär er fleischgewordener stein
und der wunsch
bleibt totes gefühl

Bitter oder leicht

betäubender rhytmus
begleitet
vom tanz der massen
überquellende räume
im taumel der erregung
äußerste grenze
physischer lust
alles kommt schnell
gehen braucht zeit
durch die flamme des lebens
ein andermal
meine lebensabschnittsgefährtin

Impressionen

Erosion

im zyklus
von geburt und tod
bin ich kühl
zeitlos nie
ich selbst
im rad des lebens

Herbstsommer

wolkig düstere tage
die sich eintrüben
getragen
von der eigenen schwere
dick undurchsichtige stille
von düften eingeschläfert
die rötliche färbung des laubes
noch unschlüssig
von den zweigen zu fallen beginnt
kündet an
ein vorgefühl
herbstlicher offensive
 

Regentage

mit meinen düsteren sinnen
mißmutig verschlossen
warte ich
auf zärtliches frühlingserwachen
auf heiter warmes blau
das die landschaft
neu erblühen lässt
zeitumstellung

Betrachten

sitzendes schweigen
hörst du mich
nicht über
an mich denke ich
schien mir
in solch tiefer ruhe
und erkannte
war da nicht das wesentliche
ganz deutlich
nachdem alles andere vergessen

Impressionen

Unverhofft

ich verliere mich
in der zeit
die sich auflöst
ich möchte mit dir schweigen
bis das chaos
wieder hergestellt ist
du bist mein chaos
ich möchte mich recken
in deinem schoße
einer wirklichkeit
die ich beschreiben kann

Dämmerstunde

erloschenes blau
schimmernde träume
die zerfließen
eine raupe
kriechend
wie ein küstenschiff
wirre muster
ohne ordnung
schattierungen in schwarz
wo ist hier
da will ich hin

Ich auch

du warst so jung
so anmutig schön
als ich dich traf
ich nahm deinen körper
um die schönheit zu besingen
die dich umgab
du warst mein
ich nahm es wohl zu ernst

Peter Lind

 
spur
 
gibt es die zeit
für andere
für mich
ist sie zerbrochen
an der lüge
in tausend stücke
und körper
       

Impressum

Texte: peter lind
Bildmaterialien: peter lind
Tag der Veröffentlichung: 03.10.2013

Alle Rechte vorbehalten

Widmung:
Ich widme dieses Buch meinen Eltern, wo immer eure Seelen sich befinden und meinem Sohn. Ich liebe Euch

Nächste Seite
Seite 1 /