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Max Radler's Erlebnisse auf seinen Radtouren

 

 

Vorwort:

Alles Geschriebene basiert auf wahren Erlebnissen. Wer das Tagebuch rechtschreibliche und grammatikalisch auf Perfektion und Fehler prüft, wird sicher an der einen oder anderen Stelle fündig. Entsprechend beschlossener und wieder geänderter Rechtschreibreformationen ist das nicht die erste Priorität im Tagebuch. Auf den Inhalt kommt es an. Beschrieben sind viele Erlebnisse nicht mit erhobenem Zeigefinger sondern eher mit einem Augenzwinkern ;-). Begonnen wurde 2008. Viel Spaß beim Lesen...


Es war einmal ein Fahrradfahrer, nennen wir ihn Max Radler. Wenn er überfahren worden wäre, schriebe ich in der Vergangenheitsform. Aber die Vergangenheitsform ist nicht richtig, denn viele, (auch lebens-)gefährliche Situationen haben er und seine Fahrräder überlebt, weil er selbst meist umsichtig genug war.
Es gibt ihn also immer noch und er strampelt Tag für Tag seinen Weg zur Arbeit in einer 100.000 Seelen Stadt, also fast einer Großstadt mit wunderschönem großen Schloss und vielen Seen in der Stadt und drum herum. Herrliche Radwege führen um die Seen und durch die Stadt. Aber das ist nur ein Traum.

Tagtäglich fährt Max Radler seinen Weg von der Peripherie der Stadt, wo er sich mit seiner Familie vor vielen Jahren ein Häuschen erbaute, zur Arbeit in das Stadtzentrum. Aber auch zu kleineren Einkäufen nutzt er das Rad und freut sich auf größere Touren mit einem Verein. Max Radler verkauft Hotelbetten, Flugzeugplätze, Mietwagen und alles andere was man so für einen rundum gelungenen Urlaub braucht. Und da fährt er in verschiedene Büros. Rund 13 Kilometer ist er dann täglich auf dem Rad zum und vom Dienst unterwegs.
Er ist seit vielen Jahren verheiratet mit einer Radlerin, die so manches Mal in seinem Windschatten hinterherfahren muss, aber somit auch ganz gut vorankommt. Nur der Vollständigkeit halber: manchmal fährt Max auch Auto und kennt also auch die Perspektive der Autofahrer.
Vor kurzem erwarb Max Radler ein schönes Tourenrad, da das alte Rad eines Kaffeerösters bereits nach zwei Jahren einem Vielfahrer nicht mehr Stand hielt und sich durch eine nicht mehr zu beherrschende und zu behebende Geräuschkulisse bemerkbar machte. In einer Reihe vieler Räder im über fünfzigjährigen Radlerleben, teils einfach technisch überholt, teils dreistem Diebstahl zum Opfer gefallen, ist das Rad nun auf dem neuesten Stand der Technik. Übrigens, eines seiner Räder, einst einmal bei einem Lebensmitteldiscounter erworben, ließ er durch die Polizei codieren. Es wurde trotzdem entwendet. Ein Jahr nach dem angezeigten Diebstahl, Max hatte sich längst mit einem neuen Rad versorgt, rief ihn die Polizei aus Hannover an. Sie hätte das Rad gefunden und fragte was damit geschehen solle. Es sehe allerdings nicht mehr so gut aus. Da es die Diebsstahlversicherung bereits bezahlt hatte, verzichtete Max auf das Rad und gab es frei.
Aber zurück zum neusten Stand der Technik. Wie sich bereits nach wenigen Tagen, bezüglich der guten Bremswirkung des neuen Rades, herausstellte war die auch bitter nötig.


Wenn einer eine (Rad-)Reise tut kann er auch etwas erleben.
Und deshalb schreibt Max Radler seine Erlebnisse in seiner Stadt, auf seinen Wegen mit dem Fahrrad ab jetzt hier auf.

06. Oktober

Max Radler fährt stadtauswärts von der Arbeit und freut sich auf seinen Feierabend. Er weiß, dass er eigentlich bis zu einem bestimmten Abzweig auf der falschen Seite auf dem gemeinsamen Fuß-Radweg fährt, tut es trotzdem aber auch umsichtig, um auf dem Nachhauseweg einige Ampeln zu sparen. So ticken sie nun mal die Radfahrer, weiß er auch von seinen Mitradlern. Ampeln werden möglichst gemieden, zumal auch deren Masten, auf den Fahrradwegen positioniert, nicht gerade zur Sympathie beitragen.
Angekommen am genehmigten Teil der Strecke geht es bergab. Max gibt Tempo auf’s Rad und lässt sich rollen. Stopp! Unsanft wird der vorwärtsweisende Tatendrang ausgebremst durch einen PKW. Der schießt unvermittelt, ohne den von rechts kommenden genehmigten Radverkehr zu beachten, aus einem Parkplatz auf die Straße. Die guten Bremsen sorgen dafür, dass Max, wenn auch querstehend, noch rechtzeitig zum Stehen kommt. Ob mit einem Lenkerende eigentlich eine PKW Scheibe zu Bruch geht? Max lässt den Gedanken wieder fallen.

08. Oktober

Max Radler liebt sein Fahrrad aber auch das Organisieren. Deshalb hat er mit seinem Verein und der Polizei als Partner einen Beleuchtungsscheck organisiert. Viele Radler nahmen das Angebot an und lassen sich Ihre Beleuchtung wieder in Ordnung bringen. Ganz hartnäckige „Patienten“ müssen jedoch zum Mechaniker verwiesen werden.
Auf der Heimfahrt, da sperriges Material transportiert werden muss, diesesmal mit dem PKW unterwegs, zählt Max Radler die beiderseits der Straße ohne Licht fahrenden Fahrradfahrer. Er nennt sie „Schwarzfahrer“. Bei zehn Gezählten hört er auf und zweifelt am Sinn der gerade zu Ende geführten Aktion.


13. Oktober

Max Radler, ich werde ihn der Einfachheit halber ab jetzt Max nennen, hat heute frei. Für die Versorgung der Fische im Gartenteich ist das Futter ausgegangen, im nahegelegenen Baumarkt aber zu erstehen. Also setzt sich Max auf sein Fahrrad und kauft ein. Er nimmt aber noch einen Umweg auf der Rücktour. An einer viel befahrenen Kreuzung stadtauswärts signalisiert eine Ampel für Radfahrer und Fußgänger leuchtendes Grün. Also das Tempo beschleunigt um die Grünphase noch auszunutzen.
Mit dem Vorderrad bereits auf der Straße, biegt plötzlich ohne Vorwarnung ein LKW eines Umzugsunternehmens nach rechts ab. Vollbremsung, Rad zurückgezogen uff …. ausatmen. So ein LKW Anhänger schlüge einem vermutlich schwerer als erwartet auf den Magen oder andere Körperteile.
Der LKW biegt auf einen angrenzenden Parkplatz ab und kommt zum Stehen. Max nimmt die Gelegenheit wahr,  fährt zum gerade aus dem Fahrerhaus steigenden Fahrer und redet ihm ins Gewissen, nicht unfreundlich aber bestimmt. Dieser nimmt es sichtbar leicht geschockt entgegen. Ein Autofahrer mit einem DU Kennzeichen hält mit offenem Fenster hinter Max und meint im Beisein des Fahrers, dass Max noch einmal Glück gehabt hätte. Der LKW Fahrer geht weiter in sich.

15. Oktober

Bei Max klingelt um 10.00 der Versicherungsvertreter. Vieles wird besprochen Verträge aktualisiert, gerade auch Unfall- und Fahrradversicherung.

16. Oktober

Max fährt wie gewohnt zur Arbeit. Es gibt seit einigen Wochen stadtein- und auswärts eine Fahrradspur auf der Straße, die auf einer sehr befahrenen Kreuzung endet. Etwa 100 Meter vor der Kreuzung wird der Fahrradfahrer in die Geradeausspur geleitet und kommt bei roter Ampel inmitten des Autoverkehrs zu stehen. Max fährt entsprechend der Markierung in die nicht mehr extra für Fahrradfahrer ausgewiesene mittlere Geradeausspur.
Kaum nach Ende der Markierung biegt ein PKW so kurz vor Max in die Spur, dass ihm wiederum nur eine Vollbremsung bleibt, um nicht mit dem PKW zu kollidieren. Max ist in Rage und trommelt dem PKW auf das Heck mit der Reaktion, vom Fahrer behupt zu werden. Der Rest des Weges verläuft „friedlich“.
Ein Telefonat beim Versicherungsvertreter zur Abklärung von Unklarheiten aus dem Vortagesgespräch ergab, dass er zufällig auf dem Weg in sein Büro hinter dem besagten PKW stand und die Situation beobachtet hat. Also hätte Max auch dieses Mal einen Zeugen gehabt. Max denkt kurz nach mit dem Ergebnis, Zeuge gut und schön, aber wenn der gebraucht wird ist es zu spät, vermutlich für den Radfahrer.

Max ist rein alterstechnisch im “Mittelalter” angekommen, hat sich also die Hörner schon einige Jahre abgestoßen  ist also aus dem Alter raus oder noch nicht wieder drin, um sich beweisen zu müssen.
Dennoch bewundert er einen etwas betagteren Radler, der stolz berichtet, am Tag wieder einmal über 100 Kilometer unter die Reifen gebracht zu haben. Dessen Mitradler beschweren sich regelmäßig.
Ergebnis der Beschwerde: beim nächsten Mal wird es noch mehr an Strecke. Aber man ist wieder dabei. Wird Max eines Tages auch so ein (Un-) Ruheständler?

06. November

Max fährt wieder zur Arbeit heute zur Frühschicht in das Stadtzentrum. Da seiner Meinung nach die ausgewiesene Fahrradspur auf der Straße stadteinwärts zu spät beginnt, biegt er bereits, den Nachfolgeverkehr beachtend, eine Ampel früher auf die doppelspurig befahrene Straße. Der begleitende Fussgängerweg ist sehr schmal, so dass sich dort eigentlich kaum parkenden Autos, Fussgänger und Radfahrer so richtig aus dem Wege gehen können. Dennoch weist ein Verkehrsschild aus, der Radler dürfe den Fussweg benutzen. Müssen, muss er es nicht.
Dieser Tatsache ungeachtet tritt ein Corsafahrer hinter Max geräuschvoll auf das Gaspedal. Bei der nächsten Möglichkeit vorbeizufahren kurbelt ein sehr junger Fahrer die Scheibe herunter, um Max mit dem Hinweis belehren zu wollen, er gehöre auf den Fussgängerweg. Was lernen die jungen Leute in der Fahrschule? Bei dem Schild Radfahren auf dem Fussgängerweg erlaubt, aber keine Pflicht hat er wohl gefehlt.

 




04. Dezember


Max fährt nach seiner gegen 20.00 Uhr endenden Spätschicht in den Feierabend. Bereits am ersten Abzweig muss er auf den Geheweg, der in der Gegenrichtung der Einbahnstraße für Fahrradfahrer freigegeben ist. Da entsprechend schmal, fährt er hier auch vorsichtig um die Fußgänger nicht zu gefährden. Dennoch unerwartet tritt eine Frau und ein Mann aus einem Hauseingang, die Frau mit dem Kommentar, es sei doch kein Radweg. Im Vorbeifahren kommentiert Max für die Frau, dass dieser Fußweg auch für Radler freigegeben ist und erntet ein hämisches Lachen.

23. März

Max ist am Abend wieder auf dem Heimweg. Mistwetter, aber das macht ihm nichts aus. Dennoch will er schnell ins Trockene und hat entsprechend Geschwindigkeit drauf. Aus einer Ausfahrt kommt aus Richtung Automeile ein PKW. Max bremst scharf und nimmt noch wahr wie die Beifahrerin erschrickt und ihrem Mann am Lenkrad zuruft: “Radfahrer”. Max kommt wieder einmal unbeschadet zu stehen.
Er kennt die Situationen mittlerweile zur Genüge und macht sich nun manchmal einen Spaß daraus, die Autofahrer zu erschrecken in der Hoffnung, dass ein solcher Schreck noch einige Zeit "erzieherisch" nachwirkt.
Beim Weiterfahren öffnet der Fahrer die Tür mit der Bemerkung, er hätte mit seinem Auto schon vor Max auf dem Radweg gestanden.
Mag ja sein, aber warum und welchen Sinn macht diese Aussage ? Fakt ist, das Vorfahrtsschild mit zwei Pfeilen für Radverkehr aus beiden Richtungen steht vor dem mit roter Farbe gekennzeichneten Radweg.

26. März

Aber nicht immer sind es die anderen, die nicht auf die Radler aufpassen, muss Max leider eingestehen. Wieder im Dunkeln unterwegs ist er mit den Gedanken wohl schon daheim. Jedenfalls übersieht er, warum auch immer, beim Überqueren der Fahrbahn ein herannahenden PKW und fährt mit dem Rad seitlich in Selbigen, bleibt aber aufrecht und kommt parallel zum Auto zum Stehen.
Der junge Fahrer hat super reagiert mit einer Vollbremsung, stieg aus und fragte ob Max etwas passiert wäre. Der konnte glücklicherweise verneinen. Und auch eine gute deutsche Fahrradmanufaktur hat Wertarbeit geleistet. Keine Schramme am Rad.
Nachdem eventuelle Schäden am Auto im Dunkeln nicht festgestellt wurden, Visitenkarte an den Fahrer des PKW überreicht für eventuelle Eventualitäten und die Fahrt ging weiter. Leider ergab sich am nächsten Tag im Hellen dann doch, dass der PKW an der Stoßstange beschädigt wurde. Versicherung benachrichtigt und die Haftpflicht würde es regeln. Alles in allem Glück gehabt.
Für Max nur eine leichte Zerrung im Bein und eine leichte Quetschwunde am Daumen, die er aber auch erst am nächsten Tag bemerkte. Ob es an dem Schutzengel lag, den Max von seiner Frau geschenkt bekam und den er seither immer im Portmonee dabei hat?

Mai 09

Max fährt mit seinem Verein gemeinsam mit seiner Frau auf der alljährlichen Himmelfahrtstour mit. Nach ca. 50 km jedoch streikt seine Frau, während die anderen Radler sich munter, die hügelige Landschaft bewältigend, weiter von der Unterkunft entfernen. Max, ebenfalls unter den Voranfahrenden, kehrt um und tröstet seine Frau, die aufgibt. Also umgedreht und in aller Gemütlichkeit nach einer kurzen Stärkung zurückgeradelt.
Max kommt auf die Idee, einmal die Fahrräder zu tauschen und bemerkt schnell, dass es mit dem Rad seiner Frau viel beschwerlicher ist voranzukommen und seine Frau bemerkt das Gegenteil auf Max’ Rad. Die 10 Kilometer auf dem Damenrad bescheren Max einen gehörigen Muskelkater. Also wird sich schnellstmöglich von dem vollgefederten Rad eines Discounters, der eigentlich für Lebensmittel zuständig ist, verabschiedet und schon am Montag in ein neues Markenrad aus dem Fachhandel investiert. So wird aus der hinterherradelnden Ehefrau dann eine “Nebenherradelnde”.

31. August

Mit einer kleinen Gruppentour wird eine Fahrradaktion sozusagen “abgeradelt”, also beendet. Max fährt zum Stellplatz. An einer Kreuzung in Richtung Innenstadt, die Ampel zeigt Grün für Fußgänger und Radler, fährt er auf die Straße, während die Autos sowie die Straßenbahn an der roten Ampel die Vorfahrt gewähren müssen.
Plötzlich jedoch schießt ein roter PKW, gefahren von einer jungen Frau aus der Gegenrichtung um die Ecke, so dass Max wieder einmal, da ihn bloß noch eine Vorderradlänge vom PKW trennt, mit einer Vollbremsung zum Stehen kommt und kopfschüttelnd und etwas geschockt die Überquerung der Straße fortsetzt. Trotz lautem Klingeln blieb die PKW Fahrerin sichtbar unbeeindruckt. Oder hat sie Max wirklich nicht wahrgenommen? Da Max noch eine leuchtendgelbe Warnweste trug eher unwahrscheinlich. Und so hat Max wieder einmal Glück gehabt und wieder gab es viele Zeugen.


25. September

Max hat sich entschlossen sein Frontscheinwerfer “upzugraden”. Im Internet gegoogelt gibt es Preisunterschiede von bis zu 20 Euro. Beim preiswertesten Händler bestellt wird das Päckchen bereits nach zwei Tagen geliefert.
Max tauscht den alten Scheinwerfer gegen den neuen aus und freut sich am nächsten Tag nach der Spätschicht auf den Heimweg im Dunkeln.

26. September

Max radelt mittlerweile im Dunkeln nach Hause und ist begeistert vom neuen Scheinwerfer. Er sollte nun noch besser wahrnehmbar sein, aber wiederum nimmt ihm ein aus der Ausfahrt einer Automeile kommender Mercedes die Vorfahrt. Am besseren Licht kann es nicht gelegen haben. Kopfschüttelnd setzt er seine Heimfahrt fort und kommt vollends in die dunklen Bereiche ohne Straßenbeleuchtung. Hier zeigt das neue Frontlicht so richtig seine Stärken in wunderbarer Ausleuchtung vor dem Fahrrad. 40 Lux statt 17 sind doch bemerkenswert.

Nun muss Max noch durch eine kurze dunkle Gasse. Unversehens kommt ihm aus dieser Gasse ein Radler entgegen mit Hund, beide unbeleuchtet, aber mit Tempo. Ein Crash mit dem entgegenkommenden Radfahrer konnte gerade eben noch verhindert werden. Max kann nicht anders, er brüllt den “Schwarzfahrer” an: Licht an!!! Nach 200 Metern schiebt er sein Rad auf den Hof.

7. Oktober

Max schlägt wie jeden Morgen am Frühstückstisch die Tageszeitung auf. In den Polizeimeldungen liest er, drei Fahrradfahrer kamen bei Unfällen zu schaden, weil diese auf der falschen Seite bzw. ohne Licht unterwegs waren.

8. Oktober

Die Lemminge sind wieder unterwegs, sinniert Max, als er nach seinem Dienst, nunmehr im Dunkeln geradelt zu Hause angekommen ist und drei unbeleuchtete Radler beinahe tuschiert hat. Von den “Schwarzfahrern” trugen zwei auch noch dunkle Sachen und das Wetter mit Nieselregen sorgte auch nicht gerade für Weitsicht.
Max Beleuchtung ist weit zu sehen und außerdem hat er an den Packtaschen am Helm und selbst an der Fahrradjacke reflektierende Flächen, gleicht also angestrahlt fast einer mittelprächtigen Weihnachtsbeleuchtung.
Die Lemminge die Max meint, sind die aus einem Comic , der den kleinen Fantasiefiguren andichtet, sie würden mit Vergnügen über Klippen in den Abgrund springen oder andere selbstmörderische Varianten suchen und finden. Nur, denkt er sich, die auf den Straßen sind viel gefährlicher, weil sie im Ernstfall auch andere “mitnehmen”.

Mai 2010 Max wurde infiziert

Da Max auch ein Freund der Technik ist und sich immer auf dem Laufenden hält, hat er sich ein neues Spielzeug zugelegt, ein GPS-gestützen Fahrradcomputer oder besser ein "Wander-Radfahr-Streckenvorbereitungs- und Aufzeichnungsgerät". Nachdem er dieses unter die Lupe nahm fand er ein für ihn unbekannten Button auf dem Bildschirm mit der Bezeichnung Geocaching. Was ist das?
Bei Herrn Guggle nachgeschlagen wurde ihm erklärt, dies sei eine moderne Schatzsuche mit Hilfe von Koordinaten und zum Aufspüren könne man dieses Gerät benutzen. Das hat Max ausprobiert und es hat Spaß gemacht. So wurde er infiziert vom Geocaching-Virus, also zum Schatzsucher.
Ist der Virus eigentlich ansteckend?
Ja, denn schon nach kurzer Zeit hat er seine Frau damit infiziert. Es ist lustig anzusehen, wenn Max mit seiner Frau durch Wald und Flur radeln, absteigen und ins Gebüsch kriechen zum „Schatz“ suchen und oft auch finden. Dann muss der Fund im Logbuch am Cache und später im Internet eingetragen werden. Caches gibt es übrigens recht unterschiedliche von Einfachen z.B. an Baumwurzeln bis zu Cashes auf Türmen oder an Stellen die beschwerlich zu erreichen sind, aber auch Kleine, Kleinere und Größere.
Und Pssst…., man darf sich dabei nicht beobachten lassen, die Uneingeweihten (Muggels) bleiben außen vor.
Bei einer letzten Caching Tour bekam ein Imbissbesitzer große Augen als Max und seine Frau ihm erzählten, dass Sie auf Schatzsuche seien und schon fündig wurden.
Max hat selbst drei dieser "Schätze" in der näheren Umgebung versteckt.
In einem Fahrradurlaub im Ruhrgebiet werden Geocachs, die auf dem Wege liegen, gehoben und am Abend in das Internet-Logbuch eingetragen. Einer davon heißt "Verwelkt" an einer stillgelegten Gärtnerei. Am kommenden morgen liest Max seine Mails und ist überrascht. Die Eigentümer (Owner) dieses Cashes sind tatsächlich ohne voneinender zu wissen oder sich zu kennen grad in seiner Heimatstadt unterwegs und hoben unter anderem auch Max´ Geocashes.

April 2011 Max fährt Bahn

Max Auto, das er für die „Berufspendelei“ nutzt kam in die Jahre und so beschloss er es zu verkaufen und ein Neues zu erwerben. Das Alte war schnell verkauft aber das Neue harrte noch eines Autogasanlageneinbaus in der Werkstatt.

Nun musste Max in eine 50 km entfernte Kreisstadt die An- und Abreise organisieren. Für den Montag der Arbeitswoche entschloss er sich, mit dem Fahrrad „bewaffnet“, die Bahn zu nehmen. Ola, was ein Service. Der Lokführer auf dem Bahnhof in der Gegenrichtung sagte schon mal Bescheid, dass der Zug etwas später kommen würde. Kein Problem. Max hatte ca. eine Stunde zusätzliche Zeit eingeplant. Er würde geplant um 8.00 Uhr in der Stadt ankommen und könnte um 9:00 Uhr bequem sein Büro für die Kunden aufschließen. Die Gästebetreuerin oder Zugbegleiterin, so hatte man das Gefühl, kümmerte sich um jeden Fahrgast persönlich.

Es kam anders.

Vor der 4. Station stadtauswärts stoppte der Zug. Durchsage des Zugführers: Ursache sei ein Problem mit der Weiche und ein technischer Defekt eines vorausfahrenden Triebwagens.
Immer noch entspannter Hoffnung dass sich das schnell klären könne, packt Max sein Frühstück aus und labt sich am früh abgefüllten Kaffee aus dem Thermobecher. Nach 18 Minuten geht es weiter, also kein Stress, kein Problem, wobei die Zugbegleiterin bereits Verspätungsbescheinigungen im Triebwagen an die diesbezüglich Bedürftigen, insbesondere wohl Berufsschüler, verteilte.
Kurz vor der nächsten Kleinstadt bat der Zugführer die Zugbegleiterin zu sich. Das verhieß nichts Gutes. Vor der Einfahrt in den dortigen Bahnhof wurde verkündet, dass die Fahrt dieses Zuges hier enden wird und die Fahrgäste darüber informiert werden, wie sie an ihr Endziel gelangen würden. Soweit so gut. Für die „Sitzgäste“ wurde, um den Beförderungsvertrag von Seiten der Bahn zu erfüllen, ein Großraumtaxi organisiert. Aber Max war mit dem Fahrrad unterwegs. Was nun ?
Angesichts einer schmerzhaften “Frozen Shoulder”, die nach 3 Monaten Schulterschmerzen bei Max diagnostiziert wurde, in Latein wohl Kapsulitis, zu gut deutsch eingefrorene Schulter, Skepsis ob er schon eine längere Strecke durchhalten würde. Fuhr er bisher maximal 6 Kilometer am Stück. Aber immerhin, mit dem Frühling scheint auch Max Schulter langsam aufzutauen. Eine Kapsulitis dauert 5 Monat wie er selbst bei Herrn Guugle erfahren hat, egal ob mit oder ohne Behandlung. Wobenzym N (aus holländischem Coffeeshop;-),also in Holland bei einer Versandapotheke bestellt und positives Antischmerz- Denken scheint etwas zu bewirken. Auslöser einer eingefrorenen Schulter sind übrigens unbekannt.
Auf die Frage, wie denn nun der Weitertransport für Max und sein Rad angedacht sei, erntete er vom Zugführer, der Zugbegleiterin und einer Bahnhofsangestellten Schulterzucken. 7:50 Uhr. In 70 Minuten muss er sein Büro für die Kunden öffnen. Wieviel Kilometer sind es bis zum Ziel ? 23 ! Mist. Sonst hat Max immer sein Fahrradnavigationsgerät an Bord, aber wer denkt denn an einen solchen Bahnkrimi. Wind kaum, Straße bekannt.
Also rauf aufs Rad, an den auf das Sammeltaxi Wartenden vorbei, die kommentierten: „der weiß warum er das Rad dabei hat“ und auf geht’s. Fahrradwege wenig, also Straße gefahren.
Um drei Minuten nach Neun, seine Herzfrequenz auf der Strecke jenseits von gut und böse, schließt Max das Büro auf. Die ersten Kunden schlagen nach 5 Minuten auf, während Max noch am hyperventilieren ist.
Die Rückfahrt verlief ohne nennenswerte Vorkomnisse und die Zugbegleiterin meinte auf Max’ Schilderung der Hinfahrt, das sei eine Ausnahme gewesen. Ola !

Juni 2011

Max fährt wieder zur Arbeit in seiner Heimatstadt. Am Gipfel eines kleinen Hügels und einer auf grün stehenden Ampel angekommen schieben zwei Personen nach der überquerten Straße Geh- und Radweg ausfüllend ihre Räder. Max klingelt und vernimmt darauf gemurmelten Unmut des Herren, der straßenseitig neben (s)einer Dame sein Rad schiebt. Da er ein Freund der Kommunikation ist, hält er und versucht mit dem Radschieber ins Gespräch zu kommen. Das wird jedoch mit Unmut aufgenommen. Wollte Max doch eigentlich bloss fragen was der Radler erwartet, wenn jemand von hinten kommt, also wie er warnen soll, weil er wissen möchte, wie sie ticken die Radfahrer.
Nebenher nimmt er jedoch Atemausdünstungen wahr, die den Konsum bewusstseinserweiternder Getränke vor Kurzem vermuten lassen. Nachdem der Interviewpartner meinte er fühle sich belästigt, entschuldigt Max sich fährt weiter und hört noch ein diesesmal aber nicht unfreundliches schönes Wochenende hinterhergerufen.

Oktober 2011

Nach einem verregneten Sommer gab es ihn tatsächlich, den Altweibersommer. Max beschloss spontan mit seiner Frau zusammen an einem Sonntag die nächste Unterkunft für die Himmelfahrtstour 2012 vorab zu besichtigen. Also Räder auf den Gepäckträger des Autos und an die Ostsee. Nach einer Stärkung mit Kaffee ging es entlang der alten Grenze ein Stück auf dem Ostseeradweg Richtung Travemünde zum Priwall. Einige Geocashes flankierten den Weg und konnten sich nicht lange verstecken. Auch die Unterkunft wird im Verein wieder für viel Zustimmung sorgen.
Ein Geocache war verzeichnet unter einem Wachturm der Wasserwacht. Doch statt des Caches entdeckte Max’ Frau, dass eine Handtasche im Gebüsch hing. In der Handtasche fanden sich Personalausweis und Hinweise auf die Inhaberin. Max vermutete eine Straftat. Deshalb befragte er Anwohner nach der nächsten Polizeidienststelle. Dafür musste jedoch die Trave überquert werden. Die Tasche wurde bei der Küstenwache einem gestressten Beamten übergeben mit Visitenkarte seiner Frau. Am Montag rief die Besitzerin aus Hessen an, die Ihre Handtasche mit den Ausweisen aber ohne das darin auch enthaltene Bargeld wieder in Empfang nehmen konnte und bedankte sich bei den ehrlichen Findern.

April 2012

Max radelt stadteinwärts zum Dienst. Seit einiger Zeit leitet er einen Radverein und versucht wo er kann Vorbild zu sein. Er benutzt die richtige Straßenseite und missachtet keine rote Ampel mehr, an denen nur alle 10 Ampelphasen ein Auto einbiegt. Max radelt in bestem Wissen nach STVO.
Dennoch hatte Max einen heftigen Disput mit einem PKW Fahrer und muss eingestehen, dass dieser auch nicht ganz unrecht hat. Es ist aber auch eine komplizierte Einfädeloperation an bestimmten Kreuzungen seiner Stadt. Die Autos fuhren an als Max versuchte, sich rechts an den Anfahrenden vorbei bis weiter zur Haltelinie in der Geradeausspur vorzukämpfen. Rechts neben der Geradeausspur befindet sich eine Abbiegespur und diese hat Max wohl tangiert. Insbesondere diese Tatsache brachte einen PKW Fahrer in Rage. Er hielt an der nächsten Parkbucht, Max ebenso und so konnte dann die erst emotional ausufernde Situation doch noch entschärft werden und sie wandelte sich in ein normales Gespräch. Max entschuldigte sich, versprach sich noch einmal intensiv zu belesen und übergab seine Vereinsvisitenkarte. Verbschiedet wurde sich mit Handschlag. Kommunikation geht also… miteinander! Nun hat Max sich das “Kleingedruckte” noch einmal vorgenommen und gelobt Besserung.

8. Juni 2012

Max fährt am Nachmittag in den Feierabend in seinen Vorort. Ein Stück darf er auf einem abgetrennten Fahhradstreifen unbehelligt fahren. Hinter einer Kreuzung ist es ihm dann freigestellt ob er den Bürgersteig benutzt oder die Straße. Da der Bürgersteig auch hier, weil schmal, zu weit mehr Konflikten führen kann als die Straße, nutzt er die rechte Spur der zweispurig aus der Stadt herausführenden Straße. Plötzlich und unerwartet überholt ihn ein schwarzer Kombi und schneidet ihn, so dass sich Max bedroht fühlt. 150 Meter weiter biegt der Fahrer dann rechts auf den Parkplatz eines Lebensmitteldiscounters.
Max fährt zum gerade aussteigenden Fahrer und erklärt ihm, dass er sich soeben doch sehr bedroht gefühlt habe mit der ungehaltenen Gegenreaktion, er hätte den KFZ Fahrer auf der Straße behindert und gehöre soweit rechts an die Straßenseite wie möglich. Genau das, denkt Max, führt dann dazu,  dass wenn beide Fahrspuren von KFZ befahren werden, der Abstand zum Radler noch kleiner wird, weil man ja unbedingt vorbei muss. Da der Fahrer kurz nach dem Überholvorgang rechts einbog denkt Max, es war eine Demonstration des Stärkeren. Als aus dem Auto auch noch ein “Dreikäsehoch” stieg fragt sich Max was dieser soeben gelernt hat? Die Lektion lautete: Ich Autofahrer bin der Stärkere, der §1 der STVO gilt nicht für mich! Radfahrer gehören nicht auf die Straße!
Max denkt über eine Anzeige nach, lässt aber auch diesen Gedanken wieder fallen… Beim nächsten Mal wird er aber…



November 2012

Max fährt zum Dienst. Er hat sich eine Warnweste zugelegt, die er regelmäßig trägt. Auf der steht die Nachricht an den motorisierten Verkehr, wie groß der Abstand zwischen einem Radler und überholendem PKW sein soll. Meist wirkt die Nachricht.
Heute ist Sonnenschein und ausnahmsweise wird ohne Warnweste gefahren, was kurz darauf bereut wird. Ein Kleinwagenfahrer überholt ihn mit gefühlten 30 cm Abstand, um sich dann kurz nach dem Überholvorgang, auf die Rechtsabbiegspur einzufädeln. Da die Ampel gerade rot leuchtet holt Max die Warnweste aus der Fahrradtasche und zeigt den rückwärtigen Aufdruck in Richtung PKW Fahrer der seinerseits wiederum bemerkte, dass Max auch “auf dem Gehweg radeln dürfe”. Mhh… Zur Diskussion kommt es angesichts grüner Ampel und damit verbundener Kreuzungsräumung leider nicht mehr. Max zieht die Weste wieder über.
Abends retour geradelt, steht an einer Tankstellenauffahrt die Polizei auf dem Radweg mit der Aufgabe, unbeleuchtete Radler abzumahnen für die entsprechende Ordnungswiedrigkeit. Max hält kurz zu einem Smalltalk. Kurz vorher traf man sich beim Beleuchtungscheck. An Max Beleuchtung aktiver und passiver Art hatte man polizeilicherseits nichts auszusetzen, lobte die Warnweste und argumentierte, dass man sogar Batteriebeleuchtung akzeptiere, ohne Verwarnung. Hauptsache beleuchtet. Das ist auch Max’ Meinung.
Einige Tage später fährt Max, in entsprechendes Regenzeug verpackt, wieder in Richtung Feierabend. Auf einem Straßenabschnitt stadtauswärts traut er seinen Augen nicht. Die Straße dort hat zwei Spuren stadtein- und zwei stadtauswärts. Dem Radler ist es freigestellt, auf Gehweg oder Straße zu fahren. Max kommt auf seiner Spur auf der Straße ein radelnder unbeleuchteter Geisterfahrer entgegen. Als Max auf ihn zuhält fährt dieser an den Straßenrand und hält. Angesichts des Wetters hat Max, sonst ein Freund der Kommunikation, jedoch keine Muße mit dem Radler ins Gespräch zu kommen.

 

April 2013

 

Max liest jeden Morgen am Frühstückstisch seine regionale Tageszeitung. Er schaut insbesondere nach den Schlagzeilen zum Radfahren. Da gab es gerade einen Leserbrief dessen Schreiber zehn Euro Buße vorschlägt, wenn Radfahrer den Boulevard in Richtung des Stadtteiches verlassen. Nun, denkt Max Radler,  warum veröffentlicht seine Tageszeitung einen solchen Leserbrief. Das Radeln am angegebenen Ort ist bis zum 30. April nicht verboten. Schlecht recherchiert oder kommen nun alle Radgegner zu Wort, Hauptsache die Schlagzeile verheißt nichts Gutes über die Radfahrer...?

 

November 13

 

Max fährt Richtung Dienst. 1. November, Sonne aber die Straßen sind feucht und das Altstadtpflaster rutschig. Angesichts eines Brückentages stehen die Autos in Richtung Stadtzentrum im Stau, um das wohl schönste Erlebnis zu genießen, das Shoppen. "Schön, mit dem Rad daran vorbei zu radeln", fängt er ein Gespräch mit einem Radfahrer bei dessen Überholvorgang an. Leider beachtet er dabei den Fahrbahnzustand nicht und es kommt prompt zum Sturz. Waren es die Straßenbahnschienen oder die glatte Fahrbahn? In der Warteschlange der sich stauenden Autos steht auch ein Notarztwagen der Feuerwehr. Als die Besatzung den Sturz im Rückspiegel entdeckte schert der Wagen aus und fährt nach rechts an den Straßenrand, um Max nach dem Befinden zu befragen und ggf. zu helfen. Gibt es Zufälle? Nachdem sich Max aber aufgerappelt hat und ein wenig zittrig die Erstschäden begutachtete aber alle Gliedmaßen bewegen konnte, gibt er Entwarnung. Der Notarzt verwies bei der Verabschiedung auf den Chirurgen, wenn es der Behandlung bedarf. Max bedankte sich bei der Besatzung des Rettungsfahrzeuges. So schnell waren Rettungskräfte wohl selten vor Ort. Er schiebt sein Rad die letzten Meter bis zum „Dienstparkplatz“. Im Dienst angekommen werden die Schäden nochmal ausführlicher begutachtet. Offensichtlich sind nur eine kaputte Hose, zwei Schürfwunden am Knie und eine wahrgenommene Zerrung in Richtung Schulter. Gestürzt ist Max eigentlich noch nie. Auch wenn er diesmal nicht auf den Kopf gefallen ist, war er froh diesen „behelmt“ zu haben.
Einige Stunden später, das Adrenalin hat sich abgebaut, wurden doch noch weitere (u.a. Röntgen-)Ärzte bemüht. Entwarnung, keine Frakturen, dennoch ein paar Tage Auszeit ohne Rad ;-(.

Mitte November 2013

 

Max fährt zum Dienst, stadteinwärts wiederum einen leichten Anstieg , seinen „Muntermacher“, vor Augen hört er quietschende Autobremsen und nimmt erst kurz darauf die Ursache war. Ein älterer Herr, der bereits die Hälfte des Anstieges bergan mit dem Rad bezwungen hatte, lag mit  dem Rad auf dem Weg und mit dem Oberkörper auf der parallel führenden Straße. Der Autofahrer sprach den Gestürzten wohl an, fuhr aber dann gleich weiter. Max hielt kurz danach ebenfalls und erkundigte sich nach dem Zustand des Gestürzten. Der aber gab Entwarnung. Er sei beim Absteigen vom Rad nur umgefallen. So setzte Max seinen Dienstweg fort und dachte angesichts seines eigenen Sturzes vor einigen Tagen an seine Folgen…

 

Anfang Dezember 2013

 

Max tritt bei sehr nebligem Wetter gegen 20:00 Uhr seinen Heimweg an. Mittlerweile hat er eine Beleuchtung am Rad, die von der Stärke im Luxusbereich von bis zu 90 Lux liegt. Außerdem fährt er mit einer gut reflektierenden Warnweste. An der vorletzten Kreuzung gibt es drei Ampeln zu überwinden. Die erste in der Rechtsabbiegespur, danach zwei weitere über je eine zweispurige Straße. Er kennt die Ampelphasen mittlerweile ganz genau und weiß, wenn die zweite Ampel auf Grün schaltet kann er losfahren und auch die nächste zweispurige Straße ohne Zwischenhalt bei grüner Ampel passieren. An diesem Abend aber kommt, während Max schon bei Grün mit voller Fahrradlänge auf der letzten zu überquerenden Straße ist, ein Taxi von rechts, dass stark beschleunigt und bei Rot für die Fahrtrichtung die Kreuzung überquert. Leider erkennt Max die Nummer des Taxis nicht, überlegt aber, ob er nicht eine Anzeige erstatten sollte. Er belässt es dabei eine Taxizentrale anzurufen, um die dort Diensthabende zu bitten, im Rundruf den Taxifahrern, ob des eben Erlebten, ins Gewissen zu reden. So ein Taxifahrer würde sicher seine Lizenz eine Weile an den Nagel hängen müssen. Irgendwie muss man ja überleben. Das gilt aber auch für Radfahrer…

 

 

Anfang Februar 2014

 

Max fährt, nachdem es nun endlich wieder möglich ist, denn die glatten Straßen haben ihm ob seines Sturzes doch Respekt eingeflößt, zum Dienst. Auf das letzte Straßenstück vor Erreichen seines Betriebes eingebogen, ist der Straßenbeleg geteilt. Die linke Hälfte mit Straßenbahnschienen ist asphaltiert, rechts glattes rutschiges Pflaster, in dessen Zwischenräume ein  Radreifen mittlerweile Platz findet. Genau hier stürzte er Ende letzten Jahres. Max bleibt also ca. 200 Meter auf dem asphaltierten Bereich und wird prompt von einem SUV Fahrer so eng überholt, dass es ihm wieder einmal Angst und Bange wurde. Er notiert sich das Kennzeichen. Anzeige oder nicht?  Nun ist er soweit. Max entscheidet sich den Anwalt seines Vertrauens zu konsultieren.  Er schildert seinen Fall per Mail. Nach zwei Tagen die Antwort: Generell sei eine Anzeige gegen solches Verhalten sinnvoll. Allerdings würde sie nur Erfolg versprechen, wenn Zeugen den Vorfall bestätigen oder man den Fahrzeugführer eindeutig im vergleichsweisen Lichtbildverfahren identifiziere. Nun ja, das  Auto hat Max nur von hinten gesehen. Beides kann Max also nicht bieten.  Der Anwalt hat aber Namen und Tätigkeit des Fahrers ermittelt und Max mitgeteilt. Nun kann Max vielleicht in die direkte Kommunikation gehen…

 

 

Februar 2014

 

Max unterhält sich mit einer Radlerfamilie, die ihm berichtete, wie sie von einem Ordnungshüter angehalten wurde. Fraglich, ob dieser sein Revier wirklich kannte. Die Radlerfamilie fuhr, weil gar nicht anders möglich und offiiziell mit entsprechendem Schild ausgwiesen, STVO konform auf dem Gehweg eine Einbahnstraße bergan. Nach kurzer Fahrt wurde der Vorwärtsdrang von einem  Polizisten gestopt. Auch Max kennt diesen Abschnitt. Ist es doch ein Stück seines Heimweges nach getaner Arbeit. Der Ordnungshüter vermeinte nun die Familie darauf hinweisen zu müssen, dass sie verbotenerweise auf dem Gehweg fahre. Also wies man ihn auf das Erlaubnisschild für Radler hin, mit dem Ergebnis, dass die Radler doch den auf der Straße markierten Radweg nutzen sollten. Der aber führt die Radler per Richtungspfeil auf der anderen Fahrbahnseite in entgegengesetzte Richtung. Nachdem die radelnde Familie den Polizisten auch darauf hinwies, wurde dann das Licht am Rad eines Kindes bemängelt. Irgendwie muss man doch etwas finden. Die Funktionsprobe ergab aber tatsächlich funktionierendes Licht. Nun war der Ordnungshüter sichtlich verwirrt und ließ die Radlerfamilie endlich ihres (Rad-) Weges ziehen. Was er allerdings übersah: Beim zweiten mitradelnden Kind funktionierte das Licht tatsächlich nicht. Vielleicht war er ja neu im Revier oder aber in der Ausbildung, wer weiß...

 

 

Max Frau hat die Nase voll von schweren Rädern und ist seit einiger Zeit dabei, leichte Räder per Internet und Fachhandel zu suchen. Max sucht mit und ist beim Premiumrad mit einer tollen 14 Gang Nabenschaltung gelandet, dass als Vorjahresmodell gerade um Einiges ermäßigt im Angebot per Internet zu haben ist. Da kann leider kein Händler mithalten, zumal das Rad sehr gut in Fachzeitschriften abschneidet. Also wird bestellt und ausprobiert. Am Sonntag ist schönes Wetter. Nun wird das mittlerweile zusammengeschraubte und größenangepasste Rad auf Tour getestet. Noch ist nicht klar, ob zurück damit oder nicht. Mit dem Rad aber wurde aus der anfänglich hinterherradelnden, später auf gleicher Höhe mitradelnden nun eine vorausradelnde Ehefrau. Max kommt kaum hinterher.  Probefahrt bestanden. Mit dem Wort: "gekauft!" ist die Entscheidung gefallen. Und was macht Max? Er wird die nächste Gratifikation auch entsprechend investieren... sonst ist er der hinterherradelnde Ehemann. Und das schmerzt Männer dann wohl doch ;-).

 

 

März 2014

Max fährt an einem Sonntag mit seiner Frau eine Runde durch die Stadt. Seiner Frau macht das Rad sichtlich Spaß und so wird es solche gemeinsamen "Runden" doch öfter geben.

Im Stadtzentrum stehen viele Verbotsschilder an den Einfahrten zu den Fußgängerzonen. Meist haben diese ein Zusatzschild für den Lieferverkehr, der nur zwischen 18:00 und 10:00 Uhr zu Zufahrten berechtigt ist. Darunter deutet ein Piktogramm auf "Radfahrer frei" hin. In eine solche Straße eingebogen, fahren Max und seine radelnde Begleiterin vorsichtig zwischen den Fußgängern. Doch plötzlich und unerwartet biegt ein Fußgänger so scharf nach rechts, dass nur ein Klingeln einen Zusammenstoß verhindert. Dieses Klingeln wird unwirsch vom Beklingelten, der per Pedes mit (s)einer Frau spaziert., mit den Worten "hier ist Radfahren verboten" kommentiert. Da kontert Max und möchte sich auch in seiner Ehrenamtsfunktion vorstellen, dass den Mann aber nicht interessiert. Max fährt bis zum Markt, um sich zum Schild noch einmal sattelfest zu machen. Anschließend kommt er mit der einsichtigen Frau ins Gespräch. Sie folgte Max' Argumentation. Der Mann verharrte weiter in seiner Sturheit. Max wünschte einen schönen Sonntagnachmittag, verabschiedete sich vom Paar und nach einem Mittag und ausgiebiger Diskussion mit der Mitradelnden zu dem eben Erlebten ging es in Richtung Gehöft.
Zwei Tage später spricht er an eben solchem Schild zwei Ordnungshüter des Ordnungsamtes an zur Deutung der Schilderaussagen. Max hat alles richtig gemacht. Anders wär's auch peinlich... 

 

Ostern 2014


Mit dem Aprilgehalt kam auch die ersehnte Gratifikation. Auch wenn Max’ Frau das  neue Rad schon vorfinanziert hat und er auch begeistert vom Selbigen ist wird Ostern erstmals im “Partnerlock”, also der gleichen Radmarke, geradelt.
Ostersonntag beschließt Max sein altes Rad in einen Onlineverkaufsmarkt einzustellen und anzubieten. Nach nur einer Stunde gab es die erste Interessentin. Man mag es kaum glauben, noch am Abend wechselte das Rad den Besitzer und wird nun  einer Radlerin hoffentlich immer ans Ziel bringen. Die neue Besitzerin ist Reporterin eines Radiosenders. Spielt das Rad vielleicht zukünftig einmal dort eine Rolle? Es hätte das sicher verdient  über seine Erlebnisse auf den vergangenen Kilometern zu berichten. Einige sind ja hier nachzulesen.

Ende April 2014

Max muss in sein lokales und auch überregionales Mediencenter  um ein Paket abzugeben.
Auf dem Weg von der 6. Etage in das Erdgeschoss per Fahrstuhl steigen der lokale Chef und einer seiner Lokalredakteure zu. Man unterhält sich zu Unfallstatistiken. Es geht um Verkehr. Das ist natürlich immer auch ein Thema für Max, der sich fragend zur Thematik Radverkehr einmischt. Mit dem Satz des Lokalredakteurs: „Radfahrer könnten in der Stadt überall sicher unterwegs sein, aber sie tun es nicht“ steigen beide aus und die Tür schließt sich. Schade, dass die Fahrt so kurz war.  Max kommt nicht mehr zur Gegenargumentation und bleibt etwas frustriert zurück. Auf dem anschließenden Weg zur Arbeit beschließt er eine Mail an den Lokalredakteur zu senden und tut es. Der Lokalredakteur schreibt ausführlich seine Meinung zum Radverkehr zurück. Max lädt ihn auf ein Radlerstammtischtreffen zum Gespräch ein. 


Die neuen Räder haben eingebauten Rückenwind, so das Gefühl. Max Frau berichtet, sie sei jungen Männern nach dem Ampelstart davongefahren. Max selbst macht ebenfalls die Erfahrung im Antrittssprint wohl unschlagbar zu sein, da auch er viele Radler dabei hinter sich lässt. Und das ohne große Anstrengung. Radfahren soll ja Spaß machen. Das tut es somit.

 

Juli 2014


Max fährt an einem Samstag mit seiner Frau zu einem Treffpunkt für eine Radtour. Es ist viel los in der Stadt und er unterhält sich mit einer Parallelradlerin noch, ob sie auch zu dies Treffpunkt wolle.  Sie verneinte, wollte zum Ziel eines großen Laufevents, um dort ihre teilnehmenden Kinder in Empfang zu nehmen. Mit gutem Tempo bleibt sie Max und seiner Frau an den Hinterrädern. Max muss in Richtung Markt, zeigt rechtzeitig eine Fahrtrichtungsänderung an, seine Frau tut es ihm gleich. Kurz nach Abbiegen entdeckt Max in seinem Rückspiegel, wie die Dame, die die Geradeausrichtung gewählt hat, direkt auf der Kreuzung, auch akkustisch deutlich wahrnehmbar, vor einem PKW stürzt. Waren es die Straßenbahnschienen? Max radelt zur Frau zurück und bietet Hilfe an. Der PKW Fahrer hatte beim Anfahren aus der für ihn nachrangigen Straße die Radfahrerein übersehen und umgefahren. Er stieg aber aus und entschuldigte sich bei der zum Glück offensichtlich wohl nur leicht verletzten Frau und gab seine offensichtliche Schuld an diesem Unfall zu. Ein paar kleine Schürfwunden bei der Radfahrerin; der PKW Fahrer unter leichtem Schock. Glück im Unglück. Auf Arzt und Polizei wurde verzichtet aber vorsichtshalber die Adressen ausgetauscht. Max bot sich an, wenn erforderlich als Zeuge zur Verfügung zu stehen, überreichte seine Visitenkarte und verabschiedete sich in Richtung Tourentreffpunkt. Seine Frau meinte noch, es hätte auch sie treffen können. Zwei Wochen später erhielt er die Aufforderung zur Zeugenaussage.

 

 

August 2014

 



Max hat Urlaub  und beginnt ihn gemeinsam mit seiner Frau in Vorpommern. Stralsund und Hiddensee stehen auf dem Programm, anschließend ein paar Tage in Waren an der Müritz in einem mehrfach preisgekrönten  Fahrrad-Design Hotel.
Er fährt den Müritz Rundweg ein Stück, abseits der Straßen, auch einmal die aus Flachländler-Sicht “alpine” Variante. Er entdeckte eine Fahrradstraße, welch tolle Radinfrastruktur. Ausgerechnet diese aber wird Max zum Verhängnis. Eine Fahrradstraße darf nur von Radfahrern und motorisierten Anliegern befahren werden. In der Hochsaison gleicht die Fahrradstraße aber mehr einer Fahrradautobahn, berichtet ein Arzt, den er leider nach Asphaltberührung mit Kopf und Gliedmaßen ausgerechnet in der besagten Straße, kontaktieren musste. Ein dort unberechtigt parkendes Fahrzeug, Parkverbot war ausgeschildert, sorgte für eine knifflige Verkehrssituation. Ein entgegenkommendes Wohnmobil und ein Baufahrzeug veranlassten eine andere Radlerin, in  dieser Situation auf den Gehweg auszuweichen. Max forderte vorsichtig sein Recht ein und hielt sich auch an die Pflicht, auf der Straße vorsichtig weiterzufahren.  Nach den “Hindernissen” nahm er wieder etwas schneller Fahrt auf. Die Radlerin die auf dem Gehweg weiterfuhr schoss aber ohne einen Schulterblick plötzlich wieder auf die Straße und fuhr Max einfach um. Sie wäre in Eile. Nun ja… Man tauschte Adressen aus wegen eventueller versicherungstechnischer Regelungen. Angesichts von zunehmenden Schmerzen begab sich Max aber am Tag darauf in die Obhut eines Arztes, der eine angebrochene Zehe feststellte. Glücklicherweise hatte Max wie immer seinen Kopf behelmt. Das war auch gut so, denkt er sich, sonst wäre der Sturz mit Kopf-Asphalt Kontakt wohl nicht halbwegs glimpflich abgelaufen. Wer mit Helm fährt ist also sicher nicht “auf den Kopf gefallen” oder anders gesagt:  wer mit Köpfchen Rad fährt, tut’s mit Helm.
Max will die Lokalredaktion informieren und ein wenig sensiblisieren,  Radfahrer für den Schulterblick und den motorisierten Verkehr  zum Verhalten in einer Fahrradstraße. Es gibt einen Fototermin mit dem Redakteur.  Nächsten Tag liest er in der Headline des Lokalteiles "Radler-Chef (Max ist mittlerweile in zwei Vorstandsebenen eines Radclubs tätig) landet in der Fahrradstraße auf Asphalt". Eine dreiviertel Seite nimmt der Artikel im Lolkalteil ein mit Riesenfoto. Fast ist es ihm unangenehm. Hat was von Sensationsjournalismus;-).
Der Arzt, selbst ein radaffiner Familienvater, der dazu noch ein Lastenrad stolz sein eigen nennt, erzählte Max, dass er in der besagten Straße wohne. Die Fahrradstraße hat etwa auf der Hälfte Poller, Wohnmobile und PKW würden aber in die Straße durch nicht aktualisierte Navigationsgeräte gelotst.

 

Oktober 2014

 

Max‘ Frau schickt per Smartphone eine Nachricht, sie sei beim Radfahren von einem Bus massiv bedrängt worden. Nach Feierabend wird der Vorfall ausführlich berichtet. Sie fuhr zwischen den Straßenbahnschienen und bei leichtem Schulterblick entdeckte sie hinter sich, in gefühltem Abstand von 30 cm einen Bus, der ungeduldig auf eine Möglichkeit zum Überholen hoffte. Nach einem Schreck wich Sie letztlich nach links aus und ließ den Bus passieren.  Ein Ausweichen nach rechts war nicht möglich, weil das nur mit Anhalten ginge, um über die Bordsteinkante auf den Gehweg zu kommen. Den Bremsweg eines Busses vermochte sie denn doch nicht einzuschätzen. Wer will schon vom Bus gestreift werden.
Der Busfahrer lenkte sein Gefährt einige Meter später in Richtung Busbahnhof und hielt, um auf Fahrgäste zu warten. Max‘ Frau fuhr zu ihm, um ihn ins Gebet zu nehmen. Nach anfänglicher Uneinsichtigkeit entschuldigte sich der Busfahrer letztendlich. Na, Einsicht geht doch...    

 

 

Ende November 2014

 

Max fährt mit einer Kollegin nach einer Vorstandssitzung mit dem Zug Richtung Heimat. Kalt ist es. Plötzlich und unerwartet überkamen dann Deutschland Ende November doch Wintertemperaturen. Am Bahnhof wartend, schob eine junge Frau mit ihrem Partner ein Rad der Marke „Hinten-sitzen-und-treten-vorne-nur-mitgenommen-werden“ an Max und der Kollegin vorbei. Angesichts eines Vereinsaufklebers auf dem Rad wurde Max neugierig und kam mit der „Radschieberin“ ins Gespräch. Dem sprachlichen Slang nach, eine Schweizerin, die offensichtlich hier ihr (Radler-) Glück gefunden hat. Man diskutierte zur Radmarke und zu anderen Dingen.

 

Kurze Zeit später, nachdem ein Sitzplatz im Freitagabendverkehr im hintersten Abteil ergattert wurde, hielt der Zug an einem kleinen Bahnhof. Gestresst schob ein Radfahrer sein Gefährt plötzlich vom Fahrradabteil durch das Sitzplatzabteil nach vorn. Gänge in diesen Abteilen sind dann doch eher weniger fahrradtauglich. Verwunderung bei den Fahrgästen, bis sie die Ursache erfuhren. Die Zugbegleiterin erklärte, der Lokführer sei neu auf der Strecke und hätte zu früh angehalten. Der hintere Wagenteil parkte nicht im Bereich des Bahnsteiges. Aussteigen dort unmöglich. Nun ja… ;-).

 

Januar 2015

Max fährt wieder zum Dienst, stadteinwärts ab Ende des benutzungspflichtigen Radweges, auf der rechten Spur der zweispurigen Ortseinfahrtsstraße. Wiederum an einer roten Ampel an den dortigen PKW vorbei bis an die Aufstelllinie geradelt, kurbelt ein in der Rechtsabbiegespur zu stehen gekommener PKW-Fahrer älteren Datums seine Scheibe runter, um Max belehren zu wollen, er solle doch auf dem Gehweg fahren. Ob ihn der PKW Fahrer dann wohl eines Schulterblickes beim Abbiegen bedacht hätte und Max gefahrlos dort die Querung schadlos absolviert hätte, bleibt angesichts der Unkenntnis der STVO Regeln so mancher Kraftfahrer zweifelhaft.


Kurze Zeit später: Max radelt heimwärts, auf der rechten zweier Fahrspuren mittig  stadtauswärts, wird er von einem PKW Fahrer behupt. Aufklärungs- und Rücksichtskampagnen tun bitter not denkt Max und will das kommunizieren. 

 

 

März 2015

In Max' Stadt werden Großbaustellen eingerichtet. Eine Brücke wird abgerissen, die er bisher täglich auf seinem Dienstweg querte. Sein Fahrrad hat er bisher an einem Treppengeländer auf dem Parkplatz eines Einkaufscenters angeschlossen. Samstag hat Max eine lange Schicht. Ausnahmsweise schließt er das Rad an einen öffentlichen Fahrradbügel an. Die Abstellanlage liegt vor dem bisher genutzten Parkplatz. Als er am Abend nach Dienstschluss sein Rad wieder in Besitz nehmen will fehlen Klingel und Rückspiegel. Ausserdem wurde der Lenkertaster zum Anschalten der Beleuchtung abgeschnitten. Glücklicherweise hat Max seinen Sattel mit Sattelstütze mit einer Spezialschraube gesichert. So hatte der Dieb keine Chance, auch noch diesen abzubauen. Ab sofort stellt Max das Rad wieder am Treppengeländer ab. Dort ist noch nie etwas abhanden gekommen. Das mag auch an der Kameraüberwachung dort liegen.

 

April 2015

Max radelt nach der Teilnahme an einer Critical Mass zurück stadtauswärts. Einige Ampeln sind zu queren. Als Max auf einer mehrspurigen Fahrbahn bei grüner Ampel bereits auf der Straße war, raste ein PKW auf ihn zu und bremste erst kurz vor ihm ab. Max Blutdruck stieg und als er unbeschadet auf der anderen Straßenseite ankam nahm er den PKW und einen an der roten Ampel stehenden PKW mit dem Smartphone auf. Dies begleitet mit Beschimpfungen des Beifahrers des Autorasers. Max notierte sich Nummerschild auch des nebenstehenden PKW als Zeugen des Vorfalls. Nun ist er soweit: Zu Hause angekommen erstattet er Anzeige bei der Internetwache wegen grober Gefährdung im Straßenverkehr. Gespannt ist er, wie die Justiz wertet.

 

 

Mai 15


Max wird zur Konkretisierung seiner Anzeige zur mündlichen Vernehmung vorgeladen. Die Frage, ob er denn den Fahrzeugführer identifizieren könne muss er leider mit Nein beantworten. Der ermittelnde Kriminalbeamte macht Max nun kaum Hoffnung, dass der Fahrzeugführer belangt werden kann. Und genauso kam es.

 

Juli 15


Nachdem ein langer Poststreik beendet ist kommen viele Briefe. Darunter auch einer der Staatsanwaltschaft. Da der Fahrzeugführer zur Tatzeit nicht eindeutig ermittelt werden konnte wurde das Verfahren eingestellt. Nun ja...

 

das Jahr 2016


... ist leider geprägt von 2 Krankenhausaufenthalten und 2 Operationen, die aber nichts mit dem Radfahren zu tun hatten. U.a eine Krankheit, von der er noch nie etwas gehört hatte, wurden behandelt. Die hatte etwas mit dem Darm zu tun. Den Rest des gesunden Jahres gab es keine außergewöhnlchen Zwischenfälle beim Radeln.
Max radelt und radelt und radelt… die Erlebnisse im Straßenverkehr wiederholen sich.

Max, wie ja bereits geschrieben, ist auch ein Freund davon, Neues auszuprobieren, sei es Technik oder Radfahreroutfit.

 

Februar 2017

Ein neuer Fahrradhelm mit extragroßem Visier für Brillenträger wird seit drei Monaten getestet und für gut befunden, nicht nur bei Fahren sondern leider auch unfreiwillig beim Sturz.

Max muss nicht mehr in eine andere Stadt berufspendeln und kann nun fast immer mit dem Rad zum Dienst fahren. Ende Februar auf dem Weg nach Hause wird zügig über Straßenpflaster ein Abzweig angesteuert. Was immer auch die Ursache war, eine überfrorene Straße an dieser Stelle moder ein Ölfilm - Max kann nicht mehr reagieren und schlägt kurz vor dem Abbiegen stürzend mit der linken Körperhälfte einschließlich des Kopfes auf das Pflaster der Straße. Er bleibt kurz liegen, sortiert sich, rafft sich auf. Über das Gesicht rinnt Blut, wie er an der abnehmenden Sicht seiner Brille feststellt. Nachdem er wieder zum Stehen kam, sah er auf der anderen Straßenseite Menschen, die ihn und seinen Unfall geflissentlich ignorierten und munter weiterplauderten. Max bleibt keine Zeit, darüber zu sinnieren. Er schiebt sein Rad bis zum nächsten Hauseingang ins Licht und betrachtet in seinem Handy das Bild, das er derzeit abgibt. Es sieht nicht so gut aus. Er ruft seine Frau an, schildert den Sturz und schiebt bis zum nächstgrößeren Platz. Dort wird er von 2 jungen Leuten angesprochen, ob sie helfen können. Es gibt sie also doch, die Hilfsbereiten.
Da alles organisiert ist, lehnt er dankend ab. Seine Frau kommt ein paar Minuten später und bringt Max, nachdem das Rad am Platz angeschlossen wurde, in die Notaufnahme des Klinikums. Anmeldung um 20:45 Uhr. Max wartet und wartet und wartet bis ihn gegen 24:00 Uhr eine Chirurgin in Augenschein nimmt. Röntgen der schmerzhaftesten Stellen, Schulter und Handgelenk, Nähen einer Platzwunde an der Augenbraue. Dank des Helmes keine Gehirnerschütterung oder schwere Kopfverletzungen. Wieder einmal hat ihn der Fahrradhelm vor Schlimmerem bewahrt. Helm und Visier heil, nur Visier seitlich zerkratzt. Die Brille war zwar stark verbogen aber der Optiker konnte es richten. Erste ärztliche Diagnosen Kiefergelenk "nur" geprellt, Schulter ebenfalls, zum Handgelenk: Verstauchung aber eventuell auch Bruch. Die Ärztin will sich morgens im Team die Röntgenbilder noch einmal ansehen und ggf. melden, wenn doch ein Bruch angenommen wird. Muss nicht, denkt Max und fährt mit dem Taxi gegen 1:00 Uhr morgens, mit einer Krankschreibung für den Rest der Woche, heim. Auf das Telefonat mit der Ärztin hätte Max gern verzichtet aber es kam, mit der Bitte, sich  noch einmal in der chirurgischen Ambulanz der Kinik vorzustellen. Da Max eine Krankschreibung hatte, wurde auch der Tag im nicht langweilig in Wartezimmern. Der dortige Oberarzt kannte das Röntgenbild bereits und fand keine Anzeichen für einen Bruch, dennoch soll Max, wenn nach 3-4 Tagen keine Besserung eintritt, einen Chirurgen/Durchgangsarzt aufsuchen. Da es ein Wegeunfall war tut er das, um die Nachbehandlung abzusprechen und für die Berufsgenossenschaft den Unfall weiter zu dokumentieren. Die Schmerzen nahmen nicht ab und nach erneutem Röntgen wurde doch noch ein angebrochener Knochen entdeckt. Gips! Oh nein - Max will in Kürze in Urlaub fliegen. Der Arzt lässt sich erweichen und verpasst Max eine abnehmbare Schiene für die kommenden 4-5 Wochen.
Das heißt, Max fährt die kommenden 5 Wochen mit dem Nahverkehr zum Dienst, bevor er wieder auf das Rad steigt schon während die Physiotherapie beginnt. Die Sturzstelle flößt ihm Respekt ein. Zukünftig wird dort mit Sicherheit langsam abgebogen.

Max ist in seiner Ehrenamtsfunktion an einem Projekt  in seinem Bundesland eingebunden: "Radschutzstreifen auf Landstraßen" mit Teststrecken für Radfahrer. Nach erfolgreichem Abschluss sollen die Teststrecken, ohne eine endgültige Entscheidung zur gesetzlichen Regelung, nun demarkiert werden. Es regt sich Wiederstand. Max wird, wie auch andere Projektbeteiligte sowie auch der Infratrukturminister des Landes, von einem TV Team des NDR zu seiner Meinung interviewt. Auf die erste Frage die Antwort angesetzt, plötzlich Blackout. Das passiert aber auch schon mal Profis meint der Redakteur. Keine Panik, es ist nicht live. Luft geholt und erneut angesetzt. Es sprudelt. Der Beitrag wird ein paar Tage später im Vorabendprogramm der Dritten gesendet, Max Aufregung auch spürbar als er sich selbst sieht.
Wenige Tage später erscheint zum Thema ein Artikel in der Zeitschrift "Die Zeit". Max wird aus dem TV Auftritt zitiert und ist überrascht, welche Dimensionen das plötzlich annimmt.   

 

 

April 2017

Jeden Tag mit dem Rad zur Arbeit pendeln und das bei fast jedem Wetter kann Stress bedeuten. Eigentlich hat Max darüber nachgedacht, sein Auto, das er bisher für die „Berufspendelei“ gebraucht hat, eventuell gegen ein gutes Pedelec einzutauschen. Allerdings fährt er auch schon ein gutes Rad mit hervorragender Schaltung. Er entschied sich, wegen immer älter werdender Mitbewohner, die eine altersgerechte Transportmöglichkeit schätzen, das Auto doch zu behalten. Der Gedanke, etwas entspannter seinen tagtäglichen Arbeitsweg zu absolvieren, lässt ihn nicht los. Beim Recherchieren stößt er auf einen Nachrüstsatz für Fahrräder, welcher eine elektrische Unterstützung verspricht. Das hätte den Vorteil, sein gutes Rad behalten zu können. Er denkt noch etwas drüber nach und entscheidet sich zum Umrüsten. Das macht eine dafür autorisierte Fahrradwerkstatt. Nach den ersten Wochen damit geradelt, ist Max sehr angetan. Nun kann er dem Gegenwind, der ja bekanntlich Figur und Charakter formt, mit eingebautem Rückenwind trotzen;).

 

 

 

 

 

 

 

        

 

 


Nachwort:

Sollten neue Erlebnisse dazukommen wird das Tagebuch weiter geschrieben.
Für die Kategorie habe ich mir Vorschläge eingeholt und die Mehrzahl war für Humor
(Humor ist ja bekanntlich, wenn man trotzdem lacht.)

Impressum

Copyright Texte: Volker Schulz
Copyright Bildmaterialien: Volker Schulz
Tag der Veröffentlichung: 31.01.2010

Alle Rechte vorbehalten

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