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Es war ein ganz normaler Abend mit der Ausnahme, dass wir bei einem Green Day Konzert waren. Normalerweise verbrachte ich die Freitagabende mit meinen Freunden in Clubs oder bei einem zu Hause. Doch heute waren wir eben bei einem Konzert. Wir standen ziemlich weit vorn; dafür ziemlich weit am Rand der Halle. Es war eine super Stimmung hier. In der Mitte fingen die Leute an zu pogen. Jared und Luca machten sich auf den Weg zu der pogenden Menschenmasse. Sam ließ ihren Freund nur widerwillig gehen. Sie war die Freundin von Luca. Ich liebte die Musik von Green Day. Ich war mit vier Freunden bei dem Konzert. Mit Jared und Luca, die zur Mitte der Halle wollten; mit Sam, die die Freundin von Luca war; und mit Zoey, die meine beste Freundin war.
Eigentlich fing alles da an. Meine Reise und die Abenteuer, die manchmal sehr gefährlich waren. Ich bereue es nicht dort gewesen zu sein.
Dann begannen sie mein Lieblingslied zu spielen. „Basket Case“. Zoey kam auf mich zu und rief: „Ey, die spielen unser Lied.“ Es war nicht nur mein Lieblingslied, sondern auch das von Zoey. Ich schaute mich zu Sam um. Sie hüpfte ein bisschen im Takt und hielt Ausschau nach Luca und Jared.
Zoey legte mir eine Hand auf die Schulter. „Hast du mich gehört?“
„Ja, hab ich!“, rief ich zurück. Wir sangen den Text mit und sprangen im Takt. Wir schrieen den Text schon fast. Es war ein schönes Gefühl nicht immer an Vampire denken zu müssen, sondern sich mal eine Auszeit zu gönnen und Spaß zu haben. Plötzlich tippte mir jemand auf die Schulter – es war Sam – und deutete hinter mich. Ich drehte mich um. Etwas weiter entfernt stand ein Junge an der Wand. Er war etwas älter als ich und trug eine schwarze Jeans und ein dunkelblaues T-Shirt. Er beobachtete mich und als ich mich zu ihm umdrehte und in seine Augen sah lächelte er mir zu. Dann schaute er über meinen Kopf zur Bühne.
Damit war dann der Spaß vorbei, dachte ich. Ich war eine Vampirjägerin. Sam war auch eine. Wir beide gehörten zu einer Gruppe von Vampirjägern in unserem Alter. Dieser Kerl war auch ein Vampirjäger und uns wurde gesagt er würde bald zu uns stoßen, denn er ist erst vor kurzem in diese Stadt gezogen.
Ich wurde immer nervös, wenn fremde Vampirjäger in der Nähe waren.
Ich drehte mich schnell wieder um und genoss das Konzert so gut ich konnte. Ich spürte seine Blicke im Rücken.
Plötzlich stieg mir dieser Geruch in die Nase. Der Geruch von Blut. Vampirjäger unterschieden sich von normalen Menschen, denn wir hatten besondere Fähigkeiten. Einige konnten das Blut riechen, andere konnten die Vampire spüren, wenn sie in der Nähe waren, andere wiederum konnten die Vampire beim angreifen hören; den Laut, den ihre Zähne verursachten, wenn sie ins menschliche Fleisch eindrangen.
Mit dem Blutgeruch war es etwas kompliziert. Man roch jede Wunde, aber eine von Vampiren verursachte Wunde roch anders als normale. Vampire versuchen den Geruch zu überdecken oder mit einem anderen zu vermischen.
Ich roch es ganz deutlich. Ich drehte mich um und sah, dass er es auch riechen konnte. Es kam von draußen.
Ich tippte Sam auf die Schulter. „Ich geh mal raus.“
„Komm schon. Hier sind keine Vampire. Ich spüre nichts.“
„Aber ich rieche was.“
„Soll ich mitkommen?“ Sie sah sofort alarmiert aus.
„Nein, du musst auf die anderen achtgeben. Ich glaube ich werde nicht allein sein.“
„Du meinst den Typen?“
„Ja, er hat es auch gerochen. Sag den anderen ich sei auf dem Klo.“
„Mach ich. Und sei vorsichtig!“, rief sie mir noch nach. Ich lief durch die Massen. Der Junge war vor mir. Ich konnte ihn vor mir nicht sehen, aber ich wusste, dass er nicht weit von mir entfernt war. Je weiter ich mich dem Ausgang näherte, desto stärker und ekelhafter wurde der Vampirgestank.
Ich stieß die Eingangstür auf und wurde von einer Gestankwolke überrollt. Ich musste mir kurz die Nase zuhalten. Zum Glück roch es so stark. Die schwachen Vampire – also die jüngeren – hatten einen viel unangenehmeren Geruch als die stärkeren.
Natürlich waren nicht alle Vampire böse. Es gab welche, die sich an Regeln halten konnten. Die keine Menschen töteten.
Ich nahm die Hand von der Nase. Ich musste den Vampir riechen, um ihn zu finden. Ich zog das Messer aus meinem Gürtel unter meinem Hemd und roch an der Luft.
„Damit hätten sie dich gar nicht rein lassen dürfen“, sagte eine sarkastische Stimme neben der Tür. Ich starrte den Jungen mit den schwarzen Haaren an und schüttelte den Kopf. Wenn er wirklich ein Vampirjäger war und das Blut gerochen hatte, dann hätte er schon lange nach dem Vampir suchen müssen. Ich ging weiter, ohne ihn zu beachten, in die Richtung aus der der Gestank kam. Er folgte mir. Ich ging um das Gebäude herum und fand ihn schließlich. Den Vampir. Er kauerte auf der Erde, das Gesicht in den Hände und wippte leicht vor und zurück. Neben ihm lag eine Frau. Sie war noch nicht tot. Ich konnte sie noch retten. Ich ging auf den Vampir zu. Vorsichtig und immer bereit mich zu verteidigen, aber als ich näher kam ließ ich das Messer sinken. Der Vampir murmelte immer wieder etwas vor sich hin. Als ich noch näher war konnte ich ihn endlich verstehen.
„Bitte, töte mich nicht. Töte mich nicht. Bitte. Ich habe sie doch am Leben gelassen. Bitte töte mich nicht.“ Ich stand vor dem Vampir und starrte ihn an. Der Typ mit den schwarzen Haaren beobachtete mich. Ich sah ihn an.
„Hilf der Frau und ruf einen Krankenwagen. Du hast ja nichts Besseres zu tun, als mir bei der Arbeit zuzusehen.“ Der Junge lief hinter mir vorbei und ging zu der Frau, während ich in die Hocke ging. Ich packte den Vampir an den Handgelenken. Ganz sanft und zog sie von seinem Gesicht. Er sah mich ängstlich an und wisperte: „Wirst du mich jetzt töten?“
„Nein“, sagte ich so sanft ich kann. „Du konntest dich noch einmal beherrschen, aber wer weiß ob du das auch ein zweites oder ein drittes Mal kannst. Einer der Oberen wird sich deiner annehmen und für dich sorgen, bis du das“ Ich zeigte auf die Frau. „allein hinbekommst. Wenn du keine Menschen töten willst, solltest du regelmäßig trinken und nicht warten bis der Durst unerträglich ist.“ Er nickte. „Wie alt bist du, ich meine, wann wurdest du verwandelt?“
„Vor ein paar Tagen. Ich habe kein Menschenblut getrunken. Bis auf sie.“ Er zitterte immer noch.
„Wie heißt du?“
„Derek“, flüsterte er. Dann stand ich auf, doch Derek hielt mich am Bein fest. Ich schaute zu ihm und er schaute ängstlich zu dem Jungen mit den schwarzen Haaren. „Lass mich nicht mit ihm allein.“
Ich tätschelte seine dreckigen braunen Haare. „Keine Sorge. Ich bleibe hier.“ Ich griff in meine Tasche und wählte die Nummer.
Eine müde Stimme meldete sich. „Hallo?“
„Danny, ich bin’s.“
„Ah, Julien. Wie kann ich dir helfen?“
„Ich brauche einen der Oberen, der einen Jungen aufnimmt. Er wurde vor ein paar Tagen verwandelt. Er muss ihm zeigen, was ein Vampir beachten muss, um nicht aufzufallen.“
„Denn die auffälligen leben bei dir ja nicht lange. Ok, ich schicke dir…“ Eine kleine Pause. „Aaron.“
„Super. Wir sind bei der Konzerthalle.“
„Welche Konzerthalle?“
„Mann, Danny. Hast du schon wieder geraucht. Wir haben doch nur eine im Ort.“
„Ja, kann schon sein. Ich schicke ihn hin. Er ist in fünf Minuten da.“
„Danke.“
„Immer gern.“ Dann legte er auf. Ich drehte mich zu dem Typen.
„Wie geht es ihr?“
Er schaute auf. „Sie hat nicht so viel Blut verloren, dass es gefährlich sein könnte. Warum tötest du ihn nicht? Warum soll ein anderer Vampir auf ihn aufpassen?“ Er stand auf und schaute auf das Messer in meiner Hand. Ich folgte seinem Blick und steckte das Messer wieder weg in den Gürtel.
„Ich töte ihn nicht, weil er noch ein sehr junger Vampir ist und er hat diese Frau doch nicht getötet. Er hat rechtzeitig aufgehört und er verdient eine Chance zu lernen.“ Der Typ sah erst mich an, dann Derek und dann die Frau.
„Der Krankenwagen ist in fünfzehn Minuten da. Wann kommt der Obere?“
„Fünf Minuten.“ Ich kniete mich wieder vor Derek. „Wie alt bist du?“
„Habe ich doch gesagt. Ich wurde vor ein paar…“ Ich unterbrach ihn.
„Das meinte ich nicht. Ich meine dein richtiges Alter. Dein Alter als du noch ein Mensch warst.“
„Fünfzehn… und wie alt bist du?“, fragte er leise.
Ich lachte kurz auf und Derek sah mich erschrocken an. „Ich bin sechzehn.“
„Du sollest dir lieber keine Hoffnungen machen.“ Tönte eine Stimme hinter mir. „Sie geht mit niemandem aus.“ Das war Aaron. Er ärgerte mich immer, weil wir eigentlich ziemlich gut mit einander aus kamen. Wir konnten uns sogar Freunde nennen.
„Pass auf, dass ich keine Jagd auf dich mache, wenn du weiterhin anderen Leuten Dinge über mich sagst, die sie selbst auch herausfinden können.“ Ich lächelte ihn an und er lachte. Dann wurde er ernst und zeigte auf Derek. „Ist er das?“
„Ja. Das ist Derek. Er ist noch sehr jung. Versuch ihm so viel wie möglich bei zu bringen und sei nett zu ihm.“
Aaron reichte Derek eine Hand und sagte: „Ich bin Aaron und ich werde dir helfen dich in die Gesellschaft der Vampire einzufinden.“ Derek blickte auf und musterte Aaron.
Aaron war Afrikaner, groß und muskulös und hatte ein strahlend weißes Lächeln. Derek legte seine Hand in die des anderen Vampires und flüsterte: „Kann sie mitkommen“ Er deutete dabei auf mich.
„Ich befürchte nicht. Sie hat noch andere Sachen zu tun und muss noch andere Vampire retten“ Während er das sagte grinste er mich an. „So wie sie mich damals gerettet hat.“
„Ich kann euch morgen doch besuchen kommen“, schlug ich vor und Derek ließ sich von Aaron auf die Beine ziehen. „Natürlich erst, wenn es dunkel ist.“
Ich lächelte Derek noch einmal aufmunternd zu und drückte Aaron kurz, damit Derek sah, wie nahe wir uns standen. Dann waren sie in der Nacht verschwunden. Ich drehte mich wieder zu dem Jungen mit dem schwarzen Haaren um, der jetzt lässig an der Wand lehnte. Er beobachtete mich aufmerksam.
„Was ist? Hab ich nen Keks an der Backe?“, fragte ich gereizt. Und drehte mich um, um zum Konzert zurück zu gehen.
„Du musst hier bleiben“, sagte der Fremde ruhig. Ich drehte mich rückartig um und sah ihn verständnislos an. „Wieso?“
„Ich habe den Typen im Krankenhaus gesagt meine Freundin und ich hätten sie“ Er zeigte auf die Frau. „gefunden.“
Ich sah ihn mit einem vernichtenden Blick an. „Und ich soll jetzt deine Freundin spielen“, sagte ich verächtlich.
„Natürlich, wer denn sonst? Sie etwa?“, sagte er sarkastisch und zeigt noch einmal auf die Frau am Boden. Sie lag nun auf dem Rücken.
„Wenn ich schon deine Freundin spiele, sollte ich wenigstens deinen Namen wissen.“
„Wie unhöflich von mir“, sagte er und stieß von der Wand ab. Einen Meter vor mir blieb er stehen und streckte die Hand aus. „Ich bin Blake.“
Ich ergriff seine Hand und sagte: „Julien.“
„Es ist mir eine Ehre dich kennenzulernen. Wir sollten uns nachher wie ein Paar verhalten, wenn der Krankenwagen da ist.“
„Was meinst du damit?“ Ich sah ihn misstrauisch an. Ich kannte diesen Blake nicht und nun sollte ich seine Freundin spielen.
„Na du weißt schon. Händchen halten. Dich von mir im Arm halten lassen, wenn sie sie in den Krankenwagen verfrachten. Etwas ängstlich und geschockt aussehen und so.“ Er machte mit seiner Hand eine kreisende Bewegung, die das „und so“ verstärken sollte. „Wir können es ja mal ausprobieren.“ Er steckte mir wieder die Hand entgegen, doch jetzt sollte ich sie nicht schütteln, sondern halten. Ich legte meine Hand in seine und wir verschränkten die Finger miteinander. Für ein paar Minuten kann das ja nicht so schwer sein, dachte ich. Dann ließ er meine Hand los, nickte und breitete dann die Arme aus. Ich ging einen Schritt näher und legte erst meine linke Hand auf seine Brust, dann legte ich meinen Kopf an seine Schulter und den anderen Arm auf seinen Rücken. Dann schlossen sich seine Arme um mich. Ich fühlte mich unbehaglich. Dann ließ er mich wieder los, ging zu seiner Wand und lehnte sich lässig dagegen.“Na, das hat doch ganz gut funktioniert. Wir müssen nur verliebt aussehen und dann glaub uns jeder, dass wir ein Paar sind.“
Ich ging zu ihm und lehnte mich neben ihn an die Wand. Sie war rau und aus Ziegelsteinen.
„Sag mal, warum bist du eigentlich hier?“, fragte ich und sah ihn neugierig an.
„Ich bin mit meinen Eltern hergezogen“, antwortete er.
„Wow, darauf wäre ich ja nie gekommen“, sagte ich sarkastisch.
„Dann mal gut, dass ich es dir gesagt habe.“
„Ich meinte eigentlich, bist du ein Vampirjäger?“
„Ja. Hast du dir das nicht denken können, als ich vor dir aus der Halle gerannt bin. Du hast doch gesehen, dass ich was gerochen habe.“
„Ja, das habe ich gesehen. Aber als du draußen standest hattest du kein Messer oder irgendeine andere Waffe bei dir und dann du bist mir hinterher gerannt. Ich wusste nicht, was ich von dir halten sollte.“
„Ich bin dir hinterher gelaufen, weil ich keine Waffen dabei hatte. Ich nehme doch keine Waffen mit zu einem Green Day Konzert. Deswegen auch die Bemerkung vorhin.“ Er musterte mich mit einem mir unbekannten Gesichtsausdruck.
„Kannst du denn Leuten aus dem Krankenwagen nicht sagen, dass ich wieder rein gegangen sei?“
Plötzlich verdüsterte sich seine Miene. „Du willst mich doch jetzt nicht etwa allein lassen? Ohne eine Waffe. Was wäre, wenn plötzlich mehrere Vampire auftauchen und mich töten, nur weil du wieder reingegangen bist.“ Er schaute mich an. Um seine Lippen spielte ein grinsen.
Ich lachte. „Na gut, ich bleibe draußen. Ich will ja nicht für deinen Tod verantwortlich gemacht werden.“
„Braves Mädchen.“
Wir standen noch eine Weile an der Wand gelehnt da und unterhielten uns. Er kam von weit her und seine Eltern nahmen ihn immer mit. Er war achtzehn und würde gern irgendwo bleiben, aber seine Eltern schleppten ihn überall mit hin. Sie reisten durch die ganze Welt. Wir hatten ein paar Gemeinsamkeiten. Wir liebten Musik und spielten Beide Gitarre. Seine Eltern waren keine Vampirjäger, aber sein Großvater war einer. Meine Eltern hatten vor langer Zeit mit dem jagen aufgehört, als sie sich kennenlernten und als dann meine Schwester und ich geboren wurden, war ans jagen nicht mehr zu denken. Ich bin die einzige in meiner Familie, die Vampire jagt. Meine Schwester ekelte sich davor. Blake und ich gingen auf eine Schule nur für Vampirjäger. Dort gab es keine Klassen. Jedenfalls nicht im normalem Sinne. Es gab „Klassen“, die nach den Eigenschaften der Schüler zusammengestellt wurden. Es waren drei bis fünf Schüler in einer „Klasse“. Wir lernten so die Zusammenarbeit mit anderen und ihnen zu vertrauen. Deswegen wurden die Gruppen jedes Trimester neu gemischt.
Es gab viel theoretisches, was man als Vampirjäger wissen muss. Was man über Vampire wissen muss. Beim theoretischen Teil gab es wirklich Klassen, wie in einer normalen Schule.
Im „Sport“, was wichtiger war für alle, gab es Gruppen. Hier lernten wir wie man kämpfte, sich gegen Vampire verteidigte, oder sie tötete. Wir mussten auch die Flucht üben, falls es zu viele Vampire waren.
Ich erzählte ihm alles über unsere Schule. Blake hatte auch einmal eine besucht.
Wir standen eigentlich nur fünf Minuten an der Wand gelehnt - nach unseren Versuchen, wie ein Paar auszusehen – als der Krankenwagen vor der Halle hielt. Blake lief um das Gebäude herum und holte die Rettungsleute und nahm mich gleich in den Arm, als er mit den Rettungsleuten um das Gebäude kam.
„Wir haben sie hier gefunden. Sie lag bewusstlos auf dem Boden“, sagte Blake und streichelt mir übers Haar. Ich piekte ihn mit der Hand, die hinter seinem Rücken war, damit er damit aufhörte. Und er hörte auch auf. Ich fühlte mich überhaupt nicht wohl hier zu stehen; in den Armen eines Fremden und von noch mehr Fremden umgeben.
Als die Sanitäter wieder vor der Konzerthalle waren, wollte ich mich von Blake lösen, doch er hielt mich noch fester als vorher. Dann beugte er sich vor und flüsterte mit dem Mund an meinem Ohr: „Wir werden beobachtet. Aus roten Augen.“
Rote Augen? Ich war verwirrt, doch dann dämmerte es mir. Ein Vampir! Und ein wirklich starker noch dazu. Mein Messer konnte ich vergessen. Nur die ältesten und gleichzeitig stärksten Vampire hatten rote Augen und wenn er uns beobachtete bedeutete das nichts Gutes.

„Gebt acht
Vor der Nacht,
Wenn die Schatten erwachen
Und den Jägern den gar aus machen.“



Ich kannte diesen Spruch. Er ließ mir das Blut in den Adern gefrieren. Nun klammerte ich mich an Blake. Oder besser gesagt an sein Hemd. Ich hatte schreckliche Angst, denn wenn ein Vampir das zu einem Vampirjäger sagte, dann hieß das, dass der Vampir den Jäger – oder wie in unserem Fall die Jäger – jagen und töten wollte. Der Vampir machte das zu einem grausamen Spiel, bei dem noch andere Leute sterben.
„Er hat das nur zu mir gesagt. Ich kenne ihn. Er hat diesen Spruch schon einmal gesagt.“ Blake versuchte mich zu beruhigen. Ich schaute mich um, doch der Vampir war verschwunden. Ich ließ ihn los und sprach mit eisiger Stimme.
„Nein, das hat er nicht, denn sonst hätte er dich jetzt angegriffen. Mit mir in deinen Armen. Er hat uns beide gemeint. Nicht nur dich. Er hatte „den Jägern“ gesagt. Damit meinte er dich und mich.“ Ich drehte mich um und ging zum Vordereingang, wo meine Freunde schon auf mich warteten. Das Konzert war wohl schon vorbei. Zoey kam auf mich zugestürmt und umarmte mich. Dann blickte sie mich streng an.
„Sam sagte du seist nur zur Toilette gegangen. Wir haben uns solche Sorgen gemacht. Was machst du denn hier draußen?“ Ich wusste nicht wie ich mein Verschwinden und meine lange Abwesenheit erklären sollte.
„Wir haben uns unterhalten.“ All drehten sich zu der Stimme um und sahen von Blake zu mir und immer hin und her.
„Leute, das ist Blake. Er ist vor kurzem hierher gezogen und er hat mich gebeten ihm etwas über die Gegend zu erzählen.“
„Super Fang“, flüsterte Zoey mir ins Ohr. Ich warf ihr einen warnenden Blick zu.
„Wir müssen nach Hause. Meine Mom hat schon angerufen. Deine Mom hätte bei ihr angerufen und so“, sagte Sam. Sie stand bei den Jungs und hielt die Hand von Luca. Luca betrachtete Blake misstrauisch. Luca wusste von Vampiren und ihren Jägern. Ich drehte mich zu Blake um.
„Na, dann bis zum nächsten Mal“, sagte ich.
„War nett dich kennenzulernen.“ Dann drehte er sich um und verschwand im Dunkeln. Ich drehte mich wieder zu den Anderen um.
„Kommt, lasst uns nach Hause gehen“, sagte Sam und alle stimmten zu.
In der Straßenbahn verabschiedeten wir uns, denn Luca, Jared und Sam mussten in die entgegengesetzte Richtung von uns fahren. Zoey und ich stiegen in den Zug. Wir saßen eine Zeit lang schweigend da und ich betrachtete uns in der gegenüberliegenden Scheibe. Der Wagon war fast leer. Es fuhren nur zwei Leute bei uns mit, die wahrscheinlich auch das Konzert besucht hatten.
„Das Konzert war doch echt klasse“, sagte ich und Zoey sah zu mir herüber.
„Du hast doch nur die Hälfte davon mitbekommen. Du warst doch draußen mit Blake. Warum hast du ihn uns nicht besser vorgestellt?“
„Ich habe euch doch seinen Namen gesagt, oder nicht?“
„Ich meine. Wir konnten ihn kaum kennenlernen.“
Ich glaube zwölf Uhr nachts ist keine gute Zeit mit jemanden zu plaudern. Besonders nicht in der Kälte.“
„So kalt war es doch nicht und du hast doch auch mit ihm geplaudert.“ Sie klang vorwurfsvoll.
„Ich habe mit ihm auf den Krankenwagen gewartet.“
„Was war überhaupt passiert?“
„Wir haben eine Frau gefunden. Sie…“ wurde von einem übelriechendem Vampir angefallen, der sie nicht ganz ausgesaugt hatte und am Leben ließ. Wir riefen einen anderen Vampir, der ihn dann mitnahm. Und ich bin übrigens eine Vampirjägerin. Als ob ich ihr das sagen würde. „war bewusstlos und ist nicht aufgewacht, als wir es versucht hatten. Sie lebte aber noch. Als wir sie fanden, lag sie schon da.“
„Aha. Aber während des Wartens hattet ihr Zeit zum plaudern.“ Sie sah mich mit hochgezogenen Augenbrauen an.
„Was hättest du denn getan? Hätten wir stillschweigend in die Nacht blicken sollen und uns dabei zu Tode langweilen?“
„Ok, ich hätte das selbe getan“, gab sie sich geschlagen.
Die Bahn hielt kurz darauf an und ich steig aus. Ich winkte ihr noch zu, doch sie sah mich nicht mehr. Dann drehte ich mich um und machte mich auf den Weg nach Hause. Es hatte angefangen zu regnen, während wir in der Bahn saßen. Ich sog meine dunkelrote Jacke um meinen Hals und rannte unsere Straße entlang. Als ich unter die Veranda trat ging das Licht an. Ich zog den Schluss aus meiner Jacke und schloss mir auf. Ich hatte nicht darauf geachtet, ob bei uns noch Licht brannte. Meine Eltern wussten sowieso, dass ich bei einem Konzert war. Sie hatten nichts dagegen, wenn ich länger weg blieb.
Ich ging rauf in mein Zimmer und schaute mich um. Ich sollte wirklich mal wieder aufräumen, aber wenn man Vampire jagte, hatte man nie Zeit dafür.
Mein Zimmer war groß. Neben der Tür stand mein Schrank. An der gegenüberliegenden Wand unter einem Fenster stand mein Schreibtisch. Rechts daneben stand mein großes Bett. Es war ein großes Einzelbett oder kleines Doppelbett. Der Boden war mit Laminat ausgelegt und die Wände waren in einem himmelblau gestrichen. Nur die Wand mit der Tür war schwarz. Das kam daher, dass ich mein ganzes Zimmer schwarz machen wollte und ich probierte es an dieser Wand. Es war mir dann doch zu dunkel und ich ließ es so. Auf dem Boden in meinem Zimmer lagen unzählige Kleidungsstücke, Zeitschriften und Bücher herum. Mein Bett war dafür ordentlich gemacht. Ich zog mich um, ging den Flur entlang zum Bad und wusch mein Gesicht. Danach ging ich in mein Zimmer, legte mich aufs Bett du las noch ein bisschen. Als ich müde wurde – so um zwei Uhr – legte ich das Buch weg, schaltete das Licht aus und starrte an die Zimmerdecke. Ich konnte Blake nicht vergessen und den Vampir mit den roten Augen. Ich hatte noch nie einen Vampir mit roten Augen gesehen und nun wurde ich von einem bedroht. Ich musste es Sam erzählen.
Während ich noch ein bisschen über die Ereignisse des Tages und das Konzert nachdachte, schlief ich ein.
Ich träumte von Vampiren mit roten Augen. Sam und Zoey wurden angegriffen. Blake hatte plötzlich auch rote Augen und sprang auf mich zu. „Es tut nicht weh“, flüsterte er mir ins Ohr, beugte sich vor und ich fühlte einen Stich am Hals und wachte auf. Ich schaltete das Licht sofort wieder an. Ich war allein im Zimmer. Ich war schweißgebadet und fuhr mit der Hand über meinen Hals. Da war etwas. Eine kleine Wölbung. Ich sprang sofort auf und rannte zu Spiegel und schaute mir meinen Hals genau an. Da war tatsächlich ein roter Punkt. Mit Erleichterung stellte ich fest, dass es nur ein Mückenstich war. Ich stapfte zurück ins Bett, schaltete das Licht wieder aus und viel sofort in einen tiefen Schlaf.





2




Ich wachte, durch ein klopfen an der Tür, auf. Ich stöhnte ein „Herein“ und Sam stand vor mir. Sie machte die Tür hinter sich zu, kam zu Bett und setzte sich auf die Bettdecke. Ihre Haare waren zerzaust. Es sah aus, als ob sie gerannt wäre.
„Morgen du Schlafmütze. Es ist schon zehn“, sagte sie und lächelte.
„Morgen“, sagte ich und setzte mich auf. „Was machst du denn so früh schon hier?“ Ihr Blick wurde ernst.
„Du musst mir sagen, was gestern passiert ist.“ Ich seufzte und erzählte ihr von dem Gestank, von dem Vampir Derek, von Blake, dem sie schon begegnet war, und von dem Vampir mit den roten Augen. Das mit der Paar-Sache ließ ich aus.
„Du musst es Jem erzählen.“ Jem war ein Lehrer an der Vampirjägerschule, selbst ein guter Vampirjäger und er kümmerte sich um alles, was in der Stadt mit Vampiren zu tun hat. Man konnte ihm alles erzählen, denn er half einem gern und konnte schweigen.
„Ich weiß“, gab ich niedergeschlagen zurück.
„Blake muss sich noch in der Schule anmelden, oder? Kann er es dann nicht einfach sagen?“
„Ich glaube nicht, dass er das tun wird. Ich rufe Danny an und frag ihn ob Jem mal vorbei kommen kann. Wenn nicht, dann gehe ich hin.“
„Ich komm mit.“
„Was ist mit Zoey? Wolltest du nicht mit ihr ausgehen. Ein Mädelsabend?“
„Ja, schon“, sie schaute zur Seite und sah nicht erfreut aus.
„Ich sag dir dann wies war, ok?“
„Ok. Und nochmal wegen Blake. Läuft da was?“
„Was? Nein! Ich kenne ihn doch erst seit gestern und seine Handynummer habe ich auch nicht und ich will sie auch gar nicht. Ich werde ihn wahrscheinlich nie wieder sehen.“ Ich schwang meine Beine aus dem Bett und ging zum Kleiderschrank.
„Du wirst ihn in der Schule sehen und wenn wir jagen. Vielleicht auch in den Clubs“, überlegte sie, während ich mich anzog. „Du kannst ihm nicht aus dem Weg gehen. Du kannst ihn höchstens ignorieren.“
„Das hatte ich auch vor. Er ist verdammt eingebildet und…“ Plötzlich klingelte mein Handy. „Wer ist das?“ Sam nahm das Handy und schaute auf den Bildschirm.
„Das steht nur eine Nummer. Keiner, den du eingespeichert hast.“
Gib mal her“, sagte ich, ging zu ihr hinüber und streckte die Hand aus. Sie gab mir das Handy und ich nahm ab. „Hallo?“
„Hier ist der böse Vampir von gestern Abend. Kann ich dein Blut aussaugen?“ Die Stimme kam mir bekannt vor.
„Blake?“ Sam warf mir einen von ihren Da-läuft-also-nichts? -Blicken zu.
„Erraten. Ist der Vampir schon bei dir aufgetaucht?“
„Nein und woher hast du meine Nummer?“
„Hab mich grad bei der Schule angemeldet und Jem meinte ich sollte deine Handynummer haben, da du die einzige Vampirjägerin in der Stadt bist, die ich kenne. Ist in deinen Träumen noch kein Vampir mit roten Augen aufgetaucht?“
„Ist Jem noch in der Nähe?“
„Nein, ich bin zu Hause, wieso?“
„Ich werde ihn noch umbringen.“
„Ok, dann tu das. Sind in deinen Träumen nun Vampire mit roten Augen aufgetaucht, oder nicht.“
„Ja, sind sie. Sie hatten meine Freunde angefallen und dann hattest du rote Augen und hast mich gebissen und jetzt habe ich am Hals einen Mückenstich.“ Warum erzählte ich ihm das überhaupt? Ich wollte ihn doch ignorieren.
„Aha. Ich habe nur von Vampiren mit roten Augen geträumt“, sagte er und seine Stimme klang, als würde er nachdenken.
„Mich interessieren deine Träume nicht und wenn du dich so für meine Träume interessierst, dass du schon anrufst und danach fragst, dann sollte ich wohl besser ein Traumtagebuch führen“, sagte ich aufgebracht und legte auf.
Sam schaute mich mit hochgezogenen Augenbrauen an. „Was sollte das zum Schluss?“
„Keine Ahnung. Mir war grad danach. Jem hat ihm meine Handynummer gegeben.“
„Hatte ich mir schon gedacht, als du Jem erwähntest. Hat er’s ihm gesagt?“
„Ich glaube nicht.“ Mein Magen knurrte. „Ich gehe erst mal frühstücken. Möchtest du auch was?“
„Nein, danke. Ich hab zu Hause schon gegessen.“ Ich zuckte die Achseln und verließ das Zimmer. Sam folgte mir.
In der Küche standen zwei Teller mit Waffeln. „Ich glaube Mom dachte du wolltest auch etwas“, bemerkte ich.
„Du kannst sie essen.“
„Ich will aber nicht“, sagte ich bockig und wir beide fingen an zu lachen.
„Ich wollte doch auch fragen, ob du heute mit zu der Party kommst. Blase veranstaltet wieder eine und wir sind alle eingeladen.“
Ich schluckte meinen ersten Bissen hinunter. „Cool. Sind nur Vampirjäger da?“
„Ich glaube sie hat etwas von sterblichen Freunden gesagt, glaub ich.“ Ich setzte mich auf einen der Barhocker.
„Ok, ich komm mit.“ Ich grinste sie an.
„Aber diesmal trinkst du nicht so viel. Ich will dich nicht wieder nach Hause tragen müssen.“ Ich lächelte hämisch.
„Vielleicht ist Jem da und er kann mich dann nach Hause tragen. Meine Eltern werden sich freuen ihn mal wieder zu sehen.“ Ich lachte. Sam grinste.
„Vielleicht ist ja auch Blake da.“ Ich verstummte. Sie zog beide Augenbrauen hoch und musterte mich. „Ich dachte da läuft nichts.“
„Tut es auch nicht.“ Beeilte ich mich zu sagen. „Er ist nur ein Bekannter, mehr nicht.“
Sam fing an zu grinsen und murmelte ein „Sicher“. Ich tat so, als hätte ich sie nicht gehört.
Nachdem ich ausgiebig gefrühstückt hatte gingen wir in mein Zimmer zurück. Sam machte es sich auf meinem Bett bequem und ich nahm mein Handy.
„Hallo?“, meldete sich eine verschlafene Stimme am anderen Ende.
„Hey, Danny! Hab ich dich geweckt?“
„Ah, du schon wieder, Julien. Was ist denn jetzt? Hast du schon wieder einen Vampir?“
„Nein. Ich möchte gern wissen, ob Jem Zeit für mich hat. Ich muss ihm etwas erzählen und es wäre am besten, wenn er herkommen würde.“
„Warte…“, Ich hörte wie er etwas tippte, dann redete er kurz und dann war er wieder da. „Er ist in ein paar Minuten da und dann will er mit dir trainieren.“
„Das ist nicht sein Ernst! So früh am Morgen?!“
„War ein Scherz. Er kommt in einer Viertelstunde. Er muss dem neuen noch was zeigen und er freut sich schon darauf, von dir umgebracht zu werden.“ Danny gluckste.
„Ich habe allen Grund dazu. Danke, Danny.“
„War mir ein Vergnügen.“ Damit legte er auf.
Ich drehte mich zu Sam um. Sie schaute neugierig auf und fragte: „Und?“
„Er kommt in einer Viertelstunde. Er zeigt Blake noch das Schulgelände“, sagte ich genervt.
„Heute Abend auf der Party vergisst du deine Sorgen und den Typen einfach.“
„Das ist einfacher gesagt als getan. Der Vampir geht mir nicht aus dem Kopf.“ Ich ließ mich aufs Bett fallen.
„Und Blake“, flüsterte Sam.
„Wie war das?“, sagte ich gereizt. Sie schaute mich an und zog eine Augenbraue hoch. Ok, ich konnte ihr keine Angst machen. Ich seufzte. „Na gut, du hast ja recht.“ Auf ihrem Gesicht breitete sich ein Lächeln aus.
„Natürlich habe ich das.“ Sie saß im Schneidersitz neben mir und grinste zu mir herunter. Ich lag vor ihr auf dem Bett. „Vielleicht solltest du dich mit ihm treffen. Vielleicht wird ja was Ernstes draus.“
„Vielleicht träumst du zu viel“, zog ich sie auf. Sie schlug mit einem Kissen nach mir. Ich schnappe mir auch eins und dann lieferten wir uns eine wilde Kissenschlacht, bis es an der Tür läutete. Wir gingen zusammen hinunter. Mit Federn im zerzausten Haar. Ich machte die Tür auf und davor stand Jem und grinste uns an.
„Wer von euch musste Federn lassen?“, gluckste er.
„Niemand“, sagte ich und zog ihn rein. „Ich muss dringend mit dir reden.“
„Ich weiß. Darf sie es auch hören?“ Er deutete auf Sam.
Sie schaute ihn wütend an und sagte: „Natürlich darf ich, schließlich weiß ich es schon.“ Sie stemmte die Hände in die Hüften. Bei Jem hatte sie es immer schwer sich zu beweisen.
„Ich dachte, du wolltest noch zu Zoey?“, fragte ich sie und funkelte mich an.
„Stimmt.“ Dann drehte sie sich um und verließ das Haus ohne uns eines weiteren Blickes zu würdigen.
Ich ging mit Jam ins Wohnzimmer, da mein Zimmer ziemlich verwüstet war. Wir setzten uns aufs Sofa und ich begann ihm gleich alles zu erzählen. Von Blake, dem Vampir Derek, dem Vampir mit den roten Augen und von meinem Traum und dem Mückenstich an derselben Stelle. Er schaute mich nachdenklich an.
„Und du hast den Vampir nicht gesehen weil…?“
„Ich habe ich nicht gesehen, weil…“ Ich wurde rot, aber ich musste es ihm erzählen.“ …weil Blake mich umarmt hat, wegen der Sanitäter und dann hat er mich ganz fest an sich gedrückt und hat mir ins Ohr geflüstert, dass wir beobachtete würden aus roten Augen. Erst als der Vampir wieder weg war, hat er mich losgelassen. Er meinte, der Vampir wäre nur hinter ihm her, obwohl er gesagt hat „den Jägern“.“ Jem zog die Augenbrauen hoch.
„Kannte er den Vampir denn?“
„Er meinte er würde ihn kennen.“ Ich schlang die Arme um meine Knie, die ich herangezogen hatte.
Jem legte mir eine Hand auf die Schulter. „Er wird dir nichts tun. Du hast dem Vampir nicht in die Augen gesehen. Das hat Blake gut gemacht.“
„Aber was ist mit dem Traum?“
„Vielleicht war das an dem Abend zu anstrengend oder zu viel für dich gewesen.“
„Zu viel für mich? Das glaube ich weniger.“
„Ok, du hast recht. Aber trotzdem war es schon sehr spät. Es könnte die Müdigkeit gewesen sein. In Träumen verarbeitet man immer am Tag erlebtes.“ Ich nickte. Davon hatte ich auf schon gehört.
„Falls noch etwas ist, dann ruf mich oder Danny an. Und entschuldige wegen der Handynummer, die ich Blake gegeben hatte. Er meinte, er würde nur dich kennen und da dachte ich, gebe ich ihm doch deine Handynummer.“ Er lächelte entschuldigend.
„Ist schon ok“, murmelte ich. Er schaute mich kurz prüfend an und stand dann auf.
„Es war gut, von dir, mir alles zu erzählen. Ich werde noch ein ernstes Wörtchen mit Blake reden. Ich muss zurück zur Schule. Noch ein paar Sachen für nächste Woche erledigen.“ Er verließ das Zimmer und kurz danach fiel die Haustür ins Schloss. Mein Handy vibrierte. Ich nahm und sah eine SMS.

Mach dich fertig!
Party in 2h…
Komme dich abholen.
Sam <3

Die meisten wissen nicht was ein <3 bedeutet. Ich antworte darauf immer mit einem genervten: „Das ist ein Herz!“. Für alle, die es immer noch nicht mitbekommen haben <3 soll ein Herz darstellen! Ich seufzte und stand auf. Es war Zeit das Chaos in meinem Zimmer zu beseitigen.
Als ich die Tür aufmachte, flogen mir schon die ersten weißen Flaume um die Ohren. Als ob es geschneit hätte. Vielleicht sollte ich das so lassen. Nein. Mom würde ausrasten und ich würde zwei Wochen Hausartest bekommen. Das wollte ich nun nicht riskieren, also holte ich einen Müllsack und versuchte die Feder in den Sack zu bekommen. Nach einer Stunde war ich fertig.
Nur war es an der Zeit ein Outfit zu finden.
Nach weiteren fünfzehn Minuten entschied ich mich für den roten Minirock, an den noch ein paar Messer passten, ohne aufzufallen und schwarzes T-Shirt mit einem weiten Ausschnitt. Ich legte mir noch eine Kette um den Hals, wo ein sehr kleiner Dolch herabbaumelte, mit dem man natürlich niemanden angreifen konnte. Die Kette war aus Weißgold und ich hatte sie zu meinem sechzehnten Geburtstag bekommen.
Ich kämmte mir noch die schwarzen leicht gelockten Haare und brachte den Müllsack hinaus. Auf dem Weg sah ich Sam und Zoey, die auf mein Haus zusteuerten und sie hatten mich auch gesehen. Sie winkten mir zu. Ich brachte den Müllsack in den Schuppen und ging wieder zur Vorderseite des Hauses.
„Na, bist du fertig?“, fragte Sam.
„Und wie“, sagte ich und wir machten uns auf den Weg zu Blase.

Blase feierte in einem der angesagtesten Clubs in der Stadt. Das Point. Vor der Tür stand eine Schlange von Jugendlichen. Wir gingen an der Schlange vorbei und wir wurden sofort eingelassen, da wir zu den eingeladenen Gästen gehörten. Hinter uns hörten wir noch Protestrufe der Wartenden.
Der große Raum wurde immer wieder von verschiedenen Farben erhellt.
Wir traten ein und sahen viele Leute auf der Tanzfläche. Durch die Menge drängelte sich eine dünne Gestalt. Es war Blase.
„Hey Leute! Schön, dass ihr gekommen seid“, rief sie über die Musik hinweg und grinste. Sie war auch ein Vampirjäger und konnte Vampir in ihrer Nähe fühlen. Ich glaubte, dass die Typen draußen, dass auch konnten, damit keine Vampire hineinkamen. Aber was sollten Vampire schon hier, außer Aufruhr zu veranstalten. Blase riss mich aus meinen Gedanken.
„Ich habe auch den Neuen eingeladen, aber er ist vor ein paar Minuten verschwunden.“
„Welchen Neuen?“, fragte Zoey.
„Er ist neu an unserer Schule. Er heißt Balke.“, beantwortete Blase ihr Frage.
„Julien kennt ihn“, sagte Sam. Base sah mich an.
„Ach, ja? Das wusste ich nicht. Findest du ihn nett?“
„Er ist etwas aufdringlich“, sagte ich und blickte über die Menge. Ich sah alle Vampirjäger und dazwischen tanzten auch viele Menschen.
„Wie meinst du das?“, fragte Blase verwirrt.
„Keine Ahnung“, antwortete ich und schob mich an ihr vorbei, durch die Tanzenden zur Bar. Ich bestellte mir ein Velentins.
Ich stand mit dem Rücke zu einer Tür, auf der „Zutritt verboten“ stand. Ich drehte mich langsam um, da ich Blut riechen konnte. Es war viel, aber es war kein Vampir in der Nähe. Vampirjäger besitzen diese Vampirfähigkeiten.
Ich ging auf die Tür zu und machte sie auf. Sie war nicht verschlossen. Nun war der Blutgeruch sehr stark. Ich betrat den Raum und schaute mich um. Plötzlich sah ich eine Blutlache und daneben lag ein Mensch. Ich lief sofort hin und drehte die Person auf den Rücken. Ich zuckte zusammen, als ich die Person erkannte. Es war Blake.
Ich überprüfte ober er noch atmete und dann den Puls. Seine Lederjacke war zerrissen und sein blaues T-Shirt, was er darunter trug, auch und es war mit Blut beschmiert. Er atmete noch, aber flach. Ich lief so schnell ich konnte zu Sam, doch Zoey war bei ihr. Ich drehte mich suchend im Kreis und fand denjenigen, nach dem ich gesucht hatte. Jem. Ich lief zu ihm und zerrte ihn von seinem Gesprächspartner fort in den Raum.
„Julien was ist los?“ Er hielt meinen Arm fest, sodass ich mich umdrehe und ihn ansehen musste.
„Es ist Blake. Ich weiß nicht was passiert ist. Dort drüben.“ Ich deutete auf den bewusstlos am Boden liegenden Blake. Jem ließ mich los und rannte zu ihm.
„Er atmet noch. Wir müssen ihn in ein Krankenhaus bringen.“ Jem hob Balke auf und wollte ihn hinaus tragen, aber ich versperrte ihnen den Weg. „Julien, was machst du da?“
„Du kannst da nicht lang. Alle würden anfangen zu schreien und Fragen stellen. Und wir wollen doch beide, dass Blake so schnell wie möglich raus kommt. Es gibt einen Hinterausgang. Ich war schon oft hier.“ Ich ging an ihm vorbei zu der kleinen Tür an der linken Wand. Ich machte sie auf und dahinter befand sich ein Gang. „Los, komm schon“, drängte ich ihn. Er lief an mir vorbei in den Gang hinein. Ich über holte ihn machte ihm die Tür ins Freie auf. Wir stürzten hinaus und befanden uns in einer kleinen Gasse.
„Ruf einen Krankenwagen“, befahl mir Jem. Ich tat wie mir geheißen und der Krankenwagen war nach fünf Minuten da. Ein paar Schaulustige waren gekommen und gafften, als sie Blake in den Krankenwagen schoben. Einer der Sanitäter erkannte mich vom vorherigen Tag und sagte: „Du kannst bei deinem Freund bleiben. Komm, steig ein.“ Ich drehte mich zu Jem um und er nickte mir zu, also stieg ich ein. Wir hatten darauf geeinigt, dass Blake von einem streunenden Hund angefallen worden war.
Die Türen gingen zu und der Krankenwagen setzte sich in Bewegung. Im Krankenhaus kam Blake sofort in die Notaufnahme. Nach gefühlten 3 Stunden wurde er in ein Einzelzimmer gefahren und ich saß bei ihm und wartete bis er aufwachen würde.
Ich wäre fast eingeschlafen, wenn ein Geräusch nicht meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen hätte. Es war ein seufzen oder eher ein Brummen. Ich riss die Augen auf und sah, dass Blake in seinem Bett saß und mich betrachtete.
„Was ist passiert?“, flüsterte er. Ich saß auf einem Stuhl in einer Ecke des Zimmers. Ich erhob mich, ging zu seinem Bett und setzte mich auf die Bettdecke.
„Das sollte ich dich lieber fragen“, flüsterte ich zurück. „Ich habe dich im Lagerraum gefunden. Du lagst bewusstlos und Blutüberströmt auf dem Fußboden. Du hast mir einen Heidenschreck eingejagt. Was ist dort passiert?“ Ich schaute in seine dunkelblauen Augen – nun konnte ich seine Augenfarbe erkennen, da es nicht mehr zu dunkel war.
„Ich weiß es nicht mehr“, flüsterte er gequält und hielt die Hände vors Gesicht. Dann schüttelte er den Kopf und nahm dann die Hände wieder weg. Ich hatte Mitleid mit ihm. Dafür, dass er angegriffen wurde und sich an nichts erinnern konnte. „Ich kann mich an nichts erinnern. Ich weiß nur, dass plötzlich alles schwarz wurde und dann bin ich hier aufgewacht und habe dich gesehen, deshalb dachte ich du wüsstest es. Ich schüttelte bedauernd den Kopf. Ich konnte nicht leugnen, dass ich Angst um ihn gehabt hatte. Ich war fast in Panik ausgebrochen, als ich ihn da auf dem Boden liegen sah. Als ich die Bilder vor meinem inneren Auge sah, kamen die Tränen, aber ich bemerkte sie nicht. Ich hatte Angst um jemanden gehabt, den ich kaum kannte. Ich hatte furchtbare Angst um ihn.
Blake musste die Tränen gesehen haben und plötzlich war ich in seinen Armen. Er strich mir beruhigend übers Haar. „Warum weinst du jetzt? Ich bin doch wieder wach“, flüsterte er in mein Haar. Ich hätte mich von niemandem so in den Arm nehmen lassen, aber irgendwie genoss ich seine Nähe.
„Wegen dir“, flüsterte ich. Er drückt mich etwas fester an sich, dann ließ er mich los und schaute mir in die Augen.
„Warum wegen mir?“, fragte er mit einem ernst in der Stimme. Ich schaute weg und stand auf. Ich ging zur Tür, drehte mich aber noch einmal um und sah ihn dann an.
„ich hatte mich an die Bilder von dir erinnert, wie du da gelegen hast und ich hatte solche Angst, dass du sterben könntest.“ Die Tränen wollten schon wieder fließen, doch ich riss mich zusammen. „Und jetzt lasse ich mich von dir trösten, lasse mich von die in den Arm nehmen und genieße deine Nähe. Ich weiß nicht, was mit mir los ist.“ Ich drehte mich schnell um, verließ den Raum, machte die Tür zu und lief zum Aufzug. Ich hörte noch wie er meinen Namen rief, als ich die Tür schloss, doch ich wollte jetzt einfach nur hier raus.
Der Aufzug war gerade in dieser Station. Ich drückte auf den Knopf für das Erdgeschoss. Als der Fahrstuhl unten ankam, stieß ich mit Jem zusammen. Er hielt mich an den Armen fest, sah mein verheultes Gesicht und fragte mit entsetzten: „Ist er…?“
Ich riss mich los. „Nein. Er ist wach.“ Ich drehte mich zum Ausgang.
„Aber warum weinst du dann?“, fragte er verwirrt.
„Das kann er dir auch erklären“, sagte ich über meine Schulter und lief hinaus in die Nacht.
Es fühlte sich gut an, den kalten Wind zu fühlen, wie er mir durch die Haare fuhr und meine Rock um meine Beine spielen ließ. Er war erfrischend.
Zu Hause traf ich nur Julia – meine Schwester – an. Sie sah mein Gesicht und fragte mit einem grinsen: „Na, hat dein Freund Schluss gemacht?“ Ich lief die Treppe hoch, in mein Zimmer und knallte die Tür zu. Mein Hany vibrierte. Sam.
„Hallo?“, sagte ich und schniefte.
„Julien, was ist passiert? Wo bist du? Wir machen uns verdammt noch mal Sorgen um dich.“Sie war außer sich vor Wut.
„Mir gehst gut. Ich bin zu Hause. Es ist alles gut.“ Ich ließ mich auf mein Bett fallen.
„Sagst du mir bitte was passiert ist, dass du so plötzlich verschwunden bist.“
„Ok, hast du Lautsprecher aus?“
„Ja, wieso?“ Sie klang misstrauisch.
„Ich hab Blake verletzt im Lagerraum gefunden. Ich wollte dir ja gleich Bescheid sagen, aber Zoey war bei dir. Jem hat mir geholfen ihn raus zu bringen und ich bin dann mit ins Krankenhaus gefahren. Als ich ging kam Jem mir entgegen. Blake ist also nicht allein, falls du dir deshalb Sorgen machen solltest.“
„Ich mache mir keine Sorgen um ihn. Ich mache mir Sorgen um dich!“
„Mir geht’s gut“, sagte ich leicht gereizt.
„Was hat er getan?“, fragte sie resigniert.
„Was?“
„Was hat er gesagt oder dir angetan, dass du jetzt zu Hause sitzt und weinst.“
„Nichts“, schniefte ich.
„Wenn du es mir nicht sagst, dann frag ich ihn selber.“
„Ok. Ich weine nicht wegen ihm. Nicht direkt. Ich habe mir die Bilder von ihm noch einmal vor Augen geführt und hab dann angefangen zu weinen, als ich mir vorstellte, dass er tot sei. Er hat mich getröstet, obwohl ich doch nie heule. Was ist nur mit mir los?“
„Es hat dich schwer getroffen, als du ihn da gesehen hast, oder?“
„Ja.“
„Du magst ihn“, war die schlichte Antwort auf meine Frage.
„Das kann nicht sein. Ich kenne ihn doch kaum!“
„Ich weiß es hört sich kitschig an, aber es war Liebe auf den ersten Blick. Selbst wenn du das nicht sofort mitbekommen hast.“
„Du hast recht. Es hört sich echt kitschig an“, gluckste ich. Auch Sam fing am anderen Ende an zu lachen.
„Ich kann ja mal vorbeikommen, wenn du willst“, schlug sie vor.
„Übernachtest du bei mir? Meine Eltern arbeiten wieder spät und meine Schwester ist auch nicht da. Du weißt ja wo der Schlüssel für die Tür ist.“
„Ja, weiß ich. Unter dem Blumentopf.“
„Psst. Sonst hört dich noch jemand.“
„Keine Sorge. Ich bin draußen und allein. Ich bin in einer Stunde da.“
„Bis dann.“ Dann war die Verbindung unterbrochen. Ich legte mein Handy neben mich und schloss die Augen.
Ich mag ihn. Hatte ich das noch nicht mitbekommen. Eine wichtige Frage war: Mochte er mich auch?
Ich stand mit einem Seufzer auf und ging zu meinem Bücherregal. Ich schaute durch die Reihen. Ich hatte viele Bücher. Einige hatte ich nur für die Schule gelesen. Es waren viele verschiedene Bücher. Stolz und Vorurteil, Das Parfum, Die Chroniken der Unterwelt, Mitternachtszirkus und sogar die Biss…Bücher hatte ich im Regal und ich hatte sie alle gelesen.
Das waren nur ausgedachte Vampirbücher. In jedem stand etwas Wahres drin, aber das meiste war ausgedacht. Natürlich sind es nicht alles Vampirbücher, was die ersten beiden Beispiele bezeugten.
Ich zog mir eine Jogginghose an und ein weites rotes T-Shirt. Dann ging ich in die Küche und machte uns Popcorn. Ich legte die Tüte mit dem aufgepoppten Popcorn in die Mikrowelle und schaltete sie an. Dann ging ich ins Wohnzimmer und suchte ein paar Filme raus, die wir neu hatten oder sie Sam und ich noch nicht gesehen hatten und legte den Stapel auf den Sofatisch.
Die Mikrowelle piepte. Ich füllte das Popcorn in eine Schale. Ein paar Minuten später – in denen ich gelesen hatte – klingelte es an der Tür. Sam wusste doch, wo sich der Schlüssel befand. Ich ging hinunter und öffnete die Tür. Sam stand davor und grinste mich an.
„Bereit für eine Nacht, die du nie vergessen wirst?“, fragte sie unheilvoll. Sie hielt eine Tüte mit Gruselfilmen in der Hand.
„Worauf du dich verlassen kannst.“



3




Sam und ich saßen auf dem Sofa und schauten uns The Messengers an. Er war nicht so gruselig für uns, da wir ja jeden Tag mit Gruselmonstern verbrachten. Mein Handy vibrierte.
„Hallo?“
„Hey, ich bin’s.“ Es war Jem.
„Was gibt’s?“
„Ich habe mit Blake gesprochen.“ Oh nein. „Er konnte sich deinen Gefühlsausbruch im Krankenhaus auch nicht erklären.“ Puh, er hatte nichts verraten. „Er kann sich auch nicht an den Angriff erinnern. Ich habe ein paar Vampirjäger in den Lagerraum geschickt. Wenn ein Vampir da gewesen ist, dann wissen wir es morgen.“
„Ok. Danke, dass du mir Bescheid gesagt hast.“
„Sag mal, magst du Blake?“
Ich verschluckte mich an einem Popcorn, was ich mir gerade in den Mund geschoben hatte. Ich hustete und Sam sah mich überrascht an.
„Ist alles ok?“, fragte sie.
„Äh... ja.“
„Und? Magst du ihn?“
„Ich weiß nicht. Sam ist hier. Können wir nicht morgen darüber reden?“
„Ok. Gute Nacht.“ Er legte auf.
„Nacht.“ Ich legte das Handy beiseite.
„Wer war das?“, fragte Sam und sah mich neugierig an.
„Jem“, sagte ich und konzentrierte mich auf den Film.
„Was wollte er?“
Ich zuckte mit den Achseln und schaute konzentriert auf den Bildschirm.
„Ok, wenn du es mir nicht sagen willst.“
Wir schauten noch eine Stunde schweigend den Film, bis er zu Ende war. Sam schlug vor in mein Zimmer zu gehen. Ich stimmte zu. In meinem Zimmer ließ sie sich auf mein Bett fallen und sah mich herausfordernd an. „Was wollte Jem?“, fragte sie mit mehr Druck.
Ich ließ mich neben ihr nieder. „Er hat Vampirjäger in den Lagerraum geschickt. Sie überprüfen, ob ein Vampir Blake angegriffen hat.“ Ich schaute auf den Boden und auf meine Füße.
„Da war noch was.“
Ich schaute sie überrascht an. Wie wüsste sie so etwas nur? Ich seufzte. „Ok. Er hat mich gefragt, ob ich Blake mag.“ Ich spürte, wie ich leicht rot wurde.
„Und du hast da mit „Ich weiß nicht“ geantwortet. Warum hast du nicht ja gesagt?“
„Ich wusste in dem Moment nicht, was ich sagen sollte. Er hatte mich überrascht. Ich glaube ich mag ihn. Aber ich bin auch wütend über ihn, da er mich so verwundbar bemacht hat, zu dem Moment im Krankenhaus.“
„Ich verstehe. Du willst deine Gefühle zu ihm nicht preisgeben, da dann ein Vampir über ihn dir etwas antun könnte.“ Auf diese Idee war ich noch gar nicht gekommen. Aber sollte sie es erst einmal denken.
„Genau“, flüsterte ich. Ich schaute immer noch auf den Boden.
Plötzlich fing sie an mich zu kitzeln und ich sagte ihr, sie solle aufhören, doch das tat sie nicht. So hatten wir noch viel Spaß an dem Abend. Ich vergaß Blake für den Abend.
Wir gingen spät ins Bett und standen dementsprechend spät auf. Sam war vor mir wach und war schon angezogen in der Küche. Sie unterhielt sich mit meiner Mutter. Ich schlürfte zum Kühlschrank und holte mir einen Jogurt heraus zum Frühstück.
„Guten Morgen, du Schlafmütze“, sagte meine Mutter.
„Morgen“, brummelte ich und ging zum Tisch. Sam setzte sich mir gegenüber. „Seit wann bist du schon wach?“, wollte ich wissen.
„Eine Weile. Jem erwartet uns.“
Ich schaute sie an und kniff dann die Augen zu. „Warum?“, fragte ich schließlich.
„Er wollte uns wegen der Sache mit dem Lagerraum sprechen.“ Sie schaute mich ernst an. Da wusste ich, dass sie ihn auch über meine Gefühle über Blake aufgeklärt hatte.
Trotzdem fragte ich: „Du hast doch nicht?“
„Doch hab ich.“ Sie grinste mich an. „Irgendwann hätte er es sowieso erfahren.“
Meine Mutter offenbar gelauscht. „Was hätte Jem irgendwann erfahren?“
„Es wurde ein Vampirjäger angefallen. In einem Lagerraum. Das weiß er bereits. Aber er wusste nicht in welches Krankenhaus wir den Vampirjäger gebracht hatten.“ Ich log nicht gern. Ganz besonders belog ich meine Mutter nicht gern, aber bei Gefühlssachen machte ich da schon mal eine Ausnahme. Sie sah mich misstrauisch, aber nickte dann und ging zurück in die Küche.
„Warum hast du das gemacht?“
„Ich wollte meiner Mutter das mit Balke noch nicht erzählen. Erst später.“
„Wenn du mit ihm verheiratest bist.“ Sam grinste.
„Wer hat denn von heiraten gesprochen?“, fragte ich entsetzt. „Ich bin doch noch nicht mal mit ihm zusammen und ich weiß auch gar nicht, ob er mich auch mag.“
„Du solltest aufhören über ihn nachzudenken. Er ist es nicht wert. Zieh dich an. Wir müssen los.“
Ich machte mich, nach meinem kleinen Frühstück, fertig und wir machten uns auf den Weg zu Jem. Dazu mussten wir auf den Hof unserer Schule und ins Verwaltungsgebäude. An der Tür trafen wir Aaron.
„Hey Julien! Sam!“ Er winkte uns zu. An seiner Seite stand ein Junge mit braunen langen Haaren. Nun waren sich nicht mehr dreckig. Er sah aus wie ein Emo. Ich hatte nichts gegen Emos. Ich wäre selber gern einer gewesen. Ich erkannte ihn erst als wir vor den beiden standen. Derek. „Du hast uns nicht besucht“, sagte Aaron und zog einen Schmollmund.
„Es tut mir leid. Ich hatte anderes zu tun.“ Ich lächelte entschuldigend.
„Ja, auf Partys gehen“, sagte Sam und lachte. Ich schaute sie böse an, aber auch Aaron und Derek lachten.
„Wieso bist du hier?“, fragte ich Aaron.
„Das weißt du doch. Ich muss Derek anmelden. Da du ihn mir übergeben hast, bin ich sein Vormund. Ich musste ihn anmelden, damit alle wissen, dass ein neuer Vampir in der Stadt ist, den ihr nicht tötet. Nur wenn er Probleme macht.“ Er lachte Derek an.
„Bestimmt nicht“, sagte er. „Ich bin doch ganz brav.“ Er lächelte mich an. „Danke, dass du mir noch eine Chance gegeben hast.“
Ich lächelte zurück.
„Wir müssen dann mal wieder los. Aber du besuchst uns nochmal irgendwann.“ Er zeigte auf mich und schaute mich grimmig an. Dann grinste er und ging an uns vorbei. Derek folgte ihm.

Jem saß an seinem Schreibtisch, fast als ob das eine ganz „normale“ Schule wäre. Er blickt von seinen Unterlagen auf und schaute zur Tür. „Da seid ihr ja endlich.“
„Sorry, Dornröschen hat zu lange geschlafen“, sagte Sam und grinste mich an. Ich verzog mein Gesicht, ging aber nicht weiter darauf ein.
„Was ist denn nun?“, fragte ich.
„Ähm, ja, nun gut. Es war ein Vampir, der Blake angegriffen hat.“
„Aber wie…“, erwiderte Sam.
„Das wissen wir nicht“, unterbrach Jem sie. „Wir haben nur sehr wenige Spuren von einem Vampir gefunden, aber es waren welche da.“
„Warum habe ich ihn nicht gerochen?“ Ich hätte einen Vampir ganz sicher gerochen.
„Du riehst die Vampire nicht

. Du kannst nur das Blut von Menschen riechen und den Mundgeruch von Vampiren, wenn sie zuschlagen“, erwiderte er verärgert. „Die Spur des Vampirs wurde aufgenommen, doch sie verliert sich in einer Gasse. Wir gehen davon aus, dass der Vampir an der Hauswand hoch zum Dach geklettert ist und dann über die Dächer weitergelaufen ist. Ihr beide bleibt bei Blake.“ Oh nein. „Julien, ich weiß zwar nicht was im Krankenhaus vorgefallen ist, aber du solltest dich davon nicht ablenken lassen, denn Ablenkungen und Unaufmerksamkeit können wir bei einer Vampirjagd nicht gebrauchen.“ Nun war er wieder der strenge Lehrer, dem keiner widersprechen durfte. Das wechselte immer bei ihm, aber eigentlich war er ganz nett. „Blake durfte schon wieder nach Hause. Er ruht sich aus und das solltet ihr auch tun. Morgen ist wieder Schule.“
Wir drehten uns um und verließen sein „Büro“. Auf dem Weg nach Hause dachte ich über den nächsten Tag nach. Was würden wir wohl wieder spannendes in der „Schule“ machen?
Vampirtheorie, Waffenlehre (oder wie die das auch immer nennen), Mythen und Legenden und dann kommt noch das Training.

Ein ganz normaler Schultag also. Ich seufzte.
„Hast du den Vortrag schon fertig?“, holte Sam mich aus meinen Gedanken.
„Welchen Vortrag?“, fragte ich entsetzt.
„Über die Legenden der Verschiedenen Jahrhunderte. Ich habe das Thema: Legenden des 12. Jhd, und du?“
„Ähm…“ Ich musste sehr stark überlegen, denn ich konnte mich nicht erinnern je einen Vortrag über Legenden bekommen zu haben. Doch dann fiel es mir wieder ein. „Ich habe das Thema: Legenden des 18. Jhd. Bis wann soll der fertig sein?“
„Mittwoch.“
„Ok, Herr Jahn wird mich in der Luft zerreißen. Ich muss die nächsten zwei Tage durcharbeiten.“ Da war an Vampire jagen nicht zu denken. Vergaß man bei Herr Jahn auch nur eine winzige Kleinigkeit, dann konnte man das zehnfach nachholen und dann blieb einem kein Zeit für irgendwas.
Zu Hause setzte ich mich sofort an meinen Laptop und recherchierte über Vampir-Legenden und ihre Folgen für die Menschen des 18. Jahrhunderts.

Ich fand mich in einer Stadt des 18.Jahrhunderts wieder. Es war so heiß um mich herum. Ich sah mich um und merkte, dass alle Häuser brannten. Plötzlich kam ein Mann durch den Rauch. „Komm hier lang!“
Ich war wie in Trance. Ich bewegte langsam einen Fuß nach dem anderen. Ich konnte nicht mehr klar denken, verlor das Gleichgewicht, fiel und wurde aufgefangen. Ich blinzelte und schaute in rote Augen. Ich war – aus irgendeinem unerfindlichen Grund – nicht in der Lage zu schreien. Ich schloss die Augen.



Ich wachte mit einem Ruck auf. Der Kugelschreiber klebte an meiner Wange. Es war nur ein Traum. Ich musste wohl eingeschlafen sein. Ich schaute mich im Zimmer um. Es war hell erleuchtet. Ich schlürfte zum Bett und machte die kleine Lampe an. Danach machte ich das große Licht aus, zog mich träge aus und legte mich ins Bett. Ich glitt gerade in den Schlaf, als es an der Tür klopfte. Ich achtete nicht darauf und versuchte zu schlafen.
„Sie hat wieder vergessen das Licht auszumachen“, murmelte eine Stimme neben meinem Bett. Mom?




Ich erwacht durch die Kälte, die plötzlich in meinem Zimmer war. Gestern Abend war es noch warm gewesen. Jemand hatte das Fenster geöffnet! Wer konnte nur so Verrückt sein?

In dem Moment, in dem ich den Gedanken formulierte, fiel kam mir nur eine Person ein: Julia. Meine dumme Schwester hatte das Fenster aufgemacht! Ich stieg aus dem – ich war ja nun hellwach und zog mich für die „Schule“ an und ging ins Bad, um mich dort fertigzumachen. Als ich runterkam saß meine Schwester wie ein kleiner Engel am Tisch und aß ihr Müsli, während sie genüsslich in der Zeitung blätterte.
„Musst du nicht studieren?“, fragte ich sie.
„Ha, ha. Sehr witzig. Du weißt genau, dass ich nicht angenommen wurde“, sagte sie gereizt.
„Das ist mir wohl entfallen“, sagte ich so unschuldig wie möglich. „Hast du mein Fenster aufgemacht?“
„Nein, wieso? Es ist doch viel zu kalt, um das Fenster lange offen zu lassen.“
„Jemand hat mein Fenster geöffnet und du bist die Einzige Person im Haus! Mom und Dad kommen erst heute Mittag wieder. Naja, ist ja auch egal. Ich muss jetzt los.“ Ich schnappte mir meine Tasche und stapfte aus dem Haus.

Impressum

Tag der Veröffentlichung: 03.09.2010

Alle Rechte vorbehalten

Widmung:
Für Lena, die immer tapfer meine Buchideen ließt, egal wie schlecht sie auch sein mögen.

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