Cover


Die Sonne war bereits von einigen Stunden hinter der hohen Steinwand am Rande des Dorfes untergegangen und nun schwebten der Vollmond und die Sterne über Konoha und tauchen die Häuser in ein silbergraues Licht. In der Ferne war das Rauschen der Baumkronen, durch die ein leichter Wind zog, zu hören, während Fledermäuse über ihnen und den Dächern ihre Runden zogen.
Hinata war lange in verschiedene Gedanken vertieft durch das Haus gewandert und hatte gerade beschlossen, sich schlafen zu legen, als sie aus dem Zimmer ihrer Tochter ein Klirren vernahm. Schmunzelt näherte sie sich der Tür. Sicher konnte das Mädchen nicht schlafen. Immerhin stand am kommenden Tag ein großes Ereignis an. Reika sollte endlich zur Ninja-Akademie gehen. Seid Wochen schon hatte sie ihr und Naruto in den Ohren gelegen, dass sie es kaum erwarten konnte, endlich ein Ninja zu werden. Natürlich waren beide stolz auf ihre Tochter und freuten sich darüber, dass ihre den selben Weg einschlagen wollten, wie sie es einst getan hatten. Trotzdem war zumindest Hinata etwas besorgt, denn sie wusste selbst, wie gefährlich die Welt dort draußen war und als Ninja würde Reika die Pflicht haben, ihr Dorf und ihre Freunde zu beschützen. Der vierte Ninja-Weltkrieg war zwar schon seid einiger Zeit beendet, doch wer konnte schon mit Sicherheit sagen, dass kein weiterer folgen würde?
Vorsichtig öffnete Hinata die Tür zum Zimmer ihrer Tochter. Reika kniete auf dem Boden vor den Scherben eines hinabgestürzten Bilderrahmen. Mit feuchten Augen so sie zu ihrer Mutter hinauf, sagte jedoch nichts. „Was ist passiert, Süße?“, fragte Hinata sanft und kniete neben dem Mädchen nieder. Reika schniefte, ehe sie die Tränen aus dem Gesicht wischte und antwortete: „Es ist herunter gefallen, als ich vom Fensterrahmen geklettert bin.“ Vorsichtig zog sie das Foto unter den Scherben hervor. „Es ist das Bild von dir, Papa und mir.“, erklärte sie leise. Überrascht sah Hinata das Foto an. Es war kurz nach Reikas Geburt geschossen worden. Naruto war gerade Hokage geworden und so war alles einfach perfekt gewesen. Hinata erinnerte sich daran, dass sie sich anfangs Sorgen gemacht hatte, Naruto könnte der Aufgabe, Vater zu sein, noch nicht gewachsen sein. Doch sie hatte sich geirrt und es erstaunte sie noch immer, welch enge Bindung zwischen Reika und Naruto herrschte. „Wir finden bestimmt einen neuen Rahmen dafür.“, sagte Hinata schmunzelnd, „Aber lass uns jetzt die Scherben beseitigen und dann solltest du schlafen. Morgen ist ein wichtiger Tag.“ Hinata hatte gerade einige Scherben aufgehoben, als Reika sagte: „Er ist heute nicht nach Hause gekommen. Denkst du, er wird morgen trotzdem kommen?“ Natürlich wusste ihre Mutter sofort, dass sie von Naruto sprach. „Du weißt doch, dass heute die Prüfung zum Genin war.“, erklärte sie ruhig, „Naruto muss jetzt die Teams zusammenstellen. Das muss er sehr gewissenhaft machen und deshalb braucht er so lange dafür. Aber ich bin mir sicher, dass er morgen früh wieder Zeit für dich hat.“ Inzwischen hatte sie alle Scherben vom Boden aufgesammelt und trug sie nach draußen. Als sie zurückkam, saß Reika auf der Kante ihres Bettes und betrachtete durch das Fensters hindurch den Mond. Hinata fragte sich, worüber ihre Tochter wohl nachdachte. Sicher war sie nervös. Mit dem Besuch der Akademie sollte ein neuer Lebensabschnitt für Reika beginnen. Es war ihr erste Schritt auf dem Weg zum Shinobi. Hinata wusste noch zu gut, wie groß ihre Angst damals gewesen war. Sie ging zu Reika hinüber und setzte sich neben sie auf das Bett. „Du brauchst dir keine Sorgen machen.“, versicherte Hinata liebevoll, „Du wirst bestimmt jede Menge Spaß haben und gute Freunde finden.“ Sie sah ihre Tochter mit einem Lächeln auf den Lippen an, ehe sie Reika in den Arm nahm. „Nur Mut. Dein Vater und ich glauben an dich.“

Die Sonne war noch nicht aufgegangen, als in Konoha bereits das Leben einkehrte. Langsam füllten sich die Straßen und auch Reika hielt nichts länger im Bett. Sie konnte nicht ruhig am Frühstückstisch sitzen und obwohl sie noch eine ganze Weile Zeit hatte, wollte sie anschließend sofort zur Akademie aufbrechen. Hinata konnte ihre Tochter immerhin davon überzeugen, ihr beim Abräumen des Tisches zu helfen, dann machten sie sich auf den Weg zur Akademie. Naruto war in der vergangenen Nacht nicht aufgetaucht. Hinata überlegte, dass er über seinen Dokumenten eingeschlafen sein musste. Das passierte hin und wieder. Seufzend sah sie hinüber zu dem Hügel, auf dem der Verwaltungssitz des Hokagen stand. „Komm schon, Naruto.“, rief sie in Gedanken, „Du darfst doch nicht ausgerechnet heute verschlafen.“ Einen Augenblick lang dachte Hinata darüber, ihr Byakugan einzusetzten, um ihre Vermutung zu bestätigen. Doch wahrscheinlich würde sie Reika damit nur beunruhigen. Außerdem machte Hinata sich immer unnötige Sorgen um Naruto. So war es schon immer gewesen und sie war sich sicher, dass sich diese Tatsache niemals ändern würde.
„Mama, sieh nur!“, rief ihre Tochter plötzlich, „Da sind Misaki und Sakura!“ Fröhlich stürmte das Mädchen los, um sie zu begrüßen. Hinata folgte schmunzelnd. Misaki, die Tochter von Sakura, war im selben Alter wie Reika und gut mit dieser befreundet. Während sie nahezu über den gleichen stürmischen Charakter verfügten, unterschieden sich die Mädchen äußerlich ungemein. Reika war deutlich kleiner als Misaki, hatte die strahlend blauen Augen von ihrem Vater geerbt und besaß eine wilde Frisur aus langen, braunen Haaren, die sie immer im Zopf nach hinten gebunden trug. Wenn es jemand nicht besser wusste, kam derjenige nicht auf die Idee, Reika könne die Tochter von Naruto und Hinata sein. Misaki dagegen war ihrer Mutter wie aus dem Gesicht geschnitten. Sie besaß die selben grünen Augen und die mittellangen, rosafarbene Haare. Außerdem trug sie meistens die Kleider, die Sakura in ihrer Kindheit beseßen hatte, während Reika Hose, Shirt und einen blau-gelben Umhang bervorzugte, den sie einmal von Naruto geschenkt bekommen hatte. Beide Mädchen waren noch sehr jung. Hinata kam es so vor, als habe Reika erst gestern ihre ersten Schritte gemacht. Und trotz ihres zarten Alters von gerade 6 Jahren, waren sowohl ihre Tochter, als auch Misaki wild entschloßen, ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen und Ninja zu werden.
„Jetzt ist es soweit!“, rief Reika übermütig und riss damit ihre Mutter aus ihren Gedanken, „Jetzt werden wir endlich Shinobi und können Konoha beschützen!“ Misaki nickte heftig. „Ja, und irgendwann wird man uns in der ganzen Welt kennen!“, antwortete sie und kurz darauf liefen die Mädchen Hand in Hand vorraus zur Akademie. „Ich erinnere mich noch gut daran, wie aufgeregt ich damals war.“, stellte Sakura schmunzelnd fest. Hinata nickte, ehe sie antwortete: „Ja, es war schon eine tolle Zeit. Wir haben damals auf der Akademie so viel gelernt und hatten so viel Spaß.“ „Und trotzdem ist es bloß der Anfang eines langen Weges.“, überlegte Sakura, „Sie werden einmal an unsere Stelle treten.“ Ihre Stimme klang beinahe etwas wehmütig. Hinata wusste, dass Sakura wohl gerade an Sasuke dachte. Als sie in dem Alter ihrer Töchter gewesen waren, war auch Sasuke noch da gewesen. Obwohl Sakura immer wieder beteuerte, über seinen Verlust hinweg zu sein, wusste jeder im Dorf genau, dass sie ihn niemals vergessen würde. Nach außen gab Sakura sich stark, doch innerlich hatte sie sich verändert. Hinata überlegte, dass es Zeit wurde, das Thema zu wechseln. Sie wollte Sakura die Gedanken an Sasuke gerne ersparen. „Sag mal, Sakura.“, begann sie, „Hast du heute schon Naruto gesehen? Er ist gestern nicht nach Hause gekommen.“ „Ja.“, antwortete Sakura nach kurzem Überlegen, „Ich habe ihn vorhin im Verwaltungsgebäude getroffen. Er hat heftig mit Kiba gestritten.“ „Warum denn?“, fragte Hinata überrascht. Sakura fuhr sich mit einer Hand durch die Haare und überlegte, wie sie Hinata davon erzählen sollte, ohne sie zu verletzten. „Es... Es ging um Reika.“, sagte sie vorsichtig. „Ach ja?“, hakte Hinata nach, „Stimmt etwas nicht?“ „Ähm...“, machte Sakura und trat hilflos von einem Fuß auf den anderen. Verärgert darüber, dass sie den Streit überhaupt angesprochen hatte, antwortete sie schließlich unsicher: „Kiba macht sich Sorgen, weil doch ein Teil des Fuchsgeistes in Reika übergegangen ist und nie richtig versiegelt wurde. Er wollte verhindern, dass Reika zur Akademie geht und Naruto ist daraufhin total ausgerastet. Aber das muss ich dir wohl nicht erklären. Du kennst ihn doch.“
Hinata seufzte. Sie hatte bereits erwartet, dass man irgendwann Narutos Entscheidung, den Fuchsgeist nicht zu versiegeln, in Frage stellen würde. Keiner wusste, warum er diese Entscheidung gefällt hatte, doch jedem war bewusst, dass eine große Gefahr von Reika ausgehen musste. Hinata konnte nicht verstehen, warum gerade Naruto, der selbst einmal wegen des Fuchsgeistes gefürchtet wurde, seiner eigenen Tochter ein solches Schicksal zumuten konnte. Bis zu diesem Tag hatte Reika Glück gehabt. Man hatte keinen Bogen um das Mädchen gemacht und war normal mit ihr umgegangen. Trotzdem wagte Hinata zu bezweifeln, dass die Bewohner von Konoha aus ihrem einstigen Fehler gelernt hatten. Sie hatte Naruto oft darum gebeten, den Fuchsgeist doch zu versiegeln, doch er hatte sich geweigert und erklärt, dass Hinata seinen Entschluss irgendwann verstehen würde.
„Hinata, was ist los?“, fragte Sakura besorgt und riss Hinata damit aus ihren Gedanken. „Ach, nichts besonderes.“, antwortete sie ruhig und lächelte Sakura an, „Lass uns den Mädchen folgen, ja? Sicher sind Reika und Misaki inzwischen an der Akademie angekommen.“

- Fortsetzung folgt -

Impressum

Texte: Das Cover wurde von mir selbst gezeichnet und bearbeitet. Als Vorlage dienten die Charaktere von Masashi Kishimotos "Naruto". Auch die Handlung des Buches orientiert sich an "Naruto". Einige Charactere wurden komplett übernommen und ein paar neue hinzugefügt.
Tag der Veröffentlichung: 12.09.2011

Alle Rechte vorbehalten

Widmung:
Naruto Fanfiction

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