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Voll negativ ;-)

„Wie ich sehe, haben Sie sich etwas beruhigt, Frau Sommer“, grinste der neue Abteilungsleiter der Firma „Ärgerlich GmbH“ abfällig und nahm den Umschlag an sich, den seine übellaunige Mitarbeiterin Sonja Sommer ihm ins Fach gelegt hatte.

„Es nützt Ihnen auch nichts, wenn Sie sich vor Herrn Ärgerlich aufspielen und meine Vorschläge torpedieren. Ständig versuchen Sie, mich dort schlecht zu machen, gar zu unterwandern! Schade nur, dass Sie schon so lange in der Firma sind“, grollte er weiter, fuhr dann aber nach einer Weile in etwas milderem Tonfall fort. „Vielleicht können wir beide eine Einigung erzielen, die uns die weitere Zusammenarbeit leichter macht oder besser noch; erspart.“

 

Frau Sommer blickte ihn ungläubig an, rüffelte die Nase und brach in schallendes Gelächter aus.

 

„Was finden Sie denn so komisch?“, motzte ihr Chef und meckerte weiter, „Ihr Verhalten ist vollkommen untragbar! Ich habe keine Ahnung, wie Sie all die Jahre in diesem Unternehmen überstanden haben! Sie sind komplett unfähig, mogeln sich gerne an der Arbeit vorbei und haben außer dicken Titten und einem geilen Arsch nichts zu bieten!“

 

Wie auf Befehl nahm die Angesprochene einen Schminkspiegel aus ihrer Handtasche und zog sich den Lidstrich nach. „Finden Sie mein Make-Up zu auffällig?“, fragte sie herausfordernd. „Ich mag ja lieber die knalligen Farben, aber mein Lebensabschnittsgefährte meint ...“

Walter Brockstedt platzte nun vollends der Kragen. Er griff zum Schminkspiegel und zerdepperte diesen mit einem lauten Knall auf dem Boden. „Hauen Sie ab!“, schrie er, „bevor ich mich vergesse!“

„Herr Brockstedt“, flötete Sonja kopfschüttelnd, „ich fühle mich von Ihnen in die Enge getrieben. Sie drangsalieren mich regelrecht zur Kündigung. Dabei habe ich mir so viel von unserer Zusammenarbeit versprochen. Aber, wenn Sie meinen, dass das besser ist ...!“ Sie stand vom Stuhl auf und reichte ihm die Hand zum Abschied. „Ich wünsche Ihnen für die Zukunft alles Gute.“

 

Walter Brockstedt lächelte freundlich überrascht. „Sie haben wirklich Rückgrat, Frau Sommer. Ich nehme Ihre Kündigung an. Ihnen auch alles Gute. Ihre Papiere lassen wir Ihnen per Post zukommen und ein qualifiziertes Arbeitszeugnis natürlich auch. Schön, dass wir unsere Differenzen nun endlich begraben können.“

„Ja“, stimmte sie ihm zu. „Wir haben beide versucht miteinander auszukommen. Es sollte nicht sein. Nichts für ungut. Ach, eine Unterschrift brauche ich noch. Sie müssen den Erhalt des Umschlags noch quittieren.“

Herr Brockstedt nickte. „Penibel waren Sie immer. Wo soll ich unterschreiben?“

Sie deutete auf die Zeile, nahm sich ihre Tasche und den Mantel und ging zur Tür.

 

„Und Ihre persönlichen Sachen?“, fragte Walter, „Wann holen Sie die aus dem Büro?“

„Ich warte, bis Sie Ihres geräumt haben“, lächelte sie mit einem kessen Augenaufschlag und nahm die Empfangsbestätigung wieder an sich. „Ich gehe nur kurz mit meinem Vater zum Essen und sage ihm, dass ich Ihre fristlose Kündigung akzeptiert habe.“

„Ja, machen Sie das. Es ist immer gut, wenn man in solchen Situationen jemanden hat, der einem Halt gibt. Leben Sie wohl, Frau Sommer.“

 

 

Eine Stunde später

 

 

„Ich habe dir von Anfang an gesagt, dass der Mann zu blöd ist“, bemerkte Sonja, als Walter Brockstedt eine Stunde später bei Herrn Ärgerlich ins Büro trat und sie erschrocken ansah.

„Siehst du, Papa, der hat nicht mal begriffen, dass er gekündigt hat“, grinste sie und feilte weiter an ihren Nägeln.

 

„Papa?“, stammelte Walter, „Sonja Sommer ist Ihre Tochter, Herr Ärgerlich? Aber der Name ...“

„Ich habe den Namen meiner Mutter angenommen, Sie Blitzmerker!“, erklärte Sonja, „Ärgerlich fand ich voll negativ ;-)*

 

 

 

 

 

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Tag der Veröffentlichung: 22.10.2019

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