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Tat oder Wahrheit?


Das Boot sah alles andere als vertrauenserweckend aus. Obwohl ich ein guter Schwimmer war und genug Alkohol intus hatte, kamen mir die Zweifel.

 

„Damit schaffe ich keine 10 Meter, ohne abzusaufen“, widersprach ich skeptisch und wandte mich an meine Freunde. „Hirnrissige Idee, mit diesem Wrack das andere Ufer erreichen zu wollen!“

 

„Dir bleibt immer noch die Wahrheit, Frank!“, meldete sich Mika.

 

Ihr Einwand entlockte mir ein dämliches Grinsen. Niemals würde ich IHR verraten, ob ich in Cindy verschossen war. Natürlich! Aber das wiederum hätte Mika gekränkt. Immerhin hatte ich blöderweise die letzte Nacht mit ihr verbracht. Allerdings nur, weil Cindy mich so derbe abgeschmettert hatte.

 

„Was soll´s?“, dachte ich. – Es gab kein zurück, also stieg ich in dieses gelbe Boot und ruderte los.

 

Die ersten Meter gingen einfach, doch das Wasser, das von Anfang an durch die morschen Ritzen dieses Kahn eindrang, füllte sich zusehends. Kurz dachte ich daran, umzudrehen, doch damit hätte ich dieses blöde Spiel verloren: Flaschendrehen; Tat oder Wahrheit.

 

„Ich hätte Lügen können“, fiel es mir plötzlich ein, doch da war es bereits zu spät. Ich trieb direkt in eine Stromschnelle, die dem Boot den Rest gab.

 

Ich hörte noch das Lachen meiner Freunde, das sich zu Angstgeschrei verwandelte, bevor mich der Strudel unter Wasser zog.

 

„Sterben? Würde ich hier sterben, nur wegen einem Kinderspiel?“

 

Seltsamerweise überkam mich weder Angst noch Panik. Ich ließ mich ein Stück weit hinunter ziehen, und stieß mich mit aller Kraft von irgendetwas Hartem ab. Der Sog wurde schwächer und ich erreichte die Wasseroberfläche ein paar Meter weiter.

 

Cindy stand kalkbleich am Ufer und Norman schwamm beherzt zu der Stelle, an der ich verunglückt war. „Bleib weg!“, schrie ich ihm zu und er verharrte.

 

„Mika ist dir hinterher gesprungen!“, rief er zurück und ich suchte das Wasser nach ihr ab. Ich zögerte nur kurz und krauelte zurück, tauchte unter, tauchte tiefer und vergaß, warum ich tauchte.

 

Mika fand ich nicht, sie fanden mich – allerdings erst am Abend.

 

Nun sitze ich hier als Geist am Ufer, sehe, wie Cindy weint und von Mika getröstet wird. Zumindest ist sie nicht gestorben, so wie ich. Wäre ja auch schade gewesen, ein wirklich nettes Mädel, wenn auch nicht mein Fall.

 

Petrus hat mich gefragt, ob ich in meinem Leben einen Fehler begangen habe, den ich gerne ungeschehen machen würde. Ja! - Heute hätte ich Cindy gerne die Wahrheit gesagt – mal sehen, noch überlegt er – wenn ich Glück habe, gewinnt er beim Flaschendrehen gegen den Teufel und ich bekomme ich eine 2. Chance ... .-)

 

 

 

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Tag der Veröffentlichung: 28.10.2018

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