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Doska

 

 

 

 

 

Das Licht der Hajeps

 

 

Leseproben

 

Impressum

Copyright: © 2015 Doska

Einbandgestaltung: Daniel Specht

 

Diese Leseproben zum Licht der Hajeps stellen die wichtigsten Akteure meiner 13-bändigen Romanreihe vor. Mit entsprechenden Textauszügen aus verschiedenen Bänden werden die besonderen Charaktere dieser Personen veranschaulicht. Auf das unterschiedliche Aussehen der verschiedenen Völker, deren Gerätschaften, Waffen, Bauten und Fortbewegungsmittel sowie die Sprache der Außerirdischen und der von ihnen angelegten fremdartigen Pflanzungen wird hier nicht näher eingegangen. Es ist auch nicht das Ziel, den Inhalt des Romans näher zu erklären. Deshalb vorweg einige Sätze über die gesamte Serie.

 

Allgemeines: Das Licht der Hajeps ist nicht typisch Science Fiction, sondern hat auch viele Elemente aus den Genres Fantasy und Endzeit. Weltraum- oder Zeitreisen spielen nur eine untergeordnete Rolle, fast sämtliche Abenteuer finden auf der Erde statt. Die einzelnen Bände bauen aufeinander auf, sind also nicht in sich abgeschlossen. Sie haben zwar eine große Liebe zwischen der Menschenfrau (Lumanti) Margrit und dem Außeriridischen (Hajep) Oworlotep zum Grundthema, aber auch viele andere Helden, boshafte Gestalten und sogar Tiere erleben darin ihre ganz eigenen Abenteuer. Die Personen - sowohl Außerirdische als auch Menschen - verhalten sich nicht klischeehaft und haben Schwächen wie jeder von uns, die dem Leser nicht selten ein Schmunzeln entlocken werden. Die Romanreihe lebt vom Wortwitz und kleinen Andeutungen, die für den Fortgang der einzelnen Bände wichtig sind, ist also nichts für Fans von reinen Actionromanen mit vielen Toten, viel Technik und wenigen Dialogen. Sie wird von Band zu Band immer spannender, bis zum überraschenden Finale. Wer also schon beim ersten Buch vor Augen haben möchte, wie alles nach dreizehn Bänden endet, wird enttäuscht werden. Die Handlungsstränge der höchst unterschiedlichen Akteure laufen im letzten Band alle zusammen oder finden ihr eigenes, oft ungewöhnliches Ende. Dieser Roman handelt also von Personen, die man entweder hassen oder auch lieben kann.

 

Inhalt: Zwei außeriridische Völker haben die Erde erobert. Sie sind den Menschen technisch weit überlegen und konnten daher diese zum Großteil vernichten, aber einige von ihnen leben noch und dazu gehört Margrit und ihre zusammen gewürfelte Patchworkfamilie.

Mehr und mehr wird diese eigenwillige Familie in die Kämpfe der verfeindeten außerirdischen Völker verwickelt, die sich nicht einigen können, wer von ihnen die besten Gebiete der Erde für sich und seine Siedler beanspruchen darf.

Bald werden die Kämpfe der Eroberer so heftig, dass die jeweiligen Parteien nicht nur größere Unterstützung von ihren Heimatplaneten anfordern, sondern sich auch noch andere Aliens, wie die Kirtife, Trowes, Konen und die hochgefährlichen Fleisch fressenden Magodas (eine intelligente Echsenart ), zur Hilfe holen.

Wie es nun Margrit mit ihrer Familie, ihren Kameraden und den inzwischen neu gewonnenen außerirdischen Freunden doch noch gelingt, die Welt vor dem sicheren Untergang zu bewahren, davon handelt diese erotische, witzige und am Ende auch hochdramatische Romanreihe.

 

Vor den Textauszügen werden dazu die wichtigsten Protagonisten vorgestellt und zum Teil kurze einführende Erklärungenvorangestellt.

 

Rahmenhandlung

 

Gabamon: lebt nicht in der Zeit, in welcher der eigentliche Roman spielt. Weit in der Zukunft ist er auf der Suche nach den Ursprüngen seiner Existenz. Eine Jugendgang hetzt ihn, anscheinend wegen einer äußerlichen Absonderlichkeit, des Nachts durch die Straßen Würzburgs. In Panik tritt er einen Zaun nieder und jagt über ein verwildertes Grundstück. Schließlich stürzt er in ein unteriridisches Tunnelgewölbe. Er hat den Eindruck, als wohne noch jemand in dem uralten Gemäuer.

 

Textauszug

 

Natürlich kam keine Antwort auf sein Rufen und Gabamon wollte lieber weiter, ehe ihn die Gang eingeholt und vielleicht auch in dieses Tunnelsytem hinab geklettert sein würde. Wieder zur Tür hinaus oder erst durch das angrenzende Zimmer? Die Neugierde beantwortete seine Fragen, denn der nächste Raum erschien ihm wesentlich größer und mochte wohl früher ein kleiner Speisesaal gewesen sein. Links war eine gemütliche Theke und an der rechten Wandseite über einem der Tische befand sich ein großes Bild. Es schmückte mittig die Wand.

Er schob sich an den Stühlen vorbei. Wieder machte er dabei Krach, aber er fühlte sich von dem alten Gemälde in sonderbarer Weise angezogen. Das Wenige, was von der Bildfläche zu sehen war, faszinierte ihn dermaßen, dass er den dicken Staub von der Bildfläche streichen musste. Je mehr er freilegte, desto stärker zitterten ihm die Hände. Tränen schossen ihm in die Augen, als er erkannt hatte, was dort mit großer Zärtlichkeit in Öl gemalt worden war.

Irgendetwas würgte ihn tief im Hals und er sah das Gemälde schließlich nur noch verschwommen. „Cheche?”, stieß er zu seiner eigenen Überraschung gepresst hervor. Erschrocken hielt er sich die Hand vor den Mund. Verdammt, was konnte dieses Wort nur bedeuten, dass es ihn dermaßen aufregte? Was mochte es heißen? Ein Gegenstand, ein Name?

Angst vor diesem Bild, fast Panik umklammerte ihn, dennoch konnte er nicht dagegen an, es immer wieder anzustarren. Gabamon hatte keine Spucke mehr im Mund, versuchte völlig ruhig zu sein - vergebens. Er schloss die Augen, trommelte schließlich wild gegen die Brust, nach dort, wo sein Herz saß, nach dort, wo nun ein großes Feuer emporzüngelte, und presste beide Hände gegen den Schädel, um sich endlich seines Verstandes zu bemächtigen!

Doch dann wisperte er: „Miko!“, und war wieder völlig von sich überrascht und plötzlich war ihm so, als hätten seine ungelenken Lippen gerade diese beiden Worte dereinst sehr häufig gebraucht, zuletzt sogar hinausgeschrien!

Und da geschah es, wenngleich er sich immer noch heftig zur Wehr setzte, die dunklen Bilder stiegen in ihm auf.

Er sah sich selbst, entdeckte sich als kleines Kind, in Lumpen gehüllt, in irgendeiner Straße eines verkommenen Wohnviertels. Mit weit aufgerissenen Augen schaute der Junge umher, unsicher vorwärtsstolpernd. Mesobitschkas Soldaten waren also wieder hier gewesen, und diesmal hatten sie viel schlimmer gewütet als bisher. Überall reckten sich die primitiven Behausungen dachlos, ähnlich leerer Mäuler, anklagend zum grauen Himmel. Schnee rieselte dennoch sanft hinab, legte sich, als wolle er das zerstörte Ghetto damit trösten, darüber, wie ein dünnes, weißes Tuch.

Doch Gabamons Welt war nicht weiß, sie blieb grau und trostlos und es war ihm kalt und der Schutt äußerst glitschig! Gabamon musste über Trümmern klettern und dabei aufpassen, dass sein kleiner Fuß nicht abrutschte, sich nicht verhakte, dass er nicht einen seiner warmen und deshalb kostbaren Stiefel verlor.

 Er hatte wieder mal die kratzige und daher unliebsame Mütze auf dem Kopf, den viel zu langen Schal um den mageren Hals gewickelt, welchen er über die Schulter zurück werfen musste, damit er nicht darüber stolperte und in die Steine stürzte. Es half kaum, dass die kurzen Finger sich mühten, die Augen trocken zu halten, um besser zu sehen und nach ihnen zu suchen zwischen all diesem Geröll.

Gabamon suchte schon seit mehreren Stunden in den Straßen des Bukighettos - unermüdlich, unerschrocken! Aber er hatte bisher nur Lumpen und fort gewirbelte Möbelteile zwischen den Trümmern und hohen Mauerresten entdecken können.

Warum nur war er vorhin in seinem Zorn heimlich fortgeschlichen? Er war weit fort gelaufen, zum ersten Male in seinem Leben aus dem Ghetto hinaus und das alles nur wegen eines dummen, kleinen Streites. Gewiss hatten sie später nach ihm gesucht, bei Freunden und Verwandten nach ihm gefragt. Nun war er zwar zurück, ganz von alleine wiedergekommen und machte sich trotzdem heftige Vorwürfe, nicht zu hause, nicht bei ihnen gewesen zu sein in diesem schrecklichen Moment. Er hatte sie im Stich gelassen und darum schob er mit der ganzen Macht seines kleinen Körpers selbst schwerstes Gestein beiseite, denn vielleicht lagen sie ja darunter!

Wohin konnten sie nur gelaufen sein? Der Rücken tat ihm schon lange weh, auch dass die Hände brannten, störte ihn nicht, aber schließlich suchten seine Lippen doch nach Worten, an denen seine Seele Halt finden konnte.

Er wisperte sie zunächst vorsichtig hinaus, gerade als er wieder mal einen schweren Klumpen zur Seite schaffte, obschon er ihnen versprochen hatte, sich dieser Sprache nicht mehr zu bedienen. Aber es war doch nur dieses einzige Mal!

„Miko ... Cheche?“, tönte seine zaghafte Stimme durch den rieselnden Schnee.

 Niemand antwortete, niemand kam. Da vergaß er seine guten Vorsätze und wurde lauter. Schließlich wendete er sich nach allen Seiten des zerbombten Ghettos um. Erst klang seine Stimme fragend, dann zornig und zuletzt fassungslos! Er schrie die beiden Worte mit allen Kräften aus sich hinaus - wieder und immer wieder! So lange, bis er nicht mehr konnte, bis die Tränen ihn fast erstickten, bis er plötzlich doch Stimmen aus der Ferne wahrzunehmen glaubte.

Er hielt inne. Es wurde ihm fast schwarz vor Augen, so bang war ihm, als er sich fragte, ob das denn wirklich der Klang ihrer Stimmen sein konnte. Doch, es schienen die beiden zu sein, schließlich waren sie ihm so vertraut wie seine eigene, seltsame Stimme. Dann erkannte er mit Entsetzen, dass ihre Rufe nicht mehr ihm galten, dass daraus Schreie der Überraschung, des höchsten Entsetzens geworden waren. Sie hatten sich wohl vor diesen Bombenanschlägen in Sicherheit bringen können, doch indem sie ihm antworteten, waren sie gefunden worden. Er wusste, wie sehr sie gehasst wurden, aber warum? Er kannte keinen Grund, weshalb man ausgerechnet sie derart verachten musste!

Seine entsetzliche Vermutung wurde durch das Knattern von Gewehren und die Schmerzensschreie seiner Lieben bestätigt. Das eben Gehörte ließ Gabamons Lippen zu einem schmalen, kleinen Strich werden.

„Miko ... Cheche?“, stieß seine raue Kehle noch ein letztes, hoffnungsvolles Mal hervor, denn er konnte sich ja auch geirrt haben. Doch er vernahm nichts mehr, nur das höhnische, triumphierende Gebrüll der Soldaten und da wusste er, dass es keine Hoffnung mehr gab. Er blinzelte durch die rieselnden Schneeflocken hindurch. Sie tauten in seinen Augenwinkeln, vermischten sich mit heißen Tränen. Nie ... niemals mehr würde eine hohe Gestalt mit ausgebreiteten Armen zu ihm kommen, würde eine zierliche Person mit wehendem, langen Haar ihm entgegenlaufen. Keine sanften Männeraugen würden ihm zuzwinkern, keine weichen Frauenarme ihn aufheben, keine Lippen sich tröstend gegen seine Wange drücken und nie wieder eine kräftige Hand ihm durch das Haar wuscheln.

Da ließ er den letzten Stein kraftlos fallen, den er vorhin noch empor gewuchtet hatte, um diesen notfalls als Waffe zu ihrer Verteidigung einzusetzen. Dumpfe Schwärze umnebelte seine kleine Stirn, und er fiel, als hätte man auch ihn erschossen, warf sich einfach mitten hinein ins spitze Gestein und blieb dort liegen!

 

#

 

Gabamon kam dem Bild ganz nahe, lehnte heftig atmend die Stirn dagegen. Er fühlte den feuchten Staub, roch die alten Farben, hielt sich schließlich die Hände über die Augen und drehte sich herum.

Er ließ die Finger sein Gesicht hinab gleiten und tappte benommen zu einem der Tische. Das brachte ihn langsam in die Wirklichkeit zurück. Ermattet nahm er auf einem der Stühle Platz.

Wer mochten wohl diese zwei gewesen sein, die er einst so geliebt hatte, dass er am liebsten sein Leben für sie gelassen hätte? Sie waren so sanft und gut zu ihm gewesen, hatten ihn beschützt, so lange sie dazu in der Lage gewesen waren. Konnten sie liebevolle Bekannte oder Verwandte gewesen sein, die sich für ihn verantwortlich gefühlt hatten? Wie dem auch war, man hatte sie ihm fort genommen und man hätte ihn in eines der Heime gesperrt, wenn es ihm nicht gelungen wäre, rechtzeitig zu entkommen.

Von da an war er auf sich allein gestellt gewesen. Erst fristete er als bettelnder Straßenjunge sein Leben, später hielt er sich mit kleinen Diebereien über Wasser und übernachtete auf Müllhalden oder in Parkanlagen, denn arbeiten konnte er nicht, weil dann herauskommen konnte, welch eine ´Kreatur´ er war.

Alles beherrschte der große Diktator Mesobitchka und nur ein kleiner Kreis Auserwählter durfte Macht und Reichtum mit ihm teilen. Die breite Masse des Volkes war bettelarm. Damit niemand aufsässig wurde, kontrollierte das Staatssystem praktisch jeden Bewohner der Erde. Die Jugend nahm Drogen, die schöne Träume hervorriefen. Das war erlaubt und man konnte diese für wenige Clontis an jedem Automaten erhalten. Die Älteren hatten sich schon früh mit sonderbaren Krankheiten herumzuplagen, und es gingen Gerüchte um, dass Mesobitchtkas Leute für die Verbreitung seltsamer Viren gesorgt hätten, denn er wollte Ruhe auf der Erde haben, brauchte nur wenige Menschen für anspruchsvolle Arbeiten, alles übrige verrichtete ein spezielles Robotersystem. So beschäftigten sich die meisten Menschen nur noch mit Zerstreuung.

Doch es gab einige wenige, die waren so wie Gabamon, die tief in ihrem Inneren wussten, dass hier etwas nicht in Ordnung war. Man konnte das diktatorische System verändern, vielleicht sogar stürzen. Die Frage war nur: Wie besiegt man einen Überwachungsstaat? Wer erwischt wurde, bekam grausame Strafen, von denen er sich sein ganzes Leben lang nicht mehr erholte, und bisher hatten sie noch jeden in ihre Fänge bekommen. Darum verstand Gabamon nicht, weshalb Mesobitchka ausgerechnet für die Ergreifung der sogenannten ´letzten Bunkis´ höchste Belohnungen aussetzte, denn was konnten solche Wesen schon gegen den allmächtigen Mesobitchka tun?

 

 

 

Leseprobe 1

 

Alle folgenden Personen, Roboter und auch Tiere existierten lange vor Gabamons Geburt.

 

Magodas: intelligente Echsenwesen, jedoch sehr gefräßig. Sie sind Freunde der Jisken, der ärgsten Feinde der Hajeps.

Maden: eine der unterirdisch lebenden rebellischen Geheimorganisationen der letzten Menschen, die es sich zum Ziel gemacht haben, sämtliche Außeriridischen eines Tages zu vertreiben.

Loteken: Abtrünnige der Hajeps, der ursprünglichen Eroberer der Erde.

Chiunatra: Oberhaupt der Loteken, kämpft gegen die Hajeps. Er hat sich mit den Maden verbündet.

Skorpion: ist Kanzler Günther Arendt und somit Anführer der Maden und weiterer Organisationen der letzten Menschen, die überall auf der Welt verteilt sind.

Uratschiro: Auf ihn hören sämtliche außerirdischen Rebellen, so auch Chiunatra und alle entflohenen Sklaven der Hajeps, wie die Trowes und Senizen. Er ist zwar selbst ein Hajep, aber auch er will dieses System stürzen.

Wengskalia: kleine Befehlszentrale, getragen wie ein Schmuckstück an einer Kette um den Hals. Wer sie besitzt, hat Macht über all diejenigen, denen ein spezieller Chip eingepflanzt wurde, der zur Wengskalia passt.

Joba: die Fahrzeuge der Menschen sind aus Teilstücken diverser Autotypen zusammen gebastelt, so auch dieser Kleinstlaster, der nur in entfernter Weise einem heutigen Laster ähnelt. Die Namen für die verschiedenen Fahrzeuge haben ihnen die Hajeps gegeben. Joba heißt ´kleiner Kasten´.

 

Textauszug

 

„Das ist aber toll, wie viele Gurken und Kartoffeln der Wenzel diesmal für uns gehabt hatte!“, entfuhr es José glücklich, als er den letzten Sack Kohlrabi in den Joba warf. „Sogar Mohrrüben waren dabei. Es war eben ein besonders guter Erntesommer.“

„Richtig, und besonders unsere ´Freunde´ Chiunatra, Warabaku und deren Gefolgsleute werden sich darüber freuen! Die bekommen als Anführer das meiste davon.“

Robert lehnte sich mit einer Zornesfalte auf der Stirn weit aus dem Fenster des Führerhauses zu José hinaus und Doris, die über ihn hinwegschaute, grinste ebenso sarkastisch.

„Diese außerirdischen Herrschaften haben sich erstaunlich rasch an unsere lumantische Kost gewöhnt! Sie essen inzwischen sogar Fleisch und das auch noch besonders gerne“, bestätigte sie laut, ohne den Anflug von Verdrossenheit aus ihrer Stimme zu verbannen.

 José zuckte dazu nur wortlos die Achseln.

„Bist du stumm geworden?“, murrte Robert. „Chiunatra hockt schon seit Wochen bei uns. Wie lange wollen wir Maden uns das noch gefallen lassen? Weil er eine Revolte aus den eigenen Reihen fürchtet, fliegt er nicht mehr zu seinen Leuten nach Askonit zurück, als ob ihm das etwas bringen würde. Und warum werden seine eigenen Armeen immer unruhiger? Weil diese Loteken zu dämlich waren, vernünftig mit den Bauern in ihrem Gebiet umzugehen. Die armen Leute wurden von ihnen schon wegen geringster Vergehen brutal ausgepeitscht und sogar hingerichtet. Nun haben die Loteken kaum noch Leute, die für sie arbeiten und selber für die eigene Nahrungsbeschaffung etwas zu tun, dazu sind sie sich zu schade.“

„Oder sagen wir lieber gleich“, half ihm Doris und strich sich das blonde Haar aus der Stirn, „dass sie dazu zu dumm sind. Sie wissen gar nicht, wie man Land bebaut und kennen seit Generationen nur das Morden und Töten! Wir aber helfen mit, wenn die Bauern zu wenig Landarbeiter haben, so wie heute! Und das ist unser Lohn!“ Doris machte eine stolze Handbewegung nach hinten, Richtung Ladefläche.

„Und trotzdem dürfen wir uns darüber nicht allzu sehr freuen, Doris!“, winkte Robert müde ab. „Es wird uns doch fast alles wieder von Chiunatras Männern weggenommen!“

„Bis wir Maden selbst hungern müssen!“, gab ihm Doris wütend Recht.

„Ich verstehe nicht, weshalb unser Skorpion sich das gefallen lässt“, knurrte nun auch José und verschloss nachdenklich die Tür der Laderfläche mit einem großen Haken. „Er hat doch Verantwortung für uns alle.“

„Seit Uratschiro einen Spezialisten kommen ließ, um die Funktionen von Chiunatras Wengskalia zu aktualisieren, ist Günther wie ausgewechselt.“ Robert war ins Grübeln gekommen. „Er ist nicht mehr er selbst, weil er fürchten muss, dass ihn Chiunatra mit einem Fingerschnippen ins Jenseits befördern könnte.“

„Stimmt“, meinte jetzt auch Doris, ebenso in Gedanken versunken. „Günther Arendt, Atimok, Warabaku, Iquatuako und Karl tragen alle einen Sprengchip in der rechten Schulter. Aber weshalb hat Uratschiro seine Befehlsgewalt ausgerechnet an Chiunatra abgegeben?“

„Vielleicht, weil Uratschiro so weit von uns entfernt lebt, dass die Reichweite der Wengskalia nicht ausreicht!“, knurrte José und warf einige der leeren Säcke über die Ernte. „Niemand weiß, wo er sein Zuhause hat. Er verschwindet immer auf seltsame Weise und tritt überraschend wieder in Erscheinung. Seltsame Gerüchte ranken sich um ihn. Einige meinen, er lebe in Zarakuma, direkt bei seinen Feinden, den widerwärtigen Hajeps. Ich denke, er hat zu wenig Zeit, um alle zu kontrollieren.“

Doris befestigte in ihrem Haargummi eine Strähne, die sich losgelöst hatte. „Eines verstehe ich aber trotzdem nicht. Wenn Uratschiro, der mächtigste Mann sämtlicher Rebellen, gegen die Hajeps ist und sich nichts so sehr wünscht, wie die Freiheit für uns alle, weshalb muss er dann so viele Leute über eine Befehlszentrale überwachen? Wieso ist er sogar seinen Freunden gegenüber derart misstrauisch?“

„Es wird stets gesagt, das wäre alles nur vorübergehend!“, antwortete José und legte noch ein Stück alter Plane über die restlichen Säcke, damit auch die vor Regen geschützt waren.

„Glaubt ihr das?“, fuhr Doris fort. „Uratschiro vertraut zumindest Chiunatra, sonst hätte er ihm nicht diesen Wengskalia gegeben.“ Doris hielt inne und kicherte verstört. „Jedenfalls sieht es merkwürdig aus, dieses Schmuckstück, das Chiunatra jetzt wie einen Halbmond an seinem Hals trägt. Er schaut damit aus wie eine Diva!“ Sie musste nun noch lauter lachen. „Er ist überhaupt ziemlich eingebildet, dieser Kerl!“

„Das sind Loteken immer. Ich finde, wir haben jetzt genug darüber gequatscht!“, beschwerte sich Robert missmutig. „Wir können ja doch nichts an diesen verrückten Zeiten ändern!“

„Du hast ja so Recht“, bestätigte Doris und setzte sich wieder in ihren Sitz.

„Los José“, Robert öffnete, ungeduldig geworden, die Tür von dem Führerhaus. „Steig endlich ein! Es wird langsam dunkel und wer weiß, wie man dann fährt auf diesen schlechten Straßen.“ Er schüttelte verärgert den Kopf. „Sonst kann ich nachher wieder die Reifen ausbessern! Schade, dass Paul nicht mehr unter uns weilt! Der konnte das am besten!“

Josés Augen schweiften nun ebenfalls über die Landschaft. Das meiste, was man von hier aus sehen konnte, waren brach liegende Felder. Wildwuchs hatte die gesamte Umgebung verkommen lassen. Ruinen in der Ferne zeugten davon, dass hier einstmals ein prächtiges Dorf gewesen war. Doch es gab auch hier und da bepflanzte Äcker. Tatsächlich war die Sonne gerade am Untergehen und bestrahlte alles mit ihrem goldenen Licht. Aber José ließ sich nicht antreiben. Er gurtete noch in aller Ruhe die Nahrungsmittel auf der Ladefläche fest. „Mann, wie du redest. Du tust fast so, als ob Paul bereits das Zeitliche gesegnet hätte“, zischelte er missmutig hervor.

„Hat er auch, denn der Arendt meint ...“

„Was meint der nicht alles“, José winkte ab, „und wisst ihr, was ich dazu meine?“

„Das interessiert mich nicht, Spanier. Komm endlich zu uns in das Führerhaus oder willst du lieber auf die Säcke kriechen?“

„Dann schon lieber auf die Säcke, bei euch ist es mir zu eng, aber nun sage ich es doch!“ José blickte zu den beiden hinauf. „Ich finde genau wie ihr, dass die Loteken uns zu viel wegfressen und schlage vor, dass wir drei erst einmal in aller Ruhe picknicken und selber anständig futtern. Nur wir haben dem alten Wenzel geholfen und kein Loteke ist dabei gewesen. Wir verdienen das beste von all diesen köstlichen Dingen und nicht diese Besatzer.“ Er klopfte nun vielversprechend auf seinen Rucksack. „Ratet mal, was ich von der werten Frau Wenzel bekommen habe, nachdem ich ihren Herd wieder funktionstüchtig gemacht habe!“

„Etwa Fleisch?“, riefen Doris und Robert und die Spucke lief ihnen voller Appetit im Mund zusammen. Fleisch war eine Kostbarkeit in diesen schrecklichen Zeiten.

„Richtig!“, bestätigte José und dann kletterte er hinauf zu den Säcken in den offenen Joba.

„Fahren wir erstmal ein Stückchen weiter!“, rief er den beiden zu. „Die Knechte vom alten Wenzel brauchen uns hier nicht futtern zu sehen!“

„Okay! Ich kenne ein lauschiges Plätzchen!“, rief Doris jubelnd und hielt bereits Ausschau.

„Und wo soll sich dieses gemütliche Fleckchen Erde befinden?“, fragte Robert.

„Das sage ich euch schon noch. Fahr erst einmal los!“

Der Joba setzte sich in Bewegung und nach etwa einer viertel Stunde rief Doris: „Stopp! Hier ist es! Ist das nicht wunderbar?“

Die Männer schauten sich erstaunt um. Hier war alles noch verwilderter als bisher. Die Sonne schickte ihre letzten Strahlen über Hecken und gewaltiges Buschwerk, welches kaum noch erkennen ließ, dass hier einstmals Äcker und Wiesen gewesen waren und zu all dem kam hinzu, dass an einigen Stellen zwar kleine, jedoch äußerst blattreiche Bäume den Blick auf das versperrten, was dahinter verborgen sein konnte.

„Und wo soll hier eine Wiese sein?“, murrte Robert deshalb skeptisch. „Ich sehe keine!“

„Wartet es nur ab!“, entgegnete Doris geheimnisvoll.

Die Männer nickten und stiegen aus. Doris führte an. Immer grauer wurde die Welt, weil die Sonne hinter all dem Gestrüpp verschwand. Sie schob sich geschickt an den kleinen Bäumen und Büschen vorbei und die anderen taten es ihr nach. Tatsächlich war dahinter eine kleine Wiese verborgen. Doris breitete jubelnd die Arme aus, denn sie war schon immer sehr impulsiv gewesen, und drehte sich einmal im Kreis herum.

„Die Welt ist schön, paradiesisch schön!“

„Naja, dazu fehlt die Wärme, es ist schon ein bisschen kühl!“ Robert breitete die Decke auf den struppigen Grasbüscheln aus.

„Es ist doch egal, wie das Wetter ist, Robert.“ José klopfte ihm auf die Schulter. „Du bist ja fast so, wie es Martin gewesen war, der war stets am meckern!“

„Den hättest du lieber nicht erwähnen sollen. Ich finde es schade, dass ausgerechnet der damals in Zarakuma erschossen wurde“, murmelte Robert niedergeschlagen und nahm auf der alten, löcherigen Decke Platz. „Der Bursche fehlt mir sehr!“

Doris setzte sich neben ihn und betrachtete ihn besorgt. „Kopf hoch, alter Junge. Was soll ich erst sagen?“ Doris schluckte bei diesem Gedanken. „Ich war fest mit Gesine befreundet und“, sie machte nun eine weit schweifende Bewegung mit einem Arm, „weg ist sie, auf Nimmerwiedersehen von uns gegangen.“

„Nun macht mal halblang!“ José schüttelte den Kopf. „Soll das eine Trauerveranstaltung werden? Freut euch lieber darüber, was ich alles ergattert habe.“ Er schüttete den Rucksack vor ihnen aus.

„Hm, wie das riecht!“, schnüffelte Doris glücklich und betrachtete im rötlichen Abendlicht all die Herrlichkeiten.

„Wirklich prächtig!“, bestätigte auch Robert anerkennend. „Ich sehe Brot und sogar gebratenen Schweinebauch!“

„Na los, worauf wartet ihr? Greift zu!“ José brach sich ein Stück Brot ab. „Schön, dass wir dieses

Impressum

Verlag: BookRix GmbH & Co. KG

Texte: Doska 2015
Bildmaterialien: Daniel Specht 2015
Tag der Veröffentlichung: 10.09.2015
ISBN: 978-3-7396-1300-0

Alle Rechte vorbehalten

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