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Konzertbesuch in Meiningen

 

Letztes Jahr zu Weihnachten hatte mein Schatz mir sogar schriftlich versprochen, dass wir in diesem Jahr einmal zu einer Aufführung nach Meiningen fahren würden, wenn es schon nicht die Semperoper sein kann. Opern mag er nämlich nicht.

 

Gesagt, geschrieben, aber nichts getan.... Zuviel Arbeit!

 

Irgendwann im September reichte es mir mit der Warterei und ich nahm die Sache selbst in die Hand, verglich Spielplan und meine Wochenenddienste. Übrig blieb das jetzt vergangene Wochenende.

 

Auf dem Spielplan standen der Name Strauss und Konzert und Bläser. Strauss lässt ja erst einmal an Walzer denken… Bläser mögen wir beide gern. Mein Mann war ja selbst einmal Trompeter. Leider steht das Instrument seit vielen Jahren nur noch in einer Ecke herum.

 

Ich weiß schon, dass die Strauss-Familie nicht nur aus Johann bestand.

 

Ziemlich nichtsahnend buchte ich zuerst Karten für das Konzert und letzte Woche auch ein Hotelzimmer. Ich wollte nicht nachts im Dunkeln zurückfahren, denn ich wollte noch mehr von Meiningen sehen.

 

Samstagnachmittag um sechzehn Uhr brachen wir also auf nach Meiningen, nachdem ich meinen Mann gebeten hatte, auch die Zahnbürste einzupacken. Er fragte nicht groß nach, sondern packte und fuhr mit mir los. Er fragte nur, warum so früh. Darauf sagte ich, weil wir noch einchecken müssen und vielleicht ein bisschen ausruhen und uns umziehen. Aha.

 

Gegen halb sechs am Abend kamen wir im Hotel im Kaiserpark an. Von Kaiserpark war allerdings nichts zu sehen. Aber das Hotel war in Ordnung. Es liegt zwar in der Nähe des Bahnhofs bzw. der Bahnschienen. Das störte jedoch nicht. Offenbar sind die Züge sehr leise. Wir sahen nur Regionalzüge einer Privatbahn.

 

Nachdem wir eingecheckt hatten, haben wir erst einmal einen kleinen Rundgang durch den Englischen Garten gemacht, der sehr schön ist und geschaut, ob man wirklich nur fünf Minuten bis zum Theater braucht. Dabei entdeckte ich schon die ersten Fotomotive und speicherte sie für heute. Der Park war leider sehr feucht und matschig, so dass es sich empfahl, im Dunkeln lieber auf der Strasse zu bleiben und außen herum zu gehen, was auch nicht viel weiter ist.

Der Englische Garten in Meiningen steht unter Denkmalschutz. Er gehört zu den wenigen Parkanlagen in Deutschland, die dem ursprünglichen Ideal eines englischen Landschaftsparks noch gerecht werden. So wurde Anfang 2007 vom englischen Landschaftsarchitekten Michael Dane ein Rahmenplan zur Erhaltung und Sanierung des Parks erarbeitet, der in den nächsten Jahrzehnten so weit wie möglich umgesetzt werden soll. (Wikipedia)

 

Nach einem Ruhestündchen, machte ich mich in aller Ruhe hübsch. Mein Mann zog sich in letzter Minute auch um und dann ging es los.

 

Wir hatten Plätze im ersten Rang mit gutem Blick auf die Bühne. Als wir ankamen, musste allerdings die ganze Reihe für uns aufstehen. Es hatte schon geklingelt…

 

Und dann ging es auch schon los. Auf der Bühne waren einige Stühle und Notenpulte aufgestellt, die nicht auf großes Orchester schließen ließen. Es kamen dann etliche Herren in schwarzen Hosen und Hemden und zwei Damen in langen schwarzen Kleidern und setzten sich mit ihren Instrumenten und die Serenade von Richard Strauss begann.

 

Das Ensemble bestand aus Solist und Dirigent: Heinz Holliger (Oboe und Leitung)

 

klangart-Ensemble: Andrea Bischoff, Oboe; Felix Renggli, Flöte; Polina Peskina, Flöte; Stephan Siegenthaler, Klarinette; Dirk Altmann, Klarinette; Diego Chenna, Fagott; Pol Centelles, Fagott; Riccardo Papa, Kontrafagott; Olivier Darbellay, Horn; Thomas Müller, Horn; Sebastian Schindler, Horn; Jorge Fuentes, Horn

 

 

Wir hatten keine Ahnung, was für berühmte Leute da für uns musizierten. Das habe ich erst heute aus dem Internet erfahren.

 

Die Serenade klang sehr schön. Wir freuten uns auf mehr…

 

Aber dann kamen Soli, die der Herr Holliger sich ausgedacht hat, um die Möglichkeiten der Instrumente auszuloten oder uns damit zu quälen… Einfach grauenhaft! Vielleicht sind wir ja Kunstbanausen, aber wir lieben nun mal harmonische Töne. Was man unseren Ohren da antat, war Katzenmusik der schlimmsten Art – und das mit jedem Instrument als Solo!

 

Ich musste heulen während dieser Darbietungen und war wild entschlossen, in der Pause zu verschwinden. Dann kam die Pause und wir konnten uns das weitere Programm anschauen. In der Eile hatten wir vorher keines mehr mitnehmen können. Da stand dann, es käme noch eine Suite von Richard Strauss.

 

Also blieben wir und versöhnten uns während der Suite wieder mit den Musikern. Am Ende – wie auch nach jedem Solo-Stück – gab es vom übrigen Publikum frenetischen Beifall. Allerdings hatten auch einige schon beim ersten Stück die Vorstellung verlassen. Wir klatschten nur, wenn es uns auch gefallen hatte.

 

Das war ein Kunsterlebnis der besonderen Art.

 

Darauf brauchten wir etwas Anständiges in den Magen und landeten in einem urigen alten Gasthaus, dem Haus Henneberger, aßen und tranken einen guten Rotwein und die Welt war wieder in Ordnung.

 

 

 

Heute Morgen beim Frühstück durften wir die unsägliche Frisur – überkämmte Glatze mit Fußsack hinten - des Herrn Heinz Holliger aus der Schweiz noch einmal aus der Nähe bewundern. Er und einige der Musiker waren im selben Hotel untergekommen. Am liebsten hätte ich ihm gesagt, dass seine Katzenmusik unerträglich war. Aber man will ja nicht unhöflich sein.

 

Nach dem Frühstück haben wir noch einen gemütlichen Rundgang durch das herbstliche Meiningen gemacht und ich konnte nach Herzenslust fotografieren.

 

Schwanenbrunnen am Englischen Garten

 

Tierarzt-Villa

 

Romantik-Hotel Sächsischer Hof

 

Wasserkunst oder Nessi in Meiningen? Die Altstadt ist umgeben von Kanälen.

 

 

 

Meiningen hat auch sehr pittoreske, schön restaurierte alte Häuser.

 

 

Fischdieb-Brunnen

 

enge Gassen

 

wenige richtig alte und schöne Geschäfte

 

mit meiner Lieblingskeramik

 

die Stadtkirche, die wir leider nicht von innen besichtigen konnten, weil gerade Gottesdienst war und wir nicht stören wollten

 

Kirchenportal

 

Sie hat sogar zwei Türme.

 

neben der Kirche eine Gedenktafel gegen das Vergessen der Ereignisse in den achtziger Jahren

 

Ratsstube

 

farbenfrohe Häuser rings um den großen Marktplatz

 

mit dem Heinrichsbrunnen (diese Aufnahme stammt von unserem Besuch im April)

 

sehr abwechslungsreiche Architektur

 

das sogenannte "Schlundhaus"

 

 

 

schöne Ausleger

 

 

auch dekorative neue Beschriftung

 

künstlerischer Hinterhof

 

aussergewöhnliches Fachwerk

 

Theatermuseum

 

Schloß Elisabethenburg

 

innere Schloßanlage

 

In dem Turm soll sich ein schönes Barockcafè befinden. Leider waren wir nicht drin.

 

die Werra oder einer der Kanäle

 

Gänsemännchenbrunnen

 

noch einmal das Henneberger Haus

 

Das Große Palais - jetzt Ärztehaus

 

 

Kammerspiele

 

das berühmte Meininger Theater

 

 

eine der fünf Eingangstüren

 

 

 

 

 

 

Anschließend wollten wir uns Schloss Landsberg anschauen. Davon war leider nicht viel zu sehen, denn das Tor war mit einer Kette und Zahlenschloss von außen verrammelt, so dass man in den Innenhof gar nicht hinein kam.

Auffahrt zum Schloß Landsberg

 

vor verschlossenem Tor

 

Mehr war nicht zu sehen.

Das ehemalige Luxushotel ist seit Anfang 2014 geschlossen. Eine Begründung konnte ich nicht finden.

 

So sind wir dann über Mellrichstadt und Neustadt an der Saale gemütlich nach Hause gebummelt. Unterwegs haben wir uns noch die alten DDR-Grenzbefestigungen angesehen, bei denen einem noch immer das Gruseln kommen kann. Selbst meine Kamera hat da nicht mehr mitgemacht. Der Akku war leer.

 

 

Impressum

Bildmaterialien: Alle Bilder eigene Fotos
Tag der Veröffentlichung: 19.10.2015

Alle Rechte vorbehalten

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