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Prolog

Caspar de Fries

Schriftsteller

Zitat: Wer zuletzt kommt, den bestraft das Leben

 

Texte und Bildmaterialien:Caspar de Fries

Alle Rechte vorbehalten

Tag der Veröffentlichung: 03.09.2014

Die weißen Felsen von Dover

 Irgendwann, vor langer Zeit, befuhr ein riesiges Segelschiff die Weltmeere. Natürlich segelten auf dem Schiff auch nur Riesen, von denen man behauptete, sie wären die ersten Friesen, die auf der Insel Sylt in der Nordsee landeten.Das Schiff war so groß, dass der langbärtige Kapitän, genannt Uralt, mit seinem schnellen, aber riesigen Pferd auf dem Schiffsdeck umher galoppieren musste, um seinen Seeleuten die nötigen Segelmanöver zu erteilen.

Blies kein Wind, um das gewaltige Schiff voran zu schieben, mussten sich die riesigen Matrosen immer zu Fünft in einer Reihe aufstellen, ganz tüchtig Luft holen, um die Segel mit ihrer eingeatmeten Luft auf zu blähen. Es sah schon sehr grotesk aus, wie sie da standen, die Hände in die Hüften gestemmt, auf Kommando leicht nach hinten gebeugt, tief eingeatmet, um dann mit einem Luftschwall aus ihren großen Lungenballonen das Schiff vorwärts zu treiben.

Selbst dem Koch, auch Smutje genannt, stand ein Boot zur Verfügung, um aus der überdimensional großen Suppenterrine die Fleischstücke heraus zu fischen, damit seine Kollegen rechtzeitig ihr Essen erhielten.

In die Wanten, der Takelage, des Schiffes, kletterten nur junge Riesen, um die Segel zu hissen, denn in der Regel kamen sie alt und grauhaarig zurück, wenn sie ihre Aufgabe erfüllt hatten.

Eines Tages wollte das Riesenschiff den Englischen Kanal durch schippern, doch an der schmalsten Stelle bei Dover blieb der Segler stecken. Jetzt war guter Rat teuer. Kapitän Uralt wusste Rat, kratzte sich an seinen weißgrauen Bartsträhnen und zeigte einen sehr schlauen Rat. Er befahl, dass jeder Matrose sein weißes Stück Seife zur Verfügung stellen musste, um damit das Schiff ein zu schmieren.

Nach getaner Arbeit stellten sich die Riesen wiederum in einer Reihe auf, stemmten die Hände in die Hüften, beugte sich leicht nach hinten, holten durch die Nase tief Luft und bliesen mit voller Inbrunst ihre eingeatmete Luft in die schlaffen Segel. Ganz langsam schob sich das Riesenschiff an den steilen Klippen von Dover vorbei, dabei blieb so viel weiße Seife in ihnen hängen, das man bis heute die Klippen immer noch als die weißen Felsen von Dover bezeichnet.

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Texte: Caspar de Fries
Bildmaterialien: Caspar de Fries
Tag der Veröffentlichung: 03.10.2014

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