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The Beginning of the End

Welcome to your tape...

Nein keine Sorge, ich habe nicht vor mich umzubringen. Ich bin nur nicht mehr bereit alles mögliche dafür zu tun, um am Leben zu bleiben. Das hier wird keine romantische Geschichte, kein Happy End, nur ich und meine Wahrheit. Wahrscheinlich das ehrlichste was ich jemals geschrieben oder schreiben werde. Deshalb wird das hier wohl auch chaotischste sein, was du je gelesen hast, also lass es besser sein. Klick einfach weg.

Ich bin keine die Tagebuchführt, oder über irgendwelche Scheisse die passiert ist spricht. Gefühle... was soll das überhaupt sein?

"Wie geht's dir?", fragen sie ständig. "Gut", sagst du, setzt ein Lächeln auf, obwohl deine Seele seit langem nach Hilfe schreit. Es sind meine Freunde und manchmal, ziemlich oft sogar frage ich mich, ob ich sie überhaupt verdient hab. Nein, wahrscheinlich nicht. Und dennoch scheinen sie mich aus irgendeinem Grund noch zu mögen.

"Geh endlich mal zum Arzt", schreit sie mich wieder an. Beim Wort Arzt zucke ich jedes Mal zusammen, als stünde ich unter Strom. "Geht schon, mir geht's gut", sage ich und kauf's mir selbst nicht ab. Geschlafen hab ich seit Tagen nicht. Ach was, seit Monaten, gar schon Jahren habe ich keine Nacht richtig geschlafen. Soll ich dir sagen was daran das traurigste ist? Letztes Jahr war ich sogar schon so weit gewesen, so verzweifel, dass ich zum Arzt gegangen bin, weil es nicht mehr schlimmer hatte werden können. Tja, der konnte oder wollte mir auch nicht helfen. Hat mir Antidepressiva in die Hand gedrückt, nachdem ihm klar wurde, das pflanzliche Mittel bei mir nix bringen. Als ich dann draussen war hab ich angefangen zu heulen. Die Tatsache, dass ich die Scheisse tatsächlich genommen habe, hat in mir drin was zerissen.

Seit dem mache ich einen grossen Bogen um Ärzte. Ich hatte schon als Kind schlechte Erfahrungen erleiden müssen, aber ich hatte trotzdem gehofft, es seien nicht alle Ärzte total unfähig. Es liegt vielleicht auch an mir, ich brauch mir nix vormachen, ich bin so ein Patient, mit dem man wohl einfach nicht klarkommen kann. So sitze ich nun hier, kaue eine weitere Gewürznelke, weil ich so schreckliche Zahnschmerzen habe und kaum noch sprechen kann.

Aber darum geht's eigentlich gar nicht, ich schweife schon wieder ab... Es ging um Freunde: Sie fragen dich ob's dir gut geht und auch wenn sie in deine Augenblicken, merken sie nicht, wie kaputt du bist. Auch wenn du 'nein' sagst, fragt keiner wieso, will keiner wissen. Jeder hat mit eigenen Problemen zu kämpfen.

Ich zieh meinen Ärmel immer runter, dass er meine Narben verdeckt... Wieso ich keine langen Ärmel anziehe? Weil ich es nicht einsehe mich im Sport totzuschwitzen um diesen Heuchlern diesen Anblick zu ersparen. Mich zu verstecken, um mich vor dummen Kommentaren zu schützen, von Leuten die mir eh am Arsch vorbeigehen. Sie konnten das nicht übersehen, aber keiner hat was gesagt, vielleicht wollten sie nicht rücksichtslos sein, vielleicht dachten sie, wenn ich drüber reden wollen würde, würde ich von mir aus was sagen. Um ehrlich zu sein, bin ich sogar froh, dass sie, meine Freunde, es nicht angesprochen haben.

Ich habe das hier angefangen, ohne zu wissen wohin es führen soll. Aus nur einem Grund: Um nichts mehr in mich reinzufressen sondern um was rauszulassen. 

Tod

 Keine Sorge, ich rede nicht über meinen eigenen, kannst dich wieder beruhigen.

Ich habe nie gelernt damit umzugehen. Ich habe aufgehört meiner Mutter die Schuld dafür zu geben. Als ich noch ganz klein war, ist meine Grossmutter gestorben. Alle sassen vor dem Haus und haben geheult und ich hab garnicht verstanden was passiert war.

Ich war 11 als ein Mädchen mit dem ich ganz gut befreundet war gestorben war. Sie war nicht meine beste Freundin, aber wir haben uns gut verstanden. Sie war ein guter Mensch und hatte es nicht verdient so jung zu sterben. "Hör auf zu weinen", war alles was meine Mutter gesagt hatte, nachdem der Anruf am frühen Morgen gekommen war. Ich hab die Welt nicht mehr verstanden, weil ich mir sicher war, dass sie es schaffen würde. "Warum ist sie gestorben und nicht du", sagte ihre beste Freundin später zu mir. Ich verstehe heute, dass es für sie einfacher wäre, wenn ich gestroben wäre und das ist auch nicht schlimm, ich würde auch lieber sie sterben sehen als meine beste Freundin. Aber damals hat es mich zerstört. Ich hätte mein Leben für ihres gegeben, weil sie es mehr verdiente als ich. Jeden Tag fragte ich mich, warum sie und nicht ich... Ich hatte nicht erwartet mein achtzehntes Lebensjahr noch zu erleben, aber nun sitze ich immer noch hier.

Impressum

Tag der Veröffentlichung: 23.12.2017

Alle Rechte vorbehalten

Widmung:
Ich widme dieses Buch allen, die gesagt haben ich würde es nicht schaffen. Hier habt ihr's!

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