Cover

Mohnblütenträume

 

 

 

 

 

Mohnblütenträume

 

 

 

 

 

Lilyana Ravenheart

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Copyright ©Yvonne Rose

Lektorat: Stefanie Zainer

Korrektorat: Stefanie Zainer

Coverdesign: ©Kristina Licht

 

Auflage 3 / 2019

 

 

 

Impressum:

Yvonne Rose

Stettinerstr. 22

24537 Neumünster

 

 

© 2019

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Liebe

Liebe sprengt die Ketten der Zeit,

 

übersteht Tod und Verwelken.

 

Sie ist

 

zeitlos, stark und unbrechbar.

Morpheus



Morpheus war verzweifelt. Er wusste nicht, wo er Bastet noch suchen sollte. Man hatte sie beide auffliegen lassen und nun entschied der Rat der Götter darüber, wie es mit ihnen weitergehen sollte. Schließlich war es verboten, einen Gott aus einer anderen Kultur zu lieben, sie hatten stets unter sich zu bleiben.

Und doch hatte er sich in die ägyptische Göttin Bastet verliebt und sie sich ebenso in ihn. Eine ganze Weile war die heimliche Beziehung gut gegangen, immer wieder hatten sie sich heimlich getroffen und sich ewige Liebe geschworen.

Aber jetzt war alles vorbei.

Morpheus fühlte sich seltsam verloren, als er oben auf der Sphinx stand und nach seiner Liebsten Ausschau hielt. Dies hier war neben dem Mohnblumenfeld ihr Lieblingsplatz, aber auch hier war sie nicht zu finden. Dabei war er so sicher gewesen, dass sie hier war, nachdem er sie bei den Blumen nicht gefunden hatte.

Einen Moment lang überlegte der Gott der Träume, ehe er beschloss, es bei Anubis zu versuchen. Dieser war Bastets bester Freund, vielleicht konnte er weiterhelfen.

Also löste Morpheus sich kurzerhand auf und teleportiere sich in die ägyptische Unterwelt, wo er auch direkt Bastet hören konnte, wie sie hastig mit Anubis sprach.

»Bastet!«

Anubis und Bastet blickten auf. Sofort löste Bastet sich aus der Umarmung von Anubis, lief zu Morpheus und warf sich in seine Arme, ehe sie ihn verzweifelt ansah.

»Was machst du hier? Ich habe dich überall gesucht! Wir müssen fliehen, bevor der Rat uns für immer trennt!«, sagte Morpheus, aber Bastet schüttelte nur den Kopf.

»Nein. Ich bin es leid, meine Liebe zu dir verstecken zu müssen und ich werde auch nicht zulassen, dass sie dich zu den Menschen verbannen«, begann sie und streichelte ihrem Liebsten über das Gesicht.

»Wie meinst du das?«, fragte Morpheus kaum hörbar, ahnte er doch bereits das Schlimmste.

»Ich werde mein Leben geben, damit wir eines Tages zusammen sein können. Anubis wird auf meine Seele achten. Wenn die Zeit reif ist, wird er sie einem Menschen geben. Sei nicht traurig, Liebster. Ich werde wiederkommen, du musst nur ein wenig Geduld haben. Morpheus, wirst du auf mich warten?«, fragte sie, doch Morpheus schüttelte den Kopf.

»Das darfst du nicht machen! Wir haben schon so vieles durchgestanden, wir werden auch die Strafe des Rates überstehen«, versicherte er, aber nun war es Bastet, die traurig den Kopf schüttelte.

»Haben sie es dir noch nicht erzählt?«, fragte die Katzengöttin, woraufhin Morpheus sie nur verwirrt ansah. Was sollte man ihm gesagt haben? Hatte der Rat sein Urteil bereits gefällt? »Natürlich nicht. Warum sollten sie auch? Morpheus, ich habe herausgefunden, dass sie dich in einen Sterblichen verwandeln wollen. Das bedeutet, wir werden niemals wieder zusammen sein können und wenn du stirbst, wird deine Seele auf ewig im Totenreich weilen«, erklärte sie ihm. Morpheus konnte nicht glauben, was seine Bastet ihm da erzählte. Der Rat der Götter wollte ihn in einen Sterblichen verwandeln? Das bedeutete, sie würden niemals wieder zusammen sein können, denn sicher würden sie Bastet einsperren, bis seine menschliche Lebenszeit aufgebraucht war und er in das Reich der Toten wanderte.

»Ganz egal, wohin wir fliehen, sie werden uns finden und dich bestrafen. Also lass mich bitte meine Seele Anubis anvertrauen. Die Zeiten werden sich ändern und dann werden wir beide glücklich sein können«, fuhr sie fort.

»Wir müssen eine andere Lösung finden!«, versuchte Morpheus, sie zu überzeugen, denn er konnte sich nicht vorstellen, ohne sie zu leben. Selbst wenn sie sich nur wenige Tage nicht hatten sehen können, hatte es sich stets so angefühlt, als sei ihm das Herz herausgerissen worden. Niemals würde er zulassen, dass seine Bastet ihr Leben opferte, nur damit er gerettet wurde.

»Es gibt keine andere Möglichkeit. Einer von uns beiden muss sterben. Doch wenn ich Anubis meine Seele zur Verwahrung gebe, kann er darüber wachen, bis sie wiedergeboren wird. Aber wenn du ein Sterblicher wirst, wird deine Seele nach deinem Tod direkt in das Reich von Hades wandern und wir werden niemals wieder zusammenfinden«, erwiderte Bastet, wobei ihr eine Träne über die Wange rann.

Morpheus lehnte die Stirn an ihre, schloss traurig seine Augen und nickte schließlich. Er kannte seine Katze zu gut und wusste, dass sie sich nicht von ihrem Plan würde abbringen lassen. Außerdem hatte sie recht. So hatten sie beide eine Chance darauf, irgendwann wieder zusammen sein zu können.

»Ich werde auf dich warten, bis das Licht der Sterne erlischt. Bis ans Ende jeder Zeit«, versprach er ihr voller Liebe und legte seine Lippen auf die ihren für einen letzten, sehnsuchtsvollen Kuss.

Anschließend gingen sie beide zu Anubis, der schon wartete.

»Bist du dir wirklich sicher?«, fragte der Totengott abermals und Bastet nickte. Anubis nickte ebenfalls und ging hinüber zu einem Regal, welches in die Steinwände gehauen war. Dort standen zahlreiche Fläschchen, in allen Formen und Farben. Anubis griff nach einer Phiole, in welcher sich eine dunkelblaue Flüssigkeit befand. Damit kam der Totengott schließlich zurück und reichte sie an Bastet.

»Dies ist das einzige Mittel, um dir deine Seele zu nehmen, ohne dass sie direkt zu den Toten wandert. Nur so können wir es vor Osiris geheim halten«, erklärte er ruhig. Bastet nickte und nahm das Fläschchen. »Du musst alles austrinken. Anschließend wirst du langsam einschlafen und deine Seele verlässt deinen Körper. Schmerzen wirst du keine haben«, versprach er.

»Ist es egal, wo sie es trinkt?«, fragte Morpheus nun. Wenn es möglich war, sollte seine Bastet an einem schöneren Ort sterben, wenn sie schon ihr Leben opfern musste.

»Ja. Ihre Seele wird zu einem Ort gezogen, wo sie darauf warten kann, wiedergeboren zu werden. Dabei ist es ganz egal, wo sich ihre Seele beim Verlassen des Körpers befindet«, sagte Anubis.

»Was hast du vor?«, fragte Bastet, aber Morpheus lächelte sie an, ehe er ihre Hand nahm und sich mit ihr zusammen auflöste. Im nächsten Moment standen sie auf einer weiten Wiese, inmitten von Mohnblumen.

»Hier haben wir uns kennengelernt.«, flüsterte sie mit tränenerstickter Stimme und Morpheus nickte.

»Ja. Hier traf ich dich zum ersten Mal. Du warst vom Schein der roten Farbe dieser Blumen angezogen worden. Ich spürte deine Anwesenheit, kam hierher und war auf der Stelle Dein«, erwiderte er und gab ihr einen sanften Kuss.

»Es wird sich lohnen. Wenn ich wieder komme, können wir zusammen sein, ohne einen Krieg zwischen den Göttern zu riskieren, oder, dass sie einen von uns bestrafen«, sagte sie und schmiegte sich in seine Arme.

Eine ganze Weile standen sie da, vergaßen alles um sich herum und genossen einfach nur das Hier und Jetzt. Doch irgendwann war auch dieser Moment zu Ende. Gemeinsam setzten sie sich in das Meer aus roten Mohnblumen und Bastet kuschelte sich eng an ihren Liebsten, während er sie seinerseits fest an sich drückte.

»Vertrau auf unsere Liebe. Wenn ich wiedergeboren werde, wirst du es spüren. Ich werde dich rufen«, sprach sie voller Liebe. Morpheus beobachtete, wie sie den Korken aus der Phiole zog, dann trank sie die dunkelblaue Flüssigkeit in einem Zug aus. Sofort erkannte er die Müdigkeit in ihrem Gesicht. Morpheus hielt sie weiterhin fest im Arm und ließ seinen Tränen freien Lauf.

»Ich liebe dich...«, flüsterte Bastet, ehe sie ihre Augen schloss und die Seele ihren Körper verließ.

Zurück blieb Morpheus, der ihren leblosen Körper in seinen Armen hielt und hemmungslos um seine Liebste weinte. Er hatte alles verloren, was ihm wichtig war, doch er würde wie versprochen auf sie warten. Selbst wenn es viele hundert Jahre dauern würde.

Zia


Es war Montagmorgen, der erste Wochentag nach Zias langersehntem Schulabschluss und ein Tag vor ihrem achtzehnten Geburtstag. Sie hatte sich die ganzen letzten Wochen bereits auf den Sommer gefreut, denn sie konnte endlich ausschlafen und nach den Ferien würde sie Ägyptologie studieren.

Leider wurde aus dem Ausschlafen nichts, denn Zia wurde von der Türklingel geweckt, welche früh am Morgen schellte. Grummelnd zog Zia sich die Bettdecke über den Kopf, doch nur eine Minute später klopfte ihre Mutter an die Zimmertür.

»Schatz? Charlotte ist da, sie sagte, dass ihr beide verabredet seid«, hörte Zia sie sagen.

Verabredet? Um diese Zeit? Zia konnte sich nicht daran erinnern, heute etwas mit ihrer besten Freundin vereinbart zu haben. Sie hatte nur ausschlafen wollen. Doch scheinbar hatte Charlotte andere Pläne. Und da Zia ihre Freundin kannte, wusste sie auch, dass Charlotte nicht aufgeben würde. Also gab Zia sich geschlagen und stand gähnend auf. Ihre langen, hellbraunen Haare waren noch ganz zerzaust, aber das störte sie nicht. Ebenso wenig, wie, dass sie noch ihre Schlafsachen in Form von blauen Shorts und einem grünen Top trug.

»Na komm, Cupcake. Charlotte ist da, ausschlafen können wir vergessen«, sagte sie müde zu ihrem Kater, welcher immer in ihrem Bett schlief. Liebevoll streichelte sie dem braunen Maine Coon über das flauschige Fell und sah ihm an, dass er von der frühen Störung überhaupt nicht begeistert war.

»Ja, wir wollten heute länger schlafen und du magst Charlotte nicht. Dennoch ist sie hier und du weißt genauso gut wie ich, dass sie nicht aufgeben wird, bis sie bekommt, was sie sich in den Kopf gesetzt hat«, erklärte sie ihrem Kater gähnend und stupste Cupcakes Nase an, ehe sie aufstand und so wie sie war aus ihrem Zimmer heraus die Treppen hinunter schritt und in die Küche ging.

»Charlotte, was machst du hier?«, fragte Zia, abermals gähnend.

»Ich sagte dir doch letzte Woche, dass ich dich heute abhole und dann gehen wir ins British Museum!«, erwiderte Charlotte munter. In diesem Moment stieß auch Cupcake zu ihnen, strich Zia um die Beine und sah anschließend Charlotte mit angelegten Ohren an.

»Ich dachte, das wäre ein Scherz gewesen!«, antwortete Zia murrend, während sie ihren Kater auf den Arm hob und mit ihm ein wenig schmuste. Charlotte lachte glockenklar und setzte sich. Viele Jungs waren hinter ihr her, da sie mit ihren langen, blonden Haaren, der schlanken aber durchaus weiblichen Figur und den strahlend blauen Augen wunderschön war.

»Du solltest mich besser kennen. Also los! Mach dich fertig, frühstücke schnell etwas und dann gehen wir. Zia, beeil dich!«, drängte Charlotte. Hilfesuchend blickte Zia zu ihrer Mutter, doch die stand am Herd, tat so, als bekäme sie nichts mit und wendete die Würstchen in der Pfanne.

Genervt rollte Zia mit den Augen, ehe sie gemeinsam mit Cupcake wieder nach oben in ihr Zimmer ging und sich ein luftiges Sommerkleid anzog. Die langen Haare bürstete sie und band sie anschließend zu einem Pferdeschwanz zusammen. Lust hatte sie wirklich keine, aber sie wusste auch, dass Charlotte stur wie ein Esel war. Diskutieren würde nicht weiterhelfen.

»In Momenten wie diesen kann ich gut verstehen, warum du Charlotte nicht magst«, sagte sie zu Cupcake, ehe sie sich nochmal im Spiegel betrachtete. Ihre goldenen Augen wirkten müde, aber wenigstens sah ihr karamellfarbenes Haar wegen des Zopfs ordentlich aus. Schminken wollte sie sich heute nicht, denn es sollte sehr warm werden und wenn sie mit Charlotte ins Museum ging, würde sie sicher ordentlich ins Schwitzen kommen. Da konnte sie zerlaufenes Make-up nicht auch noch brauchen.

»Na gut, lass uns frühstücken gehen«, sagte sie schließlich wieder zu ihrem Kater. Wie sie zu diesem gekommen war, wusste niemand. Cupcake war einfach aufgetaucht, als Zia vier Jahre alt gewesen war und seither wich der Maine Coon ihr nicht von der Seite. Selbst in den Kindergarten und in die Schule war er stets mitgekommen, sehr zum Ärger der Erzieher und Lehrer. Doch da Cupcake nie etwas angestellt, sondern sich immer artig in der Tasche zusammengerollt und geschlafen hatte, hatte man es am Ende akzeptiert. Zia erinnerte sich noch an einen ihrer Mathematiklehrer. Dieser hatte Cupcake nicht im Unterricht haben wollen, trotz aller Beteuerungen, dass die Katze nicht stören würde. Das war die einzige Schulstunde gewesen, in der er auf sich aufmerksam gemacht hatte, denn nachdem der Lehrer ihn aus dem Klassenzimmer verbannt hatte, hatte Cupcake vor der Tür gesessen und die ganze Stunde laut miaut und an der Tür gekratzt. Nie wieder hatte ein Lehrer auch nur versucht, den störrischen Kater hinauszuwerfen.

»Zia, wo bleibst du?«

Zia wurde aus ihren Erinnerungen gerissen. Kurzerhand öffnete sie ihre Zimmertür und ging mit Cupcake zurück in die Küche.

»Da bin ich ja schon, nun mach keinen Stress, wir haben den ganzen Tag Zeit. Und da wir heute ohnehin nicht alles schaffen, ist es doch halb so schlimm«, meinte Zia seufzend, setzte sich an den Tisch und nahm dankend die Würstchen und den Toast von ihrer Mutter entgegen. Eines der Würstchen reichte sie Cupcake, welcher es sofort runterschlang.

»Ich weiß, dass wir nicht alles schaffen, aber der Sommer dauert ja noch länger an«, erklärte Charlotte. Zia sagte lieber nichts weiter dazu, fragte sich aber, warum ihre Freundin unbedingt in das Museum wollte. Sie selbst ging auch sehr gerne dorthin, aber heute hatte sie sich eigentlich einen faulen Tag machen wollen.

»Mom, brauchst du heute keine Hilfe? Ich meine, es gibt noch so viele Dinge, die bis morgen vorzubereiten sind«, versuchte Zia, sich doch noch zu drücken, doch ihre Mutter schien auf Charlottes Seite zu sein.

»Ach nein, geh ruhig mit Charlotte ins Museum. Dann kann ich hier in Ruhe alles dekorieren und die Torte backen«, erwiderte sie und Zia seufzte auf. Selbst auf ihre Mutter konnte sie sich nicht verlassen, auch wenn sie verstehen konnte, dass sie das freie Haus nutzen wollte, um die Vorbereitungen für morgen zu treffen. Also gut, dann würde sie heute wohl mit Charlotte ins Museum gehen müssen. Wenigstens kam Cupcake mit und würde ihr ein wenig Gesellschaft leisten, wenn es ihr zu langweilig wurde. Vielleicht hatte sie auch Glück und es würde nicht so voll sein, dann konnte sie in ihre Lieblingsabteilung gehen, zu den alten Ägyptern. Denn oftmals war diese vollkommen überfüllt, da alle die Mumien sehen wollten. Bei der Wärme war es allerdings wahrscheinlich, dass die Leute lieber etwas anderes unternahmen, wie schwimmen zu gehen.


Eine Stunde später standen die beiden Mädchen vor dem großen Gebäude des Museums. Auf dem Rücken trug Zia einen Rucksack, in welchem sich Cupcake befand. Der Kater wusste genau, dass er sich ruhig verhalten musste, denn schon oft war er in Gebäuden mitgekommen, in denen Tiere nichts zu suchen hatten. Selbst bei Arztbesuchen war Cupcake immer bei ihr.

»Wo möchtest du zuerst hin?«, fragte Zia, während sie auf den großen Museumsplan schaute. Sie war schon öfter mit Charlotte hier gewesen und kannte daher schon die Räumlichkeiten, ganz besonders die ägyptische Abteilung, in der sie sich oft stundenlang aufhielt. Trotzdem konnte es nie schaden, sich den Plan nochmal anzusehen.

»Zuerst möchte ich mir den afrikanischen Bereich ansehen!«, antwortete Charlotte munter, bevor sie auch schon zwischen den Vitrinen verschwand. Kopfschüttelnd blickte Zia ihrer Freundin hinterher, ehe sie ihr langsam in die Gewölbe zum Thema Afrika folgte. Wie immer war Zia ganz fasziniert von den ausgestellten Dingen in den Glaskästen. Dennoch konnte sie sich für den heutigen Tag etwas Besseres vorstellen. Es sollte sehr warm werden und da wäre sie lieber im Park, um die Sonne zu genießen und ein Eis zu essen oder ginge in den Pool, den sie im Garten stehen hatten. Zwar war es hier im Museum angenehm kühl, dennoch waren ein Schwimmbecken und ein Eis verlockender.

»Ist das nicht absolut faszinierend?«, flüsterte Charlotte ehrfürchtig, als sie neben Zia trat und die afrikanischen Skulpturen betrachtete. Zia nickte nur schweigend, ehe sie zur nächsten Vitrine ging und sich die Tierfiguren aus Holz ansah. Doch plötzlich bewegte sich einer der Löwen und brüllte laut, woraufhin Zia erschrocken zurückwich. Als sie erneut hinblickte, war die Holzfigur nur eine Holzfigur. Verwirrt schüttelte sie den Kopf. Vermutlich machte sich nur der Schlafmangel bemerkbar, sowie die bereits herrschende Hitze und die schlechte Luft hier drinnen.

Aus ihrem Rucksack hörte Zia ein besorgtes Maunzen. Sie setzte den schweren Rucksack ab und griff hinein, um Cupcake zu streicheln.

»Alles ist gut, Süßer. Ich bin wohl nur noch nicht ganz wach«, beruhigte sie ihren Kater und schulterte den Rucksack anschließend wieder, das Gewicht machte ihr nach all den Jahren nichts mehr aus.

»Ich gehe mal nach oben in den ägyptischen Bereich«, gab sie Bescheid, woraufhin Charlotte nur nickte. Amüsiert den Kopf schüttelnd ging Zia Richtung Treppe und diese hinauf, wo sich die ägyptischen Räume befanden. Dort war es, wie vermutet, am vollsten. Kein Wunder, immerhin standen hier waschechte Mumien und diese waren ein absolutes Muss für Touristen.

Schweigend ging Zia an den Vitrinen entlang, schaute sich die mumifizierten Katzen an und fragte sich, wie es damals wohl gewesen sein mochte. Schon immer hatte sie sich für die alten Ägypter und deren Mythologie interessiert, auch wenn sie keine Ahnung hatte, woher dieses Interesse kam. Schließlich war auch die keltische Mythologie rund um Merlin und Avalon mindestens genauso spannend.

Gedankenverloren ging Zia weiter, wandte den Blick dabei nicht von den mumifizierten Gestalten ab, was sich kurz darauf als Fehler herausstellte. Denn sie lief direkt in einen jungen Mann und wäre sicher nach hinten zurückgestolpert und hingefallen, wenn er sie nicht festgehalten hätte.

»Immer schön vorsichtig!«, hörte sie ihn sagen und als sie den Blick hob und ihn ansah, stockte ihr der Atem. Vor ihr stand ein atemberaubend gutaussehender junger Mann. Er war schlank, aber sehr muskulös. Sein langes Haar war schwarz und lockig, seine dunkelblauen Augen unergründlich wie das Meer.

»Alles in Ordnung?«, fragte er nun mit seiner ungewöhnlichen, leicht rauen Stimme, die dafür sorgte, dass Zia eine Gänsehaut bekam. Einen Moment lang starrte sie den Fremden an, der nicht sehr viel älter als sie zu sein schien, ehe sie es schaffte, zu nicken.

»Ähm, ja, alles in Ordnung«, erwiderte sie schließlich.

Morpheus



Morpheus konnte den Blick kaum von dem bezaubernden Wesen in seinen Armen abwenden. Ihr karamellfarbenes Haar glänzte in der Sonne und sie hatte die gleichen goldenen Augen wie damals. Dieselben Katzenaugen. Nur der Blick war ein wenig anders. Damals hatte sie ihn voller Liebe angeblickt, nun glich es eher einer Schwärmerei. Doch das würde er noch zu ändern wissen. Zufrieden stellte er fest, dass sie noch immer Mohnblumen zu mögen schien, zumindest zierten diese das weiße Sommerkleid. Es betonte perfekt ihre schlanke Figur und umspielte sanft ihre Knie. Den ganzen Morgen hatte er mit seinem besten Freund Eros verbracht, sich die richtige Kleidung rausgesucht und überlegt, was er wohl sagen sollte, wenn er ihr über den Weg lief.

Doch nun war sie gedankenverloren in ihn hineingelaufen und alles Geplante war vergessen. Alles was noch zählte, war seine Bastet, die ihn immer noch fasziniert ansah, mit einer leichten Röte auf den Wangen, die sie nur noch schöner machte.

»Zia?«

Nur sehr widerwillig ließ Morpheus seine Liebste wieder los, als ihre Menschenfreundin sie bei ihrem menschlichen Namen rief. Doch noch konnte er ohnehin nicht viel tun, er musste abwarten und beobachten. Hoffen, dass etwas im Inneren seiner Liebsten sie zu ihn zog.

Bastet entschuldigte sich nochmal hastig murmelnd bei ihm, dass sie einfach in ihn hineingelaufen war, dann drehte sie sich um und eilte offenbar peinlich berührt zu ihrer Freundin. Bevor sie um die Ecke verschwand, drehte sie sich jedoch nochmal zu ihm um. Aus ihrem Rucksack heraus wurde er ebenfalls angeblickt, zwei grüne Augen sahen ihn eindringlich an und schienen ihn zu erkennen. Ein leises Maunzen war noch zu hören, ein letzter Blick von seiner Bastet und schon war sie verschwunden.

»Was war denn das bitte?«

Morpheus drehte sich zu seinem besten Freund Eros um, welcher ihn mit seinen Worten aus den Gedanken gerissen hatte. Seine kurzen, braunen Haare waren perfekt gestylt und in dem Anzug sah er umwerfend aus. Kein Wunder, dass sich um sie beide herum die Mädchen sammelten und ihn anhimmelten.

»Ich weiß es auch nicht. Als ich sie sah, war mein Kopf wie leergefegt. Ich konnte an nichts anderes mehr denken als an ihre unbeschreibliche Schönheit und ihr wunderbarer Jasminduft«, begann Morpheus zu schwärmen, woraufhin Eros grinsend mit den Augen rollte.

»Ich habe ganz vergessen, was für ein verliebter Trottel du in ihrer Gegenwart bist«, zog er Morpheus auf, welcher ihn nun ein wenig böse anblickte.

»Was machen wir denn jetzt?«, fragte Morpheus, während er wieder zu der Ecke schielte, hinter welcher seine Bastet eben verschwunden war.

»Wir folgen ihr eine Weile. Es ist noch früh und sie wird das Museum sicher nicht so schnell wieder verlassen. Also los! Es wird sich schon eine Gelegenheit ergeben, um mit ihr zu sprechen. Notfalls lenke ich ihre Freundin ein wenig ab, damit ihr zwei allein sein könnt. Wozu bin ich sonst der Gott der Leidenschaft, wenn ich nicht mal einen Teenager ablenken kann?«, erwiderte Eros grinsend, ehe er seinen besten Freund auch schon mit sich zog. Morpheus war nicht ganz überzeugt von der Idee, aber er hatte auch keine bessere, also folgte er Eros und hielt Ausschau nach Bastet und ihrer Freundin.

Es dauerte auch gar nicht lange, da fanden sie die beiden in der griechischen Abteilung.

»Perfekt! Auf diesem Gebiet bist du doch ein Experte! Also los! Glänze mit deinem Wissen und beeindrucke sie!«, flüsterte Eros, ehe er den Gott der Träume auch schon voran

Impressum

Verlag: BookRix GmbH & Co. KG

Tag der Veröffentlichung: 13.06.2019
ISBN: 978-3-7487-0699-1

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