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Bienen, Wespen & Co.

Manchmal würde man gerne wie eine Wespe sein, alle voll nerven. Man war viel zu lange im Bienen-Modus – höflich, rücksichtsvoll. Was haben die Bienen davon? Man nimmt ihnen ihren Honig weg – und die gucken noch seelenruhig zu. Fristen ein Dasein für die Imker dieser Welt. Rebell sein. Oder Schmetterling – es sich gutgehen lassen, tollpatschig wirken, ungezielt an jedes Ziel gelangen. Wäre auch eine gute Strategie als Fußballer oder als Pokerspieler: absichtslos wirken. Man ist zwar nicht auf Zack aber auf Zickzack.

Marienkäfer ist sehr beliebt. Weitaus besseres Image als der Mistkäfer. Der Marienkäfer wirkt ähnlich gutmütig wie die Hummel. Die Wespe müsste an ihrem Image arbeiten, aber Insekten kommen vermutlich ohnehin nicht ins Himmelreich. Kaum Gelegenheit, sich moralisch zu bewähren. So klaut sie Kuchen, Bier – was sie so kriegen kann. Die Welt ist für sie eine einzige Cash-and-carry-Landschaft; wobei sich ihre Unverschämtheit bezahlt macht. Man will gerne mit ihr abrechnen – aber sie fliegt einem erst mal ins Gesicht. Stress ist ihr wichtig. Ist wohl ihr Lebenselixier. Sie wird nachgemacht, man bewundert sie. Jede Menge Mimikry-Fans. Erfolgsmodell 'Wespe'.

Die Ameise hingegen hat sich 'Eifer' auf ihrer Fahne geschrieben; als ob sie damit alles bewältigen könnte. Immer voll bei der Sache; man ist organisiert; kaum Freizeit. Wäre für den Schmetterling nichts. Er ist Lone Wolf – Einzelgänger. Eine Ameise könnte bei ihm mal gerne mitfliegen; er könnte sich so einen Shuttle-Service vorstellen.

Die Schwebfliege ist darauf bedacht, dass man ihr ihre Harmlosigkeit nicht anmerkt. Jeder muss voll gefährlich wirken; die Evolution ist da sehr streng; sonst ist die Versetzung gefährdet. Die Wespe gilt gern als unberechenbar. Aber insgesamt ist sie bei weitem nicht so lästig wie die Mücke, die sich ein Vergnügen daraus macht, Menschen mit ihrem Surren um den Verstand zu bringen. Ein Folter-Spezialist. Man wäre sogar bereit, sich selber etwas Blut abzuzapfen und es ihnen im Napf hinzustellen – wenn sie bloß Ruhe geben würden. Aber das größere Vergnügen ist es für sie wohl, als Schlafräuber unterwegs sein zu können. Antagonisten des Sandmännchens. Wenn jemand bloß aus einer Mücke einen Elefanten machen könnte – der würde bei weitem nicht so stören im Schlafzimmer. Ein friedlicher Geselle.

Vermutlich machen die Mäuse die Elefanten nach – grauer Tarnanzug; aber im Grunde fällt keiner darauf herein. Der Rüssel fehlt.

Für die Insekten sieht es momentan nicht gut aus. Stichwort 'Insektensterben'. Auch die Vögel vermissen sie. Die Fliege hat die Fliege gemacht. Kann sein, dass die Kühe ihnen nicht nachtrauern.

Die Wespen sind verfressen, haben aber dennoch eine Wespentaille. Wie ein guter Boxer bleiben sie immer in Bewegung, Verwirrung des Gegners.

Der Floh hat mittlerweile seine Sprungtechnik perfektioniert. "Der Floh floh froh" – ist sein Motto. Er bedauert es, dass er so oft ins Ohr gesetzt wird. Als Zirkusartist wurde er früher ausgenutzt. Er ist immer auf dem Sprung, scheut aber den Sprung ins Ungewisse. Die Ameise ist mehr so ein Kraft-Athlet; wenn, dann springt sie beim Grashüpfer mit.

Die Biene übt derweil ihre Tänze; die Wespe trägt Fliege – ist dennoch zu den Tanzabenden nicht eingeladen. Man bleibt unter sich. Sehr viele Menschen haben Hummeln im Hintern – dem steht die Hummel sehr skeptisch gegenüber. Verdächtig in diesem Zusammenhang auch, dass sie so oft "Mors, Mors!" rufen. Die Mücken sind ebenfalls hervorragende Tänzer – ihre Lieblings-Disziplin: uns auf der Nase rumzutanzen. Jesus ging über das Wasser, sie tanzen sogar über dem Wasser. Ganz hervorragendes Tanzfestival.

Wenn man sich den Modus aussuchen könnte – so eine Art Seelen-App -, was würde man bevorzugen? Ständig im Wespen-Modus unterwegs zu sein? Man wäre doch lieber Teilzeit-Rebell. Wobei der Fleiß der Ameise einerseits etwas Unheimliches hat – so furchtbar organisiert und beharrlich -, andererseits erledigt sie ihre Jobs. Sie hätte sogar den Turm zu Babel hinbekommen, wenn man sie mit dem Bauprojekt betraut hätte.

Der Schmetterling ist so ein Hippie, er bekommt was von der Welt zu sehen. Wie ein Bohemien, unfähig, das Leben ernst nehmen zu können; ein Gaukler-Typ durch und durch.

Oft nutzt man vermutlich den Schwebfliege-Modus – man ist gezwungen, zu bluffen. Mit Harmlosigkeit gewinnt man keinen Blumentopf; und das mit dem Nektar kann man sich auch abschminken.

Hummel und Ameise – die gechillte Version eines Strebers – das wäre perfekt. Oder Schmetterling und Grashüpfer – sprunghaft und Traumtänzer? Man käme in Regionen, in die einen keine Droge brächte. So eine Seelen-App – bionisch inspiriert – würde ganz andere Krafttiere ermöglichen. Muss ja nicht immer der Bär oder der Panther sein. Insbesondere die Schwebfliege wäre stolz, wenn man in ihr so etwas wie ein Vorbild sähe. "Zur Nachahmung empfohlen" – könnte sie direkt als Werbespruch für sich verwenden.

 

ENDE

 

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Tag der Veröffentlichung: 23.08.2020

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