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Oxymoron-Land

Die Welt ist mit sich im Widerspruch;

wer könnte das besser porträtieren

als das Oxymoron?

Es ist teuflisch gut,

es hat auch 'Beredtes Schweigen' im Angebot.

Zu seinem Wortschatz gehört die 'Ausnahmeregel'.

Es zeigt uns die Welt mit allen Diskrepanzen.

Sich panzern mit dem Eingeständnis,

dass Wahrheit nie eindeutig ist,

sie sitzt zwischen den Stühlen.

Rutscht da zuweilen recht unbehaglich hin und her.

Sie muss allem gerecht werden,

in ihr spiegelt sich das Sowohl-als-auch.

Da gibt es den 'Geliebten Feind'.

Die 'Liebevolle Kampfansage' –

Ambivalenz bestimmt das Leben;

besser, man kommt mit den Antagonismen zurecht.

"Liebe Deinen Nächsten" –

ist doch im Hassliebe-Paket mit drin.

Das Oxymoron leugnet das alles nicht,

es steht dazu,

es ist wie Kitt, der das Unvereinbare zusammenhält.

Meist dominiert das 'Traurigfroh' –

aber immerhin schwingt darin die Heiterkeit.

Plötzlich ist die Mystik ein offenes Geheimnis,

weil sie sich mit der Wissenschaft versteht:

Man lässt sich gelten.

Mystische Kraft des Oxymorons.

Das Paradoxe erhebt keinen Einwand,

es fühlt sich ihm verwandt.

Immer auf der Suche nach Wahrheit:

das emsige Paradoxon.

Von wegen Müllplatz 'Sinnlosigkeit' –

es findet da manch Wertvolles.

Auch der Eremit sollte sich besinnen

auf die Kraft der Gegensatzpaare.

Heftiges Verlangen nach dem Nicht-Verlangen.

"Dunkel war es in ihm, doch der Mond schien helle;

und er war schweigend ins Gespräch vertieft."

Der Widerspruch hat Weisheit anzubieten,

man bereist das Dazwischen-Land.

Die Fantasie hat damit ohnehin keine Probleme.

"Und zwei Fische liefen munter

durch das blaue Kornfeld hin.

Endlich ging die Sonne unter,

und ein grauer Tag erschien."

Sie akzeptiert das.

Der Realitätssinn mag nicht das Unvereinbare.

Er fühlt sich damit unbehaglich.

Aber was, wenn die Suche nach Wahrheit

daran scheitert, weil man ihr

ein bestimmtes Format aufdrängen will?

Sie liebt vermutlich die Unlogik so sehr,

wie auch spannende Filme ganz versessen

auf Unlogik sind.

Anders kriegt die Wahrheit da keinen Pfiff rein;

sie pfeift auf die Logik, gab ihr den Laufpass.

Die Welt ist ein Oxymoron.

Sie fügt Feuer und Wasser zusammen –

und man erhält im Universums-Shop Feuerwasser.

Besser als alkoholfreies Bier.

Berauscht vom Widerspruchsgeist.

Die Ungereimtheiten der Welt –

wie in einem Prosagedicht.

Materie und Antimaterie fetzen sich.

Der Protagonist und der Antagonist in einer Person.

Die Logik steht hilflos vor den Toren der Seele.

Nur das Oxymoron kommt da durch;

es versteht die Zerrissenheit –

macht sich ans Werk –

und fügt das recht kompetent zusammen.

Fürs Oxymoron ist nicht die Lichtgeschwindigkeit

das größtmögliche Tempo,

sondern Eile mit Weile.

Es ist auch der Meinung 'Weniger ist mehr'.

Es folgt seiner eigenen Logik.

Und hat sogar einen Himmel auf Erden im Angebot.

Google Maps würde dem nicht zustimmen.

Vielleicht ist Google Maps

mit den Örtlichkeiten nicht so vertraut?

Die binäre Welt ist für das Entweder-oder.

Das Oxymoron setzt auf das Sowohl-als-auch

und fährt damit bislang ganz gut.

Aber wenn man im Restaurant

etwas Ekelerregend-Schönes bestellt,

verblüfft man damit den Küchenchef.

Das Leben hat so etwas dauernd im Angebot –

und nicht zu knapp.

Das Oxymoron ist aus dieser Welt nicht wegzudenken.

Gibt aber doch zu denken,

wenn man sieht, wie ein totgeschossener Hase

auf der Sandbank Schlittschuh läuft.

Im Oxymoron-Land verbrüdern sich die Gegensätze.

Die Logik rastet aus.

Aber das ist sie schon

von den Filmen und Serien her gewohnt.

Vielleicht schlägt sie sich eines Tages

auf die Seite der Oxymora –

und Pi mal Daumen gelingt ihr

die Quadratur des Kreises?

Und sei es nur als absichtliches Versehen.

 

ENDE

 

Impressum

Cover: https://pixabay.com/de/photos/winter-sommer-gegensatz-1992027/
Tag der Veröffentlichung: 08.05.2020

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