Cover

Sinnvoll

Die Welt macht keinen Sinn,

aber man hat seine Sinne.

Genügen einem fünf?

Benötigt man das Übersinnliche,

um an den Sinn heranzukommen?

Man soll sich auf den Augenblick besinnen,

aber die Gedanken schweifen gern umher,

sie sind nicht ganz so bei der Sache.

Wie eine Herde von Wildpferden,

sie lassen sich schwer einzäunen

auf der Augenblicks-Weide.

 

Auch der Stumpfsinn kann ein Gewinn sein,

nichts lenkt ab, man kann sich voll und ganz

der Stupidität der Welt widmen.

Die Sinne wollen unterhalten werden, Amüsement,

ein tolles Programm, Live-Show.

Dafür sind sie gemacht,

sie wollen übermitteln, Herolde sein.

Doch das Übersinnliche benötigt Abschottung.

Es mag die Stille.

Die anderen Sinne sollen mal schweigen.

Silentium!

Aber der Frohsinn sieht das gar nicht ein,

der Leichtsinn schon gar nicht, sie machen Blödsinn.

Selbst mit Scharfsinn kommt man

dem Sinn nicht auf die Schliche.

Trübsinn beginnt sich breitzumachen.

 

Man hat alles Mögliche im Sinn,

aber irgendwie entgeht einem immer das Eigentliche.

Ein seltener Gast.

Er steht nicht gern im Mittelpunkt,

er ist wie ein Schatten.

Die Sinne haben Mühe, ihn zu erkennen.

Sie lassen sich ablenken vom Spektakel,

dem Remmidemmi des Realen.

 

Der sechste und der siebte Sinn –

Etagen, in die der Seelen-Fahrstuhl viel zu selten fährt.

Vielleicht wohnt bei ihnen ein Dschinn,

so als Untermieter?

Aber auch Starrsinn und Eigensinn sind wichtig,

eine gewisse Beharrlichkeit.

Wieso sucht man im Übersinnlichen nach Tiefsinn?

Die anderen Sinne sind empört,

dass man ihnen diese Grabungstätigkeit nicht zutraut.

 

Man will es sinnlich ...

Die Sinne sind Gäste des Moments,

mit ihm können sie am besten.

Vorfreude ist zwar was Schönes,

aber die Realität übertrumpft alles,

wenn man die Sinne machen lässt.

Man kann aber auch sinnen,

die Geister der Vergangenheit heraufbeschwören –

ist wohl auch im Sinne des Gehirn-Erfinders.

 

Das Universum ist ohne Sinn und Verstand –

es verlässt sich da auf uns,

dass wir was Gescheites draus machen.

Ich glaube, es freut sich immer,

wenn wir mit Sinn angerannt kommen,

ihn präsentieren, so als hätten wir

Gold-Nuggets gefunden. Sinn-Finder.

Oder als ob man Pilze im Wald findet –

eine Mahlzeit sollte schon drin sein.

Ist es ein sinnloses Unterfangen?

Lässt sich Sinn nicht fangen, aufspüren? 

Das Sinnliche als einzige Antwort?

 

Vielleicht sind wir auch nur Sätze,

die ohne Sinnzusammenhang

einfach keinen Sinn ergeben?

Kontext ist wichtig.

 

ENDE

 

Impressum

Cover: https://pixabay.com/de/illustrations/konferenz-besprechung-sinn-leben-1886026/
Tag der Veröffentlichung: 10.03.2020

Alle Rechte vorbehalten

Nächste Seite
Seite 1 /