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Sudoku

Sudoku – Zahlen-Magie –

aber durchdrungen von Logik.

Jede Zahl hat ihr Hoheitsgebiet,

ist dort alleiniger Herrscher.

Sie besetzen Zeilen, Spalten, Blöcke.

Einmaligkeit lautet das Credo der Zahlen.

Man komme ihnen nicht in die Quere.

Sie sortieren sich immer wieder neu,

versammeln sich in immer neuer Formation.

Stunde der Logik.

So wohlgeordnet ist Natur gewöhnlich nicht.

Sie erlaubt sich Fehler, Abweichungen.

Sudoku ist da strenger.

Fast so wie die Sphinx

stellt sie einen vor ein Rätsel.

 

Warum knobelt der Mensch?

Ihn fordern Rätsel heraus.

In einem Klappentext muss nur die Rede sein

von Geheimnis und Rätselhaftem,

schon ist die Neugier geweckt,

gleich einer Raubkatze,

die Witterung aufgenommen hat.

Man vermutet ja, dass das Universum

ein Steganographie-Meister ist –

und seine Spuren als Zahlen-Spielerei

hinterlassen hat.

Proportionen, Verhältnisse,

Schwingungs-Verhältnisse –

das ist Musik in den Ohren der Mathematiker.

Es hat eine gewisse Schönheit,

wenn die Dinge sich ordnen,

wenn alles am Platz ist.

Aber möchten die Zahlen nicht rebellieren?

Man gewinnt mitunter den Eindruck,

dass man sich zu fügen habe

in diesem Sudoku-Universum:

Man gefährde ansonsten die Harmonie,

den heiligen Kosmos.

Und wenn schon?

Kann man Glück beziffern?

Welche Nummer zieht das Universum hier ab?

Wohlgeordnetheit erhält einen fatalen Beigeschmack.

Sein Schicksal ist es, sich zu fügen,

damit es stimmig ist.

Die Ziffern als Lehrmeister.

Die Lösung des Rätsels:

Man hat sich auf seinem Platz einzufinden.

 

Aber gelegentlich spielt das Universum auch Schach –

und man hofft, dass man kein Bauernopfer ist.

Sind die Könige auch im echten Leben so unbeweglich?

Die Dame huscht über die Felder,

sagt dem Turm, wo es langgeht.

Die Springer überspringen Barrikaden,

sie kommen gleich zum Punkt.

Herrliche Unordnung –

ganz anders das Sudoku mit seinem Kästchen-Denken:

Exaktheit predigt es;

der Logik sei unbedingt Folge zu leisten.

Was für Vulkanier.

Dennoch tut es gut,

nähere Bekanntschaft mit der Logik zu machen,

sich von ihr erklären zu lassen,

wie es um die Dinge bestellt ist – aus ihrer Sicht.

Sie ist eindeutig,

kein Platz für diese verrückte Ambivalenz,

die die Welt so sehr im Griff hat.

Hier ist sie der General.

Kreativität feuert sonst immer aus allen Rohren –

bedingt durch die Konfusion der Welt ...

der Konfusion antworten, Antworten finden ...

Hier kann der Welt-Geist Ruhe finden,

sein persönliches Nirwana –

Sudoku-Ordnung herstellen,

eine Obliegenheit von unglaublicher Belanglosigkeit.

Im Leben gibt es Prioritäten-Listen,

manche Probleme müssen sich hinten anstellen,

andere werden ständig vertröstet –

aber im Sudoku-Land ist alles

von erfreulicher Unwichtigkeit.

Ziffern aufräumen, Ziffern-Armeen

aufstellen wie kleine Zinnsoldaten –

das ist fast wie eine Ohrfeige

für das rührige Universum

und seine Spiral-Galaxien ...

Vermutlich ist es entrüstet

über das Ausmaß am Nirwana-Tum.

Ein Mangel an Respekt vor seiner Umtriebigkeit.

Logisch, dass es sich aufregt.

 

6,7 Trilliarden Möglichkeiten beim Standard-Sudoku –

das ist beeindruckend,

wie eine so überschaubare Anzahl an Ziffern

sich ständig neu arrangieren könnte

und dennoch dem Sudoku-Gesetz treu bleibt.

Einiges ist vorgegeben –

man ist aufgefordert, zu ergänzen,

da anknüpfen, Folgerichtigkeit als Leitmotiv.

 

Natürlich kann ein Computer

das ebenfalls für uns lösen

  1. B. mit Brute Force –

einfach alles durchprobieren,

das geht bei ihm ganz fix.

Er beklagt sich nicht über Monotonie,

arbeitet das einfach ab.

Sich der Logik überlassen,

sie nimmt einen bei der Hand –

man wird quasi zum Computer,

kann nachvollziehen, wie ihm zumute sein muss.

Beherrscht von Algorithmen, Rechenschritte.

 

Die Domäne der Kreativität ist das nicht –

fast so wie eine Kreativitäts-Wüste,

in die sie keinen Fuß setzt.

Hier herrscht die Logik.

Trotzdem ist es einem ein Rätsel,

warum von diesem Rätsel

solche Faszinations-Kraft ausgeht:

Normalerweise meidet das Gehirn alles Fade,

es will unterhalten werden;

warum diese plötzliche Sehnsucht zum Schlichten?

Man ist Zahlen-Dompteur,

man fädelt das gut ein,

sie springen reihenweise durch den Sudoku-Reifen.

Tolle Nummer.

 

ENDE

 

Impressum

Tag der Veröffentlichung: 25.09.2019

Alle Rechte vorbehalten

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