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Die Katze lässt das Mausen nicht

Die Katze lässt das Mausen nicht,

auch wenn sie übersatt ist.

Geht sie uns mit gutem Beispiel voran,

etwas Luxus geht noch?

 

Ist der Mensch programmiert

auf das Exorbitante,

über sich hinausgehen,

das Notwendige nur als Basis-Station –

und von dort aus den Luxus-Berg besteigen?

 

Ein Löwe würde nicht unaufhörlich jagen,

da käme er in Konflikt mit seinem Behagen.

Ruhe ist doch auch was Schönes.

Woher die Ruhelosigkeit?

Fürchtet man, dass die Mäuse sich mausigmachen,

sie könnten sich mausern?

Sie kleinhalten?

Die Alternative zur Jagd hieße Langeweile.

Schon traurig, wenn die Evolution

nichts anders für einen vorgesehen hat

als unaufhörliche Jagd.

 

Immer den Wünschen hinterher,

für die gibt es keine Mausefalle.

Hat man gar nicht mitbekommen,

dass man schon satt vom Glück ist?

Man kauft sich bei Fortuna –

sie hat mittlerweile

einen eigenen Shopping-Kanal –

eines ihrer Glück bringenden Amulette

und ist fortan auf Glücks-Orgien abonniert.

Trotzdem wird man

die lästige Katerstimmung nicht los.

"Dreimal schwarzer Kater!" – aber auch das

bringt einen nicht wirklich weiter.

 

Man kontrolliert doch den Mauszeiger,

aber die Wirklichkeit

lässt sich nicht so einfach anklicken

oder verschieben.

Noch ist die Welt nicht gänzlich

digitalisiert.

Transformation in Bits und Bytes.

Wie binär ist das denn?

Mit zwei Zeichen die Welt verpacken,

alles ist beliebig kopierbar,

die Jagd des Ichs nach Einmaligkeit

findet hier ihr unrühmliches Ende.

Kein Wunsch, der einen

aus Magielosigkeit hinausführt.

Magielose Welt –

Katzen fühlen sich als graue Mäuse.

Seltsam farblos.

Man sollte seiner Seele von Zeit zu Zeit

einen frischen Anstrich zukommen lassen.

Muss ja nicht mausgrau sein.

 

ENDE

 

Impressum

Bildmaterialien: Cover von https://pixabay.com/de/photos/kater-garten-hauskatze-tier-4302728/
Tag der Veröffentlichung: 03.07.2019

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