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Kapitel 1

Ich lag auf meinem Bett und beobachtete die dicken Regentropfen welche schon seit mehreren Stunden laut gegen mein Fenster prasselten. Traurig hing ich meinen düsteren Gedanken nach, als mich ein lautes Krachen hochschrecken ließ.

Verwundert nahm ich meine Dolch vom Nachttisch, öffnete ich die Tür und wollte grade die lange Treppe hinab laufen als ich die erstickte Stimme meiner Mutter mit letzter Kraft rufen hört „Maddie!...Versteck dich…..!“ dann wurde es still. Ohne zu wissen was ich tat kletterte ich vollkommen verstört die Leiter zum Dachboden hinauf, riss das morsche Brett vom Boden und ließ mich in das dunkle kleine Loch gleiten, meinen Dolch hielt ich schwach mit der rechten Hand umklammert. Vorsichtig drückte ich das Holz wieder an seinen Platz, als ich langsame Schritte und dann das Knarren der Leiter vernahm. „Komm schon… Wo bist du?...“ flüsterte die nur allzu bekannte Stimme, nur wenige Meter neben mir. Das Herz schlug mir bis zum Hals, als mein Vater sich in meine Richtung bewegte. „Ich finde dich… Das weißt du genau!“ er wurde lauter „Wenn nicht heute, dann morgen und egal wohin du gehst, ich werde dich verfolgen! Du kannst mir nicht entkommen!“ Damit lachte er schallend auf und während mir leise Tränen die Wange hinab rollten, vernahm ich seinen wütenden Seufzer als er die Sprossen wieder hinab stieg „Ich werde dich finden! Erinnere dich an diese Worte!“ sagte er mit ruhiger Stimme, dann war er verschwunden. Nun konnte ich meine Verzweiflung nicht mehr zurück halten und schluchzte laut auf. Kraftlos schob ich das Brett zur Seite und zog mich nach Oben, auf den kalten Holzboden, wo ich mich zusammenkrümmte und kurze Zeit später das Bewusstsein verlor.

Als ich meine Augen öffnete war es dunkel. Vorsichtig bewegte ich meinen schmerzenden Körper, stand auf und kletterte langsam die die Leiter hinab. Meine Sicht war von dem vielen Weinen nur unscharf und auch die Dunkelheit machte es mir nicht leichter etwas zu erkennen. In diesem Moment erinnerte ich mich an die schwache Stimme meiner Mutter und lief panisch die Treppe zur Küche runter. „Mum?......Mum?“ meine Stimme brach als ich die Blutflecken neben der zerbrochenen Vase sah. „Mum!?“ verzweifelt schrie ich auf als ich ihr blasses, mit Blut verschmiertes Gesicht sah. Ich sank neben ihr auf die Knie und betrachtete ihren schlaffen Körper, der auf den kalten Fliesen unseres Küchenbodens lag. Tränen tropften langsam und unregelmäßig auf ihr Hand welche ich vorsichtig in meine genommen hatte. „Mama“, „Mama“, „Mama“ ohne das ich etwas tun konnte, kam mir das Wort über die Lippen, kraftlos schaukelte ich hin und her bis ich erschöpft in mich zusammen sank und mein Kopf auf ihren Arm viel.

Ich konnte nicht hier bleiben. Er würde wieder kommen. Er würde mich suchen, mich umbringen, wie er es bei ihr getan hatte. Dann würde er sich das Leben nehmen. Soviel wusste ich. Es war das einzige was ich über ihn wusste, …worin ich mir sicher sein konnte. Er hat sein Leben gehasst. Er hat uns gehasst. Er wollte so nicht weiter machen, doch er wusste nicht was er anderes hätte tun können. Er war krank. Er war es schon immer. Und doch hatte meine Mutter ihn geheiratet. Ich hatte es nie verstehen können. Hatte nie verstehen können warum sie sich das angetan hatte, warum sie sich hat schlagen lassen und nichts getan hatte als er angefangen hatte mich zu schlagen. Narben zogen sich über meinen Körper, wie ein Spinnennetz, kleine und große, mit Messern und Küchengeräten aber auch mit einfachen Spielsachen verursacht. Ich hatte mich nie wehren können. Ich hatte es nie jemandem erzählt, hatte es nie jemanden sehen lassen. Er hatte mir gedroht. Mir gedroht mich umzubringen, mich, sich und sie, meine Mutter. Ich hatte ihm geglaubt, hatte geschwiegen, doch es hatte nichts genutzt, denn trotz allem lag der tote Körper meiner Mutter nun vor mir und das obwohl ich alles getan hatte was er mir gesagt hatte. Es war umsonst gewesen. Vollkommen umsonst.

Langsam stand ich auf, nur um gleich darauf erneut auf den Boden zu sacken, meine Beine trugen mich nicht, sie waren kraftlos. Nach einigen Versuchen lehnte ich erschöpft an der Wand und überlegte was ich tun sollte. Verwandte hatte ich keine, Freunde erst recht nicht, aber ich hatte einen Dolch und Geld. Viel Geld. Ich hatte gespart. Über viele Jahre. Und ich wusste wo meine Mutter ihr Geld versteckte.

Nachdem ich einen Rucksack mit dem Nötigsten gepackt hatte holte ich das Geld und verstaute es ebenfalls. Eine hälfte im Rucksack, die Andere in der Innentasche meiner Jacke. Bevor ich das Haus für immer verlassen würde, pflückte ich im Garten einige Blumen und legte sie meiner Mutter auf die Brust. Dann nahm ich einen Stift und schrieb auf einen Zettel:

Ich wusste, dass du wiederkommen würdest. Ich wusste, dass du uns irgendwann umbringen würdest, aber ich hatte es nicht so bald kommen sehen. Ich werde Leben, du wirst mich nicht finden und wenn doch, wirst du mich nicht töten können. Dafür werde ich sorgen.

Damit ging ich. Für immer, da war ich mir sicher.

 

Kapitel 2

Unsere Welt ist zerstört. Kriege, Naturkatastrophen und die Dummheit von uns hat sie zerstört. Das hatten mir meine Eltern immer gesagt. Die Natur existiert nicht mehr. Stattdessen findet man überall Bombenkrater, Sperrzonen, braungraue Erde ab und zu einen Wald, wenn man das so nennen konnte.

Ich trat aus der Tür hinaus und schaute hinauf in den Himmel, welcher jedoch wegen des Smogs nicht erkennbar war. Wie jeden Tag. Ich holte das Rad aus dem kleinen Schuppen und fuhr los. Um ehrlich zu sein wusste ich noch nicht wohin, ich hatte keinen Ort an den ich hätte flüchten können, deswegen blieb mir nichts anderes übrig als möglichst schnell aus dem kleinen Dorf in dem ich aufgewachsen bin zu fliehen.

Wie überall waren es einige, teils zerfallene, teils vollkommen zerstörte aber auch bewohnbare Häuser die den Straßenrand säumten. Es war eine Besonderheit, dass unser Dorf eine eigene Schule besaß welche nah am Waldrand stand. Die Fabrik war vor vielen Jahren zu einer Schule umfunktioniert worden, jedoch war der Umbau nur teilweise gelungen, da uns die Mittel gefehlt hatten. Es hatte viele Unfälle gegeben und auch heute noch sind nicht alle Bereiche gefahrlos betretbar. Mir hatte das nie etwas ausgemacht, da ich meine Zeit sowieso lieber draußen verbracht hatte, wenn uns die Lehrer eine Pause gegönnt hatten.

Ich hatte Angst. Angst vor der Welt, Angst vor dem Wald. Mir blieb jedoch nichts anderes übrig als eben diesen zu durchqueren. Ich musste fliehen, wenn ich nicht sterben wollte. Ich war kurz vor dem Waldrand, kurz davor die vorgetäuschte Sicherheit des Dorfes zu verlassen. Niemand war sicher. Weder vor den Kreaturen die sich nachts außerhalb der Mauern, welche unsere Siedlung umgaben, umhertrieben, weder vor den Nachbarn oder, wie ich heute erleben musste, vor der eigenen Familie, dem eigenen Vater. Das war die Zeit in der wir lebten. Voller Gefahren, Verrat, Intrigen, Krankheiten, Seuchen und purer Zerstörung.

Als ich mich der Mauer näherte, sah ich schon die Wächter welche das Tor sicherten. Das ließ mich jedoch kalt. Ich wusste wie ich hier raus kam und das, ohne mich mit jemanden anlegen zu müssen. Links führte eine kleine halb zerstörte Straße zum nördlichen Rand der Siedlung, welcher ich nun folgte. Kurze Zeit später erreichte ich die großen Steine welche die Ausläufer der Mauer ankündigten, vorsichtig stieg ich ab und lief auf sie zu. Schon von weitem konnte man die lockeren Steine erkennen welche sich ein Stück über meinem Kopf nur schwach in der Mauer hielten. Nach kurzem drücken löste sich einer der Steine und ich konnte vorsichtig die Anderen heraus ziehen. Ich war schon routiniert darin dies zu tun, da ich mich oft aus der Stadt geschlichen hatte, um vor meinem Vater zu fliehen, jedoch immer mit dem Gedanke zurück zu kommen.

Als ich den Weg frei gemacht hatte, schmiss ich meinen Rucksack nach draußen und versteckte das Fahrrad um keine Spuren zu hinterlassen. Danach hievte ich mich durch das Loch und schob die Steine wieder an ihren Platz, als ich plötzlich einen lauten Schrei vernahm.

Erschrocken fiel mir der letzte Stein aus der Hand und durch die kleine Öffnung in der Mauer konnte ich eine Gestalt erkennen, welche sich zu dem kleinen Busch hinab beugte, hinter welchem ich das Fahrrad versucht hatte zu verstecken. Panik erfasste mich als ich erkannte, dass es mein Vater war der sich wild hin und her dreht, scheinbar nach mir Ausschau haltend. Doch während einer der ruckartigen Bewegungen sackte er plötzlich in sich zusammen und verkrampfte sich am gesamten Körper. Geschockt beobachtete ich wie er den Kopf hoch riss und schaute direkt in zwei rot glühende Augen, welche sich auf dem, mit Wunden übersätem Gesicht ohne Probleme ausmachen lassen konnten. Ich taumelte einige Schritte zurück, packte meinen Rucksack und rannte. Es hatte ihn auch erwischt. Er war verseucht worden. Das bedeutet, dass sich die Krankheit ausbreiten würde. Meine Gedanken rasten und mir wurde klar, dass meine Siedlung dem Untergang geweiht war. In weniger als einer Woche wäre nichts mehr von ihr übrig. Die Seuche verbreitete sich schnell und sie war unaufhaltbar.

Impressum

Texte: Meine Gedanken, meine Ideen, meine Geschichte ;)
Bildmaterialien: Google
Lektorat/Korrektorat: Entschuldigung für Fehler, wird bald Korrektur gelesen
Tag der Veröffentlichung: 23.06.2015

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