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Kapitel 1

 

Nika

 

Meine Finger berührten ehrfürchtig die elfenbeinfarbenen Tasten der Klaviatur. Unwillkürlich fragte ich mich, wie viele Menschen wohl schon vor mir genau diesen Moment durchlebt hatten? Waren sie ebenso nervös gewesen wie ich? Oder hatten sie cool und lässig ihr Programm abgespult?

Was ich mit Sicherheit sagen konnte, war, dass wir alle exakt zehn Minuten auf dieser Bühne erhielten.

Zehn Minuten, die über unsere Zukunft entschieden. Ich rutschte auf dem Klavierhocker ein Stückchen nach vorne und spürte dabei deutlich die über die Jahre entstandene Sitzkuhle. Ich erlaubte mir einen kurzen Blick in Richtung Publikum. In dem Konzertsaal kam ich mir so klein und unbedeutend vor ...

Nicht darüber nachdenken, ermahnte ich mich, sonst wirst du vor lauter Nervosität noch deinen Auftritt versauen.

Ich schloss die Augen, atmete tief ein und blendete alles um mich herum aus. Das grelle Licht der Scheinwerfer, das Rascheln und das Getuschel auf den Rängen sowie das flaue Gefühl im Magen verschwanden.

Übrig blieb vollkommene Ruhe. Ich war eins mit mir. Ganz so, wie ich es von meinem Vater gelernt hatte. Langsam ließ ich den angehaltenen Atem los, spürte, wie sich mein Brustkorb senkte, und öffnete die Augen. Wie von selbst begannen sich meine Finger zu bewegen.

Das musikalische Talent hatte ich von meinem Vater, einem Konzertpianisten, geerbt. Der war allerdings ganz und gar nicht glücklich darüber, dass ich in seine Fußstapfen treten wollte. Er wünschte sich einen soliden Ausbildungsberuf für mich. Irgendetwas, das absolut nichts mit Kunst zu tun hatte. Musizieren könnte ich ja immer noch als Hobby betreiben. Wirklich ernsthaft interveniert hatte er allerdings nie, denn er wusste ebenso wie ich, dass die Musik mein Leben war und ich sie niemals aufgeben könnte. Sie war in mir und um mich herum wie die Luft zum Atmen.

Nahezu mein ganzes Leben hatte ich auf diesen Moment hingearbeitet. Als Erstes hatte ich einen leichten Walzer von Brahms vorgetragen. Klassische Musik mochte ich zwar, modernere Stücke waren mir jedoch lieber. Bei ihnen war ich mit mehr Herzblut dabei.

Zu meiner Freude, hatte die Prüfungskommission als nächstes Lied ein Stück meines Lieblingskomponisten ausgewählt. Obwohl mich die Wahl doch überrascht hatte, weil es eher ein Stück für Fortgeschrittene war, viele Tempowechsel beinhaltete und eine ganz eigene Stimmung erzeugte. Ludovico Einaudi hatte dieses Stück geschrieben, um auf den Schutz der Arktis aufmerksam zu machen. Ich hoffte, dass ich diesem Meister der Klavierkunst gerecht werden konnte. Vor meinem inneren Auge sah ich, wie mein Atem in der Luft gefror. Meterhohe Eisberge knackten, bevor Teile von ihnen abbrachen und krachend ins Meer stürzten. Möwen zogen auf der Suche nach dem nächsten Leckerbissen Kreise über meinem Kopf. Eisschollen trieben knisternd an mir vorbei. Ich setzte meinen Fuß vorsichtig auf eine von ihnen und ließ mich davontragen. Alles schien so lebendig und strahlte doch eine gewisse Ruhe und Stille aus, die ich mit meinem Klavierspiel einzufangen versuchte.

Es dauerte einen Moment, bis ich in die Realität zurückkehrte. Und auch meine Zuhörer waren noch so gefangen, dass sie nicht reagierten, als die letzten Töne verstummten. Ich ließ die Hände sinken, erhob mich von meinem Platz und verbeugte mich. Als ob der Bann dadurch gebrochen wäre, hielt es niemanden mehr auf den Sitzen. Die Kommission bestand aus zehn Professoren, die mir nun allesamt stehend applaudierten. Eine von ihnen fuhr sich verstohlen über die Augen, was mich berührte.

Musik war die einzige Sprache der Welt, für die man keine Übersetzung brauchte. Mit ihr konnte man eine Bandbreite an Emotionen erzeugen, wenn man sein Instrument beherrschte. Die Reaktion meines Publikums war für mich die schönste Bestätigung.

Mit vier Jahren hatte ich das erste Mal am Klavier meines Vaters gesessen. Zwei Jahre später fing ich zusätzlich an Gitarre zu spielen. Mein erstes eigenes Stück komponierte ich in der fünften Klasse. Ich war nicht gut genug, um als Wunderkind zu gelten, aber ich liebte das, was ich tat. Auch wenn ich einen hohen Preis dafür bezahlen musste.

Und ich liebte es, gemeinsam mit meinem Vater zu musizieren. Das ging nun leider nicht mehr, da seine Finger von der Gicht zu verkrümmt waren. Obwohl er es missbilligte, dass ich Musik studieren wollte, konnte ich jetzt den Stolz in seinen Augen sehen. Von seinem Platz auf den hinteren Rängen strahlte er mich an, gemeinsam mit meiner Mutter, um die er einen Arm gelegt hatte. Mein Herz erwärmte sich bei diesem Anblick und ließ mich versonnen lächeln.

»Das war großartig! Fantastisch! Sensationell!« Professor Jankowicz kam an den Orchestergraben und überschüttete mich dabei mit Superlativen. Ich verließ die Bühne über die kleine Treppe und gesellte mich zu ihm. »Ich möchte nicht zu viel versprechen, aber wenn Sie bei den anderen Prüfungen keinen Mist bauen, sollte Ihrer Aufnahme nichts im Wege stehen.«

»Ich danke Ihnen, Herr Professor.« Freudestrahlend schüttelte ich die mir dargebotene Hand. Vor mir lagen noch die allgemeinen Prüfungen in Gehörbildung und Musiktheorie. Für den schriftlichen Teil hatte ich mehr als genug gebüffelt. Der mündliche Teil beinhaltete das Erkennen und Singen von Skalen, Intervallen und Akkorden, das Vom-Blatt-Singen und das Realisieren eines Rhythmus‘. Darüber machte ich mir keine Gedanken, weil ich das schon von klein auf gelernt hatte.

Ich bedankte mich noch bei den anderen Mitgliedern der Prüfungskommission und ging zu meiner Familie, die mich überschwänglich drückte und herzte. Sie waren extra dreihundertzwanzig Kilometer von München nach Karlsruhe gefahren, nur um mich anfeuern zu können. Ihr einziges Kind würde sie bald verlassen und an der Hochschule für Musik studieren. Wenn alles gutging.

Seitdem ich verkündet hatte, dass ich zur Aufnahmeprüfung eingeladen worden war, herrschte eine merkwürdige Stimmung in unserem Haus. Sie schwankte zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt.

Wir verließen den kühlen Konzertsaal, spazierten den Korridor entlang und betraten kurz darauf den Garten. Heute war Sommeranfang. Das Wetter entsprach dem sogar, was in Deutschland ja keine Selbstverständlichkeit war. Die Sonne wärmte angenehm die Haut, Bienen flogen zwischen den Blumenwiesen umher und Vögel zwitscherten in den Bäumen um die Wette. Ich drehte mich um, um die Schönheit der Hochschule auf mich wirken zu lassen. Sie befand sich im Renaissance-Schloss Gottesaue, das auf dem Areal einer ehemaligen Benediktinerabtei errichtet worden war. Die ziegelsteinfarbene Fassade leuchtete im Sonnenlicht und blendete mich fast so sehr wie die goldenen Spitzen der Türme, die das Gebäude umrahmten. Im obersten der fünf Stockwerke würde ich bald den größten Teil meiner Zeit am Klavier verbringen. Mein Ziel war es, ein Solistenexamen abzulegen. Vorher musste ich nächste Woche erneut herkommen, um die allgemeine Prüfung zu bestehen und dann hoffentlich zum Studium zugelassen zu werden. Wenn mir vor einem Jahr jemand gesagt hätte, dass ich diese Riesenchance bekommen würde, hätte ich ihn ausgelacht.

Mein Vater trat neben mich und folgte meinem Blick hinauf zu den Schlosszinnen. »Ich denke, hier bist du in guten Händen. Die Studenten scheinen mir vernünftig zu sein. Nicht so wie …«

»Paps, können wir es heute bitte nicht erwähnen?«, unterbrach ich ihn. »Ich will die Vergangenheit hinter mir lassen. Stattdessen mein Glück und meinen ersten Erfolg auf dem Weg in ein neues Leben genießen.«

»Entschuldige, meine Kleine. Ich wollte nicht schon wieder darauf herumreiten.« Er legte seinen Arm um meine Schulter: »Ich wünschte, ich hätte damals an so einer schönen Uni studieren können.«

»Paps«, ermahnte ich ihn, weil ich genau wusste, dass er Unsinn erzählte. »Du hast in London an der Royal Academy of Music studiert. Schon vergessen?«

»Die hatten aber nicht so einen schönen Garten.«

Ich lachte und schüttelte den Kopf. Die Academy gehörte zu den führenden Musikinstitutionen weltweit und lag in unmittelbarer Nachbarschaft zum Regent’s Park im Herzen von London. Jeder Musiker hätte sich die Beine ausgerissen, um dort studieren zu können. Meinem Vater war das egal.

Er hätte auch unter einer Brücke gelebt, solange er nur musizieren durfte. In dem Punkt ähnelten wir uns sehr. Meine Mutter liebte seine Leidenschaft zur Musik und verfluchte ihn zugleich dafür, da wir ständig deswegen umziehen mussten. Er war als Solist sehr begehrt gewesen. So hatte ich meine Kindheit nur in Hotels verbracht, da eine Wohnung zu mieten oder gar ein Haus zu kaufen für uns nicht lohnte. Erst als ich schulpflichtig wurde, nahm mein Vater längerfristige Engagements an, die uns nur noch alle zwei bis drei Jahre zwangen, umzuziehen. Wen wunderte es da, dass ich keinen Wert darauf legte, Freundschaften mit Klassenkameraden zu schließen.

Bis ich David kennenlernte.

Mich in ihn verliebte.

Und er versuchte, mich zu zerstören.

 

 

 

Ben

 

»Autsch!«

Hastig stellte ich den Becher zurück auf den Tisch und wedelte mit meiner Hand durch die Luft, um sie abzukühlen. Das mochte nicht sehr männlich aussehen, aber in meinem Einzelzimmer konnte ich mir so etwas durchaus erlauben.

Nachdem der Schmerz nachgelassen hatte, beugte ich mich vor, um mich an dem Geruch zu erfreuen, bis der Kaffee auf Trinktemperatur abgekühlt war. Wie gewohnt fächelte ich den Duft zu mir und zog die Luft in meine Lungen ein. Ich freute mich schon auf das Kopfkino, das gleich ausgelöst werden würde. Je nach Herkunftsland der Bohnen konnte das anders aussehen.

Lamas, die durch die Anden streiften.

Dunkelhäutige Frauen, die Körbe voller Bohnen auf ihren Köpfen durch die Felder transportierten.

Sambaklänge, bei denen man nicht stillsitzen konnte.

Sommer, Sonne, Strand, Meer, Urlaub …

Spülmittel, Bahnhofstoiletten, Urinstein, Klobürste … »Argh!« Bevor ein Unglück passieren konnte, wendete ich den Kopf ab, hechtete in Richtung Fenster, riss es auf und nahm ein paar Züge der frischen Meeresluft, die Gott sei Dank nicht nach Fisch und Algen stank!

Dabei schloss ich die Augen und stellte mir vor, wie ich zu Hause meine aus Brasilien importierten Kaffeebohnen mahlte, genau richtig temperiertes, gefiltertes Wasser darübergoss und das pure schwarze Glück in langsamen Schlucken aus einer Porzellan-Designer-Tasse genoss, die mir mein Produzent zu Beginn meiner Karriere geschenkt hatte.

Gerne würde ich in diese Zeit zurückreisen und meinem damaligen Ich sagen, dass er besser auf uns aufpassen soll.

Seufzend öffnete ich die Augen und ging zurück zu meiner Sitzecke mit Blick auf das Meer. Wo war ich hier nur gelandet? Angewidert rührte ich mit dem Plastiklöffel in dem Plastikbecher umher, der angeblich Kaffee enthalten sollte.

Ja, die Flüssigkeit war schwarz und kochend heiß. Hier hörten aber auch schon die Gemeinsamkeiten mit dem Kaffee, den ich kannte, auf. Die Plörre vor mir grenzte an Körperverletzung!

Man sollte meinen, dass ich mich in den vergangenen zwölf Wochen an das – nennen wir es mal »Essen« - in dieser Einrichtung gewöhnt hatte. Doch mein Gaumen kannte seit Jahren nur das Beste vom Besten. So einfach ließ der sich nicht überlisten.

Wenigstens konnte ich die Aussicht genießen. Aber das war auch schon alles. Die Zimmereinrichtung war nur auf das Nötigste beschränkt. Kein Fernseher, kein Radio, keine Kommunikationsmöglichkeiten mit der Außenwelt.

Ich kam mir vor wie ein Mönch in seiner Klosterzelle. Aber ich wusste ja, wofür es gut war. Entweder dies hier oder man hätte über kurz oder lang schon einmal meine Beerdigung organisieren können.

Gerne hätte ich gewusst, wie spät es war. Leider gehörten Uhren ebenfalls zu den Dingen, die nicht erwünscht waren. Wir sollten lernen, auf unseren Körper und unsere innere Uhr zu hören. Sämtliche Einflüsse von außen waren unerwünscht.

Irgendwie vermittelte mir besagte innere Uhr, dass Mona zu spät kam. Wieder einmal. Am liebsten hätte ich sie auf der Stelle angerufen und gefeuert, aber ich war leider auf sie angewiesen.

Ich spürte, wie mich der altbekannte Zorn einzuholen drohte. Wie ich es gelernt hatte, setzte ich mich aufrecht hin, kanalisierte meine Atmung und meine Gedanken. Dann sagte ich mein Mantra auf: »Es ist okay, wenn etwas nicht nach Plan verläuft. Ich muss nicht immer alles kontrollieren. Hektik erzeugt Fehler. Der Besonnene erreicht sein Ziel schneller.«

Das aufzusagen half nicht immer. Aber es gab mir Halt, wenn ich in meine alten Muster zu rutschen drohte. Ich wusste, dass ich noch einen langen Weg vor mir hatte, und zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich keine Ahnung, wie es mit mir weitergehen würde. Das war ein wenig beängstigend, aber irgendwie auch … befreiend.

Es klopfte an der Tür. »Herein«, antwortete ich voller freudiger Erwartung, bald frei zu sein. Die Tür wurde nur einen Spalt geöffnet, sodass Mona ihren Kopf hindurchstecken konnte. »Bist du angezogen, Boss?«

Ich verdrehte die Augen, was sie nicht sehen konnte, da ihre geschlossen waren. »Hätte ich dich sonst hereingebeten?«

»Na ja … Das letzte Mal, als ich dich gesehen habe, hast du nackt auf dem Tresen im Fitnessstudio gehockt, mit den Füßen gescharrt und wolltest ein Ei legen. Das war für alle Anwesenden ein ziemlich traumatischer Anblick.« Mona tastete sich langsam an der Tür entlang in das Zimmer vor, die Augen noch immer zusammengekniffen. »Ich konnte tagelang nicht schlafen. Auch wenn ich zugeben muss, dass du ziemlich gut …«

»Mona!«, empörte ich mich, während sie kicherte. »Ich war in dem Moment nicht ich selbst. Ich schwöre dir hoch und heilig, dass du mich nie wieder nackt sehen wirst!«

»Versprochen?«

»Ja.« Dass mich eine Frau nicht nackt sehen wollte, war eine neue Erfahrung für mich. Bei einigen Auftritten musste mein Management früher sogar Bodyguards an meine Seite stellen.

Nun, die Zeiten durften endgültig vorbei sein. »Wann geht denn mein Flug?«, fragte ich sie, um das Thema zu wechseln. Meine Assistentin öffnete endlich die Augen, schob sich ihre stylische Brille auf die Nase und tippte auf einem ihrer Hightech-Geräte herum. »Wann immer du willst, Boss. Die Maschine steht bereit. Wenn du fertig bist, können wir in einer Stunde auf dem Rollfeld sein.« Sie redete mit mir, sah mich dabei aber noch immer nicht an. Mein Anblick musste wirklich traumatisierend gewirkt haben.

»Gut, lass uns gehen.« Ich stand auf, ging zur Tür und betrat den Flur. Ein letztes Mal ließ ich den Anblick der mausgrauen Wände mit den angeblich beruhigenden Tintenklecksbildern auf mich wirken. Die Ärzte in der Klinik waren ihr Geld wert. Das Interieur dagegen ließ zu wünschen übrig. Vielleicht sollte ich unter dem Deckmantel der »Dankbarkeit« meine Innenarchitektin für ein Makeover vorbeischicken.

So stand ich eine Weile herum, bis mir auffiel, dass Mona noch immer in meiner Mönchszelle verharrte und mich erwartungsvoll ansah. Ich starrte fragend zurück. Schließlich zuckte sie mit den Schultern, ging zum Bett, auf dem mein gepackter Koffer lag, hievte ihn geräuschvoll herunter und zog ihn schmollend an mir vorbei den Flur entlang.

»Was denn?«, fragte ich unschuldig. Schließlich war sie meine Assistentin und wurde fürstlich dafür entlohnt, mir die Arbeit abzunehmen. Zur Antwort feuerte Mona einen giftigen Blick in meine Richtung und beschleunigte ihre Schritte, sodass ich Mühe hatte hinterherzukommen. Innerlich sprach ich ihr meinen Respekt dafür aus, da ihre Füße in zehn Zentimeter hohen Pumps steckten.

 

Am Ausgang der Klinik angekommen, wappnete ich mich für das Blitzlichtgewitter. Doch anstatt einer Meute Klatschreporter erwartete mich … niemand.

Obwohl, … das war so nicht korrekt. Der ortsansässige »Club der Landfrauen« war durch zwei stark übergewichtige Hausfrauen im Kittel vertreten, die stolz ein Banner mit der Aufschrift »Let me be your Sushi Roll« hochhielten.

»Muss ich den Schriftzug verstehen?«, flüsterte ich Mona zu, die die beiden Damen daraufhin erst wahrnahm. Dann lachte sie lauthals.

»Weißt du noch, als du in einer Sendung so in deine selbstgemachten Sushi verliebt warst, dass du sie zärtlich geküsst hast, bevor du dann mit der Zunge …«

»Ja, schon okay«, unterbrach ich sie gequält, als die Erinnerung zurückkam. Die Pillen hatten meinen Sexualtrieb verstärkt und meine Hemmschwelle dafür sinken lassen. Tolle Kombination. Kein Wunder, dass sie mich in eine Irrenanstalt eingewiesen hatten. Ach nein, so durfte ich das ja nicht nennen. Offiziell hatte ich ja nur eine kreative Pause eingelegt.

Winkend schritt ich an den Damen vorbei, die daraufhin verzückt quietschend zu Teenagern mutierten. Eine von ihnen nahm all ihren Mut zusammen und sprach mich an: »Herr Krohs, dürfte ich Sie um ein Foto bitten?«

Ich nickte. Dann schlang sich, schneller als ich zurückweichen konnte, ein Arm um meine Hüfte und zerquetschte mich fast.

»Und jetzt bitte hübsch lächeln«, befahl die andere Dame. Ich gab mein Bestes, während sie ein Foto nach dem anderen schoss. Ich versuchte, Mona mit Blicken zu signalisieren, dass sie einschreiten solle, doch die war wie immer mit ihrem Hightech-Gerät beschäftigt. Dann tauschten die Damen die Plätze und die nächste Fotosession folgte.

Bevor mein Kiefer vom gezwungenen Dauergrinsen verkrampfte, löste ich mich sanft, aber bestimmt aus der Umklammerung. »Es hat mich sehr gefreut, meine Damen. Leider wartet ein Flieger auf mich, den ich nicht verpassen darf.«

»Oh, natürlich, wir wollen Sie ja nicht aufhalten«, beeilte sich die eine zu versichern und die andere nickte, dass ihr Doppelkinn wackelte. »Danke, dass Sie sich überhaupt die Zeit genommen haben. Ich bin schon seit Jahren ein riesen Fan von Ihnen und werde Ihnen auch immer treu bleiben. Zu welchem Sender werden Sie denn wechseln?«

»Wechseln?«, fragte ich verwirrt. »Wieso sollte ich …?«

Mona ergriff meine Hand und zerrte mich hinter sich her. Den beiden Damen rief sie zu: »Tragen Sie sich in den Newsletter seiner Homepage ein. Und folgen Sie ihm auf Twitter, Instagram, Facebook, Snapchat und dem Charity Hashtag seiner Stiftung KrohsCooksForKids. Dort hält er seine Fans immer auf dem Laufenden.«

»Tue ich das?« Meine Verwirrung wuchs ins Unermessliche. Dass ich eine Homepage hatte, war mir neu. Und von dem letzten Satz hatte ich nur verstanden, dass ich offensichtlich eine Stiftung gegründet hatte.

»Na ja, so indirekt. Als deine Social Media Managerin übernehme ich das natürlich für dich.«

»Ach so«, antwortete ich und hatte noch immer keinen blassen Schimmer, wovon meine Assistentin (Verzeihung – Social Media Managerin) redete. »Und was meinte die Frau damit, zu welchem Sender ich wechseln werde? Gibt es irgendetwas, das ich wissen muss?«

Mona verstaute mein Gepäck im Kofferraum der wartenden Limousine und hielt mir anschließend die Tür zum Font auf. »Ach, du kennst doch die Medien. Die erfinden gerne Gerüchte. Mach dir keine Gedanken. Wir fliegen jetzt erst mal zurück nach Frankfurt. Deinen Termin mit Flavio hast du erst in ein paar Wochen. Dann könnt ihr besprechen, wie es weitergehen soll.«

»In ein paar Wochen erst? Und was mache ich in der Zwischenzeit? Wieso ist er eigentlich nicht hier? Von meinem Manager hätte ich das irgendwie erwartet«, murmelte ich vor mich hin, während ich in der Limousine Platz nahm. Drinnen wartete ein gekühltes Kokoswasser auf mich – ganz so, als ob ich nie weggewesen wäre.

»Er wollte dir Zeit geben, bevor er dich mit den Alltagsdingen überfällt.«

»So ist er eben. Ständig um mich besorgt.« Den Sarkasmus konnte ich nicht aus meiner Stimme heraushalten. Nicht aufregen ..., ermahnte ich mich.

Während der Wagen sich in Bewegung setzte, warf ich einen letzten Blick auf die Klinik. Eigentlich war es mir hier ganz gut gegangen, schoss es mir durch den Kopf. Gleich darauf fragte ich mich, wie ich auf diesen absurden Gedanken kam. Schon hatten wir das Ende der Auffahrt erreicht und fuhren die Landstraße entlang in Richtung Flughafen.

Kapitel 2

 

Nika

 

»Nika, Schatz. Du musst aufstehen!« Die Stimme meiner Mutter riss mich aus meinen Träumen. Ich öffnete die Augen und musste meine Gedanken sortieren. Ist heute nicht Samstag?, schoss es mir in den Kopf. Direkt danach fiel mir ein, dass ich ja schon länger keine Schülerin mehr war, sondern eine dreiundzwanzigjährige Erwachsene, die samstags arbeiten musste. »Verdammt!«, fluchte ich und schlug die Decke zurück.

Seit meinem Vorspielen und den allgemeinen Prüfungen waren mehrere Wochen vergangen, und noch immer hatte ich nichts von der Hochschule gehört. Diese Ungewissheit trübte meine Laune extrem. Die Aussicht, jetzt in Arbeitsklamotten schlüpfen zu müssen, anstatt mit meiner Gitarre durch die Gegend zu ziehen, trug ihr Übriges dazu bei. Vielleicht hatte ich ja Glück und es war nicht viel los. Das war der einzige Gedanke, der mich ein wenig tröstete.

»Niikaa«, flötete meine Mutter wieder.

»Jaahhaa«, gab ich ebenso flötend zurück. »Ich bin waahaach.«

»Okaayy.«

Ich musste lachen. Mum wollte früher Opernsängerin werden und hatte bis heute nicht akzeptiert, dass sie vollkommen unbegabt war. So trällerte und flötete sie bei jeder Gelegenheit vor sich hin und trieb dabei meinen Vater und mich in den Wahnsinn. Je mehr wir uns aufregten, umso schiefer sang sie. Im Laufe der Zeit hatten wir gelernt, einfach nichts mehr zu sagen und still zu leiden.

 

Frisch geduscht saß ich kurz darauf am Frühstückstisch. Am Wochenende gemeinsam zu frühstücken war ein Ritual, dass sich unabgesprochen in unseren Alltag integriert hatte, seitdem Paps nicht mehr auftreten konnte.

Heute war kein guter Tag.

Ich konnte sehen, wie er unter Schmerzen litt, während er versuchte, sein Brötchen aufzuschneiden. Niemals würde er um Hilfe bitten.

Mum löste die Situation geschickt, indem sie den Korb mit den Brötchen vom Tisch nahm, zur Spüle trug und dabei sagte: »Entschuldigt bitte, dass ich kein Brötchenmesser auf den Tisch getan habe. Ich schneide sie schnell auf.«

Paps lächelte sie aufrichtig dankbar an. Ich liebte und bewunderte meine Eltern für ihre Beziehung. Nach all den Jahren teilten sie noch immer alles miteinander. Freude und Trauer, Glück und Leid. Einmal hatte ich meine Mutter gefragt, warum sie meinen Vater liebte. Ihre Antwort war: »Er kann das, was ich nicht kann. Und umgekehrt genauso.«

Vielleicht hätte ich damals auch jemanden als Partner auswählen sollen, der mich ergänzte. David war das genaue Gegenteil gewesen. Ich wollte ihn glücklich sehen, er wollte um jeden Preis besser sein als ich.

 

Gestärkt und gut gelaunt verließ ich wenig später das Haus. Als mir der Bus vor der Nase wegfuhr, fragte ich mich wie jedes Mal, warum ich noch immer keinen Führerschein gemacht hatte.

Weil der Verkehr in München eine einzige Katastrophe ist und es sich irgendwie bisher einfach nicht ergeben hat, rief ich mir die Antwort ins Gedächtnis.

Alles Grummeln half ja doch nichts, also begab ich mich zur nächsten U-Bahn-Station. Auf dem Weg dorthin überlegte ich mir eine Ausrede für meine Chefin, da ich bei meinem Glück bestimmt zu spät kommen würde. Man kannte ja die Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit der Bahn …

Wie durch ein Wunder schaffte ich es doch noch, pünktlich am Marienplatz anzukommen. Von dort war es nur noch ein kurzes Stück zu meiner Arbeit. Vor der Tür tauschte ich meine Turnschuhe gegen weiße Gesundheitslatschen, strich mein blaues Kleid und die Schürze mit den Rüschen zurecht und betrat den Delikatessenladen.

Als meine Eltern mich vor fünf Jahren zum ersten Mal zum Essen hierhin ausführten, war ich geblendet von den vielen goldenen Auslagen, die mit allem gefüllt waren, was das Herz begehrte. Feinste handgefertigte Pralinen, eine eigene Lachsmanufaktur, aromatische Käsesorten von Kühen, die auf naturbelassenen Alpenwiesen grasten, über einhundert verschiedene Kaffee- und Teesorten, Weine, Spirituosen, Schinken, Wurst, Marmelade, Essige und Öle.

Gerade hatte ich dafür leider keinen Blick. Ich eilte in die Geschenkabteilung, in der ich heute eingesetzt war. Katja, eine meiner Lieblingskolleginnen und ein Urgestein in dem Laden, sah mich tadelnd an: »Hast du ein Glück, dass die Chefin heute Urlaub hat.«

»Ich bin doch noch pünktlich«, sagte ich und riskierte einen unauffälligen Blick auf die Standuhr, die Kaiser Franz gehört hatte. Sagte die Chefin zumindest … Sie zeigte neun Uhr fünfundzwanzig an. »Na ja, so halbwegs zumindest.«

»Diese Tür öffnet sich seit achtzehnhundertsiebz’g pünktlich um neundreiz’g! Daran werden auch Sie nichts ändern, Fräulein Goldbach!«, imitierte Katja beängstigend gut die Stimme meiner Chefin. Dann prusteten wir beide vor Lachen los.

Seit meiner Schulzeit war ich zwar reifer geworden, hatte aber noch immer den Hang zu rebellieren. Dass ich grundsätzlich auf den letzten Drücker zur Arbeit erschien, war schon symptomatisch. Ich wollte hier nicht arbeiten! Doch ich musste, weil es angeblich gut für mich war, einem bodenständigen Job nachzugehen. Davon war zumindest mein Vater überzeugt. Da ich ihm einiges schuldig war, versuchte ich zu tun, was er mir sagte. Was nicht hieß, dass es mir gefiel.

»Und?«, fragte Katja.

Ich wusste genau, was sie wissen wollte, und schüttelte den Kopf. »Zurzeit fühle ich mich wie Harry Potter, der auf den Brief aus Hogwarts wartet. Seit der Aufnahmeprüfung kann ich an nichts anderes mehr denken, als in Karlsruhe Musik zu studieren.«

»Du bist so gut, die können gar nicht anders, als dich aufzunehmen!«, sprach sie mir Mut zu.

Die Glocke ertönte und schon betrat der erste Gast des Tages den Laden. Genauer gesagt war es eine Horde Japaner (oder Chinesen … wer wusste das schon so genau … auf jeden Fall Asiaten), die aufgeregt und mit viel »Oh« und »Ah« Fotos schossen und im Anschluss unsere Geschenkeecke stürmten. Meine Hoffnung auf einen ruhigen Tag zerplatzte wie eine Seifenblase.

 

In der Mittagspause flüchtete ich auf den Marienplatz. Dass ich noch immer meine Arbeitskleidung trug, war mir egal. Viel wichtiger war, dass ich Amok laufen würde, wenn ich noch einmal sagen musste: »Soll ich den Preis dranlassen?« Oder: »Wollen Sie eine Tüte?« Oder: »Keine Sorge, ich kehre das schnell auf.«

Ich musste raus! Untertauchen in der anonymen Masse der Einkaufswütigen, die sich die Kaufingerstraße entlangschlängelten. Wieso nur hatte ich meine Gitarre nicht mitgenommen? Ich ließ das Karlstor hinter mir und war an meinem Ziel angelangt. Wie eine Süchtige folgte ich dem Klang der Straßenmusiker, die am Stachus zu finden waren. Einige kannte ich noch von früher. Ich stellte mich zu den Zuschauern und versank in der Musik. Da war sie endlich, die innere Ruhe, die ich so dringend brauchte.

»Hey, Nika. Moagst mitmach’n?«, fragte mich der Gitarrist, den ich zwar schon einmal gesehen hatte, dessen Name mir aber partout nicht einfallen wollte, und hielt mir sein Instrument entgegen. Das ließ ich mir nicht zweimal sagen. Nach einer kurzen Beratung entschieden wir uns für »Mr. Jones« von den Counting Crows. Der Gitarrist übernahm den Gesangspart und ich spielte seine Gitarre. Zunächst fühlte sie sich fremd an. Normalerweise würde kein Musiker leichtfertig sein Instrument aus der Hand geben, doch ich hatte lernen müssen, dass man auf der Straße alles teilte. Damals ... zu einer Zeit, die mir nun vorkam wie ein anderes Leben.

Nach ein paar Akkorden war ich in meinem Element. Wir rockten gemeinsam den Platz. Die Menge um uns herum wurde immer größer und die Schale der Musiker im gleichen Maße voller. So spielten wir Stück um Stück, bis es für mich Zeit wurde, zurückzukehren. Katja würde mich nicht verpetzen, aber ich wollte ihr gegenüber nicht so unfair sein und sie im vollen Haus länger als nötig alleinlassen. Schweren Herzens gab ich die Gitarre zurück und verabschiedete mich. »Du bist immer willkommen«, sagte der, dessen Name mir noch immer nicht einfallen wollte. »Und grüß David von mir!«

Ich zuckte leicht zusammen. Mehr als ein kurzes Heben meiner Mundwinkel brachte ich als Antwort nicht zustande, bevor ich fluchtartig den Rückweg antrat. Dabei dachte ich an die erste Begegnung mit meiner großen Liebe zurück ...

 

 

 

Sechs Jahre zuvor

 

Schon wieder eine neue Schule.

Eigentlich hätte es mir nichts mehr ausmachen dürfen, doch es war jedes Mal wieder ein Spießrutenlauf. Zumindest die ersten Wochen.

Wie es wohl hier ablaufen würde? Die Schule in Kiel war nicht sehr angesehen, aber wir hatten keine andere Wahl gehabt. Meine Anmeldung musste sehr schnell geschehen, da es meinem Vater immer schlechter ging. Ein Konzert hatte er schon absagen müssen, weil er kurz vorher einen Gichtanfall bekommen hatte. Ich rechnete fest damit, dass wir in Kürze erneut würden umziehen müssen.

Zumindest bekam ich zu jedem Ortswechsel ein Geschenk. Mein derzeitiges Schmuckstück war eine E-Gitarre. Aber nicht irgendeine! Paps hatte mir eine Fender Strat geschenkt, die ich hütete wie meinen Augapfel.

Am Sekretariat angekommen empfing mich eine übellaunige, stark schwitzende Matrone mit den Worten: »Jetzt ist Unterricht!«

»Ich weiß«, maulte ich zurück und zog mir die Mütze vom Kopf. Im hohen Norden war bereits der Winter eingezogen, auch wenn es erst Ende Oktober war. Im Sekretariatszimmer brannte der Heizofen auf höchster Stufe, was die Schweißperlen der Dame erklärte. Das Gerät schien so alt zu sein, dass es nur zwei Stufen kannte: An oder Aus. »Heute ist mein erster Tag an dieser …«, ich stockte ein wenig, weil ich mich dagegen sträubte, dieses heruntergekommene Gebäude Schule zu nennen, »… Einrichtung.« Mein Blick wanderte angewidert über die von den Wänden abblätternde Farbe hinunter zu dem dunkelblauen Linoleumboden und blieb an dem mit Kaugummi und Eddingkritzeleien geschmückten Trophäenkasten hängen. Außer Spinnweben war darin ein etwa handtellergroßer Pokal zu finden.

Ich schnaubte verächtlich.

Man konnte nicht sagen, dass meine Eltern mich verwöhnten, aber ich war definitiv bessere Schulen gewöhnt. Zudem vermutete ich, dass die Instrumentensammlung für den Musikunterricht nur aus einer Triangel und einem Xylophon bestand. Na super! Zum ersten Mal konnte ich es gar nicht abwarten, die Schule wechseln zu müssen.

Nur noch zwei Jahre, dann würde ich endlich das Abi in der Tasche haben und diese Umzieherei hätte spätestens dann ein Ende. Für meinen Dad tat es mir ehrlich leid, aber ich sehnte den Tag herbei, an dem ich selbst über mein Leben bestimmen konnte.

Wie es wohl sein würde, länger als ein Jahr an ein und demselben Ort zu leben? Und wo wollte ich überhaupt leben? Nun ja, hier jedenfalls nicht! So viel war sicher.

»Das erklärt trotzdem nicht, warum Sie hier herumlungern, anstatt im Klassenraum zu sitzen.« Freundlichkeit war für die Dame wohl ein Fremdwort.

»Ich würde ja gerne im Klassenraum sitzen, habe aber bislang noch keinen Unterrichts- oder Raumplan erhalten. Hätten Sie die Güte, mir zu sagen, wo ich hinmuss?«

»Nun mal nicht frech werden, junges Fräulein! Name?«

»Annika Goldbach.«

»Ach, Sie sind das?«

»Bitte?«

»Na, die Tochter dieses Klavierspielers. Ein ganz feiner Mann ist das. So höflich und zuvorkommend.« Ihre hochgezogene Braue sollte wohl noch ein »ganz im Gegensatz zu Ihnen« hinzufügen. Sie war aber schlau genug, das nicht laut zu sagen. Ich biss mir auf die Zunge, schluckte einen Kommentar hinunter und sah sie schweigend und (wie ich hoffte) ausdruckslos an. Ein paar Sekunden hielt sie meinem Blick stand, gab dann jedoch nach und durchsuchte einen Stapel Papiere auf ihrem Schreibtisch. Nach einer gefühlten Ewigkeit zog sie eine braune Akte hervor, auf der mein Name stand. »Hier haben wir sie ja. Ganz frisch am Freitag noch angelegt. Nach Unterrichtsschluss.« Schon wieder dieser vorwurfsvolle Blick. Diese Frau war der Inbegriff eines Beamten. »Hier«, sagte sie und hielt mir ein bunt bedrucktes Blatt vor die Nase. Ich wich ein Stück zurück und nahm es entgegen. Offenbar sollte diese Ansammlung von Uhrzeiten, Strichen und Pfeilen meinen Unterrichtsplan darstellen. Schlau wurde ich daraus nicht. »Und wo stehen die Klassenräume?«, fragte ich vorsichtig nach.

»Na da!«, kam die genervte Antwort, gefolgt von einem rot lackierten Fingernagel, der wild auf eine Stelle des Blattes tippte. »Deutschunterricht haben Sie jetzt im Raum zweihundertzwölf. Heißt, im zweiten Stock der Raum Nummer zwölf. Das ist doch nun wirklich nicht so schwer.«

Die Matrone und ich würden wohl keine Freunde werden. Immerhin hatte ich jetzt eine Raumnummer. Von da aus konnte ich mich von Stunde zu Stunde durchfragen, wo ich hinmusste. Ich legte keinen gesteigerten Wert darauf, dieses Sekretariat jemals wieder zu betreten. Ohne mich zu bedanken (wofür auch), drehte ich mich herum und machte mich auf den Weg zu meiner Klasse.

 

»Tja, dann herzlich willkommen, Annika. Willst du dich kurz vorstellen?« Wenigstens schien mein Deutschlehrer nett zu sein. Ich winkte kurz in die Runde und leierte meinen üblichen Vorstellungstext herunter: »Hallo zusammen, ich bin Nika, siebzehn Jahre alt und vermutlich in ein paar Wochen schon nicht mehr hier, weil wir oft umziehen müssen. Nein, meine Familie lebt nicht in einem Zeugenschutzprogramm, wir haben keine Spielschulden und sind keine Verbrecher auf der Flucht. Mein Vater ist Konzertpianist und muss immer dorthin reisen, wo er engagiert wird. Für Hobbys habe ich keine Zeit, ebenso wenig für Freunde. Versucht also gar nicht erst, mich kennenlernen zu wollen. Danke für eure Aufmerksamkeit.«

Ich ging zu einem freien Platz in der hintersten Reihe, ließ mich auf den Stuhl fallen und richtete mein Interesse auf die Tafel. Dabei ignorierte ich die Blicke der Schüler. All ihre Fragen und Vorurteile kannte ich schon zur Genüge. Mit meinen Piercings, Tattoos und den überwiegend schwarzen Klamotten war ich nicht gerade der Inbegriff einer Pianistentochter. Kleider oder Haarbänder trug ich nie, Blümchenmuster widerten mich an und Schwarz wurde als Farbe viel zu sehr unterschätzt. Überhaupt liebte ich schwere Boots, Latzhosen und rebellierte gegen alles und jeden. Nur die Musik hielt mich davon ab, durchzudrehen. Wenn ich spielte, fühlte ich mich, als ob ich meinen Platz in der Gesellschaft wenigstens für kurze Zeit gefunden hätte.

Der Lehrer schien sich ein wenig erholt zu haben und rief die Klasse zur Ordnung, bevor er mit dem Unterricht fortfuhr.

»Starker Auftritt.« Eine männliche Stimme rechts von mir hatte gesprochen. »Was ist, wenn ich dich doch kennenlernen möchte?«

Ich hielt meinen Blick stur geradeaus gerichtet. »Spar dir die Mühe. Ich werde nichts mit dir anfangen und wie gesagt habe ich für Freundschaft keine Zeit.«

Meine Abwehrhaltung hielt die Jungs normalerweise schön auf Abstand. Ihn schien sie eher noch anzulocken. Was machte ich nur falsch? Ich tat doch alles dafür, die pure Ablehnung auszustrahlen. Sollte ich vielleicht noch einen Stacheldrahtzaun inklusive Starkstromleitung um mich errichten, damit er mich in Ruhe ließ?

»Ich glaube dir kein Wort. Spätestens in zwei Wochen wirst du mir zu Füßen liegen und nie wieder wegziehen wollen.«

Nun siegte die Neugier und ich drehte mich zu der so überheblich klingenden Stimme um. Das Erste, was mir in den Sinn kam, war: Der Typ bedeutet Gefahr. Sein vermutlich schulterlanges, dunkelblondes Haar war zu einem Zopf gebunden. Ein verschmitztes Grinsen, das die Polkappen zum Schmelzen brachte. Ein schwarzer Kapuzenpulli, der das Blau seiner Augen unterstrich. Totenkopfringe und Lederarmbänder schmückten seine schlanken Finger und die Handgelenke. Über der Stuhllehne hing eine ebenfalls schwarze Lederjacke. Zu seiner dunklen Jeans trug er, genau wie ich, schwere Boots. »Hi. Ich bin David«, sagte er noch immer grinsend, nachdem ich meine Musterung beendet hatte, und streckte mir die Hand entgegen.

Ich sah auf sie hinab und musste mit mir kämpfen, um ihm weiterhin die kalte Schulter zu zeigen. Das war eine ganz neue Situation für mich. »Nika«, antwortete ich kurz angebunden, ohne seine Hand zu ergreifen, und richtete meinen Blick wieder nach vorne.

»Das war doch schon einmal ein Anfang.« Ich hörte die Belustigung aus seiner Stimme heraus und ärgerte mich darüber. Für den Rest der Stunde hielt er zu meiner Erleichterung den Mund. Dennoch fühlte ich mich die ganze Zeit über beobachtet. Ich konnte nur hoffen, dass wir in der nächsten Stunde getrennte Wege gingen. Oder zumindest nicht mehr nebeneinandersaßen.

Mein Wunsch wurde mir leider verwehrt, denn in den folgenden Unterrichtsfächern saß er immer neben mir. Mir war es ein absolutes Rätsel, wie er das jedes Mal schaffte. Ich suchte mir extra einen Tisch aus, bei dem die Nachbarplätze belegt waren. Kaum drehte ich mich weg, – saß dieser David auch schon da und lächelte mich an. Das Schlimmste daran war, dass mein Körper, der Verräter, prompt darauf reagierte. Mein Magen kribbelte, mein Herz schlug schneller und meine Augen wollten ihn ständig anstarren. Am Ende der vorletzten Stunde blieb ich noch ein wenig länger, um den anstehenden Unterrichtsstoff mit dem Physiklehrer zu besprechen. Ich mochte ein Rebell sein, aber ich hatte ein Ziel vor Augen, das ich ohne gutes Abitur nicht erreichen würde. Da Physik nicht zu meinen Stärken zählte, wollte ich mich darauf besonders gut vorbereiten. Da kam es mir nur gelegen, dass diese Hinterwäldlerschule ihrem Ruf alle Ehre machte und mit dem Stoff hinterherhinkte. Alle Themen hatte ich bereits im letzten Jahr durchgenommen. Zufrieden verabschiedete ich mich von dem Lehrer und warf einen Blick auf meinen Unterrichtsplan. Der Tag würde mit meinem Lieblingsfach enden. Musikunterricht.

Ich wollte mich gerade auf den Weg machen, da fiel mir ein, dass ich ja keine Ahnung hatte, wohin ich gehen musste. Der Flur war zwar voller Schüler, allerdings erkannte ich keinen einzigen davon wieder. Verdammt!

»Kann ich dir helfen?« David lehnte lässig mit verschränkten Armen an der Wand. Hatte er etwa auf mich gewartet?

»Wenn du weißt, in welchem Raum wir Musikunterricht haben …«

»Ja, das weiß ich«, sagte er, stieß sich von der Wand ab und ging an mir vorbei. Na Klasse! Jetzt war er auf einmal wortkarg oder was? Fluchend steckte ich meinen Unterrichtsplan weg und eilte ihm hinterher.

»Warte doch mal«, keuchte ich, während ich versuchte, ihn einzuholen. Der Kerl war echt schnell. Kein Wunder bei einer Größe von einem Meter neunzig und ewig langen Beinen. Da konnte ich mit meinen ein Meter sechzig nicht mithalten.

»Na komm schon. Frau Marchand hasst es, wenn Schüler zu spät kommen.« Er drehte sich zu mir um und lief rückwärts weiter. Und nicht weniger schnell als vorwärts, wie ich bewundernd feststellte. Ich wäre schon längst über meine Füße gestolpert.

»Ich will dir nicht zu nahe treten, aber du siehst nicht so aus, als ob du Wert darauf legen würdest, was Lehrer von dir halten.«

»Das kommt immer auf den Lehrer an«, antwortete David kryptisch und blieb endlich stehen. »Wir sind da.« Ohne mich aus den Augen zu lassen, öffnete er die Tür zum Klassenraum und bedeutete mir vorzugehen. Exakt mit dem Glockenschlag zu Unterrichtsbeginn hatten wir unsere Plätze eingenommen. Diesmal protestierte ich nicht genervt, dass er schon wieder neben mir saß. Ich ließ mich sogar dazu verleiten, sein Profil noch einmal näher zu begutachten. Hohe Wangenknochen, leicht geschwungene Lippen, gerade Nase … »Du gefällst mir auch«, sagte er und sah mich an. Ertappt zuckte ich zusammen: »Eine Strähne hat sich gelöst. Wollte dich nur darauf aufmerksam machen.«

»Nett von dir.« Mein Herz machte einen Hüpfer, als er besagte Strähne hinter sein Ohr strich und mir dabei ein Hauch seines Parfüms entgegenwehte. »Wusste ich doch, dass unter der harten Schale ein weicher Kern steckt.«

»Bild dir nicht zu viel darauf ein. Freunde werden wir deswegen trotzdem nicht.« Ich richtete mich in meinem Stuhl auf und schob trotzig das Kinn vor. Ein gemurmeltes »Wir werden sehen« drang noch an mein Ohr, bevor Frau Marchand meine Aufmerksamkeit in Anspruch nahm. Mit schwerem französischen Akzent verkündete sie: »Liebe Klasse, isch freue misch eine neue Schülerin begrüßen zu dürfen. Annika, würdest du bitte aufstehen?«

Ich tat wie gewünscht, versuchte aber gar nicht erst, mein Missfallen zu verbergen. »Ich habe mich der Klasse schon vorgestellt.«

Frau Marchand schnalzte mit der Zunge und sagte: »Isch ‘abe nisch gesagt, dass du disch vorstellen sollst. Komm ‘er zu mir. Und du auch, David.«

Sie zog einen Vorhang zur Seite und dirigierte uns zu der nun ersichtlichen Bühne am Ende des Raumes. Mein Mund bildete ein überraschtes »O«. Anscheinend gab es doch noch mehr Instrumente zur Auswahl als nur Triangeln. An der Wand standen eine Pauke und eine große Trommel, rechts daneben eine Posaune, davor zwei Trompeten und ein Horn. Es folgten weiter vorne zwei Klarinetten, ein Fagott und ein Klavier. In der ersten Reihe waren eine Harfe, drei Violinen und zwei Kontrabässe zu finden. Die Anordnung der Instrumente erinnerte an die Sitzordnung eines Sinfonieorchesters.

Sollte ich mich getäuscht haben? Wurde hier in dieser schäbigen Schule klassische Musik unterrichtet? Zugegeben, die Auswahl war nicht groß, aber soweit ich sehen konnte, waren die Instrumente in einem sehr guten Zustand.

Was mich am meisten verwunderte, war die Selbstverständlichkeit, mit der David eine Violine nahm und anfing zu spielen.

Und er spielte verdammt gut!

Der Typ, dem ich eher zugetraut hatte, die nächste Schulhofschlägerei anzuzetteln, stand mit geschlossenen Augen vor mir und spielte ein Stück des legendären Niccolò Paganini, als ob er nie etwas anderes getan hätte.

Ich konnte nicht aufhören ihn anzustarren. Selbst als die letzten Töne verklungen waren, er langsam den Bogen sinken ließ und Madame Marchant verzückt Beifall klatschte. »Wundervoll, David. Ganz wun-der-voll!«

Bis über beide Backen strahlend kam David zu uns zurück und stellte sich wieder neben mich. Er sah genauso glückselig aus wie ich, wenn ich musizierte. »Nicht schlecht«, war das größte Kompliment, zu dem ich mich, trotz meiner wirklichen Begeisterung, durchringen konnte. Immerhin hatte ich einen Ruf zu verlieren. »Aber das hätte ich mir auch von meinem Platz anhören können, oder?«

Das hatte gesessen. Schlagartig war sein Strahlen verflogen. Vielmehr sah ich jetzt endlich in seinem Gesicht das, was ich von Anfang an gewollt hatte, – Missfallen und Ablehnung. Doch … Irgendwie … machte mich das bei ihm nicht glücklich.

»Oh, non, non, non. Von ‘ier ‘at man eine viel bessere Klangerlebnis. David ist meine … wie sagt man … Meisterschüler. Ganze fünf Jahr an dies Schül ‘at es misch gekostet, bis isch diese Juwel entdeckt ‘ab.« Dabei tätschelte sie liebevoll Davids Wange, der plötzlich gar nicht mehr wie ein Typ wirkte, der Ärger bedeutete. »Isch weiß, dass dein Vater disch unterrichtet, Annika. Und jeder in der klassische Müsik weiß, wer deine Vater ist. Was ich nicht weiß ist, welche Instrüment er disch gelehrt ‘at.«

Aaah, daher wehte also der Wind. Ich sollte das Dorforchester verstärken. »Klavier und Gitarre.«

Madame klatschte schon wieder verzückt: »Oh, das ist wun-der-voll.« Wun-der-voll schien ihr deutsches Lieblingswort zu sein. »Cédric, unser Mann an die Klavier, ‘at sisch die ‘and gebrochen. Wir ‘aben in ein paar Wochen eine Auftritt. Ohne Klavier müsste isch absagen. Das würd meine Schüler die ‘erz breschen.« Um die Dramatik noch zu erhöhen, ergriff sie meine Hände: »Würdest du für ihn einspringen?«

Würde ich?

Etwas für die Klassengemeinschaft tun … Zählte das nicht im weitesten Sinne schon dazu, Freundschaften zu schließen? Achtzehn Augenpaare ruhten erwartungsvoll auf mir. Eines davon ozeanblau mit goldenen Sprenkeln, das meine Abwehrhaltung wie eine Rakete durchbrach und bis auf den Grund meiner Seele zu blicken schien. Ohne weiter darüber nachzudenken, war meine Antwort: »Ja. Sehr gerne.« Vielleicht würde ich diese Entscheidung bereuen, wenn der Tag des Abschieds wieder einmal gekommen war.

Im Moment würde ich alles dafür geben, David noch einmal so strahlen zu sehen wie in den Minuten nach seinem Auftritt.

 

 

 

Gegenwart

 

»Hey, Mum. Hey, Paps. Bin zuhause.« Erschöpft hängte ich meinen Schlüsselbund an den vorgesehenen Haken und streifte die Schuhe von den Füßen. Noch im Flur ließ ich mich an der Wand hinab auf den Boden sinken und streckte meine schmerzenden Beine von mir.

Wenn dieser dämliche Brief nicht bald kam, würde so jeder gottverdammte Tag in meinem Leben aussehen. Am liebsten hätte ich mich zu einer Kugel zusammengerollt und hemmungslos geweint. Doch dafür hätte ich mich bewegen müssen, was gerade absolut unmöglich war.

»Hallo mein Schatz. Dein Essen steht in der Küche«, hörte ich meine Mutter von oben zu mir hinabrufen. »Dein Vater und ich gehen gleich ins Kino, falls du mitkommen magst. Im Filmtheater zeigen sie diesen Film über das Leben Paganinis. Den magst du doch so.«

Ich stöhnte auf: »Mum, das ist echt lieb, aber ich schaffe es heute gerade noch so in mein Bett zu kriechen.« Selbst wenn, werde ich bestimmt nicht in einen Film über einen Geiger gehen, bei dem mich jede Sekunde an David erinnert, fügte ich im Stillen hinzu.

»Okay, Liebes. Aber iss vorher bitte etwas. Du wirst immer dünner. Ach, und Tante Hilli glaubt, dich heute gesehen zu haben. Sie fragt, wo du die Schürze herhast? Sie könnte eine neue gebrauchen.«

Na super! Jetzt wollte schon die achtzigjährige Tante meiner Mutter Shoppingtipps von mir. Konnte dieser Tag noch schlimmer werden?

»Post ist nicht gekommen, oder?«, fragte ich stattdessen. Paps kam kauend aus der Küche heraus zu mir in den Flur: »Leider nicht. Aber nächste Woche bestimmt.«

»Ach Paps, das sagst du jede Woche.«

Er tätschelte mir den Kopf, bevor er über meine Beine hinwegstieg, sich eine Jacke anzog und zu meiner Mutter hinaufrief: »Wenn du nicht in zwei Minuten hier unten bist, fahre ich ohne dich.«

Meine Mutter erschien am Treppenaufgang: »Kannst du gar nicht, weil du den Weg noch immer nicht weißt.« Dann schritt sie in einem eleganten schwarzen Cocktailkleid die Treppe hinunter. Das lange blonde Haar hatte sie zu einer kunstvollen Frisur hochgesteckt. Die Hand berührte kaum das Geländer.

Sie war wunderschön.

Ich wünschte, ich könnte in hohen Absätzen genauso elegant laufen wie sie. Da ich aber in fast allen Belangen eindeutig mehr nach meinem Vater kam, hatte ich diese Hoffnung schon längst aufgegeben.

Mein Vater ergriff ihre Hand, Mum drehte sich einmal im Kreis und Paps küsste sie zärtlich auf die Wange, als sie stehen blieb. »Du siehst wundervoll aus.« Ihre Wangen färbten sich leicht rosé, was sie noch schöner erscheinen ließ.

»Viel Spaß, ihr Turteltauben«, rief ich ihnen hinterher, doch sie hatten nur Augen füreinander.

Unter ächzen und stöhnen schob ich mich an der Wand entlang in eine aufrechte Position. Das Essen in der Küche ignorierte ich und begab mich direkt hinauf in mein Zimmer. Allein die Treppe zu bewältigen, dauerte gefühlte Stunden. Dann ließ ich mich mit dem Gesicht nach vorne auf mein weiches Bett fallen.

Abschminken, ausziehen und Zähneputzen wird total überbewertet. Und mein Rücken bringt mich um! Das waren meine letzten Gedanken, bevor ich nach einem Zwölf-Stunden-Tag in einen komatösen Schlaf fiel.

Kapitel 3

 

Ben

 

Ich öffnete die Haustür und prallte gegen eine Wand aus Hitze. Nach Wochen voller grau verhangener Regentage war der Sommer endlich in Deutschland eingekehrt. Viele freuten sich über die Temperaturen. Mir war einfach nur von morgens bis abends heiß.

Deshalb beschloss ich, meine Laufeinheit in die frühen Morgenstunden zu verlegen. Es war erst sieben Uhr und das Thermometer neben meiner Haustür zeigte bereits dreiundzwanzig Grad. »Na das kann ja was werden«, seufzte ich und setzte mich in Bewegung. Bereits nach wenigen Metern rann mir Schweiß den Rücken hinunter. Ich lief an der Nidda entlang in Richtung Sossenheimer Feld. Am Wasser war es noch schwüler und die ersten Stechmücken entdeckten mich.

Also bog ich in Richtung Höchster Stadtpark ab, trabte im Schatten der Bäume die Kurzmainzer Straße entlang in Richtung Main. Hier schienen die Mücken noch zu schlafen. Eine Weile lief ich am Ufer entlang, bis mein intelligentes Telefon mir mitteilte, dass Mona in der Oeserstraße auf mich wartete. »Irgendwann ersäufe ich dieses Teufelsding im Main!«, fluchte ich. Mona hatte irgendeine App installiert, die meinen Aufenthaltsort bestimmen konnte. Wie auch immer sie das hinbekommen hatte. Ich hätte sie schon längst deinstalliert, wenn ich wüsste, wie man

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Verlag: BookRix GmbH & Co. KG

Texte: Loki Miller
Bildmaterialien: Bildmaterial: https://de.fotolia.com/id/135092378, https://de.fotolia.com/id/136160751, https://de.fotolia.com/id/64231509, Coverdesign: Chris Gilcher - http://design.chrisgilcher.com
Lektorat/Korrektorat: Andreas Fischer - BookRix
Tag der Veröffentlichung: 01.03.2017
ISBN: 978-3-7438-0035-9

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