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Schattenherz

Das war der größte Schlamassel, in den er im Laufe seiner achtundzwanzig Lebensjahre jemals getaumelt war. Nein, nicht getaumelt. Gerannt, gestolpert und mit der Wucht eines galoppierenden Ochsen auf die Schnauze gefallen.

Der Mann neben ihm hatte sich beschmutzt. Der Gestank vermischte sich mit dem von Blut und Schweiß und beherrschte den düsteren Raum. Der Junge an seiner anderen Seite wimmerte vor sich hin.

Zu zehnt knieten sie auf dem steinernen Boden. Eine Reihe der Verlorenen und ein Zehntel von allen, die vor fünf Tagen in diesen Tempel verschleppt worden waren. Jemand am Ende der Reihe betete flüsternd, die Hände verzweifelt ineinander verkrampft. Mittlerweile sollte die Kreatur wissen, dass niemand sie erhören würde.

Leeandor hatte niemals gebetet. Die Götter hatten ihn verlassen in jenem Moment, als seine Mutter ihn als Säugling zum Sterben am Waldrand ausgesetzt hatte.

 

Schritte näherten sich und ließen weitere Opfer aufschluchzen.

Die Schlampe der Osadroi betrat in Begleitung eines Ghouls den Raum. Lee hatte keinen besonderen Sinn für Ehre oder Moral, doch jene Menschen, die sich freiwillig in den Dienst der Schattenbastarde stellten, verachtete er zutiefst. Sie waren Speichellecker, erpicht auf das, was die Dunkelheit ihnen bot. Dahingegen konnte man dem seelenlosen Monster an ihrer Seite keinen Vorwurf machen, dessen scharfe Zähne, bläulich grüne Haut und buckelige Gestalt kaum glauben ließen, dass es einst menschlich gewesen war.

Seit jeher hatte Lee einen Bogen um das Reich der Schatten gemacht. Denn für jemanden, der mit den Osadroi in Berührung kam, gab es nur zwei Möglichkeiten, und beide waren ihm zuwider: bedingungslose Unterwerfung oder todbringende Gegenwehr. Ihm lag viel an seinem Leben. Es war alles, was

Impressum

Verlag: BookRix GmbH & Co. KG

Bildmaterialien: Fotolia - captblack76
Lektorat/Korrektorat: Robert Corvus
Tag der Veröffentlichung: 04.03.2019
ISBN: 978-3-7438-9868-4

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