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Kapitel 1 – Der Hausbrauch

 

Susanne überlegte, ob sie ein Taxi nehmen sollte, doch so groß und schwer war ihr Koffer nicht. Noch dazu schien das Klima tatsächlich einen Hauch milder als in der Stadt zu sein, wo von der Winterkälte auch nicht mehr viel zu spüren war. Sie drehte sie sich um und ließ ihren Blick von der verwitterten Holzkonstruktion des kleinen Bahnhofs in Richtung des Fußweges gegenüber schweifen. Entlang einer großen Wiese schlängelte er sich die Anhöhe hinauf, wo sie am Waldrand ihr Hotel sehen konnte. Es nannte sich „Wellness-Oase“, war erst vor wenigen Jahren eröffnet worden und hatte die Besonderheit, dass es sich nur an Damen wandte.

 

Mit ihren 28 Jahren hatte sie bereits viel erlebt. Nicht nur bei ihrer Tätigkeit als Beraterin, wo sie den Leuten half, ihre privaten Probleme in den Griff zu bekommen. Viele persönliche Tragödien waren ihr auf diesem Weg begegnet, doch sie schaffte es meistens, die nötige professionelle Distanz zu bewahren. Es waren mehr die Schwierigkeiten mit ihrem Freund, ihrem Ex-Freund, die sie zu diesem Erholungsurlaub bewegt hatten. Es war nie so ganz ihr Freund gewesen, mehr jemand, der sie schnell besteigen hatte wollen und schnarchend eingeschlafen war. Nun hatte er ohnehin eine, der das wahrscheinlich nichts ausmachte.

 

Sie näherte sich dem langgestreckten, niedrigen Gebäude aus viel Glas und hellen Holzteilen und versuchte, das gesamte Ausmaß der Anlage zu überblicken. In der Werbung war viel versprochen worden. Zimmer in absoluter Ruhelage, eine riesige Saunalandschaft, Massagen nach Wunsch – und keine Männer, die einem lästig sein konnten. Ob es dann am Ende …? Ganz konnte sie ihre Gedanken darüber nicht verdrängen, was sich hinter geschlossenen Türen tatsächlich abspielte. Vor einigen Jahren hatte sie selbst einmal Erfahrungen mit einer anderen Frau gesammelt. Doch es war nichts, das sie begeistern oder besonders erregen konnte. Schließlich handelte es sich um eine seriöse Einrichtung, die wenig an solchen Presseberichten oder Gerüchten interessiert sein würde. Sie wollte dort nur ihre Ruhe haben und Abstand gewinnen.

 

Die Schiebetür öffnete sich lautlos, und sie betrat den Eingangsbereich, der sich in geradlinigen Formen und hellen Farben präsentierte. Drinnen plätscherte ein kleinerer Brunnen als draußen. Ob es Mineralwasser direkt von der Quelle war? Sie sah jemand in einen der breiten Gänge verschwinden – einen Mann, oder täuschte sie sich? Sonst war sie allein. Die Rezeptionistin blickte auf, als sie sich näherte, begrüßte sie freundlich. Susanne legte ihre Unterlagen vor, und die Dame gab etwas in ihren Computer ein.

 

„Oh!“

„Gibt es ein Problem?“

„Ja, leider. Ich sehe … Ihr Zimmer ist noch nicht bezugsbereit. Ab 14 Uhr sollte es das sein, sollte … aber wenn sich jemand nicht an die Zeiten hält …“

 

Die Empfangsdame lächelte bemüht, schien nicht ins Schwitzen zu kommen, als sie sich intensiver mit dem Computer beschäftigte. Aber was sollte das bitte? Das konnte nicht wahr sein! Susanne überlegte, ob sie einfach warten sollte, doch wie lang? Ob sie wenigstens ihre Anzahlung zurückbekam?

 

„Na gut, das kann schon vorkommen, aber was machen wir jetzt? Ich habe es schon bezahlt.“

„Warten Sie … einen Moment bitte … ich könnte … Sie auf ein anderes umbuchen. Kostet natürlich nichts extra.“

„Gut, wenn das geht, dann machen Sie das bitte.“

 

Sie wartete noch eine Minute, erledigte die restlichen Formalitäten und bekam eine Karte, die als Schlüssel diente.

 

„Falls Sie noch etwas brauchen …“

„Ja, ich hätte nur eine Frage“, näherte sich Susanne ein Stück weiter und wurde leiser, „das ist doch hier nur für Damen, oder? Kann es sein, dass da vorhin …?“

„Oh … also üblicherweise schon. Es kann natürlich sein, dass wir kurz einmal Lieferanten im Haus haben, aber sonst …“

„Natürlich, kein Problem … hat mich nur interessiert.“

 

Sie setzte ihren Weg fort, und beim Finden ihrer Zimmernummer gab es wenigstens keine Schwierigkeiten. Eine weibliche Stimme begann nach dem Öffnen der Tür zu sprechen.

 

„Herzlich willkommen in unserer Wellness-Oase! Wir hoffen, Sie hatten eine angenehme Anreise …“

 

Auf dem Bildschirm folgten Aufnahmen der Anlage im Sommer und ein Schwenk über das Waldgebiet mit seinen Wander- und Radwegen. Die Sauna wirkte noch interessanter als auf den Bildern im Internet. Ihr Blick blieb jedoch am Whirlpool in ihrem Zimmer hängen, der das eigentliche Badezimmer wie eine Abstellkammer aussehen ließ. Es war doch einer, oder? Wenn sie das einer Frau zu verdanken hatte, die gröbere Probleme im Leben haben musste, auch schön. Arm war sie nicht, hatte es aber bei ihrer Buchung nicht übertreiben wollen.

 

* * *

 

Susanne hatte einen Spaziergang in der näheren Umgebung unternommen, bei dem ihr sogar mit einem dünnen Jäckchen nicht kalt geworden war. Vielleicht würde sie tags darauf eine längere Wanderung unternehmen. An diesem Tag hatte sie sich nur mit allem vertraut machen und rechtzeitig zurückkehren wollen, bevor es dämmrig und zu kühl wurde. Bis zum Abendessen blieb noch mehr als eine Stunde Zeit, und es lockte sie, den Pool auszuprobieren. Oder durfte sie ihn nicht benutzen oder musste doch etwas aufzahlen?

 

Sie setzte eine Fußspitze in das sehr warme, noch nicht unangenehm heiße Wasser, befand die Temperatur für genau richtig und ließ sich zur Gänze in der riesigen Wanne nieder. Das große Fenster war ihr beim Ablegen ihrer Kleidung nicht ganz geheuer gewesen. Es bot jedoch nur einen Blick in Richtung des dichten Waldes, aus dem sie höchstens Rehe und Wildschweine beobachten konnten. Nur das Blubbern lag in der Luft, als sie ihre Arme entlang des Beckenrandes ausbreitete und für einen Moment die Augen schloss. Die Luftblasen hüllten sie komplett ein – und zeigten Wirkung.

 

Es war ihr irgendwann in einer Therme passiert, vor allen Leuten. Bei einer Frau fiel es weniger auf, erst recht unter der Badekleidung. Doch welche Probleme mussten Männer erst haben, auch unter ihren heute üblichen weiteren Badeshorts? Sie dachte keineswegs ständig an Sex, in den letzten Wochen war ihr ziemlich alles vergangen. Mit einem Mal brachte sie jedoch das Bild dieses Typen in dem Sprudelbecken nicht mehr aus dem Kopf. Er mochte 20 oder 25 gewesen sein, und so gut kannte sie sich aus, ihm sein Problem nach nicht einmal zwei Minuten deutlich angesehen zu haben. Es waren nicht nur seine Bauchmuskeln gewesen, die sich gespannt hatten. Woran dachte sie nur wieder?

 

Sie ließ ihre Hände nach unten wandern, und die Hitze übertraf jene des Wassers noch einmal deutlich. Alles fühlte sich angespannt und geschwollen an. Ob es eine gute Idee gewesen war, ausgerechnet in dieses Hotel zu fahren? Vielleicht konnte sie Typen wie ihn haben, wenn sie sich anstrengte. Schließlich machte sie sich manchmal Gedanken, ob sie zu dünn war, und ihre Gesichtszüge schienen die Männer eher anzuziehen als zu sehr einzuschüchtern. Aber jedes Mal kam bald die Freundin um die Ecke, manchmal ein Freund. Auf diesen Singlebörsen tat sie sich schwer, solche Männer unter den hunderten notgeilen zu finden, die ihr ständig schrieben. Den Gedanken daran, wer sie wahrscheinlich in der Dorfdisco ansprechen würde, verdrängte sie lieber sofort.

 

Für einen Moment zögerte sie und zappelte herum, dann setzte sie zwei, drei Finger an und ließ es sich nicht nehmen, lange Versäumtes nachzuholen. Er hatte es fast nie bei ihr gemacht, meistens nur auf ihre Frage hin. Nicht einmal so wirklich geschafft, sie zum Höhepunkt zu bringen. Sie hatte seine Finger geführt, ihm gezeigt wie sie es am liebsten mochte – und es dann lieber gleich selbst gemacht.

 

Sie brachte ein Stöhnen hervor, das kaum jemand hören würde. Rieb weiter herum und steigerte das Tempo, konnte das Jucken kaum mehr ertragen. Einen Finger der anderen Hand ließ sie durch ihre Spalte gleiten, drang ein Stück ein, stellte sich vor … oh, zu spät!

 

Ein Blitzschlag raste durch sie, sie warf den Kopf zurück, ihre Beine spannten sich. Sie hörte nicht auf, noch etwas bahnte sich an, noch gewaltiger – und wieder. Sie atmete schwer, schnappte nach Luft. Die Hitze um sie wurde unangenehmer, doch sie konnte noch nicht aufhören … bis sie endgültig außer Atem geriet.

 

Ihre Haut fühlte sich aufgeweicht an, und langsam stieg sie aus dem Wasser. Einige Minuten davor wären ihre Knie noch zu weich gewesen. Sie griff nach dem großen Badetuch und überlegte, was sie für den Abend anziehen sollte.

 

* * *

 

Ein Glas Weißwein und eine üppige Salatplatte schienen ihr als guter Kompromiss. Sie hätte genauso etwas mit fettigen Pommes haben können, aber schließlich wohnte sie in einem Wellness-Hotel. Der Speisesaal bot sehr viel Platz und zahlreiche Tische in gemütlichen, ruhigen Nischen. Eine reifere Dame schlenderte an ihr vorbei. Sie konnte ihre Mutter sein und

Impressum

Verlag: BookRix GmbH & Co. KG

Bildmaterialien: Pixabay / Pexels
Tag der Veröffentlichung: 23.02.2015
ISBN: 978-3-7368-8046-7

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