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Das geheime Tor

 Lange Zeit bevor es Städte wie Backnang, Stuttgart oder Heilbronn gab, waren die Berge und Täler dieser Gegend mit tiefen Wäldern und Sümpfen bedeckt, welche von wilden Flüssen durchzogen wurden. In jener Zeit beherrschten noch die alten Götter und  mystische Wesen wie Drachen, Elfen, Feen und andere Naturgeister diese Welt. Die wenigen Menschen die in jener Zeit lebten kannten diese Wesen noch und waren zum Teil auch in der Lage mit ihnen in Kontakt zu treten.   

Darum hört nun meine Geschichte von alten Göttern, Feen, Elfen, Drachen und Druiden, welche an Orten zu finden sind die euch wohl bekannt sein dürften.

Lange Zeit bevor an der Murr die Stadt Backnang entstand, wuchs dort nur tiefer dunkler Wald. Die Luft war erfüllt vom Gesang und Geschrei der verschiedensten Naturgeistern und Geschöpfe. Hin und wieder wurde für einen Augenblick die Sonne durch einen vorbei fliegenden Drachen verdunkelt. Das Geschrei dieses Drachen war so laut das es die Felswände am Ufer der Murr erzittern lies.

An jener Stelle, an dem heute die Autos auf der Bleichwiese parken standen ein paar einfache Hütten. Einfache Hütten von einfachen Menschen die im Einklang mit der Natur dort lebten.

Diese kleine Siedlung lag im Schatten des mächtigen Felsens auf dem heute die Stiftskirche steht.

Doch damals, kurz nach dem Anbeginn der Zeit, gab es noch keine Kirchen. Die Menschen beteten auf ihren heiligen Plätzen, zu uralten Göttern aus längs vergangen Tagen.

Dort wo heute das große Gotteshaus steht war in jener Zeit auch ein heiliger Platz. Zu diesem Platz kamen die Menschen um Opfergaben nieder zulegen und zu beten. Dieser Platz war ein großer runder Sandplatz mit Säulen aus tief grauem Stein. Diese waren in einem Halbkreis angeordnet welcher nach Osten hin offen war. Nach Osten, der aufgehenden Sonnen entgegen.

In der Mitte dieses Kreises stand ein Altar. Ein mächtiger Altar, welchen eine große Steinplatte zierte. Doch diese Steinplatte war keine gewöhnliche Platte. Sie war aufwendig gearbeitet und reich verziert. In der Mitte der Platte war ein ovale ca.  drei Fuß lange und zwei Fuß hohe Vertiefung. Diese besondere Stelle wurde niemals mit Opfergaben oder etwas anderem bedeckt, denn auf ihr ruhte ein besonderer Zauber.

Doch dieser Zauber wurde nur zu besonderen Zeiten sichtbar. Er wurde nur durch das Mondlicht aktiviert, durch das Licht des Vollmondes. Allerdings nicht durch jeden Vollmond. Sondern nur durch das Licht der dreizehn Vollmonde und nur in jenen Jahren in denen sich der Mond dreizehn Mal zu seiner vollen Rundung formt. Dieses kommt allerdings nur alle paar Jahre vor.

Dann wurde auf der Altarplatte ein uralter Zauberspruch zu sichtbar. Mit diesem Zauber lies sich dann das geheime Tor, welches sich in der nähe des Kreises befand sichtbar machen und öffnen. Doch das war nur den Priestern erlaubt, welche dieses heiligen Platz hüteten. Nur zu besonderen Zeiten und der Not könnten fünf  der alten heidnischen Priester, die so genannten Druiden das Tor öffnen.

Doch die Zeitalter änderten sich.

In der Siedlung am Ufer der Murr entstanden mehr Hütten und aus ihnen wurden Häuser. Menschen kamen um Handel zu treiben und einige ließen sich auch dort nieder.

Neue Zeitalter bringen aber immer Veränderungen.

So kam es das zunächst der Drache verschwand ohne dass es von den Menschen bemerkt wurde. Die alten Götter fielen so nach und nach in einen tiefen Schlaf weil auch sie auch in Vergessenheit gerieten. Auch die Druiden verschwanden irgendwann ganz und wurden durch Priester und Mönche einer neuen Religion ersetzt. Zunächst kannten auch diese das Geheimnis des Zaubers und des geheimen Tores noch, doch auch dieses geheime Wissen schein dann irgendwann verschwunden zu sein.

Die Siedlung nannte sich jetzt Backowang  (Backnang). Was Siedlung am Hügel am Feld bedeutet.

Jetzt war aus der kleinen Siedlung eine kleine Stadt geworden und auf dem einstigen Ritualplatz auf dem Felsen wurde eine Kirche errichtet. Doch während die Steinsäulen und andere Elemente zerstört wurden, wurde die Altarplatte nicht beschädigt. Dies Platte wurde mit in die Kirche integriert und mit eingebaut.

Doch die Zeit blieb nicht stehen und brachte weitere Veränderungen mit sich.

Rund um die kleine Kirche wurde eine Burg errichtet.

Diese Burg thronte jetzt hoch über der kleinen Stadt Backnang so wie es einst der Heilige Platz mit seinen Steinsäulen tat.

So Schreitete das Zeitalter weiter vor ran und aus der Burg wurde ein Kloster Stift.

Im Jahre 1312 war die Stadt schon ein blühender Handelsplatz welcher weit über die Grenzen hinaus bekannt war.

Die Murr wurde jetzt mit kleinen Booten befahren, diese speziellen Boote brachten Waren aus aller Welt hierher oder transportierten sie überall hin weiter. Hier rasteten Karawanen die ebenfalls hier Waren verkauften oder einkauften bevor sie weiter in alle vier Himmelsrichtungen reisten.

In diesem bunten Treiben fielen niemanden die 5 Tempelritter auf die hier in Backnang von Bord eines kleinen Schiffes gingen. Es war der 21. März  im Jahre 1312, der Tag bevor der Papst den Templerorden offiziell auflöste. Doch dieses Datum der 21.03 war  in längst vergangen Tagen ein wichtiger Tag im laufe des Jahres. Es ist der Tag der Tag und Nachtgleich und es ist ein Jahr mit dreizehn Vollmonden.

Während in Frankreich die Tempelritter bereits verboten und verfolgt wurden, waren diese Fünf auf jetzt der Flucht. Ihr Ziel war die Burg Guttenberg bei Lennigen. Diese Burg war in jenen Tagen eine der letzen Templerburgen. Doch als die fünf hier an Land gingen wurden sie von niemanden ausser einem Mönch bemerkt. Dieser schien schon auf sie gewartet zu haben. Nachdem er die fünf Templer kurz angesprochen hatte, nahmen diese ihr merkwürdig aussehendes Gepäck und folgten dem Mönch auf den Felsen wo sie in der Kirche verwanden.

Doch danach wurden sie nicht mehr gesehen.

Später sprachen die Leute zwar immer mal wieder von Blitzen und hellen Lichtern die sie an oder sogar in der Kirche gesehen haben wollten. Sie berichteten auch davon das ein Junge die Gruppe zur Kirche gehen sah doch als er ihr folgen wollte um diese anzubetteln sah er nur noch wie sie in die Kirche verschwanden. Doch als er nur eine Minute später selber die Kirche betrat waren sie bereits wie vom Erdboden verschluckt. Lange Zeit wurden diese Geschichten nur hinter der vorgeladenen Hand erzählt. Denn die Inquisition hatte ihre Augen und Ohren überall und man konnte in jener Zeit für solche Aussagen schnell als Ketzer auf dem Scheiterhaufen landen.

Doch die Zeit schritt weiter voran und brachte weiter Veränderungen mit.

Die Murr ebbte ab und es führen keine Boote oder Schiffe mehr auf ihr.

Die Hütten verschwanden und es entstanden die großen Wiesen welche die jetzt in Backnang ansässige Tuchindustrie als Bleichwiesen nutzten.

Im Führjahr 2010 verschlug es mich aus dem Herzen Westfalens nach Backnang.

Als ich die Stadt zum ersten Male betrat bemerkte ich gleich den Zauber der auch ihr zu liegen schien. Es war schwer ihn einzuordnen.

An manchen Tagen schien er leicht und schon fast fröhlich zu sein. An anderen lag er wie ein Schleier auf der Stadt. Das waren die Tage an denen sich die Luft wie Seide anfühlte und man das Gefühl hatte man würde durch ein Seidentuch atmen.

Bereits nach einigen Wochen hier beschloss ich diesem Phänomen auf den Grund zu gehen.

Doch so sehr ich mich auch bemühte die Quelle oder den Auslöser zu finden, es gelangte mir nicht.

So vergingen die Wochen und Monate und meine Suche wurde immer weniger. Schließlich gab ich mir keine Mühe mehr zu ergründen warum mich derartige Gefühle hier plagten. Gefühle welche ich nur an besonderen Orten hatte. Orten die ein uraltes Geheimnis hüteten und deren Kräfte immer noch aktiv und spürbar waren. Solche Orte kannte ich viele und viele von ihnen hatte ich besucht und ergründet, doch hier war es anders. Als es so schien als hätte ich mich an die Stadt, ihre Bewohner und den Zauber der auf ihr zu liegen gewöhnt passierte das womit ich nicht mehr gerechnet hatte.

Ausgerechnet das Internet brachte mach drauf. In unserer Zeit wohl auch kaum verwunderlich so sah ich einige Fotos in einem bekannten Sozialen Netzwerk, Fotos von Backnangs Umgebung und diese schienen mich wie ein Blitz zu treffen.

Es waren die Bilder eines Waldes. Für den normalen Betrachter waren was nur Bäume, Wege und Steine. Für einen wie mich war es wie eine Offenbarung.

Da waren sie, die Moosbewachsenen Baumstümpfe, Felsen und hohlen Bäume. Sie waren schon immer da und warteten nur darauf entdeckt zu werden.

Breits einige Tage später nahm ich meine Harfe und verließ noch vor Sonnenaufgang das Haus.

Aber zuvor hatte ich mir noch mehrere handvoll Bonbons aus Honig in die Taschen gesteckt.

So machte ich mich an diesem frühen Morgen auf zu dem Ort den die Leute hier Plattenwald nannten.

Die Sonne reckte sich gerade mühevoll über den Horizont den Sternen entgegen und der bleiche immer noch fast volle Mond verschwand langsam, als ich einen geeigneten Platz fand. Einen Platz abseits der Wege. Ich ließ mich auf einen großen Stein neben mehrerer mit Moos bedeckter und zum teil hohler Baumstümpfe nieder. Noch bevor die ersten Sonnenstrahlen den Plattenwald an diesem Spätsommermorgen trafen begann ich die Harfe zu stimmen.

Dann als die Strahlen der aufgehenden Sonnen begannen den Tau des Morgens von den Blättern zu saugen, begann ich das Spiel auf der Harfe. Ich spiele die Lieder und Melodien aus längst vergangenen und fast vergessenen Tagen.

Es dauerte nicht sehr lange da hatte ich schon das Gefühl von mehren Augenpaaren beobachtet zu werden. Neugierige Augen die mich vorsichtig und neugierig beobachteten.

Doch wem auch immer diese Augen gehörten, das Spiel der alten Lieder und Melodien hatten zwar seine Aufmerksamkeit geweckt aber zu erkennen gab er sich dennoch nicht.

Da vielen mir die Bonbons aus Honig ein. Ich lege einige auf den Baumstumpf neben mir und spielte weite. Dann schloss ich die Augen. Nur wenige Augenblicke später war die Luft mit einem bekannten summen erfüllt. Ich öffnete leicht die Augen und da waren sie.

Gut zwei dutzend Feen schwirrten umher. Als ich vor einigen Tagen die Fotos sah wusste ich sofort das diese Orte die Heimat der Elfen, Feen, Gnome und andere Wesen ist. Die kleinen Wesen labten sich an den Honigbonbons und tanzten zu den alten Melodien die auf der Harfe erklangen.

Schließlich fragen mich einige der Feen: „Wer bist du?“

„Warum kennst du die alten Lieder?“

„Woher kommst du und was willst du hier?“

Ich stellte mich mit meinem geheimen Namen vor und erklärte warum ich hier war.

Jeder von uns hat einen geheimen Namen welchen nur die Wesen der Anderswelt kennen. Wer seinen Namen nennen kann und die alten Bräuche, Sitten, Riten und Orte kennt der bekommt Zugang zur Anderswelt und ihm offenbart sich dann eine Welt die anderen verborgen bleibt. Zu meinem erstaunen hatten sich jetzt auch einige Elfen zu mir gesellt, auch sie lauschten der Musik und begannen zu tanzen.

„Schön das du gekommen bist, Mann der Eiche“ sagte eine mir bekannte Stimme hinter mir plötzlich. Die Stimme war tief, dunkel und wohl klingend. Obwohl sie bedrohlich erschien, erzeugte sie in meinem Herzen ein Glücksgefühl. Für einen Moment unterbrach ich das Harfenspiel und mit dem verklingen des letzten Tons verschwanden die tanzenden Elfen und Fee. In diesem Augenblick schien die Welt still zu stehen. Lediglich das summen einer Hummel war zu hören. Das knabbern eines Kaninchens und aufplatzende Geräusch der Blüten die sich in den ersten warmen Sonnenstrahlen des Tages öffneten hallte in meinen Ohren wieder. Doch dann erklang die Harfe wieder und schon beim zweiten Ton waren die Elfen und Feen wieder da. Sie lachten und tanzten wieder, so wie auch die Welt sich wieder drehte.

„Was ist los?“ fragte die Stimme hinter mir.

„Ich war nur überrascht dich hier zu treffen.“ Antwortete ich auf die Frage.

„Du müsstest doch am besten wissen das Raum und Zeit sowie Entfernungen für uns keine Rolle spielen.“

Jetzt drehte ich mich zu der Stimme um ohne das Spiel der Harfe wieder zu unterbrechen.

Da stand er tatsächlich vor mir in seiner vollen Pracht. Das letzte mal war ich ihm vor vielen Jahren in meiner Heimat dem Teutoburger Wald begegnet. Tief im Wald auf einer Lichtung. Dort hatte ich ihn bewusst gerufen und unser Geist vereinte sich für wenige Augenblicke. Sied dieser Zeit bin ich mit ihm verbunden und auch wenn ich ihn bis heute nicht wieder sah, war ich immer mit ihm in Kontakt und fühlte oft seine Anwesenheit, wenn ich durch die Wälder streifte. Da stand er nun vor mir.

Mit einem gewaltigen Geweih auf den dem Kopf. Halb Mensch, halb Hirsch.

Der Gott des Waldes.

Die Kelten nannten ihn Cernunnos. Und so nannte ich ihn auch.

Als der letzte Ton der gespielten Melodie verklungen war hörten die Elfen und Feen auf zu tanzen und warteten ab was geschehen würde.

„Willst du gar nicht wissen warum ich hier bin?“ fragte ich den Gott.

„Nun du bist hier weil du Antworten suchst. Antworten auf Fragen aus längst vergangenen Zeiten und zu Dingen die seit dem Anbeginn der Zeit existieren. Fragen zum geheimen Tor.“

Antwortete er und schien dabei zu grinsen. „Ein geheimes Tor?“ fragte ich. „Das ist es also was ich als Kraft spürte.“

Cernunnos kam näher an mich heran. Er stellte ein Vorderbein mit seinem Huf auf einen Baumstumpf, dabei lehnte er sich etwas vor zu mir und stütze sich mit gekreuzten Unterarmen auf seinem Oberschenkel ab. Dann begann er mir von alten Zeiten zu erzählen, von dem Ritualplatz, den Druiden, dem Drachen, der Kirche und den Mönchen. Er berichtete vom wachsen der Stadt und wie es für die Elfen, Feen und anderen Wesen unmöglich wurde dort zu leben und hierher vertrieben wurden. Auch erzählte er von den fünf Kreuzrittern.

„Sie waren die letzten die das Tor öffneten und durch es hindurch traten. Der letzte Mensch der von diesem Tor wusste starb vor gut 200 Jahren und seit dem ist alles darum in Vergessenheit geraten.“ „Die Tempelritter benutzten das Tor? Warum und wohin gingen sie?“ frage ich und schaute Cernunnos an. „Die Templer kennen viele Geheimnisse, Geheimnisse aus aller Welt und sie wussten sie zu bewahren und zu hüten.“

„Scheint ja in diesem Fall nicht wirklich geklappt zu haben.“ Spottete ich halblaut. Der Waldgott schaute mich streng an so als wollte er sagen – das denkst auch nur du. Er schaute nach oben, denn hoch über uns flog schreiend ein Schwarm Wildgänse. „Ich muss gehen.“ Sagt der Waldgott und wandte sich zu gehen. „Eine letzte Frage.“ Warf ich ein. „Sag mir was aus den Drachen wurde, wohin ist er verschwunden? Wenn doch alle anderen Wesen hier zuflucht gefunden haben.“ Cernunnos dreht sich langsam um. „Er ist auch hier.“ Sagt er „Sieh dich um und du wist ihn nicht nur spüren sondern auch sehen können. Er schläft nur. Besonders an Morgen wie diesen kannst du seinen Atem in Form von Nebel über die Murr ziehen oder in den Hügeln in der Umgebung hängen sehen.“ Damit wandte er sich um und verschmolz nach wenigen Schritten mit dem Grün seiner Umgebung und löste sich so auf.

Und wahrlich ich fand den Drachen, schlafend und sah seinen Atem seit dem sehr oft über in Form von Nebel über der Murr den Hügeln und den Tälern.

Sicher fragt ihr euch was es mit dem geheimen Tor und den Templerrittern auf sich hat. Wo sie geblieben sind und wo sich dieses Tor nun eigentlich genau befindet.

Das aber liebe Freunde, ist eine Geschichte die zu einer anderen Zeit und an einem Ort erzählt wird. Vielleicht  aber trefft ihr ja bei einem Spaziergang durch den Plattenwald mal eines jener mystischen von denen ich euch heute hier berichtete. Dann fragt sie doch nach dem Drachen, den Elfen, den Feen und dem Waldgott oder dem geheimen Tor. Ich bin sicher sie werden euch eure Fragen beantworten.

Und - vergesst die Honigbonbon nicht, denn das ist es was die Feen und Elfen am meisten lieben.

Impressum

Tag der Veröffentlichung: 25.07.2014

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