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Vorgeschichte





Hallo, junges Kleinohr.
Ja, du.
Ich möchte dir eine kleine Geschichte erzählen...
Setze dich und höre mir aufmerksam zu.
Es geht um die Vorgeschichte der HasenGruppen, wie wir sie heute kennen...
Doch genug um den heißen Brei geredet, lass mich beginnen.

Vor langer Zeit - das muss unzählbar viele Baumringe vor unserer Zeit gewesen sein - brachen 5 junge Hauskaninchen zu einer Reise ins Unbekannte auf. Ihre Kleinohre hatten ihnen allen einen Namen gegeben: Stern, Himmel, Sonne, Mond und Wolke. Die Kaninchen ließen sich in einem tiefen, dunklen Wald nieder und passten sich an das Leben im Wald an. Sie begannen, Salatlinge als Nahrung zu fangen, mittels Kräuter ihre Wunden zu heilen und in dunklen Höhlen zu schlafen. Doch schon bald gefielen ihnen die Namen nicht mehr, die ihnen die Kleinohre gegeben hatten und sie beschlossen, sich umzubenennen. Stern benannte sich zu "Juweda" um, was auf Althasisch "Stern" bedeutete - die anderen machten es ihr nach. Mond wurde zu "Dirama", Sonne zu "Furena" und Wolke zu "Fortuna". Nur Himmel machte es anders - sie benannte sich zu "Dosta" um, was auf Althasisch "Leben" bedeutete.
Wie es das Schicksal wollte, trafen die fünf Kaninchen bereits nach wenigen Monden auf vier Wildhasen - alle bis auf Dosta verliebten sich in einen der Hasen.
Dosta, wild entschlossen, einen Gefährten für sich zu finden, machte sich auf eine Reise durch die Unbekannten Orte des Waldes, und ertrank in einem Fluss, den man von da an Wildstrom nannte.
In Gedenken an Dosta beschlossen die acht anderen, dass alle verstorbenen Hasen zur "HimmelGruppe" gehen würden und da ihren Frieden hätten.
Das wiederum brachte sie auf die Idee, den Wald unter sich aufzuteilen und jedem Kaninchenpaar ein Territorium zuzuschreiben. Die 4 HasenGruppen waren entstanden!
Die JuwedaGruppe, die DiramaGruppe, die FurenaGruppe und die FortunaGruppe wurden immer größer und vermehrten sich dauerhaft.
Nachdem sie genug groß war, begann die JuwedaGruppe, ihre Gruppe in Ränge aufzuteilen und Voraussetzungen für die Namensgebung zu machen. So mussten die Jungen, die gerade zur Welt gekommen waren, zum Beispiel mit "-junges" aufhören, die Schüler, also Hasen, die genug alt waren um ihr Training zu beginnen, mussten mit "-tatze" aufhören und Kämpfer, in dem Fall die Hasen, die das Territorium bewachten und kämpften, konnten mit einer beliebigen Endung aufhören.
Als Juweda, Dirama, Furena und Fortuna schließlich verstarben, bekamen alle Gruppen einen neuen Anführer. Die neuen Anführer legten fest, dass jeder Anführerhase mit "-löffel" aufhören müsse - das wurde in die Tat umgesetzt.
Sturmlöffel, der 7. Anführer der DiramaGruppe, gab irgendwann den Vorschlag preis, die Gruppen umzubenennen. So wurde die JuwedaGruppe zur TauGruppe, die DiramaGruppe zur BlattGruppe, die FurenaGruppe zur FeuerGruppe und die FortunaGruppe zur WaldGruppe.
Die HasenGruppen der Neuzeit waren da!


Tja, das war's dann auch schon wieder meinerseits...
Ich hoffe, ich habe dich mit der Geschichte meiner Vergangenheit nicht gelangweilt.
Blätterte nun eine Seite weiter!

Liebe Grüße aus der Frühzeit,
Juweda

Hierachie & Übersetzungen




TAUGRUPPE



Anführer:

Wolkenlöffel; Weiblich
Fellfarbe: Schneeweiss, Augenfarbe: Himmelblau


Hilfe-Anführer:

Kleinzunge; Männlich
Fellfarbe: Grau, Augenfarbe: Schwarz


Heiler:

Seetraum; Weiblich (Mentor von Moospfote)


Fellfarbe: Grau bis Bläulich, Augenfarbe: Zyan


Heilerschüler:

Moostatze; Weiblich
Fellfarbe: Dunkelbraun, Augenfarbe: Blau



Kämpfer



Bronzezahn; Männlich (Mentor von Diamanttatze)


Fellfarbe: Dunkelbraun, Augenfarbe: Grau


Vanilleflecke; Weiblich (Mentor von Kleetatze)


Fellfarbe: Grau mit einem vanillefarbenen Fleck auf der Stirn, Augenfarbe: Blau


Maiglöckchenkralle; Weiblich (Mentor von Ahorntatze)


Fellfarbe: Weiß, Augenfarbe: Grün bis gelblich


Haselohr; Männlich
Fellfarbe: Schwarz mit einem weißen Streifen, Augenfarbe: Blau


Hellhoppel; Männlich (Mentor von Dschungeltatze, Morgentatze)


Fellfarbe: Hellbraun, Augenfarbe: Blau



Schüler



Dschungeltatze; Männlich
Fellfarbe: Grau bis grünlich, Augenfarbe: Hellgrün


Morgentatze; Weiblich
Fellfarbe: Braun, Augenfarbe: Blau


Kleetatze; Weiblich
Fellfarbe: Braun mit goldenen Flecken, Augenfarbe: Blau


Diamanttatze; Weiblich
Fellfarbe: Grau bis bläulich, Augenfarbe: Eisblau


Ahorntatze; Weiblich
Fellfarbe: Hellbraun bis grünlich, Augenfarbe: Grau



Junge



Flockenjunges; Männlich
Fellfarbe: Weiß mit klaren blauen Streifen, Augenfarbe: Schwarz


Mütter / Werdende Mütter



Tannzapfzunge; Weiblich (Mutter von Flockenjunges)(Gefährtin von Hellhoppel)


Fellfarbe: Braun, Augenfarbe: Bernsteinfarben




BLATTGRUPPE



Anführer:

Federlöffel; Männlich
Fellfarbe: braun bis grau, Augenfarbe blau:


Hilfe-Anführer:

Blaubeerzunge; Männlich
Fellfarbe: rötlich, Augenfarbe: gelb


Heiler:

Sonnenschein; Weiblich (Mentor von Nasspfote)


Fellfarbe: gelblich, Augenfarbe: schwarz


Heilerschüler:

Nasstatze; Weiblich
Fellfarbe: hellgrau, Augenfarbe: violett



Kämpfer



Honigduft; Weiblich
Fellfarbe: schwarz, Augenfarbe: grün


Erdbeerpelz; Männlich (Mentor von Edeltatze)


Fellfarbe: rot, Augenfarbe: dunkelblau


Lotusherz; Weiblich (Mentor von Schweiftatze)


Fellfarbe: hellbraun, Augenfarbe: hellblau


Blattsegen; Weiblich (Mentor von Nusstatze)


Fellfarbe: dunkelgrau, Augenfarbe: orange


Mondfisch; Männlich (Mentor von Fuchstatze)


Fellfarbe: dunkelbraun, Augenfarbe: violett


Traumtanz; Weiblich
Fellfarbe: Hellrot, Augenfarbe: Grün



Schüler:



Nusstatze; Männlich
Fellfarbe: braun bis grau, Augenfarbe: blau


Edeltatze; Weiblich
Fellfarbe: weiss, Augenfarbe: blau


Fuchstatze; Männlich
Fellfarbe: rot, Augenfarbe: gelb


Schweiftatze; Männlich
Fellfarbe: grau, Augenfarbe: schildpattfarben



Junge



Stockjunges; Männlich
Fellfarbe: bernsteinfarben, Augenfarbe: orange


Seltinjunges; Weiblich
Fellfarbe: bläulich, Augenfarbe: violett


Schlammjunges; Weiblich
Fellfarbe: braun, Augenfarbe: blau


Fliederjunges; Weiblich
Fellfarbe: hellgrau mit grünen Tupfern, Augenfarbe: rot



Mütter / Werdende Mütter



Weichfell; Weiblich (Mutter von Seltinjunges, Schlammjunges)(Gefährtin von Erdbeerpelz)


Fellfarbe: hellbraun, Augenfarbe: blau bis grünlich


Antarktispelz; Weiblich (Mutter von Fliederjunges, Stockjunges)(Gefährtin von Mondfisch)


Fellfarbe: blau, Augenfarbe: grau



Weise



Alpinauge; Männlich
Fellfarbe: weiss, Augenfarbe: zyan


Blumenkreuz; Weiblich
Fellfarbe: grünlich, Augenfarbe: violett




FEUERGRUPPE



Anführer:

Magmalöffel; Männlich
Fellfarbe: rot, Augenfarbe: gelb


Hilfe-Anführer:

Tigerzunge; Männlich
Fellfarbe: schildpattfarben, Augenfarbe: grau


Heiler:

Funkenfell; Weiblich (Mentor von Lichtpfote)


Fellfarbe: grau, Augenfarbe: hellblau


Heilerschüler:

Lichttatze; Männlich
Fellfarbe: schwarz mit gelben Streifen, Augenfarbe: leicht gräulich



Kämpfer



Züngelflamme; Männlich (Mentor von Grüntatze)


Fellfarbe: rot, Augenfarbe: grün


Rotkralle; Männlich
Fellfarbe: rot, Augenfarbe: bernsteinfarben


Düsternebel; Männlich (Mentor von Leopardentatze)


Fellfarbe: grau mit schwarzem, getigerten Muster, Augenfarbe: blau


Mammutlicht; Männlich (Mentor von Luchstatze)


Fellfarbe: braun, Augenfarbe: blau


Sternchenlilie; Weiblich
Fellfarbe: gelblich, Augenfarbe: grün


Flammenfell; Weiblich (Mentor von Himbeertatze)


Fellfarbe: orange, Augenfarbe: violett


Hitzezahn; Männlich
Fellfarbe: dunkelgrau, Augenfarbe: zyan



Schüler:



Leopardentatze; Männlich
Fellfarbe: Violett mit hellbraun, Augenfarbe: grün


Luchstatze; Weiblich
Fellfarbe: schwarz, Augenfarbe: grau


Grüntatze; Weiblich
Fellfarbe: grün, Augenfarbe: grün


Himbeertatze; Weiblich
Fellfarbe: rötlich, Augenfarbe: gelb



Junge



Adlerjunges; Männlich
Fellfarbe: dunkelbraun, Augenfarbe: blau


Fichtenjunges; Weiblich
Fellfarbe: hellbraun, Augenfarbe: weiss



Mütter / Werdende Mütter



Lampenlicht; Weiblich (Mutter von Adlerjunges, Fichtenjunges)(Gefährtin von Hitzefell)


Fellfarbe: orange, Augenfarbe: gelb


Frackfeuer; Weiblich (Wird Mutter)(Gefährtin von Züngelflamme)


Fellfarbe: rot, Augenfarbe: bläulich



Weise



Märchenschnauze; Weiblich
Fellfarbe: schildpattfarben, Augenfarbe: bernsteinfarben




WALDGRUPPE



Anführer:

Silberlöffel; Männlich
Fellfarbe: hellgrau, Augenfarbe: schwarz


Hilfe-Anführer:

Weidenpelz; Männlich
Fellfarbe: hellbraun, Augenfarbe: grün


Heiler:

Scheinlicht; Weiblich (Mentor von Stangenpfote)


Fellfarbe: grau, Augenfarbe: blau


Heilerschüler:

Stangentatze; Weiblich
Fellfarbe: grünlich, Augenfarbe: zyan



Kämpfer



Blutohr; Männlich
Fellfarbe: blau, Augenfarbe: rot


Strahlauge; Männlich
Fellfarbe: hellbraun, Augenfarbe: gelb


Mitternachtskralle; Weiblich (Mentor von Erdtatze)


Fellfarbe: schwarz getigert, Augenfarbe: dunkelblau


Dunkelpelz; Männlich
Fellfarbe: dunkelgrau, Augenfarbe: schwarz


Wurfstern; Weiblich (Mentor von Himmeltatze)


Fellfarbe: rötlich, Augenfarbe: grau


Baumstammtatze; Weiblich
Fellfarbe: dunkelbraun, Augenfarbe: blau


Adlerauge; Männlich (Mentor von Schmetterlingstatze)


Fellfarbe: schwarz, Augenfarbe: weiss



Schüler



Erdtatze; Weiblich
Fellfarbe: braun, Augenfarbe: blau


Himmeltatze; Männlich
Fellfarbe: bläulich, Augenfarbe: gelblich


Schmetterlingstatze; Weiblich
Fellfarbe: schildpattfarben, Augenfarbe: bernsteinfarben



Junge



Sternenjunges; Weiblich
Fellfarbe: gelb, Augenfarbe: blau


Funkeljunges; Männlich
Fellfarbe: hellgrau, Augenfarbe: hellorange



Mütter / Werdende Mütter



Blattkralle; Weiblich (Mutter von Sternenjunges, Funkeljunges)(Gefährtin von Blutohr)


Fellfarbe: grüngräulich, Augenfarbe: gelb




Übersetzungen von Kleinohrisch zu Hasisch:



TAGESZEITEN


Sonnenaufgang – Sonnenaufgang


Mittag – Sonnenblüte


Nachmittag – Sonnenwelke


Abend – Sonnenuntergang


Mondaufgang – Mondaufgang


Mitternacht – Mondblüte


Früher Morgen – Mondwelke



JAHRESZEITEN


Frühling – Zeit des strömenden Flusses


Sommer – Zeit der strahlenden Sonne


Herbst – Zeit der fallenden Blätter


Winter – Zeit des schlafenden Sees



ANDERE ZEITEN


Tag – 1 Sonnenaufgang


Woche – 1 Viertelmond


Monat – 1 Mond


Jahr – 1 Baumring



Kräuter und deren Wirkung



Margeten-Blumen – Kleinere Wunden (und Desinfektion)


Spinnweben – Größere Wunden


Thymian – Ohnmacht



Territorien und deren Namen (ab Kapitel "Eine grossartige Nacht")



Juweda

– TauGruppen-Territorium
Dirama

– BlattGruppen-Territorium
Furena

– FeuerGruppen-Territorium
Fortuna

– WaldGruppen-Territorium

Mensch - Kleinohr



Prolog




Der eisige Wind wehte dem schwarzen Hasen entgegen, als ob er vor einem Ventilator der Kleinohre stehen würde, der auf Stufe Maximal eingestellt worden war. Doch der Hase ließ sich nicht einschüchtern und lief weiter durch den Schnee. Die Zeit der fallenden Blätter war in diesem Baumring noch karger gewesen als sonst.
Der schwarze Hase schüttelte sich den Schnee aus dem Fell und trottete stetig weiter. Er dachte daran, dass er eine wichtige Aufgabe hatte: Er musste seine erste Beute erlegen, mindestens 2000 Fuchslängen weit weg vom Lager. Zwar würde diese Beute der TauGruppe nur mäßigen Profit bringen, aber diese schwierige Aufgabe war ein Teil seiner Kämpferausbildung. Das heißt, dass er, wenn er diese Beute erlegen würde, noch an diesem Tag zum Kämpfer ernannt würde. Und das war es, sein größtes Ziel, sozusagen der Grund, weshalb er lebte.
Eine Eule in der Nähe kreischte laut und der Hase sprang erschrocken auf. Schnell stellte er fest, dass es bloß eine Eule gewesen war, die ihm nicht sonderlich viel anhaben konnte. Uninteressiert hoppelte er weiter. Er blickte sich um, denn er hatte das seltsame Gefühl, als ob er beobachtet würde.
Verstohlen versteckte sich ein großer Hase mit weißen Augen und schneeweißen Fell hinter einem verschneiten Busch. Er wollte nicht, dass der andere Hase ihn jetzt sah. Der Hase mit dem schwarzen Fell zuckte mit den Ohren, schüttelte sich das seltsame Gefühl aus dem Fell und lief weiter. Plötzlich, ohne Vorwarnung, hörte er ein leises Piepsen. Sofort stellte er seine Ohren gerade auf und ließ alle seine Sinne wach werden. Er drehte sich nach dem Piepsen um und erkannte auf dem weißen Boden ein mit Eiszapfen bestückter, frierender Salatling. Ohne einen Laut schlich er sich von hinten an ihn ran, nahm all seinen Mut zusammen, sprang auf das arme Geschöpf und biss ihm ins Genick.
Das Piepsen erstarb. Der schwarze Hase jubelte, nahm seine frisch erlegte Beute mit der Schnauze auf und hatte einen erwartungsvollen Ausdruck in den leuchtenden Augen. Nun würde er Kämpfer werden und der TauGruppe als vollwertiges Mitglied dienen können! Er drehte sich um und stolzierte los, bereit, im Lager empfangen zu werden.
Er kam nicht einmal 10 Fuchslängen weit, als ihn etwas weißes von der Seite her ansprang. Verdattert fauchte er und schlug um sich, konnte seinen Angreifer jedoch nicht erkennen. Er machte sich gerade bereit für einen ultimativen Schlag mit ausgefahrenen Krallen, da spürte er einen harten Schlag auf den Kopf, und seltsamerweise schmerzte plötzlich sein Rücken.
"HimmelGruppe, hilf mir!", stotterte er mit schriller Stimme. Dann spürte er, wie auf seinem Rücken der Länge nach ein Riss gemacht wurde.
"Du bist tot, Haseltatze!", rief eine seltsame, doppelte Stimme, dann spürte der schwarze Hase nichts mehr.

Als Haseltatze wieder erwachte und sich umdrehte, weil sein Rücken schmerzte, sah er irritiert, dass an seinem Rücken der Länge nach ein weißer Streifen war.
Seltsam

, dachte er. Der ist doch neu?

Der Streifen schmerzte stark und er machte sich daran, ihn abzulecken. Er studierte lange daran herum, wie er ihn bekommen hatte, kam jedoch nicht darauf. Erst dann bemerkte er, dass sich der Streifen anders anfühlte als sein übriges Fell. Er schnupperte daran und erkannte den unverkennbaren Geruch von Schnee.
Schnee? Ein Schauder rann ihm den Rücken hinunter, da, wo der Streifen war.
Dies war der Streifen, den sein Angreifer an ihm hinterlassen hatte!
Plötzlich wurde er böse - böse auf seinen Angreifer. Er verfluchte sich dafür, ihm nicht den Bauch aufgeschlitzt zu haben. Das hatte jemand aus seiner Gruppe, der TauGruppe, gemacht, dessen war Haseltatze sich sicher.
Von diesem Moment an stand sein Entschluss fest: Er würde sich, so lange er lebte, an jedem einzelnen Mitglied der TauGruppe, und vielleicht auch der anderen, rächen.
Er lachte böse, leckte sich nochmal über den Rücken und begann langsam zurück zum Lager zu humpeln.

Verjagt!




Die Sonne ging unter, die Nacht brach an. Die grauen Wolken, die am Himmel hingen, bewegten sich so schnell wie der Wind, der sie antrieb. Obwohl „Wind“ es nicht wirklich traf. Vor einer Stunde hatten diese grauen Wolken nämlich beschlossen, dass das Dörfchen, welches sich unter ihnen befand, mal gegossen werden musste. Folglich regnete es also seit einer Stunde in Strömen. Die Zweibeiner im Dorf kämpften mit ihren großen, runden Regenschirmen gegen den Wind an, sofern sie sich nicht schon in ihrem Nest befanden. Doch all das, kümmerte das kleine Zwergkaninchen, welches friedlich in seinem Stall schlummerte, wenig. Dieser Stall befand sich in der Nähe eines großen Waldes, den man Hochwald nannte. Was sich hinter diesem Wald befand, wusste das Kaninchen nicht, denn es war noch nie dort gewesen. Genau genommen war es noch nie außerhalb seines Geheges gewesen.
Ein lauter Ruf ließ das Kaninchen aus dem Schlaf fahren. Sein Bruder und seine Schwester hatten es anscheinend auch gehört, denn sie waren ebenfalls aufgewacht und hatten auch die Ohren aufgerichtet. Der Schrei hatte sich angehört wie ein Angstschrei, denn er hatte diesen speziellen Tonfall gehabt. Daran erkannten die 3 Kaninchengeschwister, dass sich ihnen etwas Gefährliches näherte. Denn es gab nicht so viel, was den Kleinohren solche Angst einjagen konnte, dass sie so schrien. Plötzlich konnten die für ein Kaninchen guten Augen des kleinsten etwas Rotes in der Dunkelheit ausmachen. Es hatte einen buschigen Schwanz, rotes Fell und eine lange Nase. Das Wesen schnüffelte gierig in der Luft, doch es konnte wohl keinen Geruch ausmachen. Plötzlich hellten sich seine Augen auf, und es blickte direkt zum Kaninchenstall hinüber.
Das rote Wesen rannte los. Das kleine Zwergkaninchen hatte noch nie so ein Ding gesehen, doch es wagte nicht, eines seiner Geschwister zu fragen, denn es wollte nicht unnötige Aufmerksamkeit des Fuchses auf sich lenken. Alle 3 hielten die Luft an. Da ertönte wieder der Ruf eines Kleinohrs, ein spitzer Gegenstand schwirrte durch die Luft auf das rote Wesen zu. Ein erschütterndes Jaulen verriet, dass das Wesen getroffen wurde. Dann sah das Kaninchen nichts mehr, es wusste nicht, wieso. Nur noch schwärze. Das Kaninchen bekam Panik. Plötzlich spürte es einen starken Schmerz im Genick, sein Körper erschlaffte.
Und dann fuhr das Kaninchen mit pochendem Herzen und schweißgebadet aus dem Schlaf. Seine Geschwister waren auch wach, vermutlich hatte das kleine Kaninchen sie aufgeweckt. Fragend schauten sie es an.
„Was hast du, Flecke?“, fragte sein großer Bruder.
„I-ich habe… ich hatte… ach, nichts…“, winkte das Kaninchen ab.
„Doch! Irgendetwas stimmt nicht mit dir! Dein pochendes Herz hört man ja 20 Fuchslängen weit! Komm, sag schon. Es gibt keinen Grund, uns anzulügen, wenn es dir nicht so gut geht“, sagte jetzt seine etwas ältere Schwester. Vor Ärger kratzte sie über die Wand des Stalls, die Augen jedoch immer noch auf Flecke gerichtet. Der allerdings starrte gebannt auf etwas hinter seiner Schwester.
„Maya…“, sagte er stockend. Die Augen hatte er mittlerweile weit aufgerissen.
„Was hast du denn? So hässlich bin ich nun auch wieder nicht!“, empörte sich Maya, seine Schwester. Doch auch sie drehte sich um und stieß beim Anblick von dem, was sich ihren Augen da bot, einen spitzen Schrei aus. „Rudi! Vorsicht! Hinter dir!“, warnte sie ihren großen Bruder, doch es war zu spät.
Die große rote Kreatur mit buschigem Schweif und langer Schnauze aus Fleckes Traum hatte schon die Zähne in die Drahtwand des Geheges geschlagen und rüttelte nun mit aller Kraft daran.
„Was ist das?“, rief Flecke geschockt.
„Ein Fuchs! Die fressen ein Kaninchen wie uns zum Frühstück!“, schrie Maya zurück.
„Haltet die Klappe, sonst wird er nur noch aggressiver!“, fuhr Rudi sie an.
„Er hat Recht“, flüsterte Maya Flecke zu. Der Fuchs aber rüttelte ungerührt weiter an der Drahtwand, und auf einmal – riss sie ein. Rudi hatte ungeheuer viel Pech, denn er sass am nächsten beim Fuchs. Der quetschte sich mit viel Mühe durch das kleine Loch, welches er mit den Zähnen gemacht hatte. Und genau diese Zähne schlug er nun in Rudis Genick. Er fiel in sich zusammen.
„Nein! Rudi!“, rief Maya.
„Lass uns abhauen!“, flüsterte Flecke eindringlich.
„Wie denn?“, fragte Maya und drehte sich immer wieder zum fressenden Fuchs um. Es konnte ja sein, dass er noch nicht genug gehabt hatte und gerne noch eine Maya oder ein Flecke essen wollte.
„Durch sein Loch natürlich, wie denn sonst?“, sagte Flecke, und im gleichen Moment hatte er sich auch schon in das Loch gequetscht. Der rote Fuchs saß daneben uns sah ungerührt zu. Das ganze schien ihn nicht zu interessieren. „Komm! Schnell!“, flüsterte Flecke eindringlich durch das Loch.
Seine Schwester reagierte, indem sie all ihren Mut zusammen nahm und sich auch am Fuchs vorbei durch das kleine Loch drängelte. Sie schaute noch ein letztes Mal auf die Überreste von ihrem Bruder Rudi und dann rannte sie hinter Flecke her, davon. Das allerdings gefiel dem roten Fuchs nicht. Er ließ den toten Rudi liegen, nachdem er sich noch einen letzten Biss genehmigt hatte, und rannte hinter den beiden Kaninchen her. 

„Sie sind schlau, aber ich bin schlauer!“, sagte der Fuchs zu sich selbst, während er die zwei Haken schlagenden Kaninchen verfolgte. Diese rannten blind drauflos, und so bemerkten sie nicht, wie sie immer weiter in den Hochwald rannten…

Gefahren des Waldes




Die beiden Zwergkaninchen rannten seit 10 Minuten unerschöpflich, nachdem sie bemerkt hatten, dass der Fuchs ihnen folgte. Nun dachten sie, dass sie genügend Abstand zum Fuchs hatten. Und so blieb Flecke, der die ganze Zeit über voraus rannte, stehen. Er drehte sich um, und wollte schauen, wo Maya geblieben war. Doch er sah sie nicht. Er dachte vielleicht ist sie einfach ein wenig langsamer gewesen. Doch in Wirklichkeit glaubte er selbst nicht daran. Er dachte schaudernd, dass der Fuchs sie vielleicht gefressen haben könnte, und Panik überkam ihn. Eine halbe Stunde blieb er da sitzen, dann hörte er seinen Magen knurren.
Moment.
War das wirklich sein Magen gewesen? Es hatte sich ziemlich echt angehört. Er drehte sich um, und sein Herz blieb stehen. Ein Wildhase stand da, die Zähne fletschend und die Krallen ausgefahren.
„Was hast du auf unserem Territorium zu suchen?“, fragte der Hase herausfordernd.
„Eu-euer Territorium?“, fragte Flecke verwirrt. „Der Wald ist für uns alle da!“
„Achja? Meinst du also. Nein, ist er nicht. Und ich warne dich bloss einmal: Wenn du in 10 Minuten immer noch in unserem Wald bist, werde ich nicht bloß mit dir reden, sondernd... Das willst du gar nicht erst wissen. Ich begleite dich nun zurück aus dem Wald.“, schloss der Hase und setzte sich in Bewegung. Doch Flecke blieb sitzen, er war zu verwirrt, um zu laufen. „Hast du keine Beine mehr oder was? Bewege gefälligst dein dickes Hinterteil!“, bluffte der Hase ihn an.
Mühevoll setzte Flecke sich auf und begann, sich das Fell sauber zu lecken. So konnte er sich nicht öffentlich zeigen. Und überhaupt: alles andere konnte warten.
Dann spürte er einen ziemlich starken Schlag auf dem Kopf, und der Hase schrie: „Beweg dich endlich, du wandelnder Leichnam!!!“
Nun hatte das Kaninchen allen Mut verloren und setzte sich hinter seinem gefährlichen Wegführer in Bewegung. Der Hase führte ihn durch den dunklen Wald, den er anscheinend besser kannte als seine Westentasche, die er nicht besaß. Plötzlich konnte Flecke mit seiner feinen Nase viele verschiedene Gerüche auf einmal wahrnehmen. Eine Stimme ertönte hinter ihnen.
„Wer ist das?“, fragte die Stimme drohend. Flecke und sein Gegenüber drehten sich überrascht um und stellten fest, dass da niemand war. Dann raschelten die Herbstblätter unter ihnen und ein Hase erschien. Er hatte seinen Kopf stolz erhoben. „Wer ist das?“, fragte der Hase nochmals, die Augen auf die beiden gerichtet.
„Das ist ein Eindringling, Silberlöffel. Dieses… Zwergkaninchen hat unser Territorium unbefugt betreten“, erklärte der andere Hase.
„Und wieso tötest du es nicht?“, fragte Silberlöffel erstaunt.
„Ich habe ihm 10 Minuten gegeben, um unser Territorium zu verlassen. Wenn ich es danach jemals wiedersehen sollte, werde ich es selbstverständlich umbringen“, sagte der kleinere Hase gelassen.
„Und wo willst du es hinbringen?“ Silberlöffels Stimme war scharf wie ein Messer. Daraufhin hoppelte der kleine Hase träge zu Silberlöffel und flüsterte ihm etwas ins Ohr, was Flecke nicht verstehen konnte. Nun hellten sich Silberlöffels Augen auf.
„Mach das“, sagte er noch, dann zerrte der kleinere Hase Flecke weg von da, wo es so viele Gerüche gehabt hatte. Silberlöffel rief ihnen nach: „Aber nur noch 10 Minuten auf unserem Territorium, sonst hat Weidenpelz meine Erlaubnis, dich zu töten!“
So liefen die beiden ziemlich lange durch die Bäume, bis sich der Wald einigermaßen lichtete. Flecke wagte zu fragen: "Wo sind wir?"
"Klappe halten und folgen", knurrte Weidenpelz.
Daraufhin war Flecke still. Während sie über die Lichtung gingen, sah Weidenpelz sich immer wieder verstohlen um. Flecke allerdings hatte aus seinen Fehlern gelernt und fragte nicht, wieso.
"So. Von nun an werde ich dich nicht mehr begleiten. Wenn ich dich jemals wieder antreffen sollte, werde ich dich töten. Merke dir das, wenn du nicht Schwierigkeiten mit der WaldGruppe willst!" Mit diesen Worten kehrte Weidenpelz um und lief dahin davon, wo sie hergekommen waren.
Flecke geriet in Versuchung, ihm zu folgen, ließ es jedoch bleiben. Die 10 Minuten waren vorbei, und er wollte nicht riskieren, dass er jetzt noch sein Leben verlieren musste. Also ging er weiter geradeaus, weg von der Lichtung, weg von Weidenpelz.
Das Rauschen eines Flusses riss Flecke aus seinen Gedanken. Er hatte sich, während er weiter geradeaus lief, gefragt, über was die beiden Hasen getuschelt hatten. Doch er wusste es einfach nicht.
Und jetzt! Schon wieder ein Ort mit so vielen unterschiedlichen Gerüchen! Flecke sah sich fragend um.
"Was machst du denn hier?", fragte eine verwunderte Stimme, so ganz anders als vorhin Silberlöffel. Ein Rascheln verriet Flecke, dass es ein Hase sein musste, und seine Vermutung wurde bestätigt, als er zwei große, weisse Ohren zwischen den Blättern sah.
"I-ich bin Flecke...", begann er.
"Erzähle uns bitte, warum du hier bist", sagte die Häsin, die nun zum Vorschein kam. Ihre Stimme klang zwar bestimmt, aber nicht so wie die von Silberlöffel. Silberlöffel hatte drohend gesprochen, während diese Häsin hier eine fragende Stimme hatte. Rund um die beiden Hasen raschelten nun die herbstlichen Blätter, und ganz viele verschiedenfarbige Hasen erschienen.
"Wir haben hier ein kleines Zwergkaninchen, welches sich anscheinend verlaufen hat. Was sollen wir mit ihm machen?", fragte die Häsin, der Flecke gerade begegnet war. Ein großer Hase mit einem weißen Streifen über dem Rücken und ansonsten schwarzem Fell meinte erbamungslos: "Verjagen oder töten, eins von beidem"
"Das will ich nicht", sagte die weisse Häsin bestimmt.
"Warum nicht, Wolkenlöffel?", fragte der weiß gestreifte verdutzt.
"Ich habe soeben daran gedacht, dass wir es in die Gruppe aufnehmen könnten. Ein kleines Zwergkaninchen, das sich verlaufen hat, kann nirgendwo lange bleiben, weil es als Zwergkaninchen bestimmt nicht sonderlich beliebt ist. Aber wir sind klug. Wir wissen, dass kleine Hasen schneller rennen können. Im Kampf wird dieses Kaninchen hier sehr schnell sehr gut werden", erklärte die Häsin, die anscheinend Wolkenlöffel hiess. "Aber erzähl uns doch bitte erst einmal, warum du dich überhaupt in den Hochwald verlaufen hast."
Doch Flecke war zu verwirrt um sprechen zu können.
"Sprich! Dies ist unsere Anführerin, deshalb wirst du jetzt reden!", knurrte der weiß gestreifte. Wenn Flecke wirklich in diese "Gruppe" aufgenommen würde, und das wusste Flecke jetzt schon, dann würde er diesen schwarzen Hasen hassen. Ohne dass jemand es bemerkte, warf Flecke dem Hasen einen finsteren Blick zu. Danach erklärte er zögernd, aber in allen Einzelheiten, warum er sich verlaufen hatte.

Unbekanntes Territorium




"Ich habe verstanden. Junges Kaninchen, verspürst du den Wunsch, der TauGruppe beizutreten und ihr treu und loyal dienen?", fragte Wolkenlöffel an Flecke gewandt, als dieser mit seiner Erzählung geendet hatte.
"Ja", sagte Flecke und blickte in die blauen Augen Wolkenlöffels.
"In dem Fall kommen wir nun zu dem Ritual, mit dem unsere Jungen zu Schülern ernannt werden.
Von diesem Tag an, bis du dir deinen Kämpfernamen verdient hast, wirst du Dschungeltatze heißen, dank deines grünen Fells. Auf dass du stark und klug handeln mögest!", sprach Wolkenlöffel und sagte so die traditionellen Worte der Namensgebung.
Die Menge allerdings murmelte misstrauisch, und vereinzelte Stimmen sagten: "Aber das ist ein Zwergkaninchen!" oder "Das ist so klein, das verspeist eine Taube ja zum Frühstück" und solche Beleidigungen. Doch Flecke, oder mit seinem neuen Namen Dschungeltatze, liess sich davon nicht beirren.
"Ihr habt nichts an meiner Wahl zu bestimmen!", sagte Wolkenlöffel laut und bestimmt. "Damit seid ihr entlassen."
Die Hasen verstreuten sich wieder und gingen ihren gewohnten Arbeiten nach, wenn auch nicht ganz so motiviert wie sonst. Dschungeltatze saß ziemlich unbeholfen da und wusste weder, was er jetzt tun sollte, noch, wo er hingehen musste. Er wusste nur, dass er gerade in irgendeine Hasengemeinschaft aufgenommen wurde.
"Brauchst du Hilfe?", fragte ein kleines Häschen und hoppelte zu ihm hin.
"Ja, gerne!", antwortete Dschungeltatze. Es fanden ihn also doch nicht alle so dumm, wie es den Anschein hatte.
"Dann folge mir" sagte das Häschen und hoppelte davon. Es konnte kaum älter sein als Dschungeltatze selbst; eine gute Voraussetzung, um Freunde zu werden. Schnell hoppelte Dschungeltatze hinterher.
"Ich zeige dir zuerst einmal das Lager", meinte das Häschen nun und hoppelte schon weiter. Dschungeltatze versuchte sich gleichzeitig im Lager umzuschauen und seinem neuen Freund hinterher zu hoppeln. Besser gesagt Freundin, denn das Häschen war weiblich, wie Dschungeltatze seltsamerweise erst jetzt feststellte. Er hatte sich vorher wohl zu sehr auf die Umgebung konzentriert.
"Wie heißt du eigentlich?", fragte Dschungeltatze, als er wieder näher bei der Häsin war.
"Ich bin Morgentatze, ich werde von der TauGruppe als Kämpferin ausgebildet und bin eine Schülerin!", sagte die junge Häsin, mit Namen Morgentatze fröhlich.
"Exakt, du und Morgentatze werdet Morgen das erste Mal zusammen trainieren!", sagte eine Stimme hinter ihnen.
Die beiden Hasen drehten sich um und erkannten einen etwas älteren Hasen mit hellem orangefarbenem Fell.
"Ich bin Hellhoppel", erklärte der helle Hase, wie wenn er Dschungeltatzes Gedanken gelesen hätte. "Ich bin für einige Schüler, nun also für euch beide zuständig und erkläre ihnen, wie und wo was läuft. Aber in deinem Fall hast du Glück und Morgentatze erklärt dir bereits fast alles, was ich dir beibringen würde", sagte er und trottete davon.
So leise, dass Morgentatze, die schon ein wenig weitergegangen war, es nicht hören konnte, flüsterte Hellhoppel im Vorbeigehen zu Dschungeltatze: "Sie ist eine sehr begabte Schülerin!" Dann lief er zu einem Haufen aus Salat, von dem sie sich wohl ernährten. Dschungeltatze lief das Wasser im Mund zusammen, als er mit großen Augen auf die Salatblätter starrte.
Da kam Morgentatze zurück und gab ihm spielerisch eine Ohrfeige. Das riss Dschungeltatze aus seinem Tagtraum.
"Komm schon!", sagte sie und Dschungeltatze trottete endlich hinter ihr her, doch er hatte seinen Blick fast nicht vom Salathaufen abwenden können.
"Also. Hier ist der Bau der Jüngsten. Die Neugeborenen, die noch nicht 6 Monde alt sind, sind Junge. Die werden dann hier von ihren Müttern einigermassen ausgebildet." Mit den Ohren deutet Dschungeltatzes Freundin auf eine kleine Höhle, versteckt unter einem dichten Holunderstrauch. Dann liefen die beiden weiter.
"Hier haben wir den Bau der Schüler. Hier werden wir schlafen", erklärte sie, als die beiden an einem ziemlich grossen Bau im Fels vorbei kamen. Dschungeltatze staunte, dass hier alles so gut organisiert war. Fest stand für ihn: Hier wollte er bleiben!
Morgentatze lief schon weiter, und Dschungeltatze musste sich beeilen, um mit ihr Schritt zu halten. Sie kamen an einem Brombeerstrauch vorbei. Morgentatze deutete mit den Ohren darauf und sagte: "Und hier schlafen die Kämpfer."
"Was sind Kämpfer?", fragte er sie.
"Naja, die Kämpfer gehen auf Patrouillen, beschützen das Lager, kämpfen um größeres Territorium und solche Sachen. Aber Kämpfer wirst du nur, wenn du als Schüler gute Arbeit geleistet hast!", schloss Morgentatze ihren Vortrag ab. Dann drehte sie sich abrupt um und schaute an den Himmel.
"Was suchst du?", fragte Dschungeltatze verwirrt.
"Die Sonne.", sagte sie, ohne den Blick abzuwenden.
"Und wieso?"
"Ich will wissen, wie spät es ist!"
"Und woran erkennst du das?" Dschungeltatze schien ehrlich verwirrt. "Wir hatten eine große runde Glocke die jede Stunde geläutet hat, und dann wussten wir, wie spät es ist..."
"Aber wir messen das am Stand der Sonne." Dann leuchteten ihre Augen, denn sie hatte endlich die Sonne erblickt. "Es ist kurz vor Sonnenuntergang!", schnurrte sie und starrte gebannt auf die helle Scheibe, die sich ganz weit entfernt langsam auf die Bergspitze sinken ließ. Nach und nach versammelten sich alle auf der großen Lichtung in der Mitte des Lagers und starrten zur Sonne, die bereits die Form eines schmalen, hellen Streifens angenommen hatte.
"Was machen sie?", flüsterte Dschungeltatze seiner Freundin ins Ohr.
"Wir schauen uns jeden Abend den Sonnenuntergang an, das ist eine alte Tradition. Man empfängt damit die Nacht, die Sterne und somit auch alle Hasen der HimmelGruppe. Die HimmelGruppe ist übrigens die fünfte Gruppe, nach der WaldGruppe, der BlattGruppe, der FeuerGruppe und halt der TauGruppe. Alle verstorbenen Hasen kommen dort zu ihrem Frieden. Beim Urgestein kann man übrigens mit ihnen sprechen. Achja, und Heiler erhalten Prophezeiungen und Botschaften von der HimmelGruppe", erklärte Morgentatze ohne Punkt und Komma. Dschungeltatze schwirrte der Kopf vor lauter neuer Informationen, doch trotzdem gingen die beiden Schüler langsam auf die Lichtung und suchten sich einen angenehmen Platz. Sie beschlossen, neben Hellhoppel zu sitzen. Alle Hasen, und das waren immerhin eine ganze Menge, starrten gebannt auf den kleinen Lichtschein, welcher langsam am Horizont verblasste.
Kälte senkte sich auf das Tal hinab. Morgentatze und Dschungeltatze kuschelten sich zitternd eng aneinander. Hellhoppels Augen glühten belustigt, als er die beiden so sah. Es ist doch schön, wenn sie sich schon mögen,

dachte er glücklich.
"Geht ihr schlafen?", fragte Hellhoppel laut.
"Jaa", zitterte Dschungeltatze.
"Dann müsst ihr aber in die andere Richtung!", lachte der hellbraune Hase und deutete mit den Ohren auf den Felsvorsprung, in welchem sich der Bau der Schüler befand.
"Dschungeltatze, ich will dich noch kurz sehen!", ertönte es aus dem Bau der Anführerin. Morgentatze lief demnach alleine und fröstelnd in den Bau der Schüler und legte sich neben eine dunkle, golden gepunktete Häsin. Dschungeltatze lief weg vom Bau der Schüler auf das Brombeergestrüpp zu, in dem sich der Bau der Anführerin befand.
"Morgen beginnt dein und Morgentatzes Training", sagte Wolkenlöffel. "Und deshalb müsst ihr beide gut ausgeschlafen sein. Seetraum könnte euch Mohnsamen geben, damit ihr einen ruhigen Schlaf habt."
Dschungeltatze schüttelte eilig den Kopf. Vor langer Zeit hatte er einmal Mohn gehabt; er hatte sich geschworen, es nie wieder im Leben zu nehmen.
"Na gut. Du solltest vielleicht noch wissen, wer euer Mentor ist... Hellhoppel wir euer Mentor sein", sagte Wolkenlöffel. Dann deutete sie mit den Ohren auf den Ausgang, das Zeichen, dass Dschungeltatze gehen durfte.
"Gute Nacht!", nuschelte er noch, dann war er schon durch das Brombeergestrüpp nach draußen geschlüpft und rannte in den Bau der Schüler.

Der erste Tag




Dschungeltatze streckte sich. Die Morgendämmerung war soeben über den Wald gebrochen, und es wurde Zeit, dass sie sich für ihr Training bereit machten. Morgentatze schlief noch, und Dschungeltatze wollte sie nicht in ihrem Traum stören, weswegen er leise durch das Loch im Fels nach draußen schlüpfte.
Langsam begann sich im Lager hier und dort etwas zu bewegen, die Hasen erwachten. Wolkenlöffel trat vor ihren Bau, um die Luft zu beschnuppern. Auch im Bau der Schüler begannen die Hasen, sich zu regen. Es waren 5 Schüler und die Heilerschülerin, die die TauGruppe zur Zeit hatten. Nicht sonderlich viele, wenn man es mit sonst vergleichen würde. Plötzlich spürte Dschungeltatze, wie etwas sein Fell berührte. Er drehte sich um und sah Morgentatze, die an seine Seite getrottet kam.
"Guten Morgen", murmelte sie schläfrig und gähnte. "Weißt du, was wir heute machen?"
"Nein", gab Dschungeltatze zu. "Aber wir sollten zu Hellhoppel gehen, er ist unser Mentor. Er wird uns schon irgendeinen Auftrag geben..."
"Na los! Worauf warten wir dann noch?", fragte Morgentatze und rannte aufgeregt zum Bau der Kämpfer.
Hellhoppel war nicht da.
"Weißt du, wo Hellhoppel ist?", fragte Morgentatze einen braunen Kämpfer.
"Er ist heute früh aufgestanden. Ich weiß nicht, was er macht, aber ich weiß, dass er nach da drüben gegangen ist!", sagte der Kämpfer und deutete mit den Ohren in die Richtung. "Wenn ihr wollt, könnt ihr ihn suchen gehen!", scherzte er.
"Danke! Werden wir gleich machen!", sagten die beiden und rannten in die angegebene Richtung.
Der Kämpfer stutzte, ließ sie aber gehen. Dann schüttelte er den Kopf.
Schüler...

, dachte er.
Die beiden Hasen rannten durch das ganze Lager, am Brombeergestrüpp vorbei und in den Wald. Dschungeltatze rannte voraus.

Irgendwann hörte Dschungeltatze es hinter sich krachen. Sie waren sicher schon 15 Minuten gerannt, also mussten sie schon ziemlich weit entfernt vom Lager sein. "Was hast du?", fragte er und schaute sich nach Morgentatze um. Diese lag am Boden und rührte sich nicht. "Was ist los?", fragte er nochmals. Morgentatze atmete heftig. Hinter ihr war eine große Wurzel, über die er locker hinweg gesprungen war. Morgentatze musste hängen geblieben sein.
Arme Morgentatze...

, dachte Dschungeltatze mitfühlend. Er setzte sich neben Morgentatze auf den Boden und leckte ihr sanft übers Ohr. Morgentatze hatte die Augen geschlossen.
Plötzlich bemerkte der grüne Hase, dass etwas rotes, flüssiges unter ihr hervor kam. Ein paar Herzschläge lang starrte Dschungeltatze das Blut ungläubig an, dann erst erschrak er heftig.
"Hilfe!", rief Dschungeltatze in der Hoffnung, dass ein Hase ihn hören würde.
Morgentatze öffnete die Augen und schaute Dschungeltatze an. Dann schloss sie die Augen wieder. Immerhin bedeutete das, dass sie noch lebte. Aber das Blut quoll immer stärker aus ihr, und Dschungeltatze wusste nicht, was er tun sollte.
Plötzlich raschelte es im Gebüsch hinter ihnen. Dschungeltatze fuhr herum und schaute Hellhoppel in die blauen Augen.
"Ich habe euch schreien gehört, da dachte ich, ich sollte mal nachsehen, was los ist...", meinte er und schaute dann erst auf Morgentatze herunter. "Oh, das sieht schlimm aus. Wartet hier etwa eine Minute, ich hole Seetraum! Das ist unsere Heilerin", fügte er hinzu, als er Dschungeltatzes fragenden Blick sah. "Du kannst Morgentatze ja ein bisschen unterhalten!", rief er Dschungeltatze noch zu, als er wegrannte, um die Heilerin zu holen. "Wie geht's dir?", fragte Dschungeltatze.
"Es tut weh", sagte Morgentatze.
"Das wird schon wieder! Wenn Seetraum da ist, wird es dir wieder gut gehen!", beruhigte er sie und sich selbst auch.
"Wenn ich bis dahin noch lebe", fügte Morgentatze trotzig hinzu und schaute auf die Wunde an ihrem Bauch, aus der immer noch Blut floss.
"So was darfst du nicht denken! Du wirst ganz sicher überleben!", protestierte der graugrüne Schüler laut. Da raschelten endlich wieder die Herbstblätter hinter ihnen, und zwei Hasen kamen zum Vorschein.
"Was ist denn mit dir passiert?", rief eine bläuliche Häsin erschrocken und schaute auf den Riss von Morgentatze.
"Ich bin gestolpert", erklärte Morgentatze.
"Kannst du sie heilen?", fragte Hellhoppel die blaue Häsin.
"Ja, natürlich!", antwortete sie. Sie nahm die Moosklumpen, die sie die ganze Zeit in der Schnauze hielt, in die Pfoten und machte sich daran, sie an Morgentatzes Wunde zu drücken. Schon floss weniger Blut hervor als vorher.
"Es wird schon wieder!", flüsterte Dschungeltatze seiner Freundin ins Ohr.
"Wird es wieder?", fragte auch Hellhoppel Seetraum so leise, dass es die anderen Hasen nicht hören konnten.
"Ich denke schon, ja. Sie ist ja bloß über eine Wurzel gestolpert." Doch in Wahrheit war Seetraum sich auch nicht sicher.
Ihr Schicksal liegt in den Händen der HimmelGruppe

, dachte sie traurig und seufzte kaum vernehmlich.
Morgentatze stöhnte leise, und Dschungeltatze drückte zur Beruhigung seine Schnauze in ihr Fell. Diese wurde daraufhin ein wenig ruhiger. Langsam erhob sich Seetraum wieder.
"Gehen wir wieder ins Lager, dann kann sich Morgentatze in meinem Bau ein wenig erholen. Und wenn sie will, darf Dschungeltatze ihr Gesellschaft leisten."
Damit standen auch die anderen Hasen auf und trotteten langsam, damit Morgentatze auch mitkam, zurück zum Lager.

Der erste Streit




2 Tage waren vergangen, seit Morgentatze zusammen mit Dschungeltatze, verletzt von ihrer "Expedition" zurück gekommen waren. Die beiden Hasen lagen seit dem Tag die ganze Zeit im Heilerbau, also im Bau von Seetraum. Haselohr, der schwarze Kämpfer, schielte immer wieder mit bösem Blick in den Heilerbau. Er war bekanntlich einer der Hasen gewesen, die gegen Dschungeltatzes Eintritt in die Gruppe gewesen waren, und Dschungeltatze hatte seit da das Gefühl gehabt, dass Haselohr in nicht mochte oder sogar hasste. Langsam merkte er deutlich, dass das wirklich so war, denn sonst würde der nicht wie ein mies gelauntes Mammut zum Bau der Heilerin starren. Morgentatze erholte sich auch langsam wieder, die Wunde hatte schon lange aufgehört zu bluten, aber ihr tat noch alles weh.
Dschungeltatze konnte das nachvollziehen. Auch er hatte sich als kleines Hauskaninchen einmal verletzt. Seine Besitzer hatten sich zwar um ihn gekümmert, aber er hatte das nicht gern gehabt und war nicht scharf darau, es zu wiederholen. Langweilig war es im Heilerbau allerdings nie.
Dschungeltatze verbrachte die Zeit entweder damit, sich selbst sauber zu lecken, Morgentatze zu beruhigen oder aber mit Seetraum die Kräuter zu untersuchen und auswendig zu lernen. Er wusste nun schon die Namen und Wirkungen der meisten Kräuter, die eine Heilerin brauchte. Nur dass er keine Heilerin war, sondern ein junger Schüler. Aber man weiß ja nie, wofür man diese Kenntnisse später noch brauchen konnte.
Auf jeden Fall kam an jenem Tag Seetraum zurück. Sie war am Tag zuvor weggegangen, um neue Kräuter zu holen. Nun zwängte sie sich mühsam durch das enge Loch in den Bau der Heilerin.
"Hallo!", begrüßte Dschungeltatze sie.
"Hallo, Dschungeltatze", begrüsste sie ihn und wandte sich danach an Morgentatze. "Wie geht es dir?"
"Mir geht es besser!", schnurrte Morgentatze fröhlich und stand zur Bestätigung auf. Dann begann sie übermütig, im Bau herum zu hüpfen.
"Das solltest du trotzdem noch nicht tun. Herumhüpfen, meine ich", meinte Seetraum schmunzelnd.
"Okay, ich höre ja schon auf... Kann ich eigentlich wieder trainieren gehen? Meine Pfoten schlafen sonst ein!", quengelte die dunkelbraune Häsin laut.
"Wenn du das willst, werde ich wohl nicht viel dagegen tun können, aber ich kann dir einen guten Rat mit auf den Weg geben: Überanstrenge dich heute und morgen noch nicht!"
"Na gut, ihr dürft gehen", meinte die Heilerin dann nach kurzem zögern und machte Platz, um die beiden Schüler nach draussen hoppeln zu lassen.
"Danke für alles!" Morgentatze rief der Heilerin das zu, als sie auf dem Weg aus dem Bau war.
"Kein Problem...", murmelte diese. Die beiden Schüler zwängten sich durch den Eingang und sahen zum ersten mal seit zwei Tagen wieder Tageslicht.
Morgentatzes Magen knurrte laut und deutlich.
"Komm, holen wir uns was vom Salathaufen!", schlug sie vor, leckte sie die Schnauze und hoppelte zum Haufen Salatlinge. Sie nahm sich einen und trug ihn in der Schnauze zu einem Fleckchen Sand in der satten grünen Wiese, die das Lager bedeckte. Der Sandfleck lag ganz am Ende des Lagers.
Eine braune Häsin mit goldenen Flecken saß bereits da und verspeiste ein paar Grashalme.
"Hallo, Morgentatze", begrüßte sie die dunkelbraune Häsin, die mit einem Salatling in der Schnauze angetrottet kam. "Hallo, Dschungeltatze", sagte sie danach auch an Dschungeltatze gewandt.
"Guten Morgen", sagte der graugrüne Hase. Morgentatze legte den Salatling auf den Sand und legte sich neben Dschungeltatze, der andere Häsin gegenüber.
"Wie heißt du eigentlich?", fragte er die braune Häsin, die ihn so nett begrüsst hatte.
"Ich? Mein Name ist Kleetatze!", antwortet sie.
"Ein schöner Name!", lobte Dschungeltatze.
"Willst du auch was?", fragte Morgentatze, nachdem die beiden anderen nichts weiter gesagt hatten, und schob den frischen Salatling ein wenig näher zu Kleetatze.
"Nein, ich hab schon gegessen", meinte sie und deutete auf die Wiese nebenan.
"Na gut, dann ist die Maus eben für uns beide." Morgentatze wollte schon in den saftigen und gut riechendne Salat beissen, als ihr bewusst wurde, dass Dschungeltatze neben ihr sass. Freundlich schob sie ihr Frückstück ihrem Freund vor die Schnauze. Dankbar schaute er sie an, senkte dann den Kopf und begann zu fressen. Nachdem sie sicher war, dass er nicht zu kurz kam, frass auch sie.
Nachdem sie ihr Mal beendet hatten, gingen alle drei Schüler zusammen zurück in das Zentrum des Lagers. Als sie in den Bau der Schüler gingen, stießen sie fast mit einer braunen Häsin zusammen, die Dschungeltatze noch nie gesehen hatte.
"Wer ist denn das?", fragte sie irritiert und schaute mit einem hämischen Grinsen auf Dschungeltatze hinab.
"Ich bin Dschungeltatze. Ich bin aber erst seit einigen Tagen Schüler der TauGruppe. Wieso?", fragte dieser zurück.
"In dem Fall, viel Spaß hier...", wünschte die braune Häsin. Dschungeltatze überhörte den ironischen Unterton und murmelte ein Danke. Die Häsin trottete bereits weg, wahrscheinlich ging sie auf die Jagd.
"Wer war denn das?", fragte Dschungeltatze Morgentatze, die neben ihm saß. Er deutete mit den Ohren auf die verschwindende Schülerin, oder was sie halt war.
"Das war Moostatze...", erklärte Morgentatze.
"Und was hältst du von ihr?", fragte Dschungeltatze weiter.
"Eigentlich ist sie ganz nett, aber sie reagiert eben ziemlich stark auf Außenseiter in der Gruppe", äusserte sich Morgentatze. Als sie Dschungeltatzes verletzten Blick sah, fügte sie schnell hinzu: "Das bedeutet aber in keinster Weise, dass du ein Außenseiter bist. Du wirst bestimmt der beste Kämpfer der Gruppe!"
Ein klein wenig später gingen sie ohne ein weiteres Wort zu wechseln in den Bau der Schüler, in dem Kleetatze bereits auf sie wartete.
"Hat euch ein Fuchs aufgehalten, oder wieso kommt ihr so spät?", neckte sie.
"Nein, Moostatze hat uns aufgehalten", sagte Morgentatze. "Anscheinend hält sie nicht so viel von unserem neuen Schüler wie wir."
Alle drei legten sich dicht nebeneinander, Dschungeltatze selbstverstädnlich in der Mitte, schliefen ein und blieben den ganzen Tag da liegen.
Erst am Abend kam Moostatze in den Bau und drängelte sich ganz nach hinten. Mit den Ohren kitzelte sie Dschungeltatze wach.
"Lass mich in Ruhe!", fauchte der und schlug genervt nach Moostatze.
"Ich lasse dich nicht in Ruhe, wenn du nichts besseres zu tun hast, als den ganzen Tag zu verschlafen!", drohte Moostatze.
"Was hast du eigentlich gegen mich?", fragte Dschungeltatze immer noch genervt.
"Was ich gegen dich habe?", fragte Moostatze ihn mit gespieltem Erstaunen und gab sich gleich selbst die Antwort. "Du stinkst nach Hauskaninchen, das habe ich gegen dich! Noch dazu bist du kein Hase, sondern ein läppisches Zwergkaninchen, das nichts besseres zu tun hat, als den ganzen Tag nur zu essen und zu schlafen!", kreischte Moostatze.
Nun hatte Dschungeltatze die Schnauze voll. Er nahm Anlauf und sprang zischend auf Moostatze zu. Ein Glück, dass diese nicht damit gerechnet hatte, dass ein Hauskaninchen es wagen würde, sie anzugreifen, denn obwohl sie als Heilerin ausgebildet wurde, konnte sie bestimmt besser kämpfen als Dschungeltatze.
Verdutzt starrte sie zu Dschungeltatze hinauf, der sie gerade auf den Boden drückte. Sie kreischte und biss wild um sich. Vom ganzen Geschrei gestört wachten auch Kleetatze und Morgentatze auf.
"Was ist denn hier los?", wunderte Morgentatze sich verwirrt.
In dem Augenblick kam Wolkenlöffel aus dem Bau der Anführerin und schaute auf die kämpfenden Schüler.
"Was macht ihr da?", fragte Wolkenlöffel streng. Doch die beiden Schüler dachten nicht mal daran, mit kämpfen aufzuhören oder gar etwas zu sagen. Moostatze biss wütend in Dschungeltatzes Fell, welcher daraufhin aufgebracht aufschrie. "Das hast du nun davon", flüsterte Moostatze bedrohlich. Sie wollte gerade erneut zubeißen, als Wolkenlöffel mitten in den Kampf sprang. "Hört auf der Stelle auf", sagte er klar und deutlich. Schnaufend und keuchend standen Moostatze und Dschungeltatze da. So gut wie alle aus der Gruppe hatten sich um die beiden versammelt. "Ihr beide, in meinen Bau", befahl Wolkenlöffel und hoppelte in besagten. Moostatze blickte sich verstohlen um und lief in das Brombeergestrüpp, in welchem sich der Anführerbau befand.
Alle Hasen schauten Dschungeltatze an. Dieser blickte beschämt auf den Boden, weil er die ganze TauGruppe geweckt hatte. Auch er trottete langsam auf das dichte Brombeergestrüpp zu. Die Hasen, die ihn angeschaut hatten, zerstreuten sich langsam wieder und gingen zurück in ihr Nest. Dschungeltatze kämpfte sich inzwischen durch die Brombeeren, während sie sich immer wieder in seinem Fell verhakten und ihn fast zerrissen. Endlich sah er das dunkle Loch, welches sich mitten im Gestrüpp befand. Er zwängte sich hindurch und fand sich in einem matt beleuchteten Bau wieder. Dschungeltatze war bereits einmal hier gewesen, als Wolkenlöffel ihn hier her bestellt hatte. Moostatze saß bereits auf dem Boden und schaute immer noch verlegen auf den Boden, weil sie mit dem neuen Schüler gestritten hatte. Dschungeltatze setzte sich ihr gegenüber.
Sie warteten. Kurze Zeit später kam Wolkenlöffel aus dem hinteren Teil des Baus und schaute auf die beiden Schüler hinab.
"Also? Was war eben los? Ich höre?", sagte sie. Dschungeltatze und Moostatze erzählten beide ihre Version der Geschichte und ergänzten, wenn der eine etwas vergessen hatte. Nachdem sie zu Ende erklärt hatte, nickte Wolkenlöffel.
"Manchmal muss Streit eben sein", sagte sie. "Ihr könnt wieder gehen"
Darauf hin verließen Dschungeltatze und Moostatze den Bau der Anführerin und gesellten sich friedlich in den Schülerbau. Moostatze legte sich neben Diamanttatze, einer Schülerin, die Dschungeltatze noch nicht kannte. Das würde sich jedoch bald ändern. Sie hatte silbernes bis bläuliches Fell und grüne Augen. Dschungeltatze sah sie jedoch nicht, weil sie etwas abseits der anderen im Bau schlief. Dschungeltatze legte sich neben Morgentatze und Kleetatze und schlief ein. Er träumte von seinen ersten Tagen und ging die ganzen Geschehnisse noch einmal durch. Er fand sich hier wohler und geborgener als in seinem Stall im Kleinohrort. Ihm gefiel es hier, und er würde alles tun, um bei der TauGruppe bleiben zu können.

Eine neue Welt




Als die Schüler am nächsten Morgen aufwachten, leuchtete das Sonnenlicht schon gelb in den Schülerbau. Dschungeltatze gähnte und streckte sich, dann schaute er nach Morgentatze. Sie schlief noch und rollte im Schlaf leicht hin und her. Eigentlich wollte er sie ja nicht aufwecken, wenn es ihr so sichtlich gut ging, aber er wusste, dass sie heute endlich mit ihrem Training beginnen mussten. Also stupste er sie leicht mit der Nase an.
Morgentatze schlug die Augen auf.
"Och, ich war gerade in einem so herrlichen Traum", protestierte sie, nachdem sie richtig aufgewacht war. Sie hatte nämlich geträumt, dass Dschungeltatze und sie für immer zusammen waren. Doch das würde sie niemandem sagen. Darum schaute sie nur kurz Dschungeltatze in die Augen, dann putzte sie sich schnell und ging nach draußen an die frische Luft. Dschungeltatze trottete ihr nach.
"Was steht denn heute auf dem Programm?", fragte Morgentatze und schaute sich prüfend im Lager um.
"Ich denke, wir sollten heute endlich

mit dem Training mit Hellhoppel beginnen", antwortete Dschungeltatze grinsend. Die dunkelbraune Häsin blieb stehen und blickte über die Schultern zurück zu Dschungeltatze. Dann nickte sie.
"Stimmt, wir hätten ja eigentlich schon vor mehreren Sonnenaufgängen damit anfangen müssen." Dschungeltatze drehte sich um, um sich auf die Suche nach Hellhoppel zu machen und lief direkt in ihn hinein.
"Da seid ihr ja, ich suche euch schon den ganzen Morgen! Wo seid ihr denn gewesen?", fragte er.
"Wir haben ein wenig zu lange geschlafen", antwortete Dschungeltatze und blickte ein wenig verlegen zu Hellhoppel. Morgentatze hoppelte neben ihn und schaute ihren Mentor an.
"Wollen wir jetzt anfangen zu trainieren?", fragte sie.
"Hast du denn auch noch nie trainiert?" Dschungeltatze schien ehrlich verwirrt.
"Nein, man muss 6 Monde alt sein, damit man trainieren darf!", sagte sie. "Und ich bin doch gerade erst so alt geworden."
Dschungeltatze versuchte sich zu erinnern, wie alt er denn eigentlich war. Soweit er sich erinnern konnte, war er auch um die 6 Monate alt.
"Moment, so schnell geht das nicht! Wir werden heute noch nicht kämpfen, das kommt erst später. Heute werde ich euch erst einmal die Grenzen unseres Territoriums zeigen, wenn das für euch in Ordnung ist", schaltete Hellhoppel sich ein. Die beiden Schüler nickten eifrig.
"Na gut, dann folgt mir", sagte er und hoppelte zum Eingang des Lagers, der immer von Lavendel überwuchert war. Hellhoppel lief die ganze Zeit voraus, während Morgentatze und Dschungeltatze sich langsam durch das dichte und ganz nett duftende Lavendelfeld kämpften. Dies war der einzige Zugang, den es zum Lager gab. Dschungeltatze, der etwas vor Morgentatze durch den Lavendel hoppelte, schaute über die Schultern zurück. Seine Mitschülerin war dicht hinter ihm.
"Komm, weiter!", sagte sie schnaufend. Nachdem sie sich so eine halbe Ewigkeit durch das Feld gekämpft hatten, hielt Hellhoppel an und schnupperte. Dschungeltatze machte es ihm nach.
"Igitt, hier stinkt es schlimmer als Fuchsdreck", beklagte er sich und putze sich augenblicklich den Gestank aus dem Fell.
"Hast du das überhaupt schon einmal gerochen? Naja, egal. Das ist der Geruch der Waldgruppe. Behalte ihn dir gut! Du auch, Morgentatze!", belehrte Hellhoppel die beiden.
Dschungeltatze drehte sich um und erstarrte. Er hatte eben genau gesehen, wie ein ihm sehr bekannter Hase gerade eben durch die Blätter verschwunden war.
Es war Weidenpelz gewesen.
Dschungeltatze sprang auf. Die beiden Hasen schauten ihn verdutzt an, doch auch sie sprangen auf. Er hatte sich bestimmt nicht getäuscht. Dieser Hase war Weidenpelz gewesen, der Hase, der ihm im Wald als allererste begegnet war. Und zwar auf ihrem Territorium.
"Weidenpelz", sagte er kurz angebunden. Dieses Wort reichte aus, um die beiden anderen wieder auf den Boden zu bringen.
"Weidenpelz?", schrien sie.
"Ja, genau der ist auf unserem Territorium. Los, wir müssen ihn beseitigen!", sagte Dschungeltatze und rannte los. Hellhoppel rannte ohne zu zögern hinter her, er war ja immerhin für die Sicherheit der beiden Hasen verantwortlich. Morgentatze schüttelte den Kopf und rannte auch los. Weidenpelz' Fell verschwand gerade hinter einem Holunderbusch, als Dschungeltatze ihn einholte. Er schien nichts zu bemerken, deshalb sagte Dschungeltatze: "Schau mal, wer hier kommt!"
Erschrocken drehte Weidenpelz sich um.
"Oh oh", murmelte er. Dann rannte er davon, zurück auf sein Territorium.
"Nochmal Glück gehabt", schnaufte Hellhoppel.
"War das eben nicht gerade der Hilfe-Anführer der WaldGruppe?" Morgentatze brachte diesen Satz fast nicht über die Lippen.
"Ja...", bestätigte Hellhoppel.
"Okay, jetzt haben wir also unseren Adrenalinschub gehabt, wollen wir jetzt weiter unsere Grenzen besichtigen?", fragte sie ungeduldig. Dschungeltatze fragte sich, ob sie sich nur auf andere Gedanken bringen wollte.
"Okay", antwortete Hellhoppel, glücklich über den Themawechsel und hoppelte in die andere Richtung. Die beiden Schüler folgten ihm. Bei einer kleinen weißen Blume blieben sie schließlich stehen. Hellhoppel schnupperte daran, dann erklärte er: "Das ist Thymian. Kann mir einer sagen, wofür diese Pflanze genutzt wird?"
Morgentatze überlegte nicht lange und sagte: "Damit kann man bei Ohnmacht helfen!"
"Richtig."
Dschungeltatze machte einen Vorschlag, nachdem er nun wusste, was die Pflanze bewirkte. "Wir könnten sie doch Seetraum mitbringen!"
"Gute Idee", meinte Hellhoppel und nahm die Blume mit der Schnauze auf.
Nachdem sie wieder ein paar Schritte gehoppelt waren, machte Hellhoppel Halt.
"Warum halten wir?", wollte Dschungeltatze wissen.
"Siehst du diesen Baum? Das ist die Abgrenzung zwischen dem TauGruppen-Territorium und dem WaldGruppen-Territorium. Du darfst nie, nie und wirklich nie auf die andere Seite gehen, denn da drüben ist der Wildstrom!", warnte Hellhoppel die beiden Schüler.
"Verstanden", sagte Morgentatze.
"Okay", sagte Dschungeltatze.
"Gut, dann können wir ja schon weiter gehen", sagte Hellhoppel.


In der Ferne erblickte Dschungeltatze einen Vulkan.
"Was ist das?", fragte er, denn er hatte noch nie einen Vulkan gesehen.
"Das ist der Inaktive Vulkan. Auf ihm treffen wir uns jeden Vollmond zur Zentralen Versammlung", antwortete Hellhoppel.
"Vielleicht dürfen ich und Morgentatze ja nächsten Vollmond mit?", fragte Dschungeltatze voller Vorfreude.
"Vielleicht", sagte Hellhoppel und schmunzelte. Sie hoppelten nicht auf den Vulkan zu, sondern eher neben ihm vorbei. Da war ein Fluss. Ein strömender, reißender, alles und jeden verschlingenden Fluss. Dschungeltatze wich erschrocken zurück, und auch Morgentatze erstarrte bei seinem Anblick.
"Ist das denn jetzt der Wildstrom, vor dem du uns gewarnt hast?", fragte Morgentatze interessiert.
"Genau. Übrigens habe ich vorher nicht ganz die Wahrheit gesagt: Der Wildstom trennt unsere beiden Territorien, nicht der Baum. Aber ihr solltet trotzdem nicht zu nahe ran gehen", antwortete Hellhoppel bejahend.
"Geht bloß nicht zu nahe an ihn dran, er kann sehr gefährlich sein", warnte Hellhoppel wieder.
"Warte... jetzt haben wir die Grenze zur Wald- und zur BlattGruppe gesehen, aber gibt es nicht noch eine?", fragte Morgentatze.
"Du meinst die FeuerGruppe", sagte Hellhoppel. "Ja, die gibt es auch. Aber das FeuerGruppen-Territorium grenzt nicht an unseres, sondern an das der Blatt- und der WaldGruppe. Wir müssen also keinen Angriff von ihnen befürchten."
Morgentatze legte sich hin.
"Ist nicht gerade eine unsrer Patrouillen auf dem Territorium der FeuerGruppe?", fragte sie.
"Doch! Sehr gut", lobte Hellhoppel durch seine Schnauze voll Thymian. "Die drei Kämpfer Maiglöckchenkralle, Vanilleflecke und Bronzezahn sind mit der Schülerin Ahorntatze auf einer Exkursion zur FeuerGruppe. Sie sollten eigentlich bald zurück kommen.", sagte er.
"Ahorntatze! Die hätte ich ja fast vergessen!", sagte Morgentatze und schwelgte sichtlich in Erinnerungen.
"Ahorntatze ist meine beste Freundin in der Gruppe", sagte sie träumerisch, als sie Dschungeltatzes Blick sah, der so viel meinte wie: Hä?
"Ja, sie ist wirklich nett", stimmte Hellhoppel zu. "Wollen wir nun zurück zum Lager? Ihr hattet einen langen Tag, und alle Grenzen sind nun besichtigt."
"Gerne", sagten beide Schüler. Sie waren müde und wollten etwas essen. Langsam hoppelten sie hinter Hellhoppel, der gleich danach den Thymian zur Heilerin brachte, wieder zurück ins Lager, am großen Baum vorbei, durch das Lavendelfeld und schließlich in den Schülerbau. Nach zwei Minuten waren beide eingeschlafen und hoppelten nun durch ihre Träume.


Rückkehr mit Hindernissen




Während die beiden Schüler friedlich in ihrem Bau schlummerten, trat die Patrouille mit Ahorntatze gerade ihrer Rückkehr ins Lager entgegen. Sie waren mit der Frage zur FeuerGruppe gekommen, ob ihr neuer Anführer, Magmalöffel, seine 10 Leben erhalten hatte. Zu fragen, ob die Reise zum Urgestein geglückt war, war eine alte Tradition der Gruppen.
Bevor Magmalöffel Anführer wurde, hatte er Magmatropf geheißen. Der neue Name schien ihm zu gefallen. Die vier TauGruppen-Hasen wurden freundlich empfangen, und nachdem sie nach der Reise gefragt hatten, wurden sie eingeladen, noch etwas im Lager zu bleiben. Doch sie wollten wieder zurück in ihr eigenes Territorium, in der Nähe des Vulkans war es ihnen zu heiß.
Auf dem Territorium der FeuerGruppe war eine Zweibeinerstrasse, auf der sie jeweils mit ihren Monstern vorbei rauschten. Und diese Strasse trennte auch die WaldGruppe mit der FeuerGruppe. Und diese Strasse mussten sie überqueren, um zurück nach Hause zu kommen. Und dann, noch schlimmer, mussten sie auch noch das Territorium der WaldGruppe überqueren, um wieder auf ihrem Grund und Boden zu sein. Zwei Kämpfer der FeuerGruppe sollten die Patrouille bis zur Strasse begleiten, um zu versichern, dass sie nicht auf ihrem Territorium jagen.
Und so wurden Maiglöckchenkralle, Vanilleflecke, Bronzezahn und Ahorntatze von Züngelflamme und Rotkralle begleitet. Die beiden orange bis roten Kämpfer der FeuerGruppe hatten ihr bestes getan, um sie nicht begleiten zu müssen, doch Magmalöffel hatte unmissverständlich gesagt: "Widerstand ist zwecklos".
Und somit war Widerstand eben zwecklos.
Deshalb machte die Patrouille der TauGruppe einfach so schnell wie es nur ging.
"Ihr könnt uns gerne alleine lassen, wir sind ja schon fast da", meinte Bronzezahn, als sie schon fast bei der Straße waren. Züngelflamme legte den Kopf schief. Er schien zu überlegen, was er weniger wollte; Weitere 3 Minuten seines Lebens dafür zu verschwenden, die anderen Kämpfer zu begleiten, oder den Zorn von Magmalöffel zu spüren bekommen.
Er entschied sich für das Zweite.
"Also gut. Aber dass ihr mir keinen Unsinn anstellt!", sagte Züngelflamme und kehrte ihnen den Rücken zu. Dann trottete er zurück zum FeuerGruppen-Lager.
"Wie hast du denn das geschafft?", fragte Maiglöckchenkralle, als auch Rotkralle verschwunden war.
"Nett gelächelt und cool gewinkt", sagte Bronzezahn sarkastisch. Ahorntatze musste lachen. Etwas später standen die 4 Hasen vor der steinernen Straße.
"Und was jetzt?", fragte Vanilleflecke.
"Jetzt stürzen wir uns Hals über Kopf über die Strasse", sagte Bronzezahn, logischerweise wieder sarkastisch. Maiglöckchenkralle und Vanilleflecke tauschten Blicke aus. Wie eine Anführerin trat Ahorntatze vor, schaute erst nach links, dann nach rechts und setzte dann vorsichtig eine Pfote auf die harte Straße. Ahorntatze hatte schon wieder vergessen, wie seltsam sich der künstliche Boden anfühlte, und zog erschrocken die Pfote zurück. Die 3 Kämpfer lachten nett. Nicht auslachen, anlachen. Beschämt versuchte Ahorntatze es noch einmal. Dieses Mal kam sie schon ein wenig weiter, sie schaffte es nämlich, nicht die Pfote zurück zu ziehen. Allerdings sauste genau jetzt ein Ungeheuer vorbei, welches Ahorntatze mit ungeheurer Wucht zurück zu den Kämpfern warf.
Diese lachten nun nicht mehr.
Von weit hinten hörten die TauGruppen-Hasen einen wütenden Schrei. Maiglöckchenkralle vermutete, dass Magmalöffel gerade heraus gefunden hatte, dass sie sich immer noch auf ihrem Territorium befanden. Doch es störte sie nicht weiter, denn sie hatte ja nicht gefragt, ob sie alleine bleiben könnten.
Es war Bronzezahn gewesen.
Eine Viertelstunde später fanden sich alle 4 auf der anderen Straßenseite wieder. Es hatte einige Anläufe gebraucht, bis alle unbeschadet drüben ankamen. Aber sie hatten es geschafft. Beziehungsweise hatten sie es geschafft, auf die andere Straßenseite zu kommen. Mehr noch nicht. Das schwerste kam noch, und zwar, das Territorium der WaldGruppe zu überleben.
Das könnte eine Herausforderung werden

, dachte selbst Bronzezahn, der sonst ziemlich zäh war. Langsam schlichen die Hasen durch einen Busch, der gerade vor ihnen stand. Ein unangenehmer Geruch schlug ihnen entgegen, doch davon ließen sie sich nicht einschüchtern. Sie hatten eine Mission zu beenden, und das würden sie auch durchziehen. Ein lautes Zischen ließ Ahorntatze zuerst hochfahren, dann drückte sie sich erschrocken auf den Boden.
"Ganz ruhig sein", warnte Bronzezahn.
"Das weiß ich selbst", fauchte Maiglöckchenkralle stur.
"Benimm dich nicht immer wie ein Anführer, das haben wir schon", setzte Vanilleflecke hinzu. Ahorntatze wagte nicht, etwas zu sagen, sonst hätte sie ihnen nämlich zugestimmt. Bronzezahn stolzierte davon, schlug sich an einem Ast den Kopf an, sagte "Fuchskotze", und kehrte zu den Hasen zurück. Die anderen unterdrückten ein Lachen.
Es war so typisch für Bronzezahn, zuerst zu meinen, der beste zu sein, und dann verletzt zu werden. Mit dem Unterschied, dass er sich normalerweise nicht wirklich verletzte. Das Zischen wiederholte sich abermals, und die Hasen vermuteten, dass gerade eine Patrouille an ihnen vorbeizog. Wenn sie nicht erwischt worden währen, hätten sie wirklich ein Schwein gehabt. In dem Fall hatten sie aber leider kein Schwein gehabt, wie sich herausstellte, als plötzlich ein großes Ohr mit einem blutigen Riss neben Maiglöckchenkralle auftauchte. "Ich hab sie!", krächzte eine tiefe Stimme, die von dem Hasen mit dem blutigen Ohr kam. Eine Häsin erschien neben ihm.
"Hast du gut gemacht, Blutohr", meinte sie.
Blutohr.
Den Namen hatte Ahorntatze schon einmal gehört, doch sie konnte sich nicht erinnern, wo, wann und wieso.
"Was habt ihr hier zu suchen?", fragte ein dritter Hase, der erschien, ohne dass jemand es bemerkt hatte.
"Wir sind auf dem Rückweg in unser Territorium", sagte Bronzezahn.
Na toll

, dachte Vanilleflecke. Jetzt benimmt er sich schon wieder als ob er der beste wäre

, und gab ihm einen Tritt. In dem Moment fiel Ahorntatze ein, wo sie den Namen Blutohr schon mal gehört hatte. Bei einem Angriff der WaldGruppe, als Ahorntatze noch ein Junges gewesen war, war Blutohr der blutrünstigste gewesen. Alle Hasen hatten Angst vor ihm. Den Hasen daneben kannte sie auch; Weidenpelz, der Hilfe-Anführer der WaldGruppe.
"Wie heißt du?", fragte Ahorntatze mutig die Häsin, die auf der anderen Seite von Blutohr stand. Ahorntatze mochte es nicht, wenn sie nicht wusste, wie ihr Gegenüber hieß. Verwirrt schauten die TauGruppen-Hasen zu ihrer Schülerin. Genau so verwirrt schaute sie auch die Häsin der WaldGruppe an. Doch eine Sekunde später hatte sie sich auch schon wieder gefangen.
"Schön dass du fragst, Schätzchen, nur leider geht es dich nichts a...", fing sie an, wurde jedoch unterbrochen von Ahorntatzes lautem Schrei:
"Weg hier!!!"
Einen Herzschlag später rasten die Hasen der TauGruppe durch diesen Busch, über diese Pflanze, trampelten diesen Fleck Wiese runter, ignorierten da ein Blümchen und taten vor allem eins: Rennen. Aus den Mundwinkeln der Verfolger tropfte Speichel.
Kein gutes Zeichen

, dachte Bronzezahn. Zum Glück waren sie schon fast bei ihrer Grenze angekommen. Nach weiteren 5 Minuten rannten sie am Großen Baum vorbei. Geschafft

, dachte Ahorntatze erleichtert. Seltsamerweise hielten die 3 Kämpfer der WaldGruppe bei der Grenze tatsächlich an.
"Ihr habt uns nicht zum letzten Mal gesehen", warnte Blutohr und rannte zurück zum Lager der WaldGruppe. Die Zähne fletschend, folgten die beiden anderen Kämpfer ihm.
"Wie heißt du denn jetzt eigentlich?", wagte Ahorntatze zu fragen.
"Bedenke, dass und bloß ein Baum voneinander trennt", warnte die Häsin und ihre Augen blickten sie unterkühlt an. Ahorntatze schauderte, denn sie hatte die Warnung verstanden. Ein Baum würde sie nicht davon abhalten, ihr das Fell zu zerreißen wie ein heißes Messer die Butter. Langsam liefen die TauGruppen-Hasen zu ihrem Lager. Beim Lavendelfeld angekommen, hielten sie nochmals kurz an, aber nur, um gleich weiter zu laufen. Im Großen und Ganzen hatten sie ihre Mission erfüllt. Mit dem Nachteil, dass TauGruppe nun die FeuerGruppe und die WaldGruppe ein wenig mehr fürchten musste.
Aber das verdrängten die Mitglieder der Patrouille in den Hinterkopf, als sie strahlend von ihrer Expedition erzählten.

Eine großartige Nacht




Die Nacht ist ungewöhnlich hell

, dachte Dschungeltatze, als er mitten in der Nacht aufwachte. Vor wenigen Stunden waren, dem Lärm nach zu urteilen, Ahorntatze und der Rest der Patrouille zurück gekommen. Mit offenen Augen lag er nun da, von allen Seiten umgeben mit schlafenden Hasen. Direkt neben ihm lagen Morgentatze, Kleetatze, Ahorntatze und Diamanttatze. Moospfote lag neben Kleetatze. Plötzlich fröstelte es ihn und er kuschelte sich noch etwas fester in Morgentatze Fell. Müde brachte sie ein Schnurren zustande. Dschungeltatze zwang sich dazu, seine Augen wieder zu schließen. Jetzt konnte er unmöglich aufstehen.
Von draußen hörte er leise das Zirpen der Grillen, von drinnen vereinzelt das schnarchen der anderen Hasen. Irgendwann schlief er wieder ein.
Am nächsten Morgen war das ganze Lager in Bewegung.
"Was ist denn hier los?", fragte Dschungeltatze Hellhoppel, der eben aus seinem Bau geschlüpft war.
"Schau mal nach oben, an den Himmel", sagte er. Dschungeltatze legte den Kopf in den Nacken und starrte nach oben. Eine goldene Scheibe verschwand soeben hinter dem Horizont. "Diese Nacht ist Vollmond, und alle Gruppen treffen sich zur Zentralen Versammlung. Da drüben, beim Inaktiven Vulkan" Er deutete mit den Ohren hinüber zum Territorium der FeuerGruppe. "Heute Abend wird an der Versammlung wohl etwas sehr spezielles geschehen, denn die Anführer aller Gruppen spielen verrückt."
Dschungeltatze schaute zum Brombeergestrüpp hinüber. Wolkenlöffel saß davor und redete eindringlich auf Seetraum ein. Seine Ohren zuckten, er hätte gerne gewusst, über was die beiden sprachen. Nach kurzer Zeit war, ohne dass Dschungeltatze es bemerkt hatte, Seetraum zu ihm gekommen.
"Haben du und Morgentatze Lust, mir beim Beeren sammeln behilflich zu sein?", fragte sie und musterte Dschungeltatze.
"Na klar! Warte hier kurz, ich hole Morgentatze, sie schläft glaube ich noch", sagte er und rannte zurück zum Schülerbau. Morgentatze schlief wirklich noch. Sie war fast die einzige, die zu der Zeit noch im Bau schlummerte. Nur Kleetatze war auch noch da. "Aufwachen", sagte Dschungeltatze sanft und drückte die Schnauze in ihr Fell. Zuerst schnurrte sie, dann öffnete sie langsam die Augen. Sie gähnte, streckte sich und setzte sich auf.
"Guten Morgen", sagte sie müde.
"Guten Morgen", sagte auch Dschungeltatze. Er mochte den Blick, mit dem sie ihn immer ansah, und blickte ihr auch in die Augen. So verharrten sie einige Augenblicke, bis sie gleichzeitig aufsprangen und sagten: "Wer zuerst beim Baum ist!"
Sofort waren beide beim grünen Tannenbaum angekommen, der auf der anderen Seite des Lagers war als das Lavendelfeld. Als sie schnaufend angekommen waren, sagte Dschungeltatze: "Seetraum hat mich übrigens gefragt, ob wir beide ihr beim Beeren sammeln behilflich sein könnten"
"Na klar!", meinte Morgentatze sofort und hoppelte zu Seetraum, die sich zum warten in ihren Bau zurück gezogen hatte. Als sie Morgentatze kommen sah, hoppelte sie schon glücklich nach draußen.
"Da seid ihr ja", sagte sie, "wollen wir gleich gehen?"
"Na klar!! Was für Beeren werden wir suchen?", fragte Morgentatze aufgeregt. Sie liebte es, Beeren suchen zu gehen. Bevor jemand im Lager auch nur fragen konnte, wo sie hin wollten, waren die 3 Hasen gemeinsam durch das Lavendelfeld in den Wald gehoppelt.

Die Sonne verblasste bereits am Horizont, als Dschungeltatze, Morgentatze und Seetraum wieder im Lager eintrafen, und der Mond kam als große silberne Scheibe zum Vorschein. Wirklich: es war Vollmond. Begeistert schaute Dschungeltatze gen Himmel.
"Wow", sagte er. Er hatte noch nie einen Vollmond gesehen, und selbst wenn, wäre dieser hier der schönste gewesen, weil er ihn aus dem Wald betrachten konnte. Ohne zu wissen, was sie tat, drückte Morgentatze ihre Schnauze gegen Dschungeltatzes. Er schnurrte und schaute weiter auf den Mond. Seetraum betrachtete die beiden so eine Weile, dann trottete sie zu Wolkenlöffel, die wie gewohnt vor dem Brombeergestrüpp saß. "Wir sollten langsam gehen", murmelte Seetraum leise.
"Du hast Recht. Aber ich weiß noch nicht mal, wen ich mit nehmen will", sagte sie.
"Ich hätte das eine Idee...", sagte Seetraum. Danach verzogen sich die beiden in den Anführerbau. Plötzlich hörten Dschungeltatze und Morgentatze hinter sich ein rascheln. Dann erschienen zwei große Ohren, ein orangener, weiß gestreifter Körper. "Wollt ihr hier noch den ganzen Abend herumsitzen?", fragte Hellhoppel gut gelaunt, als er ganz erschienen war. "Nein, nur den halben", sagte Dschungeltatze gewitzt. Hellhoppel setzte sich zu ihnen. "Wisst ihr schon, was wir morgen machen?", fragte er sie. "Nein", gab Morgentatze zu. "Wolkenlöffel und ich werden euch auf eine ganz spezielle Reise mitnehmen!", sagte er und rieb sich vor Vorfreude die Pfoten. "Das wird ein Spaß!", sagte er.
Kurz darauf kamen Seetraum und Wolkenlöffel wieder aus dem Anführerbau. "Wir werden gleich los ziehen zur Zentralen Versammlung. Mitkommen werden folgende Hasen: Ich, Seetraum, Hellhoppel, Haselohr, Kleetatze, Moospfote, Dschungeltatze, Morgentatze, Bronzezahn und Maiglöckchenkralle. Alle anderen werden hier bleiben und das Lager bewachen", befahl Wolkenlöffel. "Die, die ich aufgezählt habe, mögen mir nun folgen", sagte sie und hoppelte in schnellem Tempo zum Lavendelfeld und mitten durch. Alle Hasen folgten ihr, Morgentatze, Dschungeltatze, Kleetatze und Hellhoppel waren zuhinterst.
"Wow, ihr habt ja mal Glück gehabt", staunte Hellhoppel, nachdem die anderen Hasen ein wenig voraus gehoppelt waren und sie nicht mehr hören konnten, "normalerweise nimmt Wolkenlöffel nie Schüler mit, die noch nicht so alt sind. Geschweige denn Hasen, die noch nicht so lange in der Gruppe sind", setzte er dazu. "Allerdings hast du ja auch schon ein wenig für die Gruppe getan: Du hast immer wieder Kräuter und andere Pflanzen für Seetraum gesammelt."
Wie auf ein Kommando erschien Seetraum und sagte: "Ja, und ich bin euch auch äußerst dankbar für eure Hilfe!"
"Es hat uns auch Spaß gemacht", sagte Morgentatze strahlend, die bisher nur mit halbem Ohr zugehört hatte. Sie hatte die ganze Zeit einen kleinen, ein wenig blutenden Riss in Dschungeltatze Rücken angestarrt. Da Seetraum sich nun zu ihnen gesellt hatte, sagte sie: "Seetraum? Ich glaube, Dschungeltatze blutet am Rücken!"
"Bist du dir sicher?", fragte Seetraum und ließ sich ein wenig zurück fallen, um Dschungeltatzes Rücken zu untersuchen. Dieser war verwirrt stehen geblieben.
"Also, auf jeden Fall habe ich nichts gespürt", sagte er. Seetraum drückte mit ihren Pfoten das Rückenfell vom graugrünen Hasen zurück und suchte die Wunde. Plötzlich fassten ihre Pfoten in etwas Rotes, klebriges.
"Stimmt. Du hast hier wirklich eine Wunde", sagte sie. An Morgentatze gewandt fuhr sie fort: "Das hast du sehr gut beobachtet."
Morgentatze war stolz, blieb aber, wie es eben ihre Art war, ganz ruhig und schaute lieber nach, ob Seetraum etwas gegen den Riss tun konnte.
"Ich gebe dir am besten ein paar Spinnweben, dazu träufle ich noch ein wenig Saft von Margeten-Blumen hinzu, das desinfiziert deine Verletzung. Wenn du willst, kann ich mich später im Lager noch mal darum kümmern, okay?", fragte sie, während sie Margeten-Blumen ordentlich zerkaute.
"In Ordnung", sagte Dschungeltatze und blieb stehen, damit Seetraum ihn behandeln konnte.
"Gut, die Blutung ist gestillt", sagte Seetraum nach einigen Augenblicken.
"Ich glaube, wir können wieder zu den anderen aufschließen, was meint ihr?", sagte Hellhoppel lächelnd, der die ganze Zeit neben Morgentatze gestanden war und interessiert dabei zugesehen hatte, wie Seetraum die Wunde reparierte.
"Ja, das glaube ich auch", sagte Seetraum und blickte skeptisch zu der Staubwolke, die sich in der Dunkelheit kaum ausmachen ließ, und die von den anderen Hasen, die zur Zentralen Versammlung wollten, gemacht wurde.
"Wir sehen uns später", murmelte Hellhoppel den beiden Schülern zu und rannte mit vollem Tempo nach vorn zu Wolkenlöffel, die sich etwa 25 Fuchslängen vor ihnen aufhielt. Morgentatze und Dschungeltatze rannten natürlich auch nach vorne, wenn auch etwas langsamer. Dschungeltatze wollte damit bezwecken, dass er kurz etwas unter vier Ohren mit Morgentatze reden konnte.
"Danke dass du Seetraum auf meine Wunde aufmerksam gemacht hast", sagte er an sie gewandt, als die beiden anderen weg waren. Morgentatze schmunzelte und sagte nichts.
"Nein, ehrlich. Das hätte nicht jeder getan", stellte er klar. Daraufhin drehte die hellbraune Häsin ihren Kopf in Dschungeltatzes Richtung und blickte ihm in die grünen Augen.
"Das war doch gar nichts", sagte sie lächelnd.
"Auf jeden Fall fand ich das wirklich nett von dir", schloss Dschungeltatze ab und seine grünen Augen glühten voller Wärme. Peinlich berührt schaute sie zu Boden. Als sie nichts machte, drückte Dschungeltatze sich an sie. Während er das machte, spürte er ein wohliges Kribbeln im Bauch.
Seltsam

, dachte er. Das war früher nicht so

. Mit diesem schönen und neuen Gefühl im Bauch verharrten sie einige Momente, bis Dschungeltatze bemerkte, dass die schon beinahe 100 Fuchslängen voraus war.
"Wir sollten gehen", sagte Dschungeltatze. Morgentatze nickte, und beide rannten so schnell sie konnten nach vorne zum Ende der Gruppe. Zuhinterst hoppelten Bronzezahn, Hellhoppel und Maiglöckchenkralle. Ein wenig weiter vorne befanden sich Haselohr, Kleetatze und Moospfote. Angeführt wurde die Gruppe selbstverständlich von Wolkenlöffel, die aufgeregt mit Seetraum redete. Dschungeltatze konnte, wenn er genau hinhörte, Wort wie "Territorien" oder "Namen" aufschnappen. Einen Zusammenhang konnte er allerdings nicht feststellen. Seine Überlegungen wurden unterbrochen, als er aus Versehen in Bronzezahn rein lief. "Was hast du denn für ein Problem?", knurrte der ihn an, woraufhin Dschungeltatze schnellstens zurück zu Morgentatze sauste. "Wo seid ihr überhaupt gewesen?"
"Wir waren bloß etwas langsamer", sagte Morgentatze, bevor der grau Hase zu Wort kommen konnte. Prüfend musterte Bronzezahn die beiden, und als nichts weiter geschah, stolzierte er nach vorne - Wo er in einen kleinen Busch knallte. Maiglöckchenkralle musste sich ein Lachen verkneifen, was ihr nicht sonderlich gut gelang. Bronzezahn fluchte und fauchte Kleetatze an, welche danach zu Moospfote hoppelte, sie an der Pfote nahm und nach hinten zu den beiden anderen Schülern schleifte. Bronzezahn wollte, als er Kleetatze anfauchte, bloß jemandem die Schuld geben, dass er in einen Busch gelaufen war und sie hatte das Pech gehabt, in dem Moment neben Bronzezahn zu laufen.
Bronzezahn stolzierte weiter zu Haselohr. Dieses Mal hatte er die Augen allerdings offen dabei, damit er nicht wieder gegen etwas lief. Er wechselte ein paar Worte mit Haselohr, der drehte sich daraufhin zu den Schülern um und warf ihnen - insbesondere Dschungeltatze - einen eiskalten Blick zu. Schaudernd schaute Dschungeltatze sich nach den anderen Schülern um. Diese tuschelten miteinander und versuchten, Haselohr einen ebenso kalten Blick zu zuwerfen. Danach mussten sie alle lachen und Dschungeltatze blickte sich zum ersten mal, seit sie zur Versammlung losgezogen waren, nach dem Mond um. Dieser stand schon ziemlich hoch, was allerdings bedeutungslos war. Er drehte den Kopf ein wenig und betrachtete aufmerksam seine Umgebung. Sie waren anscheinend immer noch in ihrem eigenen Territorium.
Wie auf ein Kommando sagte Wolkenlöffel genau in dem Moment: "Wir werden nun das Territorium der BlattGruppe betreten. Auf der Reise zu Zentralen Versammlung sowie zum Urgestein ist das erlaubt." Die Gruppe hoppelte ein wenig am Ufer des Wildstroms umher, bis sie einen dünnen Baumstamm fanden, der quer über den Fluss lag und mit dem sie gut auf die andere Flussseite kommen konnten.
Nachdem sie sich endlich alle auf dem Territorium der BlattGruppe befanden, schnaufte Dschungeltatze erleichtert auf.
"Zum Glück ist niemand hinein geplumpst", sagte er.
"Ja", meinte Morgentatze. "Wir haben Glück gehabt."
Dschungeltatze war noch nie im BlattGruppen-Territorium gewesen und fand es hier ziemlich angenehm. Zumindest, bis sie an den Waldrand kamen. Die Herbstblätter waren braun bis rötlich und manche sogar noch grün. Die grünen hinkten in der Zeit also ziemlich weit hinterher, denn es war schon fast Blattleere. Noch etwa einen Mond, und die ersten Schneeflocken würden die Bäume und den Boden bedecken. Dschungeltatze mochte die Blattleere, auch wenn er sie noch nie von außerhalb seines Geheges erlebt hatte. Er hatte keine Vorstellung davon, ob das Leben in der Blattleere im Wald schwer sein konnte oder nicht. Aber aus den Wänden seines Stalles aus hatte er die Schneeflocken mit ihrer grenzenlosen Freiheit beneidet. Zumindest hatten sie diese Freiheit, so lange sie lebten. Und das war in einer normalen Situation nicht lange der Fall, da Schneeflocken sich bekanntlich auflösten, wenn sie den Boden berührten. Aber diese Freiheit hatte Dschungeltatze ja nun auch, und er war auch stolz darauf.
Während er über all das nachdachte, vergaß er, dass er lief und wohin er lief. Als er wieder auf seinen Weg und auf seine Pfoten schaute, sah er, dass sie vor einem riesigen Berg standen, über dem eine schwarze Rauchwolke lag.
"Wir sind da", hauchte Morgentatze begeistert.
Nachdem sich die Truppe der TauGruppe etwa 60 Fuchslängen nach oben gekämpft hatte, fanden sich die Hasen vor einer großen Plattform wieder, über der die Sterne glitzerten.
"Wow", sagte Dschungeltatze entzückt. Auf der Plattform aus Stein gab es viele total unterschiedliche Gerüche, und schlagartig erinnerte sich Dschungeltatze an seinen ersten Tag im Wald und im Lager. Auf dem Felsplateau standen, mitten in einem natürlichen Teich, zwei große Bäume, deren Blätter trotz der einsetzenden Blattleere blühten. Dschungeltatze hatte es die Sprache verschlagen.
"Hier... ist... es... so schön", brachte er nur hervor.
Er drehte sich um und sah, wie Wolkenlöffel sich geräuschlos zu den Bäumen bewegte, wo bereits die anderen Gruppenanführer waren.
Federlöffel, der Anführer der BlattGruppe, begrüßte Wolkenlöffel mit einem Zucken der Ohren. Magmalöffel, der Anführer der FeuerGruppe, schnaubte verächtlich, als er Ahorntatze entdeckte, und da diese der TauGruppe angehörte, welche von Wolkenlöffel geleitet wurde, hatte Magmalöffel keine Lust, Wolkenlöffel zu begrüßen.
Ganz zu schweigen von Silberlöffel, der warnend knurrte.
Dschungeltatze beobachtete das Schauspiel vom Rande des Plateaus, weil er nicht unbedingt wollte, dass er beim beobachten entdeckt wurde. Plötzlich berührte ihn ein weiches Fell und er schaute sich um.
"Die Versammlung beginnt gleich", sagte die Häsin mit dem braunen Fell und den blauen Augen.
"Gut", sagte er und trottete hinter Morgentatze zur Mitte des Plateaus.
"Hallo, wer bist denn du?", fragte ein Hase, an dem sie gerade vorbei liefen.
"Ich?", fragte Dschungeltatze verwirrt. Erst nachdem er dies gefragt hatte, wurde ihm bewusst, dass Hasen aus anderen Gruppen noch gar nicht wissen konnten, wer er war. Mit Ausnahme der WaldGruppe natürlich.
"Ja, du", sagte eine Häsin, die an die Seite des ersten Hasen trottete.
"Ich bin Dschungeltatze. Und ihr?", fragte er höflich.
"TauGruppe, wie? Wir sind Kämpfer der BlattGruppe. Freut uns, deine Bekanntschaft zu machen", sagte der erste Hase, "Ich bin übrigens Erdbeerpelz. Und das da", er deutete mit den Ohren auf die Häsin neben ihm, "ist Weichfell."
"Toll", sagte Dschungeltatze.
"Wenn ihr uns nun entschuldigen würdet...", warf Morgentatze ein, die voraus gelaufen war und sich gefragt hatte, wo Dschungeltatze geblieben war. Er warf ihr einen dankbaren Blick zu, denn obwohl er die beiden BlattGruppen-Kämpfer sympathisch fand, wollte er wissen, was Morgentatze von ihm wollte.
"Schon gut", sagte Erdbeerpelz, der Dschungeltatzes Blick bemerkt hatte. Dann lief er mit Weichfell davon und die beiden verloren sich in der Dunkelheit.

Als sich Dschungeltatze und Morgentatze weiter zwischen den anderen Hasen hin und her drängelten, ertönte plötzlich ein lautes Jaulen.
"Die Versammlung beginnt!", zischte Morgentatze ihm ins Ohr und die beiden rannten zu dem Ort, wo die TauGruppen-Hasen sich niedergelassen hatten. Hektisch setzten sie sich zwischen Hellhoppel und die anderen Schüler. Kleetatze starrte gebannt zu den beiden Bäumen, wo die ganzen Anführer standen. Diamanttatze flüsterte Kleetatze etwas zu, was Dschungeltatze nicht verstehen konnte. Moospfote saß neben ihrer Mentorin Seetraum und schaute sie mit großen Augen an. Ahorntatze hatte es sich neben Maiglöckchenkralle gemütlich gemacht.
Federlöffel sprang auf und lief zur Felswand hinter den Bäumen. Er kletterte nach oben, und als er oben war, sprang er leicht wie eine Feder auf den Baum und ließ sich in einem tiefen Ast nieder. Wolkenlöffel machte es ihm nach, es folgten die anderen beiden Anführer.
Ohne ein Wort zu wechseln, begann Federlöffel die Versammlung: "Wir sind heute hier versammelt, weil die HimmelGruppe zu uns gesprochen hat. Seetraum, die Heilerin der TauGruppe, hat von der HimmelGruppe einen Traum empfangen. Seetraum, wärst du so nett uns würdest uns ganz genau schildern, welche Botschaft du in deinem Traum empfangen hast?", fragte er an Seetraum gewandt. Moospfotes Mentorin stand auf und lief zum Baum, auf dem die Anführer standen. Sie drehte sich zu der Menge um und Dschungeltatze sah in ihren Augen eine tiefe Weisheit.
Sie räusperte sich und begann zu sprechen: "Die HimmelGruppe hat zu mir gesprochen. Jedes Territorium wird von dieser Nacht an seinen eigenen Namen haben.
Die Territorien werden, nach Wunsch unserer Kämpferahnen wie folgt heißen: Das Territorium der TauGruppe wird den Namen Juweda

tragen.
Das Territorium der BlattGruppe heisst von nun an Dirama

.
Die FeuerGruppe wohnt ab jetzt in Furena

.
Das Territorium der WaldGruppe kann jetzt auch Fortuna

genannt werden.
So ist es der Wunsch der HimmelGruppe." Sie drehte sich um und lief zurück zu Moospfote.
Die anwesenden Hasen tuschelten aufgeregt, als könnten sie nicht glauben, was sie eben gehört hatten. Dschungeltatze verstand nun, weshalb alle Heiler und Anführer so aufgeregt gewesen waren. Ihm gefiel der Name ihres Territoriums. Die HimmelGruppe hatte eine gute Wahl bei den Namen getroffen.

Spurlos verschwunden…




Dschungeltatze erwachte und streckte sich.
Er hatte nicht gut geschlafen. Als die Truppe, die zur Zentralen Versammlung gegangen war, am vorigen Abend endlich nach Hause kamen, wollten sie ursprünglich allen anderen Hasen in allen Einzelheiten erzählen, was passiert war.
Doch alles, was sie gemacht hatten, war, dass sie in ihr Nest gingen, sich zu einer Kugel zusammen rollten und einschliefen.
Er gähnte einmal ausgiebig und schlug erst dann die Augen auf. Sein Blick schweifte müde über alle Schüler, welche noch friedlich schlummerten. Morgentatze lag neben ihm und ihre Flanke hob und senkte sich im rhythmischen Takt ihres Atems. Moospfote lag wieder einmal ganz zuhinterst im Bau, neben einem Bündel von verschiedenen Kräutern, der ihm bisher noch gar nicht aufgefallen war.
Vielleicht hatte sie ihn neu dort hin getan, man weiß es nicht, und Dschungeltatze wollte keine weitere Zeit verschwenden, um daran herumzustudieren. Ahorntatze lag neben Diamanttatze, beide schliefen ebenfalls noch.
Alles bestens

, dachte Dschungeltatze. Er trottete aus dem Bau und sah sich um. Er hatte zwei seltsame Gefühle.
Das erste war, dass ihn jemand beobachtete. Er drehte sich um und sah erfreut, wie Morgentatze aufwachte und zu ihm hinüber schaute. Das andere seltsame Gefühl war, dass er irgendetwas vergessen hatte. Er drehte wieder um und hoppelte zurück zur Felsspalte, die den Schülerbau bildete. Er ging alle Namen im Kopf durch. Er selbst; Dschungeltatze, Morgentatze, Diamanttatze, Moospfote, Ahorntatze, Kleepf...
Moment!, dachte er.
Seine Augen suchten nach dem ihm bekannten braunen Fell mit den goldenen Streifen. Er sah die Häsin nirgends.
Sofort sprang er auf. "Hast du Kleetatze gesehen?", fragte er Morgentatze, die gerade an ihm vorbei trottete, um auf dem Salat- und Karottenhaufen etwas essbares zu suchen. Blitzschnell drehte sie sich um.
"Kleetatze ist verschwunden?", fragte sie schockiert. So schnell sie konnten, hoppelten beide nach draußen. Auch hier war die braune Häsin nirgends. Morgentatze rannte zum Brombeergestrüpp, sie wollte Wolkenlöffel sprechen und rannte fast in die weiße Anführerin hinein. "Kleetatze ist verschwunden?", fragte Wolkenlöffel, nachdem Morgentatze mit ihrer Erzählung geendet hatte.

Wolkenlöffel hatte sofort eine Versammlung einberufen und 5 Hasen wurden als Suchpatrouille los geschickt. Diese fünf Hasen waren Morgentatze, Dschungeltatze, Diamanttatze, Haselohr und Vanilleflecke. Sie sprinteten durch das Lavendelfeld und hatten es in erstaunlich schneller Zeit überquert. Da sie keinen noch so geringen Anhaltspunkt hatten, wo Kleetatze sein könnte, gingen sie nach unten zum Territorium der WaldGruppe. Eigentlich hätten sie ja jetzt auch Fortuna sagen können, aber die neuen Namen sind gewöhnungsbedürftig.
Der Gestank wehte Dschungeltatze schon in die Nase, als er den Großen Baum noch nicht einmal sehen konnte. "Täusche ich mich oder stinkt die WaldGruppe heute mehr als sonst?", fragte Morgentatze und sprach damit seine Gedanken aus.
"Zurück bleiben!", zischte Haselohr dem Rest der Patrouille zu. Danach lief er ganz nahe zum Baum. Er schnupperte in der Luft herum und am Leuchten seiner Augen erkannte Dschungeltatze, dass Kleetatze nirgends war. Als Vanilleflecke ihm in die Augen sah, erlosch das Leuchten sofort. Um keinen Preis schien Haselohr zu wollen, dass jemand heraus fand, dass er erfreut über Kleetatzes Verschwinden war.
Sie beäugte ihn misstrauisch. Haselohr blickte kalt zurück.
„Weiter“, sagte er und setzte sich in Bewegung.

Die Bäume hatten über Nacht die komplette Hälfte ihrer gesamten Blätter verloren – seltsam, aber wahr. Bei jedem Schritt raschelten die Blätter unter Dschungeltatzes Pfoten. Er drehte sich um und bemerkte erst jetzt, dass er der hinterste der Patrouille war. Morgentatze hatte seinen Blick nach hinten gesehen und lächelte.
Er schaute Morgentatze an und beschleunigte sein Tempo, um mit ihr mit zu kommen. Sie wollte gerade etwas sagen, als Haselohr einen triumphierenden Schrei ausstieß. Dschungeltatze dachte eine Sekunde wirklich, dass er eine tote Kleetatze gefunden haben könnte, danach wurde ihm bewusst, dass er dann nicht vor dem ganzen Rest der Patrouille einen Freudeschrei ausgestoßen hätte.
„Alle herkommen, ich habe Kleetatze gefunden!“, schrie er hektisch. Die Hasen stürzten sofort einer Stelle etwas weiter vorne, an der Haselohr sich befand. Er blickte erfreut in eine tiefdunkle Höhle.
Dschungeltatze fragte sich ernsthaft, wie Haselohr in dieser Höhle überhaupt etwas erkennen konnte. Er schaute Ahorntatze, die bisher im Hintergrund geblieben war, an, und entdeckte in ihrem Gesicht die gleichen ungläubigen Züge.
„Hier drin ist sie! Ich kann sie riechen!“, sagte Haselohr. Dschungeltatze schnupperte angestrengt in der Luft, konnte aber keinen Geruch ausmachen.
„Willst du sie holen, Dschungeltatze?“, fragte Haselohr honigsüß. Ihm blieb keine Wahl. Wenn er nicht als Feigling dastehen wollte, musste Dschungeltatze jetzt wohl oder übel in diese vermaledeite Höhle gehen und darin nach jemandem suchen, der sicher nicht darin war.
„Wenn er geht, komm ich auch mit“, schaltete Morgentatze sich sofort ein.
Haselohr blickte sie an, als wollte er widersprechen. Vanilleflecke schaute Haselohr wütend an. "Wenn du schon nicht selbst in irgendeine fremde Höhle gehen willst, dann lass Morgentatze auch mitkommen, Haselohr!"
Haselohr schaute prüfend alle umstehenden an. Sie nickten und bestätigten damit den Satz Vanillefleckes.
"Na gut, nimm dein Schätzchen mit", spottete Haselohr und wandte sich einem Baum zu, der etwas abseits stand. "Wir warten hier auf euch. Falls ihr zurück kommt", fügte er hinzu und hoppelte träge zum Baum.
Morgentatze schaute Haselohr frustriert an, blickte sich nach Dschungeltatze um, nickte ihm zu und stürzte in die Höhle. Dschungeltatze schaute sich kurz nach Haselohr um, welcher ihn allerdings keins Blicks würdigte, und rannte danach hinter seinem "Schätzchen", wie Haselohr sie genannt hatte, her in die Höhle.

Von rabenschwarzen Raben und verräterischen Verrätern




Es war stockdunkel. Dschungeltatze sah seine eigene Pfote nicht vor Augen. Die Finsternis hatte bereits um sich gegriffen, als die beiden Hasen erst in die Höhle kamen.
Wie viel Zeit vergangen war, seit Haselohr Kleetatze angeblich gerochen hatte, wussten sie nicht.
Sie hatten überhaupt kein Zeitgefühl mehr.
"Morgentatze?", fragte Dschungeltatze ängstlich. Er wusste nicht, ob sie neben ihm war, vor ihm, hinter ihm oder an einem ganz anderen Ort.
"Hmm?", machte sie. Ihrem Klang nach war sie etwa zwei Fuchslängen vor ihm. Er schnaufte erleichtert auf. "Eine fuchsdumme Idee, Haselohrs Wunsch nachzugehen", sagte Morgentatze mit verächtlichem Unterton. Sie beide hassten Haselohr, und nach längerem Überlegen wusste er wirklich nicht, wieso sie taten, was Haselohr von ihnen verlangte.
"Dschungeltatze?", fragte sie auch.
"Hmm?" Jetzt war er an der Reihe mit fragen.
"Also, ähm... Falls wir hier... sterben, wollte ich dir nur noch sagen dass ich..."
KRÄÄÄH!
Ein unglaublich lautes Krähen ertönte ohne Vorwarnung. Ein großes, in der Dunkelheit nicht auszumachendes Wesen packte Dschungeltatze im Genick.
"Hilfe!", wollte er schreien, doch seine Stimme war gelähmt vor Schreck.
"Das war eine Falle!", rief Morgentatze schockiert. Sie sprang nach oben und wollte das schwarze Ding packen.
"AAAAAAAAAAAAAH!", rief Dschungeltatze aus Leibeskräften. "Morgeen..." Weiter kam Dschungeltatze nicht mit rufen, denn das schwarze Wesen schlug ihn gegen eine Wand, und er brach sofort bewusstlos zusammen.

"Dschungeltatze?", rief Morgentatze verängstigt. "Dschungeltatze?!", rief sie noch einmal, dieses Mal etwas lauter. Ein paar Minuten des Schreckens vergangen. Nichts regte sich und deshalb war es auch absolut still. Das schwarze Wesen war mit dem bewusstlosen Dschungeltatze schon längst weg - wahrscheinlich geflogen.
"DSCHUNGELTATZE!!???", schrie Morgentatze verzweifelt und versuchte, die tausenden von Tränen weg zu blinzeln, die ihr nun aus den Augen strömten. Sie sank auf den Boden hinab und drückte ihr Gesicht gegen einen Stein. Sie blieb schniefend liegen und rührte sich nicht mehr.

"Wo bleiben sie denn?", fragte Vanilleflecke nun schon zum 25. Mal. Fast der ganze Tag war vergangen, seit die beiden jungen Schüler in die Höhle gegangen sind. Nun ging die Sonne schon beinahe wieder unter.
"Sie werden es schon schaffen", sagte Diamanttatze.
"Hoffen wir es", sagte Vanilleflecke.

Dschungeltatze blinzelte. Er hatte keine Ahnung, wo er war. Behutsam öffnete er seine Augen ganz. Gleißendes Sonnenlicht strömte ihm entgegen. Die Sonne erschien ihm näher als gewöhnlich, aber er dachte, dass das bestimmt nur eine Einbildung gewesen war. Er stand auf und leckte sich das Fell sauber, wie jeden Morgen. Doch irgendetwas stimmte nicht. Erstens war es nicht Morgen, weshalb er aufhörte, sich zu putzen, und zweitens war seine Umgebung total unbekannt. Und noch etwas war anders: Morgentatze lag nicht neben ihm.
Da erinnerte er sich: Die Höhle, das Wesen, und... was danach war, wusste er nicht mehr. Angst überkam ihn. Er wusste nicht, was mit Morgentatze passiert war, und er wusste auch nicht, wo er war, und zu guter letzt wusste er auch nicht, wo das seltsame, fliegende Wesen war.
Plötzlich hörte er dasselbe seltsame Krähen wie schon in der Höhle. Vorsichtig schaute er sich um. Er befand sich auf einem Platz mit einem Boden aus Stöcken. Eine Wand hatte es auch. Ebenfalls aus Stöcken. Er überlegte angestrengt, wo er sich befinden könnte. Ein Zweibeinerhaus? Eine Baumhöhle? Ein Nest? Geschockt überkam ihn die Erkenntnis: Er war in das Nest des Untiers gebracht worden.
Panisch schaute er um sich und sah einen schwarzen Schatten in einer Ecke sitzen. Moment. Das war gar kein Schatten. Es war das schwarze Wesen, welches ihn entführt hatte.
Das schwarze Ding sah hässlich aus. Es hatte riesige, schwarze Schwingen und tausende schwarze Federn, welche ölig anzusehen waren. Dschungeltatze wäre am liebsten im Nestboden versunken. Wer wusste schon, was dieses Wesen einem alles antun konnte?
„Bitte, friss mich nicht!“, jammerte er hilflos.
„Schau mal, Kaninchen! Abendessen is imma gut“, sagte das Wesen. „Kaninchen zum Abendessen is imma gut!“, wiederholte das Wesen sich.
Dschungeltatze drückte sich in eine Ecke des Nestes, während das Wesen langsam, aber sicher auf ihn zu kam.
„Dies is dein Tod!“, rief das Ding. Es holte mit dem Schnabel aus und schlug ihn auf Dschungeltatze hinunter.
In dem Moment sauste etwas anderes durch das Nest, etwas weißes mit etwas braunem drauf, packte Dschungeltatze und flog mit ihm davon. Der Schnabel des Wesen schlug hart auf dem Nestboden auf und das Ding fluchte auf.
Dschungeltatze sah runter. Er war auf einem weißen Vogel gelandet. Und vor ihm saß… „MORGENTATZE!“, rief er höchst glücklich. „Ich habe dich so vermisst“, sagte sie.
„Willkommen zurück unter den lebenden. Schau mal nach unten“, forderte sie ihn auf.
„Wow“, staunte Dschungeltatze. Sie überflogen im Nu das Territorium der FeuerGruppe und waren jetzt schon über Fortuna. Langsam blickte der graue Hase zurück und sah – den Inaktiven Vulkan. Doch nicht nur das, oben auf dem Vulkan war ein von hier aus kleines Nest, über dem ein schwarzes Ding flog.
"Was war denn das

eigentlich?", fragte Dschungeltatze und deutete mit den Ohren abschätzig zum Vulkan hinter den beiden. "Ich habe Vanilleflecke gefragt, und sie wusste es. Es war anscheinend ein Rabe."
"Ein Rabe", wiederholte Dschungeltatze.
"Ein Rabe", bestätigte Morgentatze.
"Egal, wir sind ja jetzt in Sicherheit", sagte er glücklich und machte es sich auf dem Vogel gemütlich.
"Wie bist du denn eigentlich wieder aus dieser Höhle heraus gekommen?", fragte Dschungeltatze nach einiger Zeit.
"Ach, das war ganz einfach", log Morgentatze. "Naja - Nein. Eigentlich nicht. Vanilleflecke ist rein gegangen und wir sind uns durch puren Zufall gerade noch rechtzeitig begegnet. Ich wäre fast in einen Fluss gefall..."
"Da unten fließt ein Fluss?", fragte Dschungeltatze und unterbrach somit Morgentatze mitten in ihrer Erzählung.
"Ja?", sagte sie mit fragendem Unterton.
"Der Wildstrom?", fragte der graue Hase weiter.
"Ich weiß nicht, ich schaue doch nicht, wie ein Fluss heißt, wenn ich fast in ihn hinein falle", protestierte sie.
"Schon gut...", sagte Dschungeltatze und war wieder still.

Der Mond war bereits seit längerer Zeit aufgegangen, als die beiden Schüler im TauGruppen-Lager ankamen. Als Vanilleflecke die beiden Schüler sah, weiteten sich ihre Augen vor Freude und sie rief laut und deutlich in die Nacht: "Sie sind wieder da!"
Aus allen Bauen hoppelten Hasen und begrüßten die beiden Schüler.
Alle, außer einem: Haselohr kam nicht einmal aus dem Bau der Kämpfer. Morgentatze und Dschungeltatze wechselten Blicke.
Sie dachten beide das gleiche: Haselohr hatte beide in eine Falle gelockt. Doch seine Schuld kann nicht bewiesen werden, das wussten beide.
"Wir werden schon noch einen Beweis finden", sagte Dschungeltatze ihr leise.
Sie nickte, dann gingen die beiden müde in ihr Nest und schliefen sofort ein.

Die Reise




2 Tage, in denen nichts Aufregenderes geschah als dass Dschungeltatze sich fast in Dornen sein Fell zerhackt hätte, vergingen.
Dschungeltatze erwachte und blinzelte sich den Schlaf aus den Augen. Wie jeden Morgen blendete ihn das grelle Sonnenlicht, welches von außen in die Felsspalte, die den Schülern als Nest diente, fiel.
In den letzten beiden Tagen war die Sonne immer später aufgegangen und immer früher wieder untergegangen.
Er schaute nach draußen und stutzte. Zwei Sekunden ließ er seinen Blick draußen haften, dann schaute er schnell weg. Langsam ließ er seinen Blick noch einmal nach draußen wandern.
Tatsächlich. Er hatte sich nicht getäuscht.
Es schneite!
Seit einem Baumring hatte Dschungeltatze keine Schneeflocken mehr gesehen. So viele male hatte er sich bereits gefragt, wie Schnee schmeckt. Und auch, wie sich Schnee anfühlte.
Langsam verabscheute er die Vorstellung, immer noch hinter den Gittern der Zweibeiner zu sitzen und nichts machen zu können.
Vorsichtig eine Pfote vor die andere setzend kroch er aus dem Bau. Eine Schneeflocke landete auf seiner Nase und machte es sich da gemütlich. Dschungeltatze sah zu, wie sie durch seine Körperwärme langsam schmolz und ihm das Gesicht herunter rann. Es war ein wunderbares Gefühl, Schnee zu berühren.
"Na, auch auf den Pfoten?", fragte hinter ihm eine Stimme. Moospfote war eben aus dem Schülerbau getreten und schaute Dschungeltatze an. "Ja", sagte Dschungeltatze. Unwillkürlich dachte er wieder an ihren Kampf in der Nacht vor ein paar Sonnenaufgängen. "Hör mal, ich...", begann sie.
Ein graues Fellbündel schoss von hinten an Moospfotes Kopf und sie fiel vorn über in den seichten Schnee. "He!", rief sie spielerisch, als sie sah, dass es nur Diamanttatze gewesen war. "Schneeballschlacht!", rief Diamanttatze fröhlich.
Sie tollten eine Weile im Schnee und formten mit ihrer Pfote kleine Schneebälle, die sie dann mit der Schnauze aufnahmen und sich gegenseitig entgegenschleuderten.
Sie spielten so lange, bis das ganze Lager in Bewegung war. Als Dschungeltatze den hellen Kopf seines Mentors aus dem Kämpferbau schauen sah, trottete er zu den Brombeerranken. "Du siehst aus wie ein tiefgekühlter Schneemann", lachte Hellhoppel. Danach schaute er zum Schülerbau. "He, schau mal, wer da kommt!"
Morgentatze hoppelte schläfrig aus der Felsspalte und kam zu ihnen. "Guten Morgen! Bereit für einen neuen Tag Training?", fragte Hellhoppel gut gelaunt. "Aber immer doch", sagte Morgentatze. "Dschungeltatze und Hellhoppel in meinen Bau!", rief eine vertraute Stimme vom anderen Ende des Lagers her. Ihre weiße Anführerin saß vor ihrem Bau und sah zu ihnen herüber. Mentor und Schüler sahen sich an und hoppelten schnell zu Wolkenlöffel. Sie wussten nicht, was sie erwartete - Woher auch? Wolkenlöffel war sehr schwer zu durchschauen.
"Ich möchte, dass ihr beide mich zum Urgestein begleitet. Ich will mit der HimmelGruppe sprechen", begann sie ohne weitere Einleitung oder Begrüßung, als die beiden Hasen neben ihr standen. Dschungeltatze fragte sich, ob er sich verhört hatte. Seine Anführerin wollte ihn bei einer so wichtigen Angelegenheit dabei haben?
"Wann gehen wir?", fragt Hellhoppel.
"Jetzt gleich", gab Wolkenlöffel zur Antwort.
"Wie... wie lange werden wir weg sein?", fragt Dschungeltatze und schaute sich um. Die halbe TauGruppe hatte sich um sie versammelt und hörte ihnen zu. Morgentatze sah Dschungeltatze mit großen Augen an.
"Vielleicht den ganzen Tag. Vielleicht auch nur den halben. Oder zwei Tage", sagte Wolkenlöffel. Dschungeltatze drehte sich zu Morgentatze um, welche ihn traurig ansah.
"Bringt die Tonrablume", ordnete Seetraum an. Hellhoppel lief ans andere Ende des Lagers und verschwand in einer dunklen Höhle. Kurze Zeit später war er mit einer kleinen aber schönen Blume wieder bei den anderen. Wolkenlöffel starrte die Blume an und war offensichtlich in Gedanken versunken. Morgentatze und Moospfote, die vorsichtig näher tappten, schauten Wolkenlöffel interessiert an. Ohne Vorwarnung sprang sie auf, schaute sich hektisch um und ließ ihren Blick über Hellhoppel und Dschungeltatze streifen.
"Wir gehen", sagte sie kurz angebunden. Dschungeltatze konnte Morgentatze kaum noch "Bis später dann" zurufen, da wurden er und Hellhoppel schon von ihrer Anführerin weggezogen.

Als die kleine Patrouille das Lavendelfeld hinter sich gelassen hatte, schaute Wolkenlöffel sich um und schnupperte prüfend in der Luft. "WaldGruppe", sagte sie mit vor Ekel zusammengezogenem Mund und drehte sich nach links um. "Wir gehen über das BlattGruppen-Territorium", beschloss sie kurzerhand. Dschungeltatze und Hellhoppel blieb keine andere Wahl als ihr zu folgen.
Als sie schließlich den selben Baumstamm überquerten, der ihnen schon auf dem Weg zur Zentralen Versammlung über den Wildstrom geholfen hatte, überkam Dschungeltatze ein seltsames Gefühl der Freiheit. Er sog die frische Luft ein und erkannte den schwachen Geruch von BlattGruppe, gemischt mit dem frischer Beute. Jedoch konnten sie nicht anhalten, um zu jagen, da sie vor Sonnenuntergang beim Urgestein sein mussten.
"Weiter", sagte Hellhoppel, der seinen hungrigen Blick bemerkte, und beschleunigte sein Tempo, um mit Wolkelöffel mitzuhalten, welche permanent fünf Fuchslängen voraustrabte.
Dschungeltatze nickte kurz und hoppelte hinterher.
Auf der kleinen Reise kamen sie an wilden Margeten-Blumen vorbei und Dschungeltatze schnupperte daran. Sofort erinnerte er sich an die Reise zur Zentralen Versammlung, als Seetraum ihm solche Blumen auf seine kleine Wunde am Rücken gedrückt hatte. Er drehte den Kopf nach hinten und schaute nach der Wunde. Sie war gut verheilt und man sah sie nicht mehr, wenn man nicht wusste, dass die einmal da gewesen war. Hellhoppel blickte über die Schultern zurück. "Ich sage es noch einmal: Weiter!" Dschungeltatze legte den Kopf schief. Hellhoppel war sonst nicht so ungeduldig. Erst dann bemerkte er, dass Hellhoppel lächelte. Dschungeltatze grinste und rannte nach vorne zu Wolkenlöffel.

Dschungeltatze machte einen Schritt nach vorne. "Stopp", keuchte Wolkenlöffel warnend. Dschungeltatze drehte sich um und sah seine beiden Begleiter zu ihm rennen. Sie alle drei waren völlig außer Puste - Was auch kein Wunder war, so lange, wie sie bereits gehoppelt waren.
Die Sonne begann bereits, sich gefährlich schnell auf die Berggipfel hinab zu begeben, und daraus schloss Dschungeltatze, dass die Sonnenwelke schon längst vorüber war und der Sonnenuntergang einsetzte..
Wolkenlöffel trat vor und schaute ihn ernst an. "Wir begeben uns nun auf das Territorium der FeuerGruppe. Nur die HimmelGruppe weiß, ob wir in Furena Willkommen geheißen würden, wenn man uns entdecken würde, wenn man bedenkt, was Bronzezahns Patrouille getan hat. Ich kann euch also nur raten, vorsichtig zu sein, wenn ihr nicht unser aller Leben riskieren wollt."
Dschungeltatze staunte über die Worte seiner Anführerin. Er kannte Wolkenlöffel eigentlich nicht als Häsin, die einem Angst macht, sondern als solche, die einem Mut macht und immer zuversichtlich und optimistisch voraus schaut. Aber er nahm es, wie es kam, und nickte. Hellhoppel machte es ihm sofort nach.
"Nun gut, folgt mir", sagte Wolkenlöffel und trat über die Grenze. Augenblicklich schnellten ihre Ohren auf den Körper herunter.
Hohe Farnwedel versperrten der Gruppe den Blick auf das, was vor ihnen lag. Dschungeltatze fuhr die Krallen aus. Er rechnete nicht damit, sie benutzen zu müssen, aber sicher war sicher. Wolkenlöffel seufzte leise und bog die Farnwedel zur Seite.
"TauGruppe", bemerkte der Hase, der hinter dem Farn auf sie gelauert hatte, als er kurz schnüffelte. "Das wird Magmalöffel gefallen."
Dschungeltatze war vor Schock erstarrt. Mit dem hatte er überhaupt nicht gerechnet.
"Wir sind auf der Reise zum Urgestein. Ihr dürft uns nichts tun", schaltete Hellhoppel sich ein. "Wir sind auf der Reise zum Urgestein", äffte der Hase der FeuerGruppe ihn mit der Stimme eines Jungen nach. Der Hase gab mit einem Zucken seiner Ohren ein Signal, und auf der Stelle erschienen fünf von seinen FeuerGruppen-Kumpels. "Ihr habt keine Chance", machte der erste Hase der Grenzpatrouille den TauGruppen-Hasen klar.
Dann griffen die Kämpfer der FeuerGruppe an.

Morgentatze leckte sich die Brust und sah sich um. Das Lager sah seltsam verlassen aus, wenn Dschungeltatze nicht da war. Sie hörte auf zu lecken und trottete langsam zur Felsspalte. Diamanttatze, die darin lag und etwas mit ihrer Halbschwester Ahorntatze besprach, blickte auf. "Bedrückt dich was?", fragte Diamanttatze, als sie Morgentatzes Blick bemerkte. "Nein nein", winkte Morgentatze ab und legte sich erschöpft hin.
Eine Weile lagen sie still da. Dann setzte Ahorntatze sich auf und hoppelte aus dem Schatten. "Komm mal mit", sagte sie an Morgentatze gewandt. Diamanttatze legte den Kopf schief und schaute Ahorntatze fragend an. Diese sagte, ohne sich umzublicken, "Bin gleich wieder da" und lief hinaus in das Lager. Morgentatze schaute Diamanttatze an, schüttelte den Kopf und hoppelte hinter Ahorntatze her.
"Wohin gehen wir?", fragte Morgentatze in dem Moment, in dem Ahorntatze Halt machte. Sie befanden sich unter dem Bau der Jüngsten, da, wo sie die verrotteten Karotten lagerten und zu Erde verwandeln ließen. "Hör mal", begann Ahorntatze. Morgentatze sah sie interessiert an und erkannte, dass es sich hier um ein ernstes Gespräch handeln werden würde. "Also, du magst doch Dschungeltatze, oder?", fragte sie stockend. Morgentatze wurde heiss unter ihrem Fell. "Ähm, ja", sagte sie und starrte Ahorntatze an. "Nun, meine Frage ist, ob...", ihre Stimme brach ab. Sie räusperte sich, aber blieb still. "Ja?", fragte Morgentatze aufmunternd, obwohl sie sich mehr als gut vorstellen konnte, was gleich die Frage sein würde. Ahorntatze holte tief Luft. "Liebst du ihn?"
Morgentatze wurde knallrot. Unzählige Gedanken rasten ihr gleichzeitig durch den Kopf. Ja

, war ihr erster Gedanke. Doch bereits nach zwei Herzschlägen wurde er durch die Wahrheit verdrängt. Nein

, dachte sie nun. Noch nicht.


"Nein", antwortete sie zögernd. "Er ist ein guter Freund, mehr aber nicht."
Das Noch

, welches vor dem Nicht stand, behielt sie für sich. Was ging das Ahorntatze an?
"War das alles?", fragte Morgentatze. Ahorntatze schaute sie mit einer seltsamen Mischung aus Stolz, Neugier und Ungläubigkeit an.
"Ja", sagte sie schließlich. "Nichts für ungut, okay?"
"Jaja", murmelte Morgentatze. Sie war mit den Gedanken bereits wieder ganz woanders.
Gemeinsam hoppelten sie durch den Bau der Jüngsten, quer über das Lager am Bau der Kämpfer vorbei und in die Felsspalte.
"Was habt denn ihr so lange gemacht?", fragte Diamanttatze und verdrehte die Augen. "Nichts", log Morgentatze sofort. Diamanttatze zog eine Augenbraue hoch, sagte aber nichts mehr.
Nach wenigen Pulsschlägen waren Diamanttatze und Ahorntatze wieder in ein Gespräch vertieft und Morgentatze eingeschlafen.

Dschungeltatze schnappte nach Luft. Der erste Hase der FeuerGruppe hatte Wolkenlöffel angegriffen, drei waren auf Hellhoppel losgegangen und zwei FeuerGruppen-Kämpfer attackierten Dschungeltatze. Der eine war Dunkelbraun, der andere orange mit roten Augen.
Dschungeltatze nahm Anlauf und wartete, bis die beiden Hasen von beiden Seiten auf ihn zu rannten. Im letzten Moment sprang er in die Höhe, die beiden Hasen, dumm wie sie waren, rannten gegeneinander und fielen zu Boden. Dschungeltatze kam herunter und biss sie so stark ins Bein, dass sie trotz ihrer Verletzung schreiend davonrannten.
Er drehte sich keuchend nach seinen Begleitern um und sah beide unverletzt auf dem Boden sitzen und sich ihre Wunden lecken. Die FeuerGruppen-Hasen waren nirgends mehr zu sehen.
Die Sonne war bereits fast vollständig unter den Berggipfeln verschwunden. Sie konnten von Glück reden, dass sie nicht mehr angegriffen wurden, ehe sie in eine hügelige Landschaft kamen. Dschungeltatze kannte diesen Ort nicht, und selbst Hellhoppel war noch fast nie hier gewesen. Er hoppelte weiter uns setzte eine Pfote auf den harten Steinboden.
Vor ihnen lag ein gigantischer Berg. "Da wären wir", sagte Wolkenlöffel. "Das Urgestein."

"Vertraue nicht jedem blind."




Dschungeltatze schreckte auf. Er musste wohl aus Versehen eingeschlafen sein. Er benötigte kurze Zeit, bis er sich erinnerte, wo er war.
Nachdem sie durch ein enges Loch in den Berg, den man "Urgestein" nannte, gehoppelt waren, hatte Wolkenlöffel sich erschöpft an die Wand gelehnt. Sie hatte gesagt, auf diese Art und Weise könne man mit der HimmelGruppe sprechen. Sie war so lange da gestanden, dass Dschungeltatze wohl eingeschlafen war.
Auf jeden Fall war sie nun verschwunden.
Hektisch schaute er sich um. Er entdeckte Hellhoppel, ebenfalls schlafend, neben einem großen, bläulich schimmernden Stein. "Hellhoppel! Wolkenlöffel ist weg!!", rief er panisch, nachdem er ihn wachgerüttelt hatte. Dieser murmelte etwas und hoppelte danach nach draußen. Dschungeltatze folgte ihm.
Wolkenlöffel lag draußen und schlummerte friedlich unter einer Buche. "Wolkenlö...", sagte Dschungeltatze, doch Hellhoppel wickelte ihm die Ohren um die Schnauze, damit er nichts mehr sagen konnte und bedeutete ihm mit einem Blick, still zu sein. Der hellbraune Hase legte sich neben seine Anführerin und schloss die Augen. Dschungeltatze machte es ihm nach. Während er so da lag, dachte er an all die schönen Momente, die er schon bei der TauGruppe erlebt hatte. Für nichts auf der Welt, und das wusste er ja schon lange, würde er diese Art von Leben und diese treuen Freunde hergeben!
Der Wind strich leise über die Wiese und lies die Blumen im Winde wehen. Dschungeltatze ließ seinen Blick zu den Wolken am nächtlichen Himmel wandern. Fasziniert ließ er seinen Blick ein paar Sekunden auf den weißen Formen haften und erkannte in dieser Zeit die unterschiedlichsten Hasengesichter. Er legte den Kopf in den Nacken und starrte den Mond an. Nach einiger Zeit erkannte er den Umriss seines Mentors einige Fuchslängen vor sich stehen. Wolkenlöffel stand neben ihm. "Wir gehen zurück!", rief sie ihm zu. Er hoppelte schnell zu ihnen und die Hasentruppe rannte zurück nach Hause.
Die Rückreise verlief reibungslos.

"Morgentatze."
Morgentatze hörte den Wind. Wer sollte schon um diese Zeit ihren Namen sagen? Sie machte sich nicht die Mühe, ihre Augen zu öffnen und zu schauen, wer sich anstrengte, zur Mondwelke in ihr Nest einzudringen und sie zu terrorisieren.
"Morgentatze!"
Der Wind hörte sich energischer an als vorhin. Morgentatze überhörte ihn trotzdem, rollte sich auf die Seite und schloss die Augen ganz fest, um wieder einzuschlafen.
"Morgentatze!!!"
Das leise Flüstern wurde zu einem Brüllen, und da Morgentatze nicht die Absicht hatte, indirekt das ganze Lager zu wecken, öffnete sie ihre verschlafenen Augen und sah - Haselohr vor sich.
"Was willst du denn hier?", fragte sie ein Spur zu laut.
"Psst, so weckst du ja noch das ganze Lager auf!", flüsterte der schwarze Hase eindringlich. "Folge mir bitte, da ist etwas wichtiges!"
Morgentatze stöhnte leise und verdrehte die Augen. Hatte niemand erbarmen mit ihr? Erst Ahorntatze und nun auch noch Haselohr. Trotzdem folgte sie ihm zögernd.
"Kommen wir gleich zur Sache", begann er. Sie waren direkt neben dem Ausgang des Lagers und hatten sich unter ein paar Lavendelstengel gequetscht.
"Dschungeltatze ist zurück", sagte er. Morgentatzes Herz machte einen kleinen Luftsprung, jedoch fragte sich ihr Gehirn, ob Haselohr sie allen Ernstes mitten in der Nacht aufweckte, bloß um ihr etwas mitzuteilen, das sie am nächsten Morgen sowieso erfahren hätte?
"Ich weiß, Grund zur Freunde und so weiter, allerdings gibt es mehr als einen Grund zur Annahme, dass er dich nicht mehr mag, oder dass er dich sogar hasst. Gru..."
"WAS?!!", schrie Morgentatze, woraufhin der schwarze Hase ihr die Ohren um die Schnauze schlug, damit sie still war und nicht die ganzen Hasen weckten.
"Grund Eins", fuhr Haselohr unbeirrt fort, "Er hat heute, als er zurück kam, einen missbilligenden Blick zum Schülerbau geworfen. Grund Nummer Zwei: Er wollte anfangs nicht einmal bei euch schlafen. Und der offensichtlichste, Grund Nummer Drei: Er hat mir folgendes gesagt: <Richte Morgentatze das aus: Ich hasse dich, wieso tust du immer zu gemein zu mir?>. Naja, ich habe dir..."
"NEIN!", rief Morgentatze am Boden zerstört. Sie schluchzte, versuchte, ihre Tränen zu unterdrücken. "DU LÜGNER!", schniefte sie. "Traurig, aber wahr." Etwas besser konnte

Haselohr gar nicht sagen.
Dann stürmte Morgentatze ohne ein weiteres Wort zurück in den Schülerbau, so weit wie möglich weg von Dschungeltatze.

Wolkenlöffel konnte in dieser Nacht kaum schlafen. Die ganze Zeit musste sie an das denken, was die HimmelGruppe ihr beim Urgestein gesagt hatte. Der Satz beschäftigte sie die ganze Zeit so sehr, dass sie nicht einmal richtig einschlafen konnte.
"Vertraue nicht jedem blind. Das Ohr wird einen schwarzen Tag bringen", hatte die Botschaft gelautet. Wolkenlöffel murmelte etwas und konnte danach endlich einschlafen. Beruhigt schloss sie die Augen und ließ sich in den Schlaf sinken.

Freundschaft verloren?




Dschungeltatze erwachte viel zu früh. Irgendetwas beunruhigte ihn. Er drehte sich nach rechts, da, wo Morgentatze immer schlief. Ihr Nest war kalt und nicht besetzt.
Panisch schaute er sich im Bau um. Sofort hatte er das schlimmste befürchtet, und er schnaufte erleichtert auf, als er sie in der anderen Ecke des Baus entdeckte.
Er fragte sich, wieso sie nicht wie sonst neben ihm geschlafen hatte und schlich leise zu ihr. Dschungeltatze legte sich neben sie und schlief nochmals ein.
Jemand rüttelte an ihm und er schlug die Augen auf. Über sich sah er das graue Gesicht von Diamanttatze. "Was is'n?", fragte er verschlafen. "Wir - Das heisst Kleetatze, ich und Ahorntatze - haben dich schon überall gesucht! Wieso bist du nicht bei Sonnenaufgang aufgestanden?", seufzte Diamanttatze.
"Was haben wir für Zeit?" Dschungeltatze sprang sofort auf und schlug sich in der Eile den Kopf an der Baudecke an.
"Ähm... Sonnenblüte", sagte sie nach einigem zögern.
Auf der Stelle hoppelte Dschungeltatze nach draußen. "Wo warst du

denn?", fragte Hellhoppel, als er zu seinem Mentor rannte. "Hab verschlafen... Wo ist Morgentatze?", sagte Dschungeltatze.
"Sie ist schon vorgegangen. Magst du heute lernen, wie man kämpft?", fragte Hellhoppel. "Ja, aber erst, nachdem ich herausgefunden habe, was mit Morgentatze los ist", beharrte Dschungeltatze und trottet davon. "Bis später...", rief Hellhoppel ihm hinterher.
Dschungeltatze traf sie hinter dem Bau der Jüngsten, da wo sie eigentlich immer war, wenn sie nicht in seiner Nähe war. "Was ist denn mit dir los?", fragte Dschungeltatze. Morgentatze blickte ihn nicht an, sondern ignorierte ihn. "Hallo? Was ist los?", fragte Dschungeltatze. Morgentatze ließ ihren Blick nachdenklich über sein Gesicht schweifen, fixierte ihn jedoch nicht darauf. "Ähm, ist etwas? Habe ich etwas gemacht?" Dschungeltatze wurde nervös. So kannte er sie überhaupt nicht.
Plötzlich schaute sie ihn an. "Du hasst mich."
"Wie bitte?", fragte Dschungeltatze sie irritiert.
"Du hasst mich", wiederholte sie sich.
"Das hast du eben schon einmal gesagt."
"Du hasst mich."
"Wie kommst du denn da drauf?", fragte Dschungeltatze empört. Er hatte keine Ahnung was heute mit Morgentatze los war. Daraufhin drehte Morgentatze sich wortlos um und stolzierte davon, zurück in den Schülerbau.
Dschungeltatze sah Hellhoppel mit großen Augen an. Der schüttelte den Kopf, was bedeutet, dass er auch nicht wusste, was mit Morgentatze los ist.
Urplötzlich wurde Dschungeltatze traurig und trottet langsam zum Lavendelfeld. Er drehte sich zum Lager um und setzte sich auf einen aus dem Boden ragenden Felsen.
Lange dachte er über alles nach, über Morgentatzes seltsames Verhalten, über Morgentatzes seltsames Verhalten und über Morgentatzes seltsames Verhalten. Er konnte nicht entschlüsseln, wieso sie ihn so sehr ignorierte. Hatte er irgendetwas getan, was sie gekränkt haben könnte?
Nein. Auf jeden Fall konnte er sich nicht an so eine Situation erinnern.
Und dann rollten ihm die Tränen über das ganze Gesicht. Bereits nach wenigen Sekunden war er total durchnässt und drehte sich erniedrigt weg vom Lager.

Wasser




Dschungeltatze drehte sich noch einmal um. Inzwischen konnte er keinen einzigen Baum mehr erkennen, der zu seinem Lager gehörte, so weit war er schon gehoppelt.
Nachdem Morgentatze ihn abgewiesen hatte und er sich auf den Felsen gesetzt hatte, hatte er den Entschluss gefasst, eine Zeit lang eine Auszeit zu nehmen. Und so kam es, dass er, den Blick die ganze Zeit auf seine Pfoten gerichtet, in eine Richtung davonrannte - in Richtung Fortuna.
Plötzlich wehte ihm der Gestank der WaldGruppe entgegen, und er kam zur Besinnung.
"Wo bin ich?", fragte er sich selbst. Er schaute sich um und erkannte am Horizont den Großen Baum, der die beiden Territorien der verfeindeten Gruppen voneinander trennte.
Dschungeltatze richtete seinen Blick wieder nach vorne und trabte weiter, als er ein leises Stöhnen neben sich vernahm. Verwundert drehte er den Kopf und suchte seine Umgebung ab. Sein Blick traf sich mit dem einer kleinen Katze, die mit ihren gelben Augen fast unnatürlich aussah. Dschungeltatze fuhr hoch, fuhr die Krallen aus und warf sich ins Gebüsch. Die Katze knurrte tief und flitzte ihm hinterher. Katzen hassten Hasen, so viel wusste Flecke nun auch. Moment. Flecke? Hatte Dschungeltatze sich gerade für Flecke gehalten?
Obwohl... möglich wäre es schon gewesen, da die Situation ziemlich ähnlich war wie die damals, als der Fuchs in sein Gehege eingedrungen war.
Die Katze stürzte sich mir ausgefahrenen Krallen auf Dschungeltatze und biss ihm in das Bein. Er jaulte auf und zog sein Bein zurück. Die Katze sprang zurück und startete einen neuen Angriff, indem sie sich mit den Krallen auf Dschungeltatze stürzte und sie ihm in die Brust rammte. Blut spritzte aus seinem Bauch. Voller Wut sprang Dschungeltatze wieder auf und schlug seine Zähne in ein Vorderbein der Katze. Die Katze kreischte, was Dschungeltatze dazu anspornte, noch fester zuzubeißen.
Als er die gelbäugige Katze schließlich losließ, rannte sie heulend in die Büsche davon.
Dschungeltatze spuckte Blut und schaute sich nach weiteren Katzen um. Er konnte keine entdecken, weshalb er etwas besorgt weiterhoppelte.

"Hast du Dschungeltatze heute schon gesehen?", fragte Vanilleflecke an Hellhoppel gewandt.
"Nein."
Hellhoppels Tonfall hatte eine Spur Traurigkeit dabei, was Vanilleflecke erschaudern liess. War Dschungeltatze etwas passiert?
Vanilleflecke trottete weg und ließ Hellhoppel alleine zurück. Dieser schaute sich um und suchte nach der bekannten dunkelbraunen Häsin. Nach kurzer Zeit fand er Morgentatze und hoppelte zu ihr. "Wie geht es dir?", fragte er sie.
"Ach, ganz okay...", war die Antwort, jedoch hörte man deutlich, dass ihr nicht wohl war. "Bist du dir sicher?", fragte er. "Jaja", sagte Morgentatze trotzig. "Magst du Dschungeltatze noch?", fragte er weiter.
"Nein."
"Wieso denn?"
"Weil er mich hasst."
"Woher willst du das wissen?"
"Haselohr hat es mir gesagt."
"Ach, und so etwas

glaubst du Haselohr?" Hellhoppels Ton war abschätzig, als er den Namen "Haselohr" nannte.
Morgentatze verstummte. Darüber hatte sie, seit sie ihm "Lügner" ins Gesicht gerufen hatte, nicht mehr gedacht. Nun, da Hellhoppel es erwähnte, erschien es Morgentatze sofort logisch. "Du hast Recht", sagte sie. "Ich will ihn wieder hier haben. Ich gehe ihn holen."


Ein weiteres Rascheln in den Blättern ließ Dschungeltatze aufhorchen. Hastig fixierte er seinen Blick auf einem Busch, gut zwanzig Fuchslängen neben ihm. Nachdem mehrere Sekunden lang nichts passierte, schüttelte er sich sein Misstrauen aus dem Fell und hoppelte schnell weiter. Voller Grauen wurde ihm wieder bewusst, dass er sich hier auf feindlichem Gebiet befand und von überall her angegriffen werden könnte.
Tschschsch.


Auf der Stelle fuhr Dschungeltatze nach hinten und sah sich einem kleinen, hellgrauen Hasen gegenüber. "So sieht man sich also wieder...", stellte der WaldGruppen-Hase ungerührt fest. "Was hast du auf unserem Territorium zu suchen, Flecke?

", sagte der Hase. Das letzte Wort spuckte er verächtlich aus. "Wer soll Flecke sein?", fragte Dschungeltatze herausfordernd. "Tja, wenn man dumm genug ist, um seinen eigenen Namen zu vergessen, hat man bestimmt nichts in Fortuna verloren", gab der kleine Hase zu bedenken. "Wenn man dickköpfig genug ist, vor einer Patrouille in Juweda aufzutauchen, hat man nirgendwo irgendetwas verloren, Weidenpelz.

" Auch er spuckte das letzte Wort aus, als ob es etwas ekliges zu Essen gewesen wäre.
"Du

bringst keine Sünde über meinen Namen, verstanden?", fragte Weidenpelz herausfordernd. "Wenn du meinst." Dschungeltatze funkelte seinen Feinden an.
Und dann rannte Weidenpelz los. Dschungeltatze reagierte blitzschnell und hoppelte mit Höchsttempo weg. Auf beiden Seiten neben ihm waren große Felder aus Dornenranken, die das Verstecken unmöglich machten. Er wusste, dass sein eigenes Territorium hinter ihm lag, aber Weidenpelz versperrte ihm den Weg zurück. Also blieb ihm nur der Weg geradeaus, und er wusste, dass ihn am Ende das Territorium der FeuerGruppe erwartete. Und nach dem Kampf mit der FeuerGruppe, als Wolkenlöffel mit Hellhoppel und ihm zum Urgestein gingen, mussten die Hasen der FeuerGruppe die TauGruppe hassen.
Er beschleunigte sein Tempo und sein Abstand zu Weidenpelz wurde größer. Er schlug sich durch dicke Büsche, rannte über schneebedeckte Blumen.
Und irgendwann sah er über den Bäumen, die noch immer zu Hunderten vor ihm lagen, die kreisförmige Spitze des Inaktiven Vulkans.
Noch einmal rannte er, so schnell er konnte, und innerhalb der nächsten zwei Minuten sah er Weidenpelz nicht mehr. Er hielt an und machte eine kleine Verschnaufpause.
Die Sonne ging langsam, aber stetig hinter den Bergen am anderen Ende vom Wald unter. Schaudernd wurde ihm bewusst, dass er den ganzen Tag damit verbracht hatte, entweder von seinem Lager weg zu rennen oder vor einem anderen Hasen zu fliehen. Er atmete heftiger. Er hatte immer noch nicht die leiseste Ahnung, was heute mit Morgentatze los gewesen war.
"Na? Auch schon da?", fragte etwas, leise und bedrohlich. Dschungeltatze fiel auf die Schnauze, denn etwas war mit voller Kraft von der Seite aus gegen seinen Körper gesprungen.
"Schon auf dem Boden? Soll das heißen, du machst schon schlapp?", höhnte die Stimme.
Er drehte seinen Kopf nach oben und sah sich einem roten Hasen, bei dem selbst die Krallen rot waren, gegenüber.
"Rotkralle!", fauchte Dschungeltatze den Hasen an, der ihn nun zu Boden drückte. Ahorntatze hatte den Namen damals erwähnt, als sie den Schülern von ihrem Unglück berichtete.
"Du kennst meinen Namen? Das macht die Sache um einiges leichter - für mich. Denn jetzt muss ich nicht unnötige Zeit damit verschwenden, mich dir vorzustellen, sondern kann gleich zur Sache kommen", sagte der Hase hinterlistig. Wie um klarzustellen, dass er mit "zur Sache kommen" töten gemeint hatte, drückte er sein gesamtes Gewicht auf Dschungeltatze, welcher kaum noch Luft bekam. Jeden Moment platzt meine Lunge

, dachte Dschungeltatze ängstlich.
In dem Moment ließ Rotkralle von ihm ab. "Aber ich will mal nicht so sein. Wenn ich dich bloß zerquetschen würde, müsstest du doch nicht leiden, oder etwa doch?"
Rotkralles Art, seinen Gegner einzuschüchtern, war wirkungsvoll. "Ich lasse dir zehn Sekunden Vorsprung, in der Zeit kannst du davonrennen. Danach werde ich die Verfolgung aufnehmen. Und... LOS!"
Dschungeltatze rannte zum zweiten oder dritten mal am selben Tag los. Er hatte aufgehört, es zu zählen, weil er wusste, dass ihn noch manche solche Wettrennen erwarten würden.
Eins.


Dschungeltatze hörte Rotkralles Wort deutlich und beschleunigte.
Zwei.


Er hatte bereits gute zwanzig Fuchslängen Abstand zu Rotkralle.
Drei.


30 Fuchslängen!
Vier.


Er machte jede Sekunde zehn Fuchslängen! Er würde sich nie von Rotkralle einholen lassen!
Fünf.


Sechs.


Sieben.


Acht.


Neun.


Zehn.


Nun hatte er tatsächlich hundert Fuchslängen Vorsprung, wenn nicht sogar etwas mehr. Rotkralle hatte jetzt keine Chance mehr, Dschungeltatze jemals einzuholen.
"Hab ich dich", schrie eine Stimme direkt neben seinem Ohr. Dschungeltatze fiel vor Angst um und überschlug sich mehrmals. "W-wer ist da?", fragte er zögernd. "Na, na. So redet man doch nicht mit einem Anführer

", seufzte die Stimme sarkastisch.
"Magmalöffel?", rief Dschungeltatze aus. "Wow, du bist nicht so dumm wie du mit deinem jämmerlichen Körper ausschaust. Ja, ich bin Magmalöffel, in der Tat. Und du bist einer aus der TauGruppe", Magmalöffel verzog bei dem Wort das Gesicht, "habe ich Recht?"
"Ja", stotterte Dschungeltatze. Gegen einen Anführer, den der FeuerGruppe, nicht zu vergessen, zu kämpfen, hatte Dschungeltatze sich nicht einmal in seinen kühnsten Träumen ausgedacht. Er hatte heute eigentlich auch schon genug, ja fast zu viele Kämpfe gehabt, wenn man es genau nimmt. In dem Augenblick beschloss er, wieder zu fliehen. Er schlug erst frech mit der Hinterpfote gegen den Anführer der FeuerGruppe, dann hoppelte er schnell weg. "Er hat einfach nicht den Mumm, gegen irgendwen zu kämpfen", meinte Rotkralle, als er schnaufend und stöhnend bei Magmalöffel ankam.

"Hast du heute schon etwas von Dschungeltatze gehört?", fragte Maiglöckchenkralle Vanilleflecke am nächsten Morgen. "Nein, leider nicht" Bedauernd schüttelte Vanilleflecke den Kopf.
Morgentatze versuchte sich irgendwie abzulenken. Ihretwegen war Dschungeltatze nicht mehr da. Wenn sie Haselohr bloß nie geglaubt hätte...
Sie zog sich in den Bau der Schüler zurück und dachte nach. Gestern hatte sie einen Versuch unternommen, Dschungeltatze zu suchen, aber sie kam gerade mal bis zum Anfang des Lavendelfeldes.
Sie wusste nicht, was sie ohne ihn tun würde, wenn er nicht zurück käme. Als Morgentatze bemerkte, dass sie weinte, versenkte sie ihren Kopf in Diamanttatze Fell, welche, nachdem sie Morgentatzes Traurigkeit gespürt hatte, in den Schülerbau gekommen war und sich neben Morgentatze gelegt hatte.

Dschungeltatze rannte schon wieder weiter. Mittlerweile änderte sich die Gegend, er kam in das Territorium der BlattGruppe und ließ Furena hinter sich. Heute Morgen hatte er total vergessen, dass er am Tag davor weggelaufen war und hatte sich auf eine neue Trainingsstunde mit Hellhoppel gefreut, bis ihm bewusst wurde, dass er geflohen war. Er wurde langsamer und trottete schweigend weiter. Mit seinen Ohren wusch er von den Baumwipfeln hängende Blätter zur Seite, die ihm im Weg waren und die Sicht versperrten. Heute hatte es bereits früh am Morgen geschneit, und Dschungeltatze stand bis zum Bauch im eisigen Schnee. Dschungeltatze blieb kurz stehen, jedoch nur um danach gleich wieder weiter zu gehen. Die Luft veränderte sich, einige Bäume ohne Blätter erschienen um ihn herum. Er wusste, dass er sich nun in Dirama aufhielt. Weit weg entdeckte er eine Patrouille, die gerade die Grenzen zwischen Dirama und Furena kontrollierten, Dschungeltatze aber nicht sahen. Dschungeltatze sah eine kleine Spalte im Fels, der neben ihm aus dem Boden ragte, und kroch darauf zu. Geräuschlos begab er sich hinein und blieb auch da.

Der nächste Tag brach an und im Lager machte sich Unruhe breit. Nun wurden schon zwei Hasen - Kleetatze und Dschungeltatze - vermisst. War die TauGruppe verflucht? Morgentatze lag seit gestern nur im Bau der Schüler und hatte überhaupt nichts anderes gemacht. Ebenso Diamanttatze, die ihr die ganze Zeit Gesellschaft leistete und sie aufmunterte.
Hellhoppel kümmerte sich zusammen mit Maiglöckchenkralle um Ahorntatzes Training, da alle anderen Schüler nicht mehr zum Training kamen. Kein Hase aus der TauGruppe konnte sich richtig auf sein Training konzentrieren. Alle außer Haselohr, was aber auch kein Wunder war. Er verzog sich hämisch grinsend in seinen Bau und schlief ein.

Dschungeltatze hockte am Ufer des Wildstroms. Gut drei Meter unter ihm schlugen kalte Wellen übereinander, bereit, jeden der in den Fluss fiel zu ertränken. Er schaute in die Fluten und stellte fest, dass er sich beruhigt hatte. Er konnte nur hoffen, dass er jetzt nicht entdeckt würde. "Hallo. Dschungeltatze, wenn ich mich richtig erinnere?", sagte eine Stimme hinter ihm. Dschungeltatze fuhr zusammen und verlor das Gleichgewicht. Er ruderte mit seinen Vorderpfoten, um nicht in den Wildstrom zu fallen, doch es war zu spät. Erdbeerpelz und Weichfell rannten zu ihm, in der Hoffnung, seine Pfote zu erreichen um ihn hochzuziehen, doch sie kamen auch zu spät.
Dschungeltatze fiel drei Meter in die Tiefe und wurde dann von der Macht des Wassers unter Wasser gedrückt. Wild zappelnd versuchte er, sich an die Oberfläche zu bringen, wurde jedoch sofort wieder nach unten gedrückt.
Würde er ertrinken?

Weg vom Fenster?




Blubb.


Mehrere Blasen sprudelten vom Grund des Wildstroms aus nach oben.
Die braune, golden gescheckte Häsin beäugte die Blasen, dann sprang sie ohne zu zögern in das kalte Wasser und tauchte unter.
Bereits nach wenigen Minuten hatte sie einen graugrünen Hasen herausgefischt, der aber nur noch ganz langsam atmete.
"D-Dschungeltatze?", fragte die Häsin entsetzt. Sie massierte ihm mit den Pfoten den Bauch, damit er wieder Luft bekam. Es dauerte etwa eine halbe Stunde, bis Dschungeltatze wieder normal schnell atmete und die Augen öffnete.
"Kleetatze!", rief er aus.
"Guten Morgen!", sagte Kleetatze fröhlich. Dschungeltatze sah sich um. Er und Kleetatze waren in einer großen Halle aus Steinen gelandet, in dessen Mitte ein unterirdischer See war. Fasziniert schaute er die Strukturen an und speicherte sie in seinem Gedächtnis ab.
Danach spielten die beiden eine Weile in der Dunkelheit, warfen einander in das Wasser oder spielten Pfotenball mit Steinchen.
Nach einiger Zeit fragte Dschungeltatze, wie Kleetatze damals eigentlich hier her kam. "Lange Geschichte...", meinte sie und gähnte. "Ich habe Zeit", grinste Dschungeltatze. "Na dann... aber du musst mir wirklich bis zum Ende zuhören!", stellte sie klar. "Muss ich ja sowieso, wir kommen hier eh nicht weg."
"Du erinnerst dich doch noch an die Zentrale Versammlung?", begann Kleetatze. "Na klar", antwortete Dschungeltatze, obwohl er diesen Tag bereits so gut wie vergessen hatte. "Auf dem Rückweg in unser Lager mussten wir ja den Wildstrom überqueren. Als ich gerade über den umgefallenen Baumstamm klettern wollte, wurde mir plötzlich schwindlig und ich verlor das Gleichgewicht. Ich fiel in den reißenden Fluss, wurde bewusstlos und bin erst hier wieder aufgewacht." Ihre Stimme zitterte ein wenig, als ob sie diese Erinnerungen aus einem gefrorenen See gebrochen und geschluckt hätte. Eine Weile saßen die beiden Hasen auf den kalten Steinen der unterirdischen Höhle.
Irgendwann fragte dann Kleetatze, wie Dschungeltatze zu dem Pech kam, ihr Schicksal zu teilen.
"Du weißt doch", begann er, "wie nahe ich und Morgentatze einander waren. Wir waren immer füreinander da..." "Du sprichst immer von "waren", als ob es nicht mehr so wäre! Was hat das zu bedeuten?", warf Kleetatze ein. "Hör mir bitte einfach zu, ja?", bat Dschungeltatze. Nachdem die gepunktete Häsin nickte, fuhr er fort. "Aber seit ein paar Tagen will sie einfach nichts mehr mit mir zu tun haben. Sie hat sogar behauptet, dass ich sie hasse. Leider weiß ich nicht, wieso sie plötzlich so denkt, aber ich habe einen Verdacht: Jemand hat sie angelogen, indem er ihr gegenüber behauptet hat, ich habe gesagt dass ich sie hasse. Ich habe keine Ahnung, wer unsere Freundschaft zerstören wollte, aber eines ist sicher", Dschungeltatzes Stimme zitterte merklich und drohte, zu versagen, "das ist diesem Jemand gelungen."
Kleetatze sah ihn bestürzt an. "Naja... wem aus der TauGruppe würdest du denn ein solches Verbrechen am ehesten zutrauen?", fragte sie nach einigem zögern. Als Dschungeltatze nicht reagierte, fragte sie: "Hellhoppel?"
Dschungeltatze schaute Kleetatze verwirrt an. "Nein! Mein Mentor würde so etwas nie tun!", stellte er klar. "Toll, in dem Fall haben wir ja schon einen weniger auf der Liste der Verdächtigen."
Danach fragte sie nach allen Kämpfern, die die TauGruppe zur Zeit hatte. Am Schluss hatten sie ein Resultat, dass sich zeigen konnte. Bloß zwei Kämpfer waren nicht von der Liste der Verdächtigen gestrichen worden.
Bronzezahn und Haselohr.
Nachdem ihnen das klar wurde, diskutierten sie mehrere Minuten darüber, wieso es Bronzezahn sein könnte, der Morgentatze etwas dummes in den Kopf gesetzt hatte, und wieso nicht, und weshalb es eher Haselohr gewesen sein musste und weswegen er nicht in Frage kam.
Das Ergebnis, wer der beiden es wahrscheinlich getan hatte, war ziemlich eindeutig:
Haselohr.

Für immer alleine?




Als Wolkenlöffel am nächsten Morgen aufwachte, tobte draußen ein heftiger Schneesturm. Sie stand auf, putzte sich kurz und hoppelte nach draußen. Bereits nach kurzer Zeit war sie noch weißer, als sie es sowieso schon war, und sie konnte sich nur noch mit Mühe bewegen, so sehr war sie schon am Boden fest gefroren. "Heute geht niemand auf die Jagd! Ich will nicht, dass auch nur einer von euch im Schnee stirbt!", rief sie, als sie ihre Schnauze wieder bewegen konnte. Augenblicklich gingen Maiglöckchenkralle und Hellhoppel, die vorher draußen gegen den Schneesturm angekämpft haben, zurück in den warmen Kämpferbau.
Nachdem auch Wolkenlöffel in den gemütlichen Anführerbau zurückgekehrt war, musste sie urplötzlich wieder an die Prophezeiung denken: "Vertraue nicht jedem blind. Das Ohr wird einen schwarzen Tag bringen."
Was hat das zu bedeuten?

, dachte sie. Des Rätsels Lösung schien so weit entfernt, und schon so oft hatte Wolkenlöffel versucht, hinter das Geheimnis dieser Botschaft zu kommen. Mit schwerem Herzen legte sie sich wieder hin und versucht, erneut einzuschlafen.
Morgentatze erwachte ein paar Stunden später und hatte sofort das Gefühl, dass ihr etwas fehlte. Sie schaute sich im Schülerbau um und entdeckte keinen graugrünen Hasen. Bekümmert drehte sie sich auf die Seite und rollte beinahe in Diamanttatze, die diese Nacht über neben ihr geschlafen hatte. Von dem Ruck erwachte die graue Häsin und sah Morgentatze an. "Guten Morgen", gähnte sie. "Hallo." Morgentatzes Stimme war noch immer voller Traurigkeit, da sie die ganze Zeit an Dschungeltatze denken musste.
Diamanttatze betrachtete sie und öffnete die Schnauze um etwas zu sagen, besann sich dann jedoch um und schloss sie wieder. "Hast du gehört? Heute darf niemand auf die Jagd gehen, alle müssen in ihren Bauen bleiben!", sagte Ahorntatze freudig, nachdem sie aus der Ecke des Schülerbaus zu den beiden Häsinnen gehoppelt kam. Sie hatte gehört, über was die beiden anderen Schüler gesprochen haben, und wollte das Thema wechseln, damit Morgentatze wieder zu etwas fröhlichere Stimmung kam. Diamanttatze verstand und versuchte, auch etwas zu dem Thema zu sagen. Nach einiger Zeit hatten sie Morgentatze dazu bewegt, sich aufzusetzen und auch zu sprechen.

Zur gleichen Zeit erwachten auch Kleetatze und Dschungeltatze. Das Wasser vom See in der Mitte der Höhle war über Nacht anscheinend zugefroren, so kalt war es draußen. Der Wind pfiff durch einige kleine Löcher in der Höhlenwand, was bedeutete, dass auf der anderen Seite dieser Wand nicht Stein sein konnte.
"Es muss einen Ausweg geben! Wenn wir hier herein gekommen sind, kommen wir auch wieder heraus", sagte Dschungeltatze. Er zitterte am ganzen Körper, denn hier unten, in der Höhle, war es ziemlich kalt. Es wäre auch kalt gewesen, wenn draußen kein Schneesturm getobt hätte.
"Schön wäre es", meinte Kleetatze seufzend.
Dschungeltatze hoppelte durch die ganze Höhle, entdeckte jedoch kein einziges Loch, welches groß genug war, um sich durch das Loch nach draußen zu quetschen.
Allerdings sah er nach genauerem hinschauen etwas anderes, das aber genauso hilfreich war: Ein Büschel Margeten-Blumen. Er erinnerte sich erneut an den Tag der Zentralen Versammlung und wie Seetraum ihm damals Margeten-Blumensaft auf seine Wunde geträufelt hatte, um sie zu desinfizieren. "Kleetatze? Komm doch mal hier her! Ich habe etwas interessantes entdeckt", rief er in Kleetatzes Richtung. Kleetatze, die hoffte, dass Dschungeltatze einen Ausgang gefunden hatte, hoppelte so schnell sie konnte zu ihm.
Dschungeltatze deutete mit den Ohren auf das Büschel Margeten-Blumen, und nachdem Kleetatze sie erblickt hatte, strahlten ihre Augen vor Freude. Sie hoppelte zum Büschel und riss es mühsam heraus, indem sie es mit ihren Zähnen packte. Mit vollem Mund trotteten die beiden zurück zu ihrem Lieblingsplatz in der Höhle. "Hast du eine Wunde?", fragte Kleetatze, nachdem sie das Bündel abgelegt hatte. Dschungeltatze untersuchte seinen ganzen Körper und konnte nur zwei kleine Risse an seinem Bein entdecken. "Muss mir wohl passiert sein, als mich der Wildstrom hierher gespült hatte...", meinte er, als er sein linkes Hinterbein von sich weg streckte, damit Kleetatze den Saft darauf drücken konnte. Etwas später machte Dschungeltatze dasselbe bei Kleetatze, und schon bald waren beide voller Margeten-Saft. "Aah, das tut gut", meinte Kleetatze, als sie sich hinlegte und den Saft, so gut es ging, trocknen ließ. "Warte mal... Wir sind ja vom Wildstrom hierher gespült worden", sprach Dschungeltatze mit nachdenklicher Miene. "Ja?", sagte Kleetatze und guckte ihn an. "Demnach muss es hier her eine Verbindung durch den Wildstrom geben. Und da der Wildstrom irgendwo beim Inaktiven Vulkan aufhört, könnte es sein, dass wir uns im Vulkan befinden!"
Kleetatzes Augen leuchteten auf.
"Damals, als wir auf der Suche nach dir waren, hat Haselohr mich und Morgentatze gezwungen, in einer Höhle des Inaktiven Vulkans nach dir zu suchen. Ich wurde von einem Raben entführt, und als ich Morgentatze wieder sah, erzählte sie mir, dass sie beinahe in einen unterirdischen Fluss gefallen ist! Dieser Fluss muss

der Wildstrom gewesen sein!" Dschungeltatzes Augen glühten triumphierend. "In dem Fall müssen wir also nur dem Fluss, der hier drinnen endet, folgen, und schwupps

- schon sind wir wieder in einem Abschnitt der Höhle, den du kennst!", erklärte Kleetatze vorfreudig. "Okay, gehen wir", sagte Dschungeltatze und hoppelte los.
Sie mussten nicht lange suchen, bis sie einen Spalt auf Wasserebene fanden, durch den sie knapp passten. Mühselig quetschten sie sich durch.
Dahinter erwartete sie ein langer Tunnel, dessen Decke unglaublich tief hing. Den ganzen Weg über mussten sie sich ducken, damit sie überhaupt vorwärts kamen, aber gleichzeitig darauf achten, nicht den Kopf unter das strömende Wasser zu halten, das am Boden des Tunnels zurück in die große Höhlenhalle floss.
Nach - wie es schien - endlos langer Zeit öffnete sich der Tunnel gegen oben, und die Strömung des Wassers ließ nach.
"Und?", fragte Kleetatze. "Kommt dir diese Gegend bekannt vor?"
Dschungeltatze musterte seine Umgebung eindringlich, er durchwühlte seine Erinnerungen und erkannte plötzlich dasselbe Steinmuster in der Höhlenwand wie damals.
"Ja! Das ist die Stelle, an der der Rabe mich geholt hatte!", rief er aus. "Toll! Gehen wir nach Hause!", schnurrte Kleetatze und hoppelte Dschungeltatze hinterher, der ihr den Weg nach draußen zeigte.

Endlich wieder Freunde sein




Morgentatze stand an diesem Tag früh auf. Der Schneesturm, der noch gestern die ganze TauGruppe in ihren Bauen gehalten hatte, hatte sich über Nacht verzogen. Der Schnee lag allerdings immer noch. Leise schlich die dunkelbraune Häsin aus der Felsspalte. Niemand hatte sie bemerkt.
Noch keine Hasenseele war um diese Zeit draußen anzutreffen. Nicht einmal Wolkenlöffel war schon draußen, und so ging Morgentatze eben alleine auf die Suche nach Dschungeltatze. Sie hatte sich vorgenommen, dass dies das letzte Mal sei, dass sie nach ihrem Freund suchen würde, danach würde sie akzeptieren müssen, dass sie ihn nie wieder sah.
Die Augen auf ihre Pfoten gerichtet, trottete sie zum Lavendelfeld. Die Sonne schien, und wenn man den vielen Schnee, der auf dem Boden lag, nicht beachtete, hätte man meinen können, es wäre Zeit der strahlenden Sonne.
Ein leises Schnarchen unterbrach ihre Gedanken. So schnell sie konnte, hoppelte sie zu dem Ort, an dem das Schnarchen am lautesten war. Ihre Augen weiteten sich überrascht, als sie zwei alte Freunde erblickte:
Eine braune, golden gepunktete Häsin und ein graugrüner, kleiner Hase.
"Dschungeltatze und Kleetatze sind wieder da!", rief sie, so laut, dass es wahrscheinlich sogar die FeuerGruppe gehört hatte. Es dauerte nur wenige Herzschläge, bis die halbe Gruppe angerannt kam, allen voran Hellhoppel und Wolkenlöffel.
Dschungeltatze blinzelte verwirrt, der ganze Lärm hatte ihn geweckt. Immer noch müde schaute er gerade nach oben, in die kristallklaren Augen von Morgentatze. "Na? Auch wieder unter den lebenden?", fragte sie und stupste ihn freundschaftlich in die Flanke. "Kann man so sagen...", sagte er. Irgendwoher wusste er, dass sie gerne wieder seine Freundin sein wollte - so etwas musste sie nicht aussprechen, Dschungeltatze spürte es einfach.
Kleetatze neben ihm blinzelte in das grelle Sonnenlicht, welches ihr Fell augenblicklich wärmte. Nachdem alle Hasen der Gruppe in das Lager zurückgekehrt waren, mussten Kleetatze und Dschungeltatze allen in allen Einzelheiten erzählen, was sie erlebt hatten.
Dies nahm den kompletten Tag in Anspruch.


Die Schatten, die die Hasen auf den Boden warfen, wurden immer länger. Die Sonne ging unter und färbte den Horizont rötlich. Wie schon so oft saßen alle TauGruppen-Hasen auf der Lagerlichtung und schauten dem Sonnenuntergang zu. Dschungeltatze saß ganz eng bei Morgentatze, Hellhoppel neben sich. Die Luft wurde langsam kälter, und ein paar Hasen begannen zu frieren.
Hellhoppel setzte sich auf und schaute Dschungeltatze an. "Du willst mir etwas sagen, habe ich Recht?", flüsterte er schmunzelnd. "Woher weißt du das? Auf jeden Fall wollte ich dich fragen, ob... ähm...", Dschungeltatze wurde etwas rot, "ich wollte dich fragen, ob ich diese Nacht etwas abseits des Lagers alleine mit Morgentatze verbringen darf..."
Morgentatze, die ihm mit einem Ohr zugehört hatte, musste leise lachen. Sie guckte ihn freundlich an und schaute dann ebenfalls zu Hellhoppel, um seine Antwort zu hören. "Klar dürft ihr das, ihr solltet bloß Morgen früh wieder hier sein, ich möchte euch endlich beibringen, wie man jagt", sagte Hellhoppel.
Dschungeltatze und Morgentatze schauten sich begeistert an.
"Nicht so schnell, als allererstes kommt ihr mal schön brav mit mir mit, ich will euch unbedingt etwas zeigen!" Seine Augen strahlten, als er das sagte. Hastig hoppelte er in Richtung Bau der Jüngsten.
Neugierig folgte ihm Dschungeltatze, und Morgentatze tappte hinter ihm her. Sie hörten schon von weitem, wie ein Junges schrie. Was hat das zu bedeuten?

, dachte Dschungeltatze und folgte Hellhoppel in den Bau.
Innen war es dunkel und trocken, so dass sich die Augen der beiden Schüler erst an die Lichtverhältnisse dort anpassen mussten. Als sie mehr oder weniger gut erkennen konnten, was im Bau war, begann Hellhoppel zu reden.
"Darf ich vorstellen? Meine Gefährtin Tannzapfzunge!" Hellhoppels Augen strahlten vor lauter Freude sogar durch die Dunkelheit. Dschungeltatze beäugte im halbdunkeln eine mittelgroße, braune Häsin, dessen Augen die Farbe von Bernstein hatte. "Hallo", nuschelte er in Tannzapfzunges Richtung. Er hatte diese Häsin noch nie gesehen, was ihn ziemlich irritierte. Er lebte nun ja schon ziemlich lange bei der TauGruppe und dachte, er würde mittlerweile alle Mitglieder der Gruppe kennen.
"Tannzapfzunge, das hier ist Dschungeltatze, er ist vor etwa einem Mond der TauGruppe beigetreten", er nickte in Dschungeltatzes Richtung, woraufhin Tannzapfzunge freundlich lächelte, "und das hier ist Morgentatze, sie solltest du ja eigentlich schon kennen."
Nachdem Tannzapfzunge zustimmend nickte, fuhr Hellhoppel fort. "Und das hier", er trottete weg und kam gleich darauf mit jemandem in der Schnauze zurück, "ist mein Junges, Flockenjunges. Es ist gerade eben zur Welt gekommen." Stolz zeigte er sein Junges den beiden Schülern, deren Augen groß vor staunen waren - sie hatten ja nicht einmal gewusst, dass Hellhoppel eine Gefährtin hatte!
Ein paar Herzschläge lang sahen sie dem neugeborenen Jungen beim Schreien zu, dann sagte Morgentatze zu ihrem Mentor: "Dürfen wir nun gehen?"
"Na klar", meinte er und schaute ihnen hinterher, als sie das Lager über das Lavendelfeld verließen.
Junge Hasen... Immer so ungeduldig und voller Tatendrang...

, dachte er und seufzte. Dann wandte er sich wieder seiner neuen Familie zu und musste grinsen.

Lügen auffliegen lassen




Die beiden Schüler hatten sich unter einer Birke niedergelassen und lagen nun da. Sie erzählten sich, was sie getan hatten, während der jeweils andere nicht da gewesen war und mussten manchmal schon fast lachen. "...Und weißt du, was das schlimmste dabei war? Ich habe Haselohr sogar geglaubt", endete Morgentatze mit ihrer Erklärung, weshalb sie dachte, dass ihr Freund sie hasste. "Das habe ich mir schon gedacht", seufzte Dschungeltatze. "Ehrlich?", fragte Morgentatze bewundernd. "Ja - Kleetatze und ich haben uns in der Höhle unten überlegt, wieso du mich hassen könntest, und das war die logischste Variante."
"Oh Dschungeltatze... Es tut mir so Leid...", meinte Morgentatze, während ihr eine kleine Träne über die Backen rollte. Dschungeltatze schwenkte den Kopf zu ihrem herüber und wischte die Träne mit einem seiner Ohren weg. "Es muss dir nicht Leid tun. Jeder wird mal angelogen", sagte Dschungeltatze. Dann wurde seine Stimme wieder ernst. "Es tut eher mir Leid, weil ich so schnell beleidigt war und mich selbst und sogar dich in Gefahr gebracht habe. Ich verspreche dir, dass ich nie wieder so fuchsdumm handeln werde", schloss er ab.
Danach kuschelten sie sich ganz fest aneinander und Dschungeltatze schlief sofort ein, umhüllt von Morgentatze vertrautem und süßem Duft.
"Dschungeltatze, ich l...", wollte Morgentatze sagen, endete jedoch peinlich berührt, als sie bemerkte, dass der graue Hase, der direkt neben ihr lag, schon tief und fest schlief.
Sie lächelte und drückte sich etwas fester an Dschungeltatze Fell, damit sie in der kalten Nachtluft nicht fror. Als ihr wieder warm wurde, machte sie die Augen zu und schlief leise schnurrend ein.
Am nächsten Morgen erwachten die beiden Hasen ziemlich früh. Sie putzten sich rasch und hoppelten dann durch das Lavendelfeld zurück in das TauGruppen-Lager.
In der Nacht war schon wieder Schnee gefallen, der nun die Fichten, die um das Lavendelfeld herum standen, weiß färbte.
Das Licht der langsam aufgehenden Sonne spiegelte sich in der weißen Pracht, dass es den Augen weh tat.
Als Dschungeltatze und Morgentatze im Lager ankamen, war schon sehr viel los.
Hellhoppel war bereits vorgegangen, er wollte schauen, ob man bei so viel Schnee überhaupt trainieren konnte. Das hatte zumindest Maiglöckchenkralle gesagt, bevor sie mit Ahorntatze auf einen Rundgang durch ihr Territorium ging.
Kleetatze trottete aus dem Bau der Schüler, über das ganze Gesicht strahlend. "Endlich habe ich wieder einmal anständig schlafen können", seufzte sie träumerisch.
Diamanttatze kam hinterher und zog die golden gepunktete Häsin aus dem Lager. "Jetzt muss du aber auch wieder was jagen gehen!", erklärte Diamanttatze ihr schnippisch.
Dschungeltatze grinste, als Kleetatze laut protestierte.
Seetraum kam aus dem Bau der Heilerin und wartete auf Moospfote, welche sie nicht lange warten ließ. Gemeinsam gingen die zwei aus dem Lager. "Kräuter suchen", rief Moospfote über die Schultern zurück, als Dschungeltatze fragte, was sie vorhatten.
Und schon waren sie die einzigen Schüler der TauGruppe, die sich zur Zeit im Lager befanden.
"Bis Hellhoppel kommt, können wir ja nochmal zu Tannzapfzunge gehen! Ich möchte Flockenjunges wieder sehen", schlug Morgentatze vor. Die beiden hoppelten in den dunklen Bau und hörten das Junge schon von weitem. "Oh, Hallo, ihr zwei", begrüßte sie Tannzapfzunge. "Guten Morgen. Wie geht es euch?", fragte sie. "Och, ganz gut. Wir warten gerade auf Hellhoppel. Weißt du, wann er wieder zurück kommt?", fragte Dschungeltatze und setzte sich hin. "Er sollte eigentlich gleich wieder hier sein...", meinte Tannzapfzunge.
Gerade in dem Moment kam Hellhoppel in den Bau der Jüngsten gehoppelt und fragte sich wahrscheinlich, wieso alle lachten. "Ah, da sind ja auch meine beiden Schüler. Gehen wir heute lernen, wie man jagt?", fragte er. Der hellbraune Hase war gut gelaunt wie immer.
Dschungeltatzes und Morgentatzes Interesse war sofort geweckt. Die beiden Hasen sprangen auf, verabschiedeten sich rasch von Tannzapfzunge und rannten fröhlich nach draußen in die Lagerlichtung. Hellhoppel musste wieder schmunzeln und folgte ihnen.
"Wo gehen wir heute hin?", fragte Morgentatze neugierig.
"Heute besuchen wir die Weite Ebene, der Trainingsplatz der TauGruppe", erklärte Hellhoppel.
"Weite Ebene?" Dschungeltatze hatte davon noch nie was gehört.
"Du wirst sie noch früh genug sehen", meinte Hellhoppel und legte an Tempo zu, als sie die Hälfte des Lavendelfelds hinter sich gelassen hatten.
Ein paar Minuten später standen alle drei Hasen vor einer riesigen, flachen Ebene, durch dessen Schneedach man einzelne Grashalme erkennen konnte.
"Wow..." Morgentatze ließ ihren Blick langsam über die weiße Fläche streifen. Überall um die von Schnee bedeckte Ebene warfen gigantische Zedern einen überdimensionalen Schatten auf den Boden.
"Ist das also die große Ebene?" Dschungeltatze schaute zu seinem Mentor hinüber.
"Weite Ebene", korrigierte ihn Hellhoppel. "Und ja, das ist sie."
Auch Dschungeltatze betrachtete den Trainingsplatz der TauGruppen-Schüler eingehend. Er konnte nicht viel mehr erkennen als die Bäume, die um die große Lichtung standen und vereinzelt ein paar Grashalme, die unter der dicken Schneedecke hervorlugten, aber seine jetzige Umgebung gefiel ihm.
Dschungeltatze schaute über die Schultern zurück und konnte einen dunkelbrauen Körper erkennen, der in geduckter Haltung durch die Büsche glitt. Erst dachte er, es sei Morgentatze, als er sie jedoch neben sich sitzen sah, kam ihm ein anderer, dunkelbrauner Hase in den Sinn.
"Dschungeltatze, kommst du?" Seine Mitschülerin trottete bereits hinter Hellhoppel her, der sie zur Mitte der Weiten Ebene führte. Der graue Hase schüttelte sich und als er nochmal nach hinten schaute, war der braune Hase verschwunden.
"Ich komme ja schon!", rief Dschungeltatze und hoppelte seinem Mentor nach.

Der Tag ging zu Ende, indem die Sonne sich unter die Berggipfel in der Ferne begab und sich Kälte über das Lager senkte. Dschungeltatze war Fix und Fertig. Den ganzen Tag hatten Morgentatze und er mit Hellhoppel trainiert. Der hellbraune Hase hatte ihnen viele Kampftricks beigebracht, und sie konnten für das, dass sie erst einen Tag lang übten, schon erstaunlich gut kämpfen.
Dschungeltatze ließ sich auf sein Nest fallen, welches mit Moos weich gepolstert war. Sein Atem ging schnell, denn die drei Hasen waren nach ihrem Training ziemlich hastig zum Lager zurückgeeilt.
Morgentatze legte sich neben ihn. Die Sterne am Himmel funkelten schon, und alle anderen Schüler lagen auch schon im Bau.
Dschungeltatze versuchte einzuschlafen, was ihm aber erst gelang, als sich Morgentatze noch etwas fester gegen ihn drückte.

"Dschungeltatze, wach auf!" Ein Stimme flüsterte eindringlich in Dschungeltatzes rechtes Ohr. Blinzelnd schlug er die Augen auf. Sein Blick traf den von Morgentatze, die sich über ihn gebeugt hatte. "Was ist?", fragte er verschlafen. Mondblüte war bestimmt bereits vorbei, und er fragte sich, was Morgentatze um diese Zeit von ihm wollen könnte.
"Komm! Ich muss dir etwas zeigen!"
Verwirrt folgte der grünliche Hase ihr in das Lavendelfeld. Bald schon hörte er die Stimme zweier Hasen, die er ziemlich gut kannte.
"Hör dir das

mal an", befahl sie und zuckte mit den Ohren in die Richtung, aus der die Stimmen kamen. Ihre Augen waren bekümmert geweitet, und in ihnen spiegelte sich ein Gefühl, welches Dschungeltatze bei ihr noch nie gesehen hatte: Wut.
"Na los", drängte sie ihn. Dschungeltatze schlich durch den duftenden Lavendel und ging in Deckung, als er seine Ohren in die Richtung, aus der die Stimmen kamen, streckte, um den Worten der beiden Hasen zu lauschen.
"Ja. Also bin ich zu dieser dummen Häsin gegangen und habe ihr gesagt, ihr ach so bequemes Schätzchen habe mir gegenüber gesagt, dass eben er diese dumme Häsin", der schwarze Hase rümpfte die Nase, "hasst."
"Verstehe, aber wozu das ganze?", verlangte der braune Hase zu wissen. Der andere wollte gerade antworten, als Morgentatze vor Wut zu fest mit ihren Ohren zuckte.
"Was war das?" Die Stimme des braunen Hasen war nicht ängstlich, sondern ärgerlich.
Die beiden Schüler drückten sich fest an den Boden, in der Hoffnung, dass sie nicht entdeckt würden.
Der braune Hase blieb abgespannt und blickte forschend in der Gegend umher. "Lass uns gehen, bevor uns noch jemand sieht."
"Du hast recht, Bronzezahn, wir verschwinden besser." Der schwarze Hase machte sich bereit, zurück ins Lager zu gehen.
Bronzezahn!

Dschungeltatze war nicht in den Sinn gekommen, dass der Hase, der zwar manchmal etwas launisch war und den er noch am selben Tag hatte durch die Büsche schleichen sehen, mit Haselohr verbündet sein könnte. Alle seine Muskeln spannten sich an, und nachdem er merkte, dass Morgentatze neben ihm dasselbe tat, machte er sich bereit zum Sprung. Kurz bevor sie sprangen, machten die beiden anderen Hasen Kehrt und hoppelten zurück ins Lager. Die beiden Schüler sprangen trotzdem.
Aufgeschreckt von dem Geräusch, das entsteht, wenn man durch die Gegend hüpft, blickte Bronzezahn über die Schultern zurück und erstarrte.
"Haselohr, Vorsicht!", zischte er dem schwarzen Hasen zu. Haselohr drehte sich abrupt um und stand direkt vor Morgentatze.
Eine Weile lang geschah überhaupt nichts, dann begann Morgentatze zu sprechen.
"Ahaa", sagte diese in die Länge gezogen.
Wieder eine Pause.
Dschungeltatze funkelte unterdessen den Hasen mit dem weißen Streifen über dem Rücken an, das Gesicht wutverzerrt.
Zwar hatte er Haselohr die ganze Zeit über verdächtigt, aber dass er es nun tatsächlich gewesen war, schockte den grauen Hasen.
Morgentatze starrte abwechselnd zu Haselohr, zu Bronzezahn und an den Himmel. Ein einziger Stern, der etwas heller leuchtete als alle anderen, schimmerte grünlich.
Und auf einmal wusste die Häsin genau, was zu tun war.
Sie zuckte kurz mit dem Schwanz und Dschungeltatze verstand.
Nach dem dritten Mal spannte Dschungeltatze jeden einzelnen seiner reichlich vorhandenen Muskeln an.
Und dann rannte er los.
Der Kampf begann.

Leben oder Tod




Dschungeltatze flog auf Haselohr zu, während Morgentatze sich Bronzezahn vornahm. Wütend schlug er seine Krallen in das Fell seines Feindes.
"Was soll das?" Haselohrs Stimme klang kühl, während er tatenlos dabei zusah, wie Dschungeltatze ihm den Bauch mit den Klauen bearbeitete. "Willst du mich etwa kitzeln?"
Dschungeltatze ignorierte ihn und biss ihm in den Bauch. Haselohr zuckte zusammen und beschloss, dass er sich nun langsam zu wehren anfangen könnte. Ich hab ihn fürs erste genug verspottet.


Der schwarze Hase packte Dschungeltatze am Nackenfell und schlug ihn mit dem Gesicht nach unten auf den harten Boden.
Morgentatze kugelte gerade mit Bronzezahn durch das Feld und die beiden Gegner knickten dabei unzählige Lavendelstängel um.
Haselohr warf sich auf den abgelenkten Dschungeltatze, sodass er qualvoll aufstöhnte und biss ihm auch in den ungeschützten Bauch. Der Schüler boxte mit seiner sehr stabilen Ohren auf Haselohr ein, woraufhin er von ihm abließ, aber nur, um Dschungeltatze gleich nochmal zu attackieren.
Taumelnd suchte Dschungeltatze unter fünf besonders dicken Lavendelstängeln Schutz.
Große Stücke seines Felles fehlten am Bauch und er blutete an der Schulter. Schmerzen spürte er jedoch keine, bloß unbändige Wut.
In dem Augenblick rollten, sich wälzend, Morgentatze und Bronzezahn gegen die schützenden Stängel. Dschungeltatze hielt die Luft an, als er sah, dass Haselohr ihn entdeckt hatte.
Panisch schaute er sich nach einem Ausweg um und bemerkte, dass er sich immer noch im Lavendelfeld befand, also konnte er problemlos zurück ins Lager rennen. So schnell wie ein Metallfuchs der Kleinohren rannte er zurück in die Sicherheit des TauGruppen-Lagers.
Als er schließlich vor dem Lagereingang stand, blickte er über die Schultern zurück und erkannte Morgentatze, die mit unglaublicher Geschwindigkeit zu ihm hoppelte. Es vergingen nur wenige Herzschläge, bis sie keuchend vor ihm stand.
Der graue Schüler beruhigte sich gerade, als er sah, dass auch Haselohr angeprescht kam.
Die Augen des schwarzen Hasen waren zu Schlitzen verengt, als er sich erneut auf Dschungeltatze warf. Sein Atem stank fürchterlich, als er seinen Kopf senkte und Dschungeltatze mit rauer Stimme zuflüsterte: "Du hast die Wahl, Dschungeltatze. Entweder du, oder Morgentatze. Einer von euch wird eines schmerzhaften Todes sterben."

Das Rätsel der Prophezeiung




Dschungeltatze schlief schlecht. Nachdem Haselohr ihm die beängstigenden Worte zugeflüstert hatte, waren er und Morgentatze sofort zu Seetraum gegangen. Die Heilerin war ziemlich verdutzt gewesen, als zwei Schüler mitten in der Nach mit stark blutenden Wunden zu ihr kamen, hatte sie jedoch widerstandslos und ohne zu fragen verarztet. Nun wälzte er sich, wie es Seetraum ihm verordnet hatte, auf einem in Sedum und Margeten eingelegten Moosbett im Schülerbau.
Zögernd brach die Morgendämmerung an und der Dreiviertelmond verschwand am Horizont, während gegenüber die Sonne hervorkam und sich langsam Wärme über den Wald legte. Bald würde wieder eine Zentrale Versammlung stattfinden, und natürlich hoffte der graue Schüler, dass Wolkenlöffel ihn erneut mitnehmen würde.
"Dschungeltatze, wach auf."
Verwirrt blinzelte der graue Schüler sich wach. Er befand sich auf einer riesigen Lichtung, die vollständig von Eschen umgeben war. Dschungeltatze konnte sich nicht erinnern, jemals hier gewesen zu sein, aber trotzdem kam ihm der Ort irgendwie bekannt vor.
Irritiert schaute er sich um. Träumte er noch?
Er schwenkte seinen Kopf in Richtung Himmel und starrte ihn bestürzt an. Da, wo normalerweise die Sterne und der Mond waren, befand sich nur endlose Schwärze.
Und dann, ohne Vorwarnung, sträubte sich sein gesamtes Fell, sein Körper wurde ungewöhnlich schwer. Ihm wurde schwindelig, der Boden und der schwarze Himmel drehten sich um die Wette und ihm nächsten Augenblick verlor der Hase den Boden unter seinen Pfoten.
Der graue Schüler fiel kopfüber in die gähnende Schwärze des Himmels!

"Dschungeltatze! Wach bitte auf!"
Es war die gleiche Stimme wie eben. Zum zweiten Mal öffnete Dschungeltatze die Augen und fragte sich, ob er im Traum träumte.
Dieses Mal befand er sich in einer Kuhle so groß wie die Weite Ebene, und die Fläche war komplett von Farn bedeckt.
Vor ihm stand eine Häsin, die ihm nicht bekannt war, aber trotzdem kam sie ihm seltsam vertraut vor.
"Wer bist du?", ertönte Dschungeltatzes Frage.
Die Häsin war blau, blauer als Diamanttatze, und hatte rubinrote Augen. Als sie zu sprechen begann, schimmerte ihr Fell leicht golden.
"Sei gegrüßt, Dschungeltatze", sprach sie, und Dschungeltatze zuckte zusammen, als sie seinen Namen nannte.
"Ich bin Juweda, eine HimmelGruppen-Häsin. Ich habe einst die TauGruppe gegründet."
Der Schüler schaute die blaue Häsin bewundernd an, und sie fuhr fort: "Ich hab dir eine Botschaft im Auftrag der HimmelGruppe zu überbringen. Du sollst wissen, dass dies dieselbe Prophezeiung ist, die deiner Anführerin überbracht wurde."
Sie machte wieder eine Pause, damit Dschungeltatze alles aufnehmen konnte.
"Merke dir meine Worte gut, ich werde sie nicht wiederholen." Die Häsin der HimmelGruppe holte tief Luft. "Vertraue nicht jedem, ohne guten Grund dazu zu haben. Ein schwarzes Ohr wird einen Tag schwarz färben."
Dschungeltatze konnte nicht mehr tun, als sie anzustarren.
"Nun muss ich wieder gehen. Habe Mut, junger Dschungeltatze, dann wirst du überleben."
Die HimmelGruppen-Häsin begann, sich in blaues Licht aufzulösen. Der Schüler raffte sich zusammen und rief ihr hinterher: "Juweda, warte! Wann wird dies alles passieren?"
"Es wird nicht mehr lange dauern." Und damit war sie verschwunden.
Leise und wie aus weiter Ferne hallte die Prophezeiung nach: "Vertraue nicht jedem blind. Das schwarze Ohr wird einen schwarzen Tag bringen."
Dschungeltatze setzte sich hin und überlegte, was die Weissagung bedeuten könnte, als zum dritten Mal eine Stimme rief: "Dschungeltatze! Aufwachen!"
Wie in Zeitlupe verlor der grünliche Schüler jegliches Zeitgefühl. Ihm wurde übel und er blinzelte. Unglaublicherweise befand er sich nun in der Lichtung mit dem schwarzen Himmel, aber noch unglaublicher war die Tatsache, dass er gute Hundert Fuchslängen über dem Boden schwebte.
Die Übelkeit verschwand und er blinzelte erneut. Nun befand er sich wieder in seinem ursprünglichen Traum.
"Dschungeltatze!", ertönte die ärgerliche Stimme von eben. Etwas rüttelte an ihm, und als das nächste Mal blinzelte, lag er wieder da, wo er Tags zuvor eingeschlafen war: Auf seinem moosgepolsterten Nest im Bau der Schüler.
Über ihm schaute Morgentatze genervt auf ihn herab, doch als sie bemerkte, dass ihr Freund aufgewacht war, wurde ihr Gesichtsausdruck sofort freundlicher.
"Na, du Schlafmütze?", schnurrte sie und versetzte ihm einen liebevollen Klaps mit den Ohren.
Kleetatze trottete in den Schülerbau. Vermutlich war sie bereits auf die Jagd gegangen, als Dschungeltatze noch geschlafen hatte.
Als die golden gepunktete Häsin ihre beiden Gruppen-Kameraden erblickte, hoppelte sie erfreut zu ihnen und leckte ihnen zur Begrüßung die Ohren. Dann zog sie sich wieder einen Schritt zurück und musterte beide.
"Was ist denn mit euch passiert? Man könnte meinen, ihr habt gegen Zehn Kleinohre auf einmal gekämpft."
"Ach nichts..." Morgentatze log blitzschnell. Kleetatze beäugte die braune Häsin, anscheinend hatte sie bemerkt, dass ihre Freundin ihr etwas verschwieg. Sie zuckte die Schultern und hoppelte aus dem Bau. Doch gleich darauf kam sie wieder zurück, mit der Mitteilung, dass Hellhoppel sie sehen wollte. Dann trottete die Häsin weg zu ihrer eigenen Mentorin Vanilleflecke.
Dschungeltatze und Morgentatze starrten sich einen Moment lang an, und ihr Blick reichte aus, um sein Fell prickeln zu lassen. Dann, nach einem Augenblick der ihm wie Tausend Raumringe vorkam, schrien sie wie auf ein Kommando gleichzeitig: "Wer zuerst bei Hellhoppel ist!"

Schnell fegte Dschungeltatze das Farnbüschel beiseite, hinter dem das natürliche Tor aus besonders großen Zedern war, das den Eingang zur Weiten Ebene markierte. Ehrfürchtig hoppelte er in das Feld und wartete auf die anderen.
Fast den komplette Schnee war geschmolzen, und das Wasser hatte sich in der Mitte der Senke angesammelt. Interessiert lief er zum Wasser und streckte seine Zunge hinein. Schnell zog er sie wieder heraus. Das Wasser war erstaunlich heiß. Dschungeltatze setzte sich und begann, sich mit der Zunge das Fell zu waschen. Als er ein Geräusch hinter sich hörte, wandte er sich um, stand auf und trottete zu Hellhoppel und Morgentatze, die sich fünf Fuchslängen hinter ihm hingesetzt hatten.
"Was machen wir heute?", fragte er neugierig. Zögernd fügte er hinzu: "Ich will gerne mal lernen, wie man jagt."
"Und was willst du heute machen, Mo..."
"Ja! Jagen lernen!" Morgentatze hatte ihrem Mentor das Wort abgeschnitten, was ziemlich unverschämt war, doch als sie ein paar entschuldigende Worte murmelte, musste Hellhoppel grinsen.
"Wenn ihr jetzt auf die Jagd gehen wollt, dann folgt mir!" Mit diesen Worten lief der hellbraune Hase los durch den verlassenen Wald. Er wusste nicht, wie lange sie schon gehoppelt waren, aber es war ihm langsam ein genug langes Stück gewesen.
"Große Lichtung", erklärte Hellhoppel ihm. Nachdem sie durch einen verborgenen Holunderstrauch geschlüpft waren, fanden sich die drei auf einer Großen Lichtung wieder. "Wir sind da", fügte Hellhoppel hinzu.
Hellhoppel bedeutete ihnen mit einem Zucken seiner Ohren, ruhig zu sein. Ein paar Fuchslängen vor den dreien watschelte die seltsamste Gestalt herum, die Dschungeltatze je gesehen hatte: Ein Salat mit Augen, Mund und Füßen, der auf der Jagd nach einem Schmetterling war.
"Ein Salatling. Unser Lieblingsessen", erklärte Hellhoppel und sprang auf den Salat. Dieser quiekte erschrocken auf. Hellhoppel erledigte den Salatling blitzschnell und kam mit der Beute im Maul zurück.
"Schmeckt das wie gewöhnlicher Salat?" Dschungeltatze beäugte die Beute misstrauisch.
"Nein", meinte Morgentatze, "viel besser."
"Beißt rein", forderte Hellhoppel sie auf und legte den Salat vor den beiden Schülern ab.
Dschungeltatze holte tief Luft und...
Ein roter Vogel stürzte sich genau da hin, wo er eben noch gestanden hatte. Im allerletzten Moment hatte Dschungeltatze beiseite springen können.
Der graugrüne Hase suchte ängstlich den Himmel nach Zeichen des Vogels ab, aber es schien, als wäre er schon wieder verschwunden.
"Was... was war das?" Dschungeltatzes Stimme zitterte.
"Ein Lavagei. Er kommt nur, wenn der Inaktive Vulkan ausbricht, und das ist noch nie passiert."
Die Schüler stutzten und blickten mit offenem Mund in die Richtung, in der der Vulkan lag.
Sofort musste Dschungeltatze wieder an die Prophezeiung denken und an Juwedas letzte Worte: "Es wird nicht mehr lange dauern."
Angst, kalt wie ein gefrorener See kroch ihm den Rücken hoch. Langsam setzte er sich und überlegte fieberhaft erneut, was die Botschaft bedeuten könnte.
Vertraue nicht jedem blind

, war der erste Teil gewesen. "Ich vertraue weder Haselohr noch Bronzezahn", murmelte Dschungeltatze zu sich selbst, so leise, dass die beiden anderen Hasen kein Wort hören konnten.
Das Ohr wird einen schwarzen Tag bringen.

Das war der zweite Teil der Weissagung gewesen. "Das Ohr...", überlegte Dschungeltatze. "Ein Ohr... ein schwarzes Ohr... Ohr... Haselohr!", rief er aus.
Hellhoppel und Morgentatze schauten ihn verwirrt an, und in dem Moment traf ihn die Erkenntnis wie ein Blitz:
Haselohr wollte den Vulkan zum Ausbruch bringen!

Die einzige Möglichkeit




Dschungeltatze preschte atemlos durch das Lavendelfeld und machte nicht einmal Halt, um nachzusehen, ob ihm seine Freunde folgten. Schnell rannte er die kleine Erhöhung hinauf und hoppelte in das Lager, wo beinahe kein Hase war. Vermutlich waren alle auf der Jagd oder auf Patrouille. In der Ferne sah er, wie dunkle Rauchwolken aus dem Inaktiven Vulkan stiegen, und ein Schauder rann ihm dem Rücken hinunter.
Heftig atmend kam hinter ihm Morgentatze zum Stillstand. Hellhoppel folgte mit wenig Abstand.
"Was ist denn in dich gefahren?", brachte der hellbraune Hase heraus.
"Vulkan... Ausbruch... Lava...", keuchte Dschungeltatze und rannte durch das Lager. Vor dem Brombeergestrüpp machte er Halt und rief laut und deutlich nach Wolkenlöffel.
In dem Augenblick trat Diamantpfote ins Lager und trottete auf Dschungeltatze zu. Sie schaute ihn an und sagte: "Wolkenlöffel ist mit Vanilleflecke auf der Jagd."
Dschungeltatze zuckte merklich zusammen.
"Wieso?", wollte Diamantpfote wissen.
"Der Vulkan bricht gleich aus!", erklärte der Hase panisch. Er hoppelte hektisch durch das ganze Lager, auf der Suche nach Wolkenlöffel. Ihm fiel auf, dass weder Haselohr noch Bronzezahn hier waren. Er blickte zum Horizont, wo die Rauchwolken immer schwärzer wurden.
Ein Jaulen hinter im veranlasste ihn, sich umzudrehen. Wolkenlöffel und Vanilleflecke waren eben ins Lager gerannt. "Wolkenlöffel, der Vulkan...", hob Dschungeltatze an.
"Ich weiß!", rief die lichtfarbene Anführerin ihm zu, als sie sich in das Brombeergestrüpp warf und in ihrem Bau verschwand.
Kurz darauf kam sie mit einem kleinen, grüngräulich schimmernden Stein wieder, dessen Inneres rot leuchtete.
"Was ist denn das?", fragte Dschungeltatze verständnislos und deutete auf den Stein.
"Das ist... der Testorimestein. Wenn du ihn in Lava wirfst, wird er das ganze Lava in der Nähe in Luft verwandeln. Dschungeltatze. Es ist deine Aufgabe, den Stein in die Lava zu werfen, sobald der Vulkan tatsächlich ausbricht. Ich hoffe, du enttäuschst uns nicht", sagte Wolkenlöffel und seufzte tief. Dschungeltatze schaute sie überwältig an. Dachte seine Anführerin wirklich, dass er etwas so schwieriges schaffen könnte? Benommen nickte er, und Morgentatze blickte ihn stolz an, was ihm sofort neuen Mut machte.
Die weiße Häsin warf ihm den grünen Stein zu, er fing ihn mit der Schnauze auf und fragte ernst: "Was soll ich jetzt tun?"
"Wie gesagt, du reist zum Inaktiven Vulkan und wirfst den Stein in die Lava", sagte Wolenlöffel noch einmal.
Dschungeltatze schaute um sich. "Darf Morgentatze mitkommen?"
Seine Anführerin schaute ihn lange und durchdringlich an. Dann sagte sie zögernd: "Wie du willst."
Morgentatze sprang auf und gemeinsam rannten sie aus dem Lager. Nach dem Lavendelfeld schlugen sie die Richtung ein, die sie zum Wildstrom, also nach Dirama brachte. Bei der BlattGruppe wären sie sehr wahrscheinlich eher willkommen als bei der WaldGruppe.
Sie hoppelten zum umgeknickten Baumstamm, der über dem reißenden Fluss lag, und schauten bedächtig ins kalte Wasser. Beide hatten große Angst davor, hier drüber zu gehen, weil Dschungeltatze bekannterweise erst gerade in den Wildstrom gefallen war.
Die braune Häsin nahm all ihren Mut zusammen und trottete langsam über den Fluss. Dschungeltatze folgte ihr, den Blick auf das braune Holz unter ihm gerichtet. Als sie nach einer Ewigkeit, wie es ihm vorkam, endlich auf der anderen Seite und somit in BlattGruppen-Gebiet waren, mussten sie zusammen jubeln. So schnell sie konnten, rannten sie auf den Vulkan zu. Weder Dschungeltatze noch Morgentatze wollten gerade ins Territorium der FeuerGruppe, da diese der TauGruppe gegenüber momentan bedenklich schlecht gesinnt waren.

Morgentatze starrte in die Höhe, wo pechschwarze Wolken aus dem Vulkan stiegen. Ihre Umgebung war unglaublich heiß, und Dschungeltatze dachte schon lange, dass ihm einfach sein Fell in Flammen aufgehen könnte.
Sie befanden sich auf der Fläche am Hang des Inaktiven Vulkans, wo sie die Zentrale Versammlung abhielten. Die Reise hierhin war reibungslos verlaufen, sie waren bloß einer BlattGruppen-Patrouille begegnet, in der aber glücklicherweise Erdbeerpelz der Anführer gewesen war.
Dschungeltatze hoppelte zu dem Baum, auf dem die Anführer zu allen Gruppen sprachen. Weiter nach oben ging es nur mit klettern, und er wollte am liebsten an einer einfachen Stelle beginnen. Die pralle Mittagssonne schien durch das Blätterdach und warf Schatten dahin, wo der graue Hase gerade stand. Morgentatze blieb auf Abstand, als hätte sie Angst davor, in das Dunkle zu gehen. Oder sie hatte gespürt, dass da etwas entsetzliches auf sie gelauert hatte.
Bei letzterem hätte sie nämlich Recht gehabt.
Mit einem entsetzlichen Kreischen warf sich aus dem Schatten eine unsichtbare Gestalt auf Dschungeltatze, der unter dem Gewicht und durch den Überraschungseffekt sofort nachgab.

In der letzten Sekunde




Dschungeltatze war in eine Astgabel des Baumes gesteckt worden, Morgentatze auch. Der grünliche Hase hörte die rasenden Herzschläge seiner Freundin neben ihm. Haselohr schritt vor ihnen auf und ab und legte den Testorimestein immer wieder auf den Boden, um ihn danach wieder in die Schnauze zu nehmen.
"Ein tolles Geschenk habt ihr mit hier gebracht", verspottete er sie. Bronzezahn hockte neben ihm auf dem bewachsenen Boden und grinste sie mit blankem Hass in den Augen an.
Der schwarze Hase setzte sich vor die beiden gefangenen Schüler.
"Dschungeltatze... - nein warte, ich sollte dich bei deinem wahren Namen nennen. Flecke, hast du wirklich geglaubt, du könntest mich besiegen? Wenn ja, hast du aber ein Fuchshirn. Und du auch Morgentatze... es war lustig, dir zuzusehen, wie du Dschungeltatze für einen Lügner gehalten hast. Was natürlich auch Tatsache ist, möchte ich anmerken. Es tut mir Leid - wobei, eigentlich tut es mir das gar nicht - es euch sagen zu müssen, dass das Spiel für euch nun aus ist. Ich könnte euch umbringen, wenn ich wollte, jetzt auf der Stelle. Ich müsste mich nicht ein Mal großartig anstrengen. Ich könnte euch die Kehle aufbeißen und dabei zusehen, wie euch das Blut aus dem Hals schießt. Es würde garantiert lustig sein." Haselohr seufzte, während Dschungeltatze sich angesichts dieser Zukunft zusammennehmen musste, um sich nicht zu übergeben. "Ich könnte euch hier verrotten lassen oder euch diesen Stein an den Kopf werfen. Aber wisst ihr was? All diese Sachen werde ich nicht tun."
Dschungeltatze atmete erleichtert auf, und er merkte, dass auch Morgentatze etwas beruhigter wirkte.
"All das würde euch nämlich viel zu wenig Qualen bereiten."
Dschungeltatzes Herz setzte aus. Hatte er richtig gehört? Was war denn noch grauenhafter als die Dinge, die er schon aufgezählt hatte?
"Ich es dabei belassen, dass ihr bei lebendigem Leibe verbrennt, anders gesagt werde ich euch hier hängen lassen. Ich würde ja gerne bleiben und euch beim Sterben zusehen, aber das geht leider nicht, weil", er deutete mit den Ohren zur Vulkanspitze, die schon rötlich glitzerte, "ich will ja nicht selbst verbrennen."
In dem Moment brach über ihnen ein unglaublicher Lärm aus. Felsbrocken, so groß wie Kleinohrennester flogen aus dem Vulkan und donnerten auf den Boden um ihn herum.
"Die Zeit ist gekommen, mich von euch zu verabschieden...", lächelte Haselohr hämisch. "Viel Spaß beim sterben." Er und Bronzezahn hoppelten davon, aber Haselohr kehrte zurück und legte den Testorimestein vor den Baum. "Das gehört euch, und ich kann damit sowieso nichts anfangen." Dann rannte er endgültig davon.
Dschungeltatze merkte, dass Morgentatze neben ihm dagegen ankämpfte, wie ein verlassenes Junges zu weinen, und ihm wurde bewusst, dass die Lage tatsächlich ziemlich aussichtslos war.
Dschungeltatze ließ seinen Blick nach oben schweifen und sah, dass sich rote Lavamassen über der Spitze ausbreiteten. "Wir müssen etwas dagegen unternehmen!", drängte er Morgentatze.
Sie ließ den Kopf hängen und sagte leise: "Wir können eh nichts mehr tun. Haselohr hat uns besiegt."
"So darfst du nicht denken! Wir könne hier raus, und der Testorimestein liegt gleich da drüben! Wir könnten alle Gruppen re..."
Das letzte Wort, das Dschungeltatze hatte sagen wollen, wurde von einem Zischen unterbrochen. Glitzernde, rote Lava floss langsam, aber unaufhaltbar abwärts. "Schnell!", schrie Dschungeltatze. "Du bist weniger fest drin! Komm schon! Mach es für mich!", meinte er und schaute sie erwartungsvoll an.
Seine Worte hatten sie gestärkt, und so zwängte sie sich mühsam aus der Astgabel. Dschungeltatze jedoch steckte immer noch drin. "Und jetzt, wirf den Stein in die Lava", sagte er. Morgentatze aber hoppelte ohne zu zögern zu Dschungeltatze und zerrte ihn aus der Astgabel. "Nein", antwortete sie dann auf seine vorherige Anweisung, "du bist wichtiger als dieser Stein."
Dschungeltatzes Herz wurde warm vor Freude.
Dank ihrer Hilfe konnte er nun auch aus der Astgabel klettern. Er rannte zum Testorimestein, schnappte ihn mit der Schnauze und blieb bewegungslos, als würde er auf etwas horchen. Das Magma kam immer schneller den Hang heruntergedonnert. Mutig stellte sich Morgentatze neben ihren Freund und schaute der Gefahr entgegen.
Im selben Herzschlag traf Dschungeltatze etwas mit voller Wucht von hinten. Er taumelte und blieb bewusstlos am Boden liegen.
Panik erfüllte Morgentatze, als sie Haselohr als Angreifer erkannte.
"Sososo, ihr habt es also geschafft, zu entkommen. Naja, ihr werdet jetzt trotzdem sterben."
Er stürzte sich auch auf Morgentatze, aber sie wich geschickt aus und zerkratzte dem schwarzen Hasen die Flanke.
Haselohr hatte wohl gerade keine Lust auf einen richtigen Kampf gehabt, denn er lief schon wieder davon und ließ die braune Häsin in Ruhe.
Das Magma kam bedenklich näher, und gleich würde es den jungen Schüler erreichen. Es war nur noch sechs Fuchslängen von ihm entfernt und kam rasend schnell näher.
Mit dem Mut der gesamten HimmelGruppe nahm sie den Testorimestein in die Schnauze und warf ihn mit aller Kraft in das flüssige Gestein.
Der Stein schimmerte stark, dann zersprang er.
Dschungeltatzes Körper begann zu leuchten und plötzlich konnte er wieder aufstehen. Morgentatze schaute zur Lava, die immer langsamer wurde. Und plötzlich war alles weiß, dann grün, und danach grau.

Als Morgentatze wieder erwachte, lag sie immer noch auf dem Plateau am Inaktiven Vulkan, auf dem die Versammlungen stattfanden. Die Lava hatte sich in Luft aufgelöst und der Vulkan war oben wieder zugewachsen. Der Stein hatte tatsächlich ein Wunder bewirkt.

Danksagungen




An dieser Stelle möchte ich einigen Personen Dank schenken.
Ich danke...



Meinen Eltern

für die Unterstützung



Meinem Bruder,

weil ich ihm alles vorlesen durfte



Meinen Freunden

ebenfalls fürs zuhören



Meiner Prisma-Lehrerin

U. Saessli



Meinem Lehrer

R. Möhr



Jennifer R.

für das Cover



Und natürlich auch allen Fans von World of Rabbits!




Besonderen Dank geht an

Jennifer Pöschl

, für den Buchtitel (World of Rabbits), die Rückmeldungen und die Freundschaft

World of Rabbits




World of Rabbits
Staffel 1
Band 1 - Sonnenaufgang



Alle Rechte vorbehalten - Sven Zanetti 2012
Kopieren ausdrücklich verboten! Missachtung wird strafrechtlich verfolgt!




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World of Rabbits 1 - Sonnenaufgang
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Impressum

Copyright Texte: Copyright by Sven Zanetti 2012 - Kopieren der Texte ohne meine Erlaubnis verboten!
Copyright Bildmaterialien: Cover by Sonnenblut - Kopieren ohne ihre ausdrückliche Erlaubnis verboten!
Tag der Veröffentlichung: 11.04.2012

Alle Rechte vorbehalten

Widmung:
Dieses Buch widme ich meiner Familie und Jennifer Pöschl, die mir dabei geholfen hat, das Buch zu schreiben, und allen, die immer zu Dschungeltatze und Morgentatze stehen und gestanden haben.

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