Cover

Vorwort

 I’ve gazed across the waves
Beyond the shores that hold me
I’ve watched the mountains fall
In stories that they told

Ever fixed
Ever firm
Resolute in all I learn
Bittersweet I turn to face the ocean cold

Ride into the fire
Strike down through the burning borders

 
Reigns held ever tighter
Come carry me forward now

 

This is the moment I’ve been waiting for 
Follow the future, swipe the blade I’m cutting loose

I walk a wild new world
The strangest sights surround me
I grow into
This sense of wonder that I’ve found

 

- WONDER WOMAN SONG - The Moment (Miracle Of Sound ft Karliene)

Prolog

21 Jahre zuvor…


Die gläserne Stadt

 

Alexander

 

„Du bist gegangen…?“
Ich stoppte und drehte mich nicht um. ICH war noch nicht weit von der Palastanlage durch den geheimen Gang gekommen von dem ich mich immer heimlich rausschlich, aber heute würde ich diesen Weg zum letzten Mal gehen.
Heute begann ich mein Leben als Alexander Woodwork.
Solange es mein zwei Minuten jüngerer Zwillingsbruder Julius gut machen würde als der nächste König nach unserem Vater. Naja… Julius war immer schon etwas stämmiger und weniger groß wie ich, dennoch hatte er die große Liebe in Lady Brice Marielle gefunden trotz ihres jungen Alters als sie vor sechs Jahren heirateten: Genau wie ich und er hat mir gestern Abend, als ich mich von ihm verabschiedete, Recht gegeben. Für seine Lady hätte er dasselbe getan, selbst auch für den kleinen Andrew, seinem erstgeborenen Sohn und mein Neffe. Ich mochte den Kleinen und ich weiter grinsen musste… bald hatte ich auch ein Kind im Arm. Emilia hat mir vor wenigen Tagen gesagt, das sie schwanger wäre und sie mir die Entscheidung noch leichter gemacht hatte meine Krone abzulegen um bei ihr zu leben. Es würde ein schweres Leben werden, aber wir würden es schaffen. Und ich wäre am Königshof nicht glücklich mit einer Frau geworden, ich wäre eine Bestie gewesen so wie früher bevor ich Emilia getroffen hatte. Aber ihre smaragdgrünen Augen als ich sie das erste Mal in der Schenke als Kellnerin gesehen habe, haben mich in ihren Bann gezogen. Selbst als sie mir vor allen Leuten eine Ohrfeige gegeben hatte, als ich nichts Besseres zu tun hatte ihr einen blöden Flirtspruch ins Gesicht zu werfen. Em wusste vor drei Jahren noch nicht das ich ein Prinz war. Und ich mochte dieses Geheimnis, denn so konnte sie in meine direkte Fassade sehen. Sie hatte einen besseren Menschen aus mir gemacht, sie hat mich inspiriert weitere Entwürfe für die Menschen aus dem dritten Distrikt meinem Bruder zu geben, damit er an meiner Stelle ihnen allen ein besseres Leben geben kann. Die Ideen, die Forschung der Bestien, einzustellen um Geld zu sparen und mit den Wilden zu kooperieren, um den Kontakt mit meinen Freunden jenseits der Mauer zu halten. Ich hoffte, das sich Julien zu einem guten König entwickeln würde. Aber ich vertraute meinem Bruder – er musste einfach. Sonst müsste ich doch einmal diesen Weg zurückgehen. Ohne Em… und mein Herz aussetzte. Denn ein Prinz durfte keine Frau aus dem dritten Distrikt heiraten, trotz Macht und Krone. Und ich achtete das Gesetz, das hatte mir mein Lehrer bereits gut seit der Kindheit eingetrichtert. Würde mich mein Sohn oder Tochter dann auch hasserfüllen, das ich ihm oder ihr diese Bürde aufbrachte. Ich hatte zwar einen Durchschlag des Vertrages den ich mit Vater und Jaymes als Zeugen beschloss, jedoch hoffte ich innerlich das es niemals dazu kommen würde.
Vaters glasige graue Augen als er mich verabschiedete schnitten weitere tiefe Wunden in mich. Sonst war er immer der strenge und machthungrige König wie mein Großvater vor ihm, jedoch machte er nie einen Hehl daraus das ich ihm viel bedeutete. Mutter ersparte ich das damit sie nicht noch weiter zum Alkohol greifen konnte.
Und Julius… er war immer schon mehr König im Kopf als ich. Gemeinsam mit Marielle als Königin an seiner Seite würde er es eines Tages machen.
„Ich habe dich was gefragt, Prinz Alexander von Creston“ ertönte die melodische Stimme auf der kleinen Mauer hinter mir erneut. Meine Stiefel gruben sich immer noch auf den abgetretenen Kiesweg der Anlage und ich den Ranzen meiner Tasche noch fester an meine Schulter presste. Die wenigen Sachen die ich neben meinem Schwert und der Sternenkette noch von meinem königlichen Erbe mitnehmen durfte.
Ich formte mir ein schnippisches Lächeln und ich selbst in dieser mondlosen Nacht dieses Frühlingstages wusste wer mich das erspähte, mein schlimmster Alptraum.
„Nun… bist du jetzt schon so weit das du mich jetzt auch schon verfolgst, Leia?“ fragte ich leise und drehte mich halb über die Schulter… und mir verschlug es halb den Atem als ich sie sah.
Sie war so schön. Exotisch und bahnbrechend mit ihrem langen roten Lockenhaar das im Wind wehte und ihre zarte Gestalt weit über mir ragte auf der Mauer. Das kurze schwarze Kleid schmiegte sich perfekt an ihre kurvige und schlanke Statur…die festen bernsteinfarbenen Augen durchbohrten mich mit einer Geste die ich bei dieser Frau sofort erkannte. So sah sie mich jede Nacht und jeden Tag an, egal ob vor Leuten, im Wald, in Wirtshäusern oder im Bett. Leia war… vor Emilia. Ein vergangener Fehler, denn diese Frau hatte sich unwiderruflich in mich verliebt. Aber ich spielte mit ihr – für das musste ich die Suppe jetzt auslöffeln. Und ab einem gewissen Grad liebte ich sie auch.
Aber nicht genug…
„Geh zu Jack! DU kennst unseren Deal. Und in unserer Gruppe war mein wahrer Name längst kein Geheimnis mehr“ sagte ich als ich mich wieder in Gedanken fasste, nicht an ihren nackten Körper unter mir zu denken… Emilia durfte niemals erfahren das ich lange mit Leia eine Affäre hatte. Sie küsste mich ja schon nieder als ich sie verletzt draußen hinter der Mauer fand, ich fühlte mich für sie verantwortlich denn sie hatte keine Erinnerung an ihr Leben davor. Ich aber wusste sofort was sie war. Jack und Emilia hatten bis heute keine Ahnung das Leia kein Mensch war. Mein Vater hatte mich genug Berichte und Proben sehen lassen, das sie eine Harpyie war. Eine Harpyie der 000-Titania Reihe. Eine tödliche Waffe. Tödlich und wunderschön, dennoch ließ ich sie bei mir. Keine Ahnung was mich da damals ritt, aber ich war erst sechzehn und dachte nur an Frauen und Spaß. Jetzt zählten andere Prioritäten.
Ich kannte Leia jetzt schon fast sieben Jahre… und bis auf die letzten drei waren sie auch gut gewesen. Von da an veränderte sie sich zusehends.
Sie lächelte hämisch, und doch anziehend das icqh einen Schritt zurückging. Harpyien waren dafür bekannt ihre Männer umzubringen, und es mir nur schließen konnte warum ich nachwievor am Leben war. Und dieses Detail hasste ich an diesem Weibsbild. Mir pochte das Herz aus meiner Uniform, aber ich blieb standhaft und zeigte keine Schwäche.
Leia kniete sich langsam hinunter, das sie katzenhafter erschienen ließ und ihre Augen mich nicht aus meinen befreien wollte.
„Ich wusste es, dazu brauchte mir Jack nicht alles erzählen. Bist du tatsächlich so dumm und glaubst ich würde nicht alles von meinem Zasahik kennen?“
„Geh heim. Flieg oder laufe mir egal, aber lass mich und Em in Ruhe. Keine Ahnung warum Jack dich so vergöttert…“ konterte ich ruhig zurück und ging noch einen Schritt zurück. Ich musste aus ihrem Blickfeld, was mir sowieso unmöglich erschien. Leia hatte mir noch nie ihre Flügel gezeigt oder die Tatsache warum sie nicht wieder zu ihrer Familie zurückging. Doch das Problem war ich – was sonst…
Aber dann wurde ihre Stimme verletzlicher, das sie um Jahre jünger wirken ließ, als sie tatsächlich äußerlich noch war, „warum, Alexander?“ sie senkte ihre langen Wimpern und ich meinen Kiefer malmte, „warum sie? Und nicht ich? Was hat sie was ich nicht habe?“
Ich haderte mit meiner Antwort und überlegte mir gute Worte. Mir entging nicht das sie das gleiche versuchte wie ich. Stark zu bleiben um nicht durchzudrehen.
„Ich bin nicht dein Zasahik. Jack ist es, darum bist du auch bei ihm geblieben. Er ist dir ein besserer Mann als ich. Das weißt du“ sagte ich sanfter und strich mir meine blonden Haare nach hinten, „du hast Besseres verdient“
Langsam schüttelte sie den Kopf, „nein…“ sie hob zitternd ihre Hand und hielt sich ihre Finger an die Brust, „ich lebe nun schon sehr lange und du weißt was ich bin, Alexander. Und noch nie in meinem langen Leben ist mir jemand wie dir begegnet. Nicht die Männer vor dir… darum möchte ich…“
„Es ist vorbei, Leia“ sagte ich nun ernster und ging wieder zurück, „lebe damit. Es ist aus, ich liebe Emilia und wir beide eine Familie gründen mit einem neuen Leben“
Ich hörte sie durch die Dunkelheit schluchzen. Es war wie ein Rasiermesser das sich durch mein Fleisch schnitt.
„Und warum hast du mich benutzt, wenn du mich nicht liebst!“ fauchte Leia zwischen ihren Schluchzern hervor und sprang wie eine Katze von der Mauer, sie stand schnell auf und ihre bernsteinfarbenen Augen wie Edelsteine leuchteten. Ich hechtete weiter zurück und hob meine Hände, zum Signal das ich mich nicht wehren würde. Ich wollte sie nicht verletzen.
„Ich war ein Narr, und ich dachte das ich dich lieben würde. Aber dem war nicht so… es… tut mir leid, ich habe dir das letztens schon gesagt. Und du bist nun die Frau meines besten Freundes…“
„Egal… egal das alles“ sie kam mit schnellen Schritten näher und obwohl Leia fast zwei Köpfe kleiner als ich war, war sie unheimlich schnell und wendig.
„Wir können fliehen… wir können ein neues Leben weit diesen Mauern leben…“
„Leia…“ ich blieb stehen.
„Du hast die Methoden um mich in einen Menschen umzubauen. Ich wäre dann nicht mehr unsterblich, ich bin dem schon so leid! Jahrzehntelang musste ich zusehen wie meine Töchter alt wurden und starben während ich in diesem Körper feststeckte… ich könnte mir dir neu anfangen und wir könnten als Menschen eine Familie…“
„Leia“
„Lass mich ausreden, Alexander! Ich bin die schönste Frau, schöner als SIE. Schöner und stärker als alle Menschenfrauen, also sag mir. WARUM?“ sie stand Zentimeter vor mir und sie fast in meine Brust krachte. Jedoch sahen mich nur ihre erzürnten bernsteinfarbenen Augen wie Glüheisen an. Leichte Tropfen erreichten vom Himmel unsere Körper, der Frühlingsregen fing bereits an.
„Nein, Leia“ fing ich ruhig an während die volle Kraft des Regens über uns herprasselte. Nicht mal diese Situation hätte ich ihr gewünscht, mein ganzes Leben lang würde ich daran denken eine Frau wie sie benutzt zu haben. Ihr Zorn war nur das Produkt meines Egoismus.
Ich prahlte damit meinem Volk ein zukünftiger guter König zu werden, aber menschlich war ich ein ungehemmter Playboy der die Frauen einst benutzte. Das hier war nun der Preis den ich zahlte, denn eine Harpyie würde niemals ihren Zasahik loslassen. Ihr ganzes Leben nicht und bei Leia würde es mein ganzes Leben lang dauern.
Leias Gesicht wurde etwas zischender und ihre Hand meine Wange berührte, ich zuckte zurück.
„Nein“ fing sie langsam an, „du bist es der alles verloren hat, Alexander. Deinen Thron und bald auch deine….“
„Wenn du Em bedrohst oder jemand anderes, weiß ich genau wie man Harpyien töten kann…“ ergriff ich ihr Handgelenk und riss sie von mir. Leia zuckte kurz mit der Wimper.
„Menschen“ sagte sie in gelangweilten Ton, den sie in letzter Zeit immer häufiger anwendete. Bei Jack tat sie immer wie die gute Ehefrau.
„Ihr seid doch alle gleicht. Egoistisch und böse….“ Knurrte sie und stellte sich auf die Zehenspitzen. Ich wollte ihren Arm packen, aber sie war zu schnell als sie mich wider Erwarten sanft und zärtlich auf die Wange küsste.
Mein anderer Arm wanderte zu meinem Schwert, das an meiner Hüfte baumelte, aber ich zögerte. Sie liebkoste meine Wange und wanderte bis zu meinen Lippen, die ich leicht für sie öffnete. Ich erinnerte mich gut an unsere Küsse – an diese Zweisamkeiten…
Dennoch hob ich mein Schwert. Ich würde sie töten, sie würde mich niemals in Ruhe lassen und vielleicht sogar Em etwas zuleide tun. Obwohl ich das Schwertkämpfen seit meinem vierten Lebensjahr kannte und lernte gemeinsam mit dem Potential als ein General aufgezogen zu werden um im Kriegsfall meine Armee anzuführen, hatte ich noch nie eine Harpyie getötet. Aber sie waren verwundbar und schwer zu töten. Das hatte mir Vater oft genug gesagt, trotz seiner kranken Obsession gegenüber ihnen.
Nur ein Stich, aber…
Ich presste meine Augen zusammen und ich sie mich küssen ließ. Ihre Zunge fuhr sinnlich über meine Lippen und ich sie näher an mich zog. Was war ich für ein dämlicher Narr!
Leia stoppte ihren Kuss und sah zu mir hoch, ihre Augen glänzten durch das Nass des Regens noch intensiver, sie lächelte kühl, „du kannst trotzdem nicht ganz loslassen, was? Und du kannst mich auch nicht töten“
Ich antwortete nichts darauf, sie hätte mir das Schwert bereits wegreißen können trotz meiner Ausbildung. Leia war eine Harpyie, sie hatte das im Blut und war erfahrener als ich.
Ihre Hände fuhren zu meinen Haaren im Nacken, ich hielt immer noch ihre Hüfte fest in meinen Armen. Bereit sie doch niederzustechen.
„DU gibst niemals auf, was?“ sagte ich nun etwas forscher, denn mit einer temperamentvollen Frau aus dem dritten Distrikt verheiratet zu sein hat Spuren an mir gelassen. Sonst war ich immer höflich, vor allem gegenüber Frauen. Aber diese Zeit war vorbei.
„Niemals“ antwortete sie keck und wir uns im Regen anstarrten. Automatisch hob sich mein Arm von ihrer Hüfte, der eigentlich das Schwert ansteuern sollte ich und mir eine rote Locke aus ihrem Haar nahm. Ich liebte diese Haarfarbe, für das war sie eine Seltenheit denn sie war sicher die einzige in der gläsernen Stadt mit kaschmirrotem Haar.
„Du kannst Emilia lieben soviel du willst, aber du wirst mich niemals vergessen, Alexander von Creston“ kicherte sie und schmiegte ihren Kopf in meine Hand, die noch immer ihre Locke darin drehte. Wie eine Katze drehte sie sich kurz und schloss sinnlich die Augen. Ihre glatten Wangen kitzelten an meiner Handfläche und ich sanft mit meinem Daumen über ihre vollen Lippen strich.
„Denn wenn du es tust, werde ich mir dein ungeborenes Kind nehmen“ sagte sie mit melodischer Stimme und schlug ihre Augen wieder auf. Jetzt könnte ich sie erwürgen, meine Finger zitterten danach und ich mich zusammenreißen musste.
Sie öffnete ihre Lippen weiter, „du wirst mich weiterhin lieben, bis ich dich eines Tages holen komme…“
„Du kannst mich nicht umbringen. Eine Harpyie tut ihrem Zashaik niemals etwas an, du weißt das und auch nicht denen die er liebt. Dein Herz ist ebenso an meines gebunden – es gehört auch mir, Leia“ sagte ich monoton und mein Griff sich etwas verstärkte, aber sie spürte es nicht. Das Leia auch zu so etwas nur fähig war, drehte sich meine Ansicht dieser einst schüchternen und schönen jungen Frau die ich im Wald fand. Ihr wahrer Charakter war das Gegenteil.
Für nur kurze Zeit sagte sie nichts darauf, wo sie sonst immer das letzte Wort hatte. Sie starrte mich nur an und musterte mein Gesicht über den Regen hinweg. Er durchnässte uns bereits, aber mir was das egal.
Mit der anderen Hand zog sie langsam einen Anhänger aus ihrem Dekolletee. Ich schluckte. Meine Mutter gab mir einst diese Ketten aus Titaniumgold, die sie wieder von meinem Vater bekam. Meine Sternenkette, die Herzkette die ich Emilia als Hochzeitsgeschenk gab und die Halbmondkette, die ich Leia schenkte, als Aufmunterung an ihre vergessene Vergangenheit. Und die Tatsache das ich total vernarrt in sie war. Jetzt hütete sie diesen wie einen Schatz.
„Ich möchte nicht so weit gehen, denn unser Kodex lautet: Ein Zasahik ist an mich gebunden und er wird nur durch meine eigenen Hände sterben. Nur durch meine, von keinem anderen“ flüsterte sie über das Plätschern des Regens hinweg und schmiegte sich noch weiter in meine Hand. So schnell er kam verschwand der Halbmond wieder in ihrem tiefen Ausschnitt.
Wurde das schon besiegelt als sie mich das erste Mal traf?
„Ich werde Emilia nicht verlassen“
„Doch wirst du wenn du leben möchtest“
Ich knarzte mit den Zähnen und beobachtete die Konturen in ihrem schönen Gesicht, das ich einst liebte.
„Für euch beide und für mich und Jack. Ich werde Jack nichts davon sagen, sei dir dazu sicher. Mehr noch: Ich werde mich auch ihm gegenüber wie eine Frau verhalten, genauso wie du es möchtest damit er glücklich ist. Aber du wirst mich nicht verlassen, Alexander. Hast du mich verstanden?“ plötzlich wandelten sich ihre menschlichen Augen in grelle gelbe Katzenpupillen und sich vage rote Federn an ihren Unterarmen bildeten. Knackend erschienen majestätische rote Flügel aus ihrem Rücken die doppelt so lang waren wie sie selbst, in die Luft und ich meinen Blick trotzdem nicht von ihr lassen konnte. Ihr wahres Gesicht war es also, das es sie unfähig machte menschlich zu denken.
„DU bist kein Mensch, schlimmer noch: Eine Bestie…“
Leia lachte leise und berührte erneut meine Wange. Ich wollte zurückweichen, wusste aber das sich das nichts bringen würde. Sie würde mich mit ihren Vogelklauen zurückhalten. Emilia würde ich sagen das ich von einem Tier angefallen wäre, falls ich heute noch zu ihr zurückkommen würde. Bei diesem Gedanken wurde mir eiskalt.
„Ich weiß, ist alles das Werk von dir und einen Vorfahren. Und dennoch konnte ich es nicht verhindern das ich mich in einen von ihnen verliebte…“ schnurrte sie und legte ihren Kopf schief, sodass ich einen Einblick auf ihren sinnlichen Hals erspähte.
„Du wärest mit Jack trotzdem besser dran…“ meine andere Hand klammerte sich an ihre Hüfte, obwohl sich alles gegen mich stellte, fror mir bei diesem schmutzigen Gedanken sie bei ihm zu wissen.
Leias Hände suchten sich ihre eigenen Wege und sie mich am Kragen der blauen Uniform packte, sanft zog sie meinen Nacken zu ihr runter.
„Ich werde dich immer lieben, mein Prinz. Ewiglich bin ich an dich gebunden… und ich dein Tod eines Tages sein werde“ flüsterte sie und schloss ihre Augen. Ich machte es ihr gleich und sprach diese Worte voller Liebe aus, mit schmutziger Verachtung, „nicht heute, mein Herz. Meine Mosch Aher“
Ich konnte nicht fassen warum ich Emilias Spitznamen für diese Frau verwendete, ich hatte den Tod verdient alleine was ich Em damit antat.
„Mein rothaariger Engel…“
Unsere Lippen erreichten sich und wir darin versanken als sie ihre Arme um meine Schultern schlang und ich Leia weiter an mich zog. Die Flügel bedeckten uns vor dem Regen, als ich weiter durch ihre Haare fuhr.
Was hatte ich getan?
So wollte ich mein neues Leben nicht beginnen, das wohl schneller als mir lieb war ein Ablaufdatum hatte. Ich brach mein Versprechen gegenüber Emilia. Ich verriet Jack als meinen besten Freund und ich nicht aus den Fehlern der Vergangenheit lernte. Meine Hände krallten sich an Leias Nacken, die ein lautes Aufstöhnen aus ihrer Kehle nicht verheimlichen konnte.
Emilia verdiente einen treuen Mann an ihrer Seite, und ich hoffte so das sie diesen fand wenn ich nicht mehr da war. Das er auch meinem Kind ein guter Vater werden würde, aber ich würde verhindern das Leia ihn oder sie nicht mitnahm. Wenigstens das wollte ich abwenden. Aber Em, Mosch Aher… keine Worte der Welt würden beschreiben wie leid es mir tat.

 

„Alexander!“ Ems frohe Stimme erhallte durch den Regen als sie bei unserem Haus stand und sich eiligst die Teigflecken in ihre weiße Schürze wischte. Auf ihren rosig-gebräunten Wangen waren selbst Kleckse und ich mir ein vages Lächeln nicht verkneifen konnte. Eine Hand hatte ich in meine Stoffhose eingesteckt, die andere presste immer noch meinen Rucksack an die Schulter. Ich war patschnass und mein Kragen stand schief, genauso wie meine Uniformjacke, von denen ich alle Abzeichen löste, als ich mich vorher eiligst anzog um zu Emilia zu kommen. Auch Leia verschwand als erster lautlos in der Dunkelheit, ohne sich ihr Kleid anzuziehen. Stattdessen sprang sie erneut wie ein Raubtier über die Dächer, unbemerkt der Wachen und Beleuchtungen zurück zu ihrem Leben aus Lügen. Mein Herz verurteilte mich und ich durch den Regen zu unserem Haus ging. Ketten würden jetzt an meinen Handgelenken passen, und Em sich eiligst ihren schwarzen Zopf der zur Seite geflochten war, das ich immer so an ihr mochte und ihr schwarzes Haar betonte. Durch die schlichte Beleuchtung des Armenviertels strahlten ihre Augen wieder in diesem warmen Grün, das ich so liebte.
„Komm schon!“ sie lachte dazu frech und riss die Tür weiter auf, „sonst erkältest du dich noch bei diesem Sauwetter“
Ihre Stimme ging fast über den strömenden Regen unter, aber ich verstand jede einzelne Silbe. Jedoch verschwand ihr Lächeln etwas als ich mit langsamen Schritten näherkam und das Wasser bereits alles vollmachte.
„Ist… ist alles gut gelaufen? Du siehst so…“ aber ich unterbrach sie als ich schon an der Türschwelle stand und sie an den Rahmen presste um sie leidenschaftlich zu küssen. Ihre weichen Lippen drückten sich an meine und wenn denn etwas verwirrt erwiderte Em unseren Kuss stürmisch. Das Wasser rannte mir von den blonden Strähnen und bedeckten sogar sie, dabei wollte ich das gar nicht und ich meinen Rucksack fallen ließ. Ich grub meine Hände in ihre Haare und liebte sie einfach. Ließ ihr keine Luft zu atmen und die andere Hand sich ihren Weg zu ihrem Bauch machten.
Lachend löste sie sich und gluckste, als ich zu ihr herabsah, „alles in Ordnung, Em. Ich habe alles geregelt. Jetzt hält uns niemand mehr auf“
„Was hat dein Vater gesagt…?“ nun hörte sie sich sorgend an und ich sie weiter an mich zog, ihren Bauch weiter streichelnd, „und hergott deine Uniform ist ganz schlampig angezogen, hattest du nicht mal Zeit… ich wollte das nicht“
„Nein, Em“ ich stoppte ihr Nesteln an meinen nassen Kragen und schüttelte den Kopf um sie anzulächeln, „ich erzähle dir später alles, jetzt möchte ich einfach nur das feiern… für uns und das Baby“
Emilia boxte mich sofort an meinen Oberarm, für eine Tochter eines ehemaligen Boxers war sie echt taff. Und für das liebte ich sie einfach zu sehr.
„Es ist noch nicht mal so groß wie ein Gummibär und ich weiß nicht was es wird… also hör auf mich wie einen Sandsack anzufassen… ich bin schwanger und leide nicht an Herpes“ selbst jetzt wurde ihr frecher Ton nicht anders.
Ich musste sie einfach anlächeln.
„Meinst du dann eher so?“ feixte ich frech und hob sie hoch um sie ins Haus hineinzutragen.
Mir schien das uns ein Schatten von den Dächern beobachtete, jedoch zählte jetzt der Deal. Und mich niemand in diesen Wänden aufhalten konnte die Frau meines Lebens zu lieben. Und das bis an mein Lebensende.
Es gab nun ein Uns – auch wenn es für kurze Dauer war und ich den tödlichsten Deal meines Lebens eingegangen war. Mit einem furchtbaren Preis, der für alle beteiligten mit Schmerz enden würde. Vielleicht konnte ich mit Emilia in die Wildnis fliehen, wir würden weglaufen von dieser Stadt.
Hatten wir denn eine andere Wahl?

Der Weg ins Unbekannte

 Gegenwart

 

Rafe

 

„Verdammt!“
Mein Fluchen war kein Halten mehr als ich das Schwert schnell aus dem toten Hybrid-Körper zog, die nur mehr ein leises Röcheln ausstoßen konnte bevor sie vor meinen Füßen tot umfiel.
Mein Schwert, das ich von den Rebellen bekam, glänzte mit dem Dunkelrot an der Klinge das einen feinen Kontrast zur matten Abenddämmerung gab. Ich schüttelte mein schwarzes Haar und sah hektisch um mich, als Henry keuchend den zitternden Körper der Hybrid-Frau einen Tritt gab, sodass sie leise war. Sie verstummte wie der Rest dieser kleinen Schlacht um uns, selbst die anderen tödlichen Schreie die vom Dickicht so schnell wie der Wind herkamen verschwanden so schnell wie sie kamen. ES waren befangene schwere Schreie von Bestien, denn wenn man mehr als sein halbes Leben an der Seite von Bestien verbrachte erkannte man diese Kriegsschreie heraus. Der Himmel, der sich durch die vielen Schwärme schwarzer Hybridflügel dunkel verfärbte, war vor Sekunden noch da. Dann verschwanden sie und ich knarzte mit den Zähnen um mir keine Sorgen zu machen.
Layla hatte uns gerettet.
Ich konnte nur vage den Himmel über den dichten Baumkronen beobachten als sie in der Mangel stand und sich dennoch durch die Hilfe ihrer Bestien retten konnte, bevor ich zu meinem Pfeil und Bogen im Rucksack kam während ich Henry unten hier beistehen musste. Fast hätte so eine wahnsinnige Kriegerin ihm den Kopf abgebissen… aber ich hatte sie um einen Kopf kürzer gemacht.
„Alles klar, Henry!“ rief ich meinem Bruder mit belegter Stimme zu und wischte mir mit dem Ärmel das Blut vom Gesicht, wir befanden uns im Krieg und wir mussten damit umgehen. Es wäre nicht das erste Mal das ich getötet hatte. Das was noch auf uns zukam würde noch schlimmer werden. Und wenn der König jetzt schon eine riesige Armee hatte, wie würde er sich verteidigen mit diesen neuen biologischen Waffen. Wir hatten ja nur mehr fast neun Monate.
„Ja…“ grunzte er genervt und warf sich seine Axt auf die Schulter, damit er wieder so lässig tun konnte, er rümpfte die Nase. Auch auf seinem Kopf und den angespannten Schultern war er gezeichnet von frischen Hybrid-Blut.
„Ist Layla noch oben oder hat sie…“
„Nein“ ich unterbrach ihn und sah wieder zum Himmel, der seine Schönheit zur anbrechenden Nacht immer mehr zeigte, „sie ist weg. Und sie führt die Armee direkt in die Arme der Harpyien, wenn alles glatt läuft“
Natürlich klappt alles! Layla ist viel zu vif um jetzt aufzugeben, geschweige denn ihren Teil des Versprechens einzulösen was wir nun für den neuen Frieden tun mussten. Für das Königreich das uns beiden zustand. Jedoch konnte ich nicht verhindern wie sehr ich ihr am liebsten folgen würde. Ich würde jeden Winkel der Welt absuchen um sie zu finden. Ich grinste leicht, „du packst das, Prinzessin. Ich weiß es“
„Redest du mit dem Himmel, Aspen?“ hörte ich Henrys brummige Stimme herbei, als er sich mit schweren Schritten am morschen Waldboden näherte. Er machte es mir gleich hinaufzublicken. Doch nur ein Schwarm Raben kreuzte den Weg.
„Möglich“ brummte ich und atmete nochmal kräftig aus als ich das Schwert in den Boden rammte um mein Gewicht etwas auf den Griff zu legen, das schwere Metall bohrte sich an meine aufgeschürfte Hand.
„Ich meine… eure königliche Hoheit“ witzelte mein großer Bruder weiter, als ich ihn an der Schulter schubste ohne vom Himmel zu sehen, „sorry, Prinz Aspen“
Jedoch stimmte ich leicht seinem Grinsen bei, „bei dir hört sich das ja noch schlimmer an, und ich habe mich noch gar nicht vorgestellt offiziell: Rafe Woodwork“
Henry hob seine Brauen und ich spürte seinen Blick auf mir. In seinen Worten hallte ein leichter Unterton, aber ich würde meinen Bruder nicht kennen um zu wissen was er meinte, „weißt du Woodwork, ich kannte mal einen Kerl der wie du stur und wild war. ICH frage mich was aus ihm geworden ist. Ich glaube er dackelt gerade einer rothaarigen Harpyie hinterher…“
Mein Kopf senkte sich wieder, aber ich musste trotzdem noch einen Kopf höher blicken um in Henrys braune Augen zu blicken. Seine rotbraunen Strähnen hingen ihm lose ins Gesicht, „siehst du scheiße aus, Henry Cosma“
„Scheißkerl“ lachte Henry mit mir mit und wir uns gegenseitig auf die Schulter klopften. Wir hatten schon so viel Scheiße abgezogen und erlebt, das er noch immer treu an meiner Seite stand macht einfach seinen Charakter aus. Er war meine Familie.
„Ich hoffe auch dass es Kira bei Ash gut geht – sonst bin ich es der ihn verdrischt“ fuhr er nun leise ein als wir uns langsam zurück machten und hofften das die Pferde nicht während den Kämpfen reißaus nahmen. Wir sind doch länger vom Lager entfernt gewesen.
Ich sah kurz um mich um noch ein letztes Rascheln wahrzunehmen, aber nur tote Hybride lagen am Boden oder hingen tot in den Ästen, „ich sage es nur ungern, aber wenn unsere alten Ichs uns jetzt sähen. Die würden sich biegen vor Lachen, wie es uns jetzt mit den Mädchen erwischt hatte“
Ich meinte ich bin verheiratet! Vor nicht mal einem Jahr wäre mir das noch wie ein Alptraum vorgekommen. Dennoch stahl sich mir bei diesem flüchtigen Gedanken an unser Bündnis ein breites Grinsen auf mein Gesicht.
„Haste wohl recht, aber Kira… mensch, ich hatte wirklich noch nie so eine wie sie getroffen. Weißt du was ich meine“ fing er an und die Leichen um uns immer weniger wurden. Und warum wir genau jetzt dieses Thema griffen war sicher nicht sehr geschmackig.
Da stoppte ich bevor ich ihm antworten konnte. Meine Hand fiel auf Henrys breite Brust und er kurz grunzte. Er folgte meinen Blick da ich seinen kurzen Japser hörte.
Eine kopflose Leiche, ihren halben Körper mit Verbänden einbandagiert in einem Rebellenoutfit hing einige Meter über dem Boden auf den Ästen, das Blut rann von dem Rinnsal. Blonde helle Strähnen glitzerten an den anderen Baumhalftern, jedoch brauchten diese nicht verraten wessen Körper das war. Ich hatte ihn vor einigen Stunden noch selbst versorgt.
Keine Ahnung wo Celines Kopf war, aber etwas alarmiert sah ich wieder hinauf in den Himmel, dessen dunkelblau sich langsam in ein schwarz mit den Lichtern erstreckte.
„So etwas können nur künstlich erschaffene Waffen ohne Reue machen… ich hoffe Layla hat diesem Vieh gegeben was sie verdiente. Wer das machte…“ fluchte Henry und ich meine Augen wieder zu der leblosen Leiche gingen.
„Komm“ deutete ich mit dem Kinn hinauf und streifte mir die kaputte blaue Uniformjacke von meinem Oberkörper. Henry wusste sofort was ich vor hatte, als ich auch das Schwert an meine Hüfte band und einen Fuß zu dem ersten starken Ast des Stammes setzte.
„Wir können sie nicht so hängen lassen, sie war schließlich nicht mehr unsere Feindin…“ stimmte nur zur Hälfte, aber ich wollte sie da wirklich nicht verrotten lassen das die Vögel ihr Fleisch auspikten. Sie war es die Layla an den König auslieferte, sie war es die eine Mörderin an unserem ungeboren Kind war. Und dennoch hatte sie uns noch wichtige Infos geliefert, damit sie ihr eigenes Kind wieder sah. Man musste nur in ihre Augen sehen, als sie die Wahrheit ausspukte. Bis zum letzten Atemzug war ihre Tochter ihr höchstes Gut. Deshalb durften wir sie nicht verfaulen lassen, als ich den Baumstamm erklomm. Fuß für Fuß stapfte ich hinauf und kam dem kopflosen Leichnam immer näher. Henry ging unten seine Runden und breitete schon seine Arme aus um sie aufzufangen, wenn ich sie befreite.
Innerhalb von einigen Sekunden löste sie sich und fiel hinunter als Henry mit einer Grimasse auffing, er legte sie sofort auf dem Boden und kniete sich nieder.
Ich stand noch halb auf dem blutbesudelten Ast und sah etwas von der halben Vogelperspektive über das kleine Schlachtfeld. Ich kniff die Augen zusammen, um noch zu erkennen das noch Hybride herumflogen. Die Schwalben und Raben verrieten sich jedoch nur.
„Rafe! Komm!“ hörte ich Henry schon rufen und ich seufzte. In Leute begraben müsste ich schon langsam geübt sein.

 

„Kira und Ash haben sie sicher im Eifer des Gefechts verloren, sonst wäre sie nie alleine wegedonnert. Sie musste gewusst haben was sie tat wenn sie ihre eigene Tochter bei ihnen ließ…“
Meine Stimme erzitterte kaum vor dem selbst geschaufelten Grab Celines, das wir für ihren Körper aushoben. Kurz machten wir uns auf die Suche nach ihrem Kopf, aber der blieb wegen der Dunkelheit der Nacht verborgen. Henry ritzte noch ihren Namen mit einem Pfeil auf einen Stein und legte ihn sorgsam auf die unebene Erde.
Er nickte zaghaft und wir leise vor dem Grab standen.
„Im Tod sind wir dann wohl alle gleich und sie für die Sünden büßte“ sagte Henry bis er auf unserer wilden Sprache leise ein Anstimmlied sang. Es hieß übersetzt, „das Grab des Kriegers“. Gran Gran hatte uns erzählt, das sang man immer für die gefallenen Krieger auf dem Schlachtfeld. Es war ein Brauch um ihnen die letzte Ehre zu erweisen, wenn man ihre Körper schnell ohne Priester begraben musste um ihre Körper vor Tieren zu schützen. In unserem zerstörten Dorf sang Henry das auch für sie alle. Ich sang das Lied für Rohan, kurz sah ich wieder zum Himmel der mir schon wie ein alter Freund vorkam.
Wie gerne ich dich trotzdem um Rat fragen will, Dad
Nachdem Henry die letzte Strophe ansang verstummte seine tiefe bärige Stimme im stillen Wald. Bis auf das kleine Feuer das wir daneben anzündeten schien der Mond, genau wie letzte Nacht, hell über die Lichtung.
„Hast du eigentlich noch die Karte die wir von New Buffalo haben, Henry?“ fragte ich ihn nachdem wir wieder eine lockere Haltung einnahmen und zurück zu unseren Sachen gingen.
„Klar. Für das sind die Rebellen ziemlich gut, die Koordinaten stimmten überein, aber ich glaube in der Position wo wir gerade sind ist sie schon unbrauchbar“
Ich räumte meinen Rucksack ein und Henry eine Braue hob. Selbst durch den Schein des Feuers wusste ich seine Mimik darauf.
„Was hast du vor… ich kenne deine Denkweise….und bei Nacht aufzubrechen. Nach diesem Kampf?“
Ohne meinen Bruder anzusehen räumte ich meinen Schlafsack ein und stopfte ihn in meinen Rucksack, mittlerweile hatte ich mich umgezogen und die blutige Uniform im nahen See gewaschen. Jetzt war ich wieder wie ein Wilder angezogen: Mit braunem Shirt, eine zerfledderte Lederjacke und der Stoffhose mit den robusten Stiefeln. Ich zog den Rucksack hinauf um ihn über meine Schulter zu hieven, im Feuerschein brannten sich meine Augen in Henrys der immer noch auf seiner Matratze saß und mich ansah. Seine Mimiken wechselten von Verwirrtheit und Besorgnis.
„Je weniger Zeit wir vertrödeln desto besser. Und Rohans Drachen sicher nicht uns entgegenfliegen seit sie sich aus dem Staub gemacht haben, die feinen Schuppenherren“
Ich erhob mich stark und sah diesmal auf meinen Bruder runter.
„Ja, aber…“ Henry versuchte es immer zu gestikulieren, aber da verlor er immer entscheidend gegen meine Argumente.
„Kein Aber. Wir müssen wenigstens bis nach Brookes Maiden kommen. Dann machen wir Rast bis zu Waterfall Bliss…“
„Waterfall Bliss… glaubst du wirklich das sie dort noch ihren Sitz haben?“
Kurz war es still, als er sich wie ich galant erhob und anfing seinen Schlafsack aufzurollen. DA war das erste Mal das er mal auf mich in dieser Hinsicht hörte. Eigentlich war es keine kluge Idee bei Nacht durch die Wildnis zu stapfen. Doch die Zeit würde gegen uns sein und wir jeden Tag nutzen mussten.
„Wir nutzen jeden Anhaltspunkt. Und Dad sagte, dass dort ihre Festung ist. Und ich nehme Dad beim Wort… er hatte dort immer noch einen guten Ruf und den machen wir uns zum Vorteil“
Da fing Henry leicht zu Grinsen an als er das Feuer austrat und uns in Dunkelheit hüllte. Es war immer noch unangenehm still, jetzt wo wir auf zwei Leute reduziert wurden. Es war lange her, dass wir beide nur zu zweit unterwegs waren.
„Dass der alte Drache uns jetzt noch weiterhilft sieht Dad ja wieder ähnlich…“ seine große dunkle Gestalt ging an mir vorbei und ich mich über die Schulter drehte um ihn anzusehen.
„Was ist jetzt? Kommst du?“ schritt er weiter und ich ihm lächelnd folgte. Die Pferde wieherten die trotzdem nicht wegliefen und darauf wohl trainiert waren in solchen Situationen den Reiter nicht im Stich zu lassen.
Trotz der Nacht schwangen wir uns auf die Sattel, das klirrendes Geräusch durch das Geschirr verursachte und Henry sein Feuerzeug aus der Tasche holte. Praktisch solche Teile da sparte man sich das lange Feuermachen.
Knitternd holte er die Karte heraus und ich Bella umlenkte um nahe an seinen Fuchs zu kommen. Henry studierte sie und ich auf den mir bekannten Fluss weiter nördlich erkannte:“ Dort muss Brookes Maiden sein. Da machen wir Rast bis wir weiterreiten Richtung Waterfall Bliss“
„Jepp“ knitterte mein Bruder die verwaschene Karte herum, aber er drehte nochmal seinen Kopf, „aber ab dort müssen wir uns wieder auf unsere Instinkte verlassen und Leute fragen… oder ausstechen. Die Karte geht da nicht weiter bis nach Waterfall Bliss, dort waren nie Menschen deshalb ist sie nicht eingezeichnet“
Henry und Kartenlesen – die machten ein perfektes Paar.
„Auf dein Wort, Brüderchen“ schon schnalzte ich die Zügel und folgte dem Weg weiter östlich. Brookes Maiden war ein kleines Dorf nahe des Meeres – und es war jetzt wirklich schon Ewigkeiten her seit ich das Meer sah. Laut den Legenden war es nahe den Harpyienklippen, darum wohnten nurmehr wenige Menschen in der Gegend das sie sehr viel Angst hatten. Aber wie das Schicksal so spielt mussten Henry und ich dennoch weiter nördlich nach Waterfall Bliss. Dem Feld der Drachen wie es gerne genannt wurde, aber kein Mensch lebend davon berichten konnte. Naja… bis die Rebellen kamen und die jungen Drachen sich freiwillig stellten. Aber seit bekannt war das der König weiter auf dem Vormarsch ist mit Bomben überließen sie den Menschen wieder das Kämpfen um ihre Rasse zu schützen.
Rohan erzählte uns früher immer wie stolz Drachen waren und ihre Bürde zu kämpfen um zu siegen um ihr Territorium zu verteidigen. Nach dieser Aktion war es schwer Dad das zu glauben, aber ich musste mir unbedingt dieses Wissen als meinen stärksten Verbündeten zurufen. Drachen waren trotzdem stolze Bestien, die ihren eigenen Frieden wollten.

Im Nest der Bestien

 Layla

 

Ich klammere mich an die Stäbe und sehe nach draußen. Obwohl meine Zelle fast am Boden des riesigen Palastnestes angebracht war und sie fast quasi über einige hundert Meter über dem Boden hing, konnte ich mich nicht gut drauf konzentrieren. Ich zählte schon drei Nächte seit Leia Titania mich einsperrte. Es war eine kleine Zelle, die eher einem geräumigen Zimmer samt kleinem Bettnest ähnelte, aber für mich war es das dämlichste Gefängnis in dem man mich stecken konnte. Selbst die atemberaubende Aussicht durch die Schlucht mit all den Harpyien, die herumflogen hinderte mich nicht meine Gedanken fern dieses Nestes legen zu lassen. Zu der zweiten Hälfte meines Herzens.
Ich schloss die Augen und spürte die Sehnsucht erneut nach Rafe. Meine Hände scheuerten an dem verschlissenen Eisen des kleinen vergitterten Fensters über meinem Bett und erneut eine junge Harpyie vorbeischoss ohne mich zu bemerken. Ich hoffte das es ihnen allen gut ging. Kira ist bei Ash und hoffentlich schon in der nahen Richtung New Buffalo, Celine hatte sich quasi für mich geopfert und Rafe ist mit Henry weiter um die Stämme und Drachen zu einen uns gegen Andrew zu helfen. Dann würde ich zu ihm zurückkommen habe ich ihm versprochen.
Ich bekam nur dürftig Essen und von Larissa hörte ich auch nichts mehr. Leia Titania hat mich einmal besucht, aber ich weigerte mich mit der zu reden. Dauernd sprach sie das sie mich nicht verlieren wollte und das sie es nicht zum Spaß getan hatte meine Ketten zu verbrennen. Am liebsten hätte ich ihr den Kopf abgerissen, aber durch enge Gitterstäbe hätte ich keinen Erfolg. Ich wusste nicht wann mein Endkampf bereitstand, aber ich sehnte diesen Tag immer mehr herbei um nicht noch weiter unsinnig eingesperrt zu sein. Mein ganzes Leben war ich im Käfig – das hier machte keinen Unterschied!
Meine Augen öffneten sich wieder schnell als mein Blick über all die arbeitenden Harpyien lief direkt zu dem Staudamm der die Klippe vor den Wellen des Meers schützte. Bis jetzt hatte ich das Meer nur während meiner Flucht in der Dunkelheit gesehen, was gebe ich dafür rauszufliegen um nur einmal meine Finger über das kühle und salzige Nass zu gleiten. Aber hier roch man den Salzduft den der kalte Wind bereits mit sich trug. Dies konnte der riesige Staudamm nicht verhindern. Der endlose Ozean der sich hunderte Kilometer erstreckte bis zu den uns noch immer unbekannten fremden Kontinenten von denen keiner mehr weiß ob dort noch Menschen lebten nach dem vierten Weltkrieg. Wie gerne ich das wissen wollte… ob sie genau solche Probleme wie wir hatten? Wäre mal ein Grund das zu erforschen, und Rafes Pläne mir wieder ins Gedächtnis kamen. All seine wertvollen Entwürfe falls wir Andrew vom Thron stoßen konnten und er diese Pläne in Wirklichkeit verwandeln wollte. Wie gern ich ihn damit unterstütze, ich als seine Königin und Frau an der Seite. Ich lächelte sanft bei den Gedanken an Rafe. Er gibt hier die Kraft nicht endgültig die Fassung zu verlieren. Auch wenn er körperlich nicht anwesend war, folgte mir seine Erscheinung wie ein zweiter Schatten. Rafe war meine andere Herzhälfte und fern dieser Festung da draußen Er baute mit den anderen auf mich. Deshalb musste ich gut schauspielern und dieses Spiel der Throne mitspielen.
Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich mit fünfzehn die Rolle der „Odette“ in Schwanensee tanzte… das Märchen dahinter war sehr düster gehalten, denn die Schwanenprinzessin war hin und hergerissen zwischen dem guten und bösen Schwan. Man musste beide Seiten wie die Seiten einer Münze spielen und genau das machte ich jetzt hier. Der böse Schwan in mir übernahm die Oberhand, wenigstens bis ich wusste wie ich zu Rafe zurückkehren konnte. Mit all der Macht die ich nun als Harpyie inne hatte. Und ich würde Leia mit ihren eigenen falschen Waffen schlagen.
Plötzlich schepperte das kleine Loch die an der Holztür angebracht wurde, wo mir normalerweise immer Suppe und Brot durchgeschoben wurde. Ein lautes „Pscht“ ließ mich von dem Blick hinaus aufsehen, „Layla! Ich bins!“
Mir hüpfte das Herz. Sofort sprang ich von dem knisternden Bett und lief zur Tür als ich mich auf meine Füße fallen ließ, eine zarte blasse Hand streckte sich durch und ich zu gerne diese Stimme erkannte. Das letzte Mal klang sie so verletzt und schwach, aber jetzt sprühte sie wieder voller Jugendhaftigkeit und Leben. Ich drückte sie.
„Lia! Dich hätte ich am wenigstens erwartet, oh mein Gott“ kurz freute ich mich echt, „du bist es wirklich“
„Klar ja… ich bin ja nicht blöd, Layla“ kicherte sie und sie das Fenster noch etwas hob, jetzt lugten ihre violetten Augen sehr schön durch das Tageslicht von draußen. Rote Strähnen flogen in ihr Gesicht und sie meinen Händedruck erwiderte. Mir fehlten die Worte – Lia war am Leben und ihr ging es wieder gut.
„Freut mich auch dich wiederzusehen, große Schwester. Aber… aber ich bin nicht nur wegen dem gekommen“ fing sie mit ihrer fast noch kindlichen Stimme an und ich näher an die Schiebetür rückte.
„Larissa schickt mich. Und sie konnte mit Leia aushandeln, das du dich trotzdem vorbereiten kannst, wenn du in ein paar Tagen gegen Manila kämpfst…“
„Ich möchte jetzt mit ihr Kämpfen – je mehr Zeit wir verplempern desto schwieriger wird es“ sprach ich forsch und mich Lia sofort mit einem „psch“ unterbrach. War sie von Larissa eingeweiht worden?
„Noch ist es zu früh… Larissa hat alle Hände voll zu tun dich wieder bei Oma einzuschleimen damit du dann ein Mitglied bei uns sein kannst…“ kurz sah ich wie Lia hinter ihre Schulter spähte. Kurz blieb es ruhig, bis sie etwas von ihrem Hals hob.
„Oh mein Gott“ brachte ich raus und bedeckte mit meiner anderen Hand meinen Mund. Zwei goldene Ketten in Form eines Sterns und eines Herzens baumelten in ihren Händen, als sie mir die beiden unterschob. Das kalte Metall war wohltuend und ich sie sofort zu mir zog. Ich öffnete meine Handflächen und die beiden etwas geschwärzten Ketten glänzten darin. Nur wenig Asche befand sich darauf, aber mir kamen wieder die Worte in den Kopf die ich von Ash hörte das Titaniumgold ein wertvoller Rohstoff war. Und unzerstörbar selbst bei Feuer. Jetzt war es klar warum das nur der Königsfamilie gehörte.
„Larissa hat sie aus dem Kamin gestohlen wie Oma mit den anderen Nestlingen trainieren war, sie hoffte so kann sie dich ein wenig motivieren…“
„Ich… ich weiß nicht was noch passt als Danke zu sagen, kannst du ihr das bitte ausrichten?“ fragte ich leise und berührte wieder die Hand meiner kleinen Nichte. Das Lia ihre Aufgabe gut machte zauberte der jungen Harpyie ein breites Grinsen auf ihr schönes Gesicht. Sie errötete sogar ein wenig, „klar mache ich. Aber Layla, gib nicht auf. Ich bin mir sicher Oma wird dich wieder aufnehmen und dir verzeihen“
Ich musterte ich heitere Miene und lächelte zu dem bösen Spiel. Also wusste Lia nichts von Larissas wahren Absichten. Und bis die eigentliche Anführerin nichts sage, würde ich auch nichts verraten. Man lernte das jeder jeden verraten konnte, selbst Lia die immer noch unter Fuchtel von Leia stand.
„Lia!“ hörte ich plötzlich eine weitere starke Frauenstimme, sie zuckte zusammen und wir die Hände losließen.
„Hast du nicht verstanden was Mutter dir gesagt hat, das keine Nestlinge hier runter kommen sollten?!“ schimpfte die Wächterharpyie hinter meiner Tür und ich sogleich auch aufstand. Schnell stürmte ich zu meinem Nestbett und versteckte die Anhänger in den Zweigen tief darin. Bis zu dem Kampf waren sie dort am sichersten ohne das Leia Titania sie sah.
„Ja… ich hatte … ich meine ich war so neugierig und…“ stammelte Lia, aber die Wächterin ergriff sofort wieder das Wort, „ach egal! Wir machen jetzt sowieso auf, weil sie jetzt ins Trainingsnest geht“
Trainingsnest. Wie originell und ich verdrehte die Augen, als ich meine Augen auf dem Stapel Gewand neben meinem Bett fielen. Kurz hatte ich sie durchgespickt da es nur dunkelbraune enge Lederkampfanzüge waren, ähnlich wie ein Badeanzug. Die Beine wären sehr frei ausgeschnitten, und natürlich die Brüste. Harpyien mussten ja ihre Reize herzeigen, selbst beim Kämpfen. Jedoch mit Metall an den Schulterpolstern und hohen schwarzen Stiefel die dieses exotische Outfit noch mehr betonen sollten. Sogar eine Truhe mit einer Feder ließ mir Leia nach ihrem Besuch da. Ihre Erklärung dazu war, das jede Harpyie des Clans eine bekommt als Zeichen der Gruppenzugehörigkeit. Und das wäre nicht meine grausame Mutter, wenn sie mir die Farbe Weiß hineingetan hatte. Weiß stand für Verrat. Ich behielt immer noch meine menschliche Kleidung samt Hemd, Hose und Stiefel an. Dennoch… ich kräuselte die Lippen. Es war ein Spiel. Ein unangenehmes Spiel. Obwohl sich der Mensch in mir davor grauste, ich musste das jetzt durchziehen.

 

Erneut wurde ich abgeführt wie eine Gefangene. Allerdings ließen sie diesmal meine Hände vorne als ich Handschellen bekam selbst über diesen engen Kampfanzug der sich wie eine zweite Haut an mich schmiegte. Dennoch beobachtete ich wie fein und zart gebaut sie alle waren und sie wunderschön. Ich hatte meine roten Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden, als ich in dem Haarband die weiße Feder zeigte. Als kleiner Trotz ließ ich meine normalen Stiefel an als wir durch einige beleuchtete Gänge gingen. Beim Herfliegen fiel mir gar nicht auf, dass neben Leias Palast eine kleine Freiluftarena geschmiedet wurde die von den Wänden der Schlucht gehalten wurden. Von oben schnitt das Tageslicht ihren Schein auf den großen Trainingsplatz der viele Sitze und Stangen auf der Seite aufwiesen und in der eigentlichen Sandarena wo einige junge Harpyien trainierten. Ob mit dem Körper oder nur mit Schwertern, sie waren präzise Kriegerinnen die sich schreiend ihren Sparringspartnern widmeten.
Das hieß bis ich mit meinen Bodyguards daherkam.
Lia entdeckte ich sofort neben einer gleichaltrigen jungen Harpyie, als sie mit ihrem Schwerttraining aufhörten. Im Gegensatz zu den anderen rothaarigen Mädchen, lächelte sie mir freundlich zu. Lautlos schritt ich nach vorne, als mein Blick durch die vielen Kämpferinnen fiel. Sie waren alle kaum älter als ich. Selbst Larissa war schon im besten Frauenalter, oder trainierten die „Älteren“ woanders?
Dann dämmerte mir das was mir Larissa letztens erzählt hatte, das alle Nestlinge bis zu ihrer Volljährigkeit hier im Palast lebten und von Leia persönlich in Training und Bildung gelehrt wurden. Sofort fiel mein Blick zur Seite wo ein kurzes Räuspern kam.
Leia saß auf einem Thron der auf den kleinen Tribünen am höchstern erschien,ganz anders aus was dieser Sitz geschmiedet wurde. Es war eine Mischung aus geschmolzenen Waffen, die in alle Richtungen abstanden und ziemlich unbequem aussah mit der anderen Seite einiger starker Baumzweige die, die Stütze sein sollten. Sie überkreuzte ihre langen Beine übereinander und hielt ihre stolze Haltung weiter. Doch ihre bernsteinfarbenen menschlichen Augen ließen mich nicht los. Trotz aller Bestialität sah sie mich ernst aus und im Gegensatz zu den anderen Harpyien hatte Leia einen schwarzen Lederanzug an, der den der Hybriden sehr ähnlich sah. Ein altes Relikt aus alten Kriegstagen nahm ich mal an. Leia trommelte mit ihren Fingern auf den Thron und nickte.
Sofort kam die große ältere Harpyie mit dem fast gescherten rotem Haar vor mich und löste mir die unangenehmen Fesseln vom Handgelenk. Kurz wurde das Kreuz darauf entblößt und sie kurz seufzte. Jetzt war es wohl sowieso kein Geheimnis mehr.
„Such dir deine Partnerin aus, Layla!“ hörte ich schon ihre Stimme durch die Arena. Die Mädchen sahen erschrocken zu ihrer Mutter hoch und machten Platz als ich zum vorderen Ring marschierte. Mein Blick war erzürnt auf Leia gerichtet.
„Nehmt sie ran wie euresgleichen. Schließlich ist sie auch eure Schwester!“ forschte Leia mit starker Kriegerstimme voran, doch trotzdem blieben die jungen Mädchen still. Keine traute sich.
Ich ging meine Richtungen und hoffte zuerst Lia würde sich „opfern“. Aber sie blieb still bei ihrer langhaarigen Partnerin, die ihr leise etwas zuflüsterte.
Viele verschiedene Augenfarben beobachteten jeden einzelnen Schritt den ich tat, als ich in der Mitte stehen blieb und die Mädchen einen großen Bogen um mich machten. Mir kam es so vor das sie mich fürchteten.
„Ich machs!“ rief plötzlich eine Stimme hinter mir und ich schnell umwirbelte.
Eine Rothaarige, mit glühenden bronzenen Augen, die sich ihre glatten Haare lässig bis zu ihren Brüsten geflochten hatte kam mit geschmeidigen Bewegungen auf mich zu. Sie lächelte genauso schelmisch wie Leia Titania und auch ihr Kampfanzug perfekt an ihre schlanke Statur schmiegte. Genau wie die anderen Mädchen zeigte sie offen ihre Flügel die sie angewinkelt hatte und ihr glattes Gesicht ja direkt danach schrie gegen mich zu kämpfen. Eine kleine Narbe entdeckte ich an ihrem blassrosa Hals, die schon verheilt war. Aber hatten wir die nicht alle?
Da seufzte Leia oberhalb auf ihrem Thronsitz, „Manila du hast bald genug Zeit um gegen sie zu kämpfen“ sie kratzte sich genervt den Nasenrücken.
Das war also diese gefürchtete Manila. Und ich hatte mir eine riesige Harpyie mit Händen wie Baumstämme vorgestellt. Nicht eine in meinem Alter und genauso zart gebaut.
Vielleicht war das meine Chance.
„Ich nehme an!“ blaffte ich mit ebenso stark erhobener Stimme durch die Arena und es immer stiller und stiller wurde. Die Mädchen machten uns automatisch einen Kreis und Manila mit den Schritten einer Katze näher kam. Sie hatte keine Waffe an sich, aber eine innere Stimme sagte mir das ihre Hände genug Waffen waren. Ich zitterte kurz mit den Fingerspitzen und achtete gar nicht mehr auf Leia auf dem Thron. Manila bleckte ihre Zähne und mir entging ihr scharfer Blick nicht, den sie mir von Kopf bis Fuß schenkte. Sie rümpfte ihre vollen Lippen, „du stinkst bis hierher nach Mensch“
Die jungen Harpyien flüsterten erneut laut und ich einen Schritt nach vorne ging um ihr zu zeigen das ich es ernst meinte.
„Schön für dich, du riechst nicht besser“ konterte ich und ballte meine Fäuste.
So als ob sie darauf wartete lächelte sie keck und verlagerte ihr Gewicht auf den anderen Fuß, „auch wenn du Leias Tochter bist, bist du schwach. Schwach und dämlich“
Ihr Blick ging seitlich zu meinem Zopf, „und eine Verräterin“
„Du hast ganz schön große Worte…“
„Ich werde dich zermalmen! Jetzt und danach das Mutter dir die Flügel rausreißt und ich zusehe wie du ins Meer fällst“ keifte sie gefährlich und lief schon wie von der Tarantel gestochen von 0 auf 100 auf mich zu. Sie wirbelte Sand auf, als sich ihre Flügel auch in Bewegung setzten und ich weiterhin stehen blieb. Manila war so schnell das ich meine Hände vors Gesicht überkreuzte um ihre Faust aufzufangen. Sie sprang leicht von ihren Füßen und segelte mithilfe ihrer roten Flügel bis zu mir und biss auf Granit.
Ich blockte ihre Schläge und wirbelte herum als ich zusehen musste sie auf den Boden zu bekommen. Manila war sehr schnell, vielleicht noch schneller als Rafe mit ihrem Bonus zu fliegen. Und sie hatte eine eigene Technik die noch sehr neu für mich war. Einen Moment parierte ich ihre Faust, im selben landete die anderen in meiner Magengrube als ich keuchend in den Sand fiel.
Der zischende Schmerz fraß sich bis hinauf in die Brust. Aber ich durfte es nicht zeigen, wie sehr sie meinen Nerv damit traf.
Leises Händeklatschen erhob sich durch die Arena.
„1 zu 0 für dich…“ grummelte ich und hob mich schnell wieder auf die Beine. Manila schwebte immer noch flatternd einen Meter über dem Boden und grinste mich böse an.
„Du solltest baden gehen! Die stinkt nach Mensch!“ rief sie siegessicher und leises Gelächter der Mädchen um mich zu hören war. Sofort spurtete ich los und diesmal befreite ich meine Flügel die schon danach schrien sich diesem Miststück entgegenzuwerfen.
Manilas Miene blieb gleich als sie mir auswich, die Kurve flog um wieder mit erhobenen Fäusten in mein Gesicht zu zielen. Diesmal aber hatte ich gelernt und flog noch einen Meter nach oben um sie um Sturzflug zu erwischen. Die Harpyie keuchte und erwischte meiner eigenen Faust nur knapp als sie den Sand unter sich aufwirbelte und Richtung Leias Thron flog. Ich folgte ihr. Während unserem kleinen Spontanflug merkte ich wie andere Harpyien sich auf die Sitze setzten oder uns schwebend von oben beobachteten. Leia Titania saß mit beobachtender Miene weiterhin auf ihrem Thron ohne Angst zu haben das ich sie von vorne angreifen konnte, stattdessen trippelte sie immer noch mit ihren langen Nägeln auf den Thron herum.
Kurz bevor ich genau zu ihr flog, und sie immer noch nicht wegflog in der Angst ich könnte sie stoßen, flog ich empor. Ich drehte mich in der Luft während Manila hinter mir stark abbremste um nicht in ihre Mutter reinzufliegen, sie schrie mir laut nach, „bist du sogar schon so verzweifelt abzuhauen, Layla?“
„Ich lauf doch gar nicht weg, Manila!“ schlug ich sie mit ihren eigenen Waffen und stürzte wieder zurück in die Arena. Das Mädchen folgte mir, als sie schon fast neben mir war und mir erneut eine Faust ins Gesicht rammen wollten. Diesmal war ich es die auswich.
„Wie kannst du nur so schnell sein!!“ fauchte sie laut und konnte nicht verhindern wie sie donnernd in den Sand flog während ich Zentimeter davor noch ausweichen konnte. Sie war so mit ihren Schlägen und Tritten beschäftigt, das sie gar nicht berechnete wie nahe wir dem Boden bereits kamen. Eine weitere Taktik meinerseits.
Ein tiefes Knurren erfüllte die Arena und wie ein gefletschtes Monster flog Manila von der Staubwolke mir empor, ihre Augen hatten das bestialische Katzengelb angenommen und die schwarzen Schlitze darin mich tot sehen wollten. Oder so etwas ähnliches wie tot. Ich zischte mit meinen Flügeln hinunter um ihren Angriff entgegenzukommen, und unsere halb verwandelten Arme trafen sich in der Luft. Ein lautes Poltern ertönte als unsere Körper zusammenfielen und dennoch hielten uns die Flügel nicht lang, als wir gleichzeitig abrutschten zurück in den aufwirbelnden Sand der Arena.
Wir drehten uns kämpfend herum und ich ihre Tritte und Schläge bereits an meinem Körper spürte, sie war präzise und kannte Schwachstellen. Und ich konterte damit, das ich meinen Fuß in ihre Magengrube grub. Manila knurrte und ich gar nicht kommen sah wie sie ihre Zähne in meinen Oberarm grub. Durch die einzelnen freien Stellen des Anzugs, zielte sie sogar richtig und ich laut aufkeuchte.
Doch bevor ich meinen anderen Arm ausholen konnte, wurden wir plötzlich durch einen gewaltigen Stoß auseinandergerissen.
Kalte Hände drückten mich in den Sand und ich versuchte mit voller Kraft zuzuschlagen, aber das schmerzende Zucken meines Oberarms aus dem immer mehr Blut vor Manilas Biss triefte, war ein Schwachpunkt.
„GENUG!“ Leias erzürnte Stimme bebte über meinen Kopf und sie mich immer mehr in den Sand drückte.
„Lass mich los!“
„Lass du mich auch los, Larissa!“ hörte ich Manilas schrille Stimme im Hintergrund. Laut ihren Lauten wurde sie ebenfalls aufgehalten, „dieses Menschenmiststück mache ich fertig! Sie stinkt immer noch Mann! Widerlich!“
„Halt die Klappe, Manila! Eines Tages wirst du auch danach stinken!“ das war Larissas aufgebrachte und genervtes Stimmchen.
„Schhhh mein Kleines“ hauchte Leias nahe Stimme an meinem Ohr und ich weiter bebte damit sie von mir runter kam.
„Ich bin nicht…“
„Hush. Hush“ summte sie und ihr Arm meine Verletzung erreichte. Natürlich drückte sie zu das mir die Blitze des Schmerzes durch den Arm fuhren. Ohne es zu wollen schrie ich vor Schmerzen auf.
„Das nennt ihr Training?!“ fauchte Larissa weiter und Manilas Fluchen immer lauter wurde, „ihr kämpft wie Menschen!“
„Reiß dich zusammen, Layla“ ignorierte Leia die Stimme ihrer Tochter dahinter und drückte weiter zurück, „du bist keine mehr von ihnen also kämpfe wie eine Bestie. Sonst töte ich dich hier und jetzt“
Ich würde dieser Frau alles an den Kopf schmeißen, vielleicht hätte ich jetzt eine Chance sie zu überraschen trotz ihres Angriffs. Doch die Vernunft in meinem Inneren hielt mich auf: Sie würde mich überwältigen und ich gebe es ungern zu das Leia Titania stärker und erfahrener als ich war. Ich würde schneller sterben als mir lieb war, und mein Versprechen an Rafe brechen. Somit entspannten sich meine Muskeln um ihr zu signalisieren das ich unter ihr aufgab.
Obwohl die Schmerzblitze nicht vergingen versuchte ich sie über meine Schulter anzusehen, um in ihre gleichgültigen gelben Katzenaugen zu blicken. Sie erwiderte es und ich leise flüsterte, „ich gebe auf“
„Du bist zu keiner Kriegerin erzogen worden das nehme ich als deine Entschuldigung an. Und du bist genauso schwach wie dein Vater. Wärest du Alexanders Tochter geworden würdest du mehr Kampfgeist und Elan haben“ sprach sie im melodischen Ton und rief plötzlich, „Lia! Komm her!“
Ich knirschte mit meinen Zähnen.
Halte es aus!
Schnell eilten feine Schritte in unsere Richtung, aber ich war mehr dazu beschäftigt Leia Titania mordlüsterne Blicke zuzuwerfen, während sie mich immer noch bauchwärts in den Sand drückte.
„Ja, Oma?“ Lias zittrige Stimme warf sich über mich bis Leia wieder im normalen Ton anfing, „trainiere mit deiner Tante. Du kennst sie etwas besser und zeig ihr wie man als Harpyie kämpft. Nicht als menschliche Soldatin was ihre Stümperfreunde ihr lehrten“
„Das sind keine Stümper! Und wenn du sie nochmal beleidigst verlange ich, dass du mich auch respektierst!“ kam es nuschelnd aus mir raus, aber Leia antwortete nur darauf das sie meinen Hinterkopf mehr in den Sand presste als ihr Gewicht über mir verschwand.
„Und gebt ihr was für den Arm! Manila mit dir rede ich später noch!“
Lia schnaubte neben mir und wollte mir aufstehen helfen, aber ich winkte ab und stieß sie weg. Ich versuchte nicht zu zeigen wie sehr mich der Schmerz hinderte, meinen Arm zu bewegen und ich mich langsam erhob. Das sah nicht sehr grazil aus, aber es dauerte nicht lang bis ich wieder auf meinen beiden Beinen im Sand stand.
„Weiter. Weiter“ wedelte Leia als ihre Stimme sich immer mehr verflüchtigte. Ich sah zur Seite als auch Larissa mit Manila im Schlepptau zu den Toren ging, zum letzten Mal kassierte ich einen hasserfüllten Blick der Harpyie. Aber sie wurde gleich unsanft weiter geschubst, Larissa knurrte und redete noch mit Manila. Ich verstand aber nichts durch die bereits fortgesetzten Trainingseinheiten und Lias Stimme mich zurückbeorderte, „nichts hasst Oma mehr wenn du wie ein Mensch kämpfst. Auch wenn du es so gelernt hast…“
Ich wischte mir mit dem gesunden Arm den Sand vom Gesicht, als schon eine Harpyie von der Seite mit Salben und Verbänden herkam. Ich ließ sie ihre Arbeit machen und bedankte mich trotzdem mit einem Nicken.
„Es ist ähnlich oder? So hast du doch auch in New Buffalo mit mir gekämpft“ schmollte ich und schüttelte meinen Körper, bei jeder Bewegung schmerzten die Knochen. Aber ich biss die Zähne zusammen. Lia hob eine Braue und warf ihren kurzen Zopf weiter nach hinten, als sie sich in Angriffsposition stellte.
„Nun ja… ähnlich. Wir setzen eher auf unsere Flügel und glaub mir oder nicht… das ist eine effektive Strategie die dich überleben lässt“
Kurz fiel mein Blick auf eine lange Narbe an ihrem Unterarm, den sie in New Buffalo noch nicht hatte. Sie ging hinunter bis zu ihrem Handgelenk, und ich mir schon dachte woher sie die hatte. Lia war, genau wie ich, kurz die Gefangene des Königs in seinem Forschungsbunker. Und welche Experimente sie ihr antaten möchte ich gar nicht wissen. Stattdessen nickte ich und hob meine Fäuste.
„Bereit?“ fragte sie.
„Immer doch“

Ein Mann, den sie Künstler nennen

Rafe

 

„Ich weiß von nichts! Habt erbarmen! Ich gebe euch Gold… Juwelen! Meine Verlobte zuhause!“ zitterte der Schläfer in meinen Händen als ich ihn an die Wand des Hauses klemmte. Mir war der schon koscha geworden, das er mir und Henry schon seit Brookes Maiden folgte. Und ich sollte recht behalten, ein weiterer Attentäter hatte sich an unsere Fersen geheftet und ich mich schon immer wieder fragte wie die uns fanden. Andrew hatte wohl genug Schergen ausgeschickt und das war keine gute Voraussetzung. Zuletzt schleust er wieder jemanden nach New Buffalo ein nach unserer Razzia. Doch mir war das bewusst geworden als er einmal nicht aufpasste als Henry und ich dem jungen Kerl, der jünger als ich war, mit wirrem braunem Haar und zerfledderten Klamotten das er sich ja dem Leben in der Wildnis anpasste.
Nur sein teurer Dolch verriet auf seine Herkunft Richtung Stadt die wir über Kilometer und Kilometer hinter uns ließen. Wir waren jetzt schon so weit nördlich das wir nicht mehr weit nach Waterfall Bliss hatten. Und obwohl wir einige Leute nach diesem „mysteriösen“ Ort fragten, konnte uns keiner Auskunft darüber geben. Niemand kannte den und wir langsam schon eine Spur bekommen sollten.
„Das ist doch alles ein abgekartetes Spiel. Gib ihm den Rest, Rafe“ rutschte Henry hinter mir hin und her, aber ich presste ihn weiter an die Steinwand des kleinen Dörfchens wo wir vorbeikamen. Und was erwähnte der vorher? Er wollte im Austausch für sein Leben sogar das seiner Verlobten hergeben. Ich spukte ihm auf die Füße und ließ nichts unversucht ihm wenigstens einen Knochen zu brechen. Vielleicht auch zwei.
Der Attentäter schrie fast auf als ich seinen Arm auskugelte und presste meine Lippen zusammen, „wenn noch einer von euch Clowns mir oder meinem Bruder oder sonst wen auflauert! Kann ich für nichts garantieren, sag das dem lieben Andrew“
Meine Worte waren kaum ein Flüstern, aber so drohend das der Junge das verstand. Seine angsterfüllten blauen Augen verrieten ihn.
„Bitte… bitte verschont mich. Ich werde nichts sagen…“
Doch ich gab ihm einen so heftigen Schlag auf den Kopf das er an der Wand bewusstlos und lautlos zusammenbrach. Bis auf das laute Lachen der Männer und Frauen von der belebten Hauptstraße hörten wir nichts. Henry schnaubte leise, „das er wieder zum König rennt? Und uns Hybride auf den Hals hetzt?“
„Bis der dort ist sind wir schon weg. Komm“ sagte ich genervt und fuhr mir mit der Hand über mein raues Kinn, wir waren schon Tage unterwegs und die Pferde hatten wir in einem Stall des Dorfes einquartiert zu einem dämlichen Preis ihnen unsere letzten Gürtelschnallen zu geben. Gut das wir noch die alten Stoffhosen eingepackt hatten. Da brauchte ich nicht so dämliche Schnallen wie bei der Uniform.
Ich ging aus der Straße und presste mir den Rucksack an den Ranzen, wir sahen wieder so aus wie früher. Dreckig ungewaschen und unrasiert. Aber das war jetzt unser geringstes Problem als wir einige leicht bekleidete Mädchen in das Haus wo wir waren reingehen sahen. Es war die einzige Absteige darin und auch wir brauchten mal Ruhe. Laute Musik und Gelächter hallte von darin. Ich musste gestehen längere Zeit in einem Bett zu schlafen tat echt gut wie Layla immer schilderte.
„Rast?“ fragte ich und Henry sofort erleichtert seufzte, „und ich dachte ich wäre eine Pussy geworden“
Wir lächelten beide und ich ihm hart auf die Schulter klopfte als wir das Eck umrundeten und die kaputte Schwingtür aufstießen. Das Dorf hieß „Blue Miles“ und bestand eigentlich nur aus diesem Club/Gasthaus/Puff und kleineren Häusern die als Baracken für Reisende galten. Einen Markt gab es hier nicht, es war nur ein kleines Fleckchen für die wenigen Wilden die vorbeikamen um „Spaß“ zu haben. Und ich war mit Henry noch nie so weit gekommen.
Als wir reinkamen hatte ich ein kleines Flashback von früher.
Die riesige Absteige mit seinen kleinen Rundtischen das von lachenden und bärtigen Wilden umrundet wurden mit leicht bekleideten Mädchen im Arm und im anderen eine Keule oder ein Bier. Eine riesige Bar und eine große Bühne mit einer Stange, das mich sehr gut an die Zeiten in Puff Mamas Haus in Hills Eyes erinnerte. Henry kicherte sofort und wir uns auf einen Tisch fallen ließen, als wir unsere Rucksäcke unter den Tisch warfen und den stinkigen Zigarrengeruch um uns wahrnahmen. Der umliegende Rauch hüllte alles in einen dichten Nebel der sich mit Alkoholgeruch mischte.
Plötzlich kam auch schon eine leicht bekleidete Kellnerin mit vollem blondem Haar und üppiger Oberweite in unsere Richtung. Ein Hauch von Nichts senkte sich über ihren schlanken Körper und früher hätte ich echt nichts anbrennen zu lassen, aber jetzt…
„Hey, Jungs“ flötete sie erotisch und stellte uns einen Aschenbecher aus Metall in die Mitte dass Henry und ich gut in ihren tiefen Ausschnitt spicken konnten. Er pfiff aus Angewohnheit und grinste sie schelmisch an. Sie zwinkerte zuerst ihm zu, dann mir. Ich konnte allerdings nicht anders sie auch anzugrinsen und die Brauen zu heben.
„Chica, schönes Kleid“ flötete Henry heraus. Ich stieß ihm unter dem Tisch mit dem Knie an. ER zuckte kurz und sie sofort kicherte, „danke. Ihr seid nicht von hier oder? Es ist selten das so hübsche Exemplare wie ihr reinkommt“ sie deutete mit ihrem Block hinter sich, „was kann ich euch bringen?“
Ich senkte meinen Blick auf ihre nackten Hände, sie war nicht immer eine Kellnerin. Diese Hände deuteten auf harte schwere Arbeit. Sie könnte auch Arbeiterin oder Sklavin gewesen sein, da die alten Narben sich bis zu ihrem Handgelenk fraßen. Und ich ein schwarzes Kreuz darauf sah.
„2x Bier und das Tagesgericht“ bestellt ich räuspernd und winkelte meine Ellbogen an und nahm mir einen Zahnstocher von dem kleinen Kübel mit Salz und Pfeffer, „und nein wir sind von ganz woanders, Miss“
Henry tat es mir gleich und sie uns abwechselnd ansah, sie biss sich errötend auf die rotangemalten Lippen, „bringe ich euch gerne. Und wollt ihr noch Extras?“
Sie wackelte verführerisch mit ihren Augenbrauen und wartete noch berechnender auf unsere Antwort. Aber ich wusste sie bereits, Henry hoffentlich auch.
„Nur das Essen, Miss“ antwortete Henry wie aus der Pistole geschossen. ICH knabberte immer noch an meinem Zahnstocher und versuchte nicht auf ihre Brüste zu starren. Ich bin auch nur ein Mann – verheiratet oder nicht. Verdammt ich musste einfach.
Diesmal war es Henry der mich unter dem Tisch mit dem Knie anstieß, und das nicht sanft.
„Gut.. genießt trotzdem die Show. Lyanna kommt dann und die wollt ihr auf keinen Fall verpassen“ zwinkerte sie fröhlich und drehte sich um, damit sie mit ihren Hüften davondackeln konnte das wir die perfekte Aussicht hatten. Henry und ich beugten uns zur Seite und ich in seinen Oberarm schlug, „hör auf damit!“
„Hör du auf und gucken darf ich ja! Auch wenn ich eine Freundin habe… mensch wehe du sagst das Kira. Die tötet mich“
Ich lachte ihn über die Musik an aus, „du fürchtest dich vor ihr? Seit wann ist Henry Cosma unter die Fittiche eines Mädchens. Hahaha“
Henry schnaubte und kratzte an dem Holz des Tisches herum, ihm war das peinlich. Immer wenn ihm etwas peinlich war musste er an Dingen herumkratzen.
„Ach und du bei Layla nicht?“
Ich wischte mir fast die Tränen von den Augen. Sowas mal zu erleben, „ich gebe es auch offen zu, aber ich stehe sicher nicht unter ihrer Fittiche“
Henry sah mich schräg an und hob eine Braue, „genau“
„Nein wirklich…“
„Die hat dich voll in den Griffel…“
Aber weiter kamen wir nicht mehr uns gegenseitig aufzusticheln und ich niemals das zugab als zwei Kellnerinnen mit den Krügen und dem saftigen Braten daherkamen. Wie sehr ich mal so ein Essen vermisste, aber statt die beiden leicht bekleideten Mädchen wieder gingen setzten sie sich auf die beiden Stühle neben uns. Die Blonde von vorher setzte sich dicht neben mich, ihre schwarzhaarige und exotische Kollegin dicht neben Henry und wir beide sie mit großen Augen ansahen.
„Kommt ihr öfter hierher? Verzeiht unsere Neugier, aber ihr seid ihr die schönste Kundschaft“ kicherte die Schwarzhaarige und lehnte sich fast auf Henry, der seinen Krug nippte und sich etwas zur Seite lehnte. Aber es fiel ihm trotzdem schwer.
Ich nahm meinen Krug und beäugte die gut gebaute Kellnerin mit den eisblauen Augen. Sie erinnerte mich etwas an Stella in Puff Mamas Haus. Die hatte mich auch immer so hoffnungsvoll angesehen und eine kleine Gänsehaut mich durchfuhr. Ihre Hände landeten auf meinen Oberschenkeln, doch ich stellte meinen Krug ab und sorgte dafür das sie wieder ihre Hand behielt.
Doch es war nur eine Aufforderung, dass ihre andere Hand an meinem Nacken landete und meine Haare streichelte. Ihre Brüste streiften meinen Oberarm, als ich zu essen anfangen wollte. Wie sollte ich mich da konzentrieren?
„Eigentlich nicht. Wir sind auf der Durchreise“ aß Henry und ließ es zu das sie ihm den Arm streichelte, ich glaube diesen kleinen Luxus wollte er sich gönnen. Und eigentlich war es kein Fremdgehen, da müsste schon Gröberes passieren.
„Und was ist mit dir?“ flüsterte die Blonde und sie ihr Gesicht nahe an meine Wange hielt, selbst jetzt konnte ich ihren warmen Atem spüren.
„Was ist dein Geheimnis das du nicht schwach wirst und einem Mädchen das gibst was sie sich wünscht, junger Wildling“
Ich kaute an dem Brot was sie dazustellten und hörte auf zu kauen. Langsam fielen meine Pupillen auf ihr Gesicht und zerteilte es in meinen Händen.
„Ich bin … ich kann nicht…“ stotterte ich etwas und schluckte schwer das Stück Brot runter um nicht mehr peinlich weiter zu reden, aber ich drehte mich dann halb zu ihr. Ich versuchte nicht auf ihre Brüste zu starren, „ich bin vergeben. Wir sind hier nur zum Essen und Trinken“
Kurz flackerte ein Licht in ihren Augen, aber sie schürzte nur die Lippen weiter. Ihre Hand ging immer noch zu meinem Oberschenkel und ich wieder zurückrutsche. Aber der Sessel war nicht breit genug.
„Wildnis ist Wildnis. Niemand bindet sich und sie ist sicher weiter weg, oder?“
Schnell packte ich ihre Hand und beförderte sie wieder auf ihre Seite. Blondie sah überrascht aus.
„Ich bleibe treu und wiederhole mich kein drittes Mal, Lady“
Blondie rückte weiter zurück und atmete scharf an. Die Zurückweisung war sie wohl nicht gewohnt und ich leise ausatmete, „hör zu. Du bist eine Wahnsinnsfrau. Keine Frage und meine Güte jeder Mann wäre glücklich dich zu haben. Egal auf welchen Weg… und früher hätte ich…“
Sie beugte sich hoffnungsvoll nach vorne und unsere Münder nur Zentimeter entfernt waren, aber ich redete stockend weiter, „hätte ich gerne Sachen mit dir gemacht… aber jetzt nicht mehr“
„DU hast ihn gehört, Blake! Er ist nicht interessiert“ unterbrach uns plötzlich eine melodische Frauenstimme daneben. Schnell sahen wir beide zur Seite und ich schon das laute Husten von Henry hörte der sich daran verschluckte.
Grüne Augen stachen sich aus dem blassen und schönen Gesicht heraus, das ich schon so oft sah und in das ich mich verliebte. Ich ließ fast das Brot fallen und schluckte laut als ich Blondie neben mir schon leise seufzen hörte, „nett, Lyanna, ich dachte du würdest tanzen“
Kaschmirrote lange Locken säuselten sich, wie Layla, schwungvoll bis zu ihren vollen Brüsten und das enge fast durchsichtige Kleid fast alles zeigte was ich nicht schon sah. Die gleichen zarten Rundungen und die schlanken Arme und langen schönen Beine, als ich sie von Kopf bis Fuß musterte. Ich musste mir auf die Zähne beißen, dass das nicht Layla war. Könnte aber als ihre Zwillingsschwester durchgehen, denn bis auf die Augenfarbe ähnelten sie sich wie ein Ei dem anderen. Und das brachte mich total aus dem Konzept.
„Macht euch vom Acker. Ich muss sie was fragen“ wedelte sie mit ihren Armen und bohrte in ihren Blick abwechselnd zu Blake und ihrer Kollegin neben Henry.
„Wie immer Lyanna“ schnaubte die Schwarzhaarige und beide gleichzeitig aufstanden um wieder in der Menge um uns zu verschwinden. Die Rothaarige stemmte ihre Hände auf die Hüften und sah den Mädchen noch lange nach, dann wandte sie sich wieder mir und Henry zu. Dieser war auch so überwältigt von der Ähnlichkeit zu Layla, das es in meiner Brust kurz einen Stich auslöste. Was würde ich dafür geben, wirklich sie vor mir zu haben. Alles sagte, das wir eine Harpyie vor uns hatten. Denn ihre roten Haare stachen einfach aus der Menge.
Dann schützte sie keck die Lippen, „jetzt ist es endlich frei. Ich darf mich doch zwischen euch setzen oder?“
„Können wir nicht mal in Ruhe essen…?“
Aber sie ignorierte Henrys verwirrten Ruf und macht keinen Hehl sich an den Stuhl von Blondie zwischen uns beiden zu setzen. Ihre warme Hand strich über meinen Nacken und ich mir nichts anmerken ließ als ich kauend mein Essen fortsetzte. Ich versuchte sie eben nicht anzustarren als sie sich etwas nach vorne lehnte und ihren Kopf zwischen uns herumfielen ließ.
„Ich bin jetzt nicht zum Spaß gekommen. Und ihr wisst was ich bin. Euer Geruch verrät mich wer ihr seid…“ sagte sie und ich mir den Krug schnappte.
„Und was verschafft uns die Ehre?“ sagte ich und Henry auch sein Bier nippte. Wir sahen uns über ihren Kopf an und er zuckte die Schultern.
Seufzend ließ sie ihre rote Lockenpracht nach hinten werfen und lehnte sich an den Stuhl, jetzt konnte man ihre Brüste noch besser sehen. Sie waren auch wie Laylas…
„Hör auf mir auf den Busen zu starren, meine Augen sind hier oben, Herr Gott nochmal Männer“
Ich ließ den Krug auf den Holztisch scheppern, der kurz wackelte, „dann zieh sowas nicht an, wenn du anscheinend hier keine Angestellte bist“
Sie verdrehte die Augen und drehte sich nun halb zu mir, als sie die Beine überkreuzte. Ihr feuriger Blick kam mir nur zu gut bekannt vor, ich erwiderte ihn bissig.
„Herrgott… das kann nicht ihr ernst sein“ ihr Blick fiel auf meine Lippen, „ich bin nur die Nachrichtenüberbringerin. Larissa arbeitet gewöhnlich hier öfters um etwas Abstand vom Nest zu bekommen aber jetzt habe ich ihren Platz eingenommen…“
„Also eine kleine Spionin…“
Sie lachte waghalsig, „nein. Eine Überbringerin, Mann. Und ich glaube nicht was ich da tue“
So schnell konnte ich nicht reagieren, als sie mein Gesicht in ihre zarten Hände nahm und mich leidenschaftlich küsste. Ihre Zunge fand sofort ihren Weg in meinen Mund und ich nur überrascht die Augen aufriss.
„HÄ!? Warum bekomme ich das nicht?!“ hörte ich Henry neben ihr.
Aber das war nicht Layla… und meine Hände umfingen ihre schlanken Oberarme als ich sie von mir wegstieß. Keuchend sah Lyanna mich an und hob verwirrt ihre Brauen. Auch ich ließ stoßweise den Atem an und befahl mein Herz nicht so zu rasen. Das war verdammt nochmal nicht Layla!
„Was soll das?!“ fauchte ich und drückte ihren Oberarm, aber sie verzog keine Miene und legte ihr schönes Köpfchen schräg. So als ob sie mich lesen wollte.
„Schöne Grüße von Layla. Das war auch schon alles…“
Ich schüttelte schnell den Kopf, „veralber mich nicht, Harpyie“
„Was hätte ich für einen Nutzen? Dich im Busch zu vergewaltigen und dich zu töten? Glaub mir laut deinem Puls und Blick hättest du gerade nichts dagegen…“
Ihr Ton wurde noch ernster und ich nichts darauf antwortete.
„Layla hat mich geschickt… beziehungsweise Larissa, ihre ältere Halbschwester und sie einen Plan haben Leia Titania zu stürzen. Und sie uns gesagt hat, was ihr vor habt“
Sie drehte sich halb über die Schulter um Henry anzusehen, der sie genauso wenig lesen konnte wie ich.
„Checkt ihr eigentlich irgendwas?“
„Und woher sollen wir dir trauen?“ drehte ich ihr Kinn wieder unsanft in meine Richtung, über die laute Musik hörte uns sowieso keiner hier.
„Vertraust du Layla, vertraust du uns auch. Du bist ihr Zasahik und wir würden dich nie anfassen, weil sie unsere Schwester ist. Oder eher hinters Licht führen“ sie kam mir wieder näher und küsste mich.
„Ich liebe dich, Rafe, mehr als alles andere. Mir geht es gut“ flüsterte sie zwischen ihren zärtlichen Küssen an meinen Lippen und sie sogar fast dieselbe Stimme wie Layla hatte. Schnell erwiderte ich ihren Kuss und dachte an meine Prinzessin. Das sie es war, die diese Nachricht überbrachte. Das ich auf sie bauen sollte und zu mir zurückkam. Nichts wünschte ich mir momentan mehr als bei ihr zu sein.
Diesmal war es Lyanna die den Kuss abbrach und mit der Zunge über ihre Lippen strich.
„Keine Extrazusätze“ flüsterte sie und wir uns wieder auseinander lebten, ihr Kopf ging zu Henry der immer mehr mürrischer neben uns war.
„Ihr müsst zu den Drachen in Waterfall Bliss und lasst mich raten. Ihr habt keinen Schimmer wohin…“ kicherte sie nun und nahm sich meinen Krug um daran zu trinken. Ich sah sie immer noch mit zusammenkniffenden Augen an, „und du weißt es nicht wahr, Lyanna?“
Sie verschluckte sich fast am Bier, „ich bin nicht Lyanna. Das ist nur hier der Deckname von Larissa. Ich bin… Laksha“
„Habt ihr ein Faible für Namen mi L oder wie muss ich das verstehen…“ raunte Henry und nippte an seinem Krug ohne seinen Blick von der Harpyie zu lassen. Sie verstand seinen Sarkasmus und erklärte nur simpel, „ich folge euch nun schon seit zwei Tagen und ja das ist ein Harpyiending. Alle Harpyien die direkt von Leia Titania abstammen bekommen den Namen mit L. Die anderen bekommen andere, die noch die Nachkommen von anderen Titania-Harpyien sind“
Meine Augen fielen zu Henry, er erwiderte meinen Blick und wir uns wieder auf sie konzentrierten, „also spucks aus. Weißt du den Weg?“
Laksha nestelte an ihren Nägeln herum und biss sich auf die Lippen als sie den Kopf wieder zu mir drehte.
„Nein. Aber ich weiß wer euch hinführen kann… das ist unter Bestien so bekannt. Sein Name ist auch der Künstler… er lebt einige Kilometer nördlich von hier. Seine Hütte ist kaum zu übersehen und er zeigt sich auch nur wenn er will. Leia Titania, ich oder Larissa kennen nicht sein Gesicht, er wird öfters ausgetauscht und dient den Drachen“
Ich biss auf meine Lippen und lehnte mich etwas zu ihr hin, damit ich ihr tief in die Augen sehen konnte. Mittlerweile gewöhnt man sich dran Leuten nicht über den Weg zu trauen. Denn ein bestimmter Augenmuskel zuckte immer wenn man log. Aber Laksha zeigte nichts darauf.
„Vertrau mir. Layla gehört zu unserer Rebellion und möchte Titania genauso tot wie viele von uns sehen. Und wir bald unser Ziel erreichen, deshalb möchte ich ihr helfen“
„Lyanna!“ hörten wir plötzlich eine tiefe Stimme durch das Gewirr, „wo ist das Weibsding?“
„Gott nur noch heute dann bin ich wieder beim Nest“ fluchte sie und ein dicker Mann mit Glatze aus der Menge herausschweifte. Seine erzürnten Augen fielen sofort auf die Harpyie zwischen uns.
„Sieh zu dass du deinen Knackpo auf die Bühne stürzt sonst bekommst du Ärger!“ fauchte er über die Musik hinweg, bis ich aufstand.
„Sie muss gar nichts. Also verpiss dich! Sie sitzt schon bei uns!“
Kurz knarzte er mit seinem Kiefer und er merkte das ich ihm körperlich deutlich überlegen war. Ich knackte meinen Nacken und schüttelte meine Hände. Zu einer Prügelei noch dazu mit diesem Vollidioten hätte ich jetzt richtig Bock.
„Gut. Gut“ ich wusste das er zitternd kniff, er wandte sich wieder zu Laksha, „in einer Stunde bist du wieder auf der Bühne“
Als er feurig wieder in der Menge verschwand, saß Laksha immer noch gemütlich auf dem Stuhl, „ich brauche keine Wachen. Spätestens in einer Stunde wäre ich sowieso weggeflogen“
Ich starrte immer noch zu der Stelle wo der Glatzkopf verschwand und ich mich langsam wieder setzte, als sich meine Muskeln etwas entspannten. Nur über meine Leiche würde ich die zum Tanzen da raufbefördern. Noch dazu das alle Kerle ihren Körper anglotzten… Laylas Körper.
„Na gut… es war mir eine Ehre und trotzdem danke, Laylas Zasahik“ kicherte sie und ihre Hand auf meiner landete. Ich konnte mich etwas dadurch beruhigen.
„Irgendwie beneide ich sie gerade, aber mein eigener Zasahik ist noch da draußen“ sie beugte sich nach vorne und küsste mich federleicht auf den Mund. Ich hatte meine Augen immer noch geöffnet, als sie sich löste und sich zu Henry umdrehte. Er sah sie nicht an als er auch noch böse zu dem Platz schielte wo der Glatzkopf stand. Seine Knöchel waren weiß als er den Henkel des Krugs immer fester griff.
„Damit es fair bleibt“ sie fuhr nach vorne, ihre Hände landeten auf seinen Wangen, drehte seinen Kopf zu ihr und sie ihn leidenschaftlich küsste.
Seine Augen wurden sofort wieder heller und er ihren Kuss nur zögernd erwiderte. Ich wollte sie schon wegdrehen, weil es echt schräg aussah. Von hinten konnte man meinen das Layla voller Leidenschaft meinen Bruder küsste. Ich musste kurz wegschauen. Das schlechte Gewissen meldete sich aber sofort als sie merkte das er nicht seine ganze Kraft darin legte.
„Du bist es nicht, großer Mann“ sie stand ruckzuck auf und umrundete uns ohne noch etwas zum Abschied zu sagen.
„Warte noch!“ blaffte ich ihr nach, sie blieb zwar stehen drehte sich aber nicht um. Ihr Haar hing ihr wie ein schöner Vorhang über den nackten Rücken. Ich fuhr weiter fort, ich wusste das sie mich hören musste, „sag Layla…“
„Ich weiß was du ihr sagen möchtest, Wilder. Ich werde es ihr ausrichten“ sagte sie gelangweilt und setzte ihren Weg fort. Noch ein letztes Winken ihrerseits ließ sie wie einen Geist verschwinden.
Henry saß immer noch verdattert da. Nur die Musik des Ladens dröhnte in unseren Ohren.
„Was ist passiert… was…“
„Keine Angst“ ich nuschelte in meine Handfläche und nahm mir erneut einen Zahnstocher, „das bleibt unter uns“
Laksha verschwand so schnell zwischen all dem Rauch und Suff, das nicht mal ihre roten Haare rausstachen. Aber wir hatten jetzt immerhin eine Spur.
„Nördlich kann alles sein… drum machen wir uns morgen früh gleich auf den Weg“ sagte ich sah meinen Bruder an, der sich den Mund mit dem Ärmel abwischte. Die Röte an seinen Wangen wollte einfach nicht verschwinden. Und ich dieses Kapitel hoffentlich bald vergessen konnte.

Überleben

 Layla

 

„Ich habe dir gesagt das du dich auf das hier konzentrieren musst! Ich habe dir und deinem Zasahik geholfen die Drachenfestung zu erreichen – jetzt gehen wir dieses Problem hier an“ flüsterte Larissa drohend in meiner Zelle während ich im Schneidersitz ihr gegenüber saß und sie mir die ganzen Dolche zeigte, mit denen sie Leia Titania erstechen wollte. Larissa hatte die Wachen schon vor einer Stunde abziehen lassen und seit der komischen Begegnung einer weiteren Harpyie namens Laksha die Rafe die Nachricht überbringen sollte, zappele ich noch mehr herum als sonst.
Draußen schielte eine eigens eskortierte Harpyie, die zu Larissas Plan gehörte, und würde uns deuten falls Leia Titania daherkam
Derweil habe ich noch nicht viel von der Klippe sehen können und mein Kampf auf heute Abend gesetzt wurde. Und das wurde echt schon Zeit. Meine Haare hingen gewellt und frisiert über meine Schultern während ich heute einen schwarzen engen Anzug mit Metallriemen der hauseigenen Schmiederei der Harpyien bekam. Die grau schimmerten Pailletten waren am Kragen bis zu meinen Schritt eingenäht und der Stoff des Anzugs sich rau wie eine Reptilienhaut anfühlte. Laut Larissa war das der stärkste Kampfanzug, immun gegen Klauen und Klingen, aber sehr ungut zu tragen. Ich spürte es schon und kratzte an dem Kragen herum.
„Ich würde sagen, der hier“ stolz hob Larissa einen Dolch mit einem goldenen Griff er sah sehr wertvoll aus und ich ihren Blick genervt erwiderte, „wir müssen sie auf die Palme bringen, dann können wir zuschlagen, dass wir sie in einer Raserei bringen. Hörst du mir zu?“
Aber ihre funkelnden braunen Augen drehten nur den Dolch in ihren Händen.
„Wie oft ich mir das schon vorgestellt habe. Im Namen von Luke schneide ich ihr dann die Kehle durch…“
„Larissa“ ich berührte ihre Hände und versuchte durch sie durchzukommen. Obwohl sie den Dolch ansah, waren ihre Gedanken nicht bei der Klinge.
„Rache ist ein blöder Grund. Glaub mir du redest mit jemanden der es schon oft getan hätte. Aber Leia zu töten macht das vor den anderen Harpyien nicht besser. Sie muss sich einen Fehler erlauben damit du sie vor allen bloßstellen kannst. Damit auch keine andere Harpyie das gleiche dann mit dir tut. Und dann…“ ich biss mir auf die Lippen als Larissa mich doch nach langen Minuten ansehen kann. Ihre roten Haare hatte sie streng nach hinten gekämmt, das sie älter wirken ließ.
„Und dann kannst du mit ihr tun was du willst. Ich überlasse dir das alles“
„Glaub mir. So schnell kann sie gar nicht das Amt verlieren, das ich ihre Flügel ausreiße und sie die Klippe runterwerfe… für Luke und all die anderen Harpyien die sie unglücklich gemacht hat. Selbst für meinen Vater werde ich es tun“ ihre Stimme klang ruhig und gefasst, aber ein Funke Zorn schrillte heraus. Dennoch betont das uns keine Harpyie von den Gitterstäben die nach draußen führten nicht hören konnte.
„Und den meinen… und Rafes Vater“ ergänzte ich und wir uns gegenüber ansahen.
Mein Blick fiel aber als erstes auf die anderen drei Dolche mit bunten Griffen die sich zwischen uns banden, ich berührte einen mit glänzender Klinge und braunem Griff. Er fühlte sich an wie altes Leder.
„Wie war er, dein Vater?“ fing Larissa nun an.
„Ich habe ihn nie gekannt. Er starb als ich klein war… das einzige was ich von ihm habe sind seine dunkelblauen Augen“ ich hob meinen Kopf wieder zu Larissa, ihre Züge waren etwas weicher geworden. Sie lehnte sich etwas zurück und blinzelte hinter mich. Dass sie gerade wieder in weiter Ferne war, konnte ich mir zu gut vorstellen.
„Mutter hat mir nur vage von meinem Vater erzählt. Sie kannte ihn nur flüchtig, eigentlich flog sie nur raus um zu jagen. Aber dann hat sie ihn getroffen, er war ein junger Schmied, mit dunklen braunen Augen der es bald bereute mit einer Harpyie zu schlafen. Sie hat ihn danach ermordet…“ sie sah nun wieder mich an, „aber als Mutter nach Jahren nicht von einer Mission zurückkam glaubte ich schon sie wäre gestorben. Ich hielt auch die Zügel damals… ich war noch keine fünfzehn damals“
„Sie ist in der Stadt geblieben…“
„Tja dort hätte sie auch bleiben sollen“ fauchte Larissa und streckte sich kurz, das ihre Knochen knackten. Wie ich trug sie einen engen schwarzen Kampfanzug, der glich meinen ziemlich.
„Lieber nicht“ lächelte ich trocken und Larissa meinem kleinen Lacher miteinstimmte. Je öfter wir redeten und sprachen desto besser verstand ich mich mit meiner älteren Halbschwester. Sie war genauso gezeichnet von Leias furchtbare Erziehungsmaßnahmen und der Hass den sie ihrem Zasahik antat hatten meine Schwester geprägt. Vielleicht wäre sie draußen wie eine normale Frau geworden, meine Schwester und Freundin.
„Du bist ganz in Ordnung für eine die bei Menschen aufwuchs“ zog Larissa ihre schlanken Füße ein und sammelte die Dolche wieder ein um sie an ihren Gürtel zu stecken. Zwei jedoch band sie sich heimlich an ihre Waden.
„Gebe ich gerne zurück. Ich hätte nicht gedacht mal eine andere Harpyie bis auf Lia zu treffen mit der ich auskam… hast du eigentlich die anderen Töchter gekannt?“
Sie zuckte kurz, ließ sich aber dann lässig nach hinten fallen als ihre Hände sich am Boden mit Stroh anwinkelten.
„Es lebte nur mehr eine als Mutter mich zur Welt brachte. Ihr Name war Laika, sie starb mit fast achtzig Jahren… schon dämlich wenn deine eigenen Töchter altern und sterben während du selbst jung und knackig bleibst mit ewiger Jugend… mein Mitleid hält sich für sie in Grenzen“
„Oh… und wieviele Schwestern hatten wir beide?“ ich zog meine Brauen hoch und mir schauderte vor der Antwort. Hatte mir nicht Rohan mal was gesagt…?
„Wir sind insgesamt mit dir nun auf…“ Larissa hob ihre Finger und zählte leise. Es dauerte einige Minuten bis sie mich wieder breit anlächelte, „vierundvierzig Töchter“
„Oh mein Gott“ ich ließ mich nach hinten fallen und bedeckte meinen Arm auf mein Gesicht, „wie kann man dann trotzdem noch so sexy wie sie aussehen. Und was ist mit den Söhnen?“
„Söhnen?“ Larissas Tonfall war schwerfällig, so als ob ich die erste war die sich wunderte was Harpyien mit ihren männlichen Nachkommen machten.
„Hier gibt es keine Söhne. ES ist äußerst selten, dass eine Harpyie einen Sohn bekommt. Und wenn doch… werden sie ausgesetzt“
„Wie… wie krank seid ihr bitte?“ ich setzte mich empört auf und starrte sie an. Larissa sah immer noch locker an. Sie zuckte nur ihre schlanken Schultern.
„Männliche Harpyien werden als gewöhnliche Menschen geboren. Das ist wissenschaftlich so geplant… deshalb hat die Titania-Reihe beschlossen solche Kinder nicht aufzuziehen. Sorry wenn ich dich dafür enttäusche, kleine Schwester“
Ich schnaubte laut aus und wich ihrem Blick aus. Ich wollte noch meinen Mund öffnen, aber ein Geräusch das nach einem Rütteln der Klinke kam riss mich raus. Larissa war sofort alarmiert, bis eine melodische Stimme von draußen ertönte:“ Larissa. Mach die verdammte Tür auf. Ich bins!“
Ich war die Erste die aufstürmte und zur Tür lief. Larissa stand mit einer geschmeidigen Bewegung auf, und sie mich kurz an Leia damit erinnerte. Sie nahm meinen Oberarm und hielt mich zurück, „zurück. Überstürz nichts“
Ich atmete nochmal aus und ließ meine Halbschwester vorwärts, als die Tür aufging und Laksha reinstürmte. Ihre Haare standen ihr zu Berge und obwohl ihre Ähnlichkeit mit mir so extrem war sah sie fertig und müde aus. Dunkle Ringen sammelten sich unter ihre schönen grünen Augen und sie kleine Zweige und Federn aus ihrem wirren rotem Lockenhaar zupfte. Sie hatte ein einfaches braunes Kleid an, was normalerweise Frauen im dritten Distrikt als Arbeitsgewand anzogen mit einer Schürze. Jetzt könnte sie echt als meine Doppelgängerin durchgehen ohne Flügel am Rücken.
„Laksha, Liebes! und? Erzähl“ forderte Larissa bequem als sie die Tür hinter uns zuschmiss. War meine Zelle jetzt ein Treffpunkt der neuen Rebellion geworden.
Ich wirbelte rum und folgte meiner Cousine… Nichte… was auch immer.
Laksha seufzte lange und ließ sich auf den kalten Strohboden fallen, sie stöhnte auf und verdeckte ihren Kopf in ihren angewinkelten Füßen.
„Ich mache das nie wieder, Larissa!“ fauchte sie und knurrte als sie ihren Kopf hob, ihre grünen menschlichen Augen wurden gelbartig als Larissa düster über ihr stand. Sie erwiderte das Knurren nicht und zuckte nur mit den Mundwinkeln.
„Ich musste für die Kerle tanzen! TANZEN UND KELLNERN! Verstehst du mich, für wildfremde eklige Männer in dieser Spelunke! Was machst du dort immer?! Ich fühle mich so gedemütigt!“
„Wie tanzen?“ fing ich nun an und setzte mich dicht an meine Doppelgängerin. Ich beugte mich nach vorne und platzte fast vor Ungeduld, „erzähl es. Komm schon, Laksha!“
„Halt den Schnabel! Sie verrätst uns noch alle mit deiner Lautstärke!“ fauchte nun Larissa im schneidigen Ton zurück als Laksha die Augen verdrehte uns sich wieder nach vorne drehte. Ihre grünen Augen blitzten und ich sie leicht berührte.
„Bitte Laksha. Hast du Rafe getroffen? Geht es ihm gut?“ ich schluckte und zitterte bei seinem Namen. Ich war schon fast zwei Wochen hier und mir kam es bereits wie eine Ewigkeit vor. Meine Finger strichen über ihre kalte Haut, aber sie biss sich nur auf die Lippen. Ich hoffte das sie mir keinen Bären aufband und bei diesem Thema würde ich das nicht sehr gut heißen mich auf den Arm zu nehmen.
„War das nicht dieser gut gebaute und große Wilde mit sonnengebräunter Haut eines Adonis gleich und grünen Augen wie Smaragde und Haar so schwarz wie Ebenholz und jeweils zwei Narben an den Augenbrauen da darauf deutet das er ein Krieger ist?“
„Meine Güte lass diesen Gedichtskram…“ schnaubte Larissa über ihr und ich plötzlich schüchtern lächelte, „was für eine Poesie keine Frage, aber ja… das ist Rafe“
Laksha kicherte wie ich und wurde sogar etwas rot auf ihren blassen Wangen. Es war ungewohnt in sein Spiegelbild zu blicken ohne das die Bewegungen nachgeahmt wurden.
„Er und sein großer kühner Freund der fast rote Haare hat wie wir… ja ich habe die beiden getroffen und sie vor Unheil bewahrt…“
„Welches Unheil? Die Hybriden? Soldaten?“ ich war so neugierig und aufgeregt als ich mich weiter zu ihr lehnte.
Laksha lachte leise und schüttelte den Kopf, „schlimmer noch… Frauen. Sie waren in der Absteige wo ich für Larissa arbeitete, als sie eine Pause machten und ich sage dir, das er echt ein toller Mann ist“
„IN einem Puff?“ ich hörte mich etwas erschreckt an und ich mein Herz spürte wie es pochte. Doch ich musste vertrauen… Rafe war früher ein Wüstling, aber das gehörte in die Vergangenheit.
„Nein er hat nichts getan, Layla. Ich habe die Kellnerinnen fortgescheucht und er hat echt nix getan, da lege ich meine Hand ins Feuer. Wirklich“
Ich atmete erleichtert auf und meine Lider sich senkten als sie weitersprach, „ich habe ihm alles gesagt, Larissa, das sie den Künstler finden der sie nach Waterfall Bliss bringt. Den Rest müssen die beiden alleine schaffen und Layla…“
Ich sah wieder in ihre dunklen grünen Augen und sie mein Kinn in ihre feinen Hände legte. Obwohl die Schatten ihre Müdigkeit spiegelten, lächelte sie mich froh und sinnig an.
Sie beugte sich vor und küsste mich auf den Mund. Es war ein liebevoller Kuss. Ein Kuss inniger Liebe und ich meine Augen schloss.
„Mit all seiner Liebe, Layla… ich habe es Rafe ausgerichtet und er zählt auf dich. Auf deine Rückkehr“ flüsterte sei an meinen Lippen und küsste noch federleicht zum Abschluss und ich nur die Augen schloss und mir Rafe vorstellte.
„Du hast großes Glück mit deinem Zasahik“
„Mit meinem Mann“ verbesserte ich sie lächelnd und ich wusste wie meine Augen gerade im schwachen Dämmerlicht von draußen schimmerten. Laksha nickte sofort und erhob sich um sich zu strecken, „und ich gehe jetzt ins Nest schlafen. Ladies“
„Ich komme auf dich zurück, Kleines“ lächelte auch Larissa, doch meine Zwillingsschwester in spe winkte nur und verschwand aus der Tür nachdem sie unsere geheimen Klopfzeichen gab damit Larissas Wache ihr die Tür aufhielt.
„Ja ich verstehe es warum du zu den Menschen zurückkehrst. Ich hätte das gleiche gemacht wenn Luke mir einen Antrag gemacht hätte…“ sie seufzte und schritt langsam Richtung Tür sodass sie mir den Rücken zudrehte. Ich saß immer noch da und lächelte mit mir selbst.
„Sieh zu dass du überlebst, Layla. Schließlich hast du noch jemanden der auf dich wartet“ Somit verschwand sie mit trauriger Miene aus meiner Zelle. Der Hall der Tür ließ mich nicht zusammenzucken wie sonst immer. Ich senkte meinen Kopf an meine Knie und lächelte mit mir selber. Ich werde zurückkommen, das war ein Versprechen und kein Abschied, Rafe

 

Die Wachen holten mich wie beim Training ab. Aber diesmal war ich gewappnet auf einen Kampf der alles entscheiden konnte. Ich hatte das Zeug zu gewinnen, ich musste einfach. Sonst würde Leia Titania nicht mit der Wimper zu zucken um mir wirklich meine Flügel auszureißen und mich die Klippen runterzustoßen. Jetzt gab es nurmehr Sieg oder Tod. Hatte ich das Thema nicht schon mal?
Die Wächterinnen gingen links und rechts von mir zurück in die Arena. Aber diesmal war sie an den Tribünen rappelvoll mit Harpyien aller Altersklassen. Sie war sogar so voll, dass viele Harpyien auf den Klippen mit ihren Vögeln saßen und laut klatschten und Laute ausschrien. Natürlich saß meine geliebte Mutter auf ihrem Thron, diesmal mit einem langen goldenen Kleid die sie deutlich von den anderen rothaarigen Harpyien unterschied. Ihre Lockenhaare hatte sie zu einer Steckfrisur gedreht und der Beinschlitz bis hinauf ging um einen Mann erneut um den Wahnsinn zu treiben. Sie trippelte mit ihren rot lackierten Fingernägeln wieder auf den Thron als ich neben ihr Larissa mit voller schwarzer Kampfmontur wie ich sie vor wenigen Stunden noch sah erblickte. Sogar Mal saß auf ihrer Schulter, die laut schrie und mich mit ihren schwarzen Augen beleuchtete.
Die Harpyien stießen mich förmlich in die Arena um das Eisentor hinter mir schnell zu verriegeln. Jetzt war ich Manila vor allen Harpyien zum Fraß vorgeworfen. Laute wie „Manila gewinnt!“ und „stirb Menschenliebling!“ hörte ich raus. Eine nette Verwandtschaft hatte ich da.
Das Manila nicht mit mir verwandt war, wusste man durch ihren Namen. Alle die von Leia abstammten hatten ein „L“ als Vornamen, die anderen stammten von den anderen Titania-Harpyien ab die bereits lange tot waren. Und Leia die Einzige war.
Ich erblickte einen Waffenkarren der nahe der Tribünen stand, von Äxten, Schwertern bis zu Keulen hatte ich die freie Auswahl. Aber Manila würde mich nicht verschonen… denn eben diese kam siegessicher von dem gegenüberliegenden Eisentor und die Harpyien laut jubelten. Ich sah aber auch, dass einige Harpyien still saßen und mich gut beäugten. Vielleicht Verbündete?
Manila hatte ihre Haare wie ich streng zu einem Pferdeschwanz gebunden, sodass nur einzelne Strähnen ihr ins hübsche Gesicht fielen und die bronzenen tödlichen Augen danach letzten mich zu verletzen. Im Gegensatz zu mir und Larissa trug Manila einen dunkelblauen Anzug mit grauen Streifen die wie Metall an ihrem schlanken Körper waren, der tief ausgeschnitten war und ihre Schultern total entblößte. Sie hatte dort keinen nicht wie ich bei meinem, aber laut ihrem überheblichen Grinsen glaubte sie wohl sie würde das nicht brauchen. Sie blieb wie ich fast in der Mitte der Arena stehen und ihre Brust sich wütend auf und ab bewegte… ich sah sie böse an, bis Leia Titania sich erhob und mit einer Handbewegung die Harpyien zur Ruhe brachte. Plötzlich war es wie totenstill in der riesigen Arena… selbst die jungen Mädchen waren ruhig und zuckten nicht mal mit ihren Flügeln.
Leia erhob sich und ihre donnernde junge Stimme fuhr durch den Platz:“ Schwestern! Hiermit eröffne ich den Kampf zwischen meiner jüngsten Tochter, Layla, und der Enkelin von Minerva Titania, Manila. Gott hat Minerva und meine Schwestern selig… und ich sie wie mein eigenes Kind aufzog und sie die Beste ihres Jahrgangs war“
Noch immer war alles still und Manila schon nervös auf ihrem Platz stand. Wenn es nach ihr ging würde sie mich sofort anfallen. Ich ballte meine Fäuste und unser Augenkontest fortbestand.
„Du bist tot, Layla. Ich bin Leia Titanias Liebling, nicht du!“
„Träum weiter, Manila“
„Die Verliererin wird laut Harpyiengesetz bestraft… und ich will hier keinen Mord in der Arena. Die Siegerin verschont ihre Gegnerin, die danach ihre gerechte Strafe durch mich bekommt. Verstanden?!“
Manila nickte und verneigte ihren Kopf in die Richtung Leias, ich tat dasselbe. Töten wollte ich sowieso nicht.
„Gut, also dann“ Leia hob ihre Hand, die schnell herunterschnellte, „Kämpft!“

Gesetz der Harpyien

Ohne mit der Wimper zu zucken krachten die roten riesigen Flügel aus Manilas Rücken die laut fauchte und die Menge bereits tobte und ihren Namen ausrief.
Ich machte es ihr nach und die Flügel sich aus meiner Wirbelsäule bewegten, es fühlte sich so befreiend an. Sie wirbelte zur Seite, als ich in die Luft sprang und sie aufhalten wollte zum Waffenkarren zu kommen. Aber sie war so schnell wie ich, dass sie sich eine große Axt daraus nahm, sich umdrehte und mir die scharfe Klinge bereits zur Schulter auswarf. Fluchend wich ich knapp der Axt aus und streckte meinen Arm aus, aber eine kleine Keule, die eher einem Instrument für rhythmische Gymnastik ähnelte nur mit vielen scharfen Nadeln darauf ergriff ich. Mehr Zeit hatte ich nicht und ich nach oben flog. Manila folgte mir natürlich mit einem lauten Kriegsschrei.
„Bleib da! Menschliebling! Fliehst du erneut?!“ höhnte sie hinter mir als ich einen Looping auf der Anhöhe der Tribüne machte und meinen Arm ausholte. Manila wich galant aus und holte mit der Axt aus, diese streifte meine Haarspitzen und rote leichte Strähnen mit dem Wind davongetragen wurden.
„Ich hasse Menschen! Schlimm genug das du dich auf ihre Seite stellst!“ fauchte sie als wir in der Luft unsere Eisenklingen kreuzten, aber Manilas Hieb war mit dem riesigen Teil so gewaltig das sie mir mit voller Kraft die Keule aus der Hand boxte. Die gezackten Stacheln streiften meine Handfläche und mein Blut sich wie meine Haare zum Boden streckte. Ich spürte die beobachtenden Blicke von Leia und Larissa und wich ihren schnellen Angriffen immer mehr aus. Mit Fäusten würde ich nicht weiterkommen, ich musste wieder hinunter und mir ein Schwert holen.
„Wehr dich! Wehr dich! Wehr dich!“ lachte Manila laut und drängte mich immer weiter zurück. Ihre bronzenen Augen stachen vor Hass hervor.
„Du stinkst nach Menschen und wirst immer ein Mensch sein!“
Jetzt reicht`s mir langsam mit der!
„Halt deinen Mund! Besser ein Mensch als DAS hier!“ fauchte ich laut aus meiner Kehle und nutzte einen Moment ihres schnellen Ausholens aus um sie mit der Faust ins Gesicht zu treffen. Jedoch konnte ich nicht verhindern das mich ihre Axt beinahe in den Hals traf und die Wucht des Metalls meine Stirn streifte. Keuchend trudelte ich hinunter während meine Stirn nicht aufhörte mein Sichtfeld vollzubluten. Kreischend hörte ich Manila über mir, ob aus Schmerz oder Wut. Keine Ahnung.
Reiß dich zusammen!
Kurz bevor ich den Sand küssen konnte kratzte ich die Kurve und flog mit blutunterlaufenden Augen zu dem Waffenkarren. Ich holte mir ein glänzendes Schwert das in der Halterung perfekt saß und sich hinter mir ein lautes und wirres Lächeln ausbreitete. Schreiend wich ich aus und Manila mit der Axt den Karren in zwei Teile schnitt. Noch eine Sekunde länger und ich wäre in voller Schussbahn gewesen. Ich wurde echt unter einem verdammten Glücksstern geboren.
„Du hättest mich fast in Stücke gehauen!! Tickst du noch ganz richtig?!!“ bellte ich laut über die lauten Rufe der Harpyien um uns hinweg und flatterte einige Meter über dem Boden.
Manila zog schnell die Axt aus dem kaputten Karren, als die Waffen sich klirrend in den Sand fielen und ich wahnsinniges Gesicht sich zu mir drehte.
„Checkst du die Regeln nicht?!“ deutete ich auf meine Schläfen und wischte mir mit der Hand das Blut und Schweiß vom Gesicht. Ich riskierte kurz einen Blick hinauf zu Leia, aber die blieb gelassen sitzen. Tolle Schiedsrichter. Die einzige die eine Regung zog war Larissa, die sich zu ihrer Mutter lehnte und ihr etwas ins Ohr flüsterte. Wenigstens eine die sich daran erinnerte das man hier den Gegner nicht in zwei Teile zerfleischt.
„Es wäre ein dummer Unfall! Interessiert keinen nicht mal Leia Titania“ keifte Manila vor mir und schlug hart mit ihren Flügeln hin und her, ich merkte wie sie sich mit der anderen Hand auf den Bauch stützte. Also war mein Angriff gar nicht so unnütz wie ich zuerst dachte. Schnell legte sie ihren Arm wieder auf die Axt die fast so groß war wie sie und sehr schwer aussah.
Manilas Zopf hatte sich von dem Flug gelöst und wirre rote Strähnen in ihr wutverzerrtes Gesicht fielen. Sie zeigte mit der Spitze der Waffe in meine Richtung, ihre Stimme bebte richtig während ich mich immer mehr anspannte und das Schwert in beide Hände nahm.
„Ich bin die Tochter einer Harpyie und eines Akasha Kriegers! Ich BIN die perfekte Waffe“
Ich hob eine Braue und somit würde das alles einen Sinn geben warum Manila so eine gute Kriegerin und sehr stark war. Die Akashas selbst waren Männer die so groß und mächtig wie Bären, die Harpyien als ihre Gottheiten sahen. Das Manilas Vater sich mit einer Harpyie vermehrte wäre sowieso sein Tod gewesen. Meine Güte… ich habe da ein Monster vor mir.
„Was bist du? Die Tochter eines Malers und Bücherheinis? HA!“ höhnte sie weiter und reckte ihren Nacken, die Augen wurden immer hasserfüllter und monströser.
„Mein Vater war ein ehrbarer Mann! Der das Leben wertschätzte ohne es sinnlos wegzuwerfen um die zu verletzen die er liebte…“ lose fiel mein Blick auf Leia, die weiterhin unbeeindruckt vom besten Platz zusah.
„Und intelligenter“ ich streckte ihr die Zunge raus, das sie noch mehr in Rage brachte. Brüllend stürzte sie sich wieder mit peitschenden Flügeln in meine Richtung und die Menge laut tobte. Ich holte mit dem Schwert aus und wir in der Mitte kollidierten. Mit einem klirrend lauten Scheppern kreuzten sich unsere Waffen und Manila versuchte mich wegzudrücken. Ich machte dasselbe, aber diese Frau hatte Muskeln wie ein Kraftprotz trotz ihres zarten Auftretens.
„Stirb endlich…“ nuschelte sie nahe meines Gesichts und ich wie sie die Zähne knirschte und meine Muskeln ihr Bestes taten um zu überleben. Mit einem Ruck wollte ich sie weiter zurück drängen aber sie war einfach zu stark. Nun erreichten unsere Füße den Boden und Manila mit den Flügeln zu flattern begann um zusätzliche Kraft durch den Wind zu bekommen.
Und da kam mir eine Idee…
„Du bist dämlich“ warum fluchte ich in letzter Zeit so oft?
Manila riss ihre Augen auf und drängte mehr mit ihrer Axt an die Klinge meines Schwertes.
„Du lässt dich blind lenken und steuern von einer Frau die dich ohne mit der Wimper zu zucken töten würde wenn du die Regeln nicht befolgst…. Selbst jetzt“ sagte ich in ruhiger Stimme sodass nur Manila mich hören konnte. Durch die Rufe der Harpyien ging das sowieso unter.
„Es sind unsere Gesetze, was verstehst du da drunter, Mensch! Hier läuft nichts wie in deiner Menschenstadt!“
„Aber ich weiß was Gerechtigkeit bedeutet, Manila“ versuchte ich sie zu verwirren. Und kurz glaubte ich es würde funktionieren als sie eine ihrer hellen Brauen zuckte. Wir blieben in dieser Position, aber keine gab nach.
„Und wenn du einmal deinen Zasahik gefunden hast, musst du ihn umbringen. Oder sie macht es an deiner Stelle… du weißt das“
„Hör auf zu quasseln!“
„Es ist die Wahrheit. Sie würde dich ohne zu zögern töten, wenn ich dich besiege… oder du einen Fehler machst den du bereust“ meine Stimme war ruhig und ich durch meine Anstrengung versuchte nicht panisch zu klingen.
In Manilas Augen glühte etwas auf, sie wusste genau das ich Recht behielt, aber statt einer Antwort presste sie ihre Augen zusammen und brüllend holte sie mit der Axt aus das durch ein lautes Geräusch sich unsere Waffen auseinander lebten. Ich ging zwei Schritte zurück als sie vor lauter Wut die Axt warf, die genau auf meinen Kopf zielte. Wirbelnd kam die Axt näher und drehte sich rundherum um seine eigene Achse um sein Ziel zu erreichen, ich wich sofort aus als die Axt in die Wand fiel und krachend stecken blieb.
Manila sprang wie eine Katze auf ihre Füße und machte einige Räder damit sie mich mit ihren langen Füßen treten konnte, aber ich wirbelte wie sie herum und dachte an Lias Übungen sowie die von Rafe, als er mir das alles zeigte.
Ich befestigte schnell mein Schwert an meinem Gurt und drehte mich wie eine Tänzerin um ihr es gleichzutun. Wie Turnerinnen tanzten wir durch den Sand, immer den anderen im Auge mithilfe unserer Flügel und es immer leiser auf den Tribünen wurde.
Ihr Fuß erreichte meine Schulter, meiner traf ihre Rippen und so ging das weiter und weiter bis wir beide keuchend fast im Sand ausrutschten. Ich ließ mich auf die Knie fallen und brauchte einige Atemzüge. Sogar Manila war außer Atem und die Arena total still war.
„Das ist doch Wahnsinn, Manila“ fing ich an und versuchte an mein Schwert zu kommen ohne Aufsehen zu erregen, sie fixierte weiterhin nur mein Gesicht.
„Du bist gut… aber das gefällt mir, Malertochter“ lächelte sie mir zu und ich mit den Zähen malmte. Jetzt war das Fass langsam übergelaufen.
Als Manila wieder halb flog und sprang zugleich, verließ ich mich auf meine Instinkte. Ich war schnell, aber sie war es auch.
Und sie hatte nur einen wunden Punkt, sie hielt sich nämlich immer noch oft am Bauch wo ich sie als erstes erwischte fest und ich leise sagte, „ich… ich wollte nicht das es so weit kommt. Ich habe es versucht“
Aber in ihrer Wut dachte Manila nicht mehr strategisch. Ich schon und wirbelte seitlich im galanten Ballettschritt aus. Sie riss ihre Augen auf, weil sie diese Schritte nicht kannte und eigentlich waren es auch keine Kampfschritte. Aber sie halfen mir jetzt die Schnelligkeit zu nutzen. Wie ein Wirbelwind drehte ich mich auf den Zehenspitzen, riss mein Schwert aus dem Gurt und holte aus. Im Sturzflog konnte Manila nicht mehr ausweichen und meine Klinge sich mit ihrem Anzug traf. Schneidend erwischte ihr ihre Haut am Oberbauch als sie laut aufschrie, trotz dem Streifschnitt und ich nun mit dem Fuß ausholte um ihr mein Knie in die Wirbelsäule zu schmettern.
ES war vorbei.
Manila fiel kopfüber in den Sand und alles still blieb. Keuchend stand ich über ihr und warf das Schwert weg, ich war immer noch gerüstet das sie mir überraschte. Aber Manila blieb nur kopfüber im Sand und zitterte wie Espenlaub.
Mein Herz zog sich zusammen als es um mich herum klatschte. Die Arena applaudierte ohne etwas zu jubeln so groß war ihre eigene Überraschung die Harpyie die bei Menschen groß wurde, eine ihrer besten Kriegerinnen besiegte. Und ich auch ihr Schicksal.
„Bravo!“ rief Leia in fröhlicher Stimme und applaudierte als sie aufstand, die sitzenden Harpyien folgten ihrer Königin. Mir war aber nicht nach Feier zumute.
„Du hast dich als würdig erwiesen, meine Tochter. Mein Blut… trotz deiner väterlichen Herkunft dominiert doch die Kriegerin in dir…“ sie ging einen Schritt vor ihrem Thron und erhob sich mit ihrem Flügeln damit sie fast schwebend runterflog in die Arena. Larissa malmte mit ihrem Kiefer, aber ich stand immer noch neben Manilas Körper, die nicht aufstehen wollte. Ich sah zu der fliegenden Leia die anmutig im Sand landete und in exotischen Hüftbewegungen kurz vor mir stehen blieb. Ihr Blick fiel nicht mal auf Manila. Sondern ihr Lächeln galt nur mir.
Ich nickte und verneigte mich kurz, doch sie hob mein Kinn und küsste mich auf die Stirn. Lange und zärtlich, als der Applaus um uns nicht aufhörte.
Meine Nackenhaare stießen sich hinauf, aber ich musste meine Rolle gut spielen. Jetzt wo der Ball ins Rollen kam, „danke, Mutter“
„Ich wusste du würdest Manila schaffen. Immerhin bist du mein Blut nicht geschwächt durch andere Generationen. Du bist meine Tochter… mein jüngstes Kücken. Mein Kind“ flüsterte sie lieblich daher und sie mir meine Haare zur Seite strich. Mein Zopf hatte sich dabei auch gelöst.
Sie holte sich eine schwarze Feder aus der Lockenfrisur und steckte sie mir hinters Ohr. Larissa hatte auch eine schwarze… ich biss mir auf die Lippen.
„Willkommen in deinem Zuhause, Layla“

 

Manila machte keine Anstalten als sie Richtung Klippen abgeführt wurde. Sie bettelte weder um ihr Leben noch etwas anderes. Mit hoch erhobenen Haupt kniete sie vor ihrer Königin als ich zum ersten Mal sah wie grausam eine solche Hinrichtung ablief.
Viele Male bis wir zu den Klippen zum Meer flogen, fragte ich Leia Titania Manila zu verschonen oder ins Exil zu schicken. Aber sie verneinte immer wieder, bis Larissa mich zu ihr zog. Sie schüttelte den Kopf – es war sinnlos.
„Sehr schade um dich, Manila. Du warst eine der fähigsten Kinder im Convenant. Ich werde ewig um dich trauern mein Kind“, ging Leia ihre Runden als der Wind hier oben stark blies und die Nacht sich über den weiten Meereshorizont erhob. Die Wellen peitschten an die steilen Klippen unter uns und der Salzduft immer stärker wurde. Ich würde lieber die Aussicht nicht auf solche Weise genießen und ich dicht neben Larissa stand. Neben uns waren noch zwei weitere ältere Harpyien, die wie Wächter agierten und mit Argusaugen die Verurteilte beobachteten.
„Hast du noch letzte Worte… es ist wahrlich schade“ flötete Leia hinaus und hob den Kopf von Manila, ihre blauen Flecken säumten ihr Gesicht und sie knurrte.
„Ich sterbe ehrenhaft… Mutter. Bis in den Tod hinein für dich“ somit neigte sie das Haupt vor ihrer Vollstreckerin und Leia leise ausschnaufte, so als ob sie das wirklich bedauerte.
„Aber lass mich dich noch warnen… Läuse gibt es überall…“ lächelte sie und Leia verwirrt die Brauen hob. Mein Herz pochte bis aus meine Rippen, aber Larissa machte keine Miene dazu. Sie ließ sich nichts anmerken und neigte ihren Kopf aus Respekt vor der gefallenen Schwester. Ich tat dasselbe.
Knackend kamen die Flügel aus Manilas Rücken und Leia schon ihr Schwert zog, das sie immer bei sich hatte. Es war genauso alt wie sie selbst und war ihr in jeder Schlacht ein treuer Diener.
Mit einem Ratschen war es vorbei und Manila laut keuchte, sie schrie aber nicht trotz dieser immensen Schmerzen die es sogar bei mir verursachte. Mit einem Schnitt lagen verfilzte rote Flügel am Boden und Leia ihre einstige Kriegerin am Kragen packte und sie ohne etwas zu fühlen oder zu sagen mit nur einer Hand die Klippen runterwarf. Manilas Schrei dauerte nicht lange bis er von dem tosenden Meer unter uns verstummte.
„Wenn eine Harpyie ihre Flügel verliert gleicht das eines noch schlimmeren Verlusts jemanden zu verlieren… es macht uns zu dem was wir sind. Ohne sie sind wir Nichts“ sprach Larissa ruhig neben mir als ich meine Augen aufriss und versuchte stark zu bleiben. Mein Atem ging einige Male herum und ich wirklich tatenlos zusehen musste wie jemand vor meinen Augen hingerichtet wurde. Auf bestialische Weise.
„Das ist grausam“ mehr brachte ich nicht heraus und sah zum dunklen Himmel über uns, ich schenkte Manila noch in Gedanken ein Gebet als ich schon Leia hörte wie sie schroff, „zurück in den Palast. Begrabt die Flügel“ donnerte und an uns vorbeiging.
Als ich nurmehr alleine an der Klippe stand spickte ich hinunter, aber ich sah nur schwarzes Meer das seine gewaltige Naturkraft gegen die hohen Felsen stemmte. Der dunkelorangene Strich der Sonne wurde fast vom blauen Horizont verschluckt und ich mir auf die Zähne biss. Ich wollte schon immer das Meer sehen, das war einer meiner größten Träume als ich soviele Geschichten und Bilder in den Büchern zuhause las.
Aber nicht auf diese Weise.

Die fremde Welt

 „Gefällt dir denn dein neues Zimmer, mein Kind?“
Ich zuckte leicht zusammen als ich gerade aus dem Badezimmer mit einem neuen schwarzen Anzug kam und meine Haare nass über die Schulter warf. Die Harpyienkönigin verschränkte leicht ihre Arme vor der Brust und kam in gleitenden Bewegungen, in dem gleichen Outfit wie ich von der Tür herbei.
Kurz bevor ich vor ein paar Tagen umzog, versteckte ich meine Ketten von meiner Zelle, auch hier in dem riesigen Nestbett, das doppelt so groß war.
Ich strich leicht durch die feuchten Haare und zwang mich sie liebevoller anzusehen, „wunderbar. Obwohl der Unterschied zu der Zelle nicht recht anders ist. Es ist nur etwas größer“
Meine Bissnarbe am Oberarm war nur ganz hell, als ich ihre bernsteinfarbenen menschlichen Augen darauf sah, die sich aber sofort wieder zu ein paar blauen Flecken die ich von Manila bekam zurück in mein Gesicht bekam. Leia lächelte breit und sie diesmal ihre roten Haare zu einer komplizierten Lockenfrisur gemacht hatte. Früher hatte ich auch so lange Haare wie sie.
„Wir machen hier eigentlich keine Gefangenen… deine Zelle war nur eine provisorische Unterkunft für Harpyien, die sich nicht recht an die Regeln halten wenn sie noch sehr jung sind“ Leia kam mir sehr nahe und strich mir leicht mit ihrer zarten Hand über meine gerötete Wange, „ich bin sehr sehr froh das du jetzt ein vollwertiges Mitglied unseres Convenant bist. Du machst mir sehr stolz“
„Danke, Mutter“
Kotz, würg
Ich hoffte, das ich das nicht mehr lange tun musste auf heile Mutter und Tochter Welt zu machen. Ich lächelte einfach bezaubernd über die Lippen, was Leia noch mehr erheiterte.
„Komm“ deutete sie nun von meiner Wange weg, „ich zeige dir die Schlucht. DU hast noch nicht alles gesehen, Layla“
Leias Stiefel knarzten über den Lehmboden und sie mich quasi bis zur Tür schleifte. Im zarten Ton natürlich.
„Musst du denn nicht deine Nestlinge trainieren oder…“
„Heute übernimmt das Larissa für mich. Für irgendwas muss sie ja noch gut sein“ ätzte Leia Titania und wir im schnellen Gleichschritt die komplizierten Gänge durch das Palastnest schritten. Es war ein komplexes Geäst wie in einem Labyrinth das in verschiedene Zimmer ging, genau wie die Brückenkonstellation über uns. Ich war nur kurz im kleinen Speisesaal, der dem im Palast sehr ähnlich sah und sich fast alle jungen Nestlinge inklusive Wächterinnen Gesellschaft leisteten. Sogar eine kleine Fernsehleinwand war seitlich befestigt… und das Harpyien hier fernsahen glich einer kleinen Show. Doch Larissa erklärte mir noch, dass diese nur eingeschaltet wurde wenn in der Stadt ein Angriff angekündigt war. Doch seit den letzten Kriegstagen war diese Leinwand dann nur noch unbrauchbar geworden.
Langsam erwachte der ankommende Spätherbst seine volle Pracht, als sich von den angrenzenden Wäldern außerhalb gefärbtes Laub durch den Wind mitgetragen wurde. Selbst die Luft war nun schon deutlich kälter und Leia mir einen pelzartigen Umhang gab, der meine freien Hautflächen wie Oberarme und Ausschnitt bedeckten. Sie lächelte mir mütterlich zu.
Momentan erreichten wir die Landebahn von der man einen noch beeindruckteren Ausblick zur Schlucht hatte. Wenn Rafe und die anderen nur hier wären, denen würden die Augen ausfallen und ich war mich sicher das Kira diese Anzüge probieren würde und Rafe die komplizierten Aufzüge mit denen die Harpyien ihre Lebensmittel transportierten und für ein aufrechtes Stromsystem sorgten, erforschen würde.
Alleine der Gedanke an sie alle da draußen verursachte mir ein sehnsüchtiges Seufzen. Leia Titania merkte das natürlich, „denkst du denn wieder an die da draußen nach? Vergiss sie. Wir sind jetzt deine Familie“
Ich schwankte von meinem langen Blickfeld ab und sah meine schöne Mutter an, widerwillig nickte ich dazu und schenkte ihr dazu keine Antwort. Aber für Leia war das wohl kein eindeutiges Nicken. Sie verzog ihre perfekten Mundwinkel und schlug einmal mit den Flügeln um schnell hinaufzugleiten. Ich tat es ihr schnell nach und so als ob ich schon mein ganzes Leben flog, passte ich mir ihren Bewegungen vor mir an und stürzte mich durch das Harpyiennest.
Bis Leia ihren Flug verlangsamte und wieder an meine Seite kam.
„Hast du etwa bereits vergessen?“ fragte ich sie dann als wir einige Häuser neben uns erreichten und einige Harpyien die uns zuwinkten und die Kinder kurze Strecken mit uns mitflogen, bis sie sich wieder zurückgesellen mussten. Leia winkte wie eine Königin ihrem Volk zu und wandte sich erst nach gefühlter Ewigkeit der Frage zu, „wenn es dir ein Trost ist, ich denke jeden Tag an ein Leben das ich eigentlich führen wollte als ich einfach zu Leia wurde. Einem Menschenmädchen ohne Erinnerung und in ein Leben geworfen, das ich nie führen wollte. Aber nach Jahren … gewöhnt man sich schnell daran und denkt sogar menschlich“
Wow. Leia mal so „menschlich“ zu erleben hätte ich mir derweil nicht zu träumen gewagt. Sie machte eine lange Kurve und flog abwärts zum Boden der Schlucht, wo der dünne Fluss mit all den Feldern sich befand.
„Also vermisst du es doch“
„Reden wir nicht mehr über die Vergangenheit. Sieh da unten… ich glaube so was hast du noch nie gesehen nicht mal in der Stadt“ wechselte Leia Titania das Thema und ich gehorchte.
Sogar dort arbeiteten einige Harpyien mit Schaufeln und Brettern wo sie allerlei Gemüse anbauten. Das Wetter war immer noch gut dafür, aber selbst bereit für den tiefsten Winter, sah ich auf der Seite einige Holzhütten mit Überdachungen und Wärmevorrichtungen.
„Habt ihr hier auch Harpyien die nicht nur anbauen oder Kinder kriegen… ich kann mir das sonst nicht erklären warum ihr hier so technisch fortgeschritten seid“ sprach ich laut über den Flugwind hinweg, als wir dicht über den Feldern flogen und die Harpyien uns lange nachsahen, bis sie wieder ihren Arbeiten nachgingen.
Sie grinste im Profil mit dem Gesicht nach vorne gerichtet als unsere Haare sich weiter mit dem Wind verbanden, „ich habe viel von damals mitgehen lassen. Bücher, Pläne… das gebe ich nun meinen Nachkommen mit damit wir ein privilegiertes Leben trotz Wildnis führen können. Und es erleichtert alles um einiges, wenn du verstehst was ich meine. Menschen sind eben keine Dummköpfe“ sie schnaubte, „leider“
„Und die nötigen Utensilien stiehlt ihr?“ bohrte ich weiter und wir gegen Ende der Schlucht wieder hinaufflogen.
„Kluges Kind. Jack wäre so stolz“ triefte sie vor Sarkasmus, doch ich konterte, „wenn er ein kluger Mann war, auf das ich sehr stolz bin, hatte er doch ein Herz und Anstand“
Über uns flogen einige Möwen über die Schlucht und der Palast wieder vor unserem Auge erschien.
„Und ein Typ mit endlosen fachsimplen“ Leia steuerte zur Seite auf ein langes Gebäude, erneut ein Nesthaus, das etwas länger und größer war als die anderen Hütten und landete auf einer ebenso bereitgestellten Holzbahn. Anmutig landete sie wie eine Feder darauf, währen ich noch etwas holprig aufsetzte. Räusperte mich aber um mir das nicht anmerken zu lassen.
„Er hat halt gern gelesen…“
„Gelesen? Ha“ sie zog sich ihre Handschuhe aus und ging im schnellen Tempo zu der Tür, als uns schon freundlich eine Harpyie mit weißem engem Anzug die Tür aufmachte. Ich nickte, aber Leia beachtete sie nicht mal.
„Gelesen ist gar kein Ausdruck. Der Mann las zigtausende Bücher, die er mit Alexander und seinen Freunden stahl oder die sie von der Distriktsbibliothek mitnahm und es wäre ihm immer noch nicht genug gewesen. Ganz zu schweigen von den Bildern, die wir in unserer Hütte rumstehen hatten die er nicht verkaufte“
Ich spähte zu ihr und Leia die Augen verdrehte als wir in die lange Hütte eintraten das aus einem langen Gang bestand mit einzelnen Baracken, die mit Leinentüchern getrennt wurden. War das hier der Krankenflügel, dachte ich zumindest.
„Das Vater lesen konnte war eine Seltenheit. Da Ma… Emilia mir erzählt hat, das nur wenige Menschen im dritten Distrikt eine Schulbildung bekamen, da die meisten zuhause zur Arbeit gebraucht wurden“ folgerte ich als wir einige Schreie und Keuchen von den Leintüchern hören konnten. Ich sah nervös zur Seite, aber Leia ging unverwandt weiter bis uns eine weitere etwas ältere Harpyie mit roten Haaren und einigen Falten im Gesicht entgegenkam. Diesmal begrüßte Leia sie höflichst.
„Mutter, es ist schön das du wieder die Zeit fandst zur Brutstation zu kommen“
Dann je näher wir den inneren der langen Hütte kamen, hörten wir schon die Babyschrie. Ich blieb sofort stehen. Leia ging aber mit der Helferin weiter als sie sich leise unterhielten.
Babyschreie.
Mir zog es den Magen zusammen und ich meine Fäuste ballte.
Ich wollte hier raus, hier war noch der letzte Ort wo ich sein wollte.
„Mutter!“ rief ich durch den Gang, als die beiden stehen blieben und sich umdrehten. Leia sah neben der Harpyie wie eine Enkelin aus.
„Können wir später herkommen? Ich.. ich glaube…“
„Ach was. Das ist das natürlichste der Welt“ winkte Leia ab ohne auf das einzugehen was sie nicht schon wusste. Auf eine Babystation würde ich erst mal wirklich Abstand brauchen. Leia war das wie immer egal.
„Atmen. Pressen“ hörte ich sanfte Stimmen von der anderen Seite des Leintuches das neben mir aufgespannt war und durch einen kleinen Schlitz sah ich wie eine bereit schwangere Rothaarige mit gespreizten Beinen zu einer Harpyie im weißen kurzen Anzug lag und Atemübungen machte.
„Ich sehe schon das Köpfchen… noch ein bisschen…“
Ich lehnte mich sofort zurück und ging mit schweren Schritten weiter. Um mich herum wurde das Keuchen etwas lauter und ich meine Augen zusammenpresste. Vor mir erschien eine weitere Harpyie die voller Blut war und zur anderen Seite eilte. Sie verschwand hinter einem weiteren Leinentuch.
„Wir haben gestern leider wieder eine verloren, Mutter. Sie ist bereits die dritte die heuer im Kindbett starb. Unsere Medikamente schlugen nicht auf den Keim an…“
„Und warum werde ich dazu nicht informiert?“
Ich kam wieder zu Leia und der Schwester die etwas zitterte und einige Male den Kopf senkte, während Leia böse zu ihr knurrte. Sie hatte ihre schlanken Arme wieder vor der Brust verschränkt, „ich sorge dafür das der nächste Jagdtrupp Medikamente besorgt…“
„Nein ich.. das wird nichts nutzen. Wir haben allerlei da, aber es hat nichts angeschlagen. So als ob sie von einer Krankheit befallen wären… wir beobachten das Phänomen, wie du bereits seit Jahren weißt, schon länger“ die ältere Harpyie klang nun sehr traurig und ich mich neben Mutter stellte.
„Habt ihr Antiseptikum oder Antibiotika?“ fiel ich nun statt Leia ins Wort, als mich die grauen tiefen Augen sofort beäugten. Leia drehte sich halb zur Seite und trommelte mit ihren Fingern auf den Oberarm.
„Wir haben noch welche da, aber selbst die haben nichts gebracht. Und ich habe noch nie von den Symptomen gehört…“
„Was haben sie?“ fauchte Leia, „in der nächsten Sitzung möchte ich dazu alles haben. Verstanden, Kalithea?“
Die ältere Harpyie nickte ohne Widerworte bis sie das Wort aber an mich richtet, „zwei bis drei Tage nach der Geburt bekommen sie eigenartige Fieberschübe, Halluzinationen und Flecken an Bauch und Innenschenkel. Ich kann das auch nicht in den Büchern sehen, keine Diagnose finde ich dazu. Es ist schon zum Haare ausraufen. Und jedes Jahr bei mindestens drei Harpyien“
Ich seufzte leise und legte meinen Finger auf die Lippen. Wenn ich doch im Bereich Medizin genauso gut war wie Gran Gran oder Rafe und überlegte ob ich sowas in der Stadt mal hörte. Aber das klang wie Kindbettfieber, ohne den Flecken.
DAS Leia neben mir ruhig wurde, bestätigte mir den Verdacht das auch sie, trotz ihres langen Lebens, noch nie davon gehört hatte, „zuerst war es ein lästiges Problem. Jetzt fängt es langsam an echtes Debakel zu werden. Auch wenn es noch wenige Opfer sind. Wir müssen das rausfinden. Ich möchte heute Abend noch die Leichen sehen, bereite sie vor, Kallithea“
Als Kallithea wieder zwischen all den Vorhängen verschwand grübelte ich immer noch, fasste aber dann den weiteren Mut meinen Mund vor ihr zu öffnen, „ich weiß du würdest das nie zulassen, aber was ist wenn ihr echte Ärzte holt… das wäre ein….“
Schnell wirbelte ihr Kopf zu mir und die Augen sich katzengelb färbten. Leias Nasenlöcher blähten sich gefährlich als sie mit brummender Stimme mit schier unterbrach, „ich werde niemals einen Menschen hier reinlassen. Also vergiss das schnell wieder!“
„Aber hier sterben Harpyien. Ist dir das egal? Ist dein Stolz zu groß?!“
„Hüte deine Zunge, Layla. DU hast mit deinen achtzehn Jahren keine Ahnung!“ fauchte sie zurück und stieß mich unsanft an. Ich biss mir auf die Zunge und bebte innerlich. Wie kann man nur so rücksichtslos sein?
„Die Menschen sind intelligent, keine Frage. Ohne sie würden wir beide jetzt nicht hier sein, genauso wenig wie alle anderen hier. Aber sie sind gefährlich“ sie schabte mit ihren weißen Zähnen und ließ meinen feurigen Blick nicht los, „sie sind gierig, selbstsüchtig und zerstörerisch. Sie saugen dich bis zum letzten Tropfen aus und reißen dir das Herz aus der Brust ohne das du weiter atmen kannst. Und ich werde niemals wieder einem Menschen über den Weg trauen. Und du auch nicht!“
„Du wurdest von Menschen erschaffen… du weißt gar nichts über sie!“
Sie gab mir eine heiße Ohrfeige, das ich fast zur Seite fiel. Aber wackelnd blieb ich stehen und hielt mir meine Hand auf die rote Wange. Ich knurrte und starrte Leia an.
„Ich weiß genug über sie. Auch ohne bei ihnen eine zeitlang gelebt zu haben… ich werde meine Meinung dazu nicht ändern“
Leia ging an mir vorbei und stieß mich an der Schulter fest an, das ich sie auch anstieß.
„Hör endlich auf wie ein Mensch zu denken!“ Leias Stimme hallte hinter mir, aber ich knurrte sie als Antwort noch an. Sie floh direkt aus der Station und ließ mich im sterilen Gang alleine. Nur das Keuchen und Pressen der Frauen hinter den Vorhängen war zu hören.
Schnell nahm ich auch meine Beine in die Hand und lief ihr hinterher. Obwohl ich wusste das sie sicher wieder weg war, brauchte ich endlich eine klare Strategie. Und ohne die Halbmondkette würde ich sie nie erreichen. Hier brauchte man dringend einen Führungswechsel sonst würden noch weitere Harpyien wegen diesem Hass Leia gegenüber Menschen sterben.
Ich lief bis hinaus und schlug mit den Flügeln kaum aus der Tür draußen um hoch zu den Vogelnestern der Adler und Bussards zu fliegen. Dutzende Familienschwärme hatten hier ihre Nester weiter oben schon fast zum angrenzenden Wald, als ich nach einem bestimmten Bussard Ausschau hielt. Und ich hoffte, das Larissa mir nicht allzu böse wäre.
„Mal…“ sprach ich durch die Bussarde hindurch die sich ihr Gefieder putzten oder ihre Küken fütterten. Einige krähten in meine Richtung, aber ich machte die Kurve und mein Blick zum Trainingsnest nahe unter mir fiel. Und wer hätte das gedacht. An Larissas Schulter saß der rotgefiederte Bussard als sie gerade zwei jungen Mädchen zeigte, wie man einen Speer am effektivsten in der Hand hielt.
Ich landete hart neben den dreien, als mich einige Harpyien ansahen inklusive Lia ansahen, dann aber wieder weitertrainierten.
„Und war die Führung gut?“ triefte Larissa verspannt aus ihrem Mund und massierte ihren Nacken.
„Du musst mir Mal ausborgen. Kann sie auch Sachen finden?“
„Pschhhht!“ fuhr meine ältere Halbschwester mit der schwarzen Feder in den zusammengebunden Haaren sofort und zog mich etwas weiter weg von den Nestlingen. Ihre braunen Augen funkelten böse, „schrei noch lauter herum… für was brauchst du sie? Außerdem ist sie kein Wolf oder Hund!“
Mal krächzte laut auf ihrer Schulter als sie wie Larissa zu mir runterblinzelte.
„Ich brauche die Halbmondkette. Und die ist noch in New Buffalo… hier gibt es Zustände das ist nicht mehr witzig. Weißt du das Leia nicht mal um der Sicherheit ihrer eigenen Leute richtige Arzneien oder Ärzte hier reinfliegen lassen würde! Das ist ihr piepegal“
Larissa räusperte sich und warf eine Haarsträhne zurück, „ich weiß was du meinst“ ihre Augen verdüsterten sich, das ihre langen Wimpern Schatten auf ihren Wangen warfen, „das ist halt Mutter. Lieber würde sie Harpyien dafür opfern als menschliche Heiler hier reinzubringen… ein weiterer Kritikpunkt“
„Und du hast dazu nichts zu sagen?“
„Ich habe ihr das schon oft gesagt. Die Narben an meinen Rücken waren ihre Antwort“ Larissas Ton wurde unfreundlicher, ich nervös weiterfuhr, „kann sie unbemerkt zurück nach New Buffalo fliegen? Kann sie dorthin finden?“
„Meine Mal kann alles und ist sehr schnell. Außerdem werden die Hybride keinem Vogel Beachtung schenken, der keinen geregelten Kurs hat. Das habe ich ihr beigebracht“ sprach meine Halbschwester lächeln, als ich von ihrem Ohr abließ und nickte.
Larissa spickte hinter sich und zeigte zu dem Waffenkarren. Ich spielte mit. Wir würden tun als ob wir über das Training sprachen.
„Heute Abend ist sie dort um sich die Leichen anzusehen, dann können wir Mal hinausschicken“ setzte ich fort und Larissa nickte, „ich komme dann zu dir. Jetzt mach das du wegkommst“
Ich bedankte mich trotzdem obwohl Larissa mich immer wieder anforderte das zu lassen. Aber das behielt ich mir als meine Erziehung noch aufrecht und flog Richtung mein Zimmer, das sich fast ganz oben nahe Leias Zimmer befand.

 

Ein kleiner Funken Hoffnung

Kira

 

Ich quetschte mich eiligst durch die neugierigen Massen während meine Füße nach Bett und Erholung schrien, aber ich konnte noch nicht ins Wohnheim. Es waren nicht viele von New Buffalo vor der großen Baracke, vor dem Eingang nach draußen, aber man merkte ihnen die Neugier und die Missgunst einfach an. Ich dachte weiter an Laylas Devise: Jeder konnte einfach jeden verraten. Aber das war mir jetzt schnurz!
Ich war schon zu lange von zuhause fort, das ich jetzt noch warten konnte. Auch nach der langen Rückreise mit Ash und seiner kleinen Schwester.
Und der Tatsache das wir Celine verloren hatten, nachdem diese grässlichen Hybrid Bestien uns überfallen hatten und ich mein Fuß immer noch nicht ganz gesund war. So ein Scheiß Vieh hat ihn mir fast verdreht sodass ich mir die Knochen halb brach, aber die Krücken die Ash für mich baute waren ganz passabel, ganz zu schweigen von der Schiene.
Der Typ wusste einfach wie man mit einfachen Mittel da draußen überlebte, so garantierte er schließlich auch unseres als wir von der Stadt flohen.
Chico! Enrique! Mom und Dad! Vielleicht waren sie dabei. Es kamen nämlich ein paar Überlebende der Schlachten und der Stadt in den letzten Tagen, aber sie standen noch unter Beobachtung das sie nicht als Spitzel des Königs galten. Auch wenn bärige Wachen davorstanden, ich berstete durch!
Schnell fasste mich ein großer Mann, fast so groß wie mein Henry, an meinem Arm doch ich fauchte nur:“ Lasst mich durch!“
„Keine Ausnahme! Selbst für dich, Kira!“ fauchte der Typ mit tiefer Stimme und kleinen Augen in seinem kleinen Kopf hervor und ich mich schnell aus seinem Starkarm befreite.
„Ich habe Ashs Erlaubnis! Also lasst mich gefälligst durch und reizt mich ja nicht“
„Und wo ist dann seine Unterschrift?“ funkelte er mich weiter an und schob mich an der Schulter weiter zurück, „ohne Unterschrift kein Einlass!“
„Ist das euer Ernst? Sind wir hier bei der Behörde?“ bellte ich genervt und sah schräg zu dem großen Wachmann mit längerem schwarzen Haar und blasser Haut. Ähnlich wie Aspen zierte eine große Narbe eine seiner Augenbrauen die so lang war, die bis zum Kinn ging. Hier erfüllte jeder seine traurige Wehrpflicht… mein Bruder Javier musste das mit dem Leben bezahlen als er für die Armee des verfluchten Königs kämpfte. Nur weil er eingezogen wurde, denn viele Familien verloren zuhause ihre Söhne und Männer. Ein kaltes Gefühl zog sich von der Brust bis zu den übrigen Körperteilen und ich wieder vorbeilaufen wollte, aber diesmal stoppte mich auch sein Kollege bis ich mich wehrte und ausholte.
„Ihr sollt mich durchlassen!“
„Regeln sind Regeln! Also rausch ab!“ der andere gab mir einen kräftigen Schubs nach hinten sodass ich kurz taumelte und durch das Training was ich hier erhielt, meinen Halt auf dem Boden wieder fand.
Ich bebte – nein eher so, ich war kurz vorm explodieren. Stehe niemals einer Latina im Weg! Das ist das erste Gebot.
Bevor ich laut auf Spanisch zu fluchen begann und mich kopfüber auf den riesigen Kerl stürzen wollte (ich war mit einem fast zwei Meter großen Wilden zusammen, dann würde mir jemand sagen ich würde den nicht zu Fall bringen) wurde ich plötzlich stark am Kragen zurückgehalten und Ash sich neben mich aufrichtete.
Seine blauen und durchdringenden Augen sahen an mir vorbei, denn ich Gegensatz zu mir ging er noch zurück um sich umzuziehen und seine Schwester zurückzubringen und er im ruhigen und ernsten Ton, wie nur er es konnte an die beiden wand, „Miss Lopez darf passieren. Ihr braucht dazu keinen Genehmigungszettel. Verstanden?“
Sofort standen die beiden Wachen wieder stramm und salutierten vor dem derweil stellvertretenden Colonel von New Buffalo. Ich wettete dass Ashs Dad noch immer im Koma lag nach Celines Attacke im gemeinsamen Bett.
Laut seinem strengen Gesichtsausdruck hatte sich der Zustand wohl nicht verändert.
Ich schluckte und ich einige Schritte vor Ash ging, als ich mich umdrehte, „danke… du hast was gut bei mir…“
„Versuch dich hier zusammenzureißen, Kira. Noch mehr Hitzköpfe können wir hier nicht gebrauchen… es reicht schon einer“ raunte Ash in rauchiger tiefer Stimme, die viele Mädchen und früher auch Layla zitternde Füße verursachten und er sich schnell umdrehte um wieder zurück zu gehen. Dieser Mann hatte einfach die Ruhe weg und konnte aber nicht verbergen an wem ich ihn da erinnerte. An den baldigen König der ihm das Mädchen weggenommen hatte. Ich schluckte und nickte, jetzt musste ich mich ja zusammenreißen.
„Ich komme dann…“ wollte ich ihm noch nachrufen, aber seine große Erscheinung und die wild zerzausten dunkelbraunen Haare verschwanden in der raunenden Menge, die uns zusahen. Natürlich machten sie dem Anführer Platz und wir uns eigentlich schon alles sagten. Oder er hatte einfach schon die Schnauze von mir und meinem Plappermaul.
„Tut mir leid, Miss…“ unterbrach der Wachmann meinen Gedankenfluss und ohne ihn noch anzuschauen brauste ich an ihm an den Holztüren vorbei. Die Baracke diente eigentlich als Wohnhaus der Wachen die draußen am Eingang postiert waren, jetzt glichen sie einem Flüchtlingsort und ich in den großen Schlafsaal kam. Krankenschwestern und Ärzte rannten herum, Frauen und Männer mit Essenswägen und Decken, aber ich ging schnell durch die Bettreihen durch und riss meine Augen auf nach meiner Familie. Heute kamen, wie so oft wenige hierher die die Reise überlebten oder gar nicht von der Stadt flohen. Wie Laylas Eltern… vielleicht hatten sie sich doch an die Nase gefasst und wären ausgebrochen. Aber Laylas Mom war wie ihr Dad nicht zu sehen. Kleine Familien mit Kindern saßen mit Decken auf den Betten, sogar ein älteres Paar erspähte ich und ein Soldat der gerade seine Freundin die in der Stadt blieb in die Arme fiel.
Die Hoffnung schwand bei jedem Schritt über den knarzenden Holzboden, viele Betten waren noch frisch überzogen und bereit für die nächsten Flüchtlinge und Soldaten. Aber je tiefer ich in den Saal ging Richtung Wand wo das Gebäude aufhörte, sah ich keine mir vertraute Seele. Keinen fluchenden Vater, keine schnatternde Mutter, kein stets gut gelaunter Chico und kein rauchender Enrique mit dem coolen Swag, wie nur er es konnte. Und Javiers sorgenfreies Lachen würde ich sowieso nie wieder hören, bis der in meiner Erinnerung.
Laut seufzend ließ ich mich auf das letzte Bett sinken und vergrub mein Gesicht in meine Hände als ich meine Arme anwinkelte. Das darf doch alles nicht wahr sein!
Ich war schon sehr, sehr lange von zuhause fort ohne meinen Eltern Bescheid zu sagen wohin ich floh. Schon lange fühlte ich mich nicht so verloren wie jetzt… ich wünschte jetzt wäre Henry hier der mich in den Arm nahm und mir sagte dass alles gut werden würde. Ash war da natürlich kein Ersatz, aber dieser Wilde machte meine ergraute Welt etwas bunter und sogar meine beste Freundin, die jetzt vielleicht bei den Harpyien war, vermisste ich schrecklich.
Layla hatte die angenehme Art jemanden zu beruhigen egal wie hitzig er war, musste auch der Grund sein warum Aspen seine Augen nicht von ihr lassen konnte. Eine Träne verließ lautlos mein Auge und ich sie mir schnell wegwischte.
Reiß dich zusammen, Kira! Reiß dich zusammen! Deiner Familie geht es gut! Sie müssen einfach!
„Kira…?“
Eine piepsige weibliche Stimme riss meinen Kopf zur Seite und ich mich schnell erhob.
Große sturmgraue Augen, die schon viel weinten wegen ihrer Rötung und die eingefallenen Wangenknochen zeigten von einem traurigen und weiten Weg. Sie war sogar noch dünner als sonst und sie war einfach so zerbrechlich, sogar noch zarter als Layla. Das weiße einfache Kleid machte ihre Haut noch bleicher und das sonst so lockige lange platinblonde Haar ging ihr nurmehr knapp über die Ohren. Mir brach es wortwörtlich das Herz als ich schon die wenigen Schritte in die Hand nahm um Chloe Pearson fest in die Arme zu schließen um weiter zu weinen.
„Dios Mio…“ brachte ich zwischen meinen Schluchzern heraus und versuchte Chloe nicht noch weiter zu zerdrücken, die sich schnell in meine Arme warf und mit mir mitweinte. Sie war da… sie war da…. Chloe…. Unser drittes Mitglied im Bunde, die ich auch ohne Worte in der Stadt zurückließ.
Die brave Chloe. Sie war es tatsächlich! Sie roch auch noch dem feinen Holzduft von der Werkstatt ihres Vaters in unserer Wohnstraße.
„Ich dachte ihr wärt tot… alle glauben das zuhause“ fiepte sich leise an mein Ohr, sogar ihre Stimme hörte sich so zerbrechlich und krank an. Was hat sie nur mitgemacht, die zarte Chloe?
„Ich lebe noch…. Layla lebt noch… wir sind alle am Leben“
Schnell nickte Chloe meinen stammelnden Worten heraus und wir uns kurz drehten um Position zu wechseln, während ich einige Blicke der Flüchtlinge auf meinem Rücken spürte. Wiedersehen waren hier echt keine Seltenheit.
Langsam lösten wir uns, aber unsere Hände blieben ineinander verflochten. Wie aus Impuls strich ihr ihre eine blonde Locke hinters Haar, von dem nicht mehr viel über war. Chloe liebte ihre langen Haare… mir zerbrach es wortwörtlich das Herz was ihr passiert ist.
„Ich… ich es ist soviel passiert. Vater konnte dort mit uns nicht mehr leben und Easton…“ ihr Wort brach und die Tränen wieder passierten, „Easton haben wir mit seiner Familie mitgenommen, er wäre dort nach seinem Wehrdienst gestorben da der König das Budget für die Pensionen und Medizin kürzte. Man bekam keine Unterstützung und selbst die Ärzte in den Krankenhäusern streikten wegen den Kürzungen. Im dritten Distrikt schäumen die Arbeiter und alles steht derweil still, weil der König alles für die Armee sammelt. Ob Geld oder Menschen…es ist einfach furchtbar!“
Mir setzte es die Galle hoch! Dad brauchte selbst Tabletten für seinen Blutdruck und sein Herz, das wir nur mit Mühe sparen mussten. Ich …
„Wir sind mit dem nächsten Strom mitgegangen, ein Freund von Vater hat uns geholfen, aber diese Reise war einfach… schlimm…es haben einige dann noch gezögert und ein paar sind währenddessen gestorben“ sie schluckte und das Zittern immer präsenter wurde.
Als ich hinter ihre Schulter blickte wurde mein Herz noch schwerer. Easton Marsh, der Sohn einer alten Soldatenfamilie und Chloes Verlobter der schwer gezeichnet aus dem Krieg zurückkam.
Der Rollstuhl zeigte von seinem Leiden, denn mit gelähmten Beinen nach einer Kriegsverletzung mit den Rebellen konnte ich mir nur zu gut vorstellen wie mühsam das war durch die Wildnis damit zu kommen. Aber sein freundliches Lächeln auf seinem jugendhaften Gesicht war geblieben.
„Kira…“ lächelte er mir seinen Grübchen zu und ich mich bückte um zu umarmen. Scheiß auf diese Etikette zuhause und das wusste Easton auch zu gut. Aber er war auch dünner geworden und die Muskeln verschwanden auf seinen Armen, wo ich gestehen musste das ich auch ein wenig für ihn schwärmte.
„Freut mich das ihr es rausgeschafft habt, Easton“
Ich löste mich aus seiner freundschaftlichen Geste, als seine Augen etwas glänzten, aber Chloe sofort an seiner Seite war und ihm sanft über die Schulter streichelte. Der silberne Ring hing so schön an ihrem Finger und ich mir die Tränen wegwischte. Traumpaar schlechthin.
„ES war ein mühseliger Weg… aber wir habens gepackt und wir kehren nie wieder zurück unter diesem Diktator. König Andrew bringt die Stadt noch selbst zu Fall“ antwortete Easton ruhig und streichelte Chloe zärtlich an der Schulter. Obwohl sie jetzt größer als er war, ergänzten sie sich einfach perfekt und die Liebe schier greifbar war. Aber dann machte ich mal meinen Mund auf, „ich weiß es ist… vielleicht unpassend aber wisst ihr wie es meinen Eltern geht? Waren sie bei euch dabei oder meine Brüder?“
„Chico war in meiner Einheit… aber er wurde wieder zurück an die Mauer beordert“ antwortete der brünette Easton mit verwaschenem Hemd und schob Chloe noch enger an sich, „aber wo deine anderen Brüder sind kann ich leider nicht sagen“
Mein Klos wurde etwas enger und schnürte sich an meinem Hals zu wie eine feste Hand darum, „nur Enrique… Javier ist gefallen, ich weiß nicht ob ihr es auch gehört habt“
Die beiden erstarrten sofort und Chloe sofort einlenkte mit roten Augen, „das tut mir so leid, Kira…“ sie schniefte laut und drückte ihren Verlobten fester an der Schulter. Easton brachte auch soviel raus, wohl war ich nicht die Einzige die jemanden hier verlor.
„Und deine Eltern sind noch in eurem Haus, aber ich weiß nicht… ob sie auch mit den Gedanken spielten zu fliehen oder dort zu bleiben“ sprach Chloe leise und ich nickte. Sie durften einfach nicht daran zerbrechen, wie gerne ich ihnen einen Brief zukommen lassen wollte.
„Aber sie dachten alle ihr wärt tot. Deine Mutter war sehr…. Naja sie hat sich sehr zurückgezogen hat mir meine Mutter erzählt“
„Ich hätte ihnen etwas dalassen sollen, ist ja klar das sie glauben ich wäre tot. Und das mit Javier müssen sie im Begleitschreiben der Armee auch bereits wissen“ seufzend ließ ich mich wieder auf ein frisch bezogenes Feldbett fallen und fuhr mir zitternd durch meine Locken.
„Ist Layla auch hier?“ nun kam Chloe lautlos an meine Seite und setzte sich dicht neben mir, wir hielten uns nachwievor an den Händen und Easton mit seinem Rollstuhl vor uns stehen blieb. Ich konnte nur glasig auf den Boden blicken.
„Sie war hier. Beziehungsweise ist aber es ist eine komplizierte Geschichte… aber es könnte noch dauern bis sie wiederkommt“
„Ist was passiert?“ fragte Easton statt seiner Verlobten und ich endlich meinen schweren Kopf heben konnte. Abwechselnd blickte ich zu Chloe und ihm hin und her und schnaufte aus, Chloe sah gleich aus das sie zerbrach so sehr zitterte ihre kalte Hand in meiner. Dann hob ich meine Augen als ich ein halb verwaschenes schwarzes Kreuz an ihrem Handgelenk bemerkte. Chloe merkte meinen Blick und drehte ihr Handgelenk etwas zur Seite das es verdeckt war. Ihre blassen Wangen wurden rot und ich nicht nachfragen wollte. Ich malte mir nur aus das sie wohl kurz im Griff von Wilden oder Sklaventreibern war als sie hierher flohen.
„Ist eine sehr lange Geschichte, aber Layla geht es gut und…“ Ich lächelte zum ersten Mal seit langem und sah zu Chloe, „und sie wird eines Tages die nächste Königin. Lasst mich erzählen um euch auf andere Gedanken kommen zu lassen…“

 

Die geschockten Gesichter von Chloe und Easton würden mich nächtelang verfolgen, aber nachdem ich kurz unterbrochen wurde nachdem Ash mich in die Villa seines Vaters beorderte musste ich dem folgen. Wenn Ash sagte dringend: Meinte er auch dringend.
Das ich danach noch unbedingt zu Lex, dem kleinen Bruder von Aspen und Henry, musste hatte ich einen heftigen Stress. Aber wenigstens war ich jetzt vergewissert das ich mir derweil keine Sorgen machen musste das meine Eltern in der Wildnis waren oder meine Brüder noch am Todesstreifen. Bei Enrique hoffte ich es auf jeden Fall – und ich schwor mir als ich gerade die Treppen zum großen Haus emporhüpfte, soweit es mit den Krücken ging, das ich sie alle wiedersehen würde.
Es war bis auf ein paar Berater von Gale Riley einige Männer im Salon, aber die deuteten alle das ich hinauf in den ersten Stock sollte. Oh Mann. Genau wo der Chef im Koma lag und zögernd lief ich die Stufen raus und folgte Dr. Phillis, der besten Ärztin hier in New Buffalo in ein altes Zimmer.
Gale hing immer noch an den Atmungsgeräten mit einigen anderen piependen Monitoren neben seinem breitem Krankenbett, das wohl das gemeinsame Schlafzimmer von ihm und seiner „Frau“ war. Ich hoffte, dass diese Schickse irgendwo krepierte. Layla hätte sie vielleicht doch umbringen sollen.
Der große Anführer sah sehr blass aus, fast schon wie tot und seine dunkelbraunen Haare noch grauer als früher erschienen.
Ash fiel mir erst Sekunden auf wie er bei den langen Fenstern rausblickte als der Vorhang ihn fast verschluckte. Selbst jetzt strahlte er Autorität aus, aber doch die stetige Traurigkeit die ihn wohl immer verfolgte. Ich ließ den Blick von dem komatösen Patienten ab, sodass nur das stetige Piepen der Monitore die einzigen Geräusche in dem Schlafzimmer waren. Ash hob seine Hand und streichelte etwas das am Geländer der Fenster krächzte. Mit schrägem Kopf wollte ich wissen was das war, oder ich drehte auch schon durch.
„Hast du deine Familie gefunden?“ fragte Ash ruhig ohne sich umzuschauen und dicht neben ihm erblickte ich einen rotbraunen schönen Bussardvogel der die Streicheleinheiten sichtlich genoss. Witzig wie ein kühler Mann wie Ash Riley doch so ein großes Herz hatte um selbst Tiere zu beruhigen. Ich hatte genug Zeit mit ihm verbracht welche weiche Seite der ehemalige Sicherheitschef von König Andrew hinter seiner harten Schale hatte. Und was Layla auch in ihm sah.
Trotz Aspens inniger Liebe… hätte ich mich trotzdem mehr für Ash gefreut wenn Layla ihn erwählt hätte. Er hätte einfach zu ihr gepasst wie ein Ei auf Eigelb. Und diese Blicke die er ihr noch zuwarf oder von ihr sprach, das gab mir wieder die stille Bestätigung das man Gefühle nicht wie ein Knopfdruck ausschalten konnte. Aber Aspen war es einfach für sie. Ihre zweite Hälfte die ihr nach all der langen Zeit an Leere gefehlt hatte. Und er würde für sie durchs Feuer gehen, was er schon etliche Male bewiesen hätte.
In naher Zukunft würde ich die beiden schon mit Krone und feinen Gewändern im großen Thronsaal des Palastes der gläsernen Stadt sehen – als Königspaar.
Aber dazu müssten sie noch viel lernen.
„Ich traf eine alte Freundin von Layla und mir, aber meine Familie war nicht dabei…“ ich ging dicht neben ihm her, hob meine Hand und berührte auch die weichen Federn des Vogels der schnell mit seinen schwarzen Augen blinzelte und ich schon bemerkte wie Ash eine kleine Nachrichtenrolle in der anderen Hand hielt.
Ash nickte, sichtlich erleichtert, und mir fiel auf das seine Züge etwas weicher waren. Das musste mit dieser Nachricht zu tun haben, obwohl ich hoffte das sie nicht von einem gewissen König war.
„Layla hat den Vogel geschickt. Aus dem Harpyiennest“ sagte er ruhig und ließ von dem Vogel ab um sich mit voller Montur zu mir zu drehen. Ash war wohl etwas zu nahe, aber dadurch das wir beide uns blind vertrauten zog ich ihm sogleich frech die Nachricht aus der Hand. Er schnaubte nur genervt, „warum hat mich das jetzt nicht gewundert, das du keine Geduld hast, Kira“
Ohne ihm zu antworten, erkannte ich Laylas saubere und schöne Handschrift sofort raus:

 

Lieber Ash! Dieser Bussard kommt wirklich von mir, aber falls Mal aufgefangen werden sollte kannst du dir denken wo ich nun bin.
Ich bitte dich, die goldene Halbmondkette, die dein Vater einst gestohlen hat dem Vogel mitzugeben. Wir brauchen sie dringend. Mir geht es gut, ich hoffe dir und Kira auch.
Passt auf euch bis wir uns wiedersehen.
P.S. bitte gebt auch Lex den kleinen Brief den ich noch mitgegeben habe.
Ich danke dir für so vieles – du bist für mein Leben unentbehrlich. Ich hoffe das weißt du.
In Liebe – Layla

 

Hinter dem Röllchen prangte noch eine kleine Rolle mit Lexs Namen darauf, nickend übernahm ich sie und grinste Ash freundlich an.
„Das ist ganz sicher Laylas Handschrift. Wir können darauf vertrauen… Aber wozu braucht sie das jetzt?“
Ash malmte mit seinen Zähnen und dachte sicher an das gleicht. Wir sind hier im Krieg, nicht verlorene Ketten zu suchen um sich zu schmücken.
„Sie muss einen guten Grund haben oder eine Hinteridee. Bestimmt geht es um Laylas Mutter. Aber ich weiß nicht…“ er blickte zögernd über seine Schultern zurück zu seinem schlafenden Vater, „ich weiß nicht wo er es versteckt hat. Ich bräuchte vielleicht etwas Hilfe und zu zweit geht es schneller“
„Du willst gar nicht wissen wie oft ich schon vergessene Sachen von meinen Brüdern gefunden habe, Ash“ wedelte ich gelassen ab und streichelte wieder das niedliche Vöglein. Naja… Vöglein, die Krallen möchte ich trotzdem nicht ins Fleisch bekommen. Mein Fuß reichte mir.
Ash lächelte etwas, was immer so aussah das es ihm wehtat und ging zurück ins Zimmer. Mein Blick schweifte ab von dem Vogel und ich die Richtung New Buffalo unter dem Berg sah. Die Stadt die trotzdem so groß wirkte, war nun großer Gefahr ausgeliefert und laut Ash und den Beratern waren sie echt kurz davor umzuziehen nachdem der König nun den aktuellen Aufenthaltsort der Rebellen dank Celine kennt. Aber wie soll man mit sovielen Menschen umziehen? Wohin sollen wir auch gehen?
Solange der König noch keinen Finger rührt bleibt leider das stetige Zittern seiner nächsten Schritte. Mir drehte es den Magen zu, bis Ashs Stimme mich aufriss das wir anfangen sollten.

Der einsame Wanderer

 Rafe

 

„Sie müssen dort drüben sein!“
Die Soldaten, die sich sogar so weit hier nördlich aufhielten, haben uns leider überrascht als wir durch das dichte Geäst schritten und die Kälte sich schon so breit machte das wir bereits dickere Jacken brauchten und die weißen Wolken aus unserer Atmung uns die Grade messten. Es war früher Morgen, denn die blassen Nebelschwaden die durch den morschen Waldboden gingen und die Vogelschreie die immer leiser über uns wurden begleiteten uns sonst auf dem Weg. Aber genervt drückte ich mich an einen festen Baumstamm und Henry an dem neben mir. Die Soldaten mit den blau-weißen Uniformen des Königs liefen eiligst mit Gewehren und Schwertern auf ihren Pferden herum. Denn langsam hat es sich wohl rumgesprochen, dass er nicht nur Attentäter nach mir ausschickt, sondern auch seine eigenen Wachen. Ganz zu schweigen wie riesig seine Armee mit den Hybriden sein muss. Die Pferde hatten sie uns ja bereits abgeluchst, nach einem kleinen Kampf letztens. Der General machte ein nicht so tolles Gesicht, als ich ihm die Zähne mit der Faust ausschlug.
Von da an mussten Henry wieder gewohnt zu Fuß unterwegs sein.
Noch immer polterten die Hufe ihrer Pferde auf dem Waldboden bis ihre Rufe nach einigen Minuten wieder im Dickicht verschwanden.
Henry und ich blieben noch an dem Baum kleben.
„Woher sollen wir wissen wie diese Hütte aussieht. Wir sind schon seit Wochen unterwegs und nur Pampa, Pampa über Pampa. Nicht mal Siedlungen sind noch so weit oben“ keifte Henry mit unterdrückter tiefer Stimme in meine Richtung. Ich drehte meinen Kopf noch nach hinten und wollte mich fix vergewissern, das die Soldaten weiter zogen.
Ich kratzte an meinem Bart und wir beide gerade wirklich wie zwei zottelige Wilde aussahen für die sie uns auch hielten. Wenigstens erkannten sie mich dann nicht so wie in den Steckbriefen geschildert. Oder Bilder, die der König von mir herbekam wie auch immer.
Bevor ich Henry antworten konnte, hörten wir leises Summen. Leises Murren das von einem Mann gesungen wurde durch zusammengepresste Lippen. Ich kannte das Lied aber nicht, aber noch wichtiger war wer hier locker und summend durch die Wildnis stolziert. Vielleicht einer der hier doch lebte, oder ein Reisender? Jeder konnte hier ein Schläfer sein und wir beide uns über die Schulter drehten als das Summen immer lauter wurde.
Kurz dachte ich über einen mächtigen Hünen oder verirrten Soldaten, aber des Weges wo die Soldaten vorher noch durchgallopierten ging ein Wanderer. Die leichten weißen Flocken hingen in der Luft und der schlaksige Mann, eingehüllt in Pelzen und Jacken mit einem Tuch vor seinem Mund und einem Wanderstock, mit denen er trotzdem etwas hinkte bei seinen langsamen Schritten.
Ein alter Mann in der Pampa. Keine Gefahr und Henry und ich kurz ausatmeten, aber immer noch den kauzigen Mann beobachteten der trotz seines Gebrechens fast schon geschmeidige Bewegungen über den Boden machte. Da hörten wir wieder die lauten Hufe und eine tiefe Stimme eines Soldaten, „Hey! Stehen bleiben!“
Der Wanderer blieb stehen und drehte sich kurz um als ein großer Schimmel samt Reiter vor ihm stehen blieb und das Pferd mit lauten Schnauben quittierte. Hinter dem Soldaten mit seinen ganzen Orden an der Brust reihten sich drei weitere Soldaten ein. Sie umrundeten ihn quasi. Das Banner des Königs wehte im kalten Spätherbstwind und war unverkennbar mit ihren weiß-rot-blauen Streifen und der Harpyie mit den gekreuzten Schwertern.
Schnaufend stellte er sich lockerer hin als der blondhaarige Soldat erneut bellte, „identifizieren Sie sich!“
„Aber Sie wollen wohl keinen alten Krüppel mitnehmen oder? Mich suchen Sie ganz bestimmt nicht, junger Mann“ selbst wenn er mir verwildert vorkam hatte er eine ziemlich förmliche Aussprache. Ich hob die Brauen und umkrallte den Griff meines Schwerts.
Doch nach einem kurzen Zögern folgte der Wanderer und schob sich das Tuch runter, durch die Pferdehintern konnte ich ihn nicht sehen.
„Haben Sie dann zwei Flüchtige hier gesehen?“ der Soldat war wohl beruhigt, das ich es nicht war und er aus seiner Satteltasche einen Steckbrief ausrollte damit der Wanderer das sehen konnte.
„Sind beide etwa Anfang zwanzig und so gekleidet wie Sie mit dunklen Haaren. Aber am auffälligsten ist der mit der Narbe an der Braue! Er wird dringend vom Königreich gesucht…“
„Sind mir noch nie untergekommen…“ sprach der Wanderer nachdem er einen kurzen Blick auf unsere Steckbriefe warf, „ich muss Sie leider enttäuschen…“
„Es ist eine saftige Belohnung auf den Burschen ausgesetzt. Also halten Sie die Augen offen…“ mit einer Handbewegung rollte er die Steckbriefe wieder ein und deutete etwas seinen Kollegen die wieder weiter vorne ritten und den Wanderer mit dem Schimmelreiter alleine ließen.
„Und die hier?“ er zog ein kleineres Foto aus seiner Tasche, doch der Wanderer starrte lange darauf. Bis der Soldat das Foto rasch wieder einsteckte, „haben Sie auf Ihren Reisen dieses Mädchen gesehen?“
Der Mann schien etwas von der Fassung zu sein, aber er antwortete wieder höflich ohne sich etwas anmerken zu lassen. Mist, ich konnte ihn immer noch nicht ganz sehen. Alleine die Vorstellung das er selbst Layla sucht, regt in mir die Gänsehaut auf. Schmieriger Dreckssack.
„So ein schönes Ding wäre mir aufgefallen. Ich muss Sie erneut enttäuschen und dürfte denn ein alter Mann wissen was sie verübt haben? Das Mädchen sieht mir nicht nach einer Verbrecherin aus…“
„Das geht Sie nichts an, Sir“ immer noch höflich… diese dämlichen Etiketten der gläsernen Stadt. Kurz graute mir davor, das ich das vielleicht auch bald lernen würde.
„Aber…“ nun erklomm der Wanderer mit der rauchigen Stimme wieder das Wort und hob seinen Kopf wieder hinauf, als er sich das Tuch wieder vor seinen Mund band, „der junge Mann und das rothaarige Mädchen müssen wohl etwas wichtiges sein oder etwas Schlimmes getan haben, das seit Wochen Schergen des Königs so weit nördlich kommen. Habe schon lange keine königlichen Soldaten mehr gesehen“
„Wie gesagt, dass geht keinen Wilden hier etwas an!“ polternd galoppierte der Soldat an dem Wanderer vorbei sodass er wieder alleine in der Lichtung stand. Die Hufe des Pferdes hallten noch lange, als auch der Wanderer ihm noch nachsah. Hinter seinem Tuch seufzte er leise aus, bis er plötzlich mit gedämpfter Stimme fortfuhr, „er ist weg, Sie können rauskommen“
Ich zuckte zusammen, Henry genauso und presste sich an den Baumstamm. Woher konnte der das wissen? Irgendwie schien mir dieser Mann etwas konfus zu sein für den Anfang. Dann erinnerte ich mich wieder an die Worte von Laksha, dass der Überbringer der Drachen sich nur zeigen würde wann ihm beliebt und niemand seine Identität kennt.
Schnell schüttelte Henry den Kopf als Warnung, aber was hatte ich hier noch groß zu verlieren? Er gehörte nicht zum König und wir brauchten jeden Anhaltspunkt.
Ich stieß mich vom Baumstamm auf während ich ein leises „hey was tust du?“ Genuschel von Henry ignorierte um aus dem Schatten der Bäume zu treten.
Ich hoffte das mein Bart und meine Haare mich etwas schützten als ich mir einige Fransen über meine Brauen strich, das die auch immer so lang wuchsen.
Scheppernd mit dem restlichen Gut über meiner Jacke hob ich meine Arme zum Zeichen das ich ihm nichts tun würde. Henry war immer noch hinter dem Baum.
Der Wanderer drehte sich sofort auf seinem Gehstock und ich einen Blick in sein halb verdecktes Gesicht wagte. In mich bohrten sich tiefe nachtblaue Augen, die eigentlich nur von Layla kannte, und eine lange Narbe sein Auge schmückte. Er war um einen Kopf kleiner als ich, und unter seinen Fellen von schmächtiger Statur. Seine Haare hatte er unter einer schwarzen Haube versteckt und er mich genauso stark musterte wie ich ihn. Nur einzelne hellbraune Strähnen mit grauen Spitzen lugten aus dem Stoff.
„Wir tun dir nichts… wir wollen nur hier durch…“ fing ich an und ging noch einen vagen Schritt nach vorne. Der Wanderer rührte sich nicht vom Fleck.
„Oder bist du der… den sie Künstler nennen?“
Selbst bei dieser Bezeichnung zeigte der Wanderer keine Regung. Er sah mir nur steif in die Augen.
„Warten Sie“ seine ruhige Stimme brachte mich zwei Meter vor ihm zu stehen. Er hob seine Hand und sah mir weiterhin in die Augen, ich kniff sie zusammen und folgte seiner Anweisung.
„Bevor ich Sie mitnehme zu denen, die Sie suchen müssen Sie mir erzählen was Sie und das Mädchen verbrochen habt wenn euch die königliche Garde sucht“
Was? Die mich suchen? Dann erwarten mich Rohans Drachen wirklich und mein Herz machte einige Sätze. Damit hoffte ich nur auf das Gute, ich hoffe Rohan hat nur gutes von mir erzählt.
Ich schnaufte langsam ein und aus, als ich ihn weiter in Beschlag nahm. Seine Hand zitterte kurz in der Luft und ich ihm erzählte, „wir sind in der Rebellion. Von der weißt du höchstwahrscheinlich gegen den König. Und sagen wir mal so, das wir beide eine bewegte Vergangenheit haben weil der Drecksack uns jagt“
„Und wo ist das Mädchen?“
Ich beobachtete seine aufkeimenden Falten, der Ton war nicht mehr recht höflich was ich nur zu gut verstand. Doch ich kannte den Kerl nicht.
„Sage ich nicht. Nicht hier jedenfalls…“
Bei meinen eigenen Worten gab es mir einen Stich in die Brust.
„In welcher Beziehung stehst du zu ihr?“ er klang etwas forscher und senkte langsam seine Hand, als er sein Gewicht von seinem humpelnden Fuß auf den gesunden verlagerte. Ich wartete einige Herzschläge mit der Antwort. Henry hinter mir kam auch langsam aus seinem Versteck und hob wie ich seine Arme als Anzeichen das wir ihm nichts tun wollten. Die Geräusche seiner Stiefel auf dem Waldboden verursachten ein knackendes Schrittgeräusch. Doch ich blieb weiter an dem Mann haften, der mich lesen wollte genau wie ich ihn. Wer weiß was er alles an Waffen unter seinen Pelzen hatte. Oder war er nur ein unscheinbarer alter Wanderer der von den Drachen als Läufer geschickt wurde?
„Ich liebe sie, mehr als alles andere um mit ihr gemeinsam gegen den König zu kämpfen. Sie hat mich in vieles besseres belehrt was ich ohne sie nie geworden wäre. Sie ist alles was mir von meinem schäbigen Leben übrig blieb“ jetzt klang ich etwas forscher und ging drohend einen Schritt auf ihn zu, „ich hoffe das ist nun Antwort genug!“
Und mehr sollte er nicht mehr graben um mich zu reizen. Henry zog scharf neben mir die Luft ein, als wir den Wanderer beide überragten.
Die Gesichtszüge erweichten sich etwas, sogar etwas zu sehr das seine Mundwinkel sich etwas hoben und er plötzlich sanft lächelte. Über sein narbenübersähtes Gesicht deutete er dann zur Seite, „das ist mir wahrlich Antwort genug. Ich habe schließlich noch gute Augen und Ohren um diese Wahrheit rauszuerkennen. Folgt mir. Ihr werdet immerhin bereits erwartet. Beide“

 

Wir sagten den Weg nichts miteinander. Der Wanderer schritt im zügigen Tempo, so sehr es ihm das mit seiner humpelnden Gestalt erlaubt und ich mit Henry einige Meter hinter ihm blieb. Selbst mit meinem Bruder wechselte ich kein Wort als er schroff den alten Mann nicht außer Acht ließ.
„Ich hoffe du bringst uns nicht nochmal in Teufels Küche, Aspen“ flüsterte Henry neben mir und ich schnell meine Braue kräuselte, „ich war da nie alleine. Du hast oft auch Scheiße gebaut“
Henry schnaubte, „ja aber ich wusste was wir taten…“
„Lass mich nur machen, Henry. Vertrau mir“
Und dann blieben wir an einer Lichtung vor einer schiefen und verdreckten alten Hütte stehen. Ja richtig: Sie war schief. Schräg stand die alte und fast graue Hütte mit all den Ranken die sogar ein Teil eines Baumes war
Die schwache Morgensonne, die nicht viel dazu beitrug, dass es wärmer wurde schmückte das Häuschen sogar etwas märchenhaft wie es Layla zu bezeichnen beitrug.
Der Wanderer ging zu der ebenfalls schiefen morschen Holztür und deutete uns, ihm zu folgen. Henry und ich sahen uns nochmal an, dann gingen wir ihm nach.
Drinnen war es angenehm warm trotz der vielen kleinen Ritzen, und das Sonnenlicht nur schwach von den Fenstern reinschaute. Trotzdem brannte ein alter Kronleuchter in voller Kerzenmontur das Häuschen das aus nur einem großen Raum bestand. Aber dieser war groß genug für alles was ein Einsiedler benötigte. Ein großes Bücherregal säumte fast nur die spröden und grauen Wände, mit einem kleinen Bett und was faszinierend war und dem Überbringer wohl seinen Namen gab, waren die unzähligen unfertigen selbstgemalten Bilder an Wänden und am Boden. Henry stolperte fast über ein Bild was wohl eine Frau mit ihrem Kind darstellte, aber es war nur halb angefangen. Schnell drehte sich der Einsiedler um und brannte noch zusätzlich die Lötlampe neben seinem Bett an.
Er entfernte sich sein Tuch und die Pelze als er wirklich den Anschein eines schlanken Mannes Mitte 40 darstellte mit wenigem Bart am Kinn und wuscheligen hellbraunem Haar, das an den Spitzen bereits grau war.
„Bitte passen Sie auf. Diese Bilder sind mein Leben und ich hänge dran. Also, Burschen“ er zog sich seine letzte Pelzschicht aus sodass er nur mit einem braunem losem Hemd, das ihm um einige Nummern zu groß war und weißen Leinenhosen und Stiefel vor uns stand. Der Gehstock blieb weiterhin an seiner Seite und er alles schön faltete das nichts knitterte. Henry und ich sahen immer noch um uns… bis mein Blickfang auf etwas neben der Lötlampe ging, es war ein kleines Porträt von ihm gezeichnet das eine junge Frau mit rotem Haar zeigte. Als der Einsiedler das merkte, drehte er das Porträt sofort auf den Tisch als mich seine dunkelblauen Augen wie Eis trafen.
„Setzt euch bitte. Es sieht nicht sehr komfortabel aus, ich hatte schon lange nicht mehr… menschlichen Besuch“ lächelte er schüchtern und humpelte zu einem kleinen Herd samt Ofen der mit einem Kamin nach draußen verbunden war. Eine kleine Flamme entzündete sich unter der kleinen Kanne darauf. Während er das tat zog ich mich als erstes aus und fuhr mir durch meine zerzausten Haare. ICH legte meinen Rucksack zur Seite und lockerte ein wenig meine Schultern. Nur zögernd folgte Henry meinem Beispiel und drehte sich etwas um seine eigene Achse, „bei uns zuhause hats auch nicht anders ausgesehen. Hast du mit den Bildern was verdient?“
Ich bemerkte ein kurzes Lächeln von der Seite des Mannes beim Herd, „ich verkaufe meine Bilder nur ungerne. Außerdem geben mir die Drachen genug damit ich meinen Lebensunterhalt ausleben kann. Es ist sozusagen ein Hobby, dem ich mein Leben verschreibe“
Auch ich sah nochmal um mich und bemerkte einige Gegenstände die mir bekannt vorkamen. Wie das kleine Fernsehgerät das verstaubt in der Ecke stand oder ein rotes Radio mit einer langen Antenne. Ich verkniff mir die Frage ob ich das zerlegen darf. Stattdessen kam ich gleich auf den Punkt, „und wann werden wir zu den Drachen begleitet?“
Das köchelnde Wasser in der Kanne zischte etwas und er aus einem kleinen Schrank daneben drei Tassen herauskramte. Er malmte mit den Zähnen und platzierte seinen Gehstock an den Herd, „ich… sie haben gerade ein Treffen um sich die derzeitige Situation mit den Bomben Herr zu werden und… um Sie zu sehen und wofür sie gekommen sind. Darum habe ich sie aufgefangen. Morgen früh kann ich Sie beide bereits zu ihnen führen. Das Nest ist nicht weit von hier. Rohan sprach immer sehr gut über Sie… Sie beide“
„Kannten Sie ihn?“ fragte ich weiter und er das kochende Wasser in die Tassen schenkte, es roch etwas nach Kräuter und mir kam das vertraute Gefühl von Gran Gran wieder zurück.
Ich kam an seine Seite um ihm mit den Tassen zu helfen, denn mit dem Gehstock hätte er etwas Probleme. Er sah mich sofort wieder mit diesem reinen Blick an der mich etwas an Layla erinnerte und er sich zweimal bedankte.
„Nicht persönlich. Aber ich hörte nur Gutes von dem alten Drachen und seiner Ritterin“ sprach der Einsiedler als ich Henry seine Tasse gab und er auf den kleinen Holztisch in der Mitte verwies. Gleichzeitig setzten wir uns. Aber Henry begutachtete immer noch im Stehen die Hütte. Kurz hielt sich der Einsiedler an die Brust, so als ob er etwas schlecht bekam und er trotz seines Alters sicher älter erschien. Man sollte alte Wunden doch verfluchen.
„Mir sind die Gründe auch bekannt warum Sie beide Rohans Platz im Rat einnahmen um gegen diesen verrückten König vorzugehen… und das jemand diesen Wahnsinn stoppen muss“ redete er ruhig weiter und nippte an der staubigen Tasse. Dabei hielt er sich mit der anderen Hand immer noch an seine Rippen.
Als er meinen fragenden Blick darauf bemerkte fiel er mir vor die Frage, „alte Wunden von einem alten Leben, mein Junge“
„Sorry wenn ich unterbreche, aber sind wir uns mal begegnet? Ich … mir liegts auf der Zunge, aber ich habe keine Ahnung, wenn ich ehrlich bin“ redete ich nun in meinem Fluss und drehte den Henkel der Tasse herum, das sie auf ihren Platz gedreht wurde. Ich und still sitzen… genau.
Der Mann zuckte seine schmalen Schultern, als sein Kopf zur Seite gab, zu Henry der gerade ein anderes Bild in seinen Händen hielt und an seiner Tasse schlürfte.
„Ich denke nicht. So alte und verletzte Krüppel gibt es in der Wildnis wie Sand am Meer“ lächelte er sanft sodass er sich kurz seine Stoppeln am Kinn kratzte. Ich wurde nicht ganz schlau aus dem.
„Wie heißt du überhaupt?“
„Mein Name ist einfach der Künstler, mehr nicht… aber ihr könnt euch ruhig in der Gegend umsehen und meine Hütte bis morgen verwenden. Aber wie gesagt… hier herrscht ein Saustall, meine Güte“
„Ist das deine Frau? Die sieht aus wie…“
„Henry!“ keifte ich etwas als er das Foto von vorher in seiner großen Hand hatte und der Künstler sich sofort in seinem quietschenden Holzstuhl umdrehte.
„Könnten Sie das bitte stehen lassen?“
„Jaja“ schnaubte Henry und stellte das Foto wieder in seine ursprüngliche Form zurück zu dem kleinen Nachttisch neben der Lötlampe.
„Sie müssen wissen das ich noch ein paar Erinnerungen an meine Familie verbinde…“
„Sind die nicht mitgekommen?“ fragte ich und schlürfte noch den letzten Rest des Kräutertees hinab. Schon trafen mich wieder diese schuldigen blauen Augen und ich mich kurz räusperte. Ich hustete ein paar Mal und klopfte an meine Brust bis der Einsiedler wieder lässig grinste.
„Meine Frau ist schon lange gestorben“ ein dunkler Schatten legte sich über sein vernarbtes Gesicht, „Ich hatte auch eine Tochter, sie müsste jetzt in eurem Alter sein. Ich weiß nicht wo sie jetzt ist…“
Beim letzten Wort seufzte er lauter und sein Blick ging durch mich hindurch. Nur zu gut kannte ich das.
„Rohan war für uns beide auch wie ein richtiger Vater…“ ich schluckte bei seinem Namen und versuchte zu dem Mann durchzudringen. Er kniff seine Augen zusammen, wieder diese Geste so als ob er mich auch irgendwoher kannte. Oder ich bildete mir das wieder ein.
„Das tut mir sehr leid… für Sie beide“ er drehte sich halb um, „die Drachen haben mir bereits erzählt was ihm zugestoßen ist. Eine wahrliche Tragödie und ein sinnloser Krieg der das alles entfachte“
„Ich werde ihn da nicht durchkommen lassen und das von Mann zu Mann regeln ohne andere damit hineinzuziehen“ faltete ich meine Hände zusammen und starrte auf die kleine Flamme die noch den Rest der Kanne köcheln ließ.
„Ich werde ihm gegenüber treten und die Armee nehmen um ihn in die Ecke zu treiben. Aber es werden keine Unschuldige in diesem Krieg mehr sterben“ nun sah ich ihn wieder an, der seine Finger so sehr an den Henkel der Tasse drücke bis die Knöchel weiß wurden, „ich weiß nicht wer die Oberhand gewinnt, aber ich werde kämpfen solange bis ich blutend umfalle, damit sie endlich vor ihm ihre Ruhe hat und in Frieden leben kann. Auch wenn es ohne mich sein könnte“

Falsche Schlangen und Könige

 Layla


Das Salzwasser kitzelte meine nackten Füße als Ebbe und Flut immer wieder kamen und gingen. Obwohl es wieder in geregelten Abständen vom ergrauten Himmel schneite und die Möwen immerhin über meinem Kopf flogen und kreischten. Es waren bereits kältere Grade, das der Winter schon an der Tür klopfte und ich mit meinem engen schwarzen Körperanzug und den Fellen über meiner Schulter an der Sandbank saß. Der Atlantik war kalt, aber ich genoss diesen Salzduft, denn wie lange träumte ich davon hier zu sitzen. Der Horizont erstreckte sich bis ins Unendliche als das hellblaue Wasser an den Felsen nahe der Klippen klatschte und ein rauschendes Geräusch erzeugte. Meine Stiefel hatte ich einige Meter hinter mir ausgezogen sodass meine nackten Füße endlich den Sand und das Meer spüren konnten. Ich lehnte mich an den Armen an und schloss meine Augen um den salzigen Wind an meinen geröteten Wangen zu spüren.
Alles wäre perfekt wenn Rafe hier wäre. Wenn er mit mir das erleben würde mit diesem kleinen Wunsch den ich der Zukunft wünschte.
Was sie wohl jetzt alle machen? Sogar an Mama dachte ich, ob sie wirklich floh oder noch in der gläsernen Stadt blieb.
Ich zählte jedes Mal die Tage, wenn ich einen Vogelschrei hörte, dass es Mal mit der Kette war. Aber es war jetzt schon einige Zeit her, das sie fortflog. Und ich kurz den Gedanken beiseite schob das sie nicht Opfer der Hybride war. Larissa aber machte sich darüber keine Sorgen. Sie hatte den Bussard aufgezogen seit sie frisch aus dem Ei schlüpfte und für solche Einsätze trainiert. Sie setzte glaube ich sogar ihr eigenes Leben auf das Tier.
Hier hatte ich Zeit für mich alleine, denn sonst schwänzelte entweder Lia oder noch schlimmer Leia Titania hinter mir her, aber jetzt war es eine Ausnahme denn noch ein paar junge Nestlinge spielten am Strand und lachten laut. Im Grunde führten die Harpyien hier ein eigenes Leben ohne von Menschen gestört zu werden. Sie betrieben ihre eigenen Gesetze, eigene Landwirtschaft und Werkstätten, aber das mit dieser Krankheit wurde Leia immer noch nicht Herrin. Ich hörte, dass letztens wieder eine junge Mutter nachdem sie ihr Kind entbunden hatte starb. Schnell öffnete ich meine Augen als ich leichtes Stapfen im Sand hörte.
„Du willst doch nicht weglaufen, oder Kind?“
Mensch. Die fehlte mir jetzt noch. Ich habe die schon so satt.
Stattdessen drehte ich mich süß grinsend über meine Schulter, „nein, Mutter, ich genieße nur die Aussicht. Zuhause hatte ich sowas nie“
Sie stieg in die Wellen, als sie dicht neben mir stehen blieb und ihre bernsteingoldenen Menschen Richtung Horizont gab.
„Du wartest du auf etwas oder? Was kann ich machen damit du dich endlich wie zuhause fühlst?“
„Auf was soll ich noch warten?“ ich biss auf meine Zunge, „es gibt in der Stadt nichts mehr zurückzukehren…“
Schnell schnellte Leia um und verschränkte ihre Arme vor ihrer Brust, „gut dann habe ich einen Auftrag für dich damit du auf andere Gedanken kommst. Es fehlt nur mehr eine Sache die dich von den anderen Harpyien anders macht“
Ich biss mir auf die Zähne und drehte mein schmerzendes Handgelenk, das noch unter dem Verband lag, als fast das Salzwasser darauf landete. Ich hatte mir das Kreuz etwas umtätowieren lassen nach langer Unterredung und Larissas Vorschlag. Ich wollte das Kreuz nicht mehr als das symbolisieren wozu es anfangs gedacht war. Mein Herz war an dem Mann gebunden der es mir tätowierte, aber die Bedeutung war anders geworden. Ich bin keine Sklavin und werde es für niemanden sein. Deshalb ließ ich es an meiner Haut… mit der Ausnahme das vom Kreuz eine waagrechte Linie zum Handgelenk gezeichnet wurde das durch ein Herz und Herzschlägen ging. Das machte es ein schöneres Motiv… aber mein Handgelenk zog noch von dem Eingriff.
„Und was wäre das?“ ich sah hoch zu Leia, die immer noch mit kniffenden Augen zum Horizont blickte und ihre roten Haare mit dem Wind fingen. Wie auch meine Haare trotz dem langen geflochtenen Zopf, den mir Laksha heute Morgen gemacht hatte. Ich liebte französische Zöpfe und sie sogar einzelne Strähnen wie eine Krone nach hinten flocht die an meinem Hinterkopf zusammengingen zu einem Langen. Dieser ging mir dünn fast bis zur Mitte meines Rückens. Mit den schwarzen Federspangen glich ich wirklich einer jungen Harpyienprinzessin.
Aus Leias vollen Lippen spottete sich ein Grinsen. Und das hieß bei dieser Frau nie etwas Gutes, während die Mädchen im Hintergrund immer noch mit ihren Flügeln Fangen spielen.
„Oma!“ riefen sie im Kanon, „du bist dran mit dem Fänger sein! Du auch Layla!“
Ich hätte mir nie ausmalen können das sie wirklich eine friedliche und liebende Mutter und Großmutter zu kleinen Mädchen sein konnte.
„Nun…“ sie winkte kurz nach hinten um den Kindern zu signalisieren, dass sie gleich kommt und wandte sich wieder zu mir runter, „du wirst mir etwas beschaffen… etwas ganz wichtiges. Und dann erst wirst du dich vollkommen im Covenant fühlen“
Ich stand mit einer gleitenden Bewegung auf, „Schieß los…“
Ich war zwar nicht sehr begierig, aber so konnte ich ihr mehr einschmeicheln und Mals Rückkehr überbrücken.
Leia kräuselte ihre Lippen, wollte schon einen Laut aussprechen bis wir hinter uns schon Rufe der Harpyien hörten, „Mutter! Mutter!“
Gleichzeitig drehten wir uns um Richtung Staudamm und drei Harpyien inklusive der Führung von Larissa herbeiflogen. Beim genauen Betrachten war sogar Laksha dabei mit wirbelnden rotem Lockenhaar. Sanft landeten sie wie Federn auf ihren langen Beinen, selbst das Laufen sah bei ihnen anmutig aus. Leia Titania ließ von mir ab und ging ihnen langsam entgegen. Ich folgte ihr.
„Was gibt es?“
Larissa hatte eine ähnliche Frisur wie ich, aber mit ihren braunen Augen und dem reiferen Gesicht sah sie auch so schön aus, sie ergriff sofort das Wort ohne mich anzusehen, „Zwei Meilen westlich. Soldaten… unter dem Banner“ ihre braunen Augen funkelten Leia zu und Larissas Atmung etwas schneller ging. Seit ich hier war hatte ich sie erst einmal etwas panisch gesehen, „und noch etwas ist dort. Unsere drei Wächterinnen an der Außenmauer… nur eine ist zurückgekommen. Sie ist ziemlich zugerichtet und bewusstlos“
Leia folgte den Worten ihrer Tochter und ihre Gedanken sofort weit weg schärften, doch dann wider Erwarten drehte sie sich zu mir um. Und lächelte, „dann geht ihr dem auf dem Grund. Menschliche Soldaten sollten doch kein Problem sein. Ich habe hier etwas mit Layla zu besprechen…“
„Mutter? Ist das nicht deine Aufgabe nachzusehen bei…“ Larissa suchte kurz die passende Wortwahl, „bei fremden Männern?“
Leia drehte sofort ihren schönen Kopf zu Larissa, die sie um einige Zentimeter überragte. Kurz überlegte sie wohl und ich selber dachte auf was Larissa da anspielte. Bis ich mich zwischen dem unangenehmen Schweigen einmischte, „ich würde mitgehen. Ich bin da wenn ich leider sagen muss eine Expertin zwecks Königreich“
Leia blinzelte einige Male und sah wieder zu mir. Ihre Mundwinkel zogen sich etwas zu einem Strich und ihre blassrosa Wangen sich rötlicher färbten, „du bist mal ganz still. Wer hat denn fast hundert Jahre ihnen gedient. Herrgott…“
Leia fluchte leise und sah wieder zu Larissa, ihre fröhlich aufgesetzte und falsche Miene verwandelte sich binnen Sekunden zu ernst und bedrohlich.
„Ihr drei und Layla seht euch das an und gebt mir einen Bericht. Ich sehe nach der Überlebenden. Sie wird schon reden keine Sorge“
Larissa und die anderen beiden verneigten sich leicht, ich machte mit.
Vorerst.

 

„Argh. Diese Frau macht mich wahnsinnig!“ jammerte Larissa als Führungsorgan in unserem kleinen Schwarm voraus als wir einige Bäume unter uns sehen konnten als wir das Nest verließen.
„Die hat die Sorgen doch schon weggevögelt diese… diese…“
„Larissa beruhig dich! Mensch“ raunte Laksha die dicht neben mir flog und wir einen weiteren Anlauf nahmen. Ich biss mir auf die Lippen, „halte dich noch etwas im Zaum. Waren das wirklich Soldaten des Königs?“
„Ich weiß was sie von sich gab, sie hatten wieder ihre Feuerwaffen dabei und sogar etwas anderes. Gefährliches…“ sprach Larissa vorne über und flog eine kleine Kurve. Wir drei folgten ihr dabei.
„Und jetzt keine Fragen mehr. Das Lager der Soldaten ist da hinten laut der Beschreibung bevor Hannah weggekippt ist. Zuerst müssen wir uns um die mal kümmern“ sie deutete mit ihrem Arm nach unten zu einer dichten Baumstelle, „da landen wir“
„Und dass Soldaten so weit hierher kommen… das Mutter das so locker nimmt wundert mich auch“ redete die andere Harpyie mit kurzem rotem Haar und grauen Augen, ihr Name war Nymeria.
„Genau das macht mir auch Sorgen“ folgte Larissa leise weiter und wir vier langsam und sicher den Boden unter unseren Füßen berührten. Ich zog wieder wie automatisch meine Flügel in meinen Rücken und ausnahmsweise machten es mir die anderen drei nach. Larissa mal ohne Flügel zu sehen glich an Seltenheit. Meine Halbschwester drehte sich bückend zu uns um und hielt sich einen Finger an ihren Mund. Wir nickten ihr zu und schlichen lautlos durchs dichte Geäst ohne einen Laut von uns zu geben. Das lange Wald gehen konnte sich endlich mal auszahlen und diesmal stolperte ich nicht wie eine tollpatschige Ente.
Von vorne wurden die Stimmen der Männer immer deutlicher, sie klangen nervös und ängstlich, „… lasst uns jetzt sofort aufbrechen! Das waren diese Harpyien… und die werden sicher zurückkommen. Die Geschichten sind wirklich wahr!“
„Halt deine Schnauze, Stevens. Das ist schon lange kein Mythos mehr. Schließlich wird eine Harpyie mal deine Königin werden wenn Seine Majestät sie endlich hat. Oder wir bringen sie zu ihm“
„Wenn diese Schar aber wiederkommt, Sheffield, sind wir zuwenige! Wir müssen hier weg und Verstärkung vom Trupp holen“
„Ach was… kennst du die Gerüchte nicht, Sheffield? Der König wird diese Harpyie eh nicht heiraten… wenn schon denn schon in seinem Haremturm sperren. Zu verübeln ist sie nicht, hehe“
Diese schmierigen Typen! Mir kam die Galle hoch und ich die Hand von Larissa auf meiner Schulter spürte. Ich atmete nochmal leise ein und aus und zu viert knieten wir uns hinter einen Busch nahe des Lagers, das bereits zum Aufbruch bereit war.
Selbst im schwachen Licht der Sonne und des grauen Nebels, wehte das verdammte Königsbanner neben einer Kavallerie an Pferden und Waffen.
„Gerüchte?“
„Ja, der König hat vor einigen Wochen eine Audienz für einen kleinen Hofstaat gehalten. Menschen… nein… nicht ganz. Sein gesamter Hof war etwas in Aufruhr für dass das einige Häuser sowieso fehlen, wegen ihrer offenen Rebellion. Nur die treuesten Häuser wie die McHaynes und die Jasons sind geblieben…“
„Und was hat das damit zu tun, Starling?“
„Weil sie ihre Prinzessin vorgestellt haben – Verbündete gegen diesen Bastardsohn von Kronprinz Alexander und seine Rebellenarmee. Verbündete wie Bestien. Das beste Mittel gegen solch Ungeziefer“
„Und das ist auch wahr? Das ein Sohn von Prinz Alexander existiert? Das alles?“
„Alles, sage ich euch. Obwohl der Hof dazu schweigt“
Ich biss mir auf die Zungen – was für Informationen. Mir ging es trotzdem kalt den Rücken über. Über welche Verbündete redeten sie da? Ich gab Larissa ein Zeichen, ich wollte einen verhören. Das musste sein, wir mussten einen verschonen.
Doch bevor wir Larissa ihre Dolche zücken konnte, raschelte es leise hinter uns. Laksha schnellte zischend nach hinten, bis ein lautes Knirschen unsere Deckung auffliegen ließ.
„Aufpassen!“ schrie ich laut und warf meine Schwester zur Seite als eine riesige Bestienschlange mit weit aufgerissenen Maul die ihre langen Giftzähne zeigte, aus dem Gebüsch hinter uns angriff. Das so ein Riesenvieh auch so schnell hüpfen konnte. Aber dann passierte alles ganz schnell und Schüsse fielen. Ich lag immer noch auf dem Bauch als ich mich mit Laksha schnell erhob und der Körper von Nymeria schon schlaff mit einem Loch zwischen ihren Augen zu Boden fiel.
Die Schreie der Soldaten kamen näher und selbst die Schlange im Dickicht erneut unsichtbar wurde.
„Scheiß Kerle…“ fluchte Larissa und entfaltete ihre Flügel um sich direkt ins Getümmel zu werfen, wirbelnd folgten wir meiner Schwester – so mutig sie wirklich war. An meiner Hüfte baumelte das Schwert das ich behielt seit dem Kampf mit Manila und es zu mir gehörte seit ich hier war. Schweiß rannte über meine Stirn und ich den Schwertern mühevoll auswich und fast schwebend und galant einen von ihnen direkt ins Gesicht trat. Dann in seine Weichteile, bevor ich ihm die Kehle mit dem Schwert durchtrennte. Rotes Blut teilte sich an der Lichtung und mein Gesicht und Körper es auffing wie Wasser.
Deine Hände sind dazu da um zu helfen, nicht um zu töten
Rafe… du würdest es verstehen. Es sind kriegerische Zeiten mit kriegerischen Maßnahmen. Ich habe schon lange keine unschuldigen Hände mehr.
Wie in Zeitlupe drehte ich mich nochmal um mich dem nächsten Angreifer zu stellen, als Laksha schon einem anderen Soldaten das Genick brach und Larissa laut brüllte um einen anderen auch die Kehle aufzuschneiden.
Da ertönte wieder dieses grässliche Zischen von den Büschen und die Gänsehaut sich über meinen Rücken ausbreitete. Warum zum Teufel wieder Schlangen!? Und warum griffen sie uns an!?
„Teilt euch auf! Sie hat es dann schwer!“ rief Larissa als sie das Schwert aus der Brust eines Soldaten zog ich stoppte und starrte sie ungläubig an, „wir wollten doch einen am Leben lassen…!“
Sie verdrehte die Augen, „wir haben genug gehört, Schwesterchen“
„Nein sie hätten uns die Verbündeten sagen können und….“
„PASS DOCH AUF DU BLÖDE KUH!“ schnellte Larissa in meine Richtung, stemmte ihren muskelgestählten Körper direkt auf meinen und verhinderte das der lange Schuppenkörper uns nur streifte und nicht zerlegte.
Wir landeten in dem Blutbad und ihr Körper sich sofort von meinen erhob um knurrend zu fauchen, „sind eure Schuppen zu fest oder seid ihr einfach nur bescheuert, Schlangen?!“
Der lange und dicke grüne Schuppenkörper drehte seine schnellen Runden und die gelben großen Augen uns nicht losließen. Mit dieser gigantischen Länge von sicher über sieben Meter quietschte ich kurz auf. Ich war wie gelähmt und Lakshas Stöhnen hinter mir ertönte. Sie lag bauchwärts am Boden und hielt sich eine triefende Wunde an ihrem Hals fest… aber statt rotem Blut kam eine violette Flüssigkeit heraus. Meine Schwester hustete laut und kippte wieder blass auf dem Rücken. Gift.
„Laksha hats erwischt!“ rief ich und ging einen Schritt zurück, als Larissa immer noch kampfbereit den Kopf des Biests nicht aus den Augen ließ. Die Schlange redete auch nicht mit den Gedanken. Ich ging erneut einen Schritt zurück zu Laksha, bis sie wieder laut zischte und ihre Giftzähne entblößte.
Bewegt euch keinen Millimeter, Harpyien… das kann sonst böse enden
Sie konnte doch in Gedanken sprechen.
„Dann sage uns warum ihr uns angreift statt zu helfen? Wir sind gemeinsame Feinde der Menschen!“ fauchte Larissa weiter und hielt den Dolch weiter drohend in ihren Händen, als die Schlange uns immer noch umkreiste.
Somit kam ich zu Laksha und drehte sie auf den Rücken, ich riskierte immer wieder einen Blick zu dem Monster mit gelben Augen als ihre schlitzigen Pupillen mich in Augenschein nahmen.
Ihr könnt sowieso nichts mehr tun, die Harpyie wird an meinem Gift sterben. Aber euch lasse ich noch leben… ich habe nämlich gute Nachrichten. Nachrichten die Leia Titania sicher auch wissen möchte
In meinem Kopf klang die Stimme der Schlange so schön und melodisch – wie bei einem jungen Mädchen und ich wunderte mich: Wenn Drachen Menschengestalt annehmen konnte, wie Rohan, konnten das die anderen Bestien auch?
„Dann zeige deine Gestalt und hör auf uns einzukreisen…“ fauchte ich leise und hielt Lakshas Verletzung mit bloßen Händen. Japsend blinzelte sie zu mir hoch und ich leise zuflüsterte, „noch ein bisschen. Wir fliegen gleich…“
„Ich glaube kaum das wir noch was zu bereden haben? Oder geht es um König Shane und seine Bitchtochter Evangeline?“ knurrte Larissa vor uns und holte den nächsten Dolch aus ihrem engen Ärmel des Anzugs. Sie gierte schon nach Vergeltung.
Die Schlange zuckte wieder ihre lange Zunge
Ich habe es nicht von Nöten in menschlicher Gestalt zu erscheinen. Aber es wird bald eine neue Königin gekrönt werden… Prinzessin Evangeline wird Königin über die Neuen Amerikanischen Staaten und wir endlich wieder mächtiger sind als die Harpyien. Ihr seid doch schon abgeschrieben, himmlische Flügelfrauen
„Wollt ihr ihn in der Hochzeitsnacht töten? Könnt ihr gerne machen, aber warum tut ihr euch das an?“ sprach ich nun mit starker Stimme und zog Laksha näher an mich.
Die Schlange lachte leise in meinem Kopf und blieb schließlich mit ihrem massigen Körper stehen. Larissa verkrampfte sich immer mehr.
Im Gegensatz zu euch wissen wir noch was Treue bedeutet… Bestienkönigin gegen Bestienkönigin
„Redet doch nicht so einen Scheiß! Was gibt er euch dafür!“ das war Larissas zornige Stimme, die die Lichtung erbeben ließ.
„Layla…“ die röchelnde Stimme von Laksha holte mich aus der Konzentration und sie ihre weiße Hand zitternd ausstreckte, ich ergriff sie rasch.
Ihre blassrosa Wangen färbten sich etwas bläulicher und wir keine Zeit mehr vergeuden konnten. Sie würde sonst den Rückflug nicht überleben. Strähnige rote Haare hingen in ihr Gesicht und sie erneut ihre blauen Lippen bewegte, „lasst… lasst mich….“
Ich schüttelte sofort den Kopf, „vergiss es. Komm“
Doch das laute Zischen der Schlange ließ mich aufhorchen als sie ihren massigen langen Schuppenschädel vom Boden erhob und uns nun direkt von vorne ansah.
Gott schütze den König… und du ihm bald Gesellschaft leistest. Eure gesamte Sippschaft!
Sie schoss nach vorne mit weit aufgerissenen Maul, als Larissa sich schon vor uns stürzte und mit einem Sprung dem Vieh direkt ins Maul schneiden wollte. Doch die Schlange verstand sofort und trotz ihrer Größte wich sie den scharfen Dolchen aus und landete schwerfällig auf dem morschen Waldboden. So schnell wie sie kam, verschwand sie wieder und sie ihren langen Körper wie der Blitz mitnahm.
Larissa wollte ihr nachrennen, aber ich hielt sie auf. Jetzt hatte etwas anderes Priorität, „lass sie! Wir müssen Laksha zurückbringen!“
Larissa blieb fluchend noch stehen, mit dem Rücken zu uns und sie schnell wieder zurückrannte. Sie müsste es am besten wissen, denn als vielleicht zukünftige Harpyienherrscherin waren ihre „Kinder“ am wichtigsten. Nicht so wie bei Leia Titania.
„Lasst mich… ich kann…“ röchelte Laksha in meinem Schoß aber ich gab Larissa ein Zeichen, dass wir sie beide trugen.
Schnell packte Laksha mein Handgelenk, schwach aber stetig. Ihre glasigen grünen Augen trafen mich wie ein Schwert ins Fleisch.
„Du musst zu deinem… Zasahik zurückkehren… Layla…“
„Reiß dich zusammen, Laksha. Du gehörst zu unserer Rebellion… du gehörst zu uns, kleines Vögelchen“ Larissa sprach traurig die Worte aus, streichelte aber ihrer Schwester behutsam über die kalte Wange. Dabei kamen wir uns drei sehr nahe.
Noch kurz lächelte meine Zwillingsschwester in spe und so schnell konnte ich nicht reagieren als ihr schlaffer Kopf nach hinten fiel und glasige Augen offen gen Himmel blieben. Mir schnürte es das Herz zusammen, Larissa sagte auch nichts neben mir. Nur ihr Zittern blieb als sie Laksha nochmal eine rote Locke aus dem Gesicht strich. Die violette Flüssigkeit zog feine blaue Adern über ihre weiße Haut und es gemischt mit Blut war. Ich schüttelte sie nochmal zur Vorsicht… aber Laksha würde sich nicht mehr bewegen.
„Sie… war noch so jung so… verdammt….“ Fluchte Larissa und beugte sich zu unserer toten Schwester als sie ihre Stirn lange und zärtlich küsste.
Ich blinzelte immer noch benommen zu ihr hinunter.
„Wenn er jetzt sogar die Bestien zu sich zieht…“
„Nicht alle“ sagte ich schroff und hielt Laksha immer noch in den Armen und Larissa sich wieder schnell erhob, „nicht uns oder die Drachen. Was können Schlangen gegen Feuer und Schwerter ausrichten?“
„Gift“ ergänzte Larissa monoton und ich nur hörte wie sie wegging. Mein Gesicht fiel immer noch auf Laksha als ich zitternd meine Hand hob und ihre Augenlider schloss.
„Wer weiß was er ihnen versprochen hat, aber mit Bestienschlangen ist nicht zu spaßen. Selbst Leia Titania fürchtet sie… sie waren immer schon eine Bedrohung. Sie sind klug und gewitzt, agierten aber immer mehr im Untergrund. Und jetzt … ist es auch für uns relevant. Traue niemals einer Bestienschlange in Menschengestalt“
Sanft legte ich Laksha auf den Boden und strich ihr auch eine Locke nach hinten. Ich schloss die Augen und sagte leise ein Gebet.
„Was ist das? Euer Brauch Leute zu begraben?“
„So in etwa…“ sagte ich leise und küsste meine Fingerspitzen und streckte sie zum Himmel hinauf, „das ist ein Brauch bei den Menschen. Wir helfen der Seele weiterzuziehen“
Larissa seufzte, aber dann hörte ich Geräusche von Graben. Wir würden sie hier begraben, nicht dort wo sie Leia Titania die Klippen runterwerfen würde.
„Bestienkönigin gegen Bestienkönigin…“ überlegte ich als ich meinen Kopf wieder senkte. Die Worte der Schlange im Kopf machten wieder Sinn.
Larissa schaufelte wortlos hinter mir weiter. Um uns herum lagen einige Soldatenleichen und das zerfledderte Banner des Königs. Es lag nur schwer am Boden, aber wir ließen es liegen. Wir waren keine Wappentiere!
„Evangeline gegen Leia? Das wäre lustig…“ kicherte Larissa doch düster hinter mir, als ich mich doch um die Schulter drehte und Larissa nicht recht viel weiter unter die Erde kam. So stand ich auf um ihr zu helfen.
„Wer ist diese Evangeline?“
„Die einzige Tochter von Shane, dem Schlangenkönig. Dabei dachte ich er wäre schon jahrelang tot. Leia und er hassen sich wie die Pest, würde mich nicht wundern, wenn er seine Lieblingstochter gegen Mutter kämpfen lässt. Shane stammt genau wie die erste Generation noch aus den ersten Projekten der Wissenschaftler gegen den Feind. Nur bei der Rebellion waren Schlangen und Harpyien verbündet. Bis jeder wieder seine Wege ging. Wenn sie jetzt diese Position haben. Diese falschen Schlangen sind böse und durchtrieben, passend ja für diesen König“
„Ich glaube nicht das sie damit Leia meinte“ sprach ich leise und Larissa mir einen verwirrten Blick zuwarf, ich erwiderte ihn als wir mit den Pfeilern der Soldaten ein Grab nahe der Lichtung richtig aushoben. Weg von diesem Schlachtfeld.
Larissa ging allmählich ein Licht auf, „du? Aber was…“ sie hob ihre Brauen, „ahhh“
Ja. Damit meinten sie nicht Leia, sondern die „andere“ Königin des „falschen“ Königs. Die Gefährtin von Alexanders Sohn, der auch eine Bestie als Königin hatte. Das wollte Andrew erreichen? Das wir als Frauen der beiden Könige gegeneinander kämpften? Sowas ist doch verrückt. Und passt einfach so zu Andrew.

Die vergessene Prinzessin

„Wenn ihr mich anlügt Gnade euch nichts mehr!!“ bebte Leia in ihrem Wohnsaal und fauchte als sie sich von ihrem Kamin zu uns umdrehte, dass ihre Locken wirbelten.
Larissa und ich knieten halb einige Meter hinter ihr und senkten unsere Häupter.
„Es ist wahr, Mutter. Wir haben alles gesehen und gehört. Laksha und Nymeria sind ihre Opfer geworden… die Schlangenbestien haben sich mit dem Feind verbunden“ ließ Larissa mich sprechen, ich dankte ihr dafür.
„Und Shane lebt immer noch. Er hat Evangeline mit Andrew verlobt, keine Ahnung warum sie das taten aber es ist die Wahrheit“ legte Larissa noch eines drauf, als Leia immer mehr bebte. Auch wenn wir uns gegen Leia verbunden hätten, die Harpyien waren weiterhin bedroht und sie weiß den besten Plan um gegen die neuen Feine anzukämpfen. Das haben Larissa und ich derweil auch besprochen, wir brauchten dieses schreckliche Frauenzimmer noch.
Leia sah Zähne knirschend zur Seite, das eine Locke in den tiefen Ausschnitt ihres langen schwarzen Kleides mit Metallriemen an Brust und Schulter fiel. Ihre Augenfarbe wechselte düster von gold und gelb, „dieser Sohn einer Hündin. Zuerst Jahrhundertelang verstecken und sich nicht blicken lassen als er sich aus dem Staub machte, als wir gegen die Menschen kämpften und jetzt sieht er sich wieder einen Profit draus schlagen… er könnte den König mit Leichtigkeit umbringen, was gibt er ihm dafür?“
„Das hat sie uns nicht gesagt“ fuhr Larissa weiter und hob ihren Kopf wieder, „Mutter wir können nicht länger zuschauen. Sie sind schon so weit oben, das war noch nie der Fall. Sonst kommt er mit seiner ganzen Armee, oder schlimmer noch…“
Sie schluckte und ich drehte meinen Kopf zu meiner Halbschwester, ja, sie meinte sein Bombenarsenal.
„Und ihr habt sie nicht getötet?“ sagte Leia Titania und kam mit langsamen Bewegungen in unsere Bewegung. Nun war ich es die das Wort, so scharf wie Schleifpapier, aussagte, „wir hatten keine Möglichkeit sie noch zu verfolgen“
Das setzte und sie ohrfeigte uns innerhalb von Sekunden so scharf, das meine Wange brannte wie Feuer. Aber ich jammerte nicht oder gab einen Laut von mir. Larissa machte das gleiche obwohl ich ihre Wut bis zu mir flackern spüren konnte.
„Dumme Töchter. Alles muss man selber machen…“ doch sie stoppte als sie mich nun schärfer ansah und ich ihr direkt in die Augen funkelte. Etwas regte sich im kalten Gesicht von Leia.
Ihre Züge wurden etwas weicher und sie sofort ihren Arm ausstreckte und mein Kinn weiter zu ihr hob, sie drehte meinen Kopf in allen Winkeln. Ihre langen rot lackierten Nägel pressten sich in mein Fleisch, aber ich blieb hartnäckig.
„In diesem falschen Licht…“ Sie drehte meinen Kopf mehr nach links dass das Feuer des großen Kamins mich besser beschien, „hast du helle Augen. Eher ins azurblau… Alexanders Mutter hatte auch diese Augen“
Mein Herz setzte kurz aus bis Leia fortfuhr, aber immer noch mit dem Blick auf mich gerichtet, „Larissa hole dir zwei Staffeln und erkundet weiter die Gebiete. Sucht nach feuchten Mooren oder verlassenen feuchten Ländern, da verstecken sich diese Biester gerne. Und bringt eine her… denn das hier gewinnen wir nicht mit Gewalt“
Ihre Nägel bohrten sich weiter hinein und ihre Augen sich golden färbten.
„Das hier schaffen wir mit dem was der König am meisten begehrt oder einem Thron der dem Richtigen zusteht, nicht wahr, Layla?“
Ich blinzelte sie nur finster an, als ich schon spürte wie Larissa lautlos aufstand und mich alleine ließ. Sie hatte keine Zeit zu verlieren und als sie die Tore laut hinter sich schloss, kniete sich Leia zu mir runter und strich mir sanft über meine rote Wange, die sie vorher schlug.
„Ich habe Vaters Augen. Das hast du selbst gesagt…“
„Dachte ich auch zuerst, aber ich überlege schon…. Seit ich dich damals in der Arena kämpfen sah… es ist nicht nur mein Blut das dich kämpfen lässt. Jack war nie ein Kämpfer, er war ein Softie. Er wollte und konnte nie kämpfen lernen, aber Alexander beherrschte das schon seit er ein Kleinkind war. Aufgezogen als General und König seine Armee in den Krieg zu begleiten. Für einen Menschen war er ein ausgezeichneter Krieger… und deine Bewegungen erinnerten mich sehr an ihn“
Kurz wollte ich etwas schnippisches antworten wie tief jemand sinken konnte das man sich echt nicht sicher war, wer als Vater der Tochter infrage kam. Aber mir kam bei diesem Gedanken die Kühle über meine Haut unter dem Anzug.
„Ich bin nicht Prinz Alexanders Kind. Ich hätte sonst himmelblaue Augen… und ich sehe ihm nicht ansatzweise ähnlich. Du irrst dich gewaltig, Mutter“
Doch sie ließ ihre sanfte Art aufrecht und ihre kühlen Fingerspitzen meine Wangen weiter streichelten. Dann küsste sie meine Stirn und flüsterte nah an meiner Haut, „ich wünsche es mir, mein Kind. Was gebe ich dafür etwas von Alexander ausgetragen zu haben… etwas von ihm mit mir verbunden zu haben…“
Ich lehnte mich zurück als Leia sich wieder galant erhob und eine Handbewegung deutete, „wir werden sehen… nun geh und lass mich alleine. Ich muss mich um die Taktik kümmern und..“ sie hob ihren Arm als ich mich umdrehen wollte, „wir sprechen noch über deine Mission. Jetzt hat unser Nest Vorrang, Layla“
Da gab ich ihr ausnahmsweise recht, nickte brav und versuchte so schnell wie möglich aus ihrem Wohnsaal zu flüchten.

 

Ich kehrte schnell in mein Zimmer zurück und ließ mich laut seufzend auf mein Nestbett fallen. Ich spielte mit meinen Fingern herum, obwohl ich noch allerlei Blut von den Soldaten und Laksha auf meinem Anzug hatte zitterte ich und schüttelte ein paar Mal den Kopf. Das war wieder so eine gerissene Lüge mich weiter an sie zu binden. Ich war nicht die Tochter von Alexander, das hatte ich genug bewiesen. Und von Erzählungen konnte Jack mein männlicher Spiegel sein. Wir liebten beide Bücher, hatten ein Faible für Künste und er war genauso sanft und zurückhaltend im Wesen wie ich.
Das mit dem Kämpfen stimmte auch nicht. Ich konnte das einfach weil ich es lernte und ich als Harpyie das im Blut hatte. Leia irrte sich – sogar gewaltig! Durch das nestelnde Geräusch fielen die beiden Anhänger scheppernd aus den Ästen auf den Boden. Meine Augen wichen zu Boden und ich nochmal ein und ausatmete.
Es war einfach nicht wahr und Rafe war NICHT mein Halbbruder. Die Gänsehaut wollte nicht weggehen.
Das Herz lag auf dem Stern darauf, sie passte einfach zusammen wie Mond und Sterne. Dennoch musste ich unbedingt Rafe und Ash von den neuesten Erkenntnissen berichten. Ohne einen Spion am Hof wissen sie nicht was da vor sich in den letzten Wochen gegangen ist. DAS änderte wieder den Schlachtplan um hundert Grade.
Plötzlich klopfte es schnell und Lia kam keuchend herein. Mein Körper zitterte immer noch, jedoch versuchte ich mir das nicht anmerken zu lassen und stand auf.
„Gehst du mit der Staffel? Ich kann sonst…“
„Layla. Das musst du unbedingt sehen! Komm!“ wedelte sie mit ihren schlanken Armen herum und stürmte schon wieder eiligst nach draußen, als mir auffiel das weitere junge Nestlinge eiligst und laut schnatternd in dieselbe Richtung flogen oder liefen.
Mich packte kurz Panik und ich mich dem Strom nach draußen anschloss, bis hinaus zur langen Landebahn vor dem Nestpalast.
Ich stand in der Menge junger Harpyien, wo auch von den angrenzenden Hütten der Schlucht viele Frauen hinausflogen, aber von Leia und Larissa keine Spur. Lias Arm packte mich am Oberarm und zeigte zitternd hinauf zum Anfang der Klippe, „da! Was ist das? Es fliegt so schnell das die Wächterharpyien es nicht fangen oder zerstören konnten…“
Ich kniff meine Augen zusammen und erspähte eine fliegende weiße Drohne. Ja eine Drohne, zuhause in der gläsernen Stadt nutzten das einige Soldaten immer um die Lage abzuchecken noch dazu sagte Floyd wie sie früher in Kriegszeiten genutzt wurden. Sie speicherten Informationen von General zu General und zeichneten alles mit ihrer Kamera von oben ab. Das lange Gerät flog einige Meter wie der Blitz herum, einige Harpyien schmissen Lanzen und Pfeile darauf, aber es war mit einem merkwürdigen Schutzschild umgeben der leicht bläulich schimmerte. Von der anderen Seite kamen noch zwei weiße Drohnen herbeigeschwebt und drehten sich.
Laute Stimmen von den Nestlingen umgaben mich und sie darauf zeigten, bis eine laute Melodie von den Drohnen ausging. Ich bekam Gänsehaut. Das war die Hymne der Gläsernen Stadt, auch bekannt als die Nationalhymne der Neuen Vereinigten Staaten von Amerika. Die Hymne der Königsfamilie Creston, wie sollte ich die nicht rauskennen. Die lernt man bereits im Kindergarten auswendig neben all den Königen und Namen bevor man überhaupt rechnen oder schreiben konnte. Es war eine schnelle und aggressive Melodie, die man als Nationalerbe hernahm:

 

Schönheit. Einigkeit und Stolz.
Einen wir unsere einzigen Könige des Volkes
Wahrheit und Hoffnung für das immergrüne Vaterland, das uns
Erlöste von Feinden
Das geflügelte Himmelswesen schenkte uns Frieden
Freude und ein Land, geeint unter dem Wappen der Stärke
Unsere Soldaten kämpfen für Loyalität gegen die falschen Freunde
Zerschmettern bis zum Tode sollen sie sein und verbrennen
Durch das feuergeküsste Himmelswesen
Gott schütze den König
Alle Bestien die durch die Morgendämmerung fliegen sind unsere Kinder
Gott schütze den König
Mit Feuer und Macht regieren wir, mit Ehre und Treue
Gott schütze den König

 

Verdammt sie wussten wo wir sind! Ich war die erste die nach vorne, mich von Lia fortriss, schnellte und meine Flügel aufmachte um laut schlagend nach oben zu fliegen. Seine mechanischen Spione waren nicht sehr groß, aber sie lieferten ihm endlich alle Informationen dank den Schlangenbestien die uns verrieten. Ich zog mein Schwert aus dem Gurt und zielte zu der Drohne über mir. Als ich Anlauf nahm und sie in zwei Teile schneiden wollte, hielt mich die unsichtbare Barriere die blaut blitzte zurück und ich einige Meter nach hinten gewirbelt wurde. Noch immer ertönte diese grauenhafte Hymne von den Drohnen. Eine summende schwarze Kamera drehte sich in meine Richtung, ich hielt den Griff enger in meinen Händen.
„Du glaubst du hast uns in der Hand? Ich weiß alles, Andrew“ keifte ich aus meinen Lippen und griff fester zu um nach einer Schwachstelle zu suchen. Die mussten doch wo einen Knopf oder etwas haben damit man den Schutzschild deaktivieren musste. Hin und wieder wünschte ich mir Rafes technisches Genie inne zu haben.
„Layla!“ das war Larissas Stimme die mit einer Horde Harpyien im Schlepptau von der Seite herbeiflog und sich schnell umdrehte, „Pfeile anlegen! Zielen!“
„Wartet noch kurz! So kommen wir nicht hin!“ bellte ich und umflog die weiße piepende Drohne, natürlich drehte sie sich mit mir mit.
Dann flog ich einige Meter zurück und sie folgte mir. Natürlich er wollte wissen wo ich war. Ich wusste, dass diese „Hochzeit“ mit Evangeline nicht auf Liebe beruhte, nein, keineswegs. Ich war immer noch das Objekt das er begehrte und meine Mundwinkel weit nach unten gingen.
Dann hob ich mein Schwert und zeigte mit der Spitze auf die Drohne, sie kam einige summende Sekunden in meine Richtung. Ich starrte immer noch gefährlich in die schwarze Kamera, das es um mich langsam unruhig wurde.
„Ich weiß was du willst und du wirst mich nicht bekommen… ich bin nicht diejenige die dich vom Thron stößt. Du hast noch Chance ihn zu räumen… ohne dass Unschuldige noch mehr umkommen…“
Doch ich wurde glatt unterbrochen als gewaltige Flügel von oben herab mich unsanft am Arm packten und mich umwirbelten. Ich strudelte mit meinen Flügel zu einer harten Felswand und spürte wie meine Wirbelsäule bei dem Aufprall dabei verletzte. Es kam so schnell das ich laut keuchte und der blitzende Schmerz sich über meinen gesamten Rücken fraß. Ich öffnete schnell die Augen und Leia Titania, samt schwarzer Rüstung und langem Schwert mit dem Eisengriff langsam auf die Drohne zuflog. Sie sah so schön und anmutig aus, aber dann auch wieder gefährlich sodass sie knurrte das sie jeder hörte, „das ist eine Warnung! Eine Warnung für alle Menschen da draußen! Dieses Rebellenpack eingeschlossen!“
Ich wollte mich bewegen, aber meine Wirbelsäule ließ mich nicht weg.
„Der einzige dem dein Thron gehört ist Alexander von Creston. Und seine Linie lebt weiter und somit beantrage auch ich meinen Anspruch, obwohl mich dieser grässliche goldene Menschensitz nie interessiert hat. Aber jetzt wird es langsam interessant…“ sie lächelte dabei düster und hob ihre Schwertspitze direkt auf die Drohne, diese summte weiter.
„Ich setze meine jüngste Tochter, Layla Scarlett, auf den Thron. Als Abkömmling von Alexander von Creston ist das ihr Geburtsrecht! Und wenn du es wagen sollst die Absicht zu haben meine Harpyien zu fangen oder unser Nest zu zerbomben… kommen wir zu dir. Mit Feuer und Blut und metzeln deine Stadt nieder! Sieh in die Unterlagen deiner Vorfahren – du weißt dass wir es können. Und du würdest uns das nie antun, auch das ist mir bekannt“
Nun wurde es still in der Schlucht bis auf das leise Summen der Drohnen. Ich rappelte mich wieder auf, aber trudelte einige Meter nach unten als ich schon spürte wie mich jemand an seine Schulter presste um meine Hand darüber zu legen.
„Ich bringe dich in den Krankenflügel…“
Aber ich hörte nicht auf Larissa und riss mich von ihr fort und flog mit schmerzenden Rücken wieder hoch zu Leia und der Drohne.
„Ich bin nicht Alexanders Tochter! Das bin ich nicht!“ keifte ich, und ich schaffte es sogar das sie ihre gelblichen Katzenaugen zu mir drehte. Aber sie redete nicht mit mir, stattdessen zog sie einen kleinen schwarzen Gegenstand aus ihrer Tasche und warf ihn voller Wucht auf die Drohne. Der Schild zuckte erneut, aber diesmal gab ihm dieses Kästchen einen elektrischen Schock sodass es laut explodierte. Leia zuckte dabei nicht mal mit dem Auge.
Es roch nach verbrannten Metallteilen und zuckend flogen die restlichen Teile die vielen Meter hinunter zu dem schmalen Fluss, ich sah immer noch ungläubig zu Leia. Doch diesmal drehte sie ihren Kopf ganz zu mir. Ich wusste, dass die zweite Drohne sich schon aus dem Staub machte – was für ein Feigling.
„Er wird uns nichts tun… schon blöd wie besessen diese Crestons zu Harpyien sein konnten. Alle bis auf einen wie es schien…“ sie zuckte nur kurz mit ihren roten Lippen und sah mich wieder an, „macht weiter!“ Ihre Stimme hallte laut. „Das hier hat nie stattgefunden und wir machen weiter mit unserem Alltag!“
Natürlich gehorchten ihr alle Harpyien.
Ich folgte ihren Bewegungen mit als Leia sich mir näherte, ihr glattes Gesicht wurde in meiner Gegenwart wieder hellweich, „du gehörst mir. Du wirst von nun an mein Küken. Das Glück das ich mit Alexander wollte… du bist sein Kind ich spüre das einfach. Und du hast sein Temperament und Taktgefühl, gleich einer Königin… und wir werden deinen Thron zurückholen. Der dir zusteht nicht diesem König oder deinem Zasahik… deinem Halbbruder ich muss dich leider enttäuschen“
Leia ließ los und kehrte wieder zurück, das sie mich mit offenem Mund alleine ließ. Ich konnte momentan nichts spüren, das war alles Lüge! Diese Frau wollte mich manipulieren? Mich? Da spürte ich sanfte Hände hinter mir. Ich kippte nach vorne, denn der Schmerz fraß sich bis hinauf bis ins Rückenmark.
„Eine Heilerin!“ war Larissas Stimme, aber ich nahm sie nicht mehr wahr und sank in die Bewusstlosigkeit.
„Versuch endlich wie eine Harpyie zu denken Layla. Nur so überlebst du hier. Lasse alles bei deinem Zasahik. Ich möchte nicht noch eine Schwester in den reißenden Wellen verlieren“

 

Seit diesem Tag… wusste ich nicht mehr wem und was ich noch trauen konnte. Diese Frau war dran und drauf meine Persönlichkeit nach ihrem Vorbild umzugestalten… Ich war keine Tochter eines Kronprinzen! Ich war nicht Prinz Alexanders leibliche Tochter, ich bin die Tochter von Jack Fray. Mein Name gehört zu mir!
… oder?
Gegen Schluss wusste ich nicht mal ob ich mir selber traute.

Ein neuer Lehrmeister

Rafe

 

Zischend landete die Axt auf den Holzspalt und ließ zwei ebene Stücke auseinanderfallen. Immerhin schneite es heute erneut um zu wissen, dass sich das Jahr langsam dem Ende zu neigte. Und wir immer noch bei diesem Künstler feststeckten. Anscheinend tagte der Rat noch länger als gedacht und ich Beschäftigung brauchte.
Ja ich hatte mich wieder rasiert und die Haare geschnitten, vielleicht etwas kürzer als sonst und hackte das verdammte Holz für den verdammten Ofen.
Dabei hatte ich ein Buch mit Politik und Kultur noch offen danebenliegen. Der alte Mann war so nett und hat es mir gegeben, aber es war einfach schwer mit meiner dämlichen Lesefähigkeit. Aus Frust machte ich mich gleich ans Holzhacken.
Henry durchkämmte wie jeden Tag die Gegend um weitere Soldaten auf die falsche Fährte zu locken. Oder er wollte sich auch einfach nur diese verdammte Zeit vertreiben. Meine Muskeln zitterten unter dem schweren Holzbeil, aber ich ließ es schnell wieder auf dem nächsten Holzscheit rasseln. Ich hob meinen Arm um mir den Schweiß von der Stirn zu wischen, denn trotz warmer Jacke, Hose und Stiefeln verzichtete ich noch auf eine Haube. Mir wurde sowieso immer schnell warm und die Schneeflocken bereits mein schwarzes Haar bedeckten und kühlten. Für das mochte ich den Winter am liebsten als diese tropischen Sommertemperaturen.
„Es ist sehr schön das ihr mir so helft. Vielen Dank“ hörte ich die kratzige Stimme des Künstlers und ich das Beil an meine Schulter stemmte, ich sah aber nicht zurück und stellte den nächsten Holzscheit auf die Anrichte.
„Wie hast du das sonst geschafft mit…“ ich räusperte mich, „mit der Verletzung?“
Schnell hielt ich das Beil wieder am Stiel und holte aus damit ich ihn wieder trennen konnte.
„Ich hatte meine Mittel und Wege…“ ich hörte wie er durch den Schnee näherkam. Aber er was sollte ich von einem Krüppel erwarten, immerhin lebten wir jetzt schon einige Tage hier ohne das er den Anschein auf Angriff war.
„Ich weiß Ungeduld ist keine selige Eigenschaft, aber ich tue mein Bestes…“
„Ja hoffe ich für dich“ zischte ich schnippisch aus meinem Mund und schlug das Beil in das Holz damit es feststeckte. Sein langer Schatten platzierte sich einen Meter neben mich und ich wusste das er gerade das Buch aufhob.
„Darf ich fragen und wissen warum ein Wilder etwas über die Geschichte und Politik liest?“ fragte er unter seinen dichten Fellen und drehte seinen Kopf zu mir. Diesmal musste ich ihn anschauen, heute sah er etwas blasser aus als sonst. Die vielen Narben in seinem bärtigen Gesicht und den dunkelblauen Augen machten einen guten Kontrast darauf.
„Du hast deine Geheimnisse. Ich meine also…“ ich verschränkte meine Arme und malmte mit den Zähnen.
Bis er nach langen Blättern wieder kauderte, „du kannst es nicht gut lesen oder? Deshalb bist du schon seit Tagen auf derselben Seite?“
Ich schnaubte und kochte innerlich, was war der Kauz? Ein Hellseher?
„Durch dein angefressenes Schnauben habe ich wohl ins Schwarze getroffen, herrje. Tut mir sehr leid, junger Mann“ aber dann tat er etwas was ich nie für möglich gehalten hätte. Er setzte sich auf einen Holzscheit und hob seinen Kopf zu mir hoch. Seine bleichen braunen Haare waren auch sehr kurz geschoren, die nicht zu seinem Bart passten.
„Ich kann es dir zeigen wenn du möchtest“
„Ich kann lesen“ verteidigte ich mich und setzte mich auf den Holzscheit daneben. Selbst im Sitzen kam er mir viel dünner und kleiner vor. Layla würde wohl sagen ich wäre ein Schrank gegenüber dem alten Mann.
„Aber ich verdrehe immer die Buchstaben. Es gibt Tage da geht es, weil ich auch gerne Anleitungen zu Geräten und Motoren lese, aber dann gibt es wieder Tage da sehe ich..“ ich biss mir auf die Lippen und spürte die Röte, „da sind die Sätze alle umgedreht und ich muss das Buch oder den Zettel weglegen“
„Das ist doch schon mal gute Übung“ lächelte der Künstler freundlich und öffnete das Buch weiter in seinem Schoß, mit dem Finger zeigte er darauf, „versuche immer Stück für Stück. Es gibt Menschen mit dem gleichen Problem wie du, das heißt nicht dass du dumm bist – nein keinesfalls. Ich bin mir sogar sicher, dass du sehr schnell lernst“
Ich hob eine Braue und spürte noch leicht das Ziehen von der Naht, obwohl es schon länger her ist, „aha. Da wärst du der zweite Mensch der mir das sagt“
„War deine Freundin auch meiner Meinung…“ er zeigte wieder auf die Buchstaben, und ich etwas zu ihm rückte um die Sätze besser sehen zu können. Er verbesserte einige meiner Worte, bis ich wieder zu seiner Frage lenkte, „sie hatte was ähnliches gesagt“
Wie automatisch musste ich lächeln und kratzte meine Bartstoppeln, „ich bin ein Erfinder und Mechaniker, aber in Politik eine Niete. Aber ich würde es gerne lernen“
Der Künstler verstummte kurz und nach einigen Seiten sah er mich wieder an, ich folgte seinem Blick, „ich kann es dir beibringen. Ich sehe zwar nicht so aus, aber ich genoss eine gute Ausbildung. Und ich möchte dieses Wissen gerne weitergeben“
Ich konnte mir ein kurzes Schmitzen nicht verkneifen, „danke, dass… das wäre cool“
„Sich wie ein Gentleman zu benehmen könnte dir und deinem Freund auch nicht schaden. Frauen sind da sehr bedacht darauf… ihr habt keine Tischmanieren, ganz zu schweigen von eurer Aussprache und dem zotteligen Aussehen. Jetzt geht’s eh wieder…“
„Autsch – erwischt“ triefte ich gespielt genervt hervor, dennoch habe ich etwa herausluchsen können.
„Ha. Also denkst du doch öfters an deine Vergangenheit…“
Da klatschte er schon das Buch auf meinen Kopf. Kurz stöhnte ich und blitzte ihn böse an. Doch der Mann wich meinem Blick aus, der in die dichten und verschneiten Bäume blickte.
„Jeden Tag denke ich an meine Tochter….“
„Du sagtest sie wäre jetzt in meinem Alter…‘
„Ja“ er schluckte, „vielleicht ein wenig jünger. Es ist jetzt über 18 Jahre her und ich kann mich noch gut an die Nacht erinnern in der sie geboren wurde. Sie war mein größtes Glück… alles was ich mir erträumte. Dabei dachte ich, ich könnte keine Kinder zeugen…‘
Ich biss mir auf die Lippen und beugte mich an meine Knie, „Ärzte irren sich gerne“
Kurz schweiften auch meine Gedanken zu der Tatsache, dass Layla eigentlich nur durch den Mangel einer Injektion schwanger wurde. Ich schluckte bei dieser Vorstellung. Natürlich fiel dem Künstler das auf, „ich weiß, das sich Ärzte irren. Für das war ich ewig dankbar. Aber… meine Frau starb kurz darauf, dann nahm alles seinen Lauf…ich wusste aber dass sie mir nicht immer sehr treu war. Dennoch war ich jung und liebte sie abgöttisch“
„Hast du den Kerl niemals zur Rede gestellt? Ich hätte den verprügelt bis…“
„Nein, nein, mein Sohn“ er legte mir seine kalte Hand auf meine und stoppte meine Gedanken.
„Ich bin kein Soldat oder Kämpfer. Ich wollte immer die friedliche Lösung, ich war ein junger und naiver Mann damals. Aber auch heute würde ich nicht auf diese Methode zugreifen, wie barbarisch…“
Seine Worte machten mich etwas stutzig, genau das gleiche hat auch Layla öfters erwähnt. Ich zwang mich ihn wieder ins Gesicht zu sehen.
„Wie heißt du wirklich?“
Aber der Künstler behielt sein freundliches Lächeln und stand stattdessen langsam auf um seinen Stock wieder von der Seite zu nehmen. Das Buch legte er vorsichtig in meinen Schoß.
„Ich habe keinen Namen mehr, mein Sohn, aber du erinnerst mich auch an jemanden. An einen guten Freund von mir…“ somit ließ er mich zurück ohne das ich ihm noch etwas sagen konnte.
„Wenn du weiter etwas lernen willst, folge mir“ dämpfte noch seine Stimme durch die alte Tür der schiefen Holzhütte und ich meine Augen verdrehte. Die Flocken wurden immer mehr.
„Jaja….“ Schnaufte ich aus und ging mit langen Schritten dem Typ nach.

 

Als Henry dann am Abend zurückkam staunte er nicht schlecht als ich mit dem Künstler am Tisch saß mit all den Büchern und Notizzetteln.
„Was geht hier vor?“ fragte er vorsichtig und zog sich die Haube von seinen kurzen rotbraunen Haaren. Selbst seinen Pferdeschwanz hatte er sich abgeschnitten. Ich hatte ihn schon lange nicht mehr in diesem verwirrten Zustand gesehen.
Ich hob frech meinen Kopf und kaute weiterhin am Bleistift, „lernen… für spätere Sachen…“
Ich deutete mit meinen Augen auf dass was ich nicht laut vor dem Künstler aussprechen wollte.
Henry korrigierte sich sowohl und zwinkerte. Das hatte jetzt jeder gesehen.
„Ah. Ahja das“ er wedelte ab und klopfte sich den Schnee von seiner langen schwarzen Jacke.
„Nicht an dem Bleistift rumkauen, Rafferty“ sagte der Künstler ruhig ohne den Blick von den Büchern loszuheben und ich schnaubend den Stift aus meinen Zähnen löste. Nur eine leichte Zahnspur war drauf zu sehen und ohne etwas zu sagen legte ich ihn neben die Zettel. Henry konnte sich ein flüchtiges Lachen nicht verkneifen und setzte sich zu uns an den Tisch.
„Der dritte Weltkrieg fing wann an?“ prüfte er mich erneut und ich schnell antwortete, „im Jahr 2030 vor der neuen Zeit und… endete am 12. November 2035“
„Und der vierte und letzte Weltkrieg?“
Nun musste ich überlegen und biss auf meine Zähne und sah zu Henry. Auch er malmte an der kalten Suppe herum und zuckte die Achseln. So auf die Art „sieh mich nicht an, ich habe keinen Schimmer“
„Der vierte Weltkrieg…“ ich kratzte nun mit meinen Fingern am Holz des morschen Tisches und ließ mir die Details durch den Kopf rasseln, „der vierte Weltkrieg begann am 10. April 2066 und endete… am …“
Nun spürte ich den Blick des Künstlers.
„Im Dezember? 2100?“
„Nicht ganz“ unterbrach er mich und ich mich zu ihm drehte als er das Buch vor sich schloss. Müde blaue Augen bohrten sich in meine, „der US-amerikanische Präsident Edward Creston erbaute 2099 die Mauer um einige hunderte Kilometer rund um die neue Hauptstadt „the glass city“ auch genannt die gläserne Stadt. Sie überbrückte die Stände Washington und New York miteinander damit jeder in der USA dort Schutz suchen konnte. Leider… konnte er nicht alle retten. Der vierte Weltkrieg endete offiziell am 1. Jänner 2101, was jedoch durch viele kleine Kriege durch Bestien immer noch überschattet wurde. Edward Creston erhob sich selbst zum Monarchen über die neuen Staaten von Amerika… und sein Haus besteht seit jeher“
„Warum tat er das?“ schaltete sich nun Henry ein und kaute an seinem trockenen Brot herum. Ich legte kurz meinen Kopf zur Seite und ließ mir das wieder durch den Kopf gehen.
Sein Haus besteht seit jeher… also mein Vorfahre hat das gemacht
„Sich zum König zu krönen?“ hakte der Künstler nach und setzte sich nun seine lockere Rundbrille auf seine Nase, die ihn aussehen ließ wie einen älteren Lehrer. Was er irgendwie auch war.
„Nun die Leute hatten früher noch andere Sorgen neben den Verlusten, Krankheiten und den niederen Lebensqualitäten das sie wählen gingen. Also sah er sich selbst die Möglichkeit daher sich zum König zu krönen, damit diese Stabilität aufrecht bleibt. Aber sein Urenkel, König Cornelius von Creston, hatte die ersten Kontaktaufnahmen zu den Wilden die sich von der Stadt und dem Staat abgrenzten. Doch die Bestien waren da schon längst nicht mehr da, so starben seine Pläne auf eine neu eingesetzte präsidiale Monarchie um das Land weiter zu einen“
„Gab es keine Schlachtpläne um das Volk… naja wieder hinauszubefördern. Die Strahlung klang nach 200 Jahren ab. Und wir wurden sowieso mit höherer Intensität gegen die Strahlung geboren… waren es die Bestien?“
Meine Frage war berechtigt. Denn sie machte weiter Sinn warum die Könige es nicht rausschafften.
„Genau. Sie hatten immer noch Angst und Respekt vor den Bestien da draußen. Und die hohen Strahlenwerte, deshalb hielten sie die 10 Millionen Menschen in der Stadt um die absolute Kontrolle zu haben“ nun setzte er sich die Brille ab, „ihr müsst wissen, dass die Crestons bekannt dafür waren absolut und grausam zu herrschen. Es gab nur wenige Ausnahmen wie Gregory von Creston auch bekannt als „der Gute“. Er war auch der Erste der die Gleichberechtigung der Frau wiedereinführen wollte, baute mehr Schulen im dritten Distrikt und erließ die Steuern für Hilfsbedürftige… nach nur zehn Jahren wurde er in seinem Arbeitszimmer gefunden. Gestorben an Herzversagen, böse Zungen aber sagten seine Gattin, Königin Visenyja, hätte ihren naiven Mann umgebracht um den gemeinsamen Sohn, den späteren König Ajax von Creston zu krönen. Es gab immer wieder Gerüchte und Geschichten, dass sich Familien gegenseitig spitzelten, es gab Machtkämpfe und Intrigen… nur wenige überlebten diesen blutigen Erbfolgekrieg. Und das seit fast 400 Jahren…“
Mir kam es eiskalt den Rücken runter. Waren meine Vorfahren wirklich solche Ekel? Jeder konnte jeden verraten, das war mir bereits klar, aber das diese Krone bereits so viel Blut forderte? Das Blut der eigenen Könige? Bruder gegen Bruder? Ehemann gegen Ehefrau? Kein Wunder, das mein Vater da rauswollte und nicht mehr zurück. Ich hätte ihn gut verstanden.
„Woher weißt du das alles? Sag bloß du kommst auch aus der Stadt…“ witzelte Henry zuerst und nahm sich ein dickes altes Buch vom Stapel. Er blätterte kurz darüber und grinste. Aber ich glaube kaum an einen Witz. Ich blinzelte wieder zu dem allwissenden Mann neben mir, der doch mehr zu wissen als mir schien.
Der Künstler kratzte sich etwas am Bart und er überlegte. Doch ich nahm das als ein leises „Ja“ aus. Das konnte ich schon an seinen blitzenden Blick lesen, diese dunkelblauen Augen wie die Nacht.
Laylas Augen.
Wie gern ich sie jetzt hier haben würde… es war schon über ein Monat her und mir kam es vor wie Jahrhunderte ohne sie an meiner Brust zu spüren. Ich dachte jeden verdammten Tag an sie, am schlimmsten ist es vor dem Einschlafen. Wenn meine Gedanken einfach schweifen weit entfernt von den Vorbereitungen auf den Krieg oder der Krone, von der Rebellion, den Drachen und diesem wirren Ort hier. Layla stach am meisten raus, sie und ihr feuerrotes Haar. Ich biss mir auf die Zunge und stand quietschend auf, dass der Stuhl laut knarzte am Boden.
„Ich muss kurz an die Luft…“
Doch bevor ich zu der schiefen Tür gehen konnte unter den bohrenden Blicken von Henry und dem Mann, hörte man lautes Picken an dem Fenster hinter dem Tisch.
Ein kohlschwarzer Rabe pickte an dem Glas voller Ungeduld und der Künstler sofort aufstand und das Fenster öffnete. Eine kalte Brise kam von der Abenddämmerung herein und der Rabe laut krächzte. An seinen gelben Füßen hing eine Rolle – eine Nachricht.
Ich kehrte somit um und verwarf die Gedanken wieder fürs erste und beugte mich über den Mann, er war zwar nicht so klein wie Whittles, aber auch nicht recht groß. Schlaksig und keine 1.75.
„Jaja… Lars. Warst jetzt schon lange nicht mehr hier“ tätschelte der Künstler das schwarze Gefieder wo nur zwei gelbe Augen uns ansahen und er sich nicht reinfliegen traute. Ich sah Henry an, er mich.
„Lars ist der Botenvogel. Er agiert zwischen den Ältesten und mir…“ sagte er ruhig und nahm sich die Rolle, die an den Krähenfüßen gebunden war, „was bringst du mir feines“
Leise las er das dünne eingerollte Papier und ich etwas lesen konnte, aber die Schrift war genauso schlampig geschrieben wie ich es immer tat, deshalb kniff ich meine Augen zusammen.
„Es ist auch nicht üblich jemanden über die Schulter zu blicken um zu spicken“ lächelte der Künstler und ich meinen Mund zu einem Strich formte.
„Ich kanns sowieso nicht lesen…“
„Was steht da jetzt?“ forschte Henry immer noch vom Tisch aus und stand langsam auf. Sein quietschender Stuhl verriet ihn.
Es vergingen noch einige Sekunden bis er leise fortfuhr, und das Papier wieder einrollte, „morgen früh können wir aufbrechen. Sie erwarten euch mit Freuden“ nun drehte er seinen Kopf in meine Richtung, „sie warten auf ihren König“

Die wahre Kraft der Schlangenbestien

 Wir marschierten noch einige Tage bis nach Waterfall Bliss. Ein Ort der sich auf keinen menschlichen Karten finden lässt und der Künstler trotz seines Gebrechens und Stock fit mit uns mitstampfte. Hybride wurden am Himmel immer wieder gesehen, aber wir konnten uns gut versteckten damit sie uns nicht entdeckten.
Natürlich nahm der alte Mann ein paar Bücher mit, damit wir abends immer etwas lesen konnte und er mir einiges über Politikwissenschaften und neuen Sprachen beibrachte. Zu meiner Verwunderung wohnte Henry unseren Stunden täglich mit. Er machte sich auch Notizen und das diese Welt, die für uns beide so fremd vorkam, uns ein Stück näher in ein Leben einführte das wir uns nie zu träumen gewagt hätten. Wir sprachen auch oft über Lex, das es ihm bei Kira gut ging und er in guten Händen war bis wir wieder bei ihm waren. Wir mussten einfach. Jedoch fragte der Künstler mich nie, das ein zerlumpter Wilder mit Leseschwäche und vielleicht schroffer Sprache ein König wäre, bis…
„Bist du nicht irgendwie neugierig? Du sagst uns etwas über dein Leben, aber du fragst uns beide nie etwas über unseres… beruht das nicht auf Gegenseitigkeit?“ fragte ich ihn dann als wir in einer baufälligen Hütte im Winterwald, dicht bepackt in Jacken und Pelzen, mit einem Lagerfeuer übernachteten und Henry wieder laut in seinem Schlafsack schnarchte.
Der Künstler zeichnete gerade etwas auf seinem Block und sah nicht zu mir auf, ich fragte mich immer wieder warum er nicht seine Bilder verkaufte – ich war zwar kein Experte darin, aber sie waren nicht schlecht.
Doch dann stahl sich ein Grinser auf seinem bärtigen Gesicht, er sah aber nicht von seinem Block ab, „ich weiß genug um nachzufragen, Junge. Das du der junge und verschollene legitime Sohn eines Kronprinzen bist, aufgezogen bei Rohan, dem schwarzen Drachen des Westens, und dem… wie soll ich sagen…. Frauenversteher der ganzen Ostküste“
Ich hob eine Augenbraue, sogar der wusste das. Etwas peinlich berührt kratzte ich meinen Nasenrücken und spielte es runter, so cool wie es ging, „das… ist… lange her. Haha. Wirklich“
„Ich weiß“ lächelte er immer noch auf seinen Block gerichtet, „wenn man die Frau seines Lebens getroffen hat, kann man nicht mehr anders denken um alles hinter sich zu lassen. Ich habe das mit eigenen Augen gesehen und erlebt“
Ich verschränkte meine Arme vor meiner Brust um mich etwas warm zu halten, denn die Nächte waren hier wirklich viel kälter. Weiße Atemwölkchen kamen aus unseren Mündern.
„Erzähle mir etwas über das rothaarige Mädchen… warum wird sie auch gesucht?“
Nun hob ich meinen Kopf und konnte nicht fassen, dass auch er mal Fragen stellen konnte. Ich wusste aber gleich wen er damit meinte. Ich biss mir auf die Lippen und sah in die orangenen Flammen, die uns Wärme spendeten.
„Sie hat nichts verbrochen. Nein das würde sie niemals tun…“ fing ich leise über die knackenden Geräusche des Feuers und gewann die volle Aufmerksamkeit des Mannes. Er hob seinen Kopf vom Bild und ich spürte seinen glühenden Blick.
„Ihr ganzes Leben lebte sie ein Leben das sie verdiente, jedoch unter der Fuchtel ihres Ziehvaters…“
„War er gut zu ihr?“
Nun war ich es der ihn ansah. In seinen nachtblauen Augen spiegelten sich Sorgen. Ich nickte, „ja.. nein… er war nur sehr streng, aber er ist es nicht wert über den zu sprechen. Aber durch ihre Andersartigkeit und Charme… gewann sie leider zuviel Aufmerksamkeit des Königs. Seither jagt er sie ohne Reue und Verluste…“
Mir kam die Galle hoch. Ich schüttelte schnell den Kopf um davon abzuschweifen.
„Er hat ihr soviel genommen und sie kämpft immer noch wie eine Löwin… für das bewundere ich ihre ruhige und vernünftige Art. Sie wurde als Lady erzogen, die sie immer sein wird. Aber auch kämpferisch und wild. Einfach…“ ich lächelte nun, „einfach atemberaubend“
Der Künstler atmete wieder ruhiger, es kam mir wie eine Erleichterung vor als er seinen Block wieder in seine Tasche steckte.
„Darf ich auch fragen… was sie gerne macht? Was sie gerne hat?“
Ich hob meinen Kopf und musterte den krüppeligen Mann. Konnte es doch möglich sein, das er Layla kannte? Seiner Stimme zu urteilen wurde er bei ihrer Erwähnung immer besorgt und seine Fassade bröckelte. So als ob er Angst um sie hatte.
„Du…“ er biss sich auf seine spröden Lippen nahe dem Schein des Feuers, „du musst es mir nicht erzählen. Verzeih, ich war zu neugierig. Es steht mir nicht zu soweit in die Privatsphäre einzudringen“
„Nein… du hast uns auch vieles von deiner Vergangenheit erzählt…“ ich schnaufte aus und es etwas schmerzte über sie zu reden. Ich verschränkte meine Arme an meinen Knien und verdeckte meinen Mund etwas. Ich hoffte, das die Schatten mein Gesicht etwas verdeckten.
„Sie tanzt. Unglaublich gut Ballett, in der Stadt war ihr Traum eine Tänzerin zu werden… und sie liest gerne und viel. Da komme ich mir immer wie ein Hinterwäldler vor, darum habe ich ihr mal ein Buch gekauft als Aufmunterung“
Der Künstler sah mich mit großen Augen weiter an.
„Sie liebt es Kleider zu tragen, aber ich glaube mittlerweile hat sie sich schon an Hosen gewöhnt“ ich lachte leise, „als ich sie das erste Mal traf dachte ich sie wäre eine Tussi hinter der Mauer, sie plapperte soviel und war einfach nicht geschaffen für ein Leben in der Wildnis. Aber je mehr Zeit ich mit ihr verbrachte lernte sie unheimlich schnell… ich glaube ich war da nicht immer das beste Vorbild…“
Nun lachte auch leise der Künstler.
„Ich habe ihr einige Grundkenntnisse übers Kämpfen gezeigt. Sie ist stur und vernünftig, sie hält mich oft auf etwas falsch zu machen und meinen Hitzkopf zu beruhigen…“
„Also kein guter Schwiegersohn falls ihr Vater dich sieht?“ keckte er in meine Richtung und ich mir schnell durch meine feuchten Haare fuhr. Ich lachte leise bei dieser Aussage, „ich glaube eher Schreckensvision eines perfekten Schwiegersohns. Ihr Ziehvater würde mich verklagen“
„Auf keinen Fall“
Nun hob ich eine Braue und sah in seine Richtung. Seine Züge waren weicher und er mich musterte über den Schein hinweg.
„Auch wenn du nicht der reichste Mann in diesem Staat bist, jetzt abgesehen von dieser König-Sache, ich glaube jeder vernünftige Vater würde keinen besseren Schwiegersohn als dich für seine Tochter haben. So wie du über sie sprichst… ich wüsste nicht welcher Mann meine Tochter sonst verdient hätte“
Nun konnte ich wieder lächeln und zum ersten Mal sagte ich dieses Wort mal mit Aufrichtigkeit auf, „danke, alter Mann“
„Darf ich dir noch eine letzte Frage stellen?“ er richtete sich etwas auf seiner Matratze und schüttelte sein Kissen, bevor er sich hinlegen wollte.
„Schieß los“ ich machte es ihm gleich und stocherte noch einige Male im Feuer, damit nicht das spröde Haus während wir schliefen abfackelte.
„Wie ist ihr Name? Du erwähntest deinen, den eure Brüder, deines Ziehvaters und Freunde… aber nicht ihren…“
Ich lehnte mich an meinen Unterarm sodass ich ihn immer noch über das ausgehende Lagerfeuer sehen konnte.
„Layla. Einfach nur Layla“
Der Künstler schnaubte leise und legte sich nun auf den Rücken, das Gesicht gen Decke gerichtet wo trotzdem ein kalter Wind durch die Ritzen hereinkam.
„Ein wunderschöner Name für ein wunderschönes Mädchen…“
.Stille, als ich auf die dunkle Decke über mir starrte und ich glaube er wäre schon eingeschlafen und Henrys Schnarchen wieder laut wurde.
„Layla bedeutete im Arabischen: Die schöne Nacht… und ach dieses alte Lied…“
Ich kräuselte meine Lippen, „altes Lied?“
„Wenn ich meine Gitarre hätte, würde ich es spielen. Als junger Mann war es einer meiner Lieblingslieder von meiner Frau und mir…“ und ich scherze nicht, mit seiner rauchigen Stimme sang er leise, aber sehr gut, „What'll you do when you get lonely. And nobody's waiting by your side?. You've been running and hiding much too long. You know it's just your foolish pride. Layla, you've got me on my knees. Layla, I'm begging, darling please. Layla, darling won't you ease my worried mind… Eric Clapton. Lange tot aber ein Meister seines Faches“
„Klingt echt nach einem guten Song…“
„Das nächste Mal spiele ich es, mit Gitarre. Diese alten Finger können nicht nur zeichnen…“
„Abgemacht“

 

Ein lautes Zischen riss uns aus dem Schlaf. Es war so laut, zu laut von einer normalen Schlange als ich schon einen empörten Aufschrei von Henry neben mir hörte, wir griffen sofort nach unseren Waffen und stellten uns Rücken an Rücken.
„Alter Mann! Komm her“ bellte Henry und der Künstler auch einen Dolch aus seiner Jacke zog. Sein blasses Gesicht wurde noch weißer, und ich meinen Arm ausstreckte um ihn weiter an uns zu ziehen. Aber in völliger Dunkelheit waren wir leider im Nachteil. Und mit Bestienschlangen legte man sich nicht an ohne an die Konsequenzen zu denken. Selbst Rohan hatte seine Schwierigkeiten mit ihnen und sie sehr böse waren, sie kannten keinen Unterschied zwischen Bestien und Menschen. Sie töteten einfach alles.
„Wir müssen raus hier… hier haben wir keine Chance…“ doch bevor ich weiterreden konnte kam schon ein weit aufgerissenes Maul mit langen Giftzähnen, aus der langen Dunkelheit der Hütte und wir uns aufteilten. Sie flog mit ihrem massigen Körper durch, doch ich nahm das sofort in Kenntnis, holte mit meiner Klinge aus und stach sie in den Schuppenkörper. Ihr Panzer war sehr dick, aber sie hatten eine Schwachstelle: Ihre ungeschützte Kehle.
„Henry! Geh nach vorne!“ brüllte ich und zog den Künstler mit mir mit, denn ich habe gesehen wie er einen Dolch hielt. Er war zwar ein Überbringer der Drachen, aber kein Kämpfer.
Die Schlange verschwand, wie zu erwarten, erneut in der Dunkelheit und ich ihn am Kragen packte und zur Tür lief. Weitere Opfer wären sinnlos, und Henry mir dicht auffolgte. Wir stürmten aus der baufälligen Hütte hinaus in weitere Dunkelheit, bis uns weiteres Zischen durch die Bäume begleitete. Gefühlte hundert gelber Augen beobachteten uns, bis der Künstler seine Stock nahm um schneller zu werden. Mit dem Laufen hatte er doch seine Probleme und trotz der Kälte Schweißperlen auf meiner Stirn erschienen.
„Seit wann jagen die im Rudel?“ blaffte Henry hinter mir, und wir weiter liefen.
„Schnappt euch den Kronprinzen…“ hörte ich eine männliche Stimme mit einem zischenden Laut neben uns, bis wir plötzlich zu einem fließenden breiten Fluss stehen blieben und der Mond sich leider hinter dichten Schneewolken versteckte.
Hektisch drehte ich mich mit Henry um, damit wir den Künstler abschirmen konnten.
„Das ist jetzt unsere geringste Sorge, aber wenn sie menschliche Gestalt annehmen sind sie im Nachteil…“ ich ballte meine Faust am Griff des Schwertes und hob es und wartete darauf das sie herauskamen.
Es war ungewöhnlich still geworden. Zu still.
„Hast du das vorher auch gehört? Sie suchen dich…“ flüsterte Henrys bebende Stimme dicht an meinem Ohr. Aber ich funkelte nur auf die einzelnen raschelnden Geräusche um uns herum.
„Komm raus. Komm raus zum spielen, eure Majestät…“ kicherte die männliche Stimme erneut vor uns. Sie klang wie Schleifpapier und falsch das einem ganz schlecht wurde.
Knackende Geräusche begleiteten die kichernde Stimme die plötzlich nicht mehr nach einem jungen Mann klang sondern weiblicher, das leise und düstere Gelächter verwandelte sich in eine Mädchenstimme. Nur zu kannte ich diese Stimme.
„Komm raus… mein Liebster…“
Endlich kam der Vollmond zum Vorschein. Aber ich stand still da, ich konnte mich nicht rühren. Denn vor mir häutete sich ein schwarzes Abbild in etwas… etwas was ich kannte. Die grünen Schuppen bröckelten von der blassrosa Haut ab, die ihre perfekten schlanken Körper entblößte und stattdessen eine Rüstung aus schwarzen Schuppen und silbernen Farben entstand. Es war ein hautenger Körperanzug, doch die roten langen seidigen Lockenhaare verrieten sie. Selbst ihre schönen nachtblauen Augen, mit dem sie jeden betören konnte, ihre blassen Wangen die so gerne rot wurden. Die vollen Lippen, die ich so gerne küsste, die langen Wimpern die Schatten warfen, selbst Brust und Bauch einfach alles stimmte mit ihr drüber ein.
Layla entstieg einem Haufen abgestorbener grüner Schuppen und kam mit katzenhaften Bewegungen näher.
„Keinen Schritt näher“ ich ließ mein Schwert nicht sinken und zitterte am ganzen Körper. Selbst Henry fluchte leise und hob seine Axt auch in ihre Richtung. Sie war fast eingekreist, aber sie blinzelte nur mich verführerisch an.
Das ist nicht Layla, du Narr!
Aber es half nichts. Ich konnte sie dahinter sehen. Das war ihr Körper ihr ganzes… ich konnte sie so nicht umbringen.
„Selbst in diesem Körper kann ich dich nicht höflich fragen ob du mitgehst? Ohne Gewalt?“
Schlangenbestien häuteten sich, sehr oft und konnten jede Gestalt annehmen die sie sahen. Das machte sie zu einer gefährlichen Waffe damals im Krieg. Deshalb waren sie auch bei den Harpyien gefürchtet.
Dann lachte die falsche Layla und zeigte ihre weißen Zähne.
„Du weißt gar nicht wie praktisch ihr Körper ist. Einmal gesehen verfällt dir jeder Soldat… ja sogar König… haha“
Sie kam bereits so nahe das die Schwertspitze ihren Hals berührte, rotes Blut kam aus dem Schnitt hervor. Doch sie machte keinen Anschein das es ihr wehtat.
„Wir haben euch umzingelt, immerhin hat der König beschlossen dich einmal persönlich zu sehen…“
„Nochmal, Bestie, und ich schlage dir die Axt in den Kopf, egal ob du wie Layla aussiehst…“ Henrys Fluchen war kein Halten mehr.
„Du bist…“ das kam von hinten. Eine schwache Stimme zwischen Henry und mir. Aber ich drehte mich nicht um und begutachtete böse die Kopie meines Mädchens.
Die Schlange senkte ihre Lider zwischen uns und rümpfte die Braue. Natürlich kannte sie ihn nicht.
„Sie sieht aus wie… Leia. Genau wie sie…“
Nun überkam mich die Panik, aber ich drehte mich nicht zu ihm um. Sie würde uns angreifen, aber er kannte den Namen von Laylas Mutter…
„Meine Geduld ist begrenzt und mein Rudel steht hinter mir. Hunderte von ihnen…“ Laylas Stimme klang so finster, aber ich konterte nur, „seit wann stehen Schlangen hinter dem König?“
Schnell überzog ein breites Lächeln ihr schönes Gesicht, die nachblauen Augen begutachteten mich lange, „du bist nicht dumm… er verspricht uns Macht. Und wir sind treue Waffen… besser noch als Harpyien, Hybride oder Drachen… also…“
Sie hob ihren Arm selbst aus der blassen Menschenhaut tropfte violettes Gift heraus, eine Berührung oder Biss und wir waren dem Untergang.
Kurz bevor ihre Handflächen meine Wangen berührten und ich nicht zurückwich, röhrte plötzlich ein lautes Kreischen die Nacht.
Die Layla Kopie zuckte zusammen und sah langsam zum Himmel. Das nahm ich sofort wahr, doch meine Schwertspitze zitterte immer noch an ihrer Haut.
Doch Henrys Axt war schneller, sie konnte nicht mehr ausweichen so gebannt war sie auf das laute Drachenkreischen über uns. Eine lange Feuerfontäne zog sich vom schwarzen Himmel direkt in die Wälder vor uns. Das Kreischen und Zischen der Schlangen hörte man noch kilometerweit.
Henry schlug ihr den Kopf ab und während sie starb verwandelte sie sich wie automatisch zu der Bestie die sie eigentlich war. Eine giftgrüne meterlange Schlange wand sich nun kopflos zu unseren Füßen und ich immer noch wie benommen dastand.
„Kommt! Sie sind da!“ diesmal war es der Künstler der schrie und zwischen uns nach vorne lief. Jemand packte mich am Kragen, „verdammt, Aspen! Wir müssen hier weg! Hörst du!“
Ich starrte ihn an, konnte mich aber nicht bewegen immer noch das Schwert in der Hand. Henry fluchte laut und zerrte mich ohne Gegenwehr mit.
„Kommt! Kommt!“
Eine weitere Fontäne verbrannte den Wald vor uns weiter, aber ich konzentrierte mich nur auf Henry vor mir. Etwas schweres landete dich vor uns am Rande des verbrannten Waldes und durch die Umrisse des Feuers konnte man meinen eine kleinere Version vor Rohan stand da. Ein kleinerer Drache, aber immer noch groß genug um vier oder fünf Männer zu tragen mit azurblauen Schuppen und gewaltigen großen Flügeln wartete auf uns. Der Künstler kletterte bereits auf dessen Nacken, als sein langer Schädel mit Hörnern zu uns flackerte und einen lauten Schrei ausschrie.
Ich schüttelte wieder meinen Kopf um diese Situation von vorher zu verdrängen und lief wieder dicht neben meinem Bruder her, als wir uns auf den schuppigen Rücken des Drachens hievten. Als wir nun saßen, erhob er sich schnell und der Boden unter uns immer kleiner und der Sicht über das Land immer besser wurde.
Ein zweiter Drache kam an unsere Seite und schrie laut, als wir einige Meter in die Nacht flogen und keiner mehr etwas sagte. Der Wind peitschte an meinem Gesicht und ich mich an den Rückenzacken festhielt. Da kamen Erinnerungen hoch wie ich auf Rohans Rücken damals ritt und er mir die Welt aus der Sicht einer Bestie zeigte.
Es war einfach atemberaubend.

Fünf Monate später

Ash

 

„Colonel Riley“
Ich fuhr in meinem kleinen Arbeitszimmer langsam um mit verschränkten Armen hinter dem Rücken. Ich atmete langsam, aber stetig um mich zu konzentrieren. Es forderte seinen gesamten Tribut eine Rebellion anzuführen, selbst als wir vor Monaten aus dem Berg zogen und alles dort ließen. Es glich einer halben Volkswanderung in den Norden. Dort wo Andrew uns am wenigsten erhoffte, dennoch als ich glaubte er würde sich alles an den Nagel reißen war es ungewöhnlich still um ihn geworden. Keine Bombenabwürfe oder Hybridangriffe, gar nichts. Und genau das waren sicher die Vorboten einer Waffe oder Strategie die tödlich enden würde. Andrew war zwar ein Stratege, aber kein direkter Angreifer. Er ließ immer Männer für sich kämpfen, aber er selbst ging dem immer aus dem Weg.
Feigling
Langsam spürte man wieder den hitzigen Sommer der vor der Tür stand und die riesige Siedlung uns zwar Schutz bot und uns wieder ein halbwegs „normales“ Leben in der Wildnis bot, aber es war alles nur Überschattung.
Kingsley, einer von Vaters Beratern stand in Hemd und Hose gleich einer Soldatenuniform stramm und machte eine Verbeugung. Wie ich es das hasse, aber derweil hielt ich die Stellung als Anführer seit Vater noch immer im Koma lag. Und seit Laylas und Rafes Verschwinden… ich habe die beiden jetzt schon fast fünf Monate nicht mehr gesehen. Den Bussard mit Laylas Nachricht habe ich auch weggeschickt. Aber da war bereits vor Monaten als Kira und ich lange nach der Halbmondkette suchte. Ich hoffte Layla wusste was sie da tat…
Kingsleys ernstes Gesicht mit seinem Vollbart und den vielen Falten schien er immer älter zu sein als er eigentlich ist. Wie sehr ich das mit ihm verbinde… mein 26. Geburtstag war zwar schon eine Weile her, aber es gab sowieso nichts zu feiern. Bis auf Kira, die wollte ja für mich anstoßen.
„Haben wir wieder Sichtungen?“ fragte ich sachlich und drehte mich als ganzes zu meinem großen Schreibtisch mit all den Unterlagen, aber Kingsley bedachte mich wieder mit seinen grauen Augen, von dem eines nicht mehr da war seit einem Kampf gegen die Hybride.
„Nein, und auch keine Spur von …“ er schluckte und kratzte sich an seinem Bart, „keine Spur von den beiden… aber es gibt andere Neuigkeiten“
Ich hob meine Braue und beugte mich etwas über den Tisch, massierte dabei meinen Nacken.
„Fahr fort“ mit einer Handbewegung deutete ich dass er sprechen konnte. Ich war hier kein König also…
„Wir haben endlich die Bomben gefunden, die beim Umzug nicht mehr aufzufinden waren…“
„Wir bomben nichts mehr weg“ unterbrach ich ihm schroff, „wir werden so wenig Schaden in der Stadt beim Überfall anrichten als nötig ist. Unser Fokus liegt nur im Palast“
„Colonel ich möchte nochmal das ansprechen, was letzte Woche im Rat war… über den Kronprinzen und das Harpyienmädchen…“ wieder schluckte er dass sein Adamsapfel sich bewegte. In meiner Gegenwart über Layla zu reden wollten nicht viele – nur Kira, aber die war ja eine Ausnahme.
„Die Menschen reden, Ash“ nun redete er mich persönlich an aber ich ließ ihn weiterreden und trommelte mit den Fingern auf das Tischholz.
„Von ihrem Tod gehen die Gerüchte um. Davor das sie wegliefen oder beim König gefangen sind… wir brauchen klare Berichte. Die Menschen brauchen einen starken zukünftigen König…“
Er sprach darauf mich an, aber niemals würde ich einem Mann sein Geburtsrecht wegnehmen.
„Kronprinz Rafferty ist weiterhin auf Mission die Armee der Drachen und Wilden um sich zu formen damit wir einen strategischen Vorteil gegenüber Andrew haben. Damit können wir eine Schlacht verhindern die womöglich tausenden Menschen das Leben retten könnte“
Somit musste das wieder sacken und Kingsley nicht mehr nachbohrte. Er gehört einer Reihe hoher Offiziere an die immer an der Seite der Creston Familie kämpfte, bis er selbst die Machenschaften von dem alten König Julius nicht mehr befürwortete und sich der Rebellion anschloss. Auch er war es der Rafe auf dem Thron als Alexanders Nachfolger sehen wollte. Er wie die anderen 10 Berater von meinem Vater. Kronprinz Alexander genoss noch ein gutes Ansehen bei den alten Vertretern seines Stabes, mitunter seiner Bemühungen mit ihnen Kontakt zu halten, bevor er von der Bildfläche verschwand.
Dann verneigte er sich wieder und kehrte rückwärts zurück, „ich gebe das so weiter, Ash“
Ich nickte und ließ meinen Kopf wieder zu meinen Berichten sinken. Mein Nacken schmerzte immer noch schrecklich… bis die Tür erneut aufgerissen wurde. Ich brauchte nicht aufzuschauen wer das war.
Spanische Fluchworte verrieten Kira Lopez, eine der besten Soldatinnen je besser sie trainierte wie eine Wahnsinnige.
„Du kannst mich nicht wieder zum Stützpunkt schicken! Ich möchte hier bleiben! Reicht ja schon das wir hier weiter Däumchen drehen und ich nicht mehr hier versickern möchte! Wir haben nurmehr drei Monate bis zum Knall! Wir sollten sie suchen…“ plapperte sie weiter, als ich mich doch aufrichten musste um die spanische Latina anzusehen. Kira hatte ihre Haare um einiges gekürzt, ihr Körper war gestählter und ihre Erscheinung rassiger als sonst mir vorkam.
Dennoch formten sich Locken die ihr gebräuntes Gesicht umrahmten und schokoladebraune Augen mich begutachteten. Sie stemmte die Hände an ihre kurvige Hüfte, „also?“
„Nein. Genau wie letztes Mal. Nein“
„Ach komm schon…“ sie setzte sich keck an meinen Schreibtisch als ihre dunkelblaue Uniform daran scheuerte.
„Sei nicht so steif… du willst sie doch auch suchen oder?“
Ich senkte meinen Blick wieder zum Schreibtisch, „das hat nichts damit zu tun das wir nicht wissen wo sie genau sind. Das Land ist groß, wir würden nur Zeit verplempern“
„Aber sie wissen doch gar nicht…“
„Ich habe Layla eine Nachricht mit dem Bussard geschrieben als wir ihr den Anhänger zuschickten. Sie weiß es…“ so Gott will, dass der Vogel auch wirklich dieses Ziel erreichte.
„Oh mann…“ sie verschränkte ihre schlanken Arme vor der Brust und drehte sich halb zu mir das sie mich anschauen konnte, „lüg mich nicht an das du dir auch Sorgen machst… das kannst du nämlich gut, Ash Riley“
Sie berührte nun meine Hand und ihre braunen Augen funkelten, „Sir Whittles, deine Schwester und wir alle… machen uns auch Sorgen um dich. Du musste dich da nicht alleine herumquälen“
Ihre Wärme beruhigte mich. Kira und ich verband ein spezielles Band, nicht auf die romantische Art, sondern auf eine tiefe Vertrauensebene. Kira war ein grobes Feuer das leicht entzündbar war und dennoch die Hoffnung nicht aufgab. Selbst als sie nicht weiß ob ihre beiden verbliebenen Brüder noch lebten. Sie ließ es sich aber nie anmerken.
Sie verflocht ihre Hände in meine und strahlte mich an, eine gewisse Röte erschien auf ihren Wangen doch sie warf sich sofort eine Strähne hinters Ohr.
„Du bist nicht alleine und … jemand muss endlich etwas tun. Sonst drehen hier wirklich noch alle durch“ flüsterte sie fast in dem kleinen Raum meiner Blockhütte. Ich hatte hier nicht viel aufgehängt obwohl ich fast 24 Stunden hier verbrachte. Nur jeweils ein Bild von Elliana und Layla hing an der Wand und noch eines meiner Familie. Die letzten Utensilien die ich von meinem alten Leben noch behalten habe.
Bevor ich etwas sagen konnte was meinen Panzer noch mehr bestärkt, hörte ich von draußen lautes panisches Schreien. Kira und ich zögerten keine Minute hinauszulaufen, denn in solchen Zeiten sollte man immer gewappnet sein. Ich überschlug mich halb da ich es so vorausgesehen hatte, denn ohne einen Spion am Hofe konnte man die nächsten Schritte nie genau wissen. Und mein Atem hörte kurz auf als ich mit Kira an meiner kleinen Veranda stehen blieb. Das Dorf war in heller Aufregung, Menschen zeigten auf den blauen Himmel und redeten wild durcheinander. Manche flohen in ihre Hütten oder die Zelte die wir zusätzlich aufstellten für die ganzen Massen, und ich selber meinen Augen nicht traute als ein riesiges geflügeltes Wesen seine Runden flog. Es schrie laut und bärstig über die lange Gegend unserer jetzigen Unterkunft und ich die Zähne zusammenbiss. Es war ein dunkler azurblauer Drache, der immer näher gen Boden kam und die Leute panisch wegrannten. Einige Soldaten kamen mit Pfeil und Bogen in Stellung aber zitternd machte ich eine Handbewegung das sie noch warten sollten. Hoffentlich trügt mich mein Bauchgefühl nicht. Mit schnellen Schritten ging ich die kleine Treppe hinunter zu dem kleinen „Hauptplatz“ den wir New Hope nannten, als Kira mir dicht folgte. Obwohl ich die ganze Zeit das geflügelte Ungetüm im Blickwinkel hatte hörte ich wie sie ihr Schwert aus der Scheide zog. Ich war auch nicht abgeneigt schritt aber weiter vorne als ich merkte wie zwei Gestalten am Rücken samt Sattel saßen. Ich riss meine Augen auf und Kira laut aufkeuchte. Durch die tosenden Flügelschläge kam ein gewaltiger Windstoß herbei die sämtliche Stände wegbließ und sich einige Soldaten die Augen schützten damit der Sand ihnen nicht in die Augen fiel. Mir war das egal und hob nur wenig meinen Ärmel als der azurblaue etwa 3 Meter große Drache sanft auf seinen vier schuppigen Beinen landete und noch einen Schrei ausstieß.
„Wartet noch!“ rief ich in die Richtung der Soldaten die zitternd wie Zinnsoldaten dastanden und genau wie ich die erhabene Bestie anstarrte. Bis mein Blick auf die beiden Reiter fiel, der vordere schwang sich lässig aus dem Sattel und landete auf seinen schwarzen Stiefeln.
„Yo. Lange nicht mehr gesehen…“
„ASPEN!“ das war die Stimme von Lex, der sich natürlich in die Menge schmuggelte und wie der Wind an allen vorbeirauschte.
Ich konnte aber den Mann vor mir nicht mehr als den Wilden erkennen, für den ich ihn am Anfang hielt.
Seine pechschwarzen Haare standen ihm frech zur Seite, die am Nacken etwas länger waren. Ein Dreitagebart zierte sein Gesicht, das mir noch kantiger und gebräunter vorkam als sonst und seine zwei Narben an den Augenbrauen ihn auf den ersten Blick entstellten. Aber nicht Rafe Woodwork mit einem Gesicht das die Frauen liebten, es machte ihn sicher wieder attraktiver und ich genervt schnaubte.
Sein durchtrainierter, breiter Körper war verpackt in einer schwarz-roten Rüstung mit Drachenschuppen verziert als er seinen Helm unter seinen Armen einklemmte und das freche Grinsen für mich bestimmt war. ICH sah ihn aber erzürnt an, „angenehm…“
Schnell wie der Wind stürmte Kira an mir vorbei, sie hatte seine Richtung eingeschlagen – zu dem zweiten Reiter namens Henry Cosma. Auch dieser hatte dieselbe Rüstung wie Rafe an, mit kantigem Gesicht und langen rotbraunen Haaren, die zu einem lockeren Pferdeschwanz gebunden waren. Kira fiel ihm als erstes um den Hals als sie dabei schrie oder weinte. Das konnte man nicht ganz rauskennen. Rafes Blick ging seitlicher als Lex, der in den fünf Monaten sogar etwas wuchs, auf ihn zustürmte und Rafe ihn mit offenen Armen empfing. Kiras Weinen war immer noch übermäßig und Menschen wie Soldaten sich nun trauten doch näher zu kommen.
„Hey, du bist gewachsen… sieht gut aus, Lex“ Rafes Züge wurden etwas weicher, „sorry das wir so lange weg waren. Wir mussten erst einige Dinge klären…“
Lex sah zu seinem Bruder hinauf, der wirklich als sein leiblicher Bruder durchgehen konnte, sie hatten dasselbe zerstrubbelte schwarze Haar und diese stechenden grünen Augen.
„Pff… ich habe auch trainiert und wir haben hier sogar Unterricht…“ lächelte der Junge hinauf als Rafe ihn an den Schultern nahm und hinunterblickte.
„Du musst mir dann alles erzählen, Kleiner…“
„Rafferty…“ schaltete ich mich nun in dieses Wiedersehen an, hatte aber gleich die Aufmerksamkeit des Kronprinzen. Der Drache knurrte etwas, blieb aber auf seiner Seite und die Menschen ihn neugierig begutachteten. Gelbe Augen blickten in mich hinein und ich meinen Schock etwas verbergen musste. Schweißperlen sammelten sich an meiner und seiner Stirn und obwohl es erst Vormittag war, brannte die Sonne bereits herunter.
„Ash Riley. So sieht man sich wieder“ er streckte mir seine Hand aus und ich die Brauen hob, er und Händeschütteln?
Doch ich musste doch lächeln und nahm sie entgegen, „seit wann so konform?“
„Man lernt und sieht viel, Ash“ lächelte er immer noch keck und wir nicht aufhörten unsere Hände zu schütteln. War das noch immer derselbe junge Wilde der mich damals im Kampf bezwang?
„Rafe mach endlich hin, ich stinke und habe Hunger…“ hörte ich die tiefe Stimme von Henry, „hey, Lex! HAHAHA“
Ja, das Wiedersehen war herzerwärmend, aber ich musste dennoch bei der Sache bleiben.
„Wir haben viel zu besprechen… sehr viel, Rafe“ sagte ich stattdessen als wir unsere Hände voneinander losließen und er nickte, „klar. Aber keine Sorge, Rhys muss sich zuerst etwas eingewöhnen. Er ist nicht viele Menschen gewöhnt…“
„Und kommen die anderen…“
„Sind woanders. Eine ganze Schar Drachen wäre doch zuviel oder…“ mit seinem Ellbogen gab er mir an meinem Arm einen kleinen Schubs und sah zur Seite. Ich machte es ihm gleich. Kingsley und ein paar Berater inklusive Sir Whittles hatten sich bereits versammelt. Der kleine Mann mit noch grauerem Haar starrte mit großen Augen zu Rafferty. Schnell kam er herbei.
„Es ist uns eine große Freude Sie wiederzusehen, Hoheit“ Sir Whittles verneigte sich vor Rafe, doch statt das er wie sonst immer bei solcher Geste abwimmelte, nickte er leicht.
„Danke Sir Whittles. Ich weiß das zu schätzen…“ er hielt ihm eine Hand hin, Jaymes erwiderte sie mit breiten Grinsen.
„Es ist mir eine große Ehre und ich werde alles in meiner Macht Stehende tun und alles aufholen was Colonel Riley bereits ausgezeichnet errichtet hat“
Ich riss weiter meine Augen auf. Wer war das vor mir? Seit wann sprach er so höflich und sicher Jaymes das gleiche dachte, aber er senkte wieder seinen Kopf. Die Berater taten es ihm gleich.
„Der Prinz ist zurück…“ flüsterte die Menschenmenge, „der Kronprinz… er sieht echt gut aus und so stattlich… die Gerüchte stimmen alle nicht…“
„Mensch!“ das war Kira und riss uns kurz zu ihr rüber. Sie stand eng umschlungen neben Henry, die ihm nicht mal bis zur Brust ging. Sie sah eher wie eine Elfe aus.
„Wo zum Teufel ist Layla?! Ich dachte ihr hättet euch getroffen oder so?!“ ihre braunen Augen schweiften eher zu Rafferty. Lex stand neben Henry und nickte schnell, „ja sie ist auch noch nicht da!“
„Wir dachten sie wäre bei dir…“ diesmal war ich es der ruhig sprach und mir bei diesem Gedanken immer noch Zweifel kamen. Rafe drehte sich halb über die Schulter und seine langen Wimpern Schatten warfen. Auch Henry wurde etwas blasser als er unschuldig seine gewaltigen Muskelarme hob, „hey ich weiß von nichts…“
„Sie ist noch nicht aufgetaucht“ Raffertys klare Worte hingen in der Luft wie Feuer. Mir gab es einen kurzen Stich in den Magen. Ich wusste nicht ob ich noch besorgter sein sollte als sonst, oder unglaublich wütend. Und auf wen überhaupt.
Nun drehte er sich wieder zu mir und seine besorgte Miene sein steinhartes Gesicht erweichen ließ. Ich trommelte nervös auf meine Oberarme.
„Wir haben gehofft, sie wäre bereits hier bei euch. In Sicherheit vor all der Gefahr… vor diesen Angriffen“ er sah mir direkt in die Augen, „wir haben echt viel zu besprechen. Mit allen hier“
„ICH hoffe Layla ist wohlauf…“ das war Jaymes besorgte kratzige Stimme und er zwischen uns hin und hersah. IN dem Mantel sah er nicht sehr nüchtern aus, aber er hatte genug erlebt um sich hin und wieder den „Kick“ zu geben. Leider machte das abhängig.
Rafes grüne Augen schwenkten zu Jaymes, „sie kommt zurück. Das hat sie geschworen und wir kenne sie alle, dass sie ihre Versprechen hält. Sie kennt die Zeitspanne und auch den Ort…“
„Ja den Ort weiß sie, aber woher kennt ihr ihn?“ fragte ich und legte meinen Kopf schräg.
Er malmte kurz mit seinen Zähnen, „die Drachen haben ihre Spitzel auch überall, Colonel“
Der Drache legte seinen Kopf zu Rafferty und stieß einen schnaubenden Laut aus.
Da hörte ich schon wie leichte Schritte näherkamen, aber Rafe und ich starrten uns weiterhin an.
„Dios Mio, hört auf euch wie konkurrierende Alphamännchen zu benehmen, Jungs“ Kira stellte sich fast zwischen uns, „Layla wird kommen. Ich kenne sie immerhin länger als ihr beide“
Ich schluckte und sah hinunter zu Kira, Rafe folgte meinem Beispiel.
Doch seine Aufmerksamkeit bekam sie nicht länger als er um sich schaute, doch seine gehaltene Stimme gehörte nur mir und Kira, „wir müssen reden. Sofort und lange“
„Meine Meinung, mein Prinz?“ ich legte meinen Kopf schräg und sah zu ihm. Ich wartete kurz auf eine Gegenreaktion, aber nichts kam. Er hatte sich wohl damit schon zu oft auseinandergesetzt.
„Es kommt noch jemand der uns helfen wird…“ seine grünen Augen trafen mich nun vollends. Der Wind blies nur warm um uns herum.
„Der wäre?“ ich wollte ihn ein wenig mehr rauskitzeln, immerhin musste er sich noch beweisen um uns alle anzuführen um sich Kronprinz oder König nennen zu können. Benehmen scheint er gelernt zu haben, aber was war mit den anderen? Er war zwar durch das Blut bereit ein König zu sein, aber war er im Kopf auch bereit?
„Ein Mann, der weiß wie man sich noch am besten in die Stadt schmuggelt ohne die Gänge die der König sicher schon infiltriert hat seit du und ein paar andere rausgekommen seid, zu benutzen. Einer der schon einmal einen geheimen Gang nahm, den ein Prinz konstruiert hat. Ohne dass Andrew damit rechnet…“ nun lächelte er wieder und gab einen Namen preis den ich nicht glauben konnte, „sein Name ist Jack Fray“

Das Monster hinter der Schönheit

 Layla

 

„Ausfallschritt in Drei…Zwei…Eins!“ Leias zornige Stimme bebte durch die Arena und ich ihren Anleitungen Folge leiste. Die Sonne brannte bereits hinunter und der Schweiß bereits meine Haare trotz Zopf einnässte. Sie kannte keine Gnade.
Ich folgte den Schritten, ich habe sie schon x-mal angewendet entweder hier im Nest oder außerhalb wenn wir die Schlangen jagten. Oder Leia verhörte sie bevor sie sie im Nest umbrachte. ICh konnte sie nie fragen, sie machte immer dicht.

Es waren ähnliche Schritte wie beim Tanzen – was ich auch als meinen größten Vorteil nutzte. Ich hatte das im Blut, ich konnte das aufholen was andere Harpyien ihr ganzes Leben lernten.
Sie stand eher im Schatten und begutachtete meine Schritte wie eine zischende Schlange, ihre gelben Augen waren einfach zu präzise um Fehler zu übersehen.
„Drehende Schlange kommt seitlich von 10 Meter!“ dann lief sie einige Meter und schnellte mit ihrem zarten Körper und Flügeln über die Kurve auf mich und ich von meinen Zehenspitzen wie eine Katze sprang und wirbelte, um ihr haarscharf auszuweichen. Es wäre nicht das erste Mal das sie mich traf. Ich war schon öfters im Krankenflügel und zählte schon einige Knochenbrüche, Prellungen und Aufschürfungen. Und das mein einst so blasser Körper so unbefleckt war konnte er nicht mehr aufweisen. Narben prangten meine Arme und Beine… sogar meinen Rücken, wenn sie ihre Peitsche rausholte um mich zu bestrafen. Selbst jetzt hing dieses grässliche Teil an ihrem Gürtel.
Ich fühlte mich nicht mehr schön, aber ich ließ mir das nicht anmerken. Wenigstens verschonte sie noch mein Gesicht vor den Hieben.
Durch meinen Sprung wirbelte ich Sand auf und landete erneut graziös darauf und drehte mich um die Achse um ihren Angriff zu parieren, Leia war gnadenlos. Doch da stolperte ich beinahe das ich ihrer Schwertklinge dennoch ausweichen konnte. Sie hatte den Fehler sofort bemerkt, aber ich hievte mich mit einem Ruck erneut auf die Beine und zielte mit meinem Schwert zu ihr… vielleicht treffe ich sie jetzt mal wirklich.
Doch sie fiel mir wieder in den Rücken, sie war noch schneller als Manila. Noch schneller als alle Bestien oder Vögel die da draußen waren, denn 400 Jahre alte Erfahrung war derart gefährlich das ich mir schon länger dachte, das wir sie niemals stürzen konnten.
Sie parierte meinen Schlag sodass unsere Klingen laut klirrten im Ruckeln der Hitze. Keine einzige Harpyie befand sich auf den Tribünen oder auf der Seite. Leia wollte unbedingt mit mir alleine trainieren und sie ließ mich auch nicht mehr aus den Augen. Sie war gerade besessen von „Alexanders Tochter“ das ich keine Chance hatte. Ich hatte zwar den Halbmondanhänger gemeinsam mit dem Stern und dem Herzen in meinem Nestbett versteckt, aber ich konnte es nicht anwenden. Ich würde nicht gegen sie gewinnen – sie würde mich zerstören und Larissa ebenso. Ich wollte kein fremdes Blut mehr an den Händen haben das durch meine Taten verursacht wurde.
„Eine Schlange hätte dich schon längst gebissen und gefressen!“ zischte sie zwischen unserem Zweikampf und boxte mich mit der Klinge zurück. Ich wackelte zwei Schritte zurück und atmete so schnell das ich mir den Schweiß von der Stirn wischte.
„Ich hätte sie aber verletzt! Dann hätte ich sie getötet“ fauchte ich zurück und ließ die Harpyie nicht aus den Augen. Leia hatte denselben silber-schwarzen Körperanzug an der weit bei der Brust ausgeschnitten war und unsere Schultern entblößte. Der glänzende Lederbezug bedeckte unsere Füße mithilfe der Stiefel und ließ uns gefährlicher wirken. Nach fast fünf Monaten hier fühlte sich dieser Anzug bereits schon wie eine zweite Haut an – ich wusste gar nicht mehr wie sich eine Hose oder ein Kleid anfühlte. Irgendwie traurig.
Meine Beine schmerzten. Die Sonne brannte mir bereits eine Verbrennung auf mein Gesicht und Schultern, aber ich musste das durchhalten.
Verdammt wie soll ich die letzten vier Monate noch überbrücken, ich musste zurück! Ich brauchte einen Plan, aber so konnte ich nicht weggehen. Ich konnte mich hier zwar frei bewegen, aber dennoch war ich eine Gefangene mit unsichtbaren Ketten.
Schnell zog sie ihre Gerte aus dem Gürtel, das sie schnell zischend in den Sand peitschte. Erneut wurde Sand aufgewirbelt, ich blieb stehen und zeigte keine Schwäche.
Mein Rücken zeigte von ihren Hieben, manche waren weniger tief, manche sehr und zierten zusätzlichen die zwei langen senkrechten narbenähnlichen Striche an meinen Schulterblättern, die als Überbleibsel meiner Flügel galten. Früher waren die mir nie aufgefallen, doch je mehr ich sie nun gebrauchte desto sichtbarer wurden sie.
Leia schlug erneut die Peitsche in den Sand, „du sollst dich mehr anstrengen. Du bist Alexanders Blut! Benimm dich auch so, Kind!“
Bevor die Peitsche mich allerdings an der Schulter treffen konnte wich ich aus. Denn ich wusste wie schnell sie zupackte, man lernte ja nicht umsonst.
Ich rollte mich zur Seite als mich die nächste Peitsche treffen wollte, ich konterte diesmal, „was würde Alexander sagen wenn du sein Fleisch und Blut schlägst?!“
Sie stoppte und ihre Augen weiteten sich. Ich habe immer wieder beteuert das ich nicht sein leibliches Kind war, ich rede es mir bis heute ein…
Ihre gelben Katzenpupillen verwandelten sich wieder in das goldene Menschenauge, sie lächelte und zog die Rute zurück, die peitschend durch den Sand ging.
„Kluges Mädchen, hast du es endlich eingesehen? Du bist eine Prinzessin von königlichen Geblüt“ mit exotischen Hüftschwung wie nur Leia es konnte kam sie näher und blieb einen Meter vor mir stehen. Ich hockte immer noch in meiner Katzenhaltung und ließ sie nicht aus den Augen.
Als sie ihre Hände wieder an den langen Griff legte zuckte ich unwillkürlich zusammen und hielt eine Hand zu ihr hoch, „Ja… mein voller ernst. Also steck die weg. Bitte…“
Mein Tattoo war gut verheilt, ich hatte einen guten Blick auf mein inneres, rechtes Handgelenk und erinnerte mich immer wieder an die Menschen da draußen die auf meine Rückkehr warteten. Was würden sie vorfinden? Eine gebrochene Harpyie oder ein Mädchen… einen Teil hier hatte seinen Tribut gekostet und ich einfach keine Schlangen, Hybride oder Peitschen mehr sehen konnten. Sie verursachten mir Alpträume und es nicht selten vorkam das ich einfach schreiend aufwachte. Niemand lag neben mir.
Schon lange war es her, das mich jemand umarmte… die Berührungen von Leia nahm ich nicht als solche auf. Mir fehlten… alle. Ash. Kira. Mama. Henry. Chloe. Lex. Rafe. Jeden Abend nahm ich seinen Stern in die Hand und sah in den Himmel. Ich hoffte jedes Mal er würde genauso zu den Sternen blicken, vielleicht trafen sich so unsere Gedanken.
Bei jeder kleinen Berührung dachte ich an einen Schlag, Harpyien hatten kein Faible für menschliche Gesten. Ich zuckte nurmehr zusammen und glaubte das schlimmste. Leia hat mich zu gut abgerichtet.
„Steh auf“ forderte sie und hielt die Peitsche immer noch in ihrer Hand, durch die Sonne konnte ich ihr Gesicht nicht sehen.
„Alexanders Tochter kniet nicht vor jemanden… du bist eine Prinzessin. Sie knien vor dir“
Ich versuchte dennoch nicht zu zittern und blieb in der Hocke. Meine Angst vor der Peitsche lähmte mich zu gut.
„Ich sagte steh auf!“ raunte sie und krallte meinen Arm um mich hochzuziehen. Leia schubste mich wie ihre Marionette herum, selbst ohne dem Kreuz fühlte ich mich bei ihr wie ihre persönliche Sklavin die sie zu einer Königin und Kriegerin erziehen wollte.
„Lass dir den Sonnenbrand versorgen. Aber sage mir noch am Schluss?“ ihre gelben Augen starrten mich an und ich mit ihr gleichauf war, die Peitsche sorgte dafür das ich mich schlecht konzentrieren konnte. Sie wusste meinen absoluten Gehorsam bei dieser Waffe. Legt mir ein Messer an die Kehle oder ein Feuer an die Haut, aber entfernt diese grässlichen Peitschen aus meinem Blickfeld.
„Wer ist deine Mutter?“ flüsterte sie und drückte fester zu und ließ mit der anderen Hand die lange Rute wieder in den Sand knallen. Ich erwiderte ihren festen Blick.
„Du… bist.. meine Mutter…“
„Und wem schuldest du dein Leben lang Gehorsam?“
Ich blinzelte nicht und fixierte ihr glattes Gesicht das selbst von der Sonne verschont wurde.
„Dir…“
Somit küsste sie meine Stirn und ließ mich los.
Keuchend ging ich einen Schritt zurück und senkte meinen Kopf zu der Peitsche in ihrer Hand.
„Lass dich versorgen, Layla. Und dann treffe ich dich im Wohnsaal, jetzt bist du bereit für deine Mission“
Mit anmutigen Schritten verließ sie die Arena, das ihre Flügel sie begleiteten bis der aufwirbelnde Staub das einzige war was von der Harpyie übrig war.
Ich fiel auf die Knie und hielt mir an die Brust. Die warme Luft rasselte nur durch meinen Kreislauf und sagte mir immer wieder im Kopf um nicht noch weiter zu brechen: Du bist Layla Fray. Du bist die Tochter von Jack Fray und das wirst du auch immer bleiben. Du bist die Frau von Rafferty Woodwork. Deine Mutter heißt Emilia Woodwork. Du bist stark. Du wirst hier nicht eingehen. Du bist stark.

 

Sie flickt zusammen.
Sie zerstört mich.
Sie flickt mich zusammen.
Sie peitscht mich.
Ich weiß nicht wie oft ich schon auf meinem schmerzenden Rücken lag während Leia hin und her ging um mir zu sagen wie grausam die Menschen doch sind. Wie sie die Bestien in ihren wissenschaftlichen Laboren wie Tiere züchteten. Und was für Kriege sie gesehen hatte, Schlachtfelder fern des weiten Ozeans nach Europa und Asien. Fremde Städte die ich nur aus den Büchern der Bibliothek sah, aus alten schwarz-weiß Bildern erzählte sie mit einer Natur wie ich sie mir bildlich vorstelle konnte.
Dann ruhte ich.
Und ich wurde wieder zum Kämpfen gedrillt – natürlich mit der Peitsche. Sonst würde ich ihr ja entgegenreden wo Leia total allergisch dagegen war. Sie ließ mich auch nicht mehr mit den anderen Nestlingen trainieren.
Ich gehörte ganz ihr. Mit Haut und Haaren.
Als ich gerade durch die Tunnel marschierte und meinen glasigen Blick geradeaus hatte, mit all den Wundsalben und dem Verband an der Schulter der meine Haut vor dem Sonnenbrand kühlte, wartete schon jemand mit verschränkten Armen an meiner Tür zum Zimmer.
Ich japste kurz und zwang mir ein müdes „Hallo“
Doch Larissa zögerte nicht lange, nahm mich unsanft an meinen nackten Oberarmen die vor der Salbe noch fettig eingeschmiert waren und schmiss mich ins Zimmer. Ich hatte gelernt, richtig zu fallen sodass nur meine Unterarme mein Fliegengewicht trotz Muskelaufbau auffingen. Knurrend legte ich meinen Kopf zur Seite, sagte aber nichts. Larissas angefressene braune Augen verrieten ihre Stimmung. So sah sie aus wie Leia.
„Ich habe dir geholfen! Du hilfst mir!“ keifte sie und schlug die Türe gewaltsam zu, währen dich mich wieder aufsetzte, „das war der Deal! Oder bist du schon so zu Mamas Liebling geworden, dass du es dir anders überlegt hast?“
„Ich habe die Regeln befolgt und du weißt das wir das Nest beschützen müssen. Wir brauchen sie.. noch“ ich versuchte meine Stimme flach zu halten und stand mit klappernden Füßen auf.
Larissas Nasenlöcher blähten sich bei jeder einzelnen Silbe. Mein Verhältnis mit ihr hatte ein wenig was abbekommen seit Leia mich so unter ihre „Fittiche“ nahm. Manche munkelten ich würde mich in die Nachfolge drängen, das sie eifersüchtig wäre. Aber ich wollte das neben all den Gerüchten nicht wahrhaben. Ich hatte genug Intrigen gehört und miterlebt – ich war dem müde.
„Ich möchte dir nicht wehtun, Layla. Das macht schon Mutter, aber ich sitze nicht mehr länger herum und tue gar nichts während diese Schlampe immer noch mit uns allen ihr Spielchen spielt. Harpyien sterben im Kindbett und sie tut nichts! Nur das ihr allzu süßes Küken einen menschlichen Thron bekommt der ihr angeblich zusteht ist am wichtigsten…“
„Ich habe mir das nicht ausgesucht, Larissa“ brodelte ich unter gehaltener Stimme und wir gleichauf standen, „wie willst du sie besiegen?“
Statt einer Antwort knirschte meine Halbschwester mit den weißen Zähnen. Einzelne rote Strähnen fielen aus ihrem Dutt hervor.
„Du weißt besser als ich wie sie kämpft, wie sie tötet…“ ich schnaufte aus, „ich kann das nicht tun…“
„Was ist mit deinen Freunden da draußen? Hast du nicht gesagt du wolltest…“
„Ich bin eine Harpyie des Covenant!“ unterbrach ich sie schroff und ging einen Schritt zurück als meine Beine bereits das Bett berührten, „hier ist mein zuhause…“
Larissa schnaufte laut aus und ihre Schultern sich mehr und mehr anspannten. Die Muskeln unter dem dunkelbraunen Anzug sah man ja direkt darunter zittern. Sie wollten eine Harpyie – sie bekamen eine Harpyie.
„Ich fasse es nicht wie sehr sie dich bereits in den Klauen hat… lässt du dir das gefallen? Hast du Angst? Genau deshalb müssen wir sie stürzen. Was ist jetzt mit diesen Anhängern…“
„Ich habe keine Angst… und ich werde warten.“
Larissa schnaubte verächtlich und malmte mit dem Kiefer, „warten? Worauf? Das du dich mal die Klippen runterjagst?“
Damit wäre ich nicht die erste.
Ich schüttelte weiter den Kopf, „ich muss jetzt rauf…“
„Oh nein, Schwesterherz! Mag sein das wir alle verkorkst durch diese grausame Frau sind, aber du sicher nicht!“ somit ging sie lange Schritte auf mich zu um mich erneut an meinen brennenden Oberarmen zu packen. Aber ich wirbelte schnell um, packte stattdessen ihre durchtrainierten Arme und presste sie an die Wand meines Zimmers. Ein leises Rütteln durchbrach unser Ächzen, ich stemmte Larissa hoch und sah sie knirschend an, „lass mich endlich in Ruhe!“
Sie kratzte meine Arme, aber ich zuckte nicht mit der Wimper. Stattdessen spukte sie auf den Boden, „du hast noch einen Zasahik da draußen, möchtest du ihn auch verlieren wie wir alle?! Du schaufelst dein Grab gleich hier so sehr sich ihre Spinnweben in deinen Kopf pflanzen“
Somit presste ich sie nochmal ungut an die Wand bevor sie sich aus meiner lockeren Bewegung losriss und sich die wirren Strähnen hinters Ohr strich. Ich sah sie düster an und merkte wie sich meine Augen veränderten. Ihre genauso.
„Obgleich er jetzt dein Bruder ist oder nicht, was macht das für eine Bedeutung…“
„Er ist nicht mein Bruder“
„Wen interessiert das noch, oder besser gesagt, dich? Mama Liebling“ sie schüttelte ungläubig den Kopf und ging Richtung Türe als sie diese mit polterten Laut zuschnellte.
Ich zuckte nicht zusammen und starrte noch zu der Stelle wo ich sie an die Wand gedrückt hatte.
Mein Name ist Layla Fray. Ich bin die Tochter von Jack Fray und die Frau von Rafferty Woodwork. Meine Mutter ist Emilia Woodwork. Ich bin stark. Ich werde hier nicht eingehen. Ich bin stark

Mit diesen Worten, die ich bereits leise vor mich hersagte, damit ich weiß das sie auch wirklich aus meinem Mund kamen ging ich zu den großen Toren von Leias Wohnsaal. Heute war der Palast sehr leer gefegt, das einige Wächterinnen mit den Nestlingen draußen trainierten. Der Unterricht war fürs erste Mal abgedreht. Ich starrte zu den Toren und sagte die Worte erneut als ich sie quietschend öffnete.
„Ah. Endlich, ich dachte du lässt mich erneut warten wie das letzte Mal“ lächelte sie auf vielen Kissen und einem vollen Glas vor dem Kamin. Sonst war es wie immer hier dunkel und kalt. Wie alles hier… ich schritt nach vorne und setzte mich vor sie hin. Leias goldene Augen frohlockten direkt bei meinem Anblick. Ich fragte mich schon lange nicht mehr, welche zwei Persönlichkeiten in Leia Titania steckten.
„Dreh dich um. Ich flechte dir eine Frisur, Liebes“ gurrte sie und machte eine Handbewegung als sie eine Samtschatulle dicht neben ihre angewinkelten nackten Beine zog. Darin glänzten die verschiedenen Perlen, Spangen und Ketten in allerlei Farbrichtungen. Selbst Prinzessin Dina hatte nicht so eine teure Auswahl trotz ihres Schmucks.
Ich tat wortlos das was sie von mir wollte, unwillkürlich fiel mein Blick auf die Peitsche neben ihr. Sofort zitterte ich ein wenig und senkte meinen Kopf als ich schon ihre Hände an meinen Haaren spürte die sie mit ihren Fingerspitzen kämmte. Immerhin hatten meine Haare wieder eine gute Länge erreicht.
„Erzähl mir etwas, Layla“ forderte sie schnurrend und ihre Hände so zart in meinen Haaren umgingen, das man gar nicht glauben konnte was sie alles an Grausamkeiten damit machen konnte.
„Ich habe dir bereits viel erzählt“ konterte ich gelangweilt und sie einige Strähnen nahm um mir eine Krone am Kopf zu flechten.
„Nein, diesmal möchte ich näheres über… hmmm… genau über deinen Zasahik erfahren. Du weißt es zu schätzen oft das Thema zu wechseln. Wie habt ihr euch gefunden oder kennen gelernt?“
Ich ballte meine Fäuste in meinen Schoß, alleine die Vorstellung ihr diese privaten Stunden zu erzählen… ich schnaufte aus, „als ich damals vom Palast floh hat er mich in einer Grube gefunden. Er hat mich mitgenommen und so nahm da alles seinen Lauf…“
Doch Leia war mit dieser Antwort wohl nicht sehr zufrieden.
„Ach was, da gibt es sicher noch etwas dazu. Komm schon“
„Ich habe dazu nichts zu sagen… außerdem ist er mein…“ ich schluckte und dachte immer wieder daran dass das eine Lüge war, „mein Halbbruder. Es hätte nicht funktioniert“
Vielleicht konnte ich so ihren Fokus von Rafe wegziehen.
„Und deswegen…“ sie nahm weitere Strähnen und flocht mir das Haar nun ganz bis zum Rücken hinunter, „deswegen geht es dir hier bei uns besser. Rafe ist der Sohn eures Vaters durch und durch. Stell dir mal vor wie eure Zukunft ausgesehen hätte, wäre er nun nicht dein Halbbruder…“
Ich wollte sie mir nicht vorstellen. Das tat zu sehr weh, zu oft hatte ich mir das Szenario vorgestellt, alleine davon enttäuscht zu werden schmerzte in der Brust wie ein Dolchschnitt.
„Ihr hättet Andrews Thron erobert. Das Volk hätte euch zugejubelt, Rafferty als Alexanders Nachfolger akzeptiert und dich als seine schöne Frau und Königin… die Jahre würden ins Land gehen… ihr würdet den Staat erneut einen, wie Alexander es immer wollte. Kontakte knüpfen…“ ihre Stimme summte jedes Mal bei Alexanders Namen, „und ihr hättet schöne Kinder bekommen. Mädchen mit roten Haaren… Prinzessinnen im Herzen, Harpyien im Blute… dennoch wird dir eines Tages das zum Verhängnis das ich nicht habe“
Ich blinzelte zur Seite, sie soll damit aufhören.
„Deine Jugend wird vergehen, du wirst alt…“
„Genau wie er…“
Ich hörte ja direkt wie sie die Augen verdrehte, „er wird sich eine junge Mätresse suchen. Er ist ein Mann und stammt aus einer langen Reihe Ehebrecher und Schürzenjäger, das wäre leider die nackte Wahrheit gewesen. Das hätte ich sogar Alexander zugetraut. Leider“
Ich biss mir auf die Lippen, „Er liebt mich und wird sowas nicht tun. Soll man Menschen nicht zuerst beurteilen, nachdem man sie kennt?“
Leia stoppte mit dem Frisieren und kramte stattdessen in dem Kästchen, „als ich noch in der Stadt wohnte, konnte ich mich gut an den kleinen Rafe erinnern. Ein kleiner Wilder durch und durch. DA ging er nach der mütterlichen Seite. Sein Großvater war Ephraim Woodwork, ein bekannter Boxer im dritten Distrikt. Er starb allerdings früh nach einer verheerenden Verletzung am Bein. Arme Emilia, sie war damals gerade mal vierzehn… Aber äußerlich konnte man schon früh erkennen nach wem er geht trotz seines dunklen Teints“
„Nach Alexander…“ die Antwort war leicht, alleine das Foto des blonden Prinzen war eindeutig und ein DNA-Test unwirksam.
„Genau…“ seufzte sie träumerisch und da kramte sie erneut in der Box, sie hielt mir ein Foto vors Auge. Ich nahm es allerdings nicht an.
Noch ein Bild von dem Kronprinzen. Das Foto war zerknittert und zerrissen, so als ob es von wo abgeschnitten wurde, dennoch war der Prinz darauf leuchtend lächelnd zu sehen. Rafes Lächeln… das kecke Lächeln und die weißen Zähne blitzten aus dem gutaussehenden Gesicht des jungen Mannes, der hier sicher noch keine achtzehn war. Blonde kurze Haare waren fein geschnitten, seine stattliche Statur war in einer strengen Uniform mit all den Orden geschmückt worden und ein Degen an seinem Gürtel hing. Helle blaue Augen blitzten in die Kamera, dennoch war sein schiefes Grinsen eher eine „ich habe was angestellt, aber ich muss trotzdem grinsen“ Fassade. Da sah Alexander echt niedlich aus.
„Mein größter Schatz…“ antwortete Leia gelassen und zog ihren Arm wieder zurück, mein Blick blieb glasig zum Kamin hängen.
„Er hat mich nicht nur gut behandelt, er gab mir auch das Gefühl ich wäre DIE Besondere die sein Herz eroberte. Und er war so höflich und nett, ich hätte ihm damals alles von den Lippen abgelesen, es war ein anderes Leben… ich hätte für ihn sogar aufgegeben eine Harpyie zu sein. Nur für ihn“
Nun drehte ich mich über meine Schulter und sah in das Gesicht, das nun um soviel jünger aussah und zerbrechlicher.
Zitternd begutachtete sie weiter das Foto in ihren Händen und küsste es zart.
Sie hat ihn geliebt, zu sehr um wahnsinnig zu werden. Das sie so weit ging ihn zu töten, ich schluckte und bereute jetzt schon diese Frage, „ist dass der Grund warum ihr eure Zasahiks umbringt? Damit sie euch nicht das Herz brechen?“
Leia antwortete nicht gleich. Sie starrte immer noch traurig zu der Fotografie und legte es vorsichtig wieder zusammen, damit sie es unter dem Krimskrams in der Schatulle versteckte.
„Seit meine Schwester, Aphrodite Titania, sich in unseren Erschaffer verliebt hatte und sie kurz davor war ihn und seine Frau im Labor umzubringen, als sie vergaßen ihr die Fesseln anzulegen, legte die zweitälteste von uns Beatrix Titania, diesen Eid ins Leben. Viele hielten sich dran, viele nicht… ich fand es äußerst lästig. Aber nur so konnte man seine eigenen Kinder bei Sinnen halten damit sie nicht durchdrehten. Huch“ sie hielt sich mit der Hand auf ihren Mund, „ich bin ja auch durchgedreht“
„Ist dass das Schicksal aller? Es gibt sicher auch Ausnahmen…“
Leias Miene verdüsterte sich etwas als sie eine Spange nahm und die Flechtfrisur fixierte, „wir sind keine Menschenfrauen, darum wäre diese Zukunft nicht Realität für dich geworden. Spätestens wenn du mitgekriegt hättest das er dich betrügt hättest du ihn zerrissen. Wir sind die Perfektion des menschlichen Verstandes. Darum speist man uns nicht ab, sonst unterschreibt man sein Todesurteil“
„Das ist verrückt… ich würde Rafe nie umbringen“
Sie lachte und zog an einer Strähne, das ich nach hinten gedrückt wurde. Sie sprach mit finsterer Stimme weiter, „du hättest ihn doch schon mal umgebracht oder irre ich? Also sage mir nicht das du keine Gefahr für ihn wärst…. Außerdem“ ihr Ton wurde wieder falsch fröhlich, „solltest du kein Verhältnis mit deinem Halbbruder haben. Widerlich. Lass ihn lieber mir über… da komme ich gleich zu deiner Mission, Layla“
Ich wirbelte herum sodass sie meinen Zopf loslassen musste, ich krallte mich in die Kissen unter meinen Beinen.
Aber sie hatte sich bereits die Peitsche geschnappt und drohte zugleich, „du wirst mir weder widersprechen noch dich sträuben, Mädchen. Du wirst mir Rafe bringen… verführe ihn wenn es sein muss, aber bringe ihn zu mir. Und dann… nehme ich ihn mir und bringe ihn um. Damit wärest du nun vollkommen eine Harpyie, die ihren Zasahik dem Wolf überlässt“
Ich starrte in diese bösen kalten Augen ohne Liebe. Das was diese Frau Liebe nannte war der Wahnsinn eines verirrten Geistes der durch Wissenschaftler für den Krieg produziert wurde. Wahrlich kein Mensch, sondern eine Waffe die glaubte eine Frau zu sein.

Harpyien gegen Harpyien

 Ich konnte sie nur anstarren.
„Zieh nicht so ein Gesicht, Kind“ sie drückte an meinen Wangen herum, mit der Peitsche in der Hand. Mein Herz schlug bis zu höheren Herztönen als es jemals schlug. Seit Anbeginn meiner Lebenszeit hatte ich jetzt sicher keinen so hohen Blutdruck wie jetzt.
„Ihr hättet keine Zukunft gehabt… außer du betreibst etwas was eigentlich rechtlich verboten ist. Er ist dein Halbbruder, sieh es endlich ein und früher oder später wärest du genau, wie ich so in Rage getreten ihn umzubringen. Das ist unsere Natur“ sanft streichelte sie weiter meine erhitzten Wangen. Ich wusste das ich jetzt rote Backen bekam, mit Recht. Ich musterte ihr Gesicht das meinem so ähnlich war und befahl meiner vernünftigen Seite sie nicht gleich in dem Kamin zu schubsen, der verführerisch nahe an uns beiden flackerte.
„Und ich nehme dir die Bürde ab ihn zu töten. Sei mir dankbar“ sie küsste zart meine Stirn, „du bist mein liebstes Kind… von meinem Zasahik. Von Alexander…“
„Ich bin nicht wie du“
Ich zitterte bei diesen Silben, in meinem ganzen Leben hatte ich mich noch nie so gefreut ein beherrschtes Wesen zu haben. Vor ein paar Monaten hätte ich sie womöglich angefallen, hätte meiner Bestienseite den Vorwurf gemacht warum ich nicht menschlich reagierte. Ich habe mitbekommen wie jemand mit hitzigen Temperament etwas zerstören konnte und ich niemals so enden wollte. Diese Welt hatte mir gezeigt wie Bestien leben, ich gehörte ja zu ihnen. Aber etwas anderes zog mich nach draußen – zu meinem zuhause, zu den Menschen die mich liebten. Und die ich liebte, mit vollem Herzen.
Leia Titanias freundliche Miene verwandelte sich langsam in ihre düstere Seite. Die Mundwinkel gingen immer weiter runter, aber sie tat noch nichts.
Ich sah sie einfach nur an – ohne Regung.
„Was würde Alexander dazu sagen?“
Trotz Peitsche sagte ich die Worte raus, die ich schon vor Monaten hätte sagen sollen. Sie glaubt sie hätte mich unter ihrer roten Fuchtel. Hat sie aber nicht. Ein Teil von mir würde immer kämpfen.
„Wenn er lebt und vor dir stehen würde, was würde er zu diesem Verhalten sagen? Und sag mir nicht das du dir diese Frage nicht bereits gestellt hast, oder…“ ich biss mir auf die Lippen, „Mutter?“
Wenn es ein Gewitter zwischen unseren Gesichtern gebe würde es jeden Moment seinen Blitz in die Schlucht setzen. Die Luft stand um uns, die Elektrizität war zu greifen spürbar. Einfach dieser Hass den sie mir gerade zuwarf und ich ihr, Leia, glaubte ich würde den Krieg nicht beherrschen. Doch. Ich beherrschte ihn nur anders.
Auf das wartete ich jetzt seit Monaten, ich muss sagen schauspielern erwies sich doch als gute Eigenschaft.
„Ich bin nicht seine Tochter. Ich bin die Tochter von Jack Fray, auch wenn du mich geboren hast, bist du weggegangen. Hast uns beide stehen lassen wie der letzte Dreck nur weil du einem Mann hinterhergedackelt bist der dich nicht wollte. Du hast einer Familie den Ernährer genommen“ ich spukte ihre Worte in sanften Ton ins Gesicht, „du hast einer liebenden Ehefrau ihren Liebsten genommen ohne das sie die Chance hatte ihn zu beerdigen. Einem Sohn den Vater, vor seinen Augen getötet“
Der Gedanke an Rafe und Mama brach mein Herz in zwei, aber ich sprach weiter und beugte mich nach vorne, „er wird diese Bilder sein Leben nicht vergessen als du Alexander zerfleischt hast wie ein Tier… du hast meinen Vater verlassen… vielleicht auch auf dem Gewissen. Du hast soviele Leben zerstört das man dafür keine Worte mehr finden kann und…“
Leia rührte sich nicht und beugte sich ebenso böse nach vorne, die Peitsche wackelte in ihrer geballten Hand deren Fingerknöchel immer weißer wurden durch den Druck.
„Du weißt nicht mal was Liebe ist. Dafür wurdest du nicht geschaffen… du weißt gar nichts davon!“
Sie hob ihren Arm doch ich war schneller und zog aus meinem tiefen Ausschnitt die Halbmondkette hervor. Leia japste, denn der Anhänger glänzte so hell in allen Goldtönen dadurch das ich ihn seit einiger Zeit gut reinigte und schimmernd im Feuerschein. Sie riss ihre goldenen Augen weit auf und rührte sich keinen Zentimeter mehr. So als ob sich die Erdanziehungskraft in dem Moment in ihr veränderte. Das Universum spielte keine Rolle mehr, nur mehr das letzte Überbleibsel von ihrem geliebten Prinzen. Ich schaukelte den Anhänger zwischen meinen Finger und konnte mir ein Lächeln nicht verkneifen.
So schnell wandelte sich die wütende Harpyienkönigin in ein verlorenes Mädchen zurück.
„W… woher… gib ihn mir!“ sie griff danach, aber ich hob meinen Arm sodass sie ins Leere griff.
„Jetzt hörst du mir mal zu!“ das so herrschende Töne aus meiner Kehle kamen war ich gar nicht mehr gewöhnt und wie bestellt wurden die Toren wuchtig aufgerissen. Aber Leia konzentrierte sich nicht darauf was ich bereits einfädelte.
Larissa hatte meine Nachricht vorher verstanden, als ich ihr während unseres Handgemenges unser Codewort zusteckte, „ich bin eine Harpyie des Covenants. Hier ist mein Zuhause“
Sie wusste das ich log und das war ihr Zeichen, dass es soweit war. Schwesterngeheimnisse waren doch sehr praktisch, und da kam sie schon als vordere Anführerin herein mit bewaffneten Harpyien im Anmarsch. Ihre Schwertspitze richtete sie auf Leia, „draußen wartet meine Harpyienarmee. Es ist vorbei und spare dir dein Gejammere, Titania“
Dass Larissa eine forsche Stimme hatte war mir bereits bekannt, aber so hörte sie sich echt noch autoritärer an als sie schon war.
Sie würde eine perfekte Anführerin sein.
Leias Augen starrten immer noch leer zu dem Halbmond ich rutschte etwas zurück, „glaubst du wirklich, dass ich dir die Kette gebe? Dir?“
Ich lachte leise und düster sodass meine Schultern bebten, noch nie zuvor kam ich mir so mächtig und gestärkt vor. Nur wegen einer dummen Kette.
Dann schloss sie sanft die Augen, ihr Lächeln war erneut zum Abnehmen.
„Was bin ich nur…“ sie lehnte sich zurück und schlug die gelben Katzenaugen wieder auf, „was bin ich nur für eine gute Lehrmeisterin, Layla“
Ihr Kopf ging langsam zur Seite, als sie Larissa anfunkelte, jedoch blieb ihr finsteres Grinsen aufrecht. Am liebsten würde ich ihn ihr ausschlagen, in der Hand hatten wir sie ja schon fast.
„Glaubt ihr wirklich das ich das nicht gemerkt habe? Närrinnen allesamt“
„Du hast keine Harpyien mehr, es ist vorbei“ stand ich nun schnell auf und zog die Kette an meine Brust. Kurz zuckte ein Muskel in Leias Gesicht als ihr Kopf zu mir hochging.
„400 Jahrelange Erfahrung haben mich gemacht, Liebes… und…“ sie biss sich auf die Lippen und rote Federn an ihren Unterarmen wuchsen mitsamt den Klauen statt den zarten Menschenhänden.
„Ich nehme mir was Mein ist, mit Federn und Blut“ schreiend warf sie sich auf mich und sie sich im Sprung fast in einen Vogel verwandelte. Das was als die gefürchtete Titania-000 Reihe gebaut wurde – die Federn fraßen sich durch ihr Kleid, besetzten ihren Hals und die nackten Füße. Ihre Flügel wurden noch mächtiger und rote Striche sich an ihren Wangen wie Zeichnungen sammelten. Wie in Rage rollten wir uns aufeinander als sie immer wieder versuchte mein Gesicht zu zerkratzen um mir den Anhänger runterzureißen.
„Layla!“ Larissa laute Worte sprangen förmlich in der erhitzten Luft und sie gleichermaßen mit anderen Harpyien auf uns zuraste. Doch Leia kannte ihre Armeen und schrie laut in die Luft, „ich habe euch eigenhändig ausgebildet! Ihr könnt mich nicht schlagen!“
Auf diesem Befehl hin krachten weitere Harpyien herein, ein ganzer Konvoi der nun auf Larissas Harpyien losging. Noch wenige Anhänger von Leia, als die Parteien in dem Saal einen blutigen Bürgerkrieg begannen.
Ich wand mich aus unserer Rolle, und zuckte meine Flügel heraus als ich schon wegstürzte. Wir brauchten freies Territorium und Leia in ihrer Raserei ihr eigenes Nest zerstörte. Selbst ihr Körper war um einiges gewachsen und sie kreischte wie eine Sirene als sie mir folgte. Durch die offenen Tore durch nach draußen. Sie kannte keine Gnade und das sollten alle sehen.
Ich spürte Larissas Anwesenheit dicht hinter uns als Leia kurz hinter mir keuchte und ich mich umdrehte als wir bereits die frische Frühsommerluft erlebten nahe der Landebahn. Draußen kämpften auch einige Parteien miteinander, Schwester ging auf Schwester los. Ich
konnte kurz meinen Augen nicht trauen bis Larissa plötzlich unsanft auf die Bahn geschleudert wurde. Krachend landete sie auf ihrer Wirbelsäule und eine Blutlache sich mit ihren roten Haaren vermischte.
Die verwandelte Titania landete ebenso auf ihren vogelartigen langen Beinen.
„Du warst mein Fleisch und Blut und hast mich verraten, Larissa… du wolltest doch schon immer das Sagen haben“ selbst Leias Stimme klang zerrissen und scheußlich. Fort war die schöne Königin, das Monster das im Inneren lebte kam heraus.
Ich flog nach unten zu meiner Halbschwester, doch Leia kam mit ihrem massigen Körper mir sofort entgegen und schaffte es mir fast meine Schulter zu zerreißen. Trotzdem bröckelte der Panzer der mich schützen sollte hinunter und entblößte Arm und Schulter mit dem Ausschnitt. Ich roch bereits Blut das sich um mich herum sammelte und blickte zu Larissa hinunter. Ihre kurzen Haare lagen offen auf dem Holzsteg, der gepanzerte Anzug genauso zerrissen wie meiner. Sie bewegte sich immer noch nicht, bitte sei am Leben!
„Jetzt die Kleine“ freute sich Leia und griff erneut nach dem Anhänger den sie um Millimeter verfehlte, ich schlug meine Richtung nach oben ein und stürmte in den Himmel.
„Du bist echt gut zu fliehen, mein Kind. Genau wie dein Vater!“
Ich erwiderte darauf nichts und pfiff laut mit meinen Fingern inmitten dieser Schlacht der Harpyien. Ich musste nur kurz Zeit schinden als schon ein rotbrauner Bussard in meine Richtung nahe der Nester flog.
Larissas Vogel kam sofort so schnell sie war an meine Seite und ich durch den Lärm und Wind fast schon schrie, „Mal! Führe mich zu den Rebellen, sofort!“ dann sah ich nach vorne wo ich schon zu den Klippen Richtung Wald flog, „wir müssen sie angenehm bestrafen“ Jetzt wo Larissa kampfunfähig war, musste ein neuer Plan her.
Mal antwortete mit einem lauten Kreischen und flog vor mir voraus, mit Leia im Schlepptau hatte ich dort jemanden der über sie richten musste. Derjenige der das meiste Recht hatte sie zu bestrafen, derjenige der sie weiter ausrasten lassen wird. Ich hoffte, dass Rafe bereits dort war.
Ich drehte meinen Kopf um die Schulter und ließ den Halbmond wieder erscheinen, „hol sie dir!“
„Ich werde dein Gesicht so zerfleischen und auspeitschen das du dich selbst nicht mehr im Spiegel wiedererkennst!!“ kreischte Leia dicht hinter mir und ich gestehen musste wie leichter es war die Hybride abzuschütteln als sie. Die grünen Bäume unter uns zogen vorbei, wir ließen Flüsse und Siedlungen hinter uns, die Harpyienklippe wurde immer kleiner und ich hatte die leise Vermutung das uns noch ein kleiner Punkt verfolgte… meine Schulter brannte vor ihrem Hieb und ich mich zusammenriss meine höchste Geschwindigkeit zu erreichen. Ich hoffte das es nicht mehr allzu weit war.

Mal ging runter, ein lautes Röhren wurde plötzlich von der Luft zerschmettert. Aber es war nicht Leias Schrei, dieser war tiefer und monstermäßiger. So wie bei Rohan.
Ich glitt hinunter und zwischen all den dichten Bäumen erschien ein riesiges Blockhüttendorf das sich kilometerweit erstreckte, hinzu kamen einige Zelte und sogar Trainingsplätze mit Bannern geschmückt. Doch die Banner sahen nicht aus wie die des Königs. Ich segelte weiter hinunter als Mal bereits laut schrie, die Menschen unter uns sahen auf.
Sie konnten gar nicht realisieren was ich war, aber die Bestie die sich ihren Vorsprung immer weiter erkämpfte mit ihren riesigen Flügeln.
„Auch wenn du zu deinen Freunden fliehst, ich werde euch zermalmen!“ sie ließ einen kräftigen Schrei aus der sogar mir in den Ohren wehtat und ich meine Konzentration verlor, ich wurde langsamer. Kein guter Zeitpunkt.
Somit ergriffen mich ihre Klauen im Sturzflug und wir uns herumwirbelten, strudelnd durch die Luft und ihr lautes Kreischen das noch schriller als das eines Adlers war erfüllte die Luft um uns herum. Krachend landeten wir im Dreck und nicht in einer Hütte, Menschen schrien laut und Soldaten gaben Befehle… Männerstimmen… irgendwie habe ich sie vermisst.
Ich versuchte immer wieder ihren Klauen auszuweichen als die gelben gefährlichen Augen über mir aufragten, ich kickte sie zur Seite und holte erneut mit Schwung aus um sie zu treffen. DA klatschte ein Peitschenhieb neben mir und ich japste auf.
Leia schrumpfte kurz wieder in ihre „normale“ Gestalt und lächelte mich finster an, ihr Kleid war halb zerrissen und Dreck sammelte sich an ihrer roten Haut und den Stofffetzen. Ich atmete schwer und versorgte meine Lunge mit der nötigen Luft, die sie nach dem Flug bekam. Sie schnitt in meine Luftröhre und ich Leia böse fixierte, ich holte zitternd den Anhänger wieder aus meinem freien Dekolletee.
„Suchst du das?“
Ihre Mundwinkel knurrten einen bösen Laut aus, „ich bin mit all meiner Geduld bereits am Ende, LAYLA!“, sie schwang ihre scharfe Rute, die laut im Sand hallte. Wir befanden uns womöglich an einem Platz. Menschen schrien laut, aber wir beide starrten nur aufeinander an.
Ich streckte meine Hand aus und ließ die goldene Kette weiter baumeln, „jetzt weißt du mal wie das ist, wenn man dir etwas wegnimmt und erpresst. Ich habe es lange geduldet, all die Schläge und Streitereien. Du glaubst du hast mich gebrochen…“
Beim weiteren Peitschenschlag zitterten meine Nerven. Leia wusste meine „Abrichtung“.
„Ich hätte dich bereits in der Wiege erwürgen sollen“
„Blöd dass du es nicht getan hast…“
„Du hättest Königin werden können hättest du mich gelassen! Es wäre dein Geburtsrecht gewesen!“
IN mir schäumte es und ich leicht zurücksprang, auf einen kleinen Brunnen der inmitten diesem Platz stand. Das Wasser plätscherte nur leise auf die einfache Verzierung mit Rosen und Lilien. Ich stand nun über ihr.
„Nicht auf diese Weise…“
Dann lachte sie laut und aufrecht das ich bis hierher ihren Wahnsinn spüren konnte. Ich zuckte mit keiner Wimper.
„Durch Heirat? PAH! Du weißt ganz genau dass du kein Königreich mit ihm halten kannst und wie denn auch. Eine inzestuöse Beziehung bringt nur Schlechtes!“
„Wie oft bellst du das noch herum!?“ ich bebte innerlich und hielt den Anhänger weit weg von mir, ihre Augen wechselten hin und her, „ich bin NICHT Alexanders Tochter! Mein Name ist Layla Fray und das nächste Mal wenn du mich noch einmal berührst, ist dass das letzte Mal in deinem verkümmerten Leben was du je anfasst!“
„Mädchen…“ drohte sie und peitschte noch einmal drohend, aber die Rute war nicht lang genug um mich zu erreichen. Ich zuckte kurz mit der Wimper. Ein Schlag… es erinnerte mich wieder an diese grässlichen Trainingsstunden mit der. Vielleicht war da einzig gute daran, dass sie mich zu einer Killermaschine erzog. Und das sollte mir jetzt das Leben retten.
„Wenn du mir weiter drohst dehnt sich das so lange bis du kniest mit deinen Menschen und Larissas Kopf in meiner Hand. Deiner folgt ihr sogleich…“ sie biss sich auf die Lippen und ein kurzes Zucken durchfuhr ihr erzürntes menschliches Gesicht.
So sehr sie sich vielleicht wünschte mich gerade zu töten. Irgendwas war das was sie von dem Gedanken abbrachte. Mein Vorteil.
Und dann ein Schuss. Leia wich ohne Regung aus und landete anmutig auf ihren blassen Beinen, die von meiner Attacke vorher nicht einen Kratzer hatten. Sie sah zur Seite, ich tat es ihr nach.
„K… Kira?“ sagte ich, als ich meine beste Freundin samt Rüstung und gutem Ziel mit einem langen Gewehr in der Hand am Rande stehen sah. Ihre schwarzen Haare hatte sie um einiges kürzer, ihr Ziel war präzise und sie Leia nicht aus den Augen ließ.
„Wenn du noch einen Laut gibst, Vogelfrau mache ich Hühnersuppe aus dir!“ fauchte Kira in herrischer Stimme, sie lud das Gewehr knackend nach ohne von Leia abzusehen. Es machte mich auf der einen Seite stolz meine beste Freundin so stark zu sehen, aber sie war in meiner Erinnerung immer noch die lustige Latina. Diese hier kannte keinen Spaß.
„Kira, halt dich da raus…“ ich drehte mich wieder zu Leia, „sie gehört mir und Rafe!“
„Sie gehört uns allen wenn du sie herschleppst, Layla! Sei nicht so egoistisch“ wieder hörte ich die Schussladung, Leia sprang erneut zur Seite.
„Ich bin nicht egoistisch, aber seht zu das ihr die Leute rausbringt. Du weißt nicht wie sie sein kann!“ bellte ich meiner Freundin zu und merkte schon die ausfallenden tänzelnden Angriffschritte von Leia.
„Warum hast du sie dann hergeführt?“
„Ich streite da nicht mit dir!“
„Doch wohl!“
„Du bist unmöglich!“
„Unmöglich! Schon vergessen wer fast fünf Monate in einem Nest voller Monster lebte?“
„Ich habe es getan damit wir die Armee haben! Glaubst du ich mache das zum Spaß!“
„Du hast Rafe geheiratet, Mensch! Wann wolltest du mir das sagen?! Du hättest einen Vogel schicken können!“
„Das ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt über das zu diskutieren, Kira!“
War ich hier die einzige die dieses Gespräch dämlich fand?
„Layla!“ das war eine mir bekannte Stimme, sie kam von hinten, hinter dem Brunnen als ich mich kurz umdrehte. Aber meine Aufmerksamkeit galt immer noch der Harpyie, die Kira langsam in Schach hielt. Meine Freundin zielte erneut und Leia einen krassen Fluch aussprach.
„Schieß es zu mir!“ Henrys laute tiefe Stimme vibrierte um den kahlen Platz und ich ihn auf einer Veranda erspähte. Wie Kira trug er eine glänzend schwarze Rüstung die seine große Gestalt mehr betonte und sein Gesicht mir irgendwie kantiger vorkam. Selbst seine rotbraunen Haare waren länger geworden – stand ihm aber.
„Das ist kein Fangen spielen, Leute“ fauchte ich merkte sofort wie Leia schreiend auf Kira zuflog, ich wirbelte zur Seite und nahm meine schnellen Beine in die Hand um zu springen. Ich musste ihre Flugbahn stoppen und krachte erneut gegen Leia Titania.
„HARPYIEN! HARPYIEN!“ hörte ich jemanden im Hintergrund schreien und eine laute Glocke wurde geläutet, sie hallte laut über das Dorf während ich mich mit Leia im Sand erneut dreht und ihr mit der Faust ins Gesicht schlug. Sie hob ihre Beine um mich wieder umzudrehen und ächzend standen wir wieder auf. Und tanzen.
„Scheiße! Woher kommen die alle!“ das war Kira in der Nähe, die weiter Schüsse abfeuerte. Schreiende Kreaturen flogen wie die Heuschrecken über uns und von überall Schüsse und Schreie ertönten. Ich kickte meine „Mutter“ zur Seite um mir kurz Zeit zu verschaffen. Ich blickte in den Himmel als einige Harpyien den Himmel verdunkelten. Was hatte ich getan?
Leias Kichern erstarb nicht mal in diesem Kampfgetöse, „sie gehorchen immer noch mir! Ich habe sie alle erzogen nur weil eine kleine Menge glaubt sie könnten mich verraten… jetzt wo Larissa nicht mehr da ist, sind meine Babys immer noch MEINE Armee. Nicht eure“
Ich wirbelte zu ihr während die spröden Wortfetzen kaum mehr ihren schönen Körper bedeckten, sie hatte keinen einzigen Kratzer während ich bereits nach Luft schnappte. Leia lächelte so siegessicher und der warme Wind ihre Haare zur Seite wirbelte – sie hatte keinen einzigen Schaden genommen!
„Du hast das selbst zu verantworten… und das nennt sich eine Königin…“ sie schnalzte laut mit der langen Peitsche und ich sie nur traurig ansah. Sie kam hüftewackelnd näher als sie ihre perlweißen Zähne zeigte, wie eine Amazone ging sie durch das um uns tosende Schlachtfeld hindurch was ich wirklich zu verantworten hatte. In meiner Benommenheit holte sie mit der Peitsche aus, und traf mich heftig an meiner blutenden Schulter. Keuchend gaben meine Füße nach und ich im Sand kniete, „Eins…zwei…drei…“ sie holte aus und traf mich erneut und ich laut schrie. Der schnalzende Laut hallte noch lange in meinen Ohren, und der Schmerz sich erneut wie Feuer bis in meine Knochen brannte.
Ich presste meine Augen zusammen und sagte mir die Worte wieder im Kopf: Du bist Layla Fray. Du bist stark. Du wirst hier nicht eingehen.
„Ausfallschritt!“ sie peitschte nun auf meiner linken Seite und ich es gerade noch schaffte auszuweichen, doch meine Schulter machte mich bereits schon kampfunfähig. Überall roch es nach Schießpulver, Rauch und Blut. Eine Kombination die ich anders nicht mehr kannte.
„Ich werde dich einsperren! Du wirst sie alle nicht wiedersehen! Du gehörst mir!“
Ich befahl meinen Beinen weiterzurennen und stolperte fast als ich wieder wackelnd auf den Füßen stehen konnte. Ich versuchte gerade und aufrecht zu stehen, ballte meine Fäuste und holte wieder den Anhänger aus meiner Tasche. Selbst jetzt glänzte das Gold wie ein Schatz.
„Nein… ich werde nicht zerbrechen, Titania“
Sie fletschte erneut mit den Zähnen und dann wieder ein lauter Schuss. Diesmal kam er von einer dunklen Wolke eines niederbrennenden Hauses, er streifte Leia sogar am ungeschützten Oberarm und sie kurz zischte, „wer wagt es?!“
Eine große Gestalt trat aus den Wolken, und mir das Herz in die Hose flog. Die stechenden blauen Augen fixierten die Bestie die er von hinten einkesselte. Doch statt einem Schwert schmückte das Gewehr seine schwarze Rüstung und… er hatte sich kaum verändert.
Ich flüsterte Ashs Namen und war noch nie so froh ihn zu sehen…
Ein für ihn untypisch freches Grinsen überkam sein kantiges und bärtiges Gesicht.
„Sieh doch nach oben, Titania“ und er legte an, dass das kleine rote Kügelchen zwischen ihren Augen landete.
Leia knurrte ihn laut an wie ein Monster und sie die Peitsche von meiner Seite wieder ausholte, doch diesmal griff ich nach der langen Rute. Sie ritzte mir die Handflächen mit dem scharfen Stoff auf und Leia sich sofort umdrehte, „lass los, Layla!!“
Ich zog die Leine mit voller Wucht zu mir und schüttelte den Kopf, „vergiss es, Titania!“
Durch mein Ziehen stolperte Leia auch nach vorne und zog zu ihrer Seite, die Rute spannte gefährlich und falls sie riss, würde jemand von uns eine lange und tiefe Narbe am Körper tragen.
Wieder ein lauter Schrei, der Bestienschrei der sogar Leia übertönte und sie sofort erstarrte. Kurz dachte ich sie würde ihre geliebte Peitsche loslassen, doch der laute Drachenschrei ließ sie aus der Fassung bringen. Ich traute mich gar nicht hochzublicken bis eine lange Feuerfontäne direkt durch den Rauch ging und viele Harpyien über uns verbrannte. In einem Streich.
„Dieser….Argh wer hat die Drachen geholt?!“ redete Leia eher erzürnt mit sich selbst und wir unsere Blicke wieder zueinander brachten. Sie setzte sich wieder dieses grässliche Grinsen ins Gesicht. Und ehe ich zuerst loslassen konnte, ließ sie die spannende Leine los. Nun würde sie mich mit voller Wucht treffen. Es ging um Sekunden.

Neunte Chronik

 

Neues Lager der Rebellen

Das Urteil des Kronprinzen

Das summende Geräusch der Peitsche zielte direkt in mein Gesicht, ich stolperte zurück wollte mir schon die Arme vors Gesicht halten. Wenigstens prallte hier ein wenig Schmerz und Schande nicht ganz alles was mich noch schön machte, würde ja zu einem Mädchen voller Narben passen.
Es ging ganz schnell.
Jemand packte mich von oben an den Oberarmen meine Beine erneut vom Boden abhoben. Die Peitsche knallte ins Nichts, wo ich vorher noch stand. Wieder fielen Schüsse aber ich wurde empor getragen, diesmal war ich es nicht die selbst flog. Laute Flügelschläge erhoben sich in die Lüfte, und schnitten eine laute Kurve als das Biest erneut laut schrie. Leia blieb unten und es fielen wieder Schüsse. Die Harpyien blieben wie erstarrt im Himmel und sahen das geflügelte Ungetüm das sie an Größe um mehrere Meter überragte. Und die Feuerfontäne die es abschoss. Ich wurde während meiner Benommenheit weiter nach oben gezogen als ich meinen Kopf heben musste.
Wie könnte ich jemals diese schönen grünen Augen vergessen, selbst als ich sie zum ersten Mal erblickt hatte und wie jetzt panische Angst hatte.
Rafe war… Rafe, dann aber auch wieder nicht. Sein Gesicht war schmutzig, sogar ein feiner Schnitt zierte sein kantiges Gesicht, das Bartstoppeln aufwies. Aber das war er. Nur die Rüstung passte nicht zu seinem sonst so hitzigen und wilden Wesen. Doch jetzt schien sie ihm wie angegossen zu passen wie einen Reiter und König. Jetzt fehlte nurmehr die silberne Krone auf seinen kurzen wilden und schwarzen Haaren, die leicht seinen Kragen streiften. Seine warmen Hände waren alles andere als grob als er mich zu sich auf dem Rücken des Drachens zog. Ich konnte nicht blinzeln um zu sehen das ich nicht wieder träumte. ER platzierte mich hinter sich auf dem eigens angefertigten Sattel, als er eine Art Zügel zur linken lenkte, und der Drache gehorchte. Der Wind peitschte uns an die Haut und ich schnell meine Arme um seinen Bauch schlang. Sein wilder Herzschlag unter seiner schweren Rüstung, selbst unter diesem Gewicht Metall spürte ich ihn. Aber trotz seiner anfänglich besorgten Miene sprach er herrisch über seinen Rücken über das Kreischen hinweg, „ich weiß dass passt jetzt nicht, Layla, aber was muss ich darunter verstehen das du uns gleich die ganze Armee herbringst? Mit einer lebenden Titania?“
Ich schnaufte genervt aus, „ich wollte dass mein zukünftiger König über sie richtet, denn er hat die meisten Gründe sie zu verurteilen“, ich fing mich sofort wieder in dem Dilemma ohne mich von meinem Mann ablenken zu lassen als ich mich zur Seite lehnte, als ich von der Luft beobachtete wie Ash mit dem Schwert auf Leia losging. Ich spürte Rafes Blick auf mir, aber ich zwang mich ihn nicht anzusehen. Durch ein leichtes Schnauben drehte er sich wieder nach vorne.
„Wir müssen Ash helfen!“ meine Stimme ging fast unter und mein Zopf bereits löste und meine Haare herumwirbelte. Ich klammerte mich nicht mehr so ganz an Rafe, als er wieder nach vorne blickte und den Drachen wendete. Das sah bei ihm so einfach aus.
„Neuer Plan!“ schrie er zurück zu mir, „ich lenke sie ab, du greifst sie von hinten an. DU fächerst ja schon mit dem Anhänger herum, das macht sie noch mehr sauer!“
„Sie ist schnell, Rafe! Sei vorsichtig!“ schrie ich nach vorne als ich mich wieder lockern wollte, doch schnell ließ er einen Arm von den Zügeln ab und er auf meinen Oberschenkel berührte. Schnell drehte er seinen Kopf über seine breiten Schultern und selbst der Fahrtwind seine tintenschwarzen Haare umwirbelte. Jedoch blieb sein Gesicht weiter ernst, für Sekunden beobachtete er jede Faser meines Gesichts. Aber keine zärtliche Regung kam aus ihm hervor bis auf seine tiefe laute Stimme „wir sprechen nachher drüber, Layla. Geh jetzt…“
Ich sah ihn weiter an… und schluckte als ich leicht nickte und ihn wieder verließ. Ich warf ein Bein über den Sattel und sprang ins Getümmel einige Meter unter uns. Der Drache mitsamt dem Mann, der wie Rafe aussah, verschwand in den Wolken, als einige Harpyien ihnen folgten. Doch sie gingen in den Gewitterwolken unter.
Als ich meine Flügel ausstreckte griff mich schreiend jemand von der Seite an, ich lenkte ab und gab der Harpyie einen starken Kick in die Rippen.
„Ich habe dir vertraut, Layla!!“
Während ich der Harpyie wieder einen Schlag in den Bauch geben konnte, entpuppte sie sich als kämpfende und weinende Lia. Sie holte mit ihrem Schwert und ich sofort im Flug auswich. Eine rote Locke schnitt sie mir dabei ab und ich knirschte, „sie terrorisiert euch genau wie mich! Warum kämpfst du mit den anderen noch immer an ihrer Seite, wach auf Lia!!“
Doch statt einer Antwort holte sich wieder mit dem onyxschwarzen Schwert aus und streifte meine andere Schulter, diesmal hielt ich den Schmerz aus als ich blockte und ihr in einem schwachen Moment das Schwert aus der Hand riss.
„Kämpfe mit uns! Siehst du nicht das du ihr egal bist! Hauptsache es geht um ihren ehemaligen Liebhaber und die Kette“ ich holte sie aus meiner Tasche und hielt es vor ihr verweintes Gesicht. In den ametrinblauen Augen sammelten sich Tränen.
„Komm… bitte…“ meine letzten Worte erstarben aus meinem Mund, doch dann riss mich ein weiteres Drachengeheul inne halten als zwei weitere aus der Wolke kamen und gegen die Harpyien kämpften. Und der blaue Drache mit Rafe als Reiter dich an den Blockhütten vorbeiflog sodass mein Mann auf das Dach hüpfen konnte. Hinter ihm erschien wieder Titania. Der Drache flog wieder empor sodass Rafe alleine mit ihr war, er hielt sie in Schach und kämpfte wie gewohnt wie ein Meister. Mehr als das seine Bewegungen waren jetzt viel koordinierter, wie ein Soldat. Aber Lia nutzte das gleich aus und schlug mir ins Gesicht als ich nach hinten wirbelte. Mein Auge würde das länger zeigen, das ich ein Veilchen hatte aber dann rappelte ich mich wieder auf und holte aus um sie am Nacken auszuschalten. Ein wichtiger Schwachpunkt bei Harpyien und Lia war trotzdem noch nicht sehr erfahren trotz ihrer Kampfkunst. Sie wartete immer zu lange, sie flog zwei Meter auf den Grund und blieb bewusstlos liegen. Schnell flog ich zu ihr runter und riss ihr die letzte Waffe die ihr noch geblieben wäre vom Gürtel. Wahrscheinlich hatte sie diese Peitsche Leia vorher gestohlen, denn die schwarze schneidige Rute würde ich überall erkennen.
Ich steckte sie mir in den Gürtel.
„Verzeih mir bitte…“ flüsterte ich obwohl ich wusste das sie es sicher nicht hörte und sprintete los.
„HARPYIEN“ nun schrie ich aus meinen trockenen Lungen, „seht euch eure Anführerin an?! Ihr habt es gesehen!“
Ich flog so schnell weg und sammelte die Aufmerksamkeit einiger Kriegerfrauen mit roten Haaren die gerade mit Soldaten kämpften, auf beiden Seiten gab es Verluste…
„Verrecke, du hast Mutter verraten!“ schrie eine von ihnen, „auf sie!!“
„Ihr habt es im Nest gesehen! Es ist die Wahrheit! Sie geht für dieses Teil über Leichen! SIe schert sich nicht um euch!“ blaffte ich weiter und die Meute sich tatsächlich von den Soldaten ablöste und hinter mir herflog. Das dritte Mal zog ich geflügelte Bestien hinter mir her.
„Schnappt sie!“
Wo waren denn meine und Larissas Anhängerinnen? Ich schluckte und bog nach oben zu Rafe und Leia, als sie ihn bereits mit den Klauen angriff. Doch geschickt wich er ihr aus und holte sein Schwert aus. Tanzend wich sie ihm wieder aus.
„Du siehst so mehr aus wie Alexander! Aber dann auch wieder wie Emilia, so macht es dich leichter dich zu töten! Schade“ sie frohlockte ihn damit aufzuziehen und Rafe erneut ausholte und sie an der Wange streifte. Sie ging einige Meter nach hinten und griff sich unglaubwürdig auf ihre blutende Backe. Das Blut rann über ihre Klauen.
„Schade um dich. Du wärest ein hervorragender Bettgenosse geworden“
„Halt die Schnauze“ knurrte Rafe ungewöhnlich gefasst, „ich stehe auf keine staubtrockene 400 Jahre alte Weiber“, und zog nun eine Colt aus seinem Gürtel. ER zielte mit einer Hand und ließ Titania nicht aus den Augen. Ich kam derweil von hinten, leider mit weiteren Harpyien im Schlepptau.
„Ach…. Jetzt kämpft ihr wieder mit Handfeuerwaffen?“ höhnte sie weiter und ich sanft hinter ihr landete. Nun befanden wir uns zu dritt auf dem Hüttendach und der Rauch sich langsam löste. Nicht viele Häuser waren in Brand gesteckt worden, aber es gab viele Verletzte. Die Drachen kamen schwingend aus den Wolken und die Harpyien einen saftigen Abstand zu mir und Leia hielten.
Mit Waffe hatte Rafe den besseren Vorteil, aber die Harpyien mussten es erneut sehen.
„Leia?“ nun klang meine Stimme forschend und sie ihren Kopf etwas zur Seite nahm, sie riss die Augen wieder auf.
„Du machst mich fertig, Layla! Du hast immer noch die Frechheit damit vor meinem Gesicht herumzuwackeln…“ sie ging wieder nach vorne, „dein Bruder ist mir gerade lieber…“
Plötzlich lachte Rafe laut, sodass sich seine breiten Schultern bewegten. Ich sah auch nach vorne und könnte fast schwören das war wieder der gleiche Aspen von früher, ohne diesen ernsten Blick. Sekundenlang lachte er laut über Titania, die sich laut brüstete sodass eine Zornesfalte zwischen ihren Augen entstand, „halt deine verdammte Klappe! Ich zerreiß dich sowieso!“
Schnell wurde der Lacher etwas leiser, dennoch grinste er frech in Titanias Richtung.
„Layla ist nicht meine Schwester“ lächelte Rafe voller ernst und lächelte dabei wieder dieses kecke Lächeln. Aber jetzt war keine Zeit für Anschmachtungen.
„Sie ist deine Halbschwester und das wisst ihr beide….“
Ich konnte es langsam nicht mehr hören, aber Rafe unternahm eine weitere Unterredung. Er klang so sicher wie vorher wie wir flogen, die Colt hielt er immer noch in einer Hand.
„Layla ist nicht meine Halbschwester. Das ist doch ein verdammt schlechter Schachzug, Weibsbild“
Kurz war es still, und Leia weiter knurrte.
„Ich habe langsam genug von euch beiden! Wollt ihr mich eigentlich verscheißern?!“ sie schrie wieder einen lauten Klagelaut aus und sah zerknirscht zu Rafe nach vorne.
„Ich weiß dass weil ich einen Beweis habe. Layla ist Jack Frays Tochter und weißt du auch warum…“ er lächelte düster, sodass er seine weißen Zähne zeigte, „weil Alexander keine Kinder mehr zeugen konnte nachdem ich zur Welt kam“
„LÜGE!“ schrie sie und zitterte in ihrem rotgefiederten Kleid, ihr Schrei hallte sogar über die Drachen. Eine Harpyie zu erzürnen scheint mir nicht klug und ich Rafe einen besorgten Gesichtsausdruck zuwarf. Ich hoffte, dass er wusste was er da tat.
„Nachdem ich weiß das du ihm das Leben zur Hölle gemacht hast, hatte der Mann nur noch eine kleine Rettung um nicht noch mehr an dich gebunden zu sein als er schon musste durch deine Erpressung“
Ich legte meinen Kopf schief.
Die Harpyien kamen immer näher und doch stetig langsam herbei.
„Er hat sich sterilisieren lassen. Glaubst du echt ich habe was mit meiner Halbschwester? Haha du bist echt eine Psychobraut, kein Wunder, dass Alexander die Schnauze von dir voll hatte“
DAS saß.
Leia fing plötzlich laut zu klagen an wie eine alte Witwe. Doch Rafe redete unbeirrt weiter, falls er log machte er das sehr gut.
„Er hat den beiden wichtigsten Menschen seines Lebens dieses Geheimnis anvertraut, Emilia und Jack. Aber nie den wahren Grund…“
„Das ist nicht wahr!“ Leia drehte sich nun in meine Richtung und fixierte den Anhänger, „das konnte er mir nicht antun! Ich wollte ein Kind von ihm! Um jeden Preis egal was es kostete und ich bekam es!!“
Nun war ich es die das Wort ergriff. Woher Rafe diese Info wusste, sie wirkte und ließ mich hoffen das ich wirklich die war, die ich war. Die Tochter eines Malers, keines Kronprinzen.
„Sieh es ein, Titania. Du hast verloren… das war nur die…“
Sie drehte sich um und raste mit ihrer wahren Vogelgestalt auf mich zu, die Federn wuchsen über ihren ganzen Körper ließen sie furchteinflößender erscheinen als sie mich zerreißen wollte.
„Ich habe gemordet für diesen Mann! Ich wollte sie alle umbringen und ihn mitnehmen! Ich hätte meine Töchter für ihn geopfert und das Nest! Alle hätten für ihn gebrannt!!“
Ich rannte nach vorne und die lauten Geräusche der Harpyien die Luft erfüllten. Manche klagten, manche klangen empört. Ich lief ihr entgegen als ich die Peitsche schnell aus meinem Gürtel zog und sie knallend spielen ließ. Komisch mal so etwas in der Hand zu haben.
„Gib mir die Kette!!“ schrie sie aus ihrem fürchterlich gewordenen Gesicht das sich immer mehr in einen Vogel verwandelte, sie griff nach vorne ohne einen Angriff an meiner Person zu wagen. Sie hatte nur Augen für eines. Somit warf ich den Halbmond mit voller Kraft zur Seite, sie quietschte bei ihrem Stopp und nahm Anlauf um ihn hinterher zu springen. Die gelben Katzenaugen beachteten mich nicht mehr. Das Universum drehte sich wieder um ihre Kette.
„Oma!“
Nein
Ich zog die Peitsche wieder zurück als Lia von der Menge und wieder bei Bewusstsein herbeiflog und auch die Hände für den Anhänger ausstreckte.
„Warum tust du das… warum…“
„Vorsicht, Lia!“ das war Rafes Brüllen, doch er kam zu spät.
PATSCH
Ich riss meine Augen auf, als Leia ihrem Nestling und Lia, meiner unschuldigen Lia, die Kehle durchschnitt. Sie selbst achtete gar nicht auf Lia die ihr folgen wollte um ihr den Anhänger zu fangen. Schimmerndes rotes Blut ergoss sich aus der klaffenden Wunde und die Harpyien wieder laut Lias Namen schrien. Genau wie ich und diesmal riss meine Hutschnur. Ich stürmte zu der fliegenden Leia, die ihre Klauen ausbreitete und Lias Körper zu Boden fiel. Über uns erschütterte das Gewitter weiter die Gegend und die Drachen laut schrien. Man konnte einfach in der Luft ergreifen, dass sie vor Leia Angst hatten. Aber mit meiner Geduld war es zu Ende. Ein kalter Blitz schoss vom Herzen direkt in meine Gliedmaßen und die toten ametrinblauen Augen Lias immer noch in meinem Gehirn schwebten. Sie war loyal. Menschlich.
Bevor Leia den Anhänger zu fassen bekam, mit Lias Blut an ihren Klauen, holte ich die Peitsche aus dem Gürtel und holte aus. Ich hatte noch nie so eine Waffe in der Hand, aber jetzt fühlte sie sich besser an denn je.
Ohne dass die Harpyie mein Vorgehen mitbekam peitschte die Rute direkt an ihren Rücken und hinterließ einen strömenden, blutigen Strich. Sie ließ ab von ihrem Kurs und schrie, meine Flügel über mir zuckten nach dem Verlangen sie zu Boden zu fliegen. Ich holte erneut aus und erreichte ihre Schulter. Ich wusste nicht wohin der Anhänger flog, er fiel ins kalte Nichts unter uns, aber jetzt war er mir egal. So von meiner Peitschentechnik überwältigt schaffte ich es das erste Mal über Titania zu fliegen und holte mit meinem Fuß aus damit ich voll in ihre klaffende Rückenwunde trat.
„Ich hoffe das tut weh!“ Fauchte ich gefährlich als sie durch meinen Tritt die vielen Meter zu Boden fiel. Sie knallte voller Wucht in den inmitten kämpfenden Soldaten die das Schauspiel von uns verfolgten.
Ich flog steilabwärts mit rotem Blickfeld voller Rage. Momentan wünschte ich diesem… diesem… Ding nur das schlimmste und ich meine Augen zusammenpresste um meine Tränen nicht gewinnen zu lassen. Zu oft hatte ich geweint und geheult. Damit war schon lange Schluss, doch Lias Verlust machte das umso schwerer.
„Wie konntest du nur! Lia hat dich geliebt! Sie alle haben dich vergöttert!“ kreischte ich und die Soldaten sofort aus dem Weg liefen als sie mich im Sturzflug sehen kamen.
Titania lag auf dem Bauch und wollte sich an ihren nackten Armen aufstützten, diesmal hatte sie eindeutige Verletzungen mit sich gebracht. Denn von oben war der Peitschenhieb so dunkelrot und quer über ihren gesamten Rücken.
„Die Kette…“ stöhnte sie und fuchtelte am Boden herum ohne auszuweichen. Jetzt war sie total plemplem… nurmehr die Kette zählte. Somit hielt ich knurrend die Peitsche am Griff und landete sanft auf dem Boden einige Meter hinter Titania.
„Alexander…Alexander…“
Das Blut triefte strömend von ihrem Körper und machte sie noch blasser als sie schon war. Um ihre Aufmerksamkeit zu bekommen schnalzte ich die lange schwarze Peitsche in den Sand.
Das Gewitter unter uns schluckte den Laut, aber es hallte noch laut und fassend als sich innerhalb von Sekunden prasselnder Frühsommerregen über uns ergoss. Blut vermischte sich mit Dreck und Titania noch immer ihre aufgerissenen Hände zum Suchen nahm. Sie redete wirr mit sich selbst und grub bis ihre Nägel blutig wurden.
„Sieh mich an“ forderte ich und blieb stehen als ich ihren wunden Rücken vor mir sah.
Ich wusste nicht ob das Gewitter übertönte, dass jemand meinen Namen schrie aber ich konzentrierte mich nur auf diese Mörderin.
Zerstörerin. Königin. Verrückte. Experiment. Waffe. Psycho. Harpyie… Mutter.
Ich vergaß meinen Vorsatz das ich meinen König über sie richten lassen wollte, aber jetzt wusste ich das ich genauso Anrecht wie er hatte über sie zu bestimmen.
„Knie nieder“ forderte ich und ließ sie knurrend nicht aus den Augen, kurz stoppte sie mit dem Suchen. Und keuchte laut sodass sich ihr zarter Körper erhob. Ein lautes Keuchen kam hinzu und die lauten Regengeräusche uns tropfend einnässten.
Leia gab ein höhnendes Kichern zur Schau und drehte den Kopf über die Schulter, ihr menschliches Gesicht war wieder da aber diese bösen gelben Augen brannte sich in mich hinein. Doch ich hatte keine Angst mehr und kam einen großen Schritt näher.
„Ich bin so ein gutes Vorbild… denn auch wenn du vielleicht Jacks Tochter bist…“ bei seinem Namen knurrte sie leise, „du bist wie ich. Ich war dir eine gute Meisterin. Hahaha“
„Ich bin nicht wie du! Ich bin nicht ansatzweise wie du! Du bist eine Pest hier die jeden vergiftet und dazu verflucht wie ein Experiment zu denken“ ich schnalzte böse wieder die Peitsche in den Sand, „und wenn du dich nicht sofort ergibst, landet das in deiner Fresse!“
Doch sie blendete mich erneut mit einem breiten und falschen Grinsen, das einem das Mark aus den Knochen saugt.
„Der Krieg ist nicht das Spiel einer Frau. Aber wir beherrschen die Männer die ihn führen und befreien uns von ihrer Gewalt. Du bist mein Blut. Du BIST ich. Merk dir meine Worte, Layla“
Ich blähte meine Nasenlöcher und presste meine Augen unter dem Regen zusammen. Würde ich wirklich so weit gehen? Mit dieser Waffe, mit der sie mich dauernd zurichtete?
Plötzlich ächzte Leia leise und zerrte ihr Gesicht vor Schmerz zusammen, sie kauerte richtig in ihrer Hocke und ich meinen Arm hob um die Peitsche auszuholen. Aber ich zitterte dabei, jetzt hatte ich sie in der Hand! Jetzt konnte sie für alles büßen… doch…. Ich knirschte mit den Zähnen und ….
Ich senkte die Peitsche bevor jemand mein Handgelenk unsanft ergriff.
Sofort sah ich nach hinten als mich smaragdgrüne Augen mit schimmernden Schein selbst über dem Regendunst ansahen. Wie ich war er vom Regen durchtränkt und drückte seinen Griff fest, aber nicht schmerzhaft zu. Die feuchten Strähnen fielen ihm in die Stirn, die er runzelte und der Regen das einzige Geräusch um uns war.
Ich brachte keinen Ton raus.
„Sie ist am Boden“ Rafe klang leise, aber für mich am verständlichsten, Blut rannte ihm vom Kopf runter bis zum Kinn, „du bist kein Monster und peitschst sie vor allen aus… das bist du nicht, Prinzessin“
Ich schluckte und schüttelte den Kopf als ich wieder nach vorne blickte, zwei Harpyien standen jeweils an Leias Seite und zerrten sie unsanft an den Armen als sie ihr metallene Handschellen anlegten. Die alte Titania saß da wie ein Häufchen Elend, musste aber trotzdem noch leise kichern wie eine Irre.
Eine von ihnen, ich erkannte sie als eine Hauptfrau von Leias engsten Kriegerinnen mit langem glatten Haar und ovalen Gesicht, ihr Name war Lacey.
Sie ballte ihre Faust und hielt es an ihre rechte Brust, sie war etwas größer als ich doch in ihren sturmgrauen Augen erwachte etwas, „meine Königin“ sie verbeugte sich halb vor mir, „ich weiß nicht wie wir das wieder gut machen. Nur der Tod erwartet uns wenn Ihr das wünscht, aber…“ sie richtete sie auf. Ich folgte ihren lautlosen Bewegungen trotz dem Scheppern der Schulterpanzerung.
„Ich spreche im Namen aller Schwestern hier wie sehr wir einer wahnsinnigen Harpyie blind gefolgt sind. Dennoch war es eine Ehre Euch als nächstes gedient zu haben…“
Schnell schüttelte ich den Kopf, „hier wird niemand mehr getötet.. ich habe das schon so satt“ ich schritt nach vorne an Lacey vorbei die gleich an meine Seite Schritt hielt als ich Rafe noch stehen ließ. Das hatte jetzt Vorrang.
„Holt Larissa her und…“ ich biss mir auf die Lippen als ich mich umdrehte, „ich kümmere mich um Lias Beerdigung… ich möchte dass Larissa auch dabei ist und kümmert euch um die Verletzten“
„Jawohl!“ sie knickste wieder als ich mit einem Nicken quittierte und sie wieder an Leias Seite kam. Nun konnte ich endlich mal um mich blicken. Ein halbes Dutzend bewaffnete Männer und Frauen hatten sich um uns versammelt, Rauch stieg von der Zerstörung die wir verursachten von nahe her und dann blieb mein Blick an Kira und Henry nahe der Meute stehen. Sie sahen mich traurig und wütend zugleich an. Und dann war da noch Ash, der langsam hinter Rafe mit Rüstung und Umhang herkam. Er hatte sein Gewehr wieder mit einem Schwert getauscht und ich mich dem jetzt stellen musste was ich anstellte.
Ich kehrte wieder um und sah die beiden abwechselnd an. Jetzt hier zu stehen… ich kam mir wie eine verrückte Fremde vor die eine Schar an Harpyien und Chaos hierherbrachte. Aber ich zwang mich zu einer geraden Haltung und redete, zuerst leiser dann etwas lauter. Meine Kehle fühlte sich noch nie so trocken und schmerzhaft an, „ich habe Leia Titania hierhergebracht. Und ich schenke sie dir als Geschenk, Kronprinz Rafferty“ ich sah ihm fest in die Augen. Seit er mich davon abhielt die Peitsche zu schwingen, hatte sich sein ernster Blick nicht verändert.
„Die Harpyien-Armee ist Dein. Titanias Schicksal ist Dein. Ich habe dir die Mörderin deines Vaters, Kronprinz Alexander von Creston, gebracht und du über sie richtest. Mit allen was dazugehört“
Rafe zog scharf die Luft ein und starrte immer noch in meine Augen ohne zu Blinzeln.
Ash kam nahe an Rafes Seite und ich kurz nicht glauben konnte, wie vertraut sich die beiden schon waren. Er fungierte fast wieder wie ein Hauptmann neben dem richtigen König. Ein eigenartiges Deja-Vu überkam mich…
Mein Anzug war halb eingerissen genau wie meine entblößten Schultern und Arme, ich musste aussehen – wie eine richtige Bestie. Kein Wunder, das mich alle anstarrten.
Da schritt Rafe einen Schritt nach vorne, dass seine schwarz-rote Rüstung schepperte. Doch er sah damit einfach so erwachsen aus… ganz anders.
„Du hast mir Leia Titania gebracht, das ist richtig. Aber…“ er kam wieder näher und das Wasser sich mit dem Blut an seinen Wangen vermischte, selbst mit den beiden Narben an den Augenbrauen machte ihn das furchteinflößend.
„Wenn wir in die gläserne Stadt einnehmen und somit Andrew vom Thron stoßen müssen wir eine neue Gesellschaft aufbauen. Und zu dieser Gesellschaft gehören Regeln…“
Ich sah schnell auf und runzelte die Brauen.
Nun war Rafe mir sehr nahe und sah zu mir herab. Trotz schwarzem Kampfanzug kam ich mir nackt vor ihm vor. Über uns röhrte laut ein Drache.
„Du hast unser ganzes Dorf in Aufruhr gebracht, manche sind gestorben für das Opfer…“
„Es… ich wusste nicht noch wohin. Larissa war bewusstlos und ich konnte nicht…“
„Also bist du schuldig?“
Von Kiras Seite kam ein empörtes Aufschreien, er klang nach einem „was zum Geier soll das Rafe?“
„Ich… ich weiß was ich für ein Chaos anrichtete, aber ich tat das nicht mit Absicht!“ verteidigte ich mich und fasste nicht was er mir da an den Kopf warf, „wer bist du?“
„Ich bin der Kronprinz, Layla“ nun wandelte sich seine Miene in etwas Weicheres. Etwas Vertrauteres, aber immer noch ein Schatten der mal Aspen der Wilde war.
Dann schwenkten seine Pupillen über mir, „bringt Titania ins Verlies. Ich kümmere mich nachher drum…“
Ich sah ihn immer noch an und schüttelte langsam den Kopf.
„Versteh mich doch, Layla. DU selbst hast gesagt, dass ich nun wie ein König denken muss. Und dazu gibt es gewisse Regeln…“
„Ich habe fünf Monate darauf gewartet, diese Frau endlich zu stürzen und zurückzukommen… Rafe…“ ich ging einen Schritt zurück und sah die Maske an. Doch sein Gesicht blieb hart, „ich habe dich auch vermisst… mehr als alles andere, mosch aher“
Er wollte seine Hand zu meinen offenen Haaren ausstrecken aber zischte zurück, „du redest wie ein Geist von damals. Aber jetzt steht ein fremder Kronprinz vor mir…“
„Ich mach das nicht zum Spaß, Layla verdammt“ nuschelte er nun wieder in seiner unmanierlichen Stimme.
„Ich auch nicht…“
Rafe sah wieder nach hinten und nickte jemanden zu, „eine Woche Hausarrest… weil du Soldaten in Gefahr gebracht hast und eine Titania direkt ins Herz der Rebellion geschmissen hast ohne auf Verluste zu achten…“ nun kam er näher und ergriff meinen nackten Oberarm. Früher hatte meine Haut an seiner vor Verlangen gebrannt, jetzt hätte ich ihn am liebsten weggerissen.
„Ich sollte eher sagen: WER bist du?“ knurrte Rafe und wir beide uns böse ansahen. Wie konnte er das wagen.
„Gebe ich zurück“ murrte ich leise, „erwarte jetzt keinen Wiedersehenskuss, Babe“ kam es zwischen meinen Zähnen hervor als ich schon zwei feste Hände spürte, die mich in meine „Zelle“ bringen sollte.
Rafe bebte vor Wut und ließ meinen Oberarm los. Selbst jetzt bekam sein gebräuntes kantiges Gesicht rote Flecken an den Wangen. Zwischen den Soldaten und Rebellen gab es ein lautes Murmeln, doch mir war es egal. Kurz ließ ich den Blick von seinen grünen Augen ab, hinter einer Schulter zu Ash.
Auch er nickte und formte ein leises, „verstehe die Regeln, Layla“ zusammen.
Ich kochte, ließ mich aber von den Soldaten die etwas unter meiner Berührung zitterten, forttragen. Leia war bereits mit den Harpyien verschwunden als ich wie eine Gefangene ohne Fesseln über den verregneten Platz geführt wurde.
In meinem ganzen Leben habe ich mich noch nie so verraten, aber auf der einen Seite so bestraft gefühlt.
Ich hätte wohl das gleich als Königin getan.
Aber das vor allen Leuten in diesem Ton… noch immer spürte ich an meinem Rücken tausende von Augen, mitunter smaragdgrüne und hellblaue Augen. Ich wusste dass ich keine Retterin war, ich war noch immer ein Monster.

Freundschaft trotzt über alles

 Es war keine Gefängniszelle im eigentliche Sinne.
Eher eine alte kleine Blockhätte mit etwa drei Zimmern: Schlafzimmer, Wohn- und Kochzimmer und Bad. Und dennoch war es eine Zelle für die verlorengeglaubte Königin in spe. Oder eher Harpyienkönigin.
Dennoch spickte ich, nachdem ein Arzt hier war der meine Schulter und Arme versorgte nach meiner Dusche aus dem kleinen Fenster, das überall Wachen postiert waren. Das warme Wasser dampfte noch immer an meiner gewaschenen Haut das ich von Dreck, Regen und Blut reinigte und ein Verband fast meine ganze Schulter und Rücken samt Oberarme einnahm. Er zog sogar noch richtig nach diesem verdammten Peitschenhieb und mir fröstelte es wieder vor ihren Worten: Der Krieg ist nicht das Spiel einer Frau. Aber wir beherrschen die Männer die ihn führen und befreien uns von ihrer Gewalt. Du bist mein Blut. Du BIST ich
Ich bin nicht wie sie! Nie, jeder hätte mal kurz die Kontrolle verloren, wenn seine Peinigerin schutzlos vor sich war mit einem fürchterlichen Gedanken. Gedankenverloren griff ich an mein leeres Dekolletee. Ein weißes Handtuch schmiegte sich derweil noch an meinem feuchten Körper.
Mist… ich hatte die Ketten noch in meinem Nestbett gelassen.
Dennoch war es mir gerade lieber nicht dies Last zu tragen. Diese Ketten haben mir durch die Zeit bei Leia geholfen, mich erinnerte wo ich hingehörte und jetzt wo ich da war… kam ich mir fremder vor wie nie zuvor. Durch das Glas sah ich wie die Menschen im Regen die Häuser wieder aufbauten mit Pferden und Kutschen. Das Gewitter hatte sich selbst nach Stunden nicht verzogen und es schüttete wie aus Eimern.
Ich war es gewohnt jetzt immer rauszuschauen und so lehnte ich mich an die Fensterbank.
Menschen. Normale Menschen und Männer…
Ich sah sogar ein paar Harpyien über die Häuser fliegen, ich hoffte, dass Larissa bereits dabei war und sie es mit Lia bereits erfuhr. Die beiden hatten, wie Lia und ich, ein gutes Verhältnis zueinander und die naive Lia wegen Titania sterben musste. Mein Magen zog sich zusammen und ich mein Gesicht an meine angewinkelten Arme presste.
Sie nannten mich jetzt die Königin obwohl es Larissa zustand, und ich habe sie Rafe überlassen… Mensch wenn ich diesen Blödmann je wiedersah. Ich seufzte laut.
Mein Herz machte trotzdem noch die verliebten Sätze und meine vernünftige Seite ihn gut verstand. Er war jetzt der Kronprinz, ein Anführer und er musste in den fünf Monaten viel über Disziplin und Ordnung gelernt haben. Sonst konnte ich mir das nicht erklären und er das tun musste was ein Anführer tat. Jemanden zu bestrafen. Ich seufzte erneut, diesmal schwerer.
Plötzlich klopfte es hastig an meiner Haustür, und ich meinen Kopf hob. Ich blieb aber noch auf der kleinen Sitzgarnitur sitzen. Bis auf eine kleine Küche, einem Wohnzimmertisch und dieser Garnitur war hier nicht viel drinnen.
Schnell riss jemand die Tür ein bevor ich aufstehen konnte.
Dunkle Locken wirbelten um ihr braun getöntes Gesicht und ich genau wie sie reagierte um in Kiras Arme zu laufen.
Ich drückte mich von der Fensterbank weg und wir zueinander stürmten. Selbst ihre Berührung knisterte auf meiner Haut, denn wie lange war es her dass jemand das gemacht hatte. Mein Körper hatte sich fast danach verzehrt.
Kira drückte mich eng an ihr Hemd, das perfekt an ihrem kurvigen Körper saß als wir uns lösten und uns einfach anstarrten. Die fünf Monate hatten ihr gut getan – im Gegensatz zu mir. Sie strahlte, sie musste wohl genug Schlaf bekommen, ihre Tönung hatte sich durch die Sonne nochmal verdunkelt und die wilden schwarzen Locken in dem Kurzhaarschnitt ihr so gut passten.
„Mensch“ flüsterte sie und nahm mich an der Hand, ich ergriff sie strahlend. Das Lächeln zog etwas an meiner sonnengebrannten Wange.
„Du siehst aus wie eine verbrannte Tomate. Haben sie dich dort lädiert oder wie muss ich das verstehen“
Ich schnaufte mit einem Lächeln aus, ich könnte mich glatt wieder daran gewöhnen.
„Danke. Du siehst fabelhaft aus, Kira“
„Nein ernsthaft du hast überall einen Sonnenbrand was dein … puh affenscharfes Harpyienlederoutfit noch versteckt hat. Jeder konnte fast deine Brüste sehen, Rafe hat ja fast einen Herzkollaps gekriegt und hat das prima versteckt. Und überall bist du rot und…“
„Der Heiler hat sich das schon angesehen“ ich lehnte mich etwas zurück um Kira besser anzusehen, „mir geht’s gut“
Dennoch formte sie einen Strich mit ihrem roten Mund, „ich hoffe es… das war eine etwas gruselige Aktion vorher“
Schnell ließ ich los und ging zur Couch unter dem Fensterbrett. Ich fuhr mir durch die roten offenen feuchten Haare, „ich sagte mir geht’s gut. Und ich… ich habe Leia besiegt. Solltet ihr alle mal wertschätzen und mich nicht verurteilen für etwas…“
„Layla, du hättest sie ausgepeitscht. Vor allen Leuten…“ das sich Kira so extrem besorgt anhörte grenzte auch an ein Wunder.
Ich drehte mich um und formte meine Stirn in Falten, „genauso wie sie das mit mir wochenlang machte… Sie hätte es verdient“
Schockiert weiteten sich ihre schokoladenbraunen Augen, als sie immer noch an der Stelle stehen blieb. Seufzend ließ ich mich auf die Couch fallen, meine Beine schmerzten immer noch vor dem Kampf.
„Rafe hatte recht, du bist echt anders geworden…“
Schnell richtete ich mich auf, „bist du hier um mir das vorzuwerfen? Kira, ich war im Schlangennest. Ich war für sie eine Marionette, die mich zwang stundenlang im Regen, Schnee und in der Sonne zu trainieren. Mein Rücken zeigt wozu diese eiskalte Frau imstande war… also hör auf das auszugraben“ ich beugte mich wieder runter um meine erhärteten Oberschenkel zu massieren, „lass es einfach“
Ich hörte Kiras lauten Seufzer mit einer Prise Wut, „nein, weil wir uns Sorgen um dich machen. Diese Frau hat dich vergiftet, das wusste man schon wie du da draußen gekämpft hast. Nicht mehr wie ein Mensch, sondern wie eine abgerichtete Killerin – besser als jeder andere hier. Mit einem präzisen und tödlichen Ziel… aber mit welcher Kälte du uns anschautest…“ sie schüttelte sich kurz und kam mit schnellen Schritten auf mich zu, als sie sich knarzend neben mich setzte, „das war anders. Aber… wir alle haben uns irgendwie verändert“
Stille kam über uns, bis auf die Baustellengeräusche und Zurufe der Menschen draußen. Ich ließ von meinen Beinen ab und schaute wieder seitwärts zu Kira die gerade mit einem Faden in ihrer engen beigen Stoffhose spielte, „erzähl, du bist so still… wie geht’s allen? Wie war es, wie habt ihr das alles geschafft vom Berg hierher zu bringen?“
Kurz säumte sich ein schiefes Lächeln auf Kiras hübsches Gesicht, sie ließ ihren Blick aber nicht ab.
„Du bist gut in Themenwechseln…“ sie schnaufte aus und drehte ihren Kopf dann wieder zu mir, „das haben wir alles Ash und den Beratern zu verdanken. Gleich nachdem wir dort ankamen haben wir den Menschen den Umzug zugesagt. ES dauerte mindestens einen Monat um alles zu packen um alles hinter uns zu lassen. Aber einige sind unter dem Berg geblieben… sie wollten nicht mehr kämpfen“
Sie strich sich eine Falte in der Hose glatt und lehnte sich lässig an die Rückenlehne.
„Es war ein mühseliges Unterfangen, aber wir haben es durchgeschafft mit der ganzen Kolonne. Einst war das hier mal eine kleine Stadt, aber verlassen so wie viele Häuser und Siedlungen in der Wildnis. Somit wurde es unser neues Zuhause…“
„Und Angriffe vom König?“ fragte ich weiter und setzte mich seitlich hin um meine Beine hochzuheben. Ich drehte mich nun ganz zu Kira.
„Nichts mehr“ sie tat es meiner Beinarbeit gleich und strich sich eine kurze Locke zurück, „alle sind etwas nervös das wirklich gar keine Angriffe mehr waren. Oder Hybride im Himmel – gar nichts. Wir haben ein paar Spione ausgeschickt, aber die kamen alle nicht zurück. Die Luft steht… und wir auf dich und Rafe warteten“
Ich schluckte und flocht mir einen Zopf seitlich. Irgendwas musste ich mit meinen Fingern machen und ich Kiras besorgten Gesichtsausdruck musterte.
„Rafe kam vor etwa zwei Wochen hier an. Du kannst dir vorstellten was das für ein Radau war als er mit den Drachen daherkam, aber der ist ganz in Ordnung…“
„Du hast dich ja bereits angefreundet…?“
Sie kicherte leise zu meiner Aussage, „klar. Die sind alle ganz OK. Vor allem dieser Künstler-Typ. Unglaublich kluger Mann und unentbehrlich für die weiteren Pläne. Ash ist ganz hin und weg…“
„Warte mal“ ich hob meine Hände und versuchte mitzukommen, „wer ist der Künstler-Typ?“
„Oh“ Kira wurde etwas rot und hielt sich die flache Hand auf den Mund, „ich glaube ich habe grade was ausgeplappert. Ähm… er ist der neue Berater von Rafe und Ash. ER ist der Bote der Drachen und hat Rafe sehr viel über Etikette und alles beigebracht, ziemlicher Kauz aber er ist so nett“
„Aha“ ich klang nicht sehr überzeugt. Kira war noch nie sehr gut in lügen, was vielleicht nur zum Teil stimmte. Aber da steckte sicher noch etwas dahinter.
„Er hat Rafe so zusammengerichtet?“
„Layla“ sie verdrehte die Augen und lehnte sich mit dem Kopf an den Stoff der Garnitur, „irgendwann musste mal das kommen. Wenn er König ist, kann er sich nicht wie ein Wilder aufführen. Das hast du selbst gesagt“
„Ja, aber…“ ich versuchte meinen Unmut zu äußern. Aber ich griff sicher wieder ins Klo.
„Ich habe mich echt wahnsinnig gefreut ihn und euch alle wiederzusehen. Nach alldem was dort alles los war mit neuen Erkenntnissen und Anschlägen. Ich hatte dort wenige ruhige Minuten… aber er ist so anders geworden. So… einfach nicht er selbst und ich Angst habe dass ihm das nicht zu Kopf steigt ohne sich selbst zu vergessen. Verstehst du was ich meine?“
„Layla“ nun berührte sie meinen Oberarm, ihre braunen Augen schimmerte im Tageslicht das durch die etwas staubigen Fenster hereinwollte.
„Du wirst noch früh genug alles erfahren. Jetzt musst du mal diese Woche brav bleiben. Okay?“
Ich grummelte, sagte aber nichts mehr drauf.
Wir redeten noch sehr lange, auch über das was ich über die Schlangen erfahren hatte und es bereits ein bekanntes Problem war, da die Drachen das bereits erkannten. Wenigstens ein Problem weniger das ich NICHT extra erklären musste. Dennoch wurden immer mehr Pläne für eine Belagerung ausgesprochen ohne etwas Fixes zu planen. Sie waren sich selbst noch zu unschlüssig.
„Aber…“ nun hob Kira ihren Finger nachdem wir gefühlte Stunden geplappert haben, „ich habe noch eine Überraschung“
„Was?“ ich stand mit Kira vom Sofa auf und folgte ihr bis zur kleinen Holztür, sie grinste breit als sie den Knauf in ihre zarte Hand nahm.
„Ich hoffe halt, sie ist eben äußerst pünktlich“ kicherte sie und mir gab es einen keinen Stoß im Magen. Sie?
Als Kira die Tür öffnete kam hüpfte schon jemand die beiden Verandatreppen hinauf, sie wartete bereits schon und lächelte mich müde und zugleich mit traurigen grauen Augen an. Ich stand nur verdattert da.
„Voila“ zauberte Kira und ich einen Schritt nach vorne ging um meinen Mund mit der Hand zu verdecken. Wie lange ich schon von zuhause fort war, Chloe hatte sich so verändert, dennoch strahlte sie die Reinheit und Grazie aus für was sie eigentlich war. Eine Lady.
Wie ich vergaßen wir auf die anerzogenen feinen Etiketten und stürmten lachend aufeinander zu. Chloe war schon immer winzig und kleiner als ich, aber ihren schlanken Körper an meinen zu spüren gab mir die Bestätigung weiter zu kämpfen und die Hoffnung nicht aufzugeben.
Jetzt waren wir wieder vereint – unser Trio von damals. Nur nicht mehr ganz so fein wie früher.

Kira ließ uns kurz alleine nachdem ich mit Chloe auf der Veranda sprach. Die Wachsoldaten beäugten uns argwöhnisch und ich könnte schwören jeden Moment würden sie Chloe wieder wegschicken. Oder mich zurück in die Hütte. Aber sie taten nichts dergleichen wo ich äußerst froh war. Chloe hatte sich so verändert, aber sie kam mir dünner vor als früher. Es zollte ihren Tribut fern der Stadt zu sein und ich sofort das Kreuz an ihrem Handgelenk bemerkte. Sie sich meinem Blick mit roten Wangen aus, bis sie von selbst erzählte, „Sklaventreiber haben unsere Gruppe überfallen. Nur durch Glück konnten uns die Rebellen retten, aber… da war es schon zu spät als sie mir das aufritzten“ Tränen spiegelten sich an ihren ruhigen Augen. Ich streichelte ihre Schulter und entblößte ebenfalls mein
rechtes Handgelenk, als ich den Ärmel meines grauen Langarmshirts aufrollte. Blasse Narben zierten ebenfalls die Stelle und einige Teile des Unterarms.
Durch das Tattoo jedoch glich es eher einem künstlerischen Bild als einer Markierung.
Sie sah mich an und wischte sich die Tränen runter.
„Ich habe es gehasst und geschäumt wie noch nie in meinem Leben… es war Rafe, der das machte…“
Chloe riss die Augen auf, sagte aber nichts darauf.
„Viel zu oft hat er sich entschuldigt, aber ich lebe jetzt damit. Das Kreuz gehört zu mir und… ich verstecke es nicht mehr. Im Gegenteil ich habe es verändert, wenn du willst kannst du das auch tun. Die Harpyien können sehr gut tätowieren“
„Ich… ich möchte kein Tattoo haben, können sie es auch entfernen?“ sie blinzelte mich an, „ich weiß für dich ist das der eine Weg, aber ich hasse das. Es… ich kann es nicht mehr ansehen und Easton sagt es wäre ihm egal, weil es nicht meine Schuld war, aber ich fühle mich so verkauft. Wie ein Ding“
Ich schnaufte aus, „ich bin… mir sicher, das du damit zu Rafe gehen solltest. Ich glaube er kann es entfernen er ist damit sehr gut. Glaub mir“
Sie nickte und konnte wieder etwas lächeln sodass man ihre Grübchen an den Wangen sehen konnte, dann fragte sie mich etwas was mich total aus den Socken haute. Im positiven Sinne.
„Layla ich habe noch damit gewartet bis du auftauchst, aber ich…“ sie drehte ihr Handgelenk wieder um sodass ich nun Einblick auf den schönsten silbernen Verlobungsring erhaschen konnte. Ich strahlte als ich ihre zarten Finger in meine nahm und den Ring berührte. Eine geschwungene Rose war darauf graviert und Chloe sofort wieder rot wurde, „der gehörte Eastons Großmutter. Er hat ihn mir geschenkt als wir noch in der Stadt lebten…“
„Chloe der ist wunderschön“ brachte ich vor meinem Staunen noch heraus und sah wieder hinauf.
„Ich möchte dass du meine Brautjungfer wirst… ich möchte noch hier heiraten und.. Kira hat auch schon zugestimmt. Das würde mir sehr viel bedeuten“
„Jesus“ lächelte ich raus und nickte einige Male, „sofort, ja. Ich helfe dir mit allem wenn…“ ich schaute wieder um mich, „wenn das hier alles vorbei ist und mein Hausarrest aufgehoben ist“
Jetzt könnte ich Rafe gerade an die Gurgel gehen.
„Wann ist denn die Hochzeit?“
„In zwei Wochen, wir zögern sie schon ziemlich hinaus und die Vorbereitungen laufen noch an. Aber ich und Kira würden gerne wollen, dass du uns mit den Kleidern hilfst. Die Vorbereitung und so“ sie schnippste mit den Fingern, „so können wir diese Woche vielleicht etwas überbrücken das sie schnell vergeht und du dich ablenkst“
„Oh Mann. Ich habe jetzt schon monatelang keine Nadel mehr in der Hand gehabt“
„Du schaffst das, Layla. Ich habe immer noch den Schal den du mir zu meinem 15. Geburtstag gestrickt hast. Du hast viel besseres Talent als ich!“ bettelte Chloe und ich einfach dankbar war, wie sehr sie mich damit auf andere Gedanken brachte.
Ich umarmte sie fest, „danke, Chloe. Ich gebe mir Mühe“

Als Easton dann seine Verlobte von meiner Hütte abholte, blieb mir kurz die Luft weg. Ich habe ihn auch schon ewig nicht mehr gesehen, aber da er durch eine verheerende Beinverletzung den Wehrdienst abbrechen musst und nicht mehr gehen konnte war das ein Schock. Trotzdem war sein warmes Lächeln und seine schüchterne Art geblieben, die beiden passten einfach zusammen.
Die beiden verschwanden in den Wirren der Menschen die meine Hütte passierten und ich zum Himmel blickte, die Nacht breitete sich nun aus, aber der Regen blieb immer noch.
„Miss, gehen Sie wieder hinein. Wir haben eine Ausnahme gemacht, weil Kronprinz Rafferty das gestattete“ raunte der stramme Soldat der vor den Treppen meiner Veranda stand und ich brummelte, „jaja, ich lauf schon nicht weg. Kannst du Euer Hoheit ausrichten!“
Er sagte nichts darauf und starrte wieder nach vorne.
Ich schmiss voller Wucht die Haustüre zu und hoffte, dass diese Tage schnell vorüber waren.

Der Kronprinz und seine Harpyie

Mein Kühlschrank war voll. Ich hatte seit meiner Ankunft viele Bücher auf dem Wohnzimmertisch gesichtet, das Bad war sauber mit allerlei Seifen und Shampoos, und das Bett war angenehm groß und weich. Ganz anders als ich es noch vom Nest gewohnt war.
Dennoch starrte ich auf die Decke und rollte mich hin und her.
Draußen war es schon stockdunkle Nacht und ich wollte einfach nicht auf die kleine Uhr am Tischchen blicken. Vor ein paar Minuten war es noch 01:15.
Meine Schulter brannte immer noch vor dem Hieb und dem Sonnenbrand, dennoch ließ mir der Heiler eine kleine Schale mit schmerzstillenden Balsam hier, ich verbrauchte sie schon ziemlich oft.
Eine Woche hier eingesperrt – wieder im Käfig wie sonst auch. Argh! Ich legte mich auf den Rücken und sh zur dunklen Decke, dass nur das flackernde Licht einer Laterne von draußen sich ausstreckte.
Ich redete mir immer wieder ein, das ich das verdient hatte. Ich hatte hier großen Krach und Opfer verursacht ohne jemanden zu warnen. Ich legte mich wieder auf die Seite sodass meine Locken mir wie ein Vorhang ins Gesicht fielen. Sie rochen nach Mango. Ein Luxus den ich vermisste.
Dann kramte ich mich auf dem Bauch und kuschelte mein brennendes Gesicht ins Kissen. Es war eine lauwarme Nacht kurz vorm Sommer, die Hotpants rutschte mir etwas an meiner Hüfte und das lange weiße Shirt war mir auch zu groß. Ich könnte mich auch nackt ausziehen, dann würde ich nicht alles vollkleben mit Schweiß. Oder mich duschen gehen, oder lesen… oder rausgehen…
Sofort schwang ich die Beine aus dem Bett und ging leichtfüßíg zur Tür hinaus ins Wohnzimmer. Alles war so dunkel und ich leise die Haustür aufmachte. Ein warmer Wind blies auf mein Gesicht und der Soldat vor den Treppen sich schnell umdrehte. Ich konnte nur seinen dunklen Umriss erkennen, „Miss! Gehen Sie rein!“
„Ich brauche Frischluft…“
„Ich sagte rein da!“
Ich grummelte und stieg erst recht hinaus an die kleine Veranda, „sagen Sie mir nicht was ich zu tun oder zu lassen habe“
Dann pfiff er leise und weitere Soldaten kamen von der Dunkelheit scheppernd herbeigeeilt. Aber ich blieb unbeeindruckt.
„Musstest du jetzt deine Freunde herholen?“
„Noch ein Schritt…“
„Und was?“
„Das reicht jetzt!“
Eine mir unbekannte tiefe Stimme ließ den Soldaten aufzucken. Ich kniff die Augen zusammen und starrte in die dunkle Richtung wo das herkam.
Mach jetzt bloß keinen Scheiß, Layla, und bleib einfach da wo du bist.
Die Stimme setzte in meinem Kopf ihren Dialog vor. Ich biss mir auf die Lippen. Wer war das? Auf jeden Fall eine Bestie, aber wo warst du?
Ich hörte leise Schritte über das feuchte Gras als eine große Gestalt näher kam, er blieb vor den Soldaten stehen die ihn wohl sofort erkannten.
„Rhys, tut uns leid aber wir gehorchen auch nur Befehlen, dass sie nicht aus der Hütte gehen soll!“ das war dieser komische Soldat der seine Freund her gepfiffen hatte.
„Ich möchte nur Frischluft atmen, ist das jetzt auch verboten?“ sprach ich angefressen aus und blieb auf meiner Stelle auf dem Holz stehen.
„Sie ist eines Tages eure offizielle Königin. Also lasst ihr wenigstens diese Freiheit“ die Gestalt kam näher und raschelte etwas heraus, sah aus wie ein Buch, „Kronprinz Rafferty hat ausdrücklich gesagt, dass sie sich frei und ungezwungen am Hüttengelände bewegen kann. Dazu gehört auch die Veranda, meine Herren“
Sie schnaubten aus und ich meine Braue hob. Habe ich was verpasst, der schien Rafe ja gut zu kennen. Oder er tat nur so.
Schließlich teilten sich die vier Soldaten und ließen die Gestalt am Ansatz der Treppe zu mir kommen, er verneigte sich halb vor mir.
„Meine Prinzessin“ er streckte seinen Arm aus den ich ihm gab, als er mir einen Handkuss gab. Ich zog mich schnell daraus.
„Wer sind Sie?“
Ein Freund deines Verlobten, Freund… Mann was auch immer ihr gerade seid antwortete er in meinen Gedanken, fuhr aber dann sprachlich fort, „ein guter Freund, Majestät“
Aha. Damit meine ich was bist du wirklich?
Nun stellte ich ihm mal gedanklich die Frage. Er zuckte nur die Mundwinkel.
„Wenn Ihr genauso schlecht schlafen könnt wie Ich würde ich Euch das gerne drinnen erklären“
Ich hasste das und war schon genug vorsichtig. Dennoch kannten ihn die Soldaten, er musste wirklich zu Rafe gehören und nickte, „ich habe Tee, falls Sie das trinken“
„Zu gerne“

Im Licht schien er ein Mensch zu sein. Aber dann auch wieder nicht. Rhys, so wie er sich nannte, setzte sich ohne Aufforderung lässig auf die Couch und sah kurz um sich. Er hatte azurblaue schöne Augen und die pechschwarzen Haare mit blauen Spitzen waren kurz geschnitten. Eine lange Narbe zog sich von seinem Schlüsselbein bis zum V-Ausschnitt seines weißen Hemdes hinunter das ihm lose und ungezwungen hinunterhing. Seinem Gesicht zu urteilen sah er aus wie 16 oder 17 – ein Milchbubi-Gesicht würde Kira laut sagen.
Dennoch sah er sehr gut aus als er seine langen Beine ausstreckte und jede einzelne Kante des Wohnzimmers begutachtete.
Ich lehnte mich vorsichtig an die Küchenanrichte während das heiße Wasser im Kocher brodelte. Niemand sagte etwas.
„Also?“ fing ich nun an und griff zu der Kanne als sie laut zischte. Es waren nur zwei Tassen im dem Schrank was absolut ausreichte für eine „Zelle“ und ich ihm das einschenkte. Die Kräuter für den Tee waren in einer anderen Lade, das hatte ich schon rausgefunden.
„Ich kanns nicht glauben dass ich von der zukünftigen Königin bedient werde. Haha“ jetzt hörte er sich seinem Alter entsprechend an und ich kurz einen Aufprall hörte. Ich fuhr über meine Schulter, als der Typ seine Beine auf das Tischchen ausstreckte. Benehmen hatte der doch nicht.
„Kannst du deine Füße runtergeben? Da will ich noch essen und trinken drauf!“
„Entschuldige“ brummte er sarkastisch und legte seine Beine wieder da wo sie hingehörten, ich nahm die Tassen und ging zu ihm.
„Jetzt glaube ich sofort das du ein Freund von Rafe bist. Früher hat er das auch gemacht…“
„Ich weiß. Er machts auch jetzt noch wenn keiner hinsieht“ sagte der Fremde gelassen und fing sogar an in der Nase zu bohren. Ich setzte mich gegenüber auf dem Boden, derweil wollte ich noch nicht so dicht auf der kleinen Sofagarnitur sitzen.
„Aber genug von ihm…“ er grinste dabei und nahm die Tasse in die Hand, „mein Name ist Rhys Wellington und Rohan war mein Großvater…“
Ich spuckte den Tee aus, dennoch traf ich ihn leicht an seiner löchrigen Jean. ER hob eine Braue.
„Kein Grund mich anzuspucken, Layla“
„Tut mir leid… aber das kam jetzt zu prompt. Rohan hatte Kinder? Einen Enkel?“
„Glaubst du ernsthaft er wäre nur mit einer Frau zusammen gewesen? Ein 400 Jahre alter Drache? Warum glaubst du gibt es uns noch? Komm schon. Wir sind gleich du und ich. Wir sind die zweite Generation der Bestien… dein Vater ist doch auch ein Mensch. Nur so konnten sie sich vermehren weil es viele der ersten Generation nicht mehr gibt. Oder nurmehr wenige“
Ich wischte mir mit dem Handrücken das Wasser von den Mundwinkeln, „also war deine Mutter ein Mensch als er in menschlicher Gestalt…“
Bitte sag ja weil ich jetzt nicht hören wollte wie ein fast sechs Meter großer Drache Beischlaf mit einem Menschen hatte.
Rhys lachte laut.
„Du bist lustig obwohl ich mir dich viel steifer vorgestellt habe was RAfe alles erzählt hat…“
Selbst sein Lacher hörte sich wie Rafe an, so ungestüm und hart. Ich schürzte mit roten Backen die Lippen, „also ja…“
„Ja. Meine Großmutter war ein Mensch, mein Vater dann eine Bestie, mit meiner Menschenfrau hatte er dann mich. Zufrieden?“ er legte die Tasse wieder scheppernd auf den Tisch, „aber sie starb bei meiner Geburt und ich bei meinem Vater in der Drachengemeinschaft blieb. Sein Name ist Leon, einer der Ältesten des Drachenrats…“
Kurz war ein flüchtiger Anschein von Traurigkeit in seinem jungen Gesicht zu sehen.
„Rohan nannte sich zwar selbst für Waisen Vater, aber zu meinem Vater und mir hatte er nicht das beste Verhältnis. Ironie nicht wahr?“
„Hast du ihn naja.. gut gekannt?“
Rhys hob eine Braue, „er kam hin und wieder zu den Ratssitzungen, doch Dad hatte sich oft mit ihm gestritten warum er menschliche Waisen aufzog und nicht bei der Gemeinschaft blieb. Ich blieb da immer eher neutral. Pfff…“ er spielte kurz mit dem Henkel, sah mich aber immer noch eindringlich an, „du bist sogar gestern auf mir draufgesessen…“
„Oh.. ok“ ich war gerade zu verdattert. Rohan hatte echt einen Enkel?
„Mehr fällt dir dazu nicht ein?“ neckte er mich und wackelte mit den Augenbrauen. Ich schnaubte leise, „ja kein Zweifel: Du bist Rafes Reittier“
„Ich bin kein Reittier“ knurrte er immer noch süffisant raus und nahm den Henkel wieder in die Hand.
„Autsch. Das tut weh“ künstlich legte er seine andere Hand aufs Herz und sah gespielt schockiert drein. Ich schüttelte genervt den Kopf.
„Sorry das war jetzt nicht angebracht, wie hat euch denn Rafe überreden können?“
Ich biss sich nun auf die Lippen, und er einen ernsteren Eindruck bekam.
„Ich glaube das sollte er dir selbst erzählen…“
„Wie denn wenn er nicht reden möchte…“ ich wollte mir nicht meine Enttäuschung anmerken lassen. Aber da war ich noch nie gut.
Rhys blieb noch still und lehnte sich etwas nach vorne um sich an den Knie anzuwinkeln, ich spürte seine azurblauen beobachteten Augen auf mir, „als sein guter Freund und Reittier“
Ich verdrehte die Augen, er lachte leise. Fuhr aber dann wieder fort, „sage ich es dir nur im Vertrauen. Ich kenne ihn jetzt schon seit vier Monaten, wir haben vieles durchgestanden trotz dieser Zeit und ich habe das Gefühl das ich ihn schon lange kenne. Er ist so etwas wie mein Stiefbruder, aber ich sage dir, dass es die völlige Wahrheit ist das er dich nie vergessen hat. Nicht ansatzweise…“
Nun hob ich wieder meinen Kopf zu Rhys hoch.
„Er hat mir soviel von dir erzählt. Mir und Jack. Auch von euren Abenteuern, von Soldaten und Hybriden. Einfach alles – da soll jemand ein Buch drüberschreiben, aber er hat immer wieder betont wie sehr er dich liebt. Einmal wollte er einfach aufstürmen und dich suchen, aber wir konnten ihn noch zurückhalten… naja…. Vielleicht war das auch das Bier. Aber das ist jetzt egal“ er fuhr leise fort, „er hat viel gelernt, aber im Inneren ist er immer noch der Gleiche. Er zeigt es halt nur den Leuten die er gut kennt und liebt. Aber vor seinen Beratern und den Menschen, seinem Volk, versucht er den Schein eines gut erzogenen Kronprinzen zu wahren“
Ich blinzelte weiter hinauf und schnaufte leise aus.
„Ich möchte ihn dabei niemals im Wege stehen, ich wusste von Anfang an sein Potential ein guter König zu sein. Das er soviel mehr Güte und Cleverness hat dieses Land wieder zu einen, aber …“ ich biss mir auf die Zähne, „momentan habe ich ihn nicht mehr als den Mann gesehen in den ich mich verliebt habe. Ein Wilder mit dem großen Herzen und frechen Spruch… das ihn so anders als alle anderen machte“
„Wow“ raunte Rhys ausdruckslos und stellte seine leere Tasse auf den Tisch, „dann ist die ganze Schnulze was er mir fast fünf Monate erzählt hab doch kein Bluff. Und so hat er auch die ganzen Weiber rumgekriegt…“
„Noch ein Wort…“ bebte ich verärgert und war erst etwas verwirrt warum ich ihn kurz anfing zu mögen.
Schnell wedelte Rhys mit seinen Armen wild herum, „nein, nein, das habe ich nie erwähnt. Rafe und Henry waren ganz brav… obwohl der Abstecher im Stripclub letzten Monat an Henrys Geburtstag echt sehenswert war“
„Was zum Geier macht ein Drache im Stripclub?“ ich streckte mich etwas am Boden und ließ die azurblauen Augen des Drachens nicht los, alleine die Vorstellung das er sich in ein fast drei Meter großes Vieh verwandeln konnte mit diesem eigens konstruierten Sattel, ich malmte mit dem Kiefer.
Schulterzuckend fuhr er sich durch seine schwarzen Haare und ließ nur eine lächelnden Laut aus, „hey, ich bin auch nur ein Teenie auf Partnersuche“
Schließlich sah er mich auch wieder an und die Stille wiederkam.
Rafe hat echt Glück
Warum sagte er das wieder in Gedanken als mich sein friedlicher Gesichtsausdruck nicht losließ.
„Warum?“ antwortete ich laut und blinzelte dabei nicht, „ich bin eine Harpyie. Ich könnte ihn jederzeit umbringen, wie alle anderen Harpyien vor mir…“
Weil du nicht so bist
Somit stand er langsam auf und richtete sich noch seinen Kragen, „und wunderschön hab ich das schon erwähnt“ Rhys grinste und ich etwas glühte, sagte aber nichts darauf.
Der junge Mann machte kehrt zur Tür, dennoch blieb ich noch sitzen und starrte ihn an.
„Die Geschichten was alle über dich erzählen – sind alle wahr. Vor allem deine Schönheit, du bist bereits eine kleine Berühmtheit, Layla Fray“
Grinsend verschwand er aus der Tür und der sanfte Klang des Schlosses noch leise hallte. Nun war es wieder leise.
Aber meine heißen Backen wollten nicht vergehen.

 

Die heiße Dusche tat gut. Es war bereits morgens, aber die vier Stunden Schlaf waren einfach genug um nicht mehr Nachzudenken.
Das Wasser prasselte auf meine nackte Haut während draußen schon die ersten Spatzen zu zwitschern anfingen, selbst einige raunende Menschen die sich in aller Frühe schon an ihre Arbeiten aufmachten.
Ich massierte meinen Nacken, und ließ meinen Kopf sinken. Der Duschkopf spendete mir prickelndes Wasser und ich einfach in der winzigen Kabine stehen blieb. Einzelne rote Strähnen versanken im Abfluss und ich einfach nichts tat. Wie sehr ich das hasste! Dabei müsste ich jetzt bei Lias Körper sein, etwas für sie Schreiben oder ihr ein Grab schaufeln während Larissa mit den anderen noch im Nest war.
Aber dann hörte ich ein Geräusch das vom Wohnzimmer kam, ich hatte meine Badezimmertüre für den Notfall leicht angelehnt und hob sofort meinen Kopf als ich über meine Schulter spickte. Der Dampf verhinderte nicht meine geschärften Sinne, es waren Schritte. Jemand versuchte wohl lautlos über den knarzenden Holzboden zu gleiten, was ihm nicht gelang.
Schnell drehte ich das Wasser ab sodass nur einzelne tropfende Geräusche zu hören waren.
Wenn man lange unter Harpyien wohnt, konnte man nie wissen wer oder was da herkam. Leider entwickelte man hier eine gewisse Paranoia, ich drehte mich aber nicht um und lauschte. Gab jedoch keinen Mucks von mehr. Die Angewohnheit immer etwas waffenähnliches bei sich zu haben konnte ich auch nicht mehr leugnen. In der Ecke der kleinen Duschkabine stand noch ein Holzpflock, den ich gestern noch nach Rhys Besuch, aus dem Boden meines Zimmers riss. Es konnte zwar keinen umbringen, aber Schachmatt jagen sowieso. Und wenn es jemand wäre den ich kannte, wäre er sicher nicht so dumm in die Hütte einer Harpyie einzudringen ohne den kleinsten Mucks.
Das Wasser tropfte mir über den Körper und die Türe leise quietschend aufging. Hinter dem Vorhang kam eine große Gestalt näher und meine Zähne etwas bibberten.
Und dann machte es plopp im Kopf. Wer kam immer unerwartet in meine Privatsphäre? Wer konnte es nie erwarten bis ich fertig war mit dem Umziehen und wer hatte keinen Anstand mich immer nackt in der Wildnis zu sehen.
Langsam senkte ich den Pflock und hatte der Gestalt hinter dem Vorhang immer noch meinen Rücken zugedreht.
„Morgen“ raunte Rafes Stimme grinsend in meine Richtung, aber er kam nicht wie gedacht in die enge Kabine reingeplatzt.
„Herrgott“ ich verdrehte die Augen, aber meine Herzschläge wollten sich trotzdem nicht beruhigen, „keine gute Idee bei der gefährlichen Harpyie ohne Mucks reinzuschneien. Ich hätte dir eins überbraten können“
Ich hatte gerade Lust es zu tun, immer hin hatte ich den Pflock immer noch in einer Hand.
Rafe gab einen lachähnlichen Laut von sich bis er seinen verschwommenen Kopf hinter dem Vorhang zur Seite warf, „hätte böse enden können… und schmerzhaft. Autsch“
Ich grinste dabei leicht über die Schulter. Das war jetzt wieder Rafe. Der Rafe, von der Wildnis mit dieser leichten Beschaulichkeit und mein Herz sich etwas bei diesem Laut aufwärmte.
„Aber du kennst mich… deshalb möchte ich …“ er setzte kurz aus und schnaufte, „bevor du voreilige Schlüsse ziehst mich mit einem Pflock niederzustrecken, möchte ich dich fragen: Weißt du warum ich es tat, Layla?“
„Das fragst du mich hier?“ ich klang etwas quietschig und drehte mich immer noch nicht um, stattdessen machte ich das Wasser wieder an. Aber ich musste mich eingestehen was gestern noch geschah und meine Lider sich etwas senkten. Nach sekundenlanger Pause redete ich nun durch das Wasser, als es wieder über meine Haut glitt. Angenehm weil es kühlte, mir wurde wieder übelst heiß wenn dieser Blödmann hinter mir stand.
„Ich weiß warum. Aber du musst auch meine Sichtweise verstehen… und… meinen Verlust“ ich dachte wieder an Lia und presste die Augen zusammen.
Rafe fuhr sofort ruhig weiter, „tut mir leid, Layla. Wirklich“
„Hör auf dich zu entschuldigen, das passt nicht zu dir“
„Was soll ich sonst hier tun? Ich … ich will nicht das du denkst das die Krone Vorrang hat. Das wollte ich nie und werde ich nie“ sagte er leise durch das Wasser und ich meine nassen Haare nach hinten strich. Seine Stimme wieder in dieser Stärke zu hören, ich vermisste es so ohne das es unterging. Nichtmal eine Sekunde.
„Wir haben uns beide verändert. Das ist der Lauf der Zeit, Rafe“ sprach ich nun raus und presste meine Stirn an die Wand, „es ist nur so ungewohnt“
„Amen“ Rafes Worte hallten selbst über das Prasseln und mein Herz so schmerzte. Wie sehr ich es wollte, ich könnte ihn jetzt in die Kabine zerren, aber würde er das noch machen? Der Vorrang wurde von der anderen Seite zur Seite gezogen. Ich zuckte kurz zusammen. Obwohl Rafe mich schon oft nackt gesehen hatte, fühlte ich mich jetzt beschämt all meine verblassten Narben am Rücken ihn zu zeigen. Selbst die beiden großen an meinen Schulterblättern, die hoffentlich von meinen Haaren verdeckt wurden.
Wie ich zuerst dachte sprach er nichts raus. Ich spürte nur seine bohrenden Blicke die Narbe für Narbe und Haut für Haut begutachteten und analysierten. Ich zog den Atem scharf ein, machte keine Anstalten mich umzudrehen oder meinen Körper zu verhüllen. Ihm gehörte er. Niemand anderes würde mich so sehen.
„War sie das?“ nuschelte er heraus und ich leichte Wut unter der zitternden Stimme erkannte.
Nun berührte ich meine Haare und strich drüber, „sie entstellte meinen Körper mit Training und sinnlosen Allüren. Ich …“ ich biss mir auf die Zunge, mir verschlug es sichtlich die Sprache.
„Sie redet da unten nur so Scheiße das du Alexanders Tochter bist, was keineswegs stimmt, Layla ich hoffe das hat sie dir nicht eingeredet“
„Nein… wie oft habe ich es mir ausgeredet, dass das alles nicht wahr ist. Ich bin die Tochter von Jack Fray“ ich drehte mich nun über meine Schulter und konnte ihn endlich erblicken. Seine feinen Gesichtskonturen erhärteten sich mit jedem Wort das über meine Lippen kam. Jeder Muskel zuckte bei einem Blick in meine Augen und mein Herz immer schneller schlug das mein Körper sich bereit machte ihn endlich anzusehen. Mit einem flehenden Blick, ich wusste gar nicht mehr das ich das konnte.
Die schwarzen Fransenhaare standen frech in alle Richtungen und sein olivgrünes Trägershirt, das so sehnig an seinen Schultern lag, spannten all seine Muskeln darunter an. Wie gerne ich über die wenigen Bartstoppeln an seinem Kinn und Wangen streichen würde, „ich habe es immer gewusst, Rafe“
Smaragdgrüne und willensstarke Augen landeten endlich wieder in meinem Blickfeld und eine lange Falte sich dazwischen legte. Ich kannte nur zu gut diesen Blick und mein Puls in viele Höhen rauf und runter ging.
„Sie hat dich nicht gebrochen“ er schritt herein sodass er mir sehr, sehr nahe kam. Aber das war mir egal. Ich drehte mich immer noch nicht ganz zu ihm um und flatterte mit den Lidern.
„Du bist nicht sie“ nun hob er endlich seine Hand und er meine Schulter berührte. Sofort verbrannte meine kühle Haut darunter, durch seine Berührung lebte alles darunter wieder. Mit dem Daumen strich er mein Schlüsselbein nach. Es war zwar ein kleiner Funke, aber es war so eine intime Berührung für mich das ich nicht von ihm ablassen konnte. Dadurch das er auch fast im Wasserstrahl stand, wurde er genauso nass wie ich.
„Nein“ ich drehte mich ganz zu ihm, als ich seine andere Hand an meiner Hüfte spürte, Rafe zog mich näher zu sich hin.
„Niemals werde ich wie dieses Biest, die soviel zerstört hat. Aber sie hat mich nicht zerstört…“
Seine ernstere Miene wandelte sich schnell zu einem frechen Lächeln.
„Ich habe sie vermisst. Mein Mädchen unter den Federn“ sprach er über den Strahl hinaus und ich mich nun vollends zu ihm umdrehte, sodass ich in seinen sehnigen Armen lag.
„Ich habe ihn auch vermisst“ ich hob meinen Arm und streichelte seine raue Wange, seine grünen Augen verschlangen mich schier vor Verlangen.
„Den jungen Wilden mit dem schelmischen Grinsen“ nun konnte ich auch wieder aus Herzen lächeln. Und es tat so gut.
Rafe senkte seinen Kopf zu mir herab, das unsere Lippen schon so nahe waren das uns nichts mehr trennen konnte. Und sein nasses Shirt, das seine muskulöse Brust so gut zur Geltung brachte, brachte mein Blut zur Wallung.
„Eure Majestät!“ rief plötzlich jemand ins Wohnzimmer und wir beide wütend ausschnauften. Vorbei war es mit der Zweisamkeit, nur Millisekunden später und jemand von uns hätte den anderen glücklich gemacht. Denn Rafes Körper hatte mich schon zur Wand gepresst, sodass ich ihm nicht davonlaufen konnte. Wir standen sogar so unter Spannung das unsere Lippen sich nur flüchtig berührten.
Rafe schnaufte verärgert aus und rief über seine Schulter, „ich bin beschäftigt! Verpfeift euch“
Meine Hand wanderte zu seiner Brust, wo sein Herz darunter wie wild schlug. Das Wasser rannte uns immer noch wie in Strömen über unsere Körper. Der Wachmann blieb brav hinter der Tür und er redete, dass Rafe mit Ash bei den Drachen gebraucht wurden. Rafe wollte wirklich protestieren, aber es sei sehr wichtig, bis ich meine Arme hob und sein Gesicht zu mir senkte, damit er sich wieder auf mich konzentrierte.
„Geh“ sagte ich sanft und streichelte seine Wange. Er runzelte die Brauen.
„Geh. Wir setzen das fort“ ich stellte mich auf Zehenspitzen und er sofort reagierte als wir uns in der Mitte trafen, als ich ihn wieder küssen konnte. Wie ein Verdursteter küsste Rafe mich als seinen letzten Anker und ich endlich wieder seine warmen Lippen an meinen spüren konnte. Er schlang sofort seine Arme um meine Taille und presste mich an die Wand, ich wuschelte durch seine Haare und würde noch soviel mehr berühren, aber dann riss jemand am Vorhang, „SEX.SEX.SEX. Los los und keine Scheu, ich hole Popcorn!“
Ich piepste kurz als Rafes Arme sich fester zu sich zogen. Wir stoppten und Rafe mit einem kräftigen Stoß Rhys zurückstieß und den Vorhang voller Gewalt wieder zuzuog.
„Blöder Hund! Das nächste Mal in seine Fresse!“
„Autsch. Hey… und Layla. Sexy Körper, hahahah“
Rafe drehte sich wieder zu mir küsste meine Stirn, lange und ausgiebig, „wir sprechen später weiter…“
Schnell nickte ich und schloss die Augen, aber so schnell er diese Geste zuließ stürmte er schon hinter den Vorhang und ich laut Gerangel dahinter hörte, als Rafe ihn zuzog damit mich keiner sehen konnte.
„Ich schlage dir die Schuppen von den Augen…!“
„Autsch…Rafe… HEY!“ Rhys klang gespielt verschmerzt, aber dann wurde die Tür aufgerissen und die beiden weiter diskutierten, „wenn du noch einmal in die Dusche reinstürmst wenn Layla nichts an hat, ertränk ich dich!“
„Ich habe doch nur diese glatten und weichen Schenkel gesehen die dich fast an sich krallten. achja und deinen Rücken. Igitt… AUTSCH“
Diesmal musste Rafe ihn wirklich fest gehauen haben und ihre Stimme verstummten.
Ich stand immer noch mit heißen Wangen und geschwollener Lippe vor Rafes Kuss unter der Dusche. Ich lächelte unter meinen Fingern, die meine Lippen streiften.
Ich war wieder da. WIR waren wieder da.

Jack Fray

 Die nächsten Tage passierte nicht viel. Rafe kam nicht mehr vorbei, nur eine Nachricht mit einer Rose und einem Buch das ich von früher kannte. Ich grinste bei diesem Geschenk.
Anderen Besuch bekam ich auch wieder und meine Gedanken weit ausschweifte.
Zum Beispiel kamen Henry, Kira und sogar Lex zu Besuch um mit mir zu quatschen. Es kam mir so vor, dass der mittlerweile 11-Jährige etwas wuchs und nicht von meiner Seite wich. Immerhin ging er mir schon bis zur Schulter und er mit mir Tee kochte. Lex schrieb gerade ein Manuskript seitdem er hier mit anderen Kindern in den Unterricht ging um seine Schreibfähigkeiten verbesserte, und er versprach mir das erste Kapitel lesen zu lassen. Er strahlte mit diesem frechen Blick, mit dem er Rafe so ähnlich sah und ich wie aus Natürlichkeit ihm die Haare aus dem Gesicht strich. Er gedieh hier seit Rohans Tod so prächtig und das machte mich stolz.
Kira hielt mir dauernd unsere Kleider vor die Nase und so verging die Zeit. Chloe hatte sich die Farbe lachsrosa für uns beide gewünscht und es wieder ungewohnt war eine Nähnadel in den Fingern zu haben statt einem Schwert.
Von Rhys bekam ich auch einmal Besuch, ich sprach das Misere aber nicht an von der Dusche, als er mir Zimtschnecken zum Frühstück vorbeibrachte, ich kochte ihm stattdessen einen Kakao aus den Bohnen die sie hier anbauten.
Ash kam einmal kurz vorbei wo wir uns fest umschlangen und die Umstände trotzdem noch verschwiegen. Natürlich fragte ich nach Becky. Ash erklärte mir sie ginge, wie Lex hier in den Unterricht und ihr es etwas besserging. Und sie bereits wusste, dass ihre Mutter wohl nie wieder kommen würde. Die genauen Umstände von Celines Tod hatte Rafe Ash bereits erzählt. Dennoch war dieses tiefe Gespräch mit ihm sehr viel goldwert. Dennoch erzählte er mir nichts von Leia und den Harpyien, beziehungsweise das sie hier wären und Leia verhört
.
Aber dann am 5. Tag konnte ich es nicht mehr aushalten als ich alleine mit einem Buch auf der Veranda saß. Mein unfertiges Kleid lag neben mir und ich einfach zu dem Platz und den Menschen vor mir waren. Immerhin starrten sie mich nicht mehr böse an und die einzelnen Häuser schon gut repariert wurden. Alles schien hier wieder seinen normalen Ablauf zu haben als ich mit den Fingern über den Einband des Romans „Die verwunschene Prinzessin“ fuhr und monoton nach vorne blickte. Auch der Soldat stand wie jeden Tag brav an seinem Platz vor den Treppen meiner Veranda.
War es gegen jede Vernunft? Würde mich Rafe dann vollends in ein Verlies zu Leia stecken? Ich hatte doch nur zwei Tage, aber… Langsam stand ich auf und legte das Buch auf die andere Seite als ich nach vorne schritt.
Lass dich nicht mehr einsperren!
Nicht mal von deinem Zasahik! Dein ganzes Leben hatten sie dich in Käfige gesteckt…
Ich musste zu Larissa, weil die letzten Harpyien gestern verschwanden, ich sah seitdem keine mehr am Himmel und das machte mich etwas nervös. Und niemand gab mir die nötigen Infos warum ich nicht besorgt sein mussten. Mir stands schon bis oben! Ich biss mir auf die Lippen und schritt nochmal vorsichtig nach vorne, das Holz knarzte leider unter meinen Stiefeletten.
Bevor sich der Soldat umdrehen konnte war ich zu schnell für ihn. Meine Schulter schmerzte noch beim Vorschnellen das ein zischendes Ziehen sich bis Arme und Brust zog, aber ich überlistete den Soldaten mit einem einfachen Beingriff. Mit einer Bewegung war er kampfunfähig und flog in den Sand als die anderen von der Seite schon schreiend näher kam, aber ich lief stattdessen hinaus.
Heute hatte ich ein weißes kurzes Kleid an seit ewig langer Zeit und es wehte im Lauf und ich einfach leise lachen musste. Ich fetzte an all die Menschen im Gedränge des duftenden Marktes weiter während ich die Soldaten die meine Verfolgung rasch aufnahmen, aber meine schlanken Beine waren Laufen bereits gewöhnt. Sie waren auf Höchstleistung trainiert worden. Ich hätte ja meine Flügel ausbreiten können und wegfliegen, aber hier wollte ich den Menschen nicht noch mehr Angst machen. Ich sprang wie in den alten Filmen um Marktstände und fiel fast mit einer Frau zusammen mit einem Korb voller Obst, ich entschuldigte mich hastig und lief weiter während nun alle Menschen sich auf mich richteten.
Erneut hörte ich von der Ferne meinen Namen aber ich blieb keinesfalls stehen. Schließlich kam vor mir ein großer Heuwagen zu stehen, als ich anmutig aufsprang und fast darin einsank und wieder runterhüpfte. Der Esel der ihn zog wieherte laut, der Fahrer fluchte etwas laut mir hinterher. Nun schlitterte ich in eine kleine Seitengasse, als ich schon meine Flügel ausbreitete um zu dem Holzdach zu gelangen, nur ein Zug und ich war oben als ich das große Dorf um mich herum sah. Selbst die vielen Zelte die darum gelegt wurden. Der Wind blies von meinem Zopf herum und ich schnell auf den Schindeln balancierte. Selbst das beherrschte ich gut und unter mir plötzlich Kinderrufe zu hören waren:“ DA! Das ist sie! Die hat wirklich rote Haare! Wie Feuer!“
Mein Blick senkte sich nach unten, als einige Mädchen und Jungs versuchten am Boden mit meinem schnellen Tempo mitzuhalten.
„Wenn ich groß bin möchte ich auch so wie sie werden!“ hörte ich ein Mädchen und das versuchte mir ein breites Grinsen nicht zu verkneifen, das ich zum nächsten Dach wie eine Katze sprang.
„Hey können wir mitfliegen?!“ das war ein kleiner Junge, der kleinste der Gruppe.
„Bist du die Harpyien von der sie alle reden! Ich möchte mal wie du werden. Eine Kriegerin! Bringst du es mir bei?!“ wieder das Mädchen, mit den blonden Lockenhaaren als ich meinen Daumen hochstreckte und rief, „wir sind Mädchen, wir kämpfen jetzt auch!“
Ich? Ein Idol? Ich wurde wieder rot und ließ mich vom nächsten Dach los als ich sanft im Gras landeten und in den Wald lief. Die Soldaten kamen mir gar nicht nach weil ich so flink war. Ich wich verzweigten Ästen und dichten Bäumen aus als ich tänzelnd auf dem feuchten Waldboden entlanglief. Die Luft machte alles reiner und nur einzelne Sonnenstrahlen sich durch das Baumlaub über mir kämpften. Aber dann dämmerte es mir. Ohne Mal hatte ich keine Ahnung wie ich zurückkonnte. Meine Schritte wurden langsamer und ich an einen See herauskam. ER war so klar und blau das er richtig zum Baden einlud. Ob hier wohl einige Menschen das bereits machten? Aber bis jetzt niemand weit und breit und ich leise ausatmete.
Dennoch atmete ich fest ein und aus. Freiheit. Einfach frei zu sein und ich meinen Zopf aufmachte damit meine Haare wie ein Wasserfall über meinen Rücken fielen. Schnell zog ich mein Kleid und Stiefeletten aus um weiterzuschreiten.
Mein Gesicht spiegelte sich in diesem märchenhaften See, wo Libellen und kleine Frösche ein zuhause inmitten dieser Welt fanden. Unbefleckt und weit weg von den bösen Machenschaften. Meine Beine berührten das kalte Wasser als ich weiter und weiter hineinging bis ich mich abstoßen konnte um zu schwimmen. Ich tauchte unter in die dunkle Unterwasserwelt und machte einige Sätze um weiterzukommen. Die Kühle tat meinem heilenden Sonnenbrand gut und wohl, wie eine Kur.
Dann brauchten meine Lungen wieder Luft und ich nach oben paddelte. Laut schnaufend nahm ich die Luft und das Leben entgegen, wie es durch meine Poren strömte und ich meine Augen gen Himmel richtete. Ich schwamm rückwärts und hörte nur mein eigenes Plätschern durch den See.
„Diese Stille…. Atemberaubend nicht wahr?“
Schnell fuhr ich um sodass das Wasser ein plätscherndes Geräusch tat und sah einen gebrechlichen Mann der am Ufer stand. ER hielt sich an einem Stock fest damit er sein Gewicht verlagern konnte und sah mich freundlich an. Schnell schwamm ich einige Sätze zurück, „wenn Sie spannen tuts weh, das garantiere ich“
Helle braune Haare waren zu einem Kurzhaarschnitt geschnitten, wo aber die Spitzen bereits grau meliert waren, und dunkelblaue Augen in Falten sich in meine brannten. Der eigenartige Mann war in Hemd und Stoffhose, so wie sie hier wohl alle angezogen waren, gekleidet und schien mir dünn und schlaksig. Auch nicht sehr groß wie andere Männer seines Alters, das ich nicht älter als 50 annahm und dennoch war seine Gegenwart merkwürdig. Er kam mir bekannt vor. Langsam drehte er sich um, dass ich nur seinen langen Rücken sah, „ich spanne nicht. Meine Güte, das wäre das Letzte was ich möchte, aber ich würde Sie gerne wieder zurückbringen. Wenn das angenehm ist“
„Hmh… ich möchte mich nicht mehr länger einsperren lassen und nichts tun. Sagen Sie das dem Kronprinzen!“ beim letzten Wort verfing sich ein finsteres Knurren und ich sofort wieder meinen Mund zuschnellte.
Aber er ließ sich nicht einschüchtern, im Gegenteil: Der Fremde lachte leise und drückte sein Gewicht näher an den Stock, „warum sagst du das ihm nicht selbst? Ich bin mir sicher er hat ein Ohr für dich…“
„Ich weiß nicht wer Sie sind, aber Sie haben keine Ahnung“
„Tun Sie mir den Gefallen. Ich bin kein Feind. Wirklich“ sprach er nun ernster, aber dennoch gefasst in meine Richtung ohne sich nochmal umzudrehen.
„Zeigen Sie dass Sie eine Königin sein können. Ich weiß dass Sie eine vernünftige junge Frau sind, also sind Sie sich dessen bewusst. Sie haben hier viele Anhänger, also vergraulen Sie die nicht… bitte“ die letzte Silbe erschütterte etwas meine Magengegend und ich leise seufzte. Ich hatte den Mann noch nie gesehen, aber irgendwas sagte mir er sagte die Wahrheit. Die blanke Wahrheit.
„Ich bringe Sie dann auch gerne zum Kronprinzen. Ist das ein Deal?“
Schweigend schwamm ich zurück zum Ufer und schnappte mir das Kleid das ich an meinen nassen Körper zog, kurz wand ich noch meine Haare aus und schlüpfte in die Stiefeletten. Besser als jetzt konnte ich nicht aussehen und räusperte mich, „geht schon“
Doch er drehte sich immer noch nicht um und atmete nochmal langsam aus. Jemand schnellte wie der Blitz an dem Fremden vorbei und er mich mit voller Kraft auf seine Schultern hievte. Japsend wollte ich mich befreien, aber zu spät. Jemand hinderte bereits das ich kämpfen konnte.
„Vergiss es Prinzessin“ aber Rafe war es nicht der das sagte und ich laut fluchte, „Rhys! Lass mich runter!“
„Haha. Nö“ lachte mich Rhys mit tiefer Stimme aus. Mist.
Wieder seufzte der Fremde vor mir und drehte sich endlich um als ich aufhörte mich zu wehren. Genau wie Rafe, Henry und Ash hatte er unglaublich viel Kraft in seinen Armen und ich mit verbunden Händen und Füßen nicht wegkonnte. Der Drache in Menschengestalt hatte mich gefangen und ich tappte in die Falle.
Ich kniff die Augen zusammen und funkelte den alten Mann an.
„Eine Notwehrmaßnahme, junge Dame. Seien Sie mir nicht böse…“
Aber ich antwortete ihm nichts darauf, als ich es zuließ wie ich zurück ins Dorf getragen wurde.

 

„Mensch du hast sicher keine 50 Kilo oder? Ich hebe dich mit einer Hand. Haha. Fliegengewicht“ lachte mich der Drache auf den Schultern aus als ich grummelnd einfach nichts drauf antwortete.
„Also ganz ehrlich, ich hatte Angst mit dir Beischlaf zu praktizieren…“
So jetzt reichte es! Anfangs dachte ich er wäre guten Benehmens, aber der war ja genauso schlimm wie…
„Halt die Klappe sonst trete ich dir wohin wo es wehtut! Selbst bei einer Drachenbestie!“, ich schäumte, doch ich wurde nicht wie ich zuerst dachte zurück in meine Hütte getragen sondern über den Platz mit dem verzierten Brunnen weiter in ein anderes Haus. Ein größeres Haus als Rhys mich weitertrug.
„Du kannst doch reden, Prinzessin…?“
„Rhys hör auf damit“ mahnte der Fremde der trotz Stock locker mit Rhys langen Schritten mithielt, „wie würdest du reagieren, wenn dich jemand zurückträgt?“
„Ich würde mich verwandeln und ihn verbrutzeln“
Ich höre schon den Fremden seufzend die Augen verdrehen als er eine große Tür aufschlug die einem Ratszimmer glich. Doch ich war noch immer nach hinten getragen als Rhys mich weitertrug.
„Könnt ihr mich jetzt runterlassen? Ich weiß korrektes Verhalten liegt mir nicht mehr ganz…“
Rafe ist stinksauer, Prinzessin wieder redete Rhys mit mir in Gedanken und ich konterte: „Und wenn er der letzte Mensch der Welt wäre wäre mir das egal. Wer sind Sie überhaupt?“ ich wollte zurückblicken, bekam aber keine Aussicht als ich von den Schultern genommen wurde.
Nun konnte ich das Zimmer besser in Beschlag nehmen. Ich wurde an die Spitze eines langen Tisches gesetzt mit vielen Stühlen, doch die waren leer.
Der lange Raum erinnerte mich echt an den großen Besprechungsraum von Floyd Ashton in seiner Firma, als kleines Mädchen war ich mal dort bis ich merkte wie jemand von der anderen Seite näher trat. Zwei Gestalten.
Rafe kam von rechts, Ash von links. Es war schon zu lange her, dass mein Herz in diesen ungleichmäßigen Takt schlug, aber mir entgingen die roten Backen von Rafe nicht. Selbst in seinem gebräunten und schönen Gesicht. Ich bemühte mich um einen erzürnten Blick, blinzelte aber dann um ihn in dem Hemd und Hose zu ignorieren. Der kratzige Bart konnte auch mal rasiert werden, aber verdammt. Das passte ihm so gut. Nur zu gut erinnerte ich mich an unser Wiedersehen vor ein paar Tagen und meine Miene wieder bröckelte.
Ash war wieder sehr formell gekleidet. Er tauschte die Rüstung, wie Rafe, gegen ein blaues Hemd das an seiner Brust spannte und einer schwarzen Stoffhose. Beide blieben gleichzeitig stehen und ich immer noch stolz gerade aus starrte.
„Meine Güte, Layla“
Der Fremde kannte meinen Namen? Ich zog meine Braue hoch als er mir seine Jacke überzog, dabei sah ich an mir runter. Durch meinen nassen Körper konnte man durch mein weißes Kleid ziemlich viel sehen. Der Mann war so nett mir seine dünne braune Jacke über meine nackten Schultern zu legen. Ich nickte und zog es mir weiter hinunter.
„Woher kennen Sie meinen Namen?“ fragte ich unschuldig, und wollte zurücksehen um von Rafe und Ash abzusehen. Doch der Fremde lächelte lautlos und ging wieder in die Ecke zurück mit seinem Stock.
„Layla. Hier spielt die Musik“ sagte nun Ash endlich mal und ich mich zwang wieder nach vorne zu sehen. Das Licht schien matt in diesem düsteren Raum und er die Arme verschränkte. Rafe steckte lässig seine Hände in die Hosentasche ohne von mir loszulassen.
„Nur eine Woche, Layla. Mehr habe ich nicht verlangt“ fing er nun an und ging einen Schritt nach vorne, seine smaragdgrünen Augen starrten mich weiter an als er nur mein Gesicht musterte.
„Ich…“ ich biss auf meine Zähne und hielt nun seinem Blick stand, „ich lasse mich nicht mehr einsperren. Ich war bei Leia eine Gefangene, in meinem Kopf bin ich das wohl immer noch, aber meinen Körper lasse ich nicht mehr in einem Käfig einschmoren. Ihr müsst mich bitte verstehen“
Ich sah zurück zu dem Fremden und Rhys, dessen Miene wirklich trauriger wirkte.
„Ich weiß nicht ob ihr mal eingesperrt wurdet, aber ich halte das nicht mehr aus…“
„Niemand hat dich in einen Käfig gesteckt…“ Ashs ruhige Stimme ließ meinen Kopf wieder nach vorne schnellen.
„Nein, Ash, einfach pscht…“ raunte Rafe mit genervter Stimme und sah gar nicht ab von mir als er sich seinen Nacken rieb, „Gesetz ist Gesetz. Sogar in der Wildnis und glaubst du wirklich wir hätten dich außen vorgelassen? Jetzt? In diesen Zeiten? Nach fünf Monaten?“
Ich beobachtete jeden zuckenden Muskel in Rafes Gesicht. Ich fragte mich ob er noch unser Gespräch unter der Dusche wusste und meine Braue wieder zuckte, „ich habe dir die Armee der Harpyien geschenkt, dennoch möchte ich wissen was… was ihr jetzt mit Leia macht und welche Pläne ihr habt? Das mit den Drachen und… alles!“
Stille lenkte sich um den Raum und ich nur ein Seufzen im Hintergrund hörte – es klang wie der Künstler.
„Zwei Tage noch, Layla, dann wirst du im Rat aufgenommen – du hast unser Wort“ schaltete sich nun Ash ein und seine hellblauen Augen mich durchbohrten. Ich sah ihn nur vom Blinkwinkel und konzentrierte mich auf den Kronprinzen. Denn nur er war in der Lage das zu befürworten.
„Derweil sieht die Sachlage so aus, das Titania sehr viel Wissen über den Feind hat, Wissen das wir uns zunutze machen sollten. Und außerdem sind die Harpyien noch nicht wiedergekehrt…“ Ash sah zu Rafe, dann wieder zu mir, „Leia weiß viele Infos, aber sie benimmt sich immer noch so als ob ihr hier alles gehört und sagt Sachen… verstörende Sachen“
Ich biss mir auf die trockenen Lippen und senkte meinen Blick zu einem Gegenstand, den Rafe leise aus seiner Hosentasche schob. Er legte den goldenen Halbmond lautlos auf den Tisch und schob ihn in meine Richtung.
„Und sie redet… vielleicht besser mit dir als Alexanders Tochter“ Schon alleine wie Rafe das Wort aussah fröstelte es ihm obwohl er es nicht gerne herzeigte. ER konnte sagen was er wollte, aber das Leia ihre Vermutung weiterhin bestehen ließ, ich wäre die Tochter des Kronprinzen lässt ihn auch nicht kalt.
„Ich habe auch von Schlangenbestien einiges in Erfahrung gebracht“ ich sah hoch, „Andrew wird die Tochter des Schlangenkönigs heiraten, vor dem hat sogar Leia Angst und sie möchten einen Kampf: Bestienkönigin gegen Bestienkönigin“
Rafe und Ash sahen mich wortlos an. Aber Rafe war wieder zu schlau dafür, „du gegen seine Verlobte?“ er klang so kühl und monoton das es direkt schmerzte. Ich hörte ein leises Räuspern hinter mir, „das sieht Shane wieder ähnlich!“ das war Rhys. Anders als sonst klang er giftig.
Ich sah immer noch zu Rafe hoch und seine steife Miene härter wurde. Aber er musste das machen, ich musste das akzeptieren. Schnell nickte ich.
„Titania weiß auch viel über die Schlangen und Hybride“ Rafes grüne Augen fielen hinter mich, bis er wieder zu mir hinuntersah und seine lässige Haltung lockerte, „sie kennt die Stadt wie kein Zweiter oder wie das wahre Arsenal von Andrew aussieht. Wir haben keine Spione mehr da draußen, sie könnte uns die nötigen Infos geben. Immerhin hat sie genug Schlangen verhört…. Oder?“
Ich zuckte die Achseln und fuhr fort. Eigenartig so mit Rafe zu sprechen.
„Wir haben Schlangenbestien und Soldaten in der Gegend der Klippe gejagt. Zwei von ihnen nahmen wir schwerverletzt zurück zu ihr, aber nachdem sie mit ihnen das Verhör gestartet waren, waren sie schon tot in ihrem Wohnsaal…“
Diese töten Körper wie Leia sie zurichtete, aber ich bekam leider nie raus was die Schlangen ihr erzählten. Selbst Larissa wusste das nicht.
„Sie wird reden, Layla“
Ich sah über meine Schulter zu dem Künstler, der sich in die Ecke zurückgezogen hatte. Seine Arme verschränkt über seinem viel zu großem Hemd, dafür mit umso kühleren Augen als vorher beim See. Ich konnte nicht glauben, das er fast meine Augen hatte. Ich biss mir auf die Zunge, „Leia wird schwer reden. Sie möchte immer das letzte Wort und geht wie Andrew über Leichen. Sie hat ihn sogar eingeschüchtert als er vor Wochen eine Drohne in die Klippe geschickt hat….“
„Und du wolltest sie umbringen…“ fing sich Rhys ein, aber ich ignorierte ihn. Stattdessen sah ich weiter zu dem Künstler, „ihr wisst nicht wie sie sein kann…“
„Doch, aber diese Frau draußen als ich sie beim Kämpfen sah, war wie ich sie kannte eine ganz andere Person…“ der Künstler lockerte seine steife Haltung und verlagerte sein Gewicht. Doch die Augen bekamen eine weichere Geltung als er so sprach.
Ich blinzelte ihn an, „was wissen Sie? Wenn Sie ein Überlebender von Leias Verführungskünsten sind, beglückwünsche ich Sie herzlich. Aber mit dieser Frau kann man nicht mehr reden!“
„Sie mag verrückt klingen. Selbst mit dieser Anschuldigung Sie wären Alexanders Tochter - das ist eine Lüge. Ihr Wahnsinn traf sie erst als sie ihn kennenlernte…“
„Sie reden davon als wären Sie dabei gewesen…“ sagte ich leise und konnte nicht mehr nach vorne blicken. Mein Herz schlug laut und kraftvoll durch meine Rippen.
„Weil ich dabei war. Und ich diesen Tag nie vergaß… ein winterlicher Februarabend vor 28 Jahren“
Ich konnte nichts mehr drauf sagen und stand leise auf dass mein Stuhl quietschte.
„Weil ich sie auch damals das erste Mal sah und mich mit Haut und Haaren verliebte. Und auch wenn sie mir vorspielte mich zu lieben, konnte ich es nicht wahrnehmen das sie mich betrügt, mit meinem besten Freund“ seine Stimme brach und er sich von der Ecke mit seinem Stock abstieß um in meine Richtung zu gehen.
„Aber als du geboren wurdest….“ Seine Augen wurden glasiger und ich zuließ das er zitternd eine Locke von meinen Schultern hob, ich versuchte nicht auch zu zittern. Ich hatte ja schon ein gewisses Gefühl, aber seine Augen kamen mir einfach zu vertraut vor… selbst seine Stimme… ich kannte seine sanfte Stimme. Er sang mir oft etwas vor im Kinderbett, ich liebte seine tiefe Stimme bei jeder Geschichte oder Lied. Er konnte nämlich gut singen.
„Eine kalte Oktobernacht. Der 7. Oktober vor 18 Jahren. Deine Mutter bekam dich unter Schmerzen zur Welt – ich war der einzige der in der Nähe war in dem Armenviertel wo wir lebten gab es keine Ärzte… aber sie erholte sich schnell davor als ich dich endlich in meinen Armen hielt. So klein, zart, sanft und als du die Augen aufschlugst habe ich geweint. So viel wie in meinem ganzen Leben nicht“ seine Hand berührte meine Schulter, genau wie seine andere. Ich sah hoch und eine Träne mein Auge verließ.
„Sie verließ uns zwar früh, aber ich wollte dir alles schenken was ich dir geben konnte. Ich hätte… dich so gerne aufgezogen, Layla…“ als er meinen Namen aussprach konnte er es nicht mehr verbergen, er schluchzte leise und ich seine Unterarme streichelte. Dieser Mann kam mir so fremd, aber dann wieder so vertraut vor. Wie überlebte er? Wo war er die ganzen Jahre? Aber ich brachte die Fragen nicht mehr hervor.
„Viel zu schnell war die Zeit vorbei, mein Kind. Aber jetzt…“
„Du bist…“ brachte ich mit gebrochener Stimme hervor und er sich zu einem müden Lächeln müßigte, aber es war so aufrichtig…
„Jack Fray. Dein Vater“

Reise in die Vergangenheit

Daddy.
Die ersten Worte meines Lebens. So war die Antwort von Mama als ich sie mal als kleines Mädchen fragte, was ich zum ersten Mal sagte.
Ich sehe bis heute ihre leuchtenden grünen Augen wenn sie mir, auch wenn es nur wenige Details waren, über meinen leiblichen Vater Jack Fray erzählte.
Ich dachte er wäre über der Mauer gestorben, man hätte wie bei Alexander, seine sterblichen Überreste nie gefunden. Doch jetzt stand er vor mir. Lebendig und mit einem traurigen Lächeln und dieses Gesicht, das älter ausschien als es war mit all den Narben und der schlimmen Verletzung die ihn humpeln ließ. Aber seine nachtblauen Augen hatten nicht an Glanz verloren – das konnten sie ihm hier nicht nehmen.
Ich konnte ihn weder zurückumarmen noch sonst etwas. Ich merkte nicht mal wie sich der Raum nach Ashs Anweisung leerte und ich alleine mit einem Mann dastand, der sagte er wäre Jack Fray. Meine Tränen rannten über meine Wangen und ich sogar seine Schulter vollmachte. Jack drückte mich so fest, das es fast wehtat. Ich blinzelte nur verschwommen über seine Schulter und ließ es zu, wie er leise weinte.
„Es tut mir so leid, Layla“ seine Stimme brach immer wieder, aber das waren die einzigen Worte was er noch zustande bekam, „du warst… die ganzen… Tage vor meiner Nase. Aber ich wollte dich nicht damit schockieren… du solltest dich zuerst erholen von dem was… Leia mit dir anstellte… Es tut mir so leid!“
„Wo… was ist passiert?“ endlich konnte ich meine Stimme wieder zum Sprechen verwenden, aber Jack ließ mich immer noch nicht los. ER nahm nochmal tief Luft, bis er seine Arme anwinkelte. Jack war etwas kleiner als Rafe und sehr schmächtig im Gegensatz zu ihm, Henry oder Ash. Die Wildnis forderte seinen Tribut von diesem Mann.
Er nahm mich von Armlänge weg und zog seinen Stuhl heraus, ich setzte mich zitternd auf meinen. Stille. Bis sich Jack ein gebrauchtes Taschentuch aus seinem Hemd zog und es mir entgegenstreckte. Schnell schüttelte ich den Kopf.
„Es ist jetzt… sehr lange her…“
„15 Jahre“ korrigierte ich ihn und wischte mir mit den Fingern die Träne vom Auge.
„15 Jahre“ wiederholte er mit einem lauten Schnaufen und konnte mich wieder mit trockenen dunkelblauen Augen ansehen, nachdem er sich die Tränen mit dem Tuch wegwischte, ich lehnte mich etwas vor und musterte ihn erneut, bis Jack weiter erzählte, „ich wollte jagen gehen mit Alexander und Rafferty. Aber als wir unseren Geheimgang unter der Mauer verließen wurde ich angeschossen. Vermutlich waren das Grenzsoldaten aber dann… kam etwas vom Himmel. Es tötete die Soldaten in der Nähe und durch die Schmerzen verlor ich Alexander aus den Augen der von der Bestie mitgerissen wurde. Rafferty verschwand ganz und ich diese Geräusche und Schreie von ihm noch hörte… jetzt weiß ich auch den Grund. Rafferty hat mir alles erzählt…“ seine Augen wurden noch glasiger und er mich ansah, aber ich hatte das Gefühl seine Gedanken waren bei dieser Situation in der Vergangenheit, „es waren Alexanders Schreie… ich höre ihn immer noch in meinen Träumen schreien als ich ihm nicht helfen konnte...“
Ich hob meine Arme auf den Holztisch und berührte die kalten Hände meines Vaters. Er bemühte sich weiter stark zu bleiben und schob das Taschentuch wieder in die Innenseite seines Hemdes. Er musterte mein Gesicht genau.
„Ich wusste nicht ob ich leben sollte, ich lag einfach da und hoffte auf den schnellen Tod. Öfters rief ich nach Alexander und Rafferty, aber nur die Geräusche des dunklen Waldes antworteten mir“ er biss sich auf seine Lippen und fuhr zog eine Hand aus meiner als er sich über seine dunklen Bartstoppeln fuhr, „ich weiß nicht mehr wieviele Stunden oder Tage ich dalag, bis ich von Sklavenhändlern gefunden wurde. Sie flickten mich wieder zusammen, aber das Bein und die Hüfte war nicht mehr ganz zu reparieren“
Traurig lächelte er nun zu mir und fuhr von seinem Bart, zu den Stock der neben ihm lag.
„Mit einer Brandmarkung konnte ich nicht mehr zurück und ich war schon zu weit entfernt von der Stadt… dann viele Jahre später konnten ein anderer Sklave und ich durch einen lauten Überfall der von Soldaten des Königs an einem Markt verursacht wurde fliehen. Jedoch verlor mein Freund sein Leben und ich schlug mich weiter nach Norden in die Wildnis… bis die Drachen auf mich aufmerksam wurden… ich sah einen guten Zweck meines Daseins um ihnen ein Läufer zu sein. Zu was ich noch imstande war aufgrund meines Wissens und Fähigkeit“
Wie aus Reflex sah ich zu seinem Handgelenk, welches seine Ärmel entblößte, aber nur eine weiße Narbe zeigte das was einmal ein Kreuz war.
„Aber du wärest bei mir gewesen, wärest du zurückgekommen“ sagte ich und zwang ihn mich wieder anzusehen, „egal ob Markierung oder nicht… warum? Ich… Emilia und ich hätten dich gebraucht…“
Eine weitere Falte legte sich um seine Stirn und er meine Hände mehr in seine drückte, ich schaffte es nicht noch einen Schluchzer zu verdecken.
„Ich war ein Frack. Ein Krüppel mit einer Sklavenmarkierung… wie hätte ich dich ernähren können, Layla?“
Selbst meinen Namen auszusprechen fiel ihm schwer, ohne das eine Träne seine Augen verließ.
„Ich hätte nicht arbeiten können, eine Unterstützung gibt es nicht für Leute aus dem dritten Distrikt… ich bin kein Soldat und war eher ein Mann für Bücher und Schriften, aber ich hätte nicht mit der Schande gelebt.“
„Aber du hättest eine Tochter die dich geliebt hätte. Mit deinem Talent hättest du Autor werden können, ohne körperliche Arbeit etwas getan und das Kreuz hat man dir doch auch entfernt… irgendwie hätten wir es doch geschafft“ fuhr ich ihm ins Wort und lehnte mich traurig nach vorne als wir unsere Hände gegenseitig drückten. Ich hätte nie gedacht wie sehr solch eine Berührung von wert war.
„Weißt du…“ fing er an und streichelte meinen Handrücken, der genauso blass war wie seiner, „mein Vater, dein Großvater Asher Fray, war ein Bibliothekar der gläsernen Stadt – ein Erbe was wir alle teilten war unsere Leidenschaft für Bücher… dennoch zog es mich immer wieder raus aus meine behütete Welt, bis ich Alexander traf auf einem Sommerfest am Hofe des Königs. Wir waren damals junge Fünfzehn und er mich einfach wegzog. Einfach raus und ich mir dieses Leben vorgestellt hätte wäre ich wieder in den zweiten Distrikt gezogen. Aber ich habe meinen Eltern Schande bereitet als ich mich für das einfache Leben im dritten Distrikt entschied…“
Ich sah ihn dabei an und blinzelte. Jetzt wusste ich auch den Grund warum Jack so einen hohen Bildungsstand hatte. Das war das erste Mal, das ich diese Geschichte aus so einer Perspektive erzählt bekam. Aufmerksam lauschte ich der angenehmen Erzählstimme meines Vaters weiter,
„Obwohl meine Mutter damals krank wurde, hätte mich mein Vater mit der Tochter eines Bankiers verheiratet. Doch ich brach aus – genau wie Alexander als wir beide ein Leben wollten, das uns gehörte. Nicht was jemand für uns bestimmte. Meine Mutter, eine der gefeierten Tänzerinnen der Stadt damals in ihrer Jugend, Leonora Fray, starb bevor ich mich auf dem Weg in den dritten Distrikt machte. Sie war die einzige die mir ihren Segen gab…“ seine Augen leuchteten, „und du bist ihr sehr ähnlich, Layla. Von ihr haben wir dieses Künstlertalent und die nachtblauen Augen“
Dann verdüsterten sich sein Schatten unter den Augen etwas und er die Lider senkte, „aber wenn ich gewusst hätte, was ich … wozu Leia fähig war mit der Zeit und…“ er schluckte, „was sie Alexander antat. Dir antat… das war nicht mehr die junge Frau die sie war..“
„Das ist ihr wahres Gesicht, Vater“ sprach ich leise aus und wir nun so dasaßen. Vater konnte es nicht mehr verheimlichen, als er wieder wie ein Häufchen Elend leise weinte. Er konnte nicht mehr reden, denn Leia hatte ihn wie alle benutzt und wehgetan.
„Was habe ich diese Frau geliebt… ich dummer Spund… sie hat Alexander erpresst und hat uns beide verlassen. Sie hat unsere Freundschaft und Liebe mit Füßen getreten. Alexander tat alles damit es ihr gut ging, aber sie konnte nie genug davon haben. Bis sie ihn ausbluten hat lassen… er hat es angedeutet und ich war zu blind!“
„Meinst du…“ ich biss mir auf die Lippen und wollte es es nicht laut aussprechen. Jack musste es bereits Rafe und den anderen erzählt haben.
„Es war nach Raffertys Geburt als Alexander nur mir und Emilia über den Eingriff erzählte. Du kannst dir vorstellen wie sie tobte… sie hätte gerne noch weitere Kinder gehabt, aber er meinte dass er es aus gesundheitlichen Gründen tat. Somit mussten wir Ruhe geben… jetzt weiß ich warum er es tat“ Jack schlotterten ja direkt die Knie.
„Du bist meine Tochter – nicht Alexanders…“ er hob seine Hand und legte sie sanft auf meine Wange.
„Daran habe ich nie gezweifelt…“ sagte ich ruhig und drückte seine Hand an meiner Wange. Endlich konnte ich ihm ein sanftes Lächeln entlocken.
Danach hob er seine Finger und fuhr eine lange rote Locke entlang.
„Erzähl mir wie sie damals war… ich kann mir gar nicht vorstellen, dass Leia damals so… nett war“
Es dauerte ein wenig bis er von der Locke absah und mich wieder fixieren konnte. Dennoch beantwortete er meine Antwort klar und sachlich. Ohne sich wieder Emotionen hoch zulassen, „nett und hilfsbereit“
Ich presste meinen Mund zusammen und konnte es nicht glauben. Bei solch einer Geschichte zogen meine Narben am Rücken wieder.
„Zuerst war sie Alexanders Freundin, aber dann kam Emilia… und was für ein Casanova er damals war ließ er Leia links liegen. Die Streitereien kannst du dir wohl vorstellen, und wie sehr sie an der Trennung litt. Aber ich wollte ihr helfen, ich wollte das sie glücklich werden konnte ohne Alexander. Ich umgarnte sie und wollte einfach für sie da sein. Zu lange bin ihr nachgerannt wie sehr sie mich in ihren Bann zog mit den goldenen Augen wie die Sonne und Lockenhaare so feurig rot wie eine lodernde Flamme. Leia war einfach… perfekt“ lächelte er dann doch wieder bei seinem Ausflug in eine weit entfernte Vergangenheit, „wir gingen in Wirtshäuser, tanzten, lachten sogar gemeinsam und ich glaube das waren eine der schönsten Momente meines Lebens. Ich hätte ihr alles gegeben, ein Zuhause, dann einen Antrag den sie annahm… bis sie schwanger wurde und das Glück komplett machte“
Er lehnte sich angespannt zurück und seine langen Wimpern sich senkten, „jetzt weiß ich dass das alles Farce war. Ich kann nicht mal runtergehen und sie für alles verurteilen. Ich hatte noch nie einen starken Willen…“
Nun war ich es einmal die das Wort ergriff, „wir müssen es aushalten. Diese Frau darf nicht mehr über uns bestimmen… verstanden?“ Ich drückte seine Hand fester in seine, das er mich endlich wieder ansehen konnte. Schließlich zuckten seine Mundwinkel, „ja.. du bist wirklich die Enkelin deiner Großmutter“

 

Es war komisch den Raum zu verlassen. Ich konnte mich nicht recht konzentrieren wer da neben mir stand, oder meinen Namen sagte. Mein leiblicher Vater hatte mir in diesen zwei Stunden alles erzählt was ich mich viele Male in meinem Leben gefragt habe: er hat mir Seiten von Leia Titania erzählt die ich nicht kannte und sehen wollte, als eine liebevolle Frau ohne Erinnerung die glücklich war. Das sie oft lachte und gütig war in ihrem Wesen und jeden bezauberte. Er erzählte mir über Großeltern die ich niemals kannte, über ein Leben das einst diesem gebildeten Mann gehörte als er sich wie Alexander für das Leben in Freiheit statt Luxus entschied um bei der Frau zu bleiben die sie liebten.
Er mochte Emilia wie eine Schwester, Alexander als seinen Bruder… das sie sogar freundschaftliche Wetten eingingen ob ich mal mit Rafe zusammenkam worüber sich die beiden immer gerne neckten. Einfach beste Freunde, selbst unter dem Verdacht das sie wohl die gleiche Frau für kurze Zeit teilten. Bis das Schicksal grausam zuschlug. Jedoch schwieg ich noch zu vielen Einzelheiten über mein altes Leben. Jack fragte mich über meinen Ziehvater, wie es mir ging, wie mein Leben aussah… er wollte nicht das ich ein Detail ausließ. Dennoch zwang ich mir ein Lächeln und schenkte ihm das.
Und es tat jedes Mal in der Brust weh, zu wissen das es ohne ihn stattfand. Als ich den Holzboden weiterging wurde ich vom Boden gehoben ohne aufzusehen – zu groß saß mir der Schock noch in den Gliedern. Sanft wurde ich auf sehnigen Armen getragen, dessen vertrauter Kiefernduft mich zur Ruhe kommen ließ. Ich kuschelte mich an die starke Brust mit dem stark schlagenden Herzen unter dem Hemd, und ich meine Augen schloss. Selbst jetzt verblassten die Stimmen um mich – das ich auf eine weiche Matratze gelegt wurde tat meinem Rücken gut. Meine Narben am Rücken brannten und juckten vor Heilung und Erinnerung zurück an diese grausame Frau. Wie konnte jemand nur zwei Persönlichkeiten in sich tragen… Jack hatte diese freundliche junge Frau ohne Habgier und Eifersucht, ich lernte allerdings ihre schlimmsten Seiten vor. Jemand legte sich neben mir ins Bett sodass es leise unter unserem Gewicht knarzte. Schnell befand ich mich erneut in diesen Armen, als Rafes ruhige Stimme trotz seines Wesens leise erklang. Die Stimmen um mich herum waren schon lange verstummt.
„Ich bin da, Layla“ seine Stimme ertönte an meinem Scheitel, sodass sein warmer Atem meine Haare streifte. Ich schloss die Augen. Ich glaube das ich gerade irgendeinen Blödsinn murmelte.
„Ich gehe nicht mehr weg“ sagte Rafe noch als ich langsam aber stetig, nicht mehr alleine, einschlief.

Ich erwachte in seinen Armen. Draußen war es bereits dunkle Nacht als der Mond hell in das kleine Schlafzimmer meiner Blockhütte schien. Ich schlug die Augen auf und roch den angenehmen Kiefernduft als sein schlafendes Gesicht dicht neben meines lag. Rafes lange Wimpern warfen noch mehr Schatten, als es die Dunkelheit noch zuließ mit dem silbernen Mondlicht herein und der Wind leise durch das gekippte Fenster mit einem Jaulen blies. Ich spürte das ich geweint haben muss, denn meine Augen brannten etwas und meine Wange
war nass. Ich nahm jede einzelne Kontur war, das jemand der so kühn und gefährlich sein konnte wie Rafe so ein friedliches Gesicht beim Schlafen hatte. Ich zog einen langsamen Atemzug aus meinen trockenen Mund und stupste ihn mit der Nase an. Wie früher…
Sofort regte er sich, so als ob er schon darauf wartete und nur einen wachähnlichen Schlaf erlebte, als er mich näher an seine Brust zog. Mittlerweile spürte ich seine nackte, warme Haut an meinem Kleid, das mittlerweile schon trocken war. Ich sah nach oben als Rafe seine leuchtenden grünen Augen aufschlug, die selbst im Dunklen hell leuchteten. Das erinnert mich wieder an unsere erste Begegnung, als er mich fast nackt, blutig und dreckig in dieser Mulde fand um mich mitzunehmen. Damals strahlten seine Augen auch so leuchtend.
Sofort hob er seinen Arm unter der Decke in der er mich einwickelte an seiner Brust und strich mir die Locken vom Gesicht, dann strich sein Daumen über meine Wangen. Ich blinzelte ein paar Mal und schmiegte mich in seine große Handfläche. Selbst die brannte unter mir.
„Ich wollte es dir sagen. Später…“ er bewegte sich kurz auf dem Kissen sodass unsere Stirne sich berührten, „wenn du das alles verdaut hast… aber er ist ein klasse Dad“
Schnell lächelte Rafe, er wollte mich wohl auch zum Lächeln bringen, aber meine Mundwinkel blieben unten.
„ich bin nur im aufheitern gut wenn ich betrunken bin“ grinste er immer noch, aber selbst im Halbdunkel zuckten seine Mundwinkel zu einem traurigen Charme, „er hat dich trotzdem geliebt, und dich nicht fallen gelassen. Denk gar nicht dran. Okay?“
„ich verstehe ihn. All das was er erlebt…“ ich biss mir auf die Zunge und sah hoch zu Rafe, der immer noch meine Wangen behutsam streichelte, „ich glaube, ich hätte auch so reagiert. Alles was ihm passiert ist und er sich von sovielen betrogen fühlte… er ist ein guter Mann, genau so wie ich es mir immer vorgestellt habe“
Nun lächelte ich doch sanft und Rafes Lächeln wieder breiter wurde.
„Du hast mehr von ihm als du ahnst. Er ist echt gewitzt für einen Typen der noch nie ein Schwert in seinem Leben festhielt…“
Ich drehte mich auf den Rücken, ließ mich von seinem Gesicht los und erhob mich langsam. Ich saß locker im Bett und schob mir meine Haare nach vorne, Rafes Arm hatte sich noch immer um meine Hüfte geschlungen, jedoch blieb er liegen und ich den wachsamen Augen nicht entkam.
„Ich wollte mutig sein und nicht mehr weinen, Rafe“ flüsterte ich leise und starrte zu meinen Füßen unter der Decke, kurz wackelte ich mit den Zehen. Da schlich sich wieder eine Träne aus meinem Auge, ich konnte nicht das sein was alle von mir verlangten. Nicht mal der Vater, den ich nie kannte. Der Schock saß noch sehr tief in meinen schlotternden Knochen. Der Träger meines weißen Kleides löste sich und Rafe ihn wieder auf meine Schultern
schob. Somit stemmte er sich auf seine Unterarme und streichelte mit der anderen Hand meinen Oberarm.
„Du bist mutig. Mutiger und weiser als viele andere in deinem Alter… du hast viel erlebt, manches davon habe ich zu verschulden, aber du bist nicht schwach“ er wisperte in normaler Lautstärke und erhob sich nun auch als er meine Schulter sanft küsste. Ich schloss kurz die Augen.
„Wie kann ich eine Königin über Millionen Menschen sein wenn ich dauernd Chaos und Panik verbreite, Menschen enttäusche und ich nicht mal meinen eigenen Vater anlächeln kann genau weil ich so steif bin… und ernst. Und boshaft…“ ich schlug die Augen wieder auf, und griff mir auf meinen flachen Bauch, „wie hätte ich das je bewältigen können? Ich wäre keine gute Mutter geworden, wenn nicht mal meine leibliche Mutter gut war?“
Es dauerte keine zwei Sekunden bis Rafe meine Oberarme fest umschlang und meinen Oberkörper zu ihm drehte, jetzt musste ich ihn wieder ansehen. Unter seinen Muskeln spannte sich jede Faser an als er mit gereizten Unterton fortfuhr, „du bist kein böser Mensch, Layla. Wie kannst du das nur behaupten?“ kurz schüttelte er mich, aber ich gab keinen Ton von mir außer einem lauten Luftholen.
„Du bist ein guter Mensch“ dabei betonte er Mensch besonders, „dir ist nur viel Böses widerfahren…“ seine Hand wanderte zu meinem Handgelenk über dem Tattoo, jedoch behielt er seinen Blick auf mir, „ich mag ja ein Wilder sein mit blöden Benehmen und der sich von außen wie ein steifer Anstandswauwau ausgibt, aber du bist das nicht. Keinesfalls und…“
Somit zog er mich fast auf seinen Schoß und ich zu ihm weiter hochsah.
„Und du wärest eine gute Mutter geworden“ nun klang er nicht mehr zornig, sondern tiefe Verletzlichkeit untermalte seine Stimme, „und ich möchte das nicht wieder hören“
Wir starrten uns an und das Knistern immer wieder aufflackerte, bis ich mir nun ein trauriges Lächeln nicht verkniff, somit wischte ich mir die Träne vom Auge, „du schaffst es immer wieder…“
Sofort hob Rafe seine Brauen mit den Narben, „dich zur Weißglut zu bringen? Nicht auf deine Brüste zu… starren, wenn sie nass sind?“
Ich boxte ihm spielerisch in die Schulter, sofort zog er mich lächelnd zu sich.
„Ich hätte dir das Kleid im Raum am liebsten ausgezogen wäre nicht das Publikum UND dein Vater anwesend…“
Ich verdrehte meine Augen und konnte mir aber einen lächelnden Laut nicht verkneifen.
„Gut…“ sofort lehnte ich mich nach vorne und umschlang seinen Hals, „genau dieser Wilde macht mich einfach zu glücklich das er es verdiente. Weil er einfach der Wahnsinn ist“
„Dang“ er stupste mich mit seiner Nase an und wir beide leise kicherten, „ich nehme das jetzt mal als Kompliment, Prinzessin“

Die neue Königin der Bestien

„Eine Drachenversammlung? Wirklich?“
Meine Augen wurden größer als wir noch im Bett lagen und nach endlosen Tagen, wie mir schien, über unsere lange Abwesenheit zu reden. Wir lagen beide auf dem Bauch, das Kissen an unseren Gesichtern und sahen uns stundenlang nur an als der jeweils eine über seine Erfahrungen berichtete. Und endlich erfuhr ich die ganze Geschichte von Rafe.
Er nickte zu meiner Frage und ein breites und freches Lächeln sich wieder auf seinem Gesicht zauberte, die Augen lagen erneut auf mir, „es ist eine riesige Bucht inmitten eines gigantischen Sees, wo hunderte von Wasserfälle zusammengehen. Das hättest du sehen müssen, Layla. Die Drachen leben alle dort in den Höhlen, obwohl es nicht mehr recht viele sind. Sie leben dort wie in einer Gemeinschaft mit einem Rat zusammen… der älteste ist Rhys Vater, Leon…“
„Rohans Sohn“ plauderte ich leise aus während die Morgensonne bereits ihre ersten Strahlen ins Zimmer schien. Wir hatten seitdem kein Auge mehr zugetan und nur geredet. Wirklich nur geredet. Naja… Rafe war ein Mann also musste er immer wo seine Hände haben. Meist auf meinem Rücken oder an meinem Arm, aber auch ich streichelte öfters seine Haare und den Nacken und genau diese Gesten uns beide wohl beruhigten.
„Rohans Sohn“ wiederholte er und das Licht in seinen grünen Augen zurückkam, dann richtete er wieder sein Kissen. Genau wie er selbst nicht stillsitzen konnte, passierte das öfters auch mit dem Kissen unter seinem Gesicht. Wieviele Dellen es wohl schon hat…
„Als wir von dem Schlangenangriff zu ihnen stießen wurden wir sofort mithilfe von Jack gut aufgenommen. Noch dazu ehrten alle Drachen noch immer Dad und wir mit ihnen ein Abkommen schließen konnten. Sie kämpfen für uns und im Gegenzug möchten sie dem Königreich nicht mehr unterstellt sein, wenn die Krone zu mir fällt. Natürlich habe ich eingewilligt, ich stehe ihnen nicht im Weg…“ er legte sich wieder seitlich ins Kissen und zog langsam die Luft aus, „während dieser Zeit haben Henry und ich mit Rhys und den Drachen trainiert, ich habe den Sattel für ihn gebaut und Jack hat mir einiges über Benehmen und Politik beigebracht…“
Ich kicherte leise, sodass meine Schultern leicht beben.
Rafe merkte das natürlich sofort, „was lachst du so?“ er lachte leise selbst mit, „ja schon gut ich gebe zu ich habe nicht immer aufgepasst, aber mit dem Benehmen habe ich es doch schon drauf, oder?“
„Etwas ja…“ ich hob meinen Arm und streichelte seine schwarzen Haare, „du hattest eine angenehmere Zeit als ich…“
Rafes Miene verdüsterte sich etwas, ich hatte ihm bereits alles erzählt, die Jagd nach den Schlangen, Leias Training, der Kampf mit Manila und den Krankheiten die im Nest ihr Unwesen trieben. Auch in meinem Gesicht legten sich Schatten über.
„Ich würde mir das anschauen, Layla. Das ist eine besondere Krankheit, vielleicht jetzt wo Leia nicht mehr das Sagen hat könnte ich mit menschlichen Heilern hinschauen…“
„JA, das war auch mein Vorschlag. Ich hoffe Larissa macht das…“
Rafe sah mir wieder beim Reden zu und streichelte sanft meine Wange, „sie bedeutet dir ganz schön was…“
Meine Augen fielen zu ihm, „Larissa war neben Lia…“ mein Magen zog sich bei Lias Namen zusammen, doch ich redete leise weiter, „meine Stütze da drin. Obwohl Leia mich nicht mehr aus den Augen ließ, sorgten sie dafür das der Plan immer stand. Larissa mag zwar etwas forsch sein, aber sie hasste Leia für sovieles was sie ihr antat. Unter Schwestern leidet man da etwas mit und… sie ist in Ordnung und ohne sie hätte mich Leia wohl schon im Nest verschleppt. Ich hoffe es geht ihr gut, nachdem Leia sie bei unserem Kampf ausgenockt hat“
„Wenn Larissa wirklich so tough ist, wie du sie schilderst, ist sie sicher wohlauf“ Rafe schob seine Finger von meiner Wange zu meinen Haaren und wir uns weiter anblickten.
„Ich muss mit Leia sprechen…“ sprach ich leise raus und meine Hand seinen Hals entlangfuhren.
„Ein Plan steht bereits“ fügte Rafe hinzu und sich dennoch ein kleines Mundzucken an seinen Winkel bekannt machte, dennoch landeten seine Pupillen weiter südlich meinen Lippen hinunter bis zu meinem Dekolletee. Mein Mund wurde zu einem Strich, „Rafferty Woodwork meine Augen sind weiter nördlich…“
„Die Anhänger sind nicht da…“ sprach er nun und seine Miene etwas ernster wurde, er ließ aber nicht ab. Ich zog schnell die Luft ein und drehte mich wieder vollkommen auf den Bauch. Rafes Hand blieb immer noch an meinem Hals.
„Ich habe sie im Nestbett vergessen… ich werde sie mir holen“
„Und dann sagen die Leute ICH wäre ein Chaoskopf…“ seine ernste Miene wurde wieder lächelnder und sorgenfreier als er seine Hand entfernte und die Arme unter dem Kissen verstaute als er erneut seine Bauchposition änderte. Nun lagen wir eng aneinander da und starrten auf die Wand vor uns.
„Ich habe nie gesagt du wärst ein Chaoskopf, sondern ein Hitzkopf. Und anstandslos. Und hättest Null Anstand vor einer Dame“ keckte ich noch eines nach und er laut wieder seine Position änderte, „blablablabla“
„Hör auf damit, du großes Kind“ schon landete das Kissen auf meinem Kopf und ich leise aufquietschte und mich herausdrehte.
„Und du eine Mauertussi die wie ein Flamingo durch die Wälder stolzierst mit deinen langen Stelzen… Haha“ lachte er laut, als ich mich aus dem Kissen befreite und ihm meines direkt in sein lachendes Gesicht warf.
„Mauertussi? Wilder trifft es dann auf dich!“ warf ich mich spielerisch auf seinen muskulösen Körper der sich mittlerweile auf den Rücken gedreht hatte, und Rafe sich mein Kissen herunterriss und auf den Boden warf.
Somit lag ich nun auf Rafe drauf und mein Kinn auf seiner Brust landete, beide atmeten wir noch kurz vor dem „Kampf“ und ich die Augen schloss nur um seinem schlagenden Herzen zu horchen. Seine Wärme die auf mich überging und die starken Armen die mich nun an sich zogen.
„Nur Tanzen kann ich nicht“ durchbrach Rafes tiefe Stimme nun die Stille und ich wieder hochsah, als er sich etwas aufsetzte um mir in die Augen zu sehen. Selbst in den ersten Strahlen des Morgens konnte ich seine Narben an den Augenbrauen gut sehen, das ihn eigentlich entstellte, aber für mich machten sie ihn einfach aus. Ich lächelte leicht, „wirklich? Hast du es überhaupt probiert?“
„Ernsthaft“ er hob eine Braue und sah mich genervt an, „glaubst du wirklich ich tanze mit den Typen bei Drachen?“ schließlich gab er doch einen lachähnlichen Laut von sich.
„Dann bringe ich es dir bei. Wir tanzen…“ schlug ich nun vor und robbte mich mit einem Ruck nach oben damit unsere Gesichter sich sehr nahe kamen. Mein Bein landete zwischen seinen und er langsam über meine Oberarme strich. Jede einzelne Faser begrüßte seine braungetönte Haut in Kontrast zu meiner.
„Ich habe es probiert… einmal… wie wir Henrys Geburtstag feierten. Henry hat sich da gut gehalten, aber Rhys… puh der konnte das sehr gut mit seiner Partnerin. Meine Tanzpartnerin war ganz schnuckelig aber ich stieg ihr die ganze Zeit auf die Füße…“
„Deine Tanzpartnerin?“ sagte ich mit einer Prise Knurren und die Eifersucht sofort loskochte. Aber ich schattierte sie gut und knirschte mit den Zähnen.
„Ach nur so ein Mädchen in der Schenke. Zum Anlass, und seitdem lasse ich die Finger von langsamen Walzer…“ lächelte er mir noch ins Gesicht und er wohl meine versteinerte Miene bemerkte. Sein Arm hob sich als er wieder meine Wange streichelte.
„Tanzpartnerin, Layla. Mehr nicht. Du solltest mal dein Gesicht sehen“
Mein Kinn landete wieder auf seiner Brust und ich leise ausschnaufte und nickte.
„Irgendwie süß wie sehr du immer noch eifersüchtig werden kannst und versuchst, das hinter einem brummenden Gesicht zu verbergen, Prinzessin“ stieß er diesen Witz aus und ich nun antwortete, „ach du würdest, wenn ich es dir erzählt hätte gleich aufstehen und dem Tanzpartner auf die Nase hauen“ ich sah mich als Siegerin und erhob mich damit ich rittlings auf Rafe saß. Ich lächelte dabei frech.
Rafe grummelte nur und seine Hände an meiner Hüfte landeten, „okay. Okay, ich gebe auf. Ich würde ihn ermorden“
Nun lachten wir beide leise und meine Wangen etwas spannten vor diesem Lächeln. Somit beugte ich mich herunter und küsste Rafe. Doch bevor wir unseren brennenden Kuss vertiefen konnten, dass seine Hand unter mein Kleid ging und meine Hand auf Wanderschaft auf diesem durchtrainierten Oberkörper ging, donnerten laute Fußtritte herein und die Tür aufgerissen wurde.
„RAFFERTY! LAYLA!
Sofort lösten wir uns und Rafe wieder fluchte als ich vor Schreck zu weit nach links auswich und neben das Bett flog. Mit einem dumpfen Aufprall sagte ich dem Boden mit dem Gesicht voraus Guten Morgen.
„Layla! Scheiße“ Rafe drehte sich sofort im Bett um, damit er mich vom Boden aufziehen konnte. Ich grummelte und hielt mir an den Kopf, als dieser „Jemand“ um das Bett ging.
„Es tut mir so leid, mein Kind. Hast du dir was getan?“
Die Stimme meines Vaters war zuviel als er uns in diesem intimen Moment überraschte. Jack Fray umrundete das Bett trotz Stock sehr schnell, als er sich vor mich hinkniete. Ich saß auf dem Po und hielt meine Stirn voraus, das würde wohl eine Beule geben. Rafes Arm ruhte immer noch an meinem als er an der Bettkante saß. Ich hörte ihn ja schon die Augen verdrehen, „und mir sagen ich soll mich wie ein Gentleman benehmen, Jack? Platz nicht einfach rein, Mann“
„Herrje, ich hätte sowieso ein besseres Gefühl ihr würdet in getrennten Betten schlafen, aber da komme ich um Monate zu spät“ raunte Jack, mit gepflegter Manier und ich willkürlich rot wurde.
„Hast du nicht gesagt du gibst uns deinen Segen?“ Rafe klang noch genervter mit diesem Unterton in der Stimme.
„Ja, aber da habe ich meine Tochter noch nicht auf dir drauf sitzen sehen, ich bin auch nur ein Vater, Rafferty“ Jack berührte meine Schulter, ich sah durch meine Hand noch immer nicht auf, „alles in Ordnung? Soll ich dir einen…“
„Was gibts für Neuigkeiten?“ fauchte ich leise aus meinen Fingern aus und stützte mich im Sitzen auf als ich die Augen aufschlug und ins narbige Gesicht meines Vaters
„Ihr müsst sofort raus, sofort“ wandelte sich die Stimme nun nervöser um.
Plötzlich rissen uns laute Schreie von draußen aus diesem unangenehmen Gespräch, ich wirbelte um als Rafe schon fluchend vom Bett aufstand und mich auf die Beine hob. Jack stand auch auf und deutete uns nach draußen zur Tür, „ich müsst euch das ansehen. Schnell! Schnell! Sir Riley steht auch schon draußen!“
„Ich staune immer wieder wie schnell der ist mit Stock…“ grummelte Rafe als er sich sein graues Shirt vom Ende des Bettes krallte und anzog, sofort folgte er mir hinaus ins Wohnzimmer und offener Eingangstür.
Und ich sofort scharf die Luft einzog.

 

Hunderte Harpyien. Ausgerüstet in der engen Lederuniform mit ihren wilden roten Haaren mit all den bunten Federn eingeflochten hockten wie zum Angriff bereit auf den ganzen Häusern während die Menschen und Soldaten gerade nicht wussten was sie dazu sagen oder tun sollten. Sie starrten alle zu mir herunter, mit den bösen Mienen, manche mit ihren Menschenaugen, manche hatten sich ihre gelben Katzenpupillen zugezogen und verharrten lautlos auf den Dächern mit ihren Waffen an den Gürteln. Die Luft stand wortwörtlich und ich leise Ashs Stimme neben mir hörte, der mit mir ihm Gleichschritt ging. Er konnte es nicht verbergen genauso überrascht wie Rafe zu sein der sich langsam um sich sah und meine andere Seite begleitete.
„Layla… alles hört nur auf deine Befehle… du gibst das Zeichen“
Klar, das Ash besorgt war. Aber dieser Unterton in seiner Stimme kannte ich gar nicht von dem ernsten Ash, als seine himmelblauen Augen jede einzelne Harpyie in Beschlag nahm. Ich schluckte und nickte, „lass mich nur machen…“
„Pff, das letzte Mal als du das gesagt hast, hast du eine blutrünstige Titania reingelassen“ die erzürnte Stimme kam von Henry, als ich kurz meinen Blick losließ und er schon mit Kira samt Rüstung aus der Menge erschien. Einige Soldaten begleiteten sie dazu, konnten aber nur hochsehen.
„Layla macht das“ das war nun Rafes bebende Stimme neben mir und er leicht meinen Unterarm berührte, somit sah ich nun zu ihm.
„Du musst es ihnen jetzt zeigen“
Somit hob ich meinen Arm und streichelte flüchtig seine Finger als ich nach vorne ging und die grünen Augen mich nicht aus den Augen ließen. Kurz sah ich zu Ash, der mich mit dem gleichen sehnsuchtsvollen Blick wie Rafe anstarrte und nickte ihm zu.
Entweder sie kamen jetzt als Preis oder als Feinde, je nachdem wir dieses Spiel spielten nachdem ich ihre Anführerin stürzte… ich schluckte einen tiefen Klos runter und richtete mich gerader auf. Brust rein, Kopf hoch war nun die Devise. Ich sah im Augenwinkel, dass Henry Kira am Arm zurückschob damit sie mich nicht aufhalten ließ. Selbst den besorgten Blick meines Vaters war ich ausgesetzt und im Schatten der Hütten Rhys mit roten Augen jede einzelne Harpyie beäugte, im nötigsten Fall einzugreifen. Ich zog die Luft ein und ging mit dem Wind der mein Kleid herumblies voran bis zur Mitte des Platzes.
Selbst Sir Whittles und alle Berater kamen, Chloe und ihre Familie mit Easton waren etwas weiter hinten aber diese beklemmende Stille machte mich wahnsinnig. Bis einige Harpyien rechts auf dem Dache einer Hütte kurz rückten damit jemand nach vorne gehen konnte. Das kaschmirrote schulterlange Haar, was auf einer Seite am Kopf geschert war erkannte man zuerst an Larissa. Sie sah gesünder aus, fitter ohne jede Schrammen jedoch konnte man nur ein Veilchen an ihrem Auge in ihrem schönen Gesicht erkennen, was sie als über 30 verriet. Dennoch war meine große Halbschwester so wunderschön. Titanias Gene stachen sich bei ihr genauso stark raus wie bei mir, jedoch besaß Larissa die haselnussbraunen Augen ihres menschlichen Vaters. Ihr trainierter und schlanker Körper saß perfekt in dem glänzenden Kampfanzug, der ihr ein schönes Dekolletee verpasste und die Arme unbedeckt ließ. Schwarze Stiefel passten sich an ihre Waden und ein Schwert mit einer Peitsche an dem schwarzen Gürtel prangten. Mir kam kurz die Gänsehaut hervor und ich wieder nach vorne ging als ich zu Larissa hochsah. Wortlos ging sie anmutig bis zur Spitze des Daches und ihre braunen Augen mich verbrannten. Sie musterte mich langsam von Kopf bis Fuß, wanderte dann wieder zurück. Larissas Mundwinkel blieben weiterhin streng unten.
Schließlich hüpfte sie ohne weiteres das Dach hinunter und landete fein auf ihren Füßen, dazu brauchte sie keine Flügel die sie noch nicht zeigte. Sie sah menschlich aus, trotz dieser Schönheit die sie wie all unsere Schwestern aussagte.
Ich blieb stehen und zwang mich zu einem strengen Blick, dennoch sagte keiner noch etwas.
Hatte sie das als Verrat gesehen das mich diese eine Wächterharpyie als ihre neue Königin bezeichnete? War sie eifersüchtig? Oder wollte sie Titania?
„Larissa….“ brachte ich schließlich heraus und sie mit geschmeidigen Bewegungen in meine Richtung schritt.
„Du hast Titania nicht getötet?“ raunte sie mit starker Stimme hervor und blieb zwei Meter vor mir stehen.
„Wir brauchen sie noch lebend“
Dann knurrte Larissa, „ihr Leben gehört mir. Das habe ich dir oft zu verstehen geben, kleine Schwester…“
„Und für das kommst du mit dem gesamten Nest hierher ohne Hintergedanken?“ ich musste sie etwas aus der Reserve locken als sie nach rechts schritt, ich nach links und wir uns gefährlich umkreisten.
„Ich habe keine Angst vor den Menschen ….“ Ihr Blick ging kurz Richtung Rhys, „oder anderen Bestien. Also was tun wir jetzt? Auf Friede, Freude, Eierkuchen machen?“
„Wir haben einen Deal, Larissa“ schaffte ich es, dass sie mich wieder ansah, „du bist nicht so jemand der sein Wort nicht hält. Auch wenn du dich gerade von außen so präsentierst“
Was war nur los mit ihr?
Dann schnippte sie kurz mit den Fingern und vom Himmel schnellte Mal, ihr roter Bussard, herbei als sie einige Flügelschläge über uns flatterte und mich ankrächzte.
„Mal hat mir alles berichtet was geschehen ist, mitunter den Wächterharpyien und deshalb stelle ich noch einmal diese Forderung: Ich will Titanias Kopf!“
„Wir brauchen sie noch für die Infos! Begreifst du nicht das auch das Nest noch immer in Gefahr ist?“ ich ging einen Schritt auf sie hinzu und sie kurz zischte.
„DU bist doch bereits eine von ihnen“ ihr Blick fiel hinter mich, „du und deine ganzen Menschenfreunde. UND sie stecken dich erneut in so einen Fetzen trotz deiner wilden Herkunft. Zu dir passt doch besser ein Anzug, Layla“
„Sieh mich dabei an, Larissa“ forderte ich sodass ihre braunen Augen mich wieder erfassten, „du bekommst deine Rache. Aber erst danach…“
Larissa machte was ich tat und ihre Miene etwas trauriger wurde, sodass man eine kleine Falte bereits in ihrem Gesicht erkannte. Schließlich seufzte sie leise und wir uns weiter umkreisten. Ich wollte nicht gegen sie kämpfen. Sie war in all den Monaten zu einer Freundin und Verbündeten geworden – wir wollten zusammenhalten und teilten denselben Hass für unsere leibliche Mutter. Obwohl Larissa gerne ihre gemeine Miene ausstreckte, hatte sie doch ein menschliches Herz das einmal ihren Zasahik geliebt hatte. Der ihr von Leia so gemein entrissen, genau wie vielen anderen Harpyien.
„Ich will nicht gegen dich kämpfen. Ich habe meinen Teil des Deals gehalten, jetzt musst du deinen Teil halten und…“ ich biss mir auf die Zungen, „du bist Leias offizielle Nachfolgerin. Ich werde dem nicht im Wege stehen“
Larissa öffnete etwas die Augen, „das heißt du würdest nicht zurückkommen…?“
Kurz blickte ich über meine Schulter und sah zu meinen Freunden, meiner Familie und… meiner Zukunft. Ihre besorgten Augen die sich in meinen Rücken brannten, ihre Erleichterung oder Fragen. Ich kann es gerade nicht sagen, aber das war die Antwort. Ich gehörte zu den Menschen, ich gehörte zu ihnen weil ich dort alles hatte und für sie kämpfen wollte. Mit schweren Kopf drehte ich mich wieder nach vorne, blieb stehen und richtete mich gerade auf, „ich werde hierbleiben! Ich werde hier eine neue Ordnung schaffen, genau wie du es jetzt musst im Nest, Larissa…“
Ich hörte einige Harpyien auf den Dächern murmeln, auch Menschen. Larissa stoppte wie ich und richtete sich auch wieder auf. Ihre Miene änderte sich durch jedes Muskelzucken.
„Ihr habt unser Wort, das wir euch nicht mehr befehligen, aber jetzt brauchen wir die Hilfe der Harpyien damit wir den falschen König vom Thron stürzen der nicht eher ruhen wird, als wenn er uns alle wieder in Käfigen einsperrt… nur zusammen können wir der Zukunft entgegengehen. Und falls du unseren Deal vergessen hast, Larissa, hoffe ich für dich das du nochmal nachdenkst denn somit machst du dich mich zur Feindin. Und das wäre nicht sehr angenehm“
Eine Stille legte sich über den Platz und das Lager, und dann geschah das was ich nie bei Larissa für möglich hielt. Ihre Mundwinkel gingen langsam nach oben und sie ihre Augen schloss, „ja… du hast meine Prüfung bestanden, kleine Schwester“
Langsam senkte sie ihren Kopf kniete vor mir im Sand, „du bist klug, meine Königin“
Ich blinzelte einige Male weil ich das nicht glauben konnte und die Harpyien auf den Dächern ebenfalls ihre Häupter senkten. Manche knieten noch mehr, andere die zwischen den Menschen herauskamen stellten sich dicht hinter Larissa und knieten vor mir nieder. Der Wind blies um meine Locken, als Mal laut schrie und über mir kreiste.
„Du hast Titania besiegt. Damit stand dir schon immer das Recht als Königin vorzutreten, sogar vor mir“ Larissa hob ihren Kopf, blieb aber immer noch in ihrer Hocke, „du hast bewiesen das du eine Anführerin sein kannst indem du ehrbar und stark bist. Und ich schätze meine Dankbarkeit und halte meine Versprechen“
Dann lächelte ich und streckte ihr meine Hand aus, „zusammen“
Sie nahm ohne weiters an als unsere Blicke sich kreuzten, „zusammen“ antwortete meine große Halbschwester und zukünftige Harpyienkönigin nach dem Krieg.

Leia Titanias Warnung

Ich wartete vor der großen Hütte. Es reichte nicht Lias Begräbnis hinter mir zu lassen und ich nicht mehr weinen wollte oder konnte. Dennoch ließ ich es mir nicht nehmen eine rosarote Feder meiner kleinen Nichte zu behalten. Gedankenlos drehte ich sie in meinen Fingern und presste meine Lippen zusammen. Sie war so gut, liebreizend und voller Leben… Ich hatte Lias Leichnam gesehen bevor Larissa und die anderen Harpyien sie am nahen Hügel begraben konnten mitsamt den anderen Körpern, die bereits schon neben dem Wald zu modern anfingen. Bei diesem Anblick konnte ich mich trotzdem nicht gewöhnen, und dennoch befanden wir uns in Zeiten des Krieges. Aber Lia so… blass und schwach zu sehen mit der offenen Wunde an der Kehle die ihr durch Leia den Tod brachte.
„Versuch es auszuhalten“ raunte Larissa neben mir als wir auf Ash, Rafe und einen Soldaten warteten damit sie im Gefängnis alles sicherten damit ich mit meiner Halbschwester zu Leia konnten. Die Zeit rannte uns schon durch die Finger und wir mussten sich dem Plan vergewissern, falls es wirklich stimmte was Rafe von den Drachen erfuhr. Leider konnte Celine Riley uns nicht die ganze Wahrheit erzählten was Andrew vorhatte, da sie davor starb.
„Dir rate ich das gleiche“ sagte ich als ich mir Lias Feder in den Zopf steckte. Im Gegensatz zu Larissa verzichtete ich noch auf den Kampfanzug und schlüpfte stattdessen in eine gewöhnliche graue Stoffhose mit Stiefeln und losem blauem Hemd das ich von Kira bekam. Ich sah seitlich zu ihr.
Bevor Larissa mir wieder was aufquatschen konnte trotz ihrem gefährlichem Lodern in den Augen hörte ich eine Stimme hinter uns auf den Treppen.
„Layla?“
Larissa und ich hatten uns schon bei dem knarzenden Geräusch auf den Treppen umgedreht und ich leise mit den Zähnen malmte. Mein Vater sah immer mehr blasser aus als er die erste Stufe mit dem Stock heraufkam und die besorgten dunkelblauen Augen nur mich ansahen.
„Ich…“ er biss sich auf die spröden Lippen und er doch zu Larissa neben mir sah, dann wieder fielen seine Augen zu mir, „lass sie nicht mit dir spielen und rede Klartext…“
„Danke“ ich hätte nicht gedacht ihn in dieser Näher zu sehen, da er bereits erklärte das er meine Mutter so nicht sehen wollte. Vielleicht hatte er es sich anders überlegt.
„Wer ist dieser Krüppel?“ fragte Larissa ohne sich ihre ablassenden Worte im Klaren zu werden, doch statt sie böse anzusehen formte sich ein trauriges Lächeln an den Mundwinkeln meines Vaters.
Ich fauchte kurz zur Seite, „Larissa! Ein bisschen Rücksicht… das ist mein… mein Vater“
„Pfff…. Du hast Titania überlebt?“ ihr forscher Ton war nur auf den Mann einige Treppen unter uns gewidmet. Immerhin nickte er dazu, „ich kann mir dein Verhalten denken… wir teilen alle Leia zu kennen. Aber ich kannte eine andere Leia. Und ich muss mich dem endlich stellen“
Nun war ich es die einen Schritt nach vorne trat und meinen Vater zwang mich anzusehen, „bist du dir wirklich sicher? Sie kann… alles gegen dich verwenden..“
„Ich bin mir sicher, Kind. Und falls sie etwas zickt“ seine Mundwinkel vergingen nicht und er auf der Treppe stehen blieb bevor wir uns in der Mitte trafen, „sag ihr ich habe die Wette gewonnen“
Ich riss meine Augen auf.
„Leia weiß was ich damit meine. Benutz es aber nur im Notfall, Layla“
Ich atmete nochmal aus und nickte ohne ihn zu fragen, was das wohl soll? Vielleicht war es ein erneuter Joker. Bis die Tür hinter mir geöffnet wurde und Ash uns hereinbat. Laut seinem besorgten Gesichtsausdruck standen sie immer noch an der Wand. Larissa stürmte als erstes hinein, mit mulmigen Gefühl in der Magengrube kehrte ich um und ging mit Ash hinein. Es war dunkel im Inneren der Hütte, die einem eigens gemachten Gefängnis galt. Schwere Gitter waren in der Mitte eingebaut, wo nur spärlich das Licht vom Fenster hereinkam. Rafe kam an meine Seite und ich mich kurz zu ihm drehte. Kurz flackerten seine grünen Augen und ehe ich es mir versah steckte er mir etwas kaltes in die Hand. Beim genauen Betrachten hatte ich auf den Halbmondanhänger ganz vergessen. Ich drückte ihn und sah ihn ernst an, seine Muskeln zuckten an seinen Schultern und deutete mit dem bärtigen Kinn nach vorne, „pass auf, mosh aher“
Schnell berührte ich seinen freien Unterarm bei dem gestülpten Hemd am Ellbogen und lächelte traurig. Es war aufgesetzt… ich wusste das er das wusste.
Dann fiel mein Blick zu Ash der auch nickte.
„Komm raus, Titania. Und versteck dich nicht im Schatten!“
Larissas zornige Stimme war einfach zu erkennen, als ich mich umdrehte und vor die Stäbe trat, die fast nur Dunkelheit verdeckten. Selbst der Geruch roch vermodert gemischt diesem eigenen Parfum was sie immer auf ihr Dekolletee sprühte. Ekelhaft.
Als sich nicht mal ein kleines Detail darin regte, legte Larissa ihre Hände rüttelnd an die Stäbe. Das Temperament hatte Larissa noch nie gut beherrschen können.
„Bitch! Komm endlich raus!“
Ich drehte meinen Kopf zu Larissa, „hör auf sie zu provozieren…“
„Hast du Angst, Schwesterchen?“ auch sie drehte ihren Kopf zu mir runter, ihre braunen Augen glühten wie schon lange nicht mehr. Wenn man Hass berühren konnte, würde ich jetzt darunter verbrennen und siechen.
Plötzlich riss eine Hand knapp an Larissa durch die Stäbe fast an ihre Kehle als wir beide zurückschnellten. Hinter uns hörte man es laut scheppern, auch die Jungs waren auf Angriff gerichtet. Doch ihre zarte Hand die blutig und fast schwarz vor Dreck war, zitterte kurz bevor sie langsam wieder in der Dunkelheit verschwand.
„Meine… Babys… meine… verbliebenen Töchter“ summte ihre gruselige Stimme durch die Dunkelheit und als ich die Augen zusammenkniff. Gelbe Katzenpupillen waren am deutlichsten statt den Umrissen des schlanken Körpers der wie eine Raubkatze in der Zelle stand. Sie wand ihren Blick einige Male hin und her, dabei sah sie mich und Larissa wie ihre Beute an. Ihre Schlitze verengten sich bei jedem Blick. Schließlich trat sie wieder vor und berührte die Stäbe um ihren dunklen Kopf schräg zu halten.
„Eine Ehre, dass ihr Mama hier besucht…“
Larissa machte einen Schritt nach vorne damit sie fast auf Augenhöhe mit ihr stand, „am liebsten würde ich dir jetzt die Kehle rausreißen und sie an die Schweine verfüttern“
„Warum tust du’s nicht?“ provozierte Leia mit lächelnder Stimme Larissa die sich nur mühsam zusammenreißen musste. Schließlich schaltete ich mich ein, „sag uns was die Schlangen dir gesagt haben, Leia?“ ich drehte mich fast dazwischen bis ich erreichte das die gelben Augen zu mir funkelten. Sofort wurden ihre dunklen Züge weicher.
„Layla…“ flüsterte sie als sie ihr Gesicht zu mir beugte, „mein kleines Baby…“
Doch als sie ihre Hand zu mir ausstrecken wollte, schlug ich sie weg und ging einen Schritt zurück.
„Sag es uns gefälligst!“ grummelte Larissa und sie uns beide wieder anstarrte. Leia nahm einen seufzenden Atemzug, „ihr seid genauso nutzlos wie eure Väter….“ Sie starrte zu Larissa, „Und du glaubst ich wäre besiegt…?“
„DU warst meine Mutter…“ Larissa stemmte sich scheppernd an die Stäbe, „natürlich bist du besiegt. DU hast keine Armee… keine Schwestern… du hast uns beide verloren nachdem was du uns angetan hast…. Mir mein ganzes Leben lang“
Aber Leia zeigte keine Reue. Ihre monotonen Augen lagen zwar noch auf ihre älteste verbliebene Tochter, aber sie sagte kein Wort.
„Und du hast deinen Zasahik getötet“ fügte ich dem noch hinzu, als Leia schon knurrte.
„Wenn du es wagst… Alexander damit reinzuziehen“
Schnell zog ich den Halbmond zwischen meinen Fingern hervor. Aber nicht so wie beim Kampf zuckte sie nur mit den Brauen. Rafe musste sie schon so viel damit erpresst haben das sie damit keine Andeutungen mehr machte. Oder bereits die Hoffnung verlor.
„Mutter…“ und versuchte auf eine vernünftige und ruhige Stimme als ich näher kam und meine Stiefelettenspitzen fast die Stäbe berührten. Schon lange war ich ihr nicht mehr so nahe.
„Diese Welt steht dem Untergang voraus. Schlimmer noch als damals mit einem Ausmaß an Toten wo sich alle nicht mehr erholen werden, wenn der irre König mal auftaucht und alles zerstört. Uns… unser Nest und dich…“
Leia knurrte leise, ließ mich aber ausreden.
„Diese letzte Bitte… nach allem was du schon erlebt hast, nach allem was dir geschadet hast musst du weiterdenken…. Er wird euch erneut einsperren wenn wir verlieren. Wenn wir Andrew auf dem Thron lassen. Mutter….“ Ich streckte meine Hand aus und ergriff eine Locke, die selbst nach über einer Woche Gefangenschaft immer noch so schön und glänzend aussah.
„Ich bitte dich. Dieses letzte Mal… sunst ist alles fort. Alles wird brennen… Alexander hätte das nicht gewollt. Nicht wenn alle darunter stecken, auch die Bestien“
Es wurde leise, als ich auch den brennenden Blick von Larissa auf mir spürte. Wenigstens ließ sie jetzt die Stäbe los.
„Er würde uns nie etwas tun, außerdem hätte ich gewollt dass die Menschen sich erneut gegenseitig umbringen…“ ihre Stimme hallte leise und klang flüsternder, gruselig düster.
„Ich hatte nie Interesse auf einem menschlichen Thron zu sitzen. Mir reichte das Leben abgeschottet von den Erschaffern… dennoch…“ ihr gelben Pupillen lesten mich, „kenne ich einen Creston wenn er vor mir steht. Abgesehen von Alexander… sind sie machthungrig und besessen nach der Wissenschaft. Dieser Andrew ist nicht anders, er zerstört damit führt er das glorreiche Erbe weiter…“
Leia stieß sich von den Stäben ab und die gelben Augen sich in bernsteinfarbene Menschenaugen verwandelten.
„Die Natur ist immer noch verseucht und verstrahlt… der Planet musste sich neu formen um zu überleben. Zwischen dem Jahr 2100 und 2200 starben weit mehr als die Hälfte der Menschen auf der Erde… ich sah Kontinente die leer gefegt wurden. Meere, die Inseln verschlangen durch den erhöhten C02-Austausch und dem Gift und Chemie was die Menschen auf ihren Heimatplaneten losließen. Klimawandel nannten sie es damals noch… Mitunter Atomwaffen…“ nun lächelte sie traurig, „sie haben sich ihr eigenes Grab geschaufelt auch ohne uns zu erschaffen und zu zähmen das wir statt den Nuklearwaffen ihre Kriege bestreiten. Ja, das konnten die Menschen gut“
„Wir müssen dem ein Ende setzen!“
„Und was dann, Layla?!“ Leia schnellte vor und berührte die Stäbe dass wir uns nun böse anstarrten.
„Es werden immer wieder Menschen kommen, auch nach euch… es wird wieder Krieg geben und das immer und immer wieder bis nichts mehr übrig bleibt!“
„Sag es uns endlich! Titania!“ schnaubte plötzlich Rafe neben mir das Leia und ich schnell aufschauten. Er stand so dicht neben mir, dass ich Angst hatte er würde durch die Stäbe greifen und sie mit seinen großen Händen erwürgen. Vielleicht war er kurz davor aber sein erzürntes Gesicht schrie förmlich nach einer Antwort. Rafe krallte sich auch an die Stäbe, und Leias Grinsen endgültig verschwand. Sie sah jede einzelne Kontur an und schnaufte langsam aus.
„Er wird euch zerstören. Trotz eurer Armeen oder Menschen… Bestien… Harpyien“ dabei fiel ihr Blick zu Larissa, die komischerweise keinen Laut mehr von sich gab.
Leia Titania sagte es mit einer Prise Trauer in der krächzenden Stimme vorm Schreien und ihre Lider sich senkten. Ihre langen Wimpern verdeckten ihre goldenen Augen.
„Die Schlangen die ihr brachtet waren nur Läufer, aber alle sagten das gleiche: Das er eine Waffe hat die stärker als alles ist. Ein Monster, geschaffen aus gesammelter DNA… größer und stärker als alles andere… eine Arbeit die, die Crestons schon seit Jahrzehnten planen. Und dieser Mistkerl hat es als letztes geschafft den Code zu entziffern. Flieht solange ihr noch könnt…“
„Wenn du uns verarschst…“
„Warte, Rafe“ ich legte ihm beruhigend die Hand auf die Brust, aber sein knurrender Blick war immer noch auf die Harpyien hinter Gittern gerichtet. Seine Fingerknöchel traten schon weiß vor dem Druck hervor, bis ich mich wieder zu Leia drehte, „es gibt eine Lösung…. Und wie konntest du bisher so ruhig bleiben nach diesen Infos? Geschweige denn ob du uns überhaupt die Wahrheit sagst…“
„Weil wir Harpyien sind, Layla“ nun war Larissa die sprach, „er würde unserem Nest nie etwas tun. Du weißt wie besessen er von uns ist. Du hast es selbst gespürt… und sie blieb deshalb bis wir kämpften bis zum Tod wenn er uns holen kommen wollte“
„Das heißt du hättest uns direkt in die Falle laufen lassen, Leia“ schluckte ich als ich das langsam alles zusammensteckte.
„ Ich hoffte das die Rebellen den Rest erledigen, hätte gehofft dich als Alexanders Tochter durchzusetzen, jedoch wurde das alles in den Wind geworfen! Aber Menschen sind ohne ihre Waffen einfach zu dumm um sich gegenseitig abzumurksen. Aber nachdem ich diese Erkenntnis hatte das selbst wir ihn nicht stoppen konnten, fasste ich diesen Plan. Eine Harpyie kämpft und stirbt wie eine Kriegerin. Niemals würde er uns bekommen, niemals. Lieber hätte ich meine ganzen Töchter geopfert als das eine von ihm verschleppt wurde…“
„Du hättest jede einzelne Schwester sterben lassen…“ war es nun Rafe der zitternd fortfuhr. Ich konnte selbst nicht glauben was er da sagte und ließ die Stäbe los. Reine Wut loderte in mir auf.
Leia drehte nun ihren Kopf zu ihm hoch, „lieber sterben als erneut eine Geisel der Menschheit zu sein. Ihr solltet euch nun gut überlegen ob ihr direkt in seine Arme lauft oder wenn nur Könige diesen Kampf ausfechten. Von Mann zu Mann um Unschuldige vor dem Tod zu retten“
Rafe knurrte leise und rüttelte nochmal laut an den Stäben, bevor er losließ und zurückging. Ich starrte immer noch auf Leia.
„Du weißt das ich nicht lüge… was hätte ich hier für einen nutzen?“ Leias Kopf sah wieder mich an und kein einzelner Muskel in ihrem Gesicht zuckte.
„Ich habe nichts mehr was es sich zu leben lohnt… deshalb meine Warnung die ich euch undankbaren Gören noch schuldete… denn ihr habt mich auf jede erdenkliche Weise enttäuscht…mich verraten“ sie ging einen Schritt zurück. Dann fielen ihre Augen etwas hinunter und ich ihrem Blick folgte. Direkt in meine geballte Faust wo der Halbmondanhänger sich befand. ICH sah wieder hoch, „das ist noch immer kein Grund warum du uns nicht tot sehen willst, Titania“
Ich streckte meinen Arm hinein und öffnete meine Faust. Selbst hier in dieser matten Dunkelheit schimmerte das Gold so schön wie die Dämmerung. Als sie endlich nach gefühlten Minuten ihre Augen zu mir hob lächelte sie wieder das man ihre strahlenden weißen Zähne sah, „oh doch genau das will ich. Zuerst dachte ich… ich müsse euch beschützen. Doch ihr habt euch damit selbst das Grab geschaufelt. Gemeinsam mit den Menschen, die ihr so wertschätzt“
Sie riss mir den Anhänger aus der Hand und drehte ihn in der Hand herum, „denn sie reißen dir das Herz heraus wenn du es am wenigsten erwartest…“
Sie ging noch einen Schritt zurück als sie in der Mitte der Zelle stand, das Sonnenlicht schien jetzt genau auf ihre Gestalt. Ich atmete nochmal tief ein und aus, ich traute ihr nicht. Ich konnte es nicht, aber Larissa versteifte sich neben mir immer mehr.
Als sie lange auf das Schmuckstück blinzelte hob sie ihren Kopf wieder in meine Richtung, dann zogen ihre Mundwinkel hinauf, „der Feuersturm wird mich nicht bekommen, wenn ihr alle fällt… nur ihr bekommt was ihr verdient… und wie wollt ihr in drei Monaten zur Mauer kommen? Ihr seid… dem Untergang geweiht… und keine Chance“
„Mutter… was?“ , Larissa fuhr zurück, „macht die Tür auf!“
Ich starrte immer noch zu Leia die ihren Arm auf Gesichtslänge hob, ihre Finger verwandelten sich in rotgefiederte Klauen und sie immer noch lächelte.
„Ihr werdet alle brennen“ nun sah sie hinauf mit einem breiten Grinsen im Gesicht, „ich hoffe wir sehen uns in der Hölle, Alexander“
RATSCH
Als Ash schon eiligst das Gitter aufsperrte, Rafe rüttelte daran und sah durch das spröde Licht alles was Leia mit ihren Klauen tat. Noch immer den Hals hochgestreckt schnitt sie sich mit den Krallen schnell die Kehle durch dass das Blut spritzte. Ich riss meine Augen auf, selbst hier traf mich Titanias Blut als sie leblos in ihrem eigenen Blut mit röchelnden Geräuschen auf der Stelle zusammenbrach. Ash und Rafe kamen zu spät und Larissa etwas neben mir schrie. ICH verstand es allerdings nicht, als sie mich anrempelte um den beiden in die Zelle zu folgen. Allerdings blieb ich mit gefühlskalter Miene vor den Stäben und sah dieser Frau beim Sterben zu, deren Atmung innerhalb von Sekunden aufhörte. Ihre goldenen Augen verloren immer mehr ihren Glanz, als ihr Kopf in meine Richtung flog. Ich weiß nicht ob sie das noch bewusst getan hatte. Doch ich konnte beobachten wie sie erlosch.
Auf einmal hörte ich ihren Namen mit immenser Zärtlichkeit neben mir, aber ich konnte mich nicht zu meinem Vater drehen. Zu sehr beobachtete ich das Blut wie es in Strömen aus ihrer Kehle kam und den halben Zellenboden bedeckte wie eine Decke. Jack war mir so nahe das ich glaubte er würde zusammenbrechen, doch er sah nur wie ich hinein. Ihr Name fiel nur dieses eine Mal über seine Lippen. Und doch waren sie immer noch gefüllt mit Bedauern und Zuneigung. Hatte sie ihn noch gesehen? Ich würde es nie erfahren…
„Lebe wohl.. Bestie“ flüsterte ich als Rafe noch sich neben sie hockte, er flüsterte etwas aber ich hörte es nicht. Dieses Drecksstück war bereits tot. Ihre kaschmirroten Locken machten eine perfekte Erscheinung zu der Blutlache in der Leia lag.
Mein letzter Blick zu der Harpyie die meine Mutter gewesen war fiel zu ihrer schlaffen menschlichen Hand die den Halbmond noch fest umklammert. Inmitten dieser Wortfetzen erkannte ich etwas Zerknittertes in ihrer halbgeöffneten Faust.
Auf dem Foto lächelte Kronprinz Alexander freundlich gerade in die Kamera, jedoch war das Foto übersäht mit scharlachrotem glänzendem Blutstropfen das ihn so hasste, und bis zuletzt liebte.

Neue alte Gesichter

„Soooo… Cruella De Vil ist tot, oder?“
„Kira! Sei nicht so unsensibel!“
„Was? Also mir tut das nicht leid…“
„Kira!“
Das Geschnattere von Kira und Chloe hätte mich vielleicht auf andere Gedanken bringen können, aber wir saßen im Gras während um uns einige Mädchen und junge Männer bereits trainierten. Selbst Kinder in Lexs Alter. Aber dieser hatte noch Unterricht, oder er ging freiwillig. Lex war kein ambitionierter Kämpfer mehr seit er immer besser lesen lernte.
„Ohne Rafe sind die Kleinen total außer Rand und Band, sonst trainiert er immer mit ihnen. Die Kinder lieben ihn“ sagte Kira leise und wollte wohl das Thema wechseln. Doch weder Chloe noch ich sagten etwas darauf. Der Platz war etwas abgeschieden vom Dorf… und… obwohl ich wieder die Freiheit genoss wartete ich immer noch, damit der Rat für den entscheidenden Plan mich dabeihaben brauchte.
Ich saß im Gras und spielte etwas geistesverloren an den Halmen an meinen angewinkelten Füßen, als ich eine zarte Hand auf meiner Schulter spürte. Kurz sah ich hoch.
Zwei sturmgraue Augen so voller Hingabe und Grazie strahlten mich an, ich wünschte ich könnte ihr dasselbe junge Lächeln schenken. Aber mir schien das trotz dem Selbstmord Leia Titanias, sich etwas in mir verändert hatte.
„Wir sind für dich da, Layla. Auch wenn du nicht das beste Verhältnis mit deiner leiblichen Mutter hattest, wir sind da“
Ich hätte sie am liebsten fest an mich gedrückt. Jedoch konnte ich mich noch nicht bewegen und ich leise nickte.
Kira seufzte laut, die als einzige am Zaun saß und ihre schwarzen Locken zurückwarf.
Da schaute sie plötzlich zur Seite, „hey, Ash. Alles fertig?“
Durch das Gras kamen Schritte und schwer sah ich in die gleiche Richtung, Chloe machte das gleiche jedoch blieb ihre zarte Hand noch auf meiner Schulter. IM Hintergrund ertönten immer noch die Trainingsgeräusche der Rekruten, als Ash einen Meter vor uns stehen blieb und durch seine zerzausten dunkelbraunen Haare fuhr. Die himmelblauen Augen erspähten nur mich im Gras und er kurz zu Kira sah, diese verstand sofort und schnaufte als sie galant vom Zaun sprang.
„Komm Chloe! Wir müssen auch wieder los…“ Kira kam neben mich und Chloe leise seufzte. Es schnitt mir eine Wunde in mein Herz nicht mehr oft für meine Freundinnen da zu sein. Sie wollten alle nur das Beste für mich. Und ich nahm es nicht so an wie es gemäß war. Wie gerne ich wieder ein normales Leben inne hatte.
„Wir sind in meiner Hütte…“ flüsterte Chloe als beide schnell an Ash vorbeihuschten und ich ihnen noch lange nachsah. Ash wartete natürlich ganz Gentleman Art, bis er seinen Hemdkragen richtete.
„Darf ich…?“
Ich nickte und machte ihm etwas Platz, obwohl wir auf der Wiese sowieso gut Platz hatten. Ich musste aussehen… und schämte mich immer noch über diese monotone Meine die ich nicht ablegen konnte nach Leias Tod. Sie tat mir leid, dann wieder nicht, ach ich war zwiegespalten sodass ich fast die ganze Nacht munter war. Die dunklen Schatten unter meinen Augen verrieten mich. Selbst Rafes Präsenz konnte ich nicht genießen, auch er schien etwas durch den Wind zu sein. Wir lagen einfach nur da, Rücken an Rücken und keiner konnte oder wollte etwas sagen. Ich weiß nicht mal ob er überhaupt etwas schlief. Es fühlte sich einfach nicht richtig an, Larissa war wieder zu den Harpyien geflogen, sie selbst blieb mit einer Staffel hier, die anderen schickte sie wieder zurück ins Nest. Wo Dad war? Ich wollte ihn suchen gehen heute Morgen, da er Ruhe brauchte, aber er war nirgends zu finden. Ich biss mir auf die Lippen und zuckte zusammen.
Natürlich merkte Ash das und schnaufte leise aus als er sein Gesicht nach vorne brachte zu den trainierenden Rekruten.
„Rafferty hat gerade ein Treffen mit Rhys und den Drachen, dann kommt der menschliche Rat“ fing er dann an, „dennoch sollte er jetzt bei dir sein…“ und ich meine Knie anwinkelte. Mensch, manchmal hasse ich mich.
Seine Stimme klang rau, aber zu dem ernsten Ash passte das. Als ich nach Minuten immer noch schwieg verlagerte er sein Gewicht etwas und lehnte sich mit dem Rücken an den Zaun hinter uns.
„Ich weiß, dass es dir nicht egal ist. Aber wir müssen jetzt weitermachen, und du bist unersetzlich im Rat…“
„Ich habe dazu nichts zu sagen… es ist doch alles vorbei und ihr wisst alle das sie nicht gelogen hat. Sonst hätte sie sich nicht ihre verdammte Kehle aufgeschnitten…“
Ich spürte im Augenwinkel dass er sich sofort zu mir drehte, selbst bis hierher spürte ich seine angefressene aber doch versteckte Miene unter dem kantigen Gesicht.
„Das bist doch nicht du. Wirfst du jetzt alles in den Sand? Alles wozu du und Rafferty gekämpft habt? Layla sei doch vernünftig…“
Ash ergriff meine Hand an den Knien, und endlich konnte ich meinen Kopf zwingen zur Seite zu blicken. Eine tiefe Falte bildete sich zwischen seinen Augen, und er langsam den Kopf schüttelte. Durch die kurzen Locken, die ungezähmter wirkten als damals. Dennoch so erwachsen und… Ash… meine Lider senkten sich zu seinen Lippen.
„Ich weiß, aber ich möchte nicht noch mehr Menschen hier verlieren. Ich habe sie gehasst… dennoch empfinde ich Mitleid für sie. Aber das sie Recht hat, es ist so … aber alles hat Narben hinterlassen. Damit meine ich Alles“
Ashs Falte an der Stirn wurde tiefer und er leise ausschnaufte. Sein Daumen strich sanft über meinen Handrücken…
„Ich bin für alles bereit, Ash“ ich zwang ihn mir in die Augen zu sehen, „damit meine ich alles“
„Ach du, Rotschopf!“
Ash und ich fuhren auseinander und ein kurzer Blitz durch meinen Magen ging. DIE fehlte mir jetzt noch, aber die andere Frage war doch… was tat sie hier?
Platinblonde glatte Haare hatte sie zu einem strengen Pferdeschwanz zusammengebunden das ihr hübsches Gesicht mit den stahlblauen Augen in mich hineinstachen wie ein Wespenstich. Selbst ihre perfekte schlanke Figur die sie aus einer Mischung aus silbernen Kleid und dunkelblauer Rüstung versteckte mit den hohen Stiefeln die bis zu ihren Knien gingen. Wie aus Reflex erhob ich mich.
„Stella? Was machst du hier?“
Und verschwinde auch wieder
Sie lächelte erneut kokett wie sie es früher im Etablissement machte und am liebsten hätte ich sie… zum Teufel gejagt. Ich ballte meine Fäuste bis sie mir wehtaten und wir nahe gegenüber standen. Sie war genauso groß wie ich, aber dennoch so schön mit den vollen Lippen. Lippen die früher Aspen alias Rafe küssten. Lippen mit denen sie vieles tat, mit vielen Männern aber sie liebte Rafe aufrichtig um mich zu einem Wettbewerb herauszufordern. Und ich hatte ihn gewonnen, damals…
Stella verschränkte ihre schlanken, freien Arme vor ihrer Brust und biss sich auf die Lippen ohne von mir abzusehen, „geflüchtet. Wie alle hier. Seit Hills Eyes nach den beiden Bomben zur Hälfte zerstört wurde sind wir mit Madame Frost weggezogen. Bis wir uns der Kolonne an Rebellen anschlossen…“ sie machte eine Pause, „und wo hätte ich hin sollen, Miss Perfekt?“
„Tut mir leid…“ murmelte ich aus meinem trockenen Mund, und Stella scharf die Luft einzog, „spare dir dein Mitleid. Ich habe gehört Aspen ist hier. Alle Mädchen fragen schon nach ihm und Henry…“
Sie kam einen Schritt näher, ich bleib jedoch an meiner Stelle.
„Oder hast du ihn schon so an dich gekrallt das du ihn nicht mehr rauslässt, Mauertusse“
„Hör auf damit, Stella. Ich möchte jetzt keinen Zickenkrieg“ ich schüttelte meinen Kopf und wollte zurück zu Ash, „dafür habe ich keine Nerven…“
Ich hörte ihren scharfen Atem, aber sie ließ nicht locker, „Layla warte…“
Ich blieb stehen. Hat sie mich gerade beim Namen genannt? Langsam drehte ich mich über die Schulter.
„Weißt du warum ich das weiß das Aspen hier ist?... nein Rafe ist sein Geburtsname, oder?“
Ich kräuselte meine Brauen, „das ist kein Geheimnis mehr…“
Ich wollte diese Unterhaltung so schnell wie möglich unter den Hut bringen, ich konnte diese Kuh nicht leiden. Und erst recht nicht mit diesem prüfenden Blick den sie mir zuwarf.
„Stella! Komm!“ hörte ich ein paar Mädchenstimmen hinter ihr, aber Stella schaute mich immer noch an und mir stellten sich kurz die Nackenhaare auf.
„Ich will es nicht wissen, was auch immer hier für Arbeiten verrichtet die gut für die Gemeinschaft ist…“
Stella kniff ihre Augen zusammen, protestierte aber nicht als ich leise weiterredete, „aber wenn du Rafe irgendwie belästigst oder mich… dann bleibt es nicht nur bei einem Tanzwettbewerb, Stella“
„Ahja… du bist ja eine Harpyie. Habe dich gesehen als du gegen diese andere gekämpft hast. Keine Angst so weit gehe nicht… aber ich wollte dir noch eines sagen ohne zu lügen“
Ich wollte es eigentlich nicht wissen…
Sie ging noch einen Schritt zu mir und fuhr sich erotisch mit der Zunge über die Lippen, dabei machte sie ein komisches Geräusch.
„Das Spiel ist noch lange nicht gewonnen… auch wenn Aspen ein verlorengeglaubter Prinz ist liebe ich ihn noch als seines selbst. Du anscheinend perfektionierst ihn zu einem Hündchen… deshalb hat er auch Abwechslung gebraucht bis zu kamst…“
„Wie bitte?“
Ich drehte mich um und zitterte, dabei versuchte ich ein Pokerface aufzusetzen. Hinter mir hörte ich ein leises Seufzen von Ash als er sich erhob.
„Layla, beruhig dich…“
Empört drehte ich mich um, „für was sollte ich mich beruhigen?“
Seine Augen sahen mich an als er leise ausschnaufte. Wusste Ash etwas?
Schnell drehte ich mich wieder zu Stella. Diesmal blähte ich meine Nasenlöcher. Wollte sie es bis zur Spitze treiben? Doch sie schien weder Angst zu haben, noch etwas zu bereuen.
Dann formte sich wieder ein Lächeln, „Aspen ist ein Mann der die Frauen versteht. Und eines führte zum anderen und…“
Das war ausschlaggebend und ich stürzte mich auf sie.

 

Sie war zäh und gut. Kein Wunder, sie stammte aus der Wildnis. Sie hatte von Anfang an gelernt zu kämpfen, dennoch hatte Stella einen Beruf der sie willig machte. Ich weiß nichts über ihre Vergangenheit, oder ob sie Familie hatte… aber ich wollte es auch nie erfahren als wir uns im Gras drehten und aufeinander schreiend einschlugen. Ich vergass auch meine Ausbildung bei den Harpyien, denn mir war nach einer Prügelei mit dieser Schlampe – nach Wildnis-Art. Wir drehten uns herum, zogen uns an den Haaren. Sogar einzelne Haarbüschen flogen ins Gras und ich viele Laute um uns herum hörte. Manche feuerten uns an, manche schrien unsere Namen und ich einen Kick in den Bauch bekam als ich zu langsam war. Ich fing mich aber gleich wieder und warf mich mit voller Wucht in Stella. Ich war geladen auf 180. Sah nurmehr Rot mit der Tatsache das wir einfach nichts tun konnten gegen Andrews Waffe.
„HEY!“
„AUSEINANDER“ ich fühlte wie ich hochgehoben wurde, und so fest an einen starken Körper gepresst wurde das es mir in den Knochen wehtat. Ich spukte Blut hinunter und funkelte Stella an die sich wieder auf den Bauch rollte und riss meine Augen auf, als… Rafe ihr aufhalf. Jedoch ging er auch nicht sehr behutsam um und riss sie am Oberarm hoch, wackelnd hob sie ihren Kopf der mit blauen Flecken bedeckt war. Aber dieses selbstgefällige Lächeln konnte ich ihr nicht rausprügeln.
„Ich habe schon mit besseren geprügelt, Bitch! Und das nennt sich Bestie?“ höhnte sie immer noch und spukte vor meine Füße. Ich wollte mich aus den starken Händen losreißen, doch gegen Ashs Stärke war ich schon immer machtlos. Ich könnte ihn mit den Füßen KO schlagen, aber dann hätte ich mir das nie verziehen. Ich hatte zuviel bereits kaputt gemacht, schließlich wehrte ich mich nicht länger und knurrte Stella an, „geh mir sofort aus den Augen, Schlampe“
„Ihr seid beide dämlich, ich hoffe das wisst ihr!“
Wow das Ash mal was sagte und noch dazu in diesem Ton ließ mich weiter inne halten. Stella schnaufte und drehte sich kurz als sie ihre Augen aufriss, das Rafe immer noch ihren Oberarm hielt. Aber dann ächzte sie leise, als ich sah wie seine großen Hände ihren Oberarm fast einquetschten. Sie schloss die Augen, doch er reagierter nur mit einem Bodenspucken.
„Wir reden da zu dritt!“ fauchte er, bis er mich ansah, mit einem bösen Blick. Ich schluckte und warf ihm genauso einen argwöhnischen Blick zu trotz des Pochens an meinem rechten Auge. War sicher wieder blau.
Mit einer Kopfbewegung zog er Stella schier mit sich und Ash folgte mit mir durch die große Menschenansammlung – direkt in Rafes Hütte, die ich auch schon kannte. Immerhin wohnten wir gerade mal eine Nacht darin gemeinsam.
„Ash lass mich los…“ forderte ich leise, aber er zog mich schweigend weiter, über die Veranda hinein in das kleine Wohnzimmer das genauso aussah wie das meiner kleinen Hütte. Rafe warf Stella unsanft auf das Sofa, Ash war da etwas sanfter und er mich daneben. Alleine schon neben der zu sitzen, aber ich zog die Luft ein und sah nach vorne.
„Bitch…“ flüsterte Stella und ich wieder hörte wie sie neben mich spuckte.
„Kannst du das sein lassen?“ fauchte ich leise und sah immer noch nach vorne, zu Rafe der sich vor uns aufragte und eher mich schweigend ansah. Ash ging einen Schritt zurück und verschränkte verbissen seine starken Arme vor der Brust. Stella und ich saßen da wie kleine Kinder die von ihren Eltern bald übelst ausgeschimpft wurden. Aber ich riss mich zusammen und funkelte zu Rafe, und ich schon das erste Wort an ihn richtete, „ist das wahr?“ ich drehte meinen Kopf zu Stella die gerade ihre Haare ausfilzte. Sie würdigte mich auch keines Blickes mehr.
„Sagt mir die Wahrheit“ ich sah wieder zu Rafe. Dieser nahm eine lockere Haltung aus und legte seinen Kopf schräg, „welche Wahrheit? Was willst du hören?“
Er deutete mit seinem kantigen Kinn auf Stella, „was hat sie dir erzählt?“
„Dass…“ jetzt kam ich mir echt wie 14 oder so vor. Ich wusste nicht was ich noch glauben sollte, sonst wäre das alles wieder auf meinen Mist gewachsen. Schnell sah ich zu Stella, die sich wieder dem Geschehen widmete und ihre Haare zurückwarf. Ihre blauen Augen landeten auf mir.
„Stimmt das überhaupt?“
Sie verdrehte die Augen und legte ihren Kopf schräg, das einige blonde Strähnen in ihren Ausschnitt fielen. Langsam schüttelte sie den Kopf.
Auch Rafe lockerte sich wieder und kam einen Schritt auf die Couch zu. Er fuhr sich durch die Haare und rieb sich seine Schläfen, die von seinen schwarzen Strähnen bedeckt waren. Dazu schloss er langsam seine Augen. Leise fluchte er in seiner Sprache bevor er wieder ins Englisch umsetzte.
„Mensch… hört auf damit. Da kriegt man ja Kopfschmerzen. Wir haben gerade andere Probleme…“ er öffnete wieder seine Augen und sah zu mir. Diesmal blitzten sie wieder in diesem schönen Grasgrün, „ich habe Stella vor einer Woche gesehen, bevor du kamst, und wir haben nur geredet… und ich ihr eine Hütte mit den anderen Mädchen zur Verfügung gestellt habe. Mehr nicht, Layla“
Ich ballte meine Fäuste an meinem Schoß und funkelte ihn weiter an, als ich mich zu Stella umdrehte, „hast du gelogen?“
Wie ich saß sie jetzt brav vor Rafe und senkte den Kopf. Sie zitterte und biss sich auf die Lippen, laut ihrem leisen Schnaufen haderte sie gerade.
„Aspen warum sie?“ schoss es dann aus ihr raus und sie ihren Kopf hob um Rafe anzusehen. Ich blinzelte sie an. Ich sah da wirklich Tränen in den Augen.
„Ich dachte du wärst mit ihr durch seitdem weil du ohne sie gekommen bist. Du warst … dann ist sie wieder aufgetaucht und ich dachte wir…“
„Wir?“ Rafe drehte sich halb zu Stella, „wir haben schon seit über ein Jahr nichts mehr miteinander. Und es tut mir auch leid, dass es für eine Partei immer Scheiße ausgeht. Das habe ich dir letztens auch schon gesagt, aber dafür brauchst du nicht… gott“ er strich sich mit der flachen Hand auf die Stirn, „dazu brauchst du Layla nicht so einen Scheiß erzählen und meine Beziehung kaputt machen!“
„Aber…“ sie sah wieder zu mir und ich ihren bösen Blick spürte, „das ist alles deine Schuld, warum bist du nicht einfach dort geblieben!? Du zerstörst alles was du anfasst! Das sagen alle hier!“
Ich biss auf meine Zähne, aber ich wollte nichts mehr dagegenreden.
„Halt die Klappe, Stella!“ brüllte Rafe böse, mit einem Ton den ich schon lange nicht mehr hörte.
Nun war es Stella die von der Couch stürmte, so schnell das sie Rafe kurz anrempelte und ich leise ein Schniefen hörte. Sie weinte. Ich hätte glaub ich an ihrer Stelle dasselbe getan, noch einen letzten Versuch hatte sie probiert. Aber jetzt war es zu Ende. Ash sah ihr noch nach als sie Tür aufriss und hinausrannte, er sah zu mir und verließ ebenso Rafes Hütte. Jetzt waren nurmehr wir beide hier.
„Du hast es ihr nicht ernsthaft geglaubt, Layla?“ fing nun Rafe nach ewigen Sekunden an, doch ich senkte meinen Kopf und starrte auf meine schmutzigen Stiefeletten.
„Ich kann in letzter Zeit nicht viel glauben…“ raunte ich leise und hob meinen Kopf wieder, Rafe war mir schon so nahe das er nur ein paar Zentimeter hatte meine Beine zu berühren. Jedoch wurden seine Gesichtszüge bei jedem Wort weicher und verletzlicher.
„Du hättest auch so gehandelt, gibs zu“ fragte ich leise und lehnte mich an die Lehnte.
„Ich schon, aber du nicht, Layla“
„Ist so nicht die Wildnis?“ zuckte ich die Achseln und sah ihn weiter unverwandt an. Ein Muskel zuckte an seiner Augenbraue mit der langen Narbe darüber. Schließlich gab er auf. Rafe kam einen Schritt zur Seite und setzte sich dicht neben mich auf die Couch. Durch unser Gewicht knarzte das Sofa kurz und ich einsank, aber wir blieben einfach so sinken und starrten nach vorne.
„Aber ich glaube in diesem Punkt hatte Stella Recht“ fing ich leise an und legte meinen Nacken an die Rückenlehne um zur Decke zu blinzeln, „alles was mit mir in Verbindung kommt stirbt oder endet im Chaos“
Nun drehte ich meinen Kopf, Rafe tat im Moment das gleiche und runzelte seine Brauen. Nicht so wie sonst hatte er nicht das letzte Wort und ließ mich ausreden. Und genau das machte mir Sorgen, weil ich damit wirklich Recht hatte.
„Ich liebe dich… aber ich kann nicht so weitermachen“ sprach ich leise aus das sich wie ein Schleifpapier an meiner Kehle fühlte, es fühlte sich unangenehm nass an meinen Augen an und ich weitersprach, „wenn ich ihm gebe was er will. Lässt er euch in Ruhe und…“
Rafe hob seine Hand und zog meinen Kopf sofort an seine Schulter und drückte mich so fest das ich kurz Schwierigkeiten die Luft einzuatmen. Ich schlang meine Arme um seinen Bauch und presste meine Stirn um die warme Kuhle zwischen Nacken und Schulter, selbst jetzt war der angenehme Kiefernduft den ich so liebte so präsent so als ob Rafe gerade eben aus dem Wald kam um mich zu holen.
„Wie oft ich mir wünschte, das wir einfach nur normale Leute sind. Ein normales Paar, die sich ein Leben in der Wildnis aufbauen. Mit einem kleinen Blockhaus, einem Garten inmitten einer großen Lichtung und nahe des Meeres. Mit vielen Kindern…“ sagte Rafe in tiefer Stimme, sodass es kurz in seinem Körper vibrierte soviel Kraft brauchte er für diesen Satz und drückte mich weiter an sich.
Ich nickte dazu und nuschelte nur, aber sein Ohr war nicht weit weg und er hätte mich verstanden, „es tut mir so leid, sie hat mich verwirrt… ich weiß nicht…“ schließlich brach meine Stimme weg und ich nach ewiger Zeit einfach den Tränen freien Lauf lief. Alles was sich in den letzten Wochen bereits angestaut hatte kam hervor, zwischen diesen Sätzen und Rafe mich einfach nur im Arm hielt und mich weinen ließ.
„Ich weiß nicht ob ich das schaffe…“
„Ich weiß dass du es schaffst, Layla. Du hast schon soviel geschafft, du bist robuster und stärker geworden und ich lasse nicht zu dass du zu ihm gehst. Verstanden?!“
Ich schloss meine Augen und krallte mich weiter an sein Leinenhemd, seine Muskeln darunter verspannte sich bei jeder Berührung und ich mich weiter an seine warme Haut schmiegte. Wie ein Anker der darauf wartete angelegt zu werden hielt er mich im Arm.
„Ich liebe dich, Layla und niemand. Wirklich niemand macht uns das kaputt! Weder Andrew, Leia, noch Stella oder andere die uns schaden wollen… ich möchte das du weiterlebst falls etwas passiert. Das du alt wirst und wieder Spaß am Leben hast…“
Ich riss meine Augen auf und löste mich kurz von der Umarmung. Dennoch saßen wir dicht voreinander und meine Hände an seiner Brust landeten. Rafe strich mir mit dem Finger über meine Wangen und seine Brauen sich weiter kräuselten. Er knarzte mit dem Kiefer und holte leise Luft, „das musst du mir versprechen… okay?“
„Du verlangst sovieles Rafe… ich könnte das nicht ohne…“
Rafe schüttelte den Kopf, es klang wie eine verletzliche Bitte die nicht seinem robusten Wesen entsprach. Und das ließ mein Herz in Zwei versetzen.
„Was hast du vor?“ brachte ich zwischen meinen Tränen noch heraus, doch sein Daumen fuhr zu meinem Kinn und er sich wieder ein Lächeln zaubern konnte. Das konnte Rafe in jeder Situation – egal ob Froh oder Trauer.
„Ich werde dem allen ein Ende setzen. Ich habe seit Titanias Warnung lange genug überlegt und ich weiß jetzt wie wir diesen Krieg beenden können, ohne das noch tausende Leben dafür bezahlen müssen. Ich und er… nur wir beide“
„Ein Zweikampf?“
„Wenn er nicht will artete das sowieso aus, denn ich werde ihn so oder so zusammenschlagen bis er nurmehr mit Rädern herumfahren kann…“ brummte er und fuhr durch eine Locke, während seine andere Hand noch an meinem Rücken war. Ich konnte es nicht in Worte fassen.
„Und du bleibst hier, Layla. Ich werde da nur mit Rhys und Ash hingehen als Begleitschutz. Es gib einen Kodex im Kriegsrecht hat mir Jaymes Whittles erklärt – jeder mit nur einen Funken Ehre hält das ein wenn einer der Parteien auf einen Waffenstillstand mit einem Gespräch plädiert. Ohne Waffen, auf neutralem Boden….“
„Wir sprechen hier von Andrew von Creston, du weißt das er nicht mit fairen Mitteln spielt! Er wird dich töten…“
Dann lächelte er wieder dieses freche Lächeln für das ich dahinschmelzen könnte, aber jetzt musste ich sachlich bleiben. Wie konnte er da so gelassen bleiben?
„Lass mich das meine Sorge bleiben, aber du …“ schnell wandelte sich seine Miene wieder, „du musst dein Versprechen einhalten, Layla. Mehr verlange ich dabei nicht…“
„Nur mit dir. Und ich werde mitgehen, da gibt es keine Diskussionen!“
„Layla…“
„Hör auf mit deinem Layla.“ Ich funkelte Rafe böse an und wischte mir eine Träne weg, er half mir dabei da meine Wange ganz nass war.
„Außerdem weißt du das er in der Stadt ist. Und ich glaube kaum dass er sich aus der sicheren Festung traut“
Wieder lächelte er und langsam wurde ich ungeduldig.
„Was ist jetzt deine Ausrede?“
„Weil ich weiß, dass er nicht in der Stadt ist. Er ist ganz in der Nähe, laut den Akasha-Kriegern, die zufällig auch noch unter unserem Banner kämpfen, wurde seine persönliche Garde einige Meilen südlich von hier gesehen. In einem alten Bunker für die Forschungsanlagen… und genau da treffen wir ihn ins Herz“
„Rafe ich habe dabei kein gutes Gefühl…“
„Vertraust du mir?“
Tausendmal ja, hätte ich gesagt. Aber das kam mir einfach viel zu waghalsig vor. Aber auf der einen Seite verstand ich ihn sehr gut, er wollte nicht andere Soldaten für uns kämpfen lassen sondern das auf diplomatische Sache.
„Diplomatisch? Mit deinem Temperament? Rafe das ist Selbstmord“ war meine Antwort und er genervt ausschnaufte.
„Ich muss das durchziehen. Es ist der einzige Weg“ klang er nun sehr ernst und wir so dasaßen auf der Couch. Ich atmete nochmal aus bis Rafe wieder meinen Blick suchte, „du solltest öfters am Rat teilnehmen, aber ich habe es auch erst heute Morgen mit den Drachen beschlossen. Sie sind immer noch auf unserer Seite, er hat keine andere Wahl als einzuknicken. Trotz dieser Waffe“
Ich schloss die Augen und nach gefühlter Ewigkeit öffnete ich sie wieder um zu Rafe hochzublicken, „und ich werde mitgehen. Das ist jetzt meine Aufgabe, oder?“
„Ich habe dazu kein Entscheidungsrecht mehr wenn du dir was in den Kopf steckst…“ er schnalzte mit der Zunge und seine Hand hinauf bis zu meinem Nacken wanderte.
„Nein. Ich bin die Freundin des Kronprinzen, ich mache was ich will“
Ein lachender Laut kam aus seinem Mund, und Rafe ungläubig den Kopf schüttelte. Jedoch hob er nun seine beiden Hände zu meiner Wange und zog meinen Kopf weiter zu ihm.
„Frau“ korrigierte er mich leise und ich dabei wieder lächelte. Sanft aber dennoch. Denn er schaffte es immer noch mich zum Lachen zu bringen.
„Und du versprichst mir das ohne weiter Thema zu wechseln?“
Ich biss auf meine Lippen und wollte nicht daran denken, falls dieser Fall mal eintreten sollte.
„Versprich du mir…“ ich hob meine Hand und berührte seine Handgelenke, „dass dieser Fall niemals eintritt“
Seine grünen Augen strahlten dabei, aber er sagte nichts darauf als er nach vorne ging und mich küsste. Doch dieser Kuss war anders als die anderen, zaghafter und sanfter. Nicht gierig und temperamentvoll wie sonst. Seine Zunge fuhr über meine Lippen und ich meine Augen schloss um den Moment noch kostbarer zu machen als er schon war. Seine Hände suchten sich ihre eigenen Wege, genauso wie die meinen. Von seinem muskulösen Oberkörper, seinen breiten Schultern oder den Haaren, die ihm frech im Nacken abstanden. Ich liebte ihn. Mehr als alles andere und ich einfach nicht konnte als ihm alles zu schenken was ich bin. Und Rafe es akzeptierte.
Seine Hände fuhren unter mein weißes Kleid und seine Finger an meiner nackten Haut mich kurz zum Aufstöhnen brachte. Ich knöpfte ihm währenddessen seine beiden Knöpfe an der Brust auf als ich ihn endlich daraus befreien wollte und der Kuss sich immer wieder vertiefte. Ich weiß nicht wie ich auf seinen Schoß gekommen bin, aber das war meine geringste Sorge. Ganz zu schweigen ob ich hier je wieder wegwollte. Seine Händen glitten immer tiefer hinunter…
Plötzlich klopfte jemand hastig an der Tür.
„Rafferty! Layla!“
„Das kann doch nicht sein Ernst sein!“ fauchte Rafe als wir uns lösten und mein Kleid schon langsam zu Boden flog. Ich bedeckte meine Brüste und wurde purpurrot, als Rafe schon aufstand nurmehr mit der langen ausgeleierten Jeanshose gekleidet und zerzausten Haaren als er die Haustür aufriss. Mein Vater stand davor und wollte wieder mit dem Stock ausholen um zu klopfen. Jack sah ernst aus und musterte lange Rafe der am Türrahmen stand, er runzelte die Brauen, „Rafferty Aspen Woodwork. Gut das ich noch rechtzeitig gekommen bin…“
Als er hinter Rafes Schulter blicken wollte, versperrte er dessen Sicht, „komm in einer Stunde nochmal, Jack“
Gelangweilt wollte Rafe ihm die Tür vor der Nase zuhauen, aber meine Stimme hielt ihn auf. Ich hatte mir schon das Kleid über den Kopf gezogen, „wir kommen gleich“
Mit schockierten Ausdruck blickte Rafe über seine Schulter zu mir nach hinten und formte sicher ein „dein Ernst?“ mit den Lippen, aber ich zuckte die Achseln.
„Könnt ihr bitte auf meine Bitte eingehen in getrennten Zimmern zu schlafen, oder…“
ZACK
Rafe hatte schon die Tür zugeschmissen und ging wieder zu mir zurück, „weißt du zuerst fand ich ihn ganz cool. Aber jetzt schwirrt er um uns herum wie ein Habicht. Dabei weiß er es ganz genau was wir beide am Laufen haben…“
Ich richtete wieder meine Haare und stand galant auf, als ich mir das Kleid glatt strich, „Er muss sich auch noch daran gewöhnen. Wie würdest du reagieren wenn du gerade deine Tochter kennenlernst und erfährst das du sie schon zweimal beim Beinahe Sex erwischt hast?“
Ich hatte Rafe schon lange nicht mehr sprachlos gemacht, aber er stand nur lässig vor mir und er rote Backen an seinem gebräunten Gesicht bekam. Er trippelte auf seinem Bizeps herum und malmte mit dem Kiefer.
„Ich sags ja nur“ lächelte ich und strich noch sanft über seine Oberarme, die sich bereits gefährlich angespannt hatten.
„Versteh ihn. Bitte“
Er schnaufte aus und fuhr sich durch seine schwarzen Haare, „ja, ich hätte schon längst die Tür eingetreten und dem Typ auf die …“
„Rafe“ mahnte ich und blieb an der Tür stehen als ich nurmehr wartete das er sich das Hemd anzog.
Mensch. Nein innerlich wollte ich das nicht.
„Jaja. Ich komm gleich“ raunte er wie ein großer Junge und ich hinaus zu meinem Vater schritt. Leise machte ich die Tür zu und er sich bereits auf die Treppen setzte. Jetzt sah er noch müder aus als sonst, das mit Leia ging ihm immer noch an die Nieren.
Ich berührte seine Schulter, als Jack sofort zu meiner Hand griff und wir so dastanden, beziehungsweise er saß immer noch. Seine Hand fühlte sich sehr kalt an und mit vielen Schnittverletzungen.
„Geht’s dir besser?“ fragte ich und setzte mich nun ganz neben ihm, meine Hand ruhte immer noch an seiner schlanken Schulter. ER hatte nicht so breite und muskulöse Schultern wie Rafe. Der warme Wind blies um uns herum.
Kurz schimmerten seine dunkelblauen Augen, bis er sich ein Lächeln aufzwang. Jetzt konnte ich mehr Details herauserkennen wie ähnlich ich ihm war.
„Ich hoffe der Junge nimmts mir nicht übel. Er hat mir ja schon erzählt wie ihr zusammengekommen seid… mit vielen traurigen Umständen die euch verfolgten…“ Jack ging nicht näher drauf ein, aber ich nickte dazu nur spärlich.
„Er ist ein klasse Mann, der Sohn seines Vaters. Ehrlich, zielstrebig und stark und ich könnte mir keinen besseren Schwiegersohn vorstellen. Vielleicht ein wenig raubeinig, aber gut. Aber… du bist immer noch wie mein kleines Mädchen….“
„ja gut“ sprach ich leise, „Dad“ und lehnte mich an seine Schulter, als ich meine Hand von ihm legte. Ich hätte schwören er hätte gezittert als ich ihn Dad nannte. Und es war alles die Wahrheit.
„Und war dieser Streit mit diesem blonden Mädchen auch nötig? Hast du Schmerzen, Layla?“ brummte seine Stimme als ich meine Füße anwinkelte und die Augen schloss.
„Ich… nein war keine gute Idee. Aber hier herrscht die Wildnis, oder? Und es ist leider nicht das erste Mal das ich mich geprügelt habe, da machen die blauen Flecken nicht viel wett“
Das meine Schulter und Magen vor Stellas Schlägen noch schmerzten sagte ich nicht laut.
Jetzt hatte ich ihn.
„Ja, stimmt schon. Aber das blaue Auge verheilt hoffentlich schnell, Rafe macht dir heute sicher einen Kräuterwickel“ sagte er leise und ich mich löste um die Augen zu öffnen. Ich wollte meinen Vater ansehen und nickte.
„Die Wildnis hat dich miterzogen, aber dennoch…“ er schlang seine Arme um meine Schulter und wir uns ansahen, tief und geduldig, „du bist eine Lady. Die schönste und beste Lady die ich je sah und eine zukünftige Königin“
Jack küsste meine Stirn und ich ließ ihn gewähren. Genau diese Momente ließen mich wieder Kraft schöpfen, für das was uns noch bevorstand

Ein neuer Plan

„Warum müsst ihr weg?“
Ich biss auf meine Lippen und kramte meinen Anzug aus dem Leinenbund, den ich vorher von Larissa bekam, Lex umrundete mich wieder als er sich gegen die Couch schmiss. Ich habe es ihm vorher schon gesagt, ich wiederhole mich nicht wieder.
„Und? Und? Und?“
„Wir haben gestern einen Raben geschickt und wir machen das. Fertig“ säumte ich ihn ab und richtete mich auf um Lex anzublinzeln, der auf der Lehnte sein Kinn drauflegte. Mir schien, das er immer schneller wuchs, obwohl er grade mal 10 oder 11 ist. Ich hatte leider seinen Geburtstag verpasst, genauso wie Rafes 20. Geburtstag im Jänner.
Seine schwarzen Haare saßen ihm tief in der Stirn und das Shirt etwas an seiner Schulter spannte, das er auch so krass wuchs. Strahlende grüne Augen mit Sommersprossen auf der Nase blinzelten mich an.
„Ist trotzdem keine Antwort, Layla“
„Und mehr musst du auch nicht wissen. Du bleibst hier bei Kira und Henry während wir das schaukeln…“
„Ich kann doch mitkommen. Der alte Mann mit dem Krückstock geht doch auch ein Stück mit…“ grummelte er und kratzte an einem alten Faden des braunen Stoffes des Sofas herum. Ich schnaufte leise aus und legte den Harpyienanzug zur Seite. Bei diesem Treffen sollte ich keine Rüstung tragen, obwohl alles in mir schrie es zu tun. Ich traute Andrew trotzdem nicht über den Weg. Ehre war diesem Monster fremd.
„Nein, das ist nichts für dich Lex“ sprach ich leise und schob mir das kurze schwarze Kleid her das mir Kira brachte. Sie hatte es mal aus Langeweile genäht neben den ganzen Brautjungfernkleidern. Für meinen Geschmack war es viel zu ausgeschnitten und zu kurz. Ich sollte dort formell hingehen, nicht wie eine Partygängerin in einen Club.
„Und dieser sexy Fetzen?“ Lex streckte seinen schlaksigen Arm aus um den Träger des Kleides zu ergreifen, er fuhr mit seinen schmutzigen Fingern darüber.
„Das ist für das Treffen“ schnaubte ich und legte das Kleid nun ganz auf das Sofa als ich meine Arme vor der Brust verschränkte und mir graute das darüber zu ziehen. Obwohl ich schon mal halbnackt herumlief, es war.. argh… mein Busen würde da rausfallen. Ich müsse nochmal drüber nähen. Kiras Maße waren doch etwas üppiger als meine.
„Mensch da fällt ja einem alles… ziehst du das mal an, wenn ich auf ein Fest gehe?“
Ich hob meine Brauen, „warum sollte ich das anziehen? Du hast dann eine andere Begleitung“
„Naja, meine Begleitung sollte dann wissen was für eine sexy Pflegemutter ich habe…“ frech wackelte er mit den dunklen Augenbrauen und ich könnte schwören das Rafe 2.0. einfach viel zu sehr wie der normale Rafe wird, würde er ins beste Alter kommen. Ich schnaufte genervt aus, antwortete aber nichts als die Tür zum Badezimmer hinter uns geöffnet wurde.
Mein Blick fiel zur Seite als Rafe fast noch nass und mit einem Handtuch an der Hüfte herauskam sodass ich im künstlichen Licht, immer noch nasse dampfende Tropfen auf seiner gebräunten Haut erspähte. Die harten Bauchmuskeln, die sehnigen Muskeln unter den Schultern und der Bizeps… mir entfleuchte unbewusst ein tiefes Seufzen. Und ich konnte es nicht mal aufhalten. Die nassen schwarzen Strähnen fielen ihm ins Gesicht, und mit einem zweiten Handtuch wischte er sich nochmal darüber. Ich krallte meine Nägel in den Oberkörper. Warum… war Lex jetzt hier und ich nochmal ein und ausatmete. Wir lebten zwar jetzt mit Lex in dieser kleinen Hütte, mit Überwachung meines Vaters. Aber so richtig Zeit für uns hatten wir seit unserem Wiedersehen nicht recht. Lex folgte meinem Blick und seufzte erneut, als er das Kleid auf Augenhöhe hob.
„Hey, Aspen was sagst du?“ Lex richtete sich auf und hob das schwarze Kleid noch höher. Rafe schmiss das Handtuch auf den Stuhl nahe des kleinen Esstisches und hob seine Braue. Mit präzisem Blick wanderten seine Augen das Hauch Stoff ab.
„Go oder No Go?“ sagte Lex und umrundete erneut das Sofa das er vor mir stand, immerhin ging er mir schon bis zur Schulter.
„Was?“ nun schaltete ich mich ein, „du hast keine Ahnung, Lex. Du hast noch ein paar Jahre bis zu Modetipps geben kannst“
„Anziehen“ unterbrach Rafe und kam einen Schritt näher, immerhin saß das Handtuch gerade zu tief und ich meine Schläfen massierte. Genervt schloss ich die Augen. Doch RAfes Auffassung war zu schnell das er Lex das Kleid aus den Händen nahm und es wieder vor sich her hielt. Ich roch bis hierher die Seife seiner Dusche. Männlich und… ach… ich wurde wieder rot.
„Ich bin für Go“ lächelte er frech und checkte das Kleid vor ihm nochmal ab, „woher hast du das Kleid?“
„Kira hats uns vorher gebracht“ antwortete Lex statt mir und stellte sich vor RAfe, als er das untere Ende des Kleides wieder in seinen Händen hielt. Die beiden so zu sehen verirrte meine Gedanken etwas. Lex sah zu Rafe auf wie ein echter Bruder, äußerlich könnten sie auch so durchgehen. Insgeheim habe ich mir schon oft gedacht ob die beiden weitschichtig verwandt waren. Hatte Mama vielleicht Wildlingsvorfahren? Könnte ich mir gut vorstellen.
Mit eiligen Schritten eilte ich nach vorne und nahm den beiden ihr neues Spielzeug weg. Ich legte es vorsichtig zusammen und legte es wieder zurück aufs Sofa.
„Mensch, Layla du Spielverderberin…“
„Ich bin keine Spielverderberin. Aber so ein Stoff ist sehr umgänglich, deshalb darf man den nicht sehr beanspruchen…“
Ich hörte Rafe hinter mir seufzen, „Lex hast du dann Lust endlich den Motor vom Bike abzuchecken?“
„WAS?!“ ich hörte ja schon direkt seine Euphorie und ich mich neugierig umdrehte.
„Bike?“
Rafe wollte den Mund aufmachen, doch Lex war mit seinem Mundwerk wieder schneller, „Rafe hat ein Bike gefunden vor zwei Wochen nahe eines alten Dorfes. Total verwuchert, aber wir haben das zusammengeflickt und die Teile dazu gebaut das es wieder fährt“
„Braucht noch einen Testlauf“ räusperte sich Rafe sichtlich stolz und lehnte sich lässig an die Armlehne des Sofas.
Lexs Augen strahlten noch in meine Richtung, „und ich darf fahren?“
„Pffeee what?“ neckte Rafe und kratzte sich die feuchten Strähnen zurück, „du bist noch zu jung“
„Und was ist mit Schwert kämpfen? Für das bin ich nicht zu jung!“ konterte Lex, doch RAfe widersprach ihm erneut, „das… ist was anderes. Sowas braucht man hier draußen. Aber wir fahren mit keinen Bikes in der Gegend rum. Wenigstens nicht die letzten zweihundert Jahre“
„Stimmt ein 10-Jähriger sollte noch nicht rumfahren…“ dabei gab ich Rafe recht, doch Lexs Mundwinkel blieben breit oben.
„Aber… Aspen du hast es versprochen“
„Versprochen ja, aber nur mit zwei Meter. Testlauf mache ich, Lex“ Rafe streckte etwas seine Wirbelsäule durch, „die anderen Kids möchten auch zuschauen“
Ich blinzelte zur Seite und lächelte sanft, „die Kids?“
Rafe unterstrich das noch, „die Kinder…“
„Ja weil sie dich lieben, Aspen“ Lex verschränkte etwas robust seine Arme vor dem blauen Shirt und setzte sich auf den Tisch. Ich mahnte kurz, „Lex…?“
„Was?“ blinzelte er und ich auf den Tisch deutete, „wir haben Stühle, darauf isst man“
„Ups“ kaschierte er unter dem sarkastischen Unterton und stand schnell auf als er mit langsamen Schritten Richtung Küche ging. Eher schlurfend, doch ich beobachtete jeden Gang von dem Jungen.
„Freu dich schon auf die Pubertät“ neckte RAfe mich und legte seine Wangen in die Hand, wie ich sah er zu Lex, der sich einen Saft aus dem Kühlschrank holte.
„Er sagte vorher ich wäre seine Pflegemutter…“ ich ging langsam zu Rafe neben der Armlehne, „ich glaube die Kinder lieben dich mehr als ihr eigenen Eltern. Du bist perfekt in der Rolle“
„Ist das jetzt ein Kompliment, Prinzessin“ grinste er und so schnell ich schaukeln konnte, fasste er meine Handgelenke und zog mich sanft auf seinen Schoß. ER saß nur halb auf der Armlehne, aber ich hatte auf dem Handtuch bestens Platz und kicherte schelmisch.
„Damit meinte ich, du bist das bessere Elternteil…“ ich sah in seine funkelnden grünen Augen, „ich habe… leider mit Kinder nicht viel am Hut“
„Ach komm. Wird schon noch, Layla. Lex kann dich doch auch gut leiden“ feixte er weiter und streichelte meinen Oberarm, das ich nicht widerstehen konnte meinen Arm um seine
breite Schulter zu schlingen. Ich bewunderte ihn immer wieder, wie gut er mit dem allen fertig wurde. Aber Rafe wollte und konnte das nie offen zeigen, und spielte das immer als den coolen jungen Mann ab der er war. Seine Hand wanderte zu meiner Taille und ich mir auf die Zunge biss, „Lex ist immer noch da…“
„JA! Bin ich… wäh… knutscht woanders“ Lex hatte sich mittlerweile mit dem Glas über die Theke gelehnt und streckte seine Zunge in unsere Richtung.
Rafe hob den Arm, „dann mach das du wegkommst…“
„Aber was ist mit dem Bike? Wenn ihr in ein paar Tagen aufbrecht, falls der Psycho zurückschreibt…“ Lex machte eine unschuldige Schnute und ich mich etwas von RAfe löste um meinen „Pflegesohn“ zu deuten, „und was ist wenn wir das mit dem Bike jetzt machen? Ich würde es auch gerne sehen“
Ich drehte mich zu RAfe, „solange wir das noch können…“
Ich wollte nicht direkt drauf ansprechen, aber laut seiner Miene die immer härter wurde bei jeder Silbe biss er sich auf die Lippen.
„Training hat heute morgen stattgefunden, Brief wurde entsandt, der Rat ist auch schon am Limit. Ja warum nicht?“ grinste Rafe obwohl ich das Gefühl hatte, ihm ging das etwas durch den Strich. Aber für Lex wollte ich das machen. Ich zeigte Lex mit den zwei Fingern das Peace Zeichen.
Lex grinste über beide Ohren und jubelte.
Wenigstens können wir einem eine Freude machen.

Zu fünft, mit Henry und Kira im Schlepptau, führte uns Lex zu einer alten fast kaputten Hütte, die als kleines Waffenlager und Schmiede diente. Vielleicht auch als alte Werkstatt, denn alles mögliche Werkzeug lag am Boden. Alte verrostete Metallteile, die einem Experiment zum Opfer fielen waren auf der Seite gestapelt und einige Male durchgeschweißt. Selbst der Geruch von verbrannten Metall und verbrannten Schweiß lag in der Luft. Ich rümpfte kurz die Nase als die Jungs weiter vor gingen um etwas von dem Vorhang zu befreien. Kira stellte sich mit den Armen verschränkt neben mich als wir ihnen zusahen, „bist du dir damit sicher?“
Ich wusste auf was sie hinauswollte und schloss die Augen, um weiter zu atmen.
„Habe ich eine andere Wahl?“
„Warum redest du ihm das nicht aus? Selbst Henry findet das eine reine Selbstmordaktion, was hat Rafe vor?“ nuschelte sie mit ärgerlicher Stimme und wechselte ihr Gewicht aufs andere Bein.
„Ich habe es probiert… und er weiß was er tut“ Hoffe ich zumindest.
Kira schüttelte den Kopf während Rafe und Henry das schwere große Motorrad aus der Kammer zogen. Lex kam aus dem Staunen nicht mehr raus.
„Er macht dicht und wenn ich das Thema anspreche umgeht er es immer… er hat alles im Griff meint er. Aber… ich werde daraus nicht schlau“
„Na dann kitzle es aus ihm raus. Verführ ihn… ist das jetzt eigentlich schon besser geworden mit deinem Dad?“
Endlich wieder Girlie-Talk. Fehlte mir jetzt noch, aber es tat mal gut als wir beide Platz machten um uns an die Tischkante lehnten als die Jungs das quietschende Bike hinausrollten. Rafe nahm es vorne bei den Lenkstangen, Henry hinten am Sitz. Das Teil musste locker doppelt so schwer sein wie die beiden, als die Räder über den Dreck laut rollten. Neu sah das nicht aus und ich meine Augen weiter aufriss. Bis auf die Automobile zuhause, oder die alten Autos die sie damals hier fuhren hatte ich noch nie so ein Zweirad gesehen. Gut das ich da nicht mitfuhr. Sah aus wie ein Monster auf zwei Rädern.
Langsam folgten wir ihnen raus, als sie sich neckend was zuriefen.
„Dad ist schlimmer als jede Mutter da draußen die ihr Kind hüten will. ER lässt uns nicht in einem Zimmer schlafen, Rafe schleicht sich immer vom Sofa heimlich in mein Bett. Lex soll das ja auch nicht hören und…“ ich biss auf meine Lippen, aber es war Kira, „für Zweisamkeiten haben wir nicht mehr recht Zeit. Ich bin meist müde, er ist müde. Lex ist oft da und mein Dad… dann das alles…“
„Dann nehmen wir mal Lex, kann doch nicht so schwer sein. Und dein Dad… hallo? Ihr habt euch früher auch nicht davon abhalten lassen“ wir kamen wieder hinaus, als wir am angrenzenden Wald halt machten. Sogar einige Kinder kamen herbeigeeilt, dass sich das auch so rumspricht.
„Ich weiß… aber, derweil liegt das noch auf der Strecke“ seufzte ich und wir beide uns auf einen großen Stein setzten während Rafe und Henry noch einige Korrekturen am Motor vornahmen. Dass dadurch viel Schmieröl floss, das sie aus anderen Dörfern stahlen, war ihnen egal. Auch nicht ihren Hemden und zerfledderten Hosen. Lex hockte sich daneben und gab Anleitungen. Er versuchte es zumindest.
Kira warf ihre schwarzen Locken zurück als wir beide unsere langen Beine kreuzten und das Schauspiel beobachteten.
Die kleinen Mädchen und Jungs scharrten sich lächelnd um Rafe, der ihnen immer wieder mit Geduld und Sachlichkeit erklärte was er da herumschnaubte. Henry konnte genauso gut mit den Kindern – wenn man in einer Großfamilie aufwuchs hatten die beiden kein Problem damit. Ich seufzte.
„Passt mit Henry denn auch alles?“ fragte ich dann durch die lachenden Laute vor uns und Kira zu seufzen anfing, meist ein gutes Zeichen.
„Alles super…“ Kira stoppte kurz und atmete, „hätte nicht gedacht mal einen Kerl zu finden mit dem ich wirklich in einem Haus zusammenlebe ohne ihn umzubringen. Sex passt auch. Witz passt, ich freue mich jetzt schon auf das Gesicht meines Dads wenn er Henry kennenlernt“ kicherte sie melodisch, dennoch in einem Ton was ich nicht genau deuten konnte. Sie sah mich dabei nicht an und sie sogar schluckte. Was?
„Ist was passiert?“ fragte ich, doch Kira deutete bereits mit einer Handbewegung.
„Nö. Wie gesagt, alles gut“ sie sah zurück als suche sie nach jemanden. Ich folgte ihrer Bewegung aber hinter uns war nur die alte Blockhütte wo die Jungs das Motorrad rausschoben. Nun legte ich den Kopf in den Nacken. Wenigstens war es wieder ein angenehmer Frühsommertag und ich konnte es nicht glauben, dass ich schon fast ein Jahr von zuhause fort war. Fast ein Jahr? Mir kam es schon wie Ewigkeiten vor…
Kira und ich drehten uns wieder nach vorne, dennoch wollte ich noch was aus ihr rauskitzeln…
Da spürte ich wie mich jemand am Knie anstupste. Ich sah wieder vom Himmel hinab auf ein kleines Mädchen mit dunkelbraunen Ponyzöpfen und braunem Kleidchen. Ihre Pausbacken strahlten in einem gesunden Rosa und ich sanft lächelte, ihre schönen kristallblauen Augen kannte ich irgendwoher… und ich nahm kurz Luft als Becky Riley mich erneut sanft am Knie anstupste. Ashs kleine Halbschwester.
„Kannst du wirklich fliegen?“
„Ähm… ja. Ja“ ich verkniff mir die Frage, du auch? Beckys Mutter, Celine, war ein Hybrid. Aber derweil machte sie noch keine Anzeichen selbst Flügel zu haben. Wahrscheinlich kommt das erst mit den Jahren, so wie es bei mir der Fall war.
„Ich finde…“ sie kramte etwas mit ihren Schühchen im Sand und senkte den Kopf. Ash hatte mir ja schon erzählt, dass es ihr trotz des Umstands ihrer Mutter gut erging. Sie besuchte hier zur Schule, hatte Freunde und Ash kümmerte sich goldig um sie. Bis der Vater jemals vom Koma aufwachte aufdass ich hoffte.
„Ich finde du bist eine tolle Kriegerin. Wenn ich groß bin möchte ich mal so werden wie du“
„AWww“ das waren Kiras Laute als ich meine Augen aufriss und zu dem kleinen Mädchen hinab sah. Ich konnte kurz nicht realisieren was sie da von sich gab.
Stattdessen beugte sich Kira herab, nahm sie unter den Achseln und setzte Becky auf ihren Schoß.
„Ich rette dich schon, Layla“
Ich formte ein leises Danke und dachte darüber nach wie ich wirklich mal als Mutter taugen würde. Auch wenn Rafe es sagte, ich selbst konnte das noch nicht glauben. Ich schluckte und beobachtete, dass einige junge Mädchen in unserem Alter auch die Show genossen und Rafe und Henry bestaunten wie einen Weihnachtsbraten. Sie klebten ja förmlich an ihren Lippen und ich Kira schon knurren hörte, „das sind diese Mädchen aus dem Puff… und wegen deiner Schlägerei mit dieser Stella hast du mein vollstes Verständnis“
Ihre braunen Augen formten sich zu Schlitzen die zwei Mädchen nahe bei Henry beobachteten die gerade seinen Bizeps lobten. Lächelnd spielte er mit seinen Muskeln als e sich etwas Öl mit seinem Tuch vom kantigen Gesicht wischte. Ich strich mit der Zunge über meine noch immer aufgeplatzte Lippe, als ich einen leichten Stich in der Augenhöhle spürte. Mist ja das Veilchen sah man auch immer noch. Aber bis auf blaue Flecken an Schultern und Beinen hätte ich mir es schlimmer vorgestellt. Dennoch schweifte mein Blick durch die kleine Menge, aber Stella konnte ich nicht finden. Wäre vielleicht auch besser so… ich sollte mich noch entschuldigen für die Aktion neulich.
Ein gurrendes Gekicher ließ mich aufschauen als zwei Mädchen, eine Braunhaarige und eine Blonde, meiner Größe und Alter neben Rafe standen und ihm wie mir schien tausende Fragen stellten. Dabei wanderten ihre Blicke immer um ihn herum und eine sogar seinen Oberarm anfasste. Natürlich keckte Rafe mit und fuhr sich durch seine schwarzen Haare. Seine weißen Zähne glänzten in seinem Grinsen und ich meine Finger an den Stein krallte. Becky sah nur verwirrt zwischen mir und Kira hin und her.
„Eifersüchtig?“ erschien plötzlich wie aus dem Nichts ein grinsender Rhys neben uns auf. Kira schnappte nach Luft und auch Becky kurz aufkeuchte. Ich zuckte nur kurz und ballte meine Fäuste auf den Schoß um zu ihn hochzublicken. Und das nicht nett.
„Musst du uns so erschrecken?“
Rhys kicherte in aller Drachenmanier und verschränkte seine muskulösen Arme vor der Brust. Seine azurblauen Augen leuchteten im matten Sonnenlicht zu mir runter und er seine Schadenfreude nicht mehr unterdrücken konnte. Selbst die dunkelblauen Spitzen in den schwarzen Haaren glänzten im Licht. Ich stützte meinen Kopf in die Handfläche.
„Ihr solltet mal eure Gesichter sehen. Haha. Seid nicht so eifersüchtig und stellt euch dazu. Macht alleine schon Spaß ihnen beim Werken zuzusehen“ lächelte er in tiefer Stimme weiter und kratzte sich am Hals wo die lange Narbe bis zu seinem halboffenen Hemd zu sehen war.
„Sind wir nicht. Wir beobachten nur und analysieren“ korrigierte Kira wieder in ihrer normalen Stimme und wippte Becky in ihrem Schoß, die ihre Aufmerksamkeit wieder nach vorne richtete.
„Ach echt?“
Ich formte ein Nein er solle sich nicht mit Kira anlegen, aber da war es schon zu spät.
„Ja echt!“ fauchte sie und hob ihren Kopf wieder zu dem Menschendrachen.
Rhys liebte Herausforderungen aber ich wachelte kurz mit der anderen Hand um ihn zum stoppen zu bringen.
„Nein… tus nicht. Bitte“
Bevor Rhys lachend kontern konnte riss uns ein lautes Motorgeräusch aus diesem konfusen Gespräch. Gleichzeitig sahen wir nach vorne als schon das Motorrad seine ersten Rauchwolken vom Auspuff ausgab und es komisch nach verbranntem ÖL stank. Auf dem grauen Motorrad mit den feuerroten Flammen am Lack zu sehen waren, und ich japste kurz als ich Lex auf dem langen Sitz sah. Er beugte sich nach vorne und drehte einen Hebel an den beiden Lenkstangen. Der Motor röhrte wieder laut auf.
„Jetzt brauche ich noch eine coole Sonnenbrille und eine zerfetzte Lederjacke dann bin ich ein Biker!“ lächelte er als Rafe seine Hände auf die kleinen Hände des Kindes legte, damit er ja keinen Fehler machte. Selbst die Kinder waren kurz aufgeschreckt, jubelten aber dann über Lex Erfolg. Das machte ihn sicher zum Helden in der Schule.
„Sauscharf, Lex“ lächelte Henry, der sich mittlerweile sein Hemd auszog und seine männlichen Muskeln am Oberkörper präsentierte. Natürlich.
Rafe behielt noch sein Hemd an, aber er war übersäht mit schwarzen Ölspuren. Selbst auf seinem gebräunten Gesicht, jedoch stachen seine schimmernden grünen Augen einfach raus.
„Also, Lex!“ sprach Rafe laut über die grölenden Motorgeräusche als er sein Bein um das Zweirad schlang und Lex sofort verstand seinem Bruder Platz zu machen. Er hielt umschlang Rafes Bauch als dieser die Position des Fahrers übernahm und seine beiden Hände an die Lenkstange brachte. Er trat auf ein Pedal, sodass wieder eine laute graue Wolke aus dem Auspuff kam. Henry schrie das die Kinder etwas zur Seite gingen.
„Uh jetzt wird’s interessant. Aber ich wette dieses Bike ist nicht so cool zu reiten wie ich…“
Ich verhielt mir ein Kichern, „eifersüchtig?“
Kira lachte laut und auch Becky. Das Rhys leise neben mir schnaubte lies mich kurz die Überhand gewinnen.
Aber ich musste gestehen. Obwohl ein innerer Klos schrie den beiden nachzuschreien und zu sagen sie sollen sich einen Helm auf den Kopf setzen, blies ich noch in den Wind. Ich wollte keine Spaßbremse sein und ich Rafe vertraute. Ich seufzte noch leise, als Rafe schon die lange Lenkstange drehte und auf einen Kopf drückte als das Bike schon laut davonbrauste. ES war so laut, das es mich an einen Drachenschrei erinnerte. Aber jubelnd winkten die Kinder und Mädchen den beiden hinterher. Schließlich musste ich aufstehen damit ich sie noch kurz bestaunen konnte, bevor sie zwischen den Bäumen verschwanden. Durch den Motor konnte man ja wissen wo sie waren.
„WOW. Henry!“ schrie Kira, „ich möchte mit dir nachher auch fahren!“
Ich wusste nicht was Henry ihr deutete da ich immer noch hoffnungsvoll zu der Stelle des Waldrandes schielte wo Rafe und Lex mit dem Motorrad verschwanden. Schließlich wurde das Brausen wieder lauter und der grelle Scheinwerfer des Bikes wieder zum Vorschein kam. Ich wollte einige Schritte zurückgehen als das Bike nahe neben mir zu stehen blieb und die beiden aussahen als ob sie direkt in einen Stromkreis gerieten. Lex hörte nicht auf zu lachen und klammerte sich aber immer noch zitternd an Rafes dreckiges Hemd.
„HEILIGER BANANENBAUM“ schrie er und löste sich von Rafe. Dieser grinste einfach nur frech und lockerte seine Haltung, immer noch das Bike am Starten als Lex vom Bike steigen wollte, aber ich ihm half. Er war ganz verschwitzt und die schwarzen Haare ihm zu Berge standen, „DAS WAR VOLL COOL! Habt ihr das gesehen?“
Schließlich drehte Rafe seinen Kopf zu mir und ein düsteres Lächeln seine Lippen umspielte.
„Jetzt zu dir“
„Was….?“
Doch ich hatte keine Chance vor Rafes Schnelligkeit das er sich an meine Oberarme krallte und mich über den Zweisitzer warf.
„Rafe!“ wollte ich noch protestieren aber er drehte schon die Lenkstange, benutzte die Pedale an seinen Füßen und brauste davon. Unter johlenden Schreien und Jubeln fing ich laut zu schreien and und schlang die Arme um seinen Bauch als ich Lexs Platz einnahm. Das Gefährt beschleunigte so schnell das ich kurz meine Augen schließen musste und einfach schrie. Selbst den lauten Motor übertönte ich als Rafe mit mir in den Wald fuhr.

Zwei Herzen inmitten des Krieges

 Schnell machte ich die Augen auf und spürte den vertrauten Fahrtwind an meinen Wangen, den ich so gut vom Fliegen kannte. Aber im Gegensatz zu der Luft schweiften die Bäume herum, und das Motorrad sich einige Male in die Kurve bog um den starken Stämmen auszuweichen. Schließlich ließen wir den Wald hinter uns und kamen auf eine spröde alte Asphaltstraße die mal ein Highway war. Eins musste man dem Bike schon lassen, für seinen Zustand raste es immer noch stark auf der Straße und ich über Rafes Schulter blickte. Er hatte den Weg fest im Blick und blinzelte gegen den Wind, doch ich krallte mich mehr an sein Hemd.
„Musik gefällig?“ hörte ich seine tiefe Stimme über die lauten Motorgeräusche und drückte auf einen Knopf als eine mir unbekannte Rockmusik aus den vielen Schaltungen vorne kam. Der Sänger rauschte mit der rauchigen Stimme etwas von „Welcome the jungle“ hervor. Ich schüttelte den Kopf und lehnte mein Kinn auf seine Schulter. Neben uns zogen die Bäume vorbei, schmale Seen und eine Herde Hirsche und Rehe liefen eiligst auseinander als wir neben ihnen herfuhren. Sogar einzelne kaputte Häuser, die von den Ranken der Natur eingenommen waren erspähte ich und sah kurz über meine eigene Schulter. Wir mussten schon einige Kilometer von dem Dorf entfernt sein, aber Rafe blieb weiterhin auf der Asphaltstraße. Sogar eine kleine Wandergruppe starrte uns am Rande der Straße mit großen Augen an, natürlich fuhr nicht jeden Tag jemand mit einem Bike da vorbei. Dann lächelte ich und legte mein Kinn wieder an seine starke Schulter. IN meinem Kopf klingelte das brave Mädchen wir sollten umdrehen, aber ich überlies Rafe die Führung. Ich drückte meine Hände mehr gegen seinen Brustkorb und drückte ihm einen Kuss auf die raue Wange.
„Danke“ flüsterte ich an sein Ohr und drückte mich weiter an seinen Rücken. Ich wusste dass er es hörte.
Nur für Sekunden wollte er sich umdrehen, behielt den Blick jedoch nach vorne und das spitzbübische Grinsen noch breiter wurde, „ich wusste ja das dir das gefällt, Layla“
Schließlich bog er eine kleine Asphaltstraße ein, die ziemlich von Bäumen überwuchert war, aber Rafe wich ihnen locker aus so als ob er schon dutzend Mal mit dem Ding gefahren wäre und die Dämmerung sich langsam über uns erhob. Waren wir wirklich schon so lange unterwegs?
Ich spähte weiter durch den kaputten Asphaltweg, als sich dort eine kleine Hütte am Ende der Straße bemerkbar machte. Brummend nahm Rafe eine kleine Kurve damit wir vor der Veranda zum stehen kamen. Kurz röhrte noch der Motor und ruckelte, aber nach einem Knopfdruck verstummte es und nur die aufgescheuchten Vögel über uns laut krächzten.
„Das.war.abgefahren. Seit wann kannst du das?“ keuchte ich lachend hervor und warf meine zerzausten Haare nach hinten und machte mir schnell einen Zopf. Rafe richtete sich im Sitzen wieder gerade auf und sah über seine Schulter. Dennoch zuckte er mit ihnen, „nun. Ich bin halt ein Alleskönner. Und man sollte damit zu umgehen wissen, wenn man es wochenlang repariert. Und ich habe so ein ähnliches Teil schon mal zusammengebaut mit 14“
Rafe wischte sich kurz den Schweiß mit dem Arm von der Stirn und sah zu dem Weg zurück wo wir herkamen. Ich machte es ihm nach.
„Warst du schonmal hier?“
„Nur kurz wie wir mal auf Erkundung waren. DA ist mir das Haus gleich aufgefallen…“
„Ungestört?“ neckte ich ihn und beugte mich nach vorne, schnell ließ er vom Weg ab und drehte sich wieder über seine Schulter. Er wackelte mit seinen dunklen Augenbrauen. Das war mir Antwort genug.
Doch Rafe schwang sich als erstes vom Bike als er den Ständer löste damit es stehen konnte und hob mich vom Sitz. Ich lag in seinen Armen und konnte nicht zu grinsen aufhören. Endlich. Endlich waren wir alleine.
„Das war reine Absicht. Nicht wahr? Rafferty Woodwork?“ berührte ich mit einem Finger seine Brust als er die wenigen Treppen hinaufrannte und mit dem Fuß die morsche Tür eintrat. Natürlich war sie unbewohnt. Und glich innen den Blockhütten im Dorf. Sie hatte wohl schon einige Dellen am Dach und Holzboden, sowie in den Wänden. Das Wohnzimmer hatte nur eine zerfetzte alte Couch und einen kaputten Fernseher inne mit einer erkalteten Feuerstelle in der Mitte. ES führten noch zwei weitere Türen wohin, aber Rafe schmiss schon die Tür hinter sich zu.
„Das war mein Plan, Prinzessin“ er trug mich aber nicht zur Couch sondern trat die nächste Tür ein, in ein fast verdunkeltes Schlafzimmer mit einem alten Bett und zwei Nachtkästchen. Alleine der Moschusduft hätte mich damals abgeschreckt, jetzt kannte ich keinen anderen Duft mehr und solange Rafe hier, würde ich sogar im Matsch schlafen.
Hatte ich auch mal gemacht.
Rafe warf mich leicht aufs Bett, dass die Matratze knarzte und er vor dem Gestell stehen blieb. Scharfe grüne Augen voller Begierde betrachteten mich von oben bis unten und ich mir auf die Lippen biss. Ich hatte heute ein kurzes olivgrünes Kleid mit schwarzen Leggins an und zog meine Beine etwas zu mir. Langsam natürlich. Durch das orangene Dämmerungslicht durch die Markisen sah ich seinen muskulösen Körper nur schattenhaft, aber ich zeigte mit dem Finger das er zu mir kommen sollte. Ich musste das Rafe nicht zweimal sagen und er wie ein Raubtier auf alle vieren auf die Matratze stieg. Ich krabbelte kurz ans andere Ende und blinzelte verführerisch mit den Augen.
„Weißt du… ich glaube ich habe für eine Schwäche für Motorrad Fahrer… ich böses Mädchen“
Rafe knurrte leise und berührte meine Fußknöchel und fuhr hinauf bis zu den Waden.
„Ich glaube ich kann böse Mädchen handeln…“ grinste er frech und mein Herz in schlimmen Tönen und ohne Rhythmus in meinem Brustkorb schlug.
Seine Hände und sein Oberkörper wanderten fast schon über mich, als ich einen Trick anwendete den ich bei den Harpyien lernte. Ich verzweigte meine Beine mit seinen und mit überraschten Laut drehte ich ihn auf den Rücken damit ich ihn in der Mangel hatte. Rafe ließ sich das natürlich gefallen und fuhr über meine Taille und seine Lippen gierig an meinem Hals landeten. Ich krallte meine Hände an sein Shirt und schloss sinnlich die Augen. Als er kurz losließ schob ich ihm das schmutzige Hemd vom Körper und warf es zur Seite. ICH senkte meinen Kopf und unsere Lippen sich wie Verdurstende erreichten. Meine Hände gingen über seinen stahlarten Bauch und der schwitzenden Brust auf Wanderschaft, ich strich über verheilte Narben und gierte mich nach mehr. Unsere Zungen berührten sich wie eine und ich spürte wie Rafe mein Kleid empor schieben wollten damit seine warmen Hände meinen Rücken berühren konnten. Ich verbrannte darunter und bewegte meine Hüften über ihm. Ein kehliger Laut kam aus seinem Mund und ich spürte wie ihm das gefiel. Larissas Tipps waren doch sehr gut, ich musste ihr später danken.
IN meinem Körper fraß sich ein Feuer das erwidert wollte, das geliebt werden wollte von meinem einzigen Zasahik. Von meinem Geliebten, meinem Retter, meinem Blödmann, meinem Mann, meinem Aspen.
Selbst wenn wir noch halb angezogen waren, war dieses Vorspiel so intensiv das ich leise aufstöhnte während wir uns weiter küssten. Bis Rafe sich löste und mein Kleid schon so weit hinaufschob, das er bereits über mein Höschen griff um es auch runterzuschieben und ich mich langsam erhob und rittlings auf ihm draufsaß. Ich sah seine Umrisse, aber seine grünen Augen funkelten im Halblicht das mir ganz schwummrig wurde. Ich biss mir auf die geschwollenen Lippen und Rafe frech zurücklächelte, „diese Nummer ist neu. Aber bei Gott ich liebe es jetzt schon…“
Seine raue Stimme versetzte mich weiter in Ekstase und öffnete meinen Haargummi, als ich meine Haare befreite und sie wie kaschmirrotes Wasser über meine Schultern bis zum Rücken flogen. Der wilde Look gefiel mir, aber nicht nur mir.
Rafes Hand ging vom Rücken nach vorne und fuhr über meinen Bauch und bis zum Busen.
„Ich hatte… eine gute Unterweiserin. ICH bin nicht mehr das schüchterne Mädchen, weißt du?“ flüsterte ich mit erotischem Unterton und ich bei dem Gedanken an Jack leise kicherte.
„Was?“ neckte Rafe mich und wollte mich wieder zu sich runterholen, aber ich stoppte kurz und verriet ihm meine Gedanken, „wir sollten das meinem Vater nicht erzählen…“
„Der würde sich dann endgültig einen Herzinfarkt einhandeln“ scherzte Rafe und ich meine Wirbelsäule durchstreckte damit ich über ihm saß. Ich bewegte meine Hüften weiter und schob mir von selbst mein grünes Kleid vom Körper als ich es zur Seite schmiss. Der schwarze einfache BH war nur noch im Weg, aber Rafe hatte darin Übung als seine andere Hand, die immer noch an meinem Po ruhte, hinaufrutschte und mit einer Bewegung den Verschluss öffnete. Mit den Augenbrauen wackelnd, schob er ihn zur Seite und richtete sich auf damit wir nun fast auf Augenhöhe waren.
Das mein nackter Busen auf seine Brust gepresst wurde, war so eine Wohltuung. Die reinste Begierde lag in unser beiden Augen als seine Hand weiter höher ging bis zum meinem Nacken als er meinen Kopf zu sich hob und wir uns wieder küssen konnten.
Sein Daumen strich über meine erhitzte Wange und ich dasselbe mit seiner tat. Sie war rau von seinen Bartstoppeln und Rafe kurz stoppte. Er beendete den leidenschaftlichen Kuss mit einem federleichten auf meinen Lippen, das wir uns wieder ansehen konnten.
Für Sekunden starrten wir uns einfach an, bis er wieder redete, „ich liebe dich, Layla Fray“
Mein Grinsen wurde breiter und ich meinen Kopf hob bevor ich ihn wieder küssen konnte, „du weißt das ich immer dein war, Rafferty Woodwork. Mit allem was dazugehört, bei Gott wie konnte ich nur ohne dich…“
Rafes Lippen landeten begierig auf meinen Lippen bis er wieder die Führung übernahm und mich auf den Rücken drehte, schnell entledigten wir uns den letzten Resten Kleidung die wir am Leibe trugen. Wir hörten nicht auf uns zu küssen, selbst als er meine Stiefeletten an die Wand schmiss, ich seine Hose aufmachte und Rafe tat was er einfach gut konnte. Eine Frau glücklich machen. Er löste sich von mir und mit einem verräterischen Grinsen öffnete er meine Beine und robbte zurück damit ich im Kissen lag und meine Augen aufriss.
Gute Güte! GUTE GÜTE! Das war neu aber als ich schon stöhnte was er zwischen meinen Beinen tat krallte ich mich ins Kissen und schloss die Augen. Vergessen war alles um uns herum, hier in diesen vier Wänden wollte ich so schnell nicht mehr rauskommen. Ich stöhnte Rafes Namen, was ihn animierte weiterzumachen und kurz bevor ich zum Höhepunkt kam, stoppte er und lehnte sich mit seinen starken Armen wieder zu mir hoch. Ich öffnete die Augen und machte einen bösen Ausdruck, „du bist gemein…“ natürlich schnaufte ich dazwischen und er wieder frech grinste.
„Ja das kannst du wieder!“
„SChhh… Prinzessin“ legte er einen Finger an meine feuchten Lippen und die schwarzen Strähnen ihm in die Stirn fielen. Ich biss fast auf seinen Finger und er einen kehligen Laut von sich gab, schließlich hob er seinen Arm, als er von meinem Busen, hinunter zum Bauch und Hüften fuhr. Schließlich berührten seine warmen Hände meinen glühenden Oberschenkel den er umfasste mit seinen großen Händen und mich fast grob weiter zurück schob. Seine andere Hand fuhr zu meiner Wange und die grünen Augen jedes Detail meines Gesichts begutachteten. Ich streckte meine Wirbelsäule durch damit ich meine Beine heben konnte um seine Hüfte zu umschlingen, somit drückten sich unsere Körper schon wie von selbst aneinander. Seine Hand erreichte eine lange rote Locke die er an seine Nase hielt und sinnlich den Duft einzog, genau wie ich den seinen.
„Gefangen“ protzte ich lächelnd und hob meine Beine noch mehr, selbst jetzt verging sein freches Lächeln nicht, „Rache ist süß, Prinzessin“
Dann schaltete sich etwas in meinem Kopf aus und meine Mundwinkel senkten sich leicht nach unten – selbst meine Brauen und ich mich ins Kissen zurücksinken ließ. Rafes Mundwinkel zuckten und versuchte meine Miene zu deuten, „was ist los?“
Er horchte sich nicht mehr sehr verführerisch, sondern immens besorgt an und ich leise seufzte, „haben wir was da? Zur Verhütung? Ich…“
Ein Muskel in seinem kantigen Gesicht zuckte dazu.
„Ich kann das noch nicht wieder durchleben…“
Was für ein Stimmungskiller! Aber seit dem Vorfall mit dem Ungeborenen wuchs die Sorge stetig, ich hatte sogar kurze Panik im Nest nachdem Rafe und ich unsere Wildnis-Hochzeit vollzogen ohne der Wirkung der hinfälligen Verhütungsspritze. Nach einem Monat hatte ich die Gewissheit das nichts passierte.
Ich hob meine Arme um seine Haare am Nacken zu streicheln, doch schnell wandelte sich sein besorgtes Äußeres wieder lockerer. Zärtlich senkte er seinen Kopf und küsste mich lange auf die Stirn. Meine Schläfen pochten dazu wie wild.
„Glaubst du ich schleife dich in eine romantische Hütte ohne was mitzunehmen? Außer du magst…“
„Sicher ein Kondom?“ ich hob meinen Kopf und ich leicht mit seinem Kinn zusammenprallte Rafe kicherte bebend, schließlich befreite er sich aus meinem Beingriff um zur Kante hinunter zu unseren Klamotten am Boden zu greifen. Ich blieb noch auf dem Rücken und beobachtete die Umrisse seines gestählten nackten Rückens, ich hoffte jetzt hatte ich die Stimmung nicht recht versaut. Schließlich ergriff er raschelnd etwas als er sich mit einem Schwung wieder halb auf mich rollte um sich mit den Unterarmen neben meinem Gesicht zu platzieren.
Er hielt etwas viereckiges in der Hand als er vor meinem Gesicht damit herumwachelte.
Lächelnd berührte ich seine Handgelenke und fluchte leise mit einer Prise Humor, dann wurden seine Züge allerdings wieder schärfer als er mein Gesicht musterte.
„Du brauchst noch Zeit. Ich weiß das, Layla, aber eines Tages wirst du keine andere Wahl mehr haben als mir zu widerstehen…“
Ich biss mir auf die Zunge, „eines Tages werde ich so weit sein, Rafe. Das ist mein Wort. Ich möchte ja Kinder aber…“ ich hob meine Hand und platzierte sie auf seine stoppelige Wange, „ich kann es jetzt noch nicht“
Rafe gab einen lachenden Laut von sich und musterte erneut mein Gesicht, „mindestens fünf oder vier…“
„Na du hast leicht reden, du musst das nicht aus deiner… naja du weißt schon pressen“ raunte ich mit lächelndem Unterton, „müssen wir das jetzt besprechen?“
Er schnaufte leicht aus und raschelte wieder mit dem Kondom in seinen Fingern, dann grinste er spöttisch das mir Schmetterlinge im Bauch verursachte. Schließlich schlang ich meine Beine wieder um seine Hüfte und er leise redete, „irgendwann kommst du nicht drum herum, Prinzessin“ seine Hand landete schnell an meinem Oberschenkel als er mich wieder mit dieser unbändigen Kraft mehr unter sich schob und ich mich an seinen Oberarmen festhielt. Dabei kamen die Nägel zum Einsatz.
„Irgendwann haben wir beide gemeinsam die Chance und dann feiern wir“ lächelte ich zuckersüß als er kurz daran handierte und mich weiter unter sich schob, dabei sorgte er sorgsam drauf das er mich nicht zerquetschte.
Stürmisch küsste er mich wieder voller Leidenschaft auf den Mund das ich ihn erwiderte und die Arme um seinen Hals schlang, ich fing an mich mit den Hüften an ihm zu bewegen um ihn wieder zu dem Wilden zu machen der mich in Ekstase brachte, und genau diese Gedanken an eine Zukunft voller Hoffnung machte mir eine Perspektive auf etwas Neues. Gemeinsam mit meinen Freunden, mit meinem neu gefunden Vater, den Harpyien in Friede und dem Mann den ich mit vollem Herzen liebte. Und Jesus, ich liebte ihn über alles.
Als er schließlich mit einem Ruck in mich glitt, stöhnte ich laut seinen Namen und alles so perfekt schien Rafe in mir zu spüren. Er stemmte sich auf seine Unterarme, die sein Gewicht stemmten und ich sanft über seine angespannten Muskeln fuhr. Wir küssten uns erneut als wir uns aneinander wie im Rhythmus bewegten und die Gedanken bei uns blieben. In diesen vier Wänden. Zwischen uns beiden.

 

Neues Leben?

 „Eier oder Huhn? Oder beides?“ lächelte Rafe als ich mit dem Taschenmesser versuchte das erlegte Huhn von Rafe heute morgen zu fiedern, wo ich mich nicht besonders geschickt anstellte. Rafes immer noch schmutziges Hemd hing mir wie ein Kleid an meinen nackten Körper herunter als ich an der Feuerstelle saß. Aber ich musste sagen, dass es mir gefiel.
Ich sah neckend zu ihm hoch, „beides. Und woher hast du die so schnell?“
Rafe wackelte mit den Augenbrauen als er noch ein totes Huhn neben mich hinschmiss. Die Hose saß nur lose an seinen schmalen Hüften und mein Körper immer noch vor diesen Momenten der Nacht schauderte. Immerhin schafften wir viele Ecken des Hauses, selbst die kaputte Dusche diente heute Morgen als Liebeshöhle… das uns die Kondome knapp ausgingen verkneife ich mir wohl eher…
Seine schwarzen struppeligen Haare standen ihm in alle Richtungen und das Gesicht immer noch nach der Dusche glänzte, genauso wie sein stählender gebräunter Oberkörper als er sich im Schneidersitz neben mich setzte und mit dem zweiten Messer das Huhn zerfiederte und zerlegte. Rafe machte das eindeutig geschickter als ich. Ich sah ihm dabei zu und versuchte dasselbe zu meistern während die Feuerstelle vor uns schon stark knisterte. Er fing zuerst an das Fleisch auf die heiße Platte zu legen. Ich nahm mir dann die Eier davon und teilte es damit der Dotter neben den Fleisch zerteilt wurde.
„Rafe sag mir nicht du hast die geklaut…“
„Nö“ log er, und versuchte mich nicht mit verhaltenen Grinsen zu unterhalten, „es flog mir quasi in den Weg“
Ich boxte ihm leicht an den Oberarm.
„Layla, langsam müsstest du mich kennen. Außerdem hat der Bauer andere Probleme als zwei Hühner und fünf Eier weniger“ grinste er weiter. Ich stimmte seinem leisen Lachen leise bei, „sagte er als er das Frühstück brachte. Ich tu mal so als hätte ich noch geschlafen“
„Hast du auch…“
„Du hast mich ja quasi aus dem Bett geschmissen“ kicherte ich und erinnerte mich an seine warmen Hände die Wirbel für Wirbel berührten als ich immer noch nackt auf dem Bauch lag, und er mich wachküsste. Alleine schon den Gedanken daran dass diese rauen und großen Hände bereits soviel kämpften und verteidigten, mich berührten die doch so sanft und zärtlich an meiner Haut waren. Meine Wangen wurden wieder rot wie Feuer.
Langsam drehte er seinen Kopf zu mir und warf mir ein rohes Fleischstück in die Haare. Ich quietschte leise auf und hielt mich mit den flachen Händen auf den Boden um nicht wieder umzufallen.
„Ich hoffe die anderen suchen schon nicht nach uns…“ fing ich dann an als ich auch einige Fleischstücke auf die Steinplatte über dem Feuer legte. Prasselnd schossen die Funken vor der Hitze und draußen schon die ersten Strahlen des neuen Morgens hereinschienen. Rafe zuckte nur locker mit seinen harten Schultern, „ich brauche keine Eskorte. Henry verklickert ihnen das schon“
Ich winkelte meine Beine an und flocht meine Haare zu einem seitlichen Zopf und stand leise auf während das Fleisch noch dahinprasselte.
Kurz sah ich mich in der kleinen Hütte um und seufzte leise, „warum können wir nicht hier wohnen? Ohne dem allen….“
Träumerisch senkte ich meinen Kopf wieder und lehnte mich an die Küchengarnitur. Rafe hatte sich schon längst über seine Schulter gedreht und mir zugesehen. Zuerst schien er etwas genervt zu sein, doch schnell änderten sich seine harten Gesichtszüge wie bei einem Hund.
„Können wir oder? Wenigstens hier…“ er drehte sich kurz um und drehte mit dem Messer das Fleisch auf die andere rohe Seite damit sie angebrutzelt wird. Die Kräutermischungen die er darauf tat rochen schon angenehm im Wohn- und Küchenzimmer.
„Du bist nicht die einzige die sich das wünscht, Mosch Aher“ fing dann Rafe mit ernstem Unterton an als er die bereits fertigen Spiegeleier auf zwei Pappteller platzierte. Das Fleisch mit den Kräutern folgte sogleich sodass nur mehr das laute Knacken des Feuers zu hören war.
Ich lehnte immer noch mit dem Rücken an der Küchengarnitur und beobachtete Rafe und nickte. Hier und jetzt sollte nicht heißen es aufzufrischen, wenigstens hier sollten wir mal Ruhe haben.
Schließlich erhob er sich rasch als er mit nur wenigen Schritten seiner langen Beine vor mir stand, mich an der Hüfte packte und auf die Garnitur setzte. Somit platzierte er sich zwischen meine nackten Beine und ich meinen Kopf hob, da ich noch so überrascht war. Rafe hob seine Hände langsam und streichelte meine Wangen, dabei schaute er mir nur ernst in die Augen.
„Layla“ fing er an und streichelte mit dem Daumen sanft über meine Wangenkonturen, ich bekam wieder rote Backen und blinzelte ihn an.
„Solange du mir das versprichst was ich dir letztens sagte, möchte ich diese Zeit nutzen um für uns beide da zu sein. Und keiner schleicht sich dazwischen. Hier und jetzt. Okay?“
Rafe schaffte es immer wieder mich aufzuheitern und ich ihn federleicht auf den Mund küsste.
„Zusammen“ flüsterte ich nach dem Kuss an seine Lippen und schlang schnell die Arme um seine Brust als er mich fest zurückumarmte.
„Irgendwie fehlen mir unsere Ketten“ raunte er schließlich an meinem Scheitel und ich ihm sofort recht gab, „wir müssen sie bald bekommen. Ich habe eine Schwester gebeten sie aus meinem Nestbett herzubringen…“
„Nun… wenn das so ist…“ schnell löste er sich aus der Umarmung und hob mich von der Garnitur als er mich zurück zum Frühstück brachte, „ich habe Bärenhunger und selbst das mein Hemd an dir so scharf aussieht, macht das zum besten Sonntagmorgen meines Lebens“
„Jesus…“ lächelte ich und verbarg mein rotes Gesicht in den Händen als er mich absetzte. Als wir jedoch das Frühstück voller Hunger verschlangen dröhnte plötzlich ein lautes Motorgeräusch von draußen. Von Rafes Bike und wir umfuhren und zur geschlossenen Tür blickten. Sofort streckte Rafe seinen Arm aus um mich auf den Boden zurückzusetzen, aber ich schlug sie sanft weg. Schnell fuhr sein Kopf zur Seite, „zusammen, Rafe“ erinnerte ich ihn wieder und tastete dabei nach dem Taschenmesser.
„Aber beim kleinsten Zeichen….“ Er deutete mit der anderen Hand auf seinen Gürtel wo die Colt hing, die er sich vorher umband. Ich hatte sie beim Herfahren noch gar nicht bemerkt.
„Ich laufe nicht weg“
Rafe musste sich eingestehen, dass ich nicht klein beigeben würde. Erneut brummte der laute Motor draußen und wir gleichzeitig aufstanden. Noch einmal sah er zu mir herab als seine grünen Augen voller Sorge schimmerte, ich nickte dazu und streichelte seinen warmen Oberarm. Nun ging er vor mich und seine Hand sich auf den Knauf legte, sofort riss er die Tür zur Veranda auf.

Evangeline, die Vipernprinzessin

 Der Motor röhrte laut und wir auf der spröden Holzveranda stehen blieben. Es war bereits mittags, aber der Dunst des Nebels verhüllte weiterhin die dichten Bäume um uns wie eine Suppe. Rafe ging mit wenigen Schritten nach vorne, wo die Treppe anfing und ich kurz die Luft anhielt.
Auf der abgestellten Maschine saß jemand, mit grünem engen Körperanzug und sie saß perfekt wie eine gelernte Bikerin darauf. Der Anzug hatte eine gewisse Ähnlichkeit mit den Schwarzen der Harpyien. Ausgeschnitten bis zum Busen, hohe Stiefel und Metallriemen schützten die Schulterpartie. Jedoch waren die Oberarme frei, das die Lederhandschuhe nur bis zum Ellbogen und Fingerspitzen gingen. Ihr Po war ausgestreckt sowie die Hände auf der Lenkarmatur, sodass sie ihre langen Beine immer noch am Boden hatte. Der grüne Körperanzug, der eher wie eine zweite Schuppenhaut aus angewiderten Giftgrün bestand zuckte die schlanke Statur des jungen Mädchens. Nicht nur irgendein junges Mädchen – Stellas unvergleichliches Grinsen, erkannte ich selbst unter der dunklen Sonnenbrille, aber ihr ovales Gesicht sowie ihr platinblonder Pferdeschwanz, der streng nach hinten gebunden wurde kaschierte ihr zarte Untermalung. Erneut drehte sie die Stange und der Motor laut aufheulte.
Rafe schüttelte genervt seinen Kopf, „du kannst es auch nicht sein lassen, oder?“
Dahin war die angenehme Zweisamkeit und meine Muskeln sich verkraften, aber etwas stimmte nicht. Ich ging noch einen Schritt nach vorne und warnte leise Rafe, der immer noch zu der dämlichen Trulla auf seinem Bike starrte.
„Da stimmt was nicht…“
„Sehe ich. Runter vom Bike, Stella! Und das ist sicher keine Bitte“ bellte er nach vorne und trat eine Stufe hinunter, seine nackten Oberarme spannten sich bei jeder Bewegung an. Stella allerdings lehnte sich wieder nach hinten, sodass der Motor sofort abstarb. Eine puffende Rauchwolke kam aus dem Auspuff und sie sich langsam streckte, „achja… ich vergaß…“ mit einer anmutigen, für Menschen etwas zu anmutigen, Bewegung schwang sie ein Bein herunter und entfernte die Sonnenbrille mit einem Griff von ihrer kleinen Nase. Doch statt Stellas sturmgrauen Augen, zeigten sich gelbe Katzenaugen mit einem schwarzen Schlitz in der Pupille. Sofort blieb Rafe stehen, bevor ich meine Hand ausstrecken wollte um ihn zurückzuhalten. Dennoch landete meine flache Hand auf seiner nackten Schulter. Selbst da spannten sich die Muskeln gefährlich an und er sofort die Colt hob.
„Ich jag dir eine Kugel in den Kopf! Warum hast du Stellas Gestalt angenommen, Schlange?“ röhrte seine tiefe Stimme und ich auch böse nach vorne lugte. Die Schlangen-Stella lachte nur etwas gekünstelt und warf die Sonnenbrille zur Seite. Ihr schelmisches Grinsen blieb und sie Stellas honigsüße Stimme sogar perfekt imitierte. Ich hatte ja schon gehört, dass Schlangen jedes beliebige Wesen kopieren könnten hätten sie es einmal gesehen. Schnell wuchs mein Verdacht zu ernster Sorge, „was ist mit Stella passiert?“
Rafe zielte immer noch mit dem Colt zu dem Biest, die auf ihrer Stelle stehen blieb und von Rafe zu mir hochblickte. Selbst Stella wäre mir jetzt um vieles lieber als das dort.
„Ach ihr meint das Mädchen… sorry ich bin noch nicht gut geübt drin in einer Form zu bleiben. Damit scheinen wir uns ähnlich zu sein, Layla. Wir sind im selben Alter, also bei Menschen noch Teenies“
„Antworte gefälligst“ Rafe ging zornig noch eine Stufe hinunter, sodass die Treppen unter ihm knarzten.
Die gelben Augen senkten sich zu ihm, und sie ihn von Kopf bis Fuß beobachtete.
„Ich glaube ihr Körper liegt irgendwo außerhalb des Dorfes, das Menschenmädchen ist gestern völlig aufgelöst rausgelaufen da sah ich meine Chance…“
Ein lauter Schuss, doch die Schlange wich galant zur Seite und ihr entfleuchte nur ein gespieltes „Huch“, Rafe schoss nach dem Schuss nach vorne und wollte sich mit erhobenen Fäusten zu der Bestie werfen. Doch sie war natürlich schneller, wich ihm innerhalb von Sekunden aus, ergriff sein Handgelenk und kickte ihn zurück in den Matsch neben der Maschine. Ich rief seinen Namen, als ich von der Treppe sprang, doch stattdessen hob sie die fallengelassene Colt von Rafe vom Boden auf und zielte auf mich. Ich stoppte im Schlamm und knurrte laut, dass Rafe sich schnell erhob und fluchte, „dafür hast du sie umgebracht?!“
Das Monster ging gar nicht auf ihn ein und legte ihren Kopf zur Seite, sah dabei aber nur mir an. Mir schoss ein Blitz durch die Glieder, denn auch wenn ich Stella nicht leiden konnte. Das hatte niemand verdient.
„Ich möchte euch weder umbringen noch sonstwas! Also lasst diese Kinderein, das ist doch peinlich“ schnurrte sie in Stellas Stimme weiter und Rafe leise fluchte als er sich schnell aufrappelte und sein Kiefer malmte. Eine pochende Ader erschien auf seiner Stirn und er erneut einen Schritt nach vorne schritt, natürlich merkte das Vieh das und drehte den Colt nun seine Richtung.
„Keine Bewegung“ raunte sie in ernster Stimme und ließ ihre Augen immer noch bei mir und nach diesem Ruck verwandelte sie sich erneut in ein neues Gesicht, das Stellas aber gar nicht so unähnlich sah. Ihre platinblonden Haare verlängerten sich in dem Zopf, aus denen ein silberblonder Schein herauskam. Das Gesicht wurde schmäler und die geschwungenen Lippen sich erotisch kräuselten und sich wieder eine Schlange in Gestalt eines Supermodels präsentierte. Der schlanke Körper veränderte sich unter dem Anzug etwas größer an Brüsten und Armen, das Becken wurde auch schmäler und die Beine länger wurden. An den Oberarmen erkannte man nun ein schwarzes Tattoo das einer Tribalschlange ähnelte und ich wieder leise knurrte, „was willst du?“
„Ich bin die Antwort, meine Liebe“ lächelte die nun anders gewordene Schlange als sie ihre Colt wieder auf meine Stirn zielte und ging einige Schritte weg von Rafe, der immer noch kampfbereit neben ihr stand.
„Und wenn ich du wäre, Kronprinz Rafferty, würde ich eher mit dir sprechen sonst blase ich ihr wirklich eine Kugel irgendwohin wo es wehtut. Andrew wäre dafür nicht recht erfreut, aber ich halte es aus, oder ich vergifte sie… beides wären Optionen“
Nun änderte sie ihre Kopfbewegung zu Rafe, der seine Fäuste ballte. Er haderte damit sie nicht vollends umzunieten, aber ein kurzer Blick zu mir reichte das er seine Fäuste senkte. Ich schluckte und wollte dieser… dieser… was auch immer eine gewaltige Faust verpassen. Doch wir ließen sie reden.
„Aber eines möchte ich noch wissen bevor du die Mitteilung sagst“ nun war es Rafe der das nervöse Schweigen zwischen uns dreien beendete. Die Schlange zuckte nur ihre perfekten silbernen Augenbrauen und ein ekliges Zischen von ihrer Richtung ausging. Mir kam sofort die Gänsehaut…
„Warum sie? Das Mädchen dessen Gestalt du angenommen hast…“ nun klang er sehr verletzend und es mir einen Stich ins Herz gab. Selbst seine grünen Augen schimmerten, doch die Schlange veränderte nicht ihre Haltung. Es vergingen noch ein paar Sekunden bis er wieder fortfuhr, „ich habe ihm gesagt, dass wir das unter uns ausmachen und niemanden mehr sterben lassen. Oder ist das eure Natur?“
„Du bist ein Creston. Natürlich interessiert dich das wieder…“ sagte sie nun in ihrer wahren melodischen Stimme und atmete nochmal tief ein und aus. Dahin war ihre lockere Stimmung.
„Ich brauchte Infos, ganz einfach und das hat weder etwas mit Andrew noch mit euch zu tun… dieses Mädchen war leider am falschen Ort zur falschen Zeit. Noch dazu klebte dein Geruch noch ziemlich an ihr. Dachte mir schon das du mal mit ihr intim warst. Das bleibt ein paar Monate an einem Körper. Das hat mich angelockt, schließlich riechst du wie mein Darling. Hat nur geweint, damit sah sie mich gar nicht als ich ihr auflauerte und meine Zähne sich schon in ihren Hals bohrten… sie ist eingeschlafen. Und fertig“
„Und fertig?“ nun war ich es die die Stimme hob und ich wieder meine Fäuste ballte. Schnell sah die Schlange zu mir, ein loderndes Blitzen erschien in ihren gelben Augen.
„Ist das alles was dir dazu einfällt? Du bist doch…. Krank“
„Ich bin eine Bestie! Was kümmert mich ein Menschenleben inmitten diesem Krieg?“ schnaubte sie abfällig und zischte plötzlich eine lange spitze Zunge aus ihrem Mund. Ich versuchte nicht zu zucken.
„Sag gefälligst die Nachricht bevor ich dir nicht den Hals umdrehe“ das kam nun von Rafe, dessen Brustkorb sich schneller auf und ab hob und sie ansah wie seine nächste Mahlzeit. Schweiß glänzte auf seiner Stirn und die Adern auf seinen Armen vor Zorn hervortraten. Sie musste das wohl auch merken und ging wieder einen Schritt zurück. So als ob sie trotz Waffe etwas Angst vor ihm und mir hatte.
Nun lächelte sie wieder selbstgefällig mit zitternden Unterton, „mein Name ist Evangeline von Creston und bin offiziell die Ehefrau des Königs der Neuen Vereinigten Staaten von Amerika“ ihre Stimme hallte durch die Lichtung und ich zuckte kurz meinen Körper. Evangeline? Also war sie Andrews neue Frau und die Tochter von Shane des sogenannten Schlangenkönigs. Als ich kurz zu ihren Händen blickte, blitzte sogar ein teurer goldener Ring auf ihrem Finger.
Andrew hatte sie also wirklich geheiratet? Ich erinnerte mich was sie Stella antat also tat sie mir nicht mal leid bei ihm.
„Und du bist trotzdem sein Laufbursche?“ das kam nun sarkastisch aber immer noch bissig von Rafes Richtung. Sie ging gar nicht drauf ein und sprach stolz weiter, „und Andrew geht auf das Treffen ein – woher ihr auch immer wusstet, dass er nicht in der Stadt ist – neutral, ohne Wachen oder Waffen. Nur ihr beide und…“ nun drehte sie ihren schönen Kopf zu mir und deutete mit dem Kinn zu mir, „und wir beide, die beiden Frauen an ihrer Seite“
Nun verwandelten sich auch meine Augen in gelbe Katzenaugen und blähte meine Nasenlöcher.
Doch Evangeline schien davon nur mehr entzückt sein, „heute Abend um Punkt 21 Uhr im Raven Park. Pünktlich und achja…“ bevor sie sich umdrehte und grüne Schuppen über ihre fast schneeweiße Haut erschienen. Sie war sogar noch blasser als ich.
„Wagt es gar nicht uns übers Ohr zu hauen…das könnte sonst mit einem großen Boom enden“ somit grinste sie und verwandelte sich schnell vor unseren Augen in eine lange giftgrüne Viper, die mit ihrem engen Anzug verschmolz. Der Frauenkörper wurde länger dass er schnell auf den Boden landete und der massive Körper zischend und schnell in den Büschen verschwand. Rafe fluchte leise als er ihr hinterher wollte, doch abrupt blieb er stehen und ließ sie ziehen. Evangelines eiskaltes Zischen war noch Sekunden nachdem ihr Körper eins mit den Bäumen wurde zu hören.
Erleichtert spannten sich meine Muskeln weniger an und sich meine Füße sofort zu Rafe aufmachten. Sie zitterten immer noch und seine grünen Augen immer noch zu der Stelle zeigten wo sie noch stand. Als ich seinen Arm berührte, spannte er sich immer noch an. Rafe sah nicht zu mir runter.
„Bist du dir… immer noch sicher?“ fragte ich leise und hoffte auf eine entscheidende Reaktion. Ich kannte Rafe einfach zu gut, dass er all seine Kraft nehmen musste um dieses Biest nicht eigenhändig zu würgen, immerhin hatte sie wieder eine unschuldige Seele hineingezogen. Und noch schlimmer: Ihren Körper wie einen Anzug getragen um uns weiter zu provozieren. Diese Schlangenbestien passten eher auf das Wappen des Königs als Harpyien. Das war so abartig.
Rafe blinzelte nicht mal und ich über die harten Konturen seines Oberarmes strich. Ich hätte so gerne… das mit Stella ging ihm näher an die Nieren als ich dachte. Naja, ich biss mir auf die Lippen. Immerhin hat sie ihm doch mal etwas bedeutet.
„Sie ist rausgerannt weil ich ein Arsch zu ihr war…“ endlich zeigte er eine Reaktion als sich sein Körper immer mehr anspannte, „für das musste sie sterben… und für das werden Er und sein Miststück büßen“
„Er wird sicher nicht fair spielen, Rafe… ist das wirklich der richtige…“
„Ich weiß was ich tue, Layla“ endlich senkte sich sein Kopf hinunter zu mir und traurige grüne Augen mich von diesem angespannten Gesicht anfunkelten. Ich ließ Rafes Arm trotzdem nicht los und drückte seine warme Haut näher an mich. Schließlich ließ er von mir ab und schritt steif an mir vorbei, dass der Boden Geräusche unter seinen Stiefeln machte. Ich blieb noch stehen und rieb mir meine Oberarme, da der Wind nicht das einzige Gefühl war das mir unbehagte. Kurz drehte ich mich um und beobachtete Rafe wie er die Treppen raufsprang und die Tür laut aufriss dass sie fast aus den morschen Scharnieren fiel. Mit einem Knall fiel die schmale Holztür an die Wand. Seine Silhouette verschwand hinter dem Gitternetz und ich plötzlich einen lauten Rumms von innen hörte. Erneut folgte das laute Geräusch und ich leise zusammenzuckte. Es klang als ob er etwas ziemlich laut gegen eine Wand geworfen hatte, dann war es still und ich kniete mich zitternd hinunter und hob die weggeworfene Sonnenbrille auf. Sie war schmutzig und ein Glas war durch den Wurf gebrochen, aber das Mitleid nagte an meinem Gewissen. Ich kannte Stella nicht gut, sie schien ein trauriges Leben gehabt zu haben. Vielleicht war sie auch kein schlechter Mensch und an ihrer Stelle hätte ich auch so reagiert, wenn ich den Mann, den ich liebte in den Armen einer anderen gesehen hätte. Keiner verdiente es so zu enden und biss auf meine Lippen. Am Mundwinkel war sie immer noch aufgeplatzt was ich noch von Stellas Schlag inne hatte und ich schnell blinzelte um nicht zu weinen. Ich musste jetzt stark sein und sah hinauf zum Himmel, der seine Farben zwischen einem gruseligen Grau und einem strahlenden Blau wechselte.

 

Stellas Körper wurde wirklich nahe dem Dorf im Wald gefunden. Sie sah aus als ob sie ruhig schlafen würde als sie auf der Bahre zu einem Grab getragen wurde. Jedoch war ihre Haut blass und fahl, nur zwei Einstichlöcher der Giftzähne glänzten noch mit violetter Flüssigkeit an ihrem Hals und sie selbst schön und galant aussah. Stella war eine wirklich hübsche junge Frau, die viel erreicht hätte. Ihre Haut war genauso weiß wie ihre glatten Haare, und die Hände auf ihrem weißen Kleid gefaltete wurden. Die roten Lippen hatten bereits ihre Farbe verloren und die Mädchen, selbst die lange Madame Frost herbeieilten und laut ihrer Trauer wehklagten. Selbst Henry traf es was er nicht gern herzeigte, aber bei Rafes Anblick zerriss es mir schier das Herz. Mit Kira stand ich etwas abseits der Beerdigung, als das laute Weinen von Stellas Freundinnen die Stille erhellte. Ich faltete meine Hände in den Schoß als ich mit Kiras alles mitverfolgte.
Kira wischte sich mit dem Ärmel über die Augen, „Mist… ich kannte sie zwar nicht, aber das ist so traurig“
„Ich glaube das sie gar nicht so biestig war, wie sie immer vorgab zu sein“ raunte ich leise und der Priester ein Lied in der Sprache der Wilden sang. Selbst Madame Frost sah so anders aus seit sie hier war. Nicht mehr die galante Mutter für die Prostituierten mit losem fast schon ergrauten Haar und zerfetzten langem violetten Kleid. Selbst die Zigarette die sie immer rauchte, war von ihren Händen verschwunden und sie ein Mädchen mit schwarzem Haar in die Arme nahm. Rafe und Henry standen dicht daneben und senkten ihre Köpfe.
„Naja… wer hätte nicht so reagiert. Außerdem hat mir eine der Mädchen erzählt, das Stella eine ganz nette Person war wenn man sie einmal kannte. Sie hatte nur einen leichten Anreiz zur Eifersucht. Und sie sehr beliebt war…“ erzählte Kira weiter und warf sich ihre schwarzen Haare über die Schulter, die sie nur knapp berührten.
Schließlich spürte ich ihren Blick in meine Richtung während ich immer noch der Trauerfeier im Auge hatte.
„Also heute abend im Raven Park? Stimmt das?“ Kiras sonst so temperamentvolle Stimme zitterte darunter und ich endlich meinen Kopf zur Seite legte um meine beste Freundin anzusehen. Unter der großen Eiche kam ich mir so winzig vor, aber doch versteckt das mich die Menge an Mädchen nicht mit bösen Blicken durchbohrten als ich ihnen mein Beileid bekunden wollte.
Ich nickte, „nur ich, Rafe, Rhys und Ash werden hingehen ohne das jemand noch unnötig in Schwierigkeiten gerät…“
„DU hast doch einen Knall“ flüsterte sie erbost und ihre schokoladenbraunen Augen funkelten, „ihr rennt ihm ja in die Falle…“
„Dann sag mir welche Option besser wäre als eine ganze Armee zu schicken und somit tausende wenn vielleicht Millionen Menschenleben zu retten. Es ist die diplomatischste Form, Kira“
Sie schnaubte aus, „diplomatisch? Genau… ich kenne doch deinen Blick. Du findest den Plan auch scheiße“
Schließlich nach Sekunden des Anstarrens blickte ich wieder nach vorne als ich meine Lippen befeuchtete, „der Rat findet es das gleiche. Aber wir brechen in zwei Stunden auf. Rhys sagte, das es ein Club ein paar Kilometer südlich von hier ist“
„Ein Club?“
„Unter Menschen. Keine Zeugen und er weiß selbst genau das er dort selber in Gefahr ist…“
„Jesus… das klingt echt nach Selbstmordkompanie“
„Er muss drauf eingehen. Andrew weiß selbst das er gegen eine ganze Harpyienarmee und die Drachen keine Chance hat“ ging ich nicht auf Kiras Trotzen ein und mein Blick von den Mädchen zu Rafe fiel. Er stand neben Henry und die Falte zwischen seiner Stirn immer tiefer und tiefer wurde je mehr Graberde auf Stellas Körper fiel. Er biss sich auf die Zähne und ein Blick auf seine Hände die ihm lose neben der Hüfte baumelte verrieten seine Wut. Als ich später in die Hütte reinkam, hatte er einen alten Sessel gegen die Wand geschmissen und zugleich auch drauf eingedroschen. Das verrieten einfach seine blutigen und aufgewetzten Fingerknöchel und sein glühender Blick nicht von dem Grab abgingen. Henry sah daneben nicht besser aus und richtete sich gerade auf als er zum Himmel blickte. Gedankenverloren oder eher traurig… selbst seine haselnussbraunen Augen schimmerten.
Schließlich schritt ein junges Mädchen, es war sicher jünger als Kira und ich, mit hellbraunem langem Haar und einem kurzen blauen Kleid nahe an das Grab und nahm schneidend Luft. Sie zitterte dabei als sie ein liebliches Lied sang und die Situation weiter untermalte als Stellas Körper vollends Teil der Erde wurde. Es war ein Trauerlied, jedoch sang das Mädchen es in Englisch und ich weiter die Luft anhielt, als Kira aufhörte Löcher in mich zu bohren und nach vorne blickte.
„Ich habe keine Lust für jemanden von euch dieses Lied zu singen, Layla“ zitterte Kira neben mir und ich die Fäuste ballte und biss auf meine Lippen. Sie drehte sich wieder um als würde sie jemanden suchen.
„Geht Ash wirklich mit?“
Ich atmete aus und nickte, dennoch drehte ich mich nun zu Kira. Sie hatte Ash echt gerne da die beiden viel gemeinsam erlebt hatten. Klar, das sie sich da Sorgen machte.
„Ja er geht mit…“ nun berührte ich ihre Schulter, „wir kommen alle zurück, Kira“
Ich hatte genug Leute sterben sehen und ich wollte niemanden mehr verlieren. Und so wäre es der beste Weg.
Diplomatisch.
Schließlich drehte ich mich um und verließ die Eiche, als Kira noch immer stehen blieb und mir nicht nachkam. Ich flüsterte noch etwas hinter mich, dass dies nicht der Fall sein würde. Kira antwortete mir nichts darauf.
Die Schritte waren schwer auf dem nassen Gras, ich schluckte und drückte meine Fäuste so fest, dass meine Hände schmerzten. Aber was war der Schmerz hier noch wert?
Als ich schließlich noch weitere Augen auf meinem Rücken spürte drehte ich mich weiterhin nicht um. Ash wartete etwas abseits des Grabhügels, seine angespannten Arme verschränkten sich vor seiner Brust und seine schuldigen himmelblauen Augen mich beäugten. Ich teilte seinen Blick und atmete schwer aus. Hier waren keine Worte mehr nötig. Schließlich schritt ich auch an ihm vorbei als er mich passieren ließ. Bis jemand meinen Namen schrie als ich schon das Dorf erreichte.

Von Herzen, Sternen und Monden

 Ich drehte mich zur Seite als schon jemand galant aus der Menge rausstach. Es waren nicht viele Menschen unterwegs da wir uns immernoch am Rande des Dorfes befanden, aber die kaschmirroten Haare und das Gesicht das mir sehr ähnlich sah mit den großen braunen Augen ließ mich innehalten. Larissa kam mit Anzug herbei und ihre Augen schnell einen traurigen Ton in der Iris bekamen. Ich schluckte und fragte leise, „ihr könnt nicht mit… das wäre sonst gegen die Abmachung“
„Ich weiß, aber du kennst uns schlecht. Wir sind schneller für einen Notfall bereit als du denkst, Layla“ sprach sie herrisch aus und nahm schnell meine Hände in ihre und drückte mir etwas hinein, ihre Augen blieben nachwievor auf meinem Gesicht.
Ich spürte etwas Kühles an meinen kalten Fingern.
Bevor ich meinen Kopf senken konnte, damit mein Herz endgültig aus den Täkten kam das ich meine geliebten Ketten wieder bei mir hatte zog sie mich schon in ihre zarten Arme. Streng und hart drückte sie mich an ihre steinharte Rüstung und ich meine Arme um sie schlang. Dazu sagte niemand mehr etwas, und ich weiter die Augen aufriss. Larissa war für ihre Barschheit bereits bekannt, aber selbst jetzt überraschte mich noch einiges was ich bereits sah.
„Passt auf“ nuschelte sie mir mit zittriger Stimme ins Ohr und ich ihr Gesicht an meiner Schulter spürte in der sie sich vergrub. Ich spähte über ihre Schulter immer noch zu Ash der uns wortlos beobachtete.
„Ja“ presste ich mühsam heraus und achtete darauf das meine Stimme nicht stockend war, „ich wünsche es mir auch, Larissa“
Ihre Muskeln zitterten unter unserer Umarmung, „du bist die einzige Schwester die ich noch habe. Also enttäusch uns nicht“
„Kann ich mir trotzdem Mal ausborgen das sie zum Notfall…“ fing ich an, aber wie Larissa halt war dachte sie wieder etliche Schritte nach vorne.
„Klar, ich habe ihr das bereits mitgeteilt“ Larissa lies mich langsam los und hielt mein Gesicht in ihren Händen. Ihren Sidecut hatte sie sich wieder nachgeschnitten, aber selbst sah sie so schön aus… ich schluckte und sah ihr fest in die Augen.
„Komm zurück, Layla“ in ihren braunen Augen schimmerte Verzweiflung das es mir innerlich das Herz zerreißt, „auch dein Zasahik. Weil wenn du ihn verlierst, wirst du früher oder später auch daran zerbrechen. Wie ich und viele andere…“
Ich nickte und konnte dem nicht mehr ganz standhalten was ich mir vorhielt. Ich entfernte mich von ihrem Griff und drehte mich nochmal um mich zu bedanken. Mit dem Anhänger fest in meiner Hand griff ich auf mein Herz und sagte meiner Halbschwester Lebe Wohl. Fürs erste, hoffe ich.


Ich lehnte mich über die Küchenanrichte und starrte ins Leere.
Noch immer hörte ich den dritten Schritt des Stockes von Jack Fray hinter mir als er auf mich in der Hütte wartete und gerade vom Sofa aufstand. Da mein Vater Teil des Rates war, wusste er unseren Plan natürlich. Aber er blieb still.
Bis auf das Geräusch seines Stockes am Boden spürte ich die brennenden dunkelblauen Augen meines Vaters an meinem Rücken. Ich konnte diese Stille nicht ertragen, „ich werde Rafe begleiten. Ich muss, Vater“
Noch immer antwortete er mir nichts und ich mich leicht vom Tresen abwand und ihn umrundete während das Herz und der Stern bereits an meinem Hals baumelten. Ich richtete mich gerade auf und sah zurück zu meinem Vater. Er hatte sich bereits erhoben, stützte seine beiden Hände auf seinen Stock als er mich mit traurigem Gesichtsausdruck ansah. Der Kragen an seinem Hemd war wie jeden Tag ordentlich gefalten, sowie sein weißes Hemd und die Haare glatt an seinen Schläfen aufhörten. Er hatte sich auch wieder rasiert was seine Narben mehr betonte, aber trotzdem allem sah Jack aus wie ein wahrer Gentleman. Und mein Herz sich mehr und mehr zusammenzog als ich den Rucksack der schon fertig gepackt war mit dem Fuß näher zu mir zog.
„Ich werde dich nicht aufhalten, mein Kind“ fing er nun endlich an und ich kurz wieder meinen Kopf hob um ihn anzusehen. Rote Strähnen hingen mir ins Gesicht, doch ich konnte meinen Vater nur ungläubig ansehen.
„Ich weiß, dass Rafe auf dich aufpasst. Keinem anderen Mann würde ich dich anvertrauen, Layla. Und ich trotz meiner altmodischen Art etwas schroff euch gegenüber war, tut mir auch sehr leid. Jetzt weiß ich wieviel Liebe dahinter steckt“
Seine angenehme Erzählerstimme brachte mich endgültig zum Schweigen. Ich blinzelte ihn nur an.
Schließlich kam er mit langsamen humpelnden Schritten herbei und mir stockte der Atem, als er den Stock an die Sofalehne anlehnte und hoch aufgerichtet in meine Richtung ging. Doch er zuckte kurz, und ging schlurfend weiter als sein Gesicht bereits Bände sprach wie sehr ihm das schmerzte sich auf seine Hüfte mit vollem Körpereinsatz zu richten.
Ich eilte nach vorne und hielt ihn gerade noch auf, bevor er endgültig das Gleichgewicht verlor und sah ihn an.
„ES ist gut… ich verstehe das…“ flüsterte ich unter seinen Armen und er sich unter mir einhakte als er sich wieder gerade aufrichtete. Kurz ächzte er darunter, bis er etwas sagte das mir total den Boden unter den Füßen wegzog.
„Ich muss mehr Meter schaffen, denn wie will ich dich mal stolz zum Altar begleiten ohne den dummen Stock“
Ich konnte ihn nur ansehen und kniff meine Augen zusammen damit ich in sein müßig lächelndes Gesicht sah. So älter er auch aussah, dieses Lächeln war echt und ich freute mich über alle Maßen.
„Denkst du ich hätte nicht vorausgedacht, Layla“ lächelte er immer noch als wir umdrehten zurück zum Sofa, schnell griff ich zitternd nach dem Stock und gab ihn meinen Vater zurück.
„Ich… ich…“ mehr brachte ich vor Überraschung nicht hervor.
Vater schüttelte leise lachend den Kopf, „ihr habt es nicht offiziell gemacht, aber ich habe Augen im Kopf…“ nun deutete er mit dem Kopf zu meinen Ketten, „für Alexander waren sie sehr kostbar, die sie an seine Familie erinnerte. Und doch symbolisierten sie die Liebe zwischen ihm und Emilia. Für nichts in der Welt hätte er sie weggegeben, eingetauscht oder verkauft. Rafe hat das auch von ihm… und wie hätte er dir gleich auch seinen geben können ohne ein ewiges Versprechen?“
„Wir… wollten das im kleinen Rahmen. In der Wildnis wo wir uns begegneten und nie mehr, Vater“ redete ich unter seinem Arm, als er sich immer noch nicht von mir wegdrehte. Im Gegenteil in den Armen meines Vaters zu liegen war eine besondere Geste.
„Und wenn das alles vorbei ist, Layla“ nun nahm er meine Hand in seine, „möchte ich mir dir als Braut im wunderschönen weißen Kleid und der Krone am Kopf an deiner Seite zum Altar gehen… denn das…“ Vater hob seine Arme und warf meine roten Haare nach hinten. Seine Miene klang traurig, aber stetig bis ich hörte wie die Tür quietschend aufgemacht wurde. Doch Vater und ich sahen sich immer noch an.
„Das ist der einzige Wunsch den ich noch habe in meinem kümmernden Leben. Das meine einzige Tochter eine Zukunft hat. Eine glorreiche Zukunft als Königin, Ehefrau, Kämpferin… und eines Tages auch Mutter“
Ich hörte langsame schwere Schritte herbeikommen.
„Dad…“ seufzte ich und schlang die Arme um seinen schlanken Bauch und schmiegte meine Wange an seine Schulter. Vater war nicht sehr groß und üppig gebaut, dennoch zuckte er kurz als er seinen Stock fallen ließ der knallend auf den Boden landete, und umarmte mich fest zurück.
Die Schritte hielten an, als ich es schließlich zusammenbrachte zur Seite zu blicken und in Rafes traurige grüne Augen die uns zusahen blickte. Er stand etwas da wie verdattert und konnte mich endlich wieder traurig anlächeln. Ich lächelte zaghaft zurück. Doch bevor er sich in Richtung Schlafzimmer aufmachen konnte, drehte sich Vater zur Seite und lockerte unsere Umarmung etwas, bis er seine andere Hand von meinem Rücken legte Rafe seine Hand ausstreckte, „auch du bist Familie, Rafferty. Das habe ich dir letztens schon gesagt…“
Rafe stoppte kurz und lockerte seine Haltung etwas, ich wusste nicht was er jetzt tat. Bis ich meinen Kopf hob und schnell nickte. Ja, er war Familie. Schon immer. Seit ich geboren wurde, hätten wir beide unsere restliche Kindheit miteinander verbracht waren wir wie eine große Familie. Selbst jetzt wie sich die Situation entwickelte.
Rafe zuckte etwas mit seinem Mundwinkel, ging einen Schritt in unsere Richtung, aber Vater nahm sofort seinen Oberarm und zog in zu sich. Rafe riss seine Augen etwas auf als er zwar Vater etwas überragte, platzierte aber dann vorsichtig seine Arme um seine Schulter. Somit knisterte auch mein Kopf an seiner Haut und ich ihm friedlich in die Augen sah. Jack war nun zwischen uns beiden und drückte unsere Köpfe an sich, „Alexander wäre stolz auf euch. Euch beide“

 

Als ich bereits alles fertig hatte, verlies Vater uns. Er wollte nicht bei der Verabschiedung in einer Stunde dabei sein. Immerhin kam Lex vom Unterricht herein und er nicht gerade wusste warum wir jetzt schon gingen. Er blieb derweil bei Henry und Kira, bis Rafe plötzlich die Bombe platzen ließ bevor wir nach draußen gingen.
„Kira wohnt nicht mehr bei Henry“
„Was?“ quietschte ich und ignorierte die Tatsache das wir gleich zu der wichtigsten Mission aller Zeiten aufbrachen. Lex war schon längst draußen. Rafe klammerte sich an die Türklinke und ging nach draußen. Seinem Gesicht zu urteilen, war es auch noch nicht lange her, dass er es wusste. Und warum sagte sie mir das nicht?
Schnell eilte ich an seine Seite als er sich seinen Rucksack über die Schulter warf. Ich klammerte mich an seinem Unterarm, doch er sah immer noch steif nach vorne als wir die knarzende Veranda betraten.
„Warum? Was ist los? Rafe rede mit mir ich…“
Rafe wirbelte um und schritt einen Schritt hinunter, dabei waren wir jetzt gleich groß. Meinem Schock sah man mir an und er mir traurig in die Augen sah, bis er ausschnaufte. Vor uns wartete sicher schon Ash mit den Pferden, aber ich brauchte noch diese Info.
„Ich dachte du wüsstest den Grund. Henry hat mir nur vorher gesagt, sie wäre ohne Grund ausgezogen. Sie wollte nicht mit ihm drüber reden… ich dachte du…“
„Layla, Rafferty“ schon war Sir Whittles am Ende der Treppe und sah uns abwechselnd an. Seine raue Stimme stand über seiner kleinen Person und wir beide zu ihm hinabsahen. Er verneigte sich leise, „bitte passt auf euch auf“
Ich ließ Rafe los, eilte die wenigen Holztreppen hinunter und umarmte meinen früheren Arbeitgeber. Er roch wieder nach diesen Graszeug, aber einfach diese Vertrautheit reichte mir bei Jaymes Whittles. Wie gedacht erspähte ich hinter seinem Rücken Ash der gerade sein schwarzes Pferd aufsattelte und konzentriert auf die Riemen zu schließen war. Zwei weitere Pferde, ein Brauner und ein weißer Schimmel, standen neben ihm, die von zwei Soldaten am Halfter gehalten wurden. Sir Whittles und ich lösten uns aus der Umarmung und sein faltiges Gesicht noch ausgezehrte aussah als sonst. Ich lächelte, bis Rafe an unsere Seite kam und Sir Whittles fest auf die Schulter einschlug. Unter Rafes Pranken zuckte der dürre und graue Sir Whittles etwas hüstelte aber dann, „eure Hoheit. Euch auch… ich bitte euch…“
„Keine Angst, Jaymes“ nun kam wieder der sorgenfreie Rafe zum Vorschein als seine grünen Augen zu Sir Whittles hinunter blitzten. ER drückte den Ranzen des Rucksacks weiter an sich als er weiterging, „ich verlass mich auf dich, dass du den Laden derweil schmeißt bis wir zurückkommen“
„Aber… jaja…“ wie ein Sekretär folgte Sir Whittles wie ein kleiner Hund Rafe, als ich mich hinten anschloss. Aber dann folgten mir zwei Schatten die von der Seite näher kamen, Kira und Chloe. Kira sah immer noch sehr verbissen aus, aber ihr besorgter Blick galt nicht mir sondern… Ash. Der war immer noch ernst auf sein Pferd konzentriert als er die Bügel am Sattel befestigte. Seine dunkelbraunen kurzen Haare flatterten im kühlen Wind, als er wahrscheinlich spürte, dass er beobachtete wurde. Er drehte sich über seine breite Schulter und sah aber nicht zu mir, sondern mit besorgten Blick zu Kira.
Bis Chloe mich aus diesem konfusen Blickkontakt riss, „komm bitte zurück, Layla. Wir können doch unmöglich die Hochzeit ohne eine meiner Brautjungfern machen“
Ich wirbelte zu der zarten Chloe, die ihre hellblonden Haare zu einem Dutt drehte sodass ihr hübsches Gesicht mehr zur Geltung gebracht wurde.
Ich nahm ihre Hände in meine, sie waren immer noch rau, dafür warm und umsorgend. Wie Chloe.
„Ich bin dabei… und die fertigen Kleider liegen schon bereit, Chloe“
Chloe antwortete mit einem traurigen Lächeln als wir uns umarmten. Ich hatte echt nicht genug Zeit mit meinen Freundinnen das ich Chloe näher an mich drückte. Dabei sagten wir nichts mehr, bis ich Kira räuspern hörte. Jetzt war sie wieder wie Kira. Locker, temperamentvoll und… wild.
Ohne noch weitere Worte zu sagen übergab Chloe mich an Kira, als wir uns ineinander verschlungen auf den Rücken klopften. Wie würden das Rafe und Henry sagen: Bromance?
Ich wollte noch fragen was da mit Henry los war, aber leider hatten wir nicht mehr die Zeit dazu. Wir lösten uns und ich dennoch auf eine kurze Erklärung ihrerseits hoffte, doch sie zuckte nur die Schultern.
„Ähm, Layla. Darf ich dich dann noch um einen kleinen Gefallen bitten?“ fragte sie dann zaghaft und zupfte an meinem Ärmel des blauen Langarmshirts. Ich blinzelte meine Freundin an als ihre braunen Augen in der schwachen Sonne strahlten.
„Bitte bring Ash heil nachhause, versprich mir das, Layla. Er hat genug gekämpft“
„Kira…“ wollte ich anfangen bis mich Rafes Stimme schon herausriss, „Layla! Es ist soweit…“
Zuerst kam mir seine Stimme wie ein Echo vor, aber es war die Realität in die ich wieder kopfüber geworfen wurde. Leicht benebelt nickte ich und löste mich langsam aus dem Griff Kiras, deren Augen immer noch wie warme Erde funkelten. Ihre langen Wimpern warfen Schatten auf ihr schönes gebräuntes Gesicht. Es zerriss mir schier das Herz, aber darüber brauchte ich noch eine fixe Bestätigung.
Chloe stellte sich dicht neben Kira, doch ich musste gehen. Immer noch mit besorgten Blick ließ ich meine Freundinnen hinter mir und kam zurück zu Rafe, Ash, Sir Whittles und den Pferden. Rafe schwang seinen Fuß in den Steigbügel während Ash schon auf dem Sattel saß, dennoch mit seinem Kopf zu der Richtung wo Kira und Chloe noch abseitsstanden.
Mein Rucksack war bereits am Sattel befestigt und Rafe sich dicht mit seinem braunen Pferd neben m ich stellte, es schnaubte leise und ich mich auf das Pferd setzte. Rafe half mir mit einem Arm damit ich fest im Ledersattel saß, bis ich die Zügel nahm. Ich drehte mein weißes Pferd und sah nochmal zu meinen Freundinnen. Kira sah von mir zu Rafe, schließlich zu Ash und ihr Gesicht zu endlos traurig wurde. Wo Becky war, wusste ich nicht bis Rafe mit der Zunge schnalzte und kehrtmachte. Ashs Blick kam zu mir, wo ich ihn erwiderte. Mit einer Kopfbewegung ließ er mir den Vortritt, „wir kommen zurück, Layla“
Willensstarke blaue Augen stachen sich in mich hinein als ich das Pferd umdrehte und Rafe folgte, als Ash mir folgte. Ich sah nochmal über meine Schulter und zwang mir ein sorgloses Grinsen zu den beiden. Doch ich sah das nurmehr Chloe alleine dastand.
Kira war bereits verschwunden als wir das Dorf durchquerten und ich so hoffte… es nicht das letzte Mal gesehen zu haben. Rafe und Ash dachten sicher das gleiche. Die Rebellen sahen uns hoffnungsvoll an, ich spürte jeden einzelnen Blick und manche die ihre Arme emporstreckten mit zwei Fingern. Ein Gruß zum Abschied für normalerweise adelige Ritter. Schweigend schritten wir durch die dichte Hauptstraße, Rafe schritt mit seinem Pferd nach vorne. Ash blieb an meiner Seite und er nach endlosen Minuten endlich etwas sagte, „ich vertraute Rafferty und dir. Das wisst ihr hoffentlich und Diplomatie siegt immer über Waffengewalt. So sehr gereift ist er schon…“
Ich nickte, „aber ich habe trotzdem ein komisches Gefühl in der Magengegend… was ist eigentlich mit Becky?“
Ash schnaufte leise aus und fuhr sich mit einer Hand durch seine verwuschelten Haare.
„Bei unserem Vater und einer Nanny. Bis ich wieder da bin… hoffe ich doch das er wieder aufwacht. Seine Vitalwerte werden immer besser…“
„Wird er wieder ganz gesund?“
„Die Ärzte sind sich nicht sicher. Vielleicht hat er einen Hirnschaden oder er könnte gelähmt sein, sie meinen wir müssten mit dem schlimmsten rechnen…“ seine Stimme brach etwas aber er riss sich zusammen stark zu wirken. Ich nickte traurig und senkte den Blick zu den Zügeln in meinen Händen.
„Ich hoffe das Beste, Ash“ somit ließ ich mit einer Hand los und griff zur Seite um seine Hand zu erreichen. Zwar nicht ganz, aber die Geste brachte ihn dazu mich endlich anzusehen. Seine ernste Haltung verschwand und er mit der anderen Hand seine auf meine legte. Eine beruhigende Geste, als wir uns beide traurig anlächelten.
Das mit Kira ließ ich noch im Ungewissen.
Wir ließen die Hauptstraße hinter uns als wir schon den Weg in den Wald hineinritten, Rafe spähte hinter seine Schulter und lenkte sein Pferd damit er mich und Ash als Ganzes ansehen konnte. Er kramte in seiner Satteltasche, als er seine Karte herauszog. Sein Blick blieb dabei zu ernst als ich meine Hand zurückzog und die Zügel wieder fest nahm. Mein Pferd schüttelte dabei seinen Kopf als Ash schon nach vorne zu Rafe ritt um auch einen Blick auf die Karte zu bekommen.
„Henry hat die gezeichnet. Rhys wartet direkt dort auf uns und checkt die Lage. Wir müssten in zwei Stunden dort sein… oder?“ er sah zu Ash und hob seine Braue. Dabei hob sich auch seine eingebrannte lange Narbe. Ash nickte dazu, sagte aber nichts. Das Zwitschern der Vögel wurde immer lauter bis ich mir auf die Lippen biss.
„Auf was warten wir noch?“
Das kam von mir und beide Männer ihre Häupter hoben um mich anzusehen.
Rafe grinste spöttisch mit einem Hauch Stolz, aber Ashs monotone Miene blieb. Nicht mal ein Muskel zuckte in seinem harten Gesicht. Ich schnalzte mit der Zunge und trabte das Pferd damit ich die beiden hinter mir ließ. Es dauerte nicht lange bis ich eingeholt wurde.

Zehnte Chronik

 

Raven Park / Die Wildnis im Norden

Vier Herzen - ein Schicksal

Es wurde bereits tiefe Nacht als wir das Ziel laut Henrys Karte erreichten. Wir hielten mit den Pferden an einer verlassenen Lichtung an wo wir uns auch mit Rhys treffen sollten. Während des Ritts erklärte mir Rafe dass der „Raven Club“ ein kleiner Nachtclub mitten im Nirgendwo war. Er war bei Vagabunden sehr beliebt und hatte alles was das Herz begehrte für junge Reisende. Dafür dass hier wirklich wenige Menschen durchkamen war er immer gut besucht obwohl er soweit im Norden war. Wir stiegen von den Pferden als die benötigten Taschenlampen nicht viel Licht spendeten. Mit einem Ruck wollte ich vom Pferd springen, aber Rafe war schnell an der Seite um mich aufzufangen. Ich verhielt mir ein Lächeln, „so Komfort bin ich nicht mehr… aber danke“
Er antwortete darauf, dass er mich an den Schläfen küsste und mich wieder auf den Boden stellte, Ash schnaubte leise von der Seite als er gerade sein Hemd herauszog das wir als schickes Outfit benötigten.
Als Rafe meine Sachen aus der Satteltasche gab stoppte er plötzlich und kratzte sich am Bart. Ich kräuselte meine Brauen, „was ist denn?“
„Ich glaube ich habe noch eine Sache zu erledigen. Hier“ er drückte mir meine Sachen auf meine ausgestreckten Arme und drehte sich um als er in Ashs Richtung eilte. Im Umriss der Dunkelheit sah ich alles, aber nicht das was kam denn Rafe war zu schnell als Ash sich umdrehte und Rafe ausholte damit er ihm voll auf die Nase boxte. Ich stand nur perplex da und lies die Sachen fallen als ich meine Beine schon in die Hände nahm. Ash fiel keuchend zurück und Rafe ihn am Kragen packte und mit gehaltener aber so zorniger Stimme vibrierte das ich es sogar spüren konnte, „was für eine Scheiße ziehst du nochmal ab? Hä?!“
„Rafe hör auf“ fauchte ich auch leise und zog ihn an seinem angespannten Oberarm und versuchte die Stimme weiter zu halten. Hier könnten trotzdem überall Schlangen oder Soldaten lauern, weil ich Andrew nicht über den Weg traute. Ich krallte meine Nägel in sein Leinenhemd und zog ihn wieder zurück. Aber Rafe schüttelte Ash wieder am Kragen, bis dieser endlich seine blauen Augen aufschlug und Blut spukte, „was willst du hören, Rafferty?“
„Hör auf damit Rafe! Was soll das?“ fauchte ich, doch sein Gesicht war immer noch auf Ash unter ihm genagelt. Wie in einem Stein gemeißelt zitterte Ashs Lippe und Rafes Griff sich verfestigte, „ich habe eine gute Menschenkenntnis und sehe sowas… was hast du mit Kira am Laufen?“
Ich stoppte und sah ungläubig zwischen den beiden hin und her. Also war ich nicht die einzige die diesen Verdacht hegte.
Ash antwortete nichts.
„Bist du schuld warum sie meinen Bruder verlassen hat?“ Rafes Stimme klang immer mehr drohender, „ich will es aus deinem Mund hören, Riley!“
„PSCHT“ raunte ich wieder und boxte diesmal Rafe auf den Oberarm, mit kräuselnder Braue drehte er endlich seinen Kopf zu mir. Sein Blick war etwas verwirrt.
„DU benimmst dich wieder unmöglich!“ ich drehte mich nun zu Ash, „ist es wahr? Und lass ihn los Rafe!“
Ash griff nach Rafes Handgelenk, als dieser losließ und wir beide nun zu Ash blickten. Ich zog Rafe hinauf, damit er Ash nicht mehr auf den Boden drückte und biss mir auf die Lippen. Ash rappelte sich wieder auf und wischte sich mit dem Ärmel das Blut von seiner Nase. Noch immer zirpten die Grillen um uns und der Bass der lauten Musik des Raven Clubs in der Nähe.
Ash erhob sich schnell und setzte sich locker hin sodass er aber nur mich ansah. Die dichten Wimpern erzeugten Schatten unter seinen Augen. Ich drückte Rafes Arme immer noch fest in meinen und versuchte ihn so zu beruhigen. Denn wenn er jetzt so unter Strom stand, würde die Mission scheitern.
„Es … war nicht geplant dass das alles so seinen Lauf nahm“ mit einem Ruck stand Ash wieder auf seinen beiden Beinen und fuhr sich durch seine Haare. Jedoch zeigten seine strahlenden hellblauen Augen eine gewisse Sorge.
„Mehr muss ich dazu nicht sagen… das mit Henry, tut mir sehr leid…“
Bevor Ash seinen Satz zu Ende sagen wollte, trat Rafe wieder nach vorne aber ich drückte ihn wieder an meine Seite. Rafe knurrte leise, „zuerst Layla und dann Kira? Geh mir bloß aus den Augen… Henry ist am Boden zerstört und dann so was…“ ungläubig seinen Kopf schüttelnd machte er überraschend kehrt und ließ mich mit Ash alleine. Ich faltete meine Hände vor den Schoß und biss mir auf die Lippen.
Als Rafe in weiterer Entfernung laut fluchte und sich angefressen umzog blinzelte ich immer noch zu Ash, der langsam zu einem Häufchen Elend zusammensackte. Ihm war wohl selbst nicht wohl dabei.
„Ash ich…“
„Es ist okay, Layla. Ich selbst habe Kira gebeten das zu lassen, aber…“ er ging an mir vorbei sodass sich unsere Schultern streiften und Ash zu seinem Pferd zurückging, „wir müssen uns jetzt auf das Treffen vorbereiten…“
Ich blieb noch stehen und eilte Ash nach, „ich wusste von nichts… ehrlich, Kira hat dichtgehalten und…“
„ES ist gut, Layla“ wiederholte er diesmal schroffer und funkelte mich an als er etwas aus seiner Tasche kramte, sah aus wie eine Krawatte.
Schnaubend fügte ich mich der neuen Situation, genau jetzt… mit bösen Blick strafte ich Rafe der sich gerade fluchend die Knöpfe an seinem schwarzen legeren Hemd zuknöpfte. Genervt ging ich zu der Stelle wo ich meine Sachen warf und hob sie auf, das ich mich hinter den nächsten Baum stellen konnte um mich umzuziehen.
Gerade als ich mir das schwarze enge Kleid von Kira drüberzog, hörte man Rhys frohe Stimme. Wohl der einzige Typ mit positiver Energie.
„Was war denn da vorher los?“ er klang so als ob er sich darüber lustig machte. Ich verdrehte die Augen und richtete meine Brüste in dem BH.
Weder Ash noch Rafe antworteten dem gutgelaunten Rhys, der wieder anfing, „schick. Schick alle und wo ist die Dame?“
„Hier“ sagte ich als ich mir gerade die schwarzen Stiefel bis zum Knie anzog und warf meine roten Locken nach vorne. Schnell grub ich in dem Etui nach Kajal, rotem Lidschatten und Wimperntusche.
„Ahhh“ fing er an und seine Stimme näher kam, „nicht so prüde… hier ist die Wildnis, oder soll ich….“
„Halt deine Klappe, Rhys“ fauchte Rafe von irgendwoher und Rhys sofort ruhig wurde, „ich habe jetzt nicht Lust dich auch noch zu verprügeln“
„Jaja, Boss“ raunte nun Rhys nach ewigen Minuten wie ein launisches Kind und ich nochmal meine Haare checkte, schließlich fasste ich Mut und kam hinter dem Baum hervor.
Ich hob meine Lider und versuchte so galant wie möglich auf dem unebenen Boden mit den Stöckel zu gehen, wie lange war das her.
Die drei Männer machten sogleich große Augen, vor allem Rafe, der mich von Kopf bis Fuß beäugte aber ich lenkte eher in Rhys Richtung. Wie Rafe und Ash hatte er ein schwarzes langärmliges Hemd an, das an ihren trainierten Armen spannte und eine dunkelblaue Jeans. Der einzige der eine rote Krawatte besaß und gut binden konnte war Ash. ER hatte sogar seine dunkelbraunen Haare strenger zurückgegelt, während Rafe und Rhys ihre schwarzen kurzen Haare klassisch zerstrubbelt hatten. Rhys richtete sich seinen Kragen, „fast um die Ecke. Ein legerer Laden mit Drinks, schönen Mädchen, Musik und Feierlaune“ er räusperte sich, „für die meisten jedenfalls…“
„Also marschieren wir da einfach rein…“
„Wir gehen da rein wie Besucher“ unterbrach Rafe mich und kam einen Schritt näher als er seine Hände in den Hosentaschen vergrub. Seine grünen Augen blieben auf mir als er eine Hand hob und sie ausstreckte. Ich hob meinen Arm und nahm sein Angebot entgegen. Unsere Finger verflochten sich, bis er nach Sekunden zu Rhys blickte, „wir gehen voraus… und passt auf jede Kleinigkeit auf die euch auffällt. Schlangen können jede Gestalt annehmen…“
Ash ließ sich das nicht zweimal sagen, als er mit einem Taschentuch wieder das Blut aus der Nase tröpfelte und sein Haupt vor uns beiden kurz neigte. Er gab Rhys eine Handbewegung das sie nach uns den Club betraten. Ich zog nochmal die Luft ein und Rafe dicht neben mir ging als wir Hand in Hand durch die leichten Büsche spazierten zu einer noch größeren Lichtung mit einem riesigen Hangar. Beim genauen Betrachten strahlten viele Scheinwerfer den Platz mit bewachsenen Beton und einem sehr langen Gebäude das bereits damals in sich zusammenfiel. Ein hoher Turm ragte in den dunklen Sternenhimmel und ich kurz meinen Mund öffnen musste um das zu realisieren.
„Das war früher ein Flughafen…schicke Location, wäre cool wenn sie noch ein paar Flieger zum Zerlegen da drinnen hätten…“ sprach Rafe neben mir aus und ich immer noch zu dem langen Gebäude samt dem Hangar aus dem buntes Licht und laute Bassmusik strömte starrte.
„Bis er bombardiert wurde…“ vervollständigte ich Rafes Worte und drückte seine Finger näher an meine, ich zitterte ein wenig. Ich spürte wie er mich ansah, „weißt du noch dein Versprechen?“
Schnell erwiderte ich seinen glühenden Blick bevor wir aus dem dunklen Waldrand raustraten. Zwei bärige Türsteher so groß und stark wie Henry bewachten dein Eingang. Nur eine kleine Gruppe junger Menschen lachten und kicherten davor. Ich sah in seine grünen Augen die so hell wegen der hellen Scheinwerfer waren und konnte nichts antworten. Stattdessen hob ich meinen Kopf um ihn zu küssen. Schnell erwiderte Rafe den Kuss, schlang seinen anderen Arm um meine Taille und presste sich direkt an mich. Er dauerte nicht lang genug… bis wir uns wieder daran erinnern mussten was wir hier taten. Wir lösten uns als er schnell meine Stirn küsste, ich genoss es und sagte dazu nur, „zusammen… und wir das gemeinsam wieder rausgehen“
„Ich liebe dich, Layla“ folgte seine tiefe Stimme voller Zärtlichkeit als mein Herz wieder einige Hüpfer vollzog. Ich lächelte ihn sanft an, „ich liebe dich auch“
Rafes Adamsapfel bewegte sich durch sein Schlucken, schnell sah er wieder nach vorne als er mich hinter sich herzog. Wir sahen aus wie ein normales Paar das gerade in einen Club ging. Nicht auffällig und trotzdem hatte ich ein schlechtes Gefühl. Ich fühlte mich ungeschützt, nackt trotz dem kurzen Cocktailkleid. Ich biss mir auf meine Lippen, die noch einen Rest des Lippenstifts an sich hatten und folgte Rafe über den abgetretenen Asphalt zum Eingang. Rafe kratzte sich am Gürtel und zog mich weiter, aber ohne Probleme ließen uns die beiden Hünen. Irgendwie klar, denn wer besaßhier schon einen Ausweis. Drinnen roch es bereits nach dichten Zigarettengeruch und Alkohol und während ich noch nie in einem großen Club war, bis auf die Schenke in Hills Eyes glich das hier einer funkelnden bunten Diskohalle. Wir durchquerten zuerst einen schmalen Gang wo einige Paare miteinander flirteten und hemmungslos schmusten bis wir zu der großen Haupthalle gingen. ES war ein riesiger Hangar, wo die Menschen früher die Flugzeuge zurückbrachten mitunter einer riesigen Tanzfläche in der Mitte und leuchtenen Lichter die von einer riesigen Kugel reflektiert wurde. Eine lange Bar zierte sich am anderen Ende der riesigen Halle und die laute Bassmusik man schon von weitem hörte. Sie schlug mit meinem Herzen in Gleichtakt was ich etwas störend empfand aber ich ging dicht weiter mit Rafe. Der Club war nicht übersäht mit Menschen, aber einige fanden sich hier ein. Selbst Stripperinnen tanzten auf den Stangen und Käfigen neben der großen Tanzfläche und alles fast nur als Stehplätze genutzt wurde. Nur wenige Couchs befanden sich auf den Seiten, doch selbst da tummelten sich schmusende Paare. Oder Paare die sich schon halb auszogen. Schnell sah ich wieder nach vorne und folgte Rafe. Neben mir erschien ein Mann, mit vielen Tattoos an seinem nackten Oberkörper. Mit wenigen Zähnen im Mund grinste er mich an wackelte mit seinen dunklen Brauen. Rafe merkte das und schlang seinen langen Arm auf meine Schulter.
„DU nimmst hier weder was zu trinken an noch eine Zigarette, Prinzessin. Das alles könnte vergiftet oder sonstwas sein…“ sprach Rafe laut in mein Ohr, da ich ihn sowieso nicht gut verstanden hätte.
„Hätte ich nicht vorgehabt“ lächelte ich etwas unsicher und schlang meine Arme um seine Hüfte. Jetzt galten wir wirklich als Paar. Schließlich führte er mich hinunter zur Bar und lehnte sich lässig mit mir drauf. Neben uns schnatterten einige Männer mit leichtbekleideten Mädchen. Nervös sah ich einige Male um mich und hoffte ich würde hier diesen Dreckskerl von Andrew mit seinen blonden Haaren irgendwo erspähen. Aber die Sicht war etwas getrübt durch die bunten Lichter. Und Evangeline könnte ja wie jeder hier aussehen.
Dann kam mir eine Idee.
„Komm“ sagte ich und entfleuchte Rafes starkem Arm. ER hob nur verwirrt seine dunklen Brauen, „bitte was?“
Ich nahm seine Hand und wollte ihn von der Bar ziehen, „tanzen… komm…“ Der Beat tat ja schon meinen Beinen weh das sie sich nicht bewegten und ich wollte schon immer mit ihm tanzen.
„Dein Ernst… ne… ich kann nicht tanzen. Das weißt du“
„Doch hier kennt dich eh keiner“ lächelte ich und wollte ihn wieder fortzerren, aber er blieb frech grinsend halb auf dem Hocker sitzen. Langsam zog er mich wieder zurück in seine Arme, „nope, was kriege ich dafür?“
Ich sah zu ihm hoch und meine Hände platzierten sich auf seine Brust, die rythmisch auf und ab ging. Dann streckte ich mich zu seinem Ohr und flüsterte, „alles was du dir wünscht“ ich ging wieder zurück und seine weit aufgerissenen grünen Augen trotzten nur so.
Rafe biss sich auf die Lippen und schüttelte ungläubig den Kopf. Schließlich beim nächsten Versuch zog ich ihn doch vom Hocker als er einschlug mir zu folgen zur Tanzfläche. Ich zog ihn hinter mir her, als wir uns zwischen tanzende Menschen drängelten bis wir wirklich in der Mitte der Halle standen und ich mich umdrehte.
„Und jetzt?“ lächelte er etwas unbeholfen und wankte etwas mit seinen Füßen. OK. Taktgefühl hatte Rafe wirklich nicht, da band er mir keinen Bären auf.
Ich bewegte meine Hüfte und ließ mich im Rhythmus herum als ich seine Hände in meine nahm und ihn dazu animierte mich zu drehen. Lachend standen wir nun so nahe beinander das keine Zentimeter uns mehr trennten und ich meinen Körper zum Takt bewegte. ES war ein schneller Beat, aber mal was anderes als klassischer Walzer oder Ballett.
Rafe bewegte seinen Oberkörper etwas, lächelte aber dann weil das bei ihm so steif aussah. Wir beide lachten dazu, bis die Musik anders wurde. Langsam… und ohne Beat. Einige Menschen verließen die Tanzfläche sodass nur die Paare übrig blieben. Ich kannte das Lied, eine romantische Ballade und das Licht sich grell rosa um uns verwandelte. Rafe griff schließlich zu meinen Händen und platzierte seine Hand an meine Hüfte, dann ein wenig hinunter.
„Hey, klassisch ist das nicht…“ mahnte ich und ließ mich kurz von ihm leiten. Aber Rafe stieg mir schon auf die Füße.
Sein Lächeln verging trotzdem nicht, „sorry Layla… aber das mit der Hüfte kriege ich hin“
Und jetzt kannte ich das Lied und mein Herz machte einen romantischen Sprung. Mein klassisches Herz machte Sätze - viele Sätze. Denn früher träumter ich immer davon es mit meinem Mann zu tanzen. Es hieß, Somethin' Stupid (ich glaube der Sänger hieß was mit Williams...) war zwar schon sehr alt aber es wurde immer an Hochzeiten oder romantischen Abenden getanzt. Zuhause im zweiten Distrikt. Und die pure Nostalgie überkam mich mit einem Schlag.

"Mensch... dieses Lied" summte ich träumerisch und Rafe zog nur die Braue hob als es in seinem Kopf ratterte, das er es kannte.

"Kommt mir bekannt vor... ein Lied zum langsamen Tanzen" sagte er leise, bis es wieder still um uns wurde, bis er zart meine Stirn küsste. Ich zeigte ihm nochmal den Schritt und Rafe nur zu seinen Füßen schaute. Ich ging näher zu ihm und hob sein Kinn damit er mich ansah. Selbst in diesem Licht strahlten seine grünen Augen über mir und er mich vorsichtig vor sich drehte.
„Wer hat denn diesen Käse erfunden…“ machte er sich absichtlich über mich lustig und ich ihm schon einen Klaps auf den Hinterkopf gab. ER lachte mich wieder leise aus und stieg mir wieder auf die Füße. Diesmal konnte ich mir ein leises „autsch“ nicht verhalten, „jetzt weiß ich warum deine frühere Tanzpartnerin aufgab. Du bist ein schwerer Fall, Rafe“

Obwohl er nicht der beste Tänzer war und wir etwas hin und her wippten, ich in seinen Armen könnte es trotzdem nicht perfekter sein. Nur wir beide... hier abgeschieden von all den anderen Besuchern hier. Unsere Stirne berührten sich zart und ich heimlich die Augen schloss um diese kurzen Augenblicke noch zu genießen.
„Nun ich habe dich vorgewarnt“ er sah wieder hinunter, als ich die Augen öffnete, bis etwas von der Seite seine ganze Aufmerksamkeit bekam. Ich folgte seinem Blick und meine Kinnlade fuhr hinunter.


Neben uns tanzte ein Paar so elegant und gleichmäßig im Takt wie im Fernsehen in den „lets Dance“ Shows wo ich als Kind immer mit machen wollte.
In einem schimmernden grünen Kleid, wo ihr Beinschlitz bis hinauf zum Oberschenkel ging, drehte sich eine junge Frau mit offenen silberblonden Haaren, mit einer kleinen Tiara darauf, die ihr bis zum Rücken gingen und strahlte ihren ebenso jungen Tanzpartner mit so süßen Lächeln an das selbst mal ich schwer hinbekam. Während ich mit Rafe noch kleine Runden drehte machten die beiden einen glamourösen Auftritt. Selbst einige Clubbesucher sahen zur Tanzfläche. Und … ihr Tanzpartner, mein Magen zog sich vor Angst und Wut zusammen was ich bis auf einen Menschen noch nie für jemanden gefühlt hatte. In einem schwarzen Hemd das seine schlanke Statur preisgab lächelte er in schönstem Lächeln im hübschen Gesicht zu ihr hinab und drehte sie wieder in seinen Armen. Die blonden Haare, die etwas dunkler waren und doch kurz und fein geschnitten zierten seinen Kopf mit den hellblauen Augen mit grauen Schimmer. Ein gutaussehender junger Mann habe ich damals gedacht… und heute würde ich ihm den Hals umdrehen. Meine Hand krallte sich in Rafes, der auch leise knurrte es sich aber nicht anmerken ließ das er mir wieder auf die Füße stieg. Ich schnaufte leise aus bis Rafe mir ernster flüsterte, „lass es dir nicht anmerken, Layla. Ich habe mich vorher ausgetobt jetzt müssen wir wieder schauspielern“
„Und ich hasse schauspielern seit ich damals floh“ erwiderte ich ihn und er mich wieder etwas unkoordiniert drehte, und er mich fast nicht auffing. Doch Rafe fing mich auf was peinlich aussah während Andrew und Evangeline aussahen wie tanzende Götter.
Sie wirbelten herum sodass Evangelines grüne lange Robe wie Wellen auf dem Boden aufschlugen und sie so graziös machten das ich kurz neidisch wurde. Rafe führte mich wieder an der Hand aber ich konnte mich nicht mehr auf das Tanzen konzentrieren auf dass ich mich mit ihm so gefreut hatte. Ich legte meinen Kopf, wie Rafe zur Seite, als wir jede gleitende Bewegung des Paares verfolgten bis auch Andrew seinen Kopf in unsere Richtung drehte. Schelmisch grinste er, das Rafes Griff sich an meiner Hand verstärkte. Ich glaube das machte er unbewusst. Im letzten Takt des Liedes drehte Andrew Evangeline aus und die beiden sich wie verliebt ansehen das ich kurz japsen musste. Entweder die spielten ihre Rolle als frischverheiratetes Paar so gut, oder sie mochten sich wirklich. Ich bin eher für Ersteres.
Andrew küsste federleicht den Handrücken seiner Frau, genau auf ihren goldenen Ehering, und mein Blick automatisch auch zu seiner Hand fiel. Der gleiche Ring prangte auf seinem Ringfinger. Rafe drehte mich auch nochmal aus, was bei uns beiden sicher etwas steif aussah bis er seine Hand zu meiner Taille legte und wir uns einige Meter über der Tanzfläche ansahen. Die blauen gefährlichen Augen von Andrew blieben an uns wie Klebstoff haften, bis auch Evangeline ihren schönen Kopf zu uns drehte. Sie war einen Kopf kleiner als ihr Mann, dennoch passten die beiden optisch wie die Faust aufs Auge.
Bis hierher spürte ich den begierigen Blick von Andrew und mich etwas unbehaglich wurde, aber ich dachte nicht mal dran mich hinter Rafe zu verstecken. Andrews Pupillen hoben sich als er gerade Rafe in Augenschein nahm. Rafes Griff an meiner Körpermitte verstärkte sich und wenn wir jetzt Superkräfte hätten, würde zwischen uns ein gewaltiger Blitz einschlagen und alles niederbrennen. So aufgeladen war jetzt schon die Luft als eine flottere Melodie eingelegt wurde, und mehrere Leute sich wieder auf der Tanzfläche tummelten. Doch wir ließen uns nicht aus den Augen. Meine innere Harpyie kreischte bereits nach Vergeltung, aber ich hielt dem stand. Ich sah hinauf zu Rafe der schon mit dem Kinn zu einer ruhigen Ecke des Clubs zeigte. Andrew zuckte mit der Braue und nickte auffordernd seinem Cousin zu. Mir schlotternden jetzt schon die Knie, aber Rafes Griff beruhigte mich das er mich nicht losließ als wir dem Paar schon folgten. Im respektierten Abstand.

„… was für ein legeres Plätzchen, Darling…“ hörte ich schon Evangelines zuckersüßes Schnattern und bemühte mich um Ruhe als Andrew wirklich zu dem kleinen Tisch in der Ecke anpeilte und sich natürlich zuerst in die Runde gepolsterte Sitzreihe setzte. Evangeline ruckte dicht mit ihrem langen Kleid hinein, Rafe setzte sich auf die andere Seite und machte mir Platz. Ich wüsste nicht wann ich das letzte mal so extrem nervös war… ich bevorzugte eher den Rand damit ich weit weg von Andrew saß. Der streckte seinen langen Arm auf die Sitzlehne hinter Evangeline und er sich gleich räusperte, „guten Abend erstmal… Cousin und sein Wauzi“
Rafe wandelte sich von Sekunden von bemüht zornig und nicht ausfallend werdend schnell in den Kronprinzen den Vater ihm antrainiert hat. Er legte eine Hand auf den Holztisch während die Musik um uns wieder rockiger wurde. Eine Hand legte er unter dem Tisch auf meinen nackten Oberschenkel und ich Andrew und seine Schlange nicht aus den Augen ließ. Dabei fielen ihre gelben Augen immer wieder zu mir. Sie legte sich mehr zu Andrew und hakte sich unter seinen Armen ein.
„Zuerst mal bin ich nicht gut im Floskeln, Cousin“ sprach nun Rafe über die Musik hinweg, aber als ich da hin und her sah merkte man ihnen schon die gruselige Ähnlichkeit. Rafe hatte zwar einen eher wilden Eindruck mit seiner gebräunten Haut und schwarzen Haaren, im Gegensatz zu Andrew der blond und blass war dennoch hatten sie das Grinsen gemein und das Gesicht. Andrew sah auch Alexander ziemlich ähnlich. Diese Creston-DNA. Ich versuchte nicht daran zu denken.
„Und wir gleich zur Sache kommen…“
„Bin ganz Ohr“ sagte Andrew im freundlichen Ton und grinste weiter, das mir schlecht wurde. Ich presste meine Hände in den Schoß und blickte von Andrew und Evangeline zu Rafe. Evangeline zog aus ihrer Handtasche einen grellroten Lippenstift und zog ihn sich locker über die Lippen, ich funkelte sie an. Hatte die jetzt Zeit dafür?
Schließlich streckte sie ihn mir über den Tisch entgegen, „ich Dummchen, willst du auch? Ein bisschen Farbe würde dir nicht schaden und passt zu deinen Haaren“
„Danke. Nein danke, ich nehme ungern einen Lippenstift an der mit Giftzähnen in Berührung kommt“ konterte ich im höflichen Ton zurück, Evangeline zog langsam ihren Lippenstift zurück. Ließ aber ihr Grinsen sodass man ihre perlweißen Zähne sah. Ich bemühte mich um eine monotone Miene.
„Kluges Kind“ argumentierte sie und ihre gelben Augen sich in mich reinfraßen.
Rafe spannte sich neben mir an und ließ meinen Oberschenkel in seiner Hand, die andere trippelte immer noch auf dem Tisch, als er fortfuhr, „ich spiele nicht. Wir spielen nicht und möchten das wie Männer regeln..“
„Ach, Männer aus der Wildnis? Ist das nicht eher deine Sparte, Cousin?“ fragte Andrew und beugte sich etwas düster nach vorne während Evangeline eine silberblonde Strähne um einen Finger wickelte. Ich rückte ein kleines bisschen mehr zu Rafe das zwischen uns kein Zentimeter mehr blieb. Ich brauchte seine Wärme.
„Du triffst ins Schwarze, Cousin“ antwortete Rafe keck Andrew, dessen Grinsen aber immer mehr verschwand. Er war es als König nicht gewohnt nicht so respektiert werden, Ich biss auf meine Lippen, Rafe machte sich derweil sehr gut.
„Nur wir beide ohne Einwirkung unserer Armeen, niemand soll hier mehr hineingerissen werden weil das unser Kampf ist. Und…“ Rafe stoppte kurz , sprach aber gleich wieder gelassen weiter, „… du sicher nicht willst das deine unter Umständen dir gehörigen Harpyien gegen dich kämpfen oder gegen deine Soldaten, oder?“
Jetzt traf Rafe ins Schwarze und ich meinen Kopf wieder zu Andrew drehte. Seine Muskeln zuckten gefährlich, und er die Faust auf der Lehne bei Evangelines Schulter ballte. Diese sah nur gelangweilt hin und her. Bis sie wieder zu mir sah.
„Darf ich dich daran erinnern, liebster Cousin“ floskelte Andrew unverdrossen nach Rafes Rede und lehnte sich an die Rückenlehne, „dass ich nicht nur eine Armee an Soldaten habe, Kampfjets oder Bomben sondern auch die Armee meiner Frau. Schlangen sind wirkungsvoller als geflügelte Himmelsfrauen“ Demonstrativ landeten seine blauen Augen erneut zu mir. Ich schnappte nach Luft bis ich mich nicht mehr beherrschen konnte, „wir sind dir zahlenmäßig überlegen. Also was hast du noch zu verlieren?“
Da unterbrach uns ein Kellner und wir uns alle kurz entspannten, aber Andrews Miene wurde immer gehässiger als er sich einen Whiskey bestellte, Evangeline einen Cognac bis der Kellner zu Rafe und mich blickte.
„Zweimal Tequila“ sprach Rafe mit unterlassenden Ton, ließ aber nicht von Andrew ab. ER hatte ihn durchgehend im Blickwinkel.
Kurz ließ ich von den beiden Freaks vor mir ab und blinzelte Rafe. Der aber starrte immer noch nach vorne. Soviel zum Vorsatz hier würden wir nichts bestellen und ich hasste das weil Rafe mir etwas verheimlichte.
Als der Kellner wieder im Getümmel verschwand begann nun Andrew mit herrischem Ton, „wollt ihr mich jetzt erpressen oder friedliche Lösung suchen? Passt irgendwie nicht ganz zusammen, was?“ jetzt setzte er sein freches und dämliches Grinsen wieder auf.
„Kannst du was anderes auch als dich in einem Bunker zu verstecken und Bomben zünden“ knurrte Rafe als er seine Hand zu einer Faust auf dem Tisch ballte. Andrew sah wieder zurück zu seinem Cousin, genau wie Evangeline deren Miene sich immer mehr zu Genervtheit umwandelte.
Ich stieß ihn etwas an, doch er starrte weiter mit tiefen Sorgenfalten zu Andrew, „und außerdem bieten wir dir hier eine Möglichkeit der friedlichen Kapitulation an. Laut dem Testament stehe ich vor dir in der Thronfolge. Mit verhandelbaren Konsequenzen für dich und das dort…“ er deutete mit dem Kinn abwertend zu Evangeline. Er hatte sie seit wir uns gesetzt hatten nie angesehen. Noch immer saß tief der Hass was sie Stella antat. Und Rafe war schlecht im Verzeihen und Vergeben, er würde ja am liebsten über den Tisch greifen und Andrew sofort alle Knochen brechen. Alleine schon sein Zittern verriet ihn einfach.
Als der Kellner unsere Getränke brachte und schnell verschwand, selbst der merkt diese Angespanntheit lachte Andrew ablassend und beugte sich nach vorne, „Vorsicht. Wegen dem bin ich nicht hier und penetranter stinkender Wilder der glaubt er sei mit mir verwandt…“ er deutete mit dem Kopf zu mir, „der mir Befehle erteilen möchte mit seiner Schlampe die nichts Besseres zu tun hatte als abzuhauen und meinen ganzen Hofstaat in Aufruhr versetzte wegen ihrer Liebelei mit meinem ehemaligen Sicherheitschef!“
„Noch ein Wort und ich…“ Rafe riss sich zusammen um nicht mit bösen Worten zu werfen, aber er riss sich besser zusammen als gedacht. Sein Griff an meinem Oberschenkel verhärtete sich als er sich böse nach vorne bäumte sodass der Tisch kurz wackelte und unsere Getränke ruckelten.
„Das hat damit nichts zu tun! Du hättest mich fast… ich bin geflohen!“ nun war ich es die das Wort ergriff, Andrews glühende Augen bohrten sich tief in mich hinein aber ich ließ mich nicht mehr einschüchtern. Nie wieder vor dem. Es reichten wieder die Bilder die aufblitzten als er mich fast in seinem Turm genommen hätte. Ich zitterte dabei.
„Layla…“ mahnte Rafe als er immer noch zu Andrew starrte und seine Stimme etwas schroffer wurde, „noch ein Wort gegen sie und es bleibt nicht mehr lange bei einem Gespräch“
Andrew provozierte, Intrigen und Manipulieren lag einem König gut und er hatte das gelernt. Seine feinen Nägel mit den goldenen Ringen krallte sich ins Holz und er von mir zu seinem Cousin blickte, „drohst du mir?“
„Darling…“ wollte Evangeline Andrew beruhigen und legte ihre blasse Hand auf seine, doch seine Augen glühten immer noch wie Feuer zu Rafe.
„Mich zu beleidigen ist eine Sache, aber solange du meine Frau nicht respektierst was ein Mann tun sollte, dann ja, sieh es als Drohung“ konterte Rafe und ich seine Oberarme berührte, seine Muskeln zuckten unter meiner Berührung.
„Miss Ashton ist eine Frau…“ Andrew lehnte sich wieder zurück und schlug die Hand seiner Frau zur Seite, Evangeline zuckte nur kurz und setzte sich wieder brav dicht an seine Seite.
„Frauen sollen uns gehorchen und Kinder gebären. Mehr müssen sie nicht tun… stimmt das, Darling“ nun fasste er doch die zarte Hand Evangelines die ihren roten Mund zu einem Strich formte und ich mir immer wieder wunderte warum eine Schlangenbestie sich das gefallen ließ. Was erhofften sich die Schlangen wirklich von einem menschlichen König? Sie könnte ihn jederzeit beißen und umbringen.
„Wie kannst du nur so etwas sagen. Als König? Als Herrscher?“ nun sprach ich wieder als die Musik weiter rum uns rauschte. Andrews Augen fielen zu mir, auch Evangeline hob den Kopf und deutete etwas das kurz aussah wie Erleichterung.
„Du sei ruhig, ich habe dir die Chance gegeben meine Königin zu werden…“
„Nein“ ich war nun nicht mehr zu halten, redete aber höflich weiter und setzte mich gerade hin, „nein jetzt hörst du mal mir zu. Ich bin weder noch eine Miss Ashton, noch sonst jemand den du noch von früher kennst. Wir versuchen hier eine faire diplomatische Lösung zu finden, also lassen wir diese gegenseitigen Beleidigungen einfach! Wir sind hier nicht im Zoo, meine Güte“
Genervt lehnte ich mich nun zurück und warf meine roten Locken zurück.
„Gut gesprochen, Miss…?“ zeigte nun Evangeline auf mich und grinste mich wieder an.
Fray. Layla Fray und wenn noch einmal jemand hier nicht Latein redet, dann…“ ich senkte meine Lider, „jeder hier hasst hier jeden, und jeder hat seine Gründe. Aber hier geht es nicht nur um uns…“
Da applaudierte Andrew langsam ohne seine Miene zu verziehen, „weise Worte von einer dummen Möchtegern-Prinzessin… Mama wäre ja so stolz“
„Was?“ versteifte ich mich sofort und der Mut verließ mich. Natürlich wollte das Andrew wieder zu seinem Vorteil nutzen und redete locker weiter, „richtig gehört. Mit deinen Eltern in der Hand sind dir die Hände gebunden, Missy“
Plötzlich schlug Rafe mit der flachen Hand auf den Tisch sodass ein Schnapsglas mit goldener Tequila-Flüssigkeit umgeschüttet wurde. Weder er noch ich hatten daran genippt. Selbst Andrew nicht und Evangeline. Waren sie auch skeptisch? Andrew richtete sich sofort wieder auf und knurrte, „solange du am Leben bist werde ich weder meinen Anspruch weitergeben, noch auf deine Forderungen eingehen. Forderungen eines Wilden… ihr werdet brennen. Alle“
Rafes Fingernägel krachten ins Holz, als auch Evangelines lockere Haltung sich änderte und ein lautes Zischen aus ihrem Mund kam. Ihre schwarzen Schlitze wurden immer schmaler vor Zorn.
„Rafe…“ wollte ich ihn beruhigen und hoffte zu ihm durchzudringen, doch selbst ich konnte nicht verhindern wie sehr dieses Gespräch bereits in den unteren Bereich schlitterte. Andrew würde niemals nachgeben, ich hätte es wissen müssen. Rafes Haltung wurde gefährlich und er nun seine beiden Hände auf den Tisch legte und zu Fäusten ballte, „dann ist es so entschieden?“
Andrew merkte das sofort und lehnte sich zurück, das Evangeline schützend fast auf seinen Schoß kroch und mit glühenden gelben Augen zu Rafe blickte. Sie zischte wieder gefährlich.
Aber wenn sie meinen Zasahik angreifen würde, würde ich in die Schusslinie fliegen. Meine eigenen Muskeln spannten sich bis zum Zerreißen an und ich mich auch fast auf den Tisch lehnte als sich meine nachtblauen Menschenaugen in gelbe Katzenaugen verwandelte. Schnell zischte Evangeline mit dem Kopf zu mir.
Doch Rafe sah über Evangeline drüber und richtete sein Wort an Andrew, „verteidige dich gefälligst selbst… und lass nicht deine Bestie für dich kämpfen“
Andrew fing etwas an zu zittern und blickte plötzlich hinter die Lehne über seine Schultern.
Ich wusste es.
„Ihr seid tot. Beide, dazu brauche ich keine Harpyien-Armee mehr!“

Harpyie vs. Viper

 Schrill pfiff er zwischen seine Finger laut sodass sich etliche junge Männer und Frauen mit blitzenden gelben Augen von der Bar zu uns drehen. Von wegen fair!
Das war auch Evangelines Stichwort als sie über den Tisch stürzte und sich mit offenen Mund wo bereits ihre beiden spitzen Zähne zu sehen waren, auf Rafe zu stürzte. Doch er fasste schnell meinen Arm und wir von der Bank sprangen bevor die Bestie ihre Zähne in den Ledersitz rammte wo wir Sekunden noch saßen. Vom kurzen Aufrappeln merkte ich wie Andrew das Weite suchen wollte als er über die Sitze sprang, doch Rafe verfolgte ihn schon und fluchte laut etwas von, „beschissener Feigling…“
Als Rafe mich losließ stemmte ich ihn wieder zur Seite als Evangeline uns erneut angriff, und viele Menschen bereits schreiend die Flucht ergriffen und in der Menge ich Ash mit einem gezogenen Schwert erkannte. Er stellte sich den Bestien und Soldaten in den Weg, von der Tribüne hörte ich schon Rhys Kampfrufe.
„Ich kümmere mich um den Scheißkerl… schaffst du Evangeline?“ rief er trotz der Musik und den anstehenden Kämpfern um uns, schnell nickte ich und zog ihn zur Seite.
„Komm zurück“ denn mein Bauchgefühl hatte mich erneut nicht enttäuscht und alleine sein Drängen des Versprechens, seine stechend grünen Augen bohrten sich im Flut der bunten Lichter in mich als er noch über meine Wange strich, und wieder an seinem Gürtel hantierte. ER wollte noch was sagen, aber er antwortete mir mit einem verzweifelten Kuss. Bevor ich ihn erwidern konnte ließ er mich los und stürmte zwischen den Menschen bis er verschwand, da wurde ich wieder gerammt als die zischenden Schlangengeräusche mich zum Bewegen zwangen.
Ich wollte Rafe noch nachschreien, meine innere Harpyie krümmte sich vor Warnung und schlechtem Gewissen und doch stemmte ich mich wie eine Katze auf alle viere das mein Kleid spannte. Böse drehte ich mich über die Schulter, denn inmitten dieser panischen Menschen stand Evangeline mit furchterregender Grimasse und sich an ihrem nackten Schultern bereits grüne Schuppen bildeten, die derselbe Farbe hatten wie ihr Kleid. Ihre Stöckel klapperte über die bunte Tanzfläche als ich langsam aufstand. Dabei warf sie siegessicher ihre silberblonden glatten Haare zurück, „jetzt heißt es wirklich Bestienkönigin gegen Bestienkönigin. Du oder ich… ohne Gefangene egal was mein Darling sagt“
„Warum arbeitet ihr für ihn?“ knurrte ich leise und drehte mich langsam zur Seite. Mein Rücken juckten das ich kurz davor war meine Flügel auszubreiten um ihr zu zeigen wer mehr Chancen hatte. Und hatte ich schon erwähnt: Ich hasse Schlangen!
Sie lächelte nur dass eine lange spitze Zunge aus ihrem Grinsen hervorkam, ich krümmte mich kurz und versuchte aufrecht zu stehen.
„Ich hasse Harpyien. Darum“ und so nahm sie Anlauf und machte einen großen Satz in meine Richtung als sie ihre fast verwandelten grünen Schuppenarme ausbreitete und ich eine Rolle zur Seite machte um nach einer Waffe oder ähnlichem zu greifen. Schnell umformten sich meine eigenen Arme in rotes Gefieder und Klauen als ich Evangelines nächsten Angriff standhielt und sie zurückdrängte. Immerhin leerte sich der Club von den unschuldigen Menschen die Reißaus nahmen dass nurmehr unsere beiden kämpfenden Parteien übrig blieben.
Die Schlange beugte sich zwischen unsere verwandelten Arme als ihre Zunge wieder zischte und sogar meine Stirn berührte, ich quietschte kurz als wir uns gegenseitig wegschieben wollten. Aber wir waren gleichstark.
„Er versprach uns die absolute Macht. Selbst über die Harpyien und alle Bestien die es gab! Wir sollten als die Stärksten anerkannt werden was wir bereits seit Jahrhunderten sein sollten! Früher oder später hätte ich ihn ermordet, mein Darling, er diente uns selbst als Marionette, dann hätte das Land uns gehört. Aber nein… du und dein gutaussehender Menschenliebling müsst wieder dreinpfuschen. Und noch dazu HASSE ich Harpyien! Ich hasse dich und deinen gesamten verfluchten Schwesternclan!“
Evangeline schnappte kurz Luft so als ob alleine das Wort Gift in ihrem Mund wäre, „deine verdammte Mutter, Leia Titania, hat meine Mutter ermordet vor vielen Jahren! Ich war damals noch ein Ei und sie wurde uns genommen!!“
Ihre gelben Augen glühten wie Galle und sie ihre Giftzähne entblößte, tropfende violette Flüssigkeit landete auf meiner Haut. Sie brannte wie Säure als ich sie vor Schmerzen schreiend wegstieß. Sie rappelte sich gleich wieder auf als ich mit meinen Federn auf die gerötete Hautstelle am Oberarm strich, selbst die färbte sich schon Blau. Von der Seite hörte ich einen lauten Drachenschrei und wenn Rhys mal ernst machte stecken wir von Kopf bis Fuß in der Klemme. Ich spähte hinauf und hoffte Mal würde bereits Verstärkung holen. Ich eilte wieder nach vorne als ich diese blöden Stiefel wegwarf sodass ich besser laufen konnte und meine Flügel sich ausbreiteten. Auch Evangeline fuhr diese Schiene und wir uns erneut in der Mitte mit großen Knall trafen, sie versuchte immer mich zu beißen aber ich war zu schnell sodass ich ihr entweder das Knie in den Bauch rammte, sie an den Schultern kratzte und sie zur Seite kickte das sie keuchend zu Boden fiel. Schnell hielt ich Ausschau nach Rafe und Ash, doch die beiden gingen im Kampfgetümmel wortwörtlich unter und meine Beine immer mehr zitterten.
„Layla!“ hörte ich dann Ashs tiefe Stimme als er mich zur Seite hievte und wir beide krachend über ein Geländer fielen, als ich durch meine Sorge ganz vergaß das Evangeline sich wiederaufgerichtet hatte.

Ich befand mich tief in Ashs breiten Armen als er sich schnell umdrehte und sein Schwert zückte. Evangeline stand gefährlich einige Meter vor uns und ihr menschliches Äußeres zwischen Frau und Schlange immer mehr verschwamm. Ihr zerfetztes Kleid verhüllte nurmehr das nötigste als sie ihren Kopf schräg hielt, sie hatte Ash bereits erspäht, „ich kenne dich…“ summt sie, „ich kenne dein Foto vom Palast… und Andrew hat mir über dich erzählt. Du warst derjenige der sein Mädchen gestohlen hat“
Ash antwortete nichts und drückte mich weiter hinter sich. Ich wollte nach vorne schnellen, doch sein fester Griff ließ mich nicht los, „sie ist ein anderes Kaliber, Layla“
„Darum muss ich sie schlagen“ konterte ich und sah kurz hinter mich, ich berührte Ashs Arm, „ihr müsst hier raus. Die überfallen uns schier…“
Dann plötzlich veränderte sie ihr Aussehen vor uns, als die grünen Schuppen nicht mehr das silberblonde Mädchen mit gelben Augen zeigte, sondern sie verwandelte sich in jemand anderen. Haselnussbraune Locken erschienen statt den Silbernen, die zarte Haut blieb und das Gesicht ovaler und doch wunderschön blieb. Sie öffnete in meinem Schlag ihre Augen die menschlich violetten Pupillen in den Höhlen hatten. Sie faltete brav ihre Hände vor den Schoß und kam langsam näher.
Ash erstarrte, und ich ebenso. Ich kannte dieses Mädchen, leider nicht persönlich aber wie würde ich sie nicht erkennen? Elliana Whittles genauso hübsch wie auf Ashs Foto und Jaymes Beschreibung stand leibhaftig vor uns. Wie konnte sie diese Nummer abziehen?
Ash brachte keinen Ton mehr heraus und ließ aus Schock das Schwert langsam sinken. Er brachte nicht mal ihren Namen aus dem Mund so erstaunt blieb seine Welt stehen. Doch ich war die Erste die sich fasste und ihn am Arm rüttelte, „das ist nicht Elliana! Ash!“ Seine blauen Augen waren leer geworden und er immer noch zu Evangeline in Ellianas Verkleidung starrte. Mir schien das sie erneut alles Leben aus ihm stahl und ich mich raffte um aufzustehen. Ich stellte mich zwischen die beiden und funkelte die falsche Elliana an. Sie sah immer noch mit schüchternen Blick durch mich hindurch, zuckte aber dann mit den dunklen Augenbrauen.
„Wie kann man nur so ekelhaft und gewissenlos sein?“ fauchte ich und spannte meinen Körper zum Angriff an.
„Seid ihr das etwa nicht?“ antwortete sie sogar in Ellianas Stimme und ich mir wütend auf die Lippen biss, mir kochte das Temperament über. Und das bereits maßlos.
Als sich um uns bereits die Überzahl mäßigen zischenden Schlangen versammelten, hörte ich nochmal Rhys der drüben weiter schrie und kämpfte.
„Wir wollten eine friedliche Lösung und wegen Andrews Inkompetenz fährt er uns alle in ein offenes Gemetzel! Das kann doch auch für die Schlangen nicht gut ausgehen!“
„Dein Rafferty ist doch der Gleiche!“ fauchte sie wieder in Ellianas Stimme weiter, „er ist unter Wilden aufgezogen worden, glaubst du ernsthaft er hätte Andrew verschont?!“
„Andrew hat uns beiden das Herz rausgerissen und damit gespielt! Mit allem!“ ich war so wütend und lief schon über den kalten Boden auf meinen nackten Fußsohlen zu Evangeline. Diese machte sich bereit zum Angriff und wirbelte herum als sie plötzlich eine Hand auf ihren Unterbauch legte, „tötest du mich, tötest du auch das Leben in mir… du müsstest das doch am Besten wissen, Layla“
Sofort stoppte ich und schlitterte über den Boden bis ich kurz vor ihr Stehen blieb. Dennoch holte ich aus und traf sie mitten auf den Kiefer das sie laut zischte und wütend ausholte.
„Ich traue keinen Lügen mehr, Schlange“ antwortete ich monoton und holte aus um ihr meine Klauen in die Brust zu rammen, doch Evangeline war auch sehr schnell und hüpfte herum. Sie ließ mich wieder ihre Zähne blicken und zielte auf meine Hände, die ich schnell zurückzog. So würde ich nie weiterkommen. Aber dann passte sie nicht auf als ein großer Schatten hinter ihr auftauchte und sie unter die Arme griff. Aus den bunten Lichtern heraus hatte sich Ash wieder aufgerappelt und ließ Evangeline im festen Griff nicht mehr los, die sich schreiend daraus befreien wollte.
„Was… was soll das?! Hast du denn keine Skrupel am Körper deiner Ex?!“ kreischte sie und sich die grünen Schuppen erneut über die blasse Haut zogen. Ash presste Evangeline weiter an sich bis seine Augen mich trafen, traurig lächelte er denn bevor ich ausholten konnte und ihr den Gnadenstoß geben konnte rammte sie ihre Zähne in seinen Unterarm. Ash zuckte nur kurz mit dem Gesicht blieb aber standhaft, auch wenn der Biss innerhalb von Sekunden blauer und blauer wurde. Schreiend hievte ich mich nach vorne und riss ihr eine klaffende Wunde an den Hals das sie blutig zusammenbrach und laut fluchte. Sie hatte keine Chance zu fliehen und Ash sofort losließ. Evangeline kippte zu Boden und blieb in ihrer eigenen Blutlache liegen. Ihre weit aufgerissenen Augen schielten zur Seite während ich versuchte Ashs Arm über meine Schulter zu legen. Rhys verwandelte sich vollends in einen Drachen und schlug die meisten Schlangenkrieger in die Flucht nachdem sie wortlos mitansahen wie ihre Prinzessin vor unseren Füßen zusammenbrach.
Doch Ash verlor immer mehr das Gleichgewicht sodass er mir zu schwer wurde, ich biss die Zähne zusammen als sein Kopf nach vorne fiel. Der metallische Geruch des Gifts vermischt mit Blut hing in meiner Nase, „Halte durch! Rhys bringt dich zurück…“ ich wollte nicht weinten. Nicht weinen. Stark bleiben, bis er gar nicht mehr auf seinen Füßen stehen konnte und ich ihn auf den Boden legen musste.
Ashs Körper erkaltete immer mehr unter seinem zerrissenen schwarzen Hemd und ich ihm die Krawatte entfernte damit er besser Luft bekam. Mir zerriss es das Herz als ich ihn auf meinen Schoß stützte und ihm die dunkelbraunen Strähnen voller Blut aus der Stirn strich. Plötzlich fuhr ich von seinen schwachen Augen hoch, als ein Soldat samt Schwert uns angreifen wollte. Ich spannte mich an und zog Ashs Schwert aus seiner kalten Hand, die sich um den Griff verkrampft hatte. Schreiend lehnte ich mich vor, damit der Soldat nicht mehr bremsen konnte und von dem Schwert so überrascht wurde das er im Rumpf von der Spitze durchbohrt wurde. Farblos sackte der Mensch in sich zusammen und ich immer noch mit glasigen Blick zu der Stelle sah wo er noch stand. Das Schwert mit der blutigen Klinge zitterte in meiner Hand während es um uns herum langsam still wurde. Klirrend ließ ich es fallen, als Ash mein Handgelenk in seine Hände nahm. Langsam senkte ich meinen Kopf, selbst jetzt war der traurige Anblick seines sonst so starken und ernsten Gesichtes. In das Gesicht in das ich mich einst unsterblich verliebte in meinem jungen und unschuldigen Eifer.
Seine Lippen verfärbten sich immer blauer als er nurmehr stoßweise Worte herausbekam, aber ich verstand sie so gut und ich presste meine Augen zusammen um die Tränen zurückzuhalten, „sieh… sieh mich an… Layla…“
Schwer öffnete ich meine nassen Lider und sah in das schwache Gesicht. Blut lief aus seinem Mund er kaum mehr meine Hand halten konnte und seine Augen zusammenpresste. So zerfraß ihn das Gift innerlich und ich konnte es nicht mitansehen. Schnell sah ich um mich, und suchte nach Rhys, „RHYS!“ nur fliehende und schreiende Menschen, wo sich der Hangar immer mehr leerte. Selbst Leichen von Schlangen von Rhys Angriff lagen herum. Ich schrie erneut, „HILFE! BITTE!“
Rhys blieb unauffindbar, bis seine kalten Finger meine Wangen berührten. Ich zuckte vor der Kälte und ergriff seine Hand um zu ihm hinabzublicken.
„Du hast dein… Bestes getan… Layla… wir … hätten es aufhalten können…“ schwer nahm Ash wieder einen Atemzug, „ich hätte gerne gehabt… das du mich mit diesem Blick… angesehen hättest….ich habe nie aufgehört Layla…“
„Hör auf, Ash. Bitte…“ brachte ich mit weinerlicher Stimme heraus und er sanft lächelte. Seine Hand fing sich eine rote Locke aus meinem zerzausten Haar und seine Pupillen darauf landeten. Ash schwieg bis ich wieder Ausschau nach Rhys oder Rafe nahm.
„Layla“
Schnell senkte ich mein Gesicht, immer noch hielt er meine Haarsträhne in seinen Händen, „es ist gut… aber pass auf Kira auf. Sie darf keine Fehler machen… es ist noch nicht zu … spät…“
Ich schüttelte den Kopf, „sag es ihr selbst wenn wir alle wieder zuhause sind…“
Seine Mundwinkel zuckten. Ashs Worte klangen zu einem Flüstern, bis er immer noch in meine Augen blickte, „gebt nicht auf… und sag Becky… das ich nicht mehr mit ihr gemeinsam die Mauer sehen kann… es tut mir leid. Layla… ich …“
Ein letzter Atemzug und das Licht in den Augen brannte sich hinein als sein Brustkorb aufhörte auf und ab zu bewegen. Schnalzend ließ seine Hand meine Strähne los und landete auf seiner Brust. Ich blinzelte und sah in das Gesicht das mich zum letzten Mal auf dieser Erde gesehen hatte. Kurz wusste ich nicht was ich tun sollte, somit rüttelte ich ihn wieder. Ash sah glasig immer noch in meine Augen und das Blut aus seiner Nase triefte. Ich senkte meinen Blick zu dem Biss an der Innenseite seines durchtrainierten Unterarms, blaue Flecken hatten sich bis zu seinem Ellbogen gefressen das mit violetten Adern durchzogen war.
Ich flüsterte Ashs Namen, doch ich sollte keine Antwort mehr bekommen.
Er war tot.
Meine erste Liebe ist gestorben.

Das letzte Opfer

„Nein…“ keuchte ich raus und die Tränen mich nicht mehr erstarben lassen als ich wollte. ICH fühlte den Schmerz, den Stich des endlosen Falls das ich keine Kraft mehr hatte ohne aufzustehen. Ohne Ash zurückzukehren. Zu wissen, dass einer meiner treuesten Freunde nicht mehr mit mir sprechen würde. Nie wieder. Nicht in Zukunft und nicht für das was ich dank seiner Hilfe erreicht habe. Ich konnte es ihm nie zurückgeben.
Kurz flimmerte ein Film vor meinem Auge als ich ihn das erste Mal in meinem Haus gesehen hatte, als er hinter seinem Vorgesetzten stand und alles durchsuchte. Zuerst hatte ich geglaubt dieser steife junge Mann in der Rüstung wär genauso wie alle Männer. Egoistisch und beherrschend, doch je mehr ich hinter die steinerne Fassade blickte, desto mehr wurde ich schlauer. Darunter befand sich ein gebrochenes Herz, das ich flicken wollte. Ich wollte es so sehr. Ash hat mich auf so vielen Weisen gerettet, vor Andrew, vor mich selbst und er mir zeigte wie schön die Liebe sein konnte. Wie sehr ich immer noch von unserem ersten Tanz schwärmte. Als wir unter dem Brunnen im Mondlicht und der klaren Sommernacht tanzten. Mein Herz schlug damals so schnell wie ich es noch nie kannte.
Ash war mir treu an der Seite geblieben als ich mich in Rafe verliebte. Ash gab niemals auf und war für mich da… ein Bruder und ein Freund. Selbst ich weiß, dass man so etwas Teures nicht oft im Leben findet.


„LAYLA“
Ich wurde unsanft gerüttelt, ich kannte die Stimme sah aber immer noch auf das blasse Gesicht von Ash in dem kein Leben mehr pulsierte.
„LAYLA! WIR MÜSSEN WEG! WO IST RAFE?!“
Rhys klang panisch und er meinen Kopf unsanft zu ihm hoch drehte. Er hockte neben mir und war übersäht von dunklem Blut, das Milchbubi Gesicht sah panisch aus und die roten Augen pulsierten unter der Panik.
Rafe…
Langsam verfing sich das Leben wieder in mir und ich von ihm absah.
Etwas zischte neben uns und er mich sofort wegzerrte als etwas auf meinen Kopf zuschnappen wollte. Rhys knurrte innerlich und drückte mich eng an seine schlagende Brust. Ash lag immer noch auf der Seite als eine große, lange und giftgrüne Viper die sicher über 10 Meter lang war und sicher dreimal so dick wie mein Oberschenkel neben ihm schlängelte. Wie konnte sie leben… denn Evangelines Stimme zischte in meinem Kopf… auch Rhys zischte nach vorne, als er es ebenfalls hörte.
Glaubst du ich lasse mich so einfach töten? Ich kann mich häuten, vergessen?
Der lange schuppige Kopf mit den schlitzigen gelben Augen nahm mich in Beschlag und sie schwerfällig stehen blieb. Dennoch klaffte die Wunde immer noch an ihrem langen Hals.
„Nimm… Ashs Körper von hier“ sagte ich böse und funkelte zu Evangeline, „das ist mein Kampf!“
„DU bist verrückt…“ brummte der Drachenjunge und schluckte als er zu Ashs Körper neben Evangeline blinzelte. Er fluchte leise und ließ mich ungewollt los. Ich zitterte immer noch, doch ich stellte mich schon in Angriffsposition und brodelte wie ein entfachter Herd.
„Seid ihr Harpyien wirklich so lebensmüde…“ seufzte er genervt und ich spürte wie er sich neben mich aufrichtete. Ich antwortete darauf nichts.
„Du suchst mich, Evangeline?“ warf ich nun in die Richtung der Schlange als sie wieder laut zischte. Ich hob mit einem Ruck Ashs Schwert vom Boden auf und hielt es vor mich hin. Ich musste zu Rafe! Ich konnte ihn auch noch nicht verlieren und brüllte zu Rhys, „mach schon!“
Schon lief ich zur Seite, das ich Evangelines volle Aufmerksamkeit erhielt. Zischend riss sie ihr großes Maul auf und entblößte noch größere Giftzähne auf ihrem Oberkiefer als in ihrem menschlichen Körper. Ihr Körper bewegte sich schlängelnd weg von Ash als Rhys schon davon stürmte. Die Steine brannten sich in meine Füße und ich schon eisern stehen blieb und ich spürte wie meine Flügel sich wieder aus meinem Rücken erhoben. Das rote Gefieder mir Klauen kam zum Vorschein und ich mich wie eine Katze vor meine Feindin hockte.
Du hast Nerven, Prinzessin!
„Halt die Schnauze“ grummelte ich und presste nochmal schnell meine Augen zusammen um die letzten Tränen versiegen zu lassen. Für Ash! Für alle die bereits ihr Leben lassen mussten!
Evangelines böse gelbe Augen ließen mich nicht los und ich schon vorauslief um das Schwert in ihren Kopf zu bohren. Im Halbsprung halfen mir meine Flügel als ich ausholte und mir alles wie in Zeitlupe vorkam. Ich sprang über den Boden, schrie damit sich mehr Adrenalin durch meine Venen fraß damit ich die Ausdauer und Kraft hatte gegen eine Bestie zu kämpfen. Eine Bestie die wie ich war. Aber dann auch wieder nicht. Evangeline hätte mich mit einem Happen verschlingen können, da hörte ich Stimmen. Sie waren so klar in meinem Ohr das ich den Angriffsflug am liebsten abgebrochen hätte. ES war leise… dennoch hatte ich das Gefühl das sie direkt bei mir sprachen.
„Du hast doch eine Meise! Du wirst uns umbringen?!“ Andrew klang panisch.
Rafe antwortete nicht sofort, aber als er redete hörte er sich wieder so frech und unbeschwert wie früher an, „ich habe keine Angst mehr vorm Sterben. Und solange du noch lebst und ich nicht diesen verdammten Ort sprenge mit den Schlangen und deiner Königin wirst du nie aufhören…“
„HÖR AUF DAMIT!! Was ist mit Layla?? Sie wird ebenso draufgehen!“
„Nein…“ Rafe verstummte kurz. Als ich nach vorne sah, immer noch die Viper vor meinen Augen glänzten auch ihre gelben Augen und sie ihr Maul langsam schloss. Sie hörte die beiden auch.
„Nein sie wird leben. Du wirst ihr die Zukunft nicht kaputt machen…“
Vor meinen Augen verwandelte sich Evangeline zurück als sie halbnackt unter grünen Schuppen und wehenden platinblonden Haare sich wieder eine bildhübsche Frau mit Blutflecken herauskristallisierte und wir knapp aneinander vorbei flogen. Ich landete mit einem Krach im Boden und wirbelte herum.
„RAFE!“ ich schrie aus vollen Lungen und ließ Evangeline stehen, doch sie folgte mir und rief Andrews Namen. Und das voller Sorge… doch damit konnte und wollte ich mich nicht befassen.
Ich lief wie von der Tarantel gestochen durch den Hangar. Da hörte ich schon ihre Stimmen am Ende, sie waren versteckt inmitten von toten Soldaten.
Die Musik war bereits mit krachendem Geräusch in den Boxen verstummt als die beiden sich gefährlich gegenüber standen. Hatte Andrew all die Soldaten auf Rafe gehetzt, denn laut seinem blutenden Arm und Kopf an seinen dunklen Haaren ließ das gut schließen. Andrew hielt sich keuchend auf seine triefende Schulter, sodass selbst auf seinen blonden Haare Blutspritzer aus. In der gesunden Hand lag sein langer Degen. Rafe hatte etwas anderes in der Hand als Schnitte seinen freien Unterarm des zerfledderten Hemdes preisgaben. Es war eine schwarze Kugel und mir gefror das Blut in den Adern.
„Du bist doch wahnsinnig! Leg das Ding runter!!“ fauchte Andrew und als ich schon im Augenwinkel merkte wie Evangeline Anlauf zu Rafe machte, machte ich die Kurve und stieß sie unsanft Schulter an Schulter.
„WEHE DU FASST IHN AN!! NIEMAND FASST IHN AN“ kreischte ich laut und boxte sie in den Trümmerhaufen auf das was mal eine Bar war.
Doch Andrew redete weiter obwohl die beiden uns sicher schon erspäht hatten. Ich würgte Evangeline weiter als wir uns in der Rolle drehten.
„Runter von mir du Miststück!! Glaubst du, du bist die einzige mit einer Verbindung zu einem Menschen!!“ brüllte Evangeline, wollte mich wieder beißen und ich sie wieder auf ihre schuppige Wange schlug.
Andrew brüllte so als ob er angriff, aber dann hörte ich wieder Rafe reden, diesmal ruhiger, „diese Linie wäre sowieso untergegangen… also lass es und sieh der Wahrheit ins Auge“
„Ich bringe dich um!! Egal ob wir verwandt sind oder nicht! Du bist genauso ein Banause wie Alexander!!“
„Wenigstens hätte ich dasselbe an seiner Stelle getan…“ Rafe wischte sich den Schweiß mit dem Ärmel hinunter und er schwächer redete als sonst. Die Angst schürte sich weiter in mich hinein.
Ich wirbelte zur Seite und sah, auf Evangeline sitzend, weiter zu Rafe. Er wich den Degenschlägen seines Cousins aus, der brüllend damit herumeierte, doch packte Rafe Andrew am Handgelenk und gab ihm einen Fausthieb auf die Nase. Dennoch fing sich Andrew überraschend wieder und tat dasselbe bei Rafe. Dieser sah zwar trainierter und stämmiger als Andrew, trotz dem Altersunterschied, aus, aber obwohl dieser ein Feigling war. Kämpfen konnte er.
„Jetzt bist du nahe genug“ grinste Rafe und hielt seinen Cousin nun an beiden Handgelenken. Dieser schrie panisch, „verdammt nochmal! Lass mich los, du Spinner!! Du krepierst hier vom Biss! Nicht ich!“
Rafes grüne Augen, die von einem blutigen Rinnsal getrübt waren drehten sich zu mir. An seinem freien Unterarm erblickte ich einen Bissabdruck und seine sonst getönte Haut so aschfahl aussah als wäre Rafe krank. Ich wusste was los war und das Herz flog mir in die Hose. Seine Sorgenfalte wurde tiefer und er schließlich wieder ein freches Grinsen ausstieß. Ich erhob mich von der verletzten Evangeline, doch es war zu spät.
Es trennte uns immer noch ein ziemlicher meterweiter Abstand, aber ich konnte alles genau sehen. Jedes Muskelzucken, alles was sein Gesicht mir mitteilen wollte.
Ich schüttelte den Kopf und nahm die Luft zum Atmen, doch er hob schon seine Hand in der eine Handgranate lag.
„Ich liebe dich“ das waren Rafes letzte Worte die ich von seinen Lippen lesen konnte.
Und ein lauter Knall umgeben von rotem Licht erfüllte den Hangar als ich durch die Druckwelle über Evangeline geworfen wurde, ich rollte über Leichen, dass die Hitze der Bombe mich zu verbrennen drohte. Durch den Druck krachte eine Wand des Hangars ein, sie war zwar keine starke Bombe. Aber es reicht um Leben zu nehmen.
Ein knisterndes schrilles Geräusch schrillte in meinen Ohren als ich über Schutt begraben wurde und schützend meine Arme über meinen Kopf legte. Alles zog in meinen Gliedern bis Sekunden danach alles still um uns herum wurde. Nur das laute Zirpen der Grillen und alles dunkel wurde nur mit den Sternen über mir.
Ich spürte wie etwas Schweres auf mir lag, dennoch wollte ich mich erheben. Meine Wirbelsäule schmerzte vor dem Aufprall und stöhnend öffnete ich meine Augen als ich zu dem zerstörten Hangar vor mir blinzelte. Es roch bereits nach verbrannten Fleisch und Beton, das es sich tief in meine Nase brannte. Schwarze Ascheflocken erinnerten mich an Schnee flogen sanft zu Boden und mein ganzer Körper bebte. Aber nicht vor Schmerzen. Ich erhob mich sodass einige Bretter von mir fielen. Auf meinen Beinen zu stehen war eine immense Qual aber welche Qual war das zu vergleichen aufdass mich mein Herz verurteilte. Ich joggte nach vorne und nahm einen Zahn zu als ich zwischen zerstörten Utensilien, Lichtern und Leichen hindurch lief. ZU der Stelle wo Rafe mit Andrew stand. Niemand stand mehr da, panisch schrie ich seinen Namen. Mein Echo hallte laut, schnell sah ich um mich und fing zu suchen an. Ich riss mir meine Nägel und Finger ein, kein Schmerz.
Ich überhob mich und ignorierte die Blitze in meinem Rücken. Kein Schmerz. Mein Kopf dröhnte und ich hörte immer noch nichts um mich bis auf das kräftige Summen. Kein Schmerz.
Ich stemmte sogar die Leichen gefühllos zur Seite und hoffte jedesmal es wäre nicht seine… Tränen verschwommen vor meinen Augen und ich weiter suchte.
Dann erlaubte mir mein Trommelfell wieder zu hören…
„Andrew! Andrew! Bitte wach auf! Mein Darling! Mein Liebster ich habe das nicht so gemeint…“ weinte und klagte Evangelines Stimme in der Nähe, aber meine Augen suchten weiter die Trümmerhaufen und Leichen ab.
„Wie soll ich alleine…“ schniefte sie weiter aber ich ignorierte die Bestie hinter mir.
Darunter Menschen, Soldaten und Schlangenbestien. Verkohlt oder aufgeschlitzt… ich japste und flüsterte Rafes Namen. Tausende Mal und ich konnte ihn immer wieder wiederholen.
Ich hörte Flügelflattern, „Majestät… er atmet noch schwach… wir müssen ihn in die Stadt mitnehmen… er stirbt sonst“ das war eine weibliche Stimme eines Hybridklons. Erneute Flügelschläge ertönten, aber ich suchte wie eine Verrückte weiter. Sie nuschelten noch etwas, aber ich verstand es durch mein Japsen und Bewegen der Trümmer nicht.
Evangelines Weinen klagte weiter. Doch niemand hielt mich auf…
Ich weiß nicht mehr wieviel Zeit verging während meiner Suche, es könnte bereits anstehender Morgen sein, aber die Dunkelheit verfolgte meine Suche wie ein Jäger. Und ich wollte dem entkommen. Ich suchte und suchte bis meine Hände bluteten, aber nicht mal jetzt spürte ich die Schmerzen.
Dann griff ich in eine verschüttete Grube als ich einen jungen leblosen Soldaten herauszog, eine blasse Hand zuckte unter dem Steinhaufen.
„Rafe“ flüsterte ich unter Tränen und sparte meine Energie weiter und weiter wie ein Motor an damit ich ihn fand. Mein Herz zersprang förmlich in meiner Brust und ich den letzten Stein von ihn entfernte. Sein schlaffer Körper fiel zur Seite als ich den letzten Stein bewegte und wegschoss das ich Rafe sofort zu mir zog und durch seine schwarzen Haare voller Ruß und Dreck fuhr. Ich küsste ihn fest auf den Kopf und ließ meinen Schmerz und Tränen freien Lauf.
Ich erkannte sein Gesicht unter der Verbrennung die ihn entstellte und die blasse Haut, die sonst so gesund getönt bräunlich aussah wie jemand der es liebte draußen zu sein, und wie sollte ich ihn nicht lieben. Sein Körper war trotz den Verbrennungen seiner rechten Körperseite kalt und leblos. Selbst seine Lippen waren blau und ich zurückrutschte um ihn besser anzusehen als ich ihn auf meinen Schoß legte. Rafe sah aus als würde er friedlich schlafen, so wie jede Nacht wenn ich neben ihm lag. Und die Welt in dem kleinen Schlafzimmer oder damals draußen im Wald nur uns gehörte. Behutsam streichelte ich seine „gesunde“ Wange und weinte als sein Gesicht durch die Tränen immer verschwommener wurde.
„Lass mich nicht allein, mein Liebster“ schniefte ich und fuhr durch seine schwarzen Haare. Meine roten Fingerspitzen strichen von seinen staubigen Strähnen bis zu seiner blutigen Stirn, als ich die lange Narbe an seiner Braue nachfuhr. Ich japste und streichelte seine raue Haut weiter bis zu seinen Bartstoppeln. Mein Blick fiel zu seinen Verbrennungen die seinen Hals und den gesamten rechten Arm bedeckten, der Rest war in einem ungesunden Blau des Gifts. Dennoch spürte ich keinen Herzschlag unter meiner Handfläche auf seiner Brust. Kein Atem - und meine Lider sich senkten.
„Bitte…“ ich bückte mich hinunter und meine Lippen die seinen berührten… einst waren sie warm, jetzt waren sie kalt…


Küss mich
Küss mich wie sonst auch immer – jeder Kuss entweder stürmisch oder zärtlich.
Sei temperamentvoll. Sei taktlos. Sei frech und sorglos. Lache für mich. Lache über mich und ziehe mich auf. Bringe mich zur Weißglut. Ziehe mich in deine Welt ohne Bedenken. Lasse dich von der Wildnis treiben die du bist. Die das aus dir machte was du bist. Sei mein Retter, sei meine Familie. Ich möchte, dass du Mama wiedertriffst. Ich möchte mit dir leben. Ich möchte Kinder mit dir. Fünf wie du gesagt hast. Ich möchte die Welt neu gestalten mit dir. Ich möchte mit dir alt werden.
Lache das was ich nicht kann. Sei fröhlich und beschützend. Sogar deine dämliche Eifersucht lässt du bei dir.
Lass mich nicht zurück, Mond meines Lebens. Mein Liebster, mein Mann.
Alles was mich am Leben erhält auf dieser kalten Erde, die uns beide ungerecht behandelte.
Ich dachte wir wollten nicht aufgeben.
Lass mich nicht alleine. Ich liebe dich mit jeder Faser meines Körpers. Lass mich nicht alleine du Scheißkerl. Bleib bei mir. Liebe mich. Warum hast du das getan?
Warum?
War das dein Plan? Mich zurückzulassen…
… öffne deine grünen Augen die wie Smaragde scheinen wenn du dich freust. Strahle, sei mein Licht und lache. Gott, dein Lachen… egal ob Kronprinz oder Wilder.
Ich liebe dich, mach die Augen auf.

Auszug aus den Chroniken des Lexus Woods

 Das Massaker des Raven Parks.
Noch bis heute werden darüber die Lieder gesungen, aber eines blieb den Menschen und Bestien immer in Erinnerung. Einst wurde es nur in den Kneipen der freien Städte oder in der Gläsernen Stadt gesungen und gedichtet. Woher der eigentliche Ursprung kam, weiß man nicht mehr, aber wenn das Lied gesungen wurde gedachte man an die Opfer des Krieges. Vor hundert Jahren gab es einmal ein ähnliches Massaker unter dem Namen „Der Regen des Bohow Clans“. Der damalige König Matthew von Creston führte seine Armee gegen aufständische Wilde des Nordens an, damals noch unter dem Vorwand um die Länder zu einen um sich der Krone und der Flagge anzuschließen. Doch der König bewegte sein eigentliches Ziel die Stämme an sich zu binden, und dazu ging er wortwörtlich über Leichen. Er machte dem Anführer einen Deal, das Teile des Landes an die Krone gingen, und empfing die Gastfreundschaft des Feindes. Mit dem Nebenziel natürlich die Harpyien zu finden, was ihm aber nicht gelang.
In der Nacht brachte er den Anführer der Bohows um und beanspruchte das gesamte Territorium für sich. Bis heute steht es unter der Führung der Crestons…
Dennoch war das Massaker des Raven Parks als eine der blutigsten und berühmtesten Schlachten der neuen Welt. Und es führte zu einer traurigen Berühmtheit.
Im Wissen das der rechtmäßige Kronprinz, gegen seine Natur, auf einen friedlichen Waffenstillstand arbeitete doch das ging dem König gehörig gegen den Strich. Somit ließ er die Anhänger seiner Bestienfrau, der Schlangenprinzessin Evangeline, auf seine Feinde los und es kam zu einer wilden Schlacht. Auch unschuldige Menschen starben darin wie die Fliegen im Käfig. Unter all den Opfern zählte auch leider ein guter Freund… Ash Riley. Einer der mutigsten Männer seiner Zeit, dem die Gerechtigkeit auf den Leib geschneidert wurde und sein Leben lassen musste… das Leid meiner geliebten Pflegemutter/Schwester erspare ich auf diesen Seiten. ES genügte mir ihr Bild, das ich bis heute nicht aus meinem Kopf bekomme. Selbst das andere Opfer genügte mir, damit die Menschen damals langsam aufgaben gegen das unfaire Regime weiter zu bestehen.
Dieses blutige Spektakel wäre auf beiden Seiten fatal geendet hätte die gezündete Bombe gewirkt… Noch heute besuchen hunderte Pilger und Angehörige den zerstörten Raven Park der eine Ruine geworden ist. Ein weiters Mahnmal in dieser Welt. Doch welcher Schmerz dort verbreitet wurde lässt die Geister nie ruhen.
Ich erinnere mich vor drei Jahren als ich in ein Gasthaus nahe den neuen Bundesstaaten des mittleren Westens pilgerte, dass ein junges Mädchen die bekannteste Version dieser Schlacht sang. Ihre Stimme war zu zärtlich und lieblich für solch eine Geschichte, aber ich erinnere mich gerne an diesen Abend.

 

Die Version hieß: Das Lied der schwarzen Harpyie und der goldenen Viper

 

Tanzt die Schlange mit dem Tod seid ihr hier in dem Schlund der Vorhölle
Doch die Harpyie breitet ihre Schwingen aus, beobachtet den Feind der seine Zähne zeigt aber wartet
Am Boden starrten sie sich an. Auge um Auge. Grün um Blau. Gelb zu Gelb.
Die Harpyie umkreist die Viper die weitere Zähne zeigt, aber wartet
Bis sie schreit und die Harpyie sich in die Luft erhebt
Der Schlange willen muss sie auf den Boden bleiben, sodass ihre goldenen Schuppen wie gesunder Weizen über die kalte Erde kroch
Mit tödlichen Klauen versetzt die Harpyie der Viper eine Wunde, doch sie beißt zu
Mit Gift und Galle
„Wer seid Ihr, der mich von oben herabsieht und sich König nennt“ höhnte die Viper und beißt in die Luft, erwischt den Greifvogel wund an den Klauen
„Man nennt mich Rettung oder Tod. Für Euch bin ich beides“ krähte die schwarzgefiederte Harpyie wie die dunkle Nacht und schwang seine großen Flügel erneut in die Luft, „seht meine Klauen scharf und schneidend. Tiefer als dein Gift“
So antwortete die Viper, die Viper sprach und spukte Galle und Blut empor zu der Harpyie. Gift und Tod als ein Feuerball zwischen den beiden entstand, bevor die Harpyie die Schlange am Kopf erwischte um sie zu fressen
So wurde es still zwischen den Bestien. Begraben lagen sie nun unter den alten Knochen.
Und so wurde es still und der Regen das Gift mit Blut vermischte und man keine Seele mehr hörte.

 


Ich hasse diese Geschichte. Aber das Lied mochte ich.
Ironie, nicht wahr?

 

--- 20. Kapitel der Chroniken des Lexus Woods, niedergeschrieben am 28. Dezember des Jahres 439. 25 Jahre nach dem fünften Bürgerkrieg der Neuen Vereinigten Staaten von Amerika.

Impressum

Tag der Veröffentlichung: 22.08.2017

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