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Das Glas Milch

 
Auf meinem Tisch steht das Glas Milch. Ich starre es an, die Ellenbogen aufgestützt und das Kinn in den Handflächen. Entspannen, das will ich mich. Ich muss mich abregen, ruhig werden, denn mein Herz macht Überstunden. Mit hohem Druck pumpt es mein Blut durch die Arterien, so heftig, dass mir die Ohren klingeln. Das Klingeln stammt weder von der Haustür, noch vom Telefon. Ich habe beide überprüft.

»Trink ein Glas Milch«, hat Elisabeth vorhin gesagt, »das entspannt.« Sie hat die Milchflasche aus dem Kühlschrank geholt, ein Glas voll eingeschenkt und es auf den Tisch vor meinen Platz gestellt.

Seitdem steht dort dieses Glas Milch. Sicher hat es inzwischen Raumtemperatur. Der Gedanke daran, es auszutrinken, kostet mich Überwindung – allein der Gedanke. Noch habe ich das schleimige Gefühl nicht im Mund, ich habe das Drüsensekret der gemeinen Milchkuh noch nicht in mich hineingeschüttet. Es ist Biomilch, von einer hoffentlich glücklichen Kuh, die ihr Futter auf der Weide suchen darf. Doch selbst dieser friedliche Gedanke beruhigt mich nicht im Mindesten.

Die Milch im Mund zu spüren ist nicht das Schlimmste. Sie herunterzuschlucken auch nicht. Selbst ihr Geschmack stört mich nicht. Die leichte Süße gefällt mir sogar.

Wenn sie den Weg aller Lebensmittel nimmt, gelangt sie in den Magen, jedoch

Impressum

Verlag: BookRix GmbH & Co. KG

Texte: © M.D. Schoppenhorst, 2018
Bildmaterialien: Pixabay
Cover: © Dana Müller 2018
Lektorat/Korrektorat: Gordana Müller, Berlin
Tag der Veröffentlichung: 19.10.2018
ISBN: 978-3-7438-8412-0

Alle Rechte vorbehalten

Widmung:
Ich widme diese Story meinen lieben und hilfreichen KollegInnen aus dem Berliner Autorenzirkel Wortschatz. Mein besonderer Dank gilt Dana Müller, Robin Li und Martin Schoppenhorst.

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