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träume...


Eine zarte Brise umschmeichelt dich sanft, berührt dein unbedecktes Haar und spielt mit einzelnen Strähnen. Die bequemen, lose fließenden Gewänder, die du trägst, schmiegen sich mit ihrem weichen Stoff an dich und streicheln deine Haut bei jeder Bewegung, die du machst. Ein feiner, kaum wahrnehmbarer Duft nach Lavendel umgibt dich.


Dein Weg führt dich durch einen lichtdurchfluteten Wald. Die Stämme der Bäume sind schlank und glatt. Sie ragen wie Säulen weit in den Himmel hinein. So hoch sind sie, dass du ihre Wipfel nicht erkennen kannst. Die Bäume haben sich im Abstand von mehreren Metern wahllos etabliert und erlauben den Sonnenstrahlen, ihre angenehme Wärme und das sommerliche Licht ungehindert bis zu dir transportieren zu können.


Über einen Teppich aus Moos schreitest du, der sich unter deinen nackten Fußsohlen anfühlt wie gepolsterter Samt. Für einen Moment bleibst du stehen und lässt deine Seele die sinnlichen Wahrnehmungen einsaugen wie kostbaren Nektar. Dann gehst du weiter.


Es dauert nicht lange, bis du das Ende des Haines erreichst. Vor deinen Augen erstrecken sich ein Sandstrand und das Meer. Gehölz und Strand sind deutlich voneinander getrennt. Kein Sandkörnchen hat sich auf das Moosbett verirrt, kein Pflanzenteilchen wagt sich über die Grenze. Mit einem kurzen Schritt verlässt du den Wald und wirst von dem feinen beigefarbenen Sand Willkommen geheißen.


Nicht weit von dir entfernt, zieht ein weiß getünchtes Häuschen deine Aufmerksamkeit auf sich. Es leuchtet in der sommerlichen Helligkeit. Du gehst darauf zu und hast das Gefühl, über angenehm weiche Watte zu flanieren. Die zarte Brise ist kraftvoller geworden. Sie umarmt dich liebevoll abwechselnd von den Seiten und von vorn. Das türkisfarbene Meer liebkost das Ufer mit seinen Wellenfingern. Das Geräusch der ankommenden und wieder fortrollenden Wogen, pulsierend wie dein Herzschlag, wirkt beruhigend auf dich.


Du kommst an dem weißen Gebäude an. Es ist ein niedriges, strohgedecktes Strandhäuschen mit leeren Öffnungen, anstelle von Tür und Fenstern. Du begibst dich an eines dieser Fenster und schaust in den Raum. Ein angenehmer Geruch nach frischen Sägespänen und köstlichem Obst weht zu dir her. Du siehst eine bescheidene Lagerstätte und einen Tisch mit zwei Stühlen. An einer Seite befindet sich ein Holzherd und darüber ein Wandbrett mit irdenem Geschirr. Auf dem spartanischen Tisch steht eine Schale mit dunkelroten, glänzenden Früchten.


Ein unwiderstehliches Verlangen danach lässt dich den kargen Raum betreten. Du nimmst eine dieser Früchte. Sie fühlt sich in deiner Hand kühl an. Du führst sie an deine Lippen. Ein delikater Duft, der dich an ein angenehmes Ereignis aus deiner Vergangenheit denken lässt, steigt dir verführerisch in die Nase. Du beißt in die reife Frucht, deren Fleisch sich in deinem Mund genau so anfühlt, wie du es gerne magst. Süßer, klebriger Saft läuft über deine Zunge und der Geschmack des Obstes übertrifft deine Erwartungen. 


Gesättigt verlässt du das Strandhaus, setzt dich davor in den weichen Sand, lehnst dich an die Mauer und genießt den Blick auf das Meer.

Das stimmungsvolle Foto

stammt von Geralt auf pixabay.

Impressum

Texte: Mondkatz
Bildmaterialien: Pixabay/Geralt ; Font Peter Wiegel
Lektorat/Korrektorat: Diesmal nicht
Tag der Veröffentlichung: 10.04.2013

Alle Rechte vorbehalten

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