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Kapitel 1 Wer stinkt ist raus

 

"Es gibt keinen Grund nervös zu sein", sagte Moni und checkte Leona nochmals mit einem Blick ab.

"Du siehst super aus" Moni zwinkerte Leona mutmachend zu und riss die Tür der Szenekneipe auf. Leona stöckelte dicht hinter ihr und hielt ihre Handtasche mit beiden Händen fest im Bauchbereich an sich gepresst. Sie hatte auf Moni gehört und sich einen kurzen Rock und Schuhe mit hohen Absätzen angezogen, obwohl sie sich mit Jeans und Turnschuhen viel wohler gefühlt hätte.

Moni hatte sie überredet mit ihr auszugehen und ein paar Arbeitskollegen und Freunde von ihr zu treffen. Sie war Leonas Freundin aus der Schulzeit und all die Jahre hatten sie sich nie aus den Augen verloren. Aus irgend einem Grund war es ein Hauptanliegen von Moni, Leona mit einen ihrer Freunde zu verkuppeln. Diverse Versuche hatten schon stattgefunden, waren aber immer an entscheidenden Kleinigkeiten gescheitert. Da war zum Beispiel Jörg, Monis Steuerberater. Sah zwar gut aus, aber hatte ungepflegte Hände. Das ging nun mal gar nicht bei Leona, die auf so etwas penibel achtete. Oder man nehme Ralf, den Moni bei einem Volkshochschulkurs kennengelernt hatte. Moni hatte Leona damals überredet an dem Folgekurs teilzunehmen und so machte sie auch die Bekanntschaft von Ralf, von dem Moni ihr schon ausgiebig im Voraus berichtet hatte. Ralf sah auch gut aus, doch Leona bemerkte sofort seinen Mundgeruch. Wer stinkt ist raus. Das schloss auch den Körpergeruch mit ein. Es war für Leona eine Selbstverständlichkeit sich einmal am Tag zu duschen, ein Deo und ein angenehmes Parfüm zu benutzen. Für viele Männer schien dies nicht zu gelten. Für Leona waren das Ausscheidekriterien.

"Ziemlich laut hier", realisierte Leona und hielt sich an der Plüschjacke von Moni fest, die sich einen Weg durch die Menge bahnte.

"Das muss so sein, das macht die Atmosphäre aus" Moni schien in ihrem Element zu sein und strahlte über das ganze Gesicht. Die Kneipe war definitiv überfüllt. Tische zum Sitzen lagen wie kleine Inseln verstreut und in den Zwischenräumen gab es noch Stehtische um die sich die Besucher scharten. Es gab auch viele Nebenräume und einige Nischen in denen sich die Menschen drängten. Alles war irgendwie in Bewegung und im Fluss.

"Bleib ja bei mir", lachte Moni. Leona konzentrierte sich darauf Moni nicht loszulassen und den Biergläsern auszuweichen. Sie drangen immer tiefer in das Gewühl vor und es wurde stetig noch lauter. Wie soll man sich denn hier nur unterhalten können? Das kann man wohl vergessen, dachte Leona als dann auch noch eine Band anfing zu spielen.

"Da sind sie" Moni fuchtelte mit ihrer Hand herum, um ihrer Gruppe Zeichen zu geben. Gesichter drehten sich zu ihnen und ein Aufgrölen war die Antwort.

"Das ist Leona" Mehr war als Vorstellung nicht drin. Die Band machte einen höllischen Lärm. Leona wurde zwischen Moni und einem Typ mit Dreitagebart gequetscht.

"Ihr hättet euch gleich was zu Trinken mitbringen sollen" schrie eine überall im Gesicht gepiercte Blondine und reichte Leona die Hand über den Tisch.

"Ich bin Karin" Jeder in der Gruppe schenkte ihr Aufmerksamkeit und stets wurden ihr nur kurze Sätze zugeschrien.

"Wollt ihr Bier" kam es von Paul, den Leona schon kannte. Leona nickte und Moni johlte. Paul saß strategisch günstig zur Bar und war wohl verdonnert für Biernachschub zu sorgen.

"Ich bin Tom" stellte sich der Dreitage-Typ vor und lächelte Leona mit perfekten Zähnen an. Leona registrierte seine Zähne und lächelte brav zurück. Er hatte ein hübsches Gesicht und der Dreitagebart und seine wilde Mähne verpassten ihm ein verwegenes Aussehen. Er griff zu seinem Bierglas und Leona sah seine Hände. Hatte er etwa schmutzige Hände?

"Du hast grüne Augen" Er sagte nicht einfach das sie schöne Augen hatte. Er stellte die Augenfarbe fest und legte eine besondere Betonung hinein, die Leona aufhorchen ließ. Viele Männer, die mit ihr flirteten, hatten schon ihre schönen besonderen grünen Augen hervorgehoben, aber so einen Satz hatte sie noch nie von einem Mann gehört. Es klang nicht wie ein Kompliment, sondern so als wäre sie erkannt worden.

"Ich bin Künstler" Leona verstand nicht ganz das letze Wort, weil es in dem Applaus und Gegröle des Publikums unterging. Die Band hatte gerade ihren Song beendet.

"Was?" Jetzt lachte Leona das erste Mal. Es war verrückt sich auf diese Art und Weise zu unterhalten. Tom stimmte in ihr Lachen ein und lehnte sich zu ihr hinüber.

"Ich bin Künstler, ich male. Er zeigte seine Hände. Jetzt verstand Leona und nickte mit großen überraschten Augen. Paul war zurück und reichte das Bier rüber.

"Ich achte sehr auf Farben" Er lächelte verschmitzt

" Und auf schöne Augen" Leona war sich nicht sicher ob er flirtete. Die meisten Männer flirteten ganz offen mit ihr und Leona musste nicht raten was sie wollten, doch bei Tom kam das eher subtil rüber.

"Willst du sie malen" lachte Leona und im nächsten Moment erschrak sie über sich selbst. Was war denn in sie gefahren. Sie war eher ein schüchterner Typ und jetzt preschte sie so vor?

Die Band spielte wieder und so kam Tom ganz nah an ihr Ohr heran. Leona spürte ein prickeln. Er war jetzt ganz nah an ihrem Ohr und streifte es leicht mit seiner Nase. Leona bemerkte wie die Hitze in ihr Gesicht stieg. Sie hielt den Atem an und erwartete seine Worte....

 

 

 

 

 

 

 

Kapitel 2 Die Galerie

 

 

 

 

 Moni und Leona saßen im Taxi. Es war weit nach Mitternacht und es hatte zu regnen begonnen. Der Taxifahrer, ein Inder mit Turban und einem mächtigen Bart, betätigte den Scheibenwischer und die Wischblätter gaben ein quietschendes Geräusch von sich, als sie ihre Arbeit begannen.

"Hast du dich gut amüsiert?" Moni hatte sich bei Leona eingehakt und den Kopf auf ihre Schulter gelegt.

"Ja, das war wirklich lustig" Leonas Gesicht glühte noch immer vom wilden Herumhüpfen. In einer Ecke der Kneipe hatte eine Gruppe angefangen zu tanzen und Tom hatte sie spontan mitgezogen. Er hatte sie an die Hand genommen und in die tanzende Menge geführt. In ihr pulsierte noch immer der Rhythmus und der Alkohol.

"Aber ich hab viel zu viel getrunken" Moni lachte laut dazu.

"Dir gefällt Tom. Hab ich Recht? Ich hab bemerkt wie du ihn angesehen hast" zwinkerte sie.

" Wieso, wie hab ich ihn denn angesehen?, erwiderte Leona so harmlos wie möglich.

"Du hast ihm mit den Augen gesagt, dass er sich dir nähern und anfassen darf"

"Was...wie kommst du darauf. Er war mir sofort sympathisch. Das stimmt. Aber anfassen?"

"Doch. In deinem Blick lag so eine Aufforderung. So was wildes. Das kenn ich gar nicht von dir. Komm her....trau dich" Moni lachte amüsiert." und, er hat dich doch berührt, oder?"

Leona dachte an den Nasenwischer an ihrem Ohr und wie er sie an die Hand genommen hat. Bin ich so ein offenes Buch? Okay, man kann seine Mimik und Gestik durchaus kontrollieren. Aber man sagt auch, dass die Augenpartie davon ausgenommen ist. Man muss nur in die Augen schauen, um zu sehen was ein Mensch empfindet. Was hatten denn die Augen von Tom gesagt? Sie versuchte diese Momente zurückzuholen. Er hatte sie so vertraut angeschaut. So als würde er sie schon lange kennen. Und Sie? Hatte sie ihm mit den Augen irgendein Okay gegeben? Und wenn es wirklich so war, wieso hatte Moni das bemerkt?

"Oh Moni, er ist so süß"  Moni streckte die Hände nach oben und jubelte wie bei einem Tor und grölte laut. Leona schaute schnell zum Taxifahrer, ob der sich bei Monis Ausbruch erschreckt hatte. Der Regen war stärker geworden und prasselte auf das Autodach. Die angeschlagenen Wischer versuchten verzweifelt gegen den Regen anzukämpfen. Der Inder war vornübergebeugt und suchte mit verengten Augen durch die Regenwand zu sehen. Seine ganze Konzentration galt dem Fahren.

"Kennst du ihn näher? Moni kannte von jedem immer ein wenig und jetzt wollte sie so viel wie möglich über Tom erfahren. Moni trällerte " Love is in the air "

"Komm, erzähl mir schon was" Leona stupste sie in die Seite.

"Ich weiß nicht so viel über ihn. Er ist ein Freund von Tobias. Tobias hat mich mitgenommen, als Tom seine Galerie eröffnet hat und es eine kleine Party gab. Er hat mich vorgestellt und wir haben ein wenig gesmalltalkt. Er ist offen und kann gut zuhören, charmant und bodenständig. Gar nicht so wie man sich einen Künstler vorstellt. Nur seine Bilder sind ein wenig düster. Man könnte meinen er hat Depressionen. Dabei ist er so ein freundlicher Typ. Übrigens, seine Galerie ist gleich bei mir um die Ecke, in der Burggasse".

Das Taxi bog in die Straße ein in der Moni wohnte.

"Schläfst du bei mir?. Wir können dann noch ein wenig quatschen. Und ich mache dir einen ganz tollen Cocktail"

Leona dachte an Monis aktuellen Kurs den sie besuchte. Sie  hatte gar nicht gedacht, dass es solche Kurse auch in der VHS gibt. Das Taxi wurde langsamer und hielt. Sie bezahlten den Inder und flüchteten unter dem Regenschutz am Hauseingang. Moni wollte Leona unbedingt überreden noch mit hoch zu kommen, aber Leona war in Stimmung noch ein wenig im Regen spazieren zu gehen. Moni gab ihr noch einen Riesenschirm und so stakste sie die Straße hinunter. Leona wohnte zwei Häuserblocks weiter und würde in 10 Minuten zu Hause sein.

Bei dem Regen und um die Uhrzeit, waren natürlich keine Menschen mehr unterwegs. Leona hörte nur das Stöckeln ihrer Schuhe und das rhythmische Anklopfen der Regentropfen auf ihrem Schirm. Der Eingang zur Burggasse war auf der anderen Seite zu finden und so überquerte sie die Fahrbahn, als sie das Sträßchen erblickte.

Misstrauisch blickte sie auf das grobe Kopfsteinpflaster das den Asphalt der Hauptstraße ablöste und den Beginn der kleinen Gasse kennzeichnete. Würde sie da unfallfrei durchgehen können? Sie stockte einen Moment und überlegte. Aber sie war einfach zu neugierig auf die Galerie und musste sie noch jetzt sehen. Sie stellte sich die Galerie vor, mit einem Schaufenster und einem Bild von Tom darin. Ihr Entschluss stand fest. Sie trippelte in den schmalen Weg hinein....

 

 

 

 

 

 

 

Kapitel 3 Die dunkle Gasse

Es war als würde sie in ein schwarzes Loch hineingehen. Sie erkannte die Umrisse einer Straßenlaterne die an einer Wand angebracht war, etwa 5 Meter von ihr und die leider kein Licht spendete. Den Schirm hatte sie in der linken Hand und mit ihrer rechten tastete sie sich vorsichtig an der Hauswand weiter.

Sie hob den Schirm an, um besser nach vorne schauen zu können. Das nächste Licht funktionierte, aber war noch in einiger Entfernung und ihr schummeriges Licht reichte nicht aus um die Gasse auch nur annähernd mit Licht zu versorgen. Zumindest war es nicht stockdunkel. Langsam kam sie vorwärts. Es knirschte etwas unter ihren Schuhen.

Sie schaute nach unten und sah Glasscherben, die verstreut herumlagen. Einige waren recht groß. Das war die Stelle wo die tote Laterne hing. Hatte jemand die Lampe beschädigt? Sie stieß mit ihrem Zeh an einen Stein. Autsch, das hatte weh getan. Sie fluchte in sich hinein und schwor sich so schnell nicht wieder dieses Schuhwerk anzuziehen. Warum lag so ein blöder Stein hier herum? Wurde mit ihm etwa die Lampe zerstört? Vandalismus war ihr unbegreiflich. Sie musste weiter.

Langsam kam sie voran. Weiter vorne, wo die Gasse eine Biegung machte, wurde Licht an die Wand geworfen. War es das Licht der Galerie? Leona hoffte es. Sie setzte den nächsten Schritt und knickte um. Sie war in ein Loch getreten, verlor die Balance und stürzte nach vorne. Instinktiv warf sie den Schirm und die Handtasche von sich, um die Hände frei zu haben und um sich abzustützen. Sie schlug auf die Kniescheiben auf, wurde weiter nach vorne geworfen und prallte mit ihren Händen auf das nasse glänzende Kopfsteinpflaster. An mehreren Stellen explodierte der Schmerz. Leona schrie auf und der Widerhall ihres eigenen Schreies  in der engen Gasse erschreckte sie.

Sie setzte sich hin und spürte wie ihre Kleidung das Nass aufsaugte. Verdammt. Vor sich sah sie, was das Malheur verursacht hatte. Ein Kopfstein fehlte im Mosaik der Steine und war herausgeholt worden. In genau dieses Loch war sie hinein gestolpert. Das musste der Stein gewesen sein, mit dem die Lampe zerstört wurde.

Ihre Knie und ihre Handflächen brannten vor Schmerz, aber am schlimmsten tat ihr Fuß weh. Sie musste sich den Knöchel verstaucht haben. Das konnte doch einfach nicht wahr sein.

Sie hatte ziemlich laut geschrien. Hatte sie jemand gehört und würde ihr vielleicht helfen? Sie schaute die Häuserfassaden entlang. Es waren die Rückseiten von Häusern, deren Eingang auf der Vorderseite der Parallelstraße waren. Es gab aber nach hinten Fenster raus, die mit Läden verschlossen waren. Kein Licht ging dahinter an, was Leona gehofft hatte. Sie wartete eine gefühlte Ewigkeit und schaute in alle Richtungen, aber leider hatte sie wohl keiner gehört und auch kein Licht wurde irgendwo angeknipst. Sollte sie nochmals laut schreien?. Irgend jemand musste sie doch hören. Doch dafür fehlte ihr der Mut. Es war schrecklich still und die dunkle Umgebung saugte alle Willenskraft aus ihr heraus und machte für etwas anderes Platz.

Leona bemerkte wie sich ihre Angst meldete. Der Sturz hatte sie zwar geschockt und benommen, doch jetzt wurde sie sich ihrer Lage bewusst. Sie war allein und niemand war da, der ihr half. Aber Moment mal. Natürlich- ihr Handy. Sie konnte Moni anrufen und sie würde schnell bei ihr sein. Ein Gefühl der Erleichterung.

Sie tatschte auf ihre Rocktasche um das Handy zu spüren und ihr Herz fiel in ein Loch als sie ins Leere tastete. Sie schlug jetzt nochmals auf die Tasche, was den Schmerz in der Hand zurückholte. Angst ergriff sie erneut. Ihre Hand wuselte in Panik in die Tasche hinein, suchte verzweifelt das Handy. Es war nicht mehr da. Diese Erkenntnis war wie ein Schlag ins Gesicht. Es musste beim Sturz aus der Tasche geflogen sein. Komm beruhigt dich wieder, mahnte sie sich selber. Es muss hier irgendwo liegen.

Sie ging wieder auf die Knie. Verdammt, tat das weh. Sie tappte mit ihren Händen im Kreis herum und versuchte dabei systematisch vor zugehen und keinen Abschnitt zu übergehen. Sie begann an der linken Hauswand und arbeitete sich zur rechten Wand vor und deckte mit ihrem Tappen ein möglichst großen Bereich ab. Bleib ruhig. Du wirst es finden.

Urplötzlich gab es ein schreckliches Geräusch. Es war das Aufheulen einer Katze. Als sie es realisierte, hörte sie ein Geräusch vor sich. Etwas kam auf sie zu. Noch bevor sie es begreifen konnte, hetzte die Katze an ihr vorbei. Ihr Puls hämmerte wie ein Trommelwirbel, der etwas Spannendes ankündigen wollte. Sie hatte sich erschreckt, aber auch die Katze hatte sich furchtbar erschreckt.

Ihre Haare waren mittlerweile durchnässt und hingen ihr in Strähnen über das Gesicht. Sie wischte sich den Blick frei und starrte in die Dunkelheit. War da eine Bewegung vor ihr? Sie meinte einen Umriss von etwas wahrgenommen zu haben. Dann gab es ein ohrenbetäubendes Klirren, ein Stein klapperte auf das Pflaster,  zerbrochenes Glas zerschlug auf dem Boden und es wurde schlagartig stockdunkel. Das Grauen packte Leona und die Haare auf ihren Armen richteten sich auf. Jemand hatte die zweite Lampe zerschmettert...

 

 

 

Kapitel 4 Ausgeliefert

 Leona war wie erstarrt. Sie versuchte durch den Vorhang aus Regen und Dunkelheit hindurch zu sehen und irgendetwas zu erkennen. Leona hatte schon immer Angst vor der Dunkelheit gehabt, wenn sie als kleines Kind schlafen musste und die Mutter das Licht ausschaltete. Panisch hatte sie zur Tür geblickt und das wenige Licht das vom Flur durch den offengelassenen Spalt der Tür in ihr Zimmer drang. Ihre Mutter hatte die Tür nie  ganz geschlossen und ihr blieb dieser kleine Lichtstrahl auf den sie wie gebannt blickte, immer mit der Angst dass der Vater gedankenlos das Flurlicht löschte, wenn er von der Toilette zurückkam oder die Tür sich wie von Geisterhand selbst schloss und ein nur winziger Spalt zurückblieb. Dieses kleine Licht war zu mindestens immer ein Trost gewesen. Jetzt blieb ihr nur der schwache Schein in der Ferne, da wo sie die Galerie von Tom vermutete.

 Ein Knirschen wie das Zerbrechen von Glas. Dieses Geräusch das sie vor kurzem selber noch erzeugt hatte, als sie auf die Glasscherben auf dem Boden trat. Jetzt war da jemand anderes der nicht weit von ihr auf die Scherbenreste trat. Pause. Wieder dieses schreckliche Geräusch. Ein weiterer Schritt. Der Unbekannte kam auf sie zu.

Das Geräusch und die Erkenntnis der Gefahr in der sie sich befand, war wie eine Injektion von Angst in ihre Venen, die sich augenblicklich in ihren Körper ausbreitete. Das Adrenalin beförderte sie schlagartig auf die Beine. Sie wand sich um und begann zu laufen und der verstauchte Knöchel spielte keine Rolle. Sie humpelte los in Richtung Ausgang der Gasse, doch ihre Stöckelschuhe machten ihr ein Strich durch die Rechnung. Sie knickte erneut um und stürzte in Richtung Hauswand, traf mit der rechten Schulter auf und knickte zusammen. Sie rutschte an der rauen Wand auf den Boden und fühlte sich als würde sie jemand auf einer Küchenreibe bearbeiten. Der Fluchtversuch war gescheitert und der Schmerz kam brutal zurück.

Das war vielleicht ihr einziger Versuch der Gefahr zu entkommen und es war vorbei. Sie würde nirgends mehr wo hinkommen. Sie saß wie ein Beutetier in der Falle. Sie würde sich ergeben müssen. Egal was jetzt passieren würde. Sie hatte ihr Handy verloren, sie war unbewaffnet und hätte bestimmt keine Kraft zu schreien. Sie fühlte sich elendig und verlassen. Sie bestand nur noch aus Schmerz und Verzweiflung. Tränen liefen ihr Gesicht herunter und vermischten sich mit dem Regen. Sie jammerte leise und es war wie ein Anklagen gegen sich selbst. Diese dumme Idee zu dieser späten Stunde  alleine in diese verfluchte Gasse hineinzugehen.

Dann hörte sie etwas, was ihr erneut die Adern erfrieren ließ. Der Unbekannte begann eine Melodie zu pfeifen.  Eine ihr bekannte Melodie. Clubbed to death aus dem Matrixfilm. Unheimlich und drohend krochen die Töne die Häueserfront entlang. Die Töne wurden zunehmend lauter und machten Leona auf neue bewusst, das der Fremde auf sie zukam. Bedrohlich, bestimmend und todsicher.

Minuten schienen zu vergehen, oder waren es nur Sekunden? Leona wusste es nicht. Sie starrte nur auf die gegenüberliegende Häuserwand, von der die Todesmelodie kam. Dann plötzliche Stille. Er hatte aufgehört zu pfeifen. Was würde nun passieren? Verdammt wo war er? Er musste doch schon ganz nah sein. Mittlerweile hatten sich ihre Augen an die Dunkelheit gewöhnt. Sie sah die Umrisse von dem Regenschirm, der auf dem Kopf stand und seinen Griff nach oben reckte. Unaufhörlich tropfte der Regen hinein und es musste sich schon eine beträchtliche Wasserlache in ihm gebildet haben. Dann sah sie wie der Schirm sich anhob, so als würde sich ein Ufo zum Abflug bereit machen. Langsam schwebte der Schirm nach oben. Dann stockte die Bewegung und der Schirm schwebte in der Luft. Dann ergoss sich der Inhalt plätschernd auf die Straße. Leona sah wie der Schirm in sich zusammenfiel und seine Konturen sich auflösten. Sie kniff die Augen zusammen um besser sehen zu können. Jetzt machte sie die Gestalt des Unheimlichen das erste Mal aus. Er war groß und von breiter Statur, was den restlichen Mut, sollte sie ihn je besessen haben, wie ein Kartenhaus zusammenfallen ließ. Sie würde keine Chance haben gegen diesen Schrank von Mann.

Unaufhörlich schlich er sich heran, den Regenschirm wie ein Schwert neben sich tragend. Was konnte sie ihm noch entgegenhalten? Sie hatte nichts was sich als Waffe eignen würde. Doch ihre High Heels!! Mit den Absätzen könnte sie versuchen ihn empfindlich zu treffen. Es war zu mindestens eine Chance. Vielleicht landete sie einen Glückstreffer, vom Adrenalin geführt. Sie tastete zu ihrem rechten Schuh, fand den Verschluss und nestelte nervös an ihm herum, bis sie spürte wie der Schuh ihren Fuß frei gab. Wie von selbst fügte sich der Schuh in ihre Hand und wurde eins mit ihr. Sie hob den Arm an, zum Schlag bereit.

Der Mann war plötzlich direkt vor ihr und hielt inne. Er hatte eine Kapuze über den Kopf gezogen und Leona konnte nichts von seinem Gesicht sehen. Er trug eine schwarze Lederjacke und dunkle Jeans. Er ging in die Hocke und war nun auf Augenhöhe mit Leona. Das ist gut, dachte Leona. Vielleicht kann ich sein Gesicht treffen. Dann schlug sie zu....

 

 

 

 

Kapitel 5 Am Rande des Abgrunds

 Die Wucht des Schlages überraschte Leona. Kraftvoll und mit Schwung geführt, erreichte er das Gesicht des Angreifers. Aber Leona fehlte der Killerinstinkt. Ihr innerstes Wesen verbot es ihr dem Mann wirklichen Schaden zuzufügen. Das wäre der Fall gewesen, hätte der spitze Absatz im Auge des Mannes sein Ziel gefunden. Aber irgendeine unsichtbare Kraft lenkte den Schlag ab und dirigierte ihn stattdessen an sein Ohr.

Der Angreifer war in der Hocke, aber der kraftvolle Hieb brachte ihn in keinster Weise aus dem Gleichgewicht. Es war als hätte ihn der Schuh nur gestreichelt. Nicht ein Wanken oder Taumeln. Er schluckte einfach diesen Schlag und der Leonas Überraschungs-Coup verpuffte. Leona hatte die leise Hoffnung gehabt, ihn mit diesem Schlag zu erschrecken und zu verjagen. Es war eine kleine Chance gewesen, alles was Leona in die Waagschale werfen konnte und nun musste sie begreifen, dass es ein Schlag in die Luft gewesen war. Wirkungslos wie ein Babyshampoo.

Die Zeit zum Begreifen bekam sie aber nicht. Der Mann schnappte erst ihre angreifende Hand und drückte ernbarmungslos zu. Leona entfuhr ein schmerzhafter Schrei. Dann fand er sicher ihren anderen Arm und stürzte sich mit seinem ganzen Gewicht auf sie.

Leona hatte die Augen geschlossen und sich innerlich zusammengekrümmt, als wäre sie so in der Lage sich in eine letzte Festung zurückzuziehen. Aber auch dieses trügerische Gefühl noch eine Zwischenwand zwischen sich und dem Bösen da draußen zu haben, zerbrach wie eine poröse Eierschale. Der Mann lag wie das personifizierte Böse auf ihr. Leona verblieb nur die Illusion. Sie erwartete dass der Angriff jeden Moment zu Ende war, wie ein Albtaum zerplatzte. Ein riesiges Missverständnis, was sich auflöste. Es gab zwar schlimme Situationen im Leben, doch irgendwie nahm doch immer alles ein gutes Ende. War es nicht immer so gewesen? Sollten diese und andere tröstende Gedanken irgendwo in ihren Gehirnwindungen als Bilder aufgetaucht sein, verschwanden sie wie zischende Geräusche von Wassertropfen die auf einer Herdplatte zerdampfen.

Der starke Mann drehte sie wie ein Spielzeug auf den Bauch. Für einen kurzen Augenblick war sein bedrohliches Gewicht verschwunden und kehrte dann mit aller Gewalt zurück. Ihr Gesicht klebte auf dem nassen kalten Asphalt und sie wagte wieder die Augen zu öffnen, wissend dass sie nicht in das Antlitz dieses Monsters blicken musste.

Egal was jetzt passieren würde, sie wollte nicht seine Augen sehen. Ihr Blick ging auf den Eingang der Gasse, den sie vor einer gefühlten Ewigkeit betreten hatte. Das ferne schwache Licht der Hauptstraße. Da würde sie hinschauen und verweilen und alles andere schicksalhaft erwarten.

Der Mann war erregt und atmete schwer. Der Griff der ihre beiden Handgelenke umschloss, glich einem Schraubstock. Sein Gewicht verteilte sich auf ihren zierlichen Körper. Sein Mund lag auf ihren Haaren. Leona spürte wie sein heißer Atem  durch ihre Haare an ihren Hals strich. Dann bemerkte sie, wie er ihre Haare in den Mund nahm, so als würde er sie essen wollen. Abwechselnd spürte sie seine Nase, die den Geruch ihrer Haare aufsog und seinen feuchten Mund, der an ihren Haaren zog und sie in seinen Mund aufnahm, an ihnen saugte, so als kostete er eine süße Frucht. Es war als würde er nicht genug bekommen, nicht satt werden. Seine Bewegungen wurden gieriger und seine Hände verlangten sich zu beteiligen. Sie konnten nicht länger warten und nur ihre Handgelenke festhalten. Sie wollten den nächsten Part übernehmen.

Er nahm zuerst ihren rechten Arm und führte ihn geschickt unter ihren Körper und klemmte ihn dort ein. Ihr eigenes Gewicht und seines dazu, machten ihren Arm so unbrauchbar. Dann verbog er ihren linken Arm und verdrehte ihn und winkelte sein linkes Bein so an, dass er ihren Arm auf dem Asphalt festhielt. Leona hielt den Atem an vor Schmerz und Tränen des Entsetzens sshossen aus ihren Augenwinkeln.

Jetzt hatte er seine Hände frei. Seine linke Hand griff ihre Haare und nahm sie in Besitz. Leona spürte wie sich ihre Kopfhaut spannte. Er drehte ihr Gesicht auf die andere Seite, so dass sie nun wieder in die Gasse hineinblickte. Sie hatte Angst vor seinem Gesicht und schloss wieder die Augen. Doch sein Gesicht vergrub sich erneut ihre Haare und sie wagte wieder ein Blick. Was sie sah, ließ sie zu Eis erstarren. Er hatte eine Art Messer in der Hand. Etwas Fremdartiges und entsetzliches. Sie stöhnte auf und wollte schreien. Schrei doch endlich.... Schrei!!!!....Sie konnte nicht. Sie war wie eingefroren. Sie war wie ein Lamm das zur Schlachtbank geführt wurde.

Sein Arm mit dem Messer verschwand im Dunkeln und sie spürte wie er sich einen Weg suchte, einen Weg zu ihrem Rock. Er kam mit diesem hässlichen Messer unter ihren Rock, fuhr ihre Beine hinauf und fand ihren Slip...

 

 

Kapitel 6 Das Fähigkeitenrad

 

 

 

Er hob mit dem Messer den Slip an, spannte ihn dadurch und mit einem kleinen Ruck war der feine Stoff durchschnitten. Leona hörte ein vergnügliches Stöhnen. Es war entsetzlich.

 Sie suchte verzweifelt den Ausschalter, einen inneren Zufluchtsort, ein Loch in das sie springen konnte. Auf einem Mal sah sie ein Glücksrad vor sich. Es war riesengroß und mit vielen Symbolen bestückt. Eine unsichtbare Hand brachte es zum Laufen und die Symbole verwischten zu Farbklecksen. Es drehte sich unglaublich schnell und es war beruhigend zuzuschauen. Sich diesem Bild ganz hinzugeben. Leona spürte nichts mehr und nahm von ihrer schrecklichen Lage nichts mehr war. Es hatte funktioniert. Es gab nur noch dieses Rad, dass sich schwungvoll drehte. Leona verlor auch jedes Zeitgefühl. Es drehte sich, drehte sich und drehte sich immer weiter. Leona glaubte, dass es immer so weiter gehen würde, aber dann nahm sie eine Veränderung wahr.

Die verwischten Farbkleckse veränderten sich. Sie nahmen wieder Konturen an. Das Rad wurde langsamer. Es verlor an Schwung und irgendetwas schien es abbremsen zu wollen. Nein, bitte nicht. Leona wollte sich wehren, wollte das Rad zwingen wieder Fahrt aufzunehmen. Doch sie kam nicht dagegen an. Sie musste mitansehen, wie das Rad immer langsamer drehte. Die Bilder waren jetzt wieder deutlich zu erkennen, doch sie konnte sie auf keines konzentrieren. Jetzt hörte sie etwas. Ein Klicken. Was hatte das zu bedeuten. Dann begriff sie es. Oben am Rad war ein Stopper angebracht und jedes Bild hatte ebenfalls so einen Stopper. Wenn die Bilder schnell an dem Stopper vorbei sausen, gibt das eine schnelle Abfolge von Klickgeräuschen. Doch das Rad wird stetig langsamer und die Klickgeräusche erfolgen in immer größeren Abständen. Klick, Klick, Klick. Leona konzentrierte sich jetzt nur noch auf die Klickgeräusche. Klick. Und dann war es still.

Sie wartete auf einen weiteren Klick, aber er kam nicht. Leona öffnete ihr geistiges Auge und sah ein Bild vor sich. Ein Mann lag gegen eine Wand gelehnt. Der Kopf nach unten gesunken. Er schien bewusstlos zu sein. Über ihm schien der Mond bedrohlich herab. Neben ihm lag so eine Art Kabel aus dem es Funken sprühte. Ein Elektrokabel. Dann sah Leona die Hand von dem Mann. Sie lag geöffnet auf seinem Bein. Ein schwarzer Fleck prangte mitten in der Handinnenfläche. Sie begriff. Er hatte einen Stromschlag bekommen. Dieses Bild brannte sich in ihrem Gedächtnis ab, dann erwachte sie aus ihrer Trance. Sie spürte den Regen und dem kalten Pflaster. Das brutale Gewicht auf ihrem Rücken war verschwunden. Der Mann war weg. Gott sei Dank, es war überstanden. Was immer auch passiert war, Leona hatte nichts davon mitbekommen. Sie bewegte sich leicht und befreite ihre Arme. Jetzt kam der Schmerz zurück. Sie spürte ihn überall. Angstvoll fragte sie sich, ob dieses Monster sie vergewaltigt hatte. Es konnte doch gar nicht anders sein, aber einen entsprechenden Schmerz konnte sie nicht feststellen. Sie musste sich später darum kümmern. Sie brauchte jetzt so schnell wie möglich Hilfe und zuerst musste sie aus dieser Gasse heraus. Sie kroch zu der Mauer vor ihr, hielt sich an den groben Steinen fest und zog sich hoch. Ihre Beine wackelten und versagten noch ihren Dienst, aber sie kam zum Stehen. Sie drehte sich um und lehnte sich an die Wand. Dicke gewölbte Steine drückten in ihren Rücken. Sie keuchte. Der Regen vor ihr fiel wie Striche und zerteilte ihre Sicht. Sie sah einen zusammengesunkenen Schatten an der Wand gegenüber und ihre nassen zusammen geklebten Armhaare warfen vor Entsetzen alle Feuchtigkeit ab und stellten sich schlagartig auf. Ihr Angreifer saß auf dem Boden an der Wand....

 

 

Kapitel 7 Die horchenden Männer

 

 

 

 

Der Instinkt war wegzulaufen. Doch Leona zögerte. Der Mann saß nicht nur einfach an der Wand. Er war in sich zusammengesunken und ohnmächtig. Was war passiert? Leona hatte keine logische Erklärung dafür. Sie dachte an das Bild vom Rad. Der Mann auf dem Bild lag ähnlich da, wie jetzt ihr Angreifer. Er wurde von einem Stromschlag getroffen und hatte ein Brandmal an der Hand. Leona schaute zu seinen Händen. Man konnte sie nicht sehen. Hatte er Handschuhe an.? Nein, das konnte nicht sein. Sie hatte doch seine gierigen Finger an ihrem Körper gespürt. Um was genauer zu erkennen, musste sie nöher heran. Das ist verrückt Leona, lauf weg. Such Hilfe. Sie wagte einen Schritt auf ihn zu und beobachtete ihn aufs Schärfste. Dann noch einen Schritt. Bevor sie weiter gehen konnte, poppte ein neues Bild vor ihren Augen auf. Eine Wand und davor standen Skulturen. Zwei Männer die an der Wand lauschten. Verwirrt schüttelte sie ihren Kopf. Sie war benommen. Einen Moment lang sah sie nur dieses Bild. Dann löste es sich wieder auf. Es regnete weiter und sie blickte wieder auf die reglose Gestalt herab. Doch etwas hatte sich verändert. Noch einen Schritt. Sie starrte auf die Schattengestalt. Dann hörte sie es. Bum, Bum. Bum, Bum. Was war das? Bum, Bum. Das hörte sich wie ein Herzschlag an. Bum, Bum. Hörte sie etwa sein Herz oder bildete sie sich das nur ein? Bum, Bum. Da war noch ein Geräusch. Atemgeräusche. Langsam und gleichmässig. Was war mit ihr los? Wieso konnte sie das hören?. Waren das posttraumatische Folgen des Angriffs?

Sie kniete sich zu ihm herunter. Jetzt konnte sie zum ersten Mal seine Gesichtszüge sehen. Er war hübsch. Wieso machte er so etwas schreckliches?

Seine Hände lagen im Schatten seiner Jacke. Auf dem Bild war es die linke Hand gewesen, durch die der Strom gerast und das verbrannte Mal zurück gelassen hatte. Vorsichtig griff sie nach seiner Hand. Sie ließ sich schwer anheben. Wahrscheinlich war sein Arm mit starken Muskeln. besetzt. Er war sehr stark. Das hatte sie ja schon spüren müssen. Sie blickte in die Handinnenfläche, konnte aber kein Mal entdecken. Sie prüfte auch die andere Hand. Auch dort nichts. Was hatte sie erwartet?. Das er tatsächlich ein Brandmal von einem Stromschlag besaß?

Jetzt wurde es aber Zeit zu verschwinden. Sie sollte ihr Glück nicht weiter herausfordern. Er könnte jeden Moment sein Bewusstsein wieder erlangen. Leona wollte sich nicht ausmalen, wie er reagieren würde.

Sie stellte sich auf und blickte in beide Richtungen der Gasse. Zurück zur Straße oder in Richtung Galerie? Sie überlegte kurz. Vielleicht ist Tom ja auf dem Nachhauseweg noch in die Galerie gefahren? Eigentlich unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich. Ein Versuch wäre es wert. Auch wenn sie dort nicht Erfolg haben würde, wäre die nächste Querstraße strategisch besser, als die Straße aus der sie gekommen war. Sie war größer und breiter und hatte mehr Geschäfte mit Schaufenstern und Lichtern. Vielleicht würde sie auch eher dort jemanden treffen, den sie um Hilfe bitten könnte. Jemand der ein Handy hatte. Dann blitze ein Gedanke auf. Sie ging wieder in die Hocke und durchsuchte die Taschen des Mannes. Sie fand sein Smart phone. Jetzt schnell weg hier. Sie tippelte vorwärts. Nicht so schnell, mahnte sie sich. Ihre Knie waren immer noch aus Pudding. Im Rücken hörte sie die Atemgräusche und das Bum, Bum, obwohl sie sich immer weiter von ihm entfernte. Es war so, als würden die Geräusche ihr folgen. Das war einfach nicht normal.

Sie war schon fast an der Biegung, da hörte sie ein anderes Geräusch. Ein Stöhnen. Ihr Kopf schnellte zurück. Bewegte er sich? Da war von hier aus nicht zu erkennen. Schnell weiter. Die schnelleren Schritte machten ihr Schmerzen. Noch ein paar Schritte und dann war sie endlich von der Ecke verschluckt. Wieder das Stöhnen. " Zum Teufel" Sie hörte seine Stimme, als wäre er direkt hinter ihr. Jetzt stand sie vor der Galerie. Das Licht im Schaufenster war schwach. Es befand sich kein Bild darin, was Leona merkwürdig vorkam. Aber das war jetzt nicht wichtig. Wo war die Klingel? Sie sah keine. Der Eingang war verschlosen worden mit einer Jalousietür. Unten war sie mit einem Vorhängeschloss gesichert. Was Leona schon geahnt hatte, war nun sicher. Tom war nicht hier. Vielleicht gab es noch einen Hintereingang? " Wo zum Teufel ist mein Handy?". Seine Stimme klang verärgert. An der Seite sah sie ein Tor. Dahinter  war es dunkel. Das Tor war verschlossen. Verdammt. Sie rüttelte verzweifelt an diesem blöden Tor. Plötzlich schwang das Tor auf. Es war nicht verschlossen und klemmte nur. Erleichtert floh sie sich in das Dunkel dahinter und verschloss das Tor wieder. "Hey, was ist das denn?" Wieder erschrak sie heftig. Die Stimme war um die Ecke. War er wirklich schon vor der Galerie oder funktionierte ihr Supergehör immer noch? Schnell tastete sie die Mauer entlang. Dann kam die Ecke. Hier war ein Hinterhof. Verdammt war das dunkel, aber hier konnte sie sich gut verstecken. Hier würde er nicht suchen. Dann klingelte das Handy in ihrer Hand....

 

Kapitel 8 Der Gartenzwerg

 

 

Leona starrte entsetzt auf das Smart phone vom Angreifer und auf die Nummer, die oben im Display stand. Das musste ihre Nummer sein. Sie war sich nicht ganz sicher. Verdammt, warum fiel  es ihr so schwer sich ihre eigene Handynummer zu merken. Es musste ihre sein. Welcher Fremde würde nachts anrufen? Dann dämmerte es ihr. Er suchte sein Handy auf den Gassensteinen und fand statt dessen ihres.Zum Glück hatte er den Klingelton nicht so laut eingestellt. Sie drückte auf Abbruch. Ihr Herz hämmerte wie wild. Er durfte sie hier nicht finden. Warum ist so bloß nur in diesen Hinterhof gegangen? Was war nur loß mit ihr? Immer wieder diese kopflosen Aktionen. Sie versuchte sich zu beruhigen und lauschte in die Stille. Sie hörte nichts mehr von ihm. Funktionierte ihr Supergehör nicht mehr? Dann sah sie einen Gartenzwerg vor ihrem geistigen Auge. Er lächelte sie freundlich an. Warum sah sie nur diese merkwürdigen Bilder? Wieder dieser schreckliche Klingelton. Club of death aus dem Matrixfilm. Wie holte man den Akku heraus? Wieso wusste sie so einfache Sachen nicht. Was sollte sie jetzt tun? Zurück auf die Gasse und zur Straße rennen? Alles drehte sich im Kopf und dieser verflluchte  Gartenzwerg verschwand nicht. Er rief wieder an und sie unterdrückte den Anruf. Es war nur eine Frage der Zeit, bis er nahe genug heran war, um den Klingelton zu hören. Die Displaybeleuchtung war nicht gerade der Hammer, aber besser als nichts. Sie sah sich im Hof um. Ein Gartentisch war aufgestellt und drei Stühle lehnten umgekippt daran. Ein eingespannter Sonnenschirm stand daneben. Dahinter war ein Art Geräteschuppen. Die Galerie hatte hier ein Fenster im ersten Stock und eine Hintertür, die aber natürlich verschlossen war. Es gab ein Kellerfenster ohen Glas. Leona streckte die Hand hinein. Sie konnte eine Gittertür ertasten, die offen gelassen war. Die Öffnung war aber viel zu klein um hineinzukriechen. Die Todesmelodie erklang erneut. Ihr schoß eine neue Schnapsiddee in den Kopf. Sie könnte das Handy auf das Nachbargrundstück werfen. Leona war verzweifelt und in Panik. Sie eilte zum Geräteschuppen. Dahinter ragte eine Mauer auf. Sie holte Schwung und warf das Handy über die Mauer. Ein Klacken war die Antwort. Es war im Nachbarhof gelandet. Und wie würde es jetzt weitergehen?. Neben dem Geräteschuppen stand eine Regentonne. Vielleicht konnte man sich darin verstecken? Groß genug war sie. Der Deckel ließ sich leicht abnehmen. Leona blickte in ein schwarzes Loch hinab. War unten Wasser? Das spielte keine Rolle. Sie überlegte und nagte an ihrer Unterlippe. Club of death fing an zu spielen. Wieder warf ihr Körper das Herz wie ein Motor an und sie spürte das Pochen bis in den Hals. Ohne zu überlegen kletterte sie in das Faß. Es war nur wenig mit Wasser gefüllt. Die Tonne war riesengroß. Sie zog den Deckel wieder zurück an seinen Platz. Das Erste was sie bemerkte war, dass sie nicht den Tonennrand spürte. Sie streckte die Beine aus und gelangte damit nicht an den Rand. Wie war das möglich? Ihre Hände suchten den Rand und griffen ins Leere. Sie ging auf die Knie und kroch nach vorne. es dauerte ein paar Krabbelschritte, bis sie mit ihrem Kopf an die Tonne stieß. Verdutzt setze sie sich hin. Die Tonne hatte sich in eine Riesentonne verwandelt. Odersie war klein geworden. Der Gartenzwerg. Jedes Bild was sie sah, zeigte ihr eine besondere Fähigkeit. Das erste Bild zeigte ihr diesen Stromschlag. Davon hatte sie nichts mitbekommen und doch lag der Typ genauso an der Mauer, wie das Bild es ihrem Kopf gezeigt hatte. Sie musste ihm einen Stromschlag verpasst haben. Dann diese horchenden Männer. Sie bedeuteten, dass sie supergut hören konnte. Dann hatte sie diese Fähigkei tverloren und sah diesen Gartenzwerg vor sich. Jetzt saß sie wie ein Zwerg in der Tonne. Das war einfach nur verrückt. Was würde als nächtes kommen? Würde sie sich wie eine Taube in den Himmel erheben? Sie musste laut loslachen. Das Lachen hallte grotesk in der Tonne wieder. Sie beruhigte sich wieder und es war still. Dann hörte sie ein Rütteln am Tor. Er war hier....

Kapitel 9 Der Kaninchenbau

 

Er bekam die Tür sofort auf. Natürlich, er war stark. Leona versuchte ganz ruhig zu bleiben und gleichmässig zu atmen. Das fiel ihr schwer. Am Liebsten hätte sie gekeucht, um ihren Stress Luft zu machen. Sie beugte den Bauc vor und konzentrierte sich auf die Bauchfellatmung. Nur die Schulterblätter hatten Kontakt zur Tonne. Gernehätte sie sich irgendwo festgehalten, aber es gab nichts. So ließ sie ihre hände auf den Oberschenkeln ruhen und es war fast eine meditative Stellung, die sie inne hatte. Es half, sie blieb ruhig. Sie schloß die Augen, obwohl es total dunkel um sie herum war. Sie horchte in die Dunkelheit hinein. War er schon in den Hof hinein gegangen.? Was hatte er vor? Bestimmt wollte er sein Handy holen. Der Klingelton war verstummt. Vielleicht wollte er vermeiden, dass irgendein Nachbar dem ständigen Klingeln Aufmerksamkeit schenkte. Leona konnte nichts von ihm hören. Bestimmt bewegte er sich sehr leise. Wie ein Raubtier. Da, ein Geräusch. Es hörte sich an wie ein Flasche, die umgekippt war und dann über den Boden rollte. Er besaß kein Licht. Das war schon mal gut. Er hatte ihr Handy, doch es war nur ein altes Nokia, ohne Taschenlampenfunktion. Wahrscheinlichblieb er jetzt stehen und lauschte, ob jemand auf dieses Geräusch reagierte. Doch es blieb still. Es war zu still. Obwohl sie ihre Atmung einigermaßen unter Kontrolle hatte, kamen die Luftströme , die sie produzierte ihr immer noch laut vor , wie ein Orkan. Sollte er schon in der Nähe ihres Verstecks sein, musste er sie doch hören, oder nicht? Sie konnte nur hoffen, dass er in erster Linie an seinem Handy interessiert war und nicht mehr an ihr.

Der Klingelton meldete sich wieder, aber nur kurz. Er versucht herauszufinden, wo es steckt. Dann gab es einen ohrenbetäubenden Paukenschlag. Leona riß die Hände automatisch an die Ohren udn öffnete den Mund, bereit zu eienm Schrei. Doch wie ien Wunder, hatte sie nicht geschrien. Er hatte mit der Faust auf den Tonnendeckel geschlagen. Das Geräusch hatte sie erschreckt, als säße sie in einer Tuba und der Musiker blies mit aller Kraft in sein Instrument. Wollte er sie aufschrecken, wie ein Löwe der auf den Boden brüllt, um die Zebras in Panik zu versetzen? Wäre nur ein Laut aus ihrem Mund entfleucht, hätte er sie entdeckt. Sie sitzt hier in der Falle. Ihre einzige Chance ist, dass er  sie nicht  in der Tonne vermutet, Welcher normale Mensch klettert auch nachts in eine enge Regentonne? Leona hatte es getan. Sie reagierte oft unkonventionell, wenn das Leben sie in so manche Situationen brachte. Sie musste diese Eigenschaft jetzt zu ihrem Vorteil nutzen. Kein Mensch wäre an ihrer Stelle in diesen Hiterhof gelaufen und hätte das Telefon über eine Mauer geworfen, sondern es eher benutzt um die Polizei zu rufen. Warum hatte sie es nicht versucht? Sein Handy war mit einer Zahlenkombination geschützt, aber war es nicht möglich trotzdem den Notruf zu wählen? Sie wusste es nicht. Leona funktionierte nicht, wie normale Menschen. Vielleicht konnte sie das jetzt zu ihrem Vorteil nutzen.

Wieder ein Paukenschlag. Er ist auf die Tonne geklettert. Jetzt verstand sie. Er hatte mit dem Faustschlag die Stabilität des Deckels geprüft. Er wollte auf den Geräteschuppen. Er suchte das Gleichgewicht und entschied sich wohl seine Füsse auf dem Tonnenrand zu setzen. Er vertraute dem Deckel nicht. Dann stieß er sich ab. Die Tonne versuchte die Wucht der Bewegung abzufangen, doch konnte nicht standhalten. Sie kippte mit ihr um und schlug auf dem Pflaster auf. Ein weiteres lautes Krachen. Das musste doch jemand hören. Sie hörte ihn oben auf dem Dach fluchen. Der Deckel hatte gehalten und hatte sich leider nicht von der Tonne gelöst. Verdammt, sonst wäre der Weg nach draussen frei gewesen. Sie hätte unbemerkt hinauskriechen können. Sie könnte gegen den Deckel treten, doch das ginge nicht geräuschlos. Es würde ihren Standort verraten. Was sollte sie nur tun?

Wieder der Club of death. Wieder nur kurz. Er wil sein Handy holen. Dazu muss er über die Mauer klettern. Das war ihre Chance zu verschwinden. Und dann, wo sollte sie hin? Durchs Tor auf die Gasse zurück? Er würde sie bestimmt einholen. Was würde mit ihr passieren, wenn sie aus der Tonne heraus ist?. Ist sie dann immer noch in diesem Zwergenzustand? Auf einmal erinnerte sie sich an etwas. Eie Geschichte aus der Kindheit. Sie hatte nur noch vage Erinnerungen daran, aber sie handelte von einem Zwerg der auf der Flucht vor irgend jemanden in ein Kaninchenbau kroch und sich dort versteckte. Der Keller. Der kleine Eingang. Dort könnte sie hineinkriechen. Sie wäre dann im Haus erst einmal sicher. Sollte sie es riskieren oder lieber hier in der Tonne ihr Glück versuchen? Sie dachte nicht groß darüber nach, drehte ihre kleine Füsse in Richtung Deckel, holte Schwung und trat mit voller Wucht und aller Kraft die noch in ihr steckte, gegen den Deckel....

Kapitel 10 Der Keller

Der Knall war bombastisch, doch das Ergebnis war erschreckend. Ihre kleinen Beinchen konnten den Deckel nicht wegsprengen. Dabei hatte sie sich voll auf das Zutreten konzentriert, sozusagen alle Kraft umgeleitet in einen entscheidenden Schlag, wie ein Karatekämpfer der einen Ziegelstein mit seiner Handkante zerbröselt.

Leona hatte keinen Augenblick daran gezweifelt, dass der Deckel einfach von der Tonne springt. Davon war sie wie selbstverständlich augegangen. Ihr geistiger Blick war schon länst auf was ganz anderes gerichtet. Den Spurt zum Kellerfenster. Aber jetzt scheiterte sie schon am Start.

 Die aufgewandte Konzentration hatte ihre Angst im Hintergrund gehalten, wie ein Damm der das Wasser zurückhält, doch jetzt war der Damm gebrochen und ein riesiger Angstschwall durchströmte sie. Sie saß in der Falle und der Knall hatte verraten, wo sie ist. Jeden Augenblick könnte der Mann zurück sein. Jetzt übernahm die Panik das Ruder. Sie trat wie eine Verrückte gegen den Deckel. Links, rechts am Rand, in der Mitte. Sie traf den Tonnenrand, rutschte ab, gönnte sich keine Pause und trat wieder zu und dann endlich ploppte der Deckel aus der Tonne, wie ein Sektkorken aus der Flasche. Sie war frei. Das Glücksgefühl konnte sie nicht genießen. Jetzt nur raus hier. Schnell auf die Beine.

Sie warf einen Blick zurück. Wo war ihr Peiniger? Auf der Mauer ging ein Licht an. Die Lampe am Handy. Er hatte das Handy gefunden und war zurück auf der Mauer. Renn los, schrie sie sich selber an. Während sie rannte, sagte ihr Körpergefühl, dass sie kein Zwerg mehr war. War diese Fähigkeit verschwunden? Das Supergehör war auch nur kurze Zeit vorhanden. Aber ein anderes Bild war noch nicht aufgetaucht. Das letzte Bild war der Gartenzwerg gewesen. Keine Zeit darüber nachzudenken. Sie erreichte die Hauswand, ging auf die Knie, tastete mit den Fingern nach dem Kellerloch. Hinter sich hörte sie den Mann, wie er auf dem Geräteschuppen landete.

Gleich würde er bei ihr sein. Ihre Hand stieß in ein Nichts. Leona hatte das Kellerloch gefunden. Sie umfasste mit beiden Händen den Rand, als wollte sie das Fenster aufreissen, größer machen. Es funktionierte oder wenigstens hatte sie das Gefühl, als würden die Kellerwände zur Seite gleiten. Ihre Arme warens chon in dem Loch verschwunden und ihre Schultern spürten die kalten Mauersteine und drückten sie zur Seite, als wären sie aus Pudding. Der Kopf folgte. Statt frischer Nachtluft, roch sie jetzt modrige Kellerluft.

Jetzt wuselte sie ihren Körper durch die enge Öffnung. Sie musste irgendetwas zu fassen kriegen, sonst würde sie auf den Kellerboden fallen. Ihre Hände griffen immer wieder zu, packten aber nur Luft. Sie spürte wie sie aus dem Fenster rutschte. Sie hatte Angst mit dem Kopf auf irgend etwas zu fallen. Ihre Finger stießen an etwas schmales und instinktiv packte Leona fest zu. Es war eine Kette, die von der Decke baumelte. Durch die Glieder wand sich ein Kabel. Es musste ein Lampe sein. Ihre Hände rutschten daran herunter. Gleich würde sie aus dem Loch gleiten und Leona hoffte, die Kette würde ihre Gewicht tragen.

Dann spürte sie eine kalte Hand an ihrem Fussgelenk und verhinderte, dass sie vollends aus dem Loch rutschte. Sie baumelte in der Luft, wie eine Höngematte. Kellerputz rieselte  von obe nauf sie herab. Sie atmete die feinen Partikel ein und hustete.

"Hey, lassen Sie mich los", schrie sie aus voller Kehle.

"Verdammt, wie bist du da durchgekommen?" Zum ersten Mal hörte Leona die Stimme des unheimlichen Mannes. Er war außer Atem. Er musste geradezu durch die Luft geflogen sein, so schnell war er bei ihr gewesen.

"Bitte, lassen sie mich los, sie tun mir weh" Ihr Knöchel rieb an den Steinen, während sie mit der Lampe hin und her schwankte.

"Du hast mir weh getan und du meinst ich lass dich so einfach gehen" Was meinte er damit? Sie habe ihm weh getan. Was bildete sich dieser unverschämte Kerl ein? Wut vermischte sich mit Schmerz. Sie wollte ihm irgendwelche Worte um die Ohren hauen, ihn beschimpfen, ihn schmähen und reizen, doch dazu fehlte ihr der Mut. Was sollte sie ihm sagen?. Was könnte ihn bewegen, sie wieder los zu lassen.? Sie wartete ob er noch etwas sagen würde, doch es blieb still. Was hat er vor?  Der Mann bewegte sich, zog ihr Bein mit. Leona spürte , wie sie ein Stück aus dem Fenster gezogen wurde. Glaubte er wirklich, sie könnte aus dem Fenster gezogen werden. Dann hörte sie ein Klirren. Glas war zu Bruch gegangen. Was ging da draußen vor sich? Das Ziehen ließ nach und sie rutschte wieder in den Keller hinein. Etwas berührte ihr Bein. Etwas scharfes. Langsam zog der Mann eine Glasscherbe über ihre Wade ....

 

 

 

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Tag der Veröffentlichung: 11.11.2015

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