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Kapitel 1 Kalt

 

John wachte von der Kälte im Gesicht auf und gleichzeitig spürte er seine eiskalten Füsse, die wie Eiszapfen in seinen Schuhen feststeckten. Er versuchte sie zu bewegen, doch es gelang ihm nicht. Macht nichts.

Er tauchte mit dem Kopf in den Schlafsack hinein und  spürte sofort die Wärme, die sein Gesicht umspülte. Oh tat das gut. Ein Glücksgefühl erfüllte ihn. Er war hier draussen bei Minus was weiss ich und es ging ihm gut. Er liebte sein Leben, so wie es war, unbequem, immer den Elementen ausgesetzt, unabhängig und frei und es war ein Leben ausserhalb der gesellschaftlichen Norm. Er war anders und lebte anders und das war so ein Moment, wo es ihm bewusst wurde und er es einfach nur genoss.

Die Flasche Schaps musste irgendwo neben seinen Beinen liegen. Er tastete danach, fand und holte sie nach oben, öffnete den Schlafsack soweit, dass er die Arme hinausschlängeln konnte. Er richtete sich ein wenig auf, schraubte den Verschluss von der Flasche und liess die kostbare Flüssigkeit die Kehle hinablaufen. Jetzt brannte es in seinem Inneren. So musste es sein.

Die Temperatur war nochmals abgesackt. Normalerweise reichte sein Winterschlafsack aus, um die Nacht gut und wohlig zu überstehen. Vielleicht müsste er sich doch einen Unterschlupf suchen. Er würde die Flasche leer trinken und trotz der kalten Füsse nochmals Schlaf finden. Er schätzte es war um drei Uhr morgens. 4 Stunden musste er noch überbrücken, dann begann sein neuer Tag. Er wollte gerade einen neuen Schluck nehmen, als er eine Bewegung wahrnahm.

Kapitel 2 Rascheln

Da war etwas. Obwohl es im Park stockdunkel war, kam etwas Mondlicht durch die Bäume hindurch und da keine unmittelbare Lichtquelle in seiner Nähe war, funktionierte seine Nachtsicht soweit, dass er Umrisse erkennen konnte. ungefähr 20 Meter von ihm entfernt, hatte sich etwas im Gebüsch bewegt. Es musste ein Tier sein. Vielleicht ein Waschbär? Nein, Waschbären hätten die Äste nicht in der Weise bewegen können, wie John es im Augenwinkel wahrgenommen hatte. Aber warum sollte ein Mensch mitten in der Nacht durchs Gebüsch laufen und nicht die Gehwege benutzen.

Es war es nicht ungewöhnlich, dass Menschen auch nachts an ihm vorbeiliefen. Jugendliche, die von einer Party heimkamen und eine Abkürzung durch den Park nahmen, andere Obdachlose und auch Jogger in den Morgenstunden. Doch dies hier war ihm noch nicht vorgekommen. Seine Sinne schüttelten den Alkohol ab und richteten sich auf. Jetzt hörte er ein Rascheln, vielleicht nur noch 10 Meter entfernt. Warum hörte er nur das Rascheln der Blätter und Zweige? Er müsste doch eigentlich auch auf die vielen Äste auf dem Boden treten. Warum hörte er sie nicht knacken?

Hinter ihm lief ein Parallelweg, ungefähr im Abstand von 10 Metern. Vielleicht wollte er dort hin. Er musste nur ruhig und unauffällig bleiben. Dann würde er nicht bemerkt werden. Das letzte Rascheln lag schon gefühlt lange zurück. War er weg? John entspannte sich etwas, lauschte, hörte aber nur sein Atem. Seine Sinne waren weiterhin angespannt. Seine Augen, seine Ohren waren wach wie schon lange nicht mehr. Doch dann erwachte schlagartig ein anderer Sinn. Etwas Unsichtbares in ihm fing an zu vibrieren und schoß Energie in alle peripheren Nerven. John spürte etwas hinter ihm...

 

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Tag der Veröffentlichung: 17.08.2015

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