Cover

Leseprobe

LA Millionaires Club – Hunter

Ava Innings

Widmung

Gewidmet all jenen, die den Mut haben anders zu sein.

»Du selbst zu sein, in einer Welt die dich ständig anders haben will, ist die größte Errungenschaft.«

Ralph Waldo Emerson

Inhalt

1. L.A. Millionaires Club – Hunter

2. L.A. Millionaires Club – Hunter

3. L.A. Millionaires Club – Hunter

4. L.A. Millionaires Club – Hunter

5. L.A. Millionaires Club – Hunter

6. L.A. Millionaires Club – Hunter – Bonusszene 01

7. L.A. Millionaires Club – Hunter – Bonusszene 02

Nachwort

Danksagung

Über die Autorin

Weitere Millionaires-Club-Bände

Weitere Bücher

L.A. Millionaires Club – Chandler

Mad Crush – Strider's Secret

Devon' s Darkness: Verlorenes Herz

1

L.A. Millionaires Club – Hunter

HUNTER

Die Tür fiel hinter Cameron ins Schloss und Hunter sackte auf die Knie. Tränen liefen über seine Wangen und er fühlte sich so elend, wie noch nie zuvor in seinem Leben. Die Leere, die Camerons Abgang hinterlassen hatte, raubte Hunter schier den Atem und die Verzweiflung, die er empfand, drohte, ihn in tausend Stücke zu zerreißen. Der Gedanke, die Liebe seines Lebens für immer verloren zu haben, brachte Hunter regelrecht um den Verstand und er hatte keine Ahnung, wie er diesem Schmerz standhalten und ihn ertragen sollte.

Doch die Würfel waren gefallen. Für Cameron hatte die Familie immer im Vordergrund gestanden. Ehrlichkeit, Loyalität und Verantwortungsbewusstsein waren die Eigenschaften, die Hunter am meisten an Cam schätzte, aber es waren auch die, die er im Moment am meisten hasste. Er konnte nicht glauben, wie weit Cameron aus falsch verstandenem Pflichtgefühl bereit war, zu gehen. Hunter schluchzte laut und voller Verzweiflung auf. Er hatte keine Ahnung, wie er – nun, da er alles verloren hatte, das ihm lieb und teuer war – weitermachen sollte. Cam war sein Gegenstück gewesen. Sie waren wie Tag und Nacht und Hunter hatte keine Ahnung, wie er – stets getrieben von seinen Emotionen – ohne Cams ruhige und besonnene Art die Balance halten sollte.

Etwas mehr als drei Monate später lag Hunter auf dem Rücken in seinem großen Bett. Er befand sich im Master-Bedroom seiner Lodge in Jackson Hole und starrte gedankenverloren an die Decke. Um ihn herum verwandelte sich die Berglandschaft in ein weißes, flauschiges Winterwunderland. Die Gäste, die bereits angekommen waren, machten sich Sorgen um die übrigen, die noch auf dem Weg nach Jackson Hole waren. Der angekündigte Schneesturm ängstigte vor allem jene, die schon erlebt hatten, wie es hier sein konnte. Reagan und Finn, denen Hunter sein Haus über die Weihnachtsfeiertage überlassen hatte, waren ein paar Tage lang eingeschneit gewesen, doch sie hatten zwischenzeitlich in weiser Voraussicht die Vorräte wieder aufgefüllt, sodass einer großen Silvesterfeier mit der ganzen Bande nichts im Wege stand. Der Gedanke an all den Trubel, der ihm durch die Anwesenheit eines Großteils des ›Millionaires Clubʼ bevorstand, entlockte Hunter ein gequältes Stöhnen. Er wollte einfach bloß seine Ruhe haben. Er hasste die mitleidigen Blicke der anderen – allein deshalb hatte er sich direkt in seinem Zimmer verschanzt und wartete nun darauf, dass die Wirkung des Schlafmittels einsetzte, das er vor ein paar Minuten genommen hatte.

Von unten drang lautes Stimmengewirr zu ihm empor. Silvester mit einer Horde frisch verliebter Pärchen zu feiern, war eine Schwachsinnsidee gewesen. Natürlich kam dieser Blödsinn nicht von ihm. Tristan hatte das Ganze mehr oder weniger in die Wege geleitet, weil er der Meinung war, sie hätten sich alle ewig nicht mehr gesehen. Doch Hunter wusste, dass es nur ein Vorwand und sie bloß wegen ihm hier waren.

Seit Noahs Geburtstag vor ein paar Wochen verging kein Tag, an dem nicht mindestens einer seiner Freunde ihn anrief und sich nach seinem Wohlergehen erkundigte. Sie versuchten, ihn unter Kontrolle zu halten. Er wusste, dass er über die Stränge schlug und es übertrieb – zu viel Alkohol und zu viel Sex. Er suchte Halt und war doch haltlos verloren. Hunter zweifelte jedoch daran, dass sie das wahre Ausmaß seines Schmerzes erkannten – sonst hätten sie bereits realisiert, dass die Beherrschung zu verlieren das Beste war, das ihm passieren konnte.

Sie nun alle hierzuhaben, war es jedenfalls bestimmt nicht. Hunter hatte keine Ahnung, wie er all das Anschmachten, die Küsse und liebevollen Zärtlichkeiten, die ihn unentwegt daran erinnerten, was er verloren hatte, ertragen sollte.

Da waren Adam und Lian, Mason und Kim, Finn und Reagan, Chandler und Willow, Tristan und Abby sowie – obwohl sie eigentlich nicht mehr frisch verliebt waren, aber ebenso miteinander herumturtelten wie die übrigen Paare – Ashton und Ivy. Die Singles Lee, Noah, Knox, Dante und er waren hoffnungslos in der Unterzahl, denn gegen diese geballte Verliebtheit war nur schwer anzukommen. Hunter hatte es nicht mal fünf Minuten ertragen und sich direkt nach der Ankunft in sein Zimmer verdrückt.

Nun lag er im Halbdunkel und wartete darauf, dass das Gedankenkarussell in seinem Kopf zum Stillstand kam und er endlich etwas Ruhe fand.

Ein Klopfen an seiner Schlafzimmertür riss Hunter aus seinem Dämmerzustand. »Ja!«, brummte er genervt, denn direkt nach seiner Ankunft hatte Finn, der mit Reagan bereits das Weihnachtsfest hier verbracht hatte, das Gespräch mit ihm gesucht. Ihm war jedoch nun einmal nicht nach Reden zumute. Es gab schließlich nichts, was es zu sagen gab. Niemand von den anderen kannte das Gefühl, nach sechs Jahren von seiner großen Liebe verlassen worden zu sein.

Noah steckte seinen Kopf durch die halb geöffnete Tür herein. »Alles klar, Bro?«

»Sieht es so aus?«, murmelte Hunter matt. Seit mehr als zwölf Wochen war gar nichts mehr in Ordnung. Die Verzweiflung drohte, ihn zu erdrücken. Sie raubte ihm den Atem und das Wissen, dass es völlig egal war, was er tat und dass nichts auf der Welt seinen Zustand bessern würde, brachte ihn beinahe um den Verstand.

»Darf ich reinkommen?« Hunter seufzte, setzte sich auf und schaltete die Nachttischlampe an. Noah verstand es als Einladung und trat ein. Er rückte sich den ledernen Sessel, der in der Nähe des Bettes stand, zurecht und nahm darauf Platz. »Lass uns was machen.«

»Sorry, Bro, aber du bist nicht mein Typ«, grollte Hunter.

»Seit wann?«, fragte Noah gespielt empört und fügte dann hinzu: »Das klang auch schon mal ganz anders.«

»Wann?«

»Im Sommer, als wir Tris mit der Motorradtour überrascht haben und ich den Boss habe raushängen lassen – jedenfalls hast du das damals behauptet.«

»Ja, wenn du bossy bist, dann kannst du schon recht sexy sein«, räumte Hunter schmunzelnd ein.

»Lass uns auf die Piste gehen, oder rüber in den Fitnessraum. Ich boxe sogar mit dir, auch wenn ich jetzt schon weiß, dass ich wieder den Kürzeren ziehen werde.«

»Na ja, solange du nicht mit Finn in den Ring steigst.«

»Ich finde, dass er erstaunlich gut mit der Situation zurechtkommt.«

»Mit was für einer Situation?«, hakte Hunter nach.

»Nichts, schon gut. Was meintest du denn?«

»Na, weil er unser Kampfsport-Ass ist.« Hunter legte den Kopf schief und fragte noch mal: »Was für eine Situation, Noah?«

»Na, weil Reagan und ich doch, als er und sie getrennt waren … du weißt schon.«

»Stimmt, ich erinnere mich dunkel, dass du was mit ihr am Laufen hattest. Und? Wie ist die kleine Reagan, der süße Schneehase, denn so im Bett?« Noah schwieg, doch sein genüsslicher Gesichtsausdruck verriet Hunter alles, was er wissen musste. »Du hättest sie, nachdem du mit ihr fertig warst, an mich weiterreichen müssen, wenn sie so gut war«, warf er Noah vor. »Ich habe dir Sammy damals schließlich auch nicht vorenthalten. Du weißt doch, man muss auch gönnen können.«

»Du bist so ein Idiot«, erwiderte Noah lachend und fügte hinzu: »Lass das besser Finn nicht hören! Der reißt dir den Kopf ab und nur zu deiner Info: Ich war noch lange nicht fertig mit Reagan.«

Hunter sah Noah prüfend an: »Und wie ist es für dich, dass sie wieder mit Finn zusammen ist?« Noah senkte seinen Blick und Hunter ahnte, dass er mit seiner Frage volle Breitseite getroffen hatte. Schiff versenkt! »Sorry, Mann«, murmelte er betreten. Noah zu verletzen, war das Letzte, das er wollte. »Kommst du klar?«

Noah zuckte mit den Schultern. »Ich werde es schon überleben.« Noah war, anders als er selbst, niemand, der sein Herz auf der Zunge trug und Hunter war sich sicher, dass auch keiner der anderen ahnte, was in ihrem Freund vorging. Noah tendierte dazu, viel mit sich selbst auszumachen. Das war auch damals nach dem Tod von Grace, an dem er sich die Schuld gegeben hatte, so gewesen.

»Weiß sie von deinen Gefühlen? Habt ihr darüber gesprochen, oder …«

»Nein!«, entfuhr es Noah entsetzt. »Und ich will mich nicht dazwischen drängen. Was auch immer ich für sie empfinde, es wird mit der Zeit verschwinden. Kein Grund, die Pferde scheu zu machen.« Hunter hob eine Augenbraue und wollte fragen, was genau Noah denn für die hübsche Sängerin empfand, doch dieser brummte: »Ich weiß, zu was Menschen aus Eifersucht fähig sind. Ich will kein Öl ins Feuer gießen.«

»Wir reden hier von Finn«, erinnerte Hunter ihn. »Ich weiß, du denkst an Bobby und Grace, aber …«

»Ja, und ich hielt Bobby für einen netten Kerl, Hunt. Das tat ich, bis er sie vor meinen Augen abknallte und dabei schrie …« Noah verstummte abrupt und schloss die Augen. Doch Hunter wusste, was sich damals zugetragen hatte. Er wusste, dass Bobby geschrien hatte, dass Grace den Tod verdienen würde, weil sie eine Schlampe sei. Hunter schwang seine Beine über die Kante des Bettes und setzte sich Noah gegenüber. Er legte eine Hand auf das Knie seines Freundes, der ihm nun gegenübersaß und immer noch mit seinen Gefühlen rang. Als Noah die Augen wieder öffnete, glitzerten sie feucht. »Finn war ziemlich angepisst, als Reagan an meinem Geburtstag die Bombe platzen ließ.«

»Kannst du ihm das verübeln? Du hast mit seiner Freundin geschlafen, du …«

»Sie waren getrennt, Hunt! Sie war nicht seine Freundin. Sie war frei und …« Er schluckte trocken, legte den Kopf in den Nacken und starrte zur Decke. »Ich konnte ihr nicht widerstehen. Ich wollte sie von der ersten Sekunde an. Sie hat mich vom ersten Augenblick an umgehauen und ich wusste zu dem Zeitpunkt noch nicht, dass Finn eine Rolle in ihrem Leben spielt. Als ich davon erfuhr, habe ich mir vorgenommen, die Finger von ihr zu lassen, doch Pustekuchen … Sie hat es klassisch geschafft, mir den Kopf zu verdrehen. Wenn ich mit ihr zusammen war, dann habe ich mich leicht und sorglos gefühlt – irgendwie frei von allem und ich vermisse dieses Gefühl.«

»Fein, aber was mich interessiert: Wie zur Hölle hat sie dich überhaupt rumbekommen?«, fragte Hunter neugierig. Er kannte Noahs eisernen Willen nur zu gut. Wenn sein Freund sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, dann gab es daran nichts zu rütteln.

Noah senkte erneut seinen Blick. Offensichtlich war ihm die ganze Geschichte ziemlich unangenehm. »Sie war hartnäckig. Ich habe Reagan mehrfach abblitzen lassen, aber sie ließ nicht locker und dann hat sie mich eiskalt erwischt.« Was auch immer Reagan getan hatte, es törnte Noah auch jetzt noch mächtig an – das jedenfalls verriet Hunter die deutlich sichtbare Beule im Schritt seines Freundes. Es war ein verdammter Jammer, dass Noah durch und durch straight war, denn anders als Hunter behauptet hatte, war dieser sehr wohl nach seinem Geschmack. Was wiederum nicht wirklich aussagekräftig war, denn Hunter hatte keinen speziellen Typ Mann, auf den er stand – potenziell käme jeder mit einem schönen Gesicht, einem heißen Body und einem großen Lümmel in der Hose infrage. Hunter konnte sich nicht helfen, er stand nun einmal auf große Schwänze und Noah war ausgesprochen gut bestückt.

»Was hat das kleine Luder getan?«

»Das weißt du nicht und ich verrate es dir auch nicht.«

»Oh, komm schon, Noah, hab dich nicht so. Die Liebe meines Lebens hat mich verlassen und ich bin völlig fertig. Es ist deine verdammte Pflicht als mein bester Freund, mich aufzumuntern. Und zu erfahren, was die süße, kleine Reagan so treibt, würde mich definitiv auf andere Gedanken bringen.«

»Ja, es würde dich verdammt anmachen, nicht wahr?«

»Ach«, winkte Hunter ab, »und wenn schon. Finns Schneehase ist doch ein süßes Ding. Alternativ könntest du mir natürlich einen blasen, wenn du mich aufmuntern willst, aber ich denke, dass das nicht in deinem Interesse wäre, oder?«

Noah seufzte gedehnt und bedachte Hunter mit einem vorwurfsvollen Blick. »Es ist auch nicht in meinem Interesse, Reagans und meine Bettgeschichten mit dir zu teilen«, informierte er ihn. Hunter, der Noahs Vorlieben kannte und genau wusste, wie sein Freund tickte, versuchte, sich ein Szenario vorzustellen, in dem Reagan Noahs Entschluss ins Wanken gebracht hatte, doch obwohl er über viel Fantasie verfügte, war er dazu nicht in der Lage. Noch nie hatte jemand Noah von einem Vorhaben abbringen können. Es war undenkbar, dass einer Neunzehnjährigen gelungen sein sollte, was keiner der Jungs in den letzten zehn Jahren geschafft hatte. »Hunt, hörst du mir zu? Ich werde es dir nicht erzählen.«

»Brauchst du nicht. Ich fantasiere es mir gerade zusammen. Es muss etwas unfassbar Verruchtes gewesen sein. Sie hat dich eiskalt erwischt, sagtest du?«

»Ich sagte, dass du unmöglich bist. Lass den Scheiß! Ich sage gar nichts, sonst starrst du sie die ganze Zeit wie das letzte Einhorn an und …«

»Sie hat dir ihren süßen kleinen Hintern angeboten und du konntest einfach nicht widerstehen? Verständlich, mein Freund, das könnte ich auch nicht. Ich …«

»Hunt! Das hat sie nicht getan. Wir reden hier über Finns Freundin. Du musst sofort damit aufhören, verstanden!«

»Ich höre erst damit auf, wenn ich die Geschichte kenne.« Noah seufzte schicksalsergeben. Er kannte Hunter gut genug, um zu wissen, dass er seine Drohung wahr machen würde.

»Hunter, ich schwöre, wenn diese Story den Raum verlässt, dann sind wir geschiedene Leute.« Er beugte sich dichter zu Hunter heran und erzählte ihm die ganze Geschichte. Trotz seines großen Erfahrungsschatzes fiel es Hunter schwer, sich vorzustellen, was Reagan getan hatte. »Sie ist so scheißjung und sieht so verdammt unschuldig aus«, platzte es aus Hunter heraus.

Noah lachte erneut. »Der Schein trügt. Sie weiß besser als viele andere Frauen, was sie will und sie ist weder klein noch unschuldig oder naiv …«

»… sondern ein total versautes Luder! Hammer! Super, jetzt habe ich auch einen Ständer. Du willst mir nicht doch zufällig zur Hand gehen? Ich für meinen Teil würde dir aushelfen.«

»Geh runter und grab an Lee oder Knox rum«, schlug Noah ihm vor und fügte hinzu: »Ich hätte es dir nicht erzählen dürfen. Ich sehe schon, ich werde das noch hinreichend bereuen.«

»Vielleicht grab ich Reagan an!«, ließ Hunter verlauten. »Ich meine, jetzt, wo ich weiß, dass sie keine Klemme ist wie Vicky.« Er legte den Kopf schief und seufzte leise: »Gott, wie ich Finn beneide!«

»Und ich erst! Aber du, Hunt, du lässt die Finger von ihr! Ist das klar?«, grollte Noah säuerlich. Sein Tonfall ließ keinen Zweifel daran, dass es ihm damit absolut ernst war und Hunter erkannte, dass er übers Ziel hinausgeschossen war.

»Du magst sie echt«, stellte er fest.

»Ob ich sie mag? Ich bin verrückt nach ihr, Hunt! Es ist die Hölle! Ich bin bloß froh, dass ich vorher nichts mit Abby angefangen hatte.« Er seufzte und es klang unfassbar erleichtert. »Dann wäre das Chaos wohl perfekt.«

»Na ja, du konntest dich vielleicht zurückhalten, aber Chandler nicht«, informierte Hunter ihn. »Tris muss ihm ganz schön eine eingeschenkt haben, als er mitbekommen hat, dass unser Chanman die süße Abby gepoppt hat.«

»Echt?«, erkundigte sich Noah verwundert.

»Ja, aber inzwischen haben sich die Wogen geglättet, zumal Chandler sowieso nur Augen für seine Willow hat. Die würde ich im Übrigen ja auch nicht von der Bettkante stoßen«, erklärte Hunter und zwinkerte ihm zu.

»Als ob du jemals jemanden von der Bettkante gestoßen hättest!«, ließ Noah verlauten und fing sich einen schmerzhaften Schlag auf den Oberarm ein.

»Na ja, ich finde sie nun mal extrem heiß. Wobei ich Schwierigkeiten habe, sie und Reagan auseinanderzuhalten. Werde die Mädels wohl noch ein paarmal verwechseln, aber ausgesprochen scharf sind sie beide.«

»Kann es sein, dass du im Moment etwas undersexed bist?«

»Machst du Witze? Ich habe in den vergangenen Wochen so viel gefickt wie noch nie in meinem Leben.«

Noah plusterte die Backen auf und atmete dann gedehnt aus. »Okay, das ist krass«, brummte er. »Schätze, dass er dir dann bald abfault.«

»Hey, ich bin kein Idiot. Ich nehme immer einen Gummi«, protestierte Hunter.

»So war`s auch nicht gemeint, sondern wegen des übermäßigen Gebrauchs, Bro! Schließlich weiß ich, wie du sonst drauf bist und wenn du das im Moment noch toppst, dann … Keine Ahnung, aber irgendwann braucht der kleine Hunter doch auch mal eine Pause.«

Hunter lachte. »Seit wann denkst du über meinen Schwanz nach und abgesehen davon: Du kennst mich schon wie lange? Du weißt, dass ich den ganzen Tag nur vögeln könnte.«

»Nennt man gemeinhin sexsüchtig, Hunt!«

»Ach, komm schon, Noah, spiel hier nicht den Moralapostel. Schließlich bist du auch kein Kind von Traurigkeit. Wir müssen uns wohl oder übel damit abfinden, dass wir in diesem Verein die Bad Boys sind.«

Noah schnaubte. »Entschuldige, aber ich bin doch kein Bad Boy.«

»Silvester vor drei Jahren? Sammy, Cameron und wir beide!« Allein, wenn Hunter an diese wilden Tage dachte, wurde er hart.

»Ist auch schon eine Weile her. Die Zeiten ändern sich.«

Hunter schnalzte abfällig mit der Zunge. »Die Zeiten mögen sich ändern, aber die Menschen nicht.«

»Ich will dir nicht zu nahe treten, mein Freund, aber du hast dich in den letzten Wochen ganz sicher verändert und zwar nicht zum Positiven. Der alte Hunt fehlt mir!«

Ein Stoßseufzer seitens Hunter folgte, denn er wusste insgeheim, dass Noah recht hatte, doch den alten Hunter gab es nur zusammen mit Cameron. »Bitte erspar mir diese verweichlichten Gefühlsduseleien. Ich fange mich schon wieder. Schließlich bleibt mir auch kaum was anderes übrig, denn Cam heiratet in Kürze.«

Noah starrte ihn geschockt an. »Fuck! Wann?«

»Noch im Januar, um genau zu sein, wenn wir in Vegas sind. Vegas steht doch noch, oder?«

»Klar, ich bin dabei. Ich freue mich schon drauf. Aber warum hat Cam es mit dem Heiraten auf einmal so eilig? Ist da was unterwegs?«

Hunter schüttelte den Kopf, um diesen absurden Gedanken loszuwerden. Cam hatte nie Kinder gewollt, aber … Nun ja, es gab einen Haufen anderer Dinge, die Cam auch nicht gewollt hatte und nun war alles anders. »Keine Ahnung. Ich habe es über drei Ecken erfahren. Cams verrückte Tante Lilly, das schwarze Schaf der Familie Osborn, liebt mich über alles und sie meint, sie müsse mich auf dem Laufenden halten.«

»Wirst du die Hochzeit torpedieren?«

»Nein! Cam hat sich entschieden, damit müssen wir beide leben.«

»Kenne ich«, murmelte Noah niedergeschlagen. »Und jetzt ist sie da unten und wackelt mit ihrem süßen kleinen Hintern vor meiner Nase rum …«

»Hast du ihn gehabt? Den süßen kleinen Hintern?«

»Hat dir schon mal jemand gesagt, dass du unmöglich bist, Hunt?«

»Ich stehe nun mal auf Analverkehr!«

»Kennst du einen Mann, der das nicht tut?«

»Okay, ich werte das als ein ›Ja!‹.« Noah boxte ihn auf den Oberarm. »Uuuuh, Testosteron bei der Arbeit. Sexy, Noah! Da geht wohl der Beschützerinstinkt mit dir durch, was?«

»Hunt, sie ist Finns Freundin!«

»Das weiß ich! Und?«

»Benimm dich!«

»Genau, Bro, sie ist Finns Freundin, aber vielleicht teilt er sie mit dir.«

Noah lachte lauthals auf. Es war ein spöttischer Laut. »Eher friert die Hölle zu! Er ist nicht du! So etwas würde er niemals machen und Reagan ist nicht wie Sammy oder …«

»Schon klar!«

»Kein Wort zu Finn darüber! Verstanden?«

»Was sollte ich auch sagen? Noah bekommt Stielaugen, wenn er deine Freundin anschaut und denkt unentwegt daran, sie zu knallen?« Noah stieß erneut gedehnt die Luft aus. Es war ein gequälter Laut, der Hunter daran erinnerte, dass auch die scheinbar endlose Geduld von Noah irgendwann ein Ende hatte und es vielleicht an der Zeit war, einfach mal den Mund zu halten. »Komm schon, daran denkst du doch die ganze Zeit, oder?«, hakte er dennoch nach – er wäre nicht er, wenn er es nicht getan hätte. Noah erwiderte nichts, doch Hunter wusste, dass er erneut ins Schwarze getroffen hatte. »Wenn sie meine Freundin wäre, würde ich sie mit dir teilen.«

»Du bist zu großzügig«, murrte Noah kopfschüttelnd.

»Ich weiß, aber möglicherweise sollten wir das machen. Vielleicht sollten wir losziehen und uns eine suchen, mit der wir beide Spaß haben können, so wie damals … mmh?« Noah schluckte hart. »Der Gedanke allein macht dich doch total geil, oder?«

»Du kannst nicht zurückholen, was wir damals hatten.«

»Ich weiß, Noah. Niemand weiß das besser als ich, aber das mit Cam ist Geschichte und ich muss lernen, loszulassen.«

»Aber wie bekloppt rumvögeln, hilft auch nur begrenzt«, verkündete Noah.

»Das behauptest du, aber wissenschaftlich erwiesen ist das nicht«, konterte Hunter.

»Hat dir schon mal jemand gesagt, dass du unmöglich bist?«, ließ Noah ihn wissen.

»Nein! Noch nie!«

»Werd endlich erwachsen.«

»Fuck! Ich hoffe, ich werde nie erwachsen. Ich habe gehört, dass man dann keinen Spaß mehr im Leben haben darf.«

»Apropos Spaß, ich habe Sammy neulich getroffen und soll dich lieb grüßen.« Hunter richtete sich auf und warf Noah einen fragenden Blick zu. »Willow ist bei ›Nauti Gal‹ unter Vertrag. Sie ist Surferin, weißt du? Und Chandler hat in das Unternehmen investiert. Der Vertragskram blieb an mir hängen.«

»Scheiße, die Welt ist echt klein! Und wie geht es Sammy? Hat sie dich in ihr Höschen gelassen?« Noah öffnete den Mund und wollte etwas erwidern. »Nein, warte, lass mich raten. Ich bin unmöglich, richtig?« Hunters Freund nickte. »Und? Hast du sie

Impressum

Verlag: BookRix GmbH & Co. KG

Texte: Ava Innings / Violet Truelove
Bildmaterialien: alle Bilder Shutterstock (Color Symphony, brichuas, kiuikson)
Cover: Truelove Coverdesign
Lektorat/Korrektorat: Lektorat: Martina Suhr, Korrektorat: Anja Hapka und Sabine Wagner
Satz: Truelove Coverdesign
Tag der Veröffentlichung: 15.02.2019
ISBN: 978-3-7438-9677-2

Alle Rechte vorbehalten

Widmung:
Gewidmet all jenen, die den Mut haben anders zu sein. »Du selbst zu sein, in einer Welt die dich ständig anders haben will, ist die größte Errungenschaft.« Ralph Waldo Emerson

Nächste Seite
Seite 1 /