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Limoux


Aylin wartete auf seine Anweisungen. Er hatte ihr gesagt sie solle sich für den Abend bereit halten.

Roger war für ihre äußeren Reize sehr empfänglich, Aylin wusste es.


Er nannte sie seine »Orangenblüte« und er meinte damit die Blüte ihres Körpers, ihrer Jugend, ihrer Unschuld aber auch ihre ganz eigenen Gefühle, die sich in ihren Augen spiegelten, wie er es immer ausdrückte.


Heute war der Tag diese zu verlieren, aber zugleich auch für imemr zu bewahren.


Sie spürte einen kleinen Stich der Trauer, bei diesem Gedanken, doch ihr Körper glühte unter dem hauchdünnen Stoff der ihn nur unzureichend bedeckte, während sie auf nackten Füßen über den kalten marmornen Gang lief.

Sie war bereit.

Dabei folgte sie genau seinen Anweisungen und erbebte dabei vor Lust an ihrer Rolle als seine Sklavin.

Velia schob sie voran.
Sie zitterte bei der Berührung durch sie.


Rogers Dienerin war vollkommen nackt und trug nur die übliche Maske über den Augen.

Sie war streng wie gewohnt.



Roger hatte sich viel Zeit gelassen, doch jetzt endlich sollte sie in die Gesellschaft eingeführt werden, jetzt wo sie bereit war eine Frau zu werden.

Ihr langes rotblondes Haar lag ihr offen über den Schultern, während ihr Schamhaar sorgfältig entfernt worden war.
Die Fessel an ihren Fuß- und Handgelenken klirrten leicht bei jedem Schritt und sie empfand ihre Hilflosigkeit, ihr ausgeliefert sein, dem was dort im großen Saal auf sie wartete noch intensiver, noch drängender.

Sie erbebte am ganzen Körper und hielt einen kurzen Augenblick inne.
Doch schon spürte sie ein leichtes schmerzhaftes ziehen zwischen den Schenkeln. Velia war noch hinter ihr, sie hatte sie völlig vergessen gehabt.

Zurecht hatte sie, sie bestraft für ihr Zögern.
Ihre Hintern brannten schon von der nur sachten Berührung des Zauberstabes.

Es viel kein Wort, das war auch nicht nötig, Aylin wusste um ihre Fehlbarkeit und Velia wusste, das auch sie die Strafe ereilen würde, wäre sie nicht streng genug.

Als die Tür sich öffnete in den hell beleuchteten Saal, nahm Aylin zunächst nur das Gewitter war, das sich laut und elektrisierend durch die plötzliche Stille im Raum, an den hohen Fenstern abzeichnete.

Sie hob den Blick und war stolz, das nun alle Aufmerksamkeit ihr galt, ihrem Erscheinen, ihrer Vorführung.

Sie erbebte vor Lust die mit einem Brickeln und Ziehen ihren ganzen Körper überzog und die Spitzen ihrer Brüste sich erwartungsvoll aufrichteten.

Unter dem durchsichtigen Stoff gut zu sehen für alle Anwesenden.
Sie stand da, wie eine wilde Stute vor der Zähmung und alle Blicke der ebenfalls maskierten Männer und Frauen waren auf sie gerichtet.

Velia trat hinter ihr vor und bestieg zuerst die Empore, vor welcher die Zuschauer im Halbkreis standen und beugte unter Rogers strengem Blick demütig das Haupt.

Velia musste niederknien, zwei Herren in Anzügen traten zu ihr. Einer zog ihren Kopf herab auf Rogers nackte Füße. Velia küsste sie und ein weiter Schauer der Lust und Freude durchströmte Aylin. Die Erniedrigung ihrer strengen Zuchtmeisterin machte sie glücklich.

Roger nickt nun Aylin aufmunternd zu.

Sie trat hinter Ann, fasste sie am Haarschopf und beugte sich zu ihr hinunter. Einen Augenblicke trafen sich die Blicke der beiden Frauen, dann biss Aylin ihr in die devoten Lippen. Blut lief über Velias Kinn herab. Aylin tauschte ein befriedigtes Lächeln mit dem Publikum. Zum ersten Mal, war sie es, die, die triumphierte.

Roger hob die Hand.

Sie trat zurück, einen Moment nur über sich selbst erschrocken.

Jetzt war ihre Stunde gekommen. Ihr Blick fiel auf den auf der Bühne stehenden Stuhl. Sie lächelte. Es war ihre Prüfung und der Abend noch lang.

Ihre Schreie ihrer Lust hallten durch das ganze Schloss im Wettstreit mit dem vor den Fenstern tobenden Unwetter.

Schweiß nass wachte Aylin auf.

Die Diener hatten ihren Koffer schon gepackt.

 

 

Die Schöne selbst

Damals als ich sie kennen lernte, als sie am Straßenrand in mein Auto stieg liebte ich sie nicht sofort, obwohl ihr mädchenhafter Übermut und ihre betörende Schönheit mir angenehm erschien.

Aber ihre phantastische Geschichte befremdete mich einfach zu sehr, ich misstraute ihr und das lag wohl auch daran, das ich Ausländer war und zu jener Zeit noch nicht lange genug in Frankreich gelebt hatte um in den Gesichtern der Franzosen lesen zu können, erst recht nicht in denen der Französinnen.

Kann ich es heute, ich wage es nicht zu behaupten. Doch hätte ich damals bereits gewusst, was ich heute weiß, vor allem über die Liebe, dann hätten sich unsere Wege vielleicht nicht sofort wieder getrennt und das Schicksal wäre vielleicht anders verlaufen.

Jedenfalls war das Einzige was ich von dieser ersten Begegnung für mich behielt, jener Name, der für immer der ihr bleiben sollte: »Orangenblüte« Sie war etwas ganz besonderes, das spürte ich sofort.

Ein Juwel unter den Frauen und Mädchen die ich bis dahin kennen gelernt hatte und doch verspürte ich auch in ihren Worten und Gesten, dass sie ein Opfer war.

Das es Dinge gab im tiefen Schatten ihrer Seele, die ihr Leben geprägt hatten und sie zu einer gespaltenen Persönlichkeit formten. Beide, das muss ich hier vorausschicken lernte ich später in meiner Sehnsucht und Suche danach zu lieben. Niemals wieder sollte ich eine solche Frau treffen. Wir verstanden uns sofort und auf der langen Fahrt nach Paris, sah ich sie schnell lächeln und schließlich auch über meine gröbsten Scherze lachen.

Dabei strahlte sie eine solche Wärme und Zärtlichkeit aus, die man selten als völlig Fremder entgegengebracht bekommt. Sie war einfach bezaubernd.

Als wir in Amiens anhielten um nur kurz einen Cognac zu trinken, blieben wir hängen und aßen schließlich opulent zu Abend und gingen danach miteinander wie selbstverständlich ins Bett. Sie war wie eine Göttin. Ihre Finger verwöhnten meinen Körper bis in die letzte Haarwurzel und sie gab sich offen hin wie ein einziger Vulkan der Lust, der mich als Ganzes verschlang.

Ihre weichen Lippen zauberten Gefühle und Worte der Zärtlichkeit zugleich, ihre fordernden Blicke und kräftigen Fäuste zwangen mich alle Hemmungen und Ängste zu überwinden. Sie war eine Frau, die wusste wie ein Mann zu befriedigen war und wusste wie sie selbst befriedigt werden wollte und sie wusste es zu verwirklichen.

Es war unglaublich und ein reines Glück auch am Morgen danach. Sie gab mir keineswegs das Gefühl, die Situation ausgenutzt zu haben, nein, sie strahlte ehrliche Zuneigung aus. Natürlich liebte sie mich wie einen väterlichen Freund, denn sie hätte meine Tochter sein können und einen Teil der Erregung, die ich bei dem Beischlaf mit ihr empfunden hatte, ging auf dieses Konto. Aber all dieser gesellschaftliche Druck zum Schuldgefühl war dabei nicht vorhanden, weil sie es wollte. Beim Kaffee erzählte sie mir ihre Geschichte und ich bot ihr sofort an, ein Buch darüber zu schreiben, doch sie lehnte dankend ab, was ich zähneknirschend akzeptieren musste.

Ich gebe zu, dass mich ihr Martyrium einerseits erregte, andererseits auch entsetzte, aber mehr noch war ich verwundert darüber, dass es einen Menschen geben konnte, der an einem solchen Schicksal nicht zerbrach. Aber je mehr wir uns kennen lernten, je mehr ich sie beobachtete, desto deutlicher wurde mir, dass sie einen Charakter hatte, der ungeheure Kraft und Willensstärke ausstrahlte und ich merkte schnell, sie war nicht nur betörend schön, sondern auch klug und vor allem selbstbewusst.

Sie liebte mich wirklich, so muss man es ausdrücken, noch drei mal, bis wir Paris erreichten, dann sah ich sie nie wieder, doch in meinem Buch „Die Schöne Selbst“, welches Jahre später erscheinen sollte war natürlich sie das Vorbild für meine wundersame Heldin. Hier hielt ich ihr gegenüber nicht Wort, denn ich musste ihr einfach ein Denkmal setzten. Als dann die Meldung in der Zeitung kam, wusste ich sofort, das sie es war. 

Paris

Aylin trauerte über ihre vergangenes Sein und sie fühlte sich der Realität des Lebens entgegen gespült.

Als sie Schloss Limoux verließ, war es als würde ihr das Leben aus der Brust gerissen.

Sie liebte so sehr die sie umgebenden Dinge, sie liebte die Menschen im Schloss, sie liebte die Gefühle, die sie in ihren jungen Jahren hier empfunden und erfahren hatte.

Auch die Schmerzen. Sicher war sie eine Gefangene gewesen, doch sie war auch Rogers Schülerin und Geliebte.

Sicher hatte er ihr die Freiheit genommen, doch er hatte sie zu nichts gezwungen, was sie nicht selbst wollte.

Als sie sich schließlich entschlossen hatte zu gehen, war er aus ihrem Weg geschritten und hatte ihre Entscheidung akzeptiert.

Er bat sie sogar um Verzeihung für all die Schmerzen die sie auch mit sich nach Draußen tragen würde, wie er sich ausdrückte. „Die Seele ist ein Tor ins Nirgendwo“, das waren seine letzten Worte zu ihr gewesen und er hatte geschmunzelt.

Als sie einen Tag später einsam an der Landstraße stand und auf eine Mitfahrgelegenheit in ihr neues Leben wartete, ahnte sie bereits um die Weisheit dieser Worte.

Paris lag ihr monatelang zu Füßen, ihr Konterfei zierte die Plakatsäule der Hauptstadt und auch der Provinz. Sie genoss den Erfolg, doch blieb sie unnahbar, für die auf Äußerlichkeit fixierten Maßen. Rasch erkannte sie, die hüllenlose Wertlosigkeit der Gesellschaft, die sich besonders dort dem offenen Auge entzaubert, wo sie scheinbar am erfolgreichsten ist.

Sie begegnete schnell ungeschminktem Ehrgeiz und gnadenloser Brutalität auf der Spur des gesellschaftlichen Erfolgs.

Sie sah wie viele Mädchen daran zu Grunde gingen. Sie spürte, wie auch an ihr diese Gewalt zerrte und sie in einen Abgrund zu reißen drohte.

Doch sie wusste wie man widerstand und darum blieb sie einsam. Und diese Einsamkeit war das einzige Leiden, das sie nicht kannte.

Es gab keinen Menschen mehr in ihrer Nähe, der sie verstand. Es gab kein Gefühl mehr in dem sie sich geborgen fühlte.

Letztlich begriff sie, das Roger es war, der sie getötet hatte, denn er lehrte sie eine sich selbst opfernde, schonungslose Liebe, die nicht existierte in der Welt sonder nur hinter verschlossenen Mauern. Es gab sie nicht, diese völlige Hingabe, diese selbstlose Suche nach der Erfüllung des Anderen.

Hier in der Wirklichkeit war sich nur jeder selbst der Nächste.

Hier gab es nur Einsamkeit, die grausamste Form von Gewalt. Aber ohne diese Liebe und ohne den Schauer der Lust, wollte sie nicht sein. In einer solch kalten Welt wollte sie nicht leben.

Einmal noch fuhr sie nach Limoux um danach zu suchen, doch die Zeit war gnadenlos, sie fand nichts mehr davon. Das Schloss war abgebrannt und niemand wusste wo Roger verblieben war.

Alle Erinnerung war fort. Als wäre ihr Leben zuvor nur Phantasie nur gespenstische Einbildung oder eine Traum gewesen.

Traurig kehrte sie zurück nach Paris, doch nur die Sein erfuhr davon an diesem Tag...

© Alle Texte und Ideen sind geistiges Eigentum von Ludger Christian Albrecht

Impressum

Tag der Veröffentlichung: 09.09.2010

Alle Rechte vorbehalten

Widmung:
...jenen die die Wahrheit fühlen.

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